Beiträge von Lukosamurai

    Wie, du kannst mit Religion nichts anfangen? Dachte du stehst auf Fantasy. :tada::tomato:


    Herzlich willkommen jedenfalls. ;)


    Bin ebenfalls Saltatio-Fan und vielleicht sieht man sich mal auf dem MPS! (Bin dieses Jahr in Köln) :D


    Es grüßt
    Luko

    Hey @DerLichtbringer!


    Starker Prolog. :) Weckt viele interessante Fragen und ist dramaturgisch und stilistisch in Ordnung. Ein paar Anmerkungen:


    Die ersten Zeilen am Beginn vermitteln Stimmung und geben lassen eine vage Ahnung von der Welt und deren Machtverhältnisse zu, insofern sind sie auch gelungen.
    Bloß "Sephiron Prime" - gefällt mir irgendwie nicht. Ich musste irgendwie an Transformers/Japan Pop denken... ^^ Würde "Erzsephiron", "Erster Sephiron", "Primarch" oder dergleichen - jedenfalls irgendetwas ohne den Anglizismus "Prime" - bevorzugen. Aber musst du letztlich wissen, ist ja vielleicht auch beabsichtigt. :)


    Todesangst erfüllte den Sephirin.

    Sehr guter Einstieg. Später fragt man sich jedoch, ob Todesangst bei Sephirin nicht eigentlich ungewöhnlich sein sollte (Sie scheinen mächtige Wesen zu sein). Wie fändest du "Todesangst erfüllt den Sephirin. Es war ein ungewohntes Gefühl, doch an seiner Natur bestand kein Zweifel: Jede Faser seines Körpers zitterte - trotz der dicken Stoffkutte, in die er gehüllt war."?


    Er musste weiter rennen, denn wenn sie ihn eingeholt hatten, war sein Leben verwirkt.

    "denn wenn sie ihn einholten" wäre hier irgendwie weniger holprig zu lesen.


    Für den Moment aber nahm er seine Kraft zusammen und sah seine Haut unter der dicken Kutte aufleuchten.

    Ich dachte erst, es ist die Haut seiner Augenlider gemeint, die noch geschlossen sind und die infolge von Lichteinstrahlung von Außen aufleuchten. Erst jetzt kommt mir die Idee, das vermutlich sein Körper gemeint ist, der selbst durch die dicke Kutte leuchtet und der Sephirin an sich herabschaut. Du könntest hier vielleicht noch hineinbringen, dass sein Körper vor Energie(?) aufleuchtet. Verben wie "sah", "erkannte", "hörte" sollten nur eingesetzt werden, wenn es unerlässlich ist. Das fällt mir selbst unglaublich schwer, lohnt sich aber, einzuüben. Grund: Es stört die Unmittelbarkeit der Leserperspektive (falls das Sinn ergibt :D). Vorschlag: "Für den Moment aber nahm er seine Kraft zusammen. Als sie seine Glieder erfüllte, leuchtete sein Körper auf und warf sogar durch die dicke Kutte einen verschwommenen Schimmer auf die Wände ."


    knieten vor einem wie ihm

    Einfach "knieten vor ihm". Dass es um Sephirin generell geht, wird auch aus dem Kontext klar. :)


    Sie waren es, wovor er wirkliche Angst haben musste, das spürte er sofort.

    Der Leser spürt es auch, starker Satz. :D Persönlich würde mir "Sie waren es wohl, wovor er wirkliche Angst haben musste." unter Weglassung des Spüren-Teils mehr gefallen, aber das ist jetzt wirklich ein Grenzfall.


    Eine hämische Stimme legte sich auf ihn, als er vor sich plötzlich eine in Schatten gehüllte Gestalt stehen sah.

    Eine Stimme legte sich "auf" ihn? Scheint ja geradezu ein physikalisches Gewicht zu besitzen, diese Stimme. ^^" Scheint mir nicht so passend, ist aber wohl Geschmackssache.
    Wieder mein Vorschlag mit der Unmittelbarkeit (Ohne Wahrnehmungsverben): "Eine hämische Stimme legte sich über ihn, als sich vor ihm plötzlich eine in Schatten gehüllte Gestalt abzeichnete."


    Das Gleiche hier:

    Er brüllte auf, spürte lähmenden Schmerz seinen ganzen Körper hinabjagen und ergriff zwei, mit grauer Haut überzogene, dünne Arme.

    "Er brüllte auf, als lähmender Schmerz seinen ganzen Körper hinabjagte und ergriff zwei dünne, mit grauer Haut überzogene Arme."




    So ... Insgesamt sind das nur Kleinigkeiten und größtenteils Geschmacksfragen, die meinem Lesevergnügen jedenfalls nicht geschadet haben.
    Hab mal ein Abo gesetzt - bin gespannt auf mehr. :)


    LG
    Luko

    Guten Morgen @Alcarinque :)

    Zitat von Alcarinque

    Dem würde ich mal klar widersprechen, Weltenaspekte die nicht Handlungsrelevant sind und sich nicht im Laufe der Geschichte von selbst ergeben, gehören nicht direkt in eine Geschichte. Das immer wieder durchscheint das die Welt mehr Komplexität hat als man sofort um die Ohren gehauen bekommt, gibt der Geschichte und der Welt viel mehr Tiefe.

    Dem stimme ich natürlich grundsätzlich zu. Ich meinte auch eher, es - wie du sagst - durchscheinen zu lassen bzw. in die Handlung einzubinden, als auffälliges Infodumping zu betreiben.
    Welteninfos sind also 1. eine Frage des Maßes und 2. eine Frage der Technik. (In quasi-handlungsrelevanten Dialogen, Protaperspektivischen Beschreibungen etc. Konkreter: z.B. zwecks Charakterisierungen o.ä. Noch konkreter z.B.: Eine kulturell entsprungene Redensart, die verwendet wird wie etwa „Bei den Sieben Türmen von Murin!“ oder Rassismus/Speziezismus in der Welt z.B. „Ts, Für einen aus Nordmar bist du aber ganz schön empfindlich“) Das sind letztlich auch Geschmacksfragen, wobei manche sagen, es genüge ein vager Zusammenhang mit der Handlung/Charakterisierung, wenn dafür die Info wenigstens interessant und gut(unauffällig/nicht-störend) eingearbeitet ist, wohingegen andere eine entscheidende Handlungsrelevanz verlangen, dagegen aber nicht so streng bei der Einarbeitung sind.


    Edit: Übrigens, hast du „Der Herr der Ringe“ gelesen? Die „Infodumps“ dort fand ich eher faszinierend, wobei ich auch absoluter Fan Tolkiens bin. :D


    Zitat von Alcarinque

    Wie "ergaben" sich diese denn? Das klingt ein bisschen nach sodomistischen Praktiken.

    Das interessiert mich allerdings auch. ^^


    LG Luko

    Hey Du! ;)


    Als jemand, der mit der Geschichte Aydrons schon einigermaßen vertraut ist, bin ich dennoch überrumpelt, wie viel Tiefe der Welt schon nach diesem kurzen Abriss von dir zugrunde liegt. Vieles davon fasziniert mich sehr - zum Beispiel die Ritualisten, die Halbmenschen und die Geschichte der Magie. Auf jeden Fall ein geeigneter Rahmen für gute Fantasy! ;) Du musst dich definitiv nicht scheuen, Aspekte der Welt in der Geschichte Aydron zu erklären - selbst, wenn es nicht unmittelbar mit der Handlung zu tun hat, denn es lohnt sich!


    LG
    Luko

    @aval.b.bado


    Weiter geht es...


    12 - Prinzenehre


    Hinter ihnen waren drei dunkle Schemen aufgetaucht. Drei Reiter, die allmählich in einen Galopp verfielen. In etwa hundert Herzschlägen würden sie sie einholen. Sie konnten es also vielleicht noch gerade bis zum Waldrand schaffen.


    Taoreth verdrängte den panischen Wunsch, Telzion zurück zu lassen um mit Gwerion wegzulaufen, und packte die Holzkarre. Mit aller verbleibenden Kraft schob er, dank Gwerion – der schob mit schmerzverzerrtem Gesicht mit – konnte er sogar rennen. Das Aufschlagen der Hufe auf Pflasterstein war nun deutlich hörbar, viel lauter als das Keuchen Gwerions und fast so laut wie das nur sporadisch unterdrückte, zungenlose Kreischen Telzions. Ein Schaben kündete davon, wie ein Schwert aus der Scheide gezogen wurde.


    Plötzlich endete die Straße, als der umgebaute Ochsenpflug über den letzten Pflasterstein knatterte. Taoreth verlor das Gleichgewicht und stürzte zur Seite, kam jedoch relativ weich auf moosigem Boden auf – Waldboden. Neben sich hörte er Telzion gotteslästerlich zischen. Der Magier war aus seinem Gefährt gestürzt. Die Riemen, mit denen er festgebunden gewesen war, mussten gerissen sein. Der alte Mann bemühte sich um eine aufrechte Position, wozu ihm jedoch seine Bauchmuskeln offenbar nicht gereichten. Immerhin schaffte er es, sich auf den Rücken zu drehen. Gwerion, der als einziger stand, hatte mit seiner Linken eines der Templerschwerter hervorgeholt und hielt es drohend über seinem Kopf.


    Die Bäume um sie herum wirkten riesenhaft. Die turmdicken, tief gerillten Stämme standen relativ weit auseinander; deren Kronen, in denen Glühwürmchen zu tanzen schienen, waren wundersamerweise voller Blätter und begannen erst weit über ihren Köpfen. Auf dem Waldboden wuchsen dazu dichtes, blumengesprenkeltes Gras bis zu den Knien sowie einige, verstreute Büsche und dünnere Bäumchen. Auch, wenn dieser widersprüchliche Ort daher keinen wesentlichen Geländevorteil gegenüber berittenen Verfolgern barg, fühlte sich Taoreth etwas wohler in ihm als auf offenem Gelände.


    Auch ihre Verfolger schienen zu zögern. Sie waren nur noch einen kurzen Steinwurf entfernt und hatten angehalten. Zwei der drei Reiter waren in der bekannten Templertracht gekleidet, der Mittlere jedoch war vollständig in Metall gedeckt. Die Plattenrüstung schien seinen Körper vollständig zu umschließen und ließ bloß zwei dünne Sehschlitze im Visier des rotgefiederten Vollhelms offen. Auf der Brustplatte war eine stilisierte, goldene Sonne imprägniert. Zwar hatte Taoreth ein paar Jahre bei einem der begabtesten Schmiede Himmelsteins gearbeitet, doch so eine Rüstung hatte er noch nie gesehen. Selbst das Pferd war in Kettengeflecht gepanzert – Kopf und Brust waren gar mit Platten versehen.


    Der gepanzerte Krieger hatte sein Schwert gezogen – eine lange Klinge, die gewiss auch zweihändig geführt werden konnte. Überraschend gelenkig sprang er aus dem Sattel, wobei seine Rüstung schepperte, doch es klang wie das hohe Rascheln dünner Blätter. Seine beiden Begleiter taten es ihm nach. Erst jetzt offenbarte sich seine Größe: Der Gepanzerte war ein Hüne – er überragte seine Gefolgsleute um mehr als einen Kopf.


    Einen Moment standen ihre Verfolger nur dort, das Mondlicht mit ihrem Metall in Taoreths Richtung funkelnd reflektierend. Einige Glühwürmchen näherten sich neugierig dem Trio, wurden jedoch schnell von Schwertern verscheucht. Dann machte der Gepanzerte einen klirrenden Schritt nach vorne. Den nächsten Schritt taten alle drei synchron, sie verfielen in Marsch. Endlich schaffte Taoreth, sich aufzurichten, was angesichts seiner erschöpften Muskeln schon einen Kraftakt darstellte. Er zog nun ebenfalls ein Schwert aus der gekenterten Kutsche und positionierte sich gemeinsam mit Gwerion vor Telzion.


    „Ich liebe dich, Taoreth“, flüsterte der Dunkelhaarige plötzlich, jedoch ohne eine Gelegenheit zur Antwort zu geben. „Ich fordere ein Duell!“, schrie er die Templer an. „Besiegt mich und schwört bei Isgaad, uns ansonsten in Ruhe zu lassen.“


    Ohne den Marsch zu unterbrechen oder ein Wort zu sagen, streckte der Gepanzerte seinen Schwertarm nach vorne. Der rechts flankierende Templer brach daraufhin aus der Formation und rannte auf Gwerion zu, der ebenfalls loslief.


    „Nicht!“, schrie Taoreth, doch der Dunkelhaarige hieb mit seinem Schwert schon von oben auf den Templer, der jedoch mit Leichtigkeit die Klinge mit seinem Schwert auffing, gleichzeitig einen Seitschritt nach rechts vollführte und über Gwerions Klinge diesem mitten in den Bauch stach. Mit einem Schritt nach vorne spießte der Templer den Jungen geradezu auf und befreite seine Klinge danach mit einem Tritt, der Gwerion regungslos im Waldboden liegen ließ.


    „Gwerion …“, Taoreths Stimme war ein gebrochenes, unhörbares Flüstern, Tränen rannen ihm übers Gesicht, „Ich liebe dich auch.“


    Hinter dem Visier erklang ein schallendes, helles Lachen: „Bald wirst du deine Großmutter wiedersehen, Elben-Abschaum – im ewigen Feuer!“


    Er wusste also, dass er ihr Enkel war! Nicht, dass das jetzt noch wichtig war. Der Gepanzerte stand nun direkt vor ihm. Taoreth führte mit der Kraft der Verzweiflung einen Schwertstreich gegen dessen Kopf, traf sogar. Doch der Helm selbst erlitt nur einen Kratzer und war darüber hinaus offenbar mit der Brustplatte verschraubt, sodass auch die Wucht des Schlages sich kaum auswirkte. Mit einem kraftvollen Armschwung warf der Hüne Taoreth zur Seite und entwaffnete ihn gleichzeitig.


    Neugierig wendete er die erbeutete Klinge in seiner gepanzerten Linken. „Dieses Schwert gehörte Ellea, der Ruhmreichen. Ihren Titel hat sie sich gegen zahlreiche Feinde meiner Herrschaft verdient. Außerdem hatte sie einen erlesenen Geschmack, was Gaukler und Weine angeht. Sie bereitete mir immer viel Vergnügen.“ Taoreth erahnte ein melancholisches Lächeln hinter dem Visier des Gepanzerten, als dieser das Schwert dem Templer zu seiner Linken überreichte. Der fixierte Taoreth daraufhin bedrohlich. Derweil blickte der Hüne auf Telzion herab, der bloß trotzig zurückstarrte. „Da sie nun nichtmehr lebt, werdet ihr zwei mir von nun an Vergnügen bereiten. Natürlich wird es das für euch nicht – obwohl, wer weiß. Oh, Magier – du wirst mir zudem als Forschungsobjekt dienen. Freust du dich nicht, der Wissenschaft förderlich zu sein? Das ist doch eines der hohen Ziele von euch Magiern – das Wissen der Menschen zu erweitern.“ Er lachte erneut kraftvoll und höhnisch. „Immerhin wissen wir nun, dass meine Alchemisten doch nicht gelogen haben und das Magiergift wirkt. Tragisch für sie, dass ich es erst jetzt erfahre. Naja, wie auch immer: Ein weiterer Sieg für Isgaad!“


    Taoreth wollte sich aufrichten, um gegen diese – aus seiner Sicht – absurde Gotteslästerung zu protestieren, wurde jedoch von einem Templerstiefel niedergetreten. Als er sich wieder bewegen wollte, hielt ihn ein übermächtiger Schmerz im Brustbereich davon ab. Im Augenwinkel nahm er einen goldenen Schimmer wahr – vermutlich einen Schwarm Glühwürmer. Es sammelten sich immer mehr golden-leuchtende Punkte um den Schauplatz, sodass er taghell erleuchtet war.


    „Mein Prinz, wir sollten uns beeilen, die beiden zu den Pferden zu bringen. Das ist eindeutig Elbenmagie.“


    „Was scheren mich ein paar leuchtende Insekten. Die werden vermutlich von dem Blutgeruch angezogen.“


    Vielleicht hatte der „Prinz“ recht, denn es sammelten sich einige Insekten bei Gwerions Körper und ließen sich bei dessen Wunde nieder. Viel mehr umschwirrten jedoch die drei Templer.


    „Es werden immer mehr, mein Prinz“, bemerkte nun auch Gwerions Mörder.


    „Pah! Ihr seid unglaubliche Spaßverderber, meine treuen Ritter, wisst ihr das? Nun gut, packt den Fluchspeier auf eines der Pferde und legt den Jungen in Ketten – der kann noch laufen. Zack zack!“, klatschte der Prinz mit seinen Panzerhandschuhen.


    Schon stapfte der Templer, der Gwerion getötet hatte, auf Taoreth zu, in seiner Hand feingeschmiedete Eisenketten.


    „Arme nach vorn!“, blaffte er mit rauer Stimme. Unter der Helmhaube kamen fettige, graue Haarsträhnen zum Vorschein, die ein eingefallenes Gesicht mit tiefliegenden, kleinen Augen einrahmten.


    Plötzlich blendete ihn ein greller Lichtschein, und als er die Augen wieder öffnete, war der Krieger einige Schritt zu Gwerions Leiche zurückgetaumelt, als hätte ihn eine unsichtbare Druckwelle dorthin befördert. Auch der Mann, der Taoreth niedergetreten hatte, lag rücklings im Waldboden, eine grelle Wolke schwirrte um seinen Kopf.


    „Was? Nein!“, der Templer zuckte plötzlich wild und versuchte, wie eine Krabbe rückwärts zu robben. Taoreth ergriff die Gelegenheit und packte Elleas Klinge, die der Krieger beim Sturz fallengelassen hatte, sprang auf, obwohl seine Brust noch immer schmerzte, und stellte sich schützend vor den wehrlosen Magier.


    „Lauf, du Topf!“, ertönte erstaunlich klar dessen Stimme, doch Taoreth ahnte, dass die Templer ihn ohnehin mit ihren Pferden einholen würden und er wollte außerdem Telzion nicht im Stich lassen. Überhaupt, was war schon ein Leben ohne Gwerion?


    Auch der Hüne und der andere Krieger waren von Tausenden von leuchtenden Insekten umgeben, doch der Schwarm um den Mann auf dem Boden leuchtete am hellsten. So hell leuchtete er, dass der Templer selbst nicht mehr zu erkennen war, er glich einer kleinen Sonne. Ein Schrei, dann ließ der Schwarm von ihm ab. Zurück blieb ein regloser, dunkler Körper.


    „Isgaad vergib mir …“, raunte der ältere Ritter, machte auf dem Absatz kehrt und rannte auf sein Pferd zu, doch die Insekten verfolgten ihn nicht.


    „Nutzloser, undankbarer Schwächling!“, kreischte es aus der Rüstung des Prinzen, um den sich die Insekten nun scharten. Wütend ließ er sein großes Schwert in einer Hand wirbeln, wie das Blatt einer tödlichen Windmühle. Tatsächlich schienen sich die Insekten ängstlich von dem Gepanzerten zu entfernen. Auch, wenn er es nicht sah, spürte Taoreth nun geradezu dessen Grinsen.


    „Dann mache ich eben kurzen Prozess mit dir und nehme den Magier selbst mit.“ Der Hüne hob die Waffe. Taoreth schloss die Augen – es war vorbei.


    Duck dich!


    Schnell warf er sich auf den Boden, als ein greller Blitz über ihn donnerte. Doch diesmal erstrahlte ein bläulich schimmerndes Weiß. Scheppernd landete der Gepanzerte mehrere Schritt weiter hinten in einem Busch mit silbrigen Blättern und blauen Blüten. Als Taoreth sich überrascht zu Telzion umdrehte, blickte ihm dessen ebenso verwirrtes Gesicht entgegen. Hinter ihm jedoch zeichneten sich aus dem Schatten der Bäume die Konturen einer kleinen, schmalen Gestalt und es trat eine Frau in den Leuchtkegel der noch immer anwesenden Glühwürmchen.


    Sie war von verblüffender Schönheit. Wildes, kurzes Haar, silberdunkel wie die Nacht, fiel strähnig herab auf ihr blasses Gesicht. Ihre olivgrünen Augen, durchsetzt mit rötlich-glühenden Sprenkeln, die langsam wieder abflauten, waren entschlossen zu einem schmalen Schlitz zusammengezogen. Am ungewöhnlichsten jedoch waren ihre unnatürlich langen und spitze Ohren, die in einem fast rechten Winkel von ihrem Kopf abstanden. Ebenso erstaunlich war die Tatsache, dass sie nackt war. Deutlich zeichnete sich ihr schlanker, muskulöser Körper ab. Nur eine dünne, dunkelgrüne Körperbemalung zierte ihr linkes Bein von Fuß bis Oberschenkel.


    „Noch ein Fluchspeier“, murmelte es aus der Rüstung, als der Prinz sich schwungvoll aufrichtete und dabei fast den gesamten Busch niederwälzte. Er hatte sein Schwert nicht losgelassen, wenngleich ein glühender, roter Punkt inmitten eines rußigen, dampfenden Flecks auf seiner Brustplatte prangte.


    „Heh“, kicherte er, „Eure Magie wird Euch nichts nützen, Elbenschlampe. Wie es scheint, haben wir einen weiteren Weg gefunden, eure verfluchte Kunst zu kontern.“

    Sooo ... nach zwei schier endlosen Wochen ohne WLAN in unserer Wohnung (Jaja, ich weiß, verwöhnte Generation etc.), kleineren Überarbeitungen in den bisherigen Teilen und abschließendem Gewerkel an dem Folgenden geht es nun weiter. :) Ich freue mich wie immer auf jegliches Feedback, ob Lob oder Kritik. Viel Vergnügen! :D


    11 - Ritterehre


    Grüngrenze, Provinz des Vyrtanischen Imperiums, den 297., 1292 Neues Zeitalter

    Nachdem sie sich am nächsten Morgen von Svina und Nadfin verabschiedet hatten, kamen sie auf ihrem Weg in Richtung Westküste an immer mehr Gehöften vorbei. Nackte Laubbäume hatten den Fichtenwald abgelöst und ihr Weg war gepflastert von bunten Blättern, Matsch und Gras. In der Nacht hatte es stark geregnet und die Gerüche von Tau und von Regenwürmern durchwühltem Erdreich hingen in der Morgenluft. Ein leichter Nebel bedeckte noch den Horizont, als sie gegen Umlaufsmitt auf einen Feldweg stießen, der bei einem weiteren Bauernhof begann und in westliche Richtung führte. Auf diesem rollten die hölzernen Räder der „Kutsche“ mit vergleichsweise großer Leichtigkeit.
    Trotzdem war es eine anstrengende Arbeit. Taoreth wunderte sich jeden Tag aufs Neue, wie Gwerion es schaffte, relativ unbemüht zu wirken, während er die Karre schob. Seit Stunden dachte er darüber nach, wie der Junge ihn gestern geküsst hatte und was der Kuss zu bedeuten hatte. Der Dunkelhaarige hatte sich seitdem verhalten, als sei nichts gewesen und tatsächlich war Taoreth der Kuss so richtig und überfällig vorgekommen, als hätte er nichts Neues erschaffen, sondern bloß Bestehendes besiegelt. Es war dennoch schwer gewesen, sich danach zurückzuhalten. Fest stand, dass der Kuss ihrer Freundschaft keinen Abbruch getan hatte: Gwerions Lächeln und freundschaftliche Art waren herzerwärmend wie eh und je.
    Obwohl, lag dies wirklich an Gwerion? Oder waren es seine eigenen Gefühle, die ihm dies vorgaukelten?
    Er wollte darüber reden, doch das Schubkarrenschieben schien Gwerions volle Konzentration zu beanspruchen. Taoreth würde erst mal abwarten. So schritten sie größtenteils schweigend nebeneinander her, jeder in seine eigenen Gedanken versunken.
    Immer mehr zweifelte Taoreth an dem Sinn ihrer Reise. Jedenfalls, was die Rettung seiner Großmutter betraf. Vermutlich lebte sie nicht mehr und es war hoffnungslos, noch nach ihr zu suchen, denn seit ihrer Entführung war schon sehr viel Zeit vergangen. Seltsamerweise spürte er bei dieser Erkenntnis kaum Trauer, obschon seine Großmutter – freilich nicht immer liebevoll, doch in bester Absicht – sich stets um sein Wohl gekümmert hatte.
    Welche Verbindung sie wohl zu den Elben hatte? Und warum hatte sie ihm nie etwas darüber gesagt? Er beschloss, bei den Elben nachzufragen, was es mit den Anschuldigungen der Templer gegen seine Großmutter auf sich haben könnte.
    Selbst, wenn er seine Großmutter außen vor ließ, blieb ihm kaum eine Wahl, als mit Gwerion und Telzion zu ziehen. Beide waren zurzeit nicht in ihrem Zuhause willkommen. Auch er konnte nicht wieder in der Waldhütte leben, da sie nun Gegenstand von Templerermittlungen war. Telzion hatte zwar gesagt, dass Fürst Meneldus etwas gegen diesen Zustand unternehmen würde, allerdings konnte er nichts Genaueres ausführen.
    Schamvoll gestand er sich ein, dass es ihm vor allem wichtig war, mit Gwerion wieder in Himmelstein einziehen zu können.
    Reisende begegneten ihnen auf ihrem Weg kaum: ein Bauer mit seinem Ochsenkarren, eine fellbehangene Jägerin und eine mit hellgrauen Stoffbahnen überzogene Pferdekutsche, die von einem kettengepanzerten Mann begleitet wurde. Von allen wurden sie schlicht ignoriert.
    Gegen Abend, als Taoreth mit Schieben an der Reihe war, erreichten sie endlich die Westküste, eine schroffe, felsige Steilklippe mit zahlreichen Einbuchtungen und Rissen, aus denen trotz der späten Umlaufszeit das Geschrei Tausender nistender Vögel erschallte. Entlang der Küste verlief in großzügigem Abstand eine mit Kopfsteinen gepflasterte Straße. Zum ersten Mal sah Taoreth das Meer. Wie zähe Tinte beanspruchte das dunkle Wasser sein Sichtfeld - bis hin zum dunkelblauen Sternenhorizont, in den ein einzelner, laternenbeleuchteter Schiffsmast hochragte. Zu weit weg, als dass Gwerion ihn würde erkennen können, für Taoreth aber, der dichte Wälder und das beengte Himmelstein gewohnt war, barg die Vorstellung, auf hoher See so viel offenes Wasser um sich herum zu haben einen faszinierenden Hauch von Freiheit.
    Die Sonne war hinter den Inselbergen im Westen früh untergegangen, sodass Schatten über dem fruchtbaren Ackerland, den kleinen Wäldchen und Gehöften lag.
    Gerade, als sie sich im Schutz einiger Bäume ein gutes Stück abseits des Weges zur Nachtruhe legen wollten und schon ein Feuer entfacht hatten, hörte Taoreth ein lautes Knacken, gefolgt von einem Rascheln. Nun wurden sie doch noch zur Beute von Wölfen!
    „Wer da?“ Gwerion hatte es offenbar auch gehört.
    „Keine Angst, Bauernvolk. Wir sind Männer Isgaads!“ Eine helle Stimme. Aus dem Schatten heraus stoben zwei, in Ketten gepanzerte Berittene. Ihr Wams war blau mit rot-weißen Schulterborten, die Sonne Isgaads auf rotem Grund als Brustwappen. Es waren die bekannten Templeruniformen, spitzförmig nach oben zulaufende Metallhauben mit zusätzlichen Wangen- und Nasenplatten schützten dazu die Schädel. Beide Krieger wirkten jung, hatten ein glattgeschorenes Gesicht und grinsten derbe. Die Ähnlichkeit zwischen ihnen war verblüffend.
    „Mein Name ist Lutkarn von Nachtshem“, verkündete der Linke laut, „und dies ist der edle Ritter Maclémo von Nachtshem, mein Zwillingsbruder!“
    Unsicher blickte Taoreth zu Gwerion und Telzion. Die Miene seines Freundes war düster, während Telzion die Ritter ausdruckslos anstarrte.
    Maclémo von Nachtshem rollte mit den Augen, als niemand antwortete. „Und wie lauten eure Namen?“
    Doch als einzige Reaktion richteten Telzion und Gwerion ihre Blicke wieder aufs Lagerfeuer.
    „Wir wollen keine Geschäfte mit euch Herren“, sagte Taoreth an ihrer statt.
    „Hm“, machte Lutkarn, „Man verbeugt sich vor Herren und Rittern, sobald man ihnen begegnet und steht ihnen Rede und Antwort! Sind diese guten Sitten euch Gesindel denn nicht bekannt?“
    „Ich glaube, sie kennen die Sitten, mein lieber Lutkarn. Mir scheint, sie wollen uns durch ihr Verhalten herausfordern.“
    Das Grinsen des Lutkarn wurde breiter, als er sein Schwert zog und zu ihnen ans Feuer herüberwarf. Es landete direkt neben Gwerion.
    „Ihr tretet zuerst gegen Maclémo an. Einen solchen Angriff auf seine Ehre muss sich ein Ritter nicht gefallen lassen!“
    „Verteidige dich!“, rief Maclémo, stieg von seinem Ross ab, übergab dessen Zügel seinem Bruder und zog sein Schwert, wobei er langsam auf Gwerion zuging. Dieser machte keine Anstalten, die ihm hingeworfene Waffe aufzuheben, sondern starrte den Ritter, der auf ihn zukam, bloß finster an.
    Taoreths Herz raste. Er musste sich doch wehren!
    Erst, als Maclémo Gwerion mit der flachen Seite seiner Klinge einen Stoß gegen die Schläfe versetzte, sprang der wie eine gespannte Feder auf, das ihm hingeworfene Schwert in der Rechten gepackt. Taoreth stand auch auf und ging langsam zum Holzpflug, in der Telzion noch immer ausdruckslos starrend lag. Er war nun in Reichweite der Schwerter, von deren Existenz die Ritter bestimmt nichts ahnten.
    „Na bitte“, grinste Maclémo, der einen Schritt zurückgetreten war und seine Deckung einladend und mit ausgebreiteten Armen öffnete.
    Gwerion hielt die Klinge nun relativ niedrig auf Kniehöhe, attackierte jedoch nicht. Er wirkte unsicher. Hoffentlich wusste er, was er tat. Der Ritter hielt nun, da Gwerion nicht angriff, die Spitze seiner Klinge stets auf Gwerion gerichtet, während er sie mal über dem Kopf, mittig oder tief hielt und dabei in scheinbar sinnlosen Halbkreisen um den dunkelhaarigen Jungen herumschritt. Der hingegen beschränkte sich bloß darauf, sich Maclémo zuzudrehen. Auf einmal machte der Templer einen Schritt nach vorne, holte blitzschnell von unten-rechts aus, auf Gwerions Beine zielend – doch änderte er die Schlagrichtung geschickt und wirbelte die Klinge nun herum, auf Gwerions Brust.
    Zur Überraschung aller war der auf ein solches Manöver vorbereitet, ließ Maclémos Klinge mit einer Parade harmlos zur Seite abgleiten und verpasste ihm in derselben Bewegung einen Schnitt über die Schulter seines Schlagarmes.
    „Aah!“, schrie der Ritter und taumelte zu seinem Pferd zurück, „Der Bengel hat meine Uniform aufgerissen. Na warte, diesmal überraschst du mich nicht!“
    Weitaus mehr Konzentration lag nun in des Ritters Blick, als er erneut auf Gwerion zu stapfte. Taoreth tastete derweil in dem Fach der „Kutsche“ nach einem der Templerschwerter, bekam endlich einen Griff zu fassen.
    Gwerion war derweil in großer Bedrängnis. Es wurde diesmal schnell klar, dass der Ritter ihm im Fechten haushoch überlegen war. Nach zwei Hieben von Maclémos Schwert war er schon in der Defensive, taumelte rückwärts, um der tödlichen Klinge zu entgehen. Stolperte er, war er tot.
    Taoreth fasste endlich seinen Entschluss und holte mit einem Ruck eine der Templerklingen hervor und sprang damit Gwerion zur Seite. Maclémos Bruder gab überrascht einen Schrei von sich, er wirkte unsicher. Offenbar entschied er nach einem kurzen Moment des Zögerns, dass es besser war, Unterstützung zu holen, als unbewaffnet in den Kampf einzugreifen, denn er gab seinem Pferd die Sporen und ritt mit beiden Reittieren in Richtung Süden davon, was von Maclémo nur mit einem Grunzen quittiert wurde. Kein sehr tapferer Ritter, dieser Lutkarn.
    Von zwei Schwertern bedrängt, wich Maclémo nun wieder zurück. Geschickt tänzelte er um die beiden Jungen herum, ließ sich nicht umzingeln. Dazu merkte er schnell, dass Taoreth mit dem Schwert sehr unbeholfen war und griff vorwiegend diesen an. Des Templers Uniform erlitt noch zwei weitere Schnitte, doch sein Kettenpanzer war nicht zu durchdringen.
    Nachdem der Ritter einen von Gwerions Hieben parierte, holte er erneut nach Taoreths Kopf aus, doch diesmal änderte er nicht nur die Schlagrichtung, sondern auch den anvisierten Gegner. Mit einem Mal steckte Maclémos Klinge eine Hand breit in Gwerions rechter Schulter, der schockiert zurücktaumelte. Mit einem geschickten Dreh befreite der Ritter seine Klinge, während Gwerion sein Schwert losließ und nach hinten fiel. Er schaffte es jedoch noch, seinen Gegner mit dem linken Arm am Schwertarm zu packen, was Taoreth wiederum Gelegenheit zum Angriff gab. Mit aller Kraft stach er die schmale Templerklinge in das Kettengeflecht des Ritters, welches endlich klirrend auseinanderbarst.
    Maclémo schrie erneut kurz auf, ließ sein Schwert los, presste mit ungläubigen, entsetzt aufgerissenen Augen beide Hände auf seine Wunde und fiel vornüber auf Gwerion. Der Stich war mitten in des Ritters Brust gegangen. Schnell kniete Taoreth neben seinem Freund nieder und gemeinsam hievten sie – unter Stöhnen und Schmerzensschreien – den schon reglosen Ritter von seinem Körper. Langsam bildete sich eine Blutlache um den Kampfplatz, die zwar hauptsächlich vom Ritter stammte, jedoch blutete auch Gwerion stark aus der Schulterwunde.
    „Ich glaube, es geht schon“, keuchte der Dunkelhaarige. Er versuchte zu lächeln, doch seine dunklen Augen verrieten seinen Schmerz.
    „Bleib sitzen!“, befahl Taoreth, „Lass mich die Wunde behandeln.“ Hastig riss er – nach einigem angestrengten Zerren – einen Stofffetzen von seinem Hemd, umwickelte damit Gwerions Schulter über die Achselhöhle und band einen festen Knoten. Die Blutung hatte schon etwas abgenommen.
    Gwerions Lächeln wurde breiter. „Wird schon gehen, danke Tao.“ Mithilfe seines Freundes richtete sich Gwerion wieder auf und stützte seinen rechten Arm mit dem gesunden. „Ich kann den Arm nicht bewegen … das wird unsere Reise wohl erschweren.“
    „Ihr müfft den Arm schienen!“, exklamierte der Magier plötzlich, „Aber ers bei den Eiben. Schell, isch nist mehr weit!“
    „Telzion hat Recht“, sah Taoreth ein, „Wir können die Nacht nicht hier verbringen. Dieser andere ‚Ritter‘ wird sicher bald mit Verstärkung hier aufkreuzen.“
    „Du kannst jetzt unmöglich weiterschieben, Tao. Ich wäre jetzt dran gewesen, aber … nur mit der Linken wird es schwer.“
    „Halte deinen Arm, dass er auch gesundet, das ist das wichtigste. Ich schaffe das schon.“ Auch, wenn seine Arme tatsächlich schon von der Anstrengung des Tages schmerzten, packte er die magierbeladene Holzkarre und schob sie mühsam in Richtung Nordwesten, zurück zur Küstenstraße. Telzion gab sich wenigstens Mühe, mit seinen wenigen funktionsfähigen Muskeln den eigenen Körperschwerpunkt möglichst mittig über den Holzrädern zu halten, was das Schieben erleichterte. Dennoch war es erschöpfend – Taoreth würde bald eine Pause brauchen. Die entfernte Küste war in der Dunkelheit vor dem Hintergrund des Meeres kaum auszumachen.
    „Siehst du Reiter auf der Straße?“, fragte Gwerion, dessen Sicht weniger ausgeprägt war als Taoreths.
    „Nur eine Kutsche weit im Süden, sonst niemand. Wir können …“, Er keuchte außer Atem, „ … die Straße nutzen.“


    Seit sie auf der Straße waren, fiel das Fortkommen leichter, doch Taoreths Kraft schwand und bald verengte sich sein Blick auf den gepflasterten Weg. Das ständige, hektische Umsehen überließ er Gwerion.
    „Ich kann nicht mehr!“, stöhnte er nach einer Weile und stellte Telzions Gefährt unsanft ab, was den alten Ochsenpflug fast aus dem Gleichgewicht brachte und dem Magier ein unzufriedenes Brummen entlockte.
    „Du schaffst es Tao, ich helfe dir das letzte Stück. Sieh doch, dort ist schon der Wald!“
    Taoreth streckte sich erschöpft und wollte sich am liebsten auf der Stelle hinlegen. Vorher blickte er sich jedoch um, als plötzlich der Schweiß auf seinem Körper zu Eis gefror. „Hinter uns sind Reiter.“

    Hey Liki,


    Nach einigen kleinen Edits in den vorherigen Parts geht es nun weiter mit Kapitel 10 - was haltet ihr davon? :)



    10 - Romantik des Reisens


    Provinz Himmelstein, den 296., 1292 Neues Zeitalter



    Nach zwei weiteren Tagen erschöpfender Schubkarrenschieberei, endlosem, zungenlosem Fluchen und schlaflosen Nächten war der Nadelwald schließlich lichter geworden und sie hatten tiefere, wärmere Regionen erreicht, in denen der Winter sich noch nicht angekündigt hatte. Gegen Abend begegnete dem Trio erstmals wieder ein Bauernhof, und obwohl die Meisterbäuerin – eine freundlich blickende, alte Frau namens Svina – nicht allzu viel ihres Wintervorrats hergeben wollte, wurden sie – wohl auch dank Taoreths Beutel mit Silberstücken – freundlich empfangen und bewirtet. Sie beschlossen, den Abend bis zum Morgen auf dem Hof zu verbringen. Taoreth konnte es kaum erwarten, endlich wieder auf richtigem Stroh und ohne Angst vor Wölfen schlafen zu können.
    Beim gemeinsamen Abendessen mit der Bäuerin und ihrer einzigen Tochter gab es Fleisch von frisch geschlachteten Schweinen, hellbraunes Brot, jungen Käse, eingesäuerten Kohl und gesalzene Butter – ein Festmahl im Vergleich zu ihren Reiserationen. Das Speisezimmer war geräumig, erleuchtet durch ein Kaminfeuer und zwei Öllampen – Armut war hier kein Problem. Den Magier hatten sie mit vereinten Kräften von der „Kutsche“ losgebunden und stattdessen in einem Holzstuhl fixiert, wo Taoreth ihn nun mit einem Holzlöffel fütterte.
    Die alte Bäuerin beobachtete ihre Gäste aus schlitzförmigen Augen. Sie hatte eine schlanke Figur, dazu ein spitzes Gesicht und dunkelgraue, strähnige Haare auf ihrem gebeugten Haupt. Ihre Tochter – Nadfin – war in Gwerions und Taoreths Alter und mit einem hübschen Gesicht voller Sommersprossen gesegnet, wenngleich sie ungewöhnlich groß gewachsen war und breite Schultern aufwies. Ständig warf sie Gwerion verstohlene Blicke zu; der jedoch tat so, als bemerkte er nichts und lächelte nur höflich.
    Der Buckel der Bäuerin knackte unüberhörbar, als sie sich zum Sprechen aufrichtete: „Wenn ihr also nichts von den Grenzkonflikten wissen wollt, was treibt euch dann hierher? Ich bin neugierig. Sucht ihr einen Heiler?“ Ihre Stimme war etwas kratzig, jedoch tief und unaufdringlich.
    Gwerion nickte, während er schon nach dem nächsten Stück Fleisch griff. „So ist es. In Himmelsstein – der Stadt – gibt es keinen, der unserem Vater helfen kann.“
    „Dann werdet ihr in Grüngrenze auch keinen finden, falls dies euer Ziel ist“, mischte sich die Tochter ein, „Dort ist schon seit Wochen nur noch gottgefällige Heilung erlaubt.“
    „Ist … ist das schlecht?“, wunderte sich Taoreth, wobei er kurz den Löffel voller Sauerkohl in Telzions Mund vergaß, was ihm einen verärgerten Blick des Magiers eintrug.
    Gwerion klärte ihn eifrig auf: „Das bedeutet, dass jegliche magische Heilmethode untersagt ist. Sogar der Besitz magisch hergestellter Medizin ist mit Strafe bedroht.“
    „Es ist sogar noch schlimmer geworden“, klagte die sommersprossige Nadfin, „Die Priester sagen, wenn keine menschengemachte Ursache vorliegt, dann sei die Krankheit Isgaads Wille und es dürfe für die Patienten nur noch gebetet werden. Bei den Geistern, was für ein Unsinn!“
    Svina erschrak bei den zuletzt gesprochenen Worten ihrer Tochter, beruhigte sich aber etwas, als Gwerion, Telzion und auch Taoreth verständig nickten. Taoreth glaubte zwar an Isgaad und nicht an die Geister, stimme jedoch Nadfins Wertung zu.
    „Keine Sorge, ihr müsst von uns nichts befürchten“, bekräftigte Gwerion erneut.
    Svina funkelte ihre Tochter dennoch böse an – jedoch nur, bis diese es bemerkte. „Nadfin, ich denke, du solltest noch das restliche Vieh füttern gehen, während ich unseren Gästen ihre Zimmer zeige.“
    „Aber die haben doch schon …“
    „Geh jetzt!“
    Missmutig stapfte Nadfin hinaus, nicht, ohne Gwerion einen weiteren, schelmischen Blick zuzuwerfen. Der lächelte sogar! Aber … warum ärgerte ihn das überhaupt?
    „Entschuldigt das“, murmelte die Bäuerin nun kleinlaut. Sie wirkte etwas unsicher, wie eine Katze, die man in einer Ecke konfrontiert.
    „Wir verstehen das schon“, sagte Taoreth, um sie zu beruhigen.
    Es hatte nicht die erhoffte Wirkung.
    „Nein! Ihr habt bestimmt keine Ahnung, wie es ist, ein solch Balg im rechten Glauben zu erziehen. Aber seid beruhigt: ich werde es angemessen bestrafen. Zehn Mal siebenfach wird Nadfin das Isgaad-Bekenntnis heute noch aufsagen müssen. Ich … also … eigentlich ist sie gar nicht so schlimm. Nur manchmal spricht sie lästerlich über Isgaad – das mit den Geistern hat sie von meinem Vater – ihm möge vergeben werden. Es ist wie eine Krankheit, doch sie denkt sich nichts Ernstes dabei.“ Die Bäuerin schloss kurz die Augen und atmete auf. „Ihr müsst also den Priestern nicht Bescheid geben, ich habe alles im Griff …“
    Diesmal waren es Telzions noch tiefer werdende Falten, die Svina ihren Redeschwall abbrechen ließen.
    „… Ich … ich werde euch eure Zimmer zeigen. Ihr beiden sollt oben schlafen, für euren Vater wäre es das Beste, sich hier im Esszimmer einzurichten. Ich werde Nadfin eine Strohmatratze herbringen lassen.“
    Die alte Bäuerin kletterte überraschend schnell eine stabil wirkende Leiter an der Wand hoch, öffnete eine Falltür mit einem plumpen Eisenschlüssel, den sie sich aus den Kleidern gefischt hatte, und stieg hindurch. Als Taoreth mit Gwerion und der Bäuerin oben stand, hatte diese auch schon eine offenbar bereitstehende Talgkerze entzündet.
    „Vorsichtig mit dem Licht hier drin, damit das klar ist!“, betonte sie unnötigerweise: Sie befanden sich in der Strohscheune des Bauernhofes, welche das gesamte obere Stockwerk ausmachte. „Ich würde sagen, ihr habt hier genug Platz. Gute Nacht!“
    Mit diesen Worten stieg sie – fast, wie auf der Flucht – wieder über die Leiter hinunter und legte die Falltüre ab, schloss sie jedoch nicht.
    „Glaubst du, die Bäuerin meinte das ernst? Du weißt schon, wegen ihrem ‚Balg‘ und der Bestrafung?“
    „Ich weiß nicht … auf mich wirkte sie nicht, als hätte sie das nur aus Angst gesagt“, zuckte Gwerion mit den Schultern, „Aber wer weiß.“
    „Oh, Jungs. Sie meinte das ganz bestimmt nicht ernst.“ Hinter einem Heuhaufen hervor kam Nadfin.
    „Wie bist du hier reingekommen?“, wunderte sich Taoreth.
    „Na, als ob wir unser Heu durch eine winzige Falltür schleusen“, grinste das Mädchen. Erst jetzt bemerkte Taoreth, da sich seine Augen mehr an die minimale Beleuchtung gewöhnten, dass die gesamte Rückwand des Stockwerks aus einem Scheunentor bestand.
    „Oh.“
    „Jedenfalls – Mutter meinte das wirklich nicht ernst. Sie hatte nur Angst und traut euch eben nicht, was ich ihr nicht verüble. Aber sie wird mich ganz bestimmt nicht irgendwelche Bekenntnisse aufsagen lassen. Im Prinzip will sie mich schützen.“
    „Offenbar traust du uns dagegen schon“, bemerkte Gwerion, „Wie kannst du dir sicher sein, dass wir deinen mangelnden Respekt vor Isgaad nicht den Priestern melden?“
    „Ihr scheint mir einfach vernünftige Leute zu sein. Und außerdem … Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass ein Junge mit so schönen und edlen Augen so etwas tun würde.“
    „M… meinst du mich?“, Gwerion trat einen Schritt zurück, Nadfin einen Schritt vor. Taoreths Anwesenheit schien sie nicht zu stören, während Gwerion nervös zu ihm hinüberschielte. Er wunderte sich, dass Gwerion so unsicher wirkte, war er doch auf den Adelsfesten, von denen er immer erzählte, stets von schönen Frauen umringt.
    „Natürlich dich, Schöner! Naja … jetzt ist keine Zeit, ich muss Mutter mit eurem Vater helfen. Aber keine Sorge, ich komme zur Mitternacht nochmal vorbei, dann können wir auch allein sein – ist ja wirklich viel Platz hier. Gute Nacht Jungs!“, kicherte Nadfin und verschwand dann, ohne eine Antwort abzuwarten, rasch durch das Scheunentor.
    „Nun … Meinen Glückwunsch, sie mag dich offenbar“, brachte Taoreth hervor, wenig überzeugend.
    „Mach dich nicht lustig – ich mag sie nämlich gar nicht!“, sagte Gwerion, was beruhigte. Doch nicht ganz.
    „Hey, wir sind beste Freunde – du kannst es mir schon sagen, wenn du sie …“, Taoreth überlegte, wie er den Satz am besten beenden sollte, „… willst.“
    „Unsinn …“
    „Ich glaube dir nicht.“ Taoreth wollte sich gerade wegdrehen.
    „Tao!“, Gwerion hielt plötzlich Taoreths Hand, trat einen Schritt auf ihn zu und presste die Lippen mit leichtem Druck auf seinen Mund. Er erstarrte, wagte jedoch nicht, Gwerions Kuss zu erwidern. Er trat jedoch auch nicht davon zurück.

    Hey @Blindseher! :)

    Etwas worüber sich gefühlt noch kein einziger Fantasyautor auch nur ansatzweise informiert hat. Und auch wenn man nun die faule "aber das ist doch Fantasy" - Karte zieht: wenn eine Stahlrüstung nicht vor einem Stahlschwert schützt, dann MACHT SIE KEINEN SINN! egal in welchem Universum. :p

    Sag bloß, so etwas wäre nicht realistisch!

    :elf:
    Spaß beiseite: Was dagegen, wenn ich ab und zu per PN eine Frage bezüglich solcher Dinge stelle? Schreibe nämlich gerade an einer high-fantasy Geschichte und solche Aspekte sind mir sehr wichtig. ^^


    LG

    Hey @aval.b.bado