Die kleinen Schätze (Novellen, Erzählungen, Essays)

Es gibt 3 Antworten in diesem Thema, welches 432 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (18. Oktober 2023 um 01:12) ist von Der Wanderer.

  • "In nur vier Zeilen was zu sagen ist gar nicht leicht, ist sogar schwer. Man braucht ja nur mal nachzuschlagen: Die meisten Dichter brauchen mehr." (H.Erhardt)

    Ein wahrer Satz. Ich scheue dicke Bücher nicht, stelle aber immer wieder fest, daß es auch ganz kleine, dünne gibt, die ich in 1-2 Stunden lese. Und die mich mehr beeindrucken, fesseln und mitnehmen, weil es der Autor geschafft hat, viel mit wenigen Worten zu sagen.

    Solltet Ihr da auch welche kennen, würde ich mich freuen, wenn Ihr die hier mal vorstellt. Ich fang derweilen einfach mal an...

    Tschingis Torekulewitsch Aitmatov - Der Junge und das Meer

    Vorneweg:

    Die Geschichte heißt im russischen Original "Pegij pjoss begutschi krejem morja" was übersetzt etwa bedeutet: "Der scheckige Hund, der den Strand entlangläuft".

    Das sollte man schon wissen. Weiß man's nicht, erklärt es einem die Erzählung:

    Drei Männer und ein Junge fahren hinauf auf's Meer. Sie verlassen ihren Clan und das feste Land, auf dem sie leben, denn diese Fahrt soll die erste Jagd für den Jungen sein. Organ, der Clanälteste, Emraijin der Vater, Mylgun der beste Jäger und Kirisk der Junge, der Jäger werden soll für den Clan.

    Doch das Jagdglück verlässt sie nach nur einem Tag. Und sehr rasch stellt sich ihnen die Frage, ob die grosse Fischfrau, Schutzherrin ihres Clans, noch rechtzeitig auftauchen wird...

    (156 Seiten in A-5 Format - Der Goldmann - Verlag sollte sich schämen. Zweimal. Denn ein Roman ist das nicht. Und die Erzählung mit Hemingways "Der alte Mann und das Meer" zu vergleichen und den deutschen Titel daran anzupassen, um damit Umsatz zu erzielen? Hat dieses Buch gar nicht nötig.)

  • Der Wanderer 14. Juni 2023 um 00:58

    Hat den Titel des Themas von „Die kleine Schätze (Novellen, Erzählungen, Essays)“ zu „Die kleinen Schätze (Novellen, Erzählungen, Essays)“ geändert.
  • Eric-Emmanuel Schmitt - Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran

    Diese kleine, gerade einmal 100 Seiten lange Erzählung hat der Schriftsteller ursprünglich als Theaterstück konzipiert.

    Es ist die Geschichte des jüdischen Jungen Momo, der mit seinem Vater, einem erfolglosen Rechtsanwalt in Paris in der Rue Bleue lebt.

    Die Mutter hat die Familie zusammen mit seinem Bruder Popoi (der sich im Verlauf als fiktiv herausstellt) bereits vor lange Zeit verlassen.

    Momo, mit der Gesamtsituation überfordert, findet im "Araber an der Ecke", Monsieur Ibrahim, der eigentlich ein kurdischer Moslem ist, einen väterlichen Freund, der ihn nach dem Selbstmord seines Vaters sogar adoptiert.

    Monsieur Ibrahim ist Momos Brücke zur Erwachsenenwelt, Mentor und spiritueller Lehrer zugleich.Er "reist" mit ihm zuerst durch Paris und danach tatsächlich zurück in seine ostanatolische Heimat, stets bemüht, dem Jungen

    die Schönheiten und die Werte der Welt, den Weg zum Glück und den Sinn für das „richtige“ Leben nahezubringen, wie ihn die Leitsätze des Koran wegweisend lehrten.

    Das kleine Buch hat sich kurz nach seinem Erscheinen im Amman - Verlag 2003 rasch als schulische Literatur im Französischunterricht etabliert und wurde 2003 von Francois Dupeyron mit Omar Sharif (Monsieurt Ibrahim) und Pierre Boulanger (Momo) in den Hauptrollen verfilmt.

    Für Sharif war es ein spätes Comeback, für das er mehrfach ausgezeichnet wurde.

    Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran - Trailer

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  • Heyho.

    Der wiedergefundene Freund (Reunion, Fred Uhlman, 1971)

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    Viel kürzer kann man Essentielles nicht auf den Punkt bringen.

    Die nicht mal ein Jahr währende tiefe Freundschaft zwischen zwei sechzehnjährigen Jungen, der eine jüdischen Glaubens, der andere aus altem Adel vor dem heraufziehenden Sturm der Naziherrschaft.

    Beide Kinder ihrer Zeit und ihres Standes, trotzdem offen füreinander einstehend, so lange die Zeitläufte es ihnen erlaubten.

    Ganz weit oben in meiner Liste.

  • Heyho.

    Der Junge im gestreiften Pyjama (John Boyne, 2006)

    Ein Holocaust - Buch für Kinder und Jugendliche - geht das?

    Das geht sogar sehr gut. Schwierig wird es nur, wenn man es liest und selbst nicht mal mehr Jugendlicher ist. Dann tut man sich eher schwer damit, die Verschleierung dessen, was die Erzählung beschreibt durch Wörter wie der "Furor" oder "Aus - wisch" nicht zu durchschauen. Und auch das "unaussprechliche Wort", das erstmals auf Seite 221 Eingang in den 263 Seiten langen Text findet, vorher nicht erkannt zu haben.

    Das ist für Erwachsene mit der nötigen Vorbildung zum Thema eher simpel, Kinder dürften Fragen dazu haben.

    Und man weiß dann als Erwachsener auch schon, was im letzten Kapitel des Buches erzählt werden wird.

    Aber genau dieses letzte Kapitel macht das Kinder- dann zu einem sehr Erwachsenenbuch:

    Man hat es geahnt, aber nicht lesen, geschweige denn begreifen wollen.