Der Sankt Gerold Vorfall

Es gibt 1 Antwort in diesem Thema, welches 128 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (11. Juni 2024 um 08:12) ist von Tom Stark.

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    Mal sehen, was das wird ^^, ich schreib einfach drauf los.
    Habe vor, täglich morgens vor der Arbeit ein Kapitelchen als Handübung zu produzieren.
    Erwartet also kein ausgefeiltes Skript oder eine wasserdicht logische Handlung.

    dramatis personae (vorläufige Liste)

    Halana Agasta von Tann, Gildenmagierin
    Hoicht von Dorch, südländischer Fechter und Lebemann
    Grötz, Sohn des Grotz aka Flammbart Schädelknacker, Zwergenkrieger
    Salande, Halbelfe

    Gerohard von Gerold, Kommandant der Festung Sankt Gerold
    Marschall Asmus Siegesgern Arenfeld, verbannter kaiserlicher Heerführer
    Kampfschwester Leonberga, Priesterin der Kriegsgöttin
    Bruder Olof, Laienbruder im Heilerorden des Gütigen Gottes

    Svangerd, der Blutige , verbitterter Nordmann
    Rassak Kassai, Ork-Häuptling des Stammes der Stierschädel
    Brazzor Kupfermond, Ork-Schamane


    Festung Sankt Gerold


    Der grauhaarige Kommandant sah sorgenvoll noch Osten.
    Die Berichte der Späher waren allesamt besorgniserregend. Seine Späher waren natürlich nur Heideläufer, Fallensteller und Rauhändler gewesen, aber gerade als Rauhändler war ein sicheres Gespür für die Stimmung der wilden Völker überlebenswichtig.
    Als ihm also Hortwig Dreithaler, einer der Urgesteine für den Handel außerhalb der Zivilisation, mitgeteilt hatte, dass ihm die Orks zu aggressiv, die Oger zu wanderlustig und die Elfen noch unnahbarer als sonst erschienen und er fürs Erste hier seine Handelsfahrten einstellen würde, war das beinahe so, als hätten die Wachfeuer der Vorposten das Nahen einer Streitmacht angekündigt.
    Er sah über die hohen Mauern von Sankt Gerold, die breiten Zinnen und mächtigen Ecktürme. Eindrucksvoll, ja, aber weit eher dazu gebaut, die Bewohner der Feste drin als einen Feind draußen zu halten. Die Festung war vor jetzt schon sechshundertvierzig Jahren als Gefängnis und Exil für Leute erbaut worden, die das Kaiserreich loswerden wollte, ohne sie aufs Schafott zu schicken. Im Laufe der letzten hundert Jahre hatte sich dies gewandelt und Sankt Gerold war mehr ein Vorposten des Reiches geworden, bevölkert von einem vor Ort gewachsenen Menschenschlag, der in diesen Landen fern der Grenzen des Reiches existieren und gedeihen konnte. Zwar galt die Loyalität offiziell weiterhin der Kaiserin, aber wie sollte so eine Loyalität tief sein, wenn das Einzige, was die Kaiserin mit der Festung verband, die halbjährliche Versorgungslieferung und ab und an ein neuer, meist unfreiwilliger Neubewohner der Festung war.
    »Asmus Siegesgern Arenfeld«, murmelte Gerohard, dessen Familie die Festung nun in siebter Generation befehligte. »Ein Kriegsheld und militärisches Genie. Sie haben mir einen verdammten Kriegsheld aufs Auge gedrückt.«
    Was immer Siegesgern getan hatte, um den Unmut der Kaiserin zu erregen, es war ihm aber fast egal. Womöglich war der Feldherr einfach etwas zu erfolgreich und daher zu beliebt, kaiserliche Politik war hier oben im Norden noch undurchsichtiger, als sie es ohnehin war.
    »Ordonanz! Lasst den Marschall Arenfeld zu mir bitten. Ich habe das Gefühl, wir werden zwar bald weit mehr als nur ein Genie brauchen, aber wenn ich nicht mehr bekomme, nehme ich eben das, was ich habe.«

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    Tom Stark
    zum Lesen geeignet

  • Beinahe ein Hinterhalt

    »Dein Zahnstocher, mein wortgewaltiger, schwachbärtiger Freund, wird einen Ork eher zum Lachen als zum Weglaufen bewegen. Nimm doch einfach hier, meine wohlgepflegte Axt. Die erzeugt Furcht im Herzen der Feinde und Hochachtung in den Augen der Alliierten.«
    »Hochachtung? Mein verehrter, knurriger und wildbärtiger Compadre. Bei den meisten zivilisierten Völkern erntest du damit im bestenfalls einen mitleidigen Blick. Von hoher Achtung kann dabei gar keine Rede sein. Wenngleich ich die Akribie, mit der du deine Waffen pflegst aufs Vortefflichste loben will… «
    So ging es den ganzen lieben Tag. Krieger wie Fechter wurden nicht müde einander aufzuziehen und in freundschaftlichen Wettstreit ihre eigenen Vorzüge und Verdienste den vermeintlichen Nachteilen und Verfehlungen des Anderen gegenüberzustellen.
    Halana hörte schon gar nicht mehr hin. Die Frozeleien waren die ersten Monde sogar noch lustig, die nächsten immer noch unterhaltsam gewesen. Nun gehörten sie einfach zu den gewohnten Umgebungsgeräuschen.
    »Andere haben nervig immerfrohe Musikanten im Tross, wir zwei Freunde, die es nicht aushalten, auch nur mal eine Stunde in Stille ihre Freundschaft zu genießen. So hat jeder eben sein Päckchen zu tragen …«
    Die Halbelfe an ihrer Seite nickte grinsend. Fast überall wurden Frauen als geschwätzig und Männer als mundfaul beschrieben, ihre eigene Truppe hätte so manches altbackene Weltbild komplett umkrempeln können, in weit mehr als einer Hinsicht.
    Als die Geräuschkulisse plötzlich verstummte, reagierten die Gildenmagierin und die Waldläuferin ohne zu Zögern. Viel zu eingespielt war die Truppe und trotz der vorgetäuschten Sorglosigkeit war ihnen bewusst, dass sie durch Ork-Gebiet gingen.
    Salande glitt zwischen zwei große Büsche und spannte in wenigen Atemzügen ihren Elfenbogen mit so fließenden Bewegungen, die viele Jahre der Übung verrieten.
    Die Magierin wiederrum ging in die Hocke und legte ihre Linke flach auf den Boden, die Matrix für einen Wallzauber im Geiste formend.
    Der Zwergenkrieger schob sich schützend nach vorne, seinen Schild ebenso gewandt von der Schulter nehmend, wie die Halbelfe ihren Bogen. »Rooch?«, fragte er leise in seiner Muttersprache.
    Der Fechter zog bedächtig sein Rapier und hielt es etwa in Richtung des Weges auf einige mannshohe Felsen hintern denen der Weg eine Kurve machte. Ein passabler Ort für einen Hinterhalt.
    »… dein Schild hingegen ist so schwer, dass du mittlerweile aus dem Gleichgewicht kommst, wenn du ohne ihn gehst.« Hoicht fuhr fast ansatzlos mit seinem spöttelndem Geplappert fort. Nur seine Gefährten erkannten am Tonfall, dass er abgelenkt und angespannt war. »Vielleicht solltest du einen zweiten Schild als Reserve mitnehmen, und sei es, nur um deine schiefe Haltung zu korrigieren …«
    mit einem Blick verständigten sich die beiden Männer.
    Grötz rückte langsam vor, während der Südländer immer noch plaudernd sich auf die Seite des Wegs fallen ließ, die ihm von den Felsen Sichtschutz bot.
    Salande legte einen Pfeil ein und erhob sich halb. Sie war bereit. Zeit Fahrt aufzunehmen.
    Grötz ging in einen Sprint über und stürzte Schild voran die Axt locker in der Rechten auf die Kurve zu.
    Hoicht tauchte zur Seite weg und sprang behände über das Strauchwerk am Wegesrand und umrundete die Felsformation.
    DieHalbelfe rückte ebenfalls vor, den Pfeil einlegt, bereit auf alles zu schießen, was die Ecke kommen würde. Nur die Magierin kniete weiterhin. Entfernung war nur relativ. Symbolik und Vorstellungsvermögen waren weitaus entscheidender.
    »Erwischt, Compadres! Oh, wen haben wir denn da? Freunde, keine Gefahr, senkt die Waffen.«
    Sie hörten den Südländer und entspannten sich. Seine Stimme klang sanft, fast beschwichtigend.
    Der Zwerg kam als erster an, doch er schaute sich um, sicherte die Umgebung. Grötz, Sohn des Grotz mochte vieles sein, aber leichtsinnig war er nie gewesen. Sein langes Lebens trotz seiner Berufswahl bezeugte dies.
    »Kinder? Du hast uns wegen zweier Kinder in Alarm versetzt?« Weiteren Spott verkniff er sich, als er den armseligen Zustand der Kleinen bemerkte. Menschen, besonders Menschenkinder verstanden diese Art der Ruppigkeit oft als feindselig, während Zwerge aufgesetzte Freundlichkeit oft als elfische Doppelzüngigkeit auslegten. Götz sah sich nicht ganz unrecht als zwergischer Kosmopolit.
    Die Halbelfe und die Gildenmagierin kamen an und die beiden spärlich bekleideten und vor Dreck starrenden Kinder, Junge und Mädchen, vermutlich Geschwister, atmeten auf. Auch wenn die rabenhaarige Magierin mit den schwarzen Augen etwas von einer Todesfee hatte, war zumindest die blonde Halbelfe hübsch und hatte ein wirklich vertrauenserweckendes Lächeln. Zudem zeigte keine der Frauen mit spitzen Waffen auf die Kinder.
    Ein langer Blick Halanas erinnerte Hoicht an sein Rapier und, verbunden mit einer übertriebenen Verbeugung gegenüber dem Mädchen, ließ er die Waffe geübt elegant in der Scheide verschwinden und schwenkte seinen Fedora.
    »Meine Verehrung, holde Jungfrau. Verzeiht mein ungehobeltes Auftreten. Mich dünkte, Ihr wäret gar ein Ork. Ihr seid aber kein Ork, oder?« Er zwinkerte ihr zu und schon hatte er das Lächeln erreicht, was er erreichen wollte. Frauenherzen flogen ihm schon immer zu.
    Während die Gefährten Reservekleidung und Essen an die beiden Kinder ausgaben bekamen sie einen stockenden, lückenhaften und zeitlich schon antilinearen Bericht zu hören.

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    Tom Stark
    zum Lesen geeignet