Der Auftrag [Arbeitstitel]

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    • Der Auftrag [Arbeitstitel]

      Der Auftrag - Arbeitstitel

      Mal ganz spontan ein kleiner Einstieg in eine Geschichte, von der ich nicht weiß, wie sie sich entwickeln wird. Aber ich wollt auch mal was Düsteres versuchen. :D



      Eine schäbige Spelunke im übelsten Viertel der Stadt. Zwielichtige Gestalten an wackeligen Tischen, deren zerkratzte Platten einen klebrigen Belag aufwiesen. Schales Bier in schmierigen Gläsern.
      Kian nahm einen Schluck und verzog angewidert das Gesicht. „Dein Bier schmeckt wie Eselpisse.“ knurrte er den Wirt an, der ihm schon den nächsten Humpen auf den Tisch knallte. „Es ist Eselpisse.“ sagte der Wirt ungerührt. „Macht 10 Silberlinge.“ Kian warf die Münzen auf den Tisch und goss das neue Bier auf den Boden, wo es in der stinkenden Schicht aus Erde, verschütteten Getränken, Erbrochenem und Rotz versickerte.
      Der Wirt würde ihm alle zwanzig Minuten ein neues Glas Eselpisse hinstellen und Kian würde bezahlen, denn sonst flog er raus.
      Aber er musste den Dreck ja nicht trinken.
      Er kannte die Regeln. Sie waren überall gleich, egal, ob hier im Schwarzen Hund oder in den Kneipen der anderen Städte, deren Name mit Schwarz begann. In eine Kneipe mit dem Wort Schwarz im Namen ging man nicht, um etwas zu trinken. Man besuchte sie, um jemanden zu treffen. Heimlich.
      Dazu gehörte immer ein Kapuzenumhang, damit das Gesicht im Schatten lag, ein Messer im Ärmel, falls das Treffen unerfreulich verlief, und ein paar Waffen zum Abgeben, denn in der Regel duldeten die Wirte keinen Mord in ihren Räumlichkeiten.
      Es war nicht ratsam, sich im Gastraum aufmerksam umzusehen, wollte man nicht auf dem Heimweg eines plötzlichen Todes sterben.
      Die kleine Hure da hinten, Kian schätzte sie auf höchstens zwölf Jahre, wusste das nicht.
      Aufmerksam musterte sie die Gäste auf einen möglichen Kunden.
      Wahrscheinlich war sie froh, bei dem Regen nicht auf der Straße stehen zu müssen, und der Hunger hatte ihrem knochigen Gesicht einen flehenden Ausdruck verpasst.
      Als einer der Gäste ihr zuwinkte, entblößte sie mit zittrigem Lächeln ein lückenhaftes Gebiss und bewegte sich mit schwingenden Hüften an dessen Tisch.
      Kian lächelte zynisch.
      Ihr Kunde würde sich später in einer dunklen Gassenecke erst an ihr befriedigen und dann eine mögliche Zeugin seines Treffens aus dem Weg räumen.
      Aber nicht das ärgerte ihn, sondern dass man ihn warten ließ.
      Warten war ein unerfreulicher Zustand. Es bedeutete, dass man ihn nicht respektierte und es an der erforderlichen Achtung fehlen ließ.
      Warten hieß, alle zwanzig Minuten zehn Silberlinge für Eselpisse blechen zu müssen. Aber das würde er seinem Geschäftspartner auf die Rechnung setzen. „Vogel?“ raunte eine Stimme in seinem Rücken. „Falke.“ gab Kian zurück. Na endlich.
      Eine mittelgroße, hagere Gestalt nahm auf dem zweiten wackeligen Hocker an seinem Tisch Platz und wartete, bis der Wirt das Gesöff abgestellt hatte.
      „Es ist ein leichter Auftrag.“ Kian konnte das Gesicht nicht sehen, aber das Grinsen hören. „Fast schon zu einfach für jemanden mit Eurem Ruf. Aber wenn mein Auftraggeber den Besten verlangt, soll er auch den Besten haben.“
      Kian schwieg. Er mochte Schmeicheleien nicht.
      „Dreissig Goldstücke zu je 20 Gramm.“
      Kian runzelte wortlos die Stirn. Das war ein Vermögen. Niemand gab ein Vermögen für einen einfachen Mord aus.
      Sein Gesprächspartner nahm einen Schluck Bier.
      „Eine junge Frau. Ihr Name ist Adra Niran. Sie wohnt in der Schmiedegasse 73. Lebt mit ihrer Mutter und ein paar Bediensteten im Haus, der Vater ist tot. Erledigung des Auftrages binnen einer Woche, wie ist egal, keine Zeugen, Leiche soll gefunden werden.“
      Kian nickte.
      „Adra ist siebzehn. Unbewaffnet, keinerlei Kampfausbildung. Zahlung hier am Tage nach Auffindung der Leiche. Sind wir im Geschäft?“
      „Zehn als Anzahlung.“ bestätigte Kian.
      Ein Geldbeutel wechselte den Besitzer unter der Tischplatte. „Ich wünsche Euch gutes Gelingen und eine ruhige Hand.“ Der Hagere stand auf, deutete eine Verbeugung an und verließ eilends den Schankraum.
      Die Phantasie tröstet die Menschen über das hinweg, was sie nicht sein können, und der Humor über das, was sie tatsächlich sind.
      Albert Camus (1913-1960), frz. Erzähler u. Dramatiker

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von melli ()

    • Toller Anfang, das könnte sich zu einer Geschichte ganz nach meinem Geschmack entwickeln :thumbsup: Mit viel Blut, Attentätern, düsteren Gassen usw. Der Schreibstil ist solide und vor allem am Afang sehr gut, das mit der Eselpisse ist klasse :thumbup: Die GEschichte liest sich flüssig und ohne Unterbrechungen, Fehler gibt es gar nicht erst. 5 von 5 Sternen :thumbsup:
      Aber nicht das ärgerte ihn, sondern dass man ihn warten ließ.
      Komma nach sondern, muss aber nicht sein

      LG
      Arathorn
    • Ja wie jetzt? Du hast mich beim Kommi bei Kiwis Geschichte 2x überholt und auch noch hier gepostet?


      Arathorn, du wirst langsam unheimlich... 8|
      Die Phantasie tröstet die Menschen über das hinweg, was sie nicht sein können, und der Humor über das, was sie tatsächlich sind.
      Albert Camus (1913-1960), frz. Erzähler u. Dramatiker
    • Ja, das stimmt sogar. :D Wir verstehen es nur nicht ?(
      Du musst ja mindestens 12 Minuten bei Kiwi kommentiert haben, wenn ich dich gelich 2x überholt habe. Benutzt du das Adler-Such-Tipp-System? (man kreist mit dem rechten Zeigefinger über der Tastatur und schlägt jedesmal zu, wenn man den richtigen Buchstaben gefunden hat :thumbsup: )
      Wann geht die Geschichte hier eigentlich weiter? :D

      LG
      Arathorn
    • Mein Browser erfreut mich mit schönster Regelmäßigkeit durch die Meldung: keine Rückmeldung. Sprich, egal was ich mache, alles ist festgefroren und reagiert erst nach gefühlten Äonen.....

      Ich weiß nicht, wann die Geschichte weitergeht, ich hab sie um 15 Uhr erst erfunden. :D
      Heute abend vielleicht - falls ich bin dahin eine Idee entwickelt habe ^^
      Die Phantasie tröstet die Menschen über das hinweg, was sie nicht sein können, und der Humor über das, was sie tatsächlich sind.
      Albert Camus (1913-1960), frz. Erzähler u. Dramatiker
    • Ja, so geht es mir leider auch oft ;(
      Mehr oder weniger schön zu hören, dass ich nicht der einzige bin, auch wenn ich es dir natürlich nciht wünshce :D
      Ich freu mich auf jeden Fall schon drauf, und diesmal werde ich von anfang an dabei bleiben und nicht erst irgendwann anfangen zu lesen :thumbup:

      LG
      Arathorn
    • @melli: Ich mag zwar inzwischen Google nicht mehr, aber Chrome läuft flüssig und schnell. Kann ich nur empfehlen. ^^

      Allein der Anfang der bannt mich. Sowas liest sich ja von selbst und schön düster dargestellt, das mag ich. :thumbsup:
      Ja ich mag solche Geschichte und jetzt? ^^
      Wie immer alles soweit Top und ich freu mich auf die Fortsetzung.

      mfg Turm
    • Wuhuu, das war ja mal ein humorvoller, lockerer Einstieg ohne Beschönigungen. Daher mein erste Frage: Wird das wirklich noch Dark Fantasy? ^^
      Ich würde mich über eine Fortsetzung freuen, ich mag zynische Charaktere und dreckige Settings.

      Zwielichte Gestalten an wackeligen Tischen, deren zerkratzte Platten einen klebrigen Belag aufwiesen.


      Das muss "Zwielichtige..." heißen. Zwielicht(e) passt nur als Substantiv und da weiß ich nichtmal ob es davon ein Plural gibt xD

      [...]und der Hunger sprang ihr aus den Augen.


      Liest sich unfreiwillig komisch. Ist das beabsichtigt? Ansonsten würde ich das mit "zeichnete sich in ihren Augen ab" ersetzen.

      Es bedeutete, dass man ihn nicht respektierte und es an der erforderlichen Achtung fehlen ließ.


      hier reicht "fehlte", liest sich einfacher und verständlicher.

      „Fast schon zu einfach für jemanden mit Eurem Ruf."


      kleinschreiben

      ------

      Generell sollte man spezielle Eigennamen von Häusern etc., wie zB "Der Schwarze Hund" kursiv hervorheben.

      Kiwi
      "Was wir brauchen, sind ein paar verrückte Leute; seht euch an, wohin uns die Normalen gebracht haben."
      - George Bernard Shaw -

    • @kiwi:

      Eurem muss groß geschrieben sein, es ist eine Anrede wie du oder eben "Sie", und da schreibt man es auch groß, genauer genommen ist es der Genitiv zu "Ihr", was eine veraltete sehr höfliche Anrede ist :D Entschuldigt die ausführliche Ausdrucksweise, aber es sollte kein Oneliner werden, und einen Sinn hat es ja ... :whistling:

      Noch was:
      Eine mittelgroße, hagere Gestalt nahm auf dem zweiten, wackeligen Hocker
      an seinem Tisch Platz und wartete, bis der Wirt das Gesöff abgestellt
      hatte.
      das Komma nach "zweiten" muss raus, nach Ordinalzahlen stehende Adjektive werden nicht abgetrennt


      LG
      Arathorn
    • Hmm, also google sagt was anderes. Imm Duden steht nichts davon.

      Es ist ja kein Anrede im eigentlichen Sinne. Es wird ja sein "Ruf" hervorgehoben, nicht die Person selbst.

      Wo das gelten würde wäre zB, "Eure Exzellenz"

      Ah ich halt mich raus :D
      "Was wir brauchen, sind ein paar verrückte Leute; seht euch an, wohin uns die Normalen gebracht haben."
      - George Bernard Shaw -

    • @kiwi:

      meinst du eurem im Plural ?( Ich meine die Anrede, die gleichwertig mit "deinem Ruf" aber förmlicher ist. Genau wie bei Eure Exzellenz, nur dass es hier eben der Ruf ist und nicht die Exzellenz. Es wird zwar der Ruf hervorgehoben, die Person aber direkt angesprochen, genau wie das bei deinem Beispiel auch der Fall ist,w as nur oft falsch erkannt wird. Ein König meinetwegen ist die Exzellenz, deswegen: "Man verlangt nach Eurer Exzellenz, mein Herr". Verstanden? :D

      LG
      Arathorn
    • Ne, das Plural bezog sich auf das Wort Zwielicht.

      Gut, dann magst du halt recht haben. Fand es nur komisch, dass es keine Beispiel dafür im Netz gibt. Außerdem bezweifle ich, dass man in einer dreckigen Schanke den anderen, zumal man ihn nur für einen Auftrag bezahlt, mit Respekt förmlich anredet, aber das seh ich halt nur in meiner Welt so :D
      "Was wir brauchen, sind ein paar verrückte Leute; seht euch an, wohin uns die Normalen gebracht haben."
      - George Bernard Shaw -

    • Der Regen hatte das Dach durchdrungen. Wasser tropfte in der linken Ecke mit monotonem Geräusch in die kleine Pfütze auf den Dielen, um sich von dort einen Weg in die unteren Geschosse zu suchen. Es roch nach altem Schimmel.
      Ein brennendes Stück Holz zerbarst laut in dem kleinen Ofen, der die zugige Kammer notdürftig wärmte.
      Das Licht einer einzigen Kerze nahm flackernd den Kampf gegen die Dunkelheit auf. Vor ihr lagen zehn Goldmünzen zu je zwanzig Gramm auf einem einfachen Holztisch.
      Kian saß an diesem Tisch, den Kopf in die Hände gestützt, und starrte auf das Geld.
      Eine Woche war nicht viel Zeit.
      Er kannte die Schmiedegasse. Es gab zwei Schmieden, die ihr den Namen verliehen hatten, und eine Menge gutbürgerlicher Häuser. Nicht reich, aber durchaus ordentlich, groß, mit Zimmern für Bedienstete unter dem Dach und Gardinen an den Fensterscheiben und je einem kleinen Grundstück.
      Ein siebzehnjähriges Mädchen aus dieser Gegend würde kaum allein auf die Straßen gehen. Wenn, dann ging sie tagsüber, entweder mit ihrer Mutter oder einem Diener. Aber niemals allein.
      Sie würde auch nur in ordentlichen Gegenden herumlaufen. Da, wo die Leute sich mit Namen grüßten und untereinander kannten. Da, wo Wachleute Sicherheit vermittelten.
      Kian lehnte sich nach hinten, hakte die Daumen unter den Hosenbund und schlug die Beine übereinander.
      Seit drei Tagen ersoff die Stadt im Regen. Es sah nicht so aus, als würde sich das Wetter bald ändern. Noch war es nicht kalt genug für Eis und Schnee, aber sogar das könnte noch kommen. Die Tage waren kurz.
      Bei diesem Wetter waren nur die Menschen auf der Straße anzutreffen, die das Haus verlassen mussten oder gar keins hatten. Niedere Dienerschaft, Mägde, Arbeiter, Bettler, Huren und Diebesgesindel. Junge Mädchen blieben fein zu Hause und übten sich im Singen, Sticken oder sonst was.
      Eine Woche.
      Wenn er Pech hatte, würde sich das Mädchen gar nicht draußen blicken lassen. Was bedeutete, er müsste in das Haus eindringen, sie dort suchen, finden und umbringen. Ohne Kenntnis der Räumlichkeiten, der Anzahl der Bediensteten und ohne Zeugen.
      Er hatte schon ähnliche Aufträge gehabt.
      Mädchen, denen es frühzeitig zwischen den Beinen juckte und die einen Bastard von irgend einem hochangesehen Kerl erwarteten. Sie stahlen sich heimlich davon, um ihren Geliebten zu treffen, und es war ihm ein Leichtes, sie auf dem Weg abzufangen und seinen Auftrag zu vollenden.
      Aber diese Art des Arbeitens benötigte Recherche, Beobachtung und natürlich auch Glück. Normalerweise setzte er vier Wochen für einen solchen Auftrag an und bedingte sich aus, selbst den Zeitpunkt zu bestimmen.
      Hier hatte er sich von dem Lohn blenden lassen und versäumt, seine Bedingungen festzulegen.
      Ärgerlich.
      Fluchend räumte er die Münzen in sein Versteck unter einer losen Diele, schnappte sich seinen Umhang und blies die Kerze aus. Er hasste es, bei einem solchen Wetter spät abends noch einmal raus zu müssen.

      Der Regen verlieh der Stadt einen ganz anderen Klang. Ein allgegenwärtiges Prasseln übertönte die Stimmen der Bettler, die mit flehend erhobener Hand in der eiskalten Drecksbrühe saßen, die nun bis über die Fußknöchel reichte und jedermanns Schuhe ruinierte. Das Wasser hatte die Ratten aus ihren Löchern getrieben. So viele Ratten. Ein Bettler saß zusammengesunken an der Bretterwand einer elenden Hütte und rührte sich nicht. Nur sein rechter Unterarm war frei von Ratten, und der Regen spülte dunkles, klumpiges Blut daran herunter.
      Bei einem solchen Wetter fuhren die Leichenkarren nicht mehr, die sonst jeden Morgen durch Wistrans elende Gassen zogen, um die Toten der letzten Nacht einzusammeln und deren Körper in die Grube vor der Stadt zu entsorgen. Diese Leichenkarren waren die zynische Spende der wohlhabenden Bürger der Stadt Liargan, an deren Randbezirk Wistran wie ein Krebsgeschwür wucherte. Sie versuchten, sich damit von der Pest und anderen Übeln freizukaufen.
      Mit jedem Schritt verschlechterte sich Kians Laune.
      Sein Umhang war natürlich nicht wasserdicht, ein gutes Stück hätte in Wistran den sicheren Tod bedeutet, und auch das letzte Fädchen Stoff, dass er am Körper trug, war nass und kalt. Aus den Augenwinkeln sah er vier Schatten, die aus einem dunklen Winkel kommend, sich an seine Fersen hefteten. Der Größe nach waren es Kinder.
      Die dürren Gestalten, kaum bekleidet, schlichen ihm auf krummen Beinen nach im Glauben, er bemerke sie nicht.
      Ein oder zwei dieser Idioten würde ein Messer haben, und sie schienen verzweifelt genug, ihn angreifen zu wollen.
      Der Umhang hätte sie warnen sollen, aber Kinder waren manchmal blöd.
      Ein Umhang verbarg nicht nur das Gesicht des Trägers, sondern auch seine Waffen. In Kians Fall waren das ein Schwert, vier Dolche, sechs Shuriken und eine Garotte.
      Der Regen war nicht laut genug, um das Platschen der nackten Füße im Wasser zu übertönen, als sie in seinen Rücken zu kommen versuchten. Er konnte sogar den tiefen Atemzug hören, als sein Angreifer den Arm mit der Waffe hob, um ihn rücklings zu erdolchen.
      Kian wirbelte mit gezogenem Schwert einmal um seine eigene Achse und fühlte zwei Mal einen kurzen Widerstand an der Klinge.
      Zwei Köpfe flogen in einem kleinen Bogen durch die Luft, bevor sie ins Wasser fielen und dort versanken. Die beiden Torsi blieben noch einen Moment stehen und sprühten im Rhythmus der letzten Herzschläge Blut durch die durchtrennten Halsschlagadern. Der Arm mit einem Stück Holz war noch zum Schlag erhoben.
      Dann fielen sie um und gaben den Blick auf helle Flecken frei, weit aufgerissene Kinderaugen. Kian hätte sich bücken müssen um auch die beiden anderen zu töten.
      Sie waren der Mühe nicht Wert, reichten ihm kaum bis zur Hüfte. Und sie hatten was gelernt. So schnell sie konnten drehten sie um und rannten zurück in die Schatten.
      Kian steckte sein Schwert zurück in die Scheide und setzte seinen Weg fort.
      Die Phantasie tröstet die Menschen über das hinweg, was sie nicht sein können, und der Humor über das, was sie tatsächlich sind.
      Albert Camus (1913-1960), frz. Erzähler u. Dramatiker
    • Wow, das ist richtig gut :thumbup: Gefällt mir wirklich

      Scheint immer noch kompliizerter zu werden, anscheinend wird es eien lange Geschichte. Fehler gibt's nicht, alles isr super beschrieben und man kann es direkt vor sich sehen.
      Ein brennendes Holz zerbarst laut in dem kleinen Ofen,
      Ein brennendes Stück Holz

      LG
      Arathorn
    • Wuhu, das war ja richtig gut. Vlt. der beste Auszug, den ich hier im Forum bisher lesen durfte. Richtig schön beschrieben, die Geschichte hat sich mühelos in meinem Kopf entfaltet, und ich wollte schnell ins Warme (aber ich bin ja schon drinne xD ).

      Neben den Punkt von Arathorn, fiel mir das ins Auge:

      Ein allgegenwärtiges Prasseln übertönte die Stimmen der Bettler, die mit flehend erhobener Hand in der eiskalten Drecksbrühe saßen [...]


      Widerspricht sich selbst. Auf der einen Seite wird die Szenerie als regnerisch und (eis)kalt dargestellt, aber als Dreckbrühe (etwas das kochend heiß ist) bezeichnet. Vielleicht findest du ja dafür eine Alternative.

      Ich freue mich schon wahnsinnig auf die Fortsetzung :thumbup:
      "Was wir brauchen, sind ein paar verrückte Leute; seht euch an, wohin uns die Normalen gebracht haben."
      - George Bernard Shaw -

    • Kiwi schrieb:


      Wuhu, das war ja richtig gut. Vlt. der beste Auszug, den ich hier im Forum bisher lesen durfte.

      8|
      Danke, jetzt werd ich doch glatt rot...

      Kiwi schrieb:

      Widerspricht sich selbst. Auf der einen Seite wird die Szenerie als regnerisch und (eis)kalt dargestellt, aber als Dreckbrühe (etwas das kochend heiß ist) bezeichnet.


      Hier möchte ich Widersprechen. Brühe ist Wasser, in dem etwas ausgekocht wurde, das Wort selbst findet zwei Arten zur Anwendung: "Verbrühen" nimmt Bezug auf den Kochvorgang und Hitze; eine undefinierbare Brühe ist aber nur eine TRÜBE Flüssigkeit, halt Wasser vermischt mit Inhaltsstoffen. Beispiel: ein Tümpel kann eine schlammige Brühe enthalten. :D
      Die Phantasie tröstet die Menschen über das hinweg, was sie nicht sein können, und der Humor über das, was sie tatsächlich sind.
      Albert Camus (1913-1960), frz. Erzähler u. Dramatiker
    • „Was will er hier?“ knarzte eine Stimme aus der völligen Dunkelheit. „Ein Falke fliegt auf den Berg.“ brummte Kian und setzte leicht grinsend seinen Weg fort. Diebe. Was für ein paranoides Volk. Sie hatten selbst in einer Nacht wie dieser Wachen aufgestellt, obwohl es bei ihnen so gut wie nichts zu holen gab. Immerhin hatten sie eine etwas bessere Gegend für sich reserviert. Hier ging es bereits bergauf, so dass der Wasserspiegel nicht ganz so hoch in den Gassen stand.
      Aber die Hütten, welche die engen Wege säumten, waren auch nicht besser als die in Wistrans Unterstadt.
      Kian wusste, dass sie jeden seiner Schritte verfolgen würden, bis er ihr Gebiet verlassen hatte. Er sah und hörte niemanden, aber hier hatten die Schatten Augen. Überall.
      Ein paar Eulenrufe hallten über die Dächer. Hier gab es keine Eulen.
      Man musste Wistran gut kennen, um sich zurecht zu finden. Ein Eulenruf über dem Viertel der Diebe kündigte einen Assassinen auf Durchreise an.
      Für ihn war das gut. Niemand wäre hier so dämlich, einen Assassinen anzugreifen. Vereinzelt brannten feuchte Fackeln dampfend und zischend unter überhängenden Dächern.
      Sie zeigten ihm den Weg.
      Die Diebe würden sich darauf beschränken, sicher zu stellen, dass er nicht zum Arbeiten hier war.
      Zügig schritt er voran. Das Wasser in seinen Schuhen gab bei jedem Schritt schmatzende Geräusche von sich. Vielleicht sollte er sich vor Liargan neue Schuhe besorgen.
      Ein Käuzchenruf verkündete schließlich, dass er das Viertel der Diebe verlassen hatte.

      Die Wege waren hier schon deutlich steiler und der Matsch behinderte das Laufen ungemein. Kian musste sein Tempo drosseln, um nicht auszurutschen.
      „Na, Süsser, willst du dich ein wenig aufwärmen kommen?“ Die halbnackte Hure hatte die Änderung seines Tempos gründlich missverstanden. Ihr Versuch, verführerisch zu klingen scheiterte am Klappern ihrer Zähne.
      Kian reagierte nicht auf die Anfrage, und die Hure verstand.
      Hier unten standen die hässlichsten Frauen, die abgenutzten, alten, vor schäbigen, windschiefen Häusern und Bretterbuden. Manche von ihnen hatten ihr ganzes Leben hier verbracht. Einige aber hatten in der Oberstadt angefangen und waren erst im Laufe der Jahre hier geendet.
      Sie waren billig. Fünf Silberlinge, und man konnte mit ihnen anstellen, was man wollte.
      Das machte sie attraktiv für die Diebe und für Gesindel aus der Unterstadt.
      Und für Männer, die Vorlieben hatten, die sie wo anders nicht befriedigen konnten.
      Die Sterblichkeit in diesem Viertel war sehr hoch. Krankheiten, Messerstiche, Folter, Hunger und verpfuschte Abtreibungen gingen dem Tod zur Hand.
      Je höher Kian kam, desto mehr wurde der Geruch nach Elend von billigem Parfum überdeckt. Es gab mehr Licht in den Häusern, dass eventuelle Kunden auf das nackte Fleisch aufmerksam machen sollte, dass sich in den Fenstern präsentierte. Mit gekünsteltem Gelächter und betont verruchter Fröhlichkeit versuchten die Damen, Kians Aufmerksamkeit und anderes zu erregen und zu vertuschen, dass in einer Nacht wie dieser nichts los war.
      Die Straßen wurden breiter und die Häuser besser, je mehr er sich Liargan näherte.
      Die Huren jünger, die Häuser spezialisierter. Da gab es das Waisenhaus mit den roten Plüschvorhängen, in dem Kinder zwischen sechs und acht Jahren „wohnten“. Das Knabenheim, dass nur Jungs anzubieten hatte. Ein paar Kneipen mit Spieltischen und Separees. Musik ertönte aus einigen Häusern, lustige Fidelei oder klassisches Klavier, für jeden Geschmack war etwas dabei.
      Ein paar Kutschen standen an den Straßenrändern, und die Kutscher saßen durchnässt auf ihren Plätzen und warteten frierend auf ihre Herrschaften.
      In den dunkleren Teilen zwischen den Häusern standen junge Muskelprotze, deren Aufgabe es war, die Gäste vor Menschen wie Kian zu schützen. Die geschätzte Kundschaft sollte schließlich wiederkommen.
      Auch hier hatte der Gastbesuch unter dem Wetter gelitten, es war übersichtlich. An schönen Tagen drängte sich eine Menschenmenge durch diese Straßen, aber heute wäre es eine schlechte Idee, sich ein paar Schuhe zu besorgen.
      Missmutig setzte Kian seinen Weg fort.
      Kurz vor der Stadtmauer glichen die Häuser feinen Palästen und nur die edelsten und besten Kurtisanen verrichteten hier ihre Dienste zu unglaublichen Preisen.
      Bei schönem Wetter konnten sich die Damen sogar mal einen freien Tag leisten und stolzierten an ihren Palästen entlang wie Königinnen, nicht wissend, dass die Syphilis und das Alter sie irgendwann alle in die Unterstadt bringen würde.
      Die Paläste interessierten Kian nicht. Er ging zielstrebig zu einem der schlichten Häuser, deren Rückwände direkt an der Stadtmauer lehnten, und klopfte in einem bestimmten Rhythmus an die Türe.
      Karb brauchte eine Zeit, bevor er brummig die Türe öffnete. Den fetten Leib in ein Nachthemd gehüllt, mit hängendem Schnauzbart und dicken Filzpantoffeln starrte Karb geübt auf den Boden, als er stumm die geöffnete Hand ausstreckte. Wortlos ließ Kian einen Beutel mit fünfzig Silberlingen hineinfallen. Karb knallte die Türe wieder zu, um im Schein der Kerzen das Geld in Ruhe zählen zu können und ließ Kian geschlagene fünf Minuten warten, bis er die Türe wieder öffnete.
      „Okay.“ brummte er, und Kian machte sich auf den Weg zu der kleinen Leiter, die in den Keller führte.
      Liargan grenzte sich durch eine gut bewachte Stadtmauer von Wistran ab. Das Tor erlaubte den Herrschaften der Stadt, Wistran zu besuchen, aber eine Menge Wachen verhinderten, dass diese Besuche erwidert werden konnten.
      Männer wie Karb, der zum Arbeiten zu faul und zum Verbrechen zu weichherzig war, gab es auf beiden Seiten der Mauer, und sie verdienten sich mit ihren Kellern eine goldene Nase.
      Die Phantasie tröstet die Menschen über das hinweg, was sie nicht sein können, und der Humor über das, was sie tatsächlich sind.
      Albert Camus (1913-1960), frz. Erzähler u. Dramatiker
    • Da kann ich Kiwi nur recht geben :thumbup:
      Auch der Teil war wieder richtig gut, das scheint ishc zu einer 1A Geschichte zu entwickeln, wie man sie hier nicht oft zu lesen bekommt :thumbsup: Tolle Beschreibungen, und das Kopfkino läuft ununterbrochen, man lernt sogar noch einiges üebr die Stadt :D

      Karb scheinst du ja mit einer kleinen Namensänderung 1:1 aus Blutrache übernommen zu haben, sogar die Filzpantoffeln sind da :D
      zwischen den Häusern standen die Boys, deren Aufgabe es war, die Gäste vor Menschen wie Kian zu schützen
      Boys passen definitiv nicht in eine mittelalterliche Welt :D

      LG
      Arathorn
    • Hast natürlich recht, mir fiel beim Schreiben nichts anderes ein. Ich habs jetzt durch "junge Muskelprotze" ersetzt.

      Ich fand die Kombi Plautze, Nachthemd und Filzpantoffeln einfach zu klasse. Aber bei mir ist der Typ nur ne Nebenfigur und hat auch keine breiten Schultern. ;)
      Die Phantasie tröstet die Menschen über das hinweg, was sie nicht sein können, und der Humor über das, was sie tatsächlich sind.
      Albert Camus (1913-1960), frz. Erzähler u. Dramatiker
    • @Melli: Erst einmal wirklich toll geschrieben. Bei mir kommt da nur leider wieder der oder besser die Kämpferin durch.
      Beitrag von gestern, um 17:47 Uhr, Zitat: In Kians Fall waren das ein Schwert, vier Messer, sechs Schuriken und eine Garotte.
      Kleiner Schreibfehler: In Kians Fall waren das ein Schwert, vier Messer, sechs Shuriken und eine Garotte. Und Messer, klingt für mich eher nach Küchenmesser, würde ich durch Dolche ersetzen, das klingt dann schon eher nach einem Kämpfer.
      Ansonsten, tolle Arbeit, mach weiter so, :thumbsup:
      LG Maitreya