Krieg der Königsboten [abgebrochen]

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    • Hallo ;D melde mich heute einmal vom Handy aus. Also Nixen und Meerjungfrauen sind eig NICHT das gleiche. Nixen leben im Süßwasser, Meerjungfrauen im Salzwasser, das ist aber auch der einzige Unterschied. Den Rest deiner Korrektur werde ich mir wohl erst morgen durchlesen können (sry) Lg Nyneve

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    • Hier ein weiterer Teil der "Königsboten". ;D Ich sehe schon, ich muss mich ranhalten, sonst sind meine Reserven ausgeschöpft. :D
      Lg Nyneve

      Kapitel 2
      Ich wusste nicht genau, wie ich zurück in mein Blatt gefunden hatte. Nach Loreleys Auftritt war tosender Beifall ausgebrochen. Sie wurde von der Menge getragen, bekam Blumen und wurde von allen nur Goldkehlchen genannt. Später, als sich der Tumult gelegt hatte, waren auch Hibiscuse und Lauriel wieder aufgetaucht, von Sìne jedoch fehlte jede Spur. Ich fürchtete schon, dass sie sich mit einem Satyr eingelassen hatte, als sie sturzbetrunken angetorkelt kam. Sie schrie immer wieder, dass dies die beste Feier war, die sie je erlebt hatte und nuschelte vor sich hin. Dann begann sie ununterbrochen zu kichern und schließlich heulte sie, da die Feier für sie nun zu Ende war. Auch wir anderen gingen notgedrungen, wobei die Fete noch immer in vollem Gange war. Hibiscuse, Lauriel und ich wechselten besorgte Blicke, nachdem wir Sìne in ihr Blatt geschoben hatten.
      „Es war unverantwortlich, euch mitzunehmen.“ Hibiscuse knirschte betreten mit den Zähnen.
      „Was kann ich denn für Sìnes Verhalten. Ich hätte nicht gedacht, dass sie so…so…ihr wisst schon, was ich meine.“
      „Beinahe wäre sie in die Fänge eines Satyrs gekommen. Diesen Wesen kann man einfach nicht trauen, die haben nur Wein und Weiber im Kopf.“ Lauriel schüttelte den Kopf.
      „Bei dir stand auch einer am Tisch, nicht wahr?“ Hibiscuses Blick war steinhart.
      „Ja, aber ich habe ihn abgewimmelt und er hat direkt ein anderes Opfer gefunden. Ich kann auf mich selbst aufpassen!“ Ich zischte wie eine wütende Schlange, die man aus ihrem Nachmittagsschläfchen geweckt hatte.
      „Vielleicht gehst du jetzt auch besser schlafen, morgen wird ein harter Tag, wie ich Hibiscuse kenne.“ Lauriel konnte sich das Grinsen nicht verkneifen und bekam von Hibiscuse einen Hieb in die Rippen.
      Nun, und so lag ich nun in meinem Blatt. Veikko war schon früher zurückgekehrt und schlief tief und fest wie ein Felsbrocken – aber ein warmer, bequemer Felsbrocken. Ich starrte hinauf in den Sternenhimmel, doch der schwieg nur beleidigt.
      „Du bist mal wieder eine große Hilfe“, grummelte ich. Ich war ein wenig böse auf Sìne, da mir das Fest großen Spaß gemacht hatte und ich keine Gelegenheit bekam, mir etwas vom Buffet zu krallen. Zugegeben, das war auch mit meine Schuld. Ich hätte mir ja einfach etwas nehmen können. Wenn ich an die leckeren Meeresfrüchte dachte, bekam ich erneut Hunger. Bis auf das Picknick gegen Mittag hatte ich heute noch nicht großartig etwas gegessen – und das machte sich nun bemerkbar. Ich stand auf und schlurfte ein wenig umher. Irgendwie war ich noch zu aufgedreht, zu wach um schlafen zu gehen. Das konnte warten – Hibiscuse morgen leider nicht. Ich würde mir eine Predigt von ihr anhören können, dass ein richtiger Krieger wusste, wann er erschöpft war und sie deswegen nun das Training verlangsamen musste. Sie war eine sehr ehrgeizige Fee und wollte unbedingt die beste Schülerin von allen aus mir machen. Doch ich war mir nicht sicher, ob ich dafür der richtige Typ war.
      Noch ein paar weitere Schritte und ich stand wieder neben meinem Blatt. Wie in Trance hatten meine Füße wieder den Weg dorthin zurück gefunden. Vielleicht war das ein Zeichen, dass ich nun endlich schlafen sollte, ich wusste es nicht. Geschlagen wickelte ich mich wieder hinein und verfluchte in Gedanken schon einmal den nächsten Tag. Ich wusste nicht, was Hibiscuse wieder mit mir machen wollte, doch es war sicher nicht etwas Nützliches wie schlafen. Resigniert schloss ich die Augen und dachte an die vergangenen Stunden zurück. Ich hatte einige neue, interessante Bekanntschaften gemacht, angefangen von Nixen, Satyre und Meerjungfrauen bis hin zu Kitsune. Ich spürte, dass mein Leben wohl nie wieder so werden würde, wie zuvor und wusste nicht, ob dies positiv oder negativ war.

      „Aufstehen, kleine Schlafmütze!“, weckte mich eine allzu wohlbekannte Stimme aus meinem Schlaf. Zum ersten Mal hatte ich keinen Albtraum gehabt. Ich stand auf einer Bühne, neben mir Loreley und Faye und zusammen sangen wir seltsamerweise ein Kinderlied, doch die Menge schien dies nicht zu stören und ehe ich mich versah, saß ich mit den beiden auf einer großen Torte und wurde herumgereicht.
      Dabei krähte Sìne neben mir: „Sie war schon immer für eine Überraschung gut.“ Seltsamerweise kaum müde öffnete ich die Augen und blickte in das inzwischen vertraute Gesicht von Hibiscuse.
      „Bin schon wach“, murmelte ich dazu, rieb mir die Augen und stand auf.
      „Wer feiern kann, kann auch arbeiten“, das erste was ich sah war Hibiscuses schadenfrohes Lächeln, als ich die Augen aufschlug. Geknautscht sah ich mich um.
      „Wo ist Veikko?“
      „Der wollte sich mal umsehen. Und jetzt steh gefälligst auf! Das Training wartet auf dich.“ Dabei lächelte Hibiscuse sadistisch, während mir meine Kinnlade sprichwörtlich runterfiel.
      „Keine Sorge, dieses Mal werden wir deinen Bogen nicht brauchen – das heißt aber nicht, dass du ihn nicht trotzdem dabei hast, nicht wahr? Nirgendwo ist er sicherer als auf deinem Rücken.“ Ich trottete geschlagen hinter ihr her in den Wald.
      „Warum fliegen wir nicht?“, wollte ich ungeduldig wissen.
      „Zum einen schadet laufen nie und zum anderen gehen wir zu einem Ort, an dem du mit Fliegen nicht weit kämest.“
      „Ich hab Hunger“, jammerte ich weiter. Ich sah, wie Hibiscuse ihre Augen verdrehte, doch sie schwieg.

      So tief war ich noch nie in den Wald gegangen. Je weiter wir gingen, desto dunkler wurde es und desto dichter reihten sich die Bäume aneinander. Auch die Vegetation hatte sich geändert. War bei dem Schlafplatz und der Lichtung die Sonne durch die Blätter gedrungen und Krokusse, Hyazinthen und Osterglocken aus dem Boden gesprießt, so wuchsen hier nur noch bunte Pilze auf dem Boden und an den Bäumen. Sie waren die einzigen Lichtflecken, die lustig und fröhlich herumstanden. Die Bäume selbst hatten auch deutlich dunklere Rinden und dunkelgrüne Blätter. Dennoch wirkte es nicht beängstigend, eher märchenhaft.
      „Wohin gehen wir?“ Ich startete einen erneuten Versuch, mehr über unser Ziel zu erfahren.
      „Zu den Meistern der Schmiedekunst.“ Das war zwar nicht viel, aber zumindest eine bessere Auskunft als zuvor.
      „Aha, und würdet Ihr mir auch verraten, wer das ist?“ Hibiscuse schüttelte ein wenig fassungslos den Kopf.
      „Die Zwerge“, stieß sie dann zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor. Ich schlug mir leicht gegen die Stirn. Das hätte ich tatsächlich wissen müssen, denn oft schon waren Zwerge durch den Tiefenwald gewandert um ihre Waren zu preisen. Schweigend liefen wir weiter, bis ich durch ein dumpfes Geräusch hinter mir zusammen zuckte. Hibiscuse drehte sich elegant um, die Hand an ihrem Bogen. Ich tat es ihr nach, doch dann entspannten sich meine Schultern, denn es war Veikko, der gute, alte Freund.
      „Ihr hättet ruhig auf mich warten können. Ich musste die ganze Strecke in einem Affenzahn zurücklegen!“ Doch ernsthaft sauer war er nicht, denn schon bald trottete er neben mir her und ließ sich zwischen den Ohren kraulen.
      Ein paar Sekunden stand ich perplex vor der Haustür, die sich in einer Holzwand befand, welche wiederum beinahe oval in den Fels gebaut wurde. Ein hölzernes, vergittertes Fenster rechts davon war hell erleuchtet. An ihm hing ein Korb mit blühenden Osterglocken in Rot. Hibiscuse klopfte erneut an die Tür, die ihr gerade einmal bis zur Taille reichte. Ich kniete mich hinab um durch das Fenster zu schauen, doch seltsame Stoffe rechts und links versperrten mir die Sicht. Da ging die Tür auf und ein Zwerg schaute hinaus. Er ging mir vielleicht bis zur Hüfte und trug einen lustigen, knallroten Hut auf dem Kopf, der mit seiner roten Nase um die Wette leuchtete. „Ja?“, fragte er nur. Man konnte nicht erkennen, ob er erfreut war oder sich gestört fühlte.
      „Dass du mich nicht wiedererkennst, Eben.“ Hibiscuses Stimme klang leicht beleidigt.
      „Na, wenn das nicht Hibiscuse Himmelkleid ist! Wie geht es dir? Genie ist leider nicht zu Hause, sie will heute Abend Pilzsuppe machen.“ Dabei rieb sich der Zwerg seinen Bauch, der bereits beachtliche Ausmaße vorzeigen konnte.
      „Was führt dich zu mir? Und wer ist deine Begleitung?“
      „Das ist mein Schützling. Sie bräuchte noch ein Schwert, weißt du?“ Der Zwerg lachte freundlich, fuhr sich über sein faltenreiches Gesicht und trottete mit uns um den Felsen herum, nicht ohne die Tür sorgfältig hinter sich zu schließen. Sein Gang war recht lustig, da er wie ein Betrunkener wankte und trotzdem mit seinen recht flinken Füßen hüpfte.
      „Also ein Schwert für die junge Dame. Mal sehen, was wir da haben“, murmelte er mehr zu sich selbst, als zu uns.
      „Geh da runter!“, rief er dann urplötzlich. Ein ebenfalls knallroter, kopfgroßer Drache lag eingerollt auf einem Amboss. Er hob den Kopf, spie eine daumenlange Flamme aus und blickte uns an. Beinahe wäre mir ein „süß“ herausgerutscht, denn er hatte große Schlappohren und ein knallrotes Fellbüschel dazwischen.
      „Beachtet ihn am besten nicht“, lachte der Zwerg und dabei geriet sein Bauch gefährlich zum Wanken. Er tappte weiter und ließ uns vor einer eisernen Tür stehen.
      „Eden ist der beste Schmied weit und breit“, erklärte Hibiscuse an mich gewandt, „ich habe mein eigenes Schwert von ihm.“ Schweigend warteten wir vor der Tür und ich sah mich um.

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      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Nyneve ()

    • Nyneve schrieb:

      Resigniert schloss ich die Augen und dachte an die vergangen Stunden zurück.
      vergangenen

      Ein interessanter Teil, auch, wenn nicht sonderlich viel passiert ist. Aber dennoch lesenswert. Es muss ja nicht immer die Hölle losbrechen. :D
      Ein wenig hat es mich verwirrt, dass Hibiscuse so sanft im Wecken war, da dein Prota ja auch schon viel länger geschlafen hat, als eigentlich üblich. Ich dachte eigentlich, ein Krieger muss eine härtere Ausbildung über sich ergehen lassen. Zumal Hibiscuse auch immer so hart gewirkt hat. Da war anzunehmen, dass sie Laumé dennoch mit Sonnenaufgang rausschmeißt. Nach dem Motto: Wer feiern kann, der kann auch arbeiten. :hmm: Ansonsten weiß ich noch nicht, was ich von deinen Gartenzwergen halten soll. :rofl: Finde es aber schon mal gut, dass es nicht diese Tolkin Zwerge sind, die passen in deine Geschichte sicher nicht so rein. :rofl:
      Super, weiter so. :thumbsup:

      LG, Kyelia

      Außer Betrieb - Geduldsfaden ist gerissen

      Der, der das Licht stahl
    • Kyelia schrieb:

      Ein wenig hat es mich verwirrt, dass Hibiscuse so sanft im Wecken war, da dein Prota ja auch schon viel länger geschlafen hat, als eigentlich üblich. Ich dachte eigentlich, ein Krieger muss eine härtere Ausbildung über sich ergehen lassen. Zumal Hibiscuse auch immer so hart gewirkt hat. Da war anzunehmen, dass sie Laumé dennoch mit Sonnenaufgang rausschmeißt. Nach dem Motto: Wer feiern kann, der kann auch arbeiten.
      Ja, hab diesen Teil noch einmal überarbeitet, ich finde, jetzt passt es wieder besser zu Hibiscuse. ;D

      LG Nyneve - und schönen Rest-Sonntag ;D

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    • Heyho! ;D
      Jaaaaaaaa, da ich im Moment viel zu viel Zeit habe, dachte ich, ich stelle schon einmal einen neuen Abschnitt rein ;D
      Vor allem, damit wir endlich zu meinem Lieblingsteil in der Mitte des 2. Kapitels kommen... :D
      Dann wünsch ich euch mal wieder viel Spaß beim Lesen ;D


      ~weiter im Text~

      Außer dem bereits erwähnten Amboss schmiegte sich noch ein weiteres hölzernes Regal an die Felswand, in dem mehrere seltsame Werkzeuge lagen. Zwei winzige Schemel und ein hölzerner, abgenutzter Tisch standen davor. Ich wunderte mich, dass das Holz unter freiem Himmel nicht bereits vergammelt war, doch es schien noch recht stabil zu sein. Diese Freiluftwerkstatt wurde an zwei Seiten von einem Zaum vom restlichen Wald abgetrennt. Die beiden anderen Seiten von den Felswänden. In beide waren zwei – ebenfalls hölzerne – Türen eingelassen. Eine musste in das Wohnhaus führen, durch die andere war Eden verschwunden. An der letzten freien Wand war ein großer Ofen aus Stein errichtet worden, der aber kalt war. Zwischen all dem Mobiliar wuchsen überall Pilze und kleine Baumsprösslinge. Alles in allem im Grunde ein großes Chaos.
      Nach einer gefühlten Ewigkeit kam Eden schwer schleppend wieder heraus.
      „Hier sind verschiedene Stücke. Müssten deine Größe sein“, meinte er an mich gewandt. Es klang mehr, als wolle er mir neue Kleidung andrehen und keine Waffen.
      „Hab gleich noch anderes nützliches Zeug mitgebracht.“ Er grinste über beide Ohren und verschwand dann wieder.
      „Klopft einfach, wenn ihr was gefunden habt“, rief er uns noch zu.
      „Dem wird noch einmal jemand was klauen“, lachte Hibiscuse, „daran ändert auch der Drache nichts.“ Ich sah erneut zu dem roten Fellbüschel, der neugierig Veikko beäugte.
      „Schau dir die Sachen an. Sei nicht schüchtern, sondern schau dir seine Ware an!“ An Hibiscuses Befehlston hatte ich mich immer noch nicht wirklich gewöhnt, doch ich befolgte ihre Anweisungen natürlich. Eden hatte alles auf den Tisch gelegt, sodass ich mich tief bücken musste, um die Schwerter und Dolche in Augenschein zu nehmen.
      Irgendwie sahen sie gar nicht so aus, wie ich mir Schwerter und Dolche vorgestellt hatte. Sie wirkten nicht schrecklich oder angsteinflößend, als hätten sie mit den Gräueltaten, die mit ihnen seit Jahrhunderten begangen wurden, nichts zu tun.
      Die Schwerter glichen sich kein bisschen. Manche hatten beinahe wellige Klingen, andere gefährlich scharf blitzende. Einige hatten sogar Muster in den Klingen graviert und wieder andere lederne, weiche Griffe. Ich nahm ein Schwert versuchsweise hoch um sein Gewicht zu prüfen. Beinahe hätte ich es direkt wieder fallen lassen. Es wiegte sehr schwer in der Hand. Sogleich legte ich es wieder auf den Tisch. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass ich im Kampf ein solches Monstrum in der Luft schwingen konnte. „Das schwierigste ist tatsächlich das Gewicht. Wenn das nicht passt, kann die Waffe noch so gut sein, sie wird dir nichts nützen.“ Hibiscuse hatte es sich so gut es ging auf einem der Hocker bequem gemacht und fuhr mit dem Finger eine Klinge entlang. Ich griff nach einem anderen Schwert mit einem schlichten Griff. Es hatte eine gerade Klinge und einen schwarzen Griff mit einem silbernen Knauf in Form einer Pfeilspitze. Es hielt sich schon deutlich besser in der Hand. Probeweise ließ ich es leicht in der Luft schwingen. Es ging problemlos von der Hand. „Fündig?“, wollte Hibiscuse wissen. Ich nickte nur.
      „Warum sind die Schwerter unterschiedlich schwer?“, wollte ich wissen, während ich mit dem Finger über die Verzierungen der Klinge strich.
      „Denk an die Bögen, war es nicht so, dass sich nur ein einziger gelöst hat? Hier ist es ähnlich, es gibt nur ein Schwert, das zu dir passt. Deswegen sollte man darauf achten, zu einem guten Schmied zu gehen. Ansonsten kaufst du dir irgendeinen Ramsch, der dir im Kampf nichts bringt. Das Schwert kann noch so gut sein, aber wenn du es kaum packst…“
      Sie ließ den Satz unbeendet, sah nach den Schwertern und fuhr fort: „Such dir noch einen Dolch, dann gehen wir.“ Ich ging zu den Dolchen, die im Grunde wie eine Miniaturform des Schwertes aussahen. Ich griff zielstrebig nach einem zweischneidigen Dolch, der wie das Schwert einen schwarzen Griff hatte und eher schlicht wirkte.
      „Den willst du?“ Ich nickte ein wenig unsicher und überreichte ihr beides. Bei ihr schien das Schwert deutlich schwerer zu sein, denn sie hatte Mühe, es zu tragen.
      „Lasst mich das nehmen“, rief ich auch sogleich. So kam es, dass ich nun im Besitz von einem Schwert und einem Dolch war. Als stolze Besitzerin würde ich mich dennoch nie fühlen. Ich trug ab jetzt einen Gürtel mit einer Schwertscheide um die Hüfte, an deren Seite ich auch den Dolch befestigen konnte. Veikko witzelte auf dem Rückweg immer wieder darüber und verglich mich lachend mit irgendwelchen Märchenhelden. Ich ließ es demütig über mich ergehen, doch als auch Hibiscuse damit anfing, konnte auch ich mich irgendwann vor Lachen nicht mehr halten.
      „Bald wird sie dann in Drachenblut baden und sich für unsterblich halten“, lachte Veikko weiter. Obwohl ich eigentlich den Witz darin nicht sah, steckte er uns anderen beiden bald an. Wir gaben wohl ein sehr skurriles Bild ab. Drei Gestalten kicherten wie Jungfeen durch den Wald, obwohl sie bald in den Krieg ziehen würden wie so viele zuvor und wohl wie die meisten nicht wiederkommen würden. Und doch unbeschwert strichen sie durch die Wälder, ahnungslos der Gefahr, der sie sich selbst aussetzten. Hinter jedem Baum konnten sie lauern, in jeder Baumkrone konnten sie sitzen, auf sie blicken und sich gierig ihre verdorbenen Lippen lecken. Jeden Moment bereit, sich auf sie zu stürzen, in die dunkelsten Ecken zu ziehen und sie genüsslich zu verspeisen.
      Doch diese Gedanken schwirrten nicht durch die Köpfe von ihnen. Sie klammerten sich an diese lächerliche Posse, wie ein Sterbender an sein Leben, ein letztes Aufbäumen um sich dann geschlagen zu geben. Aber noch lebten sie, noch füllten sich ihre Lungen mit Luft, wenn sie atmeten und noch pumpten ihre kleinen Herzen das Blut durch ihre Adern. Noch.

      Hibiscuse brach als erste wieder das Schweigen, das nach unserem kindischen Ausbruch entstanden war. Es war ein beschämendes Schweigen gewesen. Keiner wusste so recht, ob den anderen immer noch zum Spaßen zu Mute war oder ob sie schon wieder in der Realität angekommen waren. Mir lief ein kalter Schauer den Rücken hinab, als ich die dunklen Ecken des Waldes genauer sah, ich zuckte zusammen, wenn sich der Schatten eines Baumes bewegte. Irgendwie fühlte ich mich beobachtet, als lägen kalte, nasse Augen wie Nebel auf meiner Haut. Ich fröstelte, fuhr mir über die Arme um die kleinen Härchen wieder mit Gewalt hinunter zu drücken. Es war kälter geworden, ein kalter Wind fuhr durch meine Kleider und drückte sie an mich. Normalerweise liebte ich jedes Wetter, denn jedem Wetter konnte ich etwas abgewinnen. Doch dieser Wind wirkte falsch, verschlagen und grausam. Hibiscuses Räuspern, den Versuch etwas zu sagen, hatte sie wieder verworfen. Ich wollte etwas sagen, die Stimmung auflockern, doch ich konnte nicht, als läge die fremde, kalte Hand eines anderen an meinem Hals und würde ihn zuhalten.
      Eine Hand griff nach meinem Kleid, ich versuchte mich loszureißen, doch blieb hängen. Ich musste mich beruhigen, ich hatte mich nur in einem Ast verhangen. Mit zitternden Händen machte ich mich los und sah mich um. Die beiden anderen waren einige Schritte vor mir, hatten mein Fehlen nicht bemerkt. Ich hätte einfach rufen können, dann hätten sie sich umgedreht und auf mich gewartet, doch ich blieb still. Ein knackender Ast hinter mir. Ich stieß instinktiv einen Schrei aus und rannte los. Ich glaube nicht, dass ich jemals so schnell gerannt war. Ich rannte, als müsste ich hinter meinem Leben hinterher rennen. Ich stieß gegen jemanden, schrie wieder los, verschränkte die Arme vor meinem Gesicht und schrie weiter. Es tat unglaublich gut zu schreien. Es war wie ein Befreiungsschlag. Ich wollte nicht mehr aufhören zu schreien. Jemand packte meinen Armen, versuchte ihn zu lösen, doch ich strampelte mich los, ließ mich auf den Boden fallen und schrie weiter.
      „Hör auf! Es ist alles in Ordnung!“, rief Hibiscuse verzweifelt. Aufgeschreckt ließ ich die Arme sinken und sah sie direkt vor mir. Sie lächelte mir leise entgegen, es war kein spöttisches Lächeln, eher verständnisvoll und mitfühlend. Ich wandte meinen Blick keine Sekunde von ihr ab, stand auf und begann meine Schultern zu straffen. Dann sah ich mich um. Irgendetwas stimmte hier nicht. Hibiscuses Schwert lag vor ihr auf dem Boden, Veikko knurrte leise und bedrohlich. Ich sah mich um, konnte niemanden erkennen. Nur Schatten, die rasend schnell im Kreis um uns herumflogen.
      „Was ist das?“ Ich sah Hibiscuse an.
      „Alben“, meinte sie schlicht.
      Plötzlich schoss das Adrenalin in meinen Körper, schärfte meine Sinne und machte mich beinahe rasend. Jedes kleinste Geräusch nahm ich wahr, spürte jeden einzelnen Muskel in meinem Körper, der sich anspannte und hörte jeden einzelnen Herzschlag meines Körpers. Bumm, bumm. Bumm, bumm. Langsam, als würde es zufällig passieren, wanderte meine Hand zu meinem Schwert. Dieser Kampf war noch nicht beendet, noch nicht verloren. Hibiscuse bemerkte meine Regung und warf mir einen warnenden Blick zu. Doch dann sah ich, wie ihre Lippen sich bewegten.
      „Drei, zwei, eins.“ Las ich ab. Ich wartete nicht ab, was bei null passieren würde, sondern zog mein Schwert und stürzte aus dem Kreis hinaus. Ich hatte nicht die leiseste Ahnung, wie ich mit dem Schwert umgehen sollte, doch hatte ich schon einmal der Vorstellung eines Schwertkünstlers zugesehen, der im Tiefenwald seine Vorstellung gab. Es hatte mich tief beeindruckt, mit welcher Präzision er seine Schläge ausführte und wie ruhig er geblieben ist. Ich stürzte in den Strudel aus fliegenden, schwarzen Schatten. Jetzt oder nie, sagte mir mein Verstand. Ich wusste, dass ich keine weitere Sekunde zögern konnte, ansonsten würde mich der Mut verlassen und ich würde mich kampflos geschlagen geben. Ich stieß das Schwert nach vorne, drehte mich blitzartig nach rechts vorbei um einen herannahenden Schatten aus den Augenwinkeln auszuweichen. Ich kniete mich hinunter, ließ das Schwert wie eine Sense über den Boden sausen und stand schon wieder, bevor ich mich einmal um die eigene Achse gedreht hatte. So ähnlich bearbeiten auch die Bauern ihre Felder, wenn sie das Gras mähten um es für das Vieh zu trocknen. Wieder verlangsamte sich alles um mich herum und ich hörte nur mein Herz schlagen. Bumm, bumm.
      Ich stieß wieder mit dem Schwert in ein umher wirbelndes schwarzes Nichts. Eigentlich hätte ich nichts spüren dürfen, doch ich nahm den Widerstand war, der sich von dem Schwert durchschneiden ließ. Ich hatte keine Zeit, mich nach Hibiscuse und Veikko umzusehen. Sie würden ihre Sache gut machen. Beide waren schon viel länger auf dieser Welt als ich. Sie wussten, wie man um sein Leben kämpfte. Immer noch in dieser seltsamen Hypnose ackerte ich mich weiter durch das Feld, spürte einen kalten Luftzug an meiner Haut und Metall, das meine Haut am Oberarm ritzte. Ich spürte, wie eine warme Flüssigkeit begann, mir den Arm hinunterzulaufen. Der Schmerz kam eine Sekunde verspätet, lähmte meinen linken Arm, doch ich versuchte es zu ignorieren, ihn nicht zu bewegen und weiter mit meinem gesunden Arm das Schwert in der Luft zu wirbeln. Ich sah wie es diese mühelos durchschnitt und wieder in der ursprünglichen Position lag. Mein Arm schmerzte furchtbar, doch das Adrenalin benebelte meine Sinne und gaukelte mir eine heile Welt vor. Ich sah direkt vor mir Veikko in die Luft wirbeln und etwas Dunkles packen. Ich eilte ihm zu Hilfe, den anderen Schatten aus den Augenwinkeln beobachtend. Doch bevor er sich auf Veikko stürzen konnte um ihn mit seinen scharfen Zähnen zu durchbohren, ließ ich ihn gezielt in mein Schwert laufen. Bei meinen Freunden hörte der Spaß auf, da wurde ich zur Furie.
      Während ich noch so gebannt zu Veikko sah, bemerkte ich nicht die nahende Gefahr. Das rabenschwarze Wesen stürzte auf mich zu, ohne mir die Gelegenheit einer Deckung zu geben. Ich sah bereits seine aufblitzenden Zähne in seinem aufgerissenen Maul, die sich durch mein Fleisch beißen würden.
      Doch dann kam alles anders: Im Bruchteil einer Sekunde sprang Hibiscuse nach vorne, reckte ihr Schwert vor sich und fiel vor mir zu Boden. Der Alb, der sich fest in ihre Seite gebissen hatte, erschlaffte und verflog wie Staub.
      Ich sah mich einen Augenblick um und ließ dann langsam das Schwert sinken. Außer Hibiscuse, Veikko und mir selbst waren keine lebendigen Wesen mehr auf der Lichtung. Doch Hibiscuse lag auf dem Boden, atmete schwer. Ich kniete mich zu ihr und sah direkt die Wunde an ihrer Seite. Sie klaffte groß und rot hervor, wie ein Schandfleck. „Hibiscuse! Hibiscuse! Bleibt wach, ihr müsst wach bleiben, hört Ihr?!“ Noch hob und senkte sich ihre Brust, doch ich wusste nicht, wie lange noch.

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      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von Nyneve ()

    • So habe jetzt bis Post 42 aufgeholt.

      Nyneve schrieb:

      Nixen leben im Süßwasser, Meerjungfrauen im Salzwasser
      Ach das war neu für mich, bin genau wie Kyelia über Nixen und Meerjungfrauen gestolpert. Für mich war das auch das gleiche :D Wieder was gelernt. :D

      Das Fest war schön beschrieben, allerdings finde ich Sines Verhalten etwas merkwürdig. Sie lässt sich da erstmal voll laufen und Party hard?
      Wie alt darf ich mir Sine und Laume vorstellen? Sie kommen mir beide oft so kindisch vor, dass ich manchmal echt die Augen verdrehe..^^

      Es ist schwerer geworden bei dir Fehler zu finden, das ist wirklich gut, man merkt wie du immer besser wirst. :thumbsup:
      Den neuen Part lese ich, wenn ich zurück bin. ;)

      :!: Fantasy, weil sich die unglaublichste aller Welten in unserem Kopf befindet... :!:
    • Spoiler anzeigen

      Nyneve schrieb:

      Hinter jedem verdammten Baum konnten sie lauern,
      das würde ich weglassen. Das klingt sonst zu umgangssprachlich.

      Nyneve schrieb:

      Ich glaube nicht, dass ich in meinem Leben ( um die Wiederholung zu vermeiden, würde ich es an der Stelle weg lassen ) jemals so schnell gerannt war. Ich rannte, als müsste ich hinter meinem Leben hinterher rennen.

      Nyneve schrieb:

      Jedes kleinste Geräusch nahm ich war, spürte jeden einzelnen Muskel in meinem Körper, der sich anspannte und hörte jeden einzelnen Herzschlag meines Körpers.
      wahr


      Sehr guter Teil, der auch super angefangen hat. Das mit dem Schwert und der Suche nach dem Dolch hast du gut beschrieben, wenngleich man noch etwas mehr darauf hätte eingehen können, warum Laumé das Schwert einfach heben kann und es bei Hibiscuse mehr wiegt. Ein Zauber, oder nur Einbildung? Aber das ist an der Stelle meckern auf hohem Niveau. ^^

      Mehr stört mich der Schluss. Laumé bestreitet ihren ersten Kampf und hat zudem noch nie ein Schwert in Händen gehalten, macht aber mal eben mehrere Alben fertig, als würde sie Butter schneiden. Dabei wird sie gerade so schwer verletzt, dass ihr Arm schmerzt. Bis dahin würde ich noch mot der Situation leben können. Aber dann ist der Kampf vorbei und eine Kriegerin, die schon viel Erfahrung hat und sicher nicht das erste Mal mit einem Schwert kämpft, liegt verwundet am Boden? Das ist echt unwahrscheinlich. Wenn sie es nicht auf sie abgesehen hatten und sich deshalb alle auf einmal auf sie stürzten, dann glaube ich das kaum. Und die Alben würden sich nicht auf eine erfahrene Kriegerin stürzen, wenn die Jungfee leichter zu töten ist. :hmm:

      LG, Kyelia

      Außer Betrieb - Geduldsfaden ist gerissen

      Der, der das Licht stahl
    • Hallo ihr beiden ;D


      Fangen wir mal mit dem positivsten an:

      Rael schrieb:

      Es ist schwerer geworden bei dir Fehler zu finden, das ist wirklich gut, man merkt wie du immer besser wirst.
      Den neuen Part lese ich, wenn ich zurück bin.
      Awwww, danke, das freut mich ;D *hüpf*


      Kyelia schrieb:

      Mehr stört mich der Schluss. Laumé bestreitet ihren ersten Kampf und hat zudem noch nie ein Schwert in Händen gehalten, macht aber mal eben mehrere Alben fertig, als würde sie Butter schneiden. Dabei wird sie gerade so schwer verletzt, dass ihr Arm schmerzt. Bis dahin würde ich noch mot der Situation leben können. Aber dann ist der Kampf vorbei und eine Kriegerin, die schon viel Erfahrung hat und sicher nicht das erste Mal mit einem Schwert kämpft, liegt verwundet am Boden? Das ist echt unwahrscheinlich. Wenn sie es nicht auf sie abgesehen hatten und sich deshalb alle auf einmal auf sie stürzten, dann glaube ich das kaum. Und die Alben würden sich nicht auf eine erfahrene Kriegerin stürzen, wenn die Jungfee leichter zu töten ist.
      So, ich habe den Teil noch einmal überarbeitet. Jetzt ist es so, dass Laumé zwar einige Alben "kalt macht", aber dann selbst beinah tödlich (?) getroffen wird. Da schmeißt sich dann Hibiscuse dazwischen, rettet ihr so vermutlich das Leben und wird selbst schwer verwundet...


      Rael schrieb:

      Das Fest war schön beschrieben, allerdings finde ich Sines Verhalten etwas merkwürdig. Sie lässt sich da erstmal voll laufen und Party hard?
      Wie alt darf ich mir Sine und Laume vorstellen? Sie kommen mir beide oft so kindisch vor, dass ich manchmal echt die Augen verdrehe..^^
      Ehm ja, also beide sind ja gleich alt. Bei "meinen" Feen wird das Alter in Sommern angegeben. Zum Vergleich 1 Sommer = 4,3 Menschenjahre. Die beiden sind ungefähr 103 Sommer alt (=24 Jahre). Da Feen aber erst mit 70 Erwachsen sind, ist das noch seeehr jung, eigentlich noch nicht "richtig erwachsen". So ein Mittelding ;D Feen sind "unsterblich", d.h. sie sterben nicht einfach so weg, aber Wunden etc. können sie schon töten.
      Als Vergleich: Eine spätere Figur ist ungefähr 200 Sommer alt (=48 Jahre), aber der ist auch erst ein paar Jährchen "richtig erwachsen". ;D
      Das wird später auch noch geklärt... :D

      Ich hoffe, das ist jetzt logischer und auch nachvollziehbarer.
      Wenn ich mal zwischendurch Zeit - und Ideen - habe, werde ich auch noch ein bisschen mehr auf die Sache mit dem Schwert eingehen. Es soll praktisch so wie bei den Bögen: Jeder Fee passt ein Bogen/Schwert. Der Bogen lässt sich nur von ihr lösen, das Schwert liegt nur bei ihr richtig in der Hand. Ich würde sagen, da muss dann die "Chemie stimmen". ;D

      Lg Nyneve

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    • So *hust* Ich habe mal wieder einen neuen Teil reingestellt ;D

      ~...~

      Langsam öffnete sie ihre Augen.
      „Haben wir…es geschafft?“ Ihre Stimme war schwach, doch hatte immer noch den bezaubernden Klang.
      „Ja. Hört Ihr? Ihr könnt jetzt nicht einfach schlapp machen! Ich brauche Euch noch.“ Meine Stimme war fest, ich musste sie wach halten.
      „Es…geht…schon.“ Sie hatte Schwierigkeiten zu reden.
      „Seid still und konzentriert Euch auf’s atmen!“ Ich sah mich nach einem Stück Stoff um, um ihre Wunde zu verbinden. Schließlich griff ich nach meinem eigenen Kleid und riss den Saum ab.
      „Dein Kleid!“ Hibiscuse klang ein wenig schockiert.
      „Na und? Krieg ich kein neues?“ Ich musste über sie lächeln.
      „Könnt Ihr Euch aufsetzen?“ Mühsam und langsam stützte sich Hibiscuse mit den Ellenbogen ab und setzte sich mit schmerzverzerrtem Gesicht auf. Ich verband hastig ihre Wunde und half ihr langsam auf. Ich legte ihren Arm um meinen Hals und hielt sie mit der anderen Hand aufrecht. Veikko trug unsere Sachen hinter uns her, während wir uns langsam auf den Weg nach Hause machten.
      „Wo finden wir hier Hilfe?“, wollte ich wissen.
      „Im Schloss gibt es einen Heiler“, stieß Hibiscuse mit zusammengebissenen Zähnen hervor. Veikko ließ sogleich unsere Sachen scheppernd zu Boden fallen und rannte fort. Ich half ihr währenddessen dabei, sich in mein Blatt zu legen.
      „Das hätte ich mir auch nie träumen lassen.“ Hibiscuse lächelte schwach.
      „Glaubt mir, ich habe mir so einiges anders vorgestellt.“ Auch ich musste lächeln. Hibiscuse öffnete den Mund, um mir etwas zu sagen, doch sie schaffte es nicht, die Wörter über die Lippen zu bekommen.
      „Ein Autor würde Euch auch nicht in seinem Roman auf den ersten Seiten sterben lassen! Also reißt Euch gefälligst ein wenig zusammen, Ihr seid schließlich eine der Protagonisten.“
      Hibiscuse würgte ein wenig, dann sagte sie leise: „Nur ist das keiner dieser Romane. In einem Roman hätten die Guten eine riesige Armee, die die Feinde zermalmt und nicht umgekehrt. Und vielleicht bin ich diejenige, die auf den ersten Seiten stirbt.“

      Ich hielt immer noch ihre Hand, als Veikko mit dem Heiler zurückkam. Er begann zu fluchen und stieß einige sehr unappetitliche Verwünschungen gegen die Alben aus.
      „Hibiscuse! Hibiscuse! Bleibt bei uns. Ihr dürft nicht einschlafen!“ Veikko begann nervös zu bellen, sprang um das gesamte Blatt herum und wollte sich nicht mehr beruhigen.
      „Konzentriert Euch auf den Hund!“, befahl der Heiler gebieterisch und packte einige seltsame Kräuter und Blätter hervor. Er hatte eine tiefe, ruhige Stimme, die ihn wohl bei seinen Patienten sehr beliebt machte. Seine langen, braunen Haare hatte er locker hinter den Ohren gebunden. Doch sie verbargen nicht die Narben zwischen seinen Schulterblättern, die ihn wohl schon recht lange zierten. Hibiscuses Gesichtsfarbe war gefährlich blass geworden und ihr Blick glitt fiebrig von einem zum anderen.

      Müde rieb ich mir die Augen. Erst vor kurzem war die Sonne mit einem letzten, glühenden Aufblitzen hinter den Baumkronen verschwunden. Hibiscuse lag friedlich schlafend in meinem Blatt eingerollt. Der Heiler hatte ihr mehrere seltsam riechende Salben auf die Wunde geschmiert und ihr auch einen Trank gegen die Schmerzen gegeben. Jetzt war es an der Zeit zu hoffen und auf die Geister der Natur zu vertrauen. Ihr fiebriger Zustand musste bald unter Kontrolle gebracht werden, ansonsten bestand wenig Hoffnung auf Besserung. Ich hatte mich an den Baum daneben gesetzt und starrte nun missmutig in den Himmel hinauf. Veikko war auch recht bedrückter Stimmung und lag zusammengerollt auf der anderen Seite. Ein Rascheln riss mich aus meiner Beobachtung. ‚Alben‘, war mein erster Gedanke, der zweite beschäftigte sich mit dem Ort meines Schwertes. Doch es waren nicht die Alben, die auf leisen Füßen zu Hibiscuses Blatt geschlichen kamen. Ich sprang auf und verneigte mich tief, so tief wie bei unserem ersten Treffen. Allerdings schenkte mir die Königin keine Beachtung, sondern lehnte sich direkt zu Hibiscuse herunter, legte ihr eine Hand auf dir Stirn und begann fremde, unbekannte Laute zu murmeln. Ruckartig atmete Hibiscuse heftig ein, begann zu husten und richtete sich leicht auf. „Majestät“, brachte sie krächzend hervor, „Ihr hättet nicht kommen dürfen.“ Doch die Königin verwarf ihre Bemerkung wie ein Luftzug mit einer einzigen, gebieterischen Handbewegung. Dann drückte sie ihr die Feder an der Kette in die Hand, die sie ihr bei der letzten Begegnung geschenkt hatte und flüsterte rasch auf sie ein. Abschließend umfassten ihre Hände die von Hibiscuse, die sich wiederum an die Feder klammerten. Schließlich richtete sich die Königin wieder auf, nickte mir nur kurz zu und verschwand wieder.
      „Hibiscuse? Hibiscuse!“, flüsterte ich aufgeregt.
      „Ja? Was willst du, du hältst mich vom Schlafen ab.“
      „Aber…aber die Königin.“ Doch Hibiscuse war bereits wieder in einen unruhigen Schlaf gefallen. Zerknirscht betrachtete ich sie kurz prüfend und besorgt und setzte mich dann wieder zurück auf den Boden. Mutlos funkelte ich erneut den Himmel über mir wütend an, als wäre er die Wurzel allen Übels.

      Etwas Weiches, das mir gegen die Wange stupste, weckte mich an diesem Morgen auf.
      „Was ist Veikko?“, fragte ich schlaftrunken ohne die Augen zu öffnen.
      „Es ist vorbei.“ Ein einziger Satz erweckte alle Lebensgeister in mir und ich sprang auf.
      „Was? Hibiscuse ist…ist…“ Veikko sah mich ärgerlich an. Dann beugte sich ein Schatten über mich, strich mir freundlich über die Wangen und richtete sich wieder mühsam auf. Ein Stein…ach was, eine ganze Steinlawine fiel von meinem Herzen.
      „Ihr lebt“, stellte ich wenig geistreich fest. Hibiscuse lächelte abwesend, nickte dann jedoch.
      „Ich bin dir zu großem Dank verpflichtet. Wenn du nicht so mutig gewesen wärst, wären wir schon lange tot.“ Ich wurde rot aufgrund eines solchen Lobes.
      „Wie geht es Euch?“, wollte ich wissen um meine Verlegenheit ein wenig zu überspielen.
      „Besser. Ich habe geträumt, dass die Königin kam und alle Schmerzen von mir nahm.“ Hibiscuse lächelte erneut und warf einen stolzen Blick auf ihr altes Zuhause, das Schloss der Königin.
      „Wärt Ihr nicht auch lieber wieder in Eurem alten Leben?“
      „Du erwartest wohl, dass ich dich jetzt mit glühenden Kinderaugen anschaue und enthusiastisch bejahe, doch ich bin mir inzwischen nicht mehr sicher, ob eine Hofdame, du würdest wohl Wächterin sagen, der Königin das ist, was ich mir für mein Leben vorgestellt habe. Ich habe bereits so vieles gesehen, so vieles erlebt. Das habe ich alles dafür aufgegeben. Ich dachte, ich könnte den Schatten meines alten Lebens entfliehen. Alles hinter mir lassen. Doch man kann sich nicht von Grund auf ändern, seine Lebensgewohnheiten ablegen und jemand anderes werden. Ich war noch nie jemand, den es lange an einem Ort gehalten hat. Schon immer trieb ich unstet von einem Platz zum nächsten. Und plötzlich ist dies alles vorbei, wie ein freier Vogel, der eingefangen wird und in einem Käfig dahinvegetieren muss. Ich habe mich oft mit einem angeketteten Falken verglichen, dessen Mut hinaus in die Freiheit, ins Neue zu gehen, genommen wurde.“ Hibiscuse seufzte auf, fuhr sich mit ihrer blassen, feingliedrigen Hand über die Stirn und sah hinauf zu dem obersten Turm des Schlosses.
      „Von dort oben hat mein einen ausgezeichneten Blick. Man fühlt sich beinahe selbst wie ein Herrscher“, an mich gewandt fuhr sie fort, „und jetzt sieh dir die Königin an. Was bringt ihr ihre Weisheit und ihre Macht über ein Reich, das gespalten ist und vor einem tiefen, schwarzen Abgrund steht. Ich bewundere sie für ihre Standhaftigkeit und ihre Überzeugung in ihr Volk.“ Wir schwiegen beide und warfen einen letzten Blick hinauf.

      Hibiscuse hatte mir ein neues Kleid besorgt. Sehr verlegen nahm ich es entgegen.
      „Das ist nun eine echte Feenrüstung“, wieder schwang Stolz in ihrer Stimme.
      „Habt Ihr selbst auch eine?“ Hibiscuse nickte, doch wollte weiter nichts sagen und ich wollte sie nicht drängen. Das Kleid war aus festem, erdfarbenem Leder und an den Schultern, sowie am Saum waren grüne, bauschige Federn angenäht. Sie wogen weich und samten um meine Knie und meine Arme. Das Kleid hatte bereits Halter für Dolch und Schwert und auch der Bogen mit dem Köcher schmiegte sich eng an meinen Körper. Sogar ein kleiner lederner Beutel baumelte fröhlich neben dem Dolch. Ich hatte erwartet, dass Hibiscuse die Schnüre des Kleides auf meinem Rücken bis zum Anschlag zuknotete, doch überraschenderweise fühlte ich mich nicht eingesperrt.
      „Dann lass uns gehen!“, rief Hibiscuse tatendurstig.
      „Gehen? Wohin?“, ich war skeptisch über ihren Enthusiasmus, meistens war dies deutlich weniger amüsant für mich.
      „Ich habe der Königin mitgeteilt, dass der erste Teil deiner Ausbildung abgeschlossen ist.“
      „Was?!“ Ich musste gestehen, dass ich nicht sonderlich begeistert davon war, „und was ist mit Sìne?“
      „Was soll mit ihr sein? Sie wird wohl noch ein oder zwei Tage länger hier bleiben. Dann wird sie uns mit Lauriel folgen.“ Ich schwieg resigniert.
      „Ich dachte, dass wir beide zusammen bleiben könnten…“ Bevor ich fortfahren konnte, hörte ich bereits das warnende Knirschen von Hibiscuses Zähnen.
      „Ja, schon gut.“ Doch Hibiscuses Euphorie war noch lange nicht gedämpft.
      „Jetzt komm, wir werden in dem neuen Lager auf andere Wesen treffen. Das wird sicherlich sehr aufregend. Und jetzt sei nicht so griesgrämig, sondern freue dich auf neue Gesichter.“ Hibiscuse zeigte mir eine Reihe strahlend weißer Zähne und erhob sich in die Lüfte. Ich strich ein letztes Mal traurig an Sìnes Blatt entlang und erhob mich langsam gefolgt von Veikko in die Lüfte.



      Anmerkung meinerseits: *räusper* Ich weiß, dass das bestehen der 1. Stufe nach zwei Tagen recht schnell gegangen ist, aber ich habe mich bewusst dafür entschieden, da
      a) es eigentlich schon ein Beweis eines vorhandenen Könnens ist, einfach mal ein paar Alben selbst kalt zu machen und
      b) es in Zeiten eines "Kriegs" eine Ausbildung sicherlich deutlich schneller gehen muss als im Normalfall.

      Ansonsten

      Lg Nyneve

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      Nyneve schrieb:

      „Ja. Hört Ihr? Ihr könnt jetzt nicht einfach schlapp machen! Ich brauche Euch noch(Punkt)

      Nyneve schrieb:

      „Glaubt mir, ich habe mir so einiges anders vorgestellt.“ Auch ich musste lächeln. Hibiscuse öffnete den Mund (Komma) um mir etwas zu sagen, doch sie schaffte es nicht, die Wörter über die Lippen zu bekommen.

      Nyneve schrieb:

      Ich hielt immer noch ihre Hand, als Veikko mit dem Heiler zurückkamen.
      zurückkam

      Nyneve schrieb:

      „Konzentriert Euch auf den Hund!“, befahl er gebieterisch und packte einige seltsame Kräuter und Blätter hervor. Er hatte eine tiefe, ruhige Stimme, die ihn wohl bei seinen Patienten sehr beliebt machte.
      Das ist der Heiler, der hier spricht, oder? Weil aus dem Kontext kommt das nicht ganz heraus, da zuvor noch von Veikko die Rede ist. Eventuell ersetzt du das markierte "er" durch "der Heiler", oder so.

      Nyneve schrieb:

      „Du erwartest wohl, dass ich dich jetzt mit glühenden Kinderaugen anschaue und enthusiastisch bejahe, doch ich bin mir inzwischen nicht mehr sicher, ob eine Hofdame der Königin das ist, was ich mir für mein Leben vorgestellt habe.
      Hibiscuse ist nur eine Hofdame? Habe ich etwas überlesen, oder ist das das erste Mal, dass es wirklich so erwähnt wird?

      Nyneve schrieb:

      „Was?!“, (Komma weg und groß weiter) ich muss(+te) gestehen, dass ich nicht sonderlich begeistert davon war, „und was ist mit Sìne?“


      Dann wird Laumé jetzt also für ihren Eifer belohnt. Finde ich gut. Sie scheint doch so etwas wie Talent zu besitzen. ^^ Ich bin gespannt, wie das neue Lager so ist und was uns und die beiden dort erwartet. Außerdem hoffe ich, dass Síne nicht das letzte Mal aufgetaucht ist und wir noch etwas mehr zu ihr erfahren. Bisher stand sie ja sehr im Hintergrund. ^^

      LG, Kyelia

      Außer Betrieb - Geduldsfaden ist gerissen

      Der, der das Licht stahl
    • Hallo zusammen ;D
      In den letzten Tagen war ich leider ein bisschen faul und habe mich nicht dazu bringen können, einen weiteren Teil reinzustellen. Doch heute *tatatataaaaa* ein neuer Abschnitt mit Laumé, Veikko, Sìne und Hibiscuse...

      Die Sonne ging bereits unter, als wir endlich in der neuen Lagerstätte ankamen. Hibiscuse flog sturzflugartig hinab und ich folgte ihr mühsam. Doch als meine Füße in den Lederschuhen den Boden berührten, stand ich mutterseelenalleine dort und sah mich suchend um. Auch Veikko war in den Baumgipfeln verschwunden. Plötzlich legte sich eine feuchte Hand auf meine Augen und hielt mich in einer Art Klammerhaltung fest. Ich hatte keine Möglichkeit, mich zu befreien, auch wenn ich nicht nur meine Beine und Arme, sondern auch meine Zähne zur Verteidigung nutzte. Da drangen ein Summen und ein glucksendes Lachen an mein Ohr. Dieses Lachen hätte ich unter tausenden wiedererkannt. Die Atempausen zwischen dem Gelächter und der fröhliche Unterton waren mir so bekannt wie meine eigene Stimme.
      „Sìne!“, rief ich los. Ein Halten war so gut wie unmöglich. Ich glaube kaum, dass ich mich jemals über die Begegnung mit ihr so gefreut habe, wie zu diesem Zeitpunkt. Schließlich lockerte sich der Griff meines Angreifers und er ließ seine Hände von meinem Gesicht ab. Automatisch drehte ich mich nach hinten um und sah in die grünlichen Augen von Faye.
      „Kuckuck!“ Sie gluckste los und schlug sich fröhlich die Hand vor den Mund. Im Hintergrund erblickte ich auch die junge Kitsune, deren Namen ich völlig vergessen hatte. Sìnes warmer Arm, der mich an mein altes Leben erinnerte, legte sich um meinen Hals und drückte mich fest an sie. Ich atmete ihren rosigen Geruch ein und legte meinen Kopf auf ihre Schulter. Ich hatte doch die allerbesten Freunde, die man sich nur vorstellen konnte. Lauriel und Hibiscuse standen neben einem Tisch, der überhäuft mit Essen war. Essen. Ich stöhnte auf. Wie lange hatte ich nichts Richtiges zwischen den Zähnen gehabt. Veikko hatte eine große, rote Schleife um den Hals und schleckte mir belustigt die Hand ab.
      „Aber was macht ihr alle hier?“, wollte ich dann doch fragen, als sich alle ein wenig beruhigt haben und wir um den großen Tisch herum saßen.
      „Erstens haben du und Sìne den ersten Schritt zu echten Kriegsfeen gemeistert. Zweitens hast du mir das Leben gerettet und ich habe mich noch nicht einmal richtig dafür bedankt. Und drittens ist dies heute der letzte Tag bevor der große Ansturm von anderen Wesen kommt. Ich finde, wir haben allen Grund zu feiern.“ Hibiscuse wirkte sehr gelöst und trank einen großen Schluck Quellwasser aus ihrem Glas. Faye fuhr fort.
      „Tja, auch zu uns ist der Krieg bereits gekommen. Und da haben Kotori und ich beschlossen, uns zu wappnen. Sieh die Feier einfach als Henkersmahlzeit an.“ Dabei lachte sie fröhlich und schob sich eine große Mondbeere in den Mund. Kotori bediente sich reichlich an den Austern und hätte sich beinahe an einer verschluckt. Kichernd und hilflos ließ sie Lauriel ihr helfen und sich ein paar Mal kräftig auf den Rücken klopfen. Ich sah mich ein wenig um, während ich mir eine Sonnenbeere nahm. Dieses Lager war deutlich besser gesichert als das alte. Schulterhohe Felswände gaben ihm eine beinahe quadratische Fläche und schützten die Bewohner vor unangenehmen Gästen. Eine Quelle entsprang einem Felsvorsprung und lief in eine brodelnde Therme über. In einer anderen deutete ein aufgebrochener Eingang eine Höhle an, die jedoch dem Beobachter verborgen blieb.
      „Wer kommt denn noch so?“, wollte Sìne mit einem unschuldigen Blick wissen. Doch ich kannte sie besser und sah sofort den neugierigen, beinahe gierigen Wunsch in ihren Augen.
      „Och“, Lauriel lehnte sich satt zurück und stierte in den Himmel, „Satyre, ein paar Nymphen, Feen, vielleicht sogar ein oder zwei Kitsune, Nixen und Nöcks, Pixies und Pucks und…ehm…Elfen.“
      Sìne verschluckte sich beinahe an ihrem Getränk, das sie gerade zum Mund geführt hatte und rief entsetzt: „Das kann nicht Euer Ernst sein. Elfen?! Hier?! Bei uns?!“ Fassungslos sah sie von Lauriel zu Hibiscuse und zurück. Ich nahm die Aussage eher gelassen. Die Elfen steckten in der gleichen Misere wie wir Feen auch. Es bestand keinen Grund zur Annahme, dass sie unverschämt oder aufsässig sein würden.

      Irgendwann hatten Lauriel und Hibiscuse Sìne soweit beruhigt, dass wir anderen den Tag glanzvoll ausklingen lassen konnten. Faye beglückte uns mit ihrem Gesang, während Kotori – langsam konnte ich mir ihren Namen besser merken – von fernen Ländern und Sitten erzählte. Später am Abend wurden uns einzelne Nachtlager zu gewiesen, die die meisten auch sogleich bezogen. Wir Feen teilten uns einen großen, alten und innen hohlen Baum, den wir gerecht unter uns aufteilten. Ich selbst war die halbe Nacht damit beschäftigt, meine Astgabel mit Moos und verlorenen Federn vorüberfliegender Vögel auszupolstern. Schließlich war ich weitgehend mit meinem Ergebnis zufrieden und kuschelte mich hinein. Veikko hatte sich mit seinen Krallen in die Rinde genagelt und hing dort wie ein unförmiger, dunkler Pilz hinab.

      Durch einen ziemlichen Lärm wurden die Bewohner des neu errichteten Lagers gegen deren Zustimmung recht unsanft aus dem Schlaf gerissen. Ich war eine der ersten, die nervös und flattrig über das gesamte Gelände des Lagers flog. So sah ich sie auch als erste. Ich muss gestehen, dass sie mir im ersten Moment einen Schreck einjagte.
      Ihre blaue Haut stach unnatürlich aus dem türkisfarbenen Wasser und ihre blauen Hände, die mit Schwimmhäuten überzogen waren, wirkten neben den weißen Schaumkronen fehl am Platz. Ihre Gestalt jedoch war majestätisch und ehrerbietig. Auf ihrem Kopf thronten seltsame Formen, die mich entfernt an die Hörner von Widdern erinnerten, die friedlich auf den Wiesen grasten und sich ab und an ein Duell leisteten. Ihre richtigen Haare fielen feucht auf ihre Schultern und waren ebenfalls blau. Anmutig stieg sie aus dem Wasser und stand auf einem der Felsen, das Gesicht zur Sonne gedreht. Sie trug ein seltsames Kleid, das auch gleichzeitig wie ein Panzer wirkte. Zwei große Ringe hielten es an den Schultern fest und es schmiegte sich eng an ihre Figur, die dadurch noch zusätzlich betont wurde. Dann bemerkte sie mich und wandte ihr Gesicht von der Sonne ab. Einen langen Augenblick starrten wir uns gegenseitig an, unfähig ein Wort zu sagen. Vorsichtig ließ ich mich auf dem Gras wenige Meter von ihr entfernt nieder.
      „Wer seid Ihr?“, wollte ich schließlich wissen. Doch das Geschöpf beachtete mich nicht, sondern wandte sich zu der kleinen Ansammlung an Wesen, die mir wohl bekannt waren. Hibiscuse trat wie die Königin eines gefallen Reichs hervor und musterte die Fremde scharf.
      „Was wollt Ihr hier?“, fragte sie herablassend. Das Wesen schien auf sie zu zu schweben, bis es wenige Meter vor ihr stehen blieb. Ich eilte hastig zu den anderen und quetschte mich neben Sìne und Faye in die Menge. Dort fühlte ich mich deutlich sicherer und geborgener als alleine auf weiter Flur.
      Sìne stützte sich sogleich mit ihrem Arm an mir ab und murmelte: „Was will die denn hier?“ Da ich auf ihre Frage keine Antwort wusste, schwieg ich.
      „Wer seid Ihr? Was wollt Ihr hier?“, fragte Hibiscuse erneut, dieses Mal beinahe drohend. Das Wesen öffnete seinen Mund und ließ seltsame Laute über ihre Lippen fließen. Wir anderen seufzten resigniert auf. Doch dann begann das Wesen Worte zu formen und bald darauf auch Sätze.
      „Ich bin Amorya, Priesterin der Pihocas.“ Das war alles, was wir ihr entlocken konnten. Hibiscuse versuchte, sie dazu zu bringen, weitere Informationen Preis zu geben, doch Amorya schwieg wie ein Fels in der Brandung. Faye wurde ungeduldig, ging auf die Fremde zu und wollte ihr freundlich die eine Hand auf die Schulter klopfen. Doch bevor sie einen Mucks von sich geben konnte, durchfuhr sie ein Kribbeln und sie begann zu vibrieren. Erst nur langsam, dann heftiger. Ihre Augen wurden starr und schließlich fiel sie benommen zu Boden.
      „Wie könnt Ihr es wagen?!“, schrie Kotori sie fassungslos an, „sie stellte keinerlei Gefahren für Euch da!“ Ein seltsamer, tiefer Ton kam aus Amoryas Kehle.
      „Was wollt Ihr hier?“, fragte Hibiscuse nun zum dritten Mal. Ich wusste, dass sie kein weiteres Mal fragen würde. Hass und Verachtung bemerkte ich in ihrem Unterton. Hibiscuses Augen waren nur noch schmale Schlitze und sie selbst war bereit, ihr Schwert zu ziehen. Sìne und ich versuchten, Faye wieder aufzupäppeln und sie langsam aus ihrer Erstarrung zu lösen.
      Da streckte Amorya eine ihrer schönen Hände aus und gurrte mit einer abgrundtiefen Stimme: „Ihr glaubt, es wären nur die Alben, die Eure Feinde sind. Doch ihr liegt falsch. Sie scharen auch andere Wesen wie Ihr oder Eure Gefährten um sich. Jedes Volk hat seine schwarzen Schafe und sie wissen dies.“
      „Wenn Ihr hier seid, um uns zu warnen und Angst zu machen, dann seid Ihr bei mir falsch!“, fauchte Hibiscuse sie wütend an.
      „Wenn Ihr nicht mit mir redet, dann wird jeder Eurer Freunde untergehen. Allen voran Eure Königin.“ Hibiscuse erstarrt mitten in ihren Bewegungen.
      „Wieso glaubt Ihr, dass Ihr uns helfen könnt?“
      „Ihr habt gesehen, wozu ich fähig bin. Ich wäre euch sehr nützlich im Kampf, nicht wahr? Zudem kenne ich einige Geheimnisse der Alben.“ Amoryas Stimme ließ mich erzittern. In ihr lag keine Emotion, keine Hoffnung, keine Angst, es war, als sähe sie durch ein sicheres Glas auf uns alle hinab. Unbeteiligt und unbedarft.
      „Was wollt Ihr dafür? Soweit ich weiß, ist Euer Volk nicht von den Alben betroffen. Vor Euch und Euresgleichen fürchten sie sich.“ Amorya lächelte überheblich.
      „Ihr habt Recht, die Alben fürchten uns sehr. Aber dennoch, Pandora ist eitel und machthungrig. Irgendwann wird sie begreifen, dass wir ihr überlegen sind und sie wird dies nicht auf sich beruhen lassen. Sie hat mehr Möglichkeiten, sich Neues anzueignen als wir.“
      „So, so, Ihr wollt also Eure Machtstellung behalten in dem Ihr alle vernichtet, die Euch gefährlich werden könnten.“ Amorya hob und senkte ihr Haupt anmutig.
      „Und wieso sollten wir nicht Eure neuen Feinde werden?“ Lauriel mischte sich mürrisch in das Gespräch an. Ein rauchiges, kehliges Lachen ertönte. Amoryas Lippen verzogen sich spöttisch.
      „Ihr seid wahrlich keine Bedrohung für mein Volk. Ihr habt ein viel zu großes Herz und schwächliche Konstitutionen. Eure magischen Fähigkeiten nutzt ihr kaum, kein Wunder dass sie verkümmern. Nein, vor Euch fürchten wir uns nicht.“
      Ich spürte bereits seit einer geraumen Zeit, dass eine Zusammenarbeit mit Amorya äußerst schwierig werden würde, doch nun hatte sie sich zusätzlich noch Feinde in den eigenen Reihen gemacht.
      Hibiscuse trat einen Schritt näher zu Amorya und zischte ihr schneidend zu: „Wenn ich nicht wüsste, dass Eure Spezies grandiose Kämpfer besitzt, würde ich Euch eines besseren über meine Freunde lehren. Doch ich bin realistisch und sehe, dass für Gefühle im Moment keine Zeit ist.“ Amorya schien diese Drohung ziemlich kalt zu lassen, denn ihre violetten Augen leuchteten nur amüsiert auf.

      Spoiler anzeigen
      Also, am Anfang wird ja gesagt, dass Laumé und die anderen durch einen Lärm aufgeweckt werden. Das ist beabsichtigt. Im nächsten Abschnitt taucht auch die Ursache dafür auf...


      Lg Nyneve

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      Dieser Beitrag wurde bereits 4 mal editiert, zuletzt von Nyneve ()

    • Spoiler anzeigen


      Nyneve schrieb:

      1. Haben du und Sìne den ersten Schritt zu echten Kriegsfeen gemeistert. 2. Hast du mir das Leben gerettet und ich habe mich noch nicht einmal richtig dafür bedankt. Und 3. Ist dies heute der letzte Tag bevor der große Ansturm von anderen Wesen kommt. Ich finde, wir haben allen Grund zu feiern.“ Hibiscuse wirkte sehr gelöst und trank einen großen Schluck Quellwasser aus ihrem Glas. Faye fuhr fort.
      schreibe die Zahlen lieber aus, das sieht im Text besser aus ^^

      Nyneve schrieb:

      Da drangen ein Summen und ein glucksendes Lachen an mein Ohr.
      drang

      Nyneve schrieb:

      Ihr blaue Haut stach unnatürlich aus dem türkisfarbenen Wasser und ihre blauen Hände, die mit Schwimmhäuten überzogen waren, wirkten neben den weißen Schaumkronen fehl am Platz.
      Ihre

      Nyneve schrieb:

      Ihre richtigen Haare fielen feucht auf ihre Schultern und waren ebenfalls blau.
      Was sind denn richtige Haare? Und gibt es dann auch falsche Haare?

      Nyneve schrieb:

      Anmutig stieg sie aus dem Wasser und stand auf einem der Felsen, das Gesicht zu Sonne gedreht.
      zur
      Mir hat der Teil durchaus gefallen. Ein wenig wirr fand ich erst das mit dem Fest, immerhin steht ein Krieg bevor, zumal so viele dazu kommen wollen. Aber im Nachhinein finde ich das gar nicht mehr so schlimm.
      Das mit dieser Amorya ist wirklich klasse. Sie gefällt mir als Charakter jetzt schon. Arrogant und voreingenommen, wie ich es liebe. :thumbsup:
      LG, Kyelia

      Außer Betrieb - Geduldsfaden ist gerissen

      Der, der das Licht stahl
    • Ja, da war ich mir nicht sicher, ob es drang oder drangen heißt. Also bezieht sich das Verb nur auf Summen oder auch auf Glucksen?


      Kyelia schrieb:

      Was sind denn richtige Haare? Und gibt es dann auch falsche Haare?
      Mit den "falschen Haaren" habe ich diese Hörner auf ihrem Kopf gemeint.

      Glem mig
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    • Nyneve schrieb:

      Ja, da war ich mir nicht sicher, ob es drang oder drangen heißt. Also bezieht sich das Verb nur auf Summen oder auch auf Glucksen?
      Wenn ich mir das jetzt nochmal anschaue (ausgeschlafen) glaube ich sogar, es ist egal. In meinem Ohr klingt beides okay. ^^ Da sieht man wieder, man sollte nicht korrigiert, wenn man schon halb schläft. :D

      LG, Kyelia

      Außer Betrieb - Geduldsfaden ist gerissen

      Der, der das Licht stahl
    • Kyelia schrieb:

      In meinem Ohr klingt beides okay
      Dann bin ich beruhigt ;D

      Und nach den Korrekturen des letzten Abschnitts, geht's gleich weiter im Text


      ~...~
      Kurze Zeit später tauchten auch die eigentlichen Verursacher des Lärmes auf. Zwei Satyre, gefolgt von zwei Elfen erschienen am Eingangstor. Die Satyre hatten wohl kurz zuvor ein paar Becher auf die letzten Stunden Freiheit gehoben, denn sie grölten munter und wankten betrunken von einer Seite zur anderen. Hibiscuse stöhnte bereits hörbar auf und knirschte mit den Zähnen, wohl eine Angewohnheit von ihr. Sìne und Faye begannen haltlos zu kichern und Kotori warf den beiden Satyren schmachtende Blicke zu. Meine Aufmerksamkeit richtete sich mehr auf die beiden Elfen, die ein wenig abseits und entschuldigend an der Seite standen. Ihre spitzen Ohren, die deutlich zu sehen waren, zuckten nervös und sie sahen sich misstrauisch um. Da weder Hibiscuse noch Lauriel Anstalten machten, die beiden anzusprechen, machte ich ein paar kleine, hastige Schritte auf sie zu.
      Da standen sie sich nun gegenüber. Die ehemaligen Feinde, deren Vorfahren sich seit Sommern bekämpft hatten. Unerbittlich, erbarmungslos, bis auf den letzten Atemzug. Und nun standen ihre Nachkommen sich gegenüber. Peinlich berührt und unwissend, was der andere erwartete und wie er sich verhalten würde. Alle Muskeln waren angespannt, bereit bei der kleinsten Beleidigung ihren Peiniger anzuspringen und zu vernichten.
      Doch dann tat die weibliche Elfe etwas unerwartet. Sie sah mich groß an, begann zu zucken und eine große, glasklare Träne lief ihr über die ebenmäßigen, feinen Gesichtszüge. Dann tippelte sie näher zu mir und schlang ihre zarten Arme um meinen Hals. Schockiert blieb ich erstarrt stehen. Eine solche Reaktion hatte ich nicht erwartet. Sie begann heftiger zu schluchzen und klammerte sich wie ein Junges an mein Kleid. Behutsam strich ich ihr mit der Hand über den Rücken und legte ihr begütigend meinen Kopf auf ihre Schulter. Fragend sah ich zu der anderen, männlichen Elfe. Er sollte sich gefälligst um seine Begleiterin kümmern, ich war schließlich kein Seelentröster. Ich hatte selbst eigene Probleme. Genügend eigene Probleme. Überleben zum Beispiel. Der männliche Elf löste sich aus seiner Erstarrung und lief leise wie auf Zehenspitzen zu ihr und legte ihr freundlich die Hand auf die Schulter.
      Mit einer angenehmen Stimme, die mich aus irgendeinem Grund an den Geruch von frischer Erde erinnerte, fuhr er fort: „Aglirië reagiert des Öfteren ein wenig über. Es tut mir leid, dass sie Euch ein wenig irritiert hat.“ Aglirië hob den Kopf und entfernte sich einige Zentimeter beschämt von mir. Sie schniefte ein wenig.
      „Ich musste gerade daran denken, dass mein Vater sich immer eine Aussöhnung mit den Feen gewünscht hat. Er war früher ein angesehener Bildhauer Eures damaligen Königs. Überall in Eurem und unserem Königreich verkaufte er seine Kunst, doch als der Krieg ausbrach, musste er zurückkehren. Es hat ihn sehr geschmerzt, alle seine Freunde und seine zweite Heimat nie wieder zu sehen. Auch seine Kunst blieb ihm nicht erhalten, denn wer kauft Skulpturen und Statuen im Kampf, in dem man kaum genügend zum Überleben hat?“
      Sie seufzte auf und fuhr traurig fort: „Leider ist er vor wenigen Sommern zu unseren Ahnen zurückgekehrt. Er … es gab einen Überfall seltsamer Schatten, den er nicht überlebt hat.“ Aglirië schluchzte erneut auf, zitterte ein wenig und ich strich ihr begütigend über ihre langen Haare, die die Farbe von Fichtenholz besaßen. Eine Art Spange aus einer Astgabel hielt ihre Haare zu einem festen, strengen Pferdeschwanz zusammen. Es wirkte ein wenig fehl am Platz, passte es doch gar nicht zu ihrem weichen, netten Gesicht und der zierlichen Nase.
      Bei genauerem Betrachten, hätte sie genauso gut als Fee auf die Welt kommen können – abgesehen von ihren Ohren. Als sie sich ein wenig beruhigt hatte und sich erschöpft und mit roten, geschwollenen Augen auf einen Felsen niederließ, besah ich mir auch ihren Begleiter aus den Augenwinkeln genauer.
      Er hatte schmale Augen unter denen eine alte, verblichene Narbe seinen linken Wangenknochen zierte. Er wies im Gegensatz zu Aglirië ein recht scharfkantiges, markantes Gesicht auf. Seine Mundwinkel waren leicht nach unten gezogen, seine Augenbrauen hingegen zogen sich am Ende ein wenig nach oben, was ihm einen melancholischen wie misstrauischen Zug verlieh. Seine rabenschwarzen Haare hatte er locker im Nacken zusammengebunden, doch einzelne Strähnen fielen im lose auf die Schultern. Er trug eine seltsame, schwarze Rüstung, die links und rechts des Halses mit ebenfalls rußschwarzen Federn bestückt war. Der größte Teil wurde jedoch von einem dunklen Umhang verhüllt, den er sich lässig umgeworfen hatte und der perfekt zu den großen, rabenähnlichen Flügeln passten. Eigentlich sah er gar nicht übel für einen Elf aus. Für einen Elf wohlgemerkt.
      Seine Augenfarbe konnte ich jedoch nicht eindeutig definieren, da ich nicht wollte, dass sich unsere Blicke trafen. Es ziemte sich nicht.

      Hibiscuse trat stockend neben mich, als würde sie von jemandem mit unsichtbaren Fäden gezwungen. Sie schluckte, warf den beiden Elfen prüfende Blicke zu und gab sich dann doch geschlagen.
      „Seid ihr die Unterstützung der Elfen?“ Ihre Stimme triefte vor Arroganz und Überheblichkeit und ihre Blicke waren verachtend. Der Elf richtete sich ein wenig steif auf und sah sie ähnlich geringfügig an.
      „Ja.“ Eine einfache Antwort, keine unnötigen Worte, nur eine klare Antwort, doch lag eine Menge Überheblichkeit und Arroganz darin. Hibiscuse bebte dennoch bei diesem Wort und ballte ihre schönen Hände zu Fäusten.
      „Wir brauchen die Hilfe von…Elfen nicht.“ Sie spuckte das Wort wie einen üblen Geschmack hervor.
      „Das glaube ich doch. Ihr könnt ja nicht einmal mit einer Pihocas verhandeln, ohne dass Ihr Euch Feinde macht. Doch im Kampf zählt nicht nur die Zahl der besiegten Feinde, sondern auch die Fähigkeit mit dem Feind zu verhandeln.“ Hibiscuse knirschte geräuschvoll mit ihren Zähnen.
      „Dann seid Ihr wohl falsch informiert. Wir sind nicht hier, um mit den Alben zu verhandeln. Mit solchem...Schmutz verhandeln wir nicht, den schlachten wir ab.“ Im Gesicht des Elfen zeigte sich keine Regung.
      „Nun, selbst in diesem Fall werden meine Begleiterin und ich Euch sehr nützlich sein. Wenn Ihr nicht bereit seid, den Tatsachen ins Auge zu sehen und zu erkennen, dass man die Alben nicht ohne weiteres besiegen kann, dann können Aglirië und ich Euch dennoch im Kampf unterstützen. Ihr scheint in diesem Bereich ebenfalls Unterstützung zu brauchen.“ Der Elf hob arrogant seinen Kopf und ließ seine Blicke abschätzig über Faye und Kotori wandern, die heftig die neu angekommenen Satyre bezirzten, über Lauriel, der immer noch dabei war, Sìne das Bogenschießen bei zu bringen, bis zu Amorya, die noch genau so starr und steif dastand wie zuvor. Schließlich durchdrangen auch Hibiscuse und mich seine Blicke und er konnte sich ein leichtes Lächeln nicht verkneifen. Dies brachte Hibiscuse gänzlich aus ihrer Verfassung.
      „Ich weiß ja nicht, welche Aufträge ihr von Eurer…Königin bekommen habt, doch ihr werdet hier nur ehrenwerte Krieger finden, die bereit sind, für ihr Volk und das Leben ihrer Freunde und Mitmenschen zu kämpfen und auch zu sterben. Wenn Ihr also glaubt, dass wir zu schwach sind, dann brauchen wir Euch hier nicht. Wir benötigen Wesen, die ihre eigenen Interessen dem übergeordneten Ziel, nämlich die Vernichtung der Alben, stellen. So haben hier schon viele gezeigt, dass es nicht auf Muskelkraft ankommt, sondern auf ihr Herz.“ Der Elf schien dennoch nicht ganz überzeugt zu sein, obwohl ich Hibiscuse für ihr Charisma und ihre Courage bewunderte. Ich war mir sicher, dass ich an ihrer Stelle deutlich eingeschüchterter gewesen wäre.
      „Ach ja, könnt Ihr mir auch ein solches Beispiel nennen?“ Seine Augenbrauen zogen sich spöttisch noch weiter nach oben und er ließ seinen Blick erneut über das Lager schweifen.
      „Mit meiner Begleiterin habt Ihr euch ja bereits bekannt gemacht. Erst gestern hat sie fast alleine eine ganze Patrouille an Alben erledigt. Ihre Ausbildung ist noch nicht zu Ende und dennoch hat sie gekämpft, als wäre dies für sie nichts Neues. In einem Kampf zeigen sich die wahren Helden. Ich gebe nicht viel auf Prüfungen oder Statistiken, wenn Ihr tot seid, werden die Euch auch nichts mehr nützen.“ Während ihrer Worte, bekam ich eine eindeutige Röte und wurde verlegen. Niemals hätte ich eine solche Lobeshymne von Hibiscuse erwartet. Der Elf schwieg.
      „Nun, dann hoffe ich, dass wir miteinander klarkommen werden. Würdet Ihr so freundlich sein und meiner Begleitung und mir unser Nachtlager zeigen?“ Ich war über das abrupte Ende der Debatte überrascht, hatte erwartet, dass die beiden sich erst einmal zerfleischten. Wie bei einem Wolfsrudel würden sie die neue Rangordnung festmachen, doch dieser Kampf wurde wohl auf später verschoben. Vermutlich waren beide der Ansicht, die Kräfte lieber zu sparen.
      Hibiscuse schwieg einen Moment, biss sich auf die Unterlippe und grummelte dann: „Wir haben eigentlich keinen direkten Platz für euch.“ Der Blick des Elfen war eindeutig.
      Faye grölte kichernd zu uns hinüber: „Bei mir ist noch Platz.“ Dann begann sie unkontrolliert zu hicksen. Die Augen des Elfen weiteten sich ungläubig. Er wollte etwas sagen, doch beließ es bei einem Kopfschütteln. Auch Hibiscuse schlug sich gegen die Stirn und ich musste aufgrund ihrer Reaktion anfangen zu lachen.
      "Du? Hier?", Veikkos Stimme beendete unser wenig ergiebiges Gespräch. Freudig winselnd und mit wedelndem Schwanz stürmte er zu dem Elf, sprang an ihm hoch und leckte ihm das Gesicht ab. Fassungslos beobachtete ich das Schauspiel, hätte ich Veikko doch gerne von dem Elf weggezogen. Doch anstatt Veikkos überschwängliche Begrüßung zu erwidern, wendete er sich leicht von ihm ab, sodass dieser von ihm ablassen musste.
      Veikko klemmte seinen federartigen Schwanz zwischen die Hinterbeine und ließ ein erneutes Winseln erklingen. Doch dieses Mal war es kein glückliches.
      "Du hast mich im Stich gelassen!", zischte der Elf ihm nur zu und ging davon.
      "Was ist das denn für ein Wesen?", grummelte ich und warf ihm durchlöchernde Blicke hinterher. Dann bückte ich mich zu Veikko und strich ihn beruhigend über den Kopf. Ich würde ihn später nach diesem Vorfall fragen.

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      Dieser Beitrag wurde bereits 5 mal editiert, zuletzt von Nyneve ()

    • Spoiler anzeigen


      Nyneve schrieb:

      Kurze Zeit später tauchten auch die eigentlichen Verursacher des Lärmes auf. Zwei Satyre, gefolgt von zwei Elfen tauchten am Eingangstor auf.
      Wiederholung. Vielleicht fällt dir hier noch etwas anderes ein. ^^

      Nyneve schrieb:

      Doch dann tat die weibliche Elfe der beiden etwas unerwartet.
      die weibliche Elfe

      Nyneve schrieb:

      Mit einer angenehmen Stimme, die mich aus irgendeinem Grund an den Geruch von frischer Erde erinnerte, fuhr er fort:
      Wie kann eine Stimme nach etwas riechen? Ich weiß schon, sie setzt es damit gleich, aber Stimmen erinnern einen selten an Gerüche. O.o


      Ansonsten ein super Teil. Der Zwist zwischen den Elfen und den Feen hast du meiner Ansicht nach super dargestellt. ^^
      Ich bin ja mal gespannt, wie das da weiter geht. Immerhin sind das gerade mal eine Handvoll Krieger, die da gegen die Alpen antreten wollen. Da benötigen sie aber noch einige mehr. Mal sehen, wer sich da noch so anschleicht. ^^ Allerdings musst du auch aufpassen, dass nicht zu viele Charaktere auf einmal auftauchen. Sonst wird es unübersichtlich. :thumbsup:

      LG, Kyelia

      Außer Betrieb - Geduldsfaden ist gerissen

      Der, der das Licht stahl
    • So, die Korrekturen sind jetzt alle bearbeitet. ;D

      Kyelia schrieb:

      Der Zwist zwischen den Elfen und den Feen hast du meiner Ansicht nach super dargestellt
      Awww, danke :love:



      Kyelia schrieb:

      Allerdings musst du auch aufpassen, dass nicht zu viele Charaktere auf einmal auftauchen. Sonst wird es unübersichtlich.
      Keine Sorge, ich will jetzt nicht spoilern, aber das ändert sich wieder ;D

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    • So, ich dachte, es ist Mal wieder Zeit für einen neuen Teil...

      ~...~
      Einige Zeit später setzten wir uns alle gemeinsam zu einer Ratsbesprechung in einem Kreis auf das warme, weiche Gras. Auch Veikko hatte sich wieder zu uns gesellt. Als er die herannahenden, betrunkenen Satyre gesehen hatte, verzog er sich in die hinterste Ecke des Lagers. Ich wusste, wie sehr er solche Leute hasste, die ihre Hirnkapazitäten mithilfe von Alkohol auf ein Minimum verringerten. Doch Amorya hatte diesem Gelagere ein jähes Ende versetzt, in dem sie jeden, der nicht deutlich und klar reden konnte, kurzerhand in die kalte Quelle kopfüber getaucht hatte. Dabei hatte sie erneut ihre unermessliche Kraft gezeigt.
      Nun saßen wir schweigend im Kreis, die Stimmung war schlecht und die Realität in die meisten Köpfe zurückgekehrt. Die Satyre schielten beleidigt zu ihrer Bezwingerin, während Kotori und Faye misslaunig in die Runde starrten. Keiner hatte ein Verlangen danach, das Wort zu ergreifen und den Kampfgeist der anderen mit reißerischen Sprüchen und Appellen zu entflammen. Schließlich begann doch jemand zu sprechen. Es war der fremde Elf, der erst kurz zuvor Hibiscuse Paroli geboten hatte.
      „So sind wir alle hier versammelt. Die unterschiedlichsten Wesen, die verschiedensten Charaktere. Ich glaube kaum, dass etwas anderes als der Krieg in die Wege leiten kann, solch andersdenkende Gestalten zu vereinen und sie zusammenzubringen. Selbst hätte ich mir auch nie vorstellen können, mit Pihocas, Nixen, Kitsune, Satyren und Feen gleichzeitig zu reden. Nicht zu vergessen den guten Veikko, der bereits schon einmal meine Wege gekreuzt hat.“ Der Elf räusperte sich und hatte wieder einen wütenden Blick aufgelegt.
      „Eigentlich müsste man aufgrund einer solchen Situation lachen, wäre das Aufeinandertreffen nicht durch einen solch tragischen Vorfall wie dem Krieg zu Stande gekommen. Krieg. Als Kind haben wir doch alle mit Freunden Krieg gespielt, uns mit Holzschwertern duelliert und Schwüre geleistet. Damals kam uns das so weit entfernt vor, nicht greifbar, uns nicht betreffend. Doch das war alles eine einzige, große Lüge. Nun sitzen wir hier. Wir tragen keine Holzschwerter mehr, sondern richtige Waffen, die Haut und Knochen wie Luft durchschneiden. Wir stehen an einem Abgrund. Vor uns nur der unehrenhafteste Tod von allen, hinter uns die gierigen Alben, wartend auf einen Fehler, den wir machen. Grausam, ohne Mitleid. Sie töten Alte wie Junge, Kranke wie Gesunde, Schwache wie Starke, Frauen wie Männer. Kaum zu glauben, dass sie von denselben Ahnen abstammen wie mein eigenes Volk. Wenn ich an sie denke, füllt sich mein Herz mit Kummer und Schmerz. Gleichzeitig fühle ich Zorn, Wut und Hass auf die Wesen, die uns unsere Familien nehmen und unsere Kinder töten. Ich will hoffen, dass es noch unberührte Wesen gibt, die ohne Angst und Zorn leben können. Dafür habe ich gekämpft und werde auch immer dafür kämpfen. Immer das Ziel vor Augen, dass es meinen Nachkommen besser ergehen soll als meiner Generation und deren vor mir. Ich hoffe, dass jeder von uns danach strebt, die Welt ein wenig besser zu machen.“
      Wir schwiegen. Seine Worte hatten jeden von uns tief berührt und getroffen.
      „Das klingt sehr nach deinem eigenen Land, nicht wahr?“ Hibiscuses zornige Stimme durchdrang die Luft mühelos. Der Elf starrte sie zornig an.
      „Ihr glaubt, Ihr könntet mein Volk beurteilen? Seid Ihr denn überhaupt jemals einem Elfen außerhalb des Kriegs begegnet?“ Er verschränkte zornig die Arme und ließ seine Blicke abschätzig über Hibiscuse schweifen.
      „Kommt schon, wir wollen doch jetzt nicht gleich einen Streit vom Zaun brechen, oder? Das würde den Alben mit Sicherheit in die Hände spielen“, versuchte Faye die Situation aufzulockern.
      „Halte dich da raus! Diese Angelegenheit betrifft dich nicht!“, mischte sich nun auch Lauriel in die Unterhaltung mit ein. Nun begann auch noch Sìne aus ihrer Sicht niederschmetternde Argumente in die Runde zu werfen, die nur nicht so ganz zu dem Thema zu passen schienen. Was hatte denn bitte das Wetter mit den Konflikten unter den Völkern zu tun? Erhitzte Gemüter?
      Aglirië begann nun, unaufhaltsam zu schniefen, während Amorya dem Ganzen mit einem überheblichen Gesichtsausdruck folgte.
      Irgendwann war es mir zu bunt und spätestens nachdem Lauriel den Elf packte und schüttelte, war bei mir das Maß an Unruhe erfüllt. So sammelte ich mich einen Augenblick, bevor ich zu den Felswänden flog und von oben einen Steinbrocken nach unten fallen ließ. Mit einem ohrenbetäubenden Lärm traf er auf einen Absatz auf und zersplitterte in viele Felsstückchen unterschiedlichster Größe. Es klang beinahe, als wäre ein alter Baum durch Sturm umgefallen und hätte alles mit sich gerissen.
      „Könnt ihr euch nicht wie Erwachsene benehmen und diesen unsinnigen Konflikt beilegen?“, schrie ich passenderweise dazu und stemmte die Beine in den Boden.
      Einen Augenblick sahen mich die anderen irritiert an, dann löste sich unsere kleine Gruppe langsam auf.
      Faye und Amorya waren gleichermaßen unzufrieden über die Tatsache, dass sie sich die Wasserquelle teilen mussten. Genauso erfreut waren auch wir Feen mit der Tatsache, dass die beiden Elfen es sich auf dem anderen Baum bequem machten, während wir zu viert uns auf einen Baum gequetscht hatten. Ich fragte mich inzwischen, wieso wir nicht gleich beide belegt hatten, doch wollte Hibiscuse und Lauriel nicht noch zusätzlich ärgern.
      Grinsend rief der Elf auch noch zu unserem Baum fragend hinüber: „Will nicht noch einer von euch zu uns? Wir haben hier viel mehr Platz als ihr.“
      Dann verzog er spöttisch grinsend sein Gesicht. Hibiscuse wäre am liebsten direkt zu ihm hinüber geflogen und hätte ihn mit ihrem Schwert durchbohrt. Doch Veikko hielt sie zurück und meinte, man müsse Rache immer süß genießen. Veikko war so schlau. Bisher hatte ich ihn noch nicht nach seiner früheren Begegnung mit dem Elf. Aber nach einem mehr oder weniger üppigen Mahl saßen wir zusammen ganz oben in dem mächtigen Baum und sahen schweigend in die Sterne.
      „Möchtest du mir nicht erzählen, wie du diesen Elf vorher schon einmal gesehen hast? Wie alt ist er eigentlich?“ Ich wählte meine Worte mit Bedacht, ich wusste, dass Veikko das weithin bekannte Reden um den heißen Brei nicht ausstehen konnte, allerdings wollte ich ihn auch nicht zu direkt fragen. Veikko begann zu kichern, wurde dann wieder ernster und begann zu erzählen.
      „Ich würde sein Alter auf 200 Sommer schätzten.“ Das war weder bei den Elfen noch bei den Feen ein hohes Alter, eher im Gegenteil. Im Vergleich dazu war ich dennoch deutlich jünger: Gerade einmal 103 Sommer alt.
      „Es ist schon sehr lange her, dass wir uns begegnet sind. Ich selbst war damals noch beinahe ein Welpe. Ungeschickt und dumm. Ich flog gerne mehrere Sonnenaufgänge am Stück, erkundete neue Welten und kehrte nur selten nach Hause zurück. Auf einem dieser Flüge roch ich plötzlich seltsamen Rauch. Neugierig wie ich war, näherte ich mich dessen Ursache. Ich musste nicht lange suchen, schon machte ich riesige Flammen aus, die an Bäumen züngelten. Manche hatten ihnen bereits nachgegeben und bei ihrem Sturz noch andere Pflanzen mitgerissen. Inmitten dieses Flammeninfernos kämpfte ein junger Elf mit rabenschwarzen Haaren. Ich erinnere mich noch an diese Stunden, als wären sie erst einen Sonnenaufgang her. Er kämpfte wie die Naturgeister, sein Schwert durchschnitt die Luft in Sekundenschnelle. Seine Feinde waren zwei verschiedene Wesen. Zum einen die Feen, mit denen sich die Elfen damals in einem heftigen Krieg befanden. Doch die anderen Wesen waren Alben. Ich habe erst lange Zeit später herausgefunden, dass es tatsächlich Alben waren. Bis dahin hatte ich nur schemenhaft von ihnen gehört, doch eindeutige Beschreibungen gab es nicht.“
      Ich sah ihn blass an und stotterte: „Aber…aber das würde ja heißen, dass…dass die Feen mit den Alben…gemeinsame Sache gemacht haben.“ Das konnte ich mir nicht vorstellen.
      „Ich muss dich enttäuschen. Es war tatsächlich so. Ich vermute, dass die Elfen auch ab und an mit ihnen gemeinsame Sache gemacht haben. Ganz nach dem Motto: Der Feind meines Feindes ist mein Freund. Getraut haben sie ihnen natürlich nie. Aber sie haben sie tot geschwiegen und so konnten die Alben sich völlig unkontrolliert weiterentwickeln. Aber du wolltest doch eigentlich die Geschichte zwischen ihm und mir wissen. Wie gesagt, der Elf kämpfte wie ein Naturgeist, mit einer unglaublichen Kraft. Plötzlich sank auch sein letzter Gegner zu Boden und der junge Mann stand alleine und verloren auf der Lichtung. Ich flog näher, versteckte mich in einem sicheren Baum und starrte gebannt auf ihn hinunter. Er rannte wie besessen in einen brennenden Baum hinein und schleifte eine weibliche Elfe hinaus. Doch es war zu spät, einer der Angreifer hatte ihr die Kehle durchgeschnitten. Er brach hilflos zusammen, drückte ihren leblosen Körper an seinen und blieb so eine ganze Weile liegen. Ich konnte es nicht aushalten, ihn so traurig zu sehen und landete neben ihm. Eine lange Zeit saßen wir zusammen neben seiner toten Frau und schwiegen. Schließlich richtete er sich auf, nahm der Leiche eine Kette ab und hängte sie sich selbst um den Hals. Sein halbes Gesicht war von Blut entstellt, denn ein Degen hatte knapp unter seinem Auge eine tiefe Wunde hinterlassen. Sein Blick jedoch war voller Zorn, erwarteten seine Frau und er doch ein Junges. Ich glaube, ich habe nie eine solche Verachtung in Augen gesehen. Zumindest zogen wir gemeinsam mehrere Sommer den Alben hinterher, nur den Wunsch vor Augen, die beiden zu rächen. Doch in einem Sturm wurden wir getrennt, ich wurde schwer verletzt in einen Wald geschleudert und nahm an, dass er es nicht überlebt hätte. Und dann rettete mich eine junge, blonde Fee mit Blättern in den Haaren und lustigen, dunkelblauen Augen.“
      Veikko schmiegte seinen braunen Kopf noch enger an mich und ich kraulte ihn hinter den Ohren.
      „Du…du warst der Begleiter eines…ELFEN? Dieses Elfen? Wie hast du denn bitte seine Anwesenheit ignorieren können? Keine Manieren, unflätige Äußerungen und eine solche Abstammung?“, ich kräuselte die Nase und legte den Kopf wie ein Vogel zur Seite.
      Veikko seufzte auf, bevor er sich dazu äußerte: „Kannst du nicht über deinen Schatten springen? Was hat er dir denn bitte getan? Nur weil er ein Elf ist? Haben Elfen kein Recht zu leben und genauso behandelt zu werden wie alle anderen?“ Ich schwieg überrascht und sah betreten auf meine Füße. Manchmal war wohl mein Mundwerk etwas voreilig.
      „Es tut mir leid“, murmelte ich leise und biss mir auf die Unterlippe.
      Noch immer spukten dutzende Fragen in meinem Kopf, doch für heute Nacht beließ ich es dabei. Ich wollte ihn nicht drängen, wenn es noch mehr in seinen Augen zu erzählen gäbe, würde er dies sicherlich tun. Ich blickte wieder in den nächtlichen Himmel, der in einem dunklen grauen Ton gespickt mit blauen Fetzten getunkt war. Ab und an lugten einzelne Sterne hervor, die bald darauf jedoch wieder in diesem grauen Meer verschwanden. Ich wusste, dass irgendwann der Zeitpunkt kommen würde, in dem sich Veikko entscheiden musste. Er stand bereits vor einer Weggabelung und musste für sich den richtigen Weg wählen. Innerlich fürchtete ich mich bereits vor diesem Tag, mein Herz lag schwer unter meinen Rippen und ich hypnotisierte traurig ein Blatt vor mir, das frech und jung an einem Ast hing. Tagsüber leuchtete es in einem frischen Grünton, doch jetzt, bei Nacht, wirkte es grau und fahl.
      Nur wenige Augenblicke später hörte ich Veikkos ruhige Atemzüge und ein zufriedenes Schmatzen wie jenes eines Welpen. Ich jedoch war noch nicht bereit, mich in die tiefe Leere des Schlafes zu begeben. Unruhig wälzte ich mich auf die andere Seite meines Körpers, doch es half nichts. Ein wenig mürrisch kletterte ich flink den Baum hinab, meine Flügel fühlten sich zu schwer und steif an um mit ihnen zu fliegen. Am Stamm angekommen sah ich mich kurzzeitig orientierungslos um. Dies war nun bereits die zweite Unterkunft innerhalb von wenigen Tagen und wirklich wohl fühlte ich mich nirgends. Ich sehnte mich nach meinem eigenen Baum zurück, den ich alleine und schutzlos zurückgelassen hatte. Wie viel hätte ich dafür gegeben, wieder bei ihm zu sein, seine raue Borke unter meinen Fingern zu spüren und das in meinen Ohren einzigartige Rascheln seiner Blätter zu horchen. Zeitweise diente er auch als Unterschlupf für ein kleines Eichhörnchen mit einem buschigen, weichen Schwanz.

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      Dieser Beitrag wurde bereits 6 mal editiert, zuletzt von Nyneve ()

    • Ja, also ich muss gestehen, dass ich mit 55 Seiten im Vorraus bin ;D Im Moment hänge ich nämlich an einer Stelle fest.

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