Wildnis

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  • Den ganzen Weg hatte Taon über den Inhalt der Schriftrolle nachgedacht. Schließlich gab er seiner Neugier nach und holte sie aus seinem Gewand hervor und entrollte sie:
    "Ich bin sehr mit dem Fortschritt, den du in den letzten Wochen vollbracht hast, zufrieden. Es freut mich, dass die neuen Novizen sich schnell eingefunden haben und begierig lernen. Wir werden die Hallen in Dunedin bald vergrößern müssen. Es war gut, auch in Dunedin unsere Macht zu vergrößern. Bald wird die erste Lieferung bei dir eintreffen; sie ist schon auf dem Weg. Ich werde meinen Stellvertreter Seraf zu dir schicken, damit er dich in der Handhabung mit der Lieferung unterwiest. Doch er wird nicht allein kommen. Ein Junge wird ihn begleiten. Du sollst dich seiner Annehmen, ganz so, wie ich es von dir gewohnt bin. Ich kann seine Schmerzensschreie schon jetzt in meiner Kammer hören. Bald, schon sehr bald, werden wir die Welt mit einer dunklen Flut überdecken. So wie die Geburt eines Kindes blutig ist, so wird es auch unsere sein. Blut wird fließen und all unsere Gegner mit sich reißen.
    Ich werde dir bald einen Besuch abstatten, um die Novizen zu begutachten.
    T."

    Taon las den Brief mehrere Male durch. Sie waren ihm einen Schritt voraus. Er würde in Dunedin nicht sicher sein. Was ihm jedoch am meisten ängstigte war der Gedanke, dass weitere Kinder in die Finger dieser Nekromanten gelangten. Er schauderte. Er würde nicht zulassen, dass noch mehr sein Schicksal teilen müssten. An die Stelle der Furcht trat ein eiserner Wille. Er würde sie retten! Langsam schlief er ein.
    Dann reitet mein Kaiser wohl über mein Grab,
    Viel Schwerter klirren und blitzen;
    Dann steig ich gewaffnet hervor aus dem Grab -
    Den Kaiser, den Kaiser zu schützen.

    - Heinrich Heine, Die Grenadiere

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  • Schatten in der Nacht. Schatten zwischen den Bäumen, in jeder Bodensenke, hinter jedem Busch. Überall nur Dunkelheit, als hätte der Wald dem Licht selbst abgeschworen. Ein schwacher Wind fuhr durch das obere Geäst und rüttelte an Holz und Blättern. Ansonsten Stille. Kein Vogelruf, kein aufgeschrecktes Tier, das das Laub am Boden zum rascheln brachte. Nur das Rauschen der Blätter und den Schwachen klang von Atmen. Würde mehr Mondlicht durch das Blätterdach drängen, könnte Jerim die weißen Wolken sehen, die über den Mündern seiner Gefährten aufstieg. Ihnen allen war kalt. Wären seine Zähne nicht so fest zusammengedrückt, würde man das Klappern seiner Zähne im halben Wald hören können, doch wenigstens verdrängte die Kälte die Erschöpfung. Das war auch bitter nötig. Angestrengt suchten seine Auge in der scheinbar unendlichen Ferne nach ihrem Beobachter. Immer wieder huschten seine Augen dabei zurück an die Stelle, an der er für einen Moment geglaubt hatte das Glühen zweier Augen wahrzunehmen. Das Glühen roter Augen. Er zuckte zusammen, als neben ihm Noal die Luft einsog. Doch als er dessen erstarrten Blick folgte, starrte er erneut nur in Schatten. Plötzlich brach ein Ast hinter ihm und er fuhr erneut herum, doch wieder nur Dunkelheit. Er atmete tief ein in dem Versuch sich zu beruhigen, doch das Rascheln aus dem Unterholz störte seine Bemühungen. Irgendetwas war da draußen. Erneut brach ein Ast, das Unterholz raschelte und irgendjemand glaubte etwas zu sehen. Jedes Mal ließ es ihn und die anderen in eine andere Richtung herumwirbeln. Irgendwas war da draußen und es spielte mit ihnen.

    Serin hielt sich mit Mühe auf den Beinen. Mit jeder Sekunde wurde sein Stand wieder sicherer, doch jede Sekunde war eine Sekunde die verstrich. Er schob sich vor Lynn, auch wenn das ohne zu wissen aus welcher Richtung ihr Gegner kam sinnlos erschien. Er schloss die Augen und lauschte auf die Bewegungen des Angreifer. Kein ihm sichtbares System steckte hinter seiner Methode. Mal kam ein Geräusch von der einen, dann wieder von der anderen, ohne das der Angreifer irgendein Schema wiederholte. Er könnte von überall her kommen, jederzeit. Er öffnete die Augen wieder und versuchte die Dunkelheit zu durchdringen. Dann erklang ein Rufen aus weiter ferne, wie das eines hungrigen Wolfes, nur hundert mal schrecklicher.
    Wer zu lesen versteht, besitzt den Schlüssel zu großen Taten, zu unerträumten Möglichkeiten.

    Aldous Huxley
  • Noah spähte aufmerksam ins Dickicht, konnte jedoch nichts erkennen. Irgendetwas war da draußen, das fühlte er, genau wie seine Gefährten. Und dieses Wesen wollte anscheinend, das sie es wussten. Er hatte von Geisterwesen und niederen Dämonen gehört, die sich von der Angst ihrer Opfer ernährten, doch das hier, war etwas ganz anderes, etwas viel schlimmeres. In einem Gebüsch knackte es und Noah wirbelte herum.Angespannt näherte er sich mit gezogenem Schwert dem Gebüsch, doch es waren bloß zwei Vögel, die aufgeschreckt davonflatterten. Erleichtert atmete er aus und wollte gerade zu der Gruppe zurückgehen, als ein tiefes Knurren aus einem anderen Gebüsch drang. Bevor auch nur einer von ihnen etwas sagen oder tun konnte, sprang das Wesen aus dem Schatten und warf sich auf Jerim, der gerade noch ausweichen konnte und sein Schwert zog. Doch das Monster schien sich davon nicht beeindrucken zu lassen und griff erneut an.
    my name is Cow,
    and wen its nite,
    or wen the moon
    is shiyning brite,
    and all the men
    haf gon to bed -
    i stay up late.
    i lik the bred.


    GNU Terry Pratchett
  • Taon, Marlin

    Als es dämmerte wachte Marlin auf. Ihr Magen grummelte. Hungrig sah sie sich um, verharrte dann aber bewegungslos, als sie sich daran erinnerte wie wütend der Mann namens Taon gewesen war, als sie das Fleisch gegessen hatte.
    Aber jetzt jagen zu gehen, wäre auch gefährlich, sie wusste schließlich nicht, wann ihr Begleiter aufwachen würde.
    Unschlüssig schnupperte Marlin in der Luft herum, als ihr ein interessanter Geruch in die Nase stieg.
    Schnell duckte sie sich und kroch langsam die Senke hinauf, bis sie über den Rand spähen konnte.
    Ein Wanderer näherte sich auf dem Weg. Anscheinend machte die Nähe der Stadt die Menschen mutiger, denn selten hatte Marlin Wanderer gesehen, die sich alleine in die Wildnis wagten.
    Auf dem Rücken des Fremden baumelte ein großer Rucksack, aus dem ein verlockender Duft emporstieg.
    Räucherschinken.
    Ohne weiter zu überlegen, wartete das Mädchen, bis der Wanderer ein Stück an ihr vorbeigegangen war, dann machte sie sich an die Verfolgung.
    Es war verdammt schwer als Mensch unbemerkt zu bleiben, aber sie schaffte es, da die Nacht langsam begann ihre Siloutte zu verschlucken.
    Der Wanderer stolperte immer öfter, anscheinend konnte er nicht mehr gut sehen.
    Umso besser für mich.
    Als der Fremde von der Straße abgebogen war und sich ein Lager errichtete, war der perfekte Zeitpunkt für Marlin gekommen.
    Sie wartete, bis der Fremde sich gesetzt hatte, dann spurtete sie los, griff sich den Rucksack und gab Fersengeld.
    "Hey! Was soll das? Komm sofort zurück du verdammte Göre."
    Marlin grinste in sich hinein, wenigstens war sie auch als Mensch äußerst flink.
    Als der Wanderer außer Reichweite war, langte sie in den Rucksack und holte ein Stück Schinken hervor.
    Sehr lecker.
    Den Rest werde ich zu Taon bringen.
    Und so schulterte sie den Rucksack und marschierte wieder zum Lager zurück.
    " Das Schönste, was du je im Leben lernen wirst, ist zu lieben und wieder geliebt zu werden." Moulin Rouge
  • Lynns Kopf bewegte sich von einer Seite zu der anderen. Die Geräusche kamen von allen Richtungen und das verhieß nichts gutes.
    Entweder es waren viele Monster, die gekommen waren, um sie zu töten oder es war ein besonders cleveres Wesen, dass versuchte sie zu verwirren.
    "Was sollen wir tun?", fragte Noah, der das Schwert auf Brusthöhe hatte und dessen Augen unablässig das Dickicht absuchten.
    "Es bleibt wahrscheinlich nur die Flucht nach vorne.", murmelte Jerim und Serin nickte zustimmend.
    Plötzlich knackte es zu ihrer linken Seite und alle schreckten auf.
    Einen Augenblick später kam ein Geräusch von rechts.
    "ich glaube, sie haben uns diese Möglichkeit Grade genommen.", flüsterte Lynn und spannte den Bogen weiter an.
    "Dann bleibt nur noch der Kampf.", sagte Serin und hob sein Schwert.
    Er zitterte nicht mehr so stark, war aber noch etwas unsicher auf den Beinen.
    Lynn wollte gerade etwas zu ihm sagen, da brachen sie aus dem Dickicht.
    A reader lives a thousand lives before he dies. The man who never reads lives only one. George RR Martin
  • Marlin, Taon

    Als Taon erwachte, war die Sonne bereits aufgegangen. Es war eine lange, traumlose Nacht gewesen. Der Brief, den er gelesen hatte, ließ ihn jedoch nicht los. Er wusste, was er zu tun hatte, was er tun würde.
    Als er sich von seiner Schlafmatte erhob, sah er Marlin. Neben ihr lag ein Rucksack mit etwas Räucherschincken auf dem Boden.
    Sie hat doch nicht etwa ...
    Doch anstatt sich zu ärgern, musste er grinsen. Offensichtlich verstand sie ihr Handwerk. Vielleicht wäre das noch irgendwann einmal nützlich.
    "Wie ich sehe, war deine letzte Nacht recht erfolgreich", sagte er. "Wir sollten bald Dunedin erreichen; im Laufe des Vormittags."
    Sie schien überrascht, dass er ihr keine Predigt hielt. Sie nickte.
    "Auch wenn wir einen meiner Verfolger ausgeschaltet haben, sollten wir dennoch vorsichtig sein. Ich kann es natürlich verstehen, wenn du mich in Dunedin verlässt. Schließlich bedeutet meine Anwesenheit auch eine Gefahr für dich."
    Insgeheim hoffte Taon, dass Marlin beleiben würde. Ihre Anwesenheit tat im gut, doch er würde sie keiner Gefahr aussetzen.
    Ich muss allein mit meiner Vergangenheit abschließen. Es wäre unverzeichlich, wenn ihr etwas zustößt.
    Taon nam sich ein Stück des Räucherschinckens und machte sich genüsslich darüber her. Langsam verstand er, warum Marlin offensichtlich nicht Wiederstehen konnte.
    Nachdem er aufgegessen hatte, rollte er seine Schlafmatte ein, schulterte seinen Rucksack und stapfte gemeinsam mit Marlin auf die Straße nach Dunedin zu.
    Dann reitet mein Kaiser wohl über mein Grab,
    Viel Schwerter klirren und blitzen;
    Dann steig ich gewaffnet hervor aus dem Grab -
    Den Kaiser, den Kaiser zu schützen.

    - Heinrich Heine, Die Grenadiere

  • Den ganzen Weg grübelte Marlin. Sie versuchte es zumindestens. Doch der Fuchsgeist in ihr schien die menschliche Eigenschaft nicht gut zu heißen und lenkte sie mit allerlei Dingen ab.
    Manchmal war es das Rascheln eines Busches, der Geruch eines Menschen, oder einfach ein aufgeschreckter Vogel, der Marlins Aufmerksamkeit fesselte und sie davon abhielt, sich der Frage zu stellen, was sie als nächstes tun würde.
    Schließlich gab sie ganz auf und beschloss Taon so lange zu folgen, bis sie keine Lust mehr hatte.
    Aus irgendeinen Grund mochte sie den Mann und ihr gefiel die Tatsache nicht, dass er in Gefahr war.
    Auf der anderes Seite war sie nur ein kleiner Fuchs, andere Tiergeister hätten wohl mehr Schutz versprechen können. Auch als Mensch war sie nicht zu allzu viel zu gebrauchen. Sie war zwar flink und konnte dadurch manchmal Leute überrumpeln, aber an Kraft war sie den meisten unterlegen.
    Letztendlich musste sie wohl einfach abwarten, was passieren würde.
    Als Marlin wieder ein Stück vorgerannt war, um ein welkes Blatt zu verfolgen, konnte sie eine Veränderung spüren.
    Sie hob den Kopf und erblickte scheinbar endlose Dächer.
    Fast unhörbar drangen Geräusche des Stadtlebens an die feinen Ohren des Mädchens.
    Viel lauter knirschten jedoch die Schritte Taons direkt hinter hier.
    Auch er blieb kurz stehen, um den Anblick der Stadt in sich auf zu nehmen.
    Dabei trat ein verbitterter Ausdruck in sein Gesicht.
    Ohne darüber nachzudenken, boxte Marlin ihren Gefährten spielerisch in die Seite und grinste ihn an
    " Gibt es in dieser Stadt auch Fisch? Ich wollte schon immer einmal Fisch probieren."

    --> Dunedin
    " Das Schönste, was du je im Leben lernen wirst, ist zu lieben und wieder geliebt zu werden." Moulin Rouge
  • Marlin, Taon

    Da war die Stadt. Wie lange hatte er auf diesen Moment warten müssen? Wie viele Tage hatte er allein in der Kälte verbracht? All das war nicht mehr von Bedeutung, denn er war angekommen. Er hatte das Ziel seiner langen Reise erreicht. Endlich könnte er denen, den es so ergangen war wie ihm, helfen, aus dieser misslichen lange zu entkommen.
    Marlin war ebenfalls stehen geblieben und musterte ihn. Er war froh, dass er sie getroffen hatte, schließlich hatte er lange keine Gesellschaft mehr genossen. Dennoch wusste er nicht, wie es weiter gehen würde. Er wollte sie nicht in Dinge hineinziehen, die sie in Gefahr bringen könnten. Allein sein, wollte er allerdings auch nicht. Früher oder später müsste er eine Entscheidung treffen.
    "Ja ich bin sicher, dort gibt es auch Fisch!", antworte Taon mit einem Grinsen. "Sobald wir einen Händler gefunden haben, werde ich dir einen Kaufen."
    Mit selbstbewussten Schritten und einem neuen Ziel vor Augen, durchschritt Taon hinter Marlin das Stadttor.

    --> Dunedin
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    - Heinrich Heine, Die Grenadiere

  • Krallen so lang wie Messer stachen aus einer dunklen Masse aus schwarzem Fell hervor. Krallen schärfer als jede Rasierklinge. Ein Fauchen ertönte, eine Planke schlug zu. Nur mit Mühe konnte Jerim dem Schlag entgehen. Er sammelte sich und machte eine tödlichen Ausfallschritt, der das Wesen in der Mitte hätte durchbohren sollen, doch er traf nur Luft. Augenblicklich tauchte das Wesen hinter Noal auf der anderen Seite der Lichtung auf, der sich gerade noch rechtzeitig zur Seite werfen konnte. Serin warf einen Dolch, doch kurz bevor dieser sein Ziel erreichte verschwand das Wesen erneut und tauchte an einer anderen Stelle auf. Jerim fluchte. Wie sollten sie ein Ziel treffen, das seine Position jederzeit verändern konnte. "Bleibt zusammen", rief er und stürmte dann zur Mitte der Lichtung, wo sie sich Rücken an Rücken in einem unförmigen Kreis aufstellten. Zu wenig Platz zwischen sich um dem Wesen Raum zu bieten und die Schwerter nach außen gewandt. Das Wesen stand still, zum ersten Mal seit seinem Angriff, und beäugte sie misstrauisch. Nur einmal wechselte es seine Position, als Lynn die Gelegenheit ergriff und einen Pfeil schoss, der ergebnislos in einem Baum stecken blieb. Endlich hatte Jerim die Chance es genauer zu betrachten. Es ähnelte nichts was er zuvor gesehen hatte. Das Wesen war schmächtig und kleiner als er vermutet hatte. Viel zu lange Arme, die in den Klauen mit den langen Krallen endeten, baumelte von schmalen Schultern. Das was man wohl als Oberkörper hätte bezeichnen können, war kurz und ging nahezu übergangslos in zwei dünne Beine über, die eher an Stöcke denn an Gliedmaßen erinnerten. Der Kopf, der zwischen den Schultern saß, ähnelte einem Dreieck. ein dünnes Spitz zulaufendes Kinn immer breiter werdende Wangenknochen und eine fast schon flache Stirn. Zudem war er seltsam nach vorne verschoben. Anders als am restlichen Körper war die Haut hier nackt und nicht von schwarzem Fell überdeckt. Ein Maul wie bei einem Fuchs oder einer Katze saß unter den beiden Feuerrot glühenden Augen, die ihnen zuvor in der Dunkelheit Angst eingejagt hatten.

    Serin verkrampfte und entkrampfte seine Hände regelmäßig um sie in Bewegung zu Halten. Jede Sekunde rechnete er damit, dass dieses Wesen direkt vor ihm auftauchte und ihm die Brust aufriss. Oder dass er den Schmerzschrei eines seiner Gefährten hörte dem genau das widerfahren war. Hundert gegner mit hundert schwertern, wären ihm lieber Gewesen, als eines dieser Wesen, doch was kümmerten sich schon Dämonen um den Wunsch eines einfachen Menschen. "Was bist du", rief hinter ihm eine Stimme. Heiser und voller Anspannung. Sie hätte in diesem Moment jedem von ihnen gehören können. Er drehte sich nicht um, um zu sehen wem genau. Denn darauf wartete die Bestie in seinem Rücken nur. Sekunden vergingen, ihm schien es wie Stunden. Der Wind raschelte an den Bäumen, übertönte das Geräusch ihres Atems.
    Wer zu lesen versteht, besitzt den Schlüssel zu großen Taten, zu unerträumten Möglichkeiten.

    Aldous Huxley
  • Cifer hoffte in diesem Moment wirklich, dass der Mythos, das solche Kreaturen Angst riechen konnten, falsch war.
    Sonst wäre er wohl geliefert gewesen. Am liebsten wäre der Gestaltenwandler in diesem Moment einfach weg gerannt und hätte die Anderen ihrem Schicksal überlassen.
    Doch rennen hätte nichts genutzt. Egal wohin er laufen würde, das Monster wäre sicher schon dort. Wenn sie warteten würden sie vielleicht getötet werden, aber wenn er jetzt los liefe würde er ganz bestimmt als erster von den langen Krallen zerfetzt werden. Wenigstens konnte im fahlen Mondlicht niemand erkennen wie blass er war.
    Was Cifer noch mehr beunruhigte war, dass sich das Wesen irgendwo hinter ihm auf der anderen Seite des Kreises befand.
    Und dem Ausruf einer seiner Kameraden nach zu urteilen musste es wohl ziemlich abscheulich sein. Das Wesen ließ ein Geräusch ertönen, das schwach an ein knurrendes Lachen erinnerte und ihnen die Haare zu Berge stehen ließ. Dann verschwand es plötzlich. Jeder von ihnen war für einen Moment angespannt.
    "Wo ist es?" fragte jemand verwirrt, doch niemand rührte sich von seiner Position. Sie wussten, genau das war es, worauf das Monster wartete.
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    GNU Terry Pratchett
  • Stille. Die scheinbar leere Lichtung lag unter dem Schleier der Täuschung. Kein Zeichen auf den Angreifer, bis auf das stechende Gefühl seines Blicks. Jerim versuchte seine Atmung zu verlangsamen und lockerte seine vor Anspannung schmerzenden Glieder. Es würde ihm nichts nützen wenn sie steif wären wenn der Gegner sein Versteck verließ. Plötzlich raschelte es im Gebüsch und alle Ruhe war augenblicklich verflogen, doch es war nur Neretvan, der auf die Lichtung taumelte. Seine Kleider waren geschwärzt und seine Haut dunkel vom Ruß. Schwarzes Blut tropfte von der Klinge seines Schwertes, dass er vor sich gestreckt hielt. Spuren eines weit entfernten Kampfes. Jerim konnte nicht erkennen wer ihn gewonnen hatte, jedenfalls schien er nicht schwer verletzt zu sein. Er ignorierte die Fragen, die ihm auf der Zunge lagen, selbst wenn so viel davon abhing ob er den Seelenstein erreicht hatte oder nicht und wollte ihm eine Warnung zurufen. Doch in diesem Moment erschien ihr Angreifer bereits neben Neretvan. Jerim sah wie es die Klaue erhob um zuzuschlagen, hörte einen Schrei von einem seiner Gefährten und schleuderte einen Ball aus reiner Energie. Diesmal war er schnell genug. In dem Moment als das Wesen zuschlug traf der Ball dessen Klaue und riss diese zur Seite, fort von Neretvans haut. Der reagierte unmittelbar und rollte sich zur Seite. Weg von dem Wesen das sich aufkreischend um die rauchende Klaue krümmte und dann erneut verschwand. Nur ein schmaler Rauchschwaden verblieb. Neretvan war derweil auf die Beine gekommen und blickte sich aufmerksam um. Diesmal wartete das Wesen nicht auf eine günstige Gelegenheit sondern erschien direkt neben Jerim, um sich dann kreischend vor Wut und Schmerz auf ihn zu stürzen. Jerim riss sein Schwert hoch, jedoch nicht mehr rechtzeitig. überrascht von der Wucht des Angriffs gingen sie beide zu Boden. Jerim spürte das Gewicht des Geschöpf auf ihm lassen und schmeckte Fellhaare in seinem Mund. Er rang verzweifelt nach Luft wollte dem Wesen in den Rücken stechen, doch alles worum seine Finger sich krümmten war Luft. Er musste das Schwert beim Sturz fallen gelassen haben. Die Luft wurde ihm knapp und scharfe Krallen durchdrangen seine Haut, die letzte Luft in seinen Lungen entschwand mit dem entsetzten Schrei, den er verzweifelt ausstieß. Vor seinen Augen verschwand die Welt und Lichter wie kleine Sterne tanzten vor seinen Augen, als das Wesen plötzlich mehrmals kurz nacheinander aufzuckte, erzitterte und dann still liegen blieb. Mit einem mal war das Gewicht von ihm genommen und frische klare Luft durchstömte seine Lungen. Vor ihm standen inmitten der tanzenden Sterne Serin, Lynn, Noah und Neretvan von deren Klinge das schwarze Blut des Geschöpfs tropfte.

    Serin starrte angewidert auf dieses abscheuliche Wesen, dass vor ihm zu Boden lag. Welche Höllen spuckten so etwas aus. Sah so die Zukunft dieser Welt aus wenn sie versagten. Er löste dem Blick von diesem Ding und musterte Jerim. Die krallen waren tief gedrungen, doch nichts was er nicht überleben wurde. Er ließ sich bereits wieder von Noah auf die Beine ziehen. Alle standen sie um ihn herum, bis auf Cifer, der wie immer etwas abseits stand. Feige wie in dem Moment als das Wesen angegriffen hatte. Er war der einzige der von Jerim weg, statt zu ihm hingerannt war. Doch Serin konnte es ihm trotz allem nicht übel nehmen. Jeder Kampf kostete Nerven und dieser...
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    Aldous Huxley
  • "Wir sollten ein Lager aufschlagen." schlug Cifer vor. Keiner von ihnen hatte in dieser Nacht viel geschlafen und sie alle hatten kleinere Wunden von den vielen Kämpfen."Nein!" widersprach Neretvan."Nicht hier. Wir sollten erst einen sicheren Ort finden." "Er hat Recht." stimmte Lynn zu."Hier ist es noch zu gefährlich." Sie warteten noch einen Moment, bis sie sich genug erhohlt hatten und zogen dann los.
    Cifer wusste nicht wie spät es schließlich geworden war, doch es musste einige Stunden vor Sonnenaufgang sein als sie schließlich aus dem Wald heraus kamen. "Seht mal dort." meinte Jerim und hob erschöpft den Arm um auf eine Mauer zu deuten. Dahinter lag anscheinend eine Schenke."Wurde ja auch Zeit." murmelte Cifer und unterdrückte ein Gähnen."Für ein Bett und etwas warmes zu Essen würde ich jetzt morden." "Das wirst du dann wohl auch tun müssen." erwiderte Noah. "Ich glaube nicht, dass unser Geld noch für Beides..." er unterbrach sich."Irgendetwas stimmt nicht." "Was..?" setzte Lynn an, doch die Frage beantwortete sich beim näherkommen selbst."Sind Tavernen nicht normalerweise belebt und hell?" Cifer zuckte hoffnungsvoll mit den Schultern."Vielleicht haben sie ja Sperrstunde." Doch der Hof wirkte unbelebt und auch die Ställe schienen leer zu sein. Sie zogen ihrer Waffen und betraten die Schenke.
    Auch drinnen war alles ruhig. Zentimeter dicke Staubschichten bedeckten die Theke sowie die Tische und Stühle und in den Ecken wimmelte es von Spinnenweben. "Es scheint verlassen zu sein." meinte Noah."Aber ich gehe in die Vorratskammer und sehe nach ob sie vielleicht etwas zu Essen da gelassen haben." Lynn trat zu Jerim um seine Wunden zu untersuchen doch er winkte ab."Nur ein paar Kratzer, sieh lieber noch mal nach Serin." Sie blickte ihn besorgt an und wollte etwas sagen, doch Jerim unterbrach sie."Wirklich, es geht schon." Sie nickte."Wenn du dir sicher bist." Dann ließ er sich auf einem der Stühle nieder. Cifer wischte etwas Staub von einem der Stühle und setzt sich zu Jerim.
    "Auf die Bedienung kannst du hier lange warten." meinte er."Schon komisch" sagt er und nickt in die Richtung der Tür, durch die Noah soeben verschwunden war."Was meinst du?" fragt Jerim müde."Immer wenn wir angegriffen werden, scheint er gerade nicht da zu sein." Jerim seufzte."Hör mal, ich bin erschöpft und würde jetzt gerne nur noch etwas essen und dann ins Bett fallen, worauf willst du hinaus?" Sein Gegenüber hatte inzwischen angefangen, mit dem Finger Muster in den Staub auf dem Tisch zu zeichnen."Na ja, wie kommt es, dass uns diese Dinger immer so schnell finden? Ich glaube, das sie entweder jemand ruft oder dass sie jemandem folgen." "Und ich glaube das deine Fantasie mit dir durchgeht, ich traue jedem meiner Gefährten." antwortete Jerim."Das ist nicht der passende Zeitpunkt für irgendwelche Verschwörungstheorien, du solltest dich besser hinle..." Ihr Gespräch wurde abrupt unterbrochen, als die Tür aufflog und Noah hereingestolpert kam. Er wirte nicht mehr müde sondern aufgeregt und erschrocken."Ich denke ,ich habe im Keller etwas gefunden, das ihr euch ansehen müsst!".
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  • Neretvan blieb ruhig und ignorierte die Kampfgeräusche, die aus der Nähe ihres Lagers kam. Wenn er sich jetzt bewegte... dann wäre er tot, so was von tot. Das Gebüsch, in das er gekrochen war bedeckte seinen Körper gut genug, dass man in der Nacht nichts erkennen konnte. Er hatte Glück, dass er inmitten dieser Einöde noch ein Versteck gefunden hatte. Kaum war er in den Wald vorgedrungen, wurde er von etwas weggeschledeurt und fiel einen Abhang hinab. Es war unglaublich und erschreckend. Das Tal, das einmal als Güldengrün bekannt war, war nur noch ein Haufen Asche und Geröll. Die Dämonenbrut und alles andere, was man sich kaum vorstellen konnte, hatte sich hier eingenistet. Mehrere schwarze Strahlen schossen im Tal gen Himmel und kennzeichneten die korrumpierten Lebendensteine. Das Portal musste größer geworden sein, weil das Tal war richtig überfüllt. Neretvan zweifelte langsam daran, dass dieses Unglück abgewendet werden konnte. Er saß jetzt schon mehrere Stunden hier und hatte immer noch nicht feststellen können wie viele Dämonen hier warteten. Er wusste bisher, dass es drei Gruppen mit jeweils einem Anführer gab. Die größte Gruppe war das Dämonenheer und der Anführer musste ein sehr hoher Dämon sein. Er war etwa fünf mal so groß wie ein Mensch, seine Haut bestand aus Stein und teilweise flüßigem Lava, sein Kopf ähnelte einem Drachen, die Hörner waren aber schwarz und länger, seine Augen sprühten regelrecht Funken und seine Klauen waren monströs. Neretvan hatte gesehen wie er eine handvoll Dämonen, die anscheinend etwas verbockt hatten einfach so durch die Luft geschleudert hatte. Er musste auch der Befehlshaber der kompletten Armee sein, denn die anderen zwei nahmen auch Befehle von ihm an. Der eine war ein etwas übergroßer Mensch in einen schwarzen Umhang gekleidet mit einer stählernen Rüstung. Er sah aus wie ein Vampir, war aber schwer festzustellen auf die Entfernung. Auf jeden Fall hatte er den Befehl über Werwölfe, Nachtschleicher und solche Kreaturen inne. Es war wahrscheinlich einer dieser gefürchteten Vampirfürsten, würde sich aber erst zeigen wenn er seine wahre Gestalt annimmt.
    Der andere Anführer war ein rießiges Menschenskelett mit einem zerrissenem Pelzmantel und rostiger Rüstung. Sein Helm war sehr auffällig. Er trug einen Halbhelm mit Nasenschutz und zwei Hörner geschmückt mit Ketten und Amuletten. Er trug immer eine zweihändige Axt mit sich herum, die für einen Menschen kaum benutzbar sein konnte. Sie war fast so groß wie das Skelett und das mussten locker zwei Menschenlängen sein. Neretvan hielt sich den Kopf und holte vorsichtig ein Blatt Papier aus einer Tasche. "Verflucht soll dieser Wahnsinn sein und vor allem dieser beschissene Magier, der das Portal entdeckt hat.", murmelte Neretvan und schrieb ungefähre Zahlen, Waffen, usw. für den König auf. Sobald er irgendwo einen Stützpunkt entdeckte, würde er einen Boten schicken. Aber zuallererst musste er von hier weg. Plötzlich bebte der ganze Boden und ein lautes Brüllen war zu hören. "Was zum...?" Hinter einem Berg bewegte sich eine monströse Gestalt im Nebel und näherte sich dem Armeelager. Der Dämonenheerführer schien hektisch und orderte Befehle an. Überall wurden Lager abgebrochen und zur Seite geschafft. "Was machen die da?" Das Monster schälte sich aus dem Nebel und Neretvans Herz rutschte noch tiefer. "Oh, ihr Götter... Bringt mich hier lebend raus." Das Monster war eine wandelnde Burg, gepanzert aus Stein, jeder Fuß so breit wie Bergfried. Der Rücken war übersät mit Stacheln und Geröll. Die Dämonen hatten sich Wege auf dem Rücken dieses Monstrums gearbeitet und Plattformen gebaut. Dieses Ding war ein lebender Belagerungsturm. Neretvan schluckte und nahm seine Notizen. "Ich muss hier weg... Ganz schnell."
    "Die höchste Ebene des Kampfes ist es, nicht zu kämpfen."

  • Jerim blickte Noah nachdenklich hinterher, als der wieder im Keller verschwand. Cifer hatte nicht vollkommen unrecht. Noah war schon mehrmals ohne Erklärung verschwunden um dann irgendwann später wieder aufzutauchen. Wenn er nur an Dunedin dachte... Aber jeder von ihnen hatte Geheimnisse und Noah hatte schon oft genug Seite an Seite mit ihm gekämpft. Damals als sie sich kennengelernt hatten, war er ihnen gegen dutzende von Wachen zur Hilfe gekommen, ohne sie je zuvor gesehen zu haben. Und das obwohl sie selbst mit ihm nur zu dritt und damit heillos in der Unterzahl waren. Zudem war das noch lange vor diesem allem gewesen. Vor den Seelensteinen, den Dämonen und ihrem Kampf gegen den Untergang der Welt. Nein. Was auch immer er vor ihnen verbarg, es war kein Verrat. "Seine Geheimnisse sind seine Sache", beschloss er, "Er wird sie mit uns teilen, wenn er dazu bereit ist." Dann eilte er den anderen nach, die bereits in der Dunkelheit hinter der Tür verschwunden waren. In ihr verbarg sich eine Treppe, die hinab in die unteren Gewölbe führen musste. Kein Licht beleuchtete den kühlen Stein um ihn herum, so dass die hallenden Schritte seiner Kameraden seine einzige Orientierung waren. In seiner Hand ließ er eine helle Kugel aus reiner Energie aufflackern. Vor ihm wurden die Körper seiner Gefährten sichtbar und dahinter eine hölzerne Tür. Nur Glück so schien es schien sie noch in den Angeln zu halten und sie ließ einen schmalen Spalt offen, der nichts als weitere Dunkelheit verkündete.

    Serin trat hinter Noah in das Gewölbe. Das Licht aus Jerims Hand erhellte weitere Steinwände und allerhand Fässer und Kisten. Hier musste sich das Lager der Taverne befinden. "Ob noch Essen übrig ist", fragte er sich, hielt sich jedoch davon ab nachzusehen. Was immer Noah ihnen zeigen wollte, Überraschungen hatten in der letzten Zeit selten etwas gutes verlautet. Angesichts dieser Erkenntnis zog er zwei seiner Dolche und rückte näher an Lynn, die neben ihm stand. Er konnte ihren Atem in der allgemeinen Stille, einzig und allein durchsetzt von dem Geräusch tropfenden Wassers, dessen Ursprung er nicht ausmachen konnte, hören. Er hatte sich geschworen, sie vor allem zu beschützen, was sie bedrohte. Nicht, dass sie wehrlos wäre, aber er könnte es sich selbst nicht verzeihen wenn ihr etwas zustieß. "Was genau wolltest du uns nun zeigen Noah", fragte Jerim irgendwo hinter ihm und seine Stimme hallte tausendfach von den steinernen Wänden wieder.
    Wer zu lesen versteht, besitzt den Schlüssel zu großen Taten, zu unerträumten Möglichkeiten.

    Aldous Huxley
  • Noah öffnete die Tür und betrat den etwas kleineren Raum der dahinterlag. Es war eine weitere Vorratskammer voller Wein, doch es herrschte große Unordnung. Die meisten Regale waren umgefallen oder ganz zerschlagen worden. Die Weinflaschen lagen über den Boden verstreut, viele waren zerbrochen und hatten ihren Inhalt über den Boden vergossen.“Ein unordentlicher Weinkeller.“ meinte Cifer gelassen.“Ist es das was du.....Au, Verdammt!“ Der Gestaltwandler war über etwas gestolpert und war in ein paar Scherben gelandet.“Alles in Ordnung?“ fragte Noah , doch Cifer hatte sich inzwischen wieder aufgerichtet und zupfte die Scherben aus seiner Kleidung, wobei er leise vor sich hinfluchte, bis er erkannte worüber er da eigentlich gefallen war. “Der Wirt.“ meinte Lynn und kniete sich neben den übel zugerichteten Toten.“Oder besser gesagt, was noch von ihm übrig ist. War es das was du uns zeigen wolltest?“ Doch Noah schüttelte den Kopf und bedeutete ihnen leise zu sein. Hinter einer weiteren, jedoch solider wirkenden verriegelten Tür drangen leise Scharr und Kratzgeräusche hervor.“Erst dachte ich es seien bloß Ratten.“ meinte Er schulterzuckend.“Aber dann habe ich den Wirt gefunden.Übrigens ist das keine gute Idee.“ fügte er an Serin gewandt hinzu der sich der Tür genähert hatte. Fast im selben Moment erstarben die Geräusche. Kurz darauf warf sich etwas Großes von der anderen Seite krachend gegen die Tür die jedoch hielt. Das Wesen stieß ein wütendes Heulen aus das bald zu einem frustrierten Winseln abklang.“Hast du rein gesehen?" fragte Jerim und deutete auf ein kleines vergittertes Fenster in der Tür."Nein." Noah schüttelte den Kopf."Ich wollte euch sofort Bescheid sagen. Ich dachte es könnte ausbrechen." "Es scheint nicht gerade in guter Verfassung zu sein." meinte Serin, der neugierig durch das Fenster lugte. Auch Noah trat heran und spähte hinein. Das Wesen hatte die Gestalt und die Größe eins Panthers, doch sein schwarzer Leib war mit vielen, kleinen, Schuppen bedeckt, Es war mager und sein Körper trotz der Schuppen mit unzähligen Schnittwunden und Prellungen bedeckt. Inzwischen hatte es aufgehört zu Winseln und kratzte nur noch hilflos an der Tür."Gut, ich denke nicht, dass es eine Gefahr darstellt." meinte Serin und trat von dem Fenster zurück. Noah blickte noch immer zu dem Wesen hinein, das kurz aufsah und ihn mit seinem Blick fixierte."Wartet." sagte er zu den Anderen die sich schon zum gehen gewandt hatten."Wir können es nicht einfach hier lassen." Cifer sah ihn verdutzt an."Was? Natürlich können wir. Überlassen wir das Problem dem Nächsten der hier vorbeikommt." "Wir können es doch nicht einfach so zum Sterben zurücklassen. Es hat Angst, ist verzweifelt und verletzt." Noah war leicht aufgebracht."Ach ja? Es wird so oder so sterben.Sollen wir etwas Mitleid mit dem armen kleinen Ich-reiß-dich-in-tausend-Stücke-wenn-ich-dich-in-die-Pfoten-bekomme haben?" fragte Cifer genauso aufgebracht. Er deutete auf die Reste des Wirtes."Hatte es vielleicht Mitleid mit ihm?""Genug!" Mischte sich Jerim ein. Cifer verstummte und Noah, der gerade zu einem Gegenargument ansetzten wollte warf ihm einen dankbaren Blick zu."Wir sollten hochgehen und uns ausruhen." sagte Jerim etwas ruhiger."Aber.." setzte Noah an doch Jerim unterbrach ihn."Wir besprechen das morgen nochmal." Damit trat er zurück zum Eingang und auch die Anderen verschwanden nach oben. Nur Noah wartete noch."Kommst du?" fragte Jerim."Ja gleich, geht schon mal vor." antwortete er. Jerim zuckte mit den Schultern und verschwand ebenfalls nach oben. Noah wartete bis er sicher war, das niemand mehr da war, dann wandte es sich zur Tür um atmete tief ein und schob den Riegel zur Seite. Als er die Tür öffnete, lag das Monster in einer Ecke. Gleich neben der Tür lag ein sauber abgenagtes Skelett, daneben ein stumpfes, rostiges Schwert. Anscheinend hatte sich jemand mit dem Monster hier einsperren lassen um es zu bekämpfen. Ein schwar Schritte weiter lag das Wesen selbst und krümmte sich vor Schmerzen, in der Dunkelheit kaum zu erkennen. Aus der Nähe betrachtet sah es noch viel übler zugerichtet aus. Es blickte nicht einmal auf als Noah sein Silberschwert zog.
    my name is Cow,
    and wen its nite,
    or wen the moon
    is shiyning brite,
    and all the men
    haf gon to bed -
    i stay up late.
    i lik the bred.


    GNU Terry Pratchett

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  • Lynn folgte Jerim die Treppe wieder hinauf und wollte nur noch die Augen schließen.
    Die Monster, der tote Wirt, das alles hatte sie geschafft.
    In der Schenke begannen sie ihr Lager aufzuschlagen, auf das Feuer mussten sie verzichten, es könnte die Monster anlocken.
    Lynn zog die Decke enger um ihre Schulter.
    "Wo bleibt nur Noah?", fragte Jerim der, wie er es immer Tat wenn er nervös war, auf und ab ging,"Er wollte doch direkt mit nach kommen."
    Lynn sah zu ihm auf:" Er hat ein Geheimnis, ein dunkles Geheimnis."
    Serin blickte sie an:"Wieso glaubst du das?"
    "Er verhielt sich merkwürdig und verschwand immer in einem regelmäßigen Zyklus. Ich habe eine Vermutung, doch ohne Beweise will ich euch nichts verraten."
    Jerim grunzte:" Ich gehe nach ihm sehen.", und ging mit gezogenem Schwert in den Keller.
    Lynn seufzte:" Wir sollten ihm folgen. Wer weiß, was das Viehnoch mit den beiden anstellt."
    "Du hast Recht,", sagte Serin und stand.
    Auch Lynn erhob sich und legte einen Pfeil an.
    Dann stiegen sie die Treppe hinab.
    A reader lives a thousand lives before he dies. The man who never reads lives only one. George RR Martin