• Kiddel Fee


  • Danke euch allen, die ihr so treu lest und Nate so tapfer zur Seite steht! Ihr seid klasse! Sind auch bald fertig!




    “Als ich dich das letzte Mal persönlich getroffen habe, bist du noch auf meinen Knien geritten.”
    Wie ein Blitz schlugen die Worte in Nates Bewusstsein und verdrängten für einen Moment die entsetzliche Dauerschleife der letzten Stunden aus seinem Denken. Bis jetzt war es ihm egal gewesen, wer ihn hier in seiner Zelle aufgesucht hatte. Er wollte niemanden sehen und mit niemandem sprechen. Die Zeit hier schien still zu stehen.
    Anfangs hatte er noch getobt, hatte seine Kopf gegen die Wand geschlagen, bis sie ihn am Bett fixiert hatten. Seine Hände waren gefesselt, immerhin hatte er nur mit ihnen einen Menschen getötet. Selbst zu den Mahlzeiten blieben die Handschellen dran, doch die Mahlzeiten kümmerten ihn nicht mehr. Nichts kümmerte ihn mehr.
    Doch jetzt war ein Gast erschienen.
    Trotz seiner innerlichen Aufregung tat er seinem Besucher nicht den Gefallen, Interesse zu zeigen oder zumindest den Kopf zu heben. Er blieb an der Wand sitzen und starrte auf seine zerschlissenen Schuhe. Es gab nichts zu sagen.
    Kommandant Kirschner seufzte kurz, dann lehnte er sich an die Wand. “Junge, was soll ich jetzt mit dir machen?” Er klang immer noch wie früher. Mitfühlend, mit einer leicht kratzenden Note in der Stimme.
    Mit einem Mal fühlte sich Nate zurückgeschleudert in einen Sommer vor fast fünfzehn Jahren, als dieser Mann gemeinsam mit seinem Vater im Garten gesessen und mit diesem über den drohenden Krieg gesprochen hatte. Doch er sagte nichts. Wozu auch. Selbst Kirschner würde Ivy nicht zurückholen können … sollte er doch einfach wieder verschwinden.
    Der Kommandant ahnte wohl, dass sein Gegenüber nicht auf einen Plausch aus war. Für einen Moment füllte das Schweigen die Zelle aus.
    “Hör mal, Junge, ich will dir helfen”, seufzte Kirschner schließlich. “Dein Vater war mein guter Freund, bis der Krieg uns zu Feinden gemacht hat.”
    Stille.
    Nate schloß die Augen. Als hätte es nur auf diesen Moment gewartet, stieg Ivys Bild vor ihm auf, die Sekunden ihres Todes, als ihr Leben erloschen war -
    Erneut ballten sich seine gefesselten Hände, seine Arme zuckten, als gelte es immer noch, das letzte bisschen Leben aus Artax herauszupressen.
    Kirschner musste es bemerkt haben.
    “Du hast einen Mann getötet, Kendall. Hier in der Veste. Darauf steht die Todesstrafe. Und der Rat sitzt mir im Nacken. Sie verlangen deine Herausgabe oder alternativ deine Hinrichtung aufgrund von Kriegsverbrechen. Was soll ich ihnen sagen, hm?”
    Betont langsam hob Nate den Kopf und sah den älteren Mann an. Was gab es hier noch zu überlegen? Warum machte der Alte nicht einfach seinen Job, damit Nate endlich einmal Ruhe hatte? Dieses ständige Verhandeln und Debattieren war zermürbend. Erst im Hort, jetzt hier. War es sein Schicksal, die Strafe bis in alle Ewigkeit im Nacken zu spüren, ungewiss, wann sie über ihn hereinbrechen würde? Musste er für den Rest seines Lebens darauf warten, dass irgendwer endlich das Zeug dazu hatte, ihn rechtmäßig zu exekutieren? Seine Fingernägel gruben sich in die Handballen, die Kunststofffessel knarzte warnend. Er starrte den Kommandanten verächtlich an.
    Dieser hob das Kinn, straffte den Rücken und verschränkte die Arme. “Ich hätte große Lust, ihrer Aufforderung nachzukommen. Du und deine Leute haben hier einiges durcheinander gewirbelt und ich will meine Ordnung zurück.” Er schnaubte kurz. “Andererseits kann ich das Andenken an deinen Vater nicht besudeln, in dem ich seinen Sohn für Dinge hinrichte, die jeder von uns ebenfalls getan hat.”
    Nate weigerte sich, den Ball aufzufangen und zurückzuspielen. Er schwieg weiterhin und konzentrierte sich mit aller Kraft darauf, damit seine Gedanken nicht zu dem kleinen blonden Mädchen zurückkehrten.
    “Nein, ich werde dich nicht töten, Kendall. Ich verurteile dich zum Leben. Und wer weiß, vielleicht wird das die schlimmere Strafe sein.” Kirschner drehte sich um und stiefelte davon. Die Tür schloss sich hinter ihm und ließ Nate allein in der Verzweiflung zurück.

    Als Mama lernt man beizeiten, eine Tafel Schokolade auf Anhieb zu verstecken.

    Im Mund.

    Quer.

    Und ohne zu sabbern.

    :whistling:


    Meine Geschichte

    Elemental

  • Ihre Augenlider schienen schwer wie Blei und sie brauchte alle Kraft, um die Augen zu öffnen. Als sie blinzelte, vertrieb mildes Licht die sanften Schleier ihres Schlafes. Langsam schälte sich die Zimmerdecke aus dem Nebel, der sie zu umgeben schien.
    Etwas lag in der Luft, sie konnte es jedoch nicht benennen. Eine dunkle Vorahnung drückte auf ihre Brust. Als sie tief durchatmen wollte, schoss der Schmerz durch die linke Schulter und ließ sie aufkeuchen.
    “Ganz ruhig”, murmelte Su neben ihr. “Beweg dich nicht. Du bist ziemlich schlimm verwundet.”
    Benommen drehte Astra den Kopf und blickte ihre Kameradin an. Deren Gesicht war ernst, der Mund lediglich ein schmaler Strich und die sonst so leuchtenden blauen Augen schienen erloschen.
    Mit einem Mal prasselten die Erlebnisse wieder auf sie ein. Der Kampf mit Artax … und Nates Kampf, den sie nur aus der Ferne gespürt hatte … Nate! Erschrocken richtete sie sich halb auf, was ihre Verletzung wieder mit wütenden Stichen quittierte. “Su! Wo sind Nate und Ivy?”
    “Astra, leg dich hin. Du musst dich ausruhen.” Sus Stimme war eindringlich und sanft, aber bestimmt brachte die Elementale des Wassers Astra wieder in eine liegende Position.
    Schwer atmend ließ sie sich in das Kissen zurücksinken. Ihr Herz klopfte panisch und Angst schien ihre Glieder zu lähmen. Mit geballten Fäusten schloss sie die Augen wieder und versuchte, ruhig zu atmen.
    Suchend glitt ihr Gespür durch die Korridore, verharrte in jeder Ebene und lauschte, ob nicht eine Nuance, ein winziger Funken zu finden war … zwei Personen hier in der Veste waren Lichtträger, sie mussten doch deutlich zu sehen sein! Drängend streckte sie ihr Suchfeld weiter aus, tastete in alle Richtungen, und je intensiver ihre Anstrengungen wurden, desto mehr wuchs auch das Entsetzen.
    Ivy … Nate …!
    Verstört riss Astra die Augen auf. “Wo sind sie, Su?”
    “Astra …” Der Kummer ließ Su älter wirken. Er grub sich tief in das schöne Gesicht der Freundin.
    Kälte überfiel Astra, packte ihr Herz und ließ dieses stolpern. Der Kampf fiel ihr wieder ein, der Kampf, den sie aus weiter Ferne miterlebt hatte - was war geschehen?
    Ihre Kraft, sie hatte mit ihrem Licht eingegriffen. Doch als dieses mit der Finsternis ihres Gegners kollidiert war, hatte sich ihr Geist verdunkelt und sie war in die Bewusstlosigkeit gefallen…
    “Su!” Selbst ihre Stimme klang nun kraftlos. “Bitte, sag es mir.”
    Die schlanken braunen Finger der Freundin legten sich über ihre und drückten sie.
    “Artax hat Ivy getötet, Astra.”
    Die leisen Worte fegten mit einem Mal alles Denken fort. Gähnende Leere war alles, was in ihr zurückblieb, während sie dalag und Su anstarrte. Dann ergoss sich eine Flut von Bildern in ihren Geist, blitzten rasend schnell auf und verblassten wieder, rissen sie mit sich wie ein Strudel … das Mädchen auf Retts Schoß. Im Hort, zerstochen von Nadeln. An Nate gekuschelt, ihm Wärme spendend und ihm den Weg zurück weisend … Ivy …
    Ein jammernder Laut entrang sich ihrer Kehle, ihre Augen brannten und ihre Kehle schien so eng, dass Atmen unmöglich war. Schluchzend krallte sie die freie Rechte in die dünne Decke, während die Tränen warm und rasch an ihren Wangen herab rannen.
    Artax hatte Ivy getötet.
    Deshalb konnte Astra sie nicht mehr sehen. Ivys Licht war erloschen. Nicht mehr da …
    Am liebsten hätte sie sich zusammen gekrümmt und geschrieen, doch ihre Wunde erlaubte es nicht. So blieb sie bebend vor Trauer liegen, ließ den Schmerz über sich hinweg ziehen und seine Krallen in ihr Herz schlagen. Nur von Ferne spürte sie, wie sie sich an Sus Hand klammerte, wie die Freundin ihr Halt gab und nichts sagte, sondern schweigend mit ihr litt.
    Die Zeit geriet aus den Fugen, flog davon.
    Schließlich blieb sie leergeweint und kraftlos zurück. Wieder sah sie zur Zimmerdecke hinauf. “Was noch?”, flüsterte sie.
    Su atmete ein paar Mal tief durch. Es war, als wollte sie nicht sprechen. Wieder strichen die dunklen Finger über Astras Hand.
    “Artax … ist auch nicht mehr am Leben. Nate hat ihn umgebracht, wegen der Kleinen. Er - muss ihren Tod wohl mit angesehen haben. Und dann …”
    Astra zog ihre Hand weg und drehte sich zur Seite. Sie wollte nichts mehr hören, sie war sich sicher, nicht mehr ertragen zu können. Nate - er hatte Ivys Tod miterlebt? Hatte Artax sie etwa direkt vor seinen Augen getötet? Warum? Die Kleine hatte niemals einer Seele etwas zuleide getan. Immer nur war sie Mittel zum Zweck gewesen, ein Köder für Nate, ein Schwachpunkt. Welchen Genuss musste es Artax bereitet haben, Ivys Leben zu nehmen, ohne das Nate etwas zu entgegnen gehabt hatte … und dann hatte Nate Artax …
    Der Schmerz in ihrer Seele verdrängte alles andere. Sus Stimme, die aus weiter Ferne zu ihr sprach, erreichte sie nicht.
    Alle tot - Kay, Ivy … Nate? Er hatte einen Mann ermordet. Hier in der Veste. Sie konnte sein Licht nicht mehr finden. War er hingerichtet worden?
    “Wo ist Nate?” Langsam wandte sie sich wieder um. Ihre Stimme klang heiser. “Wo ist er, Su? Was haben sie mit ihm gemacht? Ist er …?”
    “Nein.” Die Freundin schüttelte bekümmert den Kopf. “Der Rat besteht sicher auf eine Hinrichtung. Aber für deinen Freund ist das Leben die schlimmere Strafe. Kirschner hat ihn heute morgen allein in die Downs verbannt. Er ist für immer fort.”

    Als Mama lernt man beizeiten, eine Tafel Schokolade auf Anhieb zu verstecken.

    Im Mund.

    Quer.

    Und ohne zu sabbern.

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    Meine Geschichte

    Elemental

  • Es reißt nicht ab bei dir Kiddel Fee



    LG

  • “Wie darf ich das verstehen, er ist fort?” Die Stimme der Ratsherrin klang, als würde eine scharfe Klinge auf einen Stein treffen. Ihre Miene ähnelte einem Raubvogel, ihr Mund war ein blasser schmaler Strich und der Zorn hatte tiefe Furchen in ihre Stirn gegraben.
    Kommandant Kirschner, der diese Sitzung leitete, lächelte ein feines Lächeln. Seine Aussage eben hatte dem jüngsten Ratsmitglied die Gesichtszüge entgleiten lassen und nun schien sich der Befehlshaber der Veste an dieser Situation regelrecht zu weiden.
    Thyras, der dem Rat gegenübersaß, schwieg bestürzt. Einerseits war er erleichtert, denn einen nicht anwesenden Gefangenen konnte man nicht hinrichten. Andererseits war der junge Mann die letzte Verbindung zu Ivy gewesen …
    Seine Kehle wurde eng, er griff nach der Tischplatte und hielt sich daran fest, bis die Woge des Schmerzes abebbte. Erst dann gestattete er sich, wieder aufzusehen.
    Kirschner war vor die große Feuerstelle getreten und der Schatten, den er warf, zuckte wild vom Spiel der Flammen. Er blickte mit auf den Rücken verschränkten Händen die versammelten Menschen an.
    Der Rat - zur seiner Rechten - starrte mit empörter Miene zurück. Thyras schwieg und auch die beiden Elementalen an der Wand sagten nichts. Die Spannung im Raum war fast mit Händen greifbar. Thyras wartete und stellte erstaunt fest, dass er nervös war, obwohl er sich nicht erklären konnte , wieso.
    “Ehrwürdige Ratsherrin, verzeiht, aber was genau versteht Ihr nicht? Ich meinte, mich deutlich ausgedrückt zu haben.” Kirschner blinzelte in gespielter Verwunderung.
    Sea hingegen sah aus, als hätte sie Essig getrunken. “Kommandant Kirschner! Gehe ich recht in der Annahme, dass Ihr einem verurteilten Verbrecher zur Flucht verholfen habt?”
    “Bei allem gebührenden Respekt, werte Sea!” Jetzt klang Kirschner doch etwas schärfer und er setzte sich einfach über die frommen Titel der Hortbewohner hinweg. “Ist Euch klar, wessen Ihr mich bezichtigt? Glaubt Ihr, ich setze meinen Ruf als Kommandat der Truppen aufs Spiel, indem ich einen Mörder frei durch meine Tore spazieren lasse? Meint Ihr, dass jemand, der in meinen eigenen Hallen einen Menschen umgebracht hat, einfach so entkommen kann? Ich bin empört, ehrwürdige Ratsherrin!”
    Man konnte ihm die Empörung beinahe abkaufen, dachte Thyras still bei sich. Tatsächlich schien der Kommandant aufs Höchste entrüstet. Mit bebenden Nasenflügeln und schnaubend marschierte dieser vor dem Rat auf und ab, als gälte es, so weit wie möglich Abstand von diesen ungeheuerlichen Unterstellungen zu nehmen.
    Dabei war Sea der Wahrheit näher, als sie glaubte.
    Noch am gestrigen Abend hatte der Kommandant Thyras zu sich gebeten und dann genau wissen wollen, was es mit Nate, Artax und Astra auf sich hatte. Grimmig war er genau wie jetzt auf und ab gegangen und hatte Thyras’ Bericht gelauscht.
    Thyras selber war von den Ereignissen des Tages ebenso überrumpelt gewesen wie Kirschner. Den Anblick Astras in den Trümmern des Lazarettflügels würde er sicher nicht so schnell vergessen. Doch das Bild, was sich für immer in sein Gedächtnis eingebrannt hatte, war der junge Mann mit dem leblosen kleinen Mädchen in den Armen …
    Erstickt und immer wieder nach Worten suchend hatte er Kirschner mitgeteilt, was ihm wichtig erschien. Der Kommandant war schweigend stehengeblieben.
    “Kendall ist mir kein Unbekannter. Ich war mit seinem Vater befreundet. Schon allein deswegen könnte ich ihn nicht zum Tode verurteilen, egal wie sehr der Rat tobt. Da müssen wir uns wohl etwas anderes einfallen lassen.”
    Thyras hoffte von ganzem Herzen, dass Kirschner ein Geistesblitz gekommen war.
    “Dann werden wir es etwas anders formulieren.” Die Stimme des Ratsherren Faghi grollte und riss den weisen Mann aus seinen Gedanken. “Was habt Ihr mit ihm angestellt? Ich weise Euch darauf hin, Kommandant, dass auch Ihr Euch an geltendes Recht zu halten habt. Einem zum Tode Verurteilten zur Flucht zu verhelfen, kommt dem Hochverrat gleich.”
    Der Kopf des Militärs fuhr nach oben und mit einem Mal erschien er größer als eben. “Erzählt mir nichts von Hochverrat, Ratsherr! Ihr selbst habt diesen Jungen verurteilt, einmal nach dem Krieg und einmal vor ein paar Tagen!”
    “Zügelt eure Zunge, Kirschner!” Ratsherrin Sea hatte sich erhoben, ihre Augen waren schmal. “Der Rat hat jedes Recht dazu, Verbrecher gemäß den Gesetzen des Hortes zu verurteilen. Und Kriegsverbrechen -”, sie spie dieses Wort beinahe aus, “gehören zu den abscheulichsten und widerlichsten Taten, welche die schlimmsten Strafen verdienen!” Fast schien es, als wolle sie auf den Kommandanten losgehen.
    Der musterte sie lange. Kalt. Dann blickte er kurz zu Thyras herüber, bevor er sich vor den Ratsmitglieders aufbaute.
    “Zwei Mitglieder des Rates waren ebenfalls Teil des Tribunals, welches die damaligen Verlierer abgeurteilt hat.” Sein Blick ruhte auf Faghi und Logias, die mit versteinerten Mienen dasaßen. “Wegen Kriegsverbrechen … wegen Dingen, die wir alle in diesem Krieg getan haben, um zu überleben. Sie und ich ebenfalls. Unser einziger Vorteil war, dass wir auf der Gewinnerseite standen und uns niemand zur Rechenschaft gezogen hat. Aber vergessen sollten wir es nie, nicht wahr, ehrwürdiger Ratsherr Logias? Ihr habt damals die Urteile unterzeichnet. Gegen ein Kind die Todesstrafe verhängt. Nun hat dieses Kind überlebt, Ihr wascht Eure Hände in Unschuld und schickt es ein zweites Mal aufs Schaffot. Und wieder führt Ihr es nicht zu Ende! Meint Ihr nicht, dass dieser junge Mann inzwischen genug gelitten hat?”
    Die Angesprochenen bewiesen wenigstens den Anstand, beschämt zu schweigen. Doch Ratsherrin Sea sah das anders. “Unsere Meinung ist unerheblich, Kommandant”, zischte sie. “Die Taten sprechen für sich. Und sei seine Kriegsschuld auch abgegolten, so hat Kendall einen Mord begangen!”
    “Ich danke Euch, dass Ihr uns diesen Umstand wieder ins Gedächtnis gerufen habt”, entgegnete der Kommandant kalt. “Deshalb werde ich auch Euch an etwas erinnern. Dieser Mord fand in meiner Veste statt - die Verturteilung und Vollstreckung der Strafe obliegt allein mir.”
    Seas Mund war inzwischen so verkniffen, dass man ihn kaum noch zu erkennen vermochte. “Und welche Strafe spricht die Veste aus für einen Mord an einem Elementalen?” Es klang beinahe, als hätte Nate mit Artax keinen eiskalten Mann fürs Grobe, sondern einen geliebten Sohn getötet, dachte Thyras.
    Er wartete angespannt. Falls Kirschner eine Strafe wählen würde, die dem Rat als zu schwach erschien, würde ein langer Prozess folgen und dieser würde dem jungen Nate ohne Zweifel die letzte Kraft rauben. Astras Freund war bereits jetzt schon in schlechter Verfassung, das aggressive Fieber hatte seine Spuren hinterlassen und die Geschehnisse der vergangenen Woche …
    Obwohl er bis jetzt noch nicht mit Nate gesprochen hatte, war Thyras tief beeindruckt von dessen Persönlichkeit und Charakterstärke. Su und Atesch, die ihn über die Hintergründe ihrer Operation im Hort aufgeklärt hatten, schien es ebenso zu gehen. Dieser junge Mann hatte mehrfach bewiesen, dass er in extremen Situationen perfekt koordinieren und und handeln konnte. Er besaß Ressourcen, die selbst im Hort immer knapper wurden - Führungsqualität, innere Stärke und beispiellose Selbstdisziplin. Eine wertvolle Persönlichkeit, die Thyras nicht nur Ivys wegen unbedingt näher kennenlernen wollte. Mit ihm konnte man Pläne machen und tatsächlich war da schon ein Plan herangereift ... Was natürlich nur funktionierte, wenn Kirschner ihn nicht auf das Schafott stellte.
    “Die Veste hat schon entschieden.” Kirschner blickte den Rat mit unbewegter Miene an. “Jordan Nathanael Kendall wurde wegen Totschlags aus der Veste verbannt. Er ist bereits unterwegs in die Downs.”

    Und Thyras’ Plan zerplatzte wie eine Seifenblase.

    Als Mama lernt man beizeiten, eine Tafel Schokolade auf Anhieb zu verstecken.

    Im Mund.

    Quer.

    Und ohne zu sabbern.

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    Meine Geschichte

    Elemental

  • “Hier bist du.”
    Astra wandte nicht einmal den Kopf, als Thyras heraus auf den Wehrgang trat. Stur sah sie hinaus auf die Ebene, wo Ivys Grab lag. Den ganzen Tag schon hatte sie hier auf der Mauer gesessen und gestarrt.
    In ihr tobten die widersprüchlisten Gefühle. Trauer, Wut, Verzweiflung, Scham … keines konnte sie richtig benennen, aber die ganze Last ihrer Empfindungen drückte sie nieder. Sie konnte und wollte sich zu nichts aufraffen. Und mit niemandem reden.
    Heute morgen hatten sie Ivy begraben. Rett, dessen Miene zu Stein erstarrt war, hatte trotz seiner Verletzungen begonnen, außerhalb der Veste ein Grab auszuheben. Atesch war ihm schweigend zur Hilfe gekommen, während Su mit ihrer Gabe den anhaltenden Regen zu einer Kuppel formte und so davon abhielt, in die Grube zu fallen.
    Astra hatte hilflos daneben stehen müssen, die verletzte Schulter hatte jeden Einsatz unmöglich gemacht.
    Thyras war gekommen, als das Grab fertig war. Er hatte eine in seinen Mantel eingeschlagene Last getragen, vermutlich, weil es in der gesamten Veste keinen Sarg gab. Kirschner und zwei Dutzend Soldaten waren ebenfalls angetreten und hatten der kleinen Toten die letzte Ehre erwiesen. Schließlich hatte Atesch noch einen großen Stein an das Kopfende des Erdhügels gestellt, auf den von Astra mit ihrer Fähigkeit Ivy geschrieben worden war …
    Ihr Mentor lehnte sich neben sie an die Wand und betrachtete sie mitfühlend. “Es ist nicht deine Schuld.”
    Dieser Satz stach durch ihr dumpfes Brüten wie eine spitze Nadel. “Nicht?!”, fuhr sie auf und glitt von ihrem Platz herunter. “Es ist komplett meine Schuld, Thyras! Wenn ich nicht in die Downs gegangen wäre, hätten wir heute kein Kind begraben müssen! Wenn ich Artax’ Absichten erkannt hätte, bevor er uns verriet, wäre Ivy noch am Leben! Und Kay ebenfalls. Rett hätte gesunde Hände. Und Nate -” Sie wirbelte herum, damit er ihr Gesicht nicht mehr sehen konnte. Ihre linke Hand, zu Faust geballt, zitterte.
    Sie alle waren weg. Außer Rett, der sich von den Verletzungen erholen musste, die Artax ihm zugefügt hatte, waren alle weg. Und dieser Umstand schien ihr die Luft zum Atmen zu rauben.
    “Ich wäre so gerne ein Teil dieser Familie gewesen, Thyras.” Die Worte drängten aus ihr heraus und ihre Augen begannen zu brennen. “Ich hätte das Leben in den Downs mit Freuden in Kauf genommen. Diese … Liebe zueinander. Das wollte ich auch.” Zögernd drehte sie sich um. “Und jetzt? Wie soll es jetzt weitergehen?”
    Thyras schwieg. Wahrscheinlich ahnte er, dass sie gar keine Antwort erwartete, einfach weil es keine gab. Nicht für sie.
    “Alle anderen - sie werden irgendwie weiter machen. Su und Atesch bleiben hier bei den Streitkräften. Und Victoria und Rett werden sicher im Hangar eingesetzt werden können. Aber ich …” Hilflos zuckte sie mit den Schultern. “Für mich gibt es keinen Platz mehr. Ich kann nicht hierbleiben, wo Ivy gestorben ist. Ich kann auch nicht in den Hort zurückkehren, weil ich all das, wofür der Hort steht, verachte. Vielleicht hat mich der Rat mittlerweile auch verbannt, das weiß ich nicht. Was nun?”
    Seufzend rutschte sie wieder auf die Mauer. “Solange es dein Projekt gab, hatten wir etwas, worauf wir hingearbeitet haben. Einen Sinn. Ein Ziel. Jetzt ist selbst das gekippt.” Nachdenklich strich sie mit der gesunden Hand über das grobe Mauerwerk. “Vielleicht ist das auch besser so. Eine Menschheit ohne Mitgefühl, nur mit kühlem Verstand regiert - warum sollte diese überleben? Wofür noch Menschen auf dieser Erde? Weshalb muss unser Bestehen unbedingt gesichert werden? Wenn es nichts mehr gibt, wofür es sich zu leben lohnt?”
    Jetzt sah sie Thyras direkt an. Sie wollte wissen, ob er sich diese Fragen nicht auch gestellt hatte. Doch das Gesicht ihres Mentors gab keinerlei Emotionen preis. Er hörte ihr zu, aber seine Gedanken behielt er vorerst für sich.
    Wieder wanderte ihr Blick zu Ivys Grab hinaus. “Die Weisen des Horts … sie lassen zu, dass ein kleines Mädchen getötet wird. Und niemand spricht darüber. War der Rat bestürzt? Hat er Rett sein Beileid ausgesprochen? Waren die Mitglieder bei der Beisetzung? Nein. Es berührt sie nicht, weil es den Hort nicht betroffen hat. Und für diese Menschen willst du eine Zukunft?” Sie bemerkte selbst, wie ihre Stimme mit jedem Satz lauter wurde. Der Zorn loderte in ihr wie eine Flamme. “Alles dürfen sie uns nehmen und niemand wird sie dafür zur Rechenschaft ziehen! Ihretwegen sind die Zwillinge gestorben. Sie haben Artax losgeschickt und uns gejagt wie Vieh. Ivy und Rett wurden von ihnen sie misshandelt, Nate wollten sie hinrichten. Und jetzt liegt unser Leben in Trümmern und sie kehren zurück, als wäre nichts gewesen!”
    Es hielt sie nicht auf der Mauer, sie sprang herunter und schleuderte Thyras die Not ihres Herzens entgegen. Er konnte nichts dafür, das wusste sie, doch all die Emotionen der letzten Tage brachen sich ihre Bahn. Mit aller Kraft schlug sie auf die Mauer ein. Putz bröckelte und der Schmerz schoss durch ihre Knöchel, aber er half nicht, das Chaos in ihr in den Griff zu bekommen. “Wie konntest du das zulassen?”
    Trauer huschte über sein Gesicht und zu spät erkannte sie, dass sie ihn getroffen hatte. Dieses Mädchen war seine Enkelin gewesen, er selbst hatte sie hinausgetragen, er als letzter lebender Verwandter. Auch ihm hatte der Rat nichts zu sagen gehabt. Auch er war nur ein Opfer.
    Und auch er hatte jetzt keinen Platz mehr, wo er hin gehörte.
    “Thyras, es tut mir leid, ich -” Entsetzt wandte sie sich ab. “Es tut mir leid.”
    Noch immer sagte er nichts, doch sie spürte seine Hände an ihren Schultern.
    Er zog sie an sich, etwas unbeholfen zwar, doch das Mitgefühl und die Zuneigung darin umgaben sie wie ein warmer Mantel. Auch seine Hände bebten, aber für einen winzigen Augenblick konnten sie einander trösten.
    Schließlich trat Astra einen Schritt zurück und wischte sich über die Augen. Erst als sie wieder aufsah, bemerkte sie Thyras’ ernste Miene.
    “Ich habe einen Plan für Nate. Doch die Zeit drängt. Wirst du mir helfen?”

    Als Mama lernt man beizeiten, eine Tafel Schokolade auf Anhieb zu verstecken.

    Im Mund.

    Quer.

    Und ohne zu sabbern.

    :whistling:


    Meine Geschichte

    Elemental

  • Hey Kiddel Fee



    LG ^^


  • Allein


    Als die Essensausgabe beendet war, stießen die Sicherheitsbeamten Nate aus der Scheune, wo er nach seiner Ankunft mit dem Zug in einem lichtlosen Loch verwahrt worden war. Mit dumpfer Gleichgültigkeit schlossen sich die großen Stahltore hinter ihm.
    Der große Platz leerte sich schnell. Diejenigen, die etwas hatten ergattern können, beeilten sich, ihre Beute unauffällig und schnell in Sicherheit zu bringen. Alle anderen zogen ausgewaschene Kapuzen oder andere unförmige Kopfbedeckungen über die speckigen Haare, um sich vor dem Wetter zu schützen.
    Es regnete. Wasserschleier begrenzten das Sichtfeld zu allen Seiten und das sanfte Rauschen schluckte alle anderen Geräusche. Die Umgebung ertrank in den düsteren Farben schlammgrün, rostbraun und dunkelgrau und spiegelte seine Stimmung exakt wieder.
    Wasser rann aus seinen Haaren den Nacken hinab bis unter die Jacke, die er immer noch trug. Dieselbe Kleidung, in denen er die Downs verlassen hatte … vor Ewigkeiten, als er noch ein Heim, eine Familie, eine Aufgabe gehabt hatte.
    Jetzt war er einer aus der namenlosen Masse, ein Teil des menschlichen Treibgutes der Downs. Er besaß keinen Ort, der ein Zuhause sein konnte. Keiner wartete auf ihn. Die Welt, die er gekannt und einigermaßen beherrscht und trotzdem vor zwei Wochen verlassen hatte, existierte nicht mehr.
    Mechanisch lief er los, aber er achtete nicht auf den Weg. Wozu auch, es gab kein Ziel, das er ansteuern konnte. Wasser drang in seine abgewetzten Stiefel, weil er, stumpfsinnig dahinschlurfend, keiner Pfütze auswich.
    Für einen Moment dachte er daran, wie Kay wohl schimpfen würde, wenn er so nach Hause käme. Wenn er in ihre vertraute Wohnung treten und die schlammigen Stiefel im Flur abstreifen würde, den Duft vom Abendessen schnuppernd. Wenn er seine Schätze abliefern, mit Rett reden und Ivy über den Kopf streichen würde …
    Der Schmerz bohrte sich in seine Brust wie eine große Klinge. Sie alle waren fort. Für immer unerreichbar. Überwältigender Kummer drückte auf seine Kehle und raubte ihm den Atem. Die Trauer rauschte gleich einer meterhohen Woge über ihn hinweg und zwang ihn in den kalten Matsch, in den die Straße sich inzwischen verwandelt hatte. Ohnmächtig hieb er mit der Faust in den Dreck, Schlamm spritzte bis in sein Gesicht und das Regenwasser mischte sich auf dem Weg nach unten mit seinen Tränen.
    Niemand kam, um ihm aufzuhelfen. Alle hatten längst die Flucht vor dem Wetter ergriffen. Doch auch bei strahlendem Sonnenschein wäre er allein geblieben. Hier in den Downs war sich jeder selbst der Nächste und keiner würde einem Wildfremden Hilfe anbieten. Keiner …
    Er hatte es getan … er hatte Astra gefunden … Astra … Ivy ...
    Irgendwann fand er die Kraft, zumindest wieder auf die Füße zu kommen. Sein Magen knurrte, doch in den Downs würde er nie wieder Essen anrühren. Niemals. Blitzartig zuckte ein Bild vor seinem inneren Auge auf, Kay, blass und leblos auf der Trage und der Mediziner, der mit ausdrucksloser Miene von der Aufwertung geredet hatte …
    Gelbe Galle drang in seinen Mund und er spie sie in den Unrat vor sich. Keuchend verharrte er erneut im Morast, bis sich die Nässe um ihn herum durch alle Lagen seiner Kleidung verteilt hatte. Sämtliche Farben der Downs waren mittlerweile verschwunden und die Welt bestand nur noch aus Grau.
    Irgendwann erhob er sich torkelnd und seine Füße schritten von allein vorwärts. Da sie von ihrem Besitzer keinen Befehl erhielten, wählten sie einen vertrauten Weg, den sie so oft gegangen waren. Den Weg nach Hause . . .
    Ohne die Richtung bewusst vorgegeben zu haben, fand sich Nate schließlich in seiner alten Gasse wieder. Die Häuser drängten sich missmutig aneinander, aus den lose verbundenen Kabeln über seinem Kopf schlugen Funken und Pfützen voller gelbgrüner Flecken wuchsen auf dem schlammigen Boden zu Tümpeln heran. Er wich ihnen nicht mehr aus und seine Füße wurden schnell klamm und dann eisig.Trotzdem wanderte er immer weiter, ohne ein Ziel anzusteuern.
    Vor seiner alten Wohnungstür hielt er automatisch an und wie von selbst hob sich seine Rechte, klopften die Knöchel jenen altvertrauten Rhythmus, der den Schlüssel zum Heim seiner Familie bildete. Doch niemand öffnete auf dieses Klopfen, denn hier wohnte keiner mehr, der diesen Code nutzte. Die Tür blieb fest verschlossen. Er starrte auf den Rost, an dem die Wassertropfen herabrannen, im wilden Zickzackkurs auf dem Weg nach unten und dennoch keinem Ziel entgegen, ähnlich wie er selbst. Als er die Finger ausstreckte, war das Metall kalt unter seinen Fingerspitzen. Wieder stach der Schmerz in seiner Brust, als er daran dachte, wie sich diese Tür jeden Abend für ihn geöffnet hatte, wie er erwartet worden war …
    Mit einem Schluchzen stolperte er zurück. Es war nicht mehr sein Heim. Die Wohnung bot jetzt einem anderen Quartier, der keinen Fremden einlassen würde. Hier gab es keinen Platz für ihn. Mit brennenden Augen und einem Gefühl, als würde er innerlich ausgehöhlt, lief er weiter, weg von diesem Ort voller Sehnsucht, Erinnerungen und brennender Qual.
    Irgendwann wusste er nicht mehr, wo er sich befand oder wie lange er schon herumgewandert war. Seine Gedanken irrten ebenso ziellos umher. Schließlich trat er aus einer Gasse und landete auf einer Freifläche, die von den hohen Wohnblocks umgeben war. Er erkannte sie wieder. Dies war der Ort, den er aufgesucht hatte, um Victoria zu finden. Damals hatte die Sonne genau auf die Werkstatt gestrahlt.
    Doch der kleine gedrungene Bau war verschwunden. An seiner Stelle fand sich nur noch ein Haufen komplett geschwärzter Reste. Verkohlte Trümmer, bedeckt vom grauen Schlamm der Asche, knackten in der Nässe. Die Werkstatt war abgebrannt und was von ihr übrig war, offensichtlich mehrfach durchsucht und verteilt worden. Auch hier bot sich kein Unterschlupf für ihn.
    Langsam machte er kehrt, trottete durch den strömenden Regen zurück zu seinem alten Zuhause. Als er wieder vor der Tür stand, ließen die eisige Niederschläge nach. Noch einmal klopfte er, doch natürlich geschah nichts.
    Schlurfend wandte er sich nach links und fand nach ein paar Metern den Eingang in das Treppenhaus, welches hinauf auf die Dächer der Downs führte. Wie automatisch stapfte er nach oben, die Rechte umklammerte das rissige Geländer, bis die Haut brannte.
    Oben angekommen starrte er eine Weile auf den rostigen Maschendrahtzaun. Hier hatte ihm Astra zum ersten Mal ihre Fähigkeiten gezeigt. Sein Blick glitt über den Boden, als könne er die schmale Lichtspur noch immer erkennen, wenn er nur ganz genau hinsah …
    Schließlich hob er den Kopf und blickte auf die Kulisse der Slums. Die Wolken waren aufgerissen und erlaubten der Abendsonne, letzte Strahlen rot schimmerndes Lichtes auf die nass glänzenden Dächer zu werfen. Die schmutzige Stadt glitzerte nahezu und als er den Kopf hob, sah er über sich am Nachthimmel die Sterne aufleuchten, weit entfernt und kalt, doch wie ein Gruß, ein freundliches Blinken eines vergangenen Freundes.
    Er sah hinauf in die Sterne und dachte an Kay, die schon gegangen war, an Ivy - würde Kay auf sie aufpassen? Waren sie wieder zusammen?-, an Rett und Victoria. Und an Astra, an ihr Haar von derselben Farbe wie das Licht der Sterne, an ihre wunderbare Gabe … Astra …
    Mit einem Mal wurde der Schmerz in ihm so übermächtig, dass es ihm schier den Atem raubte. Kirschners Befehl hatte ihm jede Möglichkeit genommen, sich von ihr zu verabschieden, sie noch ein letztes Mal zu sehen. Und der Kommandant hatte recht behalten, dies war die schlimmste Strafe, noch schlimmer als der Tod. Fast fühlte es sich an wie Artax’ Attacke, nur dass er dieses Mal wirklich allein war, dass niemand an seiner Seite auftauchte, nicht mal eine zerfetzte Illusion. Sie hatten ihn in die Einsamkeit verbannt und er hatte nichts mehr, woran er sich klammern konnte.
    Die Präsenz des Abgrunds hinter dem Zaun schien an ihm zu ziehen, beschwörend zu flüstern. Nicht so wie vor so langer Zeit, als er noch spielend über die Häuserschluchten gesprungen war, um in Form zu bleiben. Jetzt stand er an dem rostigen Maschendraht, dessen nasses Metall sich schmerzhaft in sein Gesicht presste, als er hinunter in die Tiefe sah. Wie einfach war es, diesen Zaun zu überwinden …
    In seinen Ohren rauschte es, als er den Fuß in auf den wackeligen Zaunspfeiler setzte und sich nach oben zog.

    Er kletterte.

    Als Mama lernt man beizeiten, eine Tafel Schokolade auf Anhieb zu verstecken.

    Im Mund.

    Quer.

    Und ohne zu sabbern.

    :whistling:


    Meine Geschichte

    Elemental

  • Hey Kiddel Fee ,


    so, ich hab wieder aufgeholt. Die letzten Teile haben mir sehr gut gefallen. Du hast echt ein tolles Gespür dafür, Emotionen einzufangen und sie zu transportieren. Ich habe Astras Schmerz und auch Nates Verzweiflung am Ende regelrecht gespürt, wie ein Stechen in meiner Brust. Es fühlte sich so an, als ob ein tonnenschwerer LKW auf meiner Brust gelegen hätte, als ich am Ende angekommen war. ;(

    Ich hoffe sehr, Nate macht keine Dummheiten.

    Bin gespannt, wie es weitergeht :gamer:

  • Danke, Rainbow ! es freut mich, wenn der Leser ebenso mitfiebert und mitleidet wie ich - ich denke, ich kenne die Figuren halt, habe sie ständig um mich rum, male sie mir aus - aber kann ich ihr handeln auch vermitteln? Kommt es rüber? Ist es drüber? ...


    Verstehst du, worauf ich hinaus will:)?

    Als Mama lernt man beizeiten, eine Tafel Schokolade auf Anhieb zu verstecken.

    Im Mund.

    Quer.

    Und ohne zu sabbern.

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    Elemental

  • Das war ein sehr intensiver Part Kiddel Fee. Die Gefühle, die du beschreibst sind sehr nachvollziehbar und man möchte Nate am Liebsten tröstend in den Arm nehmen. Der hat es echt nicht leicht. Ich kann für ihn jetzt nur hoffen, dass er noch etwas findet, woran er sich festhalten kann. Ich würde es bedauern, wenn er auf diese Art sterben würde (was nicht heißt, dass ich generell wollen würde, dass er stirbt). Vielleicht gibt es für ihn ja auch eine Rettung in letzter Sekunde... oder seine Kleidung verhackt sich im Maschendraht ...


  • So, dann wollen wir das Kapitel beenden - und das Werk auch . Nur noch drei Posts!


    Gerade, als er das Bein über den schartigen Rand schwingen wollte, gipfelte das Rauschen in einem schrillen Klingeln und es schien, als würde jemand aus weiter Ferne seinen Namen rufen. Erschrocken ließ er los, rutschte am Zaun hinab, zerriss Jacke und Hose und Haut an hervorstehenden Drahtteilen und landete auf dem nassen und klammen Dach. Panisch kam er wieder auf die Füße und starrte in die Nacht, die über die Spitzen der anderen Häuser langsam herangekrochen kam. Wer hatte gerufen? Eine Frau, es war eine Frau gewesen, es musste Astra gewesen sein - aber Astra war weit weg …
    Seine Hände brannten und bluteten, doch er achtete nicht darauf. Die Nässe, das Klopfen seiner Wunden, die Kälte - all dies kümmerte ihn nicht mehr. Es wog nichts gegen den Schmerz in seinem Inneren.
    Er zog die Kapuze über den Kopf und die Knie nahe an den Körper und ergab sich ihm.


    Als er erwachte, zeigte sich am Horizont zögernd die erste Morgendämmerung. Sanft wurde der wolkenlose Himmel heller. Der Regen, der die ganze Nacht weitergeströmt war, hatte sich endlich verzogen und es versprach, ein klarer, sonniger Tag zu werden.
    Für Nate hatte es keine Bedeutung mehr. Die ganze Nacht war er einfach sitzengeblieben, halb im Schlaf, halb wach, niedergedrückt von seinen Erinnerungen und vom Regen durchweicht. Seine Arme und Beine schienen steif gefroren und taub vor Kälte.
    Kraftlos lehnte er den Kopf gegen den Zaun hinter sich und betrachtete, wie die Sonne, obwohl noch nicht aufgegangen, den Himmel erleuchtete. Sein knurrender Magen, sein erschöpfter Körper, das Fieber, das wiedergekommen war, weil er ihm nichts mehr entgegensetzen konnte - all das war schon weit weg. Er würde einfach hier sitzen bleiben, bis sein Geist sich losreißen und zu Ivy und Kay gehen konnte.
    Warm streichelte das Morgenlicht sein Gesicht, während sich der gelbe Feuerball langsam emporschob und die Welt um sich herum erstrahlen ließ.
    Blinzelnd sah Nate dabei zu, wie die noch nass glänzenden Dächer aufblitzten, wie der Himmel im Orange erglühte. Der Slum weit unter ihm erwachte zum Leben. Vielleicht würden Menschen hier herauf kommen, gelockt vom sonnigen Versprechen eines neuen Tages, um einen Moment innezuhalten und auszubrechen aus dem Leben in Matsch und Elend. Ihn würde es nicht kümmern.
    Die Sonne kletterte höher und hüllte ihn in Wärme und Licht. Er schloss die Augen und fühlte sich mit einem Mal ganz leicht. Schwebte er? Saß er immer noch auf dem Dach? So genau konnte er es nicht mehr sagen. Ein sanftes Vibrieren schien in der Luft zu liegen, Brummen füllte seine Ohren, nicht bedrohlich, im Gegenteil, seltsam vertraut. War das der Tod? Würde es am Ende so einfach sein?
    Eingetaucht in Sonnenlicht einfach … gehen?
    Das Brummen um ihn wurde immer lauter, aber er vermochte es nicht recht einzuordnen. Doch es beunruhigte ihn nicht. Mochte es ruhig brummen.
    Er fühlte sich so leicht …
    Ein Schatten fiel auf ihn, fing die liebkosenden Sonnenstrahlen für einen Moment ab. Dann berührten Hände seine Wangen, legten sich sanft und warm darauf. “Nate.”
    Irritiert sah er auf, während sein Herz erschrocken stolperte. Als er die Augen aufriss, blendete ihn das Licht des neuen Tages. Nur schemenhaft erkannte er den Hubschrauber im Hintergrund und die junge Frau, die vor ihm kniete. “Astra …”
    Ihr Lächeln war tief. “Ich hatte gehofft, dass du hier bist.”

    Als Mama lernt man beizeiten, eine Tafel Schokolade auf Anhieb zu verstecken.

    Im Mund.

    Quer.

    Und ohne zu sabbern.

    :whistling:


    Meine Geschichte

    Elemental

  • Was soll's - dann eben direkt der neue Part xD



    LG

  • Kiddel Fee


    Was? Nur noch drei Posts? Das stimmt mich jetzt ein bisschen traurig, weil mir deine Geschichte und die Charaktere doch gar sehr ans Herz gewachsen sind.


    Aber es scheint sich ja am Ende doch alles gut zusammenzufügen, insofern gönne ich Nate, Astra und den anderen natürlich ein wohl verdientes Happy End. Obwohl ich noch ein bisschen im Dunkeln tappe, was den Plan von Thyras betrifft. :hmm:


    Na ja, abwarten :gamer:

  • Rainbow , sorry, ich habe vergessen, deinen Kommi zu liken - kommt davon, wenn man zwischendurch mal schnell per Handy ins Forum linst und um einen herum Kinder nach Aufmerksamkeit verlangen...tschuldigung!


    So, da sind wir! Epilog!

    Und ich bin sehr seeehr gespannt, ob es euch gefällt ....:panik:




    Epilog


    Sieben Jahre später


    Sie stand auf einer Klippe und hatte ihm den Rücken zugewandt. Frisches grünes Gras umspielte ihre bloßen Füße. Ein warmer Wind, erfüllt von sanften Düften, strich durch das silberweiße Haar, das offen wie ein Vorhang bis zu ihren Hüften fiel. Obwohl sie nur ein dünnes weißes Gewand trug und ihre Arme unbedeckt waren, schien sie nicht zu frieren. Ganz entspannt blickte sie nach vorn, von ihm weg.
    Vor ihr erstreckte sich, soweit man schauen konnte, ein Tal. In diesem blühten Bäume, wuchsen tausende Blumen. Wasserfälle stürzten die Hänge herab und bildeten einen Fluss, der immer größer wurde und schließlich am Horizont in ein Meer mündete. Die ganze Szenerie überspannte ein nachtblauer Himmel, nur über dem Ozean, wo die Sonne gerade unterging, herrschte noch Licht. Der feurige Ball sank immer weiter und brachte das Wasser in der Ferne zum Glühen.
    Über ihnen, am Himmel, erschienen gleichzeitig tausende Sterne. Sie waren riesig, klar und ihr Licht strahlte in verschiedensten Farben. Immer wieder blitzten Kometen auf. Bunte Nebel wallten und sogar die Planeten, groß und schwer, waren mühelos zu erkennen …
    Er legte die Arme um ihre Taille und sein Kinn auf ihre Schulter. “Ich habe mich immer noch nicht an diesen fantastischen Anblick gewöhnt.”
    Ihr Körper bebte, als sie leise lachte. “Meinst du mich oder die Sterne?”
    “Beides, glaube ich.”
    Wieder lachte sie. Ihr Haar umspielte sie beide. “Der letzte ruhige Abend hier.”
    “Das stimmt wohl.”
    Morgen, so war es geplant, würden die letzten Vertreter der Menschheit hier eintreffen. Nach sieben Jahren langer Vorbereitung, sieben Jahren voller Pionierarbeit, Verzicht und Anstrengungen, aber auch voller Wunder. Morgen würde das Werk vollendet und die letzten ihrer Rasse auf diesem neuen Planeten ankommen.
    Die Elementalen hatten ihr möglichstes getan, um den neuen Heimatplaneten der Menschheit so lebensfreundlich wie möglich zu gestalten. Später waren Spezialisten nachgekommen, Wohnsiedlungen und Versorgungsnetzwerke errichtet worden, Wege und Straßen angelegt … es hatte funktioniert, so unglaublich es klang. Und nun war alles vorbereitet.
    “Was ist, Nate?” Fast hatte er die leise Frage nicht gehört, so versunken war er in seine Gedanken.
    “Ich … ach, ich weiß auch nicht. Manchmal habe ich so etwas für Ivy gewünscht, weißt du? Eine Welt, wo sie barfuß durch frisches Gras laufen und einen Ozean rauschen hören kann. Wo Sonne auf ihr Gesicht fällt und der Wind durch ihre Haare pustet. Ich hätte ihr so gerne mehr gegeben als drei Jahre voller Verzicht und Entbehrungen.”
    Ihre Hand strich sacht über die seinen. Er wusste, sie würde darauf nichts antworten. So standen sie einfach einträchtig schweigend da und betrachteten den Sonnenuntergang, staunten über das flammende Farbenspiel.
    “Man rechnet immer damit, dass es doch zischen müsste, wenn die Sonne das Wasser berührt …” , murmelte Astra leise. Schließlich zog sie die Schultern hoch. “Ich friere. Gehen wir heim?”
    “Geh nur vor”, entgegnete Nate. “Ich komme gleich nach.”
    Er sah ihr nach, als sie den schmalen Pfad über das Gras hinweg zurück zur Siedlung ging. Dann ließ er sich selbst in die Wiese fallen und sein Blick wanderte zum Ozean hinaus, während er die letzten sieben Jahre Revue passieren ließ. Es kam ihm vor, als sei es erst gestern gewesen…


    Sein bewusstes Denken hatte erst wieder eingesetzt, als er vor Ivys Grab stand.
    Warmer Wind spielte in dürrem Gras, das wispernd über den schroffen Stein strich. “Ivy” stand da, in krakeligen Buchstaben, wie hineingeschnitten in den Fels - Astras Werk, vermutete er.
    Niemand hatte ihn hierher begleitet und dafür war er dankbar. Er brauchte Ruhe und Abstand, um zur Besinnung zu kommen.
    Die plötzliche Rückkehr in die Veste, Kirschner mit einem triumphierenden Gesichtsausdruck, die Elementalen Su und Atesch - all das war an ihm vorbeigerauscht. Er vermochte sich nicht zu konzentrieren und sein jahrzehntelanges Funktionieren ließ ihm im Stich.
    Als dann der Mann eingetreten war, der Ivys Sterben miterlebt hatte und sich nicht nur als Astras Mentor, sondern auch als der leibliche Großvater der Kleinen vorstellte, hatte sich der Raum um Nate herum langsam zu drehen begonnen.
    Thyras’ Rede wurde von dem immer stärkeren Brausen in seinen Ohren verdrängt, die Worte tasteten nach seinem Denken, doch sein Körper stemmte sich mit aller Kraft dagegen. Als ihm bewusst geworden war, dass ihn nach einer Frage von Thyras alle anstarrten, war er aufgesprungen.
    “Das Grab…”, hatte er gestammelt. “Ich … muss es sehen.”
    Rett war mit ihm gegangen, schweigend. Reden schien unnötig, sie hatten sich immer problemlos verstanden. Ein fester Griff an die Unterarme des anderen war alles gewesen, was sie sich an Wiedersehensfreude erlaubt hatten, doch es hatte gereicht. Und Rett musste auch gespürt haben, dass Nate allein sein wollte, jedenfalls hatte sich der Freund schnell wieder zurückgezogen.
    Und nun stand Nate da und sah auf den Stein herab. Die letzten Worte von Thyras geisterten durch seinen Verstand.
    “Was soll ich tun?”, murmelte er tonlos.
    Eine Windbö ließ die Gräser zappeln, doch eine Antwort bekam er nicht.

    Als Mama lernt man beizeiten, eine Tafel Schokolade auf Anhieb zu verstecken.

    Im Mund.

    Quer.

    Und ohne zu sabbern.

    :whistling:


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  • Hey Kiddel Fee



    LG,

    Rainbow

  • Der vorletzte Part!:panik:




    So blieb er sitzen, bis die Sonne unterging und wie ein glutheißer Tropfen flüssigen Metalls im Sand der Ödnis versank.
    Dann kam Astra.
    Sie sagte nichts, ließ sich einfach neben ihm nieder und schlang den gesunden Arm um die angezogenen Knie. Der Wind spielte mit dem weißen Haar, das Nate an der Wange kitzelte, so nahe saß sie bei ihm.
    Eine Weile schwiegen sie, doch dann wurde der Drang zu reden in Nate übermächtig.
    “Ich kann es nicht, Astra. Kirschner und Thyras verlangen Unmögliches von mir.”
    Sie sah ihn nicht an, sondern starrte wie er auf den von orangegoldenem Licht umstrahlten Stein.
    “Du hast es schon oft getan, Nate. Du bist ein Anführer.”
    “Ich will es nicht mehr. Schau dir an, was bei meinem letzten Versuch, zu führen, herausgekommen ist!” Er merkte, wie ihn erneut die Trauer zu überwältigen drohte. “Kay und Ivy haben mit dem Leben bezahlt. Ich bin der denkbar ungeeignetste Mann dafür.”
    “Dieses Mal wird es anders sein. Du wärst ein Erster unter Gleichen und nicht Befehlshaber von Truppen. Keine Gegner, deren Taktik du begreifen musst, kein Abwiegen auf Leben und Tod. Wovor hast du Angst?”
    Aus den Augenwinkeln sah er, wie sie ihn fragend anblickte.
    Zögernd wandte er den Kopf und schaute zurück. Die letzten Strahlen der Abendsonne verliehen ihrem Gesicht ein fast unirdisches Leuchten.
    “Wir wissen doch beide, dass du zusagen wirst. Nicht für dich.” Mit einer sanften Geste wies sie auf die letzte Ruhestätte. “Für Ivy. Für alle, deren Zukunft noch so offen ist wie ihre es war. Für Kay, die es nicht mehr erleben kann, aber es wunderschön gefunden hätte. Denkst du nicht?”


    Die Manifestation war wesentlich leichter gewesen als erwartet. Er hatte mit Schmerzen gerechnet, mit gesundheitlichen Einschränkungen, Gedächtnislücken oder einer Persönlichkeitsveränderung - Dinge, die man riskierte, wenn man das Erbgut manipulierte. Doch die einzige wesentliche Veränderung war - neben seinen neuen Fähigkeiten - die Farbe seiner Augen gewesen, von braun zu schwarz.
    Vic und Rett sah man von außen auf den ersten Blick gar nicht an, dass sie nun Elementale waren. Auch sie erwachten gesund, wenn auch ein wenig verwirrt, nach ihrem Hyperschlaf.
    Thyras hatte die Manifestation sehr genau überwacht. Sie waren in der Veste geblieben, da niemand in den Hort zurückkehren wollte, und bekamen dort von Kommandant Kirschner Platz, Trainingsmöglichkeiten und alles, was sonst noch nötig war.
    Bereits sechs Monate nach der Verwandlung erfolgte ihr Aufbruch zu ihrem neuen Heimatplaneten, mit der Aufgabe, diesen bewohnbar zu machen.
    Fast sieben Jahre hatte es gedauert, fast sieben Jahre, die alle sechs Elementalen an ihre Grenzen gebracht hatten. Erst in diesem Zeitraum wurde Nate klar, wieviel Macht und Stärke sie wirklich besaßen. Es war fantastisch, dass die Kraft in ihnen auf jeden Befehl gehorchte, dass ihre Möglichkeiten beinahe unbegrenzt waren und es einzig und allein von ihrer eigenen Vorstellungskraft abhing, was sie leisten konnten. Sie formten die Oberfläche, die Meere, den Boden. Rett kontrollierte das Wetter, Astra die Sonneneinstrahlung und beide beeinflussten damit Vegetation und Leben. Atesch bezwang die tobende Energie im Erdinneren, Su zog das Wasser aus der frisch geschaffenen Athmosphäre und bildete Ozeane. Es war anstrengend, über alle Maßen anstrengend, doch das Ergebnis konnte sich sehen lassen.
    Er, Nate, war verantwortlich für die Koordination dieser Expedition. Dabei beriet er sich immer mit Su, Atesch und Astra. Die drei Elementalen aus dem Hort als ausgebildete Naturwissenschaftler wussten sehr genau, was möglich war und was nicht. Notfalls hielten sie Rücksprache mit Thyras, der noch auf der Erde geblieben war, bis die Lebensbedingungen ihrer neuen Heimat stabil waren.
    Und nun war es endlich soweit. Schon während der letzten Monate waren immer wieder Leute angekommen und hatten sich in der neu entstandenen Siedlung eingerichtet. Morgen würden die letzten Menschen hier auftauchen. Die alte Erde war jetzt quasi leer.
    Langsam streiften Nates Finger über das Gras. Er hatte lange nicht gewusst, wie sehr er den Geruch und die satte Farbe frischer Grashalme eigentlich vermisst hatte. Es gefiel ihm hier. Friedlich und größtenteils unberührt, wenn auch sehr viel kleiner als die Erde. Natürlich bedeutete das nicht automatisch das Paradies. Auch für ihre neue Heimat mussten Regeln geschaffen, neues Wissen erarbeitet, Ernährung, Wirtschaft, Bildung ermöglicht werden … sie waren noch nicht am Ende ihrer gewaltigen Aufgabe …

    Als Mama lernt man beizeiten, eine Tafel Schokolade auf Anhieb zu verstecken.

    Im Mund.

    Quer.

    Und ohne zu sabbern.

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    Meine Geschichte

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  • Hey Kiddel Fee,



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