Beiträge von Tariq

    So, hier :this: ist der Link zum neu editierten Text. Danke für's Lesen! :)

    Weil ich morgen nicht zu Hause bin, serviere ich heute schon mal den neuen Teil.

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    Karl hat mein Kopfschütteln widerspruchslos akzeptiert und bugsiert meinen Mercedes an einen Tisch in der Nähe, an dem nur Rollstühle stehen. Der Gute, er scheint zu erkennen, dass mir das hilft.

    „Guten Morgen, die Damen. Ich bringe Ihnen eine neue Tischnachbarin, die Frau Benedikt. Das hier links ist Frau Morgner, ihr gegenüber sitzt Frau Walther und daneben unsere Waltraud.“
    Die drei Frauen, zwei von ihnen wesentlich älter als ich und eine etwa in meinem Alter, mustern mich, nicht unverschämt, aber auch nicht verstohlen. Und wieder lächle ich, während ich auch ihnen zunicke. Meine Wangenmuskeln beklagen sich schon über dieses Dauer-Grinsen.
    „Willkommen“, meint Frau Morgner, die ich als Jüngste des Trios einschätze. „Seit wann sind Sie da?“
    Himmel, ich muss sprechen! Peinlich berührt senke ich den Kopf. Prompt läuft mir Speichel aus dem Mund und tropft auf den Latz. Im Stillen danke ich Karl für das himmelblaue Teil und wische mir mit dem Taschentuch über den Mund. „Zwei Wochen“, murmele ich dann und weiß nicht, ob ich verstanden worden bin.
    „Die erste Zeit ist die schwerste“, kräht Frau Walther. Sie sitzt mir schräg gegenüber, ist ein hutzeliges Weiblein, das in seinem Rollstuhl fast verloren wirkt. Doch das hält die Frau nicht davon ab, mir ein mutmachendes, breites Lächeln zu schenken.
    „Wer ist schwer?“
    Das ist von der dritten Frau gekommen. Waltraud, mein Gegenüber. Ihren Familiennamen hat Karl nicht genannt. Sie starrt Frau Morgner an und erwartet eine Antwort.
    „Niemand, Wally“, beschwichtigt Frau Morgner und winkt ab. „Trink deinen Kaffee.“ Zu mir gewandt raunt sie: „Sie hat Demenz.“
    Ich kann nicht anders: Während ich fast mechanisch nicke, muss ich Waltraud verstohlen mustern. Demenz, die Geißel des Alters. Man sieht es ihr nicht an. Die stockdünne, hochgewachsene Frau mit den senfgelben Haaren und der braunen Kunststoffbrille rührt gedankenverloren in ihrer Tasse und scheint noch immer darüber zu grübeln, wer schwer ist.
    Demenz ...
    Ich habe lange keinen Besuch mehr bei Gudrun gemacht. Bei den letzten beiden hat mich meine Schwester mich nicht erkannt. Nicht mehr. Ich werde nie ihren verwirrten Blick vergessen, als ich in ihr Zimmer gekommen bin.


    Bei ihrem fünfundsiebzigsten Geburtstag war es erstmals aufgefallen. Sie hatte Probleme, sich an die Namen ihrer Gäste zu erinnern. Ihre beiden Töchter schrieben es der Aufregung zu. Doch es lag nicht daran. Gudruns Gedächtnis verschlechterte sich rapide. Sie vergaß Dinge beim Einkauf, Termine, Schlüssel. Irgendwann ließ es sich nicht mehr ignorieren und ihre Älteste fuhr mit ihr zu einer Ärztin.
    Die Diagnose lautete Demenz. Genauer gesagt: Alzheimer. Die schlimme Form, bei der der geistige Verfall in erschreckendem Tempo voranstürmt und den Angehörigen keine Zeit lässt, mit der Situation klarzukommen. Eine Krankheit, die ihnen einen lieben Menschen nimmt, obwohl er noch bei ihnen ist, obwohl sie ihn sehen, ihn berühren und mit ihm sprechen können.
    Gudruns Töchter mussten sich schweren Herzens durchringen, ihre Mutter bereits ein halbes Jahr später in ein Heim zu geben, in dem man sich auf die Pflege Demenzkranker spezialisiert hatte. Natürlich war es in der Nähe ihrer Wohnorte und Gudruns kleine Wohnung wurde aufgelöst. Sie hatten mich dazu geholt. Schließlich war ich Gudruns einzige noch lebende Schwester.
    Gemeinsam räumten wir ihre Habseligkeiten in Kartons, nahmen uns die Zeit, Erinnerungen aufleben zu lassen und Fotos zu betrachten. Wir tranken Kaffee, lachten viel zusammen und vergossen auch ein paar Tränen. Nicht viel wurde aufgehoben. Meine Nichten hatten nur Interesse an ein paar persönlichen Dingen und ich durfte mir einige Bilder aussuchen. Möbel und Kleider gingen an den Sozialmarkt, nicht mehr Verwendbares fand sich als Sperrmüll neben der Haustür wieder. Ich weiß noch, dass ich unwillkürlich schauderte, als ich an dem aufgetürmten Berg neben der Hauswand vorbei und zur Bushaltestelle ging. Da lag Gudruns Leben. Quasi am Straßenrand ...
    Gudrun bekam nur ein Foto von ihrer Familie. Ihre Mädchen waren zum Zeitpunkt der Aufnahme fünfzehn und dreizehn gewesen. Traute Viersamkeit. Sie selbst im Arm ihres Mannes und jeder eine Tochter vor sich.
    Meine Nichten hatten sich die Mühe gemacht, herauszufinden, wen ihre Mutter auf Bildern noch erkannte. Diese Aufnahme war die letzte gewesen, auf der Gudrun ihre Töchter gesehen hatte. Später geschossene Fotos lösten bei ihr nur ein Stirnrunzeln oder ein hilfloses Schulterzucken aus, wenn sie nach den Personen darauf gefragt wurde. Ihr Gedächtnis schien neunzehnhunderteinundsiebzig stehengeblieben zu sein. Was danach kam, war ausgelöscht.

    Oh ja, da lief das Kopfkino wirklich, das ist eine packende, actiongeladene Szene! Gefällt mir! :thumbup:

    Heyho, Sensenbach , vielen Dank! :D Das freut mich und ich bin schon sehr gespannt, was ihr zu Teil 3 von Kapitel 7 sagt. :thumbsup:

    Voriger Teil: Kapitel 7 (1/3)


    Kapitel 7 (2/3)

    Ein Schimmer von Enttäuschung huschte über das Gesicht seines Vaters und Ares bereute seine harten Worte. Manchmal vergaß er, dass er der Einzige war, den Mestor als Familienangehörigen bezeichnen konnte. Damals, als er selbst sofort nach dem Schulabschluss das luxuriöse Elternhaus verlassen hatte, um zur Armee zu gehen, war ihm das gleich gewesen. Doch jetzt erkannte er, dass der Mann vor ihm jahrelang einsam gewesen sein musste. Er selbst benötigte keine familiären Bande, seine Freunde Etienne, Linus und Malcolm gaben ihm Halt. Aber sein Vater hatte keine Freunde. Niemanden, mit dem er private Dinge besprach oder den Tag bei einem Glas Bier auswertete. Und sein einziger Sohn gebärdete sich wie ein störrisches Kleinkind.
    Mestor nahm einen Schluck Wasser. Als er das Glas absetzte, glitt sein Blick flüchtig zu einem der Bilder an der Wand hinüber, das wie ein Fenster gestaltet war.
    Ares wusste, die Aussicht aus diesem angedeuteten Fenster zeigte Athen, die Heimatstadt seines Vaters. Plötzlich fühlte er Mitleid mit ihm.
    „Es tut mir leid, ich habe es nicht so gemeint“, stieß er zerknirscht hervor.
    „Aber du hattest ja Recht. Ich weiß, dass ich dich nicht ködern muss. Du schätzt den Ring und das, was ich aufgebaut habe, genauso wie ich.“ Mestor griff nach dem leeren Glas auf dem Tisch und stand auf. „Und deshalb weiß ich auch, dass meine Entscheidung richtig ist“, fuhr er auf dem Weg zu der eingebauten Bar fort. „Ich habe dich beobachtet“, verkündete er, nachdem er zurückgekommen war und einen neuen Drink vor Ares abstellte. „Ich beobachte dich sehr oft und mir gefällt, was ich sehe. Du bist bedingungslos loyal, hast hervorragende Führungsqualitäten und bist beliebt bei den Gardisten. Die besten Voraussetzungen für die neue Aufgabe, die ich für dich vorgesehen habe.“
    „Neue Aufgabe?“ Ares starrte ihn an. „Ich bin ganz zufrie-“
    Mestor schnitt ihm mit einer Handbewegung das Wort ab. „Du wirst mein Nachfolger werden.“
    „Was?!“ Ares Hand mit dem Glas erstarrte auf halbem Weg zum Mund.
    Mestor schüttelte verständnisvoll lächelnd den Kopf. „Mir ist klar, dass dich mein Plan überrascht. Aber ich bin jetzt siebenundfünfzig und habe nicht mehr viel Zeit.“ Er klopfte mit dem Zeigefinger demonstrativ auf seinen rechten Handrücken. „In zwei Jahren werde ich das Geschick des Ringes offiziell in deine Hände legen. Und deshalb bin ich der Meinung, dass du schon heute ...“
    „Aber wieso ich?“
    „Das habe ich dir doch eben erklärt.“ Irritiert sah Mestor ihn an. „Was hast du denn geglaubt? Warum wohl habe ich dafür gesorgt, dass man deine Bewerbung annimmt und du bereits nach einem Jahr Axiom wirst?“
    „Ich hatte es meiner tadellosen Führung und den beachtlichen Ergebnissen meiner Leute zugeordnet“, knurrte Ares. Das Wissen, von Mestor auf seinen Posten gehoben worden zu sein, verursachte einen schalen Geschmack im Mund. „Immerhin führt die vierte Einheit die Statistik mit den wenigsten Auffälligkeiten in den Schichten unserer Ypir-Gardisten.“
    Sein Vater winkte ab. „Wen interessieren eure kleinen internen Wettbewerbe?“
    „Gut, ich verstehe, dass du als mein Vater meine Karriere fördern möchtest, obwohl ich mir meine Lorbeeren lieber selbst verdient hätte. Aber ich und dein Nachfolger?“ Ihm fielen eine Menge Entgegnungen ein, von denen die meisten respektlos, deutlich überzogen oder einfach nur ein Schimpfwort oder Fluch waren. Doch er beschränkte sich auf ein simples „Das kann nichts werden.“ Kopfschüttelnd starrte er seinen Vater an. „Der Ring ist deine Schöpfung. Ich weiß nichts über Chips, ich bin Soldat. Und ich will es auch bleiben und nicht in deine Fußstapfen treten.“
    „Ich rede auch nicht von heute oder morgen. Bis dahin werden noch zwei Jahre vergehen und ich bin zuversichtlich, dass du deine Meinung änderst. Darum ist es mir wichtig, dass du bereits jetzt schon über alles, was im Ring geschieht, im Bilde bist und deshalb an sämtlichen Besprechungen teilnimmst. Du musst dafür nichts über Chips wissen. Dafür arbeiten genug schlaue Köpfe in den unteren Ebenen. Ich sagte es schon, Ares: Du hast Führungsqualitäten. Deine Männer verehren dich und du leitest sie scheinbar mühelos.“
    Er hat mich tatsächlich beobachtet, realisierte Ares konsterniert. Und er tut es sicher immer noch! Alles in ihm verlangte danach, weiter zu diskutieren, um seinem Vater diese Schnapsidee auszureden. Doch er ahnte: Mestor würde kein Argument gelten lassen.
    „Das wird der Commandantin nicht gefallen“, gab er schließlich zu bedenken. Es war sein letzter Einwand. Eine offene Feindschaft mit Frida konnte er sich nicht leisten, auch wenn er ihr als Leiter des Ringes dann nicht mehr unterstellt war. „Sie wird denken, dass ich konsequent darauf hingearbeitet habe, dich abzulösen.“
    „Sie kann glauben, was sie will.“ Die Hand seines Vaters schnitt durch die Luft, als wollte er so die Diskussion beenden.
    „Aber vielleicht könntest du mir diese Maßregelungen vor ihr demnächst ersparen.“ Beim Gedanken daran wallte erneut Ärger in Ares hoch.
    Mestor nickte einlenkend. „Lass uns essen“, meinte er. „Dabei kann ich dir schon ein paar Dinge erklären.“ Ares antwortete nicht, nickte nur zögernd. Dann erhob er sich. „Bleib sitzen. Ich bestelle uns was.“
    Während sie warteten, wechselten sie nur wenige Worte. Mestor fragte ein paar belanglose Dinge und Ares antwortete einsilbig. Eine richtige Unterhaltung kam nicht in Gang und als zehn Minuten später der melodische Gong am Versorgungsschacht die Ankunft ihres Abendessens verkündete, atmete Ares auf. Stumm nahm er die angeforderten Gerichte heraus und brachte sie an den großen Tisch. Sein Vater stand auf, kam herüber und setzte sich ihm gegenüber.
    Eine Weile war nur das Klappern der Bestecke zu hören. Ares wartete. Er würde keine Fragen stellen, obwohl in seinem Kopf unzählige durcheinanderwirbelten. Und er war keineswegs sicher, dass er hören wollte, wie sein Vater sich seine Zukunft vorstellte. Die Eröffnung von dessen Plan hatte ihm jetzt schon ordentlich auf den Magen geschlagen und er stocherte ohne Appetit in seinem Essen herum.

    Herzlichen Dank euch beiden, Kirisha und Der Wanderer , ich freu mich, dass ihr dabeibleibt! :danke:

    Voriger Teil


    Ich hörte die RT schon von weitem. Gerade war ich mit meinen beiden älteren Kolleginnen aus dem schmiedeeisernen Tor der Pretzberger Strumpffabrik getreten und hatte ihnen zum Abschied zugewinkt. An ihrem vielsagenden Lächeln sah ich, dass sie das Motorrad auch gehört hatten.
    Die Zweiräder gehörten längst zum Stadtbild, man drehte sich auch nicht mehr nach ihnen um. Allerdings blieben die Strumpf-wirkerinnen stehen, die hinter mir aus dem Tor kamen und sich eigentlich auf den Heimweg machen wollten, denn dass der Fahrer, der nun nähergekommen war, vor mir anhielt, war ungewöhnlich. Und als er den Motor abschaltete, die Schutzbrille hochschob und den Helm abnahm, staunten manche von ihnen nicht schlecht, denn darunter kam das lachende Gesicht eines jungen Blondschopfs zum Vorschein.
    Ich weiß noch, dass ich flammend rot wurde. Genau das hatte ich befürchtet, als er gestern angekündigt hatte, mich von der Fabrik abzuholen! Und genau deshalb hatte ich so vehement widersprochen. Seine Antwort war nur ein Lachen gewesen. Dieses unwiderstehliche Lächeln, das mir den Kopf verdreht hatte.
    Nur meine beiden Kolleginnen wussten von Wolfgang. Wenn man verliebt ist, muss man das einfach irgendjemandem anvertrauen, sonst platzt man. Meine Mutter war nicht die Richtige dafür und meine Schwestern erst recht nicht. Aber zu den zwei Frauen, die neben mir die Maschinen bedienten, hatte ich schon am ersten Tag meiner Lehre Vertrauen gefasst. Und nur ihnen erzählte ich von der Begegnung mit dem zwei Jahre älteren Sohn des Bürgermeisters vor zwei Monaten und unseren heimlichen Treffen danach.
    Die Zeit der Heimlichkeiten war vorbei. Heute, jetzt, in diesem Moment, erfuhr die halbe Belegschaft, dass ich als Siebzehnjährige schon einen Freund hatte. Nicht nur das, sondern auch dass er ein Motorrad fuhr. Ich konnte die Gedanken hinter den gerunzelten Stirnen förmlich hören und in den Mienen lesen, als ich mich verstohlen nach den anderen Arbeiterinnen umsah. Hatte er es geklaut oder – was fast noch schlimmer zu sein schien – unerlaubt die Maschine seines Vaters genommen? Oh, diese Blicke! Sie ist noch ein Lehrling, schienen sie zu sagen, wissen ihre Eltern eigentlich, was sie so treibt?
    Wolfgang, mein Schatz, schien davon nichts mitzubekommen. Er nestelte einen zweiten Helm vom Gepäckträger und reichte ihn mir. Das Ding war etwas zu groß und schlackerte auf meinem Kopf herum, aber trotzig zog ich den Kinnriemen fest an. Meinen Ärger über das unverhohlene Glotzen der Strumpfwirkerinnen legte ich in den Ruck und zuckte zusammen, als ich mir die Haut dabei in der Schnalle einklemmte. Dann stieg ich auf den Sozius und verkündete Wolfgang mit einem kurzen Klopfen auf seine Schulter, dass ich bereit war. Er setzte seinen Helm wieder auf, schob die Brille herunter und fuhr los. Wohin es ging? Das war mir damals schnurzegal. Zumindest erst einmal weg von diesen schamlosen Gaffern. Und am Ende der Fahrt erwartete den Fahrer eine geharnischte Strafpredigt dafür, dass er meine Ablehnung ignoriert und mich so in Verlegenheit gebracht hatte.


    Die Sache mit Wolfgang hat nicht lange gehalten. Sein Lebensstil ist nicht der meine gewesen. Er wollte an jedem Wochenende tanzen gehen und lud mich sogar während der Woche ins Kino ein. Ein, zwei Male bin ich mitgegangen, aber ich musste im Gegensatz zu ihm morgens früh raus und als ich dann einmal am Vormittag während der Arbeit beinahe im Stehen eingeschlafen bin, habe ich die folgenden Einladungen abgelehnt. Auch seine Kumpels sind in meinen Augen keine Freunde gewesen, sondern Leute, die ihn auf einen schlechten Weg brachten. Er trank viel, wenn er mit ihnen zusammen war, und als er einmal aufs Motorrad gestiegen ist, obwohl er getrunken hatte, hat sich der zarte Riss, der durch meine Glückseligkeit ging, schlagartig in einen unüberbrückbaren Abgrund verwandelt. Zwei Wochen später habe ich mit ihm Schluss gemacht und mich dann in Getruds tröstlicher Umarmung ausgeheult. Ich glaube fast, meine Eltern haben nie etwas von Wolfgang erfahren, es sei denn, eine meiner beiden älteren Schwestern hat gepetzt.
    Siegfried hat die Erinnerung an Wolfgang weggewischt wie ein nasser Schwamm die Kreide an der Schultafel. Er überstrahlte ihn einfach, weil er genau so war, wie ich mir meinen Mann vorstellte. Bei Siegfried wusste ich vom ersten Augenblick an, dass ich ihn heiraten, mit ihm Kinder haben und alt werden wollte.
    Verrückt, was man für Pläne hat, wenn man jung ist. Es ist leider nichts draus geworden. Zumindest nicht aus dem letzten Teil des Planes.
    Während ich meinen Erinnerungen nachgehangen habe, hat Karl mich durch die Speisesaaltür geschoben. „Möchten Sie vorgestellt werden?“, flüstert er neben meinem Ohr.
    Hektisch schüttle ich den Kopf, als ich sehe, wie die Leute, die unmittelbar neben der doppelflügeligen Eingangstür ihren Platz haben, neugierig den Kopf wenden bei unserem Auftauchen. Das sind schon zu viele für mein angeschlagenes Selbstbewusstsein und es gibt sieben, acht oder noch mehr Tische, an denen Bewohner sitzen. Undenkbar, dass sich alle, die hier auf ihr Frühstück warten, umdrehen und mich anglotzen wie ein Kalb mit zwei Köpfen, wenn Karl mich vorstellt. Eine Neue muss ausgiebig begutachtet werden, das ist mir schon klar, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass der Tag hier angefüllt ist mit Abwechslung und Kurzweil. Nein, ich wäre das Tagesgespräch, noch dazu weil ich mit Sicherheit kein „Guten Morgen“ herausbekommen würde. Wenn es darauf ankommt, funktioniert das Sprechen ja nur im Ofenrohr-Modus und das fehlt mir jetzt gerade noch.
    Ich nicke denen, die mich anschauen, freundlich zu und zwinge mir ein Lächeln ins Gesicht, obwohl ich am liebsten davongerannt wäre.

    Gerannt ...

    Tja, das war einmal, Hannche, spottet die gemeine Stimme in meinem Kopf.

    OK also das erste Kapitel von der Louis Geschichte habe ich nun auf seinen korrekten Platz verschoben. An alle Interessierten; Die Geschichte befindet sich nun hier => Louis der nette Vampir ! <= Es werden mit der Zeit in unregelmäßigen Abständen immer mehr Kapitel dazu kommen. Daher bitte ich noch einmal alle. Irgendwelche Kommentare, Ideen, oder sonstiges ausschließlich hier hinein zu schreiben. Ich werde natürlich auch immer wieder hier hinein sehen, um um eventuell gute Ideen in die Geschichte mit ein zu bauen. :rolleyes:

    Hallo Nitram65 ,

    ich verstehe nicht, wofür du zwei Threads brauchst. Hier im Forum läuft es normalerweise so, dass der Autor einen Teil seines Textes postet und dann die Leser ihre Kommentare dazu bringen. Alles kommt in ein und demselben Thread und das macht einen Thread, in dem über die Geschichte diskutiert wird, mMn überflüssig.

    Beim Posten deines Textes solltest du wirklich den Vorschlag von Chaos Rising beherzigen und nicht mehr als 1500 Wörter posten. Sonst wirst du schwerlich jemanden finden, der sich an diesen Part heranwagt. Mich persönlich schreckt die Länge deines Textes ab und deshalb habe ich es auch bisher (noch) nicht gelesen. Meine eigenen Posts gehen selten über 1000 Worte hinaus.

    Vielleicht denkst du nochmal drüber nach und kürzt deinen Text dahingehend? :huh: Wäre doch schade, wenn sich keiner dazu äußern würde. :/

    Zitat von Nitram65

    Ich werde natürlich auch immer wieder hier hinein sehen, um um eventuell gute Ideen in die Geschichte mit ein zu bauen. :rolleyes:

    "Immer wieder mal" wäre mir als Leser zu wenig. Wenn ich deine Texte lese und meine Meinung dazu in einem (mitunter recht zeitaufwändigen) Kommentar abgebe, dann erwarte ich, dass du es möglichst zeitnah liest. So, wie du es formuliert hast, klingt es für mich, als betrachtest du deine Geschichte bereits als fertig und erwägst lediglich, "eventuell gute Ideen" einzubauen. Das motiviert mich als Leser nicht, mir GEdanken zu deinem Text zu machen. Tut mir leid.

    Kann es sein, dass du nicht wirklich vorhast, Änderungen vorzunehmen? Wenn ja, dann wäre es vielleicht ganz gut, das klar zu sagen.

    Das ist mal ein fulminater Einstieg, Rumkeks :thumbup:

    Woa, das geht voll ab! 8| Was für eine Sauerei! :dwarf:


    Nein, erstmal der melancholische Part. Da kommt Tjelvars Verzweiflung gut rüber. Dass er nach dem Aufgeben von Frod gleich an Selbstmord denkt, hat mich allerdings überrascht. Wenn Frod so ein guter Freund ist, warum will er ihn dann allein zurücklassen? Keinen Gedanken hat er für ihn oder Elina übrig. Nur Selbstmitleid. Okay, Hätt ich nicht gedacht. :hmm:

    So, und nun kam da ein einzelner Draugr. Einer nur? Wie geht das? Und wenn da noch mehr waren - wieso haben die sich nicht auf Tjelvar gestürzt, als der begonnen hat, dem Zwerg die Rübe abzureißen? Hm, da bin ich mal gespannt, was da noch kommt.

    Aww, das gefällt mir, Der Wanderer . Und es trifft so ziemlich genau meine Gedanken. Es ging zu schnell. Gestern noch heißer Sommer mit Waldbränden, heute schon 7°C als ich halb sechs aus dem Haus ging. Wo ist der Altweibersommer?

    Du hast schöne Bilder verwendet und schöne Eindrücke eingefangen und in Verse gereiht. Nochmal: Gefällt mir richtig gut! :thumbup:

    So, nun gehen wir mal etwas tiefer in die Materie. An diesem Kapitel habe ich viel verändert und wer das Gespräch zwischen Vater und Sohn von der letzten Version noch kennt, der sperrt diese Erinnerung bitte weg. Davon stimmt kaum noch was mit dem neuen Text überein. Ich bin gespannt, was ihr sagt. Teil 1 ist noch die Einleitung.

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    Voriger Part: Kapitel 6 (2/2)


    ~~~ Kapitel 7~~~

    (Teil 1/3)


    „Ares, auf ein Wort noch!“
    Die Stimme des Vaters in seinem Rücken ließ ihn stehen bleiben. Frida ging weiter und verließ den Konferenzraum, ohne sich noch einmal umzusehen. Hinter ihr schloss sich die Doppeltür mit leisem Zischen.
    Ares drehte sich um. Der Kyrios hatte seine Wünsche verkündet und ihm und der Commandantin ihre Anweisungen gegeben. Die Besprechung war beendet und er damit entlassen. Jetzt wollte er zurück zu Etienne, denn schließlich war er nicht im Dienst und das hatte er vorhin auch gesagt. Warum also hielt dieser ihn zurück?
    Sie sahen einander nicht oft. Stets ging der Impuls für ein Treffen von seinem Vater aus und meistens war es eine Einladung zu einem privaten Abendessen. Dass er jetzt mit dem Vornamen angesprochen wurde, ließ Ares befürchten, dass ihm erneut ein solches bevorstand.
    Insgeheim seufzte er. Er fühlte sich in der Gesellschaft seiner Kollegen hundertmal wohler als bei einem Abend in der luxuriösen Wohneinheit des Kyrios. Nach dem Besuch bei BuyVis hatten Etienne und er noch in die Bar gehen wollen. Daraus würde nun wohl nichts werden.
    Ungeduldig beobachtete er, wie Mestor den Konferenztisch umrundete und langsam auf ihn zukam. „Was ist?“, brachte er knapp hervor. Sein Vater sollte merken, dass er keine Lust auf ein Plauderstündchen hatte.
    „Ich muss etwas mit dir besprechen“, verkündete dieser und Ares ertappte sich dabei, dass er überrascht die Augenbrauen hob.
    „Dienstlich?“, forschte er und seine Verwunderung stieg, als er das Kopfschütteln seines Vaters sah.
    „Nein, es ist ganz und gar privat. Und es wird ... eine Weile dauern. Also wäre es schön, wenn wir uns wieder zu einem Abendessen in meiner Wohneinheit treffen könnten.“
    „Jetzt?“
    Mestor hob die Rechte. „Nein, nein“, wehrte er ab. „Du hast einen freien Abend und sicher andere Pläne. Wie passt es morgen? Oder übermorgen?“
    „Morgen wäre in Ordnung.“ Ares hatte Mühe, einen neuen Seufzer zu unterdrücken. „Wann soll ich da sein?“
    „Gegen sieben wäre mir recht.“ Sein Vater lächelte und Ares erkannte, dass Mestor sich wirklich auf das Essen zu freuen schien. Oder auf das Gespräch? Was um alles in der Welt wollte er mit ihm bereden? Etwas Privates ...
    „Dann morgen um sieben.“ Er neigte kurz den Kopf, wandte sich um und verließ diesmal den Konferenzraum. Den Impuls, zurückzuschauen, unterdrückte er. Hinter ihm blieb es still. Keine Schritte. Mestor war stehen geblieben und sah ihm nach.


    Am Abend des folgenden Tages machte er sich auf den Weg zum Quartier seines Vaters. Wie sein eigenes befand es sich im dritten Obergeschoss, lag aber den Konferenzräumen gegenüber. In dieser Hälfte der Etage gab es strengere Sicherungseinrichtungen, genau wie im vierten und fünften Untergeschoss. Beim Verlassen der Liftplattform wurde seine Körperform abgescannt, er hatte vor einer Kamera seinen Namen zu nennen, um sich durch Lippenbewegungen und Spracherkennung zu authentisieren und Zugang zu dieser Hälfte des Geschosses zu bekommen. An Mestors Wohneinheit angelangt, legte er seinen Handrücken an ein Scanfeld, das doppelt so groß wie ein normales war, weil es zusätzlich zum Chip auch das Venenmuster erfasste, das diesen umgab, und mit dem eingespeicherten verglich. Erst danach glitt die Tür auf. Neben Mestor selbst war er der Einzige im Ring, der diese Räume so betreten durfte. Für jeden anderen würde der Kyrios selbst den Zutritt autorisieren müssen.
    „Danke, dass du gekommen bist.“ Mestor stand in dem Durchgang zu dem geräumigen Wohnraum, in jeder Hand ein Glas haltend. Leise Musik spielte im Hintergrund.
    Klassik, registrierte Ares, wie er sie selbst gern mochte. Er nahm seinem Vater den Drink ab und schnupperte. Ein Gambrazzo. Überrascht nippte er, nachdem die Gläser aneinander geklungen waren. Mestor hatte sich gemerkt, was er gern trank.
    „Du wolltest mit mir reden.“ Er ging zu der Sitzgruppe, die fast den halben Raum einnahm, ließ sich in die Polster sinken. Das behagliche Wohnzimmer hatte sich in den vier Jahren, in denen er im Ring lebte, nicht verändert. Sanftes, indirektes Licht erhellte jeden Winkel, ohne grell zu wirken, und ließ die unzähligen Pflanzen gedeihen. Mestor liebte Grünpflanzen, klassische Musik, alte Weine und Bilder an den Wänden. Mediterrane, vorzugsweise griechische Landschaften, alle in Öl, keine billigen Drucke oder Poster. Sein Vater besaß Geschmack.
    Ares betrachtete ihn. Dem schlanken, sich sehr gerade haltenden Körper sah man die siebenundfünfzig Lebensjahre nicht an.
    „Ja.“ Mestor lachte. „Und bei der Gelegenheit: Ich finde es schade, dass du nie von selbst den Kontakt zu mir suchst. Wir haben nicht gerade das, was man eine gute Vater-Sohn-Beziehung nennt. Trägst du mir die Standpauke von gestern Abend noch nach?“
    Ares schwieg. Er erinnerte sich mit Bitterkeit an seine Teenager-Zeit, in der sie sich zunehmend entfremdet hatten. Sein Vater war als Wissenschaftler oft vierzehn Stunden des Tages im Institut gewesen. Manchmal kam er über Nacht auch gar nicht nach Hause. Ares hatte ihn in seiner Kindheit und Jugend kaum zu Gesicht bekommen. Und seine Mutter ... Eines Tages, er war gerade sechzehn geworden, hatte sie ihm gesagt, dass sie weggehen würde. Ein anderer Mann würde um sie werben und ihr zeigen, dass sie noch lebte. Etwas, was ihr an der Seite ihres Ehemannes verlorengegangen war. Er erinnerte sich, dass er genickt und ihr alles Gute gewünscht hatte. Sie zu begleiten war nicht in Frage gekommen. Als er endlich den Armeedienst angetreten hatte, war die Kommunikation zwischen ihm und Mestor fast komplett unmöglich geworden und sie hatten auch während seiner Dienstzeit kaum Kontakt gehabt.

    Und gestern Abend? Er winkte ab. „Ich werde mich irgendwann daran gewöhnen, dass du mich anders behandelst als die anderen Axiome.“
    „Ich habe meine Gründe.“
    „Das hast du gestern schon angedeutet. Ich wüsste diese Gründe gern.“
    „Sind die so schwer zu erraten?“ Mestor lächelte sinnend auf sein Glas hinab. „Habe ich dir eigentlich schon einmal gesagt, wie unglaublich stolz ich auf dich bin? Und wie froh, dass du nach Beendigung deiner militärischen Ausbildung und den Jahren bei der Spezialeinheit damals meinen Vorschlag, in den Ring zu kommen, angenommen hast? So kann ich dich in meiner Nähe haben. Und das halte ich für sehr wichtig.“
    Ares beschlich ein ungutes Gefühl. Er leerte den Drink und setzte das Glas hart auf die polierte Wurzelholztischplatte. „Ich bin kein kleiner Junge, den man mit Lob ködert. Was willst du von mir?“


    Hier geht's weiter: Kapitel 7 (2/3)

    So, nun mach ich doch noch einen Antwort-Post vor dem nächsten Part morgen. :)

    Herzlichen Dank, Iskaral , auch für deine Likes! Das zu hören freut mich natürlich sehr :panik:

    Aber noch mehr würde mich freuen, wenn ich bald mal wieder was über die Alptraumwüste lesen könnte. :thumbsup: Es wäre echt jammerschade, wenn du da nicht weitermachen würdest. Also - falls du jemanden brauchst, der dir ab und zu kräftig in den verlängerten Rücken tritt, um dich anzuspornen: Ich nehm Job! :thumbup:

    Herzlichen Dank, liebe Kirisha , das freut mich jetzt total smilie_tanz_075.gif

    manchmal war die Kinderwelt erschreckend in ihrer Einfachheit

    Hier wollte ich eigentlich Alecs Schrecken darüber ausdrücken, dass das kindliche Denken nicht in der Lage zu sein scheint, die weitreichenden Konsequenzen dieses Versagens zu erkennen. Wie würdest du das ausdrücken? Vielleicht hast du ja eine bessere Idee. ?(

    So, hier noch der Link zum nächsten editierten Teil. :this:

    Danke für's Dranbleiben! ^^