Beiträge von Tariq

    Band 1 "Guardians - Das Vermächtnis":


    Klappentext:

    Ein englischer Lord mit einem feudalen Anwesen.

    Ein Internat mit außergewöhnlichen Schülern.

    Eine Entführung mit weitreichenden Folgen.


    Als Ahmad schwer verletzt nach einer Rettungsmission heimkehrt, sind die anderen Guardians fassungslos. Wieso sind seine außergewöhnlichen Gaben verschwunden? Wer waren die Fremden in dem alten Schloss im Wald? Welches Geheimnis verbirgt der Schulleiter? Und was hat es eigentlich mit dem jüngsten Internatsbewohner auf sich?

    Die Suche nach Antworten befördert ein dunkles Kapitel aus der Vergangenheit ans Licht und setzt eine Kette schicksalhafter Ereignisse in Gang, welche die jungen Leute an ihre Grenzen und in tödliche Gefahr bringt ...


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    Band 2 "Guardians - Der Verlust":


    Klappentext:

    Ein mysteriöser Dieb raubt Menschen aus der ganzen Welt ihre Begabung. Auch ein zukünftiger Schüler der Schule auf Darach Manor ist betroffen.

    Als daraufhin Nachforschungen angestellt werden und eine kleine Gruppe von England nach Mittelamerika reist, um den Jungen aufzusuchen, reißt der Kontakt zu ihnen ab. Sadik und die Guardians nehmen ihre Spur auf, doch sie müssen feststellen, dass der Dschungel seine eigenen Gesetze hat.


    Neue außergewöhnliche Gaben.

    Geheimnisvolle Verbündete.

    Und ein unbesiegbarer Gegner …


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    Band 3 "Guardians - Die Vergeltung"


    Dieser Band wird zur Zeit hier im Forum im Beta-Bereich gepostet und von Usern kritisch unter die Lupe genommen. Ein Cover existiert noch nicht.


    Zur Autorin Caledonia Fan:

    Caledonia Fan lebt in Sachsen und arbeitet als Krankenschwester. Zum Schreiben kam sie erst, als ihre Kinder bereits eigene Wege gingen. Ihr bevorzugtes Genre ist die Urban Fantasy. Zu ihren Werken zählen diverse Kurzgeschichten und ihr Hauptwerk, die drei Bände umfassende Romanreihe der "Guardians".


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    Ich habe weder einen Instagram- noch Facebook-Account. Ich habe auch keine eigene Webseite. Wer mich privat kontaktieren möchte, Fragen hat oder wissen möchte, wie Veröffentlichen mit Sweek funktioniert, kann mich gern über die auf meinem Account angegebene Mailadresse anschreiben. Ich freue mich über Post!

    Vielen Dank, Reynbow , ich freu mich, dass du es magst. Stimmt, es ist simpel, aber mir liegen die einfachen Reime mehr. :D Wenn du es tiefgründig magst, schau bei Park Bom oder Thráin vorbei, die können das super. :thumbup:

    Das Gedicht wird (oder ist inzwischen?) vertont, die Stadtnymphe hat versprochen, eine traurige Melodie dafür zu finden. :thumbup: Passt besser als meine, die war zu fröhlich.


    Inzwischen hab ich ja das Gefühl, dass ich an dem für Mitteldeutschland doch ungewöhnlich reichlichen Schneefall "Schuld" bin, weil ich so ein Gedicht geschrieben habe. :sack:

    smilie_wet_080.gif

    Zuerst - meinen Glückwunsch zur Fertigstellung. Ich weiß, dass das harte Arbeit bedeutet und in deinem Fall eine ungleich härtere war als bei mir, denn du hast faktisch 24/7 pulsierendes RL um dich herum. <3
    Trotzdem hast du es geschafft und das ist ein Grund, stolz auf dich zu sein. Ja, unser Erwartungsdruck hat dich vielleicht gepusht, aber den Plot entwickeln, die Chars kreieren und die Spannung halten - also schreiben - musstest du allein. Und das ist aus meiner Sicht sehr gut gelungen. Über das Ende hatten wir schon gesprochen. ;)


    Also noch einmal: smilie_geb_100.gif Es ist geschafft! Das Forum ist (mMn) um ein tolles Werk reicher! :panik:

    also, falls es Dich interessiert kann ich Dir da auch die ausfuehrlichere Variante schreiben, falls nicht muss auch nicht sein

    Das würde ich sehr gern lesen! Ich sagte ja, dass ich selber nicht so ganz glücklich bin mit meiner Endversion.

    Januar


    Grauer Himmel, schwarzer Asphalt,

    Regenschirme dicht an dicht.

    Kahle Äste nur im Stadtwald,

    Heute schneit es wieder nicht.


    Kinder mit gestrickten Mützen

    und mit Stiefeln, wasserdicht,

    hopsen fröhlich durch die Pfützen.

    Heute schneit es wieder nicht.


    Autos drängen auf den Straßen

    und ein jedes fährt mit Licht.

    Kalte Füße, Schnupfennasen.

    Heute schneit es wieder nicht.


    Frierend hauch ich in die Hände.

    Leichter Nebel trübt die Sicht.

    Wann hat dieses Grau ein Ende?

    Heute schneit es wieder nicht.



    Sensenbach , Stadtnymphe



    Ein Herz für den Winter


    Die Jungen in der Berufsschulklasse schüttelten nur mitleidig den Kopf über ihn. Die Mädchen aber tuschelten hinter vorgehaltener Hand und manche lachten sogar unverhohlen. Er hatte es genau gesehen. Sie fanden es furchtbar amüsant, dass er sich mit ihr abgab.
    Sie, das war die graue Maus in der Klasse. Eine, die nicht so viel Wert auf Make-up und Klamotten legte wie die anderen. Sie drängte sich nicht in den Vordergrund und war bemüht, nicht aufzufallen. Man konnte sie fast als verschlossen bezeichnen. Es gab nichts Besonderes an ihr. Durchschnitt eben. Doch gerade das reizte ihn. Auf das aufdringliche Verhalten und die falsche Freundlichkeit ihrer Klassenkameradinnen gab er nichts. Er durchschaute es mühelos und ignorierte es. Ja, etliche sahen hübscher aus und taten ihm auch unverhohlen kund, dass sie an ihm interessiert waren.
    Doch er wollte sie. Er hatte wahrscheinlich schon, als er sie das erste Mal sah, beschlossen, sie zu erobern. Ihr zurückhaltendes Wesen zog ihn an. Und der Blick ihrer Augen. Als hätte sie schon vieles durchgemacht. Es klang sehr pathetisch, aber sie rührte an sein Herz. Als uneingeschränktes Ziel des Spottes der Lästermäuler weckte sie seinen Beschützerinstinkt und es kam nicht selten vor, dass er den eingebildeten Gänsen hart in die Parade fuhr. Sie sah ihn dann jedes Mal dankbar an. Aber nie unternahm sie selbst etwas gegen die Sticheleien.
    Eine Weile beschränkte sich ihre gemeinsame Zeit auf die Pausen. Morgens wartete er am Tor auf sie und konnte ihre Augen aufleuchten sehen, wenn sie ihn entdeckte. Er trug ihr den Rucksack ins Klassenzimmer und sie unterhielten sich über belanglose Dinge und lachten viel gemeinsam.
    „Möchtest du heute Nachmittag mit zum See kommen“, fragte er eines Tages nach der letzten Unterrichtsstunde. „Das Wetter ist schön, wir könnten baden.“
    Angespannt wartete er auf ihre Antwort. Es wäre das erste Mal, dass sie sich nach der Schule trafen.
    Sie zögerte erst, doch dann stimmte sie zu.
    Im Inneren jubelte er. Sie hatte ihm keinen Korb gegeben. Sich mit ihm in der Öffentlichkeit zu zeigen, obwohl sie so scheu war, bedeutete einen weiteren Schritt, der ihre Zweisamkeit festigte. „Gut, dann hole ich dich mit dem Auto von zu Hause ab“, versprach er.
    „Nein!“, widersprach sie hastig und ihre Miene wurde verschlossen. „Nicht von zu Hause!“
    „Warum nicht?“ Er runzelte verständnislos die Stirn. „Darf ich nicht wissen, wo du wohnst? Oder lebst du noch bei deinen Eltern und sie wollen nicht, dass du dich mit mir triffst?“
    „Ich … “ Sie suchte nach Worten und wandte den Blick ab.
    Geduldig wartete er.
    „Ich will nicht, dass du weißt, wo ich wohne.“
    Er war verletzt. Vertraute sie ihm nicht? „Schämst du dich für mich?“, verlangte er leise zu wissen, „oder hast du vor etwas Angst?“
    Fast hastig schüttelte sie den Kopf. „Es ist … kompliziert. Ich lebe in einer WG und mit ein paar … Typen zusammen, die dir vielleicht Schwierigkeiten machen. Ich will nur nicht, dass du ihnen begegnest.“
    „Ein paar Typen?“ Sorge erschien in seinen Zügen und er ergriff ihre Hand. „Und mit denen wohnst du?“
    Sie nickte. „Wir haben klare Abmachungen. Es funktioniert. Also bitte, respektiere es. Hol mich an der Tankstelle neben dem Park ab, ja?“
    Zögernd nickte er. Ihm gefiel nicht, was er da erfahren hatte, aber er würde nichts gegen ihren Willen tun.
    „In Ordnung“, meinte er versöhnlich. „Um fünf an der Tanke.“
    Sie war erleichtert, er konnte es deutlich sehen. Dankbar drückte sie seine Hand.
    „Wie waren deine Praxiswochen?“, fragte er, um das Thema zu wechseln.
    Während sie erzählte, ging ihm ihre Antwort nicht aus dem Kopf. Er dachte daran, ihr nach dem Unterricht einmal zu folgen, um herauszufinden, wo sie wohnte. Bisher hatte er sie immer nur bis zur U-Bahn-Haltestelle begleiten dürfen, dann war sie allein hinuntergestiegen zu den Gleisen.
    Ja, das würde er tun. Im Gedränge des Berufsverkehrs bemerkte sie ihn mit Sicherheit nicht.


    Der Nachmittag am See verging wie im Flug und im Nu wurde es Abend. Sie gingen ein letztes Mal zusammen schwimmen. Dann wurde zusammengepackt und sie stiegen ins Auto.
    „Wieder zur Tankstelle?“, fragte er in der Hoffnung, dass sie ihre Meinung vielleicht geändert hatte.
    Doch sie nickte. Also ließ er sie dort aussteigen, rief ihr ein „Bis morgen!“ nach und fuhr davon. Morgen, nahm er sich fest vor, morgen würde er erfahren, mit welchen Typen sie lebte, und wenn er bis zum Einbruch der Dunkelheit ihre Haustür im Auge behalten musste.
    Doch am nächsten Morgen musste er seinen Plan begraben. Als sie ihn am Tor erreichte und ihm den Rucksack gab, spürte er, dass sie etwas auf dem Herzen hatte.
    „Es ist wegen gestern“, gestand sie leise. „Ich habe abgelehnt, dich zu mir nach Hause kommen zu lassen, und ich glaube, dass du mir deswegen böse bist. Und außerdem vermute ich, dass du dir vorgenommen hast, mir irgendwann einmal heimlich zu folgen.“ Sie blieb stehen und sah ihn an.
    Da war er wieder, dieser Blick, der ihm durch und durch ging. Er wollte es schon energisch abstreiten, doch er konnte es nicht. „Stimmt“, gab er zu, „ich wollte dir heute Nachmittag nachgehen.“ Verdammt, er konnte sie nicht belügen!
    „Bitte tu es nicht“, bat sie eindringlich, „zerstöre nicht alles, wegen so einer Kleinigkeit.“
    „Kleinigkeit?“, gab er fast traurig zurück. „Du lässt mich nicht in dein Leben. Ich bin nur Teil deines Schultages und seit gestern erstmals deiner Freizeit.“
    „Ich weiß, aber trotzdem.“ Sie blieb unnachgiebig.
    Er seufzte. Langsam hob er die Hand und strich sacht über ihre Wange. „In Ordnung“, stimmte er zu und ignorierte die anzüglichen Pfiffe der anderen, die an ihnen vorbei durchs Tor gingen. „Ich werde dir nicht folgen, ich verspreche es.“
    „Vertraust du mir?“, fragte sie. „Glaubst du mir, wenn ich dir sage, dass mit keinem dieser Typen etwas läuft?“
    Er nickte. „Ich vertraue dir. Voll und ganz. Und ich gebe dir Zeit. Da ist vieles, was ich bei dir gern näher kennenlernen würde. Nicht nur deine Bleibe. Auch deine Eltern, deine ganze Familie, deine Hobbys … Aber ich werde dich nicht bedrängen, weil ich merke, dass du vor irgendetwas Angst hast. Du sollst bestimmen, wann du mir was zeigst.“
    Einen winzigen Augenblick schmiegte sie die Wange in seine Handfläche. „Danke.“


    Von da ab trafen sie sich öfter. Wenn sie zusammen waren, sprachen sie über alle möglichen Dinge. Darüber, dass er selbst erst vor drei Monaten in die Stadt gezogen war, dass sie beide keine Geschwister hatten, dass sie Spaghetti liebten und keine Tomaten mochten. Viel Gemeinsames entdeckten sie und es ließ das Band zwischen ihnen stärker werden. Jeden Nachmittag verbrachten sie zusammen, jede freie Minute. Und trotzdem hatte er das Gefühl, dass sie mit jedem Tag trauriger wurde …
    Sie wies ihn nicht zurück. Im Gegenteil. Ihre Zweisamkeit wuchs langsam und fast zart. Es genügte ihr offensichtlich, mit ihm zusammen zu sein, denn nie stellte sie irgendwelche Forderungen. Vielleicht war er gerade deshalb ständig auf der Suche nach Kleinigkeiten, mit denen er sie erfreuen konnte. Er hatte keine Ahnung, ob sie ihn liebte, nicht einmal, ob sie in ihn verliebt war. Das Thema hatten sie bisher nicht berührt, doch das störte ihn nicht.
    Er hielt sein Versprechen und folgte ihr niemals, wenn sie sich an der U-Bahn verabschiedeten. Seltsamerweise hatten sich sein Ärger über die WG-Typen und das Misstrauen in Luft aufgelöst. Jetzt war Sommer, doch nach den Ferien würden die Tage kürzer und kühler sein. Die Nachmittage im Freien hätten ein Ende. Er war gespannt, ob sie dann nachgab und ihn mitnahm und den Typen vorstellte.
    Eine Sache jedoch bereitete ihm Sorge. Seine Zuneigung wuchs mit jedem Tag, den er mit ihr verbrachte. Wenn er sie die Stufen zu den Gleisen hinuntersteigen sah, fehlte sie ihm bereits und er konnte den nächsten Tag, an dem er sie wiedersehen würde, kaum erwarten. Doch jetzt standen die Ferien bevor und sie würden sich während des gesamten Augusts nicht treffen können, weil er nach Hause zu seinen Eltern fuhr. Einhundertachtzig Kilometer würden zwischen ihnen liegen.
    Der warme Juli schenkte ihnen viele schöne Nachmittage und sie genossen die gemeinsame Freizeit. Am Freitag vor Ferienbeginn, einem sonnigen Nachmittag, machten sie eine gemeinsame Wanderung im Wald.
    „Morgen fährst du?“, vergewisserte sie sich, obwohl sie die Antwort kannte.
    Er nickte wortlos. Daran mochte er jetzt nicht denken.
    „Vier Wochen sind eine lange Zeit“, meinte sie zögernd. „Vielleicht begegnest du anderen, schönen Mädchen und vergisst mich bis dahin.“
    „Niemals!“ Er nahm ihre Hand, trat ihr in den Weg und zwang sie so stehenzubleiben. „Wir haben versprochen, einander zu schreiben und jeden Abend zu chatten. Ich werde gar keine Zeit haben, andere anzusehen. Warum sollte ich auch?“ Behutsam drückte er ihre Finger. „Ich will nur dich“, wiederholte er eindringlich.
    „Wir werden sehen“, gab sie einsilbig zurück, ging um ihn herum und lief auf dem schattigen Waldweg weiter.
    Er schluckte und seine Hand, die ihre eben noch umklammert hatte, war mit einem Mal schweißfeucht. Wofür hielt sie ihn? Für einen herzlosen Schuft?
    Rasch holte er auf und lief dann stumm neben ihr her. Auf dem Aussichtspunkt, der das Ziel ihres Spaziergangs war, atmete er tief durch und ergriff ihre beiden Hände.
    „Ich sage dir jetzt etwas“, begann er, „und ich beichte dir gleich: ich bin nicht gut in sowas. Also lach bitte nicht.“
    Sie sah ihn erschrocken an und öffnete den Mund, um etwas zu entgegnen, doch er kam ihr zuvor. „Ich liebe dich“, platzte er heraus und lachte gleich darauf nervös. „Das hört sich idiotisch an, ich weiß, aber du bist alles, was ich will.“
    Er konnte sehen, was diese Worte bei ihr bewirkten. Ihre Miene war ein Spiegel ihrer Empfindungen: Fassungslosigkeit. Entsetzen und dann – tiefe Trauer.
    Erschrocken umfasste er ihr blasses Gesicht und entdeckte Tränen in ihren Augen. Impulsiv schlang er die Arme um sie und zog sie an seine Brust. „Habe ich dich erschreckt?“, fragte er. „Wovor hast du Angst? Wir sind zusammen und ich sage es dir noch einmal: Ich liebe dich. Mein Herz gehört dir. Heute und für immer. Egal, was andere sagen. Wir brauchen niemanden sonst, wenn wir einander haben. Keine Eltern, keine WG-Typen, keine fremden Mädchen. Komm zu mir und lass mich für dich sorgen. Ich werde aufpassen, dass dir niemand mehr wehtut, versprochen.“ Ein leises „Bitte“ anfügend schmiegte er sein Gesicht in ihr blondes, fast weißes Haar.
    Eine Träne rann über ihre Wange, dann barg sie den Kopf an seiner Schulter. „Ich werde die Schule wechseln“, flüsterte sie und er musste sich anstrengen, sie zu verstehen. „Nach den Ferien bin ich weg. Es geht nicht anders. Aber du sollst wissen, dass ich dich nicht vergessen werde. Leb wohl.“
    Sprachlos packte er sie an den Schultern, schob sie ein Stück von sich weg, um sie anschauen zu können. Doch bevor er fragen konnte, was das sollte, hatte sie sich umgedreht und rannte davon, mitten hinein in den herbstlichen Wald. Zurück blieb ein vernichtender Schmerz in seiner Brust und seine Hände krallten sich in die Jacke, als könnten sie ihn auf diese Weise lindern.
    Er hatte sie verloren, sie war fort.


    ~~~~~~~~~~~~


    Die Schleppe des langen, weißen Kleides raschelte leise, als sie durch die Räume ihres Palastes schritt. Aus Millionen und Abermillionen Schneekristallen gewebt, schimmerte es so hell, dass es selbst die Sonnenstrahlen blass aussehen ließ, die durch das Eis der hohen, blau schimmernden Saaldecken drangen. Es war so unsagbar kalt, dass der Atem kleine Wölkchen vor ihrem Mund bildete, und ihre Schritte wirbelten die dünne Schneeschicht auf, die den Boden bedeckte. Eisgeister, ihre Bediensteten, huschten vor ihr her und entzündeten die Leuchter in den Gängen, durch die sie ging. Die blauen Flammen ließen den Reif glitzern in ihrem kunstvoll geflochtenen und hochgesteckten weißen Haar, auf dem eine Krone aus Eiskristallen thronte. Ihre Schultern umschmiegte ein weicher Schneefuchspelz und ein glitzerndes Geschmeide aus Eisperlen lag auf ihrer bloßen Haut. Doch sie fror nicht. Ihre ganze Aufmerksamkeit war auf den Gegenstand gerichtet, den sie in den Händen hielt. Behutsam, als könne er bei zu festem Griff zerbrechen, trug sie ihn vor sich her.
    Zwei Eistrolle, die ihre Garde bildeten, rissen die reifüberzogenen Türflügel der Schatzkammer vor ihr auf, als sie sich näherte, und schlossen sie hinter ihr wieder. Niemand außer ihr selbst hatte Zutritt zu diesem Gewölbe.
    Sie trat an eine Wand, hob den Gegenstand in ihren Händen vor ihre Augen und betrachtete ihn. Ein Hauch von Traurigkeit huschte über ihr blasses, makelloses Gesicht.
    „Wie versprochen“, flüsterte sie traurig und ihre Stimme zitterte leicht, „ich werde dich nicht vergessen. Deines war das beste bisher. So warm und groß und voller Liebe - einfach perfekt. Genau wie es sein muss, um mir im Winter seine Kraft geben zu können. Kraft, die ich brauche, um einen weiteren Frühling, Sommer und Herbst zu überstehen. Ich wollte das nicht, ich will es nie und muss es doch jedes Jahr wieder tun. Ich habe keine andere Wahl. Es tut mir so leid, Adrian.“
    Und neben unzählige andere, bereits grau und verschrumpelt aussehende hängte die Herrin des Winters Adrians blutrotes, schlagendes Herz an die Wand.

    Hallo Oriane ,

    ich habe die beiden Kapitel jetzt in einem Rutsch gelesen und kann nur sagen: MEEEEEHR!!!

    Thema, Schreibstil, Charaktere, Beschreibungen, Dialoge - alles passt für mich, ich habe keinerlei Kritik, Fragen oder Verbesserungsvorschläge. Und ich würde gerne Weiterlesen! :thumbup:

    Ich bin inzwischen bei "Prinz der Klingen", dem zweiten Band der Schattentrilogie, angekommen. Nach wie vor ungeheuer spannend: Nachdem ich den ersten Band ins Regal zurückgestellt habe, musste ich gleich den zweiten beginnen. Mich fasziniert, wie Torsten Fink es versteht, so viele verschiedene Handlungsstränge mit so vielen Charakteren parallel laufen zu lassen, ohne dass der Leser den Überblick, die Orientierung und damit die Lust am Weiterlesen verliert. Man springt - vom Autor an der Hand genommen - von einem Szenario ins andere und weiß trotzdem sofort wieder genau, was dem Charakter, den man da wiedertrifft, als Letztes passiert ist.

    Hallo, Remoni ,

    ich war auf der Suche nach etwas Lesestoff und bin hier gelandet. :)

    Das Spiel kenne ich nicht, gehe also völlig "unbeleckt" in deinen Text rein. Was mir so aufgefallen ist, setz ich mal in einen Spoiler.