Beiträge von Tariq

    Ich lese zum zweiten Mal den "Prinz der Schatten" von Torsten Fink. Es ist das erste Buch von drei Bänden, die ich damals nach dem Kauf förmlich verschlungen habe. Torsten Fink gehört seit der "Der Sohn des Sehers"-Reihe zu meinen Lieblingsautoren.

    Die Trilogie mit dem "Schatten" Sahif aus Hauptcharakter, der bei einem Auftrag verunglückt und dann in einen Strudel aus Verrat, Gewalt und Intrigen hineingezerrt wid, hat mich von Anfang an in ihren Bann gezogen. Empfehlung für alle, die Fantasy mit wirklich viel Fantasie mögen und bei denen Bücher erst ab 400 Seiten anfangen. :D

    Vielen lieben Dank, liebe Stadtnymphe , ich freu mich, dass es dir gefallen hat.

    (Teil 2/2)


    Ida hastete durch den Wald, um möglichst schnell auf der Wiese anzukommen. Ihre anfängliche Furcht hatte sich gelegt und mutig sprang sie erneut über den Bach. Beim Pflücken war sie nicht recht bei der Sache, immer wieder schweiften ihre Blicke durch die dornigen Ranken auf der Suche nach ... nach was? Sie wusste es nicht und tröstete sich mit dem Gedanken, dass es ein einzigartiger Fund gewesen war, denn Prinzessinnen blieben nicht an jedem Tag im Brombeergestrüpp hängen.

    Als die beiden Körbchen voll saftiger Früchte waren, sah sie sich mit leisem Bedauern noch einmal um und entdeckte plötzlich einen Schuh unter einem der Sträucher. Rasch raffte sie den schweren Rock bis zu den Knien, bückte sich und streckte die Hand aus.

    Es war, als wöge er nichts, als sei er aus Luft gemacht, so leicht lag er in ihrer Hand. Leder und Sohle waren dünn wie der zarte Stofffetzen und die Farbe schwer bestimmbar. Mal schimmerte er hellblau, dann wieder rosa und manchmal glitzerte er wie Tau auf dem Gras.

    Atemlos betrachtete Ida ihren Fund. Er war so klein, dass er ihr passen würde. Doch hineinzuschlüpfen traute sie sich nicht. War die Prinzessin noch einmal hier gewesen? Behutsam strichen ihre Finger über den seidigen Stoff, während sie sich erneut suchend umsah. Wo war der zweite? Sie entdeckte ihn nirgends. Schnell schob sie den Fund in ihre Bluse, griff die beiden Körbe und rannte nach Hause.

    Der Schuh kam zu dem Stoff unter die Matratze. Ab diesem Tag fand Ida keine Ruhe mehr. Ungeduldig wartete sie darauf, dass die Mutter sie erneut in den Wald schickte. Doch das Wetter hatte sich verschlechtert und die Waldwege waren sumpfig geworden. Drei Tage musste sie ausharren, bis sie eines Morgens wieder ihre Körbchen greifen und in den Rotterforst eilen konnte. Schnurgerade führte ihr Weg sie zum Förstersitz und über den Michelbach. Diesmal beeilte sie sich noch mehr mit dem Pflücken, denn das wollte sie zuerst erledigt haben, bevor sie nach neuen Schätzen suchte.

    Es dauerte keine Stunde, da war sie fertig. Die Brombeerbüsche trugen schwer und die Körbe hatten sich rasch gefüllt. Ida stellte sie unter eine Kiefer und begann eifrig zu suchen. Sie wanderte den ganzen Rand der Wiese ab, bis sie wieder am Förstersitz ankam. Doch es schien wie verhext - heute wollte sich nichts finden lassen. Ratlos sah sie sich um.

    Ihr Blick fiel auf einen kleinen, kahlen Busch direkt in der Mitte der Wiese. War der vorhin schon dagewesen? Und glänzte dort nicht etwas?

    Hastig rannte sie hin, um zu sehen, was es war. Ein Schmuckstück hatte sich in den dürren Ästchen verfangen, eine zierliche Kette. Fasziniert starrte sie darauf. Dieser Fund war so wertvoll, dass sie ihn unmöglich behalten konnte. Der Vater würde ihn verkaufen und Medizin für den kleinen Paul ...

    Während dieser Gedanken hatte sie die Hand ausgestreckt, um den zarten Halsschmuck von dem Zweig zu nehmen.

    Da schoss eine andere Hand an ihr vorbei, packte ihren Arm und riss ihn zurück.

    Ida erschrak so sehr, dass sie auf ihrem Allerwertesten im Gras landete. Als sie aufschaute, sah sie direkt in die zornsprühenden Augen ihres großen Bruders.

    „Was tust du da?!“, schrie er. „Das dritte darf man nicht nehmen!“

    „Was?“ Entgeistert starrte Ida Hannes an. Wie kam er hierher und was meinte er mit den rätselhaften Worten?

    „Beinahe hättest du großes Unglück über dich gebracht!“ Die Stimme des Vierzehnjährigen klang zornig, doch auch Sorge schwang in ihr mit. Er reichte Ida die Hand, um ihr beim Aufstehen zu helfen.

    „Den dritten ...“, stammelte sie hilflos. „Woher weißt du ...?“

    „Ich habe gesehen, dass du etwas Glänzendes unter deiner Matratze hast. Als du weg warst, nahm ich es heraus und betrachtete es. Weil ich nicht wusste, was das war, brachte ich den Stoff und den Schuh gestern zur Alten.“

    Ida schluckte. Die Alte war eine Frau im Dorf, deren wahres Alter niemand kannte. Sie war schon immer dagewesen und wusste unheimlich viel über die Markung, die das Dorf und den Rotterforst, den Michelbach und auch die Sylvani-Wiese umfasste. Seltsame Dinge wurden der krumm gehenden Frau nachgesagt, manche flüsterten gar, dass sie eine Hexe war.

    „Und was hat sie ...?“, stammelte Ida furchtsam.

    „Sie fragte, wo ich das herhabe. Ich erzählte ihr, dass du es wohl beim Beerenpflücken gefunden hast. Da wollte sie wissen, wo du gepflückt hast, und das wusste ich nicht. Es seien Sachen, die die Sylvani auf ihrer Wiese auslegen, um unschuldige Kinder zu fangen, hat sie geflüstert. Glänzende, wertlose Gegenstände. Nur das Dritte ist wirklich kostbar. Aber wer den dritten Fund an sich nimmt, zahlt einen hohen Preis. Den holen die Sylvani zu sich, sobald er das sechzehnte Lebensjahr vollendet hat.“

    „Sylvani …?“, stammelte Ida verständnislos. „Wer ist das?“

    „Sylphen! Luftgeister! Die kennst du doch!“ Er atmete tief durch. „Ich nahm mir vor, dich auf keinen Fall noch einmal zur Wiese gehen zu lassen. Aber heute Morgen warst du schon weg, als ich mit dem Füttern der Hühner fertig war. Ich bin dir sofort nachgerannt und wohl gerade rechtzeitig gekommen.“

    Mit offenem Mund starrte Ida den Bruder an. Der dritte Fund … und mit sechzehn … Ihr Blick wanderte zu der glitzernden Halskette, die an dem dürren Zweiglein schaukelte.

    „Komm!“ Hannes, der es sah, ergriff ihren Arm und zog sie rüde hoch. „Nimm deine Körbe. Wir gehen heim. Und lass dir nicht einfallen, noch einmal diese Wiese zu betreten.“

    Benommen kam Ida auf die Füße und gehorchte. Vor ihrem Bruder hergehend sah sie kein einziges Mal zurück, bis sie den Förstersitz erreichten, über den Michelbach sprangen und unter den Bäumen des Rotterforstes verschwanden.

    Ein leises Raunen wisperte durch die Kiefern, säuselte zwischen den Brombeerbüschen hindurch, liebkoste die Grashalme und streichelte den kleinen Busch in der Mitte der Sylvani-Wiese. Mit einem letzten Glitzern leuchtete die Halskette auf, bevor sie sich flimmernd in Nichts auflöste.


    Meine diesjährige urlaubs-inspirierte Geschichte ist zu kurz für einen eigenen Thread, deshalb packe ich sie hier rein. ^^ Viel Spaß! :)

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    Der Preis der Sylphen

    (Teil 1/2)


    Die Sonne kletterte gerade erst auf die Wipfel der Kiefern im spätsommerlichen Rotterforst, als Ida durch den Wald stiefelte. Den Mund hatte die Siebenjährige trotzig verzogen und ihre Schritte verrieten Entschlossenheit. Das Bastkörbchen in der schmutzigen, kleinen Hand war kaum bodenbedeckt mit Brombeeren. Und dabei hatte die Mutter ihr eingeschärft, nicht nach Hause zurückzukommen, bevor das Körbchen voll war.

    Missmutig seufzte Ida. Sie wusste, dass die Beeren morgen auf dem Wochenmarkt verkauft werden sollten und die Familie das Geld dringend brauchte. Pauli, das kleine Brüderchen, war krank und die Medizin hatte drei Taler gekostet. Deshalb musste auch Hannes, ihr großer Bruder, jeden Tag für den Gastwirt Holz hacken.

    Aber heute Morgen hatte sie kaum Brombeeren finden können und beim Überlegen, wo sie es noch versuchen konnte, war ihr die Sylvani-Wiese eingefallen. An deren Rand sollte es viele Brombeerbüsche geben. Doch niemand getraute sich dorthin, weil es Geschichten über den seltsamen Grasflecken mitten im Hochwald gab. Geschichten, die einen schaudern ließen und von Waldgeistern, Feen und Gnomen erzählten. Auch Ida kannte die Erzählungen und die Eltern hatten ihren Kindern verboten, die Wiese zu betreten.

    Doch die Mutter erwartete ein volles Körbchen und nach einem kurzen Augenblick des Zögerns machte sich Ida auf den Weg. Sie wollte herausfinden, ob es dort wirklich Brombeeren gab. Unterwegs sprach sie sich selbst Mut zu, denn ganz wohl war ihr nicht dabei. Ihre Schritte waren zögerlich und als sie über den schmalen Michelbach sprang, verhedderte sie sich in ihrem groben, bodenlangen Leinenrock. Aus der Landung wurde beinahe ein Sturz und sie verlor einen ihrer Holzpantoffel. Während sie den kleinen Fuß wieder hineinschob, huschte ihr Blick über das, was sich ihren Augen bot.

    Der Förstersitz neben dem Bach war für jeden Dörfler der Punkt zum Umkehren, denn jenseits des klaren Rinnsals begann die Wiese. Sie war nicht groß, aber größer als der Anger des Dorfes. Ihren Rand säumten hohe Kiefern und niedrige Büsche und das Gras war üppig und sattgrün.

    Brombeeren, erkannte das Mädchen freudig, als es die dunkelgrünen Blätter entdeckte. Aufmerksam sah es sich um. Es war nichts zu entdecken, was ihm seltsam vorkam. Kein Waldgeist oder Gnom, nicht einmal ein Tier, das sich an dem saftigen Grün gütlich tat. Die Wiese lag still im vormittäglichen Schatten, da die Sonne noch nicht über die Kiefernwipfel schaute.

    Erneut kam ihr das Verbot der Eltern in den Sinn, aber sie ballte entschlossen die Faust und griff den Korb fester. Schnell huschte sie durch das noch taufeuchte Gras zu den Büschen, deren leuchtende Beeren reiche Ernte versprachen. Es dauerte nicht lang, da war das Körbchen voll.

    Ida wollte sofort zurück zum Förstersitz eilen und dort über den Bach springen, doch da nahm sie aus dem Augenwinkel ein Glitzern wahr. Verwundert wandte sie den Kopf. Was war das gewesen?

    Da sah sie es wieder. Etwas glänzte in den Brombeerbüschen. Langsam ging sie darauf zu, kniete sich hin und schob vorsichtig die Hand zwischen die dornigen Triebe. Sie brauchte eine Weile, bis sie das federleichte, glitzernde Etwas erwischte.

    Es war ein Stück Stoff, ein leichtes Gewebe, so zart, wie sie es nie vorher gesehen hatte.

    Ehrfürchtig betrachtete sie es. Es schimmerte in allen möglichen Farben und die Sonne, die den Rand der Wiese inzwischen erreicht hatte, ließ diese immer wieder anders schillern. Man konnte hindurchschauen und es wog nicht mehr als ein Spinnennetz, doch es zerriss nicht, als sie vorsichtig daran zog.

    Der Stoff musste ungeheuer kostbar sein. Wie kam er hierher? Hatte ihn eine Prinzessin verloren? Oder ein reicher Kaufmann?

    Ida beschloss, ihren gefundenen Schatz niemandem zu zeigen, und schob ihn behutsam in die Tasche ihres Rockes. Dann nahm sie ihr Körbchen auf und rannte zum Bach.

    Zu Hause versteckte sie das hauchzarte Gewebe unter ihrer Matratze, gleich nachdem sie ihre Beeren bei der Mutter abgeliefert hatte. In den folgenden Tagen musste sie ständig daran denken. Sie ärgerte sich, weil sie sich nicht weiter umgesehen hatte. Vielleicht war die Prinzessin noch in der Nähe gewesen?

    Ob sie noch einmal zur Wiese gehen sollte? Ihr war ja dort nichts geschehen. Bestimmt hatte man die Geschichten, die über sie erzählt wurden, nur erfunden, um Kinder zu erschrecken.

    Die Entscheidung wurde ihr abgenommen, als die Mutter sie zwei Tage später erneut zum Brombeerpflücken schickte. Die großen, süßen Beeren hatten sich rasch verkauft und die Leute in der Stadt wollten mehr davon. Martha, die jüngere Schwester, sollte sie deshalb begleiten.

    Hastig wehrte Ida ab. Der Weg zu der Stelle mit den tiefschwarzen Früchten sei zu weit für die Fünfjährige, verkündete sie und versprach, dass sie sich früher auf den Weg machen und zwei Körbchen voll pflücken würde.

    Die Mutter gab nach und sobald der Vater das Haus verließ, um zum Kartoffelacker zu gehen, stürmte das Mädchen aus der Haustür. Der Morgen war kühler als vorgestern und die Strahlen der niedrigen Sonne bahnten sich gerade erst den Weg durch die Baumstämme.


    AFG

    Ich habe gerade "Das Herrenhaus im Moor" gelesen, ein Buch, das ich im Regal unseres Ferienhauses gefunden und mit Begeisterung verschlungen habe. Urlaubslektüre, ja, bis man zwei Drittel gelesen hat und das Ganze dann merklich Fahrt aufnimmt und man es fast nicht mehr aus der Hand legen kann.

    Zum Inhalt möchte ich nicht viel sagen, aber ich mag halt Romane, die auf mehreren Zeitebenen gleichzeitig ablaufen und mich zwingen, mich ständig an die jeweils aktuelle Zeit anzupassen. Das hat die Autorin mMn hervorragend geschafft.

    Die Protagonistin Laura hat mich einige Male dazu gebracht, verzweifelt den Kopf zu schütteln wegen so viel Naivität und mangelnder Vorsicht. Aber es sei ihr verziehen, denn viele spannende Sequenzen des Buches resultierten genau daraus.

    Mein Fazit: Man muss ein Faible haben für Zeitsprünge und viele Protagonisten (was das Vorhandensein von zwei Zeitebenen ja irgendwie mit sich bringt). Und man sollte England und alte Herrenhäuser und eine großen Portion Rätsel im Plot lieben. Das Ganze gewürzt mit eine Prise Schauer, Gänsehaut und Grauen und einer gerade noch vertretbaren Menge an Romantik. Alles in allem - Daumen hoch!

    Dein Einstieg hat mir gut gefallen und er lässt auf eine tolle Geschichte hoffen. Die vielen ungewohnten Namen habe ich zwar nicht alle behalten können, aber ich schätze mal, wir werden ihnen später nochmal wiederbegegnen und ein paar mehr Informationen zu Geografie und Biologie deiner Welt bekommen. Von daher stört mich das nicht.

    Du hast uns einen kurzen Blick gewährt auf etwas, was vergangen war und nun wohl erneut den Frieden bedroht und Elgar somit Sorge bereitet. Das hört sich spannend an und ich freu mich auf mehr.

    Hallo, N. Kalinina ,