....Staub wirbelte auf (Kurzgeschichte aus dem DSA-Universum)

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  • Staub wirbelte auf
    von Tom Stark


    ... und Staub wirbelte auf, als die Reiter ihre Tiere in Gang setzten. Nachdenklich blickte ihnen die Rothaarige hinterher. Sie hatte kein gutes Gefühl bei der Sache. Mochte sein, dass die orkischen Besatzer weich und dekadent waren, aber so einfach eines ihrer Kriegslager frontal anzugehen, das konnte einfach nicht gut sein. Mit einem langen Blick zu der einzigen Person, die auch zurückblieb wurde ihr bewusst, dass sie vielleicht zu wenig getan oder gesagt hatte um das Übel noch abzuwenden.
    »Mak di keene Sorchen, Maide. Dat is n Sak vo n de dumme Krieche. Pakeme s Zeuch un lofe me hinedrin. Kenne me de Rest insammle, wenn me uf se treffe.«
    Mit diesem Worten schlimmsten thorwaler Fjorddialekts, versuchte der Hüne mit dem so typischen Namen Lasse, sie aufzumuntern.
    Trotz der Kälte hatte der Hjaldinger außer Pelzstiefeln und einer schweren Lederhose nur eine sogenannten Krötenhaut an, welche die halbe Brust und die Arme völlig frei ließen. Zwei Skrajas, kurze thorwalsche Handäxte, ein Wurfbeil und eine gigantische Streitaxt ließen jeden Zweifel verfliegen, welche Art von Arbeit der Hüne eigentlich verrichtete. Doch obwohl die Rothaarige wesentlich kleiner und zierlicher war, und so gar keinen kriegerischen Eindruck machte, hatte er ihren Rat beherzigt und sich nicht dem Kriegszug angeschlossen.
    Dennoch hatte er die Männer nicht abgehalten mitzureiten, um den Orken durch eine harte Aktion das Fürchten zu lehren. Wahrscheinlich hätten sie auch kaum auf den Riesen gehört, der aus ihrer Sicht kulturell kaum über den Orken anzusiedeln war. Doch das war ihm gleichgültig. Er hatte lediglich Verachtung für jene übrig, die seine Reisegefährtin verlachten. Schon fast drei Winter begleitete er sie, oder sie ihn, und noch selten hatten ihre Ahnungen getrogen. Auch wenn er selbst bei weitem nicht so abergläubisch war, wie der Großteil seines Volkes, hatte er doch gelernt, die Ahnungen solcher Sensibelchen, wie er seine Freundin oft in Gedanken nannte, zu respektieren. Nichts desto trotz, hatte er Mühe seine Wut zu bändigen, die ihn ständig in den Kampf trieb und die ihn auch bewogen hatte, seine Heimat zu verlassen. Hin und her gerissen fuhr er sich mit seiner Riesenpranke durch das flachsblonde, verfilzte Haar. Mit einem Knurren packte er das große Packen, schwang es sich auf den Rücken und wartete, dass seine farbenfrohe Gefährtin sich endlich bewegte.
    Die Frau mit dem feuerroten Haar war gut einen Spann kleiner als ihr Gefährte. Unter dem dichten Pelzumhang hatte sie die, sich vierfach überlappende, bunte Kleidung der Avesgeweihten an. Auch ihre Füße steckten in dicken Pelzstiefeln. Sie drehte ihr hübsches Gesicht dem Mann zu, der ihr schon alles war, Gegner, Bruder, Medicus, Lehrer, Lastesel und sogar Geliebter.
    Wie immer musste sie auch diesmal den mehr als zwei Schritt großen und wenigstens 120 Stein wiegenden Riesen mit einer Mischung aus Unglauben und Erstaunen betrachten. Wie konnte ein einzelner Mensch nur so groß und stark sein? Doch es war die erstaunliche Sanftheit, der natürliche Witz und die unbeugsame Loyalität, die hinter aller Wildheit und Urgewalt stand, die sie liebte - von seinem warmen Körper in den kalten Nordnächten ganz zu schweigen. Lächelnd ergriff auch sie ihren Packen und schulterte ihn mit einer für ihre Statur ungewöhnlichen Leichtigkeit. Vielleicht wirkte sie auch nur neben dem Hünen so zierlich, denn ihre Schritte waren die einer kräftigen jungen Frau, die das Wandern mit schwerer Last gewohnt war. Der Thorwaler holte mit langen Schritten die Frau ein und passte dann seinen Gang dem der Frau an. Mit dem schnellen Schritt ausdauernder Läufer folgten die beiden in stummer Harmonie der breiten Spur der Reiter.
    Die Zeit des Morgengrauen ging vorüber und am Horizont erhob sich mit schwachen Strahlen die Praiosscheibe.


    ... und nur wenig Staub wirbelte auf, als die lange Reihe von Kriegern ihre edlen Rösser auf der Düne zum Halten brachten.
    Prächtig sahen sie aus, die Männer vom Stamme der Uled Tschabasch, eines stolzen und gefürchteten Stammes der Khom. Wüstenräuber nannten sie andere Stämme und auch die Karawanen bezeichneten sie so. So oder Sandwölfe.
    Doch die Tulamiden sahen sich vielmehr als Krieger, als die wahren Herren der Khom. War es da nicht recht und billig, wenn sie sich das nahmen, was ihnen zustand? Einen tapferen Gegner würden sie nicht in feiger Überzahl auslöschen, doch ein feiger Gegner war nicht würdig, den Sand der Khom zu entweihen. Ein würdiger Gegner, müßte nicht einmal mit dem Tod rechnen. Denn solche Gegner mußte man achten, gab es davon doch wenige und waren sie nicht die Lieblinge Rasthullahs?
    Vermummt von den Schals ihrer Haiks, die sie sich vor dem Mund um den Kopf geschlungen hatten, waren nur die dunklen Augen zu sehen. Mit undeutbarem Blick sahen die Sandwölfe auf das Durcheinander im Karawanenlager, als jemand der Reiter gewahr wurde.
    Die Handvoll Mietlinge, die zum Schutz der Karawane angeheuert worden waren, sahen auf die Düne und warfen sich wie auf ein Zeichen auf ihre Pferde und preschten aus dem Lager, weg von der Gefahr der Sandwölfe – so glaubten sie zumindest.
    Der Anführer der Uled Tschabasch verzog unter seinem Schal verächtlich den Mund und hob die Hand. Zwanzig seiner Männer, kaum die Hälfte seiner Schar, erhoben bereitgehaltene Bögen gen Abendhimmel und als er die Hand sinken ließ stob ein Pfeilgruß zuerst gen Himmel um in einem großen Bogen über das Lager als tödlicher Regen auf die fünf flüchtenden Reiter niederzugehen. Drei fielen sofort aus den Sätteln, ein weiterer 100 Schritt später, nur der fünfte entkam mit einem Pfeil im Arm und einem Streifschuß am Rücken, doch sein Weg sollte schon vor Mitternacht ins Dunkel des Todes führen. Verwundet und ohne Wasservorräte ist in der Khom nur eines der vielen Beschreibungen von schon tod.
    Doch im Lager legte sich die anfängliche Verwirrung ein wenig. Auch versuchte keiner mehr zu flüchten, wohl wegen der eindrucksvollen Demonstration der Bogenfertigkeit.
    Was jedoch den Anführer der Krieger verwunderte, war die Ordnung, mit der im kleinen Lager verfahren wurde. Die Kinder und Frauen wurden in die Zelte geschickt und die Männer bewaffneten sich und bildeten fast so etwas wie eine geordnete Front. Doch das allein war es nicht, was den Scheiksohn und dessen Männer erstaunte. Vielmehr war es die bunt gekleidete, rothaarige Gestalt die mit ruhiger und klarer Stimme Anweisungen rief. Doch es schockierte sie nahezu, daß es sich hierbei um eine Frau handelte.
    Das scharfe Auge des Scheiksohn konnte einen Blick in das schöne Gesicht der jungen Frau werfen. Sofort schlich sich ein seltsames Verlangen in sein Herz. Er wollte diese Frau besitzen, doch er wollte sie ganz besitzen, nicht nur ihren Körper – und, auch wenn er es nie ausgesprochen hätte, er wollte, dass auch sie ihn besitzen sollte.
    Da ergriff die Frau ihren Stab und stellte sich an die Spitze ihrer Männer. Oh ja, nun gab es keinen Zweifel. Sie hatte das Kommando und sie würde kämpfen – gut kämpfen, wie er das sichere Gefühl hatte. Doch nun galt es ihren Mut zu testen. So erhob er zum zweiten Male die Hand und mit einem vielfachen Schrei, der wie der Kriegsruf eines einzelnen gewaltigen Wesens klang, jagten die Krieger ihre Rösser aus dem Stand in den Galopp und hielten mit gesenkten Lanzen auf die Gruppe Verteidiger zu. Mehrere schauten sich ängstlich um, aber ein scharfes Wort der Frau richtete ihre Blicke auf die Reiter zurück. Entschlossen verstärkten sie den Griff um ihre Waffen. War es nur die Dämmerung, die es vortäuschte, oder gingen die Verteidiger gar einige Schritte den ankommenden Feinden entgegen?
    Bevor es zu einer Feindberührung kommen konnte schwenkten die Reiter rechts und links aus und bildeten einen großen Kreis um das Lager. Über den Ausgang eines Kampfes konnte es gar keinen Zweifel geben. Doch hier war man auf würdige Wanderer der Khom gestoßen. Es mußte nicht zwingend zu einem Gemetzel kommen.
    Ruhig stand der Ring aus Reitern um das Lager. Wäre nicht das Wehen der Schweife der Pferde gewesen, es hätten dunkle Statuen sein können, welche aus dem Boden gewachsen schienen. Die Rothaarige betrachtete sich das Ganze einige Augenblicke und ging dann zielsicher auf den Scheiksohn zu. Dieser war nicht wenig verwundert, woher diese offensichtlich güldenländische Frau so genau wusste, wer ihr Ansprechpartner war.
    »Aves zum Grusse, Herr der Kriegsschar und Sohn der mächtigen und stolzen Uled Tschabasch, deren Ruf wie Donnerhall das Herz ihrer Feinde erschüttert!«
    Dieser Gruß war in bestem Tulamidisch vorgetragen und schon zweifelte der Scheiksohn an seiner Einschätzung. Auch war die Stimme klar und frei von jedweder Furcht, fast war es ihm, als ob die schöne Fremde sich ihm überlegen wähnte. Nun war es jedoch an ihm, ihr zu antworten: »Rasthulla aleikum, schöne Feuerblüte, deren Duft betören und schmerzen kann. Nachdem wir euch von den räudigen Hundesöhnen der Feigheit befreit haben, bitten wir um eure Gastfreundschaft um die Bedingungen des Zolls zu bereden, welchen wir von euch erheben werden!«
    Nach dieser Einleitung stieg der Scheiksohn ab und die Rothaarige winkte einem Mann, Wasser, Salz und Brot zu bringen, welches sie dem Krieger dann anbot. Dieser konnte sich kaum losreißen, von dem Anblick ihrer grünen Augen und nahm mit leichter Verzögerung die Gabe. Das Funkeln in den Augen der Buntgewandeten faszinierte ihn, wenngleich er sehr wohl den freundlichen Spott darin sah. Zusammen gingen sie zum Feuer und verhandelten, was als Abgabe zu entrichten sei. Um das Feuer hatten sich die Bewohner des Lagers in einem Kreis versammelt und um das Lager hatten die Uled Tschabasch einen großen Kreis gebildet, als sie abgestiegen waren und sich zu kleinen Gruppen versammelt hatten.
    Als alles genannt war, was als Zoll dienen sollte, machte der Scheiksohn jedoch einen weiteren Vorschlag: »Deine Augen sind wie Smaragde und wie der dunkle Himmel am Horizont. Dein Haar leuchtet heller als das Feuer und deine Stimme ist lieblich wie der Gesang Radshas, der schönsten Frau Rastullahs. Folge mir und werde meine Gefährtin, die Herrin meines Harems und die Verwahrerin meines Herzens. Mein Brautgeschenk soll der Schutz dieser Karawane und die Erlassung des Zolls sein!« Erwartungsvoll blickte er der schönen Frau entgegen und er war erleichtert, in ihrem Blick weder Widerwillen noch Spott zu erkennen. Vielmehr erwiderte sie sanft: »Dein Herz ist wie die Weite der Khom und dein Mut übertrifft den eines Löwen. Deine Stimme ist fest und gebieterisch und zugleich klar wie die Wasser der Oase Keft. Gerne würde ich deine Frau werden und dir viele stolze Söhne schenken, doch mein Schicksal ist ein anderes. Doch ich mache dir einen Vorschlag. Wir wollen um diesen Einsatz spielen. Gewinne ich zuerst neunmal, dann ist mein Schicksal stärker als unsre Herzen und die geleitest uns sicher zum Ziel und wir behalten den Zoll. Gewinnst du aber zuerst neunmal, so ist mein Schicksal schwächer als dein Verlangen und ich folge dir in dein Zelt!«
    Rasch wurde ein Teppich gebracht und der Scheiksohn selbst brachte die Spielfiguren, 30 weiße und 40 rote Kamele. Es waren nicht die besten 17 Spiele, welche die Khom je gesehen hatte und es ging auch schon um wesentlich höhere Einsätze, aber alle Zuschauer, und bald waren das Karawanenleute und Uled Tschabasch, die gemischt in größter Eintracht beisammen saßen, beschworen, daß sie nie wieder eines sahen, indem die Kontrahenten sich derartig leidenschaftliche Blicke zuwarfen.
    Es war weit nach Mitternacht, als die siebzehnte Partie gespielt war. Alle begaben sich zur Ruhe. Die Wüstenwölfe stellten ein Dutzend Wachen auf und nicht wenige schmunzelten, wenn sie an jenem Zelt vorbeikamen, in dem der Scheiksohn und die Rothaarige verschwunden waren und aus dem bis zum Morgengrauen immer wieder die lustvollen Laute sich Liebender durchs Lager hallten.
    Dann rüsteten sich alle zum Aufbruch und die Männer der Uled Tschabasch bestiegen ihre Rösser um die Karawane sicher an ihr Ziel zu bringen. Sowohl der Krieger als auch die Frau, die den Trupp anführten wirkten jedoch nicht im mindesten müde.
    Am morgendlichen Horizont tauchten Praios Strahlen den Himmel in feuriges Rot, aber auch in das zarte Rot der Rahja....


    ... Staub wirbelte auf, wo soeben eine muskulöse Kämpferin zu Boden ging. »Bei Rondra, dein Schlag ist wie der Tritt eines Maultiers!«, keuchte die Kämpferin, die sich mit zitternden Muskeln erhob. 185 Finger war die stattliche Größe der blonden Kriegerin, die außer dem Streifenrock und dem am Körper klebenden und nun dreckigen weißen Leinenhemd nichts an hatte. Wild schüttelte sie ihr langes Haar und ihre stahlblauen Augen blitzten ärgerlich – ärgerlich über sich selbst. Sie hätte es doch zum Pferdeschwanz binden sollen, doch sie hatte die kleinere Rothaarige gründlich unterschätzt.
    Vor zwei Tagen war sie auf die schöne Avesgeweihte getroffen. Und obwohl ihr die gefährlich demokratischen Tendenzen des Aveskultes zuwider waren, war sie doch sofort so angezogen von dem Funkeln der grünen Augen, dass sie einwilligte, mit der Tochter des Gottes der Wanderer, ein oder zwei Tage gemeinsam den Weg zu teilen. Zuerst war ihr das ständige Geplapper auf die Nerven gegangen und schon wollte sie ihren Entschluss bereuen. Doch am Abend kochte die Rothaarige das beste Mahl, was man wohl aus trockenem Brot, ein paar Kräutern vom Wegesrand und einer handvoll Bohnen und Weizenmehl kochen kann. Richtig überzeugt war sie jedoch, als die schöne Frau in der Kühle der Nacht unter ihre Decke gekrochen kam. Als sie auch noch die zunächst zaghaft zärtlichen Berührungen der Kriegerin zu erwidern begann und daraus eine der heißesten Nächte ihres ganzen Amazonenlebens wurde, da war ihr klar, dass sie sich verliebt hatte.
    Am nächsten Tag überraschte die Geweihte die Amazone mit der kundigen Art, wie sie das Streitroß behandelte, welches in einen Kaninchenbau getreten war. Zuerst erschien die Fessel gebrochen und schon wollte sie das Tier erlösen. Doch die Geweihte hielt sie fast empört davon ab und behandelte den vermeintlichen Bruch, indem sie zuerst etwas Speichel auf die Schwellung tat und sie danach mit Wirselkraut und einem Lederstück verband. Seitdem rasteten sie hier, weil die Rothaarige darauf bestand, dass das Tier mindestens zwei Tage Erholung bräuchte. Gegen Mittag sah die Amazone jedoch das Pferd schon wieder fest auftreten und war nun überzeugt, dass die Geweihte nur den Zeitpunkt des Abschiedes, der in Albenhus am Abend unweigerlich hätte kommen müssen, hatte verschieben wollen. Schmunzelnd trat sie also vor die Rothaarige um sie zur Rede zu stellen, nicht, dass sie böse gewesen wäre.
    Wenn sie ehrlich war, wusste sie gar nicht, warum sie es tat. Doch die kleine Geweihte hatte mit einer solchen Unschuldsmiene geleugnet, dass die Amazone wütend wurde - warum genau, das hätte sie ebenfalls nicht sagen können. So drohte sie der Geweihten an, ihr den hübschen Hintern zu versohlen, sollte sie weiterhin leugnen.
    Doch diese lachte nur und hob spielerisch die Fäuste. »Versuchs ruhig, schöne Gewittertochter!«, hatte sie gefeixt.
    Da war es der Amazone zu bunt geworden. Sie band sich die Brünne los und ebenfalls die Stiefel, da die Rothaarige ja auch keine Rüstung trug und zu dieser Jahreszeit auch keine Schuhe an hatte.
    Breitbeinig hatte sie sich hingestellt und zuerst mit halber Kraft zugeschlagen, wollte sie der frechen Göre nur einmal Respekt lehren. Doch zu ihrer Überraschung blockte die Kleinere ihre Stöße sauber ab oder lenkte sie mit gekonnten Konterhieben zur Seite. Und immer grinste sie dabei. Allmählich kochte es in der Kriegerin und ihre Attacken wurden heftiger, raffinierter und schneller. Doch noch immer wich die Avesgeweihte aus, oder blockte, so dass sie kaum einen Wirkungstreffer hinnehmen musste.
    Sie selbst griff jedoch nie ernsthaft an. Und bei allem dieses freche Grinsen - das wollte ihr die Amazone nun endgültig vom Gesicht wischen! Längst war es ihr egal, ob sie die hübsche Stupsnase dabei platt schlagen könnte. Die Kleine hatte es ja herausgefordert.
    Mit einem Löwenfauchen hatte sie sich auf die Rothaarige gestürzt. In ihren Ohren rauschte ein Wasserfall und das schwere Atmen erschien wie ein Donnern darüber.
    Da! Eine Lücke in der Deckung.
    Deutlich vor Augen, sah sie ihre linke Faust schon im Gesicht ihrer Gegnerin versinken, als diese leichtfüßig zur Seite trat und unerwartet einen harten Leberhaken anbrachte. Japsend wollte die Amazone zurückweichen, als die Geweihte die Rechte knallhart als Gerade folgen ließ und einen gewaltigen Treffer an der Schläfe landete.
    Für einen kurzen Augenblick war es dunkel um die Amazone, die nun schwer angeschlagen wieder hochkam.
    Doch da reichte ihr die Geweihte schon die Hand, das Gesicht mitfühlend verzogen: »Hoi, das war härter als beabsichtigt. Du musst wissen ich habe das Boxen von einem riesigen Thorwaler gelernt, und der war nicht zimperlich mit mir, hihi! Da lernt man auszuweichen und auf seine Chance zu lauern!«
    Die Amazone ergriff die Hand und lachte über ihre eigene Torheit. Von einem besseren Gegner besiegt zu werden ist schließlich keine Schande, und diese Lehrstunde in Punkto harmlose kleine Schönheiten, war allemal ein paar Kopfschmerzen wert. Am Abend überkam die Amazone wieder das Feuer der Rahja und sie fand in der Avesgeweihte eine bereitwillige Partnerin.
    Der Morgen graute, als sich die Amazone erhob. Die Schmerzen in Kopf und Seite waren wie weggeblasen, nicht einmal ein blauer Fleck oder eine Beule war zurückgeblieben. Das Morgenrot verdrängte die Nacht und sie schaute sich um nach der Priesterin, deren Gott man auch den Hüter des Horizontes nennt. Doch deren Sachen waren weg, wie auch sie fort war. Dennoch empfand die Amazone kein Bedauern nur Zufriedenheit im Herzen.

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    Tom Stark
    zum Lesen geeignet

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  • Ich kenne mich im DSA- Universum kein Stück aus, aber ich dachte, ich les trotzdem mal rein ^^
    Hab ein paar Kleinigkeiten gefunden:



    Hin und her gerissen fuhr er sich mit seiner Riesenpranke durch flachsblonde verfilzte Haar.

    flachsblondes verfilztes Haar/ flachsblonde verfilzte Haare

    Mit einem Knurren packte er das große Packen, schwang es sich auf den Rücken und wartete, daß seine bunte Gefährtin sich endlich bewegte.
    Die Frau mit dem feuerroten Haar war gut einen Spann kleiner als ihr Gefährte. Unter dem dichten Pelzumhang hatte sie die, sich vierfach überlappende, bunte Kleidung der Avesgeweihten an.

    Hier verwendest du zweimal in kurzem Abstand dasselbe Adjektiv zur Beschreibung


    Zitat von Tom Stark

    Der Thorwaler holte mit langen Schritten die Frau ein und passte dann seinen Schritt dem der Frau an. Mit dem schnellen Schritt ausdauernder Läufer folgten die beiden in stummer Harmonie der breiten Spur der Reiter.

    Wiederholung


    Doch am Abend kochte die Rothaarige das beste Mal, was man wohl aus trockenem Brot, ein paar Kräutern vom Wegesrand und einer handvoll Bohnen und Weizenmehl kochen kann.

    Mahl


    Kopfkino läuft ohne Probleme mit. Du findest auch immer wieder sehr schöne und originelle Beschreibungen, was das Lesen deines Textes sehr angenehm macht.
    Vom Inhalt her kann ich noch nicht so viel sagen. Hier sind drei verschiedene Lebensabschnitte ein und derselben Person (Ich gehe einfach mal davon aus, dass die Frau im zweiten Teil auch die aus dem ersten und dritten ist). Wie und diese Ereignisse zusammenspielen und auf etwas hinführen, kann ich noch nicht sagen. Es geht noch weiter, vermute ich?

  • Erstmal danke, für die Fehlersuche. Habe auch noch ein paar daß/dass gefunden.
    Die Geschichte ist an sich fertig. Mehr kommt da nicht mehr. Heute würde ich das eloquent als Episoden-Story bezeichnen, aber um ehrlich zu sein, hatte ich damals keine Ahnung vom Schreiben und habe einfach getippt, wie mir die Muse auf der Schulter das ins Ohr gehaucht hat. Ich habe festgestellt, dass ich damals schon eine Vorliebe für dreigeteilte Geschichten hatte, aber soweit ich weiß, war das unbeabsichtigt. Wäre mir mehr eingefallen, hätten es vielleicht auch 20 Episoden sein können. Im Original war die Story übrigens am Block geschrieben, ohne Sinnabsätze oder ähnliches. Die habe ich einfach "on the fly" eingebaut. Nur weil ich damals noch keine Ahnung hatte, wie man einen Text "zum Lesen geeignet" aufbaut, ist das ja keine Entschuldigung hier meine Leser damit zu ärgern.
    Tja, tatsächlich war das eine meiner allerersten Kurzgeschichten (die erste, die den Namen zurecht trug), die ich je im Internet gepostet habe, damals noch unter datenlimbus.de, einer DSA-Seite. Das war noch zur Zeit der quietschenden 56k-Modems, da war das dass mit ß noch vollkommen normal.


    Habe heute meinen Recycling-Tag oder sollte man sagen Nostalgie-Tag? (Skadi ist schuld!)
    Wobei Nostalgie ja schmerzliche Rückkehr bedeutet, also nicht wirklich stimmt. Es ist mehr wie alte Freunde aus Sandkasten-Tagen zu treffen. Zurück in den Sandkasten will wahrscheinlich aber niemand mehr...

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    Tom Stark
    zum Lesen geeignet

    3 Mal editiert, zuletzt von Tom Stark ()

  • Hi Tom ^^


    Als erstes hast du einen Fehler in deiner Thema-Überschrift =O



    Also erstmal vorne Weg:
    Dein Stil ist Bombe ... also was du hier geschrieben hast, die Wortwahl ... Hammer ...
    Passend zu jedem einzelnen Setting, die sich ja nun doch grundlegend unterscheiden ...
    Besonders der Part in der Mitte hat es mir angetan ... auch wenn der Typ blöd ist XD
    Dass die Absätze immer mit dem Staub beginnen ist auch ein schönes Stilmittel :)


    Allerdings muss ich sagen, dass ich aus dem Inhalt auch nicht wirklich schlau werde ...
    ich vermutete es hängt mit "der Rhaja" zusammen ... würdest du es mir bitte erklären?
    ich habe zwar auch schon die ein oder andere Runde DSA gespielt aber auskennen tue ich mich in den Universum jetzt wirklich nicht ...

    Writers aren't exactly people ... they're a whole bunch of people trying to be one person.
    - F. Scott Fitzgerald

  • @Miri


    ja, ich glaube, ich mach hier mal einen kleinen Workshop, damit endlich mal alle meine DSA-Stories kapieren ^^


    Aventurien ist eine Welt in der die Götter und Magie allgegenwärtig sind, dennoch nicht so alltäglich wie in anderen PnP, wie zum Beispiel D&D. Am verbreitetsten ist der Zwölfgötterglaube und anders als in der realen Welt, bewirken die Priester der Götter immer mal wieder echte Wunder, so dass es überhaupt keinen zweifel an ihrer Existenz und ihrem Wirken in der Welt gibt.
    Es ist einfach verdammt schwer zu zweifeln, wenn man eigentlich unheilbar krank und kurz vorm letzten Löffelgang durch ein Gebet und Handauflegen im entsprechenden Tempel (hier Tsa oder Pereine) danach quietschfidel wieder nach Hause spazieren kann.


    Die Rothaarige aus meiner Story ist eine Aves -Geweihte, wobei Geweihte einfach ein anderes Wort für Priester ist.
    Diese Aves-Geweihten sind dafür bekannt offen gegen die Unterwerfung unter das Feudalsystem zu predigen. Wenn einem danach ist soll er seine Wanderschuhe schnüren und seine Scholle verlassen, völlig egal ob dem Herrn Baron die Selbstverwirklichungs-Ideen seines Lehnsmanns genehm sind. Das macht sie in ihrer Welt nicht unbedingt bei den hohen Herrschaften beliebt, aber ihre offene und freiherzige Art umso mehr bei der einfachen Bevölkerung.
    Sie sind durchaus berüchtigt dafür, den ehelichen Frieden so mancher Familie mächtig zu strapazieren, aber wer sich mit einem von ihnen einlässt, weiß eigentlich auch, dass die Affaire eben nur das ist, eine Affaire.
    Aves ist der Sohn zweier Götter, nämlich von Phex und Rahja. Er ist der Gott der Abenteurer oder einfach jener, die sich vorstellen können, dass es immer noch etwas Interessanteres hinterm Horizont geben muss. Er gilt den Menschen als sehr gewogen und vereinigt viele Eigenschaften seiner Eltern auf sich, wenngleich eher spielerisch und nicht so ernsthaft.
    Seine Geweihten gelten als nicht so "mächtig", wie die der anderen Götter, aber wenn dem so ist, hat man vergessen es diesen Geweihten mitzuteilen, oder, was wahrscheinlicher ist, sie ignorieren diese angebliche Tatsache einfach.


    Phex (auch regional Fuchs gesprochen) ist der Gott der Händler und Diebe (was, wie viele glauben, ja dasselbe ist)
    Er wird meinst dann angerufen, wenn man etwas mit Glück,Geschick, List oder Raffinesse erreichen will. Ich würde ihn also als den Gott der Schlawiner bezeichnen. Es ist nicht der Reichtum der zählt (höchstens als Trophäe) sondern die Art und Weise ihn zu erringen.
    "Hilf Dir selbst, dann hilft Dir Phex.", ist eine oft gebrauchte Redewendung, in einer Welt wo Götter tatsächlich SIND, oft weit mehr als nur eine leere Phrase.
    Rahja ist die Göttin der körperlichen Liebe, der Ausschweifungen und der Schönheit. Sie hat viel Ähnlichkeit mit dem römischen Baccus.
    In ihren Tempel geht es oft ... lustvoll zu, aber man darf das keineswegs mit einem kostenlosen Freudenhaus verwechseln.
    Rondra ist die Göttin des Krieges,des ehrenhaften Kampfes und des Sturms. Die habt ihr ja schon ein paarmal durch die Augen meines Lieblingspaladin Aldarik und dessen Knappin Arnia kennen lernen können. Blitzschläge aus heiterem Himmel sind ein ziemlich sicheres Zeichen, dass sie um Deine Aufmerksamkeit bittet. (der nächste Blitz trifft den, der es auch dann noch nicht gerafft hat ^^)
    Die Amazonen sehen sich als ihr besonders auserwähltes Volk an und versuchen ihrer Göttin besonders mit Hinblick auf deren kriegerische und weibliche Aspekte nachzueifern. Daher versuchen Rondra-Anhänger immer einigermaßen "faire" Bedingungen bei einem Zweikampf herzustellen, wie eben die Amazone in der Story.
    Gewitter-Tochter ist also ein Spott aber auch Ehrenname für die Geweihten der Rondra oder eben der Amazonen.


    "Rasthulla aleikum" , grüßt der Wüstensohn zurück.
    Rasthulla ist ein Heidengott, der in vielen Dingen dem irdischen Allah ähnelt. Er lässt sich als einziger wahrer Gott verehren, hat aber einen Stall - Verzeihung, einen Harem - voller Frauen. So hat er eine die Rahja heißt, und auch eine mit dem Namen Rondra, natürlich etwas anders geschrieben und ausgesprochenen. Man muss kein Prophet sein um deren Persönlichkeiten mit denen ihrer ...ähm ... wahren Gottheiten in Verbindung zu bringen.

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    Tom Stark
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  • Ich frage mich zwar wie ein Wüstensohn einer Frau nur ins Gesicht gucken konnte, aber ansonsten finde ich die Geschichten schön bildlich. :)
    Sie haben mich auch an ein paar Abenteuer denken lassen, die ich erlebt habe. Die Hauptperson jedes Abschnitts hat eine interessante und andere Persönlichkeit und das macht die Geschichte so abwechslungsreich.


    Ein wenig schade finde ich, dass man so wenig von der Rothaarigen erfährt. Sie ist wie ein Naturphänomen, das auftaucht und verschwindet. Trotz der persönlichen Beziehung eines jeden Charakters, wirkt die Rothaarige sehr kalt.


    P.S.:
    Ich spiele zur Zeit eine vegetarische Achmadsuni.

  • @Tom Stark danke für den Einblick ^^
    Ein bisschen kenne ich mich ja aus, habe es ja selber schon gespielt, aber meine Erfahrungen belaufen sich auf 3-4 Runden, die ich jemals gespielt habe und wie man einen Char erstellt ... Junge, keinen Schimmer mehr XD
    Aber die Idee dahinter finde ich mega cool, auch du in dem Zusammenhang Geschichten schreibst ^^


    Aber deine Erklärungen haben mir ein bisschen weiter geholfen :thumbsup:

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    - F. Scott Fitzgerald

  • @anuka93 Naturgewalt - sehr treffender Ausdruck
    (sehr) kalt - da habe ich wohl ganz schön Mist gebaut, wenn sie so rüber kommt, sie hat höchstens mal kalte Füße,
    aber selten lange und schon gar nicht über Nacht


    @Miri ich spiele das PnP seit es raus kam und auch wenn es mit den Jahren weniger wurde (Beruf, Freunde zogen in alle Himmelsrichtungen weg) treffen wir uns doch zwei bis drei mal im Jahr irgendwie und irgendwo dazu. Viele unsrer Charaktere gibt es schon ... ziemlich lange ^^
    Im August werden wir uns wieder 4 Tage treffen. Nicht nur einer hat inzwischen seine Kinder dabei, die auch mitspielen.


    @'wen's interessiert' meine allererste Veröffentlichung als Autor hatte ich im "Thorwal Standard" einem DSA-Fanzine

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    Tom Stark
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