Zarensía - Die Reise einer Assassinin


  • Das Vorwort ist deutlich besser als das alte, aber ich würde das Buch immer noch nicht lesen, wenn ich's im Laden in die Hand bekommen würde. Du beschreibst eine Handlung, die an sich schon aus jedem beliebigen Fantasy-Buch entnommen sein könnte, recht unschlüssig (siehe die Stelle mit den Magiern: Erst will keiner mehr Magier sein, weil das ein blöder Job ist, dann gab es auf einmal eine Art Krieg und die Begründung für die abnehmende Zahl der Magier hat sich plötzlich geändert), allgemein gehalten (was einer Faszination für die Welt hervorragend vorbeugt) und teils naiv (Es gibt tatsächlich Ungerechtigkeiten und dann werden auch noch welche benachteiligt ;( ); auch sprachlich kann das Vorwort den Leser nicht gerade fesseln und mich nicht überzeugen, es ist teils sehr umständlich und plump formuliert, wirkt nicht sehr geschliffen, als hättest du die richtigen Worte oft nicht gefunden, und einige Wörter passen nicht in die Geschichte. Auffällig ist, dass du viele Relativsätze nicht als Nebensatz, sondern als eigenständiges Satzgebilde aufzubauen versuchst - haut so nicht hin :P
    Anhand der detaillierten Beschreibung deiner Welt (im ersten Vorwort) gehe ich aber davon aus, dass du dir viele Gedanken über die Geschichte gemacht und eine viele interessantere Welt erschaffen hast, als dieses Vorwort suggeriert.



    Die Assassinenburg mit ihren Dämonen (Höllenwolfsdämonen, Schattentigerdämonen, Gänseblümcheneulendämonen, Butterkäsespringrattendämonen <- sowas klingt billig, nach nem schlechten RPG) wirkt irgendwie sehr ... abgedroschen, um das Wort nochmal zu benutzen. Warum ist der Larakon ein König, nur weil er ein paar Assassinen ausbildet? Die Handlung bietet das Potenzial, ziemliche Spannung aufzubauen - was du nicht tust; du beschränkst dich eher auf Sachen wie die Beschreibung einer Person als "böse" -> alle müssen sich jetzt vor ihr fürchten und der Leser kaut sich beim Lesen bestimmt die Finger ab vor Anspannung. Mehr und anschaulichere Beschreibungen und Gefühle, ausgefeilterer, anspruchsvoller und besser durchdachter Satzbau und kein Klischeedämon als Protagonist, der vom Mond aus einen tropfenden Wasserhahn in Nordwestindonesien hört und sofort weiß, wer ihn aufgedreht hat, dann kann das eine ziemlich spannende Szene werden.


    LG
    Arathorn

  • @Jennagon @Kyelia Ich habe jetzt einmal noch etwas zu dem angesprochenen Abschnitt hinzugefügt und denke, dass es so eine ganz gute Lösung sein könnte. Auf die anderen Korrekturen werde ich morgen eingehen. Vielleicht schaut ihr da noch einmal drüber, ob euch das ausreicht, wenn nicht, dann sagt bescheid, könnt ihr im übrigen auch in einer PN machen, damit wir den Thread nicht voll spamen :D



    Sobald Damon und Sila den Thronsaal hinter sich gelassen und sich die schweren, schwarzen schmiedeeisernen Tore zum Zimmer geschlossen hatten, hielt der Dämon seine Freundin an der Schulter fest, womit er sie am Weitergehen hinderte.
    Die Brünette wirbelte zu ihm herum und riss ihre Schulter aus seinem festen Griff los, während sie ihm fast in die weißgrauen Augen starrte. „Was?“, ranzte sie ihn aufgebracht an.
    „Bist du vollkommen verrückt geworden, oder sehnst du dich einfach nur danach von ihm umgebracht zu werden?“, verlangte Damon von ihr zu erfahren, wobei er seine Worte ebenso barsch hervor stieß, wie sie zuvor. Man konnte seiner Stimme anmerken, dass er alles andere als glücklich damit war, wie das Gespräch im Thronsaal eben verlaufen war. Er wollte es sich nur widerwillig eingestehen, aber ihn hatte ein merkwürdiges Gefühl befallen, als Sila seinem Ziehvater widersprochen hatte. Diese neue Reaktion seines Körpers gefiel ihm ganz und gar nicht. Er wusste, was es bedeuten konnte, wollte dies aber nicht wahrhaben, um sich nicht angreifbar gegenüber seinem Vater und den anderen Assassinen zu machen. Die jegliche Schwäche ausnutzen, um selber daraus einen Vorteil zu schlagen, wie es ihnen von Larakon eingetrichtert worden war am Anfang ihrer Ausbildung.
    „Er würde mich nicht töten. Dafür gefalle ich ihm zu sehr, was du sehr wohl weißt, Damon“, erwiderte Sila mit spitzer Zunge und schien in Damons Augen zu eingenommen und überzeugt von sich zu sein. Was im Falle von Larakon schwerwiegende Folgen haben würde, da man ihn nun wirklich nicht als vorhersehbar beschreiben konnte. Um ehrlich zu sein, war er das genaue Gegenteil von vorhersehbar, wenn man Damon nach seiner persönlichen Meinung fragte.
    „Du solltest dich nicht darauf verlassen, dass er nicht sein Interesse an dir verliert, Sila“, warnte Damon sie nicht zu weit zu gehen und sich unnötig in Gefahr zu bringen.
    Die Braunhaarige legte ihren Kopf schräg und blickte den Dämon überlegend an. Sie schien über seine Worte ernsthaft nachzudenken, dennoch kamen ihre nächsten Worte alles andere als nett oder freundlich aus ihrem –zu meinst- vorlauten Mundwerk. „Da magst du recht haben, Dämon, aber überleg doch mal, was er eben von mir verlangt hat“, entgegnete sie und brachte mit ihren Worten den Assassinen ebenfalls zum Nachdenken. „Wir bringen kaum Könige um! Der Ärger, den das nach sich ziehen würde, lenkt zu viel Aufmerksamkeit auf uns; auf ihn. Warum also sollte er nun dieses Risiko eingehen? Es kann sich dabei nicht um das Geld handeln, welches er von unserem Auftraggeber bekommen würde. Die Goldmünzen würden die Scherereien, die wir mit dem Königreich und dem Rest der königlichen Familie bekommen, nicht aufwiegen, den wir damit heraufbeschwören“, begann die junge Frau, die Tatsachen auf zu zählen, die Larakon bis jetzt immer daran gehindert hatten so einen Auftrag anzunehmen, egal um was für Unsummen es sich dabei drehte. „Auch wenn wir viele Aufträge von Adeligen bekommen, ist doch wirklich nur sehr selten einer darunter der so direkt einen Tod des amtierenden Königs nach sich zieht!“
    „Das weiß ich selber“, bestätigte Damon die Vermutungen der Assassinen und ärgerte sich im Stillen darüber, dass sie ihn als Dämonen bezeichnet hatte. Dies machte sie nur wenn sie wirklich wütend, oder aufgebracht war. Es war ein anzeichnen davon, dass sie unter Stress ebenso wie großer Anspannung stand. „Aber du, genauso wenig wie ich, können uns nicht so einfach gegen ihn stellen, wenn wir überleben wollen“, wandte er sich eindringlich an sie, wobei er ihr fest in die funkelnden, tiefen braunen Augen blickte. „Was meinst du wohl, warum ich in diesem Raum war und meinen König; meinen Vater; hinterher spioniert habe?“
    „Weil du lebensmüde bist?“, schlug Sila hilfsbereit vor und erntete dafür einen finsteren Blick aus weißgrauen Augen.
    „Er trifft in letzter Zeit dauernd Entscheidungen, die gegen seine eigentlichen Grundsätze gehen, aber ich kann ihn nicht offen in Zweifel stellen, wenn ich überleben will und herausfinden möchte, was mit ihm los ist. Ich muss herausfinden was er plant und vor allem mit wem er paktiert.“
    „Vielleicht hatte er einen Sinneswandel?“, mutmaßte Sila und zuckte lässig mit ihren schmalen Schultern, während sie seinen festen Blick ohne zu zögern erwiderte. „Du begibst dich damit ebenso in Gefahr wie ich es tue, aber die Folgen für dich wären um ein Vielfaches schlimmer, als bei mir, Damon“, erinnerte sie ihn an die Tatsachen, die sich unlängst in seinen Kopf eingebrannt hatten. Zugleich kamen ihre Worte einer Mahnung gleich, während ihres Auftrages nicht leichtfertig mit seinem Leben zu spielen und vorsichtig zu sein, solange sie fort war.
    Die beiden passten schon seit ihrer ersten Begegnung gegenseitig aufeinander auf, woraus inzwischen eine starke, aber auch komplizierte Freundschaft entstanden war, welche allen anderen Assassinen ein Dorn im Auge war. Dem König hingegen stimmte diese Begebenheit eher fröhlich, sofern man einen Dämon als fröhlich bezeichnen konnte.
    „Pass einfach auf dich auf, wenn du nach Keltaren reist“, wandte sich Damon an Sila und lächelte sie schwach an, was seine harten Gesichtskonturen eine gewisse Weichheit verlieh, die man sonst nicht an ihm finden konnte. „Die Leibgarde des Königs ist unerbittlich und wird dich verfolgen, sollten sie dich zu Gesicht bekommen.“
    „Ich werde vorsichtig sein und mich wie ein Geist durch die Schatten der Straßen und Gassen bewegen, Damon. Niemand wird wissen, dass ich jemals da gewesen bin. Mir wird schon nichts passieren“, versicherte sie ihm. „Gib du auch Acht auf dein Leben. Ich möchte nur ungern nach Hause zurückkommen um festzustellen, dass er deinen Verrat erkannt und dich hat hinrichten lassen.“

    „Er würde mich nicht hinrichten lassen. Diese Aufgabe würde er im Fall der Fälle selbst übernehmen, um Rache zunehmen und Genugtuung zu bekommen für meinen Verrat“, entgegnete Damon und blicke die junge Frau mit einem gequälten Lächeln auf den Lippen an, als sie ihre feingliedrige Hand ausstreckte und sanft seine Wange berührte, bevor sie sich von ihm abwandte. Sie ging den dunklen Gang entlang und verschwand.

    Ich lebe in einer Welt voller Fantasy, und Ihr?

    Einmal editiert, zuletzt von Kisa () aus folgendem Grund: Umschreiben eines Absatzes


  • So, das war ein schöner Teil ^^
    Nicht arg so viel passiert, aber wir haben Damon und Sila kennengelernt, zumindest, dass ihre "Beziehung" kompliziert ist.
    War schön geschildert und Damon scheint der "Weichere" von ihnen zu sein :D
    Ich musste allerdings den Text zweimal lesen, weil ich irgendeine Kleinigkeit gestört hatte, konnte sie aber nicht ... greifen.
    Irgendetwas war da ... und nach dem zweiten Mal wusste ich es dann.
    Der Auftrag ... richtig.
    Also mit dem Auftrag an sich ist alles :super:
    Der ist glaubwürdig ... ect.
    Nur Silas Einwände sind es nicht. Ihre Erklärung, warum sie nach dem Warum gefragt hat.
    Diese Assassinen töten also keine Könige?! Ja, wen denn dann?
    Gerade in der Aristokratie herrscht doch Verrat im ganz großem Stil.
    Die Schwester will einen Bruder vom Thron haben ... da ruft sie Assassinen, die sich anstelle von ihr die Hände schmutzig machen und es am besten keine Spuren zu ihr gibt.
    Einem Vetter ist seine Base (Königin) im Weg - Autragsmord.
    Wenn ein König der Assassinen solche Aufträge verneinen würde, würde er aber recht schnell am Hungertuch nagen, denn wer sollte sie denn ansonsten anheuern? Bauern? Ein Schmied der die Konkurrenz von gegenüber loswerden will? Oo
    Zu den Scherereien ... da gibt es meist nicht viele.
    Ein Auftrag wird entgegengenommen, läuft dem Assassinen was schief, wird die Verbindung zum "Ursprung" geleugnet und dieser ist meist auf sich gestellt. Was dann meist den Tod zur Folge hat ... denn da steht Wort eines "Nichts" gegen das eines - in dem Fall hier - Dämonenkönigs ... und der restliche Adel würde vermutlich sich nicht mit diesem anlegen wollen.
    Nur ganz oben ist auch was zu holen, den Assassinen kann das egal sein, was Herrscher unter sich für Spielchen spielen, hauptsache es klingelt ordentlich in der Kasse.
    Das kannste nur beim Adel reinholen.
    Wie sonst will der König sein Schloss aufrecht erhalten, seine Assassinnen ausbilden und co?
    Alles kann der König sich ja nicht einheimsen, etwas muss er ja seinen Mördern abgeben ... ansonsten richten die sich iwann gegen ihn.

    "Habent sua fata libelli."

    ("Bücher haben ihre Schicksale.")

    - Terentianus Maurus

  • An sich zwei schöne Teile. ;) Super geschrieben und auch nachvollziehbar. ^^
    Zwei Sachen verunsichern mich aber etwas. Ersteres hat Jennagon schon erklärt. Das mit den Aufträgen fand ich auch etwas komisch. Ließe sich aber noch erklären. Sicher gibt es noch mehr Adlige, als nur die Könige, die öfters mal jemandem beseitigen lassen wollen, aber ich denke mal, dass gerade dort am meisten das Interesse beseht, jemanden aus dem Weg zu räumen.
    Das Zweite, das mir aufgefallen ist: Damon soll die Nachfolge antreten, weil es außer ihn und den jetzigen König keine Dämonen mehr gibt. Alles schön und gut, passt. Aber warum muss er sich dann derart - und noch mehr als andere - vor ihm fürchten und damit rechnen, vielleicht hingerichtet zu werden? Wenn will der Dämonenkönig denn dann zum Nachfolger erklären, wenn er keinen leiblichen Sohn hat und es auch keine Dämonen mehr gibt? Irgendwie mache ich es mir gerade schwer, das zu verstehen. :hmm:
    Ansonsten alles super ^^ Ich bin gespannt, wie es weiter geht. :)


    LG, Kyelia



    Wenn es ein Buch gibt, das du wirklich lesen willst, aber das noch nicht geschrieben wurde, dann musst du es selbst schreiben.
    - Toni Morrison -

  • Das Zweite, das mir aufgefallen ist: Damon soll die Nachfolge antreten, weil es außer ihn und den jetzigen König keine Dämonen mehr gibt. Alles schön und gut, passt. Aber warum muss er sich dann derart - und noch mehr als andere - vor ihm fürchten und damit rechnen, vielleicht hingerichtet zu werden? Wenn will der Dämonenkönig denn dann zum Nachfolger erklären, wenn er keinen leiblichen Sohn hat und es auch keine Dämonen mehr gibt? Irgendwie mache ich es mir gerade schwer, das zu verstehen.

    Damon muss sich so sehr in Acht neben das er bei seinem Verrat nicht ertappt wird weil er ja gerade nicht der leibliche Sohn von Larakon ist und damit im allgemeinen Austauschbar. So, was die Thronfolge betrifft, wäre es in Larakons Augen am besten wenn es ein anderer Dämon macht und dafür würde mittlerweile nur noch Damon in Frage kommen, allerdings könnte, im schlimmsten Fall, auch ein anderer der Assassinen, der das Vertrauen des Königs genießt, die Thronfolge weiter führen.
    Ich hoffe mal dass das verständlich ist und was dein erstes Problem und auch das von Jen betrifft, werde ich mich am Wochenende darum kümmern.


    xoxo
    Kisa

    Ich lebe in einer Welt voller Fantasy, und Ihr?

  • @Kyelia in diesem Abschnitt wird noch einmal kurz auf die Thronfolge und Erblinie eingegangen.
    Ein Bild von Traja, damit ihr sie euch richtig vorstellen könnt.


    ~.~.~


    Bevor sie abreisen konnte musste sie zuerst noch eine kleine Reisetasche packen, in der sie Kleidung mitnehmen konnte, um auf der Reise durch Zarensía auch einmal die Gewänder zu wechseln und die Getragenen in einem Flussbett zu waschen.

    Außerdem warf sie sich ihren schwarzen Umhang um, mit dem sie wunderbar in den Schatten verschwinden konnte und von anderen nicht mehr gesehen wurde. Sila bestückte die kleinen Schlaufen, die sich im Inneren des Mantels befanden, mit ihren Messern und Dolchen, welche sie für ihre Missionen brauchte. Ohne eine Waffe ging ein Assassinin niemals aus dem Haus. Sie fühlten sich ohne Waffe regelrecht nackt. Deswegen trug sie auch mehr als nur ein Messer an ihrem Körper und versteckte, sogar noch zwei Messer in den Schäften ihrer Stiefel.
    Als sie gerade ihren Beutel zusammen schnürte, den sie als Reisetasche benutzte, klopfte es an ihrer Zimmertür. Ohne auf eine Antwort ihrerseits zu warten, wurde diese aufgerissen und eine rothaarige Schönheit kam in ihr Zimmer stolziert und ließ sich auf ihr Bett fallen.
    „Na, wo willst du denn hin?“, wandte sich die junge Frau an Sila und blickte neugierig auf die Tasche. Diese wollte sich Sila gerade umschlingen, um sich anschließend auf den Weg zu den Stallungen zu machen, damit sie ihren schwarzen Hengst satteln konnte, um ihre Reise so schnell wie möglich anzutreten.
    „Ich habe einen Auftrag bekommen, Traja“, erwiderte die Brünette auf die Frage der anderen Assassinin und machte eine auffordernde Handbewegung in Richtung Tür, damit die Rothaarige von ihrem Bett aufstand und ihr Zimmer mit ihr zusammen verließ.
    Traja kam der Aufforderung nach und lief gemeinsam mit Sila die Gänge entlang, welche durch die Burg führten und in den Hof mündeten, wo sich am hinteren Ende die Stallungen befanden, die für den Moment das auserkorene Ziel von Sila waren.
    „Klingt spannend. Wo geht es denn hin?“, fragte Traja weiter nach und schien sich nicht abwimmeln zu lassen.
    Die beiden Frauen verstanden sich zwar, waren aber keine besten Freundinnen. Alleine deswegen schon nicht, weil sie Auftragsmörderinnen waren und sich unter denen Freundschaften als eher kompliziert erwiesen, wie die Beziehung zwischen Damon und Sila bezeugten. Auch wenn sie als ein Netzwerk funktionierten, dass sich selber deckte und half, herrschten doch oft Misstrauen untereinander.
    Zudem war Traja auch noch ein Wolfsdämon. Eine Art Wolf nur mit Dämonenblut in den Adern. Traja war in den Augen von Larakon die perfekte Partnerin für Damon. Da dieser irgendwann der König der Dämonen, beziehungsweise der Herrscher über die Assassinen werden sollte, machte sich der amtierende König Gedanken um die Zukunft seines Throns und seiner Blutlinie. Deswegen hatte er schon verschiedene Situationen zu Tage gefördert, bei denen Damon und Traja gemeinsam arbeiten und agieren mussten, was sie in seinen Augen zusammenschweißen und auf ihre spätere Zusammenarbeit als Gefährten vorzubereiten sollte.
    Dies war ein weiterer Grund, warum Sila sie nicht wirklich ausstehen konnte. Allerdings versuchte sie diesen Umstand nicht allzu deutlich durchblicken zu lassen.
    „Du weißt doch, das wir darüber nicht reden dürfen“, entgegnete die Brünette schlicht und versuchte alles Mögliche, um die andere Assassinen abzuwimmeln und sich in Ruhe auf ihre Reise vorzubereiten.
    „Ja, ja“, stimmte Traja zu und wedelte beschwichtigend mit der Hand, um die Worte von Sila wegzuwischen. „Naja, ich wünsche dir dann mal eine gute Reise und hoffe, dass du heil wieder nach Hause kommst. Ich passe währenddessen ein bisschen auf Damon auf.“
    Sila runzelte die Stirn und blickte Traja mit hochgezogener Augenbraun an. „Ich glaube kaum, dass Damon deine Hilfe brauchen wird. Er kann wunderbar auf sich selber aufpassen und ist sogar um einiges tödlicher als du.“

    Hatte sie eine Ahnung davon, dass Damon seinen Vater hinterging? Ich hoffe nicht, sonst hätte er definitiv ein ernsthaftes Problem.
    „Tja, mag sein, aber schaden kann es trotzdem nicht“, erwiderte Traja mit süßlicher Stimme und wandte sich ohne ein weiteres Wort von Sila ab. Sie marschierte schnellen Schrittes wieder ins Innere der Burg. Zweifellos um sich an Damon heran zu machen und ihre Abwesenheit auszunutzen, um sich bei Larakon einzuschmeicheln.
    Sila schüttelte den Kopf über die andere Assassinin und wandte sich ihrem Hengst zu, der sich schon unruhig in seiner Box bewegte. Er tänzelte leicht und wieherte zufrieden, als er sie näher kommen sah. Sie griff nach dem Sattel und machte ihr Pferd bereit für ihre lange und beschwerliche Reise, die sie durch das ganze Land führen würde.
    Sobald die Assassinin ihren Hengst fertig gesattelt hatte und alle Taschen am Sattel befestigt hatte, saß sie auf und ritt langsam aus dem Stall. Als sie auf dem Innenhof war, blickte sie kurz hinauf zum Schloss, wo sie an einem der Fenster die Gestalt von Damon erkennen konnte, der sie dabei beobachtete, wie sie sich auf den Weg machte, den Auftrag seines Vaters zu erfüllen.
    Sie nickte ihm kurz zu und wandte sich dann gemeinsam mit ihrem Pferd um und ritt durch die Burgtore aus der Assassinen Festung hinaus, durch den lichten Wald, der sich vor den schwarzen Mauern ausbreitete. Sie ließ die kleinen, vereinzelten Hütten von einer Siedlung hinter sich, um so schnell wie möglich Inaíns zu durchqueren, das Eremalgebirge hinter sich zu bringen und dann auch noch durch den gefürchteten Ensían Wald zu reisen, um anschließend nach Wochen nach Keltaren zu gelangen.
    Ihre gesamte Reise würde mehrere Mond-Zyklen dauern, da sie einmal komplett durch Zarensía reisen musste, um zu erfüllen was ihr von ihrem König aufgetragen wurde. Sie würde mit diesem Auftrag bekannt werde als Königsmörderin. So einen Titel hatte schon lange niemand mehr erhalten, zuletzt zu der Zeit, als die Dämonenkriege in Zarensía getobt hatten, was schon mehr als hundert Sommer zurück lag.

    Mit diesem Beinamen würde sie nicht nur unter den Assassinen berühmt werden, sondern auch unter allen anderen Völkern, die sich in Zarensía tummelten. Sie würde von allen gefürchtet, aber auch verehrt werden. Je nachdem auf welcher Seite man stand. Dennoch hinter fragte sie für sich, warum Larakon so einen Auftrag annahm. Mal abgesehen von den Goldmünzen, die er für diese Mission erhalten wird, zieht es viel Aufmerksamkeit auf die Assassinen-Burg, was ihm unter normalen Umständen alles andere als Recht gewesen wäre, weil er versuchte so unauffällig wie möglich zu agieren. Doch wie Damon schon gesagt hatte, verhielt sich der Dämonenkönig in letzter Zeit sehr merkwürdig, das war selbst ihr aufgefallen, die nicht sonderlich fiel mit ihm zu tun hatte, wenn man von den Trainingseinheiten und dem Erteilen von Aufträgen absah, bekam sie ihn so gut wie nie zu Gesicht. Worum sie im Allgemeinen auch nicht böse war, dennoch wäre ihr der Sinneswandel ihres Königs um einiges früher aufgefallen, wenn sie mehr in dessen Gesellschaft gewesen wäre. Irgendwie mussten sie und Damon herausfinden was hinter der neuen Gesinnung von Larakon steckte, aber dies würde erst geschehen, wenn sie von ihrer Reise zurückkäme.

    Ich lebe in einer Welt voller Fantasy, und Ihr?


  • Ein rascher Teil, find ich aber gut, dass du dich nicht in den endlosen Gängen verläufst. ;)
    Es geht zügig weiter und vor allem die Reise beginnt gleich. :super:
    Die Sätze waren schon besser wie zu Anfang, wo du die "komplizierteren" Satzbauten verwendet hattest.
    Sila kommt sehr trocken rüber, aber ich glaube, das ist gewollt ^^ Ich kann mir denken, dass eine Assassinin nicht gerade für ihre Gefühlsausbrüche bekannt ist. :D


    Das mit dem "Geheimhalten" hab ich in den Spoiler gesetzt und ich hoffe die Erklärung ist ausreichend, was ich damit meine. ^^
    Als diese Traja aufgetaucht ist, verfällst du wieder in diese "Oberflächlichkeiten".
    Schönheit ... darunter kann ich mir nichts vorstellen, da sie nur als rothaarig beschrieben wird, die so leicht lasziv dahergewackelt kommt, sie kommt als "Verführerin" rüber (wirft sich aufs Bett) und das war, was ich dir bereits im zweiten Kommi angemerkt hatte. Etwas mehr Charakter ...
    Klar kann das bei Traja gewollt sein, dass sie direkt als "Männermagnet" rüberkommen soll, da sie für Damon bestimmt ist, was mich zum 2. Punkt bringt. Da springt einem gleich die dreiecks Beziehungskiste ins Gesicht.
    Sila mag Traja nicht besonders, da der König beschlossen hat, dass ...
    Und dann kommt Traja gleich mit dem Kommentar "Auf Damon aufpassen" (wirkt gewollt)
    Der Leser kommt dann gleich auf die Idee was geschieht und wie sich das aufbaut, vor allem, da du erst eine Prota hast.
    Sila <--- Dämonenkönig hat ein unbestimmtes Interesse + Damon. Damon <--- Traja und Sila ...
    Lass dir damit einfach mehr Zeit und vertiefe erstmal die Beziehung der Leser zu/r Prota/Protas und vergess die Emotionen nicht, anstatt direkt Beziehungsdrei/vierecke zu erstellen.
    Tarja wirkte dadurch arg in diese Szene gebastelt. Gut sprich: bevor Sila abreist muss da noch ...

    "Habent sua fata libelli."

    ("Bücher haben ihre Schicksale.")

    - Terentianus Maurus

  • Das meine ich damit, dass du dich mehr damit befassen solltest. Wie soll sie "berühmt" werden, überall, sogar bei anderen Völkern, wenn Assassinen im Geheimen agieren?! Sowas würde man sicherlich nicht ans große Brett hängen. Ein Assassine macht sich vielleicht beim Gelingen, bei seinem "Meister" beim "Gildenführer" oder eben hier beim "Dämonenkönig" einen Namen, aber der Königsmord dürfte nicht ans Tageslicht kommen, denn dann würden alle nach dem Auftraggeber suchen und damit ... fiele dem Dämonenkönig die Vergütung weg oder der Auftraggeber würde die Bezahlung einfach verwehren, denn dann hätte dieser auch selbst morden können, wenns jeder erfährt.
    Ein Assassine tötet ohne Spuren zu hinterlassen, ohne einen Hinweis zu hinterlegen und vor allem nicht für den Ruf oder für Anerkennung anderer Völker. Klar steigt beim Gelingen das Vertrauen des Meisters in seinen Assassinen, er bekommt besser bezahlte Aufträge, wenn er sich beweist, aber BERÜHMT wird er sicherlich NICHT! Ein Assassine, dessen Name bekannt wird, ist tot oder dem Tode geweiht.

    Ich kann deinen Einwand verstehen, aber du musst bedenken, dass du gerade mal das erste Kapitel gelesen hast und ich insgesamt schon fünf geschrieben habe. Warte einfach ab, was da kommen wird. ich habe nie behauptet dass meine Geschichte über Assassinen wie im typischen Lehrbuch aussehen wird. ich habe mir dabei schon etwas gedacht, als ich das so geschrieben habe, deswegen muss es so drin stehen bleiben. Es steckt ein Sinn dahinter.
    Zum zweiten Punkt, Traja soll so lasziv rüber kommen. Das war gewollt. Deswegen bleibt das auch so.
    Was die dreiecks-Beziehung angeht, die du da siehst. JA, man kann sie sehn und NEIN, es wird zwischen denen keine Dreiecks-Beziehung geben. Damon mag Sila zwar mehr als nur als Freundin, sie sieht in ihm aber nur einen guten Freund und Traja kann sie nicht ausstehen, weil sie sich immer so lasziv und provozierend benimmt. Für Sila habe ich nämlich schon eine andere Figur im Kopf, die der Gegenpart für sie sein wird, ob ihr das nun gefällt oder nicht.
    Du musst dich in diesem Fall ein wenig auf die Geschichte einlassen und mir verraten, dass ich ein genaues Konzept habe und weiß was ich schreiben will. Ich will mich auch nicht weiter dafür rechtfertigen was ich geschrieben habe und wie ich es geschrieben habe.
    Ich danke dir aber dafür dass du mich auf diese Sachen hingewiesen hast und bei der Dreiecks-Beziehung werde ich darauf achten, dass es nicht so sehr wie ein Dreieck herüber kommt. Ich hoffe mal, dass meine Antwort jetzt nicht zu scharf rüber kommt und dass du dennoch noch Lust hast an meiner Geschichte weiter zu lesen hast :D


    xoxo
    Kisa

    Ich lebe in einer Welt voller Fantasy, und Ihr?


  • Sila befindet sich nun also auf dem Weg. Na dann bin ich mal gespannt, was sie auf ihrer Reise so alles erleben wird. Es verspricht auf jeden Fall nicht langweilig zu werden. Und ich frage mich, ob sie ihren Auftrag wohl erfüllen kann. Einen König zu ermorden, wird sicher nicht leicht werden, auch für die best ausgebildeten Assassinen.
    Schreib rasch weiter. ;)


    LG, Kyelia



    Wenn es ein Buch gibt, das du wirklich lesen willst, aber das noch nicht geschrieben wurde, dann musst du es selbst schreiben.
    - Toni Morrison -

  • Das Vorwort hat mich zwar auch nicht gerade zum lesen animiert, die restlichen Teile aber schon. Ein interessantes Setting, ich habe schon lange nichts mehr gelesen, in dem Dämonen vorkommen. Ein paar Flüchtigkeitsfehler sind noch im Text, ist aber nicht schlimm und stört auch nicht beim lesen. Nur die teilweise sehr langen Sätze lassen kurz stocken ;)
    Zur Handlung: Ich mag Fantasy gemischt mit Auftragsmördern (eben Assassinen). Das Dilemma mit dem Königsmord kann ich gut nachvollziehen - habe allerdings schon ein paar derartige Sachen gelesen und kann mich deshalb auch recht gut reinversetzen. Ich bin auch schon gespannt, wie sich die Beziehung der beiden Dämonen und Sila noch entwickelt und wie die Reise zum Ziel verläuft :)

  • Hallo,


    ich bin jetzt auch so weit durch. Das meiste wurde schon gesagt, deswegen werde ich mich kurz fassen.
    Ich finde das Setting interessant, alleine der Umstand, dass Dämonen vorkommen und scheinbar recht legitim sind ...


    Du hast aber manchmal Wortwiederholungen, die durch die Seltenheit der Wörter oft auffallen ( z:b. in einem Part : "Ungehorsam")
    Manchmal finde ich auch, dass du Sätze sehr lang machst und eigentlich mehrmals die selbe Information ein wenig abgewandelt gibst.


    Ich bleib weiter dran ;-)


    Liebe Grüße
    Jan

  • Ich danke euch allen fürs Kommentieren, aber auch für die Korrektur und eure ehrlichen Meinungen. High Fantasy ist wie schon gesagt nicht unbedingt meine Stärke vor allem Vorworte nicht, auch wenn ich mich immer wieder an ihnen versuche :) Dennoch freut es mich, dass euch zumindest mein Schreibstil im ersten Kapitel besser gefällt als im Vorwort. Auch wenn ich noch die Korrekturen machen muss, werde ich schon einmal mit dem Posten des Zweiten Kapitels weiter machen, damit ihr weiterhin etwas zu lesen habt :D



    Die Gesandte von Nelodan


    Die königliche Familie von Merelan, bestehend aus König Arton, Königin Meradalin und Prinz Nírcon, befanden sich in dem Licht durchfluteten Thronsaal des Palastes. Sie waren tief in eine Diskussion verstrickt über eine Hochzeit, zu welcher der junge Prinz gedrängt werden sollte.

    Prinz Nírcon stand mit verschränkten Armen da und musterte seine Eltern mit finstern Blick. Man konnte ihm ansehen, dass er mit diesem Thema absolut nichts zu tun haben wollte. Die Königin hingegen schüttelte immer wieder mit dem Kopf, sodass ihre langen braunen Haare, in natürlichen Wellen über ihre schmalen Schultern fielen, während sie demonstrativ die Worte ihres Gatten verneinte. Sie war augenscheinlich mit der Wahl ihres Mannes nicht zufrieden, diese hatte auf seiner letzten Reise beschlossen – gemeinsam mit dem König von Aurelian – dass Nírcon mit der ältesten Tochter des Königs vermählt werden sollte. Arton schritt mit wild fuchtelnden Händen vor seiner Familie her, um seinen Beschluss Nachdruck zu verleihen, baute er sich breitbeinig vor seiner Frau und seinem Sohn hin, verschränkte seine muskulösen Arme vor der Brust und starrte die beiden mit grünen Augen an. Dabei wusste Nírcon sehr wohl, dass er dem Blick seines Vaters nicht widersprechen sollte, auch wenn er alles andere als Angetan von der Tatsache war, wer in naher Zukunft seine Angetraute werden sollte. Alleine bei dem Gedanken an die aufgedonnerte und laute Prinzessin verknotete sich sein Magen zu einem Geschwür, welches keiner der Heiler seines Vaters jemals heilen könnte.
    Als plötzlich die hölzernen Tore zum Thronsaal aufgerissen wurden, schreckten sie alle zusammen und blickten mit geweiteten Augen, auf die hereinwatschelnde weibliche leicht dickliche Blondine, die vom Hauptmann der Gardisten verfolgt wurde.
    „Was hat das zu bedeuten?“, verlangte Arton von seinem Hauptmann, Wyle, zu erfahren.
    Wyle eilte an der Blondine vorbei und verneigte sich vor der königlichen Familie. „Wir konnten Sie nicht aufhalten, Eure Majestät. Sie erschien wie aus dem Nichts und marschierte einfach so durch unsere Reihen“, berichtete Wyle rasch, wobei er seinen braunen Haarschopf mit den leicht ergrauten Schläfen wieder hob und seinem König direkt in die Augen blickte.
    „Wie ist das möglich?“, fragte Nírcon neugierig und trat ein Stück auf die Frau zu, wobei er aber immer noch einen gewissen Abstand zu der eventuellen Bedrohung einhielt.
    Der König kniff seine grünen Augen zusammen und nahm seinen Hauptmann ins Visier. „Darüber werden wir später noch ein Wörtchen reden“, wandte er sich in gebieterischer, aber auch ungehaltener Stimme an seinen Vertrauten. Wyle nickte nur knapp, da er wusste, dass die Leistung seiner Gardisten von heute nicht unbedingt eine Glanzleistung war.
    Mittelwelle stand die Fremde vor dem Podest, auf dem sich die königlichen Herrschaften befanden und sie von dort aus mit fragenden Blicken bedachten, ebenso wie der Hauptmann, welcher an der Seite der Unbekannten aushielt, für den Fall, dass sie eine Bedrohung für die Monarchen darstellen sollte.
    „Seid doch nicht immer so unhöflich“, wies Meradalin die anwesenden Männer um sich herum zurecht und machte eine beschwichtigende Handbewegung in die Richtung der umstehenden Gardisten, die hinter ihrem Hauptmann in den Thronsaal herein geeilt gekommen waren. Damit sie die Sicherheit des Königs und seiner Familie gewehrleisten konnten, angesichts der unbekannten Bedrohung, welche die blonde Frau darstellte. „Willkommen in Merelan“, wandte sich die Königin an die Fremde.
    Diese lächelte wohlwollend zur Königin hinauf, nachdem sie sich musternd umgesehen hatte, und dabei anscheinend besonderen Gefallen an dem gläsernen Kuppeldach des Herzstückes eines jeden Schlosses gefunden hatte. „Du hast es weit gebracht“, richtete die Frau ihre Worte an Meradalin, wobei sie einen vertrauten Tonfall angeschlagen hatte, als wenn sie die Königin persönlich kennen würde.
    Die Monarchin lächelte nur als Antwort auf die Worte der anderen Frau. „Was machst du hier, Eseren? Solltest du nicht in Nelodan sein und die Geschichte von Zarensía schriftlich fest halten?“
    „Du kennst sie?“, wandte sich Nírcon ungläubig fragend an seine Mutter, wobei er ihr einen raschen Blick aus dem Augenwinkel zuwarf und anschließend die andere Frau im Raum genauer unter die Lupe nahm. Er betrachtete eingehend ihre farbenfrohe Kleidung, die in allen ihm bekannten Farben schillerte und ihre langen, gewellten, blonden Haare, welche einen Teil ihres Gesichtes kunstvoll verbargen. Dadurch konnte er nicht ihr gesamtes Antlitz erkennen.
    Nírcon fiel es schwer eine präzise Aussage über ihr Alter zu treffen. Wenn er nach dem Äußerlichen ging, würde er vermuten, dass sie kaum älter als fünfundzwanzig Sommer sein konnte, aber irgendwas sagte ihm, dass er damit weit daneben lag, was ihr wirkliches Alter betraf.
    Unter normalen Umständen hätte er gesagt, dass diese Frau dem idealen Bild einer Wahrsagerin entsprach, die man auf Jahrmärkten finden konnte, welche von Stadt zu Stadt zogen immer auf der Suche nach neuen Opfern, denen sie etwas vorspielen konnten. Eine Gauklerin, die vorgab das Schicksal zu kennen und in die gewünschten Bahnen lenken zu können, sollten sie nur genügen Goldmünzen für ihre Verbindung mit den Geistern bekommen.
    „Ja“, stimmte Meradalin nickend zu, wobei ihr einige braune Haarsträhnen in die Stirn fielen, die sie sich geschwind aus dem Gesicht strich und hinter ihrem Ohr feststeckte, damit diese sie nicht weiter störten.
    Arton, der anscheinend die Frau ebenso begutachtete, wie sein Sohn es getan hatte, war augenscheinlich zu demselben Ergebnis gekommen, welches sein Sohn getroffen hatte. Er schien auch nicht genau zu wissen, was er von ihr halten sollte. „Was macht eine Seherin aus Margíeln in meinem Königreich; in meinem Schloss?“, wandte sich Arton an niemand Bestimmtes, verlangte aber dennoch eine Antwort auf seine Frage.
    Der Hauptmann stand schweigend da. Auch wenn er Stumm verharrte, beobachtete er alles mit Argusaugen, vor allem die Seherin. Für den Fall das sie etwas unternehmen wollte, was der königlichen Familie schaden konnte. Schließlich war dies seine Aufgabe; das Beschützen der Monarchen unter Einsatz seines eigenen Lebens.

    Die Seherin räusperte sich laut, bevor sie auf die Frage des Königs antwortete. „Ich bin hier, um eine Nachricht aus Nelodan zu überbringen.“

    Ich lebe in einer Welt voller Fantasy, und Ihr?

  • Schöner Part, gibt ordentlich Informationen, die herrlich in Worte eingepackt sind.


    um seinen Beschluss Nachdruck zu verleihen, baute er sich breitbeinig vor seiner Frau und seinem Sohn (hin) auf, verschränkte seine muskulösen Arme vor der Brust und

    müsste glaube ich "auf" heißen, im Hitze der Schreiberei hat man aber auch mal schnell einen Knoten drin ;)


  • Jaja, die Jugend. Dass die aber auch nie hören wollen :rofl:
    Da sucht man ihnen schon ne Frau aus, der Singlemarkt ist tödlich, und dann wollen die das nicht. :P
    Ich bin dann mal gespannt, was die Seherin für eine Nachricht hat ;)
    Muss ja wichtig sein, wenn die da so reinplatzt, während König und Königin ihren Sohn verschachern wollen.


    Nichts zu meckern. ^^


    :stick:

    "Habent sua fata libelli."

    ("Bücher haben ihre Schicksale.")

    - Terentianus Maurus


  • Soso die Königin kennt die fremde Frau also. Interessant. Auch, dass sie scheinbar etwas zu berichten hat. Ich bin ja mal gespannt um was es sich dabei handeln mag. Ich denke mal nicht, dass es nur banale Neuigkeiten sind. Deshalb macht sich wohl keiner auf den Weg. :hmm:


    LG, Kyelia



    Wenn es ein Buch gibt, das du wirklich lesen willst, aber das noch nicht geschrieben wurde, dann musst du es selbst schreiben.
    - Toni Morrison -

  • Meradalin runzelte verwirrt die Stirn, wobei sich sanfte Falten auf dieser abbildeten. „Warum sollten sie ausgerechnet dich schicken, Eseren?“
    „Was meinen Sie damit?“, fragte Nírcon neugierig.
    Die Seherin überging die Worte der Königin einfach und begann auf die Frage des jungen Prinzen zu antworten. „Ich meine damit, dass eine lang vorhergesagte Begebenheit dabei ist, sich in naher Zukunft zu erfüllen“, begann sie kryptisch zu erklären und wandte ihren stechenden Blick aus amethystfarbenen Augen auf die Königin. „Dein Sohn, Meradalin, ebenso wie dieses Königreich werden dabei eine tragende Rolle spielen“, entgegnete Eseren schlicht, wobei ihre Stimme in den Ohren des Prinzen geheimnisvoll klang.
    „Worauf wollen Sie hinaus?“, richtete sich Nírcon an die Seherin, die ihren Blick nun von der Königin abwandte und auf ihn richtete.
    „Sie, junger Prinz, sind Teil einer sehr alten Weissagung, die eine Seherin von Nelodan gehabt hatte. In dieser ging es um das Schicksal von Zarensía“, beantwortete Eseren die Frage.
    Der König kniff seine Augen zusammen und rieb sich mit der flachen Hand über seine gefurchte Stirn, als er seine Worte wiederwillig an die Seherin richtete. „Ich verstehe nicht ganz.“ Er musste sich damit eingestehen, dass er keine wirkliche Vorstellung davon hatte, was die blonde Frau von ihm, oder viel mehr von seinem einzigen Sohn und Thronerben, wollte.
    „Das heißt, dass es in naher Zukunft ein außergewöhnliches Ereignis geben wird, welches ganz Zarensía erschüttern wird und dann müssen Sie, mein König, handeln und ihren Sohn ausschicken, um eine Person nach Merelan zu holen. Diese Person wird an dem Scheideweg, welchen Zarensía bald gegenüber stehen wird, die maßgebliche Entscheidung treffen, um das Schicksal aller zum Guten zu wenden und Sie, Eure Majestät, werden diese dazu anhalten jene Wahl zu treffen.“
    „Das sind wirklich sehr alte Weissagungen, Eseren“, insistierte Meradalin, damit sie die Seherin davon abhalten konnte ihrem Mann und ihrem Sohn mehr zu erzählen. Es würde sie in Gefahr bringen und an der momentanen Situation ihres Landes nichts ändern, egal was Nírcon tun würde. Er könnte nichts ausrichten, dies wusste sie ohne jeden Zweifel.
    „Ja, aber sie werden Tatsachen entsprechen, wie du sehr wohl weißt, Meradalin“, rief Eseren der Königin in Erinnerung, was diese am liebsten aus ihrem Gedächtnis gestrichen hätte.
    „Kommen wir noch einmal auf diese Person zurück, die ich in meinem Königreich aufnehmen soll. Wer wird sie sein? Und zu was werde ich sie ausschicken?“, fragte Arton Eseren und wusste nicht, ob er ihre Antwort wirklich hören wollte.
    „Sie wird den Mord an einem König begehen und als Königsmörderin bekannt werden. Ihr, mein König, werdet sie aufnehmen und gemeinsam mit Eurem Sohn auf die Dracheninseln schicken, um den gefürchteten Drachenfürsten, Garotan, unschädlich zu machen“, offenbarte die Seherin dem König von Merelan und sorgte mit ihren Worten für eine Menge Unruhe innerhalb des Thronsaals.
    Die Gardisten, die Wache standen, begannen leise mit einander zu flüstern, während sich der Hauptmann bei den Worten versteifte und seinen König mit geweiteten Augen anblickte. Gleichzeitig murmelte er etwas von einem hohen Sicherheitsrisiko vor sich hin, während er sich mit der rechten Hand über die ergrauten Strähnen seines Haares an den Schläfen rieb.
    Nírcon schaute die Frau mit seinen grünen Augen verblüfft an, während sich Meradalin keine Gefühlsregung anmerken ließ. Sie schien über diese Worte nicht sonderlich überrascht zu sein. Dennoch machte sie ergeben die Augen zu, als wenn sie diese vor dem Schicksal ihres Sohnes und ihres Königreiches verschließen wollte.
    Arton protestierte lautstark gegen diese bloße Vorstellung, eine Mörderin zu beherbergen. „Ich werde niemanden in Merelan aufnehmen, der an einem Mord beteiligt ist“, ließ er verlautbaren und hatte damit auch die gemurmelte Zustimmung von Wyle, der demonstrativ mit dem Kopf nickte.
    „Ihr werdet keine andere Wahl haben, mein König. Denn anderenfalls wird Euer Sohn sterben und das gesamte Königreich von dem Drachenfürsten ausgelöscht werden“, verkündete Eseren mit klarer Stimme, wobei sie dem aufgebrachten Monarchen fest in die vor Wut funkelnden Augen blickte.
    „Soll das eine Drohung gegen meinen Sohn sein?“, zischte Arton der Seherin zu, wobei er eine schnelle Handbewegung machte, woraufhin Wyle sich rasch bewegte und die Abgesandte von Nelodan am Arm packte. Er wartete nur noch darauf, dass sein König ihm den Befehl erteilte sie gefangen zunehmen.
    „Nein, keine Drohung, sondern eine Vorhersage für die Zukunft, wenn Ihr nicht handeln werdet, wie ich es Euch verkündet habe, Eure Majestät“, richtete sie sich an den König und warf einen abschätzigen Blick auf die Hand von Wyle, welche auf ihrem Oberarm lag. „Ihr könnt mich nicht einsperren!“, zischte sie mit fester Stimme an den Hauptmann gewandt, während sie sich vor den Augen der königlichen Familie und deren der Leibgarde in Luft aufgelöst hatte. Während diese sich noch verblüfft umsahen, auf der Suche nach der Seherin, hallten ihre letzten Worte in der steinernen Halle des Thronsaals unheimlich wider: „Hört auf meine Worte, anderenfalls sterben alle!“

    Für einen Augenblick war es mucks Mäuschen still. Keiner regte sich. Alle starrten nur auf die Stelle, wo kurz zu vor noch die Seherin gestanden und Weissagungen über die Zukunft der königlichen Familie getroffen hatte.

    Ich lebe in einer Welt voller Fantasy, und Ihr?


  • Soweit alles fein, es verrät ein wenig über den Verlauf und die Möglichkeiten, wie es weitergehen könnte.
    Der König scheint ja nicht wirklich eine Wahl zu haben, was "Sila" angeht :rofl:
    Ich bin mal gespannt, was sie tun :rofl:
    Den einzigen Sohn auf eine Mission schicken, dass die nicht begeistert sind, ist klar :D
    Und dann noch mit einer "Königsmörderin"
    Hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack.
    Aber warum deshalb alle sterben und wie das alles zusammenhängt, müssen wir natürlich abwarten.


    Soweit nichts zu bemägeln.

    "Habent sua fata libelli."

    ("Bücher haben ihre Schicksale.")

    - Terentianus Maurus

  • Interessante Informationen, die du uns mit dem Teil vermittelt hast. Ich bin schon ein wenig bedrückt, wenn ich daran denke, was den Charakteren noch bevorsteht. Dass der König weniger begeistert davon ist, eine Mörderin bei sich aufzunehmen und dann auch noch seinen einzigen Sohn mit ihr losschicken, ist klar.
    Mal sehen wie sie sich entscheiden, aber viel Wahl scheinen sie nicht zu haben. :hmm:


    LG, Kyelia



    Wenn es ein Buch gibt, das du wirklich lesen willst, aber das noch nicht geschrieben wurde, dann musst du es selbst schreiben.
    - Toni Morrison -

  • ~.~.~


    „Was war das denn?“, fragte Nírcon niemand bestimmtes, während er immer noch ungläubig auf die Stelle starrte, wo die Seherin kurz zuvor noch gestanden hatte.

    „Das war die Älteste der Seher von Margíeln. Diejenige, die dafür verantwortlich ist, dass du, mein Sohn, am Leben bist“, erklärte Meradalin Nírcon mit kryptischen Worten die Sachlage, die sie mit den Sommern immer mehr verdrängt hatte, ebenso wie ihre eigene Herkunft und Vergangenheit.
    „Was soll das heißen?“, fragte der junge Prinz seine Mutter, wobei er sie mit verwirrter Miene anblickte. Ihn irritierte am meisten, was sie darüber gesagt hatte, dass diese Seherin daran beteiligt gewesen war ihn zum Leben zu verhelfen. Soweit er wusste, war die Schwangerschaft seiner Mutter alles andere als einfach gewesen, ebenso wie seine eigentliche Geburt. „Woher weißt du das alles?“
    „Sie ist meine Mutter“, gab Meradalin widerwillig zu und wich dabei dem finsteren Blick ihres Mannes aus. Sie war sich dessen bewusst, dass sie Arton noch so einiges aus ihrer Vergangenheit erklären musste, was sowohl diese Vorhersage, als auch einiges andere einschloss.
    Anscheinend war dieser Moment gekommen, vor dem sie sich all die Sommer gefürchtet hatte, denn für sie gab es nichts Schlimmeres als an ihr Leben zurück zudenken, bevor sie ihren Gatten getroffen hatte. Sie wollte diese schmerzhaften Erinnerungen aus ihrem Gedächtnis verbannen, aber wie es schien, hatte sie nicht das Glück alles zu vergessen.
    Ihr Wunsch, ihren Sohn und ihren Mann vor ihren anderen verwandten abzuschirmen, war reines Wunschdenken gewesen, denn so leicht würde ihre Mutter sie nicht vergessen lassen. Ebenso wenig wie Eseren es zulassen konnte, das Meradalin ihren Sohn vor seinem Schicksal versteckte. Meradalin war durchaus bewusst, dass ihre Mutter nur die halbe Weissagung an ihren Mann weiter gegeben hatte, wofür sie ihr eigentlich dankbar sein musste, denn der Rest war alles andere als leicht zu verkraften, aber irgendwann würde er es erfahren und dann war es besser, wenn er die Worte aus ihrem Mund hören würde und nicht von ihrer unsensiblen Mutter.


    ~.~.~


    Nírcon war immer noch gedanklich damit beschäftigt zu verdauen, was er soeben im Thronsaal erfahren hatte. Ihm erschien es merkwürdig, dass er Teil einer Weissagung sein sollte. Andererseits klang Eseren sehr ernst, während seine Mutter versucht hatte die Seherin zum Schweigen zu bringen und die ganze Begegnung so kurz wie möglich zu halten. Alleine das hätte ihn schon stutzig machen sollen, doch er war zu sehr auf die fremde Frau fokussiert gewesen, als das er das zwischenmenschliche Verhalten wahrgenommen hätte, welches sich direkt vor seiner Nase abgespielt hatte.
    Er konnte es immer noch nicht ganz verstehen, aber ihn im war auch Freude aufgekommen, als er von einem neuen ... oder alten – je nachdem wie man es betrachtete – Familienmitglied erfahren hatte. Es war etwas ganz besonderes für ihn, da er bis dahin nur seine Eltern gehabt hatte und eine kleine Schwester, die noch in der Nacht ihrer Geburt gestorben war.
    Nírcon lief gedankenverloren durch die schemenhaft beleuchteten Gänge des Palastes. Die großen Kerzen, welche in Wandhalterungen steckten, begannen leicht zu Flackern, als eine Brise, welche durch die geöffneten Tore in das Schloss innere drang, sie erfasste.
    Der junge Prinz wurde von einem Frösteln heimgesucht, woraufhin er den Kopf hob und in die Gesichter der ernstdreinschauenden Gardisten blickte, welche seine persönlichen Leibwachen darstellen. Für gewöhnlich begleiteten sie ihn nur dann, wenn er sich außerhalb der Schlossmauern bewegte, doch da sie alle aufgeschreckt worden waren, durch das plötzliche Auftauchen von Eseren, waren sie wohl übervorsichtig. Vor allem nachdem die Seherin Drohungen gegen ihn ausgesprochen hatte. Wahrscheinlich hatte sein Vater diese hinter ihm hergeschickt, als er den Thronsaal verlassen hatte. Nírcon hatte sich nicht den Streitereien seiner Eltern aussetzen wollen, denn sein Vater schien alles andere als begeistert zu sein, von dem Auftauchen von Eseren und der Reaktionen seiner Gemahlin.
    Nírcon nickte seinen Gardisten mit einem freundlichen Lächeln zu, während er sich aufmachte, das Schloss zu verlassen, weil ihm die Idee eines Spaziergangs über den Marktplatz im Moment äußerst verlockend erschien, zumal er selbst einige Gänge vom Thronsaal entfernt noch die wütenden Stimmen seiner Eltern vernehmen konnte. „Begleitet mich“, wandte sich der junge Prinz an seine Leibgarde, während er mit raschen Schritten den durch Kerzenschein beleuchteten Gang verließ und durch die Tore des Schlosses auf den Innenhof trat.
    Die Gardisten folgten ihm auf dem Fuß. „Sehr wohl, Eure Hoheit“, erwiderte der Ranghöchste der Wachmänner, während er respektvoll den Kopf neigte, als er das Wort an den Prinzen richtete.
    „Sei doch nicht immer so förmlich, Falcón“, entgegnete Nírcon und schenkte dem Gardisten, der schon seit dem sechzehnten Lebensjahr zu der persönlichen Leibgarde des Prinzen gehörte und innerhalb dieser vielen Sommer zu so etwas wie einem besten Freund geworden war.
    Falcón runzelte leicht die Stirn, nickte dann aber. Er räusperte sich laut. „Sehr wohl, Nírcon.“
    „Schon viel besser“, erwiderte der Prinz mit einem breiten Lächeln auf den Lippen, welches selbst seine grünen Augen zum Strahlen brachte. Die kleine Gruppe verließ die schützenden Palastmauern, um sich durch die vollen Straßen und Gassen von Merelan zu schlängeln, wo sie sich auf dem Marktplatz nach den neusten Waren der umherziehenden Händler neugierig umsahen.

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  • Ah, der junge Prinz auf einem Ausflug :D
    Das kann oder wird nicht ganz ohne Vorkommnisse ausgehen.
    Das wäre zu einfach ^^
    Und nun verfolgt ihn noch eine Schar Wachen, naja ... verdenken kann man es seinen Eltern nicht :hmm:
    Aber ich glaube nicht, dass sich Abwenden lässt, was angedroht wurde.

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    - Terentianus Maurus