Die allerglorreichsten Sieben

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  • Tortuga, Piratennest - Heyho, Captain Jack


    Es war schon sehr später Abend oder sehr früher Morgen, kommt darauf wen man fragt, als der Piratenkapitän aus der Kneipe torkelte, eine halbvolle Flasche liebevoll in der linken Armbeuge gebettet.


    Durch den reichlichen Zuspruch zum Rum wirkten seine kajalierten Augen noch schattenumrandeter und sein Gang noch tuntiger, als gewöhnlich. Der Kapitän der hochbeliebten, Verzeihung, das muss natürlich heißen mit Schrecken gefürchteten Black Pearl, wedelte mit seinen Armen und verscheuchte theatralisch einen kleinen Jungen, der ohnehin auf der anderen Straßenseite war und ihn um ein Haar übersehen hätte.
    »Hu, Ihr müsst der unglaublich tolle Kapitän Jack sein?«
    »Uh, jo ... genau!« nuschelte der Superkapitän geschmeichelt.
    »Der Brecher der Meere und der Schrecken unzähliger Frauenherzen«, setze er einen Tick deutlicher hinzu.
    »Hey, das ist ja supi! Genau so jemand wie Euch habe ich gesucht!«
    Kapitän Jack blinzelte mehrfach, wollte sich für einen besseren Stand an der Wand des Wirtshauses abstützen, sah sich aber aufs Übelste von jener gefoppt, als diese einen satten Zweischrittsatz nach rechts machte und so die unfehlbar griffsichere Hand des Piraten ins Leere gleiten ließ.
    Stolpernd setzte Jack nach und hatte sie schließlich eingeholt. »Erwischt!« , jubelte er verhalten und ließ sich auf die kleine Holzbank neben der Tür sinken.
    »Weißt Du, mein Junge. Das kann eigentlich gar nicht sein. Es ist nämlich so: So jemanden wie mich, gibt es gar nicht. Also nicht mehrfach. Ich bin einfach einfach ... einziglich ... artig ... ,Du verstehst schon.«
    Der Junge verstand nicht, aber er hatte genug Geschichten über den furchtbaren ..., furchtlosen Kapitän gehört und wusste, dass man den Sinn seiner Worte selbst im nüchternen Zustand nicht immer hoffen durfte zu erfassen.
    »Was willst Du denn. Ein Autogramm?«
    Der Junge blinzelte. »Nein, ein Gramm Auto wird mir nicht helfen.« Betrübt schaute er auf seine Füße.
    »Dann immer heraus damit, mein Junge. Sag dem alten Jack, welchen Wunsch er Dir abschlagen soll?«
    »Ihr meint wohl, welchen Wunsch Ihr mir gewähren sollt?« , fragte der Junge verblüfft.
    »Hey, ohne Rum gewähre ich schonmal gar nichts, aber keine Angst ich bin so betrunken, ich würde gar nichts treffen, was ich abschlagen wollte.«
    Da das beinahe Sinn ergab, nickte der Junge eifrig.
    »Es geht darum, Kapitän, ich komme aus einem Dorf ...«
    »Lass mich raten: Hinter den sieben Bergen bei den sieben Zwergen?« unterbrach ihn der Kapitän launig.
    »Äh, nee, nicht wirklich.«
    »Oh ...«, meinte Jack enttäuscht. »Egal, erzähl weiter.«
    »Der böse Generaldirektorpräsident Sauron unterjocht die ganze Bevölkerung und zwingt uns goldene Unikatringe in Massenherstellung für ihn zu schmieden.«
    »Ich bin zwar besoffen, aber denk mal genau darüber nach was Du da gesagt hast. Unikate in Massenproduktion, das klingt sogar für mich Banane.« Jack musste dennoch ein kurzes gackerndes Gelächter loswerden.
    »Ja, ich weiß«, erwiderte der Kleine. »Aber seit dem großen Erfolg und seit der Eine Ringe doch im Vulkan gelandet ist, will jeder den Einen Ring haben. Und deswegen ...«
    Er hielt inne, weil er bemerkte, dass von Kapitän Jack ein leises Schnarchen kam.
    Mehrfach stupste er den Piraten an, doch der schien tief und fest zu schlummern.
    Nun gut. Dann würde er sich eben andere Helfer suchen müssen. Sein Blick fiel auf die Flasche, welche der Kapitän immer noch sanft und behutsam im Arm heilt. Vorsichtig streckte er seine Hand aus. Als seine Finger nur noch Millimeter von der Flasche entfernt waren, schlug Kapitän Jack urplötzlich die Augen auf und brachte, hellwach und mit erstaunlicher Eleganz seinen kostbarsten Schatz in Sicherheit.
    »Nein, mein Junge. Das ist mein Rum. Geh hinein und besorg Dir selbst einen.«
    Die Gunst der Sekunde nutzend fuhr der Junge fort.
    »Bitte Kapitän, Ihr müsst uns helfen.«
    »So, muss ich das? Wer hat das bestimmt?«
    Der Junge beschloss zu bluffen. »Na, Ihr selbst. Noch vor zwei Minuten habt ihr gesagt Ihr helft uns.«
    »Bei allen Meerjungfrauen, Junge. Mein Wort ist schon im nüchternen Zustand nichts wert, was kümmert mich, wenn ich es besoffen gegeben habe?«
    »Habe ich schon erwähnt, dass GDP Sauron den besten Rum aller sechs Meere in seinem Keller hat, sogar fässerweise?«
    Er verbarg sein Grinsen tapfer, als Kapitän Jack, der bereits drauf und dran war sich aufzurappeln und einfach davon zu stolzieren, innehielt.
    »Der beste Rum? Und es sind sieben, nicht sechs Meere. Was lernt ihr denn heutzutage auf der Schule.«
    »Arithmetik, Geometrie, Orthographie und Grammatik ...«
    »So? Alles unwichtiger Firlefanz. Hab ich nie gelernt bekommen und nie gebraucht gemusst«, wiegelte Jack im Brustton der Überzeugung ab.
    »Ok. Wie Ihr meint. Also helft Ihr uns?«
    »Rum? Nicht irgendwelcher sondern bester Rum?« Jack war misstrauisch.
    »Der Allerbeste sogar.« Der Junge war selbst erstaunt, wie aufrichtig er klang.
    »Und die Ringe. Die macht ihr aus Gold?«
    »Aus dem allerfeinsten Gold, Kapitän« Der Junge schaute treuherzig.
    Jener musterte den Jungen nun von Kopf bis Fuß und tätschelte ihn väterlich auf den Kopf.
    »Also die Lüge mit dem Rum war Spitzenklasse. Also die war so gut, dass ich es Dir beinahe geglaubt hätte, wenngleich ich es natürlich wissen würde, wenn es hier in der Nähe jemand mit erstklassigem Rum geben würde. Aber das Gold war zu viel. Da hättest Du bei der Wahrheit bleiben sollen, dass ihr die Ringe bestenfalls mit einen hauchdünnen Goldschicht überzieht. Sonst würde man wohl kaum Gewinn damit machen.«
    Deutlich nüchterner, stand der Kapitän auf, legte einen Arm um die schmalen Schultern des Jungen und steuerte ihn in Richtung Hafen. Ab und an stützte er sich leicht auf ihm ab, aber alles im allen schien der Kapitän erstaunlich schnell nüchtern geworden zu sein. Allerdings nahm er hin und wieder einen Schluck aus der Buddel, um diesem offenbar unnatürlichen Zustand abzuhelfen.
    »Ich sag dir was, Junge. Vergiss Dein Dorf, scheiß auf diesen Sauron. Werde Pirat. Einen so hellen Kopf können wir auf der Black Pearl immer brauchen.«
    Er machte eine großartige Geste in Richtung Hafen, der nun in Sicht kam und wo die aufgehende Morgensonne die wenigen Schiffe am Kai eindrucksvoll beleuchtete.
    Der Kapitän drehte sich zu seinem neusten Freund um und deutete über die Schulter.
    »Na, wie findest Du meine Pearl? Hast Du nicht Lust bei uns mitzusegeln?«
    Der junge schaute, stutzte, schaute nochmal und runzelte dann die Stirn.
    »Äh, Sir. Ein Piratenschiff sollte doch mehr als nur einen Masten haben?«
    »Gut beobachtet, mein Junge. Wie Du sehen kannst, hat die Pearl sogar drei Masten. Sie ist das schnellste Schiff in diesen Breiten.«
    Der Junge schaute nochmal und es entstand ein peinliches Schweigen.
    Hastig drehte sich Jack um. Eine üble Ahnung hatte ihn beschlichen.
    Dort wo sein Schiff, sein ganzer Stolz, die wahre Liebe seines Lebens liegen sollte, lag ... nichts. Nur eine große Lücke zwischen den kleineren Schiffen legte noch Zeugnis seiner Black Pearl ab, die dort noch am Abend zuvor angelegt hatte.
    »Sie haben es wieder getan...«
    »Was getan, Sir?« , fragte der Junge unschuldig.
    »Bei allem Monstern der Meere, SIE HABEN ES WIEDER GETAN!«
    »...« Der Junge zuckte zusammen, als der Kapitän wütend seine Pistole zückte und einen Schuss auf die Stelle abgab, an der sein Schiff eigentlich liegen sollte. Er hielt den Atem an, erwartete einen jener Wutausbrüche, für die blutrünstige Piratenkapitäne bekannt waren. Natürlich war Jack nicht wie andere. Genauer gesagt gab es keinen anderen wie ihn, wie er ja bereits versichert hatte.
    Seufzend steckte der Kapitän seine Waffe wieder ein und wedelte viel und zugleich nichtssagend mit der Hand.
    »Na gut, sei es wie es sein. Wir brauchen ein Schiff und zuerst einmal natürlich eine Mannschaft. Ein Kapitän ohne Mannschaft ist kein richtiger Kapitän.«
    Erleichtert holte der Junge wieder Luft und bekam prompt einen Schluckauf.
    »Sie haben ...hick ... Euer Schiff ... gest ...hick... len?«
    »Ach«, winkte der Kapitän ab. »Nur vorübergehend. Ich wette es tut ihnen bereits schon leid. Wenn ich sie aber eingeholt habe und mein Schiff wieder habe, dann wird es ihnen aber ganz sicher leidtun, mein Wort drauf.«
    »Euer ... hick ...Wort ...hick? Ihr sagtet ... hick ... doch selbst eben ... hick ... dass das nichts ...hick ... ist?«
    Der im Moment mannschafts und schiffslose Kapitän betrachtete den Jungen stolz wie ein Vater. »Du lernst wirklich schnell, mein Sohn. So und nun nimm einen Schluck gegen den Schluckauf, der ist ja nervtötend, aber nur einen Schluck, sonst gibt es etwas hinter die Löffel.«
    Folgsam nahm der Junge einen Schluck und musste natürlich husten. Er hatte nie auch nur etwas annähernd Grauenvolles getrunken. Sein Magen rebellierte sofort, sein Hals stand in Flammen und Tränen trübten seine Sicht.
    »Und was machen wir ...hick ... tzt?«
    Jack winkte dem Jungen gnädig zu, noch einmal einen Schluck zu nehmen.
    »Jetzt, suchen wir uns eine Mannschaft. Dann suchen wir uns ein Schiff und dann befreien wir Dein Dorf.«
    Hustend und vor Tränen völlig blind: »Wirklich? Wollt Ihr nicht Euer Schiff such ... hick?«
    Der Kapitän selbst flößte dem Jungen noch einmal einen guten Schluck sein.
    »Oh, mach Dir darum keine Sorge. Die Pearl wird ganz sicher unseren Weg kreuzen, das war immer so und wird immer so bleiben. Wie ist eigentlich Dein Name, Kleiner?«
    »Dschimm, ... Ke ... Kepitähn, hihihi. Schim Hawkinsch ...«, nuschelte der nicht mehr ganz nüchterne Jim.


    Schnell nahm Jack ihm die Flasche ab. »Na sowas, schlau ist der Bursche und schnell besoffen dazu. Aus dem wird mit Sicherheit mal was.«
    Er gönnte sich ebenfalls ein paar Schlucke und zusammen schlingerten sie zurück in die Stadt.
    »Und Dein Dorf, wo liegt das?«, interessierte sich Jack.
    »Auf d ... der Schatschinschel latürnich ...«
    »Klar, wo sonst, blöde Frage.«

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    Tom Stark
    zum Lesen geeignet

  • Das ist genial :D Von der Art zu sprechen hast du Jack wunderbar getroffen, nur die Beschreibungen passen hier und da nicht so ganz auf das, was man von den Filmen kennt. Aber das ist ja nicht schlimm.
    Dass der Junge am Ende DER Jim ist, das find ich klasse. Und die Idee, diese beiden Geschichten zu verbinden, gefällt mir auch wahnsinnig gut (vor allem, weil ich erst letztens in einem Musical über die Schatzinsel war).
    Ich bin begeistert ^^


    Sometimes, you read a book and it fills you with this weird evangelical zeal, and you become convinced that the shattered world will never be put back together unless and until all living humans read the book.

  • Gut getroffen, gut gesoffen. Oder so. :D
    Der Dialog ist herrlich abgedreht, mit Wortwitz höchster Güte. Die Stelle mit der weggelaufenen Wand... und Saurons Masterplan... :rofl: Dennoch passen manche Späße meiner Meinung nach nicht so richtig.


    Etwa dieser:

    Ein Autogramm?«
    Der Junge blinzelte. »Nein, ein Gramm Auto wird mir nicht helfen.«

    Gewissermaßen ein Spaß auf Kosten eines Anachronismus... naja, nur meine Meinung.