• Wieder ein großes Dankeschön an @Asni, @Falkefelix und @Rainbow, für das wirklich hilfreiche Feedback. :alien:

    Ansonsten fand ich gerade im Thekla-Part, dass du viele eher umgangssprachliche Begriffe verwendest (etwa. "fuchste mich", "eingedieselt" etc.), die sind einerseits ziemlich cool, weil sie dem Text eine ungewöhnliche, lockere Note verleihen, aber andererseits bin ich mir nicht so sicher, ob sie so gut zum restlichen Stil passen, der eher nüchterner, sachlicher wirkt.

    Ich verstehe, was du meinst. Aber genau in dieser Szene wollte ich sie etwas flippiger darstellen. Dass der erste Teil Theklas, der auch zugleich der erste Teil der Geschichte ist, so nüchtern wirkt, hat sich aus der Situation heraus ergeben. Sei mit nicht böse, aber ich würde diese Begriffe gerne drin lassen, weil sie ein wenig die Selbstironie widerspiegeln sollen. Aber das wirst du beim nächsten Thekla-Teil schon sehen, was ich damit meine.

    Inhaltlich: Thekla will / muss zur Arbeit gehen und macht sich dazu fertig. Die anderen Mädels "gehen schon mal zum Kino". Für mich wirkt das eher so, als wollten sie gemeinsam einen schönen Abend verbringen, evtl. nach dem Kino noch Feiern gehen oder so. Hast du dich da nochmal umentschieden oder arbeitet Thekla im Kino?

    Nein, du hast richtig gelesen. Thekla macht sich für die Arbeit fertig. Sie gehen alle vier zur Arbeit. Und sie arbeitet auch beim Kino. Aber mehr will ich jetzt nicht dazu schreiben, weil ich sonst die Pointe verraten müsste. Sobald Theklas nächster Teil kommt, wirst du bestimmt das eine oder andere Mal schmunzeln.



    Claudia Morgan 32 Jahre



    Der kleine Umweg wurde länger als gedacht. Zumal mir viele der Straßennamen absolut gar nichts sagten. Für eine gewisse Zeit fühlte ich mich verirrt im Hinterhof- und Gassenbezirk. Bis mir letztendlich ein Fingerzeig Gottes, ironischerweise in Form einer großen Reklametafel jener Firma, dessen Name mir jedes Mal einen stechenden Schmerz im Hirn bereitete, den rechten Weg zeigte. Von dort an reichte wieder ein sporadischer Blick auf die Straße aus, um meinen Wagen wieder routiniert durch die Stadt zu führen. Trotzdem wusste ich, dass ich deutlich zu wenig Aufmerksamkeit dem Verkehr widmete. Ich bekam nur das mit, was für mich meines Erachtens wichtig erschien. Dies zeigte sich sofort, als mein Aktienberater mich unverhofft anrief.
    „Jonas, was liegt Ihnen auf dem Herzen?“
    „Frau Morgan, ich wollte mit Ihnen die wichtigsten Aktien durchgehen und vielleicht auf die eine oder andere Sache genauer zu sprechen kommen.“
    Obwohl ich wusste, dass es wichtig war, verdrehte ich schon obligatorisch die Augen und spielte ungeduldig an der Soundanlage herum.
    „Der Dow Jones steht aktuell bei einundzwanzigtausendzweihundertfünfundsechzig Punkten. Tendenz fallend.“
    „Behalte ich! Weiter!“
    „Die AnRaMexx-Aktie zeigt seit einigen Tagen einen Trend nach oben...“
    „Niemals!“
    Am anderen Ende hörte ich ihn schon schnaufen. „Frau Morgan, lassen Sie doch mal Ihren Zwist mit denen beiseite.“
    „Weiter!“
    „Das ist aber eine sehr stabile Aktie. Ich kann Ihnen nur anraten, es sich nochmal zu überlegen.“
    „Weiter!“
    „Facebook, bei hundertsechsundfünfzig. Viele sagen, es wird bald steil nach oben gehen. Ich bin derselben Meinung.“
    „Dann kaufen Sie Anteile für zehntausend.“
    „Und unser Neueinsteiger Vortex.“
    „Dreißig?!“, brüllte ich erschrocken und ging sofort auf die Bremse. Da schwappte sogar minimal Kaffee aus meinem Becher. Völlig perplex schaute ich in den Rückspiegel. Ich konnte mich nicht erinnern, an dieser Stelle jemals ein Dreißiger-Schild gesehen zu haben...
    „Dreißigtausend für Vortex, schon erledigt.“
    „Was? Wie bitte?!“ Entsetzt war ich. Hatte er nun wirklich das getan, was ich spontan befürchtete? „Hast du jetzt für dreißig Riesen Anteile von Vortex gekauft? Sag, dass das nicht wahr ist!“
    Rechts am Straßenrand sah ich die rotweißen Abgrenzzäune einer kleinen Baustelle, die das augenscheinlich willkürliche Tempolimit erklärte.
    „Jawohl, das habe ich, Frau Morgan“, entgegnete er dreist. „Das haben Sie mir gerade eben so gesagt.“
    „Nichts habe ich, Sie Vollidiot!“, fauchte ich aufgebracht und sah vom Weiten schon den Kreisverkehr, den ich aber nicht weiter beachtete.
    „Was war das gerade? Ich hoffe, ich habe mich verhört...“
    „Nein, Sie haben richtig gehört, Jonas! Nur weil ich diesem Typen versprochen habe, etwas in sein Unternehmen zu investieren, heißt das noch lange nicht, dass ich gleich am ersten Tag Aktienanteile davon kaufe!“
    „Frau Morgan, ich habe Ihnen schon einmal erklärt, dass das so nicht geht. Letztes Mal haben Sie sich auch schon bei meinem Kollegen beschwert, was für ein Trampel er sei. Sie müssen sich klarer...“
    „Nein, du Spinner hörst mir jetzt zu! Du machst das unverzüglich wieder rückgängig, hast du mich verstanden?!“
    „Es tut mir leid, aber das geht nicht“, erwiderte er kleinlaut. „Ich kann die Aktie frühestens in acht Stunden auflösen.“
    „Das ist mir scheißegal was du kannst! Wenn ich wegen dir Schulden habe, dann kannst du was erleben!“
    „Glauben Sie mir, so stark wird der Kurs in diesen acht Stunden nicht abfallen, dass Sie pleite...“
    „Mach es rückgängig und keine...“
    Sofort ging ich voll in die Eisen, wurde dabei aus dem Sitz gehoben und krachte mit dem Kinn aufs Lenkrad. Laut quietschten die Reifen, nur übertönt vom Kreischen des Kindes, welches mir unerwartet vors Auto rannte. Der Becher polterte aus der Ablage und verteilte über die komplette Armaturenfront den kochend heißen Kaffee. Sogar auf meine Hose spritzte er und verbrühte mir lokal den Oberschenkel.
    Angewidert blickte ich durch die Fahrerkabine und an mir herab, stellte sofort die Freisprechanlage aus und kramte aus dem Koffer Taschentücher hervor.
    Während ich mir das schwarze Getränk abtupfte, riskierte ich einen flüchtigen Blick nach vorn zur Straße raus und starrte in die panischen Augen des dummen Balges, das sich noch immer die Seele aus dem Leib schrie.
    Ich war so hart ausgelöst, dass in mir buchstäblich ein Dämon ausbrach. Der Puls schnellte hoch, mein Hals pochte vom wallenden Blut und die Finger krallten sich wie Rasierklingen tief in den Hosenstoff.
    Tunnelblick...
    Verzweiflung...
    Zorn..!
    Das Fenster runtergelassen, streckte ich den Kopf raus und schrie dieses abgrundtief verhasste Wesen unter ständigem Penetrieren der Hupe lautstark an. Grässliche Schimpfwörter entglitten meiner gespaltenen Zunge, die selbst für einen Erwachsenen unerträglich gewesen wären. Und dann kam auch noch die räudige Mutter dazu...


    ***


    Sharon 40 Jahre und Mary Thomson 9 Jahre



    Ich fühlte mich schrecklich. Wie konnte ich Mary so etwas antun? Wie konnte ich sie nur vernachlässigen? Sollte ich sie nun für immer verloren haben? So sehr hoffte ich, einen deutlicheren Hinweis auf den möglichen Aufenthaltsort meiner Tochter zu erhalten. Mehr als nur vage Aussagen von zweifelhaften Augenzeugen. Am Boden zerstört irrte ich den Bürgersteig entlang, immer einen Blick auf die andere Straßenseite gerichtet. Wie verzweifelt musste ich auf die anderen Passanten gewirkt haben? Anscheinend nicht genug, so gering, wie deren Resonanz ausfiel.
    Doch wie durch ein Wunder fand ich sie endlich! Am Kreisverkehr. Sie drehte sich zu mir um, ihr verweintes Gesicht sprach für sich. Mein Herz machte Luftsprünge voller Freude. Überglücklich war ich, sie endlich gefunden zu haben.
    Sofort beschleunigte ich meine Schritte, fing schon bald an zu rennen.
    „Mary, komm wieder zurück! Ich habe es nicht so gemeint...“
    Aber sie wandte sich wieder von mir ab und rannte blindlings auf die Straße, ohne einen Blick nach den Autos zu wagen.
    Ich schnappte tief nach Luft, mein Herzschlag setzte aus. Mit weit nach vorn gerissenen Armen stolperte ich im Affenzahn den Gehweg hinab zu ihr und schrie mir die Seele aus dem Leib.
    Reifen quietschten, Mary kreischte und dann flog der Plüschbär mit Pirouetten übers Auto.
    In meinem Kopf spielten sich augenblicklich schreckliche Szenarien ab. Wie meine Kleine unter die Räder kam oder noch schlimmer durch den Aufprall in den Kreisverkehr geschleudert wurde.
    Mit jedem Meter, dem ich ihr näher kam, ereignete sich etwas Neues. Lautes Hupen, wildes Gebrüll, entsetzte Gesichter.
    Mit Tränen übergossen und schlaksigen Beinen erreichte ich nach diesem rekordverdächtigen Kurzsprint die mutmaßliche Kindsmörderin und fand meine Kleine augenscheinlich unversehrt dicht vor dem Kühlergrill hockend wieder. Verängstigt war sie, zitterte wie Espenlaub und schrie schriller als eine Trillerpfeife.
    Fast schon gehechtet stürzte ich mich neben sie und nahm sie in die Arme. Ich spürte, dass sie mich in dieser Not doch vermisst hatte. Mit Wangenkuss und sanftem Rückenstreicheln versuchte ich sie zu beruhigen, was aber in Anwesenheit der extremst aufgebrachten Fahrerin ein unmögliches Unterfangen darstellte.
    „Sind Sie die Mutter dieser Göre?“
    Wenn Blicke töten könnten, dann hätte ich in jenem Moment einen Mord begangen.
    Sie provozierte unbeirrt weiter, als wäre dies ihre Leidenschaft gewesen. „Legen Sie das Balg an die Leine! Die ist ja lebensmüde!“
    „Seien Sie gefälligst still!“, brüllte ich ebenso aggressiv zurück und hielt Mary dabei die Ohren zu. „Sie haben absolut gar keine Ahnung...“
    „HALTEN Sie die Klappe!“, machte sie mich augenblicklich mundtot. „Na danke auch!“ Ausladende Gesten. Angewidert, zorngeladen rieb sie mit Spucke und Handballen in hektischen Kreisbewegungen über die Ecke der Windschutzscheibe. „Jetzt habe ich auch noch eine Schramme von ihrem scheiß Bären!“
    „Immerhin nicht meine Tochter!“
    Sie keuchte verblüfft. „Jetzt bin ich also noch schuld, weil Sie zu unfähig sind, auf Ihr Kind aufzupassen? So eine Rabenmutter wie Sie hätte abtreiben sollen!“
    Das war zu viel. Affektiv riss ich mich hoch und stürmte mit ausgestreckter Hand auf sie zu. So schnell konnte sie gar nicht reagieren, da hatten sich meine Finger schon in ihrer Bluse vergraben. Mit einem kräftigen Ruck befreite sie sich aber sofort wieder, dabei riss ich ihr die Bluse halb auf und die abgesprungenen Knöpfe landeten klirrend zu unseren Füßen.
    Völlig verstört wanderte ihr Blick an sich herab und stoppte auf halber Strecke beim freigelegten BH. Ich war ebenso erstaunt darüber, was gerade passiert war, aber blieb geistesgegenwärtig genug, um Mary die Augen zuzuhalten. In solch eine peinliche Situation wollte ich die Frau trotz ihrer harschen Worte nun trotzdem nicht bringen.
    Andererseits war ich so voller Adrenalin, dass mein Vernunftdenken gemindert blieb und ich der hocherröteten Frau erneut Konter gab: „So etwas kann nur eine sagen, die selbst keine Kinder hat!“
    Verzweifelt hielt sie sich mit der linken Hand die Bluse zu, während sie mit der anderen die Tür öffnete.
    „Hauen Sie schnell ab, bevor ich mich gänzlich vergesse!“, entgegnete sie nun den Umständen angemessen aufgebracht und stieg wieder ein.
    Ich schnappte mir mein immer noch weinendes Kind und führte sie zurück zum sicheren Gehweg. Nur einen flüchtigen Blick schenkte ich der bloßgestellten Fahrerin in ihrem protzigen RollsRoyce, die ohne weitere Provokationen das Geschehen verließ.
    Einige Meter weiter fanden wir Marys Kuscheltier am Straßenrand wieder. Immerhin hatte er nicht allzu sehr leiden müssen. Nur etwas von Kehrdreck verschmutzt, der sich leicht abklopfen ließ.

    Ich bin mir nicht sicher, mit welchen Waffen der dritte Weltkrieg ausgetragen wird, aber im vierten Weltkrieg werden sie mit Stöcken und Steinen kämpfen.


    -Albert Einstein-
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  • hehe VorteX
    Im ideen Ordner eine Firma die sich durch Robotik durchsetze und Konkurrenten wie Inter-Corp und Eisenherz bei weiten überlegen ist.


    Armes Kind hoffe es gibt mal Sonnenschein in ihrem kleinen kurzen Leben.

  • Hey,


    ich habe mal den nächsten Post gelesen: Ellie Hampton 18 Jahre


    als Ellie erzählt, sie hätte eine alte Dame beklaut, dachte ich zuerst, dass sie den Lolli vielleicht aus ihrer Handtasche hatte...das hätte ja durchaus sein können..., aber du hast den Lolli nicht erwähnt, sondern nur von Bonbons gesprochen. Vielleicht wäre es cool, den Leser noch ein bisschen im Ungewissen zu lassen, indem man von "Süßem" sprechen würde...dann würde man nämlich zu spekulieren anfangen, ob damit eventuell der Lolli gemeint sein könnte und ob Ellie das Mädchen vielleicht gar nicht wirklich getroffen hat und sie der Mutter später nur von der Begegnung berichtet, um das Geld von ihr zu bekommen...Mist, verstehst du irgendwie, was ich sagen will?


    Nachher kommt ja raus, dass sie den Lolli einsammelt, weil die Kleine ihn verliert...aber so könnte man den Leser zumindest noch ein bisschen im Ungewissen lassen...(das fänd ich irgendwie cool)


    Ansonsten fügt sich die Geschichte ja langsam zusammen...bin gespannt, wie es weitergeht :)
    LG,
    Rainbow

  • Danke, @Falkefelix und @Rainbow, dass es euch weiterhin gefällt. :alien:

    als Ellie erzählt, sie hätte eine alte Dame beklaut, dachte ich zuerst, dass sie den Lolli vielleicht aus ihrer Handtasche hatte...das hätte ja durchaus sein können..., aber du hast den Lolli nicht erwähnt, sondern nur von Bonbons gesprochen. Vielleicht wäre es cool, den Leser noch ein bisschen im Ungewissen zu lassen, indem man von "Süßem" sprechen würde...dann würde man nämlich zu spekulieren anfangen, ob damit eventuell der Lolli gemeint sein könnte und ob Ellie das Mädchen vielleicht gar nicht wirklich getroffen hat und sie der Mutter später nur von der Begegnung berichtet, um das Geld von ihr zu bekommen...Mist, verstehst du irgendwie, was ich sagen will?




    Nachher kommt ja raus, dass sie den Lolli einsammelt, weil die Kleine ihn verliert...aber so könnte man den Leser zumindest noch ein bisschen im Ungewissen lassen...(das fänd ich irgendwie cool)

    Deine Anmerkung, oder der Vorschlag, mit dem Lolli und der Nascherei war mir wirklich anfangs eine Überlegung wert. Aber Sharon hat doch gesagt, dass dies der Lutscher von Mary ist, den sie von der alten Frau bekommen hat. Hätte jedoch Ellie Hampton den Lutscher schon vorher geklaut, hätte Barbara ihn doch gar nicht Mary geben können. Und Sharon hätte gar nicht davon erfahren, dass Barbara jemals einen Lutscher bei sich hatte, denn Barbara hat nicht erwähnt, was geklaut wurde. Somit würde Sharon bezüglich der Bonbons keine Verbindung zu ihrem Kind aufbauen können.

    Armes Kind hoffe es gibt mal Sonnenschein in ihrem kleinen kurzen Leben.

    Dann wird dich der folgende Part bestimmt sehr freuen. :alien:




    Claudia Morgan 32 Jahre



    Durchgeschwitzt und wutgeladen kam ich viel zu spät auf der Arbeit an. Schon im Voliere beglotzten mich die Leute, als wäre ich ein Alien. Verständlich, wenn man beachtete, dass ich mein Jackett trug und mein komplettes Beinkleid vom klebrigen, stinkenden Kaffee ruiniert war.
    Und dann kam ich zu meiner Sekretärin, diese unterwürfige Mitläuferin.
    „Guten Tag, Frau Morgan!“
    „Sie können sich Ihr ‚Guten Tag‘ sonst wohin stecken!“
    „Was ist passiert?“
    „Was für eine dumme Frage! Was ist passiert?!“ Ich deutete auf mich und den heruntergekommenen äußerlichen Zustand, in dem ich mich befand. „Zuerst pöbelt mich so eine blöde Bettlerin an, dann meinte ein Mann, er müsste mit seiner Rostlaube DURCH die Straßenbahn fahren und zu guter letzt läuft mir so eine Göre vors Auto!“
    Entsetzt riss sie die Augen weit auf und ließ glatt ihren Kuli fallen. „Hoffentlich ist dem Kind nichts passiert...“
    Augenrollen meinerseits. „Wieder so typisch für Sie, dass Sie sich nur für Kinder interessieren!“
    Dazu schwieg sie, das hätte ich ihr auch geraten. Weil aber auch sonst nichts weiter von ihr kam, lag es an mir, die Situation zu retten. „Habe ich denn irgendwas in den fünfzehn Minuten verpasst? Stehen irgendwelche Termine für heute an? Was ist mit dieser Bewerberin?“
    Auf den Ordnerstapel neben sich zeigend, öffnete sie den Terminkalender und überreichte mir eine Kopie des heutigen Tages. Ich schnappte mir die Utensilien, klemmte sie unter meinen Arm und stakste in Richtung Büro.
    „Soll ich Ihnen einen Tee bringen?“, rief sie hinterher.
    Ich nickte bestätigend. „Und besorgen Sie mir schleunigst einen neuen, sauberen Anzug! Und eine Bluse!“


    ***


    Moira Nova 24 Jahre



    Dort stand es, das C.M.D-Gebäude. Endlich war ich angekommen. Wenn auch mit zwei Minuten Verspätung.
    Mit meinen letzten Reserven hechtete ich über den Firmenparkplatz und wäre beinahe noch auf den spiegelglatten Marmorplatten nahe des Brunnens ausgerutscht. Als mein Blick kurz nach rechts schwenkte, sah ich etwas gesondert wieder den schwarzen RollsRoyce stehen. Ich ahnte schlimmes.


    ***


    Sharon 40 Jahre und Mary Thomson 9 Jahre



    Als wir an der Bushaltestelle auf den 26er warteten, ich auf der Bank sitzend und sie auf meinem Schoß, entging mir nicht ihr sehnsüchtiger Blick hinüber zur Eisdiele auf der anderen Straßenseite.
    Ich schaute ungeduldig auf die Uhr. Noch sieben Minuten.
    Warum ich das tat, wusste ich auch nicht. Zumal ich nur Augenblicke später erneut auf die Uhr schaute und erstaunt feststellte, dass es immer noch sieben Minuten waren. Vermutlich wollte ich mich nur von dem Gedanken an Marys mögliche Sehnsüchte ablenken. Wenigstens blieb sie vorerst ruhig und sprang nicht mehr herum wie ein aufgeschreckter Grashüpfer auf der Flucht vor dem Rasenmäher.
    Plötzlich schreckten wir beide auf und schauten im Duo nach links. Ich glaube, es war wieder das Geräusch quietschender Reifen. Jedoch konnten wir die Quelle nicht ausfindig machen.
    Minuten vergingen und am Ende der Straße konnte ich unseren Bus erblicken.
    ...
    ...
    ...
    War ich wirklich so eine schlechte Mutter? Wieso bin ich mit meiner Tochter so streng gewesen? Hätte ich ihr den Lolli lieber doch gönnen sollen? Verdiente ich Mary überhaupt, wenn ich sie ohnehin nur wie ein lästiges Anhängsel behandelte?
    Ich schwor mir damals, Mary ein besseres Leben geben zu wollen. Aber was ich heute gemacht habe, war nicht zu verantworten. Sollte dies wirklich der Kern ihrer Kindheit sein? Wieso war es für mich so schwer, auch mal meiner Tochter etwas zu gönnen, und ausschließlich meiner Tochter?
    Diese Gedanken machten mich traurig. Zweifel suchten mich heim.
    Heute hätte ich beinahe mein Kind verloren, weil ich nicht stark genug war. Nicht stark genug, meinen Unmut zu unterdrücken und ein Kind einfach mal ein Kind sein zu lassen.
    ...
    ...
    ...
    Ich kehrte in die Realität zurück. Wie ferngesteuert griff ich zu meiner Tasche und kramte das Portmonee hervor. Ich hatte ausreichend Geld dabei.
    Leicht strich ich meiner Süßen eine Strähne hinters Ohr, allein um Ihre Aufmerksamkeit zu erhalten und sagte: „Mary, weißt du, was wir jetzt machen werden?“
    Verdutzt schaute sie mich aus den Augenwinkeln an und wischte sich eine letzte Träne weg. Sie schüttelte den Kopf.
    „Wir werden jetzt ein leckeres Eis schlecken.“ Fröhlich lächelte ich sie dabei an. „Wie gefällt dir das?“
    Und sie fing auch wieder an zu lächeln, was sich schnell zu einem fröhlichen Grinsen entwickelte.
    Und ehe ich mich versah, sprang sie mir um den Hals und drückte mich so fest sie konnte. „Mama, du bist die beste Mama der ganzen Welt!“
    Das berührte mich zutiefst im Herzen. Ich war überwältigt, wusste nicht, was ich darauf antworten sollte. Um ehrlich zu sein fühlte ich mich etwas beschämt, meiner Tochter nicht schon viel eher eine solche Freude gemacht zu haben.
    Der Bus fuhr vor, ich winkte ab und er verschwand wieder. Anschließend machten wir uns auf den Weg zur Eisdiele. Diesmal aber passten wir zweimal auf, dass uns kein Auto in die Quere kam.

    Ich bin mir nicht sicher, mit welchen Waffen der dritte Weltkrieg ausgetragen wird, aber im vierten Weltkrieg werden sie mit Stöcken und Steinen kämpfen.


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  • Deine Anmerkung, oder der Vorschlag, mit dem Lolli und der Nascherei war mir wirklich anfangs eine Überlegung wert. Aber Sharon hat doch gesagt, dass dies der Lutscher von Mary ist, den sie von der alten Frau bekommen hat. Hätte jedoch Ellie Hampton den Lutscher schon vorher geklaut, hätte Barbara ihn doch gar nicht Mary geben können. Und Sharon hätte gar nicht davon erfahren, dass Barbara jemals einen Lutscher bei sich hatte, denn Barbara hat nicht erwähnt, was geklaut wurde. Somit würde Sharon bezüglich der Bonbons keine Verbindung zu ihrem Kind aufbauen können.

    Ja, es sei denn, man würde anmerken, dass die alte Dame gleich mehrere dieser Lutscher bei sich tragen würde... Es gibt ja Omas, die haben die ganze Tasche voll davon :D Wenn Ellie sie also nicht alle geklaut hätte, wäre vielleicht noch einer für die kleine Mary übriggeblieben. So zumindest könnte man es zurechtbiegen...oder irre ich mich jetzt komplett? Naja, war ja ohnehin nur so ein Gedanke von mir ^^ Ist auch nicht so wichtig.


    LG,
    Rainbow

  • Den Nova Abschnitt würde ich raus nehmen zu wenig Text. Lass dir ruhig Zeit mit den einzeln Chara.


    Kommt die Crack Familie eigentlich noch wieder?


    Und erleben wir wie die Bettlerin eine Lebenswende bekommt?




    Schön nicht zu viel versprochen. irgentwie denk ich bei den zwei immer an Umbra und Amara. Ich sollte nach dem Katzensitten wieder schreiben.


    Mfg

  • Den Nova Abschnitt würde ich raus nehmen zu wenig Text. Lass dir ruhig Zeit mit den einzeln Chara.

    Ich hatte die Geschichte bereits fertig geschrieben, bevor ich den Startpost geschrieben habe. Von daher kann und werde ich die Charaktere nicht nochmal überarbeiten, weil sie genau so sind und handeln, wie ich es für die Story brauche. Weiterführend habe ich die Geschichte nicht in der Endreihenfolge niedergeschrieben, sondern jeden Charakter nacheinander. Deshalb ist dieser Moira-Part so klein, weil er zeitlich nicht zum vorherigen Teil von Moira passt. Denn Claudia muss noch vor Moira beim C.M.D ankommen. Dennoch finde ich es gut, dass du es angemerkt hast. :alien: Ich würde bezüglich dieses Parts noch gerne auf die Meinung von @Asni warten. :alien:

    Kommt die Crack Familie eigentlich noch wieder?




    Und erleben wir wie die Bettlerin eine Lebenswende bekommt?

    Du bist zu ungeduldig! :alien: Alles zu seiner Zeit.




    Thekla ~27 Jahre



    Mit Knietschen und Schmatzen kaute ich mein Bubble Yum und formte eine kleine Blase, bis sie zerplatzte. Unbeeindruckt vom Treiben um mich, schlenderte ich gemütlich über die feldgrauen Betonsteine und trug meine Lederhandtasche wie ein Pendel spazieren.
    Vor mir lief eine Mutter mit ihrem Kind. Das Mädchen sah wirklich toll aus in ihrem roten Kleidchen. Beide hatten ein Eis in der Hand und schleckten fast schon synchron daran. Überglücklich wirkten sie.
    Sie entlockten mir glatt ein Schmunzeln.
    Die Passanten, die uns entgegenkamen, reagierten sehr unterschiedlich auf mich. Vorzugsweise jüngere Männer fingen spontan an zu grinsen oder gingen noch einen Schritt weiter und pfiffen mir hinterher. Die Frauen dagegen, wie auch sonst zu erwarten, wirkten neidisch und angewidert. Und die Mutter vor mir schaute ihnen immer nach. Wie auch das kleine Mädchen ab und zu einen Blick nach hinten wagte.
    Ich lächelte sie jedes Mal fröhlich an.
    Je länger ich ihnen folgte, umso häufiger drehte das Kind sich nach mir um. Es schien fast so, als hätte die süße Kleine nicht genug von mir bekommen. Das lenkte sie so sehr ab, dass sie glatt das Eisschlecken vergaß.


    Irgendwann blieben sie dann vor einem Plakataufsteller stehen und betrachteten diesen.
    Ich tippelte an ihnen vorbei, das kleine Mädchen blickte erneut zu mir und verleitete mich zum spontanen Stehenbleiben.
    „Willst 'nen Gummi?“, fragte ich augenzwinkernd und zog mit den Fingern einen langen Faden, den ich im Weitergehen aufwickelte.
    Erst im Nachhinein ist mir aufgefallen, dass meine Wortwahl nicht die Beste war, weshalb die aggressive Reaktion der Mutter durchaus angebracht war. „Was fällt Ihnen ein, meine Tochter anzusprechen?!“
    Und ehe ich mich versah, drückte sie mich gegen die nackte Hauswand. Ihr Blick hätte töten können.
    „Hey, bleiben Sie ruhig, ja?“, entgegnete ich mit halb nach oben gestreckten Armen.
    „Ich soll ruhig bleiben?!“, fauchte sie zurück und erstach mich regelrecht mit ihrem Zeigefinger. Ihre Augen sprühten nur so vor Zorn. Und dazu noch ihr angewidertes Gesicht, als sie an mir herabsah. „Schauen Sie sich mal an!“
    „Und?“, gab ich schnippisch zurück und spitzte trotzig die Lippen. Dann zeigte ich zum Mädchen rüber. „Ich wollte der Kleinen doch nur einen Kaugummi anbieten...“
    Sofort riss sie mir die Hand herunter und fuchtelte drohend mit dem Finger vor meiner Nasenspitz herum. „Das haben Sie so aber nicht gesagt, Fräulein!“
    „Mein Gott!“ Augenrollen. Schulterzucken. „Kaugummi.Gummi. Wo ist da der Unterschied?“
    Ihr Blick musterte mich erneut, diesmal noch viel strenger. „Für Sie offensichtlich keiner...“
    „Wissen Sie was?“, traute ich mich zu mutmaßen und drückte die prüde Tussi etwas auf Abstand. „Offenbar brauchen SIE ein Gummi dringender als ihre Tochter.“
    Dann nahm ich ein Kondom aus der Handtasche, riss die Verpackung ab und stopfte ihr das Preservativ schnurstracks in den Ausschnitt.
    Sie schrie auf, schrill und klirrend. Es verblüffte sie so sehr, dass sie einen großen Satz zurück machte und sich wild den Ausschnitt durchschüttelte. Als hätte sich ein Käfer in ihrem Kleid verirrt oder einen Regentanz aufgeführt.
    Ich nutzte die Gelegenheit, holte nun einen echten Kaugummi hervor und warf es dem Mädchen direkt vor die Füße. Anschließend nahm ich die Beine in die Hand und nahm reißaus.


    Hinterm Kino angekommen, sah ich bereits die anderen unter dem schmalen Vordach der leerstehenden Lagerräume stehen. An jedem Stützpfeiler eine. Dass der Parkplatz angrenzte, störte die meisten von uns nicht. Vielmehr begünstigte diese Lage unser Einkommen.
    Vermutlich ist es selbsterklärend, dass ich mich zu der Minderheit zählte, die ungern hier anschaffen ging.
    Aber wo sollten wir als freie Prostituierte sonst hin? Frei, weil wir keinen Zuhälter hatten. Niemand wollte uns begegnen und schon gar nicht etwas mit uns zu tun haben. Und die anderen Plätze, wo unsereins verkehrte, waren meistens schon für die gebundenen Huren reserviert.


    Eine gute halbe Stunde später traf dann endlich potenzielle Kundschaft ein.
    Ein silberner Bentley mit Chromfelgen. Der Fahrer trug einen schwarzen Anzug, hatte Vollglatze und war so um die vierzig.
    Wie vermutet kam er in unsere Richtung, nachdem er kurz die Umgebung abgecheckt hatte.
    Hatten wir da etwa einen großen Fisch an der Angel? Jemand mit viel Geld und keinen Ideen, wofür er es verscherbeln sollte?
    Meine Kolleginnen posierten für ihn, rekelten sich lasziv an den Stützpfeilern, aber der Kerl schien sie gar nicht beachtet zu haben, sondern ging schnurstracks auf mich zu. Ich wusste nicht, wie ich reagieren sollte. Bisher hatte sich noch niemand auf Anhieb für mich interessiert.
    Viel zu unsicher war ich, versuchte aber, lässig und unbeeindruckt zu wirken. Leicht lehnte ich mich an die Wand, die Hände dabei vor der Brust verschränkt. Und mit den Zähnen knirschte ich munter auf dem Kaugummi herum.
    Er stand vor mir und richtete seine Krawatte. Am Handgelenk blitzte eine goldglänzende Armbanduhr. Ich musterte ihn weiter, von Kopf bis Fuß. Erst nach einigen Sekunden erkannte ich den Ansatz eines Tattoos am Unterarm, sowie ein weiteres am Hals. Die blank geputzten Schuhe fielen mir auch noch auf.
    Doch immer noch konnte ich mir keinen wirklichen Reim aus ihn machen.
    Er nickte mir angedeutet zu. „Was hast du zu bieten?“
    Ich lächelte ihm keck zu und blies eine kleine Kaugummiblase, bis sie zerplatzte. „Kommt drauf an, was dein Portmonee sagt.“
    Von sich überzeugt schaute er in jenes und zückte einen Schein. „Zwanzig?“
    „Alter, willst du mich verarschen?“ Ich zeigte zum Bentley rüber. „Deine Karre allein hat mehr gekostet, als ich im ganzen Leben hiermit verdienen kann.“
    „Fünfzig“, war sein neues Angebot.
    Ich schüttelte den Kopf. „Komm schon, lass mal 'nen Franklin rüberwachsen.“
    Er zögerte kurz, aber willigte dann doch ein.
    Ich nahm den Hunderter entgegen und führte den Mann zum Hinterhof. Dort angekommen, stellten wir uns an die Wand und ich fragte ihn, was genau seine Vorstellungen waren.
    Und ehe ich mich versah, griff er hinter sich in den Hosenbund und zog eine Pistole hervor.
    Ich schreckte mehrere Meter zurück und verschluckte glatt meinen Kaugummi. Er hielt mir den Lauf entgegen und sofort schnellten meine Hände hoch.
    „Hey, Mann, mach keinen Scheiß!“
    Er winkte mich zu sich.
    Ich kam dem nach, machte aber ganz kleine Schritte. „Komm schon, Mann, steck das Ding weg...“
    „Halt's Maul!“, knurrte er und öffnete hektisch mit seiner freien Hand den Hosengürtel.
    Wirre Vorstellungen schwirrten mir durch den Kopf, wie der Typ dort stand und sich plötzlich ein Schuss löste. Dieser Gedanke machte mich schwach auf den Beinen. Und ich spürte, wie sich ein fester Kloß in meinem Hals bildete, der mir die Luft abschnürte. Schlaksig war mein Gang, die Arme abwehrend vorm Brustkorb verschrenkt.
    Ich stand direkt vor ihm und starrte nur noch auf die Knarre. Mein Kopf schmerzte vor lauter Eindrücken und Gedanken. Ein kalter Schauer legte sich um meine Brust und stach mir mitten ins Herz.
    „Knie dich hin!“, knirrschte er und furchtelte hektisch mit der Knarre vor meinem Gesicht herum.
    Ich gehorchte, hatte ich offensichtlich keine andere Wahl. Aufgeregt führte ich langsam die Hände am mein Gesicht und wischte mir mit den Fingerkuppen den Angstschweiß hinweg.
    „Nimm ihn in den Mund!“ Und bevor ich darauf reagieren konnte, drückte er mir auch schon den Lauf gegen die Stirn.
    Die Panik ließ mich augenblicklich erstarren. Kurzzeitig setzte meine Atmung aus und mein Herz schmetterte hart gegen den Brustkorb. Kein einziges Geräusch entwich meinen Lippen.
    Der kalte Lauf an meiner Stirn. Der Mann presste ihn noch fester dagegen. Seine andere Hand wanderte zu meinen Haaren und grub sich tief in sie hinein.
    „Jetzt zeige mir, dass du hundert Dollar wert bist.“

    Ich bin mir nicht sicher, mit welchen Waffen der dritte Weltkrieg ausgetragen wird, aber im vierten Weltkrieg werden sie mit Stöcken und Steinen kämpfen.


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    Mana

    Einmal editiert, zuletzt von Zarkaras Jade ()

  • ok wen ich das Tempo bestimme dan langsamer. Hab noch andere Geschichten zu lesen.


    Hmm scheinbar brauch jemmamd ein Gumgum?


    Feedback 2.0 Thekla 27


    Vorab ich lass es vor paar Tagen und geb nur Rückmeldung was noch hängen geblieben ist auf Wunsch von Jade.


    Bei diesen Abschnitt denk ich mir: warum folgt Thekla die Mutter und das Kind ? Kann auch falsch interpretiert sein aber in den ersten Sätzen dacht ich hmm ist sie eine gute oder schlechte. Was mir ebenfalls quer liegt ist das die Mutter schon wieder auf 180 ist. Hat sie von der Flucht doch nichts gelernt ? Wen es so ist tut es mir leid fürs Kind. Das die "Nute" so rum zickt passt förmlich zu dieser Stadt in der wohl jeder ein schlechten Tag hat. die Drohung die der Fremde Kunde hat kommt auch sehr gut zur Geltung ob der Spruch "nimm ihn in den Mund" passt lass ich mal offen. Den mir fällt kein anderer Spruch ein. Vielleicht "Lutsch luder oder ich Knall dir dein schlampen Gesicht weg. Aber der letzte Satz kommt wieder echt gut. Wen man nun im nächsten part sie weinen sieht hast du echt eine erst stolze Person zu ein kleinen niemand gemacht und das mit ein übeln Eingriff.


    Ps vielleicht kommt die Drogen Familie wieder und hilft dem Freuden Mädchen?

  • Hey @Zarkaras Jade,


    habe den nächsten Post gelesen: Stanville 21.6.2017 Claudia Morgan 32 Jahre



    LG,
    Rainbow

  • So, wie versprochen habe ich jetzt mal aufgeholt.

    „Alice, man darf sein Leben nicht nach anderen richten. Du allein musst die Entscheidung fällen.“ [Alice im Wunderland]

  • Hey,


    zu Post 10 Stanville: 21.6.2017 Moira Nova 24 Jahre



    LG,
    Rainbow

  • Danke vielmals für die Antworten und Kommentare, @Falkefelix @Asni und @Rainbow.




    Claudia Morgan 32 Jahre



    Ungeduldig wartete ich in meinem Sessel, der trotz Bequemlichkeit mir keine Ruhe verschaffen konnte. Eingekleidet in ein neues Dress war ich bereit, die junge Dame in Empfang zu nehmen. Doch was mich dann erwartete, ging auf keine Kuhhaut. Ihre Aufmachung war, sagen wir mal, sonderbar. Fettige Haare, durchgeschwitzte Bluse, dreckige Schuhe und dann auch noch fünf Minuten zu spät!
    Wenn sie dachte, sie hätte auch nur den Hauch einer Chance, eine Stelle bei uns zu bekommen, dann würde ich ihr diese Illusion gern austreiben.


    Ich deutete mit dem Kugelschreiber auf den Stuhl. „Setzen Sie sich.“
    Dem kam sie nach, ich nahm derweil ihre Bewerbung zur Hand. Durchgelesen hatte ich sie mir schon mehrmals und ich musste zugeben, dass ihre Konditionen überragend waren. Aber nun hatte ich ein anderes Bild vor Augen.
    „Sie bewerben sich also für die Stelle als Designberaterin?“, fragte ich skeptisch und warf wieder einen Blick in Bewerbungsmappe und Unterlagen. Ein besonderes Augenmerk legte ich dabei auf die entzückenden Bilder, die mir Michelle vor kurzem geschickt hatte. Rein künstlerisch-malerisch sehr ansprechend, jedoch für meinen Geschmack etwas zu direkt. Nicht etwa, dass sie freizügig oder gar anstößig waren. Mich störte es, für wen sie die Fotos gemacht hatte.
    Die junge Frau beantworte nebenher kurz und knapp meine Frage, was ich peripher mitgekriegt habe. Wenigstens war ihre Stimme angenehm für die Ohren.
    „Warum glauben Sie, sind Sie am geeignetsten für diese Stelle?“ Mir persönlich war ihre Antwort darauf völlig egal, weil ich sie ohnehin nicht mehr einstellen wollte, nachdem ich ihre Bilder gesehen hatte. Aber ich mochte es, die Bewerber schwitzen zu sehen.
    Sie war eh viel zu attraktiv für diese Stelle. Die Kunden sollten schließlich wegen uns und nicht nur wegen ihr hierherkommen.
    Bevor sie mich noch weiter langweilte mit ihren generischen Antworten, unterbrach ich sie kurzerhand: „Sie sind Foto- und Werbemodel?“
    Völlig irritiert starrte sie mich an. „Wie bitte?“
    „Ich entnehme aus meinen Unterlagen, dass sie zur Zeit als Model ihr Geld verdienen. Stimmt das?“
    „Ja...“, erwiderte sie unsicher. „Aber das habe ich doch gar nicht erwähnt in meiner Bewerbung.“
    „Haben Sie auch nicht.“
    „Ich denke aber nicht, dass das ein Problem darstellt...“
    „Nun ja...“, hakte ich ein. „In gewisser Weise schon.“
    „Aber... Ich...“ Sie geriet ins Stocken. War auch nicht anders zu erwarten. „Sie könnten doch aber auch davon profitieren.“
    Schief schaute ich sie mit hochgezogener Braue an. „Ich wüsste nicht, inwieweit unser Unternehmen damit Gewinn erzielen sollte.“
    „Ich könnte doch für Ihr Unternehmen Werbung machen...“ Dies untermalte sie mit einem Lächeln, so süß wie Zucker nur sein konnte. Beinahe hätte sie mich auch gekriegt.
    „Das ist ja der Kern des Problems“, entgegnete ich, bevor sie wiederum mich noch weiter einlullen konnte, „Sie haben bereits für unsere Konkurrenz als Werbemodel gearbeitet.“
    Sie stutzte, runzelte die Stirn. „Es tut mir Leid, aber das konnte ich nicht wissen...“
    „Soll das etwa heißen, dass Sie sich gar nicht intensiver mit unserem Unternehmen beschäftigt haben?“
    „Doch, das habe ich!“, entgegnete sie sofort mit energischem Nicken. „Aber ich weiß ja nicht mal, auf welchen Werbeauftrag Sie sich beziehen...“
    „Das kann ich Ihnen sofort sagen. Flowers and Fireflies, vom sechundzwanzigsten Mai diesen Jahres.“ Ich legte das Cover offen auf den Tisch, denn ich liebte es, sie direkt damit zu konfrontieren. Wäre ich nicht in der Position, in der ich gerade bin, hätte ich mich positiv über diese Bilddarstellung geäußert. Aber dieses Werbefoto hätte aufgrund der guten Marketingqualität uns verzweifelt aussehen lassen, als wenn wir extra die Konkurrenz bestechen müssten, damit sie für uns arbeitet. „Ich kann Sie leider nicht als Designberaterin einstellen, auch wenn Ihre Qualitäten mehr als ausreichend sind.“
    „Aber woher haben Sie denn diese Fotos?“
    „Die Quellen sind vertraulich. Ich bitte Sie nun zu gehen.“
    „Ich finde das dreist und unfair!“, schimpfte sie und schlug wütend die flache Hand auf den Tisch. Dann titschte sie auf die Bilder, bohrte regelrecht ihren Fingernagel in das laminierte Papier. „Wenn es wenigstens Aktfotos wären, dann würde ich das verstehen!“
    „Sie brauchen nicht anfangen zu diskutieren, meine Aussage bleibt bestehen. Ich werde Sie unter diesen Umständen nicht einstellen!“
    Dann erhob sie sich völlig erbost, schnappte sich ihre Handtasche und verließ ohne weiteres Wort mein Büro. Doch kaum lehnte ich mit zurück und schnaufte tief durch, hörte ich sie draußen auf dem Flur lautstark rufen: „Arrogante Bonzenschlampe!“
    Ich belächelte ihre Wortgewandtheit und betrachtete mit breitem Grinsen nochmals die Fotos. Für mich stand fest, dass sie ohnehin nicht in unser Unternehmen passte.

    Ich bin mir nicht sicher, mit welchen Waffen der dritte Weltkrieg ausgetragen wird, aber im vierten Weltkrieg werden sie mit Stöcken und Steinen kämpfen.


    -Albert Einstein-
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    Mana

  • Moin
    Sehr nett dieser Einwurf. Schade das sie schon das Urteil schon so schnell gefällt hat was mich etwas im Hinterkopf hängen geblieben ist:


    Sie liest die Bewerbung mehrmals war aber prompt "auf kein Fall diese Frau"


    Was ich gut finde ist ihre:
    5 Min zuspät geht gar nicht und
    "Wenigstens war ihre Stimme angenehm für die Ohren".

    Fremdwörter 2


    Das war meine morgen Meinung.


    Ps weiter so


  • Edit:

    „Alice, man darf sein Leben nicht nach anderen richten. Du allein musst die Entscheidung fällen.“ [Alice im Wunderland]

    Einmal editiert, zuletzt von Asni ()

  • Hey,


    zu Post 13 :)



    LG,
    Rainbow

  • Hey,


    hier kommen meine Anmerkungen zu Post 21 :)



    LG,
    Rainbow

  • Vielen Dank, @Asni @Falkefelix und @Rainbow für die Rückmeldungen und Amerkungen. :alien:




    Thekla ~27 Jahre



    Meine Gedanken kreisten ständig um den Typen mit der Knarre. Es beschäftigte mich einfach zu sehr. Die Vorstellung allein war schauderhaft genug, um sie möglichst schnell wieder verdrängen zu wollen.
    Dieser Moment, wenn du denkst, du hast verkackt. Und du siehst keinen anderen Ausweg, als die totale Eliminierung deiner Empfindungen. Mich packte der Überlebenssinn. Ich unterwarf mich meinem Peiniger, gab mich der psychischen Folter hin. Atemnot und Brechreiz waren für mich keine Hürden mehr. Die Angst blendete sie einfach aus.
    Ich wusste, jeden Augenblick konnte es vorbei sein. Bevor ich auch nur den Schuss gehört hätte, wäre mein Kopf schon längst auf dem Asphalt aufgeschlagen. Die Erkenntnis, dass Zögern unweigerlich zum Tod führen würde, weckte in mir Fähigkeiten, die ich zuvor noch nie wahrgenommen hatte. Fähigkeiten, auf die ich keineswegs stolz sein wollte, jedoch mir die Chance gaben, mein erbärmliches Leben fortzuführen.
    Ich wusste nicht, wie lange es dauerte. Ich wusste nicht einmal, ob die Gefahr überhaupt existent war. Ich wusste einfach nicht, wie ich es geschafft hatte.
    Aber anscheinend war meine Leistung ausreichend.
    Denn makabererweise bedankte er sich anschließend sogar bei mir für dieses besondere Erlebnis und steckte mir zwanzig Dollar extra zu. Vielleicht war es auch nur ein Test? Vielleicht gab es ihm den besonderen Kick, andere derart zu quälen?


    Nun war ich allein hier auf dem Parkplatz. Die anderen drei hatten gerade zu tun. Meine Wasserflasche war fast leer. Das ständige Arbeiten mit dem Mund erforderte viel Flüssigkeit. Und schon seit geraumer Zeit zeigte sich kein potenzieller Kunde mehr. Drum entschloss ich, kurz zur Tankstelle zu gehen und mir neues Trinken zu holen.
    Aber kaum war ich dabei, mich auf den Weg zu machen, verirrte sich doch noch ein Kandidat hierhin. Ich zögerte kurz und beobachtete ihn genau. Erst schländerte er ein wenig an den Parkbuchten entlang, blieb ab und an stehen und schaute sich um. Ich ging etwas aus dem Schatten und scharrte leicht mit der Sohle über den Boden.
    Er sah zu mir rüber und kam kurz darauf näher. Ungeduldig wippte ich auf und ab, wollte eigentlich nicht länger warten. Aber Kundschaft ging nun mal vor.
    Je näher er mir kam, umso mehr war er offensichtlich von mir angetan. Sein breites Lächeln und die lockeren Bewegungen deuteten das an.
    Ich ging ihm ein Stück entgegen, dabei schmatzte und knietschte ich lautstark auf dem Kaugummi herum.
    „Hey, du!“, rief ich und nahm sexy Pose ein. „Hast' Bock?“
    Unverzüglich griff er in seine Hosentasche und zog einen Fünfzig-Dollar-Schein hervor. Wir kamen ins Geschäft.
    „Wo willst's machen?“
    Er winkte ab. „Hier ist schon okay.“
    Leicht irritiert war ich, stimmte dennoch zu. Solange es ihm nichts ausmachte, eventuell gesehen zu werden. Mir machte es erstrecht nichts aus.
    Er nahm seinen Rucksack ab und ich hockte mich breitbeinig hin. Dann begann ich, seine Hose zu öffnen. So, wie ich ihn anhand seiner Ausstattung einschätzte, würde es eh nicht länger als zehn Minuten dauern.
    Doch es sollte ganz anders kommen. Während ich voll bei der Sache war, nahm er eine Kamera aus seinem Rucksack und knipste unverzüglich ein Foto von mir.
    Und dann noch eines.
    Wütend sprang ich auf, wischte mir den Speichel weg und grabschte nach dem Apparat. „Hey, was soll der Scheiß?!“
    Doch er reagierte sofort und machte einen Ausfallschritt nach hinten, um schließlich noch ein Foto von mir zu machen.
    „Nimm die scheiß Kamera weg!“
    Mit einer Hand hielt er sich den Hosenbund auf halb neun, während er sich mit der anderen die Nikon umhängte. „Zicke nicht rum, ja?! Immerhin hab ich dich dafür bezahlt!“
    „Für Sex! Aber nicht für Fotos!“
    Ihn interessierte es 'nen Scheißdreck, was ich sagte. Er knipste munter weiter.
    „Ich habe gesagt, du sollst die Kamera wegnehmen!“ Wutentbrannt stürmte ich auf ihn zu und versuchte, ihn zu erhaschen.
    Aber er war flinker, wich zur Seite aus und packte meinen Arm. Blitzschnell hatte er mich überwältigt und zu Boden gezwungen. Auf den Knien, in unbequem gebückter Haltung, hockte ich da und er hielt meinen rechten Arm weit nach hinten gestreckt über den Rücken.
    „Ich könnte dir den Arm brechen“, meinte er und bog ihn mehr nach oben.
    Ungeheure Schmerzen durchzogen meine Schulter, Schlüsselbein und Nacken.
    „Lass das, du Wichser!“
    „Was war das?!“ Und er verdrehte nun zusätzlich mein Handgelenk.
    Ich schrie vor Schmerzen, kreischte mir die Qualen aus dem Leib. Tränen kamen mir, meine Atmung wurde flacher. Jeder Zentimeter, den sich mein Körper bewegte, bereitete mir noch mehr Schmerzen.
    „Hilfe!“ Mir lief der Speichel aus dem Mund, ich presste die Zähne aufeinander.
    „Halt die Klappe!“, fauchte er mich an und stellte sich nun auf meine Knöchel.
    Ich konnte mich kein Stück mehr rühren und küsste sogar den dreckigen Boden. Die Lippen pressten sich regelrecht auf das kalte Pflaster.
    „Hilfe!“, spie ich mit letzter Kraft und flehte innerlich, dass er mir doch endlich den Arm brechen würde. Ein leises Schluchzen entfloh meinen Lippen. „Warum hilft mir denn keiner?!“
    Und er ergötzte sich mit schallendem Lachen daran.


    Verschwommen sah ich aus dem Augenwinkel endlich jemanden hinter der Mauer auftauchen. Ein letztes Mal rief ich um Hilfe und hoffte, dass es ausreichte, um die Person auf uns aufmerksam zu machen.
    Und tatsächlich war das Glück keine Sekunde zu spät. Die Gestalt, welche sich langsam in meinen von Tränen ertränkten Augen aufklarte, entpuppte sich als ältere Dame.
    „Lassen Sie die Frau in Ruhe!“
    Sofort ließ er von mir ab, schnappte sich seinen Rucksack und wollte fliehen.
    Die alte Frau rannte ihm entgegen, um ihm den Weg abzuschneiden. Im hohen Bogen holte sie mit ihrer Tasche aus und zimmerte sie ihm gegen den Kopf. Die Wucht war ausreichend, um ihn den Boden unter den Füßen wegzuziehen, woraufhin er ausrutschte und hart mit dem Rücken auf den Beton aufschlug.
    Ich hatte mich derweil hochgehievt und humpelte im Affenzahn zu ihnen rüber. Meine Schulter schmerzte ungeheuerlich, ich konnte den Arm kaum bewegen.
    Die Frau stand wie angewurzelt neben ihm und hielt sich panisch die Hände vor den Mund.
    Leicht benommen wirkte er und drehte sich gequält auf die Seite.
    „Wie gefällt dir das, du Wichser?!“, kreischte ich und trat ihm mit Vollspann in den Bauch.
    „Hören Sie auf!“, schrie mich nun die Alte an, schlang ihre Arme um mich und zerrte mich von ihm weg.
    Nur flüchtige Momente später hatte ich mich wieder etwas beruhigt und sie ließ mich wieder los.


    „Was sollte das?“, blaffte ich und ging langsam zurück zum Unterstand.
    „Ich wollte Ihnen doch nur helfen...“
    „Ich habe keine Hilfe gebraucht!“
    „Dafür haben Sie aber ziemlich laut nach Hilfe gerufen“, murrte sie zurück.
    Augenblicklich blieb ich stehen und schaute sie an. „Hören Sie, Madame. Vermutlich haben Sie es noch nicht erkannt, aber ich bin keine gewöhnliche Frau. Ich bin Prostituierte.“
    „Wollen Sie nicht die Polizei anrufen?“, fragte sie mich.
    Augenrollen. „Warum sollte ich?“
    „Immerhin hat er Sie belästigt.“
    „Und?“, stöhnte ich auf.
    „Was ‚und‘?“
    Ich musste mich stark zusammenreißen, sie nicht zu aggressiv anzugehen. „Sie verstehen es nicht, oder? Ich bin eine Prostituierte.“
    „Dagegen habe ich ja auch nichts“, meinte sie nur schulterzuckend.
    Ich winkte ihr einfach nur ab.
    „Geben Sie mir ihr Telefon“, rief sie dreist hinterher. „Ich rufe die Polizei.“
    „Nein!“
    „Aber solche Kerle müssen angezeigt werden!“, erwiderte sie mit Handgeste zu ihm rüber. „Es hätte auch eine andere junge Frau treffen können.“
    Ich schnaufte durch, legte die Hand in den Nacken und blickte ihr tief in die Augen. „Hören Sie, Madame.“ Dann formte ich das OK-Zeichen, um die nachfolgenden Worte noch mehr zu unterstreichen. „Verschwinden Sie einfach und lassen Sie mich das erledigen.“
    Und nun war ihre Reaktion ein kurzes, knappes: „Nein!“
    Imaginär streckte ich ihr die Zunge raus für dieses trotzige Verhalten.
    Aber sie meinte nur: „Das kann ich nicht mit meinem Gewissen vereinbaren.“
    Zum Teufel mit ihrem Gewissen! Mich kotzten solche Moralpredigten dermaßen an. Obwohl ich wusste, dass sie grundsätzlich recht hatte.
    „Können wir das nicht irgendwie anders regeln?“, fragte ich extrems ausgelöst und ließ meine spontanen Gedanken spielen. „Ich geb' Ihnen 'nen Kaffee aus oder so, und erkläre es Ihnen in Ruhe...“
    „Och bitte“, knauserte sie und verschrenkte die Arme vor der Brust. „Ich wollte eigentlich schon längst bei meiner Tochter sein. Für so einen Quatsch habe ich nun wirklich keine Zeit...“
    „Aber um die Cops zu rufen“, meckerte ich eindeutig berechtigt. „Dann müssten Sie auch hier bleiben, weil Sie schließlich Zeugin sind.“
    „Und was ist mit ihm?“
    Ich winkte ab. „Soll er doch abhauen... Um ehrlich zu sein, wollte ich eh kurz zur Tanke. Dann kann ich Ihnen auch gleich 'nen Kaffee spendieren.“
    Kurz grübelte sie, schaute nochmal zum Typen rüber und wieder zu mir. Dann streckte sie mir die Hand entgegen. „Okay. Sie haben mich überredet.“
    Zufriedenes Nicken.
    Schnell schrieb ich Amber eine Nachricht und dann gingen wir los.

    Ich bin mir nicht sicher, mit welchen Waffen der dritte Weltkrieg ausgetragen wird, aber im vierten Weltkrieg werden sie mit Stöcken und Steinen kämpfen.


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    Einmal editiert, zuletzt von Zarkaras Jade ()

  • Hey Jade hier meine Gedanken dazu:


    Das arbeiten mit dem mund erfordert viel Flüssigkeit. ... Klingt etwas eigenartig. Wen Durst hast würde ich es auch so schreiben.


    Vom Pistolenträger zum nächsten Problem. Warum tun sich Frauen das nur an. Nun ist ja nicht Thema aber ein Gedanke.


    Hero Granny XD. Was das für ein Freuden Mädchen? Schreibt man Wixxer nicht so ?


    Ein sehr gutes Stück. Mich stört zwar die Haltung des freuden Mädchen über alles. Das hat aber nichts mit der Geschichte zu tun. Ebenfalls kommt mir grad der Gedanken das du eventuell kein Ende finden könntest oder seh ich das falsch.


    MfG FH

  • Hey,


    hier meine Anmerkungen zu Post 24, 27, 32 :)



    LG,
    Rainbow



  • Ellie Hampton 18 Jahre



    Es war Abend, die Sonne verschwand hinter den Wolkenkratzern und ein schmales Band diffusem Lichtrauschens legte sich über die Stadt. Straßenlaternen erhellten lokal die Gehwege und imitierten verstörende Schatten. Die Passanten wurden weniger und die streunenden Katzen mehr.
    In Gedanken vertieft, flanierte ich wenig elegant über die verdreckten Pflastersteine, vorbei an den Schaufensterläden. Ich fühlte mich grässlich. Schwerer Schüttelfrost, schmerzende Glieder und Bauchkrämpfe bedeuteten mir, dass ich dringend neuen Stoff brauchte.
    Die Konserve wieder unter meinen Oberteilen tragend, dachte ich an das junge Mädchen. Ob ihre Mutter sie wiedergefunden hat? Ein so kleines Kind sollte nachts nicht allein unterwegs sein. Erstrecht nicht in solch zwielichtiger Gegend.
    Zu gern hätte ich beiden geholfen, schon allein um die Sache mit dem Überfall wiedergutzumachen, aber das Schicksal wollte es mir nicht gönnen.


    Da mein Dealer des Vertrauens neulich angedeutet hatte, er würde mir empfehlen, mich mal etwas hübsch zu machen, nahm ich mir dies für heute vor. Lippenstift und Haarklammern hatte ich ja nun.
    Ich stellte mich vor ein besser beleuchtetes Schaufenster, betrachtete mich im leicht spiegelnden Glas und versuchte, mich etwas aufzuhübschen. Auch wenn mir das nur bedingt gelang.
    Mit rotgepinselten Lippen und seitlich abgesteckten Haaren verschwand ich in einer Gasse und folgte dieser bis zum Ende.
    Mein Dealer war jeden Abend um dieselbe Zeit an diesem Ort, da er wusste, irgendwann würde jeder neuen Stoff brauchen.
    Vorsichtig stakste ich über das Kopfsteinpflaster, versuchte nicht in die Pfützen zu treten. Links und rechts standen volle Müllsäcke und durchgeweichte Holzpaletten. Ab und an begegnete ich anderen Junkies und Obdachlosen, die mich mit flüchtigem Nicken abcheckten. Keiner, der es nicht nötig hatte, verlor sich in dieser Gegend.
    Nur wenige kannte ich noch vom letzten Mal.
    Ich hielt mich hier nie länger als nötig auf, weil man nie wissen konnte, ob wieder ein Triebtäter unterwegs war. Ehe man sich versah, hatte man schon ein Messer an der Kehle.


    Er war gerade frei, also ging ich sofort zu ihm. Je eher ich meine Medizin erhalten würde, umso eher konnte ich hier auch wieder verschwinden.
    Im Zwielicht der unregelmäßig flackernden Lampe empfing er mich mit einem flüchtigen Handschlag. Sein Gesicht war unter einer grauen Kapuze versteckt. Aber ich konnte sehen, dass er ein erstauntes Strahlen in den Augen hatte, als er mein Antlitz sah.
    Ich rümpfte die Nase und räusperte mich auffällig.
    „Ich bin wieder flüssig.“ Dann griff ich mir unter die Shirts und holte die Blechdose hervor. „Vierzig, wie letztes Mal.“
    Er nickte nur, steckte das Geld in die Jackentasche und überreichte mir den Stoff.
    Ich war empört, als ich die Menge sah, die er mir zusteckte.
    „Nur ein Päckchen?“, fragte ich misstrauisch. „Gestern bekam ich das doppelte, sogar für zehn Dollar weniger.“
    „Ich bestimme die Preise nicht“, versuchte er sich zu rechtfertigen.
    Damit stieß er bei mir aber auf taube Ohren. Ich wollte mehr Stoff, wenigstens eine halbe Tüte mehr.
    „Komm schon, Mann. Ich bin doch Stammkundin. Kannst du da nicht dieses eine Mal eine Ausnahme machen.“
    Er verneinte vehement. „Guter Stoff ist teuer. Ich muss schließlich auch davon leben...“
    „Und ich KANN nur damit überleben! Los, komm! Mein Tag heute war der mieseste überhaupt.“
    „Mit dieser Leier kommst du jede Woche mindestens einmal. Kein Geld, keine Ware.“
    „Gibt es denn keine Möglichkeit, wie wir uns irgendwie einigen können?“
    „Gut, weil du eine Frau bist, gebe ich dir noch ein Päckchen, wenn du...“ Er deutete mir an, meine Shirts hochzuziehen, um meinen nackten Oberkörper zu sehen.
    Ich weigerte mich. Soweit wollte ich niemals gehen, meinen Körper als Bezahlung anzubieten.
    Aber er meinte es ernst. „Zeig sie mir und wir kommen ins Geschäft. Ich will sie nur sehen, mehr nicht.“
    Ich war verzweifelt, ich kam in Bredouille.


    Ich musste es tun, anders konnte ich anscheinend nicht an den Stoff kommen.
    Also riss ich mir die Shirts hoch und zeigte ihm meinen vernarbten, abgemagerten, nackten Oberkörper. Wie angewurzelt blieb ich stehen, auf wackligen Beinen und heftig bibbernd. Nach einer geschätzten Minute verhüllte ich wieder meine Brüste und er überreichte mir mit breitem Grinsen die versprochene Ware.
    Trotzdem war ich unzufrieden, ich fühlte mich benutzt.

    Ich bin mir nicht sicher, mit welchen Waffen der dritte Weltkrieg ausgetragen wird, aber im vierten Weltkrieg werden sie mit Stöcken und Steinen kämpfen.


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