Kurze Stories vom Novizen

  • Hier würde ich gerne die ein oder andere Kurzgeschichte zusammen bauen und auf euch los lassen. Los geht es mit einem Projekt, dass etwas an ein Märchen erinnern könnte. Es besteht aus drei Teilen (Posts) und hat nichts mit meinen bisherigen Texten zu tun. Mehr will ich gar nicht sagen und freue mich über Kommentare aller Art!


    Die Fähre über den Fatum (I/III)
    Moe hatte befürchtet, dass so etwas passieren würde. Sein Magen verkrampfte sich, als er die Umrisse einer Person im Gebüsch einige Schritte vor ihm erkennen konnte. Rasch drehte er sich herum und stellte alarmiert fest, dass sich auch am Wegesrand hinter ihm eine Gestalt aus den Sträuchern erhob. Instinktiv klammerte er sich an dem Beutel fest, in dem all sein Hab und Gut verstaut war. Die Kleidung des Mannes hinter ihm hob sich deutlich von ihrer Umgebung ab. Wie hatte er ihn im Vorbeigehen nur übersehen können? Er war in Gedanken abgeschweift – hatte von dem neuen Leben geträumt, das ihm bevorstand. Ein Fehler, der ihn nun eben dieses Leben kosten konnte.

    Unbeholfen sprang die zweite Gestalt vor ihm aus dem Gebüsch und strauchelte kurz, als sie dabei an einem Dornenzweig hängen blieb. Mit unsicheren Schritten kam sie auf ihn zu. Ein Tuch verschleierte ihr Gesicht. Als Moe Geräusche hinter sich hörte, drehte er sich instinktiv herum und konnte einen kleineren Mann ausmachen, der einen Sack mit zwei Löchern darin über seinen Kopf gestülpt hatte. Der Sack hatte einige Risse, aus denen ein paar rote Locken hervorragten.

    Die Gestalten waren noch ein paar Dutzend Schritte von ihm entfernt. Mit klopfendem Herzen setzte Moe sich auf einen Stein am Wegesrand und zwang sich, ruhig zu bleiben. Nachdem er kurz durchgeatmet hatte, holte er einen halben Laib Brot aus seinem Beutel und begann so viel wie möglich davon in sich hinein zu stopfen. Leider konnte er das mit dem Rest seiner Habseligkeiten nicht so einfach tun. Der Mann hinter ihm hatte ihn inzwischen umrundet und schloss zu seinem offensichtlich männlichen Komplizen auf. Beide waren nun wenige Schritte vor ihm zum Stehen gekommen und musterten ihn zögernd. Ihre Kleidung sah nicht übermäßig verschlissen aus – sie konnten noch nicht lange hier draußen leben.

    „Wir sind nicht an deinem Hungertod interessiert, Reisender“, begann der kleinere der beiden. „Deinen Proviant sollst du behalten, aber wir müssen dich darum bitten, uns deine Wertgegenstände zu überlassen.“

    Die unerwartet freundliche Ansprache des Mannes beruhigte Moe etwas. Er glaubte einen Hauch von Scham in seiner Stimme erkannt zu haben. Zögernd legte er sein Brot beiseite. Zumindest würde er ohne knurrenden Magen sein Ziel erreichen. Doch der Verlust seiner Wertgegenstände könnte in seiner Situation auf Dauer ebenfalls den Hungertod bedeuten. Lies sich vielleicht mit den beiden reden?

    Der Größere bemerkte sein Zögern. „Gib schon her den Beutel!“, sagte er schroff und bewegte sich auf ihn zu. Dabei streifte er mit dem Kopf einen Dornenzweig, an dem sich sein Tuch verfing. Zu spät bemerkte der Wegelagerer sein Missgeschick. Das Tuch riss in der Mitte, löste sich von seinem Kopf und gab sein Gesicht frei. Neben dem schwarzen Bartansatz des Mannes war eine große Narbe auf seiner Wange erkennbar.

    Die drei Männer erstarrten gleichzeitig. Viel zu spät wandte der Große Moe den Rücken zu und griff hastig nach dem Tuch. Dabei riss das Textil in weiteres Mal. Hektisch löste der Mann mit der Narbe die Fetzen seines Tuches aus dem Gestrüpp und verhängte damit mehr schlecht als recht sein inzwischen bleiches Gesicht. Moe spürte, wie es in seinem gesamten Körper zu kribbeln begann. Er konnte sehen, wie die Augen des rothaarigen Mannes nervös hin und her zuckten. Alle drei wussten, was die veränderte Situation bedeutete und für alle drei war es ein Desaster.

    Panik ergriff Moe. Wo war sein Messer? Hastig öffnete er seinen Beutel, doch der Große war in wenigen Schritten bei ihm, riss ihm das Gepäck aus der Hand und warf es seinem Komplizen zu. Schnell löste er sein eigenes Messer von seinem Gürtel und hielt es mit zittrigen Händen auf Moe gerichtet. „Mach bloß keine Dummheiten!“, sagte er schwer atmend. Unter den Fetzen seines Tuches konnte Moe den Schweiß von der Stirn des Mannes laufen sehen.

    „Mach einfach was wir sagen, und dir passiert nichts!“ Der flehende Unterton in der Stimme des Rothaarigen war kaum zu überhören.

    Moe hätte ihm nur allzu gern geglaubt. Die beiden machten nicht den Eindruck, als seien sie abgebrüht genug, um ihre Opfer einfach abzustechen. Aber konnten sie das Risiko eingehen, ihn laufen zu lassen? Angespannt beobachtete Moe, wie der Kleine sein Hab und Gut auf den Boden entleerte und eilig durchsuchte. Die Lederbörse verstaute er sofort. Den meisten anderen Gegenständen schenkte er dagegen wenig Beachtung. Der Große bewegte sich derweil nicht von der Stelle und schaute nervös zwischen ihm und seinem Komplizen hin und her.

    Sollte Moe um sein Leben flehen? Vielleicht konnte er zumindest an das Gewissen des Kleinen appellieren? Aber was würde in der Stadt auf Raubüberfall stehen? Wahrscheinlich der Strick. Das würden die beiden nicht riskieren - egal wie gut er ihnen zuredete. Moe wurde langsam übel. Wie hatte er so dumm sein können, auf dieser Route allein zu reisen?

    Wie Moe schon befürchtet hatte, war der Kleine inzwischen fündig geworden. Vorsichtig wickelte dieser die drei Statuen aus den Lumpen, in denen Moe sie für den Transport aufbewahrt hatte.

    „Die sehen wertvoll aus!“, kommentierte der Große den Fund und wischte sich den Schweiß aus dem Gesicht.

    Der Rothaarige musterte eines der Kunstwerke eine Weile und seufzte schließlich. „Wertvoll vielleicht“, antwortete er zögernd. „Aber Rommy wird uns dafür trotzdem kaum mehr als ein paar Pennys zahlen.“ Enttäuscht drehte er die Skulptur in seiner Hand hin und her. „Naja – besser als nichts!“

    Moe konnte den Gedanken kaum ertragen, dass seine Skulpturen auf einem Schwarzmarkt enden sollten. Ohne sie und seine Münzen würde sein Neuanfang mindestens beschwerlich werden. Er würde sich einige Monate als Tagelöhner durchschlagen müssen. Aber all das war belanglos, wenn ihn die beiden nur am Leben ließen. Ihm kam eine letzte, verzweifelte Idee.

    „In Kyrinthis bekommt man für jede der Skulpturen mindestens drei Taler“, mischte er sich in das Gespräch der beiden ein. „Natürlich nur, wenn man sich mit dieser Art von Kunst auskennt und weiß, an wen man sie verkaufen muss.“

    „Und ich vermute du weißt das?“, antwortete der Große misstrauisch. Der Rothaarige schwieg, richtete aber seine Augen interessiert in Moes Richtung.

    „In der Tat“, antwortete Moe. „Und ich wäre sogar bereit, euch zu helfen, die Skulpturen in der Stadt zu verkaufen. Allerdings müsstet ihr mir dazu schon meine Münzen und meine Ausrüstung für die Reise zurückgeben – zumindest, wenn ihr wollt, dass ich noch dieses Jahr in Kyrinthis ankomme.“

    „Natürlich!“ Der Große stieß ein bitteres Lachen aus. „Deine Haut willst du retten! Aber dümmer könntest du es kaum anstellen. Vergiss es! Der Weg in die Stadt ist lang. Du könntest einfach mit deiner Ausrüstung auf nimmer Wiedersehen verschwinden. Dann sitzen wir in Kyrinthis mit deinen dämlichen Skulpturen fest, die vielleicht völlig wertlos sind. Und vor allem: was hindert dich daran, uns in der nächsten Siedlung zu verpfeifen?“

    „Nun … ich erwarte natürlich einen fairen Anteil am Verkaufserlös – und den werde ich mir kaum entgehen lassen“, erwiderte Moe. „Warum sollte ich drei so schwere Kunstobjekte meilenweit bis nach Kyrthana schleppen, wenn sie wertlos sind? Und verpfeifen könnte ich nur einen Dieb. Aber von Diebstahl kann keine Rede sein, wenn sich drei Menschen unterhalten und der eine den beiden anderen zum Abschied ein paar Skulpturen schenkt.“

    Erneut lachte der Narbige laut auf und setzte verärgert zu einer Antwort an, doch der Rothaarige brachte ihn mit einer kurzen Handbewegung zum Schweigen. Er musterte Moe einen Augenblick lang unsicher und sagte schließlich in interessiertem Tonfall: „Ich nehme an, du hast eine Lizenz in Kyrinthis?“

    Moe hatte keine Ahnung, von was sein Gegenüber sprach, aber er war geistesgegenwärtig genug, um die Frage schnell genug zu bejahen und keinen Zweifel aufkommen zu lassen.

    Der Kleine nahm es ihm offenkundig ab und lies ein Nicken erkennen. „Du erzählst also, dass du uns die Skulpturen schenken willst, aber in der Stadt könntest du wieder das Gegenteil behaupten und uns des Diebstahls bezichtigen.“

    „Das könnte ich in der Tat“, stimmte Moe zu. „Aus diesem Grund werde ich euch eine Schenkungsurkunde ausstellen. Seid so nett und reicht mir meine Feder, das Tintenfass und ein Stück Papier aus meinem Beutel.“

    Während der Große nur den Kopf schüttelte, dachte der Rothaarige eine Weile lang nach. Nachdem er offensichtlich realisiert hatte, dass er an dieser Stelle erstmal nichts verlieren konnte, kam er Moes Forderung nach und reichte ihm die Utensilien. Dieser machte sich sofort an die Arbeit und gab dem Kleinen schließlich ein beschriebenes Blatt Papier zurück. Zu seinem Erstaunen konnte dieser so gut lesen, dass er das Blatt in wenigen Augenblicken überflogen hatte. Welcher Arbeit war der Mann wohl zuvor nachgegangen?

    „Ihr habt uns nur zwei der Skulpturen überschrieben“, sagte dieser schließlich in einem lauernden Tonfall.

    „Ganz genau!“, antwortete Moe, als wäre das selbstverständlich. „Ihr werdet es mir nachsehen, dass ich euch meinen eigenen Anteil nicht überschrieben habe – nur damit später keine Missverständnisse entstehen.“

    Der Große setzte zu einer heftigen Entgegnung an, schwieg dann aber doch.

    „Ihr werdet alle drei Skulpturen mit nach Kyrinthis nehmen. Eure beiden und meine eigene als Pfand“, fuhr Moe schnell fort. „In der Stadt treffen wir uns wieder und schließen den Handel ab. Wir werden gemeinsam die drei Skulpturen dort verkaufen und am Ende bekommt jeder von uns dreien denselben Anteil vom Erlös.“

    Der Große schnaubte nur verächtlich, während der Rothaarige unentschlossen wirkte. Moe arbeitete krampfhaft daran, sich seine Nervosität nicht anmerken zu lassen und nach außen hin halbwegs entspannt zu wirken. Ohne sein Gesicht zu sehen, konnte er nur erahnen, was im Kopf des Mannes vorging. Er war sich sicher, dass dieser sich – genauso wie er selbst - einen Weg wünschte, bei dem Moe diesen Ort lebend verließ. Aber konnte der Wegelagerer darauf vertrauen, dass ihn die Schenkungsurkunde vor einer Verfolgung schützen würde? Sollte er auf den Handel eingehen und riskieren, dass Moe sich mit seiner Ausrüstung aus dem Staub machte? Dann hätten die Männer nur die Skulpturen, die sie schwer zu Geld machen konnten. Aber falls der Plan aufging, würden sie eine erheblich fettere Beute machen als die wenigen Münzen in seinem Beutel. Vielleicht wären sie dann gar nicht mehr auf diese Raubzüge angewiesen.

    Schließlich sah der kleine Mann zu ihm herüber und blickte ihn einige Augenblicke lang aus seiner Vermummung heraus einfach an. Moe hatte das Gefühl, als wolle er in seine Seele hinein blicken. Und tatsächlich hatte es den Anschein, als hätte der Rothaarige mit seinem Blick etwas gefunden, das seine Anspannung verfliegen ließ. Zum Erstaunen der beiden anderen Männer zog er den Sack von seinem Kopf und entblößte sein mit Sommersprossen übersätes Gesicht.

    „Wie heißt du?“, fragte der Mann ihn.

    „Man nennt mich Moe“, antwortete der Angesprochene.

    „In Ordnung, ich nehme dein Angebot an, Moe. Allerdings gebe ich dir neben deinem Reisegepäck nur die Hälfte deiner Münzen zurück. Das sollte reichen, um nach Kyrinthis zu kommen.“ Er nickte seinem Komplizen zu, der ihn zunächst verständnislos anblickte, dann aber widerstrebend den Reisebeutel wieder einpackte, während der Rothaarige die Hälfte der Münzen abzählte und diese mit in den Beutel warf. Moe atmete erleichtert auf.

    „Am liebsten würde ich dich in die Stadt begleiten“, fuhr der Kleine fort, ohne seinen Blick von den Münzen abzuwenden. „Aber es ist … schlecht für’s Geschäft, wenn wir uns dort zusammen blicken lassen. Wir treffen uns in zehn Tagen in Kyrinthis. Aber sei dir in jedem Fall sicher – wir werden dich finden, egal wohin es dich verschlägt.“ Er reichte Moe seinen Beutel. „Hat mich gefreut mit dir zusammen zu arbeiten, Moe!“

    Mit diesen Worten drehte sich der Rothaarige herum und ging davon. Unentschlossen blickte sein Komplize ihm hinterher, warf Moe einen letzten misstrauischen Blick zu und folgte schließlich, unverständliche Dinge murmelnd, dem Kleinen. Unter den Fetzen seines Tuches konnte Moe Erleichterung im Blick des Mannes erkennen.

    Einmal editiert, zuletzt von Novize () aus folgendem Grund: Überarbeitung: Iteration 1

  • Hallo Novize,


    erstmal: Ich mag den Namen Moe xD Irgendwie liest man den so selten, das macht ihn originell, finde ich, und er ist kurz und bündig dass man ihn sich gut merken kann.

    Clever ist er ja, wenn man sich ansieht wie er die Banditen bequasselt. Wobei ich zugeben muss nicht so recht verstanden zu haben, was seine verbalen Hakensprünge nun aussagen sollen, bzw. habe ich den Faden verloren wieso und was er den Räubern nun eigentlich mit den Skulputuren und der Stadt auftischen will. Also falls es verwirren sollte, das ist dir gelungen xD


    Im ersten Absatz fehlen mir persönlich ein bisschen die Emotionen. Moe wird überfallen aber der Text erzählt diese Begebenheit ziemlich nüchtern.

    Überhaupt verwendest du sehr viele Sätze der gleichen Länge und gleichen Aufbaus. Das lässt die Erzählung zumindest für mich recht monoton rüberkommen. Mal die Eingangssätze als Beispiel:

    Moe hatte befürchtet, dass so etwas passieren würde. Sein Magen verkrampfte sich, als er die Umrisse einer Person im Gebüsch einige Schritte vor ihm erkennen konnte. Rasch drehte er sich herum und stellte resigniert fest, dass sich auch am Wegesrand hinter ihm eine Gestalt aus den Sträuchern erhob. Instinktiv klammerte er sich an dem Beutel fest, in dem all sein Hab und Gut verstaut war.

    Er hatte befürchtet, dass ...

    Sein Magen verkrampfte sich, als ...

    Er stellte resigniert fest, dass ...

    Er klammerte sich an dem Beutel fest, in dem ...


    Du könntest also ruhig etwas mutiger und verspielter mit der Metrik umgehen ^^



    Wie hatte er so dumm sein können, auf dieser Route allein zu reisen?

    Weshalb dieser Satz kursiv geschrieben ist, erschließt sich mir nicht. Ein Gedanke kann es nicht sein, denn dann würde Moe ja von sich in der ersten Person denken.

    Die Leerzeile zwischen dem letzten und mittleren Part braucht meiner Meinung nach übrigens auch nicht zu sein, da Leerzeilen eigentlich einen harten Bruch der Geschichte andeuten - ein Zeitsprung etwa oder einen Szenenwechsel.


    Schauen wir mal, wohin sich das ganze entwickelt :hmm: Und ob Moe und die Räuber in der Stadt nun machen, was sie machen wollten, sollten (?).

  • Lieber Novize,


    ich schreib mal runter, was ich der Geschichte inhaltlich bisher entnommen haben und stellte danach noch ein paar Fragen zur Diskussion bzw. liste ein paar Stelle auf, die man ggf. ändern könnte.


    In diesem ersten von insgesamt drei Teilen einer Kurzgeschichte, die vom Flair her etwas wie eine Lagerfeuergeschichte anmutet, lernen wir den Protagonisten Moe kennen, dessen Hintergrundgeschichte dem Leser bislang weitgehend verborgen bleibt. Was wir bis dato lernen ist der Umstand, dass er kürzlich seinen Wohlstand gesteigert hat und drei Skulpturen mit sich herumträgt, um die sich bislang noch ein Mysterium rankt. Eventuell werden wir in Teil 2 und 3 noch etwas mehr über sie erfahren - vielleicht sind sie auch nur der Aufhänger, mit dessen Hilfe die drei Figuren in dieser Geschichte über den Überfall im Wald hinaus zusammengeführt werden sollen. Schauen wir mal. Damit wären wir dann auch beim Kern dieses ersten Teils. Die Handlung hier ist ein Überfall des Protagonisten durch zwei etwas ungeschickte Wegelagerer, sowie eine anschließende List, mit der sich unser Protagonist aus der Situation herauszuwieseln versucht - bis zum Endpunkt von Teil 1 durchaus mit Erfolg. Dabei schwanke ich als Leser ein bisschen hin und her, ob ich die Wegelagerer tatsächlich als Bedrohung ernst nehmen kann oder sie als Comic-Relief abtue. Hier stehen die teils nachdrücklich beschriebene Angst des Protagonisten und der Slapstick der beiden Wegelagerer zuweilen im starken Kontrast. Dementsprechend schwanken auch Moes Gefühlslagen im Laufe dieses Teils. So lernen wir zu Beginn einen verkrampften Magen kennen, später der Versuch, die Räuber listig übers Ohr zu hauen. Über die beiden Wegelagerer bekommen wir derweil den Eindruck, dass sie keine wirklich üblen Typen sind, sondern ihre Situation einer falschen Zeit am falschen Ort geschuldet ist, oder in der Vergangenheit einfach naiv übers Ohren gehauen wurden. Da deutet sich ja bereits ein zweites mal an... ;)


    Für den nächsten Teil werden Hinweise darauf gegeben, dass wir die drei Figuren auf einem Schwarzmarkt in einer Stadt Namens Khyrinthis wiedersehen werden. Dabei habe ich noch keine klare Erwartung, ob uns wieder eine inhaltlich recht konzentrierte Szene erwartet, wie etwa an einem Marktstand oder ob wir eine ganze Reihe verschiedener Szenen in einer lebhaften Stadt präsentiert bekommen. Bei letztem könnte ich mir vorstellen, dass Teil 2 wesentlich länger ausfällt als Teil 1. Des Weiteren frage ich mich, ob wir in Teil 2 erfahren, wieso diese Geschichte ihren Titel trägt. Um Fähren und einem Fatum gings ja noch nicht. Zuletzt ist es mir noch ein wichtiges Anliegen auf die diversen Textstellen zu verweisen, die mir viel Spaß bereitet haben, wie das mangelnde Interesse an den Hungertod, der verzweifelte Versuch, einen verrissenen Lappen als Verschleierung zu verwenden oder eine als Diebstahl getarnte Schenkung :D


    Insgesamt ein schönes kleines Projekt, das den Leser zum Schmunzeln bringt ^^



    Dann mal zu den kritischen Anmerkungen:


    - Ich hab anfangs nicht so ganz durchschaut, wo Moe zu Beginn eigentlich steht? Mitten im Wald? Auf der Straße?


    - Ich bin mir nicht sicher, ob ein verkrampfter Magen mit Resignation zusammenpasst. Das eine klingt nach großer Angst, das andere nach einem erschöpften Seufzer


    - "Instinktiv klammerte er sich an dem Beutel fest, in dem all sein Hab und Gut verstaut war." -> Wieso rennt er nicht los, in der Hoffnung, den Dieben zu entkommen? Wer von zwei Seiten kommt, sollte seitlich noch zwei Fluchtwege offen lassen oder stell ich mir das zu leicht vor? Oder fehlen dem Protagonist wegen seines Hungers die Kräfte? Spart er sich das Brot für eine längere Reise auf?


    - Dass er den Mann hinter sich übersehen hat, wundert mich eigentlich erstmal nicht so sehr wie Moe selbst. Schließlich hat er hinten keine Augen im Kopf. Oder sieht er sich zwischendurch immer wieder um, sodass er auch im Blick haben sollte, was von hinten kommt? So ein vorsichtiges Verhalten stünde dann aber ggf. im Widerspruch mit seinem Vorwurf an sich selbst, wie er so leichtgläubig alleine diese Straße bereisen konnte


    - "Wie hatte er ihn nur übersehen können?" -> Ja, durch die kursive Schrift wird ein Ausdruck von Moes Gedanken suggeriert. Dadurch passt es dann nicht so ganz mit der Erzählperspektive


    - "Mit unsicheren Schritten kam sie auf ihn zu, während sie ihr Gesicht mit einem Tuch verschleierte". -> sie wickelt sich das Tuch um den Kopf, während sie kommt? Oder ist sie bereits verschleiert?


    - Nachdem er kurz durchgeatmet hatte, holte er einen halben Laib Brot aus seinem Beutel und begann so viel wie möglich davon in sich hinein zu stopfen. -> Warum? Ich weiß nicht, ob es eine natürlich Angstreaktion ist, Brot in sich reinzustopfen ^^'


    - "Konnte er mit den beiden verhandeln?" -> Womit? Ich würde hier eher von 'überlisten' sprechen


    - Die stelle an der Moe Panik ergriff verliert so ein bisschen ihre Wirkung dadurch, dass wir direkt vorher wieder eine Slapstick-Szene serviert bekommen ^^'



    ...ich hoffe, meine Anmerkungen helfen dir ein wenig :)

  • Hey Skadi und Juu-Ka,

    vielen Dank für eure Kommentare - die haben mir sehr weitergeholfen!

    bzw. habe ich den Faden verloren wieso und was er den Räubern nun eigentlich mit den Skulputuren und der Stadt auftischen will. Also falls es verwirren sollte, das ist dir gelungen xD

    Hmm.. das sollte eigentlich nicht sein :( Eine gewisse Verwirrung liegt bei dem Ablauf der Geschehnisse in der Natur der Sache, aber idealerweise sollte der Leser den Überblick trotzdem behalten. Ich hab es mir nochmal angeschaut:

    1. Moe macht einen ersten Vorschlag für den Deal (Schenkung der drei Skulpturen).

    2. Dann schreibt er aber auf den Zettel aber nur zwei Skulpturen. Dadurch entsteht zum einen eine beidseitige Motivation wieder zusammen zu kommen. Zum anderen geht Moe nicht ganz leer aus. Weil der Deal (misstrauensbedingt) wohl nicht durchgegangen wäre, wenn er das sofort so gesagt hätte, erwähnt er das aber erst jetzt - Salami-Taktik halt.

    3. Der "Große" kommentiert das Ganz und versteht es dabei aber falsch.

    4. der "Kleine" modifiziert den Deal nochmal leicht - vor allem, weil er zeigen will, dass ER hier die Hosen an hat - aber auch, weil er im Fall dass es schief geht zumindest ein paar Münzen in der Tasche haben will.

    Da kann ich tatsächlich verstehen, dass der Leser Mühe hat mitzukommen. Ich denke zumindest bei 3 und 4 könnte ich nachbessern.

    Was schon OK ist: wenn der Leser nicht genau weiß, ob Moe den Deal jetzt ernst meint, oder ob er die Diebe verarschen will. Das kann er (der Leser) nämlich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht wirklich wissen.


    An alle anderen, die den Teil schon gelesen haben: hier wäre es interessant zu erfahren, wie ihr mit Moe's Deal verständnismäßig zurecht gekommen seid.

  • Zum Überfall:

    Ja, in dem Fall würde ich vorschlagen, dass du im Zuge der Landschaftsbeschreibung einen markanten Punkt X erwähnst, an dem Moe vorbeiläuft, mit Blick auf einen weiteren markanten Punkt Y. Und dann kannst du ganz konkret auf X und Y zurückkommen, wenn die Banditen aus ihren Verstecken kommen. Dann ihre Position für den Leser eindeutig. Man kann dem Leser dann ggf. auch noch ein Gefühl dafür geben, wie weit der Bandit von hinten entfernt ist, je nachdem, wie weit Moe noch weiterläuft, bevor der Überfall startet.


    Zum Verschleiern:

    Hm, ja ich verstehe das Argument, mit der freien Sicht des Banditen. Andererseits will er ja nicht erkannt werden. Von daher würde ich vermuten, dass er sich das Tuch umbindet, kurz bevor er aus dem Busch kommt - d.h. schon vermummt ist, wenn Moe ihn bemerkt. Sollte er die freie Sicht benötigen, um das Gelände auf den Weg zu Moe im Blick zu haben, fragt man sich dann wieder weshalb er sich das Tuch zwischendurch umbindet, wenn er zwischendurch mit großer Wahrscheinlichkeit stolpern würde.


    Zum Brot:

    Hm, ja, hier verstehe ich deinen Punkt. Für den Aufbau der Geschichte ist es natürlich schwierig, aber angesichts der Gefahrensituation hätte ich wahrscheinlich eher das Messer aus dem Beutel geholt als das Brot gegessen. Kommt vielleicht auch darauf an, wie groß die Angst ist, wie reichhaltig die Erfahrungen mit solchen Situationen, um eben rational anstatt emotional zu reagieren. Vielleicht muss man hier vorab einfach noch etwas Kontext schaffen, damit es mit dem Brot nachvollziehbarer wirkt...


    Zum Stimmungsaufbau:

    Ich denke das 'Problem' ist hier, dass man die Welt und die Gepflogenheiten ja im ersten Beitrag noch nicht kennen kann. In einer rauen mittelalterlichen Welt stelle ich mir Banditen so vor, dass sie Wegelagerer gnadenlos abstechen, im Wald liegenlassen und sich aus dem Staub machen. Hinterher wird diese Erwartung etwas dadurch relativiert, indem du auf die harten Strafen eingehst, die Gesetzesbrecher erwarten. Allerdings denke ich dann wieder, dass die Landschaft so beschrieben wird, dass niemand da ist der Moe helfen könnte - sprich das Verbrechen sehen könnte, abgesehen von zwielichtigen Gestalten, denen ich dann wieder kein Gewissen zuschreibe, eine Straftat zu melden.

    Als die Banditen dann aber etwas 'dämlich' gezeichnet wurden, ging meine Erwartung dazu über, dass es eine lustige Geschichte werden soll. Lächerlichkeit und Bedrohung zusammenzubringen fällt mir schwer, auch wenn du die Idee in deinem letzten Post nachvollziehbar erklärst. Vielleicht finden sich hierzu ja noch ein/ zwei weitere Meinungen unter den Lesern im Forum o.o ...mal ganz abgesehen davon haben diese unbeholfenen Szenen einen großen Charme in deiner Geschichte aus. Vor dem Hintergrund, wäre es natürlich wünschenswert, wenn das nicht gestrichen wird :D


    Zu den Verhandlungen:

    Zu der Verhandlung gegen Ende mit den Statuen würde ich zustimmen, dass man das vielleicht noch einen Ticken übersichtlicher machen könnte - da musste ich auch zwei/ dreimal drüberlesen, um folgen zu können. ...ich hatte es zuerst nicht kommentiert, weil die Unübersichtlichkeit auf der anderen Seite den Vorteil hat, dass sich der Deal eben auch für die Banditen etwas intransparent darstellen sollte, und sie auf diese Weise leichter auf einen Trick reinfallen könnten.

  • Weiter geht es. Zur Info: Ich überarbeite wahrscheinlich erstmal noch nichts am ersten Teil (solange es nicht Dinge sind, die die Story signifikant verzerren), sondern warte damit bis zum Ende der Geschichte. Skadi und Juu-Ka: eure Kommentare sind also nicht vergessen :)


    Die Fähre über den Fatum (II/III)

    Moes Tasche fühlte sich um einiges leichter an, dafür lastete eine umso schwerere Last auf seinem Gemüt. Zwar war er mit dem Leben davon gekommen, aber mit den wenigen ihm verbliebenen Münzen und ohne die Skulpturen würde ihm der Aufbau seines neuen Lebens in Kyrtana sehr viel schwerer fallen. Und was hatte es mit der Lizenz auf sich, die der Rothaarige erwähnt hatte? Wie konnte es sein, dass er davon zuvor nichts gehört hatte?
    Während er darüber grübelte, wie er mit der neuen Situation umgehen würde, lichteten sich die Büsche am Wegesrand und machten die Sicht auf eine Ebene frei, auf der Moe das Ufer eines Flusses erkennen konnte, hinter dem sich schroffe Felsen erhoben. Das musste der Fatum sein – und damit die Grenze zum Königreich Kyrtana. Trotz der jüngsten Ereignisse erhellte sich seine Stimmung. Zu seinem Erstaunen erschien der Fluss viel breiter, als er ihn sich vorgestellt hatte. Die Strömung war zudem so reißend, dass eine Überquerung zu Fuß unmöglich schien.
    Moe verließ den Weg und machte sich auf zum Flussufer. Er würde sich dort ein Bild von der Strömung machen und dem Ufer so lange folgen, bis er eine geeignete Stelle für die Überquerung gefunden hatte. Als er noch etwa hundert Schritte vom Ufer entfernt war, erblickte er eine Frau, die ihm vom Fluss aus winkte. Durch seine letzte Begegnung war er naturgemäß besonders misstrauisch geworden und blickte sich daher zunächst ausgiebig um – konnte aber auf der weiten Ebene niemand anderen erkennen. Vorsichtig näherte er sich der Gestalt und konnte nach einigen Schritten ein Floß am Ufer neben ihr ausmachen. Während er sich weiter auf die Frau zu bewegte, betrachtete diese ihn aufmerksam, wobei sie ihren Blick mit der Handfläche vor der Nachmittagssonne abschirmte.
    „Ich denke, euer Weg führt über mein Floß!“, rief sie ihm zu.
    Moe ließ seinen Blick in beiden Richtungen über das Ufers schweifen und konnte nicht erkennen, dass der Fluss dort schmaler wurde. Wenn er vor Einbruch der Dunkelheit die erste Siedlung erreichen wollte, musste er die Dienste der Fährfrau vermutlich in Anspruch nehmen. Er kam langsam bis auf wenige Schritte an sie heran und musterte das Floß und seine Führerin kritisch.
    „Was kostet eine Überfahrt?“, frage er skeptisch.
    „Was könnt ihr mir anbieten?“, erwiderte die Frau prompt.
    Ein wenig verblüfft dachte Moe nach. „Nun, nicht viel, fürchte ich. Man hat mich auf dem Weg hierher ausgeraubt. Meinen halben Besitz hat man mir abgenommen.“
    „Ausgeraubt also.“ Die Frau schien wenig überrascht. Vielleicht passierte das nicht selten in dieser Gegend. „Na immerhin waren die Räuber so anständig und haben euch die Hälfte eures Besitzes gelassen.“ Sie musterte ihn eine Weile abschätzend. „Dann will auch ich so anständig sein und euch nur die Hälfte des Preises abnehmen. Die Überfahrt kostet damit einen halben statt einem ganzen Penny.“
    Moe konnte sich den Gedanken nicht verkneifen, dass sie den Preis vor der Halbierung zunächst verdoppelt hatte. In jedem Fall erschien er ihm angemessen, daher willigte er ein und nickte der Fährfrau freundlich zu.
    „Man nennt mich Patty“, sagte sie, während sie das Floß ein Stück ins Wasser schob. Ihr Alter war schwer auszumachen. Sie sah nicht mehr besonders jung aus, aber ihr Körper schien agil und ihre Bewegungen waren flink und kraftvoll.
    „Mich nennt man Moe!“
    Die Frau nickte lediglich, als sei das nichts Neues für sie. Nachdem Moe ihr auf das Gefährt gefolgt war, stieß sie sich mit dem Ruder gekonnt vom Ufer ab und bewegte das Floß mit ruhiger Hand durch die Strömung.
    „Es scheint, dass ihr den Überfall halbwegs gut überstanden habt“, begann Patty die Konversation.
    Moe nickte knapp und erzählte der Frau von den Geschehnissen. Diese hörte aufmerksam zu, während sie das Floß weiter über den Fluss steuerte und schwieg noch eine Weile nachdem er seine Erzählung beendet hatte.
    „Ihr habt eine bemerkenswerte Art, Konflikte zu lösen“, erwiderte sie schließlich. „Sicher wisst ihr, dass eine Urkunde ohne Siegel wertlos ist. Ich vermute, ihr habt nicht vor, die Diebe tatsächlich auszuzahlen?“
    Darüber hatte Moe sich gar keine Gedanken gemacht und die Wegelagerer zum Glück auch nicht. „Ich denke, ich werde den Handel dennoch einlösen“, erwiderte er zögernd. „Ich will mir in Kyrtana eine neue Existenz als Händler für Kunst und Schmuck aufbauen. Ein wichtiges Merkmal eines Händlers ist sein Ruf – und den verteidigt er nicht nur beim angesehenen Volk. Zumindest der Kleine der beiden scheint mir zudem nicht auf den Kopf gefallen, vielleicht kann er eines Tages nützlich sein.“
    Patty musterte ihn kritisch. „Nicht gerade ein Vertrauensbeweis, geschweige denn eine gute Basis für eine Zusammenarbeit, wenn einen jemand auf der Straße überfällt“, entgegnete sie.
    „Ich glaube, dass die beiden aus einer großen Not heraus gehandelt haben“, rechtfertigte sich Moe. „Und manchmal offenbart sich im Umgang mit solchen Situationen der wahre Charakter einer Person.“
    Die Fährfrau nickte nachdenklich. „Das tut er gewiss. Du scheinst … besonders, Moe. Vielleicht ist es diese Besonderheit, die du für deine neue Aufgabe brauchst.“
    Was wusste die Frau schon von seiner neuen Aufgabe? Ihre letzten Worte riefen Moe jedoch schmerzlich in Erinnerung, wie viel komplizierter seine Lage durch den Überfall geworden war.
    Die Fährfrau bemerkte seine Nervosität. „Immer mit der Ruhe Moe! Ich kann verstehen, dass so ein neuer Lebensabschnitt auch Angst machen kann. Aber dieser Angst begegnet man am besten mit Ruhe und Besonnenheit.“
    Ruhe und Besonnenheit. Daran schien es der Frau nicht zu mangeln, wenn er sich anschaute, wie weit sie bisher über den Fluss gekommen waren und wie weit es noch bis zum anderen Ufer war. Vielleicht wäre er zu Fuß doch schneller gewesen. Unruhig glitt sein Blick über die Felsen. Zu seinem Erstaunen erkannte er dort, wie eine Statue in den Stein gehauen worden war, deren Plattform auf drei Säulen fußte. Jede der Säulen trug ein Symbol: ein Schwert, einen Goldbrocken und eine Krone.
    „Patrona, die Schutzgöttin des Volkes von Kyrtana“, beantwortete Patty seinen fragenden Blick.
    „Ich vermute, es gibt eine Legende zu der Statue?“, fragte Moe neugierig.
    „Natürlich gibt es die“, erwiderte Patty lächelnd. „Patrona hat es sich seit jeher zur Aufgabe gemacht, das Wohl des Volkes von Kyrtana zu beschützen. In den alten Tagen wurde das Reich von einem Herrscher regiert, der alle Macht auf sich vereinte. Diese Macht verlieh ihm die Möglichkeit, Großes für sein Volk zu vollbringen, aber mit den Jahren entwickelte er eine immer eigensinnigere Vorstellung davon, was das bedeutete. Er führte Kriege, um das Reich zu vergrößern und baute Paläste, um seinen Reichtum zu demonstrieren. Damit entfernte er sich immer weiter von den täglichen Bedürfnissen seines Volkes, was schließlich Patrona auf den Plan rief. Sie erschien dem Herrscher und bat ihn, wieder auf sein Volk zu hören. Doch der König war überzeugt davon, im Sinne seiner Bürger zu handeln und unterstellte Patrona, einen Keil zwischen ihn und seine Untertanen treiben zu wollen.
    Patrona sah die zunehmende Not der Menschen und fand schließlich keine andere Möglichkeit, als diese zum Aufstand aufzurufen. Die Bürger folgten ihrem Ruf, wie sie es immer getan hatten, doch der sich daraus entwickelnde Bürgerkrieg war blutiger als sämtliche Kriege, die der König zuvor geführt hatte. Mit Entsetzen musste Patrona ansehen, wie die Rebellen aus dem Volk, das sie zu beschützen hatte, den Soldaten des Königs nichts entgegenzusetzen hatten. Patrona erschien den königlichen Soldaten und rief sie auf, ihre Waffen niederzulegen, doch die hatten Angst, dass sie verhungern würden, wenn der König ihnen keinen Sold mehr zahlte. Sie erschien den reichen Bürgern der Stadt und drängte sie, keine Steuern mehr an den König zu entrichten, doch die fürchteten sich, dass dieser Soldaten schicken und ihre Besitztümer einnehmen würde.
    In einem letzten Akt der Verzweiflung scharte Patrona ihre engsten Anhänger im Volk um sich. Sie wies diese an, keine Waffen – nicht einmal eine Mistgabel mitzunehmen und gemeinsam machten sie sich auf zum Palast. Die Menschen in ihren Häusern blickten ängstlich, aber ehrfürchtig auf ihre mutigen Mitbürger. Es dauerte nicht lange, bis die ersten königlichen Soldaten sich ihnen in den Weg stellten, doch sie scheuten sich, die unbewaffneten Bürger ohne offensichtlichen Grund zu attackieren. Als die Menschen in den Straßen sahen, wie die Soldaten sie passieren ließen, fingen sie an, sich dem Zug anzuschließen. Mit einem Mal strömten die Menschen aus ihren Häusern. Der Zug zum Palast wurde so schnell größer, dass die königliche Garde kaum Zeit hatte, darauf zu reagieren. Ihre Rufe verhallten im zunehmend wütenden Stimmgewirr der Menge, die unaufhaltsam die Stufen des Palastes erklomm.
    Und zum ersten Mal seit Jahren blickte der König aus dem Fenster und sah sein Volk. Doch es waren nicht die Untertanen aus seinen Vorstellungen. Kein Volk, das seine Paläste bestaunte und seine harte Hand gegen die Aufständischen pries – wie es seine Diener ihm zu erzählen pflegten. Stattdessen blickte er in wütende, hungrige Gesichter. Ungläubig trat der König auf den Balkon und nahm zum ersten Mal wirklich Kenntnis von der Zerstörung, die der Krieg in seiner Hauptstadt angerichtet hatte. Entsetzt blickte er auf das Bild des Elends, das sich ihm bot. Und als er da stand und auf das Volk herabblickte, sahen auch seine Bürger seit Jahren zum ersten Mal wieder ihren Herrscher und verstummten. Es war in diesem Moment unter dem stummen Blick all seiner Untertanen, als dem König eine grauenvolle Erkenntnis kam. Er war es, der dieses Elend verursacht hatte – er ganz allein. Und unter den ungläubigen Blicken seines Volkes stürzte er sich über die Balustrade seines Palastes.
    In den Trümmern der Hauptstadt Kyrinthis stehend, sah Patrona, dass sich etwas grundlegend ändern musste. Nie mehr durfte die Macht über das Reich in der Hand einer einzigen Person liegen. Sie beschloss, diese Macht in drei Teile zu teilen: die Krone und damit die Macht über das Gesetz. Das Schwert und damit die Macht über das Heer und das Gold und damit die Macht über den Reichtum. Auf diese drei Säulen wollte sie das neue Reich Kyrtana aufbauen und jede dieser Säulen sollte unabhängig voneinander dem Wohle des Volkes dienen.“
    Moe sah etwas irritiert zu Patty herüber. „Das ist eine ungewöhnliche Legende. Ich vermute den Bürgerkrieg gab es damals wirklich?“
    „Den gab es“, antwortete Patty und starrte bitter auf die Felsen am anderen Ufer.
    „Und die Geschichte mit diesen drei Säulen?“, fuhr Moe fort. „Gab es nach dem Krieg dann etwa drei Könige?“
    „Nein“, antwortete die Fährfrau. „Es gab wieder nur einen König. Thyrax I. Ich habe ihn damals selbst über den Fatum gebracht.“
    „Der König ist auf deinem Floß gefahren?“, fragte Moe erstaunt.
    „Das war bevor er König wurde“, ergänzte Patty schmunzelnd. „Jedenfalls durfte Thyrax nur wenige Steuern einnehmen und hatte gerade genug Soldaten, um in den Straßen für Recht und Ordnung zu sogen. Neben ihm gab es jedoch einen ebenso mächtigen Krieger, der das Heer des Reiches befehligte. Ein Krieg, oder das Niederschlagen eines Aufstandes war nur im Einverständnis mit ihm möglich. Und dann gab es den Besitzer der Goldmine. Wenn einer der beiden anderen Mächtigen ein größeres Vorhaben plante, musste er sich dies von ihm finanzieren lassen.“
    Moe musterte Patty kritisch. „Und das soll funktioniert haben? Wie sollen die drei denn etwas erreichen, wenn sie sich über alles einig sein müssen?“
    „Es funktioniert bis heute“, antwortete die Fährfrau lächelnd. „Der Streit und die notwendige Einigkeit sind Fluch und Segen zugleich. Doch wenn ein Vorhaben von allen drei befürwortet wurde, dann war es gewöhnlich auch im Sinne des Volkes.“
    „Nur wenn die drei auch im Sinne des Volkes denken und nicht wenn der Herr der Goldmine den Führer des Heeres besticht oder Letzterer mit seinen Soldaten die Goldmine besetzt“, wand Moe ein.
    „Das ist wahr“, gab Patty zu. „Die drei Säulen tragen nur, weil sie sich gegenseitig stützen und weil Patrona sie in ihre Position bringt und sie austauscht, wenn sie brüchig werden.“
    Moe blickte die Fährfrau fragend an. „Ihr meint jeder der drei Herrscher behält seine Macht nur, solange er in der Gunst des Volkes von Kyrtana ist?“
    Ein Ruck fuhr durch das Floß und Moe stellte erstaunt fest, dass sie das andere Ufer schneller erreicht hatten, als er zuvor vermutet hatte.
    „Da wären wir“, stellte Patty fest.
    Moe stieg vom Floß herunter und kramte einen Penny aus seiner Tasche.
    „Eine Frage hätte ich noch“, sagte er, als er begann, die Münze mit seinem Messer zu zerteilen. „Ich habe etwas von einer Lizenz gehört, die man als Händler in Kyrinthis benötigt. Weißt du etwas darüber?“
    „Die braucht man in der Tat“, antwortete Patty. „Aber das ist nichts, was dich auf deinem Weg ernsthaft behindern sollte.“
    Das war nicht besonders hilfreich. Aber vielleicht wusste eine Fährfrau auch nur begrenzt viel über die Gesetze in der Hauptstadt. Moe nickte nur und reichte ihr die halbe Münze.
    Patty bedankte sich. „Hat mich gefreut, mit dir zusammen zu arbeiten, Moe!“, ergänzte sie noch und stieß sich und ihr Floß mit dem Ruder vom Ufer ab.

  • Lieber Novize,


  • Hey Novize :)


    Ich hab mal in den ersten Part rein gelesen und erkenne auch prompt Parallelen zu deiner anderen Geschichte. Zumindest merkt man, dass du deine Protagonisten gerne ein "Spiel" spielen lässt, im Sinne von "seine Gegner irgendwie auszutricksen". Ähnlich, wie bei deiner anderen Geschichte musste ich auch hier noch einmal nachlesen und darüber grübeln wie genau das jetzt funktionieren soll. Vielleicht sagt das aber auch mehr etwas über MICH aus und weniger über deine Art Geschichten zu schreiben :rofl:


    Verwirrt hat mich diese Stelle hier:

    „Ihr habt uns nur zwei der Skulpturen überschrieben“, sagte dieser schließlich in einem lauernden Tonfall.
    „Ganz genau!“, antwortete Moe, als wäre das selbstverständlich. „Denn wie euer Freund schon richtig erkannt hat, gäbe es sonst keinen Anlass für mich, euch wieder aufzusuchen und den Handel abzuschließen. Ich werde euch alle drei Skulpturen anvertrauen, aber bitte euch darum, mir die dritte in der Stadt wieder auszuhändigen.“

    Bis dahin war alles klar. Moe stellt eine Schenkungsurkunde aus und trifft die Vereinbarung, die Skulpturen in der Stadt für die Wegelagerer zu verkaufen, um ihnen dann das Geld dafür zu überlassen. Im Gegenzug bekommt er den Rest seines Besitzes zurück. Soweit der Deal!


    Dann stellt sich aber heraus, dass er den Dieben eine Skulptur überlassen will...diese wird er demnach NICHT verkaufen und kann dafür keinen Erlös erzielen....er erklärt nun also, dass diese Skulptur die
    Absicherung der Diebe sei, dass er sich noch einmal mit ihnen treffen müsste...bedeutet das, er hat sie damit jetzt (entgegen der ursprünglichen Vereinbarung, ihnen alle drei Skulpturen zu überlassen) um eine geprellt, weil er diese dann ebenfalls wieder einfordert?


    Den markierten Satz kapier ich hier nicht. Da sagte er nun also, er werde ihnen alle drei Skulpturen "anvertrauen", aber die dritte will er in der Stadt wieder haben...wie will er denn die beiden anderen Skulpturen verkaufen, wenn er sie den Räubern anvertraut? ?(


    Wie gesagt,,, vielleicht liegt es an mir und ich bin zu blöd. Aber du hattest ja gefragt, wo Probleme beim Lesen auftauchen und das war bei mir definitiv an dieser Stelle ^^


    Ansonsten finde ich die Idee hinter der Geschichte aber ganz cool. Den Anmerkungen der anderen zum Thema "Emotionen" würde ich mich anschließen, aber ich denke, da kannst du noch ein bisschen dran herum feilen, um es stimmiger zu machen.


    Den Rest lese ich dann später :D

  • Hey Novize,


    hier kommen meine Anmerkungen zum zweiten Teil :)

    Die Menschen in ihren Häusern blickten ängstlich, aber ehrfürchtig auf ihre mutigen Mitbürger. Es dauerte nicht lange, bis die ersten königlichen Soldaten sich ihnen in den Weg stellten, doch sie scheuten sich, die unbewaffneten Bürger ohne offensichtlichen Grund zu attackieren. Als die Menschen in den Straßen sahen, wie die Soldaten sie passieren ließen, fingen sie an, sich dem Zug anzuschließen. Mit einem Mal strömten die Menschen aus ihren Häusern. Der Zug zum Palast wurde so schnell größer, dass die königliche Garde kaum Zeit hatte, darauf zu reagieren. Ihre Rufe verhallten im zunehmend wütenden Stimmgewirr der Menge, die unaufhaltsam die Stufen des Palastes erklomm.
    Und zum ersten Mal seit Jahren blickte der König aus dem Fenster und sah sein Volk. Doch es waren nicht die Untertanen aus seinen Vorstellungen. Kein Volk, das seine Paläste bestaunte und seine harte Hand gegen die Aufständischen pries – wie es seine Diener ihm zu erzählen pflegten. Stattdessen blickte er in wütende, hungrige Gesichter. Ungläubig trat der König auf den Balkon und nahm zum ersten Mal wirklich Kenntnis von der Zerstörung, die der Krieg in seiner Hauptstadt angerichtet hatte. Entsetzt blickte er auf das Bild des Elends, das sich ihm bot. Und als er da stand und auf das Volk herabblickte, sahen auch seine Bürger seit Jahren zum ersten Mal wieder ihren Herrscher und verstummten. Es war in diesem Moment unter dem stummen Blick all seiner Untertanen, als dem König eine grauenvolle Erkenntnis kam. Er war es, der dieses Elend verursacht hatte – er ganz allein. Und unter den ungläubigen Blicken seines Volkes stürzte er sich über die Balustrade seines Palastes.

    Ein paar Wiederholungen :)


    Das war nicht besonders hilfreich. Aber vielleicht wusste eine Fährfrau auch nur begrenzt viel über die Gesetze in der Hauptstadt.

    Warum dieser Teil kursiv ist, habe ich nicht ganz verstanden :hmm: Schließlich sind es keine direkten Gedanken. Sonst würde da stehen:

    Das ist nicht besonders hilfreich. Vielleicht weiß die Fährfrau auch nur begrenzt Bescheid?


    Allerdings würde man Letzteres wahrscheinlich so nicht denken. Es klingt ein wenig erzählt und nicht gedacht, wenn du verstehst, was ich meine. Vielleicht ist die Formatierung hier auch einfach rein gerutscht. Denn ohne das Kursive passt es meiner Meinung nach.


    Jo, ansonsten zum Inhaltlichen. Mir sind in der Tat beim Lesen genau die gleichen Gedanken gekommen, wie Juu-Ka . Die Fährfrau scheint ziemlich sonderbar. Alleine die Tatsache, dass sie da so alleine mit Ihrem Floß steht, kommt mir seltsam vor. Dann die Art, wie sie spricht...irgendwie so verheißungsvoll....als wüsste sie irgendwas ...

    Die Ausführungen zu der Legende kamen mir ebenfalls recht lang und detailliert vor. In Anbetracht der Tatsache, dass nur noch ein weiterer Teil folgt, fragt man sich, warum diese Erzählung so viel Raum einnimmt. Aber das werde ich wahrscheinlich erst endgültig beurteilen können, wenn ich den Rest gelesen habe. Und das mit der Münze. Da bin ich auch kurz hängen geblieben, hab es dann aber nicht weiter hinterfragt. Schließlich schreiben wir ja Fantasy und da ist theoretisch alles möglich :D Man muss es nur plausibel rüberbringen.


    Nun gut. Ich könnte mir vorstellen, dass Patty noch eine Rolle spielen wird. Ich bin mir nur noch nicht ganz sicher, welches Schicksal Moe in der Stadt erwartet. Zum jetzigen Zeitpunkt habe ich noch keinen blassen Schimmer, wohin die Reise geht und was du dir ausgedacht hast ...(ich schätze, das ist gut, weil schafft Spannung :thumbup: )


    Ich bleibe also gespannt und freue mich auf den dritten Teil :gamer:

  • Hallo Rainbow,

    freut mich, dass du hier auch mit an Bord bist. Also die Verwirrung beim Skulpturen-Deal im Allgemeinen hat Skadi ja auch schon angesprochen.

    Moe stellt eine Schenkungsurkunde aus und trifft die Vereinbarung, die Skulpturen in der Stadt für die Wegelagerer zu verkaufen, um ihnen dann das Geld dafür zu überlassen. Im Gegenzug bekommt er den Rest seines Besitzes zurück. Soweit der Deal!

    In dem Zusammenhang war das hier ein wichtiger Kommentar - da habe ich nämlich etwas anderes im Kopf gehabt, als beim Leser rüber kommt (wie ich jetzt beim Nochmal-Lesen gemerkt habe). Meine Idee war: Die Diebe geben ihm seine (Nicht-Skulpturen) Sachen SOFORT zurück, weil er ohne sie (zumindest nicht in kurzer Zeit) in die Stadt reisen kann. Hintergrund: ohne sein Geld und seine Verpflegung müsste er ständig Zwischenstation machen, um sich Mittel für Übernachtung und Verpflegung zu organisieren. Das wäre den Dieben eigentlich egal, aber jetzt wo er für sie was verkaufen soll sieht das anders aus - ihm seine Sachen wieder zu geben wäre also in ihrem und Moe's Interesse. Also das könnte ich im Text entsprechend klarer machen.

    Den markierten Satz kapier ich hier nicht. Da sagte er nun also, er werde ihnen alle drei Skulpturen "anvertrauen", aber die dritte will er in der Stadt wieder haben...wie will er denn die beiden anderen Skulpturen verkaufen, wenn er sie den Räubern anvertraut?

    OK, es wird echt Zeit, dass ich das umschreibe :schiefguck:: die Idee ist eigentlich, dass Moe ihnen die drei Skulpturen mit gibt und sich die drei Männer dann in der Stadt wieder treffen. Moe verkauft zwei Skulpturen im Auftrag der Diebe (die in diesem Fall ja die rechtmäßigen Besitzer sind :)). Dafür bekommt er seine dritte Statue zurück (die ihm rechtmäßig gehört). So hat Moe eine Motivation, den Deal abzuschließen (denn seine anderen Sachen hat er ja schon wieder bekommen). Wird aber natürlich so aus dem Text nicht deutlich. Gut, dass du's nochmal so detailliert ausgeführt hast. Jetzt wird mir klarer, wo der Leser stolpert. Mal schauen, ob es mir gelingt das mit halbwegs einfachen Worten in der Story rüber zu bringen.

    Die Fährfrau scheint ziemlich sonderbar. Alleine die Tatsache, dass sie da so alleine mit Ihrem Floß steht, kommt mir seltsam vor. Dann die Art, wie sie spricht...irgendwie so verheißungsvoll....als wüsste sie irgendwas ...

    Hmm ... ja auf der einen Seite soll es tatsächlich etwas seltsam wirken - auf der anderen Seite aber auch nicht übertrieben. Halt so, dass es ein Moe, der durch seine Überfall-Erfahrung etwas durch Wind ist, nicht sofort bemerkt.

    Ich würde vorschlagen Rainbow und Juu-Ka ihr behaltet den Gedanken mal im Kopf und könnt euch ja im dritten Teil nochmal überlegen, wie es im Gesamt-Zusammenhang passt?

    Die Ausführungen zu der Legende kamen mir ebenfalls recht lang und detailliert vor. In Anbetracht der Tatsache, dass nur noch ein weiterer Teil folgt, fragt man sich, warum diese Erzählung so viel Raum einnimmt. Aber das werde ich wahrscheinlich erst endgültig beurteilen können, wenn ich den Rest gelesen habe

    Ja, die Legende ist tatsächlich ein zentraler Teil der Story. Ich verstehe die Verwirrung bzgl. der ganzen Story Äste, die aufgemacht wurden und irgendwie im dritten Teil geschlossen werden müssen. Mal schauen, ob ihr mit dem Ende klar kommt, dass ich hier gebastelt habe ^^

    Und natürlich vielen Dank für die Fleißarbeit zu den Formalien!

  • Guten Morgen Novize,


    ich bin vom zweiten Teil weit weniger verwirrt als vom ersten :rofl: Ich habe auch bemerkt, dass du hier und da versuchst aus der Metrik auszubrechen, aber du verfällst rasch wieder in deinen gewohnten Vers. Ich weiß nicht welchen Stil dir für diese KG im Kopf schwirrt, mir persönlich kommt es vor als würdest du sie uns bloß erzählen wollen, ohne dass wir sie erleben. Damit meine ich, dass du die Eregnisse als Fakten abhandelst und uns nur sehr wenig von Moes Eindrücken schilderst. Ich als Landmensch finde es zum Beispiel jedes Mal seltsam, auf einem Boot / auf einem Floß zu stehen. Unter anderem an dieser Stelle hätte man dem Leser viel mehr die Überfahrt erleben lassen, in dem man auf das die Beschaffenheit des Untergrund eingeht im Hinblick darauf, dass unter einem Wasser fließt, die Wellen plätschern etc.

    Auch wenn es eher in Richtung Märchen gehen soll - selbst bei den Klassikern wird mit dem Empfindungen des Lesers gespielt ^^ "Und er hustete und prustete, und hustete und prustete, bis das Haus aus Zweigen einstürzte."


    dafür lastete eine umso schwerere Last auf seinem Gemüt.

    Eine Last lastete. Das ist doppelt gemoppelt ^^


    Während er darüber grübelte, wie er mit der neuen Situation umgehen würde, lichteten sich die Büsche am Wegesrand und machten die Sicht auf eine Ebene frei, auf der Moe das Ufer eines Flusses erkennen konnte, hinter dem sich schroffe Felsen erhoben.

    Ich bin ein Freund langer Sätze aber dieser ist doch sehr holprig zusammengesetzt. Daraus könntest du locker zwei machen.


    Die Überfahrt kostet damit einen halben statt einem ganzen Penny.“

    Hat nix mit der Geschichte zu tun, aber hier muss ich mir vorstellen wie die eine Münze zerbrechen, weil Penny für mein Empfinden bereits die kleinstmögliche Währungseinheit ist :rofl: "Und was mache ich jetzt mit der anderen Hälfe??"


    Ein Part kommt ja noch, wenn ich jetzt nicht völlig falsch liege. Zwar weiß ich noch nicht in welche Richtung die Pointe gehen könnte, aber ich lasse mich überraschen.

  • Jaja, ihr habt mich überzeugt - die Münze bleibt ganz :rofl: - und die Preise verdoppeln sich.

    Das muss nicht sein. Bei alten Währungen wurden die Münzen des Öfteren geteilt und dabei sogar geviertelt.

    Teilweise gab es sogar eine Sollbruchstelle.

    Nach zu lesen in "Alte Meß- und Währungssysteme aus dem deutschen Sprachgebrauch" von Fritz Verdenhalven

    Beispiel 1 Scherf = 1/2 Pfennig, er bekam also auch einen eigenen Namen :)

  • Hey Kamar,

    schön, dass du hier vorbei schaust und vielen Dank für deinen Hinweis. Ich hab das mit der Münzteilung nach dem Vorbild eines Ken Follett Romans geschrieben (welcher weiß ich grad nicht mehr) ohne es selbst nochmal explizit nachrecherchiert zu haben. Insofern - wie du richtig sagst - es kann historisch und technisch durchaus Sinn machen. Bei der Frage, ob ich es in der Geschichte lasse, ging es mir jetzt allerdings weniger darum, ob es realistisch ist, sondern eher um die Wirkung beim Leser. Und da Skadi, Rainbow und Juu-Ka alle über diese Szene gestolpert sind (weil es ja nachvollziehbarerweise erstmal ungewöhnlich klingt), denke ich, dass ich es im Sinne des Erzählflusses eher raus nehmen sollte. Bei einem Roman (wie Säulen der Erde etc.), wo ich viel Zeit habe und vielleicht auch historische Details vermitteln will ist das was anderes. Aber hier ist sowas ja eigentlich nur Requisite. Und damit Spoiler: die geteilte Münze spielt keine weitere entscheidende Rolle in der Story :D

  • @Novize

    Deinen ersten Teil hatte ich schon mal gelesen aber nicht wirklich verstanden. Selbst längeres Nachdenken führte zu nichts. Wie Rainbow und Skadi es beschrieben haben, hatte und habe ich da ein Problem mit. Die Idee ist gut, nur kommt sie nicht verständlich rüber.

    Der zweite Teil ist eher Geheimnisvoll und scheint wichtig zu sein. Frage mich ob die drei Skulpturen von Moe und die drei am Fluss etwas gemeinsam haben.

    Bin gespannt auf den dritten Teil. :)

    eigentlich nur Requisite. Und damit Spoiler: die geteilte Münze spielt keine weitere entscheidende Rolle in der Story :D

    Nun, ich mag so kleine Nebensächlichkeiten, die geben etwas würze oder lassen einen schmunzeln (Skadi)

  • Liebe/r Skadi, Juu-Ka, Rainbow, Kamar,

    ich habe den ersten Teil nochmal etwas angepasst mit dem Ziel, den "Deal" etwas verständlicher darzustellen. Kompliziert und erst am Ende des Abschnittes verständlich bleibt das Ganze Story-bedingt trotzdem. Wenn ihr wollt, könnt ihr ja nochmal schauen, ob es jetzt nachvollziehbarer ist. Die wesentlichen Änderungen sind blau markiert.

    So jetzt mein Versuch, das Ganze abzuschließen:


    Die Fähre über den Fatum (III/III)

    Zum ersten Mal konnte Moe dem Überfall etwas Gutes abgewinnen, denn wenn er noch das Gewicht der drei Skulpturen den steilen Pfad zum Dorf hätte heraufschleppen müssen, wäre er garantiert auf dem Weg zusammengebrochen. Schwer atmend erreichte er den Gipfel, lies sich ins Gras fallen und streckte alle viere von sich. Warum konnten die ihr Dorf nicht am Flussufer bauen, wie vernünftige Menschen? Als er sich etwas vom Anstieg erholt hatte, genoss er den Blick vom Gipfel des Felsens auf den Fluss, der in der Sonne glitzerte. Zumindest hatte er sich eine schöne Gegend für seinen Neuanfang ausgesucht. Seltsam - von hier oben wirkte der Fluss gar nicht mehr so breit.
    Von seinem Rastplatz aus konnte er bereits die strohgedeckten Dächer der ersten Häuser des Dorfes erkennen. Mit einem Seufzen raffte er sich auf, um die letzten Schritte hinter sich zu bringen. Auf seinem Weg durchquerte er ein Feld, auf dem die Erntearbeiten noch immer im Gange waren. Einige Arbeiter tuschelten und warfen ihm irritierte Blicke zu, aber fast alle erwiderten Moes freundlichen Gruß. Der Aufstieg steckte ihm noch immer in den Knochen, sodass er trotz der Rast Erleichterung verspürte, als er schließlich zu einem Gasthaus gelangte. Er würde sich eine Mahlzeit und einen Platz für die Nacht organisieren müssen. Vielleicht hatte er hier Glück.
    Als er die geräumige Stube betrat, schlug ihm ein süßlicher Geruch entgegen. Ein, nach seiner langen einsamen Reise ungewohntes, aber willkommenes Stimmgewirr erfüllte seine Ohren. Er sah vor allem Feldarbeiter an den Tischen. Die wenigsten bemerkten ihn, doch diejenigen, die ihn sahen, warfen ihm neugierige Blicke zu. Er nickte freundlich in die Runde und blickte sich suchend um, als ihm eine Frau mit einer Schürze von einem kleinen Tresen in der Ecke aus zuwinkte.
    „Was kann ich für euch tun, Fremder?“, fragte sie ihn, während sie sich mit einem Tuch die Schweißperlen von der Stirn wischte, das sicher für einen anderen Zweck bestimmt war.
    „Ich suche eine Mahlzeit und einen Platz für die Nacht“, begann er. Dann wurde ihm bewusst, dass er die wenigen, ihm noch verbleibenden Münzen besser sparen sollte. „Ich kann leider nicht dafür bezahlen, könnte euch aber meine Arbeitskraft anbieten.“
    Die Wirtin dachte eine Weile nach und wies dann in Richtung eines kleinen Tisches in der Nähe, an dem bereits ein junger Mann in Arbeiterkleidung saß. „Setzt euch erst mal und trinkt einen Schluck von unserem Bier. Dann könnt ihr Malak helfen, den Stall auszumisten. Da dürft ihr meinetwegen auch die Nacht verbringen. Und etwas zu essen wird sich auch finden – aber erwartet kein Festmahl.“
    Erleichtert, dass man ihn nicht vor die Tür gesetzt hatte, empfing Moe seinen Humpen Bier und gesellte sich zu dem jungen Mann, der ihm freundlich zu prostete.
    „Patrona zum Wohle, Fremder!“, empfing ihn Malak. Patty schien nicht die Einzige zu sein, die diese Legende kannte.
    „Sei gegrüßt! Du musst Malak sein. Mich nennt man Moe.“
    „Na dann nenne ich dich auch mal Moe“, entgegnete Malak schmunzelnd. „Auf der Durchreise?“
    „Ja – tatsächlich. Ich bin auf Weg in die Hauptstadt“, antwortete Moe. „Ehrlich gesagt bin ich neu in dieser Gegend und bin dankbar für jede Information, die ich bekommen kann.“
    Malaks Mine erhellte sich. Moe schien die richtige Adresse für Informationen gefunden zu haben – hoffentlich auch für nützliche. „Nun die meisten Fremden, die zum ersten Mal nach Kyrtana kommen, haben nur von König Thorax II. gehört“, begann der Angesprochene und lehnte sich weit in seinen Stuhl zurück. „Aber neben ihm gibt es noch zwei weitere wichtige Persönlichkeiten im Reich. Zum einen wäre da Milana, die mächtigste Kriegerin im Land. Sie ist auch die oberste Heerführerin. Mit der willst du dich nicht anlegen – glaub mir.“ Malak schaute eine Weile verträumt umher und Moe hatte den Eindruck, als wäre er nicht nur von Milanas kämpferischen Fähigkeiten begeistert. „Und dann ist da Gomez …“ Malak verzog leicht aber merklich das Gesicht, als er den Namen aussprach. „Er ist der einflussreichste Händler im Reich und auch der Besitzer der Goldmine. Oder von dem, was davon noch übrig ist.“
    „Dem, was davon übrig ist?“, fragte Moe und nahm einen tiefen Schluck aus seinem Krug.
    Malak nickte. „Die Mine ist vor einiger Zeit eingestürzt – eine Katastrophe sag ich dir – zumindest für Gomez, den reichen Sack. Der Typ war scheinbar früher echt in Ordnung, aber dann hat er angefangen, immer stärker zu kontrollieren, wer in der Stadt was verkauft. Vielleicht hatte er Angst, dass ihm jemand die Geschäfte streitig macht. Nachdem die Mine eingestürzt ist, dachten wir eigentlich alle: der ist jetzt am Arsch. Aber da hat Gomez erst richtig losgelegt. Es wird Jahre dauern, bis in der Mine wieder gefördert werden kann, deshalb hat er sich vollständig auf den Handel konzentriert. Ab jetzt darf nur noch derjenige etwas verkaufen, der von ihm eine Lizenz bekommen hat.“
    Da ist sie wieder - diese Lizenz. „Darf Gomez das überhaupt?“, fragte Moe skeptisch. „Ist das nicht Angelegenheit des Königs?“
    „Erzähle ich dir auf dem Weg“, sagte Malak knapp und leerte den Rest Bier in seinem Krug in einem Zug. Moe tat es ihm nach und sie verließen gemeinsam den Saal.
    „Gomez darf nicht wirklich eine Lizenz für Händler verkaufen“, fuhr Malak fort, während sie das Haus umrundeten und auf eine Scheune zu steuerten. „Er verkauft stattdessen … eine Vereinbarung, dass er einen bei seinen Geschäften unterstützt.“ Sie betraten die Scheune, aus der ihnen der Geruch tierischer Hinterlassenschaften entgegenschlug. Malak drückte ihm eine Mistgabel in die Hand und sie machten sich an die Arbeit. „Jedenfalls“, fuhr er nach einer kurzen Pause fort. „Ohne diese Vereinbarung wird dir niemand was abkaufen. In den Dörfern kannst du vielleicht ein paar Rüben loswerden. Aber wenn du was Wertvolles verkaufen willst in der Stadt – vergiss es. Die anderen Händler da haben die Hosen voll, denn jeder, der ein Geschäft macht mit jemandem, der keine Lizenz hat, der verliert seine eigene.“
    Moe dachte an das, was Patty ihm erzählt hatte. „Und Milana und König Thorax? Die schauen einfach zu?“
    „Am Ende schon“, meinte Malak nach etwas Überlegung. „Die sind nicht begeistert von dem, was Gomez macht, aber ich glaube die haben Angst, dass der Typ total ausrastet, wenn sie sich gegen ihn stellen. Wobei ich mir bei Milana kaum vorstellen kann, dass die vor etwas Angst hat.“ Wieder schaute Malak verträumt umher, bis Moe sich dezent räusperte und er fortfuhr. „Also jedenfalls … wo war ich? Ich glaube, Milana und Thorax warten ab, weil sie befürchten, dass Gomez nicht ohne einen Kampf gehen wird. Und solange er noch den Reichtum in der Stadt kontrolliert, könnte dieser Kampf ziemlich ungemütlich für die beiden werden. Naja – mir ehrlich gesagt auch ziemlich egal. Lizenzen hin oder her – am Ende scheißen die Viecher immer noch ins Stroh und ich muss es weg machen.“
    Die beiden arbeiteten einige Zeit schweigend weiter. Patty hatte so überzeugt von den drei Säulen Kyrtanas erzählt. Die Realität schien dagegen ernüchternd. Vielleicht hatte die Fährfrau länger keine Neuigkeiten mehr aus der Stadt gehört?
    Nachdem er seinen Dienst im Stall getan hatte, erkundigte er sich bei Malak, wie er noch an eine Mahlzeit kommen könnte.
    „Wir sind im Moment etwas knapp mit Lebensmitteln“, entgegnete Malak bitter. „Der Handel läuft schlecht seit der Situation mit der Goldmine. Aber ich hab da eine Idee, wo du noch was bekommen könntest.“ Er deutete ihm an, mitzukommen und sie machten sich auf in die Richtung, aus der Moe ins Dorf gekommen war. „Wenn ich fragen darf: was hast du eigentlich vor in der Stadt?“
    „Ich bin Händler – vor allem für Kunstobjekte“, begann Moe. „Ich hatte schon seit Jahren gehört, dass Kyrinthis der Umschlagplatz für Schmuck und Kunst aller Art ist. Ich musste einfach hier hin.“
    Abrupt blieb Malak stehen und Moe tat es ihm etwas verwirrt gleich. „Du willst Kunstobjekte verkaufen in der Stadt?“, fragte Malak in verwirrtem Tonfall. „Aber dann brauchst du doch eine Lizenz!“
    „Stimmt“, entgegnete Moe etwas irritiert von Malaks Reaktion. „Es ist doch kein großes Problem, die zu bekommen, oder?“ Hatte Patty das nicht gesagt?
    Malak drehte sich zu ihm herum und schaute ihn sichtlich betroffen an. „Ich fürchte schon. Es sei denn, du hast zwanzig Taler, die du gerade nicht brauchst. Aber das glaube ich kaum, sonst hättest du wohl für dein Essen bezahlen können.“
    „Zwanzig Taler?“ Moe erstarrte. Langsam bekam er eine Gänsehaut, als ihm bewusst wurde, was das bedeutete. Er konnte sich keine Lizenz leisten. Nicht jetzt, nicht morgen – vielleicht in einigen Jahren, wenn er jeden Penny dafür sparte. „Aber es muss einen anderen Weg geben“, meinte Moe verzweifelt. „Die Fährfrau, sie sagte …“
    „Welche Fährfrau?“, unterbrach Malak ihn verwirrt.
    „Na Patty, die Frau mit ihrem Floß, welche die Leute über den Fatum rudert. Die musst du doch kennen! Schließlich hat sie schon König Thorax I. hier rüber gebracht.“
    Malak starrte ihn an, als hätte Moe den Verstand verloren. „Ich glaube dir ist unser Bier nicht bekommen, Moe“, meinte er schließlich ungläubig. „Erstens – ich kenne keine Fährfrau. Es macht auch keinen Sinn, dass jemand hier eine Fähre betreibt, schließlich gibt es einige Hundert Schritte südlich von hier eine Brücke.“
    Mit offenem Mund folgte Moe Malaks Handbewegung und entdeckte zu seinem Entsetzen, dass dort tatsächlich eine Brücke über den Fluss führte, wobei dieser ihm jetzt noch einmal deutlich schmaler vorkam als noch bei seiner letzten Rast.
    „Und zweitens“, fuhr Malak fort. „Wer immer diese Patty sein soll – sie hat dir Mist erzählt. Thorax I war der Vater von Thorax II und selbst der ist nicht mehr der Jüngste. Dass Throax I den Fatum überquert und hier das Zepter übernommen hat, ist fast ein Jahrhundert her. Die Fährfrau will ich sehen, die sich so gut gehalten hat.“
    Moe war sprachlos. Warum hatte Patty ihn belogen? Dann fiel sein Blick noch einmal auf den Fatum und die Brücke im Süden. Warum hatte er das Bauwerk nicht gesehen?
    „Kopf hoch Moe!“, versuchte Malak ihn zu beruhigen. „Ich kann verstehen, dass du nach der Enttäuschung mit der Lizenz etwas durch den Wind bist. Ich bin sicher, wir können hier im Dorf eine Zeit lang einen weiteren Feldarbeiter gebrauchen. Jetzt komm mit.“
    Moe folgte Malak willenlos. Er versuchte seine Gedanken zu ordnen. Das hatte er noch nie erlebt, aber er schien sich von dem Überfall noch nicht ganz erholt zu haben. Er verstand noch immer nicht, was mit ihm los war. Es half alles nichts – am Ende änderte es wenig an seiner aussichtslosen Situation, die ihm mehr und mehr bewusst wurde.
    Malak führte ihn einen kleinen Hügel hinauf zu einer Höhle und einem kleinen See. Etwas irritiert bemerkte Moe, dass das relativ dicht bewirtschaftete Gebiet westlich des Sees unbebaut war. „Ist das Grundstück hier herrenlos?“, fragte er seinen Begleiter.
    „Ja. Das kannst du günstig erwerben“, sagte der schmunzelnd. „Du wirst gleich verstehen, warum.“
    Als sie einige Schritte näher an den See herankamen, schlug ihnen ein fauliger Geruch entgegen, der immer stärker wurde, je näher sie dem Gewässer kamen.
    „Lass mich raten – der Wind kommt von Osten her?“, fragte Moe.
    „Tut er“, bestätigte Malak. Es schien ihm etwas peinlich zu sein, aber schließlich ergänzte er: „Im See gibt es jede Menge Fische. Die wird dir niemand hier streitig machen.“
    Moe war bereits zu resigniert, um noch weitere Enttäuschung empfinden zu können – auch wenn er sich sein Abendessen anders vorgestellt hatte. Er nickte Malak zu.
    „Hat mich gefreut, mit dir zusammen zu arbeiten, Moe!“, sagte Malak zur Verabschiedung, lächelte unsicher und stapfte schließlich davon.
    Wahrscheinlich bewahrte der Hunger Moe vor weiterem Elend, da er nach und nach alle anderen Gedanken vertrieb. Er ging an das Seeufer heran und erkannte, dass es hier tatsächlich nicht an Fischen mangelte. Mit seinem Messer und ein paar Ästen baute er sich eine behelfsmäßige Falle und fing mehr schlecht als recht sein Abendessen.
    Der Geruch war alles andere als appetitlich. Aber durch sein Wissen über Skulpturen kannte Moe sich etwas mit Gesteinen aus, und nach allem was er wusste, ging der Geruch in diesem See auf Schwefel zurück, der durch das Gewässer aus dem Gestein gewaschen wurde. Das Wasser hier roch zwar streng, aber es war nicht giftig – glaubte er zumindest. Sicherheitshalber wusch er die ausgenommenen Fische in einem etwas abgelegenen Bach noch einmal gründlich und füllte dort auch seinen Trinkschlauch auf. Moe sammelte ein paar Äste, machte ein kleines Feuer und briet seinen Fang, der erstaunlich gut dafür schmeckte, dass er aus dem stinkenden See kam.
    Eine Weile saß er schweigend am Feuer und starrte mit düsterem Blick in die knisternden Flammen. Dann beschloss er, das Beste aus der Situation zu machen. Er würde eine Weile hier arbeiten müssen, um etwas Geld zu verdienen. Immerhin schienen die Bewohner des Dorfes umgänglich zu sein. Und eine schöne Aussicht gab es. Er hätte an einem schlimmeren Ort stranden können. In die Hauptstadt würde er so schnell nicht kommen – geschweige denn die Skulpturen verkaufen. Ob ihn die beiden Wegelagerer hier finden würden? Er könnte nach einiger Zeit dieses Grundstück erwerben. Billig genug war es ja scheinbar. Man würde ihn dann wohl den stinkenden Moe nennen, aber zumindest nicht den hungrigen Moe.
    Er stand auf und beschloss sich ein Bild von dem Gelände zu machen. Das erschien ihm zumindest sinnvoller, als weiter über die seltsame Fährfrau nachzudenken. Der Gestank war unangenehm. Vielleicht könnte man den Zufluss des Sees umleiten? Das wäre einige Arbeit, aber auf Dauer könnte es sich lohnen. Er hatte ja jetzt Zeit. Moe baute sich eine Fackel, hielt sich einen Lumpen vor Mund und Nase und betrat die Höhle, aus der dieser faulige Geruch strömte. Aus dem Augenwinkel sah er einen Feldarbeiter, der ihn ungläubig beobachtete und dabei den Kopf schüttelte. Nach Malak war es der zweite heute, der ihn für verrückt halten musste. Er wagte sich einige Schritte tief in die Höhle hinein. Es schien zwei Wasserzuflüsse zu geben, die aus dem Fels austraten. Der eine floss aus der Höhle heraus. Der andere sammelte sich in einem kleinen Becken und schien irgendwo zu versickern.
    Als Moe versuchte, jeden Winkel der Höhle auszuleuchten, sah er es in dem Becken glitzern. Vielleicht ein Kristall? Sein Interesse für Gesteine lies ihn nach der Quelle des Glitzerns suchen, die er schließlich auch fand. Das Objekt war winzig klein, aber … kein Kristall. Nach einem langen Tag voller seltsamer Ereignisse musste er sich zwingen, noch einmal ganz genau hinzugucken, aber auch nach dem vierten und fünften Blick erkannte sein geschultes Auge das begehrte Metall, dass die Grundlage für Kyrtanas Schmuck- und Kunsthandwerk bildete. Das Metall, das Gomez in seiner Mine nicht mehr fördern konnte.
    Zitternd wagte Moe sich tiefer in die Höhle hinein, ohne ihren Geruch überhaupt noch wahrzunehmen. Ungläubig untersuchte er die Wände, beleuchtete immer wieder mit der Fackel die Gesteinsschichten und konnte seinen Augen nicht trauen. Er streifte so lange durch die Höhle, bis seine Fackel erlosch und er sich seinen Weg heraus ertasten musste. Draußen stand die Sonne tief über dem Fatum und tauchte den Fluss und die Felsen in rotes Licht. Wie in Trance setzte Moe sich an die Überreste seines Feuers.
    Nur langsam klarten seine Gedanken auf und er begriff, wie sich die Ereignisse des Tages zusammenfügten. Erst jetzt blickte er noch einmal in Richtung der Felsen und beobachtete die Statue auf ihren drei Säulen. Mit einem Mal spürte er eine Last auf seinen Schultern. Aber keine Last, die ihn zerdrückte, sondern eine, die ihn erdete. Mit ihren letzten Strahlen beleuchtete die Sonne die drei Säulen der Statue.
    Morgen wird Kyrtana nicht mehr so sein wie zuvor, dachte Moe. Die Sonne versank am Horizont. Hat mich gefreut, mit dir zusammen zu arbeiten, Patrona.

  • Lieber Novize,


  • Hallo Juu-Ka,

    toll dass du dir die Mühe für dieses ausführliche Review gemacht hast. Deine Gedanken haben mir sehr weitergeholfen. Auf ein paar Dinge / offene Fragen gehe ich mal explizit ein:

    Vermutlich hätte es auch funktioniert, wenn Moe den Ärger mit den Wegelagerern nicht gehabt hätte, sondern einfach direkt zur Fähre und Richtung Stadt gefahren wäre, in der Absicht seine Figuren zu verkaufen.

    Es stimmt, dass Teil 1 scheinbar relativ wenig Relevanz für die spätere Handlung hat. Warum ich ihn gebraucht habe, klärt sich vielleicht weiter unten.

    Durch die gestalterische Flexibilität könnte man aber z.B. den Stolperstein mit den Verhandlungen umgestalten, und zu einem leichter verständlichen Ausgang mit den Banditen führen lassen.

    Definitiv. Man könnte Teil 1 sicher stark ändern (und die angesprochenen Probleme lösen), ohne die weitere Story signifikant zu beeinflussen. Es gäbe wahrscheinlich auch noch bessere Szenen um mein erzählerisches Ziel zu erreichen, aber das war gerade das einzige, was ich im Kopf hatte.

    Vielleicht hat es das nicht in dem Detailgrad gebraucht - andererseits find ich es auch ganz schön, wenn es dadurch authentischer wirkt und man sich besser in das Beschriebene hineinversetzen kann.

    Für die Story ist der Detailgrad sicher nicht so relevant. Im Prinzip hat sich allerdings meine Geschichte um diese Idee aufgebaut und ich wollte, dass der Leser ein Bisschen über diese Form der Gewaltenteilung nachdenkt - ob sie Sinn macht und funktionieren kann und wie sie sich mit damaligen und heutigen Machtverhältnissen vergleicht.

    Eine dritte Erklärung wäre vielleicht noch, dass die Göttin ihn 'ausgewählt' hat, weil er sich durch seinen gewitzten Umgang mit den Banditen als fähiger Handelsmann erwiesen hat. Da würde ich dann aber kritisch nachfragen, ob ihn seine durchaus schlitzohrige Art als den Richtigen für den Job ausweist - so könnte man ja annehmen, dass auch er mit umfangreichen finanziellen Mitteln die Leute in der Stadt schnell hinters Licht führen könnte und letztlich nicht besser wäre als Gomez 1.0.

    Genau das hatte ich tatsächlich im Sinn. Und da kommt die erste Szene ins Spiel, denn die ist gewissermaßen eine Prüfung für Moe. Patty scoutet nach einem neuen Gomez, weil der alte offensichtlich korrupt ist (Hier könnte man mal überlegen, warum die Goldmine eigentlich eingestürzt ist). Zum einen muss Moe sein (händlerisches) Geschick unter Beweis stellen, denn auch wenn sie Aufrichtigkeit von ihm verlangt, darf er sich ja nicht über den Tisch ziehen lassen und muss auch schwierige Situationen meistern können. Dann soll er aber nicht einfach ein Gomez 2.0 werden - deshalb fragt ihn Patty im "under cover Bewerbungsgespräch" auf dem Floß nochmal aus und enthüllt, dass er tatsächlich plant, sich an den Deal zu halten und auch seinen Ruf als Händler sehr ernst nimmt. Dann soll in der gesamten Geschichte auch rüber kommen, dass Moe gut mit Menschen kann und z.B. auch die schwierige Situation der "Banditen" nachvollziehen kann. Und letztendlich beweist Moe auch Durchhaltevermögen. Nach dem Schicksalsschlag mit dem Überfall und der Lizenz lässt er den Kopf nicht hängen und macht weiter - so wie man's sich vom neuen Gomez auch wünschen würde.

    Etwas Potenzial sehe in den Skulpturen verschenkt. So hätte ich es als ein richtig starkes Ende empfunden, wenn er auf die großen Statuen auf dem Fels schaut und ihm dann plötzlich auffällt, dass die ja genauso aussehen, wie seine drei Skulpturen.

    Ja - die Idee (die Kamar) ja so ähnlich schon angeschnitten hatte ist gut - ich hab mir ehrlich gesagt über die Skulpturen gar keine weiteren Gedanken gemacht - das hätten auch Ohrringe sein können.

    Ansonsten kann man natürlich kritisch nachfragen, wieso keine der Dorfbewohner vor Moe mal auf die Idee gekommen ist, die Höhle zu erkunden.

    Ja, die Lösungsansätze hast du ja schon selbst beschrieben. Als Ergänzung: Moes Wissen über Schwefel haben die Dorfbewohner nicht. Die haben keine Ahnung, woher der Gestank kommt und sind deshalb sehr vorsichtig. Dem widerspricht ein bisschen, dass sie Moe die Fische anbieten. Malak hat deswegen ja auch ein etwas schlechtes Gewissen. Aber Assi ist es trotzdem und eigentlich soll das Dorf ja sympathisch wirken. An die Lösung, dass Patty das Gold erst vor wenigen Wochen da hin "gezaubert" hat, habe ich als Alternative auch gedacht und lasse daher dem Leser die Auswahl bei der Interpretation. Zugegebenermaßen habe ich mich noch nicht ganz entscheiden, ob die Story auch ohne Magie Sinn ergeben soll oder nicht. Bisher braucht man sie noch, man könnte sie aber auch mit ein paar Handgriffen wieder "raus designen"

    Da Moe in Teil 2 auf diese Hauptstadt zufährt, war ich zunächst etwas irritiert, dass er plötzlich in einem Dorf strandet. Ich hatte mir aus Teil 2 die Vorstellung gemerkt, dass dieser Felsen mit den drei Statuen den Eingang der Stadt markiert.

    Hier muss man unterscheiden zwischen dem Königreich Kyrtana (Grenze am Fluss) und der (Haupt-)Stadt Kyrinthis (10 Tagesmärsche vom Ort des Überfalls entfernt).

    Vielleicht kann man an einer Stelle noch das Material erwähnen, dass dem Leser als besonders schweres Material bekannt ist.

    Ja - stimmt, behalte ich im Hinterkopf.

    Zuletzt würds mich noch interessieren, ob und was du mit dieser Geschichte noch so vor hast.

    Die Geschichte ist nicht mit dem Qualitätsanspruch geschrieben, sie später nochmal irgendwo zu verwenden. Ich weiß daher auch nicht, ob ich sie nochmal im großen Stil überarbeite. Sie ist aus einer fixen Idee entstanden, die (und das merkt man an einige Stellen) nicht 100% ausgereift ist. Ich wollte sie hier trotzdem mal teilen. Zum einen um die Reaktion auf diese (etwas andere) Art von Erzählungen zu beobachten und zum anderen als Übung für's Schreiben und Plotten für mich.