Was lest ihr gerade? (Non-Fantasy)

  • Paholaisen Biografia (Eine Biographie des Teufels) von Kari Kuula


    Ich bin immer wieder erstaunt was fuer Perlen sich in der Dorfbibliothek so finden lassen - das Buch gibt einen Ueberblick ueber die Vorstellungen die sich die Menschen aus dem juedisch/christlichen Bereich im Laufe der Zeit so ueber den Teufel gemacht haben. Kuula ist selbst Theologe und schreibt das aus einer Perspektive des Bibelexegeten, aber er hat einen sehr humorvollen Stil so dass es auch Spass macht zu lesen.


    Es beginnt mit einer Untersuchung, wie wenig der Teufel eigentlich im AT vorkommt. Fuer die Schlange der Genesis etwa gibt es keinen Hinweis im ganzen AT dass mehr als ein Tier damit gemeint war - denn Gottes Strafe fuer die Schlange ist die fuer einen Teil seiner Schoepfung, und die ganze Geschichte vom Fall aus dem Paradies wird im AT nie wieder aufgegriffen - ihre zentrale Bedeutung erhaelt sie erst aus dem NT. An anderen Stellen wo 'Satan' vorkommt ist im Original nicht klar, ob das Wort wirklich als Eigenname oder einfach als Hindernis gemeint ist das Gott jemandem in der Weg legt - insgesamt ist im AT 'Satan' definitiv ein Handlanger Gottes, jemand der eben auf Befehl die schmutzige Arbeit tut (wie Kuula das ausdrueckt) - keineswegs ein Widersacher oder ein Engel in Rebellion.


    Der gleichermassen strenge und guetige Gott des AT braucht eben keinen Teufel - was an Widrigkeiten in der Welt ist, traut man auch Gott zu - erst mit dem Christentum und dem Bild Gottes als guetiger Vater wird ploetzlich ein Widersacher noetig, der das Boese in der Welt erklaert.


    Ich finde das Buch sehr spannend zu lesen, auch weil es aus semi-aktuellem Anlass sehr viel an Philosophie anreisst (wie kann ein Englel der zum Guten geschaffen ist ueberhaupt auf die schiefe Bahn geraten - und wer ist daran schuld - und kann er erloest werden?) - was ich auch hier schon mit @Rainbow im Zusammenhang mit ihrem Konzept der Engel diskutiert hatte - und eben auch schoen zusammenfasst was ich in ungeordneter Form ueber die Verbindung mit 'Luzifer' in einer Diskussion mit @Aztiluth im Religionsthread zusammengesucht hatte.


    Ich wuerd's zum Lesen empfehlen, aber ich glaube nicht dass es uebersetzt worden ist...

  • Ich hab am Donnerstag in einem Zug "Wüstenblume" von Waris Dirie gelesen. Die Autorin erzählt darin ihre Lebensgeschichte. Geboren wurde sie als somalische Nomadin, mit fünf Jahren beschnitten und sollte mit etwa 13 Jahren mit einem Mann verheiratet werden, der locker ihr Großvater hätte sein können. Weil sie das nicht will läuft sie davon und kommt nach einigen Jahren nach London, wo sie schließlich als Model entdeckt wird und Karriere macht. Heute kämpft sie gegen das grausame Ritual der Mädchenbeschneidung.


    Ich fand das Buch sehr bewegend, gut zu lesen, teilweise äußerst spannend und informativ, gerade was das Leben und die Weltsicht der Nomaden angeht. Auch die Reflexionen über Kultur(en) und Lebensführung ist ziemlich gut und regt zum Nachdenken an. Wer mal "was anderes" lesen will, dem kann ich das nur empfehlen.

    „Alice, man darf sein Leben nicht nach anderen richten. Du allein musst die Entscheidung fällen.“ [Alice im Wunderland]

  • Jälkijäristys (Nachbeben) von Arne Dahl


    Wieder Schwedenkrimi - trotz des Fokus auf den schwedischen Geheimdienst beim letzten Dahl den ich gelesen hatte, hatte ich beschlossen der Sache noch eine Chance zu geben. Das ist jetzt ein frueheres Werk.


    Merkt man leider - die Stimmung will sich bei weitem nicht so aufbauen, der schwedische Geheimdienst ist schon wieder involviert und das Privatleben der Ermittler ist diesmal einfach uninteressant. Der Fall selber scheint aber (zumindest im ersten Drittel) solide aufgebaut und erzaehlt zu werden, das heisst ich lese einfach grosszuegig ueber die Beziehungs, Wohnungskauf und anderen Probleme der Ermittler hinweg und konzentriere mich auf das Wesentliche.


    Das Buch sollte es auf Deutsch geben, aber empfehlen kann ich's irgendwie nicht, dazu ist es zu durchwachsen.

  • Nachdem ich nun tatsächlich drei Bücher von Marlitt gelesen haben (war erstaunlich kurzweilig und das Setting des deutschen Adels im 19.Jhdt war so herrlich exotisch) bin ich nun wieder an the expanse dran:

    Abaddon's Gate
    by James S. A. Corey


    Der dritte Band und aktuell der letzte den es bisher als Serie gibt. Gefühlt haben sie sich mit jeder Staffel etwas mehr Freiheiten genommen, was das Buch natürlich spannender macht und man bekommt wie immer auch etwas mehr Einblick in die Welt und die Beweggründe der Charakter.
    Auch wenn ich weiß was geschieht, hibble ich dem tatsächlich etwas entgegen. Noch mehr natürlich dem Nachfolgenden Band von dem ich von den Schauspielern schon die eine oder andere Andeutung gehört habe...

  • Keskiajan Filosofia (Mittelalterliche Philosophie)


    Ich bin immer wieder erstaunt was sich in der Dorfbibliothek so findet - das ist ein Sammelband von verschiedenen Autoren die einen Abriss ueber die Probleme geben mit denen Philosophen sich so im Mittelalter rumschlagen mussten.


    Hier trifft das sich entwickelnde formale Werkzeug der Logik auf die Theologie, und wird auf Fragen angewandt wie 'Wenn Gott allmaechtig ist - kann er die Vergangenheit aendern?' Oder wenn sich jeder ein 'grossartigstes-vorstellbares Ding' (GVD) vorstellen kann - beweist das nicht dessen Realitaet? Denn ein reales GVD ist sicher grossartiger als ein fiktives GVD, also waere ein fiktives GVD eigentlich keines, weil man sich ja ein grossartigeres vorstellen kann?'


    Leider ist das Talent zum fluessigen Schreiben nicht jedem in den geisteswissenschaftlichen Fakultaeten gegeben, so dass manche der Kapitel sich eher zaeh lesen - aber den Einblick in die Gedankenwelt und die Probleme dieser Zeit finde ich schon sehr spannend (und auf die meisten Fragen dieser Art haben die Leute dann tatsaechlich auch ueberraschende Antworten gefunden [*].


    Mal sehen was da noch alles kommt.


    [*] Die Sache mit der Vergangenheit wurde durch die Annahme dass 'Gott ist ewig' nicht bedeutet dass er wie wir Zeit empfindet und nur sehr lange existiert, sondern dass er in immerwaehrender Gegenwart alle Zeiten betrachtet - sein Verhaeltnis zur Vergangenheit ist daher so wie sein Verhaeltnis zur Gegenwart - sie laeuft genau nach seiner Entscheidung ab - er koennte seinen Plan theoretisch aendern, aber nachdem der von Anfang an perfekt war, ist die Vergangenheit Gottes Wille und als solcher unwandelbar.


    Und bezueglich des GVD behauptet Anselm von Canterbury dass das tatsaechlich ein Beweis ist - aber schon seine Zeitgenosse haben darauf hingewiesen dass da ein Problem sein muss, denn mit dem gleichen Argument koennte man auch die Existenz von allem moeglichen anderen beweisen...

  • Mitä on filosofia? (Was ist Philosophie?)


    Anscheinend bin ich grade auf dem Trip dass ich in dieses Fach reinschaue - das Buch ist eine Sammlung von Essays von finnischen Philosophen die darueber sinnieren was es ist was sie so tun, was es helfen koennte, wie es sich zu anderen Themen einordnet, was sie fuer Erkenntnisse daraus gezogen haben,...


    Ich konnte die meiste Zeit meines Lebens mit Philosophie wenig anfangen, aber anscheinend kommt das mit dem Alter, ich finde inzwischen vieles recht interessant.


    Erste Erkenntnis - Philosophen sind manchmal wissenschaftsglaeubiger als ich. In vielen Essays wird der wissenschaftlichen Methodik selbstverstaendlich bescheinigt, auf einem Pfad zu immer groesserer Objektivitaet zu sein. Waehrend ich das bei Naturwissenschaften noch irgendwie sehen kann (auch wenn mir nicht immer klar ist in welchem Sinn Objektivitaet dann zu verstehen ist) leuchtet mir das z.B. bei Psychologie nicht notwendigerweise ein.


    Zweite Erkenntnis - Philosophen koennen herrlich pragmatisch sein. Im Essay ueber die Geschichte der Philosophie als Fach wird der Unterschied zur Ideengeschichte beschreiben als 'In der Geschichte der Philosophie muss man sich generell nicht fragen warum (aufgrund welcher Erfahrungen, Lebensumstaende, Moden,...) ein Philosoph seinen Text geschrieben hat - man nimmt einfach an dass der Grund war, dass ihm der Gedanke dahinter relevant vorkam.'


    Driitte Erkenntnis - wenn sie sich Muehe geben, dann koennen sie auch klar reden. Leider tun es nicht alle, weswegen das Buch stellenweise auch ein Kampf ist (und ich schummeln muss und Schluesselstellen der Argumente manchmal einfach im Internet nachschlage).


    Aber grade im Kontrast zur Philosophie des Mittelalters vorher ist das eigentlich eine sehr anregende Lektuere.

  • Essays von finnischen Philosophen die darueber sinnieren was es ist was sie so tun,

    Das klingt so geil!

    Ich konnte die meiste Zeit meines Lebens mit Philosophie wenig anfangen, aber anscheinend kommt das mit dem Alter, ich finde inzwischen vieles recht interessant.

    Dabei geht es doch manchmal um die Grundfragen des Lebens... naja, aber ich kann das nachvollziehen. Manchmal fehlt einfach der Bezug zu den konkreten Fragen des eigenen Lebens und den eigenen Problemen. :pardon: Aber man muss sich ja auch nicht zwingend damit beschäftigen.

    „Alice, man darf sein Leben nicht nach anderen richten. Du allein musst die Entscheidung fällen.“ [Alice im Wunderland]

  • Dabei geht es doch manchmal um die Grundfragen des Lebens...

    Wenn ich so drueber nachdenke - man hat sich wohl auf dem falschen Fuss erwischt.


    Einmal ist es dieser Stil (gerne in Feuilletons oder von gebildeten Mitbuergern verwendet) bei dem Saetze wie 'Seit Adorno (Butler, Badinter, *insert name here*...) wissen wir dass' oder 'Adorno hat gezeigt dass'. bei dem eine Meinung (die der Sprecher teilt, die aber tatsaechlich auch unter Philosophen keineswegs unumstritten ist) zu einer objektiven Tatsache erhoben wird - was natuerlich in einer Diskussion eine ziemliche Waffe ist, denn - will man denn ohne weiteres behaupten dass Adorno falsch liegt, ohne jetzt viel von ihm gelesen zu haben, weil einem das was er angeblich gezeigt hat unsinnig vorkommt?


    Dann hatte ich das Pech, grade zu Anfang meiner Studienzeit (als man selber noch am Suchen ist wie man sich in der Welt so orientieren will) an Philosophiestudenten zu geraten - und wenn dann alles 'kritisch hinterfragt' wird was man so versucht, dann kommt man nicht so richtig voran. Skepsis ist grundsaetzlich keine schlechte Einstellung, aber sie sollte einen Grund haben - Skepsis die nicht begruendet wird fuehrt zu Verschwoerungstheorien - natuerlich koennte alles ganz anders sein... aber welchen Sinn hat es, das echt zu denken? Seit der Zeit reagiere ich allergisch auf die Phrase 'kritisch hinterfragen'...


    Naja, ich denke mit dem Alter kommt auch die Selbstsicherheit sich dem intellektuellen Terrorismus von 'Adorno sagt' nicht so beugen, sondern den anderen einfach zu fragen warum Adorno das denn glaubt - oder eben die Manier des kritischen Hinterfragens mal zu hinterfragen und zu schauen wann das eigentlich sinnvoll ist.


    Was ich bei der Essaysammlung gut finde ist, dass da sehr wenig von diesen Irritationen drin ist - die sind alle sehr vorsichtig, da geht's nicht um 'X sagt', sondern darum Moeglichkeiten des Denkens auszuloten und zu probieren was passt zusammen, was nicht. Damit kann ich viel eher was anfangen.

  • Gegenlauschangriff von Christoph Hein


    Ein eher kurzes Buch das mir die Bibliothekarin meines Vertrauens mal mitgebracht hat - Anekdoten aus dem Deutsch-Deutschen Verhaeltnis.


    Mit einigem Abstand und im freiesten Land der Welt (yep, Finnland fuehrt die Liste an...) liest sich vieles ueber Zensur eines Theatermachers in der DDR unterhaltsam, aber wenn man genau drueber nachdenkt, war das wohl alles andere als lustig.


    Etwas deprimierend ist die Perspektive auf die Wiedervereinigung - die gleichen Leute die erst in der DDR Probleme hatten weil sie mit einem Fuss im Lager der Staatsfeinde waren wurden nachher mehr oder weniger in Sippenhaft mit den Sozialisten genommen und als Kuenstler nicht ernst genommen - dementsprechend ist die Vereinigung auch mehr als Kapitulation beschrieben.


    Loht sich in sowas mal reinzuschauen - grade wenn man keine Verbindungen in den Osten hat.

  • Ich lese gerade "Der Pferdeflüsterer" :D
    Ich habe damals nur mitbekommen, dass der Film so toll gewesen sein soll. Gesehen habe ich ihn nicht. Aber das Buch gab es für 50 Cent im secondhand laden hihi


    Anyway: bis jetzt ist das Buch sehr gut (die ersten 100 Seiten). Voller Drama und angestaut er Konflikte. Bin gespannt wie sich die Story noch entwickelt und vor allem wie Grace (die Tochter) auf die Situation reagiert und damit umgeht.


    Handlung bis jetzt: Grace reitet mit einer Freundin aus. Sie haben einen schlimmen unfall. Die Freundin stirbt samt Pferd. Grace verliert ein Bein. Pilgrim (Grace Pferd) überlebt schwer verletzt. Beide haben ein Trauma. Graces Mutter engagiert den Pferdeflüsterer, damit dir beiden ihr Trauma verarbeiten.
    Zwischen Grace Eltern kauft auch nicht alles rund. Ungelöste Konflikte und unausgesprochene Vorwürfe. Laut Klappentext verliebt sich die Mutter auch in den Pferdeflüsterer. Also ich bin Mal gespannt ... :)

    Rosen sind rot,
    gelb ist die Biene,
    ich kann nicht dichten,
    Waschmaschine!

  • From Script to Screen - the Collaborative Art of Film-making


    Das Buch hat uns ein Nachbar in die Hand gedrueckt der von unserem Hobby weiss. Es geht darum, dass bekannte Leute aus der Filmbranche ueber ihre Erfahrungen wie sie ihren Job so sehen berichten so dass man ein Gefuehl fuer die Arbeitsgaenge bekommt, und dann am Ende jedes Kapitels wird alles konkret am 'Club der Toten Dichter' festgemacht.


    Man erfaehrt also vom Drehbuchschreiber, dem Produzenten, dem Regisseur, dem Art Director und seinen Untergebenen, der Kameracrew, den Schauspielern, den Make-up Leuten und Kostuemschneidern, dem Editor - und wie sich der Film veraendert waehrend er durch all diese Haende geht.


    Teilweise kommt mir die Sicht ein bisschen geschoent vor - nachdem die Branche sich selbst beschreibt hoert man immer wieder dass die Stars ganz tolle Schauspieler sind die tief in ihre Rolle eintauchen und ihr Geld mehr als Wert sind - und dann sitze ich da vor einer DVD und frage mich - hat der Typ der da spielt noch einen anderen Gesichtsausdruck, und wenn ja - warum sehe ich ihn nicht? Will sagen - unter den Stars gibt es welche die ich als geniale Schauspieler bezeichnen wuerde, aber auch solche denen ich das absprechen wuerde und die einen Film fuer mich eher runterziehen als aufwerten.


    In manchem erkenne ich mich so wieder - zum Beispiel schreibt ein Editor, dass ein Schauspieler sowohl emotional als auch technisch gut sein muss - wenn er nur das erste kann, dann steht der Editor vor Material in dem ein genialer Gefuehlsausbruch zu sehen ist - aber in jeder Kameraeinstellung steht der Typ anders, nimmt einen Gegenstand mit einer anderen Hand, hat eine andere Koerperhaltung - und das kann man nicht sinnvol zusammenschneiden - das sind so Probleme mit denen ich beim Schnitt (nachdem wir ja mit sehr wenig technisch versierten Schauspielern arbeiten) staendig zu tun habe.Oder die Erfahrung - man schneidet was - aber die Regie will es anders, kann aber nicht genau sagen wie, also geht das frustrierenderweise immer wieder hin und her.


    Manches ist wirklich erhellend - zum Beispiel wusste ich nicht dass Actionhelden im Anzug mehrere Sets von Anzuegen haben - einen fuer Szenen in denen sie stehen, einen anderen fuer Szenen in denen sie rennen - weil es unmoeglich ist, einen Anzug zu schneidern der bei beiden Taetigkeiten gleichermassen gut aussieht


    Man merkt auch wie sehr sich die technischen Moeglichkeiten veraendert haben - in dem Buch ist die Beleuchtung und Farbgebung der Szene noch ganz eminent wichtig - wir haben inzwischen die Moeglichkeit vieles wie Farbtemperatur oder Farbe des Lichts im Nachhinein recht bequem durch einen digitalen Filter zu setzen.


    Naja, ich finde es interessant da immer wieder drin zu blaettern - und ich denke es ist alles in allem ein erhellender Einblickin die Branche.

  • Hyvä, paha ja synti (Gut, Böse und Sünde) von Kari Kuula



    Der Autor ist der gleiche der auch die 'Biographie des Teufels' verfasst hat, daher dachte ich mir, ich koennte mal reinschauen was er sonst noch so schreibt. Das hier ist eine Einfuehrung in Christliche Ethik - was (und wie) die Lektuere der Bibel ueber Ethik zu sagen hat,


    Leider ueberzeugt es mich bisher nicht so... Vielleicht haette ich die Einfuehrungen in Philosophie vorher nicht lesen sollen, aber verglichen damit erscheint mir vieles was er hier schreibt eher duenn und naiv.


    Bisher ging's z.B. um die (an sich interessante) Frage ob christliche Ethik universell ist, aka ob sie (fuer einen Christen der ihr anhaengt) auch fuer andere Menschen zutrifft - oder eben nicht. Und wenn sie universell ist, folgt daraus eine christliche Politik die Menschen Richtlinien des ethischen Lebens setzt? Die Antworten die darauf angedeutet wurden waren aber leider irgendwie maximal wischiwaschi - ein Philosoph haette jetzt herausgearbeitet unter welcher Annahme das folgt und unter welcher eben nicht, aber so war's recht viel Gerede um nichts.


    Naja, es ist nett zu lesen (schreiben kann er...), insofern werde ich es wohl fertig lesen.

  • Der Pferdeflüsterer von Nicolas Evans


    Ich habe den Film nie gesehen, bei der Diskussion mit Kollegen aber erfahren, dass das Ende leicht von dem im Buch abweicht.
    Rückblickend raffe ich nicht, wieso sie im Film das Ende gehadert haben. Es ist etwas unnötig, der Konflikt ließ sich meiner Meinung nach aber nicht mehr anders lösen. So weit so gut.
    Das Ende für das Pferd ist weniger angenehm und meine Freundin, die reitet, hat sich sehr lange darüber aufgeregt xD ich fand es auch eher so ... Naja, nagut, wenn es für die Story unbedingt sein muss ... Aber immerhin kam es danach wieder einigermaßen zurecht ^^°


    Von Anfang an: es ging überraschend Weng um Pferde :rofl:
    Prota waren Grace (13) die mit ihrem Pferd einen schlimmen Unfall hatte und ihr Mutter Annie, die den Pferdeflüsterer Tom anheuert, damit er Graces Pferd Pilgrim wieder in die Reihe bringt.
    Dabei verlieben sich Annie und Tom und obwohl ich die Beschreibung anfangs noch Recht bodenständig fand (Yeah! :D ), würde sie gegen Ende immer Hollywoodmäßiger xD
    Abgesehen davon und vom nervigen Ende hat mich das Buch aber dennoch gepackt, auch emotional.
    Es ist wirklich gut geschrieben.


    3,75 von 5 Sternen ^^

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  • Uuden ajan Kalevala-avain von Kauno Mannonen


    Ich hatte das Buch ausgeliehen weil ich mir ein bisschen Ideen ueber die Symbolik in der kalevala erhofft hatte. Dass Väinämöinen auf dem Cover wie Albert Einstein aussieht haette mich warnen sollen...


    Es ist alles sehr hardcore Eso. Nach einer Einfuehrung in der der Autor sich durch einen konsequenten Angriff auf Logik als ungenuegend um den wahren Gehalt von Dingen zu erfassen gegen Kritik immunisiert werden binnen kurzem Weisheiten aufgetischt wie dass das Urvolk der Finnen die Westliche Zivilisation begruendete (das beruht auf dem Werk eines von Mannonen sehr geschaetzten Hellsehers...) und dazu bestimmt ist, Europa in Zukunft das Licht zu bringen.


    Na ein Glueck dass ich da schon so nahe dran bin...


    Dass es gemeinsame Themen in der Kalevala und in anderen Mythologien gibt (Held, Pruefungen, Hochzeit und so) nimmt der Autor nicht etwa als Beleg dass es halt archetypische Geschichten gibt, sondern dass alle anderen aus der Kalevala abgeschrieben haben. Wie schon im Vorwort angedeutet haelt er nicht allzuviel von Logik, insofern wird der grosse Baum am Anfang der Kalevala (die beste Deutung die ich gehoert habe ist die Rauchsaeule eines Meteoriteneinschlags in Estland die auch in Finnland noch die Sonne verdeckt haben muss) - ueber Baum - Buddha sass 40 Tage unter einem Baum und hat meditiert - Jesus war 40 Tage in der Wueste und hat da meditiert, und bestimmt hat er sich einen Baum gesucht um sich drunter zu setzen (davon gibt's in Wuesten ja immer so viele...) - mit Baum in Kalevala = Quelle von Jesus' Weisheit verhackstueckt.


    Alles in allem eine shotgun-marriage zwischen esoterischen Konzepten und der Kalevala.


    Besonders unterhaltsam war bisher das Statement dass die Frauen in der Kalevala ja so ehrerbietig geschildert werden. Kann man eigentlich nur schreiben wenn man ausblendet dass


    * Aino gegen ihren Willen mit einem aelteren Mann verheiratet werden soll und lieber ins Wasser geht
    * Kylikki von Ahti gegen ihren Willen geraubt und zwangsverheiratet wird
    * die 'Maid aus Pohjola' von ihrer Mutter Louhi an den meistbietenden Freier verschachert wird und
    * bei ihrer Hochzeit eine lange Belehrung an Ilmarinen kommt mit welcher Rutenstaerke man seine Frau bei welchen vergehen zu schlagen hat


    Um, ja.


    Oh. My. God.

  • Okay, nachdem ich den Schluessel zur Kalevala jetzt fertig habe - das Buch kann gut als Anschauungsmaterial fuer esoterisch angehauchten Rassismus dienen. Im letzten Kapitel dreht der gute Kauno voll auf - die Urfinnen waren also auch mal Herren in Aegypten und haben die Pharaonen aufgemischt, haben den Indern Sanskrit beigebracht und... waren auch mal auf einem Abstecher in Peru um die Zivilisation der Inkas zu begruenden.


    Wie er auf sowas kommt? In Peru isst man ja Kartoffeln, die auf Finnisch peruna heissen (kommt in Wirklichkeit aus dem Schwedischen Erd-Birne jordpäron) - das beweist ja wohl alles.


    Unappetitlich wird es dann, wo 'die Juden' und ihr altes Testament mit Jehova und so daran schuld sind dass der Volksgeist der Finnen so verdorben ist und nicht mehr die reine Kraft der Kalevala in sich traegt. Ausserdem sind die Finnen ja mit dem germanischen Volk verwandt (den Linguisten gruselt's...) - denn Kauno glaubt dass zwischen beiden Voelkern 50% des Genoms identisch ist (den Genetiker gruselt's... ich hab' wahrscheinlich mehr als 50% genetischen Ueberlapp mit einem Meerschwein... was mir das sagen will?). Und das ueberlegene Genom zeigt sich dann daran wie schnell Finnland nach der Unabhaengigkeit als Nation aufsteigen konnte.


    Jo, von auserwaehlten Nationen, ursprunglichem Volksgeist, ueberlegenen Genen und aehnlichem Spuk hatten wir im letzten Jahrhundert fuer meinen Geschmack eigentlich schon mehr als genug.


    Naja, jetzt weiss ich also was sich die Perussuomalaiset (die hiesige Rechte Partei) so als Nachtlektuere reinziehen. Man ist ja geneigt 'den Juden' dankbar zu sein wenn sie uns diese Art von 'urspruenglichem Volksgeist' weitgehend erspart haben.


    Meh...

  • Teach yourself Biblical Hebrew von Sarah Nicholson


    Das Buch hab' ich schon seit ueber 10 Jahren, aber damals bin ich nicht ueber einen Einblick in die Struktur der Sprache rausgekommen (grade eine Tochter geboren und Finnisch frisch und noch unsicher als Fremdsprache im Kopf = schlechte Kombination um noch eine Sprache zu lernen...). Aber jetzt will ich mal sehen ob ich nicht ein bisschen weiter komme und tatsaechlich auf einen Stand komme dass ich aktiv lesen kann.


    Was kann ich sagen - ich hab' dieses Ding fuer Sprachen, und Hebraeisch ist total interessant. Erst mal ist es eine Wurzel-flektierende Sprache, das heisst bei den verschiedenen Formen bleibt eigentlich nur das Konsonantengeruest erhalten, die Vokalisierung aendert sich - aber um die Sache interessanter zu machen koennen auch Praefixe und Suffixe ans Konsonantengeruest kommen - das dann im Lexikon zu suchen ist... eine Herausforderung (eine Verbform ist zum Beispiel QaTaL mit dem Konsonatengeruest QTL - flektiert kann das dann mal YiQToL werden - darf man nur nicht den Fehler machen unter Yi- nachzuschauen wenn man es sucht).


    Dann gibt's da so Dinge wie die vau-consecutive tenses - worin die Erklaerung ist warum in der Bibel so viele Saetze mit Und... anfangen. Ein vau (und) vor dem Verb flippt naemlich die Zeit - ein Verb das eigentlich Futur ist wird dadurch zu Vergangenheit und umgekehrt.


    Muss man mal drauf kommen...


    Interessant finde ich auch den construct-state - anders als in praktisch allen Sprachen die ich kenne wo bei 'die Stimme des Koenigs' der Koenig flektiert wird (und im Genitiv oder dessen Aequivalent landet) wird im Hebraeischen die Stimme flektiert und kommt eben in den construct-state, also woertlich sowas wie 'Stimme-von Koenig'.


    Naja, didaktisch ist das Buch nicht der Hammer, aber ich hab' grade einiges an Spass damit...

  • Herbert Rosendorfer - Briefe in die chinesische Vergangenheit


    Mein Papa hat seine Bücher sortiert und mir das hingelegt ^^
    Es geht um einen Mandarin, der aus dem tausend Jahre alten China in die Gegenwart reicht, aber nicht in China, sondern in München landet :D
    Wie er seine Eindrücke beschreibt ist echt witzig. Er kennt ja keine Autos und keine Toiletten und was weiß ich :D Und das Fahrrad hat ihn erst Recht umgehauen :) Ich bin aber noch ganz am Anfang und mal gespannt, wie sich das ganze noch weiter entwickelt.


    Ich überlege gerade, ob der Beitrag nicht besser in "Was lest ihre gerade - Fantasy" passt XD Aber die Zeitreise ist wirklich das einzige fatasyige daran :)

    Rosen sind rot,
    gelb ist die Biene,
    ich kann nicht dichten,
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  • Ich habe letzte Woche Theodor Storms "Der Schimmelreiter" gelesen. Sprachlich war es am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig, aber im Laufe der Zeit hatte ich mich daran gewöhnt und die Geschichte war dann erstaunlich spannend.

    Worum es geht? Um einen eher introvertierten Jungen, der seine Liebe findet und trotz vieler Widrigkeiten seine Bestimmung erfüllt. Da letztere ist, dass er Deichgraf wird, geht es auch viel um den Deichbau an der Nordsee und um typisch menschliche Gefühle wie Neid und Missgunst, Liebe, Träume und Sehnsüchte.

    Mir hat es insgesamt sehr gut gefallen!

    „Alice, man darf sein Leben nicht nach anderen richten. Du allein musst die Entscheidung fällen.“ [Alice im Wunderland]