Kadugo - Blutband

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  • Hallöchen zusammen :)


    Ich habe meinen Urlaub mal genutzt, um hier eine weiteres Kapitel zusammenzuschreiben :) Und es hat wirklich gut getan weiterzuschreiben, daher kann es gut sein das es doch nicht so eine lange Pause gibt wie ich im Vorpost angedeutet hatte.


    Kapitel 7 (3/4)


    Nevran

    Derweil durchschritt Nevran das Tor, welches in den wilden Vorgarten von Bennas Heim führte. Die Kieselsteine knirschten unter seinen Sohlen und während ein Schwall Kräuteraromen ihn begrüßte, schwang die Eingangstüre auf und eine Frau Ende zwanzig stand im Türrahmen. Ihr kühler Blick traf ihn. „Was willst du hier?“, fragte sie.

    Er verlangsamte seine Schritte und ein schelmisches Grinsen breitete sich auf seinem Gesicht aus. „Ich wollte den Gefallen, den du mir schuldest, einfordern.“

    Bennas Schulter sackten zusammen, dann wendete sie sich von ihm ab und lief ins Hausinnere.

    „So sympathisch wie eh und je“, murmelte Nevran und folgte ihr.

    Im Inneren war der Duft der Kräuter geradezu penetrant und er musste niesen. Schlimmer als in den die Kräutermoore von Moldelva, dachte er. Die blasse Frau hatte sich derweil auf dem Sofa niedergelassen und nippte an ihrer Tasse. „Wobei soll ich dir helfen?“, fragte sie.

    Er ließ sich in den Sessel ihr gegenüber fallen. „Du hattest versprochen, dass du nicht nach dem warum fragen würdest. Bleibt es dabei?“

    Er erhielt keine Antwort, sondern nur ein bestätigendes Nicken.

    „Sehr gut. Ich brauche deine Hilfe, um ein Seelenfragment auszulesen“, offenbarte er.

    Sie verschluckte sich fast an ihrem Getränk. Dann verengten sich ihre Augen zu Schlitzen. „Wie kommst du darauf, dass ich so etwas kann?“

    Er lehnte sich auf seine Knie und sah sie eindringlich an. „Du bist so ziemlich die einzige Hexe, die stark genug sein könnte und die mir dabei überhaupt helfen würde.“ Ein Augenblick des Schweigens.„Und wie sieht es aus?“, fragte er.

    Sie nahm einen Schluck. „Ich muss mir das Vorgehen erst einmal anschauen, dann kann ich dir mehr sagen. Gib mir mal das Buch mit der Anleitung“, forderte sie ihn forsch auf.

    Nevran kratzte sich am Hals. „Das könnte schwierig werden. Da ich es für zu gefährlich hielt, es aus der Zirkelbibliothek mitgehen zu lassen … “

    Benna unterbrach ihn. „Spielst du noch immer den Laufburschen von dieser alten Schachtel?“

    „Wohl kaum, sonst wäre ich ja nicht hier“, sagte er mit einem genervten Unterton. „Ich konnte zwar das Buch nicht mitbringen, aber habe alles hier drinnen“, erklärte er und tippte sich an die Stirn.

    „Also bist du nicht mit leeren Händen gekommen. Das erleichtert die Sache natürlich.“ Nachdem die Frau ihren Tee auf den Tisch gestellt hatte, lief sie zu Nevran. „Dann schaue ich mal, ob ich etwas mit deinen Gedanken anfangen kann“, sagte sie trocken. „Entspann dich und schließe die Augen“, forderte sie ihn auf. Anschließend legte sie eine Hand an seinen Hinterkopf und die andere auf seine Stirn. Abrupt drückte sie seinen Kopf in den Nacken und die Hand, welche auf der Stirn lag, begann zu glühen.

    Nevrans Finger krallten sich in das Leder des Sessels und ein Keuchen entkam seiner Kehle.

    „Vielleicht hätte ich dir sagen sollen, dass es nicht gerade angenehm ist, wenn jemand deinen Kopf durchforscht“, gestand sie auf seine Reaktion hin.

    Du kleine Sadistin, fluchte er innerlich. „Lass dir ruhig Zeit“, knurrte er durch zusammengepresste Zähne.

    Ein kleines Grinsen huschte über ihre Lippen. „Sonst hast du doch auch immer eine so große Klappe“, scherzte sie, bevor sie ihren Blick senkte und in eine Art Trance viel.

    Leise Worte kamen über ihre Lippen, welche sie immer schneller und in einem tieferen Ton aussprach.

    Ist das die Sprache der Hexen? schoss es ihm durch den Kopf, als er ihr unverständliches Gemurmel wahrnahm.

    Aber schon verstummte sie, wie auch der Schmerz in seinem Kopf.

    Nevran öffnete seine Augen. Er sah, wie Benna ins Wanken geriet und griff nach ihrem Arm.

    „Alles okay bei dir?“, fragte er besorgt. Durch den dicken Pullover, den sie trug, spürte er ihre Knochen. Er seufzt und wollte gerade ansetzten.

    Jedoch zog sie ihren Arm aus seinem stützenden Griff. „Mir geht es gut“, antwortete sie. „Du brauchst dir um mich keine Sorgen machen. Lass uns weitermachen.“

    Nevran seufzte erneut. Ihre Wunde sind noch immer nicht verheilt, aber leider habe ich keine Zeit für sie da zu sein.

    Sie merkte, dass sich sein Blick trübte und gab ihm einen leichten Schlag auf die Schulter. „Komm, ich muss noch einiges für diesen Zauber vorbereiten.“

    „Bedeutet das, du kannst mir beim Auslesen des Seelenfragments helfen?“, fragte er.

    „Ja sieht ganz machbar aus, aber ich habe da doch eine Frage. Du weist schon, was es bedeutet, wenn du jemanden ein Seelenfragment stiehlst oder? Ich hoffe, du hattest einen wichtigen Grund dafür?“

    „Ja ich weiß, was ich damit verursacht habe und ich hatte keine andere Wahl“, erklärte er.

    „In Ordnung, das werde ich dir glauben müssen“, antwortete sie. „Da du den Ablauf kennst, gehe ich davon aus, dass ich dir nichts erklären muss.“

    Er nickte.

    „Dann komm mit“, forderte sie ihn auf, ihr in den Keller zu folgen.

    Während sie das Untergeschoss betraten, erblickte er zerbrochene Behälter und alchemistische Mittel, welche über den Boden, neben einem Tisch, verteilt lagen. Es sah so aus, als hatte jemand die Sachen in einem Anfall von Frustration vom Tisch gefegt.

    „Ignoriere die Unordnung“, sagte sie und lief trittsicher durch das Chaos.

    Nevran bückte sich und tauchte mit einem Finger in eine lila Flüssigkeit und roch an ihr. Ein süßlicher Duft stieg ihm in die Nase. „Blütenkonzentrat des Fingerhuts solltest du hier aber nicht offen rumliegen lassen“, erwähnte er.

    „Ich weiß. Ich weiß. Das werde ich später versorgen“, antwortete sie, während sie einige Behältnisse aus einem überfüllten Regal zog.

    Sie ließ ihn außen vor und begann den Absorbierungstrank herzustellen.

    Nevran nahm sich unterdessen einen Eimer, welcher neben der Eingangstüre stand und sammelte die Scherben auf dem Boden ein.

    „Das musst du nicht“, sagte sie ihm, ohne die Herstellung des Trankes zu unterbrechen.

    „Ob ich hier Däumchen drehe oder hier Ordnung mache, spielt doch keine Rolle. Außerdem will ich nicht, dass dir der Duft des Fingerhuts zu Kopf steigt. Ich brauche dich bei voller Konzentration.“

    Ein kaltes Lachen entglitt ihr. „Dann mach halt.“


    Lilijana

    „Was ist geschehen?“, fragte Lilijana ihn.

    „Ich habe seine Spur verloren. Er muss einen Ort betreten haben, der gegen Ortungen geschützt ist“, antwortete er.

    Das Zirkeloberhaupt schüttelte den Kopf. „Das war es dann mit dem einfachen Weg“, seufzte sie und sah sich den Ort auf der Karte genauer an.

    „Sein letzter Standort war in Cambridge, allzu weit kann er noch nicht gekommen sein. Wir müssen herausfinden, zu wem er gegangen ist und wer ihm überhaupt bei so einen komplizierten Zauber helfen könnte. Ich hoffe, dass er nur zu einem Hexenwesen gegangen ist, die deinen Ortungszauber blockt und nicht, dass er sich mit jemanden getroffen hat, der die Ortung auch in Bewegung unmöglich macht, weil dann … ich will es mir gar nicht ausmalen, wie gering unsere Chancen dann stehen.“

    Joseph stimmte Lilijana, bei jedem Wort zu. Die Zeit lief gegen sie.

    Das Zirkeloberhaupt rief Grace ins Zimmer und klärte sie über den Misserfolg der Ortung auf.

    „Das bedeutet, dass Jospeh den ungefähren Radius berechnen wird, in dem wir nach der Hexe oder Hexer suchen müssen und wir werden in der Zwischenzeit schon mal prüfen, welchen Stand die Person benötigt, um diesen Zauber wirken zu können. Hast du zufällig Hinweise über seine Bekanntschaften finden können?“

    Grace schüttelte mit gesenktem Blick ihren Kopf. „Nein leider nicht. Er hat keine persönlichen Gegenstände im Apartment.“

    Lilijana blickte auf ihre Armbanduhr, welche kurz nach neun anzeigte. „Ich werde versuchen herauszufinden, was passiert ist, bevor er zu uns kam. Irgendetwas muss geschehen sein, sonst wäre er nicht ein zweites Mal im Anwesen vorbeigekommen.“

    „Bist du sicher? Es ist doch jetzt schon mehrere Stunden her“, gab Grace ihre Bedenken bekannt.

    „Ich weiß, aber werde es dennoch versuchen, da es uns den besten Hinweis liefern könnte.“

    „Du hast recht. Wir werden dann draußen auf dich warten.“

    Nachdem Joseph und Grace das Apartment verlassen hatten positionierte sich Lilijana, so dass sie die Eingangstüre im Blick hatte.

    Wie schon vor circa zwei Stunden schloss sie ihre Augen und sprach den Wirkungszauber in der alten Hexensprache, um ihren rückwährtslaufenden Zeitraffer zu aktivieren. Durch ihren geformten Tunneln sah sie, wie ihre engsten Vertrauten wieder hereintraten und nach einer gefühlten Ewigkeit, wie sie alle drei das Apartment betreten hatten. Sie verengte ihre Augen, woraufhin die Zeit nur so dahinflog und keine weiteren Regungen zu vernehmen waren.

    Doch plötzlich schwang die Türe auf und Nevran kam hinein. Sofort verlangsamte sie die Zeit und beobachte sein Handeln.

    Mit hektischen Bewegungen lief er zielstrebig durch die Wohnung. Seine Motorradausrüstung legte er ab und ging ins Schlafzimmer, wo er aus weiterem Himmel seine Faust in der Wand versenkte. Anschließend lief er unruhig im Zimmer umher. Redet er da gerade mit jemanden? Fragte sich Lilijana, da er an seinen Lippen erkennen konnte, dass er sprach. Sofort sah sie sich im Zimmer um, konnte jedoch keine weitere Person im Raum ausfindig machen.

    Mit wem redet er da? Das ist nun wirklich unglücklich, dass ich nichts hören kann. Ob er gerade mit irgendwelchen Informanten spricht. Aber wenn ich nichts höre, dann bringt mich das leider auch nicht weiter.

    Es vergingen einige Minuten, da knallte plötzlich die Schlafzimmertüre auf und eine Frau mit dunkelgrünem Haar, kam zurück in den Raum. Die vier Hörner, welche aus ihrem Kopf ragen, fielen dem Zirkeloberhaupt sofort ins Auge. Ebenso ließ ihr Mimik erkennen, dass sie alles andere als fröhlich war, denn die gehörnte Frau schien Nevran anzukeifen. Wirkt nicht so, als würde sie ihm nette Worte um die Ohren werfen. Mal schauen, was noch kommt.

    Einige Augenblicke später zog sie sich wutentbrannt den Pullover, so wie ihre Jeanshose aus und war anschließend an die Wand des Bettendes gelehnt. Sie hielt sich den Hinterkopf, so als würde er ihr schmerzen und blickte überrascht zu Nevran. Welcher seine Hände ausgestreckt vor sich hielt. Hat er sie gegen die Wand gestoßen? Sie blickte in sein Gesicht, welches den Anschein hatte, als wäre er von dieser Tat genauso überrascht, wie die Frau selbst.

    Sehr seltsam. Was ist in dem Moment passiert? War er irgendwie nicht bei Sinnen? Das Zirkeloberhaupt konnte sich aus diesem Szenario keinen Reim machen.

    Einige Augenblicke zuvor versuchte die Frau ihn zu küssen. Davor leckte sie sich mit ihrer Zunge, welcher die einer Schlange glich, über die Lippen. Ich hoffe, dass die Beiden sich besser kennen und es nicht nur eine einmalige Sache ist, weil dann würde es uns nicht viel bringen, sie suchen zu lassen.

    Lilijana versuchte das Geschehen weiterzuverfolgen, aber ohne Vorankündigung begannen ihre Augenlider zu krampfen und ein schwarzer Schleicher legte sich über ihren Blick. Sofort suchte sie nach Halt und griff um sich. Sie bekam eine Stuhllehne zu greifen und stützte sich ab.

    Es vergingen einige Minuten, bis sie sich wieder aufrichten konnte. Ihre Beine waren immer noch schwach von der Überanstrengung, aber sie wankte dennoch langsam zur Ausgangstüre. Joseph und Grace kamen sofort herangeeilt, als sie erkannten, wie Lilijana schwankend das Apartment verließ.

    „Geht es dir gut?“, fragte Grace, während Joseph sie sofort stützte.

    „Alles in Ordnung. Ich hatte die Anstrengung, für diesen langen Zeitraum, wohl unterschätzt, aber es hat sich gelohnt“, verkündete sie.

    „Was hast du gesehen?“, hackte Grace nach.

    Nachdem sie ins Auto eingestiegen waren, erzählte Lilijana ihnen was sie gesehen hatte.

    „Wir müssen auf jeden Fall die Frau mit den Hörnern ausfindig machen, da sie vielleicht weitere Bekanntschaften von Nevran kennt. Dabei werden uns die Wächter sicher helfen können“, sagte das Zirkeloberhaupt.




    Sei Du selbst die Veränderung, die Du Dir wünschst für diese Welt.
    Mahatma Gandhi

    Einmal editiert, zuletzt von Remoni ()

  • Hey Remoni ,


    cool, dass du die Zeit und die Muße gefunden hast, weiterzuschreiben. :)

    Ich muss ehrlich gestehn, dass mir die langen Zeiträume zwischen den Parts etwas zusetzen und ich ein wenig rausgekommen bin.

    Aber der neue Teil hat sich recht gut lesen lassen, bis auf zwei, drei kleine stilistische Sachen. Zum Beispiel:


    Nachdem die Frau ihren Tee auf den Tisch gestellt hatte, lief sie zu Nevran. „Dann schaue ich mal, ob ich etwas mit deinen Gedanken anfangen kann“, sagte sie trocken. „Entspann dich und schließe die Augen“, forderte sie ihn auf, während sie zu ihm lief.

    kleine Wiederholung

    Ihre Wunden sind noch immer nicht verheilt, aber leider habe ich heute keine Zeit für dich da zu sein.

    Das widerspricht sich ein wenig..entweder er spricht von ihr in der dritten Person, oder er spricht sie direkt an in seinen Gedanken...wenn du es konsequent durchziehen wolltest, müsstest du entweder schreiben:

    Ihre Wunde sind noch immer nicht verheilt, aber leider habe ich keine Zeit für sie da zu sein

    ODER

    Deine Wunden sind noch immer nicht verheilt, aber leider habe ich keine Zeit für dich da zu sein.


    Anstonsten würde mich natürlich interessieren, was es mit Benna auf sich hat, woher sie Nevran kennt und wofür sie ihm den Gefallen schuldet.

    Der Dialog zwischen den beiden und dieser Eingriff des Gedankenlesens ist dir ganz gut gelungen, finde ich. Auch hat mir mal wieder diese Zeitraffer-Rückspulaktion am Ende gefallen. Mal sehen, wie die anderen jetzt die gehörnte Dame mit dem dunkelgrünen Haar finden wollen :D


    Ich bleibe gerne dran :gamer:

  • Hi Rainbow


    ich entschuldige mich glaube tausend Mal, dass ich hier so unregelmäßig poste. Aber vielen Dank für dein Feedback ^^ :thumbsup: anbei meine Antwort zu deinem Feedback:




    Kurze Zusammenfassung bis zu diesem Teil:


    Vielen Dank noch für dein Feedback. ^^ ich weiß nicht wie du es schaffst bei so vielen Geschichten aktiv eine Feedback abzugeben, ich schaffe es nicht mal bei 2 :patsch:


    ein weitere Teil. Habe jetzt mal 3 Teile vorgeschrieben, dass ich etwas Puffer habe.




    Kapitel 8 (1/2)


    Vivien


    Das Rassel von Ketten wurde beinahe von dem dicken Nebel, welcher Vivien umgab, verschluckt. Dennoch drangen die letzten Schwingungen zu ihr durch und holten sie aus ihrer Bewusstlosigkeit.

    Langsam öffnete sie ihre Lider.

    Sie stützte sich auf ihren Händen ab und drehte sich mehrmals um ihre eigene Achse, um irgendetwas Vertrautes in dieser milchigen Suppe zu erhaschen. Jedoch war sie wortwörtlich von nichts umgeben. Nur eine unsichtbare Oberfläche, auf der sie saß, sorgte dafür, dass sie einen Boden unter sich spürte.

    Schnell rappelte sie sich auf. Ungleich spürte sie eine Kälte in ihren Gliedmaßen. Über ihre Hände zogen sich dünne Eisadern, welche sich über den Handrücken ausgebreitet hatten. Verwirrt wischte sie den Reif von ihrer Haut.

    „Was zur …“, rief sie auf, als ihre Haut zum Vorschein kam.

    Sie drehte ihre Hände, um diese genauer zu betrachten. Dann driftete ihr Blick auf ihren entblößten Körper. Jedoch wirkte ihre Haut nicht, wie die eines Menschen, sondern ähnelte eher dünnem Glas. Schockiert, aber zugleich neugierig beobachtete sie helle Bewegungen unter ihrer Haut, welche sich wie langsam wandernder Nebel durch ihren Körper schlängelte und ihr Zentrum in ihrer Körpermitte fand. Dort verschmolz er in einem hellblauen Kern.

    „Was ist das denn?“, fragte sie sich.

    Da dieses gesamte Szenario für sie keinerlei Sinn ergab, tat sie es als einen Traum ab. Rasch rappelte sie sich auf und lief ihn den dicken Schleier hinein.

    Es verging eine Ewigkeit, während sie durch den hartnäckigen Nebel wanderte. „Gibt es hier überhaupt etwas Anderes?“, fragte sie sich und lief schneller. Drückte die dicken Nebelschleier wie Vorhänge zur Seite, um sich einen Weg hindurchzubahnen.

    Erneut war das Rasseln, wie durch Watte gedämmt, aus allen Richtungen zu hören. Ich hoffe hier tauchen nicht gleich irgendwelche Monster auf, welche Ketten hinter sich herziehen. Und dachte dabei an einen Horrorfilm, den sie vor einiger Zeit gesehen hatte. Da das Geräusch aber nicht näherzukommen schien, ging sie vorsichtig weiter. Nach einer weiteren Ewigkeit begann der Nebel plötzlich in einem zarten Blau zu leuchten. Langsam lief sie weiter, bis sie heraustrat und sich auf einer Art Lichtung wiederfand.

    Im Herzen der nebelfreien Fläche schwebte eine tiefblaue Kugel. Energie strömte aus ihr und wanderte züngelnde über ihre Oberfläche. Der Energieball wurde von mehreren Ketten umwoben, welche einen weißen Dampf abgaben.

    Magisch wurde Vivien von dieser Kugel angezogen und bewegte sich, ohne dass sie ihrem Körper das Kommando gab, drauf zu. Sie streckte ihre Hand aus, um diese zu berühren. Schlagartig quoll ein eisiger Dampf aus den Ketten, der ihr durch Mark und Knochen ging, obwohl er sie nicht berührt hatte. Ruckartig zog sie ihre Hand zurück.

    Scheint so, als sollte ich dich nicht berühren.

    Daraufhin nahm sie wieder etwas Abstand und ging um das Objekt herum. „Seltsam. Was bist du?“, fragte sie sich.

    Urplötzlich spürte sie eine warme Hand auf die ihrer. Überrascht sah sie hinab, konnte aber niemanden sehen, der sie berührte.


    Im Bruchteil einer Sekunde öffnete sie ihre Lider und war beinah von kompletter Dunkelheit umgeben. Trotz das sie noch etwas benommen war, erkannte sie in ihrem Augenwickel eine Gestalt, welche ihre nahe Umgebung, in ein rotes Licht tauchte.

    Sofort war sie hellwach. Ihre Finger krallten sich in die Decke, während ihre Atmung stockte. Ihr Körper versteinerte sich in dieser Position, nur ihr Blick heftete sich auf das Wesen, welches lautlos in den Hauptteil der Scheune ging. An den Wänden des Schuppens, erklommen dunkle Schatten die Holzlatten und wirkten durch das rote Licht, wie Arme die sich aus der Unterwelt erhoben.

    Jedoch warfen nur die landwirtschaftlichen Geräte diese Illusion aus der Dunkelheit.

    Die Gestalt verließ die Scheune, ohne sich ein einziges Mal zu ihr umzudrehen. Sobald sie die Türe durchschritt, erlosch das schwache Licht und die Finsternis breitete sich aus.

    Vivien traute sich noch immer keine Luft zu holen, sondern lauschte in die Dunkelheit. In ihrem Kopf wurde es laut. Was war das und was wollte es hier bei mir? Aber hören konnte sie nichts. Es scheint wirklich verschwunden zu sein, versuchte sie sich selbst zu beruhigen. Dann atmete sie langsam aus, wodurch ihr Körper wieder zu funktionieren schien, denn sie begann extrem zu zittern.

    Die Wärme, die eben noch in der Luft lag, war mit dem Wesen verschwunden.

    „Gerade eben war es doch nicht so kalt, oder?“, stellte sie fest.

    Sie fror am gesamten Körper, so als wäre sie eingeschlafen und von einer dünnen Schneeschicht bedeckt worden.

    Hecktisch suchte sie nach ihrem Handy. Ein greller Schein ließ sie kurz erblinden. Mit dem Licht sah sie sich um. Das komplette Zimmer war von einem kalten Reif überzogen und ihre Kleidung war schneeweiß. Die Eiskristalle zogen sich von ihrem Körper, welches das Zentrum schien, durch die gesamte Werkstatt und überdeckten sogar die zersprungenen Fensterscheiben.

    Sie sprang von den Strohballen. Ihr Blick huschte durch den Raum und blieb an einer eisfreien Spur, welche von ihrem provisorischen Bett bis durch die Türe zu den Geräten führte. „Hat die Gestalt etwa den Frost tauen lassen?“ Sie schlug ihre Hand vor den Mund. „Das bedeutet ja …“ Unmittelbar erinnerte sie sich an ihren Traum, wo sie eine warme Berührung gespürt hatte, bevor sie wach wurde. Sofort sah sie auf ihren Handrücken. Sie hatte Recht. Denn zwischen den Eiskristallen zeichnete sich ein großer Handabdruck ab, in welchem immer noch Restwärme von dieser Gestalt steckte.

    Sie war selbst überrascht, dass dieses Gefühl, was durch die Berührung zurückblieb, ihre keine Angst breitete, sondern sich sogar etwas angenehm anfühlt.

    „Das wird mir langsam etwas zu viel. Früher habe ich so gut wie nichts von der Schattenwelt mitbekommen und jetzt erst meine neue Fähigkeit, dann die mysteriösen Angriffe auf die Menschen in der Stadt und nun noch irgendwelche Schatten, die mich aus Träumen reisen und dann einfach wieder verschwinden.“

    Sie wischte sich hektisch die Eiskristalle von der Kleidung und verschränkte die Arme vor ihren bibbernden Körper. „Und dann ist hier noch alles voller Frost. Wo kommt der denn überhaupt her? Es ist verdammt nochmal Anfang Oktober, es kann nicht so arschkalt sein.“

    Plötzlich klopfte es an der vereisten Scheibe. Vivien zuckte zusammen. Ihr Körper spannte sich erneut an. Ist es doch zurückgekommen? Fragte sie sich.

    Jedoch folgte ein vertrautes Rufen dem Klopfen.

    Blue bist du es?

    „Wer sollte es sonst sein?“ Hallte seine Antwort in ihrem Kopf nach. Sie trat näher ans Fenster und öffnete es mit einem starken Ruck nach innen. Dann kam Blue auch schon hinein. Er wirkte besorgt, denn er sah sich im Raum um und sein Blick endete tief in ihrem.

    „Was ist passiert?“

    „Hast du auch die Gestalt gesehen?“, fragte sie.

    Der Vogel legte seinen Kopf zur Seite. „Was für eine Gestalt?“

    „Kann ich nicht wirklich sagen. Es war eher ein dunkler Umriss eines menschenähnlichen Wesen, aber es wurde von einem roten Schein umhüllt. Du musst es gesehen haben. Es ist gerade eben aus dieser Tür verschwunden?“, sagte sie und deutete zum Ausgang.

    Nachdem die letzten Worte über ihren Lippen gekommen waren, wurde ihr etwas bewusst. Was mache ich überhaupt hier in der Scheune und wie kam ich her? Ich kann mich an überhaupt nichts mehr erinnern. Das letzte woran ich mich erinnern kann war … Ihre Gedanken verstummten und machten Platz für Trauer, Enttäuschung und vor allem Zorn. Hayden dieser Vollidiot! Ihre Hand ballte sich zu einer Faust. Aber das erklärt noch weniger, was ich hier mache.

    „Vivien hörst du mich?“ Seine Stimme drang nun zu ihr durch.

    Sie zuckte zusammen. „Tut mir leid, aber bin gerade etwas durch den Wind.“

    „Das kann ich sehen. Was ist denn passiert? Warum bist du nicht in meinen Körper übergesprungen?“, fragte er.

    „Ich weiß überhaupt nicht warum und wie ich hier hergekommen bin“, gestand sie.

    Blue erzählte ihr, das sie in den Wald kam und ihn gesucht hatte. Er erwähnte, dass sie zu diesem Zeitpunkt schon bedrückt wirkte. Anschließend hatte sie ihn zu diesem Gebäude geführt und dann wollte sie in seinen Körper springen, bevor er für eine längere Zeit die Gegend verlassen würde.

    „Aber deine Bewusstsein kam nicht bei mir an. Das hatte mich verwundert. Du lagst auf den Ballen, aber schienst dennoch nicht bei dir zu sein. Du hast nicht auf meine Rufe oder sonst etwas reagiert.“

    „Was hast du dann gemacht?“, fragte sie.

    „Ich habe dich vom Fenster aus beobachtet und nach einiger Zeit quoll aus deiner Brust plötzlich ein eisiger Nebel und breitete sich im ganzen Raum aus. Ich konnte dich nicht mehr sehen und geriet in Panik, daher bin ich zu eurem Haus geflogen …“

    „Nein du hast noch nicht …“, unterbrach sie ihn, mit einem schockierter Aufschrei.

    „Aber deine Mutter war nicht zu Haus.“

    Vivien atmete erleichtert aus. „Zum Glück. Sie verhält sich zurzeit eh schon sehr merkwürdig und flippt wegen jeder Kleinigkeit aus.“

    Okay, das erklärt, warum ich hier bin, aber nicht was die gesamte Zeit über passiert ist. Was hat Blue nochmal gesagt, das Eis ist aus meinem Oberkörper gekommen. Ihre Hand wanderte zu ihrer Brust. Selbst durch die Jacke konnte sie spüren, dass dort noch immer noch Kälte austrat. Rasch öffnete sie den Reißverschluss. „Ach du Scheiße.“ Eine dicke Eisschicht hatte ihr Amulett umschloss und sich mit ihrer Haut verbunden. Vorsichtig versuchte sie das Eis abzukratzen. Es ließ sich kein Stück abbrechen, ohne einen brennenden Schmerz zu verursachen, so als würde sie versuchen ihre Haut abzuziehen.

    „Was machst du da?“, fragte Blue.

    Jedoch kam sie nicht mehr dazu ihm zu antworten, denn plötzlich klingelte ihr Handy.

    Vivien sah auf den Bildschirm. „Verdammt“, flüstere sie.

    Warum gerade jetzt?

    Sie nahm zögernd den Anruf an. „Hi Mom.“

    Ihre Mutter fragte, was sie zum Essen mitbringen sollte, da sie gleich Feierabend hätte.

    „Ähm ich hätte glaube Lust auf … chinesisch.“

    Sie fragte außerdem, ob sie schon Zuhause sei.

    Vivien nahm das Handy von ihrem Ohr und sah auf die Uhr. Circa halb Elf. „Ja ich bin schon zu Hause“, log sie ohne zu wissen, warum eigentlich. Anschließend legte sie auf.

    Das wird richtig knapp, dachte sie, als ihr bewusst wurde, dass sie vor ihrer Mutter Zuhause ankommen musste.

    „Ich muss sofort nach Haus! Begleitest du mich noch, denn ich muss dir noch dringend etwas erzählen?“, fragte sie ihn und griff nach ihrem Rucksack.

    Der Bussard nickte.

    Bevor sie die Scheune verließ, sah sich noch einmal das Zimmer an und fragte sich, was eigentlich heute Abend passiert ist. Dann schoss sie eilig aus der Scheune.


    LG Remoni


    Sei Du selbst die Veränderung, die Du Dir wünschst für diese Welt.
    Mahatma Gandhi

  • Hey Remoni ,


    Danke für die Zusammenfassung. Das war hilfreich :)

    Hast du mal darüber nachgedacht, dir erst mal ein kleines Polster an Geschriebenem anzulegen, um dann ein paar Teile am Stück posten zu können? Ich schätze, das würde es einfacher machen, der Geschichte zu folgen. :hmm:


    Ansonsten kann ich zum neuen Part nicht so viel sagen. Da ist ja mal wieder einiges Sonderbares passiert.

    Die Traumsequenz am Anfang könnte an noch ein bisschen "traumhafter" darstellen, finde ich. Alleine die Tatsache, dass das Geschehen für sie keinen Sinn ergibt finde ich etwas mau, um das Ganze als Traum zu empfinden. Das wirkt sonst wie ein bewusster Vorgang...ich würde versuchen, es einfach etwas abgedrehter zu schreiben. Von mir aus auch so, dass es dem Leser gar nicht erklärt wird, dass es sich um einen Traum handelt, sondern er erst mal selbst darauf kommen darf. (nur so eine Idee)


    Als sie die Gestalt sieht, die den Raum verlässt, habe ich mich kurz gefragt, ob ich nicht das Verlangen hätte, hinterherzugehen oder zumindest zur Tür rauszuspinksen oder am Fenster Ausschau zu halten, statt sich einfach nur zu fragen, wer oder was genau das jetzt war. Den Spannungsmoment könntest du damit, glaube ich, noch ein bisschen erhöhen.


    LG,

    Rainbow

  • Hallo Remoni !

    Ich hatte mir eigentlich vorgenommen, keine neue Texte zu lesen zu beginnen, weil ich keine Zeit habe. Zur Zeit habe ich so viele eigene Projekte am Laufen, dass ich es schon kaum schaffe, die so voranzubringen, wie ich gerne möchte. Darum versuche ich, die Zahl der Texte hier im Forum, die ich verfolge, gering zu halten. Aber ab und zu sind doch Perlen darunter, die ich nicht vermissen möchte.

    Ich habe mal deinen Text angeschaut. Ja, das könnte etwas für mich sein. Ich habe ja offenbar noch nicht wahnsinnig viel Stoff verpasst, sodass ich vielleicht eine Chance habe, mich reinzulesen. Ich probiere es mal!


    Die Riesen wirkten, wie die Mauern einer Burg

    Dieser Satz hat mich völlig rausgeworfen, weil ich ihn wörtlich genommen habe und versuchte, mir Riesen vor einer Burg vorzustellen. Das im Zusammenhang mit der Waldlichtung, auf der wir uns befinden, hat natürlich nicht funktioniert und nur Chaos angerichtet. Erst nach wiederholtem Lesen habe ich begriffen, dass das bildlich gemeint war.

    Vermutlich geht das nicht jedem so, aber vielleicht könntest du versuchen, das klarer zu formulieren?


    Plötzlich drangen Blues Gedanken in Viviens Kopf und teilten ihr mit, dass jemand die Lichtung betrat.

    Oho - was ist das denn? Gedankenübertragung?

    Ich meine, das solltest du nicht nur mal so im Vorbeigehen erwähnen. Offenbar ist die Verbindung zwischen Vivien und Blue ziemlich tief, oder sie teilen diese Ebene, dass der Bussard ihr seine Wahrnehmungen mitteilen kann. Ich würde diesen Part etwas ausbauen, versuchen genau zu beschreiben, wie diese Gedankenübertragung passiert und dann auch (jetzt oder später) erklären, wann das begann und was Vivien darüber denkt.

    Das ist doch etwas sehr Interessantes!


    „Du meinst deine Mastattacken.“

    :D

    Plötzlich wird wurde Vivien von einem abrupten Schmerz aus dem Gespräch gerissen. Blue war wieder auf ihren Arm gesprungen und biss ihr so stark in den Arm, dass sie blutete.

    Arm - Wortwiederholung, vielleicht fällt dir was anderes ein?


    Der erste Teil hat mir sehr gut gefallen! Zwei Mädchen, ein Vogel und eine interessante Gedankenverbindung zu ihm, das verspricht interessant zu werden. Natürlich bin ich jetzt auch neugierig, was Viviens Schmerzen verursacht. Ich bleib dran! Ich hoffe, ich komme zeitlich hinterher, aber irgendwie sollte ich das schon schaffen!

    Meine Geschichten: * Meermädchen * Kriegerkönigin *

  • Remoni

    Hat den Titel des Themas von „Kadugo - Im Schatten des Wolfes“ zu „Kadugo - Blutband“ geändert.
  • Hi Rainbow und hi Kirisha es freut mich, dass du dich hier verirrt hast :) ich hoffe das dir meine Geschichte halbwegs zusagt :)


    Danke euch beiden für euer Feedback ^^


    Für euch zur Info ich habe den Titel geändert, da das mit Wolf nicht wirklich bedeuten in der Geschichte ist, fand es irgendwie schön, aber hat nichts mit der Story wirklich zutun. Blut aber schon viel eher :D


    Rainbow


    Kirisha



    Kapitel 8 (2/2)


    Draußen wurde sie von einer mondlosen Nacht in Empfang genommen. Rufe von einer Eule klangen aus dem Dschungel von Bäumen, sowie das Rascheln aus den Laubfeldern. Klasse das ist ja stockdunkel und überhaupt nicht unheimlich.

    Langsam lief sie zu ihrem Fahrrad, blieb alle paar Meter stehen und lauschte in die Dunkelheit. Sie zuckte zusammen. Ein Geräusch links von ihr. Sie kämpfte mit ihren natürlichen Instinkten. Die Zähne zusammenbeißen und die Angst herunterschlucken oder wieder zurück in die Scheune und bis morgen warten und riskieren, dass ihre Mutter ausflippt. Mensch reiß dich zusammen, rügte sie sich selbst.

    „Hier ist kein größeres Tier, wenn du davor Angst hast“, merkte Blue an.

    „Okay, du sagst mir, aber wenn sich ein Bär oder Puma nähert?“, fragte sie noch nicht ganz überzeugt.

    Er bejahte.

    Das Licht des Fahrrads schlug gruselige Schatten in das Waldinnere.

    Es sah so aus, als würde sich ständig etwas durch die Baumstämme schlängeln und sie beobachten. Vivien versuchte starr ihren Blick nach vorne zu richten.

    Das war echt eine blöde Idee, dachte sie und trat stärker in die Pedale.

    „Du wolltest mir von etwas erzählen“, erwähnte Blue der immer in ihrer Nähe flog.

    „Ah ja stimmt, das hatte ich gekonnt zur Seite geschoben. Es geht um den Eisnebel. Du hast ja gesehen, dass er aus meiner Brust kam. Mein Kettenanhänger ist mit dickem Eis überzogen und ist wie an meiner Haut festgewachsen. Meinst du, dieser Eisnebel kam aus dem Amulett?“

    „Das kann gut sein. Wäre sogar am Logistischen, da es scheinbar viele Edelsteine gibt, die besondere Kräfte haben.“

    „Stimmt, davon habe ich auch schon gelesen, aber Eis erzeugen, das finde ich schon ziemlich heftig. Zum Glück bin ich nun nicht in einem Eissarg gefangen“, scherzte sie.

    „Der Anhänger ist doch von deiner Mutter, oder?“

    „Ja den habe ich schon seit ich ein Baby bin. Meine Mutter hatte mir immer gepredigt, dass ich diese Kette immer tragen soll, da sie mich beschützen soll und bla bla bla. Ich dachte immer, das sagt sie nur so, aber wenn ich daran denke, was vorher passiert ist, bin ich etwas zwiegespalten.“

    Blue fragte nach dem warum.

    „Ich habe dir ja gesagt, dass in der Scheune eine Gestalt bei mir war, die du ja nicht gesehen haben willst“, merkte sie an. „Sie wirkte nicht so, als hätte sie böse Absichten gehabt, als sie dort war. Aber es kann gut sein, dass die Anwesenheit eines Schattenwesens genügt hat um den Schutz, durch das Amulett zu aktivieren. Obwohl ich nicht ganz nachvollziehen kann wie mich dieser Eisnebel schützen sollte.“

    „Vielleicht solltest du dich überwinden und mit deiner Mutter darüber sprechen, sie muss mehr darüber wissen, da sie dir diesen Stein gegeben hat.“

    Sie atmet genervt aus. „Es wird mir wohl nichts anderes übrig bleiben“, sagte sie entmutigt. „Ich hoffe, sie geht auch drauf ein.“

    „Wenn es wirklich für deinen Schutz ist, vermute ich mal nicht, dass es da groß etwas zu verschweigen gibt“, ermutigte Blue sie.

    Kurze Zeit später erschienen, in der Ferne, die ersten Häuser am Waldrand. Bevor Vivien auf die Straße fuhr, blieb sie kurz stehen. Blue landete auf ihrem Lenker. Sie streichelte ihn mit dem Finger über die Brust. „Dann auf Wiedersehen und pass gut auf dich auf und komm schnell wieder“, sagte sie. Er rieb seinen Kopf an ihrer Hand. „Dasselbe gilt für dich. Ich werde mich beeilen. Leb wohl.“ Das waren seine letzten Worte, bevor er in der Dunkelheit des Waldes verschwand.

    Vivien nahm die Fahrt wieder auf und war dann alsbald zuhause angekommen. Es brannten keine Lichter im Haus.

    „Super gerade noch rechtzeitig.“ Schnell flitzte sie ins Innere. Hinauf in ihr Zimmer, wo sie sofort das Bücherregal nach dem Titel „Kraft der Steine“ absuchte.

    Sie fand es nicht auf Anhieb, aber zog es dann doch zwischen den anderen hervor. Plötzlich ging die Eingangstüre zu. „Ich bin zuhause. Kommst du runter?“, rief ihre Mutter.

    Vivien zuckte zusammen. Puh da habe ich wirklich Glück gehabt.

    Das Buch legt sie auf ihren Nachttischschrank und ging dann ins Wohnzimmer.

    Das Essen verlief ruhig, da Vivien noch nicht den Mut fassen konnte ihre Mutter auf die Kraft des Amulettes anzusprechen.

    Anschließend ging sie ins Bad, um eine heiße Dusche zu nehmen, da ihr immer noch sehr kalt war.

    Sobald die Wärme des Wassers auf die Kälte es Eises, um ihr Amulett, traf, begann es zu schmelzen. Erleichtert atmete sie aus. Als nichts mehr von dem Eis zu sehen war, versuchte sie die Kette auszuziehen, aber der Anhänger blieb wie angewachsen an seiner Stelle. „Warum willst du dich nicht lösen, du blödes Ding?“, beschwerte sie sich. Mit den Fingernägeln umgriff sie das Amulett und zog daran.

    Ein starker stechender Schmerz schoss ihr in die Brust. Sie stöhnte und sank auf die Knie. Ihre Hand hatte sie von dem Anhänger gerissen und sah sie an. Ihre Fingerkuppen waren rot. Entsetzt griff sie an ihre Brust, sie sah, wie einige Blutstropfen neben dem Amulett hervorkamen. „Es ist ja wirklich angewachsen!“ Was mache ich denn jetzt.

    Sie ließ ihren Kopf sinken und das Wasser rann über ihr Haar. Sie saß einige Minuten so da und ließ sich berieseln. „Was zur Hölle geht hier nur ab“, kam es über ihre Lippen.

    Nachdem sie sich überwinden könnte sich aus der Dusche zu hieven, lief sie wie ihn Trance in ihr Schlafzimmer.

    Dort erblickte sie das Buch auf dem Nachttisch. Sie nahm es und legte sich unter die Decke. Sie suchte nach dem Edelstein schwarzer Opal und wurde auch sogleich fündig. Jedoch war hier überhaupt nicht die Rede davon, dass es um einen Schutzstein ging und schon gar nicht, dass er Eisnebel ausstoßen kann. Sondern, dass er vor allem Krankheiten heilen, Schmerzen lindern und die Lebensfreude in einem erwecken soll.

    Vivien warf das Buch auf die andere Bettseite und rollte sich dann unter ihrer Decke zusammen, so wie sie es früher als Kind schon tat. Hilflosigkeit überkam sie, da ihr Vertrauen zu ihrer Mutter zurzeit so zerrüttet ist, dass sie sich nicht traut ihr von dem heutigen Geschehen zu erzählen und das Buch war auch nur Mist.

    Sie dachte an Mirandas Vater der seine Tochter bei allem unterstütze und ihr mit Rat und Tat zur Seite stand. In Zeiten wie jetzt wünschte sie sich auch so einen Vater. Die Wahrheit aber war, dass sie ihren Vater überhaupt nicht kannte und er es auch nicht für nötig hielt sie kennenzulernen.

    Sie rollte sich noch enger zusammen.

    Ihr blieb nur die Mutter, welcher ihr verwehrte sich ihrer eigenen Person und Fähigkeiten bewusst zu werden. Ebenso hielt sie es nicht für notwendig sie ausreichend über die andere Welt aufzuklären.

    „Nur diese Bücher gibt sie mir, aber reden kann sie nicht mit mir darüber. Warum nicht? Ich verstehe sie einfach nicht. Was möchte sie damit bezwecken?“ schluchzte sie und Tränen quollen aus ihren Augen.


    LG Remoni


    Sei Du selbst die Veränderung, die Du Dir wünschst für diese Welt.
    Mahatma Gandhi

  • Hey Remoni :)


    Meine Anmerkungen packe ich mal in den Spoiler:



    LG,

    Rainbow

    • Offizieller Beitrag

    Im Schutz einer starken alten Eiche stehend, blickte sie auf eine Lichtung, die von mächtigen Bäumen umringt wurde. Die Riesen wirkten, wie die Mauern einer Burg die ihr Inneres vor Eindringlingen beschützte.
    Viviens Blick wanderte zu dem Rotschwanzbussard, der auf ihrem rechten Arm saß. „Ich hoffe du kennst noch dein altes Zuhause, kleiner Freund.“

    Oh, die Geschichte gibt es ja schon recht lange.

    Ich hab jetzt eher aus zufall mal reingelesen ^^ Das gute an dem ersten Part ist, dass wir direkt eine Ahnung davon bekommen in welcher Zeit das spielt (immerhin gibt es shcon google Maps und co). Bis jetzt liegt der Fantasy anteil ganz klar bei Vivien, die auf sonderbare Art und Weise mit Tieren kommunizieren kann. ich bin gespannt was da noch kommt.


    Am Anfang des Parts, ich kann leider nicht ganz ausmachen wo ran das liegt, kam mir die ganze Erzählung aber noch etwas distanziert vor :hmm:

    Hat sich dann aber gebessert. Das Ende lässt einen natürlich mit Fragezeichen zurück. Ich bin gespannt wie es weiter geht.

  • Hallo Remoni,

    nun habe ich bei dir weitergelesen und finde deine Geschichte wunderschön. (Kapitel 1/2)

    Der Flug mit Blue, das hast du sehr gekonnt, mit schönen Dialogen und rasanten Flugbildern geschildert, auch die Beziehung zwischen Vivien und Blue, aber auch zu Miranda hast du sehr nett und super sympathisch dargestellt.

    Nun bin ich natürlich auch neugierig, was es mit Hayden auf sich hat und wie das weitergeht.

    Viviens Gabe, mit Blue zu verschmelzen, finde ich auch sehr spannend!

    Meine Geschichten: * Meermädchen * Kriegerkönigin *

  • Hi zusammen,


    vielen Dank für euer Feedback :) Rainbow, Etiam und Kirisha ^^


    folgt meine Antworten:



    Rainbow:


    So weiter gehts.


    Kapitel 9


    Nevran


    Nachdem Nevran die Flüssigkeiten vom Boden aufgewischt hatte, wich der süßliche Duft des Fingerhuts, dem muffigen Geruch des Kellergewölbes.

    Von dem instabilen Regal, an der Wand, nahm er sich ein x-beliebiges Buch, setze sich auf den Drehstuhl und blätterte darin. Dabei blickte er immer wieder über den Buchrand und beobachtete Benna, wie sie die Flüssigkeiten in einem Gefäß zusammengoss. Ihre Hände, welche sie gleichmäßig um das Glas bewegte, strahlten eine starke Energie aus, welche mit dem menschlichen Auge nicht zu erkennen wäre. Nevran konnte jedoch die grünen Ströme, welche sie abgab, sehen.

    „Ich habe doch gesagt, dass du mich nicht stören sollst“, beschwerte sie sich, ohne ihn angesehen zu haben.

    „Woher wusstest du …“, wollte er fragen, doch sogleich wurde ihm das Wort abgeschnitten.

    Mit zusammengekniffenen Augen hatte sie sich zu ihm umgedreht. „Denkst du etwa ich spüre deinen neugierigen Blick im Nacken nicht und außerdem hast du nicht mehr im Buch geblättert.“

    Er senkte seinen Blick, wie ein Kind, das bei etwas Verbotenen erwischt wurde. „Schon in Ordnung, ich werde dich nun in Ruhe lassen“, antwortete er und gab damit auf.

    Ein abschätziges Lachen glitt ihr über die Lippen. „Warum nicht gleich so.“

    Er atmete tief aus. Verständlich dass ihre Sinne noch immer so fein sind, nachdem was sie die gesamten Jahre bei diesem Scheusal ertragen musste.

    Seinen Blick richtete er nun wieder auf das Buch und blätterte einige Seiten um, aber schweifte gedanklich sofort ab. Ob Lilijana gemerkt hat, dass ich sie angelogen habe? Ich hoffe nicht. Auf jeden Fall darf ich nicht leichtsinnig werden. Das Wichtigste ist erst mal, dass ich dieses Mädchen finde und ich bete, dass mir niemand zuvor kommt - das darf auf keinen Fall passieren.

    Plötzlich blitzten Bilder vor seinem inneren Auge auf.

    Seine Mutter tauchte im Türrahmen ihres Hauses auf. Er schrie sie an sofort wieder hineinzugehen. Jedoch zu spät. In Bruchteilen einer Sekunde sackte ihr lebloser Körper schon zusammen. Ihr abgetrennter Kopf rollte die Treppenstufen hinunter und kam direkt vor Nevran zum Stehen. Ihr leerer Blick traf seinen. Nie wird er ihren Anblick mehr vergessen können, ebenso wenig, wie seine rasende Wut, die daraufhin aus ihm explodierte.

    „Was zur Hölle soll das werden?“, fragte Benna entsetzt.

    Nevran schreckte auf. Er sah sie an und folgte dann ihrem Blick. Wo sich seine Finger in die Buchseiten gebohrt hatten. Sofort ließ er sie los und versuchte die Seiten glattzustreichen.

    Sie riss ihm jedoch das Buch aus den Händen. „Da sind wichtige Inschriften, was fällt dir ein sie zu beschädigen?“

    „Entschuldigung, das war nicht meine Absicht“, sagte er und seine Laune trübte sich.

    Als sie dies merkte, beruhigte sie sich schnell wieder. Denn sie wusste nur zu gut, wie schnell sie selbst die Fassung verlor und konnte ihm das nicht übel nehmen.

    „Wie weit bis du mit dem Trank?“, fragte er sogleich und stand auf.

    Benna verstaute das Buch. „Natürlich fertig“, antwortete sie und nahm das Glas von ihrem Arbeitstisch.

    „Perfekt. Dann können wir weitermachen.“ Sofort versuchte er seine düsteren Erinnerungen beiseitezuschieben, damit er sich auf das konzentrieren konnte, weshalb er hier war.

    Sie gingen wieder hinauf in den Wohnbereich. Nevran folgte ihr in den ersten Stock, wo sie einen fensterlosen Raum betraten. Mit einem klickenden Geräusch viel die massive Türe in ihr Schloss.

    In den Ecken zogen sich raumhohe Regale mit leeren Gläsern und hunderten Kerzen bis an die Decke. Sehr präsent in der Mitte des Zimmers, befand sich ein Stuhl mit Lederriemen an den Armlehnen, sowie an den Beinen. Daneben stand ein kleiner Tisch, mit wirr herumliegenden Blätter, worauf wilde Symbole und Zeichnungen geschrieben wurden. Sowie einigen merkwürdigen Werkzeugen, die von einem verrückten Wissenschaftler stammen könnten, so bizarr wirkten diese.

    Eine Gänsehaut bildete sich auf seinem gesamten Körper. „Was ist das für ein Raum?“, fragte er sehr skeptisch.

    „Das ist ein magischer Raum. Alle vier Wände sind mit diesem Siegel versehen.“ Sie deutete auf die Amethysten, die in den Wänden eingelassen wurden.

    „Sie sorgen dafür, dass nichts diesen Raum verlassen kann und da ich diesen Zauber noch nie durchgeführt haben, geh ich lieber Nummer sicher“, erklärte sie.

    Bei näherer Betrachtung erkannte Nevran ein eingemeißeltes Symbol auf dem Stein. Interessant, das werde ich mir mal merken. Für alle Fälle. „Und für welche Spielchen ist dieser Stuhl gedacht?“; fragte er und berührte die Schnallen.

    „Den nutze ich vor allem für Exorzismen von Skaluros oder anderen bösen Seelen, aber heute darfst du darauf Platz nehmen.“

    Er zog die Augenbrauen hoch. „Muss das sein?“

    „Wie gesagt ich habe diesen Zauber noch nie durchgeführt, also ja, muss es.“

    Nevran schnaubte. „Na gut.“

    „Und zieh deinen Pullover aus.“

    Ohne zu Mucken folgte er ihrer Anweisung.

    Anschließend zog sie die Riemen zu.

    „Gut, dann trinke dies.“ Sie setzte das Glas, mit dem Absorbierungstrank, an seine Lippen.

    Er trank die grünlich schimmernde Flüssigkeit rasch. Ein leichter Hauch von Holunderblüten breite sich in seinem Mund aus. Hätte definitiv schlechter schmecken können, dachte er sich.

    Das leere Glas stellte sie auf den Tisch neben sich ab und beobachtete ihn. „Spürst du eine Veränderung?“, fragte sie.

    Er schüttelte den Kopf. „Nein nicht wirklich.“

    „Sehr gut. Dann können wir weitermachen.“

    Benna legte ihr knochige Hand auf seine nackte Brust und schloss ihre Augen. „Fanahy losa ona“, sprach sie klar und deutlich. Woraufhin pulsierende Bewegungen aus ihrer Handfläche entwichen.

    Nevran spürte diese wie Wellen, die sich einen Weg durch seinen Körper bahnten, um dort das gestohlene Fragment zu suchen und an sich zu reißen.

    Plötzlich atmete er hektisch ein.

    Sie hatten es gefunden und umschlungen.

    Benna löste ihre Hand von seiner Brust und zog das Fragment hinaus, welches nun ruhig über ihrer Handfläche schwebte und den gesamten Raum in ein zartes blau tauchte. Ihre Energie strömte durch den Zeigefinger und verband sich mit dem Seelensplitter. Anschließend führte sie das Fragment zu Nevrans Stirn. „Mach die Augen zu, gleich geht es los. Und lass sie zu!“

    Er tat wie ihm befohlen.

    „Ketia ona“, sagte sie. Woraufhin sie das Fragment in seiner Stirn verschwinden ließ.

    In der nächsten Sekunde begann eine brodelnde Wärme aus seinem Magen in den Kopf zu steigen. Schweißperlen rannen ihm über die Haut, während der Trank seine Wirkung zeigte und das Seelenfragment absorbierte.

    Er konnte spüren, wie sich die Hülle der Seele auflöste. Ihre gestohlenen Erinnerungen drangen hinaus und spiegelten sich auf seinen geschlossenen Lidern wider.

    Das Fragment begannen zu dem Zeitpunkt, als Vivien das Haus ihrer besten Freundin verlassen hatte.

    Während sie mit dem Fahrrad durch die Stadt raste, tobte die Wut und Enttäuschung in ihr. Nevran nahm diese Emotionen so wahr, als wären es seine Eigenen. Das lag daran, dass sich ihre Erinnerungen, Gefühle und Gedanken, des gestohlenen Seelenfragmentes, mit seinen verschmolzen hatte. Sofort wurde er von ihren Emotionen überrumpelten, da diese sehr präsent waren. Er ballte seine Hände zu Fäuste und die Lederriemen schnitten in seine Handgelenke. Nevran versuchte sich zu distanzieren, jedoch vergebens.

    Ein kalter Griff umfasste sein Herz und hinterließ einen schmerzenden Riss. Die Wunde die Haydens Taten bei Vivien hinterlassen hatten, kamen eins zu eins bei ihm an.

    Die Umgebung ihre Erinnerungen waren durch Tränen verschwommen und waren nicht fokussiert, wodurch er keine Straßenschilder und andere markante Hinweise erkennen konnte. Das kann doch nicht war sein, schimpfte er innerlich und hoffte, dass sich dieser Zustand nicht über die gesamte Erinnerung zog.

    Er erkannte durch den Schleier, dass sie die Stadt verließen und in den Wald einbogen. Nein ich hoffe, das war es noch nicht. Im Wald werde ich doch sicher keine Anhaltspunkte finden.

    Unerwarteterweise wurde die Sicht nun klarer und zeigte, wie Vivien plötzlich mit dem Baum kollidierte. Überrascht zuckte Nevran auf dem Stuhl zusammen, wurde dann aber ungehalten. Mensch Mädchen zeig mir irgendwelche wichtigen Dinge.

    Kurze Zeit später erblickte sie einen Bussard zwischen den Baumkronen, welcher sich auf einem Ast niederlies. Sie schien mit ihm zu kommunizieren und fuhr anschließend mit ihm an der Seite weiter. Nachdem sie plötzlich schwieg, fokussierten sich ihre Erinnerungen mehr auf das Umfeld. Sie kam an eine Abzweigung mit mehreren Wegen. Ihr Blick richtet sich kurz auf ein Wegschild, welches scheinbar neu angebracht worden war. Auf ihm stand „Goldstream National Park – Arbutus Trail“ mit einem kleinem Symbol auf dem der Nationalpark abgebildet ist. Er konnte es nicht fassen. Nach alle den Jahren hatte er nun endlich einen Hinweis auf den Aufenthaltsort gefunden. Am liebsten wäre er sofort aufgesprungen und sofort nach Kanada geflogen, aber er holte sich wieder zurück auf den Boden. Er folgte weiter der Erinnerung, wo er dann die Scheune zu Gesicht bekam. Sowie das Zimmer, welches sofort erkennen ließ, dass Vivien hier öfter ihre Zeit verbrachte, denn der Raum war gemütlich eingerichtet und durch viele Fotos sehr persönlich gestaltet.

    Nach einiger Zeit breitet sich Nebel in seinem Blickfeld aus und er war in Viviens Bewusstsein, wo sie die Verbindung zu Blue suchte. Sie scheint dieselbe Fähigkeit, wie ich, in sich zu tragen, stellte er fest. Nachdem sie den Knotenpunkt gefunden und aktiviert hatte, sah er die Sukire vor seinen Augen. Er spürte ihre Überraschung, über den Anblick von Lankas Dekolletee und konnte sich ein innerliches Grinsen nicht verkneifen. Nachdem er sie nach Hause schickte und sich mit Vivien unterhalten hatte, vernahm er plötzlich ihre Zweifel, ob sie ihm vertrauen soll oder nicht. Trotz ihrem Zwiespalt entschied sie sich dazu, ihm einiges zu erzählen. Ganz schön naiv einem Fremden, so viel anzuvertrauen. Marisa ich hätte von dir etwas mehr vorsichtig erwartet, dachte sich Nevran.


    Die Erinnerungen verschwammen zunehmend und waren sogleich vollständig vergangen.Woraufhin Nevran wider seine Augen öffnete.

    Benna stand noch immer vor ihm und sah ihn an. „Hat es funktioniert?“, fragte sie ihn.

    „Ja hat es. Ich habe alles, was ich brauche.“


    „Mit einem Portal wäre es definitiv schneller gegangen, aber leider kenne ich nur Lilijana, die diese Fähigkeit beherrscht“, seufzte Nevran genervt, während er in der Schlange für den Check-In für den Flug nach Kanada wartete.

    Sein Blick flog über die Menschenmassen, die über die Korridore hetzten. Jeden Moment dachte er, dass jemand Bekanntes in seinem Blickfeld auftauchen würde und sie ihn doch aufspüren können. Jedoch schien niemand irgendwelche Interesse an ihm zu haben.

    Dann scheint Bennas Trank zur Auraverbergung wohl ohne Probleme zu funktionieren, sonst wäre Lilijana schon längst hier aufgetaucht.

    Ein Teil der Anspannung fiel nach dieser Erkenntnis von seinen Schultern. Dennoch fühlte er sich sehr abgehetzt und ließ kurz die letzten Stunden Revue passieren. Er fragte sich, was ihn so plötzlich dazu brachte dem Hexenzirkel nicht mehr zu trauen und die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Seit dem Aufeinandertreffen mit diesem Mädchen Vivien, fühle ich mich irgendwie anders. Mehr wie ich selbst, nicht mehr so als würde ich von Zügeln geführt werden. Ist das Möglich? Hat mich Lilijana irgendwie manipuliert, damit ich etwas vergessen. Aber wozu sollte sie und an was sollte ich mich nicht erinnern? Es kommt mir nicht so vor, als würde es Lücken in meinen Erinnerungen geben, aber vielleicht hat sich die Manipulation noch nicht komplett aufgelöst. Wenn ich das Land erst mal verlassen habe, wird sich sicher etwas offenbaren, wenn die Hexen wirklich ihr Händchen mit im Spiel hatten. Sollte das der Fall sein, dann lernen sie mich kennen.

    Ein Ausruf holte ihn aus seinen Gedanken. Eine Frauenstimme öffnete den Schalter für den Check-In.

    Nevran betrat den Flieger. Was wird mich wohl in Kanada erwarten.


    Sei Du selbst die Veränderung, die Du Dir wünschst für diese Welt.
    Mahatma Gandhi

  • Hey Remoni,


    mit einiger Verspätung kommt dann auch mal mein Feedback zu deinem aktuellen Teil. Sorry, ist im Moment echt viel los bei mir.


    Also, ich muss gestehen, ich hätte wahrscheinlich nach der langen Unterbrechung niemals mehr einen Kopf an diesen Part gekriegt, wenn ich nicht zufällig Kapitel 7 (Part 3/4) vom 02.05.21 zuvor noch einmal gelesen hätte. So zusammenhängend hat es sich wirklich gut lesen lassen. Ich mag diesen Teil zwischen Nevran und Benna sehr. Du schaffst eine richtig coole magische Atmosphäre zu schaffen und ich kann mir das alles ganz wunderbar vorstellen. Nevran kommt auch richtig gut rüber, finde ich. Also, alles wunderbar. Kann weitergehen :gamer:


    Ach ja,...hier noch ein paar Anmerkungen.


    Plötzlich blitzten Bilder vor seinem inneren Auge auf.

    Seine Mutter tauchte im Türrahmen ihres Hauses auf. Er schrie sie an sofort wieder hineinzugehen. Jedoch zu spät. In Bruchteilen einer Sekunde sackte ihr lebloser Körper schon zusammen. Ihr abgetrennter Kopf rollte die Treppenstufen hinunter und kam direkt vor Nevran zum Stehen. Ihr leerer Blick traf seinen. Nie wird er ihren Anblick mehr vergessen können, ebenso wenig, wie seine rasende Wut, die daraufhin aus ihm explodierte.

    „Was zur Hölle soll das werden?“, fragte Benna entsetzt.

    Nevran schreckte auf. Er sah sie an und folgte dann ihrem Blick. Wo sich seine Finger in die Buchseiten gebohrt hatten. Sofort ließ er sie los und versuchte die Seiten glattzustreichen.

    Krass! Ich finde diesen kleinen Flashback hat du schön beschrieben. Gefällt mir :thumbup:


    Mit einem klickenden Geräusch viel die massive Türe in ihr Schloss.

    fiel


    „Perfekt. Dann können wir weitermachen.“

    „Sehr gut. Dann können wir weitermachen.“

    Hier klingt etwas recht ähnlich :hmm:


    „Sie sorgen dafür, dass nichts diesen Raum verlassen kann und da ich diesen Zauber noch nie durchgeführt haben, geh ich lieber ... Nummer sicher“, erklärte sie.

    auf


    „Und für welche Spielchen ist dieser Stuhl gedacht?“; fragte er und berührte die Schnallen.

    „Den nutze ich vor allem für Exorzismen von Skaluros oder anderen bösen Seelen, aber heute darfst du darauf Platz nehmen.“

    Er zog die Augenbrauen hoch. „Muss das sein?“

    :rofl: Sehr schön!



    und den gesamten Raum in ein zartes blau tauchte.

    Blau


    Das Fragment begannen zu dem Zeitpunkt, als Vivien das Haus ihrer besten Freundin verlassen hatte.

    Während sie mit dem Fahrrad durch die Stadt raste, tobte die Wut und Enttäuschung in ihr. Nevran nahm diese Emotionen so wahr, als wären es seine Eigenen. Das lag daran, dass sich ihre Erinnerungen, Gefühle und Gedanken, des gestohlenen Seelenfragmentes, mit seinen verschmolzen hatte. Sofort wurde er von ihren Emotionen überrumpelten, da diese sehr präsent waren. Er ballte seine Hände zu Fäuste und die Lederriemen schnitten in seine Handgelenke. Nevran versuchte sich zu distanzieren, jedoch vergebens.

    Ein kalter Griff umfasste sein Herz und hinterließ einen schmerzenden Riss. Die Wunde die Haydens Taten bei Vivien hinterlassen hatten, kamen eins zu eins bei ihm an.

    Das finde ich auch cool :thumbup: Wenn Vivien wüsste...oh je.


    LG,

    Rainbow