• Hallo Leute :) !
    Ich habe ein kleines Problem mit einer meiner Figuren aus einer Geschichte, die schon länger bei mir rumliegt und von der ich nicht weiß, ob ich sie weiterführen sollte.
    Zum ersten Mal bin ich mir eines eigenen Charackters nicht sicher. Wenn Ihr es mögt, könntet Ihr vielleicht mal einen Blick auf den einen oder anderen hier gezeigten Abschnitt werfen und mir einfach mal mitteilen, wie dieser Guldrik auf Euch wirkt, und was Ihr von dem Typen generell haltet.
    Thema der Geschichte ist es übrigens, wie die zunehmende Vernunft der Menschen die magische Welt älterer Zeitalter zerstört.


    Dies ist der Anfang:

    Etwas später. Die Stimmungsmache gegen die älteren Völker beginnt gerade. Guldrik versucht, die alte Freundschaft nicht abreissen zu lassen.

    Noch später. Zwischen dem Stillen Volk und den Menschen herrscht offene Feindschaft, was einige aber nicht wahrhaben wollen:


    Nein, ich werde nicht verraten welche Rolle diesem Typen eigentlich zugedacht war, und verlasse mich ganz auf Euer Urteil.

    Adler erheben sich in die Lüfte
    aber Wiesel werden nicht in Flugzeugturbinen gesogen

  • Ich mag ihn. Der Konflikt ist sehr interessant. Es ist auch eher selten über Charaktere zu lesen die erwachsen und verantwortungsbewusst sein wollen, ohne dass sie vom Autor sofort als verklemmt dargestellt werden und sofort von jugendlichen Freunden „gerettet“ werden müssen, als könne man nicht glücklich sein und gleichzeitig einen Job haben.


    Ich weiß jetzt nicht für welche Zielgruppe das ist aber ich würde das ganze sexuelle Zeug subtiler machen. Ich stutze beim Lesen immer und denke automatisch „oh da steht „Arsch“ seltsam…“ Und Leuten unter den Kilt fassen ist halt auch bei Männern sexuelle Belästigung, da würde ich persönlich seine Zustimmung dazu deutlich machen oder es weglassen wenn`s nicht unbedingt notwendig ist.


    Der Tod von dem Ziegenmädchen an der Stelle ist aus dramaturgischer Sicht Gold wert aber ich finde nicht dass es gut geschrieben ist. Es wirkt auf mich als ob ihm da relativ grundlos ne Sicherung raus springt und er irgendwie selbst nicht weiß warum er sie tot haut.


    Wenn ich nen Vorschlag machen darf? Mach es doch einfach so das seine Verlobte in der Nähe ist und sieht was das Ziegenmädchen da mit ihm macht und sie konfrontiert… und vielleicht seinen Ring auf den Boden wirft und weinend weg rennt. Dann ist seine Ehe in Gefahr und das Ziegenmädchen würde natürlich nicht verstehen wieso. Das wäre ein besserer Grund wütend auf sie zu sein. Oder stell es vielleicht so da als wolle er sie nicht töten, aber lass sie unglücklich fallen, oder verbluten weil eins der Hörner abbricht.

    „Wichtig klingende Zitate unter Signaturen sind blöd.“
    -Feron

  • Hi @Feron :) !
    Danke für Deinen netten Kommentar. Das hilft mir wirklich sehr, diesen merkwürdigen Typen selbst besser zu begreifen.

    Ich weiß jetzt nicht für welche Zielgruppe das ist aber ich würde das ganze sexuelle Zeug subtiler machen.

    Ich denke schon, dass dieses Ding 16+ ist. Im Stillen Volk herrscht ein extrem unverkrampftes Verhältnis zur Sexualität, eigentlich ist alles erlaubt was gefällt. Natürlich ist dies bei den Menschen bekannt (und möglicherweise einer der Gründe, warum sie plötzlich von diesen dämonisiert werden). Wer ein Problem damit hat, der lässt sich mit diesem lebensfrohen Völkchen nicht ein :D . Wenn Neelea Guldrik unter den Kilt fasst, so begreift dieser dies nicht als Belästigung, sondern als den wohlmeinenden Versuch, einen Konflikt zu entschärfen (bei den Bonobo gilt ja auch "Make Love not War"). Guldriks eher steifes Verlöbnis sollte wohl den Kontrast zwischen diesen beiden Ansichten verdeutlichen (denk ich mal).


    er irgendwie selbst nicht weiß warum er sie tot haut.

    Genau dies ist es. In seiner Zerrissenheit weiß er sich nicht anders zu helfen, als den Verursacher seines seelischen Zwiespalts zu beseitigen. Und ein Teil von ihm ist auch noch glücklich darüber. Er hat noch nicht begriffen wer sein wahrer Feind ist (eben jene Leute, die ihm sagten wen er zu mögen hätte und wen nicht), nimmt einen eher harmlosen Scherz als Bestätigung deren Argumentationen und greift jemanden an, der in seiner freundschaftlichen Treue zu ihm eher eine Umarmung verdient hätte. Ja, ich denke mal, diese Tat sollte ratlos machen ...

    Adler erheben sich in die Lüfte
    aber Wiesel werden nicht in Flugzeugturbinen gesogen

  • Hey @Formorian ^^


    Also erstmal: Dein Schreibstil haut mich total um 8| die Geschichte liest sich super flüssig, man hat die ganze Zeit über das Geschehen vor Augen und kann sich in diese bunte Märchenwelt reinversetzen. Auf der anderen Seite spürt man auch an den banalsten Stellen diesen traurigen Unterton - oder vielleicht kommt mir das nur so vor, nachdem ich das Ende der Abschnitte gelesen hab?


    Naja, um auf Guldrik zu kommen :) sein Charakter gefällt mir soweit echt gut, man merkt an mehreren Stellen dass er sich nicht mehr wirklich mit den "Märchenwesen" identifizieren kann und sich von ihnen nicht ernstgenommen fühlt. Andererseits gibt es aber auch einige Szenen, in denen er sich gut mit ihnen versteht und ich hatte jetzt beim Lesen nicht das deutliche Gefühl, dass die schlechten Erfahrungen mit der Zeit so weit die guten überwiegen, dass es seinen Ausraster natürlich erscheinen lässt - ich hatte nicht den Eindruck, dass es eine deutliche Entwicklung seiner Einstellung von unvernünftig zu erwachsen gab. Der Konflikt ist nur immer mal wieder aufgetaucht.
    (Allerdings sind das hier ja nur Abschnitte und nicht die Geschichte im Ganzen, also vielleicht wirkt es nur deshalb so auf mich)


    Den Zwischenfall mit dem Hemd könnte man als Hauptauslöser betrachten, aber dann würde meiner Meinung nach dieser Satz nicht passen:

    Und wenn man ihn aus dem Wald heraustragen müsste, dies durfte nicht ungerächt bleiben!

    Das hört sich überzogen wütend an, nicht glaubwürdig frustriert ^^' ich kann ihm an der Stelle zumindest irgendwie nicht abkaufen, dass er wirklich richtige Wut verspürt. Vielleicht wäre mir die Stelle als eine logischere Basis für das Ende erschienen, wenn er in dem Moment gedanklich nochmal seine Gesamtfrustration mit den magischen Wesen realisiert, den Vorfall auf den Gesamtkonflikt überträgt.


    Liebe Grüße,
    Carpe

  • Hi @Carpe :) !
    Vielen Dank für Deinen Kommentar.
    Traurigkeit, ja, das ist wohl der Grundtenor dieser Geschichte. Lähmende Traurigkeit und hilflose Wut ...
    Die Menschheit will sich von ihrem tierhaften Erbe lösen und merkt gar nicht, dass sie dabei zu einer noch viel gewaltigeren Bestie wird als jene, die sie dabei verteufelt. Und macht eigentlich nette Burschen zu willfährigen Vollstreckern.
    Auch Du findest Guldrik ganz in Ordnung, und kannst nicht verstehen warum er so brutal auf Neeleas Spielchen reagiert. Vielleicht hätte ich folgenden Abschnitt beifügen sollen, zeitlich zwischen Teil 2 und 3.


    Neue Herrschaft, neues Dogma. Der Hass auf das Stille Volk wird Programm:


    Ja, dieses Ding ist irgendwie schon eine Allegorie auf aktuelle Zustände.

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  • Mit diesem zusätzlichen Abschnitt verstehe ich Guldriks Ausbruch tatsächlich viel besser :) der Hemd-Vorfall wird nochmal aufgegriffen und ist für Guldrik der Stein, der sein Umdenken ins Rollen bringt. Hier findet auch sehr deutlich die Charakterentwicklung statt, die mir vorher gefehlt hatte ^^'
    Ein bisschen seltsam finde ich noch, dass er so gar nicht darüber nachzudenken scheint, dass die Vernunftprediger auch Unrecht haben könnten :hmm: das "retardierende Moment" sozusagen, in dem der Leser noch denkt dass er vielleicht doch noch zur "Unvernunft" kommt, aber dann passiert etwas dass ihn endgültig zum Vernunftfanatiker werden lässt.
    Den Kentaurenvorfall am Ende fand ich sehr gut ausgeführt, nur Guldriks Reaktion auf das gehörte kommt mir etwas krass vor :huh: bisher wurde seine Verachtung für die "Tiere" geschürt, aber ich konnte nicht herauslesen, dass er direkt mit tödlichen Waffen auf sie losgehen wollte.
    Hier fehlt mir bei ihm besonders ein innerer Konflikt, sonst muss ich ihn für sehr naiv und beeinflussbar halten.


    Mal abseits vom Abschnitt, nur interessehalber:
    Stehen die "schwarz gekleideten Weisen" eigentlich für Pfarrer im Talar? Sozusagen eine umgekehrte Aufklärung? Die Predigen der Weisen in der Geschichte finden ja auch am siebten Tag statt.


    Wie überträgst du außerdem den Konflikt in der Geschichte auf die heutige Welt? Findest du, dass wir zu wenig Tier rauslassen und uns mit zuviel Vernunft umgeben? :P oder ist es mehr eine Parabel zum Erwachsenwerden?


    Liebe Grüße,
    Carpe

  • Ein bisschen seltsam finde ich noch, dass er so gar nicht darüber nachzudenken scheint, dass die Vernunftprediger auch Unrecht haben könnten das "retardierende Moment" sozusagen, in dem der Leser noch denkt dass er vielleicht doch noch zur "Unvernunft" kommt, aber dann passiert etwas dass ihn endgültig zum Vernunftfanatiker werden lässt.

    Nicht ungewöhnlich für einen vierzehnjährigen mit Frust im Bauch, dem gewisse Leute mit ganz konkreten Zielen nach dem Mund zu reden scheinen. Zigtausende Guldriks wandeln unerkannt mitten unter uns.

    Hier fehlt mir bei ihm besonders ein innerer Konflikt, sonst muss ich ihn für sehr naiv und beeinflussbar halten.

    s.o.


    Mal abseits vom Abschnitt, nur interessehalber:
    Stehen die "schwarz gekleideten Weisen" eigentlich für Pfarrer im Talar? Sozusagen eine umgekehrte Aufklärung? Die Predigen der Weisen in der Geschichte finden ja auch am siebten Tag statt.

    Ganz genau. Diese Leutchen geben vor, gegen Götterhudelei und Irrglauben und für die reine, logische Vernunft einzustehen und übernehmen doch nur Methodik und Jargon ihrer idiologischen, polytheistischen Gegner. Bewährtes wirft man nicht einfach so über Bord :D .

    Wie überträgst du außerdem den Konflikt in der Geschichte auf die heutige Welt? Findest du, dass wir zu wenig Tier rauslassen und uns mit zuviel Vernunft umgeben? oder ist es mehr eine Parabel zum Erwachsenwerden?

    Speziell in Guldriks Fall ging es mir wohl um die Beeinflussbarkeit Jüngerer, die aufgrund mangelnder Erfahrungen in ihrer Urteilskraft sehr eingeschränkt sind (Guldrik ist übrigens nicht der Haupthandlungsträger hier, eher eine bedeutende Nebenfigur). Hauptthema ist es aber wohl, dass der "gesunde" Menschenverstand, Vernunft und Logik in unseren Tagen maßlos überbewertet werden und die Menschen wohl vergessen haben, dass auch "Unvernunft" und Irrationalität ihren ganz eigenen Wert besitzen und ihre Existenzberechtigung.

    Adler erheben sich in die Lüfte
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