• Hallo Kiddel Fee

    wow, ich bin beeindruckt.

    Endlich habe ich mal den Einstieg in die Geschichte gelesen. Einfach super! Als ich den ersten Post gelesen hatte, dachte ich mir, das muss der Alptraum eines jeden Elternteils sein. Du wachst auf und dein kleiner Augenstern ist verschwunden.

    Ich kann auch die damalige Kritik am Plot nicht teilen. Das die Welt und die Zustände sich erst langsam, eben so im vorbeigehen, entwickeln und immer etwas mehr über die Charaktere preisgegeben wird ist toll.

    So stelle ich mir ein gutes Buch vor, das sich nicht zu verstecken braucht.

    :thumbsup:

  • Hey Kiddel Fee


    Mir hat der letzte Part auch sehr gut gefallen. In Thyras Perspektive einzutauchen hat etwas, weil die Geschichte plötzlich mal aus einem ganz anderen Blickwinkel beleuchtet wird und man quasi aus erster Hand von Seiten des Forschungsleiters erfährt, wie das damals abgelaufen ist.


    Also, keine Beanstandungen von meiner Seite! Kann weitergehen :gamer:

  • Astra war erschöpft. Sie fühlte sich geradezu ausgelaugt. Die Sorge der letzten Tage, die Eile und die fehlende Ruhe, der Kummer um die anderen und die Anspannung … all das schien sie regelrecht in den schmalen Sitz des Transporters zu pressen. Erleichtert darüber, dass Atesch fuhr, schloss sie die Augen. Nates Kopf ruhte immer noch auf ihrem Schoß.
    Der junge Mann war unruhig, er murmelte tonlose Worte, die Augen unter den geschlossenen Lidern rollten hin und her und seine Haare klebten, nass vor Schweiß, an Astras Hose.
    Sus Wasser sollte das Fieber in Schach halten, doch der immer finsterer werdende Blick der Kameradin zeigte Astra, dass das wohl nicht so ganz funktionierte. Sie selbst hatte ebenfalls den Eindruck, dass Nate immer mehr Wärme abstrahlte und versuchte sich krampfhaft zu erinnern, ob es bei Tenebris damals auch so schnell gegangen war. Hoffentlich erreichten sie die Veste bald und hoffentlich konnten sie Nate dort helfen. Andererseits hatte der Hort über die beste medizinische Versorgung verfügt und Tenebris war trotzdem gestorben …
    Sie musste wohl weggedämmert sein, denn als das Motorengeräusch plötzlich anders klang, schreckte sie hoch. Der Transporter war in einer riesigen Halle zum Stehen gekommen. Angespannt blickte sie sich um.
    In Reih und Glied standen hier verschiedenste Fahrzeugtypen fein säuberlich nebeneinander. Geländefahrzeuge, Motorräder, Panzer, sogar Flugzeuge. Das andere Ende der Halle schien unendlich weit weg. Stimmen riefen einander Befehle zu, Motoren heulten auf, Seitentore wurden geöffnet. Marschierende Schritte kamen näher und eine Gruppe Soldaten geriet in ihr Blickfeld, die vor ihrem Auto Aufstellung nahmen.
    Atesch sprang heraus und salutierte vor einem Mann mit raspelkurzem blondem Haar, Hakennase und einem leuchtend roten Band quer über der Brust.
    “Elementaler Atesch meldet sich zurück, Sir. Operation durchgeführt, Operationsziel mit Kollateralschaden erreicht. Ein Leichtverletzter, ein Schwerverletzter.”
    Der Ranghöhere nickte, ohne eine Miene zu verziehen. Sein prüfender Blick glitt über die Truppe im offenen Fahrzeug. Er musterte die Staubschicht, welche sie alle überzog und die einzelnen Passagiere. Schließlich blieb er bei Nate hängen und verharrte dort kurz. Dann wandte er sich zackig ab.
    “Sergeant Benedict, bringen Sie diese Leute ins Lazarett, sie sollen komplett durchgecheckt werden. Anschließend begleiten Sie sie in ihre Quartiere und sorgen dafür, dass alle etwas zu essen bekommen. Ich erwarte Ihre Meldung.”
    Der Angesprochene , ein Mann in Retts Alter mit schulterlangem schwarzem Haar und einer wulstigen Narbe am Kinn, nickte hastig.
    “Elementaler Atesch, Elementale Su, der Militärrat hat dieser Operation höchste Priorität eingeräumt. Sie werden schnellstmöglich im Sitzungssaal erscheinen und Bericht erstatten.” Noch einmal betrachtete Ateschs Vorgesetzter die Neuankömmlinge eingehend, dieses Mal besonders Astra. “Sie werden ebenfalls erwartet. Sergeant Benedict wird Sie nach Ihrer medizinischen Untersuchung in die Empfangshalle begleiten.”
    Hakennase trat beiseite und machte zwei Soldaten Platz, die Nate behutsam aus dem Fahrzeug hoben. Ein weiterer Soldat wollte Rett Ivy abnehmen, damit dieser besser aussteigen konnte. Doch der Mechaniker schüttelte mit grimmigem Gesicht den Kopf. Er gab das Kind nicht aus den sicher immer noch schmerzenden Händen. Su lächelte Astra aufmunternd zu, dann folgten sie und Atesch dem abmarschierenden Vorgesetzten und ließen die Truppe bei Sergeant Benedict zurück.
    Es gibt keine Farben in der Veste, dachte Astra, als sie diesem dann schließlich aus der Halle heraus zu einem Flur voller Lifte folgten. Die Gänge im Hort waren auch nicht bunt, aber hell und blitzsauber. Hier in der Veste wirkten die Wände schroffer, es roch muffig nach Treibstoff, feuchter Kleidung und Schweiß. Die Menschen, die ihnen entgegen kamen, trugen entweder die schwarze rüstungsähnliche Uniform oder eine leger geschnittene Alltagskleidung in tristem Dunkelgrau und verschmolzen optisch mit den Wänden. Lediglich die Abzeichen auf den Schultern Höhergestellter boten winzige Aufheller, doch diese reichten nicht, um die Tristess, welche die Veste verströmte, abzumildern.
    Ihr Lift fuhr nach unten und Astras Gedanken flogen wieder zu Nate. Wo war er jetzt? Konnte man ihm helfen? Wieviel Zeit blieb ihm noch? Sie versuchte, sich in Erinnerung zu rufen, wie lange Tenebris im Delirium gelegen hatte, doch die Müdigkeit zerrte hartnäckig an ihr und ließ sie kaum einen klaren Gedanken fassen … die Gesichter der beiden Männer verschwammen vor ihrem inneren Auge, schwirrten wie körperlose Fratzen um sie herum …
    Das Lazarett, kontrolliert von einer Gruppe Kittelträger, schien heller gestaltet. Die Zimmer waren durch Glasfenster getrennt, sodass ein Mediziner mehrere Betten gleichzeitig im Blick behalten konnte. Sie lagen alle auf der rechten Seite eines breiten, endlos langen Ganges. Links befanden sich offenbar Untersuchungszimmer, jedenfalls winkte eine in schmutziges Weiß gekleidete Gestalt Astra in ein solches.
    Sie musste die Kleidung ausziehen und sich auf eine Trage legen. Diese fuhr automatisch in einen großen schwarzen Kasten. Astra lag ganz still, während ihr Körper in mehreren Durchgängen gescannt wurde. Eine weibliche Stimme verkündete monoton ihre Werte. Blutdruck, Sauerstoffsättigung, Blut-ph-Wert, Hautzustand … sie wusste nicht, ob die Zahlen in Ordnung waren oder nicht, es kümmerte sie auch nicht. Fast schien es ihr, als würde sie in der warmen Dunkelheit schweben. Weinte da nicht Ivy? Wo war Nate …
    Anscheinend war ihre Kraftlosigkeit entdeckt worden, denn als sie aus den Tiefen des Scanners auftauchte, stand ein neuer Kittelträger mit einer Nierenschale voller aufgezogener Spritzen vor ihr. Und obwohl sie Nadelstiche nicht sonderlich mochte, musste sie zugeben, dass es ihr nach den Injektionen doch deutlich besser ging. Zumindest schienen ihre Füße sie wieder tragen zu wollen und der Boden schwankte nicht mehr. Auch konnte sie jetzt klare Gedanken fassen.
    “Wo ist Nate?” Noch während sie diese Worte aussprach, überlegte sie, ob Nates wahre Identität hier inzwischen bekannt war und ob sie durch ihre Flucht nur vom Regen in die Traufe gekommen waren. Was, wenn die Veste Nate einfach zurückschickte oder das Urteil selbst vollstreckte? Würden sie ihn aufpäppeln, nur um ihn hinzurichten, oder sollte er einfach hier im Lazarett sterben?
    “Wenn Sie so weit sind, Elementale Astra, würde ich Sie in die Empfangshalle begleiteten.” Sergeant Benedict war ins Zimmer gekommen und musterte sie. “Sie werden erwartet.”


    Endlich ließ der gleißende Schmerz in seinem Schädel nach. Langsam öffnete er die Augen und stellte fest, dass er zumindest sehen konnte. Zwar fühlte es sich so an, als hätte Artax seinen Schädel einfach gespalten, doch sein Sehvermögen funktionierte … er lebte noch …
    Er lag flach auf dem Rücken und über ihm spannte sich der bizarrste Himmel, den er je gesehen hatte. Doch bevor er diesen richtig erfassen konnte, spürte er, dass er sank. Sein Körper wurde von einer kalten Masse umhüllt, die ihn nach unten zu ziehen schien. Als er die Arme heben wollte, schlang sich Schlamm um sie, wie lebende Schlangen aus Matsch. Mit einem erschrockenen Aufschrei wälzte er sich zur Seite. Schmatzend gab der dunkle Boden seine Beine frei und er landete schließlich keuchend auf den Knien.
    Rasch blickte er sich um. Seine Nackenhaare stellten sich warnend auf, als blasser Nebel um ihn herum aufwallte. Und dann bildete der Nebel eine Gestalt und diese Gestalt sah ihn an und schrie und Nate schrie ebenfalls, das Entsetzen quoll aus ihm heraus und überwältigte ihn.
    Er war noch am Leben. Artax hatte ihn lebendig zur Hölle fahren lassen.

    Als Mama lernt man beizeiten, eine Tafel Schokolade auf Anhieb zu verstecken.

    Im Mund.

    Quer.

    Und ohne zu sabbern.

    :whistling:


    Meine Geschichte

    Elemental

  • Hallo Kiddel Fee

    diesmal habe ich einen kurzen Moment gebraucht und nochmal zurückgeblättert, ob ich auch nichts verpasst habe.

    Eben noch bei Tyras und jetzt wieder bei Astra und den anderen. Doch mit dem Satz "Sie werden erwartet." kommt wohl der Bogen...

    Der Schluss lässt mich schon auf den nächsten Teil warten. Ist es ein Fiebertraum oder ist Nate tatsächlich zurück?

    Bin schon gespannt...

  • “Elementaler Atesch meldet sich zurück, Sir. Operation durchgeführt, Operationsziel mit Kollateralschaden erreicht. Ein Leichtverletzter, ein Schwerverletzter.”

    Brrr... da läuft`s mir kalt den Rücken runter. Kollateralschaden...wenn ich das schon höre. Aber so lautet nunmal der millitärische Jargon.


    Mir jat der Teil gut gefallen..vor allem das Ende, als wir sehen, was Nate gerade erlebt. Ganz schön gruselig! Ich habe es so verstanden, dass er noch nicht wirklich erwacht ist, sondern wir quasi sehen, was er gerade sieht...was er durchmachen muss in seiner Bewusstlosigkeit. Als ob er an einem anderen Ort gefangengehalten würde, dem er nicht entkommen kann. Das ist sehr gut geworden! Die Idde mit dem Schlamm und den Nebel...uahhh....


    Bin schon sehr gespannt auf die Fortsetzung :gamer:

  • millitärische Jargon

    ich habe mich extra bei meinem ehemaligen Bundeswehr-Bruder rückversichert, damit es militärisch korrekt klingt.


    Und du hast recht, Nate ist nicht aufgewacht - das Setting ist also quasi in seinem Kopf und da hineinzugucken, gruselt selbst mich ... wer weiß, was da noch alles auftaucht ...

    Als Mama lernt man beizeiten, eine Tafel Schokolade auf Anhieb zu verstecken.

    Im Mund.

    Quer.

    Und ohne zu sabbern.

    :whistling:


    Meine Geschichte

    Elemental