Der Rabe (Clíodhna 8)

  • Waehrend wir in den Vorbereitungen zum Dreh von Folge 7 stecken ist es auch schon wieder Zeit weiter zu denken. :) Teil 8 soll im Sommer abgedreht werden und spielt wieder zu Beltaine - nur dass Rordan dieses Jahr nicht der Beltainekoenig ist. Es wird also ein Beziehungsdrama sein das wir hier verfilmen wollen, und dazu kommt dass wir die Gelegenheit nutzen wollen nochmal zu zeigen wie es eigentlich ist, eine Hexe zu sein.


    Wie ueblich soll der Text primaer als Grundlage fuer ein Drehbuch dienen - an Kritik sind uns also logische Fehler und unplausibles Verhalten von Charakteren wichtiger als Rechtschreibfehler (die man im Film meistens eh nicht sieht...:D)


    Ansonsten viel Spass mit der neuen Folge!







    Clíodhna blinzelte verschlafen als ein plötzlicher Schwall Kälte unter ihre Decke kroch - genau da wo es eben noch neben ihr wohlig warm gewesen war.

    Die Tür der Hexenhütte schlug zu, und das Geräusch weckte sie endgültig auf. Sie fuhr sich mit den Händen über das Gesicht und richtete sich halb auf. Dämmriges Licht sickerte durch die Fenster, die gegen die Kälte verhängt waren. Rórdán war schon wach und aufgestanden...

    Mit einem Seufzer schlug sie die Decke zur Seite und schlüpfte in ihre von der Kälte klammen Sachen und versuchte, die Gänsehaut zu ignorieren. Selbst das Frühjahr war kalt in diesem Tal! Auch wenn die Tage schon warm werden konnte, die Nächte brachten immer noch Frost.

    Wenigstens war noch ein Rest Glut in der Feuerstelle. Vorsichtig fegte sie kalte Asche zur Seite, legte dünnes Reisig auf und erweckte dann ein kleines Flämmchen zum Leben, fütterte das Feuer mit Rinde und kleinen Scheiten bis sich die Wärme auf ihrem Gesicht ausbreitete. Dann hängte sie den Kessel mit Wasser über das Feuer um den Morgentee zu bereiten.

    Wieder öffnete sich die Tür, und ein erneuter Schwall Kälte drang in die Hütte. Rórdán stolperte herein, einen Stapel Brennholz unter dem einen Arm, in der anderen Hand eine Räucherwurst und ein Tongefäß. Mit einem unterdrückten Fluch ließ der das Brennholz fallen, schloß die Tür hinter sich und legte die Vorräte auf den kleinen Tisch.

    "Ich hab' die Kaninchen schon versorgt", stellte er fest. "Und es waren schon wieder Gaben für die Hexe auf der Schwelle", setzte er mit etwas Verwunderung in der Stimme hinzu.

    Clíodhna lächelte ihn versonnen an. Seit Imbolc lebten sie mehr oder weniger offen zusammen, und Rórdán verbrachte auch die meisten Nächte bei ihr in der Hexenhütte. Zuvor hatte er noch gehofft, ihre Beziehung vor dem Dorf verbergen zu können, aber Clíodhna hätte ihm schon von Anfang an sagen können daß der Versuch aussichtslos war. Jetzt... jetzt mußten sie sich beide an ein Leben zu zweit gewöhnen. Clíodhna war seit Jahren gewohnt für sich selbst zu sorgen, ihr Brennholz zu sammeln und sich um die Kaninchen zu kümmern - und jetzt aufzuwachen um festzustellen daß der Mann in ihrem Leben die Arbeit schon getan hatte war manchmal irritierend. Aber manchmal eben auch angenehm... Und dann waren da eben auch die Nächte zusammen...

    "Ich glaube, in dem Gefäß ist Honig", meinte er, während er das Brennholz wieder aufsammelte und neben der Feuerstelle aufstapelte.

    Sie sah ihn von der Seite an während sie den Tee aufgoß. "Warum bist du überrascht, daß die Menschen Gaben für die Hexe bringen? Man sollte meinen daß du das selbst auch schon das eine oder andere Mal zu Fionnulas Zeit getan hast?"

    Er kratzte sich über sein Kinn. "Ich bin nicht überrascht daß es passiert - nur darüber wie viel die Leute bringen."

    Clíodhna lachte. "So ist es schon immer gewesen. Die Hexe kümmert sich um das Dorf wenn es nötig ist, die Menschen kümmern sich darum, daß die Hexe alles hat was sie braucht, so daß sie Zeit für ihre eigentlichen Aufgaben hat. Und die Hexe kümmert sich um das Land - und das Land versorgt sie mit allem was sie braucht. Selbst wenn ihr Gebiet ein so karges und frostiges Tal im hohen Norden ist wie Gleann an Phéine."

    "Warum bist du überhaupt hier hergekommen, wenn du die Kälte so wenig leiden kannst?", fragte Rórdán während sie für beide Tee eingoß. "Kanntest du Fionnula irgendwie von früher? Und woher wußtest du, daß sie krank ist?" Sie nippte an ihrer Tasse während sie versonnen ins Leere blickte und sich erinnerte.

    "Wenn eine Hexe ihre Lehrzeit bei einer anderen Hexe beendet hat, dann geht sie auf Wanderschaft", erklärte sie schließlich. "Sie versucht dann, Dinge zu lernen die man einem anderen nicht einfach beibringen kann, Dinge die man selbst herausfinden muß. Sie muß ihre eigenen Erfahrungen machen. Aber irgendwann... Irgendwann spürt sie einen Ruf."

    Sie blickte auf, suchte nach den richtigen Worten. "Es ist... wie ein wortloses Wissen, ein Wissen gebraucht zu werden. Und ein Gespür dafür wo. Das ist das Zeichen, daß die Wanderschaft einer Hexe vorbei ist. Und wenn sie dem Ruf folgt, dann kommt sie früher oder später an einen Ort, wo eine alte Hexe im Sterben liegt. Dann haben die beiden vielleicht noch ein paar Tage Zeit, um über die wichtigsten Dinge zu reden. Und dann erbt die junge Hexe die Verantwortung über das Gebiet der alten - und die Bewohner des Landes merken, daß sie nicht alleine sind, daß eine neue Hexe bei ihnen wohnt."

    Rórdán runzelte die Stirn. "Aber wie... ", begann er. "Es ist Magie!'", unterbrach ihn Clíodhna mit einem Lächeln. "Ich wußte es einfach. Auch als ich die Berge vor mir gesehen habe, als ich über verschneite Pässe gewandert bin und mich gefragt habe ob ich noch vor dem großen Schneefall durchkommen würde - ich habe keinen Moment dran gezweifelt daß ich an den richtigen Ort unterwegs bin. Und Fionnula habe ich das erste Mal in meinem Leben gesehen als ich damals durch diese Türe gekommen bin." Sie lachte. "Und ich kann dir sagen - sie war nicht glücklich daß eine so junge Hexe gekommen ist." Einen Moment schwieg sie, in Erinnerungen versunken. "Aber so ist das bei Hexen - nicht wir wählen das Land in dem wir sind, sondern das Land ruft uns wenn wir gebraucht werden."

  • Wie schön, es geht weiter! :)


    Ein ruhiger Einstieg in eine neue Folge mit ein paar ganz interessanten Informationen zum Thema: "Wie nimmt die Hexe wo ihren Platz ein?" Natürlich folgt sie dem Ruf! ... Ich kann mir Fionnulas Gesicht nur zu gut vorstellen, als Clíodhna bei ihr reingeschneit ist. :rofl:Hat mir gut gefallen.


    Auch, dass die Hexe Gaben vor die Tür gestellt bekommt, macht Sinn...ich frage mich nur, warum das nicht schon vorher mal gezeigt/angesprochen worden ist. :hmm:


    Ansonsten freue ich mich schon zu erfahren, was ich euch wieder mal ausgedacht habt. :gamer:

  • Ich kann mir Fionnulas Gesicht nur zu gut vorstellen, als Clíodhna bei ihr reingeschneit ist.

    Das haben wir tatsaechlich schon gefilmt - ist ziemlich nett^^ ('Komm rein, Maedchen! Hast Dir ja ziemlich Zeit gelassen. - Auf den Passhoehen war noch Schnee... - Ja, das passiert hierzulande schon mal. Du siehst jung aus- wie heisst du eigentlich?')

    ich frage mich nur, warum das nicht schon vorher mal gezeigt/angesprochen worden ist.

    War einfach bisher nicht so wichtig. Haette man schon nebenbei machen koennen, dann aber auch irgendwie erklaeren muessen, eine Szene in der Cliodhna einfach aus der Huette kommt und Zeug auf der Schwelle reinraeumt wirkt ja eher planlos glaube ich. So lernt der Zuschauer das halt durch Rordan's Augen kennen was uns die Gelegenheit gibt es auch zu erklaeren.


    Von der ganzen Interaktion der Hexe mit dem Dorf hat man ja manches schon gesehen, aber anderes dann auch nicht - in dieser Folge geht's uns dann auch um sowas als Schwerpunkt.


    Naja, dann mache ich nochmal weiter mit einer kleinen Erwaehnung von Kirisha (wo ich nicht weiss ob sie das verpasst hat oder grade einfach was anderes um die Ohren hat...)



    Rórdán beschleunigte seine Schritte, als er aus dem Wald trat und das Dorf in Sicht kam. Wieder einmal später als erwartet losgekommen... Wieder ein Tag in dem er Mißbilligung in Brans gesicht lesen würde.

    Obwohl es immer noch dämmrig war, waren die ersten Dorfbewohner schon bei der Arbeit - auf Ailbhe's Hof wurden Pferde auf die Koppeln geführt und Mist aus den Ställen gebracht, weiter drin im Dorf fütterte Caoileann schon ihre Hühner und der Rauch der morgentlichen Kochfeuer mischte sich mit dem Geruch von feuchter Erde und frischen Mist. Der Himmel war klar, und alles glänzte feuchte von Morgentau.

    "Rórdán - hast du einen Moment für mich?", riß ihn eine Stimme aus seinen Gedanken. Er drehte den Kopf um Grainne zu sehen, die Besitzerin der Dorftaverne. Innerlich seufzend - Bran würde ohnehin schon angefangen haben, er war Frühaufsteher - blieb er stehen und wandte sich ihr zu: "Ja, was gibt's denn?"

    Grainne stellte den Korb, den sie getragen hatte neben sich. Abermals seufzte er innerlich - es würde wohl ein längerer Moment werden.

    "Naja...", begann sie vorsichtig. "Es ist wegen dir und Siofra."

    Rórdáns Augen verengten sich ärgerlich. Wegen Siorfa... Was zum Henker ging Grainne irgendetwas an, was mit Siofra und ihm zu tun hatte? Nicht genug daß Siofra damals beschlossen hatte einen Mann zu heiraten der sie nachher schlug und das Geld der Familie versoff statt Rórdán der sie auf Händen getragen hätte, sondern sie hatte es auch für nötig gefunden die Freundschaft die zwischen ihnen noch geblieben war letzten Winter aufzukündigen als Rórdán seine Beziehung zu Clíodhna begonnen hatte. Als ob er damit irgend einen Verrat an Siofra begangen hätte! Und nicht genug damit - Siofra beendete Dinge nicht einfach friedlich, sondern sie hatte ein Talent dafür, Worte richtig verletzend zu machen. In aller Öffentlichkeit.

    "Was ist mit Siofra?", antwortete er schließlich, bemüht seinen Ärger nicht zu zeigen.

    Grainne zuckte hilflos mit den Schultern. "Besteht die Möglichkeit, daß ihr euch bald wieder versöhnt?", fragte sie direkt.

    Rórdán starrte sie an. Das war doch nicht ihr Ernst! "Ist Siofra bereit sich zu entschuldigen?", schnappte er zurück.

    Grainne verzog das Gesicht. "Du kennst sie, Rórdán. Sowas bringt sie nicht so einfach über die Lippen. Aber es tut ihr leid was sie dir an den Kopf geworfen hat, da bin ich mir sicher. Es ist nur... Du hast ihr um diese Jahreszeit sonst immer geholfen - Brennholz gemacht, ihr bei den Zäunen für die Ziege geholfen. So daß sie immer genug Zeit hatte sich rechtzeitig um Wintervorräte zu kümmern. Und jetzt - jetzt wächst ihr alles über den Kopf. Es geht ihr nicht gut, gar nicht. Kannst du nicht über deinen Schatten springen und den ersten Schitt machen? Ich weiß es tut ihr leid."

    Rórdán nahm einen tiefen Atemzug um sich zu beruhigen. Und mit einem Mal sah er klar vor sich, was hier geschah. Für so lange Zeit war es für das Dorf bequem gewesen - ja, ihr Mann schlug sie, doch so lange Siofra darauf beharrte daß sie ausgerutscht war, brauchte sich niemand kümmern. Ja, er vertrank das wenige Geld das die Familie hatte, aber so lange Rórdán sich darum kümmerte daß vor dem Winter Brennholz und Vorräte da waren, brauchte sich niemand anders kümmern. Jeder konnte in Frieden wegsehen. Nur jetzt spielte er dummerweise nicht mehr mit...

    "Das meinst du nicht ernst, Grainne.", sagte er schließlich, ein Hauch von Ärger in seiner Stimme. "Siofra hat jede Verbindung zu mir abgebrochen - warum ist das jetzt mein Problem wenn sie nicht zurecht kommt? Dann soll sie halt jemanden anderen um Hilfe bitten! Oder, wenn du meinst daß sie Hilfe braucht, kannst du ihr auch helfen. Oder die Dorfältesten. oder sie schluckt einfach mal ihren verdammten Stolz runter und entschuldigt sich! Aber bei der Göttin - mein Problem ist es jetzt ganz sicher nicht!"

    Grainne seufzte. "Ich kann dich ja verstehen, Rórdán - aber kannst du wenigstens nochmal drüber nachdenken?"

    Er schnaubte, nickte aber trotzdem. "In Ordnung - aber versprich' dir nicht zu viel davon."

    Sie nickte knapp zum Abschied, murmelte einen Dank, hob ihren Korb dann wieder auf und setzte sich in Bewegung. Er schüttelte den Kopf. Nochmal drüber nachdenken - warum sollte Siofra nicht nochmal drüber nachdenken? Anscheinend war es so viel bequemer für jeden wenn er sich um jedes verdammte Problem in diesem verdammten Dorf kümmerte!

  • Thorsten


    Gefällt mir gut! Dass Rordan jetzt jeden Morgen erst zu spät los kommt, kann ich mir wunderbar vorstellen :D


    Und den inneren Konflikt, den er jetzt mit sich austragen muss wegen Siofra kam auch gut rüber... ich frage mich nur bei solchen Szenen, wo viel innerer Monolog stattfindet, wie man das schauspielerisch umsetzt, sodass der Zuschauer das Verhalten richtig einordnen kann.


    Beispiel: Rordan denkt an das missmutige Gesicht des Schmieds, weil er zu spät kommen wird und dann wird er auch noch angesprochen, weshalb er sich noch mehr verspäten wird. Sein genervtes Seufzen muss man entsprechend rüberbringen...(wobei das wahrscheinlich noch verhältnismäßig leicht ist, da er ja vorher entsprechend gehetzt sein wird)


    Oder seine Gedanken dazu, warum man ihn darum bittet, Siofra zu verzeihen und ihr auch weiterhin seine Unterstützung zuzusichern. Das finde ich noch schwieriger darzustellen... dass er denkt, das Dorf könne nun die Augen nicht mehr davor verschließen, was in echt abgeht. Na ja, wenn er dann in der nächsten Szene mit der Hexe seine Gedanken ausspricht, wäre das ja auch klar... aber das sind halt alles so Dinge, auf die man beim Schreiben sicher wenig achtet, was aber beim Filmen schon irgendwie eine Rolle spielt.


    Ich bin schon sehr gespannt, wie ihr das umsetzen werdet. :)

  • aber das sind halt alles so Dinge, auf die man beim Schreiben sicher wenig achtet, was aber beim Filmen schon irgendwie eine Rolle spielt


    Ja, dafuer ist dann aber auch das Drehbuch dazwischen - Katharina entscheidet da ob und wie wir sowas umsetzen, ich schreib' erst mal drauflos um die Situation zu setzen.


    Die ganzen inneren Monologe schaffen es immer nur teilweise in den Film, aber sie sind eine wichtige Referenz fuer die Schauspieler damit sie wissen aus welcher Stimmung heraus sie in einer Szene etwas sagen. Manches wird externalisiert und in einem anderen Gespraech gezeigt, anderes als Rueckblende gezeigt - wenn Dich das interessiert kann Dir Katharina sicher mal ein Drehbuch zu einer Folge schicken die wir schon fertig haben, und dann kannst Du mal vergleichen.

  • Rainbow

    Hier mal ein ganz gutes Beispiel (aus dem Trollschatz) wie ich innere Monologe ins Drehbuch einarbeite (gibt noch andere Möglichkeiten, aber hier ist mir das so ganz gut gelungen, finde ich):



    An der Stelle oben könnte ich mir vorstellen, dass Rórdán Gráinne noch ein bisschen anpflaumt und ihr einiges von dem, was ihm im Kopf rumgeht um die Ohren haut. Oder er könnte sich später bei irgendjemand anderem (z.B. Clíodhna) über die Sache beschweren - je nachdem wie die Geschichte weitergeht. Ein Teil des Innenlebens der Figuren bleibt halt immer verborgen, das ist der Vorzug eines Buches. Aber konkret mach ich mir hierüber erst Gedanken, wenn ich das Drehbuch schreibe und jetzt hab ich ja erst mal den Trollschatz vor mir :)

  • Hey Thorsten, nun hast du mich aus dem Winterschlaf geweckt :)

    Schön, dass es weiter geht! Da bin ich neugierig!



    nochmal zu zeigen wie es eigentlich ist, eine Hexe zu sein.

    Das finde ich auch interessant.



    Imbolc

    Was ist nochmal das? Kann mich nicht erinnern, es schon mal gelesen zu haben



    Die Einleitung finde ich sehr hübsch. Wir erfahren etwas über das Zusammenleben von Rordan und Cliodhna und er bringt sie dazu, etwas aus ihrer Vergangenheit zu erzählen. Die Idee mit dem "Ruf" gefällt mir - wenn man alte Berichte von Nonnen liest, kommt diese Empfindung, sie sei "gerufen" worden, auch häufig vor.

    Auch die Gaben an die Hexe kommen mir vor wie alte Gesten aus der Vergangenheit - ich glaube, als es noch keine Kirchensteuer gab, haben die Schäfchen der Gemeinde dem Pfarrer wohl auch Gaben gebracht, damit er versorgt ist.

    Es ist eine hübsche und stimmungsvolle Einleitung.


    Wo ich schon mal dabei bin, habe ich das nächste Stück auch schon gelesen.

    Aha, jetzt kommt hier also mal etwas Licht ins Dunkel über die frühere Beziehung zwischen Siofra und Rordan, die ja im vorherigen Teil schon angedeutet wurde.

    Siofra scheint ja recht impulsiv zu sein und nicht zimperlich beim Austeilen, gleichzeitig aber mimosig im Einstecken. Sie hat sich also damals für ihren jetzigen Ehemann entschieden und gegen Rordan, scheint das inzwischen mächtig zu bereuen, wird das aber niemals zugeben.

    Und Rordan, der sich ja offenbar schnell verantwortlich fühlt für Dinge im Dorf, die nicht so laufen wie sie sollten, wird wohl gezwungen werden oder sich selbst gezwungen fühlen, Siofra zu helfen, auch wenn die Beziehung zwischen ihnen mittlerweile ganz vermurkst ist.

    Ich muss sagen, dass ich sehr gerne Geschichten lese, die unterschwellig voller Emotionen sind und mir gefällt es auch, die Verflechtung der vielen sehr unterschiedlichen Beziehungen im Dorf kennenzulernen.

    Damit hast du wieder in sehr kurzer Zeit Spannung erzeugt und neugierig gemacht darauf, was wohl weiter passiert.

    Rordan hat ja nun deutlich gemacht, dass Siofra sich zuerst bei ihm entschuldigen soll und so wie ich sie einschätze, bringt sie das nicht über sich. Mal sehen, wie du das Dilemma löst?


    Katharina

    Sehr interessant, deine Gegenüberstellung von Textvorlage und Drehbuch. Während in der Textvorlage die Monologe dominieren, die du schlecht filmen kannst, gibt es im Drehbuch mehr Dialoge und einen gesprochenen Monolog. Wie Siofra da wo wütend vor sich hin motzt, klingt es sogar sehr echt und kann einen vergessen lassen, dass du sie einfach ihre Gedanken laut aussprechen lässt, damit der Zuschauer sie nachvollziehen kann. Aber so vor sich hin zu schimpfen hat wohl jeder schon mal gemacht, weshalb du das wirklich gut eingefangen hast.

    :)

  • Kirisha

    Imbolc ist das Fest des ersten Lichts (ist übrigens Ende dieser Woche :-) ), auch nachzulesen auf Wikipedia - Imbolg.


    Schön, dass dir die Drehbuchadaption gefällt. Dass man inneren Monolog einfach veräußerlicht geht natürlich nur, wenn wir eine sehr emotionsgeladene Stimmung haben und der Charakter sehr impulsiv ist. Rórdán z.B. würde ich sowas nicht machen lassen, denn das passt nicht zu ihm. Siofra aber ist schnell aufgeladen und kommt hier auch gerade aus einer Diskussion mit ihrer Tochter (von denen sie wohl auch viele hat). Der Charakter ist zugegebenermaßen durch meine Schwester inspiriert (die die Rolle ja auch interpretiert), die überschwänglich von etwas schwärmen, aber genauso total aus der Haut fahren kann - da weiß man immer, was gerade in ihr vorgeht :D Mitte Februar kommt sie übrigens zu Besuch, da werden wir diese Szene dann drehen. Dann können wir euch also auch gleich zeigen, wie das schauspielerisch und filmisch umgesetzt wird.


    Ein bisschen OT - zurück zum Thema :rolleyes:

  • Rordan hat ja nun deutlich gemacht, dass Siofra sich zuerst bei ihm entschuldigen soll und so wie ich sie einschätze, bringt sie das nicht über sich. Mal sehen, wie du das Dilemma löst?

    Sei nicht enttaeuscht, aber die ganzen Sachen zwischen Rordan und Siofra ist einer von den Nebenhandlungsstraengen die sich so durch alle Folgen durchziehen - das entwickelt sich deswegen sehr langsam.


    Man sieht die beiden zusammen in Folge 2, dann erzaehlt Rordan Cliodhna von der Frau die er heiraten wollte aber die lieber einen anderen genommen hat in Folge 3 (auch wenn kein Name genannt wird), es ist kein Zufall wessen Stimme und Gestalt Rordan in Folge 4 sieht als er von den Feen auf abwegen gefuehrt wird, in Folge 5 sieht man ihn in ihrem Haushalt aushelfen als die Krankheit zuschlaegt (und die Geschichte dazu ist ausfuehrlicher als der Film dann geworden ist), in Folge 6 wird man eine Rueckblende zu sehen bekommen,... und im Trollschatz fetzen sie sich dann.


    Das Thema ist dann irgendwie - das Dorf mag ja klein sein, aber es gehen trotzdem ganz viele Dramen und emotionale Verwirrungen ab:)

  • Kommen wir nun zum eigentlichen Drama dieser Folge :)



    Die Vögel waren vor kurzem erst zurück ins Tal gekommen - den Winter über war der Wald um das Hexenhaus herum still, fast nur Krähen und Raben waren zu hören, aber jetzt, gerade zur Abenddämmerung, konnte man den Gesang von dutzenden verschiendenen Singvögeln vernehmen. Clíodhna liebte diese Jahreszeit, in der das Grün wiederkam, Licht den Wald durchflutete, das Wasser in den Bächen gurgelte und der Wald nach frischer Erde duftete. Und sie liebte es, am Abend vor der Hütte zu sitzen, das letzte Licht der Sonne hinter den noch schneebedeckten Bergen verschwinden zu sehen, sich gegen die Kühle der Nacht in eine Decke zu wickeln und dabei noch einen heißen Tee zu trinken.

    Am liebsten mit Rórdán zusammen. Auch wenn er diesen Abend verschlossen wirkte. Er versuchte es zu verbergen, aber sie kannte ihn jetzt schon lange genug um die Zeichen deuten zu können. Er starrte grübelnd in den Wald, aber die kleine ärgerliche Falte auf seiner Stirn verriet, daß er nicht nur nachdenklich war.

    "Was gibt es neues aus dem Dorf?". unterbrach sie sein Brüten.

    Er stellte seine Teetasse ab. "Nicht viel denke ich - die meisten sind damit beschäftigt, die Beltainefeier vorzubereiten. Man sagt, daß Tighearnán diesmal kein Faß Bier spenden will - angeblich weil das letzte Jahr für das Dorf so karg war - aber ich denke er ist immer noch ärgerlich wegen der Sache mit den Feldern."

    Clíodhna lachte leise. "Wie geht es Líadan und Bregon denn dieser Tage?", fragte sie, froh, daß Rórdán auf andere Gedanken zu kommen schien.

    "Bregon ist viel damit beschäftigt die Äcker für die Aussaat vorzubereiten", erzählte Rórdán. "Sie haben irgendein Geschäft mit Ailbhe gemacht, die letzten Tage waren sie dann mit dem Pferdegespann am pflügen. Und seine Frau gewöhnt sich allmählich an das Baby - ich glaube die erste Zeit war sehr anstrengend, aber inzwischen schaut sie wieder wacher aus, und lacht auch das eine oder andere Mal."

    "Beltaine rückt näher - man merkt es immer deutlicher.", meinte Clíodhna mit einem leisen Lächeln. "An so vielen kleinen Dingen. Caoimhe wird sich vermutlich bald hier einfinden um Dinge zu besprechen die ich für Beltaine vorbereiten soll... Oder jedenfalls ist bisher immer sie für den Zirkel gekommen."

    Sie konnte förmlich dabei zusehen wie Rórdán den Mund öffnete um zu antworten, dann aber versteifte und sich seine Augen verengten als ihm eine Erkenntnis dämmerte. "Dinge wie... wer diese Jahr Beltainekönig sein wird?", fragte er langsam. Innerlich schalt sie sich - nicht daß sie nicht schon vor einiger Zeit geahnt hatte daß das Thema zwischen ihnen aufkommen würde. Statt dessen mußte sie auf diese Weise hineinstolpern ohne sich die richtigen Worte zurechtlegen zu können.

    "Naja, wer auch immer er ist, er wird sich nur über die symbolische Form des Rituals freuen können.", sagte Rórdán schließlich in das unangenehm werdende Schweigen hinein - sein Tonfall war leicht und scherzhaft, aber sie konnte die Anspannung darunter ahnen.

    "Das kann ich dir nicht versprechen...", begann Clíodhna langsam.

    "Was soll das heißen?", fragte er scharf zurück.

    Die Hexe holte tief Luft. "Rórdán, ich bin nicht nur die Frau mit der du zusammenlebst, sondern ich bin auch die Dorfhexe. Und im Beltaineritual verkörpere ich die Göttin selbst. Und ich kann Dir als Hexe keine Versprechen geben - ich kann die Göttin nicht an ein Wort binden das ich dir gebe - egal wie sehr du dir das wünschst. Verstehst du?"

    Rórdán schüttelte den Kopf. "Nein.", sagte er kurz angebunden. "Verstehe ich nicht. Das Ritual symbolish durchzuführen ist genauso gültig wie die andere Art, oder? Fionnula hat das jahrelang so gemacht."

    Clíodhna seufzte. "Ja, aber..."

    "Und das ist alles wonach ich frage, Clíodhna. Nicht daß du aufhörst Dorfhexe zu sein - sondern daß du das Ritual symbolisch durchführst - wie es genauso gültig ist." Er machte eine hilflose Bewegung, und fuhr dann fort: "Und ich habe keine Ahnung, was ich darüber denken soll daß das jetzt ein großes Problem ist."

    "Ich habe dir mehr als einmal gesagt, daß es für dich nicht einfach sein wird mit einer Hexe zusammenzuleben!", entgegnete sie zornig. "Sag' nicht du hättest nichts davon gewußt. Wenn du mir schon nicht zuhören willst, dann akzeptiere wenigstens daß ich eine Hexe bin!"

    Rórdán erhob sich und schlug ärgerlich auf das Holz der Hexenhütte. "Das wollte ich auch - aber das war, bevor mir klar war daß diese Hexe ohne zweimal drüber nachzudenken mit einem anderen Mann ins Bett steigen will!"

    "Ist es das was du hier hörst?", fauchte Clíodhna zurück. "Denn alles was ich hier von dir höre ist, daß du eigentlich keine Ahnung haben möchtest was es bedeutet Hexe zu sein, sondern daß du mich hier am liebsten anbinden würdest - aber wach auf - diese Hexe hier wird keine Ketten akzeptieren! Nicht von dir, und nicht von irgendjemandem sonst."

    "So ein Schwachsinn - von Ketten redet doch keiner!", rief er zornig. "Es geht um eine einfache Bitte wie du dieses Ritual durchführst - ein kleines Ding. Genauso gültig. Aber nicht einmal das kannst du mir anscheinend geben!"

    "Nein Rórdán - kann ich nicht! Und wenn es dir nicht paßt, daß ich eine Hexe bin, dann geh' und such' dir eine andere!"

    Die Worte taten ihr leid kaum daß sie ihr aus dem Mund gefahren waren, aber das war noch nichts gegen das Gefühl, Rórdáns Rücken zu sehen und seine Schritte im Wald verhallen zu hören.

    Für einen langen Moment starrte sie in die Dämmerung, fühlte die plötzliche Leere neben sich, in sich, um sie herum. Hatte sie die falschen Worte benutzt? Hätte er verstehen können wenn sie die Dinge nur richtig erklärt hätte? Oder war es so bestimmt daß sie nicht zusammenpassten?

  • Oh wow - das ist ja ein echter Schlag ins Gesicht.

    Dieser Abschnitt gefällt mir sehr gut. Und zwar gerade deshalb, weil die Motivation und Gedanken beider Charaktere klar rüberkommen und man sie beide nachvollziehen kann.

    Rordan denkt in den uns bekannten Normen und so würde wohl jeder argumentieren, der in einer Beziehung ist. Cliodhna scheint einen ganz anderen Hintergrund zu haben und von völlig uns fremden Voraussetzungen auszugehen - das ist interessant. Darüber würde ich auch gerne noch mehr hören.

    Tja, kein Wunder, dass es da erstmal funken musste.


    "Bregon ist viel damit beschäftigt die Äcker für die Aussaat vorzubereiten", erzählte Rórdán.


    Aber die Geschichte mit Siofra behält er dann doch für sich.




    Innerlich schalt sie sich - nicht daß sie nicht schon vor einiger Zeit geahnt hatte daß das Thema zwischen ihnen aufkommen würde. Statt dessen mußte sie auf diese Weise hineinstolpern ohne sich die richtigen Worte zurechtlegen zu können.


    Diese Szene kann ich mir gut vorstellen. Wie werdet ihr das filmen? Vermutlich gibt es da eine sehr lange Pause zwischen den beiden und in der Pause baut sich mächtig Spannung auf. Denn Rordan stellt ja eine Frage, die sie nicht beantwortet, weshalb er dann, nachdem er lange genug auf die Antwort gewartet hat, nach einer Weile seine eigene Frage einfach selbst beantwortet.

    Gefällt mir!


    Und im Beltaineritual verkörpere ich die Göttin selbst. Und ich kann Dir als Hexe keine Versprechen geben - ich kann die Göttin nicht an ein Wort binden das ich dir gebe

    Das ist eine kurze und sehr gut verständliche Erklärung, die gleichzeitig zum Staunen bringt.

    Sie verkörpert die Göttin - eine mysteriöse Vorstellung.


    Rordan versucht anschliessend, diese Erklärung zurechtzubiegen, um sie für sein Weltverständnis passend zu machen, was ihm aber nicht gelingt - tja, und jetzt steht ein Problem zwischen ihnen.


    Eine faszinierende Szene und sehr mitreissend!

  • Hatte sie die falschen Worte benutzt?

    Ach was ... :rofl:


    Es ist geil, diese Szene als Außenstehender zu verfolgen, da man selbst ja nicht emotional drin steckt. Aber man sieht schön, wie sich der Konflikt hochschaukelt, bis er schließlich eskaliert, was in meinen Augen fast unausweichlich war. Beide vetreten halt komplett unterschiedliche Standpunkte, wobei jeder für sich nachvollziehbar ist.


    Aber das ist natürlich für Rórdán schon krass. Wenn die dieses Fest jedes Jahr feiern, heißt das dann im Endergebnis, dass die Hexe irgendwann mit allen Männern im Dorf geschlafen haben wird???? Oder habe ich da jetzt irgendwas missverstanden?


    Ich glaube, das würde mich ebenfalls sehr schockieren, wenn mein Mann mir mit einem lässigen Schulterzucken erklären würde, dass es laut seiner Tätigkeitsbeschreibung in der Firma nun zu seinen Aufgaben gehören würde einmal im Jahr mit einer auserwählten Kollegin/Mitarbeiterin die Nacht zu verbingen ... aber gut. Er ist ja auch kein Hexer. Dann sähe die Welt schon wieder ganz anders aus :D


    Dieses "Drama" gefällt mir auf jeden Fall. Das bringt einen an den Punkt zu überlegen, wie man selbst damit umgehen würde...bin schon gespannt, wie sie das lösen werden.

  • Kirisha  Rainbow


    Schoen dass euch der Abschnitt so gut gefaellt - er ist doch recht zentral fuer die Geschichte:) Ich muss sagen, ich finde es ziemlich schwer sowas zu schreiben (ich habe die letzten 20 Jahre meines Lebens damit zugebracht zu lernen selber vernuenftiger und ueberlegter zu werden um genau solche Konversationen zu vermeiden) - da das richtige Mass zu finden was glaubhaft erscheint und den Leser mitgehen laesst auch wenn er schon sieht dass das nicht gut enden wird ist schon... trickreich Deshalb hatte auch Katharina hier die Finger mit drin, wir haben vorgestern eine ganze Weile ueber die Szene diskutiert.


    Aber die Geschichte mit Siofra behält er dann doch für sich.


    Ja, er ist ja da noch angefressen von (ein Grund warum das nachher so entgleitet) und mag das noch nicht bei Cliodhna abladen.

    Aber das ist natürlich für Rórdán schon krass. Wenn die dieses Fest jedes Jahr feiern, heißt das dann im Endergebnis, dass die Hexe irgendwann mit allen Männern im Dorf geschlafen haben wird????

    Theoretisch ja.


    Praktisch koennen viele (alle?) dieser Rituale ja symbolisch ablaufen - Cliodhna besteht nicht darauf dass die alle konkret werden muessen, sondern nur darauf dass sie sich nicht festlegen kann. Ich denke es wuerde auf den Moment ankommen - wie die Stimmung im Moment des Rituals ist, was sich entwickelt, was die Goettin verlangt.


    Die Idee dahinter ist, dass es bei dieser Art von Ritual um was gehen muss - wenn es etwa ein Initiationsritual ist wo der Kandidat eine existenzielle Erfahrung machen soll, dann kann das Ritual nicht 'sicher' fuer ihn sein. Und wenn das Ritual Fruchtbarkeit symbolisieren soll, dann kann man nicht von vornherein Sex ausschliessen.


    Ich glaube, das würde mich ebenfalls sehr schockieren, wenn mein Mann mir mit einem lässigen Schulterzucken erklären würde, dass es laut seiner Tätigkeitsbeschreibung in der Firma nun zu seinen Aufgaben gehören würde einmal im Jahr mit einer auserwählten Kollegin/Mitarbeiterin die Nacht zu verbingen ... aber gut.


    Fuer Rordan ist es ein bisschen weniger krass, weil er ja aus der Kultur kommt, und Beltaine kennt. in Folge 6 wird viel zwischen den Zeilen gesagt - Caoimhe sagt den Kindern zum Beispiel dass bei Beltaine viele Regeln ausser Kraft sind - was die auf das lange Aufbleiben beziehen, aber was tatsaechlich ausser Kraft ist, sind die Treueansprueche unter Verheirateten.


    Zu Beltaine kann sich wer immer will fuer eine Nacht als Paar zusammenfinden und es ist legal (ob es gutes Benehmen ist wenn einer oder beide mit jemand anderem verheiratet ist ist eine andere Frage...). Es wird ja auch erwaehnt dass Rordan sich lange Hoffnungen auf Siofra gemacht hat (obwohl die da schon verheiratet war...) - weiss er also im Prinzip schon.


    Aber die Eifersucht geht ja deswegen trotzdem nicht weg - und nachdem er nicht mit Cliodhna verheiratet ist (kann sie als Hexe nicht...) ist er entsprechend unsicher.


    Dieses "Drama" gefällt mir auf jeden Fall. Das bringt einen an den Punkt zu überlegen, wie man selbst damit umgehen würde...bin schon gespannt, wie sie das lösen werden

    Ja, da wirst Du auf Deine Kosten kommen :) Da werden wir noch mehr ueber den Zwiespalt zwischen Hexe sein und in einer Beziehung stecken lesen (was Cliodhna da mit Rordan macht ist fuer eine Hexe nicht verboten - aber eher ungewoehnlich, weil Komplikationen...)

  • Nur ein kurzer Abschnitt - wir kaempfen grade an verschiedenen Fronten mit der Praesentation von Teil 6 und dem bald beginnenden Dreh von Teil 7, und mir fehlt ein bisschen die Musse zum Schreiben :)



    Morgensonne fiel durch den Wald, brach in leuchtenden Bahnen durch das Blätterdach, begann dort den Morgennebel zu vertreiben und glitzerte auf den Tautropfen, mit denen die Nacht die Sträucher und Farne geschmückt hatte. Die Vögel hatten schon lange ihren Gesang begonnen, und jetzt wo es langsam wärmer wurde, war auch das Summen der ersten Insekten zu hören.

    Ein lautes Platschen, gefolgt von einem kurzen Fluch, ließ die Vögel für einen Moment verstummen, doch sie ließen sich nicht lange davon abhalten, den klaren Morgen weiter jubilierend zu begrüßen.

    Rórdán starrte für einen Moment seinen nassen Stiefel an, aber dann zuckte er die Schultern, rückte das Bündel auf seiner Schulter zurecht und setzte seinen Weg durch den Wald fort, wobei ihm der Speer in seiner Hand als Wanderstab Dienste tat.

    Meister Bran würde um diese Zeit die Schmiede anfeuern... und entdecken, daß sein Gehilfe nicht zu finden war. Rórdán schnaubte kurz. Sollte er doch jemand anderen fragen der ihm mit dem Blasebalg helfen konnte... Mehr als sein halbes Leben hatte Rórdán in der Schmiede des Dorfes verbracht, aber hatte Bran jemals daran gedacht ihn formell zum Lehrling zu machen? So daß er eines Tages von anderen Schmieden in der Stadt anerkannt werden konnte - oder daß er irgendwann die Dorfschmiede übernehmen konnte? Nein - dieser Platz war einem Neffen von Bran zugedacht, der im Süden lebte und das Tal alle paar Jahre im Sommer mal besuchte wenn die Pässe angenehm zu bereisen waren. Rórdán hingegen war gut genug, um sich um die alltägliche Arbeit zu kümmern - den Blasebalg bedienen, die Werkstücke abschleifen, Holzkohle beschaffen... Nicht daß er nicht schmieden konnte - Bran hatte ihm schon das eine oder andere beigebracht.

    Wieder schnaubte er ärgerlich und nahm die Schönheit des morgendlichen Waldes nur am Rande wahr.

    Es war genau wie mit Siofra - er war als ihr Freund gut genug wenn ihr die Arbeit über den Kopf wuchs, aber jahrelang hatte sie es nicht über sich bringen können ihn wirklich in ihr Vertrauen zu ziehen. Und als er begonnen hatte die Nächte mit Clíodhna zu verbringen...

    Ärgerlich hieb er mit seinem Speer auf einen unschuldigen Busch ein.

    Clíodhna...

    Am liebsten hätte er die Hexe vergessen, aber jedes Mal wenn er seine Augen schloß sah er sie vor sich, ihren eindringlichen Blick der geradewegs auf den Grund seiner Seele zu blicken schien. Ein drittes Mal schnaubte er - es sah ihm ähnlich, das erste Mal daß er einer Frau wirklich Vertrauen schenkte, von ihr enttäuscht zu werden.

    Sollte das verdammte Dorf doch einfach mal ohne ihn klar kommen! Energisch schritt er aus und überquerte mit einem Sprung einen der unzähligen Wasserläufe die den Talboden durchzogen. Ein paar Tage auf der Jagd, am oberen Ende des Tals, weg von allem was ihm im Kopf herumspukte, würden ihm gut tun. Zumindest um seinen Kopf wieder frei zu bekommen.

  • Vielleicht sollte ich nicht jeden Kommentar mit "wow" beginnen, aber dieser Text trifft wieder genau meinen Geschmack. Es ist von allem was drin (Landschaft, Gefühle, Beschreibung von HIntergrund, Voranschreiten der Handlung, Vorwärtstreiben der Spannung), er ist nicht überladen und nimmt mich voll mit.


    Mehr als sein halbes Leben hatte Rórdán in der Schmiede des Dorfes verbracht, aber hatte Bran jemals daran gedacht ihn formell zum Lehrling zu machen? So daß er eines Tages von anderen Schmieden in der Stadt anerkannt werden konnte - oder daß er irgendwann die Dorfschmiede übernehmen konnte? Nein - dieser Platz war einem Neffen von Bran zugedacht, der im Süden lebte


    Das ist typisch und hat mich an eine Freundin erinnert, die ein ganzes Jahr als Praktikantin halb umsonst in einem Reisebüro gearbeitet hat, es hiess, nach einem Jahr bekommt sie dann dort eine Lehrstelle - aber nö, die bekam dann doch jemand anders. Ich könnte noch eine ganze Reihe anderer solcher Beispiele bringen, auch zum Thema, dass Vitamin B immer hilfreich ist. I

    Daher fand ich diese Passage sehr treffend. Nebenbei beschreibst du auch noch, was Rordan da konkret eigentlich macht, was ich auch wieder interessant fand, da ich es mir ganz anders vorgestellt hatte. Gefällt mir!


    Sollte das verdammte Dorf doch einfach mal ohne ihn klar kommen!

    Auch das kann ich sehr gut nachvollziehen. Nachdem er sich quasi von allen ausgenutzt und enttäuscht fühlt, die ihm etwas bedeuten, der Schmied, Siofra und nun auch Cliodhna, nimmt er sich eine Auszeit.

    Gut!

    Aber wie werdet ihr das filmen? Das meiste sind hier ja Gedanken. Vielleicht macht ihr das in Form von Rückblenden in die Schmiede und zu Siofra und zuletzt auch nochmal zu Cliodhna?


    Ich bin gespannt, wie es nun weitergeht und wann der "Rabe", nach dem dieser Teil benannt ist, in Erscheinung tritt. Ein Rabe scheint ja zunächst recht unspektakulär zu sein. Vielleicht wird Cliodhna einen treffen - bis jetzt kann ich mir noch nicht vorstellen, was da noch passieren könnte.

  • Jep, gefällt mir auch! :thumbsup: Obwohl ich Kirisha recht geben muss...das sind alles ausschließlich seine Gedanken. Aber die Idee mit den Rückblicken finde ich gut...und Stimmen in seinem Kopf die seine Erinnerungen spiegeln...Ja, das könnte ganz cool werden.


    Diese Szene macht Rhordan so herrlich sympathisch. Ich zumindest kann mich gerade sehr gut in ihn hineinfühlen und auch seine Reaktion finde ich angemessen. Bin schon gespannt, was passiert, wenn er dem Dorf und vor allem Clíodhna für ein paar Tage den Rücken kehrt. Ob er sich überhaupt bei wem abgemeldet hat? :hmm: Wär bestimmt ganz schön arschig, einfach so von der Bildfläche zu verschwinden. Der Schmied zumindest scheint schon mal nicht zu wissen, wo er steckt... wird man sich keine Sorgen um ihn machen, wenn er einfach verschwindet? Sicher hat er Clíodhna eine Nachricht hinterlassen, oder?


    Bin auch schon gespannt, was es mit dem Raben auf sich haben wird :gamer:

  • Macht euch mal keine Gedanken wie wir das verfilmen - das kann Katharina sich dann ueberlegen:D


    Ob er sich überhaupt bei wem abgemeldet hat?

    Nee, hat er nicht. Aber Cliodhna ist eine Hexe, die hat schon ihre Moeglichkeiten...


    . Ich könnte noch eine ganze Reihe anderer solcher Beispiele bringen, auch zum Thema, dass Vitamin B immer hilfreich ist.

    Schoen dass es keinem aufgefallen ist, aber tatsaechlich ist er hier ein bisschen... unfair. Wegen Selbstmitleid und so - man sieht die Szene halt durch seine Augen, aber in Teil 5 haben wir erfahren dass Bran ihn als Kind aufgenommen hat nachdem seine Familie am Reiffieber gestorben ist - ohne dafuer irgendwas zu bekommen. Und (etwas subtiler angedeutet) - Rordan interessiert das Schmieden auch nicht so wirklich - man sieht ihn eigentlich die meiste Zeit dabei, was anderes zu machen, zu jagen, zu fischen, er ist mit Bradach unterwegs gewesen und kennt das Tal,... insofern sieht die Sache aus Bran's Perspektive schon ein bisschen anders aus:D

  • Was Rórdán wohl gerade machte?

    Es war drei Tage her seit er aufgebrochen war, und in diesen drei Tagen war die Leere die plötzlich in ihrem Leben aufgetaucht war nur gewachsen. Ein paar Monde nur hatte er in ihrer Hütte gewohnt - davor hatte sie Jahre lang alleine gelebt. Wie konnte es sein, daß sie ihn jetzt schon so vermißte?

    Aber da waren alle die Kleinigkeiten in ihrer Hütte... Die Felljacke die er ihr gemacht hatte, damit sie im Winter nicht mehr auf ihren 'lächerlich dünnen Umhang aus dem Süden' angewiesen war. Seine Tasse, die eines Tages wie selbstverständlich bei ihrem Geschirr gestanden war. Der Kleiderhaken, den er angebracht hatte um einen Platz für seinen Mantel zu finden. Zu viele Kleinigkeiten die sie an ihn erinnerte... Was er jetzt wohl gerade machte?

    "Ehrwürdige Mutter?"

    Clíodhna schrak aus ihren Gedanken und blickte in Caoimhe's besorgtes Gesicht. "Ist alles in Ordnung?", fragte die andere Frau.

    Die Hexe nickte hastig. "Ja... Ja, alles ist in Ordnung." Eine unangenehme Pause entstand, und sie fügte hinzu: "Ich habe nur nachgedacht."

    So weit war es also schon mit ihr gekommen - Frauen des Zirkels - die Dorfbewohnerinnen die bei den Festen des Jahreskreises der Hexe halfen - waren gekommen um die Vorbereitung des Beltainefests zu bereden - und die Hexe verlor sich in Tagträumen über ihren abwesenden Geliebten. Kein Wunder daß Hexen normalerweise alleine lebten.

    "Es wird alles stattfinden wie im letzten Jahr.", antwortete sie schließlich. "Ihr bringt den Beltainekönig an die Waldlichtung, und ich werde ihn dort erwarten. Und das Ritual wird zwischen der Göttin und ihm stattfinden." Aber nichts würde sein wie letztes Jahr... "Und das ist alles.", setzte sie hinzu.

    Die drei Frauen vor ihr nickten und verließen dann die Lichtung vor dem Hexenhaus. Nur Grainne drehte sich zögernd um bevor sie den Weg zum Dorf einschlug.

    "Ist noch etwas?", fragte Clíodhna.

    Die Grainne fuhr sich müde durch ihr Gesicht. "Ich weiß nicht genau ob es etwas ist.", begann sie zweifelnd. "Vielleicht ist es nichts... Aber der Freund meines Schankmädchens Damhnait - Caolán... Er hilft ihr manchmal beim Aufräumen in der Taverne. Gestern Nacht war er auch da - aber er war irgendwie..." Sie rang nach Worten: "Abwesend. Nicht richtig von dieser Welt. Als hätte er sich ins Feenreich verirrt vielleicht."

    Clíodhna sah sie scharf an. "Ins Feenreich?"

    Grainne machte eine hilflose Geste. "Ich weiß nicht wie ich's anders beschreiben soll - er war kaum ansprechbar, und es war etwas... wildes an ihm."

    Die Hexe nickte gedankenverloren - was die Besitzerin der Dorftaverne da beschrieb klang wie Feenzauber. "Ein schüchterner Junge, ein bisschen schlaksig - arbeitet bei Ailbhe auf dem Hof, oder?"

    Die andere Frau nickte.

    "Ich werde ihn mir ansehen - es ist eigentlich nicht die Zeit wo die Grenzen zum Feenreich dünn werden, aber manchmal passieren Dinge die nicht hätten passieren sollen.", beschloß die Hexe.

  • Das Feenreich! Klingt spannend. Es scheint eine Welt neben der realen Welt zu sein?

    Vielleicht könntest du das Verhalten von Caolon (o je, diese Namen sind manchmal wirklich schwer zu merken) noch etwas deutlicher erklären. "abwesend" und "wild" scheint mir noch nicht deutlich genug, um gleich auf eine Verbindung zu einer Märchenwelt zu schließen. Ich meine, sie sollte da schon etwas mehr beobachtet haben, was von der Norm abweicht? Das wäre ja auch für den Zuschauer interessant.


    Cliodhnas Trauer hast du sehr schön beschrieben, wie sie durch lauter kleine Dinge an Rordan erinnert wird. Das kann ich gut nachfühlen.

  • Schoen dass es keinem aufgefallen ist, aber tatsaechlich ist er hier ein bisschen... unfair. Wegen Selbstmitleid und so - man sieht die Szene halt durch seine Augen, aber in Teil 5 haben wir erfahren dass Bran ihn als Kind aufgenommen hat nachdem seine Familie am Reiffieber gestorben ist - ohne dafuer irgendwas zu bekommen. Und (etwas subtiler angedeutet) - Rordan interessiert das Schmieden auch nicht so wirklich - man sieht ihn eigentlich die meiste Zeit dabei, was anderes zu machen, zu jagen, zu fischen, er ist mit Bradach unterwegs gewesen


    Jetzt, wo du es sagst, fällt es mir auch wieder ein, dass ich manchmal am Anfang der Geschichte etwas verwundert war darüber, dass Rordan seine Arbeit als Schmiedegehilfe so wenig ernst nimmt und andere Aufgaben mehr prioritiert. Das war schon auffällig. Auch habe ich mich am Anfang gefragt, wieso er "Gehilfe" ist und nicht z.B. Lehrling oder Geselle. Das heisst, seine Stellung und seine Motivation bezüglich der Schmiedekunst insgesamt war doch etwas unklar. Ich habe mir dann am Anfang gedacht, dass er vielleicht hauptsächlich so etwas wie der Dorfsheriff ist, der sich zuständig fühlt zu überwachen, ob im Dorf alles okay ist oder er irgendwo eingreifen muss.

    Das ist aber vermutlich auch nicht so, sondern es liegt wohl einfach in seinem Charakter, sich verantwortlich zu fühlen. Jedenfalls würde ich es schon interessant finden zu erfahren, welche Ziele und Vorstellungen Rordan hat bezüglich seines beruflichen Lebens. In dem neuen Text klingt es ja so, als wollte er gerne das Schmiedehandwerk lernen und das wäre ja auch plausibel., weil er damit schon so vertraut ist. Oder hängt er da eher in der Luft, weil er keine Möglichkeit hat, etwas anderes zu machen oder zu lernen, das ihm lieber wäre? Interessanter Aspekt, weil das aufzeigt, wie es in so einer historischen Gesellschaft mal zuging.