Der Lich König

  • Hallo zusammen,


    hier der Anfang der Geschichte, die ich in meinem Willkommensthread schon angekündigt habe (die Sache mit dem Spiel und dem Nekromanten).

    Es ist meine erste Geschichte in dieser Größe und auch wenn ich weiß, wo die Reise hingehen soll (ich habe schon das komplette Ende im Kopf und die meisten Ereignisse bis dahin), weiß ich noch nicht so genau, wie ich sie präsentieren werde. Vielleicht kommen mir noch ein paar Ideen im Austausch mich euch und euren Kommentaren. :)



    Und nun (hoffentlich) viel Spaß beim Lesen:


    Tag 1

    (1. Teil)


    Ein dumpfes Knacken ertönte, während die scharfe Axt ein Holzstück in zwei Teile zerlegte. Beide Hälften vielen seitlich vom Baumstumpf zum Boden herab. Zügig wurde ein neues Stück vom nahe stehenden Stapel in Position gebracht und wieder zog die Axt durch die Luft und halbierte das Holz. Schon seit Stunden tat Samuel nichts anderes. Die Eintönigkeit seiner Handlung war es allerdings nicht, die ihm zu schaffen machte. Vielmehr war es die Sonne, die in ihrem Zenit stand und so dem Jungen besonders einheizte. Die lange Kutte, die er trug, war dabei auch nicht gerade ideal. „Wenn ich doch nur dieses verdammte Ding nicht tragen müsste“, schwirrte es ihm immer wieder in seinen Gedanken umher. Die Antwort blieb nach jedem Gedanken die gleiche, „Solange die ganzen Narben und Verletzungen noch nicht verheilt sind, hab ich keine andere Wahl. Mutter will nicht, dass mich jemand aus der Stadt so sieht.“ Leichtes Unwohlsein machte sich in Samuel breit, hatte er das gerade wirklich laut ausgesprochen? Hatte er das Wort Mutter dabei auch noch mitfühlend betont? Sie war es doch, die all das geschehen lies, ja selbst so wollte. Nein, mitfühlend war hier niemand, Mutter war nur ein leeres Wort, das lediglich für den Verwandtschaftsgrad stand, mehr auch nicht. Noch eine andere Frage beschäftigte ihn, „Warum dauert das denn dieses mal nur solange? Sonst verheilt doch auch alles innerhalb weniger Tage, oft sogar in nur einer Nacht?“. Wieder knackte ein Holzscheit in zwei Hälften.


    „Eh du Missgeburt, beeil dich mal! Wenn du weiter so lahmst, wirst du heute Abend wieder ausgepeitscht. Ach wobei...“ Hämisches Lachen ertönte hinter Samuel und im selben Moment stieß Eldon die Halterung des Wagens um, auf dem die schon fertig gespaltenen Holzscheite ordentlich aufgebahrt waren. Der Wagen setzte sich daraufhin in Bewegung und sauste einen kleinen Abhang hinunter. Samuel konnte nicht mehr reagieren, ernüchtert musste er mit ansehen, wie dieser unten gegen einen Baum donnerte, sich dabei überschlug und die ganze Ladung großflächig verteilte. Diese Art von Schikanen war Samuel schon lange von seinem Bruder gewohnt. Bruder... Wieder so ein inhaltsleeres Wort. Mit eher krampfhaft gelassener Stimme antwortete er auf Eldons Tat, „Na Bruder“, das letzte Wort betonte er besonders trocken, „schon alle Aufgaben für heute erledigt oder hast du mir noch etwas aufgehoben?“. Mit seinem linken Arm strich er sich über die Stirn, um den Schweiß von dieser zu wischen. Wäre Samuel nicht schon so sehr erschöpft und müsste er keine heftige Strafe dafür befürchten, würde er Eldon am liebsten anschnauzten, ihm beleidigende Wörter an den Kopf werfen, doch so war ein einfaches Zähneknirschen das einzige, was von ihm zu vernehmen war.


    Schon oft folgten Bestrafungen auch für nur kleinere Sachen, sich zu fügen hieß Schmerzen zu vermeiden, so viel hatte Samuel schon gelernt. Noch dazu verheilten seine Wunden in letzter Zeit nicht mehr so schnell wie noch letztes Jahr. Da waren alle Spuren der Drangsalierung nach einem Tag wieder verschwunden und er hatte sich mehr widersetzt. Aber jetzt dauerte es Wochen und eben solange blieb der Schmerz. „Ha für so ein Drecksding wie dich hab ich immer was und nenn' mich nicht Bruder, du verdammte Ratte!“, mit diesen Worten riss Eldon Samuel aus seinen Gedanken. Ja Brüder waren sie wirklich, aber Samuel nannte ihn ausschließlich aus Trotz so. „Erstmal sammelst du das Holz wieder auf und bringst es in die Scheune. Beeil dich dabei, sonst muss ich Vater sagen, dass du tollpatschig warst.“ Mit einem gehässigen Lächeln stand Eldon fast kerzengerade vor Samuel, beide Hände waren in seine Seite gestemmt. Wie ein König, der selbst nicht arbeiten musste und liebend gern eben jene Arbeit an andere verteilte, sah er auf Samuel herab. Nicht weil dieser kleiner war, Samuel war sogar ein wenig größer als sein Bruder, doch mit dem stechenden Schmerz im Rücken fühlte er sich im Augenblick nicht in der Lage, sich gerade aufzurichten. „Danach musst du noch das Feld umgraben, es wird Zeit, dass wir die Kartoffeln sähen. Beeil dich also gefälligst, vorher bekommst du auch kein Essen und wenn du damit nicht bis zum Sonnenuntergang fertig wirst, erhältst du noch eine deftige Tracht Prügel vom Vater“, mit diesen Worten drehte sich Eldon weg und ging zur nahe gelegenen Scheune.


    „Dieser Idiot“, dachte sich Samuel, „Für Kartoffeln ist es zu spät, es ist doch schon Mitte August. Außerdem wachsen die schon auf dem Feld hinter der Scheune. Was der meint, ist der Salat, nur dieser wird jetzt noch rechtzeitig fertig“. Die nächsten Minuten verbrachte er damit, die restlichen Holzstücke zu hacken. Mit jedem Axthieb durchzog ihn ein Schmerz im Rücken. Die Striemen der Peitschenhiebe von vor zwei Tagen waren immer noch deutlich zu erkennen. Das letzte Stück Holz fiel in zwei Hälften zerteilt herab und erschöpft sah Samuel zum Wagen hinunter. „Hoffentlich ist der ganz geblieben, es wird so schon knapp, die Aufgaben noch rechtzeitig zu erledigen“, sagte er müde zu sich selbst und befürchtete zeitgleich die Strafe, die dann auf ihn warten würde. Wenn er doch nur wüsste, wie er seine Fähigkeiten einsetzen könnte, sie würden ihm die Arbeit um einiges erleichtern. Nein! Besser noch, er könnte sie nutzen, um sich zu verteidigen. Allerdings war er dazu nicht in der Lage, manchmal passierte etwas, er wusste nicht wie und warum und um ehrlich zu sein, bisher machte es immer alles noch komplizierter. Seine magischen Fähigkeiten waren ja schließlich der Grund, warum ihn seine eigene Familie wie einen Abtrünnigen behandelte.



    Soweit zum Einstieg und nun warte ich schon ganz gespannt darauf, was ihr dazu sagt. :)

  • Ein dumpfes Knacken ertönte, während die scharfe Axt ein Holzstück in zwei Teile zerlegte.

    Hm. Ich weiß nicht. So ganz zündet der ertse Abschnitt bei mir noch nicht. Aber gut, wr befinden uns ja auch ncoh am Anfang der Geschichte.


    Zuerst musste ich bei dem Namen natürlich an World of Warcraft denken :P Aber recht schnell wurde mir klar, dass das hier keine FF ist.


    Ich glaube, das was mich so stört ist der Bruder. :hmm: Du scheinst am Ende zwar einen Grund dafür zu teasern, WARUM er so behandelt wird, aber momentan schätze ich den Bruder so ein, dass er auch so handeln würde, wenn Samuel ganz normal wäre. Ich glaube das liegt an der Art und Weise WIE sein Bruder ihn schikaniert. Nun nehme ich mal an, dass die Geschichte nicht nur vom Bruder handelt und werde das erst mal so stehen lassen, ohne mich davon abschrecken zu lassen :D


    Was ich interessant finde, ist die seelische Verfassung Samuels. Auch wenn er sich selbst und dem Leser versucht zu erzählen, wie leer diese Worte (Mutter und BRuder) für ihn klingen/sind, so hatte er "Mutter" doch mitfühlend betont. Das weißt auf ein gestörtes Verhältnis hin, besonders, wenn diese auch noch für seine Qualen verantwortlich ist (oder sie geschehen lässt.) Ich bin also gespannt, wie du damit umgehst.

  • Hallo Etiam ,


    danke für deinen Kommentar. Ja der Anfang war schwierig für mich. Im Kopf klingt es noch so einfach und dann betrachte ich die ersten paar Zeilen und denke mir nur so, dass es im Kopf irgendwie besser klang. :D


    Jaja World of Warcraft :rolleyes:

    Kannte den Begriff aus so vielen Spielen und Geschichten und siehe da auf Wikipedia, scheinbar kennen andere den hauptsächlich daraus (insbesondere vermutlich durch den Titel: Wrath of the Lich King).

    Möglicherweise werde ich den Titel noch anpassen, falls mir was besseres einfällt. :)


    Ich glaube, das was mich so stört ist der Bruder. :hmm: Du scheinst am Ende zwar einen Grund dafür zu teasern, WARUM er so behandelt wird, aber momentan schätze ich den Bruder so ein, dass er auch so handeln würde, wenn Samuel ganz normal wäre.

    Dieser Bruder..., sagen wir mal so, er ist schon kein netter Mensch und vermutlich hast du recht, aber dadurch, dass Samuel nun mal ist, was er ist, hat Eldon eine Art Freibrief dafür, von seinen Eltern und von der ganzen Gesellschaft an sich.

    Nun nehme ich mal an, dass die Geschichte nicht nur vom Bruder handelt und werde das erst mal so stehen lassen, ohne mich davon abschrecken zu lassen

    Wird sie schon bald nicht mehr, aber vermutlich werden dir die nächsten Absätze nicht gefallen. :|

    Was ich interessant finde, ist die seelische Verfassung Samuels.

    Das ist auch der schwierigste Teil, versuche mich da einzufühlen und es halbwegs authentisch rüber zubringen.

  • Charon Ich habe mir jetzt mal den Einstieg gegönnt und muss sagen, diese Geschichte hier macht Lust auf mehr.

    Ein dumpfes Knacken ertönte, während die scharfe Axt ein Holzstück in zwei Teile zerlegte.

    Ich finde diesen Einstieg sehr gelungen. Eine stumpfe Arbeit an einem "stumpfen" Tag - in einem alles anderen als herrlichen Leben. Nicht immer muss es spannend sein, gerade der Beginn muss zur Geschichte passen und daher finde ich hier, dass es wunderbar den Schauplatz wiedergibt.


    Unser Samuel hat es ganz eindeutig nicht leicht. Drückende Hitze, eine undankbare Arbeit - und dann auch so ein, verzeih mir den Ausdruck, Ar***gesicht von Bruder. Meine Güte, Eldon ist ja mal die Pest. Die Mutter scheint ja auch nicht gerade die wärmste Seele zu sein.


    Mutter war nur ein leeres Wort, das lediglich für den Verwandtschaftsgrad stand, mehr auch nicht.

    Da liegt defintiv mehr im Argen, als nur ein unschönes Verhältnis zum Bruder. Ich muss zugeben, dass es hier rasch "zu viel" Leid und Elend sein kann. Wenn ein Leser das Gefühl hat, dass es zu dramatisch wird, verliert er den Glauben an die Geschichte - und du damit den Leser. Märchen kommen mit einer geballten Ladung an "böser Stiefmutter und bösen Stiefschwestern" durch, alle anderen Genre müssen sehr vorsichtig vorgehen. Was bei Harry Potter noch zog, weil es für Kinder geschrieben wurde, geht fast überall sonst ins Auge.


    Natürlich, die Hauptfigur muss leiden. WIr Leser wollen was zum Mitfühlen haben. Spannung. Wir wollen keine heile Welt, sondern es müssen dem Helden Steine in den Weg gelegt werden. Große Steine - die aber niemals zu einer Bergkette werden dürfen.


    „Solange die ganzen Narben und Verletzungen noch nicht verheilt sind, hab ich keine andere Wahl. Mutter will nicht, dass mich jemand aus der Stadt so sieht.“


    Show - don't tell. Ich weiß, ich weiß. Diese "Regel" hängt jedem Schreiberling zum Hals raus, aber ich hätte es spannender und berührender gefunden, wenn du die Verletzungen nicht so nebenbei erwähnt hättest in einem Gedankengang, sondern sie der Leser gesehen hätte. Sich seinen Teil dazu selbst hätte denken können. Es hätte einen größeren "WOW!"- Effekt - und würde einen mehr treffen. So nehme ich diese Aussage über die Wunden recht gleichgültig zur Kenntnis.


    Vielmehr war es die Sonne, die in ihrem Zenit stand und so dem Jungen besonders einheizte

    Diesen Satz habe ich mir zum Schluss aufgehoben, weil ich ihn so toll fand :)


    Schöne Sprache, die in einen wirklich wunderbaren Satz fließt. Es ist eine geschickte Mischung aus poetischer Sprache - mit einem Hauch fetziger Umgangsprache. Vor allem das "einheizte" macht klar, wie verdammt ätzend diese Arbeit unter der brennend heißen Sonne sein muss.


    Freu mich auf mehr. Sehr viel mehr :grinstare:


    Herzliche Grüße

  • Hallo N. Kalinina ,


    erst mal vielen Dank für deine lieben Worte. :)


    Ich muss zugeben, dass es hier rasch "zu viel" Leid und Elend sein kann. Wenn ein Leser das Gefühl hat, dass es zu dramatisch wird, verliert er den Glauben an die Geschichte - und du damit den Leser.

    Ja da gebe ich dir Recht und es ist nicht gerade leicht, den schmalen Grad zu gehen. Daher hoffe ich bei den kommenden Absätzen auch auf Feedback, ich selbst kann es schwer einschätzen, was zu viel ist und was nicht. Noch dazu habe ich wohl auch eine leicht sadistisch angehauchte Art zu schreiben und neige zur Übertreibung. :rolleyes:

    Meine "Inspiration" hole ich aber aus Berichten aus dem echten Leben und da ist es manchmal sehr erstaunlich, was es wirklich alles gibt und man fragt sich oft, warum Menschen so etwas mit sich machen lassen, aber es passiert wirklich...

    Show - don't tell. Ich weiß, ich weiß. Diese "Regel" hängt jedem Schreiberling zum Hals raus

    Ja dieses Mantra, meiner Meinung nach manchmal zu oft angemerkt, aber an dieser Stelle hast du eindeutig recht. Das habe ich viel zu nüchtern abgehandelt. Da werde ich mich mal noch dransetzen und die Stelle überarbeiten.

  • (2. Teil)


    „Ha! Glück gehabt!“, sprach Samuel sichtlich erleichtert, „Der Wagen hat zwar etwas gelitten, aber er sieht noch funktionstüchtig aus“. Er machte sich gleich daran, die einzelnen Holzscheite einzusammeln, bis ihn ein leises Miauen unterbrach. „Hey Ruku! Na komm schon her, ich bin allein“, rief er in die Richtung des großen Baums. Eine junge Katze mit schwarzem Fell und weißen Pfötchen reckte sich langsam aus dem hohen Gras hervor, bevor sie eilig zu Samuel lief. „Na du, ist dir auch nichts passiert?“, ein lautes Miau beantwortete seine Frage. „Mir geht es auch gut, naja was auch immer gut bedeutet.“ Samuel hatte immer das Gefühl, dass Ruku ihn verstehen konnte und umgekehrt. Zwar sprachen beide nicht dieselbe Sprache, aber irgendwie wussten sie genau, wovon der andere sprach, vielleicht war das auch eine seiner Fähigkeiten oder es lag einfach schlicht daran, dass Ruku sein einziger Freund war. „Achtung, pass auf, nicht so wild, sonst stolper ich noch über dich. Na komm her und lass dich streicheln.“ Sichtlich lächelnd setzte sich Samuel neben Ruku auf den Boden, der ihm daraufhin direkt in den Schoß sprang, um der Aufforderung, sich streicheln zu lassen, nachzukommen. „Ja, das gefällt dir was?“, ein sanftes Schnurren war die Antwort. „Ach weißt du, es tut gerade richtig gut, hier mit dir im Schatten zu sitzen und die Pause zum Auszuruhen zu nutzen.“ So vergingen wenige Minuten, in denen eine angenehme Brise aufkam und die blonden Haare des Jungen durchzog.


    „Ey du! Was machst du da? Hör auf zu faulenzen und beeil dich mal, das Feld wartet noch“, rief ihm unverhofft Eldon von weitem zu. „Los schnell, versteck dich!“, mit einer hastigen Bewegung schob Samuel Ruku beiseite. „Irgendwann wird alles anders sein, dann wirst du mich nicht mehr wie einen Sklaven behandeln können“, dachte sich Samuel. Er legte sich die Riemen des Wagens um und zog ihn in Richtung der Scheune. „Los mach schon, Mutter sagt, das Feld muss noch heute fertig werden, morgen wird angebaut.“ Ohne Samuel auch nur eines Blickes zu würdigen fütterte er die Hühner, die sich in der Scheune aufhielten. Offenbar schikanierte er nicht nur Samuel, denn erst lockte er die Tiere mit ein paar Körnern an, um direkt danach den Rest des Futters vor die Scheune zu werfen, wohl wissend, dass sich Hühner als Fluchttiere nicht so einfach ins freie Waagen. „Ausgemessen und abgesteckt habe ich es schon, weiß gar nicht, warum Mutter so sehr darauf besteht, dass ich das mache. So eine Drecksarbeit ist doch eher was dich.“ Ganz ohne Kommentar konnte Samuel das nicht stehen lassen, „Sie will halt, dass du noch was lernst, aber...“. „Aber was?“, unterbrach ihn Eldon scharf, „Pass ja auch was du sagst. Vater hat es schon einmal versucht, wenn damals nicht diese komische Sache dabei passiert wäre, dann gäbe es dich jetzt mehr. Mach nur weiter so, dann überrede ich ihn dazu, es noch einmal zu versuchen. Und jetzt zisch ab!“


    Der schöne Moment von eben verflog und Samuel wurde ganz flau im Magen, er versuchte sich zu erinnern, aber viel war nicht mehr vorhanden. Doch die eine Sache wird er nie vergessen. Sein eigener Vater hatte versucht ihn umzubringen, um das Scheusal, wie er Samuel dabei nannte, aus der Welt zu schaffen. Der Augenblick, in dem Vaters Hände um seinen Hals fassten und immer stärker zudrückten, hat sich so tief in seine Erinnerung gefressen. Der krampfhafte Versuch, sich zu währen, das Zucken des Körpers nach Luft. Interessant, wie viel Kraft es doch braucht und wie lange es dauert, bis sich der rasende Puls verlangsamt und der Wille des Überlebens schwindet. Was danach geschah, weiß Samuel nicht mehr so genau, es war verblasst. Offenbar hatte er wieder seine Fähigkeiten eingesetzt, irgendwie hatte er den Angriff dadurch überlebt. Ganz schwach hängt ihm noch ein Bild einer dunklen Nebelwolke in den Gedanken, die sich um ihn herum auftat und seinen Vater wie durch eine schützende Aura fernhielt. Wenn er doch nur wüsste, wie er das geschafft hatte, seine Familie hat seit diesem Tag an so etwas wie Respekt vor ihm. Zumindest vielen die Strafen deutlich milder aus und waren auch gleichzeitig weniger geworden. Aber wollte er diese Fähigkeiten überhaupt verwenden? Sie schienen einen erheblichen Nachteil zu haben, alles tierische Leben war verschwunden. Alle Nutztiere in den Ställen waren tot, Vögel lagen überall auf dem Hof regungslos am Boden. Das allein war noch nicht alles, viele von ihnen sahen so aus, als ob sie schlagartig um viele Jahre gealtert waren. Von einer handvoll waren nur noch die Skelette übrig.


    Bevor Eldon ernst machen konnte, schnappte sich Samuel einen Spaten und lief zum Feld. „Hmm ich glaube der Idiot hat sich vermessen, nicht mal das bekommt er hin“, sagte Samuel zu sich selbst, als er die Markierungen betrachtete. Die Sonne senkte sich und schon bald würde es dunkel werden. „Letzter Spatenstich, hätte nicht gedacht, dass ich das noch rechtzeitig schaffe. Manchmal ist meine Robustheit Fluch und Segen, Segen, da ich heute dann vielleicht doch nicht bestraft werde, Fluch, weil sie es immer von mir erwarten...“ „Was hast du angestellt, das ganze Feld ist schief angelegt und überhaupt, es ist viel zu klein“, wütete seine Mutter, die unerwartet hinter ihm stand. „Ich habe nur meine Arbeit gemacht und umgegraben. Für das Ausmessen und Anlegen war Eldon zuständig“, verteidigte sich Samuel. „Sei still, du gehst jetzt sofort rein“, befahl sie ihm und zeigte drohend mit dem Finger zum Haus. Ohne weitere Widerworte tat Samuel, wie ihm befohlen. Vermutlich hatte er sich zu früh gefreut.


    Im Haus warteten schon sein Vater und Eldon. „Geh zur Seite“, schimpfte seine Mutter hinter ihm. „Was ist los, warum bist du so aufgebracht“, fragte der Vater. „Ach das Feld ist noch nicht fertig und vollkommen falsch angelegt, viel zu klein. Es muss doch morgen bestellt werden“, Enttäuschung klang in ihrer Stimme mit und sie ging zur Kochstelle herüber, auf der ein Topf mit Suppe vor sich hin köchelte. „Ich war nicht dafür verantwortlich, das war Eldons Aufgabe“, versuchte sich Samuel abermals zu verteidigen. Eldon prustete sich gleich daraufhin auf, „Gib mir nicht die Schuld, ich habe alles richtig gemacht. Ich habe das Feld so abgemessen wie du es mir gezeigt hast Mutter.“ „Aber es ist gerade mal halb so groß, wie es sein sollte“, seufzte sie. „Dann muss er das verändert haben“, Eldon zeigte mit dem Finger auf Samuel, „Ich bin doch nicht so dumm, mich so sehr zu vermessen“. „Das habe ich nicht! Es war...“ „Schweig still, willst du etwa behaupten, dass mein Sohn lügt?“, unterbrach ihn sein Vater. „Wage es ja nicht! Du gehst jetzt wieder raus und wartest in der Scheune auf mich.“ Mit entsetztem Blick sah Samuel hilfesuchend zu seiner Mutter. Eine Träne zog ihr übers Gesicht, aber sonst stand sie nur regungslos da. Ob sie wirklich Mitleid mit ihm für das gleich kommende hatte oder ob es ihr wirklich egal war, konnte Samuel nicht ausmachen. Wortlos gehorchte er und verließ, ebenfalls den Tränen nahe, das Haus.


    Samuel schrie laut auf, als ihn mit einem lauten Knall die Peitsche traf. Sein Vater war in die Scheune gekommen, hatte ihm befohlen die Kutte abzunehmen, so dass er nackt, nur noch mit einer Unterhose bekleidet, dastand. Dann wurde er wie immer mit dem Gesicht zur Wand an den Handgelenken angekettet. Wieder ertönte ein lauter Knall, ebenfalls wieder gefolgt von einem schmerzerfüllten Schrei. Weitere Striemen gesellten sich zu den bereits vorhanden auf Samuels Rücken. Noch ein Schlag traf ihn hart. Blut rann über seinen Rücken und vermischte sich mit seinem Schweiß. Er konnte nicht ausmachen, ob es von alten Wunden kam, die wieder aufplatzen oder ob die Peitschenhiebe schon neue geschaffen hatten. Noch ein Donnern durchzog die warme Luft. Samuel sackte zusammen, aber auch das erwies sich als besonders schmerzhaft. Er war noch immer angekettet und hing nun wie ein Sack in den Ketten, die Arme nach oben gerissen, da ihn seine Beine nicht mehr trugen. Sein Vater kam näher, packte ihn am Kopf und zog ihn nach oben. Hilflos und überraschend ängstlich erklang seine Stimme, „Warum kannst du nicht einfach ein normaler Mensch sein, warum bist du dieses Scheusal?“. Ohne eine Antwort zu erwarten, packte er fester zu und sprach stotternd weiter, „Wieso? Wieso haben wir das verdient? Was haben wir getan, um so bestraft zu werden?“. Samuel hatte schon lange keine Kraft mehr, um zu schreien. Sofern er noch bei Bewusstsein war, schrie er nur innerlich, doch schon bald würde er auch dafür zu schwach sein. Seine Sinne verließen ihn, er schloss die Augen und verlor jegliches Gefühl für das, was mit ihm passierte.

  • Charon Es geht weiter - und das auch knüppelhart.


    Was ein furchtbares Leben - harte Arbeit, Einsamkeit und anstatt Zuwendung regnet es Verachtung, Spott und Gewalt. Samuels Familie ist (vorsichtig ausgedrückt) ein Sauhaufen - und darf gerne zur Hölle fahren.


    „Ha! Glück gehabt!“, sprach Samuel sichtlich erleichtert, „Der Wagen hat zwar etwas gelitten, aber er sieht noch funktionstüchtig aus“.

    Samuel spricht sehr viel mit sich selbst. Ich fand das zuerst verwirrend, aber finde nun, dass es doch durchaus passend ist. Durch die ewigen Selbstgespräche wird Samuels Einsamkeit verdeutlicht. Er hat ja sonst niemanden - außer die Katze.


    „Na du, ist dir auch nichts passiert?“, ein lautes Miau beantwortete seine Frage.

    Hier wird genau diese einzige Freundschaft schmerzhaft deutlich. Schöne Szene, da hier die Verbitterung schön in Szene gesetzt wird. Ich würde aber den nachfolgenden Satz "Ein lautes Miau" groß schreiben. Der vorherige Satz, Samuels Frage, endet ja mit einem Fragezeichen ohne Beisatz - und ist in sich abgeschlossen.


    Samuel hatte immer das Gefühl, dass Ruku ihn verstehen konnte und umgekehrt.

    Auch hier wieder wird schön verdeutlicht, dass Samuel nur Ruku hat. Traurig, aber berührend.


    „Pass ja auch was du sagst. Vater hat es schon einmal versucht, wenn damals nicht diese komische Sache dabei passiert wäre, dann gäbe es dich jetzt mehr. Mach nur weiter so, dann überrede ich ihn dazu, es noch einmal zu versuchen. Und jetzt zisch ab!“

    Was ein widerlicher Burder. Den soll der Blitz doch beim Kacken treffen! Aber der Satz macht mir etwas Mühe. Könnte man ihn vielleicht etwas kürzen, so, dass der erwähnte Mord des Vaters am eigenen Sohn stärker zur Geltung kommt? Meine Idee: "Pass auf, was du sagst. Vater hat schon einmal versucht, dich loszuwerden. Ohne diese komische Sache gäbe es dich nicht mehr. Mach nur weiter so, dann versucht er es sicher erneut..."


    Ich als Leser will natürlich gleich wissen, was diese "komische Sache" ist.


    „Geh zur Seite“, schimpfte seine Mutter hinter ihm. „Was ist los, warum bist du so aufgebracht“, fragte der Vater. „Ach das Feld ist noch nicht fertig und vollkommen falsch angelegt, viel zu klein. Es muss doch morgen bestellt werden“

    Du verwendest sehr viel wörtliche Rede - und könntest da ruhig auch mal das ein oder andere "sagte" und "fragte" weglassen. "Geh zur Seite", schimpfte seine Mutter ist flüssig und passt hier auch wunderbar, aber "Was ist los, warum bist du so aufgebracht", fragte der Vater würde ich hier abändern. Nutze lieber ein Fragezeichen, um die Frage zu verdeutlichen - und streich das "fragte".


    Ich freu mich auf mehr. Vor allem, da ich hoffe, dass das Karma diese Familie einholt - und dieser furchtbare Vater seine Rechnung für alles bekommt.


    Herzliche Grüße :thumbup:

  • Jaja World of Warcraft :rolleyes:

    Kannte den Begriff aus so vielen Spielen und Geschichten und siehe da auf Wikipedia, scheinbar kennen andere den hauptsächlich daraus (insbesondere vermutlich durch den Titel: Wrath of the Lich King).

    Möglicherweise werde ich den Titel noch anpassen, falls mir was besseres einfällt.

    Das sollte keine Kritik sein :D Von mir aus, kann der TItel gerne so bleiben ^^ Nur da die Geschichte von WoW zu einer meiner lieblingsgeschichten gehört, war ja klar, dass ich direkt daran denken musste xD Und der Lichking spielt eine ziemlich große Rolle darin.

    Aber ansonsten ... Chris Metzen hat das Wesen "Lich" ja nicht erfunden ^^ Und von dem Titel "König" hab ich auch mal was gehört :P


    Wird sie schon bald nicht mehr, aber vermutlich werden dir die nächsten Absätze nicht gefallen.

    Das werden wir sehen :D

    Du kannst aber beruhigt sein. Meist gebe ich einer Geschichte schon etwas Zeit um sich zu presentieren.


    Das ist auch der schwierigste Teil, versuche mich da einzufühlen und es halbwegs authentisch rüber zubringen.

    Jap, sowas ist immer schwierig. Aber wenn es denn funktioniert, finde ich sowas imer sehr stark.


    „Ha! Glück gehabt!“, sprach Samuel sichtlich erleichtert,

    So, ich bin mir sicher, dass die Katze vielleicht später noch eine Rolle spielen könnte :hmm:


    Wir erfahren auch ein bisschen über die Kräfte von Samuel und wie sie sich auf die Umwelt auswirken. Interessant fände ich seine Gedanken dazu. Und ob er weiß, was er ist. Oder ob ihm das selbst ein Rätsel ist. Oder generell, wie er dazu steht. Aber vieleicht kommt das ja noch.


    Indes stellt die Mutter noch ein Rätsel da, die ich von seiner Familie noch am spannendsten finde.


    btw. kannst du Gedankengänge auch kursiv schreiben. Und nicht in Anführungszeichen. Ich finde das liest sich besser.

  • Leider komme ich gerade arbeitsbedingt nicht wirklich zum Schreiben, daher wird es noch einen Moment dauern.

    Aber ich wollte mal noch auf eure Kommentare antworten:



  • Heute ist doch ein passender Tag, um die Geschichte fortzuführen. :) Beim nachfolgendem Absatz bin ich mir noch nicht sicher, ob er schon an dieser Stelle kommen soll oder doch ein Kapitel später. Da das aber nicht so dramatisch ist und ich ihn eben schon fertig habe, präsentiere ich ihn euch auch eben jetzt.



    Tag 94'900

    [Das Erwachen]


    „Ahh mein Kopf!“ Das leidvolle Stöhnen der noch im Dunklen verborgenen Gestalt ertönte durch den Raum. Stickig und kühl wirkte die Luft, die Wände waren gepflastert mit orangeroten Ziegelsteinen. Schmal war der Gang und das flackernde Licht einzelner Fackeln erhellte nur wenige Stellen. Wo bin ich hier, was ist passiert? Langsam und mit unsicherem Schritt trat die Gestalt in den Fackelschein und bereute dies umgehend. Ein schriller Schrei dröhnte direkt darauf durch die Luft, während das Skelett ungläubig seine knochigen Hände betrachtete. „Was ist mit mir? Das kann nicht sein! Nein!“, sprach es mit weinerlicher Stimme zu sich selbst. Den eigenen Zustand nicht akzeptierend, schlug es sich selbst, machte dabei mehrere Schritte durch den Raum, wobei die ebenfalls knochigen Füße mit jedem Schritt ein Klacken von sich gaben.


    Nur wenige Momente vergingen und die leeren Augen gewöhnten sich an die Dunkelheit. Das Skelett erkannte nun, dass es eben aus einem hölzernen Sarg gestiegen war, der in einer kleinen Auslassung in der Wand stand. Fassungslos sackte die Gestalt zu Boden und weinte, doch keine einzige Träne rann dabei über das Gesicht. Der Sarg war von oben her aufgebrochen und abgebrochene Holzteile lagen direkt davor auf dem Boden verteilt. Er war nicht der einzige Sarg im Raum, zwei weitere lagerten in anderen Auslassungen, waren aber beide unversehrt. Den staubigen Boden durchzog ein Spur, die zu erkennen gab, dass erst vor kurzem jemand hier gewesen sein musste. Die undeutliche Spur kam vom anderen Ende des Raumes und lief bis zum Skelett. Durch das wilde Umhertreten war der Staub im Bereich um es herum durcheinander gewirbelt. Hinter dem Skelett waren zwei Spuren zu erkennen. Eine schien zur fremden Person zu gehören, die zum Sarg führte, die andere ließ sich eindeutig den klackenden Füßen zuordnen.


    Ein Kratzen an der Wand holte die unheimliche Gestalt aus ihrer Trauer. Ängstlich sah sie sich um, doch konnte den Ursprung des Geräuschs nicht ausmachen. Unsicher stand das Skelett wieder auf. Am Ende des Raumes erkannte es einen Tisch in einer Ecke stehen, auf dem vier brennende Kerzen standen und lief mühsam zu ihm herüber. Drei Kerzen standen auf der linken hinteren Seite des Tisches, die Vierte stand in der Mitte. Mit einem Finger strich das Skelett über die Wachsspur, die von den drei Kerzen zur vierten führte. Sie war fest, aber noch warm. Die dafür verantwortliche Person musste sich also noch wenige Minuten zuvor im Raum aufgehalten haben. Neben der vierten Kerze lag eine handschriftliche Notiz. Vermutlich benötigte die fremde Person mehr Licht, um sie lesen zu können oder um sie schreiben zu können? Die Gestalt war sich unsicher. Sie griff nach dem Zettel, versuchte aber gleichzeitig den Blick von den eigenen Händen abzuwenden. Zwei Absätze standen auf der Notiz, die wie eine Seite eines Tagebuchs wirkte.


    15. des vollen Mondes

    Schon seit Tagen habe ich dieses Gefühl, aber ich konnte es bisher nicht greifen. Doch jetzt habe ich es gesehen! Die Schatten, sie bewegen sich. Bei Samuel, es ist soweit, die Toten scheinen sich zu widersetzen. Es beginnt, worauf ich solange schon gewartet habe. Erste Spuren im Staub sind der Hinweis. Ich habe ihren Grabtempel schon vor einem Jahrzehnt ausfindig machen können. Er ist nachlässig geworden, nach all den Jahren und das ist meine Chance.


    19. des vollen Mondes

    Ich stehe nun in ihrer Kammer, das Ritual ist vorbereitet. Es war nicht ganz einfach, die Schatten sind hier besonders aktiv und fast hätten sie mich erwischt. Vermutlich ruhen hier einige der Ersten und ihr Bann zerfällt bereits. Ich muss mich beeilen. Das Ritual wird mir einiges an Kraft abverlangen, aber es muss sein. Die Geschehnisse in der Welt sind die Folgen meiner vergangenen Taten und meine Strafe ist der ewige Fluch. Einmal nur werde ich das richtige tun...


    „Samuel“, sprach die Gestalt leise zu sich selbst. Irgendetwas in ihrem Kopf meinte, dass ihr dieser Name etwas sagen musste, doch jegliche Erinnerung fehlte. Nur ein stechender Schmerz, der den Schädel zu spalten drohte, war vorhanden. „Samuel“, wiederholte sie, aber da war nur das Gefühl, diesen Namen nicht zum ersten Mal vernommen zu haben. Abermals unterbrach ein kratzendes Geräusch das Skelett in seiner Einsamkeit. Erschrocken zuckte es auf und sah nach rechts, in die Richtung, aus der das Geräusch kam. Eine massive Holztür mit eisernen Scharnieren kreuzte den Blick. Es war der einzige Weg aus dieser Kammer. Doch wollte die Gestalt da raus? Was wäre, wenn sie einfach hier bliebe, würde der Alptraum dann einfach wieder enden? Noch unschlüssig stand sie da, aber die Neugier wuchs sowie das Verlangen danach, zu erfahren, wer sie war. Schließlich schritt das Skelett entschlossen zur Tür. Erst vorsichtig und dann mit aller Kraft stemmte es sich gegen eben jene massive Tür, doch sie wollte sich nicht öffnen lassen. Da erkannten die hohlen Augen im dunklen der Ecke eine Vorrichtung, einen Hebel und das Skelett zog an ihm. Der Hebel klackte in eine andere Position und mit einem knacken setzte sich die massive Tür in Bewegung.

  • Ich weiß, lange ist es her, aber jetzt habe ich endlich wieder Zeit, um an meiner Geschichte weiterzuarbeiten und hier kommt ein neues Kapitel. ^^

    Etiam ich habe mal das mit den Gedanken in kursiv versucht, finde ich so auch besser, daher danke ich dir nochmal für die Idee.



    Tag 2

    [Teil 1]


    Eine kratzige Zunge leckte Samuel über das Gesicht. Die Sonne war schon vor Stunden aufgegangen und der entkräftete Junge erwachte nur widerwillig. „Ruku! Was machst du denn hier?“ Samuel lächelte seinem Freund zu, der die Frage wie gewohnt mit einem „Miau“ beantwortete. „Na komm her. Huch, du bist ja ganz schön groß und schwer geworden, das ist mir gestern gar nicht aufgefallen. Hmm. Weißt du, ich möchte dir Danke sagen! Danke, dass du auf mich aufgepasst hast.“ Er nahm Ruku auf den Arm und graulte ihn am hinteren Kopfansatz. Das war seine Lieblingsstelle, was Samuel daran merkte, dass er dann immer sofort mit einem sanften Schnurren begann. Dieses leichte Brummen schien wie Medizin für den Jungen zu sein, es tat ihm gut. So sorgte es immer wieder dafür, dass seine Schmerzen weniger wurden oder gar ganz nachließen. „Jetzt solltest du aber schnell wieder verschwinden, es ist nicht gut, wenn man uns hier zusammen findet.“ Ruku sah zu Samuel auf und beide sahen sich tief in die Augen. „Miau“, war erneut die Antwort und langsam löste sich Ruku von der Umarmung und sprang herab. Einen Moment sah er noch auf und nach einem Nicken von Samuel lief er aus der Scheune.


    Wenn ich doch noch mehr Freunde hätte wie Ruku oder wenigstens jemanden, der mich nur halb so gut versteht. Samuel sah sich um, neben ihm stand wie immer ein Eimer mit frischem Wasser und daneben lag ein Lappen zum Waschen. So genau wusste er nicht, wer ihm das immer brachte, aber vermutlich war es Mutter. Weder Vater noch Eldon würden so an ihn denken. Er nahm den Lappen, tunkte ihn in das Wasser und begann damit, sich zu waschen. Erst wischte er sich ein paar Mal übers Gesicht, danach wandte er sich dem Rücken zu. Zuvor überprüfte er aber, wie groß die Wunden dieses Mal waren. Zu seiner Überraschung waren aber keine auszumachen. Alles von letzter Nacht schien schon wieder im Begriff der Heilung zu sein. Endlich! Endlich dauert es mal nicht mehr solange, sprach Samuel erleichtert innerlich zu sich selbst. Ob das vielleicht etwas mit Ruku zu tun hatte, der offenbar die ganze Zeit über ihn gewacht hatte? Jedenfalls waren nur Kratzer und raue Stellen zu erfühlen. Das abgewaschene Blut war auch kein frisches mehr, sondern nur das eingetrocknete von letzter Nacht.


    Samuel nahm das Stück Brot, dass neben dem Eimer lag und biss beherzt zu stand dann auf und ging langsam zum Eingang der Scheune herüber, um nach draußen zu sehen. Die Sonne schien und der Himmel erstrahlte in einem hellen Blauton. Kaum eine Wolke stand da oben. Es würde wohl wieder ein warmer Tag werden. Eigentlich ganz angenehm, aber es könnte mal wieder Regnen, sonst vertrocknen bald die Obststräucher. Sein Blick strich über die Felder. Etwa 50 m links von der Scheune gab es eine Erhebung, auf der vereinzelt einige Bäume wuchsen, bevor 100 m weiter der Landornwald anfing. Dort fällte er regelmäßig die Bäume, die er zu Feuerholz verarbeitet. Die Erlaubnis dazu hatte seine Familie vom Dorfältesten und statt dafür eine Pacht zu bezahlen, erhielt der Dorfälteste im Gegenzug kostenfrei Güter vom Hof.


    Unterhalb der Erhebung stand ein alter Apfelbaum, gegen diesen ist gestern noch der Karren gedonnert, nachdem Eldon dessen Sicherung gelöst hatte. Samuel verzog das Gesicht, immer diese Schikanen, wann würde das nur aufhören? Er wandte den Blick wieder ab und sah nach rechts zum Wohngebäude. Es war aus graubraunen Ziegelsteinen gemauert. Ein Vorbau war angeschlossen, der aber fast genauso groß war, wie der Rest des Gebäudes. Dort lagerten alle Werkzeuge und Arbeitsmaschinen, die in der Scheune keinen Platz mehr fanden, da dort nun wieder die Hühner und drei Milchkühe untergebracht waren sowie ein Großteil der Ernte. Die Kühe waren verdammt teuer, nur nach und nach konnte seine Familie die Tiere nachkaufen. Zehn Kühe besaßen sie noch vor diesem einen Vorfall. Alle samt gestorben an einer schweren Krankheit, die im Winter über sie kam. Zumindest behaupte das Vater immer, wenn er danach gefragt wurde. Aber Samuel wusste genau, dass es seine Schuld war und es tat im Leid. Was auch immer passiert war, das hatte er nicht gewollt.


    In nicht allzu weiter Ferne sah Samuel einen Mann kommen. Schnell lief er in die Scheune zurück und zog sich seine dicke Kutte über. Zwar waren seine Verletzungen nicht mehr so erkennbar oder zumindest hätte man diese als normale Arbeitsverletzungen erklären können, soweit Samuel sie beim Waschen erfühlt hatte. Aber sicherheitshalber sollten die Leute nichts davon erfahren, es würde sonst nur wieder zu einer weiteren Bestrafung führen, daher zog er sich diese Kutte über. Hmm momentan habe ich eh keine andere Sachen hier... Als er wieder nach draußen trat, stand der Mann schon vor der Tür des Wohnhauses. Er erblickte Samuel und rief ihn zu sich herüber. „Guten Tag! Du bist doch der Sohn von Erik?“ Samuel nickte nur. Es war einer dieser Männer, mit denen Vater einmal die Woche in der Taverne die Nacht durchmachte. Samuel war noch nie dort gewesen, nur mal daran vorbeigelaufen, als er im Dorf ein paar Sachen verkaufen war. Einer der wenigen Momente, in denen er mal vom Hof runter kam. Es waren schöne Momente. Das Verkaufen war zwar nicht seine Lieblingsbeschäftigung, aber sie war ihm dennoch um einiges lieber als die schwere Arbeit auf dem Hof. Zudem traf er auf andere Menschen, konnte sich mit ihnen unterhalten und war immer gespannt darauf, was die anderen Leute umtrieb. Manchmal beobachte er stundenlang das Treiben am Marktplatz.


    „Ist er nun da oder nicht? Hey hörst du mich?“, fragte der Mann mit betonter Stimme und riss Samuel damit aus seinen Gedanken. „Er wollte heute mit dem Tierhändler reden, um eine weitere Kuh für den Hof zu kaufen. Er sollte aber schon bald wieder da sein.“, antworte Samuel ihm. „Hmm ja, schlimme Sache das mit den Tieren. Kann bis heute nicht glauben, dass die alle in der selben Nacht verstorben sind.“ Samuel blickte zu Boden und versuchte nichts darauf zu antworten. „Also wir glauben ja, dass das nicht mit rechten Dingen zuging. Vermutlich war es einer dieser verfluchten Magier. Ich würde sogar wetten, dass es das Mädchen von den Tyrhuns aus dem Nachbardorf war. Vor drei Tagen wurde sie dabei überführt, irgend so einen scheiß Magiekram gemacht zu haben.“ Die arme, wenn so etwas herauskommt, dann ist jede Strafe von Vater nichts dagegen, dann droht schlimmeres. Samuel wusste nicht viel darüber, warum Magie so verachtet wurde. Es musste etwas mit einem Krieg zu tun haben, aber niemand wollte darüber reden, insbesondere nicht seine Familie und noch weniger mit ihm.


    „Gestern wurde diesem Abschaum der Prozess gemacht und noch am selben Tag wurde sie mit ihrer ganzen Familie über dem Feuer hingerichtet. Das geschieht denen recht, so jemanden zu verstecken gehört bestraft!“ Samuel schluckte. Er wusste, dass das auch die Konsequenz für ihn sein würde, sollte jemals jemand etwas über seine Fähigkeiten erfahren. Es wäre vermutlich einfacher, wenn er sie kontrollieren könnte, aber so könnte es jederzeit aus Versehen passieren und er wäre enttarnt. Dass bei so einem Prozess auch immer die ganze Familie leiden musste, war eine der wenigen Sachen, die man ihm mit Nachdruck erzählt hatte. Es sollte wohl die Strafe dafür sein, dass man einen Magier versteckte. Bei Familien ging es wohl aber auch primär darum, gleich die ganze Sippe auszulöschen, um damit zu verhindern, dass noch weitere geboren werden. Schon des öfteren hatte Samuel daran gedacht, wie es wohl wäre, nach einer Bestrafung einfach nicht mehr aufzuwachen? Doch bisher siegte immer das Verlangen danach, weiter zu leben.


    Schweiß rann Samuel übers Gesicht, den er schnell abwischte, um nicht weiter aufzufallen. Doch der Mann bemerkte es: „Geht es dir nicht gut?“ „Alles...“, Samuel stotterte, „alles gut. Es ist nur...“ „Hab kein Mitleid mit dem Gesindel, die haben es doch verdient. Warum trägst du eigentlich diese dicke Kutte? Noch ist Sommer und es ist doch viel zu warm dafür.“ Der Mann sah ihn skeptisch an. „Ich ehm, ich habe einen schuppigen Hautausschlag und wollte Ihnen den Anblick ersparen“, stammelte Samuel. Der Mann sah weiter skeptisch zu ihm, aber ihm schien es dann doch egal zu sein. „Ist denn wenigstens deine Mutter da? Ich wollte noch ein paar bestellte Blumengestecke abholen für heute Abend. Meine Frau feiert heute ihren Geburtstag.“ „Vermutlich ist sie hinterm Haus, bei den Blumenwiesen“, antworte Samuel erleichtert darüber, dass dem Mann seine Ausrede bezüglich der Kutte wohl reichte.

  • Hallo liebes Forum, hier noch das Ende von Kapitel 2. Ich hoffe sehr, dass sich noch jemand hierher verirrt und mir Feedback gibt, das könnte ich wirklich gut gebrauchen. Ich glaube, an einigen Stellen könnte ich vielleicht noch etwas bildhafter sein, statt nur zu erzählen. Aber von außen könnt ihr das bestimmt besser einschätzen als ich.


    Tag 2

    [Teil 2]


    Er zeigte ihm mit der rechten Hand die Richtung und ging voran. Nur wenige Meter kurz um das Haus herum blieb er stehen und zeigte auf seine Mutter, die, wie vermutet, in den Blumenwiesen stand und einzeln ausgewählte Blumen pflückte. „Hallo Sannia“, rief der Mann erfreut Samuels Mutter zu. Sie sah auf und lächelte zurück. „Hallo Sam, du bist bestimmt hier, um die Gestecke abzuholen?“ Der Mann zuckte mit den Schultern. „Ich bin nur schon hier, weil mich meine Frau geschickt hat. Naja... und um etwas Luft zu bekommen, sie macht schon wieder alle verrückt wegen heute Abend, du weißt ja wie sie ist.“ „Leider bin ich aber noch nicht fertig. Ich habe eben erst angefangen, die Blumen zu pflücken, sie sollen ja möglichst frisch sein, um möglichst lange ihre Pracht zu präsentieren. Aber Samuel kann mir jetzt dabei helfen und dann schicke ich ihn nachher, um sie euch zu liefern.“ „Ich denke, das wird kein Problem sein. Dann mache ich mal wieder auf den Weg, eventuell kann ich meiner Frau ja noch anders behilflich sein. Also dann bis später und grüße Erik von mir.“ Samuels Mutter verabschiedete sich ebenfalls, dann drehte sich der Mann um, warf Samuel noch ein kurzes Lächeln zu und machte sich wieder auf den Weg ins Dorf.


    Als der Mann am Haus vorbei war, wandte Samuel seinen Blick von ihm ab und sah zu seiner Mutter. „Diesen Auftrag hatte ich fast vergessen, er ist mir vor kurzem erst wieder in den Sinn gekommen, dabei brauchen wir jeden Auftrag, den wir bekommen können, zumal die Zeit für unsere Sommerblumen nicht mehr lange anhält.“ „Kann ich dir helfen?“, unterbrach Samuel sie knapp. „Ja, da drüben steht der rote Mohn, bitte pflücke mir davon 20 Stück. Suche dir die schönsten Exemplare aus. Danach kannst du mir den kleinen Handwagen aus der Scheune bringen.“ Ohne ein weiter Wort ging Samuel zum Mohn herüber und begann zu pflücken, dass er um etwas gebeten wurde, war selten. Eigentlich schade drum. Hier könnten die Pflanzen noch eine Weile stehen und den Insekten ein Zuhause bieten. Doch dann komme ich und rode eine Blume nach der anderen, damit diese in einem Gesteck in einer Vase enden, um dann spätestens nach eine Woche auf den Mist geworfen zu werden, wo sie niemand mehr auch nur eines Blickes würdigt. In Gedanken strich er einen Käfer von einer der gerade gepflückten Blume und zuckte anschließend zusammen, als er die Stimme seines Vaters vernahm. „Sannia, ich bin wieder da und ich habe eine gute Nachricht mitgebracht.“ Er sah nur kurz zu Samuel herüber und wandte sich gleich wieder zu seiner Frau, als hätte er keine Lust, sich jetzt seine Freude durch seinen missratenen Sohn verderben zu lassen. „Im Frühjahr bekommen wir drei neue Kälber für ein gutes Angebot.“ Samuel wollte da nicht länger bleiben, seine Nackenhaare stellen sich auf und ihn überkam eine gewisse Übelkeit. Schnell knipste er noch die letzte Blume ab und legte seinen Bund neben die anderen Blumen bei seiner Mutter. Während seine Eltern sich weiter über den Preis unterhielten und wie sein Vater es geschafft hat, eben jenen niedrig zu halten, schlich Samuel sich an ihnen vorbei. Immerhin hatte er ja eh noch die Aufgabe, den Handwagen zu holen.


    „Sieh mal was ich hier habe!“, begrüßte Eldon Samuel harsch, als dieser den ersten Schritt zurück in die Scheune trat. Samuels Herzschlag setzte für einen Moment aus und Entsetzen machte sich ihn ihm breit. Eldon stand grinsend vor ihm und hielt in seiner Hand ein verängstigtes Wesen mit schwarzem Fell und weißen Pfötchen. „Lass ihn runter, sofort!“, preschte Samuel mit lauter Stimme hervor, doch sein Bruder überging dies, in der Gewissheit, überlegen zu sein. „Du hast doch nicht gedacht, dass du was vor mir verheimlichen kannst?“ „Lass ihn gehen!“, wiederholte Samuel und Wut machte sich in ihm breit, wo eben noch Entsetzen war. Sein Herz schlug wild, sein Puls stieg rasant. Ein beben zuckte durch seinen Körper. „Du hast mir gar nichts zu sagen. Dir scheint ja wirklich was dran zu liegen an diesem süßen Ding. Aber du weißt, was die Strafe ist? Die Strafe dafür, dass du es verheimlichst hast, deinen Freund“, verächtlich kam dabei das letzte Wort über seine Lippen und seine Freude stieg sichtlich an. Mit glänzenden Augen sah er zu Samuel, ein breites Grinsen offenbarte die protzige Überlegenheit. Wieder zuckte ein Beben durch Samuels Körper. Das Blut kochte nun in seinen Adern. Sein Atmen ging schwer. „Für das kleine Ding tut es mir ja fast schon leid, aber deine Strafe muss sein“, mit diesen Worten setze Eldon eine Hand an den Nacken des unschuldigen Tieres und ein Ruck durchzog seine Muskeln.


    Ein Knacken ertönte.


    Erneut blieb Samuels Herz stehen und ihm wurde kalt. Das Knacken halte in seinen Gedanken wieder. Eine gewaltige Kraft baute sich in ihm auf. Seine Wut übermannte ihn. Mit dem ersten neuen Herzschlag brüllte er seinen Bruder an. Er spuckte vor Zorn. Unbemerkt zog dunkler, in einem lila Ton gehaltener, Nebel auf. Samuels Adern traten hervor. Das hämische Lachen seines Bruders war das einzige, was er noch vernahm. Eldon verstummte jedoch, als er den Nebel bemerkte. Verwundert sah er sich um. Von der Umgebung war nichts mehr zu erkennen, sie waren beide fest Umschlossen. „Was... was machst du da?“, stotterte Eldon in die Finsternis, sich seiner Überlegenheit nicht mehr so sicher. Samuel schrie erneut auf und Nebelsäulen brachen auf Eldon nieder. Lautes Donnern und Krachen ertönte. Blitze lösten sich. Ein Schmerzensschrei nach dem anderen erhallte. Samuel entlud seine Wut, mit jedem Herzschlag zog eine weitere Welle von Schmerz durch den Nebel.


    „Halt! Hör auf!“, durchdrang eine Laute Stimme die Nebelwand von außen. Samuel erkannte darin die Stimme seiner Mutter und das Bild von Ruku blitze vor seinen Augen auf. Die Nebelwand brach zusammen. Tränen rannen über Samuels Gesicht. Seine Eltern rannten zu Eldon, der am Boden lag. Dunkle Flecken zierten dessen Arme und Beine. Langes weißes Haar reichte ihm bis weit über die Schultern. Sein Gesicht war eingefallen und nur noch röchelnd lag er da. Dann stille. „Nein! Eldon, nein!“, schrie seine Mutter entsetzt und fassungslos kniete sein Vater neben ihm. Einen Moment später starrte er Samuel an. „Du verdammtes Monster“, er stottert, „was hast du getan?“ Erst jetzt begriff Samuel die Auswirkungen seiner Tat, seiner grenzenlosen Wut, die jetzt auch seinem Vater überkam. Dieser stand auf, mit hochrotem Kopf schimpfte er ihn weiter Monster. „Dafür wirst du büßen, jetzt reicht‘s, ich bringe dich um!“ Entschlossen Schritt er auf Samuel zu, der regungslos dastand. Kurz bevor er ihn erreicht hatte, kurz bevor seine Hände ihm am Hals packten und drohten ihn zu erwürgen, stand er still. Die Zeit hielt inne, Samuel hörte nur das Schlagen seines Herzen.


    „Komm zu mir, los beeil dich!“, sprach eine tiefe Stimme hinter Samuel. Wie in Trance drehte er sich um und erblickte einen alten Mann mit harten Kanten im Gesicht. Ohne Bart und mit ernstem Blick stand er da. Noch bevor Samuel Zeit hatte, einen weiteren Gedanken zu formulieren, wiederholte der Mann: „Mach schon, wir haben nicht viel Zeit, komm her“. Hinter im waberte eine Art Tor, es war nur leicht verschwommen wahrzunehmen. Wellen durchzogen seine Oberfläche, so wie Wellen, die Entstehen, wenn ein Stein ins Wasser geworfen wird. Samuel konnte nicht erkennen, ob er darin den Hintergrund, die Felder vom Hof, verzerrt sehen konnte oder ob es ein anderer Ort war. „Du hast jetzt zwei Möglichkeiten“, sprach der Mann mit bestimmter und kraftvoller Stimme, „entweder, du kommst mit mir und ich erkläre dir gleich alles in Ruhe oder du bleibst hier und siehst dem letzten Akt ins Auge, wie dein Vater dich gleich erwürgt. Entscheide dich, jetzt!“. Trotz der Dringlichkeit, die von seinen Worten ausging, wirkte er so sonderbar ruhig. Samuel sah wieder zu seinem Vater. Die kräftigen Arme zu ihm ausgestreckt, stand er noch regungslos vor ihm. Dann betrachtete Samuel seine Mutter, die ihre Stirn auf Eldons Schulter abgeleckt hatte. Daraufhin lief er los zu seinem Bruder, beugte sich und hob seinen regungslosen Freund auf, egal wohin er gehen würde, nie würde er Ruku hier zurücklassen. Dann kehrte er um und rannte zu dem Fremden zurück. Dieser packte ihn an der Schulter und zog ihn mit durch das nun strahlende Tor. In derselben Sekunde, in der sie verschwanden, griff Samuels Vater ins Leere.

  • „Ahh mein Kopf!“ Das leidvolle Stöhnen der noch im Dunklen verborgenen Gestalt ertönte durch den Raum.

    okay, Tag ... was ? 94900? ^^;

    Das ist ja mal ein keliner Zeitsprung xD


    ich vermute mal das Skellet ist vielleicht Samuel seibst? :hmm: Ich hatte auch kurz angenommen es könnte der sein, der die Zettel verfasst aht ... vielleicht war er ja auch einfach beides xD


    Die Wachsspur zu einer der Kerzen könnte in Verbindung mit den drei Särgen stehen :hmm:


    Es ist auf jeden Fall ein sehr Rätselhaftes Kapitel und ich will wissen, was hinter dieser Tür ist O.O
    Aber ich würde mir andere Synonyme für Skellet einfallen lassen. Das wiederholt sich schon ziemlich :hmm:


    Ansonsten fand ich es sehr interessant mal aus der Sicht eines eben jenes zu sehen. Hat man ja auch eher selten :D

  • Etiam , wer das Skelett ist, bleibt vermutlich noch für einen Moment ein Rätsel, der Autor der Tagebuchseiten ist er nicht, er würde ja vermutlich nicht selbst "Bei Samuel, es ist soweit,..." schreiben? ;)


    Aber ich würde mir andere Synonyme für Skellet einfallen lassen.

    Ja da habe ich so mein Problem mit, mein Kopf ist da so stur und mir fällt nichts anderes ein, ständig nur Gestalt, Skelett oder irgendwas mit knochig... :pupillen: Also, falls du Vorschläge hast, immer her damit.

    Ansonsten fand ich es sehr interessant mal aus der Sicht eines eben jenes zu sehen.

    Dann dürfte für dich das bald kommende Kapitel nach Tag 2 interessant werden, da geht es dann weiter. :thumbsup:

  • Hallo Charon,

    deine Geschichte gefällt mir soweit sehr gut. Zwar ist noch nicht so wahnsinnig viel passiert, aber du lässt dir Zeit um Samuel an den Leser heranzuführen und seine Denkweisen darzulegen.

    Ich glaube, an einigen Stellen könnte ich vielleicht noch etwas bildhafter sein, statt nur zu erzählen.

    Da magst du recht haben, aber es bieten sich dafür einige Möglichkeiten z.B. könntest du das Haus etwas genauer beschreiben ("Efeu kletterte die verputzten Wände empor, das Blattwerk reichte bis in die Giebel." - oder etwas in der Art;))

    Auch wenn es nicht zur Geschichte beiträgt, bekommt man als Leser einen besseren Eindruck von der Umgebung.


    Eine andere Stelle wäre die hier:

    Erst jetzt begriff Samuel die Auswirkungen seiner Tat, seiner grenzenlosen Wut, die jetzt auch seinem Vater überkam.

    Du erzählst uns Samuels Gedanken teilweise wortwörtlich, dann bietet es sich in dieser Situation an, dass du seine Gefühlswelt genauer beschreibst. Immerhin hat er seinen Bruder gerade beinahe umgebracht.

    Beispielsweise so: "Mit der Erkenntnis überkam ihn eine eisige Dunkelheit. Er glaubte ins vollkommende Nichts zu sinken und er schien nur noch mit glasigen Augen, von einem fernen kalten Ort aus, auf die schreckliche Realität zu blicken."


    Das sind nur Beispiele, dir fällt bestimmt etwas passenderes ein:)


    Die Kunst ist dann, nach langen beschreibenden Passagen wieder den Einstieg in die eigentliche Erzählung zu finden.

  • der Autor der Tagebuchseiten ist er nicht, er würde ja vermutlich nicht selbst "Bei Samuel, es ist soweit,..." schreiben?

    Ja, macht Sinn xD Hatte ich überlesen ^^;


    Wobei das wiederum einiges über Samuels Status in dieser Welt zu diesem Zeitpunkt verraten könnte. Für solche Ausdrücke werden ja meist Namen Gottähnlicher Wesen genommen :hmm:

    Ja da habe ich so mein Problem mit, mein Kopf ist da so stur und mir fällt nichts anderes ein, ständig nur Gestalt, Skelett oder irgendwas mit knochig... :pupillen: Also, falls du Vorschläge hast, immer her damit.

    Vielleicht etwas in Richtung Gebeine? Aber das knochige ist ja auch schon ugt. Ansonsten einfach mal nach synonyme googlen ^^;


    Dann dürfte für dich das bald kommende Kapitel nach Tag 2 interessant werden, da geht es dann weiter. :thumbsup:

    na dann go!



    Etiam ich habe mal das mit den Gedanken in kursiv versucht, finde ich so auch besser, daher danke ich dir nochmal für die Idee.

    Kein Ding^^ Ich würd aber an deiner Stelle VOR so einer kursiven Zeile einen Absatz machen.


    Das hab ich aber auch noch nciht so drauf. Zusätzlich macht man auch immer einen Absatz, wenn die handelnde Person wechselt. Das macht es etwas übersichtlicher^^


    Ansonsten hätte ich eine Idee, wie du hier schon mal ordentlich Feuer in die Geschichte bekommen könntest... im wörtlichen Sinne.


    Und zwar erzählt der Alte ja von dem Mädchen, dass verbrannt wurde. Du kannst diesen Prozess auch einfach zeigen. Meist wurde sowas ja öffentlcih gemacht und hier würde es sich auch noch super eignen, weiter auf die Psyche von Samuel einzuschlagen, wenn er währenddesssen oder vielleicht danach erfährt, dass sie wegen seiner Vergehen brennen mussten.
    Das stelle ich mir zwar nicht leicht vor, wäre aber schonmal ein schöner Paukenschlag zu Beginn deiner Geschichte^^

  • Hi Iskaral und Etiam , danke für eure Kommentare.



  • Ding Dong!

    * Charon öffnet verwundert die Tür

    "Hallo AFG! Schön das du da bist! Doch warum die Verspätung?"

    "Verspätung? Pah!

    Zitat

    Ein Zauberer erscheint immer genau dann, wenn er es beabsichtigt."

    (Jede Woche wird mindestens ein Lehrer in der ersten Stunde von mir so gegrüßt :D)


    Ja spät melde ich mich dann auch mal zu Wort.^^

    Zuerst muss gesagt werden das ich deine Geschichte wunderbar detailliert finde. (Fürs geistliche Auge) von wegen da musst du dran arbeiten ..., im Gegenteil. Mach mal ist das hier sogar störend, wie ich finde. Durch deine Erzählweise kann ich mir alles recht gut vorstellen.:thumbup:

    Auch die Idee und Umsetzung ist spitze, auch wenn mir hier noch ein paar fragen aufgefallen sind, welche du vielleicht beantworten solltest. (Dazu brauch es auch nicht mal unbedingt viele Sätze)

    1. Samuel hat ja ein sehr gestörtes Verhältnis zu seinen Eltern, welche ihn ja definitiv loswerden wollen. So sehr, dass sie sogar über Mord gehen würden, was ihnen aber nicht gelingt. In der Situation der Eltern wäre dann doch eigentlich die beste Option, Samuel auszusetzen und ihn sich selbst zu überlassen. (Nebenan ist ja ein großer Wald.)

    Was mich zur zweiten sache führt.

    Wann und wie wurde festgestellt, dass Samuel magiebegabt ist? Ein meiner Meinung nach wichtiger Punkt, da die Katastrophe ja erst deshalb entstanden ist, weil sein Vater ihn aufgrund seiner Fähigkeiten erwürgen wollte. Also muss ja irgendetwas unmittelbar davor passiert sein. (Der Vater wird wohl nicht ein halbes jahr stillschweigen bewahren, nur um seinen Sohn irgendwann zu töten.)

    Die dritte frage, welche ich mir stelle ist, weshalb Samuel bei seinen Eltern bleibt. Wenn ich mir der Tatsache bewusst wäre, sollte jemals wer über meine Fähigkeiten erfahren meine Familie sterben müsste, würde ich zu ihrem wohl das weite suchen. (Und bei versuchten Mord auf mich sowieso) Also was hält Samuel bei seiner Familie?


    Ansonsten finde ich die Story echt toll.:thumbsup:

    (Vor allem weil ich die Vermutung habe, das sich gut und böse, Licht und Schatten, hier stark überschneiden werden. Was es für mich um ein vielfaches realer wirken läßt.


    Ich hoffe es geht bald weiter ;).

  • Hi AFG ,


    na dann komm doch rein, ich hab auch meistens was für späte Gäste da. ^^

    Ja spät melde ich mich dann auch mal zu Wort. ^^

    Außerdem ist es doch nie zu spät. :thumbup:


    Zu 1. und 3.:

    Es ist so halb mit dem Loswerden, teilweise ist es Angst, teilweise gehört er ja auch irgendwie zur Familie und wenigstens die Mutter ist naja... mir fehlen eigentlich noch passende Worte dafür, aber sie sieht ihn immerhin als ihren Sohn. Das versuche ich an ein paar wenigen Stellen anzudeuten und dennoch lässt sie ihren Mann beispielsweise bei den Bestrafungen gewähren.

    Warum setzten sie Samuel nun nicht aus oder warum läuft er nicht einfach weg?

    Nun es gibt solche Fälle und da scheint folgendes Szenario logisch:

    Kind wird von Eltern misshandelt und läuft weg, dann steht sowas irgendwann in der Zeitung und plötzlich fragen sich alle Nachbarn, wie sie sowas nicht früher erkannt haben oder die Familie war denen sowieso schon immer komisch.

    Das wäre so ein typischer und eher bekannter Fall.

    Aber es gibt auch solche, wo jemand all die Gewalt über sich ergehen lässt und nach außen sogar seine Familie in Schutz nimmt.

    So einen Fall versuche ich darzustellen und da gibt es keine rationale Erklärung (zumindest keine, die sich jetzt mal eben so direkt bieten würde) und daher ist das nicht das Hauptthema in meiner Geschichte (würde dann vermutlich auch eher ne Psychologische Abhandlung werden :pupillen:).

    Aber erst mal kann ich dir noch so viel verraten, dass später dazu noch ein paar Sachen kommen und auch die Mutter sowie ihre Beziehung zu Samuel werden noch relevant sein.


    Zu 2. (Wann und wie wurde festgestellt, dass Samuel magiebegabt ist?) :

    Das ist eine sehr gute Frage und du hast mich voll erwischt, das habe ich irgendwie vergessen. :oops:

    Dabei ist das schon sehr relevant. Habe es jetzt auf meiner ToDo-Liste notiert und werde mir mal Gedanken darüber machen. :thumbsup:


    Ansonsten finde ich die Story echt toll. :thumbsup:

    (Vor allem weil ich die Vermutung habe, das sich gut und böse, Licht und Schatten, hier stark überschneiden werden. Was es für mich um ein vielfaches realer wirken läßt.

    Dann vielen Dank für deinen Kommentar und schön, dass sie dir gefällt.

    (Ich vermute, dass du mit deiner Vermutung gar nicht so falsch liegen wirst. ;))

  • Merk dir das mal, du könntest da sehr nah an etwas dran sein.


    *merkt sich das* :D



    Zumal Samuel keinerlei Schuld hat, sie wurde für ihre eigenen magischen Fähigkeiten bestraft.

    Ah ok, dann hatte ich das falsch verstanden. Ich dachte sie wird auf verdacht hin abgefackelt, verstehst du?



    Ob die Familie von Samuel daran teilnehmen würde, wage ich auch zu bezweifeln, denn eigentlich wissen sie, dass ihnen selbst das auch drohen könnte.

    Aber fällt das dann nciht auf, wenn sie dabei nicht erscheinen?



    Und wenn ich weiter so drüber nachdenke, gefällt mir der Gedanke eines Schauprozesses am Anfang immer mehr, mal sehen, was ich draus mache, aber erst mal vielen Dank für den Anreiz. :thumbsup:

    Kein Ding :D


    Also meinst du als Prolog? Das könnte uahc funktionieren. Ich bin gespannt, was du daraus machst ^^



    Er zeigte ihm mit der rechten Hand die Richtung und ging voran. Nur wenige Meter kurz um das Haus herum blieb er stehen und zeigte auf seine Mutter, die, wie vermutet, in den Blumenwiesen stand und einzeln ausgewählte Blumen pflückte. „Hallo Sannia“, rief der Mann erfreut Samuels Mutter zu. Sie sah auf und lächelte zurück. „Hallo Sam, du bist bestimmt hier, um die Gestecke abzuholen?“ Der Mann zuckte mit den Schultern. „Ich bin nur schon hier, weil mich meine Frau geschickt hat. Naja... und um etwas Luft zu bekommen, sie macht schon wieder alle verrückt wegen heute Abend, du weißt ja wie sie ist.“ „Leider bin ich aber noch nicht fertig. Ich habe eben erst angefangen, die Blumen zu pflücken, sie sollen ja möglichst frisch sein, um möglichst lange ihre Pracht zu präsentieren. Aber Samuel kann mir jetzt dabei helfen und dann schicke ich ihn nachher, um sie euch zu liefern.“ „Ich denke, das wird kein Problem sein. Dann mache ich mal wieder auf den Weg, eventuell kann ich meiner Frau ja noch anders behilflich sein. Also dann bis später und grüße Erik von mir.“ Samuels Mutter verabschiedete sich ebenfalls, dann drehte sich der Mann um, warf Samuel noch ein kurzes Lächeln zu und machte sich wieder auf den Weg ins Dorf.

    Hier in dem Abschnitt ist eigentlich das gleiche wie im Part davor. Die Aktionen und Dialoge sind aneinander gereit. Ich würde dir auch hier raten immer einen Absatz machen, wenn sich die handelnde Person ändert. Dazu kannst du zwischen den gesagten Sätzen auch noch was beschreibungen packen^^


    Danach wurde es aber gefühlt besser.


    Und jetzt gehen wir mal auf die Handlung ein. Der Eimer mit dem kalten Wasser kommt bei dir ziemlcih überraschend. Ich habe mich gerade noch für Samuel gefreut, weil er von seiner Mutter mit eingebunden wurde. Das zeigte etwas Nähe. War quasi so ein mini Bergauf ^^;
    Mja ... und dann Eldon.
    Das Geschehnis ist meiner Meinung nach Top platziert. Mit der Art des Bösen komme ich aber irgendwie immer noch nicht zurecht ^^;


    Das Samuel dann ausrastet ist absolut verständlcih und ich habe es mir auch teils gewünscht.


    Ich hatte ein ähnlcihes Szenario recht schnell im Kopf. Eigentlcih, als ich gemerkt habe, dass hier nur Arschlöcher rumlaufen habe ich gedacht "gut, die begelieten uns jetzt ein zwei Kapitel und danach wird Samuel sie alle abschlachten" Ganz sowas ist es dann doch nciht geworden. Der Abschied ist aber ähnlich. Ich find aber gut, dass es eben nicht so ist, wie ich es mir gedacht habe. Das wäre vielleicht auch was 0815 gewesen. Was ich sogar ziemlcih cool fand, war Eldons späteres Erscheinungsbild. Ich weiß nicht, ob er jetzt tot ist oder nicht, aber darum geht es gar nicht. Du hast seine Veränderung gezeigt das hätte ich sogar noch mehr in Szene gesetzt. Zeig uns, wie er nach der Attacke von Samuel aussieht. Sowas muss grausig sein für die Mutter. Ich konnt sie verstehen. Besser wäre es gewesen, wenn ich sie fühlen könnte. Da würde ich noch eine Schippe drauf legen.


    So, und dann kommt der Cut. Ich fand es eigentlcih schade, dass die Situation hier so schnell durch das auftauchen des Fremden beendet wird, aber viel länger hätte Samuel wohl nciht überlebt ^^; (Oder der Vater, jenachdem was ncoh passiert wäre)

    Ich hoffe es kommt noch eine Erklärung, warum ausgerechnet jetzt der Dude auf den Plan tritt.


    Ich gehe btw davon aus, das Ruku wiederbelebt wird. Es wird wohl irgend einen Grund haben, warum der Autor den Katzenkörper mitschleppen lässt ;)


    Guter Part. Ich denke das war der Startschuss. Dann mal schauen, wohin uns der Weg führt