• Hi,

    nach einer etwas längeren Pause bin ich auch wieder etwas kreativ aktiver geworden. Mein erstes "Metoria" Projekt habe ich erstmal auf Eis gelegt, weil ich es ab einem gewissen Punkt einfach nicht mehr gut fand und mir die Zeit fehlte, um mich so einer großen Geschichte zu widmen.

    Dafür hat sich eine andere Idee in meinen Gedanken eingenistet: Kurzgeschichten (oh, wie originell:S)

    Zu Anfang wollte ich einfach nur irgendwas schreiben, um des Schreibens willen und um mich und meine Schreibfähigkeiten weiterentwickeln zu können.


    (Vor allem die Sache mit den Expositionen habe ich mir durch den Kopf gehen lassen und einfach viele Begriffe und Sachverhalte meiner Welt so abgewandelt, dass sie teilweise selbsterklärend bzw. besser nachvollziebarer sind (zumindest hoffe ich das))


    Die Idee ist nun, die Welt mit leben zu füllen und Geschichten zu erzählen, die mir so durch den Kopf gehen.


    Lange Rede kurzer Sinn: ich habe einen haufen Ideen für Kurzgeschichten mit einigen Figuren ausgearbeitet und möchte sie hier Stück für Stück veröffentlichen und hoffe dabei wieder auf Feedback.:)

  • Das Mal des Verräters 1


    Es war einst schön gewesen, das Juwel des Südens, daran konnte sich Munakil noch erinnern. Seitdem er als Champion dem Gott Amon-Gul diente und sich ihm verschrieben hatte, legte sich ein grauer Schleier über seine Erinnerungen. Die Schönheit der Stadt Mingbal jedoch, mit ihrem azurblauen Wasser, welches von den Oasen, durch die Kanäle fließt und die zahlreichen Springbrunnen speiste, mit dem Gelächter und der Musik, welche vom bunten Treiben in den breiten Straßen herrührte, hatte ihn immer verzaubert. Ein Juwel mitten im Yeodhan-Ödland. Allein der Anblick hatte ihm immer das Gefühl gegeben, dass er Teil von etwas besonderem war. Ein Leuchtturm der Zivilisation längst vergangener Tage, nun in einer Welt der Wüstenei und des Grams.

    Doch die Verheerung hatte nun auch die Stadt des blauen Wassers erreicht. Amon-Guls Hand, die einst so fürsorglich und hilfsbereit erschien, hatte sich zur Faust geballt und die Seelen der Sterblichen ergriffen.

    Aus allen Himmelsrichtungen waren sie einst gekommen, die kleinen Dairu, die lichtscheuen Hadoren, selbst die Nieri, die sonst niemals das Festland betreten, hatten sich in die Yeodhan gewagt, um Mingbal zu bewundern.

    Doch nun erblicken die wenigen Reisenden nur Kummer, Hoffnungslosigkeit und Tristheit. Das Wasser ist noch immer blau, doch die Stimmen, die einst die Straßen mit Leben füllten, waren nun gedämpft. Man wagte nur flüsternd zu sprechen, stets gewahr der strengen Faust, die sie ergriffen hielt.

    Das Banner der Herrin Quur´Tal, der Erkorenen des Amon-Gul, wehte über den Turmdächern und Zinnen. Der Großschild, in alten Tagen so transparent, dass man den strahlenden Himmel erkennen konnte, schützte die Stadt vor erbarmungslosen Stürmen, unerbittlicher Hitze und beständiger Kälte. Nun war er nur noch ein Grau-in-Grau, ein Abbild des Grams der Stadt unter ihm.

    Innerlich trauerte Munakil um seine Stadt, deren strahlendes vergangenes Abbild das einzige war woran er sich noch erinnern konnte. Das und seinen Namen, der ihm von einem längst vergessenen Schemen, der einmal Mutter hieß, gegeben wurde.

    Er stand am Fenster eines hohen Turmes, dem Malventurm, welcher der Zitadelle von Mingbal vorgelagert stand, als seine Gedanken weiter von Kummer beherrscht wurden.

    „Achte auf Farben, Schatten, die Farben weisen dir stets den Weg.“ Die Hohepriesterin Teiph, Munakil hasste diesen Namen, er war ihm von Amon-Gul gegeben worden, zu einer Zeit, als die Welt noch voller Hoffnung war. Teiph schien mit ihrem leeren Blick an ihm vorbei zu schauen, doch sie war Blind und dennoch sprach sie von Farben, niemand wusste genau, was sie damit meinte.

    „Hohepriesterin, verlangt die Herrin nach mir?“

    „Sehr wohl, Schatten, im Gewölbe, dort ist sie. Ein Urteil muss gesprochen werden und der Champion muss es ausführen.“

    Einen Ausdruck seines Unwillens wagte er nicht, er schaute nur auf seine Hände, so viele Leben hatten diese schon für Gott und Stadt ausgelöscht.

    „Schatten, sie warten,“ drängte Teiph, sie schien aufgeregt zu sein.

  • Heyho Iskaral


    Ein sehr schöner Beginn mit bildstarker Sprache, gefällt mir.


    Um das mal für mich auf die Reihe zu bekommen:

    Munakil ist der "Schatten" der Stadt Mingbal, der Scharfrichter also?

    Die Stadt selbst nur noch ein Schatten ihrer einstigen Pracht, immer noch geschützt von einem "Großschild", der sie vor äußeren Unbilden bewahrt?

    Munakil, Champion der Stadt, scheint im Rang höher zu stehen als die Hohepriesterin Teiph, wie aus ihrer Antwort "Sehr wohl, Schatten..." entnehmbar ist?


    Das sind so die Eckpunkte bisher für mich.

    Da bleiben viele Fragen offen, aber das hier ist ja auch nur der Anfang.

    Soweit gut.


    Was mich beim Lesen irritiert hat ist der häufige Wechsel von Vergangenheit zu Gegenwart und wieder zurück, teilweise im gleichen Satz.

    Das Wasser ist (war?) noch immer blau, doch die Stimmen, die einst die Straßen mit Leben füllten, waren nun gedämpft.

    Die Schönheit der Stadt Mingbal jedoch, mit ihrem azurblauen Wasser, welches von den Oasen, durch die Kanäle fließt (floß) und die zahlreichen Springbrunnen speiste...

    Da müsstest Du Dich schon entscheiden.

    Und: Ich mag verschachtelte Sätze. Der folgende ist aber eigentlich gar keiner. Da setzt Du zwei überflüssige Kommas und zerhackst Dir damit

    den eigenen Schreibfluß:

    Die Schönheit der Stadt Mingbal jedoch, mit ihrem azurblauen Wasser, welches von den Oasen, durch die Kanäle fließt und die zahlreichen Springbrunnen speiste,

    "Die Schönheit der Stadt Mingbal jedoch mit ihrem azurblauen Wasser, welches von den Oasen (kommend) durch die Kanäle fließt und die zahlreichen Springbrunnen speiste..."


    Und hier wird's dann echt schwierig:

    Die Hohepriesterin Teiph, Munakil hasste diesen Namen, er war ihm von Amon-Gul gegeben worden, zu einer Zeit, als die Welt noch voller Hoffnung war.

    Hasst Munakil den Namen "Teiph"?

    Welchen Namen hat Amon-Gul wem gegeben?

    "Die Hohepriesterin Teiph..." ... ja, was ist denn mit der? Geht die nach dem Gespräch mit Munakil Skat spielen?:D

    So wie der Satz da steht, fehlt was.

    Hast Du vielleicht das gemeint:


    'Teiph, die Hohepriesterin,' dachte Munakil. Er hasste diesen Namen. Er war ihr von Amon-Gul gegeben worden zu einer Zeit, als die Welt noch voller Hoffnung war.


    Dann wäre da der Sinn drin.


    Ansonsten nochmal:

    Ein schöner Anfang mit Potential für eine gute Geschichte. Ich bleibe gespannt, ob noch mehr kommt.:thumbup:

  • Der Wanderer

    Vielen Dank für die Rückmeldung, konstruktiv wie immer :thumbup:.


    Das mit den Zeiten fällt mir erst jetzt auf, aber du hast vollkommen Recht. Eigentlich ist dieser Zeitenwechsel ein no-go. Muss ich dringend überarbeiten.


    Die verschachtelten Sätze sind eher so aus versehen Entstanden, in den nachfolgenden Teilen treten sie auch eher weniger auf.

    Der Satz mit dem Namen ist schon echt doof formuliert, in meinem Kopf hörte er sich logisch an, aber du hast vollkommen Recht.

    Es liegt wohl auch an der Wortwahl, weil in diesem Fall "Schatten" der Name ist, Champion wäre der Titel, darüber hinaus ist mindestens einmal Punkt und Komma vertauscht, sowie ein oder zwei erläuternde Worte zu wenig.

    Ich glaube mit einer etwas anderen Wortwahl und einem anderen Satzbau ist das Problem leicht zu beheben.


    Nochmals vielen Dank :thumbsup:

  • Das Mal des Verräters 2


    Der Weg vom Malventurm in die Gewölbe unterhalb der Zitadelle, war gespickt mit Feuerschalen, die zu ehren Amon-Guls brannten. Die Flammen loderten in Grün und Blau und stiegen stets hoch zur Decken, niemals glimmte es nur. Es warf lange und unheimliche Schatten, die nach den unglücklichen Seelen zu greifen schienen, welche die Korridore durchstreiften.

    Das Gewölbe, gestützt durch Säulen, deren Form früher an Wasserfälle erinnerten und nun sich windenden Körpern glichen, erstreckte sich bis weit unter die Stadt. Dort wo früher die Alkoven zu kleinen Affären und dem Austauschen von Nettigkeiten und Geheimnissen einluden, waren nun bemitleidenswerte Seelen gefesselt, ohne Wasser und Brot, bis zu ihrem Ende nicht anderes sehend als die Schattenspiele, welche die Flammen warfen.

    Munakils Herz begann immer weiter zu rasen während er an den Ausgezehrten vorbeischritt, den Blick stets nach vorne gerichtet, auf eine schwere Eisentür.

    Die Hohepriesterin schritt zielstrebig vor ihm her, genau auf eben jene Tür zu, hinter der sich das Gericht Amon-Guls befand.


    Der hohe Saal der sich vor ihm auftat glänzte in fremdartigen Farben. In der Mitte des Raumes tat sich ein tiefes Loch auf, dessen Boden mit Sand gefüllt war, er schien zu funkeln, ebenso wie die zahlreichen Säulen aus unbekanntem Gestein, welche die Last der Decke trugen. Zwischen den Säulen machte Munakil eine Tribüne aus, dort auf ihren Sitzen thronend waren die Herrin und die Advokaten Amon-Guls. Erstere verbarg ihr Gesicht hinter einer augenlosen Maske. Die Advokaten, welche direkte Gesandte des Gottes waren, saßen dort in ihrer ganzen gehörnten Schrecklichkeit, wie Spinnen in ihren Netzen. Sie waren bleich wie Knochen und so dünn, dass man beinahe durch ihr Flaich hindurchsehen konnte. Die Blassen stammten aus den Unterreichen und waren über längst vergessene Tunnel und Katakomben, welche noch unter dem Gewölbe verliefen, in die Stadt gekommen. Das war nachdem Amon-Gul den Pakt mit der Herrin Quur´Tal schloss und diese seinem Wille unterwarf.

    Feierlichen Schrittes nahm Teiph neben diesen Gestalten Platz und mit ihren leeren ausdruckslosen Augen, ergänzte sie die Prozession, welche sich nun zu bewegen begann. Ihre Bewegungen wurden von einer Musik gelenkt, welche Munakil nur im äußersten Winkel seiner Gedankenwelt erahnen konnte. Amon-Gul hatte ihn noch nicht vollständug korrumpiert, wurde ihm klar, vielleicht gibt es noch einen Ausweg.

    Die Gestalten wankten weiter, während sie wie aus einem Munde sprachen:

    „Champion, vollstrecke das Urteil deines Gottes, sei die Verhängnis seiner Feinde und stürze ihre Seelen in die Schatten.“

    Während sie sprachen veränderte sich das Licht, sodass Munakil nun nicht nur das Funkeln des Sandes in der Grube sehen konnte, sondern nun auch eine dort kniende Gestalt. Eine Frau, deren ausgezehrter Körper mit zahlreichen Wunden bedeckt war, ihre kupferroten Haare waren verfilzt und von Blut verklebt. Sie sah nicht auf.

    „Vollstrecke das Urteil, Schatten, im Angesicht unseres Gottes, für das wohl deiner Stadt. Töte die Feindin des Amon-Guls.“

  • Heyho Iskaral


    Wie schon erwähnt: Du hast einen sehr schönen Stil, reich an Bildern. Das finde ich Klasse.

    Da habe ich so eine Art Vorhölle im Kopf bei Deiner Beschreibung: Verlorene Seelen, die auf Erlösung warten. Verzweiflung. Erinnerungen an glücklichere Zeiten und die Qual der Trauer über deren Verlust.


    Liege ich mit dieser Einschätzung ungefähr richtig?

    Gut, dann laß mal sehen...

    Ich wiederhole es: Bildstark. Kann nicht jeder.:thumbup:

    Aber Du mußt unbedingt darauf achten, den Überbau zu detaillieren, sonst ploppen immer wieder Fragen wie meine nach den Seelen auf:

    Warum einige frei, aber verzweifelt herumirren, während andere ihrem Schicksal hoffnungslos entgegen zu sehen haben.

    Verloren sind ja scheinbar alle, also warum gibt es da Unterschiede?





  • Der letzte und etwas längere Teil der ersten Kurzgeschichte.


    Das Mal des Verräters 3


    Die Frau hob den Kopf, obwohl ihr Gesicht von Wunden und Blutergüssen übersät war, konnte Munakil in ihre Augen blicken. Diese waren so klar und blau wie einst das Wasser Mingbals, bevor es durch das Blut Unschuldiger verunreinigt wurde.

    Das alles war falsch, kein Gott sollte so viel Macht über Sterbliche haben, welch Wahn und ich habe das alles getan, ich habe dieses Blut vergossen.

    Munakil spürte, wie sich in ihm etwas regte, eine dunkle Präsenz, die mit jedem Atemzug stärker zu werden schien.

    „Nehme er diesen Dolch, auf dass ihre Seele in die Schatten fällt.“ Der Chor der Stimmen hatte sich zu einer Kakophonie des unbeschreiblichen Grauens gewandelt. Er würde alles tun um dies zu Beenden, alles. Sein Herz klopfte und sein Kopf schmerzte. Plötzlich fühlte er den Dolch in seiner Hand. Ein Schemen unbeschreiblicher Kälte hielt diese Hand ergriffen und er wagte nicht aufzublicken. Er wusste es, Amon-Gul war gekommen um seine Loyalität zu prüfen.

    Munakil stieg in die Grube, die Frau vor ihm zitterte nicht, sie starrte ihn aus ihren blauen Augen an. Er stutzte, denn eines dieser Augen, so fiel ihm auf, war anders. Es sah nicht natürlich aus und schien von selbst zu leuchten, anstatt die Lichter um es herum zu reflektieren. Das eigenartige Funkeln des Sandes schien zu schwinden, als wenn jemand ihm die Leuchtkraft absaugt. Munakil stolperte weiter auf die Frau zu, nun schien seine Hand mit dem Dolch und der Berührung Amon-Guls ihn zu ziehen, immer zu der Frau hin. Er spürte wie seine Hand vor Mordlust zitterte. Während sein Ganzer Körper sich sträubte, schien die Hand den Willen des Gottes um jeden Preis ausführen zu wollen.

    Die Frau hob ihrerseits die blutigen Hände, als wolle sie den Dolch abwehren. Stattdessen reif sie ein Wort, welches Munakil bis ins Mark erschütterte: „Ard´Onan.“


    Es kam ihm vor, als wenn er zum ersten Mal wieder sehen könnte. Er nahm die Welt um sich herum jetzt nicht nur wahr, sondern er sah sie. Ein Moment vollkommener Klarheit und er begriff. Er musste etwas tun, was jeder Vernunft widersprach und gleichzeitig das einzig vernünftige war. Er wechselte den Dolch von der rechten in die linke Hand. Er sah das Mal des Gottes, er sah die Schatten, welche sich wie Egel an seinem Fleisch festkrallten.

    Während in seinem inneren die Entschlossenheit zur Tat wuchs, begann die Präsenz in seinen Gedanken zu schwinden. Sie kreischte vor entsetzen und vor dem was nun geschehen würde.

    Munakil schlug mit dem Dolch zu. Er war unnatürlich scharf und so durchschnitt er Fleisch, Nerven, Muskeln, Adern und Knochen, bis er sich endgültig befreit hatte.

    Blut spritzte aus der offenen Wunde und die Stimmen von der Tribüne wurden zu einem Pandämonium. Schreiend warf sich Munakil auf die Seite und versuchte sich mit dem blutigen Stumpf sein Ohr zuzuhalten. Die Stimmen steigerten sich noch weiter in ungeahnte Höhen, während sich vom Rande der Grube pure Schwärze hinein ergoss.

    In diese Schwärze gehüllt, so wusste Munakil kam nun sein Ende. Er sah ein langes vielgliedriges Bein, ein Paar gewaltige Fangscheren, einen Stachel der einem Speer glich und sechs hasserfüllte Augen zwischen den Schatten.

    Amon-Gul baute sich in seiner ganzen fürchterlichen Macht vor Munakil auf, doch anstatt Furcht überkam ihn nur die Genugtuung seinem Gott ein mächtiges Werkzeug entrissen zu haben.

    Ein weiteres Mal erschütterte die Stimme der Frau den gesamten Saal. Ihre genauen Worte konnte Munakil nicht hören, denn die Stimmen der Advokaten übertönten sie. Dennoch wusste er, dass sie sprach und fühlte nun nicht mehr Genugtuung, sondern brennende Wut.

    Hass auf Amon-Gul, auf das was er mit Mingabl getat hatte, auf das zu was er ihn, Munakil, gemacht hatte, loderte nun in ihm.

    Während sich die Schwarze Gestalt des Gottes auf ihn stürzte, sammelte er seine Kräfte und entkam der gewaltigen Masse aus Schatten, indem er sich nach hinten warf.

    Er sah auf zu der Frau, welche sich nun, ihre Hände ausgestreckt und ihr seltsames Auge leuchtend, vor den Gott stellte. Amon-Gul holte mit einem seiner Fangscheren aus und schlug sie beiseite. Sie krachte in die grob behauene Wand der Grube, wo sie liegen blieb.

    Munakil meinte dabei ein knacken gehört zu haben.

    Nun wandte sich die unförmige Gestalt wieder dem widerspenstigen Diener zu, der sich nun aufgerafft hatte, den Dolch noch immer in der linken Hand fest umschlossen. Munakil spürte wie sich ein schiefes Grinsen auf seine Lippen schlich und er wusste, dass es den Gott rasend machen würde.

    Dieser stürzte sich nun zischend und brüllend auf ihn, in alle Richtungen schlagend, schnappend und beißend, während Munakil sich ihm nun entgegenwarf.

    Die Schatten hüllten ihn ein und sie brannten wie Feuer. Sein Blut begann zu kochen und seine Augen drohten in ihren Höhlen zu platzen.

    Nur ein Stich, dann ist alles vorbei, nur ein Stich.

    Mit der gesamten Kraft, die ihm in seinem linken Arm verblieb stieß er den Dolch voran. Zunächst glaubte er nur Dunkelheit zu treffen, doch dann hörte er ein erneutes kreischen. Seine Ohren begannen zu bluten und er wich zurück. Ein unerträglicher Schmerz überkam ihn und er warf sich in den Sand, wo er sich krümmend liegen blieb.

    Die Gestalt aus Schatten schwankte, taumelte und fiel schließlich ebenfalls nieder. Zuckend blieben die Schatten liegend.

    Munakil wurde die Gnade der Ohnmacht nicht zu Teil, er krümmte sich vor Schmerzen weiter, während die Zeit verstrich.

    Er hatte keine Ahnung wie lange er im Sand gelegen hatte, doch als er sich wieder zu rühren wagte, zuckte das was einst Amon-Gul gewesen war immer noch.

    Als er sich umwandte sah er, dass die Frau mit der er gegen den Gott gekämpft hatte, an der Grubenwand lehnte und Blut spuckte. Sie schien jedoch nicht in größerer Lebensgefahr zu schweben wie er selbst. Mit einem Akt aus purer Willenskraft stand er auf und betrachtete sein Werk. Die Stimmen der Advokaten waren alle verstummt, es hätte ihn nicht überrascht wenn diese Kreaturen sich nach dem Tod ihres Herren umgebracht hätten. Doch noch schien etwas Leben in dem Körper des Gottes zu stecken, denn er hörte nicht auf zu zucken. Munakil trat näher heran, weiterhin zuckte die Masse aus Schatten, Beinen und Augen.

    Plötzlich schnellte einer der Schatten vor und traf den Arglosen am Kopf. Er taumelte zurück und hielt sich die Stirn, wo sich nun ein brennender Schmerz entfachte.

    Er hörte eine Stimme in seinem Kopf, dieselbe Stimme die ihm einst in die Schattne gelockt hatte, dieselbe Stimme die zu lange sein Handeln bestimmt hatte.

    Verräter.

    Damit endete die Existenz von Amon-Gul endgültig, als ob er seine ganze verbleibende Lebenskraft für diesen letzten Schlag aufgespart hat.

    Munakil fiel auf die Knie und drückte seine Stirn in den Sand, in der Hoffnung den Brand so zu löschen.

    Er betastete seine Stirn und stellte fest, dass dort wo ihn der Schatten getroffen hatte, nun ein Brandmal prangte. „Das Mal eines Verräters, du nun bist für alle als Gottesschlächter erkennbar,“ stellte die Frau fest, während sie auf ihn zukroch, noch immer tropfte Blut aus ihrem Mund und ihre Beine verrenkten sich in unnatürlichen Posen, sie schienen gebrochen zu sein.

    Erschrocken musste Munakil feststellen, dass seine Stimme schwach und dünn klang, als er fragte: „Was habt ihr vorhin überhaupt gemacht, wer sei ihr?“

    „Seda ist mein Name, ich bin Alchimistin. Das ist alles was du wissen musst,“ stellte sie fest.

    Munakil versuchte seine Stimme wiederzufinden doch es wollte ihm nicht gelinge.

    Seda zog eine Augenbraue hoch: „Ich glaube noch sind wir hier allein, aber bald wird die ganze Stadt wie aus dem Häuschen sein. Meine Beine sind gerade etwas unbrauchbar, also musst du uns beide wohl hier heraus bringen.“

    Er nickte und hievte sie auf seinen Rücken, wo sie sich mit ihren Armen um seinen Hals geschlungen festhielt, während er begann einen ausweg aus der Grube zu suchen.

  • Hallo Iskaral,


    ich habe deine Geschichte gerne gelesen. Besonders deine Namen ließen alt-ägyptische Stimmung aufkommen, und dein Vokabular ist bewundernswert. Aber, halten zu Gnaden, leider gibt es auch reichlich zu meckern.

    Die Frau hob den Kopf, obwohl ihr Ges

    Hier muss statt des Kommas ein Punkt hin, da zwei handelnde Subjekte in dem Satz stecken.

    Das alles war falsch, kein Gott sollte so

    Wer sagt das?


    eine dunkle Präsenz,

    Präsenz ist mir zu nichtssagend. Bei deinem Talent, musikalische Namen zu erfinden, wird dir bestimmt was Besserer einfallen.

    „Nehme er diesen Dolch,

    Wer ist er? Und warum nicht: Nimm diesen Dolch...


    Ein Schemen unbeschreiblicher

    Ich hätte geschrieben: Ein Schwall, Schauer. Ist anschaulicher.


    „Ard´Onan.“

    Onan ist eine Figur aus dem Alten Testament. Ist die Namensgleichheit zufällig oder steckt mehr dahinter?


    as einzig Vernünftige


    seinem Inneren

    Auch an etlichen weiteren Stellen.

    In diese Schwärze gehüllt, so wusste Munakil, kam nun sein Ende.

    Wieder ein ärgerlicher Kommafehler, der den Sinn des Satzes entstellt.

    ihre Hände ausgestreckt und ihr seltsames Auge leuchtend,

    mit ausgestreckten Händen und seltsam leuchtenden Augen finde ich besser als diese aus dem Lateinischen überkommene Satzkonstruktion.

    Nimm´s mir nicht übel, aber ich habe den Eindruck, dass du dir zu wenig Zeit nimmst. So eine Geschichte muss wieder und wieder gelesen werden, wenn es sein muss, 10x, und auch dann passiert noch genug. Sie muss reifen wie ein Apfel, bevor sie ins Forum fällt. Das Potential ist da.

    LG

  • Heyho Iskaral

    Ich halte mich jetzt einfach mal an meine persönliche Devise:


    Eine Nacht drüber schlafen, bevor man sich zu etws äussert. Betreffend sowohl Deinen dritten Teil (den ich beim durchlesen mal wieder sehr genossen habe...) als auch McFee 's Anmerkungen dazu. Obwohl, zu einer dieser Anmerkungen nehme ich gerne sofort Stellung:

    Stattdessen reif sie ein Wort, welches Munakil bis ins Mark erschütterte: „Ard´Onan.“

    Onan ist eine Figur aus dem Alten Testament. Ist die Namensgleichheit zufällig oder steckt mehr dahinter?

    Das Buch Moses(1.Moses 46-47,12) teilt uns dazu folgendes mit:

    "Die Kinder Judas: Eer, Onan, Perez und Serah. Aber Eer und Onan waren gestorben im Lande Canaan."


    Und weiter(1.Moses 46-47,21):


    "Die Kinder Benjamins: Bela, Becher, Asbel, Gera, Naaman, Ehi, Ros, Mupim, Hupim und Ard.


    Ich gehe jetzt mal nicht davon aus McFee , das Iskaral sich auf dieses alte Buch bezog, als er den Ruf "Ard'Onan" geschrieben hat. Sollte ich mich täuschen, umso besser!


    Aber das jetzt mal nur am Rande bemerkt.^^^^^^

  • Danke an McFee und Der Wanderer für das Feedback:)

    Zuerst einmal ist diese Onan-Sache wirklich nur Zufall. Als ich das Magiesystem für meine Welt gebaut habe, brauchte ich

    "magisch klingende" Bezeichnungen und ich wollte, dass jedes der bedeutenderen Worte einen anderen Anfangsbuchstaben hat und relativ kurz ist, sodass sie leichter auseinanderzuhalten sind (in dieser Geschichte merkt man davon nicht so viel^^).


    besser als diese aus dem Lateinischen überkommene Satzkonstruktion.

    Der Latein-Leistungskurs scheint langsam seine Spuren auf mir zu hinterlassen. Ich musste feststellen, dass ich auch in Alltagsgesprächen mittlerweile ähnliche Sätze benutzte.:D


    Nimm´s mir nicht übel, aber ich habe den Eindruck, dass du dir zu wenig Zeit nimmst.

    Möglicherweise (eigentlich ziemlich sicher) hast du Recht. Den letzten Teil habe ich in einem Rausch, an einem Abend zusammengeschrieben und am nächsten morgen zweimal Probegelesen. Viele der Fehler, die du angesprochen hast sind mir zunächst nicht aufgefallen und auch deine Anmerkungen zur Wortwahl werden mir erst jetzt klar. Allerdings stimme ich dir bei jedem deiner Punkte zu und ich werde den Text dahingehend noch einmal überarebeiten und mir deine Vorschläge auch für die nächste Geschichte im Kopf behalten.

    Danke nochmals :thumbup:

  • Hi,

    die nächste Geschichte ist etwas länger. Ich habe sie vor einigen Wochen so peu á peu entworfen und schreibe sie momentan sozusagen ein zweites Mal. Es ist die längste Geschichte die ich je verfasst (und abgeschlossen) habe.


    Ein Pfad aus Blut 1


    Klinge prallte an Klinge, mit Eisen beschlagene Stiefel wirbelten den Staub Waydenthirs auf und zertrampelten die kläglichen Grashalme, die sich über dutzende dürre Sommer so tapfer gehalten hatten. Munakil knurrte, als er seinen Feind durch einen Tritt zwischen die Bein überwältigte. Er rammte seinen Säbel in den Rücken des Unglücklichen. Obwohl er nur eine Hand hatte, war seine Kraft gewaltig. Kaum hatte er sich vom, immer noch zuckenden Leichnam abgewendet, als er auch schon den nächsten Feind brüllend auf ihn zustürmen hörte. Als er sich umwandte sah er eine Frau, eine sehr junge Frau, deren Gesicht hinter einem geschlossenen Helm verborgen lag, doch sie reichte ihm nur bis zur Hüfte und ihre langen schwarzen verdreckten Haare wirbelten wie ein Banner hinter ihr her. Er zögerte keinen Augenblick, wich zur Seite aus und Schwang seinen Säbel mit voller Wucht. Er schlitzte ihr den ungeschützten linken Arm auf und als sie versuchte dem nächsten seiner Hiebe auszuweichen war es auch schon zu spät. Auf Höhe des Nabels fand er einen Streifen nackter Haut den ihre Rüstung offenbarte und Schnitt ihr tief ins Fleisch. Blutend und schwer atmend fiel sie zu Boden. „Das war die letzte,“ rief er keuchend und wandte sich um. Sein Blick streifte sechs Leichen. So hatte er sich ihre Aufgabe nicht vorgestellt. Nachdem sie der Hitze der Yeodhan entkommen waren, zogen sie nun gen des Arbonons, einem riesigen Waldgebiet. Doch zuvor führte ihr Weg sie durch Waydenthir, eine Grassteppe, welche sich in der Zeit des Wachstums in einen Sumpf verwandelte, wenn die Pflanzen zu wachsen beginnen und von den Bergen die Eisschmelze das Tiefland flutete. Doch nun brannte die Sonne. Alle Pflanzen waren verdorrt und das Wasser verdunstet. In dieser Zeit war es das Land des Fefér, einem Gott in Vogelgestalt, der vor allem von den pflanzenartigen Pan verehrt wird. Mit einem der Priester hatten sie ein Abkommen für freies Geleit geschlossen. Doch die Pan waren ebenso sprunghaft wie die Witterung in den Übergangszeiten.

    Sie waren am Morgengrauen überrascht worden. Es waren keine einfachen Wegelagerer, aber sie waren äußerst unerfahren gewesen. „Sie wollten ihn, aber wo steckte er? Munakil strich sich den Schweiß von der Stirn und sah sich erneut um. „Und wo war Seda?“ Noch während er das dachte ertönte hinter ihm ihre melodische und dennoch besorgte Stimme: „Munakil, sie lebt noch, schnell etwas Wein.“ Er spuckte auf den Boden, nur Speichel wie er erfreut feststellte. „Fefér selbst soll mich holen, wenn ich zulasse, dass diese da überlebt.“ Abschätzig betrachtete er das junge Mädchen, die Blut spuckend ihm zu Füßen kauerte. Seda kniete sich neben sie und hatte ihr bereits den Helm und den altmodischen Lederharnisch abgenommen, während sie die Wunden betrachtete. „Ihr macht euer Kleid ganz schmutzig Herrin Sedaja“, sagte er es mit einem sarkastischen Unterton, den er nicht einmal zu verbergen versuchte. Die Kleidung der Zauberin war ebenso zerschlissen und abgetragen wie seine eigene. „Seda, bei Kylas Gnaden, nennt mich einmal bei meinem richtigen Namen, Schatten.“ Er sah nicht, dass sie zwinkerte, denn er hatte sich bereits abgewandt, doch er konnte es sich denken. „Zaubert sie doch wieder Gesund, wenn euch so viel an ihr liegt.“

    Da er ihr den Rücken zugewandt hatte sah er nicht, dass sie bereits in ihrer Tasche kramte und einen Celdatis, einen Talisman, herauszog. Er hatte die Form eines Messers, doch Munakil wusste, dass dieser Talisman nur zum Heilen im Stande war. Er fragte sich, ob er noch aufgeladen war, denn sie hatte seine Kraft bereits verwendet, um damals ihre Wunden zu heilen, als sie beide den Gott Amon-Ghul getötet hatten.

    Der Boden hier war trocken, unfruchtbar und heiß. Sie musste sich anstrengen und ihren Geist weit schweifen lassen. Doch anscheinend fand sie genug Lebenskraft in ihrer Umgebung, um den Celdatis aufzuladen.

    „Ard´Celda“, flüsterte Seda und der Talisman begann zu leuchten.

    „Es linderte ihre schmerzen und wird die Heilung beschleunigen, doch ohne Wein könnte sich die Wunde noch immer entzünden und das verlorene Blut kann ich auch nicht wieder herstellen. Hier gibt es nicht genug Energie für weitergehende Magie.“

    Knurrend ging er zu ihrem Lager und holte den Weinschlauch. Er warf ihn der Zauberfrau vor die Füße. Sie sah ihn lange und eindringlich an, bis er sich abwenden musste. Auf seiner Reise mit ihr hatte er feststellen müssen, dass Magie weitaus weniger vermochte, als er gedacht hatte, nun zumindest die, die Seda praktizierte.

  • Hallo Iskaral ,


    ein sehr schöner Text, gefällt mir außerordentlich gut. :thumbsup:

    Deine Wortwahl finde ich passend, die Einbettung von Erklärungen/Beschreibungen der Umgebung sind gut abgestimmt, die Namen sind ebenfalls wieder schön. Lediglich am Anfang sind ein paar wenige Sätze etwas lang geraten, das zieht sich beim Lesen leicht und steht damit etwas im Widerspruch dazu, dass wir uns gerade in einer Aktionsreichen Szene befinden.


    Er spuckte auf den Boden, nur Speichel wie er erfreut feststellte.

    Den Sinn von diesem Satz habe ich nicht so richtig verstanden, was hat er erwartet, wenn er spuckt?

    als sie beide den Gott Amon-Ghul getötet hatten.

    Das ist ein schöner Rückbezug, falls beim Lesen der Kapitel eine Pause war, sollte das ganz gut helfen, um die beiden, Munakil und Seda, einzuordnen.