Sonnenfall: Asche und Gold

Es gibt 5 Antworten in diesem Thema, welches 255 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (19. Juli 2024 um 00:20) ist von Feron.

  • Diese Geschichte basiert auf einem Setting, welches schon länger in meinem Hinterkopf herumspukt. Sie ist bewusst als Nebenprojekt angedacht, also mal schauen, wie ich hier vorankomme.

    Ich bin mir noch nicht sicher, wohin diese Reise führt, aber ich hoffe mal, ich krieg die Geschichte ohne zig Revisionen gebacken. :oops:

    Was ihr hier erwarten könnt

    Recht düstere Fantasy, in erster Linie durch ein postapokalyptisches Setting getrieben.


    ***1***

    Entgeistert starrte Alard auf seine Handfläche. Asche rieselte zu Boden, als er das Objekt zwischen seine behandschuhten Finger nahm. Es war hart, aber nicht so hart wie Eisen. Und schwer war es, erstaunlich schwer!

    Verstohlen blickte er um sich. Dolf kehrte ihm noch immer den Rücken zu und war mit seiner eigenen Suche beschäftigt. Und ausser ihnen war hier meilenweit kein lebendes Wesen.

    Prüfend hielt Alard das Ding gegen den grauen Himmel. Unter der Schicht aus Asche zeigte sich kaum merklich ein matter, gelber Schimmer. Pures Gold.

    Hastig schloss er seine Faust um den Klumpen und sank mit den Knien auf den Boden. Seine freie Hand wischte die Asche von der verbrannten Erde. Es waren nun zwei Tage vergangen und noch immer fühlte er die Wärme an seinen Handschuhen und roch den Rauch in der Luft. Dieser verfluchte Rauch!

    Alard konnte etwas ertasten. Es war ein weiteres Stück Gold! Dieses wirkte langgezogen. Er fand noch mehr Stücke, kleine Kugeln, wie in der Luft erstarrte Wassertropfen.

    Während er seine Fundstücke zählte, rief ein weiteres Schimmern nach Alards Aufmerksamkeit. Er beugte sich weit vor und griff nach dem blauen Funkeln inmitten der verbrannten Schwärze.

    Der Verdacht, der sich schon längst in Alards Vorstellungskraft breit gemacht hatte, wandelte sich nun in bittere Gewissheit. Es war ein Saphir. Der grösste verdammte Klunker, den er je gesehen hatte und er wusste auch genau, wo er ihn das letzte Mal gesehen hatte.


    Langsam erhob sich der Gardist und blickte zu seinem Kameraden. Dolfs königsblauer Umhang war der einzige Farbfleck in diesem grauen, toten Land. Er und der Saphir in seiner Hand.

    Alard entfernte den Schal von seinem Mund, der ihn behelfsmässig von der garstigen, beissenden Luft geschützt hatte. Er leckte sich über die spröden Lippen. Dolf konnte er vertrauen, oder? Noch vor zwei Tagen hätte er nie und nimmer daran gezweifelt. Wie hätte er Dolf nicht vertrauen können? Doch die Welt war nicht mehr dieselbe und Alard wusste nicht mehr, ob die Werte, an die er glaubte, noch existierten. Ob die Dinge, die er sah, real waren und ob die Zukunft, von der er träumte, je wieder greifbar würde.

    «Dolf!», rief er. Seine Stimme hallte unnatürlich weit auf dem kargen Hügel. Noch vor zwei Tagen hätten wallende Wiesen und frisch ergrünte Bäume seine Stimme gedämpft. Von den Apfelhainen, die in voller Blüte gestanden wären, blieben nun nichts als verkohlte Stümpfe zurück.

    Sein Freund drehte sich zu ihm um. «Was?», rief er hallend zurück.

    «Komm mal bitte her.» Alard fühlte sich zu niedergeschmettert, um seine Stimme zu erheben. Und er brauchte jede Sekunde zum Nachdenken, die er kriegen konnte.

    Dolf trat vor ihn. Verglichen mit der restlichen Kaiserlichen Garde war der Krieger klein. Ein ewiger Kandidat für die zweite Reihe, nicht für die bewundernden Blicke des Volks gemacht. Aber erlebte man den rotbärtigen Muskelprotz erst einmal in Aktion, dann Gnade dem, der sich den Kaiser zum Feind machte!

    «Was ist?», wollte Dolf wissen. Er wirkte noch kürzer angebunden als üblich. Auch ihm war dieser Ort unheimlich.

    Alard öffnete seine Faust und zeigte ihm die Goldklumpen, zusammen mit dem schimmernden Saphir.

    «Der Kaiser ist tot.»

    Dolf schürzte die Lippen. Hinter der gerunzelten Stirn arbeitete es.

    «Scheisse.»

    Er stützte die Hände in die Hüften und wandte sich ab, starrte auf die zerstörte Landschaft unter ihnen.

    «Scheisse … Ist dies das Ende?»

    «Ich weiss es nicht …»

    Alard liess die geschmolzenen Überreste der kaiserlichen Krone in einem Beutel verschwinden, den er an seinem Gürtel befestigte. Dann gesellte er sich zu seinem alten Freund.

    «Wahrscheinlich ist es das Ende von Ulam», schloss er nach kurzer Überlegung.

    Dolf nickte. «Das Reich hatte seinen Zenit sicherlich überschritten, aber das hier … das ist ein Todesstoss.»

    Das Ende … je länger Alard über dieses Wort nachdachte, desto mehr ängstigte es ihn. Als er Ulam nach dem Ereignis verlassen hatte, schien der Himmel selbst in Flammen gestanden zu haben. Die Feuer hatten bis in das Umland der Hauptstadt gewütet und niemand hatte gewusst, was mit dem Kaiser und seiner Armee geschehen war.

    Der Krieger dachte an seine Ingrun. Ob sie und die Kinder wohl in Sicherheit waren? Der Hof lag südlich der Stadt. Sicherlich würde sie früh genug fliehen, bevor die Feuer, die Plünderer oder die Streitkraft des Verräters über das Land herfielen. Seine Eltern würde sie auch mitnehmen. Vater war nicht mehr gut zu Fuss, sie brauchte also den Ochsen.

    Alard schalt sich einen Idioten. Warum hatte er seinem Weib nie gezeigt, wie man den Ochsen einspannte? Er hätte sich schon früher für das Schlimmste wappnen müssen.

    «Was jetzt?», unterbrach Dolf’s Stimme seine Gedanken. Alard schürzte die Lippen. Er musste diesen Auftrag rasch zu Ende bringen und danach weiterziehen, heim, zu Ingrun.

    «Wir überbringen dem Hauptmann die traurige Kunde zusammen mit der Krone. Auf dass er sie dem rechtmässigen Erben weiterreicht.»

    Alard wandte sich ab und schickte sich an, den Hügel hinabzusteigen. Bis Ulam war es ein Tagesritt. Nach Hause waren es zwei weitere, aber er konnte es in einem schaffen.

    «Sollten wir die Krone nicht der Familie ihrer Majestät übergeben?», rief Dolf ihm nach.

    Alard hielt inne. «Und an wen hast du gedacht?», fragte er widerwillig. «Die Königin hat Ulam vor Wochen verlassen und sich nach Herat in die Sicherheit der Heimat begeben.»

    «Harkon Eowingeth.»

    Alard starrte seinen alten Freund an. «Harkon? Ihre Majestät hatte Neunundzwanzig Kinder und du kommst mir ausgerechnet mit Harkon?»

    «Ari … Harkon ist ein Meranger. Der Einzige der Dynastie mir echter Kampferfahrung. Es kommen dunkle Tage auf Ulam zu, nun brauchen wir mehr denn je einen Krieger an unserer Spitze.»

    «Er ist nicht der Thronerbe, Dolf.»

    «Der Thronerbe!», Dolf lachte, wobei der Laut nichts mit Humor zu tun haben schien. «Ademar Eowingeth ist selbst schon ein Greis und ans Bett gefesselt. Und sein Sohn noch zu jung, um den Thron zu besteigen!»

    Alard stemmte die Hände in die Hüften. Er wusste nicht, was ihn mehr ärgerte: Dolfs verräterische Behauptung oder der Teil davon, der der Wahrheit entsprach.

    «Die Wahl nach dem Thronerben liegt – den Göttern sei Dank – nicht bei uns. Unser Auftrag ist klar: Erfahren, was mit dem Kaiser geschehen ist und dem Hauptmann Bericht erstatten.»

    «Glaubst du nicht, die Dinge haben sich nun ein wenig geändert?», beharrte Dolf weiter.

    «Der Hauptmann war sehr deutlich mit seinem Befehl. Wir wenden uns an ihn und an niemanden sonst.»

    «Und warum glaubst du, ist das so? Der Hauptmann ist ein ehrgeiziger Mann, das wissen wir beide. Was weiss er, dass wir nicht wissen?»

    Dolfs Sturheit begann, an Alards Nerven zu zehren.

    «Dasselbe könnte ich dich fragen», fuhr er seinen vermeintlichen Jugendfreund an. «Woher kommt diese plötzliche Treue zu Harkon Eowingeth, ein Mann, der kaum je in der Nähe das Palasts gesehen wurde?»

    Der hatte gesessen. Dolf öffnete den Mund, schloss ihn aber sogleich wieder. Seine blauen Augen senkten sich zu Boden.

    «Wobei …», überlegte Alard laut und überdachte seine vorherige Aussage. «Harkon war im Palast. Ich habe ihn noch letzte Woche gesehen. Nur Tage, bevor ihre Majestät ins Feld gezogen war …»

    Die unnatürliche Stille des sterbenden Landes senkte sich über sie, während die Wut langsam in Alard hochkochte.

    «Du hast mit ihm gesprochen, nicht wahr?»

    Dolf schwieg, beinahe beschämt.

    «Wie viel hat er dir geboten?»

    «Du glaubst, ich bin käuflich? Ari, du kennst mich doch!»

    «Na was war es dann – sag schon!»

    «Ich habe eine Familie …»

    «Ich weiss! Die habe ich auch!»

    Alard trat näher heran. Seine Faust umklammerte den Beutel an seinem Gurt. Natürlich hatte er Enja nicht vergessen. Die Zwillinge, die kleine Suna und Eowin, dem eine glorreiche Zukunft als Meranger bevorstand. Der ihm wie der Sohn war, der ihm noch nicht geschenkt wurde. Natürlich wusste er, dass sich Dolfs Hof nördlich von hier befand und er so schnell wie möglich dorthin gelangen wollte um zu retten, was noch zu retten war. Doch dass Dolf ihm so etwas verheimlichen würde … hinter seinem Rücken Pläne schmiedete …

    «Er hat mir Schutz für meine Familie versprochen», brachte Dolf zähneknirschend hervor.

    «Schutz wovor?» Alard streckte seinen Arm aus und liess ihn über das Land schweifen, wo sich einst Ähren und Gräser im sonnigen Wind wiegten.

    «Ist das hier etwa sein Werk?»

    Dolf sah auf die rauchende Einöde und blinzelte heftig. Seine Augen wurden feucht. «Ich glaube nicht … wie sollte er so etwas tun können? Nein, er hat mich bloss vor dem Krieg gewarnt. Er meinte, sein Vater paktiere mit Kräften, die nicht zu kontrollieren waren und dass er um die Zukunft des Landes besorgt sei.»

    Alard mochte seinem Jugendfreund nicht länger in die Augen sehen und raufte sich stattdessen die Haare. «Es war dumm, dich mit Harkon zu verschwören», schimpfte er. «Aber ich verstehe, warum du es getan hast. Ich werde dem Hauptmann nichts davon erzählen, wenn wir wieder in Ulam sind.»

    «Ich gehe nicht nach Ulam», sagte Dolf entschlossen.

    «Wie bitte?»

    «Harkons Sitz ist im Norden, nicht weit von meinem Hof.»

    «Du erwägst nicht ernsthaft, weiterhin diesen Weg zu gehen?»

    «Habe ich denn eine andere Wahl? Er ist der Einzige, der dem Dorf jetzt helfen kann.»

    «Dir ist bewusst, dass ich das als Verrat betrachten muss?»

    Dolf wirkte traurig. «Ich hatte gehofft, du würdest dich mir anschliessen.»

    Alard richtete seinen blauen Umhang und lockerte die Schultern. «Die Krone geht nach Ulam, wo sie hingehört.»

    Die beiden musterten sich. Alard angespannt, Dolf sichtbar zögernd. Er biss sich auf die Lippe und Alard sah ihn schon zu Vernunft kommen, da straffte sich der rotbärtige Gardist und zog sein Schwert.

  • Hallo Jufington !:alien:

    Für mich liest sich die Geschichte eher wie eine High-Fantasy-Geschichte und weniger wie Dark-Fantasy. Aber vielleicht interpretiere ich das auch völlig falsch. Deine Anmerkung mit dem postapokalyptischen Setting hat mich für die erste Sekunde auf SciFi eingestimmt. Aber dein Text lässt eher auf europäisches vielleicht auch chinesisches Mittelalter schließen.

    Sehe ich das richtig, dass das kein Prolog ist, sondern bereits Kapitel 1? Ich glaube, darauf muss ich erst mal klarkommen, denn meistens kriege ich tatsächlich erst einen Prolog zu lesen, in dem mir das Setting kurz nähergebracht wird. Ich glaube auch wirklich nur knapp die Hälfte von den Informationen und Details realisiert zu haben, obwohl ich den Text zweimal gelesen habe. Das ist aber vermutlich eher meiner beschränkten Auffassungsgabe zuzuschreiben und weniger dem Text.

    Die beiden musterten sich. Alard angespannt, Dolf sichtbar zögernd. Er biss sich auf die Lippe und Alard sah ihn schon zu Vernunft kommen, da straffte sich der rotbärtige Gardist und zog sein Schwert.

    Ich weiß jetzt nicht, ob es mir nun lieber wäre, dass dieser cliffhanger im nächsten Part aufgelöst wird, oder die Geschichte mit einem anderen Setting weitergeht. :hmm: Ich glaube, in beiden Fällen fände ich es etwas unbefriedigend. Ich würde mich dann fragen, ob der cliffhanger so früh schon nötig ist, wenn er dann ohnehin schon (im 2. Part) aufgelöst wird. Andererseits konnte ich persönlich mit den Charakteren noch nicht wirklich mitfühlen, als dass mir deren Schicksal (Alards Schicksal) irgendwie wichtig wäre.

    Als der Name Dolf aufkam, hatte ich gleich den Schauspieler Dolph Lundgren vor Augen. :sack: Aber das von dir beschriebene Bild war dann ein komplett anderes. :sack:

    Da das erst der erste Part überhaupt ist, kann ich natürlich noch nicht viel wissen. Ich kann jetzt nur mit dem arbeiten, was mir vorgelegt wurde. Ich hatte zuerst die Vorstellung, dass Alard ein Kundschafter oder Archäologe sei. Bei dem beschriebenen Setting mit der Asche und dem grauen, staubgesättigten Himmel hatte ich sofort einen (erloschenen) Vulkan vor Augen. Und als dann Alard die Krone (ich nehme an, dass es die Krone ist) aus der Asche rettet und diese mit dem Tod des Kaisers in Verbindung setzt, war ich schnell bei einer ähnlichen Naturkatastrophe wie bei Pompeii. :hmm:

    Ich glaube, ich persönlich brauche erst noch etwas mehr von der Geschichte, um ein klares Feedback abzugeben. :hmm:

  • Hey Jufington

    Gefällt mir sehr gut als Einstieg.
    Ich hatte gleich ein konkretes Bild vor Augen. Eine karge Landschaft, zwei Krieger, die nach einem verheerenden Angriff in der verbrannten Asche die Überreste der kaiserlichen Krone finden. Dann die Hinweise zu einer möglichen Intrige, in die der eine der Männer verstrickt zu sein scheint. Ich finde, das Dilemma von Dolf hast du gut dargestellt und im ersten Moment war ich mir nicht sicher, wer von beiden ( Dolf oder Alard) nun die besseren Argumente hat. Die Machtverhältnisse in dem Land scheinen ja ziemlich zerrüttet zu sein, die Thronfolge ungeklärt und man darf sich wohl mit Recht fragen, wer hier welche Ziele verfolgt. :hmm:

    Dass sich die beiden Freunde am Ende gegeneinander wenden ist tragisch. Ich bin gespannt, wie das wohl ausgehen wird und was du dir da Schönes ausgedacht hast. :gamer:

    Nur eine Sache, bei der ich hängen geblieben bin:

    Komm mal bitte her.» Alard fühlte sich zu niedergeschmettert, um seine Stimme zu erheben

    Grundsätzlich bin ich ja für höfliche Anreden, aber hier fand ich das „bitte“ irgendwie ein bisschen too much. Ich meine, das sind Krieger, die sind auf einer Mission, die suchen beide den Dreck ab… würde Alard nicht einfach sagen: Dolf. Ich hab etwas… oder sowas? :hmm:

    Ansonsten noch eine Sache: Wer weiß, ob der Kaiser wirklich tot ist. Die Krone allein stellt für mich noch keinen verlässlichen Beweis dar. :hmm: Aber mal abwarten…


    LG

    Rainbow

  • Hallo Zarkaras Jade und Rainbow , vielen Dank für euer Feedback!

    Ich hoffe, die Menge an Infos war nicht zuviel für den Anfang:D

    Für mich liest sich die Geschichte eher wie eine High-Fantasy-Geschichte und weniger wie Dark-Fantasy. Aber vielleicht interpretiere ich das auch völlig falsch. Deine Anmerkung mit dem postapokalyptischen Setting hat mich für die erste Sekunde auf SciFi eingestimmt. Aber dein Text lässt eher auf europäisches vielleicht auch chinesisches Mittelalter schließen.

    Offen gesagt fällt es mir auch schwer, die beiden auseinanderzuhalten. Ich persönlich sehe den Unterschied mehr in der Tonalität als in den Wesen, welche die Welt bevölkern.

    High Fantasy wäre wohl das sicherere Label, denn das ist es bestimmt.:hmm:

    Und Postapokalypse hat für mich auch nichts mit technologischem Fortschritt zu tun. Wir suchen uns ja nicht aus, wann die Apokalypse eintrifft. :chaos:

    Sehe ich das richtig, dass das kein Prolog ist, sondern bereits Kapitel 1? Ich glaube, darauf muss ich erst mal klarkommen, denn meistens kriege ich tatsächlich erst einen Prolog zu lesen, in dem mir das Setting kurz nähergebracht wird.

    Yes, kein Prolog. Ich dachte, ich lege mal direkt los und decke erst im Verlauf der Geschichte auf, was eigentlich los ist.

    Andererseits konnte ich persönlich mit den Charakteren noch nicht wirklich mitfühlen, als dass mir deren Schicksal (Alards Schicksal) irgendwie wichtig wäre.

    Hmm, ein guter Punkt und wahrscheinlich ein Nebeneffekt des raschen Einstiegs. Ich denke, das lässt sich aber innerhalb eines einzelnen Kapitels auch nicht ändern (zumindest ich als Amateur-Schreiberling nicht :ugly:). Damit muss ich wohl leben und hoffen, dass der Aufbau im Endeffekt funktionieren wird.

    Als der Name Dolf aufkam, hatte ich gleich den Schauspieler Dolph Lundgren vor Augen. :sack: Aber das von dir beschriebene Bild war dann ein komplett anderes. :sack:

    :D Bei dem Namen war ich mir anfangs auch nicht sicher, habe mich aber rasch damit angefreundet. Ich habe mich vor allem auf germanische und fränkische Namen festgelegt.


    Rainbow Freut mich, dass es dir soweit gefällt und dass die Motivationen beider Männer für dich verständlich sind. Sie sollten ja beide nicht Unrecht haben, nur einfach andere Prioritäten.

    Das mit der Höflichkeit nehme ich für die Überarbeitung mit rein. Ebenso wird noch eine Verdeutlichung über den Verblieb des Kaisers eingefügt.

  • *****

    Mit raschen, geübten Strichen vollendete Olrim Pitareth seine Skizze und legte den Kohlestift beiseite. Er betrachtete sein Werk und kratzte sich am Bart. Als Meister der Zauberei brauchte er seinen mentalen Pfad nicht präzise mit dem Zirkel auszuarbeiten. Eine grobe Gedankenstütze reichte völlig aus, um sich in den magischen Adern zurechtzufinden.

    Sein Blick wanderte zwischen dem offenen Buch und seiner eigenen Interpretation hin und her. ‘Hinter dem Roten Nebel’ von Aelond Isenarth. Eine schockierend schlüssige Lektüre, obschon sie von den Anhängern von Suldraïr genutzt wurde, um den Glauben an die Drei Gestirne auf ketzerische Weise zu verzerren.

    Olrim war sehr wohl bewusst, dass dieses Buch nicht gelesen werden sollte, doch der Kaiser war mit seiner Anweisung sehr klar gewesen. Brüder wandten sich gegen Brüder, das Reich stand kurz davor, sich zu entzweien. Wenn es eine Zeit gab, drastische Wege zu beschreiten, dann war sie nun gekommen.

    Der Kaiser regierte das Reich nun bereits seit Neunzig Jahren und während vielen davon stand er ihm als treuer Diener zur Seite. In all der Zeit hatte er den Herrscher nicht derart beunruhigt erlebt. Überkam ihn langsam die Paranoia? In letzter Zeit fiel es ihm schwer, seine Majestät zu verstehen. Er verbrachte mehr Zeit mit seinen Alchemisten, als mit dem Rat, liess sich von ihnen Bäder einlassen und seine Haut mit Salben verjüngen. Bestimmt flüsterten sie ihm Dinge ins Ohr. Olrim war nicht entgangen, wie die Höflinge ihn mit misstrauischen Blicken bedachten. Wurden Lügen über ihn und seine Berufung verbreitet?

    Entschlossen erhob Olrim sich von seinem Sessel. Die Leute redeten, daran liess sich nichts ändern. Doch würde er schon bald dafür sorgen, dass ihre Meinung zu Zauberei sich änderte.

    Ein letzter Blick auf die ineinander verwobenen Kreise seiner Zeichnung und er streckte die Hand nach einer leeren Ecke seiner Gemächer aus. Seine Gedanken griffen nach der Schwärze hinter den Drei Gestirnen, suchten das Nichts nach der Quelle seiner Kraft ab. Mit der Drehung seiner Hand bewegte der Zauberer sich auf seinem mentalen Pfad vorwärts. Wie ein Bergarbeiter zwängte er sich durch die schmalen Adern der magischen Ebene, auf der Suche nach einer Energiequelle, die es zu schürfen galt.

    Das Nichts war durchzogen von Spuren. Längst verklungene Echos, die von gewaltigen Kräften zeugten. Welten, die miteinander kollidierten, Mahlstrome voller glühendem Stein und brennenden Gasen. Doch die Quellen dieser Macht waren für ihn unerreichbar. Manchmal zum Greifen nah und doch war dort nichts, als ob sich ihm bloss Visionen aus der Vergangenheit zeigten.

    Seine Finger zuckten unwillkürlich. Je länger er dem Pfad folgte, desto undurchdringbarer wurde das Nichts. Als ob es sich seinem Einfluss zu entziehen versuchte.

    Ein Bild tauchte vor seinem geistigen Auge auf. Ein feiner, roter Schleier, inmitten der Schwärze. Da war die Quelle! Wie ein Ertrinkender klammerte Olrim sich an dieser Kraft fest. Die Luft schien seinen Lungen entweichen zu wollen, manifestierte sich als kalter Dampf vor seinem Mund. Einige der Kerzen flackerten und erloschen, während er wie gebannt auf die Ecke starrte und seine Hand weiter drehte.

    Der Rote Nebel füllte seine Gedanken aus, versuchte ihn aus seiner Domäne zu vertreiben, doch er blieb standhaft.

    Weitere Kerzen erloschen. Der Raum wurde zunehmend dunkler. Dunkler, als er sein sollte. Die Finsternis verdichtete sich, verschmolz zu einem kalten Klumpen, entführt aus den entferntesten Gefilden des Kosmos.

    Seine Linke tastete nach Halt bis sie die Lehne seines Sessels fand. Ihm wurde schwindlig, seine Lungen schrien nach Luft, während der Klumpen weiter anwuchs.

    Olrim zog seine Hand zurück. Augenblick verschwand der Rote Nebel aus seinem Kopf und erlaubte ihm, nach Luft zu schnappen. Keuchend klammerte er sich an seinem Sessel fest. Was auch immer ihm eben widerfahren war, er musste es weiter erforschen. Es musste ihm gelingen, diese unbekannte Energie nutzbar zu machen.

    Ein Klopfen an der Tür. Hastig klappte er das Buch zu.

    «Tretet ein.»

    Die Tür zu seinen Gemächern öffnete sich uns sein junger Kämmerling zeigte sich.

    «Meister Pitareth, ihre Majestät hat eine Sitzung des Rats einberufen und nach Ihnen verlangt.»

    Der Zauberer tupfte sich mit einem Taschentuch den Schweiss von der Stirn und nickte. Dem Kaiser lag also doch noch etwas an seinem Reich.

  • Ich habe jetzt mal den ersten Teil gelesen. Es ist eine interessante Ausgangssituation aber ich denke der Text ist als Einstieg für die Geschichte zu lange zu wage. Zarkaras Jade hat ja schon angemerkt das sie nicht gleich wusste ob es ein Sci-fi oder Mittelalter Setting ist. Das empfinde ich leider auch so.

    Das hier zum Beispiel:

    Zitat

    Entgeistert starrte Alard auf seine Handfläche. Asche rieselte zu Boden, als er das Objekt zwischen seine behandschuhten Finger nahm. Es war hart, aber nicht so hart wie Eisen. Und schwer war es, erstaunlich schwer!

    Zum einen finde ich es komisch mit Handschuhen die Textur von Gold und Eisen unterscheiden zu können, abgesehen davon legst du hier den Fokus auf das Gewicht. Das macht aber aus meiner Sicht keinen Sin, weil den Charakter hier eigentlich interessieren sollte ob es die Krone ist oder nicht.

    Wenn es mein Manuskript wäre, würde ich die Krone am Stück lassen, aber beschreiben, dass sie zu einem Klumpen eingeschmolzen ist. Du könntest beschreiben wie Alard in der Asche einen riesigen Goldklumpen findet und sich dann niedergeschlagen auf die Knie fallen lässt anstatt sich zu freuen. So wirft es interessante Fragen auf die der Leser vielleicht beantwortet haben will.

    Ich würde auch nicht gleich auf der ersten Seite so viele Namen nennen. Auch der Zustand des Königshauses kann meiner Meinung nach erstmal warten. Du überforderst den Leser sonst mit Informationen die noch keine Rolle spielen. Konzentrier dich lieber erst einmal auf den Protagonisten und dessen Probleme.