• Hey,


    ich packe meine Gedanken mal in den Spoiler :)



    LG,
    Rainbow

  • So meine Gedanken


    "verstörende Schatten" klingt nach Schatten die zweideutiges bilden. Interressant. XD


    Nett vom Dealer das er nur gucken will und nicht mehr. Nur sah er nicht das Ellie sich extra aufgebrezelt hat. XD


    Hmm mal was lockeres. Gefällt mir trotzemdem gut.

  • Hey,


    wow, ich habe es geschafft und bin nun auf dem aktuellen Stand. Hier meine Anmerkungen zu Post 37 und Post 40



    LG,
    Rainbow




  • Moira Nova 24 Jahre



    Gefrustet von der Absage wollte ich mich irgendwie ablenken und entschied mich, trotz meines niedergeschlagenen Gemüts, in die Innenstadt zu gehen und etwas zu shoppen.
    Ich musste die Gedanken an diese hochnäsige, intolerante Tussi vergessen. Sie zogen mich runter und beraubten mich meines Rests an Fröhlichkeit. Trotzdem konnte ich meine Trauer nicht gänzlich vor den Passanten verbergen. Auf mich wirkten nun alle anderen glücklich und zufrieden, selbst wenn sie sich offenkundig über alltägliche Dinge beklagten. Bisher war mein Tag eine pure Katastrophe und ich konnte mir nur schwer vorstellen, diesen wieder mit Positivem zu erfüllen.
    Auf dem Parkplatz hinter dem Kino sah ich einen Mann unter einer Hochmastlaterne hocken, der mir bekannt vorkam. Nur vorsichtig näherte ich mich ihm, wollte ich immerhin den Platz schnell überqueren. Doch je näher ich dem Mann kam, umso mehr bestätigte sich meine Annahme. Es war Michelle, mein Fotograf.
    Aber was machte er dort? Und wieso war sein Hemd zerrissen?
    Ich beschleunigte meine Schritte und sprintete auf ihn zu. Dabei fielen mir die Silhouetten einiger Personen ins Auge, die sich voneinander separiert an der Hauswand im Schatten aufhielten. Am Tag ein viel besuchter Platz, aber abends und vor allem nachts eine zwielichtige Gegend. Und dementsprechend erschüttert, bereits zu dieser Uhrzeit die ersten Frauen des Horizontalgewerbes hier anzutreffen, ging ich mit gemischten Gefühlen weiter auf Michelle zu.
    „Was ist denn mit dir passiert?“, fragte ich entsetzt und holte schnell ein Taschentuch hervor. „Wieso blutet deine Nase?“
    Vom blauen Auge und der Platzwunde an der Unterlippe ganz abgesehen.
    Er hüllte sich in Schweigen und wies mich sogar zurück.
    Aber ich ließ nicht locker und begann, ihm das Blut vom Kinn zu tupfen.
    Störrisch stieß er meine Hand weg und quälte sich langsam auf die Knie. „Lass mich in Frieden!“
    „Michelle, erkennst du mich nicht wieder?“ Verwundert starrte ich ihn an, griff vorsichtig unter seinen Arm.
    Aber er drückte mich von sich weg und stand schmerzgeplagt auf. Die Hose mit Dreck, Blut und öligem Wasser beschmutzt.
    „Hau einfach ab, Moira!“, knurrte er und schlupfte schwerfällig über den Boden, seinen Rucksack hinter sich her schleifend.
    „Was ist passiert?“, rief ich über den ganzen Platz und rappelte mich ebenfalls auf.
    Dann hörte ich eine Frauenstimme antworten: „Er hat uns erpresst!“
    Erschrocken sah ich mich nach dieser um und fing die Gruppe Bordsteinschwalben auf, die in unsere Richtung kamen.
    „Nein, das kann nicht sein“, widersprach ich sofort. „Ich kenne ihn und ich weiß, er hat so etwas nicht nötig.“
    Misstrauisch musterten sie mich, fingen an zu grinsen und die eine sagte: „Schätzchen, wie naiv bist du denn?“
    „Naiv?!“ Sollte das eine Drohung sein? Wollte sie mich herausfordern? „Wieso naiv? Haben Sie mal etwas Respekt!“
    Michelle ging unbeeindruckt weiter, oder gar von den Damen eingeschüchtert. Wäre ich vermutlich in seiner Situation auch gewesen.
    Aber was die eine Frau dann sagte, schlug dem Fass den Boden aus. „Er wollte Fotos von uns machen. Das haben wir aber nicht zugelassen.“
    „Nein! Das ist nicht wahr!“ Empört war ich, im äußersten Maße entsetzt von solcher Dreistigkeit. Derartige Beschuldigungen durfte ich nicht dulden.
    Andererseits klang die Frau nicht so, als hätte sie gelogen. Aber schon der Gedanke, sie spräche die Wahrheit, klang für mich wie ein Widerspruch an sich.
    „Michelle, sag, dass das nicht wahr ist.“
    Aber er schwieg weiterhin.
    „Süße, sieh es einfach ein“, mischten die Frauen sich erneut ein. „Er ist ein Schwein und nichts weiter.“ „Die Kerle sind alle gleich.“
    „Michelle, antworte endlich!“ Ich packte seinen Arm und hielt ihn fest. Mein Kollege wehrte sich aber gar nicht, sondern blieb stehen und drehte sich zu mir um. In seinem Gesicht regte sich nur Gleichgültigkeit und Arroganz.
    „Sag die Wahrheit, Michelle! Willst du dich wirklich so demütigen lassen?“
    „Mein Gott, was ihr Weiber euch nur so habt?!“, entgegnete er augenrollend. „Ich weiß nicht, was du willst, Moira!“
    Ich stutzte. Mit Hand auf der Brust glotzte ich ihn verdutzt an und räusperte mich kurz.
    „Du bist doch selbst schuld, wenn du dich so zierst...“, holte er zum nächsten Verbalschlag aus.
    „Zieren? Ich?“ Ich dachte, ich höre nicht richtig. „Bist du bescheuert?!“
    „Ich verstehe eure Logik nicht“, meinte er weiter mit Schulterzucken und zeigte auf die leichten Damen. „Für Sex lasst ihr euch bezahlen, aber für Aktfotos seid ihr euch zu fein. Was für eine verdrehte Logik...“
    „Das hat nichts mit Logik zu tun, du Spinner!“
    Wut stieg in mir auf, Konfusion und Enttäuschung. Allein schon die Vorstellung an das vermeintlich Geschehene ließ mein Blut kochen.
    „Das glaube ich jetzt nicht.“
    Aggressionen stauten sich fix an, welche ich vorerst noch in mahnenden Worten abbauen konnte: „Lösche sofort die Bilder!“
    „Ich hab doch gar keine gemacht“, erwiderte er Unschuld mimend, aber zeigte anschließend mit richtendem Finger auf die Frauen. „Außerdem habt ihr mich angegriffen und nicht umgekehrt!“
    „Halt dein Maul!“, brüllte ich ihn an. „Gib mir die scheiß Kamera!“
    Natürlich weigerte er sich.
    Ich wurde handgreiflich und wollte ihm den Rucksack entreißen. Aber er hielt dagegen und begann sogar nach mir zu treten. Ich wurde immer wütender, provozierte er mich einfach zu sehr. Was er konnte, konnte ich schon lange. Und so nahm ich meine Handtasche und zimmerte sie ihm über den Schädel. Die Frauen gingen sofort dazwischen, aber ich schlug weiter auf den Bastard ein. Sie konnten mich keineswegs zähmen und kassierten ebenso einige Kopfnüsse und Schulterhiebe.
    Dann hatte ich endlich seinen Rucksack, obgleich der Reizverschluss in diesem Gerangel zerstört und ein großer Stofffetzen herausgerissen wurde. Ich kramte seine Nikon hervor und schmetterte sie mit aller Kraft auf die harten Pflastersteine. In tausend Teile zersprang sie, doch mir war das noch nicht genug. Wieder- und abermals nahm ich das zertrümmerte Gerät und warf es auf den Boden.
    Michelle schrie mich entsetzt an, verfluchte und beleidigte mich aufs übelste. Und schürte immer mehr den Zorn in mir.
    Rotz und Wasser heulte ich, mein Verstand setzte aus und ich ballte die Hand. Weit ausholend, zielte ich auf seinen überdimensionalen Zinken und versenkte mit geschätzten 180 meine Faust in seine hässliche Visage.
    Er taumelte zurück, strauchelte und fiel zu Boden. Die Prostituierten glotzten mich verdutzt an, dann zu Michelle und wieder zu mir. Ihnen blieben die Worte offenbar weg, denn außer dummen Gaffen kam nichts dabei rum.
    Erst jetzt, als er mit erneut und noch heftiger blutender Nase dalag und ich mit verstauchtem Handgelenk vor ihm stand, bemerkte ich meine Missetat. Reue verspürte ich nicht, aber Angst.
    Angst davor, erschütternde Konsequenzen zu erleben, die mich noch tiefer ins Unglück stürzen könnten.
    Im Affekt wusste ich keinen anderen Ausweg als davonzulaufen. Ich fühlte mich erbärmlich, nutzlos, kriminell...
    Meine Hand, sie schmerzte. Es zog bis hinauf zur Schulter und entlud sich in leichte Bauchkrämpfe. Mein Brustkorb bebte, die Beine schlaksig vom taumeligen Gefühl. Tränen schossen mir aus den Augen, benetzten die verkrampften Wangen und sammelten sich im Mundwinkel. Salzig leidvoll schmeckten sie, von Sünde geprägt.


    Ich griff in meine Hosentasche und erfühlte den mittlerweile zerknitterten Geldschein, den ich von der alten Dame erhalten hatte.
    Ironischerweise stand ich genau jetzt vor der Lottostelle, als wäre es ein Fingerzeig Gottes gewesen. Doch sollte ich wirklich mein Glück dabei versuchen? Sicherlich, Barbara meinte, diese 5 Dollar würden mein Leben positiv verändern. Aber bisher erlebte ich nur negative Veränderungen. Außerdem hatte ich noch nie zuvor Lotto gespielt und warum ausgerechnet nun damit anfangen?
    Minutenlang stand ich nur da, tupfte mir die Tränen aus den Augenwinkeln und grübelte ohne wirkliches Ziel.
    Schlussendlich ging ich trotzdem hinein und kaufte mir ein Ticket. Aber so unspektakulär der Erwerb auch gewesen sein mochte, bei den Zahlen wollte ich etwas mehr Kreativität hinlegen.


    Ich schaute auf die Uhr.
    7:26 pm
    Die ersten beiden Zahlen waren sofort gefunden.


    Das Datum war Mittwoch der 21.6. und fünf Dollar ließ ich mir den Spaß kosten.


    Mein Blick schweifte durch den Raum, an der Wand entdeckte ich ein Blechschild mit der Aufschrift „USA is still Nr.1“.


    7/26/21/6/5/1
    Mit diesen Zahlen gab ich ihn dann ab, ließ mir die Quittung geben und verließ wieder den Laden. Doch kaum wieder auf der Straße, kam ich ins Grübeln, ob diese Entscheidung wirklich meinem Wunsch entsprochen hatte.
    Einen Rückzieher wollte ich nun aber nicht mehr machen, zumal die fünf Dollar ohnehin geschenkt waren. Mich hielt nun nichts mehr auf den Straßen, ohne mir unnütze Gedanken zu machen, wie es weitergehen sollte. Also beschloss ich spontan zurück in meine Wohnung zu gehen und den Tag bei einem kühlen Getränk und etwas TV ausklingen zu lassen.

    Ich bin mir nicht sicher, mit welchen Waffen der dritte Weltkrieg ausgetragen wird, aber im vierten Weltkrieg werden sie mit Stöcken und Steinen kämpfen.


    -Albert Einstein-
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  • @Zarkaras Jade


    Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
    (Ricarda Huch)



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  • Moin Jade hier meine Gedanken:


    Verstörende Schatten: hm schwer zu erklären. Hasen mit kettensägen oder sowas ? XD


    Interessanter Gedanke Michelle XD


    Moria erst während der schlagerrei merk ich wie seltsam dieser Name klingt. Hmm


    Polizei ist wohl auch nie "aktiv" dabei. Wie Realität nahe. /:


    Affekt Magst mir das in Zusammenhang erklären ?


    7/26/21/6/5/1 die letzen zwei Zahlen kommen mir nicht richtig vor muss es nicht 7/26/21/6/2/17 sein ?


    Viel Glück Moria



  • Finale 1/4



    Thekla ~27 Jahre



    Ich schnappe mir beide Kaffeebecher und sie nimmt mir mit verschmitztem Lächeln sofort einen ab. Er ist heiß genug, um mir die verspannten Finger schön aufzuwärmen, was mir ein wohliges Gefühl verschafft. Ein karamellsüßer Duft steigt mir in die Nase, er schmeichelt meinen Sinn. Demzufolge kann ich es auch nicht mehr erwarten, davon zu trinken und setze unverzüglich die Lippen an. Mit leichtem Pusten schlürfe ich davon und ergötze mich am kräftigen Kaffeegeschmack, der mir prompt die Gedanken an die anderen Dinge verdrängt, die mir heute auf die Zunge gekommen sind.
    Mein Blick schwenkt zu ihr, die mich offenbar die ganze Zeit beobachtet hat. Ihre Mimik ist schwer zu deuten für mich. Sie starrt mich einfach nur an und es wirkt so, als wolle sie mir etwas mitteilen.
    „Ich heiße übrigens Barbara“, sagt sie und reicht mir die Hand.
    Ich schaue auf meine Handinnenfläche und erwidere zögerlich die Geste. Ich habe Angst, ihr meine ungewaschene Hand zu reichen.
    Ein kurzer Blickkontakt. Sie lächelt.
    Ich dagegen verschiebe nur den Mundwinkel etwas.
    „Ich werde von allen Thekla genannt.“
    Verwundert schaut sie drein, legt ihre Stirn in tiefe Falten. „Und Ihr richtiger Name?“
    Ein Kloß bildet sich in meinem Hals, den ich nur schwer hinunter kriege. Ich spüre, wie meine Hände ganz schwitzig werden.
    „Keine Ahnung“, entfleucht meinen Lippen, ein Schulterzucken folgt darauf. „Vielleicht heiße ich tatsächlich so, vielleicht auch nicht.“
    „Ich bitte Sie“, stößt sie stutzend aus, was sie mit einem Schmunzeln untermalt. „Jeder kennt doch seinen eigenen Namen.“
    Enttäuschtes Schnaufen meinerseits. „Ich wusste, dass Sie mir nicht glauben würden.“
    Ich lasse ihre Hand los, schnappe mir den Kaffeebecher und gehe langsam zur Tür.
    „Was meinen Sie?“, kommt sofort die Frage, woraufhin ich mich zu ihr umdrehe und nach draußen zeige.
    Plötzlich kriege ich einen Anruf. Es ist Amber.
    Ich zeige auf mein Smartphone und winke die alte Dame voraus.
    Kaum nehme ich ab, höre ich auch schon Amber laut schreien: „Thekla, wo bist du?!“
    „An der Tanke! Habe ich dir doch geschrieben...“
    „Warum? Was ist los? Was ist das für ein Kerl hier?!“
    Peinlich berührt wende ich mich von der Tür ab und flüstere: „Der Spinner wollte Fotos von mir machen, während ich's ihm besorgt habe...“
    „Was wollte der?!“
    „Der hat Fotos von mir gemacht. Amber, hör zu...“
    Doch sie hat bereits aufgelegt.


    Mein Blick schwenkt rüber zur Hecke, etwas abseits vom Gebäude, wo Barbara bereits steht und ihren Kaffee schlürft. Fröhlich lächelnd, um die angespannte Situation etwas aufzulockern, komme ich ihr entgegen. Auf halber Strecke sehe ich im Augenwinkel einen jungen Mann, lasst ihn gerade mal volljährig sein. Ohne drüber nachzudenken, schaue ich zu ihm rüber und zwinkere ihm keck zu. Aber sein verstörter Blick darauf bringt mich voll aus der Fassung. Andererseits finde ich es zu köstlich und verfolge ihn weiter mit den Augen, bis er zur Schiebetür hineingehen will und ins Stolpern gerät.
    Amüsiert räuspere ich mich, fahre mir durchs Haar und gehe mit breitem Grinsen weiter auf Barbara zu. Sie hat mich offenbar nebenbei beobachtet, so verschmitzt, wie sie ebenfalls grinst.
    „Wo waren wir stehengeblieben?“
    „Ich wollte wissen, warum Sie Ihren Namen nicht wissen. Und Sie meinten, ich würde Ihnen nicht glauben.“
    „Kurz und knapp. Ich habe mein Gedächtnis verloren.“
    Stutzig glotzt sie mich an, bringt dabei ihren Kopf in leichte Schieflage.
    Ich lasse sie nicht lange warten und antworte sofort. „Ich weiß nur noch das, was die letzten fünf Jahre passiert ist.“
    „Amnesie?“, schlussfolgert Barbara, womit sie vollkommen richtig liegt, was ich mit einem Nicken bestätige.
    „Das will ich genauer wissen!“ Eifrig presst sie sich den Becher an die Lippen und nimmt einen kräftigen Schluck. „Das interessiert mich jetzt brennend.“
    Leicht angespannt rümpfe ich hart die Nase und genehmige mir auch erstmal einen Schluck, um dem Mut mehr Kraft zu geben. „Das erste, woran ich mich noch erinnern kann, ist, dass ich in einem Krankenhaus aufgewacht bin. Rechter Arm und rechtes Bein vergipst, schwere Kopfschmerzen.“
    Ihre kurbelnden Handgesten bedeuten mir, dass sie mehr verlangt.
    Drum erzähle ich unverzüglich weiter. „Angeblich hat man mich hinter einem Fast-Food-Restaurant unter Müllsäcken gefunden. Bewusstlos, mit Gehirnerschütterung, gebrochnem Arm und Bein und stark ausgekühlt. Noch eine Nacht länger und ich wäre tot gewesen.“
    „Wie ist das nur passiert?“
    „Will ich gar nicht wissen“, gebe ich schnaufend wieder. „Aber anscheinend muss ich einen ziemlich großen Schutzengel haben... Die Ärzte konnten mir natürlich auch nicht sagen, wer ich bin, wo ich herkomme oder wie alt ich wirklich bin.“
    „Sie wissen absolut gar nichts über ihre Vergangenheit?“
    Ernüchternd schüttele ich den Kopf.
    „Und die Polizei? Konnte die auch nicht ihre Identität feststellen?“
    Erneut schüttele ich den Kopf. „Ich war nicht im Verzeichnis. Vermutlich gehöre ich nicht mal diesem Staat an.“
    „Immerhin sind Sie Amerikanerin.“
    Was will sie mir damit sagen? Unterbewusst stellt sich mein Kopf schief und die gespitzten Lippen versuchen ihr zu signalisieren, dass ich ihre Aussage nur schwer intepretieren kann.
    Daraufhin nimmt sie Abwehrhaltung ein. „Also ich meine damit, dass Sie das Aussehen einer Amerikanerin haben und akzentfrei sprechen.“
    Das leuchtet irgendwie ein. Trotzdem habe ich dazu eine andere Meinung, denn: „Ich glaube nicht, dass ich gebürtige Amerikanerin bin.“
    Verwundert schaut sie drein. Aber ich glaube, sie hat meinen Widerspruch bereits erahnt.
    „Keine Ahnung. Ich sehe mich eher in Europa oder...“
    Barbara unterbricht mich kurzerhand und zeigt rüber zu den Zapfsäulen. Ich versuche ihre Aktion zu deuten, entscheide mich aber rasch für die schnelle Lösung und drehe mich um. Es spielte auch etwas Neugierde mit.
    Der Jungspund.
    Wie ein Poller steht er regungslos an seinem Auto und glotzt mich mit leerem Blick an. Irgendwie nervt es mich schon. Braucht er ein Passfoto oder wie? Hat der keine anderen Probleme?
    Wieder bekomme ich einen Anruf. Doch ich ignoriere es und konzentriere mich weiterhin auf den Typen, der sich offensichtlich keinen Hehl draus macht, mich weiterhin zu provozieren. Bildet er sich etwa was drauf ein, dass ich mit ihn spontan geflirtet habe? Mit jeder weiteren Sekunde, die er mich anstarrt, löst er mich mehr aus. Und das penetrante Gebimmel trägt auch negativ dazu bei. Ich bin kurz davor, zu ihm rüberzugehen und sende ihm deshalb vorwarnende Blicke.
    Zu seinem Glück bemerkt er es noch rechtzeitig, steigt in seinen Wagen und fährt los.


    JETZT widme ich mich dem Anruf, der mich auch schon fast wahnsinnig gemacht hat.
    Wie schon eben ist wieder Amber am anderen Ende und knautscht. „Ich hab's grad Dora gesagt. Die ist jetzt fuchsteufelswild! Ich weiß nicht, wie lange ich sie noch zurückhalten kann...“
    Peinlich berührt wende ich Barbara den Rücken zu und flüstere knauschend: „Amber, lass nicht zu, dass er die Cops ruft, hast du mich verstanden? Ich muss jetzt schluss machen. Bis später!“


    „Wie kamen Sie eigentlich zur Prostitution, wenn ich das so direkt fragen darf?“, entgegnet sie sofort, kaum, dass ich wieder aufgelegt habe.
    Und ich stutze leicht, da ich damit absolut nicht gerechnet habe.
    Sie wiederum scheint es zu verunsichern.
    Aber ich nehme es gelassen. Sie ist die erste weibliche Person, die mich das jemals gefragt hat. Zusätzlich muss ich zu ihrer Verteidigung sagen, dass es generell nicht viele Frauen gab, die sich freiwillig für mich interessiert haben.
    „Nun ja, es ist halt schwer, hier als Fremde ohne irgendwelche Mittel zu überleben. Irgendwie muss man an Geld kommen.“
    „Und warum nicht als Aushilfskraft oder Bedienung?“
    Berechtigter Einwand. Es ist ja nicht so, als hätte ich dies nie versucht. Aber: „Ohne Personalien oder sonstige Papiere ist das nahezu unmöglich... Ich hab ja auch nicht sofort als Prostituierte gearbeitet, sondern lebte erstmal ein halbes Jahr auf der Straße. Irgendwann traf ich dann auf Amber und die anderen Mädels.“
    „Amber?“, fragt sie verwundert. „Ist das die, mit der Sie eben telefoniert haben?“
    Bestätigendes Nicken meinerseits. „Ich wohne in einer WG. Die brachten mich dann langsam in die Szene.“
    „Haben Sie irgendwelche Zukunftspläne?“
    Verblüfft schaue ich sie schief an. „Sagen Sie, sind Sie Hellseherin oder irgend sowas? Ich habe tatsächlich in letzter Zeit oft mit dem Gedanken gespielt, mal eine Ausbildung anzufangen.“
    Verschmitzt kneift sie die Augen zu.
    Doch ich muss sie gleich wieder enttäuschen. „Aber wer will mich schon? Ohne vernünftigen Lebenslauf geht da ohnehin nichts...“
    Unverständnis zeigt sie und winkt mir ab. „Ich glaube nicht, dass alle Arbeitgeber den Fokus komplett darauf setzen.“
    Leidvoll muss ich meine Erfahrung diesbezüglich mit einem geplagten Nicken unterstreichen. „Glauben Sie mir, Barbara, sobald die mich fragen, was ich bisher gemacht habe, bin ich schon unten durch.“
    „Wissen Sie was, Thekla?“ Sanft legt sie ihre Hand an meine Schulter. „Ich gebe Ihnen meine Nummer, dann können wir in Kontakt bleiben.“
    Meine Alarmglocken gehen an. Ist es eine Finte? Bisher ist sie mir ironischerweise sehr sympathisch gewesen, aber nun fange ich zu zweifeln an. „Ich weiß nicht so recht.“
    Die resultierende Enttäuschung ist ihr ins Gesicht geschrieben. Aber anstatt es darauf beruhen zu lassen, bringt sie ein Argument an. „Es ist ja nicht so, dass ich nicht weiß, wo du arbeitest.“
    Wie dreist! Da fällt mir glatt die Kinnlade runter. Das verblüfft mich echt.
    Und sie setzt noch einen drauf. „Ich fühle mich wirklich verpflichtet, Ihnen zu helfen, Thekla.“
    Ich beginne zu wanken. Ihre forsche Art, ihr loses Mundwerk. Sie ist hier mit mir, einem elenden Flittchen. Und scheint kein Blatt vor den Mund zu nehmen.
    Der Tag heute war einfach nur beschissen. Bis sie aufgekreuzt ist...
    Ich greife nach meinem Smartphone und nicke ihr zu
    „Ich muss verrückt sein...“
    „Ach, red' keinen Unsinn. Du musst nur wollen. Alles, was du brauchst, ist ein Schubs in die richtige Richtung.“

    Ich bin mir nicht sicher, mit welchen Waffen der dritte Weltkrieg ausgetragen wird, aber im vierten Weltkrieg werden sie mit Stöcken und Steinen kämpfen.


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  • Finale 2/4


    Claudia Morgan 32 Jahre


    Es ist halb zehn Uhr abends, ich habe Feierabend.
    Und wie jeden Tag nehme ich für den Heimweg eine andere, längere Route. Denn ich gönne mir tagtäglich mein Lieblingsessen bei meinem Lieblingsimbiss. Es ist mein abendliches Ritual, das mir hilft, den Stress abzubauen. Das Leben in einer Großstadt als voll ausgelastete Geschäftsfrau ist nervenaufreibend, obgleich auch lohnenswert. Zumindest habe ich mich bisher noch nicht über Geldmangel beklagt. Und was die Liebe angeht, hege ich dort auch kein wirkliches Interesse. Dafür habe ich auch gar keine Zeit.


    Ich parke mein Auto direkt neben „Barry‘s BBQ“, hupe kurz und steige dann aus. Ich schaue zu ihm hinüber, er sieht mich auch und nickt verstehend.
    „Wie immer?“, fragt er, meine Antwort aber bereits erahnend.
    Ich bestätige und greife mir anschließend die neue Ausgabe der „Underdog Art and Fashion“, eine eher unbekannte Zeitschrift über Künstler und Hobbydesigner aus Stanville. Schließlich muss ich jede Quelle nutzen, um konkurrenzfähig zu bleiben.
    Immer wieder aufs neue bin ich erstaunt, wie hochwertig die Qualität dieser Illustrierten ist. Glänzend gestrichenes Papier, lackiert und der Einband einlaminiert. Hochaufgelöste Fotografien, mit erstaunlicher Tiefe und Farbpräsenz. Meistens tolle Motive und gute Mottos.


    Ich werde von Barry gerufen. Mein Essen ist fertig. Überheblich stakse ich zum Tresen und greife mir den Teller sowie mein Getränk.
    Zurück am Tisch angekommen, separiere ich alles wie jeden Tag aufs neue so, dass alles seinen optimalen Platz hat. Denn nur ein gut durchdachtes Abendessen ist ein gesundes Abendessen. Und nichts geht über einen guten echten amerikanischen Hotdog. Und Barry von „Barry‘s BBQ“ macht die besten in ganz Stanville!
    Mir ist es egal, was die Leute über mich denken, solange ich mich damit glücklich fühle.

    Und um eben dieses temporäre Lebensglück schnell zu erleben, schiebe ich Salat und Pepsi erst einmal beiseite und greife sofort zum Hotdog. Beherzt beiße ich in das heiß überbrühte, knackige Würstchen im matschigen Weißbrötchen. Ein paar der hauchdünn geschnittenen Gurken und roten Zwiebeln fallen dabei zurück auf den Teller. Cheddar und Ketchup tropfen darauf. Der scharfe Wasabi erweckt sofort die müde Zunge und lähmt kurzzeitig meinen Gaumen, doch die ungesalzenen Fritten mindern diesen Effekt.


    Ich traue mich kaum, die Seiten der Zeitschrift mit meinen fettigen Fingern anzufassen. Jeder Abdruck, jedes Staubkorn ist zu sehen. Vorsichtig tupfe ich sie mit der Serviette ab, um Kratzer zu vermeiden, welche ungewollte Spiegelungen verursachen würden und die Qualität ungemein beeinträchtigen.
    Dennoch zwingt mich der Hunger auch weiterhin, vom köstlichen Hotdog abzubeißen, dessen wunderbare Würze und Schärfe eine atemberaubende Geschmacksexplosion in meinem Mund hervorrufen. Sättigend und befriedigend.
    Da stört mich das umgebende Großstadtleben auch nicht mehr mit all ihrem Lärm, den unangenehmen Gerüchen und der ansteckenden Hektik. Spezifischer die dümmlich glotzenden Passanten oder das grelle, vibrierende Licht der knallig bunten Neonreklamen.


    Daumen und Zeigefinger mit der Serviette getrocknet, blättere ich behutsam weiter. Den Salat schiebe ich mir gedankenlos zwischen die Lippen, ist mir dabei das Dressing doch am wichtigsten.
    Auf der einen Seite entdecke ich plötzlich eine mir nicht unbekannte junge Frau. Sie posiert für AnRaMexx.
    Es ist Moira Nova.
    Spontan überkommen mich Gewissensbisse. Hätte ich ihr etwas doch eine Chance geben sollen? Mein Tag ist schließlich auch nicht gut verlaufen und ich glaube, mein Frust hat sie abgelehnt und nicht mein geschultes Urteilsvermögen. Vielleicht ist ihr Tag zuvor auch nicht gerade rosig verlaufen. Denn gerade ein Model würde sich doch etwas hübsch machen, für so einen Anlass.
    Ich blättere schnell um und die Gewissensbisse verfliegen wieder, als meine Augen ein neues Bild erspähen.
    Doch auch hier überkommen mich wieder Gedanken an die junge Frau. Anscheinend ist ihr Auftreten doch zu einprägend gewesen.
    Aber sie interessiert mich nicht und hatte mich auch vorhin nicht mehr als notwendig interessiert. Es wirkt ganz so, als erwecke sie in mir unbekannte Sehnsucht und Reue.
    Schnell überlege ich mir eine Alternative, die mich ablenken soll. Und wie jedes Mal fallen mir nur die Aktien ein, die ich ironischerweise seit dem Fauxpas nicht mehr eingesehen habe. Die Ereignisse haben mir ja auch nie Zeit dafür gelassen.
    Umso mehr begrüße ich es nun. Und wie sich sofort herausstellt, werde ich auch nicht enttäuscht.
    Ich bin sogar sehr erstaunt, als ich den Kurs für die Vortex-Aktie sehe!
    762.615,21$
    Sofort rufe ich meinen Aktienberater an.
    „Jonas, Claudia Morgan hier! Die Vortex-Aktie verkaufen! Sofort verkaufen!“
    Er lacht. „Ich habe mich schon gefragt, wann Sie mich deswegen anrufen werden, Frau Morgan!“
    „Was?“, frage ich verwundert über seine Äußerung.
    „Ich bin schon dabei, Frau Morgan. Alles so, wie Sie es wünschen.“

    Ich bin mir nicht sicher, mit welchen Waffen der dritte Weltkrieg ausgetragen wird, aber im vierten Weltkrieg werden sie mit Stöcken und Steinen kämpfen.


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  • Moin Jade


    " matschigen Weißbrötchen"
    ??? Nimm lieber ein anderes Wort. Wen das Essen liebst schreckt das irgentwie ab. Z.b. weichen Brötchen.


    " roten Zwiebeln "
    mag lieber Röstzwiebeln und du ? XD.


    " Mir ist es egal, was die Leute über mich denken, solange ich mich damit glücklich fühle "
    meinst du damit das dies Abendessen Fett macht ? Könnte man glaub ich noch extra erwähnen.


    " Kiemen "
    ich dacht nur Meeresbewohner haben Kiemen.


    MfG

  • Hi @Zarkaras Jade,


    Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
    (Ricarda Huch)



    :cookie:


    ___________________

  • Hey Zarkaras Jade,


    hier kommen meine Anmerkungen zu Post 47 :)



    LG,
    Rainbow

  • So, ich hab jetzt auch aufgeholt. Vor allem auf das Finale bin ich jetzt sehr gespannt!


    „Alice, man darf sein Leben nicht nach anderen richten. Du allein musst die Entscheidung fällen.“ [Alice im Wunderland]

  • Vielen vielen Dank, @Falkefelix , @Tariq, @Rainbow und @Asni, für die wunderbaren Kommentare und Anmerkungen! :alien: Entschuldigt, dass ihr so lange warten musstet auf den nächsten Part, aber am Wochenende und Montag fehlt mir oft der Elan fürs Posten.



    Finale 3/4



    Moira Nova 24 Jahre



    Ich habe mir den Nachhauseweg deutlich entspannter und ausgeglichener vorgestellt, aber die Gewissensbisse plagen mich einfach zu sehr. Habe ich tatsächlich das richtige getan? Bin ich zu grob mit Michelle gewesen? Hätte ich mehr Verständnis zeigen sollen, oder vielleicht sogar schon vorher etwas anders machen sollen? Irgendwie fühlt sich alles falsch an, was ich tue oder nicht tue. Allein das in einen Lottoschein investierte Geld kommt mir nun wie verbrannt vor. Ganz und gar wie missbraucht für unsinnige Zwecke.
    Ich mache mir Vorwürfe, mit Geld nicht umgehen zu können, egal wieviel es auch sein mag. Hätte ich eventuell doch dem Angebot Michelles zustimmen sollen, Aktfotos machen zu lassen? Es wäre bestimmt ein gutes Sümmchen dabei herausgesprungen. Vermutlich wäre es mir auch nicht so schwer gefallen, die skeptischen Gedanken dabei auszublenden.
    Hin- und hergerissen bin ich, zwischen Schuld und Selbstmittleid. Ich heule wie ein Schlosshund, zittere am ganzen Körper und fürchte mich vor jeglichen Geräuschen, die mich auf dem Heimweg begleiten. Sei es nur der Wind, die Vögel oder einfach nur mein eigener Atem. Ich fühle mich verfolgt, ausspioniert und ertappt.
    Ist es Sünde, einem anderen Schaden zuzufügen, obwohl man weiß, dass man es sich nicht leisten kann? Er hat aber viel zu abscheuliche Dinge gesagt, als dass ich ihn habe verschonen können. Es ist verletzend, von ihm unterschwellig als Nutte bezeichnet zu werden, oder umgekehrt diese als Geschäftspartnerinnen anzusehen. Ich hätte mich niemals mit derartigen Frauen verglichen.
    Mit Tränen überströmt betrete ich meine Wohnung und knalle wutentbrannt die Tür hinter mir so hart zu, dass der kleine Wandspiegel über der Kommode herunterfällt und direkt vor meinen Füßen landet. So wie nun das Silberglas in Scherben liegt, finde ich auch mein Lebensglück zerbrochen vor. Ich fühle mich verraten und enttäuscht.
    Wie konnte Michelle mir das nur antun? Nicht nur das mit der Arbeitsstelle, sondern auch das mit der Prostituierten.
    Und ich habe gedacht, ich könne ihm vertrauen.


    Keine Lust mehr auf diesen scheiß Tag.
    Ich ziehe die Schuhe aus und werfe sie unachtsam, für eine Frau meines Standes unüblich, in die Wohnstube, wo sie unter lautem Poltern auf den Veloursteppich landen. Dabei rutscht mir wieder die rote Haarsträhne ins Gesicht und bedeckt halb mein linkes Auge.
    Völlig genervt davon reiße ich die Badezimmertür auf, stelle mich vor den Spiegel und schneide sie mir mit der Nadelschere am Kopfansatz ab.
    Doch besser fühle ich mich dadurch nicht. Eher noch schlechter.
    Mein weniges Make-up ist nun auch verschmiert durch die bitter-salzigen Tränen, die mir wie Mahnmale über die Wangen laufen.
    Den Hahn öffnend, befeuchte ich meine zittrigen Hände mit heißem Wasser und wasche mir unter starkem Rubbeln das Leid aus dem Gesicht. Die Finger dampfen, der Spiegel beschlägt. Meine empfindliche, helle Haut ist schlagartig gereizt und errötet.
    Entspannung verlangt mein Innerstes. Ich schnappe mir die Fernbedienung aus dem Wohnzimmer und schalte den Flimmerkasten ein, während ich mir nebenher das Jackett ausziehe und beides anschließend ebenso unachtsam wie die Schuhe zur Couch hinschmeiße.
    Ein Bedürfnis nach was zu Essen schleicht sich ein, welches ich offenbar zuvor unterdrückt habe. Denn mein Magen fängt an gewaltig zu grummeln.
    In die Küche nebenan gehend, lege ich den Lottoschein auf die Theke und öffne anschließend das kleine Fenster, um frische Luft einzulassen. Der obligatorische Blick hinaus darf auch nicht fehlen. Obgleich es sonst keines Grundes bedurfte, treibt mich jetzt die Unzufriedenheit dazu. Und die frische Brise verschafft mir einen klareren Kopf, wenn auch ich daraus kein Resümee ziehen kann.
    Ebenso das Studieren des Kühlschrankinhaltes bringt leider keine erfreuliche Erkenntnis. Es wird wohl wieder nur ein Sandwich werden, das ich zubereite. In all der Hektik habe ich das Einkaufen völlig vergessen.
    Gefrustet von dem Schlamassel, all den Peinlichkeiten und Qualen suche ich die Erlösung in einem fruchtigen Orangensaft mit Eiswürfeln. Schon der erste Schluck ruft ein befriedigendes Gefühl hervor, welches mich temporär den Stress vergessen lässt.
    Nebenher linse ich um die Ecke zum Fernseher hinüber. Die Abendnachrichten.
    Das Sandwich nimmt langsam Form an. Zwei dünne Scheiben dunkles Vollkornbrot, diese hauchzart mit Kräuterquark bestrichen. Darauf Mozzarella, ein paar Streifen saure Gurken, etwas grünen Salat und Fleischtomate.
    Ich möchte es gerade mit dem Messer portionieren, da höre ich die Stimme aus dem Fernseher. „Und nun zur Ziehung der Lottozahlen.“
    Sofort vergleiche ich meine mit deren, auch wenn ich mir keine Hoffnungen mache.
    „Sechs. Einundzwanzig. Fünf. Sieben. Eins und Sechsundzwanzig.“
    Geschockt lasse ich das Messer auf die Ablage fallen und überprüfe hektisch noch einmal die Zahlen. Jede einzelne ist identisch. Aber das kann nicht möglich sein, ich habe nie im Leben so viel Glück. Erstrecht nicht heute.
    Ich traue meinen Sinnen nicht, auch nicht nach dem erneuten Vergleichen der Lottozahlen. Aber offenbar stimmt es. Ich werde Millionärin sein.

    Ich bin mir nicht sicher, mit welchen Waffen der dritte Weltkrieg ausgetragen wird, aber im vierten Weltkrieg werden sie mit Stöcken und Steinen kämpfen.


    -Albert Einstein-
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    Mana

    Einmal editiert, zuletzt von Zarkaras Jade ()

  • Ja, da hat sich der Tag ja doch noch gelohnt für Moira, @Zarkaras Jade :D


    Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
    (Ricarda Huch)



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  • Hey,


    meine Anmerkungen zu aktuellen Teil :)


    LG,
    Rainbow

  • Moin Jade


    Schönes Werk schade drum das es bald endet.


    (Hätte ich eventuell doch dem Angebot Michelles zustimmen sollen, Aktfotos machen zu lassen? ... . Vermutlich wäre es mir auch nicht so schwer gefallen, die skeptischen Gedanken dabei auszublenden.)
    Aktfotos als Denkhilfe ? Hmm
    * posieren und fotografiert werden *
    wieso nicht


    (Ist es Sünde, einem anderen Schaden zuzufügen, obwohl man weiß, dass man es sich nicht leisten kann?)
    Zitat von Rammstein: NEIN XD


    Wetten der lottoschein fliegt elegant aus dem Fenster ?


    Ps ich würde den title Finale weg lassen. Erzeugt so ein " nun kommt alles zusammen Moment " und das machst du ja nicht


  • Nun muss ich euch allen leider eine schlechte Nachricht verbreiten! Die Geschichte endet mit dem folgenden Part, der zugleich auch den Beginn der Idee darstellt. Ob er wirklich einem Schluss würdig ist, kann und will ich nicht mutmaßen. Lange habe ich darüber nachgedacht, wie genau die Geschichte enden soll. Jede Version hatte seine Vor- und Nachteile. Ich muss selbst etwas weinen, bei dem Gedanken daran, dass ich leider nicht mehr für diese Geschichte geplant hatte. Dass sie so wunderbar ankommt, hätte ich niemals gedacht. Ich verbinde mit der Geschichte so viele starke Emotionen und Gedanken, dass ich sie vermutlich niemals komplett vergessen werde. Umso schwerer fällt es mir darum, vorerst Abschied von ihr und den Charakteren zu nehmen.



    Finale 4/4



    Ellie Hampton 18 Jahre



    Mir ist sehr kalt, meine wenige Kleidung hält mich nicht genug warm. Aber mehr Klamotten habe ich zur Zeit nicht.
    Meine Hand wandert zur Blechdose, in der die beiden Tütchen stecken, und ich nehme eines davon hervor. Vorsichtig reiße ich es auf, streue das Pulver auf den Löffel und erhitze es langsam mit dem Feuerzeug. Gebannt schaue ich der Medizin zu, wie sie sich verflüssigt. Schon allein das hilft mir, die stechenden Schmerzen im Rücken und das Hungergefühl zu lindern.
    Immer auf der Hut vor ein paar letzten Passanten, die sich ab und an in diese Gegend verirren, halte ich dauernd ein Auge auf die Straßenlaterne gerichtet. Die Schatten dort verraten mir frühzeitig, wenn jemand im Anmarsch ist. Ich mag es nicht, wenn man mich beim Präparieren und Einnehmen stört. Zumal es den Fremden auch nicht gefallen würde, mich hier lungern zu sehen.
    Meine Nase läuft, aber ich ziehe den Rotz wieder hoch. Mit zittrigen Händen fülle ich die Spritze mit dem gekochten Stoff ab. Schwer, bei diesem spärlichen Licht nichts zu verschütten.
    Ich bin schon ganz kribbelig, jedes Mal kurz vor dem Schuss. Die Spitze ist gut gefüllt, ich klopfe behutsam die Luftblasen locker und drücke sie heraus. Andererseits würde diese Injektion tödlicher enden als erhofft.
    Ich mache es mir bequemer, nehme entspannte Lage ein und strecke den linken Arm kräftig durch. Die vernarbte Armbeuge zeugt von den zahllosen Spitzen, die ich mir bereits gesetzt habe.
    Vorsichtig lege ich die Nadel im flachen Winkel an, atme tief durch und steche sie behutsam in die noch wunde, vergraute Haut ein. Jedes Mal aufs neue verpasst es mir für einen Sekundenbruchteil enormen Schmerz, bevor es sich wieder beruhigt.
    Langsam injiziere ich mir das süchtig machende Gift, ziehe anschließend die Nadel wieder heraus und lege den Arm ruhend auf meine lang gestreckten Beine. Jetzt muss ich nur noch warten, bis es mir besser geht. Es sollte nicht allzu lange dauern. Letztes Mal setzte die Wirkung schon nach wenigen Minuten ein, was mir jetzt nur entgegenkommen würde.


    Es ist bereits eine ganze Weile vergangen, aber ich fühle mich immer noch mies. Irgendwas stimmt nicht. Etwas ist anders als sonst. Die Wirkung ist viel geringer, falls sie überhaupt einsetzt. Ich bleibe unruhig. Ständig lecke ich mir über die trockenen Lippen und kratzte mir die juckende Stirn. Das Atmen sticht mir immer noch in der Brust und die Magenschmerzen gehen auch nicht weg.
    Ich überprüfe nochmal alles. Ich habe exakt die Menge genommen, die ich sonst immer für eine Ladung nehme. Etwas mehr oder weniger. Aber heute scheint das Mittel nicht zu wirken.
    Mir kommt nur eines in den Sinn. Er hat mir schwächeres Salz verkauft. Er hat mich nicht nur um die vierzig Dollar und meinen Stolz betrogen, sondern zusätzlich noch das harmlose verhökert.
    Ich brauche mehr Stoff, ich brauche eine zweite Injektion.
    Schnell bereite ich alles dafür vor, schütte wieder Pulver auf den Löffel und verflüssige es mit dem Feuerzeug.
    Die Schmerzen werden unerträglich. Ich habe das Gefühl, mich übergeben zu müssen. Meine Finger verkrampfen, ich kann kaum noch die Spritze aufrecht halten. Wieder klopfe ich die Blasen locker und presse sie vorsichtig heraus, um keinen Tropfen zu viel von dem Mittel zu verschwenden. Mit verengten Augen halte ich mir die Spritze nah vors Gesicht, um in dieser Dunkelheit überhaupt noch etwas erkennen zu können.
    Die Einstichstelle blutet immer noch, was mir das Suchen der Vene erleichtert. Wieder flach angesetzt, steche ich sie behutsam hinein und kneife vor Schmerz die Augen kurz zusammen. Mich auf die Unterlippe beißend, versuche ich das Ziehen auszuhalten, das sich spontan in meinem Muskel ausgebreitet hat.


    Plötzlich wird mir schwummerig und die Sicht trübt sich stark. Alles wirkt diffus und unscharf. Mein Herz schlägt schneller, es springt mir fast aus der Brust. Die Atmung wird hektisch und unregelmäßig. Ich hyperventiliere. Meine Zehen fangen an zu kribbeln und langsam weicht das Gefühl aus meinen Beinen, bis hinauf zu meinem Becken.
    Ich glaube, die Wirkung setzte sehr verspätet ein, dafür umso heftiger. Und jetzt, wo ich mir noch eine zweite Dosis injiziert habe, befürchte ich, dass es der goldene Schuss war.
    Ich muss einen klaren Kopf behalten! Mit letzter Kraft versuche ich aufzustehen, aber die Lähmung breitet sich weiter aus und lässt mich schlaff werden. Speichel fließt mir unkontrolliert aus dem Mund und tropft an meinem Kinn hinab auf den Arm. Ich kann mich keinen Zentimeter mehr rühren. Ich beginne zu weinen. Nur noch die Mundwinkel kann ich bewegen, mit denen ich krampfhaft versuche, ein letztes Wort zu formen. Es gelingt mir nicht.
    Die Luft bleibt weg, meine Atmung ist flach. Ich höre nichts mehr, sehe nichts mehr, fühle nichts mehr. Mein Leben neigt sich dem Ende.
    Ohnmacht...
    Dunkelheit...
    Stille...


    The witch dreams of magic spells
    1 and 5 for 6 to sell.
    At 21 the sun will turn
    And on the 26. the heavens burn.
    7 is all the hope there is,
    My little daughter who I dearly miss.

    Ich bin mir nicht sicher, mit welchen Waffen der dritte Weltkrieg ausgetragen wird, aber im vierten Weltkrieg werden sie mit Stöcken und Steinen kämpfen.


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  • Das ... das ist total traurig, @Zarkaras Jade. Aber ich hoffe mal, dass du vielleicht nur eine Denkpause machst und dann verkündest, dass du weiterschreibst. :D
    War wirklich schön, diese so verschiedenen Leute zu begleiten und durch deine Augen zu sehen. Sehr einfühlsam teilweise und auch verstörend. Besonders Ellie ...
    Gern mehr davon, Jade! :thumbsup:

    Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
    (Ricarda Huch)



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  • Gut das die Insider Quellen von Fortsetzung tuscheln.


    Zwei Dinge fielen mir so ein. Es sind keine Tipps nur Gedanken.
    1. armes Mädel stirbt ohne das man ein böse lachen noch hört. Keine Ahnung fiel mir so ein.
    2. so ein Tattoo könnte man prima als Prophezeihungen geber nutzen.


    Ps Aktfotos sind echt nicht leicht es sei den du bist nudist. Und ok kurzfristig lenkt es dich bestimmt ab. Aber es gibt sicher Leute die es leichter haben. Gleiches mit denn Freuden Mädchen find es grenzwertig aber wer es machen will bitte.