Fledermaus-Reusen

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    • Fledermaus-Reusen

      Ich hab hier einen kleinen Ausschnitt aus „Feron und die Meister der Jagd“ den ich gerne zeigen würde. Die Scene war dazu gedacht die Bad-Ass-igkeit von Mantka zu bestätigen, aber mein Ehemann hat mich darauf hingewiesen das es die Beziehung zwischen ihr und Belen trüben könnte wenn er sie dazu bringt gegen ihr Gewissen zu handeln. Es sind wahrscheinlich Kommafehler drin… ignoriert die einfach wenn ihr könnt es geht mir im Augenblick mehr um den Inhalt. Danke im Voraus.



      Ihr Bestimmungsort war nicht wie sie erwartet hatte das Ufer sondern der Eingang einer natürlichen Höhle, die das Wasser wohl irgendwo passierte. „Die Fledermaushöhle.“ Dämmerte es ihr.


      Tropfsteinen hatten sich an der Decke gebildet und Stalagmiten am Boden. Sie fand dass es, wenn man die Augen verengte, wie ein aufgerissener Kiefer aussah. Ein modriger, vielschichtiger Gestank traf sie so heftig das ihr davon fast die Augen tränten. Ein Gemisch aus Ammoniak und Schimmel das seit Jahrhunderten unter der Fledermaushöhle reifte. Belen schloss die oberen beiden Knöpfe seines Hemds und senkte den Kopf um seine Nase davor zu schützen.


      „Gleich da.“ Murmelte er gedämpft. Er winkte sie heran und zeigte auf eine Reihe von Draht-Käfigen die links und rechts vom Eingang aneinander gereiht waren. Die Kästen hatten eine Öffnung auf der Oberseite mit nach innen gebogenen Drähten, sodass sich die kleinen Tiere hinein- aber nicht mehr hinauszwängen konnten. Auf den Käfigböden standen verdreckte Schüsseln mit den Schalen toter Käfer, die als Köder gedient hatten.


      Die gefangen Fledermäuse, eine Art die ausgestreckt nicht einmal eine Handfläche bedeckte, flatterten panisch in ihrem Gefängnis umher, krochen übereinander und nagten mit ihren winzigen Zähnen verzweifelt an den Drähten. In dem Gewimmel aus dunklem Fell konnte sie aber auch einen blau-grünen Schimmer ausmachen.

      „Ihr habt Feendrachen gefangen.“ Bemerkte sie trocken und beobachte ihren Gefährten wie er seine nackte Hand in die erste Reuse streckte um die Beute ein zu sammeln. Er packte die Fledermaus an den Hinterbeinen, zog sie heraus und schmetterte ihren Körper gegen die Felswand um sie zu töten. Er ließ ihren Kadaver in seinen Korb fallen und griff sich dann die Nächste.


      „Feendrachen gehen manchmal als Beifang rein.“ Erklärte er ihr über seine Schulter hinweg ohne sich um zu drehen. „Schlag die auch tot! Die sind essbar.“ Ihr Magen verkrampfte sich unangenehm als sie das hörte und ihr Speichel schmeckte sauer. Sie schaute in die Reuse und stellte entsetzt fest das überall auf den dunklen Pelzen Flöhe und Milben umherkrabbelten, als wären diese Tiere selbst noch nicht ekelhaft genug gewesen.


      „Aber ich mag Feendrachen. Brauchen wir die wirklich?“ Er hörte kurz mit der Arbeit auf und schaute sie irritiert an. „Wir sind mehr als hundertfünfzig Mäuler, Prinzessin. Sag du mir ob wir sie brauchen!“ Sie hielt sich mit einer Hand an der Reuse fest und steckte den anderen Arm durch die Öffnung im oberen Teil. Sofort kribbelte und juckten ihre Finger von den Parasiten die auf ihre warme Haut übersprangen. Ihre Nackenhaare stellten sich auf und sie hätte am liebsten laut geschrien. Sie griff sich den Schweif eines Feendrachens, der sich in einer der Ecken kauerte und zog ihn heraus. Das kleine Wesen krallten sich an die Drähte und versuchte sich fest zu halten, aber Mantka biss sich auf die Unterlippe und schüttelte ihn, um ihn zum Loslassen zu zwingen. Aus der Reuse befreit, grub einer sofort seine winzigen Zähne in ihren Handrücken und flatterte mit seinen transparenten Flügeln. Die verängstigen Fledermäuse hatten seinen Schwingen völlig zerfetzt. Selbst wenn sie losließ würde er nie wieder fliegen. Ihr Herz zersprang wie ein eine fehlerhaft geschmiedete Schwertklinge im Wasser. Sie schüttelte ihn erneut bis er an seinem Schweif herunterbaumelte und zerschlug seine Knochen am Felsen neben sich; zweimal um ganz sicher zu sein.


      „Danke.“ Richtete Belen sachte an sie. „Danke für was?“ Er war mit der ersten Falle fertig und schüttete neue, Käfer aus einem Beutel in die Schüssel, damit sie auch nächstes Mal etwas finden würden. „Danke dass du deine Großstadt-Zimperlichkeit überwindest um mir zu helfen. Mir gefällt das auch nicht aber es muss getan werden.“ Sie seufzte tief und bettete den leblosen Feendrachen in ihrer Hand auf dem Boden ihres Transportkorbes als würde sie ihn nur schlafen legen.
      „Wichtig klingende Zitate unter Signaturen sind blöd.“
      -Feron
    • Hey @Feron :)

      Spoiler anzeigen

      Wie schön, dass du uns was Geschriebenes von dir zeigst. ^^
      Also, ich nehme an, das hier ist nur eine kleine Szene vom großen Ganzen, weshalb mir natürlich jetzt das Hintegrundwissen fehlt, um diesen Teil adäquat in einen Kontext einsortieren zu können.

      Aber dennoch hat es Spaß gemacht das zu lesen. Ich konnte mir die beiden ganz gut vorstellen, wie sie da durch diese Höhle gehen, auf die Käfige stoßen und die Prinzessin ihren Begleiter dabei beobachten muss, wie er dieses arme kleine Tier tötet, indem er es gegen die Höhlenwand donnert. Und die Krönung ist dann, dass er das auch noch von ihr verlangt- :thumbdown: ... ich an ihrer Stelle hätte wahrscheinlich die Krise bekommen und eine Diskussion vom Zaun gebrochen :rofl: .... aber er hat ihr ja auch unmissverständlich zu verstehen gegeben, dass sie von irgendwas leben müssen. Da fragt man sich allerdings, warum es dann so kleine putzige Feedndrachen sein müssen...an denen dürfte ja nicht sonderlich viel dran sein. Können die für hundertfünfzig Leute nicht irgendwas Größeres erlegen? :hmm: Na ja, egal.

      Um zu deiner eigentlichen Frage zu kommen:

      Feron schrieb:

      Die Scene war dazu gedacht die Bad-Ass-igkeit von Mantka zu bestätigen, aber mein Ehemann hat mich darauf hingewiesen das es die Beziehung zwischen ihr und Belen trüben könnte wenn er sie dazu bringt gegen ihr Gewissen zu handeln
      "Bad-Ass" finde ich fast etwas übertrieben. Wie gesagt, ich kenne die Vorgeschichte ja nicht, aber auf mich wirkt er eher bodenständig und pragmatisch. Er sagt, was notwendig ist und tut, was getan werden muss. Dass ihr das nicht gefällt, liegt wohl eher daran, dass sie bis dato ein anderes Leben gewöhnt war. (?) So, wie ich das einschätze, muss diese Situation nicht zwangsläufig ihre Beziehung trüben... eher im Gegenteil. Sein Respekt vor ihr könnte daran wachsen, weil sie offenbar nicht die herumheulende Prinzessin ist, die sich zu fein dafür ist, ihm zu helfen....und sie lernt über ihren Schatten zu springen, selbst wenn sie ihre eigenen Prinzipien dafür über Bord werfen muss. :)

      Ansonsten zum Stil:
      Mir sind ein paar Fehlerchen aufgefallen. Beispiel:

      Feron schrieb:

      „Die Fledermaushöhle.“ Dämmerte es ihr.
      In diesem Fall brauchst du hinter der wörtlichen Rede keinen Punkt machen, sondern trennst sie nur durch ein Komma vom Begleitsatz.

      „Die Fledermaushöhle“, dämmerte es ihr.

      Wenn sie das laut sagt, kannst du es so lassen. Wenn das ihre Gedanken sind, dann würde ich das Gedachte in kursiv setzen.


      Feron schrieb:

      Tropfsteinen hatten sich an der Decke gebildet und Stalagmiten am Boden.
      Tropfsteine

      Feron schrieb:

      in modriger, vielschichtiger Gestank traf sie so heftig das ihr davon fast die Augen tränten.
      traf sie so heftig, dass


      Feron schrieb:

      Belen schloss die oberen beiden Knöpfe seines Hemds und senkte den Kopf um seine Nase davor zu schützen.
      Hier habe ich kurz gestutzt...er schließt die Knöpfe seines Hemdes und senkt den Kopf? Ich weiß, was du sagen willst...wahrscheinlich vergräbt er seine Nase in dem Hemd, um sich vor dem Geruch zu schützen....(könnte man eventuell etwas deutlicher machen-für so Deppen wie mich ^^ )


      Feron schrieb:

      „Gleich da.“ Murmelte er gedämpft.
      Das Gleiche, wie oben: „Gleich da“, murmelte er gedämpft.

      Sagt er wirklich nur "Gleich da" oder ist es das, was sie versteht, weil er in sein Hemd hineinspricht? Sonst könnte man auch schreiben: "Gleich da!", war alles was sie verstand, da der Rest seiner Worte in gedämpftem Murmeln unterging. (nur so ne Idee)


      Feron schrieb:

      „Danke.“ Richtete Belen sachte an sie. „Danke für was?“
      Hier wieder ein Komma und klein weiter: „Danke“, richtete Belen sachte an sie

      Und ich würde einen Absatz zwischen der wörtlichen Rede lassen, damit du kenntlich machst, dass nun jemand anders spricht. Das wirkt sonst leicht irritierend beim Lesen ^^

      So, das war`s von mir. Ich hoffe, ich konnte dir weiterhelfen.




      LG,
      Rainbow
    • Hallo @Feron

      Die Höhle gefällt mir, schön stinkig und dunkel und natürlich voller Viecher. xD
      Da es wirklich nur ein kleiner Ausschnitt deiner Geschichte ist, kann ich dazu nicht viel sagen. Da ich weder weiss, wer die Prinzessin ist, wer ihr Begleiter ist und warum sie diese armen Tierchen töten müssen um was zu Essen zu haben. :rofl: (Sprich was dazu geführt hat; sind sie auf der Fluch? Verstecken sie sich? :grinstare: ... usw. )

      Belen's Humor ist sarkastisch und trocken, gefällt mir! Aber wäre es vielleicht nicht humaner den Tierchen das Genick zu brechen? Das an die Wand knallen ist etwas brutal! :minigun: Aber andererseits muss der Gesichtsausdruck der Prinzessin unbezahlbar gewesen sein! xD

      Mir ist aufgefallen, dass du nicht wirklich Absätze einbaust wenn die Charakter wechseln.

      Feron schrieb:

      „Aber ich mag Feendrachen. Brauchen wir die wirklich?“ (absatz) Er hörte kurz mit der Arbeit auf und schaute sie irritiert an.
      Das violette ist die Prinzessin, danach könnte meiner Meinung nach ein Absatz kommen, weil der nächste Satz ihrem Begleiter gewidmet ist.
      So ist es viel einfacher zum lesen für den Leser. Das ist nur eines der Beispiele, die ich gesehen habe.

      Liebe Grüsse
      Fly
      "Ein Schloss ohne Gruft, das wäre wie, wie ein Einhorn ohne Horn!"

      Eigenes von Fly
      Schatten unter London
    • Danke. Ich weiß das es nur ein kurzer Text ist und das es schwer ist was dazu zu sagen ohne den Kontext zu kennen, aber es hilft schon sehr.

      Mantka ist nicht wirklich eine Prinzessin. Er sagt das nur um sie zu ärgern.

      Sie ist die Tochter einer Monrastanischen Herzogin und deren zweiten Ehemann, einem Uldunischen Jäger von der Raureifinsel. Also in dieser Welt eine Adlige zweiter Klasse die nichts zu sagen hat und auch nichts Nennenswertes erbt.

      Dazu kommt noch das Monrastaner und Uldunen nicht 100% dieselbe Spezies sind und das Hybriden zwischen beiden, wie bei Maultieren steril sind, sprich: Keine Erben und keine standesgemäße Hochzeit für sie.

      Die sammeln da Fledermäuse weil sie auf der Heimatinsel ihres Vaters unterwegs sind und der Stamm zu dem er gehört gerade aus verschiedenen Gründen eine Hungersnot leidet. Belen war als die Jäger-Trupps eingeteilt wurden leider zu spät und muss als Strafe zusammen mit der Außenseiterin den ungeliebten Reusen-Dienst machen.

      Knapper kann ich es nicht erklären ohne den halben Roman zu posten. ^^
      „Wichtig klingende Zitate unter Signaturen sind blöd.“
      -Feron
    • Wehr-Krabben Kampfscene

      Das Nächste ist eine Kampf-Scene gegen eine Horde Wehr-Krabben. Das Problem das meine bisherigen Beta-Leser damit haben ist das sie zu lang ist. Ich gehe davon aus das sie entweder zu unübersichtlich oder nicht interessant genug ist, weiß aber nicht wirklich was ich dagegen noch tun könnte. Das andere kleinere Problem ist der Magier der angeblich überpowert ist.

      Die Beschreibung von Gewalt und Verletzungen sind sehr… „farbenfroh“ man sollte es vielleicht nicht lesen wenn man einen empfindlichen Magen hat. Der Roman ist jetzt kein totales Blutbad indem auf jeder Seite jemand zerstückelt wird, aber wenn im Plot ein Kampf vorgesehen ist, will ich eben auch dass der Wumms hat.

      Naja.. und Fehler bei der Zeichensetzung. Es tut mir leid ich hab das als Schulkind nicht gelernt daher wird’s für mich nie intuitiv funktionieren. Ich hoffe das Lesen ist trotzdem unterhaltsam.

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      Zur selben Zeit, zwei Tagesritte entfernt an der rauen Küste im Osten wurde das unsichtbare, allgegenwärtige Netz aus kleinen und großen Strömen ungezähmter Energie dem Willen eines Magiers unterworfen, den die üblichen Regeln und Gegebenheiten der Natur ließen den Erfolg seiner Mission nicht zu. Die Sonnenwelt wurde durch seinen Zauber gekrümmt, sodass zwei Orte die eigentlich viele Kilometer auseinander lagen für kurze Zeit eins waren.

      Alester konnte nichts sehen, weil der Raum indem er sich befand weder Fenster noch sonstige Lichtquellen hatte, doch er griff, getrieben von einer bösen Vorahnung, dennoch an seine Oberlippe. Er fühlte einen dünnen Rinnsal aus Blut der aus seinen Nasenlöchern floss. Die Anstrengung hatte bereits jetzt ihren ersten Tribut gefordert. Die Menge verfügbarer Magie an jedem Ort war begrenzt, doch unabhängig davon ob viel oder wenig vorhanden war, wenn er alles verbraucht hatte bedienten sich seine Zaubersprüche stattdessen an etwas anderes, etwas das Teil von ihm war. Er fühlte sich schwindlig und der Umstand dass er weder Boden noch Wände erkennen konnte verschlimmerte die aufkommende Übelkeit. Jemand trat neben ihn. Ein Freund das wusste er, nur nicht welcher. Eine riesige mit Flussbestien-Leder gepanzerte Hand klopfte ihm anerkennend auf die Schulter. Er hatte es geschafft sich selbst und einen kleinen Trupp Uldunischer Krieger vom Splintholzstamm direkt in die Riff-Feste zu teleportieren und damit vielleicht eine lange und riskante Belagerung vermieden.

      Belen, ein blonder, breitschultriger Kämpfer, von weniger mehr als zwanzig Wintern, atmete tief ein und zwang sich trotz der kalten Luft sein blauen Augen offen zu halten bis sie mit der Finsternis vertraut wurden und er die groben Konturen einer Tür ausmachen konnte. Seine eleganten, gleichmäßig geschwungenen Hörner waren an den Enden mit verzierten goldenen Kappen versehen, wie eine eigenwillige Krone über seinem Haupt. Seine Waffenbrüder taten es ihm gleich. Niemand sprach, denn der Feind war dutzende Male in der Überzahl und auch wenn diese Kammer leer war konnte niemand sicher wissen ob sie an einen weiteren unbewachten Flur grenzte oder eine voller blutrüstiger Teriantrophen, bereit für ein weiteres Gemetzel.

      „Kannst du gehen?“ Flüsterte Belen dicht neben Alesters Ohr. Er schüttelte zunächst seinen schmerzenden Kopf bis sich ihm erschloss das der Uldune die Geste nicht sah.

      „Lasst mich hier. Ich muss mich sammeln sonst kann ich nicht garantieren das wir diesen grausigen Ort auf demselben Weg verlassen wie wir ihn betreten haben.“

      „Sie töten dich wenn sie dich geschwächt antreffen.“ Die Stimme kam von einem der älteren Krieger irgendwo auf seiner rechten Seite und er hatte keinen Grund daran zu zweifeln dass der Armbrustschütze sich mit Krieg ebenso gut auskannte wie er mit Teleportations-Magie.
      „Ich weiß worauf ich mich eingelassen habe.“ Während er sprach rann ein einzelner Blutstropfen über seine Oberlippe und versickerte im Stoff seiner purpurnen Robe, genau im aufgestickten Wappen des Königs.

      Das Misstrauen der Uldunen in die unterschiedlichen Zweige der Magie war stets von einer Generation an die nächste weitergegen wurden, aber die Zeiten hatten sich geändert und immer mehr undenkbare Dinge fanden neue Akzeptanz unter ihnen, wenn sie nur das Fortbestehen ihres Stammes versprachen. Die Bewohner der Rifffeste hatten vor wenigen Tagen eine neue Holzfällersiedlung nahe ihrer gemeinsamen Grenze überfallen. Späher hatten die Körper der Männer und der Kinder zerschmettert und im Schlamm liegend gefunden, nicht aber die Frauen.

      Belen öffnete langsam die hölzerne Tür, deren rostige Scharniere unter der Belastung ächzten und spähte in eine von Fackeln beleuchtete Küche. Die Schlitten mit denen die Holzfäller ihre Vorräte transportiert hatten lehnten aufeinander gestapelt an einer Wand. Daneben reiten sich die ausgenommenen Kadaver der Packesel aus, welche sie noch vor einigen Stunden gezogen hatten. Der modrige Geruch von schlecht gelagertem Getreide durchströmte den Raum. Die Beute war hier lieblos abgelegt, zwischen den Trophäen etlicher anderer Überfälle. Man litt hier längst keinen Hunger mehr nur Hass. In den Augen und wirren Gedanken des monströsen Burgherrn hatten sich der Splintholz-Stamm und der Stamm der Klaue viel zu weit ausgebreitet, seine Grenzen verletzt, seine Bäume gefällt und seine Tiere gewildert. Es würde kein friedliches Nebeneinander mehr geben solange er lebte.

      Alester lehnte sich an die kalte Steinmauer hinter sich und schloss die Augen. Der Monrastaner schmunzelnd ob der Ironie das er bei dem Versuch sich zu erholen unter Zeit- und Erfolgsdruck stand. Das Fackellicht glänzte in den Kettenrüstungen der Anderen als sich vorsichtig voranschlichen, die Tür hinter sich schlossen und ihn allein in der Dunkelheit zurückließen.
      Belen ging voraus. Er selbst hatte auf diese Mission bestanden und es wäre zutiefst unehrenhaft gewesen andere für sich in den Tod zu schicken wenn er zu feige war sich selbst an die Spitze zu setzen. Die beiden anderen Krieger waren Veteranen die bei mehreren Anlässen bedauert hatten dass der Zenit ihrer Kampfkunst vorbei war. Sie hatten lange, ehrenhafte Leben hinter sich und von allen, die in der Lage waren diese Schlacht zu schlagen, am wenigsten zu verlieren.

      „Lasst ihnen nichts!“ Sprach Belen und klopfte sich selbst auf die Brust.

      „Lasst ihnen nichts!“ Sprachen seine Gefährten ihm nach, zunächst laut und entschlossen, dann als es auf das Wort „nichts“ zuging ruhiger, hin und her gerissen zwischen der Leidenschaft für ihren uralten Schlachtruf und der Furcht entdeckt zu werden.

      „Lasst ihnen nichts!“ Flüsterte der Magier, der sie hinter der Tür noch geradeso gehört hatte und verbarg seine zitternden Hände in den weiten Ärmeln der Robe während er ihren Schritten lauschte die sich durch den Flur entfernten. Hinter der Küche führte eine lange Treppe aus dunklem Holz hinunter in einen großen, von acht Säulen getragenen Speisesaal unter einem hohen Gewölbe aus Fichtenholz-Balken. Verhungernde Flammen in einem Kamin am nördlichen Ende beleuchteten drei große Tafeln mit den Resten des letzten Gelages. Umgeworfene Bierkrüge und silberne Teller mit Hühner- und Fischgerippen, übrig gelassenen Bratkartoffeln, schattigem Besteck und einem Schwarm fetter, quiekender Ratten, die auf den Knochen und in den Schüsseln herum kletterten. Die stickige Luft trug einen leichten, fermentierten Geruch mit sich, sowie eine markante Note von Seewasser die so typisch für diese eine Sippe war, die sich häufig in die Tiefen des Meers zurückzog wenn man sie auf dem Festland vertrieb, nur um im nächsten Jahr in noch größerer Zahl zurück zu kehren. Ihr Fluch hatte den einst ehrbaren Stamm bis zu Unkenntlichkeit verändert und verzehrt, bis es selbst den größten Friedenstiftern der Insel nicht mehr gelang sie als Ihresgleichen zu erkennen.

      Mottenzerfressene Bärenfelle bedeckten den Boden und ausgestopfte Wolfsköpfe, mit hochgezogenen Lefzen und stechenden, gelben Augen die Wände. Am Kopfende der mittleren Tafel, schlafend in seinem Thron zusammengesackt lag ein vernarbter alter Berserker in einem Lederwams, unter dem sein korpulenter Leib hervorquoll. Seine Atemzüge bewegenden fettigen schwarzen Bart, den er am Ende zu einem Zopfe zusammengebunden hatte. Selbst im Schlaf klammerte er sich noch mit seiner linken Hand an ein verziertes Trinkhorn und mit der Rechten an eine junge Frau in einem weißen Nachthemd. Die Uldunin mit ihren dünnen, hellbraunen Hörnern sah zu Belen, ihre Augen waren weit geöffnet und hasteten zwischen dem Herrn der Riff-Feste und ihren Rettern am oberen Ende der Treppe hin und her. Ihre Wangen waren bläulich und die feinen Haare auf ihren nackten Armen zu Gänsehaut erstarrt. Sie schien sich seit einiger Zeit nicht mehr Bewegt zu haben aus Furcht sie könnte ihren Peiniger aufwecken. Ihr linkes Auge war geschwollen und auf ihrer Braue und an ihrer Wange klafften violette Blutergüsse. Es war ein sehr gezügelter Schlag gewesen dann wenn er wollte konnte das Ungeheuer Schiffswände zu Splittern zerschlagen. Der junge Krieger sah sie an und legte sachte seinen Zeigefinger auf die Lippen. Die Gefangene wagte es nicht einmal zu Bestätigung zu nicken und schloss erneut die Augen, während eine der Ratten über ihren Schoss sprang um an dem Wein zu nippen der sich noch im Trinkhorn ihres Entführers befand.

      „Geh am Rand der Stufen, Junge! Dann haben sie weniger Raum sich zu biegen und knarzen weniger“ Forderte ihn einer der Veteranen auf.
      „Wartet bis ich sie habe, dann jagt ihm die Bolzen in die Kehle, das er nicht schreit.“ Befahl er und machte den ersten Schritt nach unten, so langsam und vorsichtig dass er die Stufe durch die Sole seiner Stiefel fühlen konnte, ehe er sein Gewicht langsam von einem Fuß auf den anderen verlagerte. Die Ratte, ein dunkelgraues Exemplar mit einer kahlen Stelle am Hinterteil, putzte derweil den roten Wein aus ihren Schnurhaaren und krabbelte über den Lederwams um von dort aus zurück auf den Tisch zu hüpfen. Die Finger des Burgherrn zuckten daraufhin und seine Hand bewegte sich träge hinter dem Tier her, um es schlaftrunken weg zu scheuchen.

      „Beeil dich!“ Fauchte einer der älteren Beiden hinter ihm und stützte seine Armbrust auf das Treppengeländer. Er zielte am Bolzen entlang auf den Hals seines Ziels irgendwo unter dem zerzausten Bart. Die Treppe war lange Zeit dem Wechsel von Feuchtigkeit, Hitze und Kälte ausgesetzt gewesen und so viel Raum der Zimmermann dem Holz auch gelassen hatte sich zu dienen und zusammen zu ziehen, wollten die Teile inzwischen einfach nicht mehr aufeinander passen. Die Ratten bemerkten die ächzenden Stufen, sprangen teilweise vom Tisch und rannten zu ihren Löchern, während sich die weniger Schreckhaften noch weiter Essensreste in die Backen schaufelten. Belen, am unteren Ende angekommen, sprang von einem Bärenfell auf das nächste um seine Schritte ab zu dämpfen und sich vorsichtig dem Thron zu nähern, sein Ziel fest im Blick. Das filigrane Schlüsselbein eines Rebhuhns, lag unscheinbar neben einem der Stühle auf dem Boden, außerhalb seines Blickfeldes. Der winzige Knochen brach unter seinem Gewicht. Das Klicken ließ ihn zusammenzucken und seine Hand legte sich blitzschnell auf den Griff seines Langschwertes; eine altmodische Waffe mit einer breiten Klinge und ohne Parier-Stange, die einer Schwertscheide aus Hirschleder ruhte. Er hielt den Atem an und beobachtete nun jeden Muskel des Stammesführers vor ihm. Der Kollos bewegte sich nicht. Erneut deutete er der Frau in dem weißen Nachthemd sich still zu verhalten. Dann trat er näher und streckte seine Arme nach ihn aus. Um sie zu befreien musste er den muskulösen, haarigen Arm der sie hielt zur Seite schieben; zu groß war das Risiko das sein Verbündeter sie traf oder das der erste Schuss nicht ausreichte und er ihr das Genick brach wenn er den Anschlag zu früh bemerkte.

      Der beißende Körpergeruch drang ihm in die Nase, so heftig dass Brechreiz in ihm aufstieg. Saurer Speichel sammelte sich in seinem Mund und sein Magen verkrampfte sich schlagartig als ruhte ein ganzer Steinbruch darin. Um zurück zu treten war es zu spät. Er schaute in das Gesicht der Uldunin die er zu retten hoffte und packte das Handgelenk des schlafenden Teriantrophen um dessen Arm zur Seite zu drücken. Es gelang ihr endlich aus der Umklammerung zu schlüpfen. Doch plötzlich riss ihr Feind seine Hand hoch und ergriff Belens Kehle.
      Der Druck seines eigenen Blutes ließ Belens Augen fast aus den Höhlen treten und doch fehlte ihm die Luft um zu schreien. Der Rattenschwarm verstreute sich und die junge Frau rannte Barfuß neben ihnen her zur Holztreppe. Das Monster öffnete eines seiner Augen, Abgründe des Wahnsinns und des Hasses mit einem teuflischen blauen Glühen, als wirbelte die dunkle Tiefe der Meere selbst darin.
      „Du dachtest das wäre schlau, nicht?“ Die Geisel war außer Reichweite, also taten die beiden Schützen wie befohlen und drückten den Abzug ihrer Waffen. Zwei Bolzen zischten durch die Luft doch der Burgherr schwang Belens, schlaffen Körper zur Seite und hielt ihn vor sich. Der blonde Krieger fühlte eine kalte, kribbelnde Taubheit in seiner rechten Schulter, der unmittelbar einem stechenden Schmerz wich. Er war getroffen. Die Ränder seines Sichtfeldes verschwommen und ein dumpfes Rauschen in seinen Ohren übertönte die schrecklichen Laute die nun vom Körper seines Widersachers ausgingen.

      Schaumiger Geifer trat aus dessen Mundwinkeln und Knochen schabten blubbernd und knirschend gegeneinander. Gelenke verließen ihren angestammten Platz, Knorpel lösten sich auf, die Schultern Schwollen zu den Ausmaßen von Melonen an und sein Kopf neigte sich weit nach vorne bis er mit dem nun flachen Rücken eine Linie bildete. Seine gebogenen Hörner fielen wie welke Blätter aus ihrer Verankerungen und schlugen scheppernd auf dem Steinboden auf. Seine Augen verließen den Schädel, empor gehoben von zwei langen Stielen. Die Lederrüstung riss auf wie dünnes Papier und gab einen weiß-rötlichen Panzer frei, als die humanoide Form immer mehr in sich zerfiel und dem Bildnis der gigantischen Wehr-Krabbe wich, seiner wahren Gestalt. Der Arm mit dem er Belen hielt wurde länger und Finger und Daumen verschmolzen in die beiden Hälften einer scharfen Zange. Er würde ihn köpfen.

      Belen konnte die Scheren mit bloßen Händen nicht auseinander drücken und seine brennenden Lungen schrien Luft. Er ließ seinen Arm sinken, nicht um sich seinem Schicksal zu ergeben sondern um blind nach seinem Langschwert zu tasten. Seine Finger schlossen sich um den Griff und er erhob die Klinge zitternd über das deformierte Handgelenk seines Gegners.

      „Nein!“ Die Wehrkrabbe ließ ihre wehrhafte Beute blitzschnell los und Belen stürzte. Der Stahl grub sich, trotz des Versuches ihn noch ab zu wehren, tief in die Oberseite seiner Zange und trennte die obere Schere von der unteren ab, sodass nur ein blutender, pulsierender Stumpf zurück blieb.

      Wehrkrabben brüllten nicht, es war mehr ein Zischen doch man konnte den Laut in der eigenen Brust pulsieren fühlen und er war alles andere als angenehm, häufig desorientierend für andere Wesen und immer ein Signal für die fleischfressenden Artgenossen ihnen zur Hilfe zu kommen.

      Belen fiel rückwärts auf den gedeckten Tisch, mitten in die Teller und Essenreste. Ein Schatten schwebte über seinem Gesicht. Das Monster holte mit der zweiten Klaue aus um seinen Schädel zu zerschmettern. Ein weiterer Armbrustbolzen zog seine Bahn und nagelte den gepanzerten Ellenbogen an die Lehne des hölzernen Throns dahinter, während der zweite Schütze damit beschäftigt war die junge Frau auf seine Schulter zu hieven und mit ihr in die Küche zurück zu eilen wo sie den Magier zurückgelassen hatten.

      „Belen, komm!“ Schrie sein Waffenbruder noch vom oben herunter und drehte die Kurbel seiner Armbrust um nochmal nach zu laden. Das Zischen schien plötzlich ein Echo zu haben, das Kampfgebrüll weiterer blutrüstiger Wehr-Krabben die den Tumult vernommen hatten und nun die enge Treppe empor zur Halle eilten. Er konnte nicht atmen. Er krümmte sich und zog seine Beine heran um sie wieder und seinen Körper zu bringen und sich auf zu richten, ein Gemisch aus Speichel, Magensaft und Blut auf seiner Zunge.

      „Lasst ihnen nichts!“ Versuchte er zu schreien doch der Schlachtruf verließ seine eingedrückte Kehle nur als ein unentzifferbares heiseres Gurgeln. Die Tür am anderen Ende der Treppe konnte genauso gut auf dem Gipfel eines Berges stehen. Er würde sie niemals erreichen. Er richtete das Schwert erneut gegen die die Kreatur, die sich genau in dieser Sekunde frei riss und erneut auf ihn ein schlug. Er duckte sich unter der scharfen Zange hinweg und sprang nach vorne um die Klinge in eine der wenigen Schwachstellen zu rammen; das Maul. Die mutierten Glieder erstarrten um ihn herum und aus dem Schlund floss schaumiger, blutiger Speichel seine Waffe hinunter bis auf seine Finger. Salziges Blut traf sein Gesicht und seine Augen. Der Stammesführer war niedergestreckt.

      Ein anderer würde ihm unweigerlich folgen wie so viele Male davor. Die Artgenossen des toten Anführers drängten sich dicht nebeneinander durch den Torbogen hinter dem Thron, um die Eindringlinge zu zerreißen. „Belen! Belen komm!“ Wiederholte der Veteran verzweifelt, aber seine Kraft war restlos erschöpft. Er versuchte dem Ruf zu folgen aber zäher Schleim verklebte seinen Hals und seine Nase. Das durch den Bolzen zertrümmerte Schulterblatt konnte keine noch so große Entschlossenheit mehr überwinden. Er ließ sein Schwert los, welches nun zwischen den roten Panzerplatten fest steckte und sackte zurück auf die schmutzige Tischplatte. Furcht kam in ihm auf aber nur für einen Wimpernschlag. Er erwischte sich selbst dabei wie er sich freute das Alester nun eine Person weniger teleportieren musste als geplant. Ruhm und Ehre waren für immer sein und was auch immer mit seiner zerschlagenen Hülle passieren mochte, seinen Sieg konnten sie ihm nicht mehr nehmen.

      Die Tür welche die Halle vom Rest der Burg trennte zersprang unter dem Schlag einer weiteren Klaue in winzigen Splitter. Als das seepocken-überwucherte Gesicht der nächsten Wehr Krabbe zum Vorschein kam, bohrte sich ein weiterer meisterhaft gezielter Armbrustbolzen zwischen die Stielaugen in das mutierte Gehirn darunter. Eine Welle aus roten Pantern, langen spitzen Beinen und klappernden Scheren schwappte in die Halle und begrub die Körper der Toten unter sich.

      Belen lag reglos auf seinem Rücken und starrte ins Gebälk über sich, das einen Kronleuchter aus Wahlfisch-Rippen hielt, während der Tisch auf dem er sich befand wie ein Schiff im Sturm im Gewirr der Krabben-Monster unter zu gehen drohte. Plötzlich raste der Kronleuchter nach unten, genau auf ihn zu. Er kniff die Augen zu.

      „Komm zu dir!“ Rief Alesters Stimme und er fühlte auf seiner Wange etwas dass der schwächliche Magier wohl für einen Faustschlag gehalten hatte. Er schlug die Augen auf und blickte von einem Fenstersims aus auf das tosende Meer, das viele Stockwerke unter ihm gegen die Mauern der Rifffeste schlug. Alester war bei ihm und hielt in seiner Hand eines der Kettenglieder die bis eben den Kronleuchter an Ort und Stelle gehalten hatten. Eine der Krabben versuchte hinter ihnen die Wand zu erklimmen und ihnen nach draußen auf den Fenstersims zu folgen, doch stattdessen erstarrte sie, ohne erkennbaren äußeren Einfluss und fielt tot zurück auf den Boden der Halle. Als Belen zurück in die Hand des Magiers sah war das Kettenglied nicht mehr dort.

      „Das Herz hat im Inneren einen Hohlraum, kleine Dinge wie das passen rein.“ Erklärte er begleitet von komplizierten Handgesten um seiner Magie irgendeine greifbare Form zu geben die der Frostriese verstehen konnte.
      „Du kannst mehr als nur Leute teleportieren?“ Fragte er und sah seinen Freund an, anstatt weiter in den Abgrund zu starren. „Es kommt nicht darauf an was es ist.“ Der Monrastaner ballte seine Hände immer wieder zu Fäusten und ließ sie wieder locker um seinem Stress ein Ventil zu geben.

      „Alles was zählt sind Dichte und Distanz.“ Der nächste Angreifer brauchte für denselben Weg viel weniger Zeit weil er den Körper seines gefallenen Bruders als Trittbrett benutzte. Alesters Finger zuckten kurz und die Sonnenwelt krümmte sich ein weiteres Mal. Der Teriantrophen fand sich unvermittelt einige hundert Meter über dem Dach der Burg und zerschellte an den Dachziegeln eines Wachturms ohne jemals zu begreifen was ihm zugestoßen war. Fleischbrocken und Schalenstücke schleuderten in alle Richtungen. Ein gequältes Würgen kam aus Belens Kehle hervor als er versuchte seine Atemwege wieder frei zu bekommen.

      „Bring… Bring uns hier weg!“ Befahl er aber Alester sah sich ratlos um und schien keinen möglichen Fluchtweg zu sehen.

      „Aufs Dach?“ „Egal wohin!“ Schrie er und trat dabei nach dem Gesicht einer weiteren Wehrkrabbe um sie vom Fenstersims weg zu drücken. Der Bolzen der noch immer aus seiner Schulter ragte stieß dabei gegen das Mauerwerk und der stechende Schmerz erinnerte ihn daran dass er in keiner Verfassung hierfür war.

      Plötzlich fühlte er den Wind und einen feinen Sprühregen auf seiner Haut. Sie waren auf dem Dach doch der Giebel war zu steil und sie beide rutschten auf den glitschigen Lehmziegeln seitlich ab. Ein Misthaufen bremste weiter unten ihren Sturz und sie fanden sich in einem Innenhof wieder welcher die Stallungen beinhaltete und all das was mit der Haltung von Pferden einherging. Auf ihrer linken Seite reihten sich die Stallboxen aneinander und vor ihnen lag ein Tor mit offenem Fallgitter. Belen wollte sich bereits auf eines der Pferde werfen und die Flucht antreten als der Magier ihn am Unterarm festhielt und auf eine Ansammlung Käfige in der hintersten Ecke der Anlage deutete.
      Was er dort sah beschwor die Art von blinden Zorn in ihm heraus die er sich niemals erlaubt hatte zu fühlen, weil er fürchtete es könne den Unterschied zwischen einem noblen Krieger und einem hirnlosen Wilden bedeuten. Seine Zähne knirschten als er sie aufeinander drückte. In den modrigen Käfigen befanden sich Tonschalen mit Wasser und kleine Hütten in die man Hunden hinstellte die nicht ins Haus durften. Und in diesen engen, dreckigen, stinkenden Zwingern zwischen Pferdedreck und Schlachtabfällen kauerten die vermissten Frauen aus seinem Stamm. Ihre Kleidung hing Fetzen von ihnen herab. Einige hatten noch Kochschürzen umgebunden, andere trugen Winterkleidung und wieder andere nur leichte Schlafanzüge; was auch immer sie am gerade am Leib hatten als der Angriff kam. Noch während er zu ihnen rannte verschwanden der Reihe nach die Schlösser welche die Käfige geschlossen hielten. Diesmal ängstigte es ihn nicht, denn er erkannte das Wirken dass Magiers dahinter. Einer nach der anderen half er auf und versicherte ihnen dass sie frei sein würden, dass sie Pferde stehlen und sich bis zur Grenze durchschlagen würden.

      Das Fauchen der Monster aus dem Inneren des Gemäuers wurde wieder laut. Sie durchsuchten alle Räume und würden ihn sehr bald
      bemerken. Im letzten Hundezwinger, jener der am weitesten vom Tor entfernt war krallte sich eine Uldunin mit hellbraunem Haar und zerschlissenen, Fingernägeln an die eiskalten Gitterstäbe. Sie trug die Kleidung einer wohlhabenden Frau, aber in ihren Augen spiegelte sich dieselbe blanke Angst die sie alle teilten. Belen wunderte sich noch warum sie nicht mit den anderen floh, da fiel sein Blick auf das Schloss das immer noch stur an seinem Platz hing.

      „Alester du hast eins vergessen.“ Er wendete sich zum Tor um und sah den Magier im Schlamm liegen. Der Wind zog an seiner roten Seidenrobe, die so fehl am Platz wirkte zwischen all diesem Schmutz. Seine Augen waren nur noch halb geöffnet und so weiß wie beschlagenes Glas. Blut rann aus seinen Mundwinkeln und seine blasse Haut war entstellt von dunklen, violetten Blutergüssen. Erst nachdem er mehrere Sekunden hingestarrt hatte konnte er sehen dass sein Freund sich noch bewegte. Er hatte auf sich genommen was er konnte und war für den Rest der Mission nur noch nutzloses Gewicht.

      „Hilf mir!“ Schrie die Frau im Käfig und rüttelte an dem Tor.

      „Er muss es nochmal machen! Bitte. Lass mich nicht zurück!“ Tränen rannen unaufhörlich aus ihren grünen Augen und ihre Unterlippe zitterte wie Laub im Wind. Belen wollte sein Schwert ziehen und den Knauf benutzen um das Schloss auf zu brechen, doch als er seine Hand um den Griff schließen wollte erschütterte ihn derselbe, lähmende Schmerz in seiner Schulter wie zuvor. Er schaffte es nicht.
      „Unser Magier ist am Ende…“ Sprach er und vermied ihren Blickkontakt. Wieder rüttelte sie an den Gitterstäben aber die Tür zum Käfig gab nicht nach. „Zwing ihn! Sie werden mich töten. Ich sterbe wenn du gehst.“ Heulte sie und ließ sich auf ihre aufgeschürften Knie fallen. Stammeskrieger der Riff-Feste die ihre humanoide Form wider angenommen hatten stürmten auf die Mauer und Belen konnte bereits das Ächzen von Bogensehen hinter sich hören.

      „Schmerz geht vorüber, Ruhm währt ewig.“ Indoktrinierte er sich selbst und ergriff sein Schwert. Er zog es, dreht es in seiner Hand und schlug mit dem Knauf auf das Schloss ein. Jeder Hieb fühlte sich an als ob sengende Kohlen in seine Wunden gedrückt werden würden. Blut tropfte seinen Ellenbogen hinab und bildete eine Pfütze unter ihm. Wieder verschwamm seine Sicht und die Konturen seines Ziels wurden so unscharf das er es verfehlte, zuerst nur im Millimeter, dann ganze Ellen zu weit zu einer Seite. Es spielte keine Rolle mehr, denn er war so schwach das auch einhundert Treffer keinen Unterschied mehr gemacht hätten. Ein letztes Mal traf sein Blick den ihren.
      „Geh nicht!“

      Flehte sie noch immer, aber es war nur noch ein Flüstern als wüsste sie genau das sie ein Opfer verlangte das er nicht erbringen konnte. Ein Pfeil streifte sein Kettenhemd und zerschlug ein paar Eisenringe, die klirrend zu Boden gingen. Er drehte sich vom Käfig weg und warf sich gerade noch schützend über Alester um mit seiner Rüstung zwei weitere Pfeile ab zu fangen die für ihn bestimmt gewesen waren. Die Geschosse prallten zwar an seinen geschützten Rippen ab doch die Wucht des Aufpralls allein riss ihn fast von den Füssen. Er hob den Verwundeten auf und stützte ihn um in den Stall zu gelangen. Ein letztes kleines Last-Pony war ihnen geblieben. Es war keine Zeit mehr es zu satteln oder Zaumzeug an zu legen; also klammerte sich Belen an der verfilzten Mähne fest und hielt Alesters mit dem freien Arm umschlossen um zu verhindern das er abrutschte. Mit einem Tritt in die Flanke trieb er das erbärmliche Tier dazu an durch das Tor zu rennen, hinaus aus dem Burghof und über die kargen Dünen dahinter, immer den Spuren der anderen hinterher. Eine Hand breit hinter ihnen stützte das schwere Eisentor herunter, nicht einmal eine ganze Sekunde zu spät um sie zerschmettern.
      „Wichtig klingende Zitate unter Signaturen sind blöd.“
      -Feron
    • Hat vielleicht jemand Zeit und Lust einen Blick auf die Religion meiner Protagonisten zu werfen?

      Zur Erklärung: Denen ist an der Stelle gerade ein Pferd an Überanstrengung gestorben… Beweise dass ihre Göttin existiert haben sie nicht. Das sind alles nur Legenden.

      ---

      „Weist du noch was du sagen musst?“ Mit einem Kopfnicken deutete sie zu dem toten Pferd, das bereits die Aufmerksamkeit dutzender Krähen auf sich gezogen hatte, die in den Bäumen warteten dass die Gruppe weiter zog. „Mein Schatz, ich bin genauso traurig wie du, aber er ist tot. Es ist jetzt egal ob ihn schimpfe oder in den Himmel lobe.“

      Feron rieb sich demonstrativ die Schläfen um aus zu drücken das ihm die Argumentation physische Schmerzen bereitete. Auch Mantkas Gesichtsausdruck fiel von Trauer in bittere Enttäuschung über den unerhörten Frevel.

      „Es ist nicht nur für den Wallach sondern auch um dem Züchter Respekt zu erweisen der ihn für dich aufgezogen und trainiert hat. Er ist in deinen Diensten gestorben und das hat Anerkennung verdient. Wenn du seine Seele nicht mit Odornas Segen entlässt wird er zu einem Helhest werden und dich verfolgen bis er dich hat.“ Der vernarbte Waldläufer schaute hinauf zu den Krähen und dann zum Kadaver zurück. Der Sage nach hatte die Göttin der Zivilisation die ersten wilden Pferde gezähmt und sie den Vorfahren der Monrastanern gegeben, auf das sie für alle Zeiten gemeinsam um ihr Fortbestehen kämpfen würden. Es waren Objekte das nationalen-und persönlichen Stolzes und ein wichtiges Statussymbol. Männer die durch Schicksalsschläge verarmten behielten für gewöhnlich ihre Pferde und verkauften zuerst ihr Haus. Die Rösser waren ihnen so heilig das man schon kleine Kinder vor dem Helhest-Fluch warnte, der jeden ereilen konnte der ein solches Tier misshandelte oder sein Fleisch aß.

      Die Schuldigen wurden verfolgt von einem grauenvollen, verrottenden Zerrbild ihres Gefährten, das seinem Besitzer langsam aber ohne Unterbrechung hinterher hinkte wohin auch immer er ging. Niemand anders konnte sie wahrnehmen und so verdammten die Erscheinungen jene die sie heimsuchten zu einem elenden, ruhelosen Dasein geprägt von Paranoia, Einsamkeit und Wahnsinn. Was passierte wenn ein Helhest sein Ziel jemals einholte war, mehr als alle anderen Details, der Stoff für Gruselgeschichten. Gerne hätte sich Kjeldan seiner eigenen Furchtlosigkeit versichert, aber der Zweifel nagte an ihm. Vermutlich waren die Legenden, genau das; nichts als Geschichten um Kindern zum respektvollen Umgang mit Tieren zu zwingen, aber wenn er sich irrte würde er die Konsequenzen für immer tragen müssen.
      „Ich tu`s für dich wenn es dir so viel bedeutet.“ Sagte er und tätschelte mit seiner verbliebenen Hand die Wange seiner Tochter. „Wir machen es zusammen, du betest für dein Pferd und ich für meines.“ Fügte er hinzu. Beiden knieten sich auf jeweils einer Seite neben Drescher auf den Boden und schlossen die Augen, während Feron und Astor und Stück entfernt zusahen. Weder Mantka noch Kjeldan hatten sich jemals an Schmutz oder toten Tieren gestört. Er streckte seinen Arm über den aufgeblähten Bauch und ergriff dort in der Mitte ihre gefalteten Hände.

      „Odorna, Mittlerin zwischen uns und den zahmen Tieren die uns dienen.“ Mantka hatte zuerst gesprochen und obwohl sie versuchten synchron zu bleiben erklang die Stimme des alten Mannes leicht versetzt hinter ihrer. Er sprach leiser, damit ihr lautes und leidenschaftliches Rezitieren das Textes, Fehler von denen er wusste das er sie machen würde, in den Ohren der Götter übertönte.

      „Odorna, die du den ersten Wolfswelpen und die Zügel der ersten Stute in die Hände der ersten Menschen gelegt hast. Mein Herz liegt still und schwer im Graß der Steppe. Ich bin nicht mehr stark genug den Flug zu ziehen, nicht mehr schnell genug um zu jagen und schutzlos im Angesicht von Feinden die mich einst fürchteten, den mein Pferd ist gestützt und steht nicht mehr auf.“

      Die Nachkommen der göttlichen Reittiere zogen schon seit vielen Generationen keine Pflüge mehr über die Felder, sondern waren darin von Ochsengespannen abgelöst worden. Zu wertvoll waren sie im Verlauf ihrer Zuchtgeschichte geworden. Zudem hätte man jene mystische Stute längst nicht mehr als Monrastisches Warmblut erkannt, da das Reitervolk in nur eine Hand voll Farbvarianten verliebt war, deren Felle wie Bronze, Silber und Gold und in der Sonne schimmerten. Man hatte alle aussortiert deren Beine nicht lang und deren Bewegungen nicht anmutig waren. Lediglich der Gehorsam der Tiere und die Harmonie mit ihren Reitern hatte sich niemals verändert den sie fand tiefes Wohlwollen in den Augen der Schöpferin.

      „Bitte hilf dass seine Hufe sicheren Halt finden auf ewigen grünen Weiden! Bette seinen Kopf auf duftendem Heu und fülle seinen Trog mit Hafer und seine Tränke mit Malzbier! Sprich liebevoll zu ihm in seiner eigenen Sprache und lass ihn über jeden Hauch von Zweifel wissen das ich stolz bin ihn in meiner Herde gehabt zu haben, den ich bürge als sein Reiter dafür das sein Herz rein ist, so wie er für meines bürgt wenn meine Zeit kommt.“

      Nachdem sicher gestellt war das die Toten ihren vorbestimmten Weg fanden, ließen sie das steif gefrorene Fleisch liegen. Die Aasfresser würden warten bis es weich wurde und sich daran laben bis nur noch Knochen erzählten was sich zugetragen hatte.
      „Wichtig klingende Zitate unter Signaturen sind blöd.“
      -Feron
    • Hi @Feron :)

      Zu der Kampfszene: Insgesamt fand ich sie weder zu lang noch zu uninteressant. Im Gegenteil, ich habe richtig mitgefiebert, nachdem ich in den ersten paar Absätzen die Handlung und Charaktere auseinandersortiert hatte.

      Feron schrieb:

      immer mehr undenkbare Dinge fanden neue Akzeptanz unter ihnen, wenn sie nur das Fortbestehen ihres Stammes versprachen. Die Bewohner der Rifffeste hatten vor wenigen Tagen eine neue Holzfällersiedlung nahe ihrer gemeinsamen Grenze überfallen. Späher hatten die Körper der Männer und der Kinder zerschmettert und im Schlamm liegend gefunden, nicht aber die Frauen.
      Liegt wohl eher an meinem unaufmerksamen Lesen, schließlich hattest du die Riff-Feste schon weiter oben erwähnt, aber ich war hier kurz verwirrt und dachte erst, dass die Uldunen mit den Bewohnern der Feste gemeint waren und dass sie die Frauen der Siedlung verschleppt hätten, um "das Fortbestehen ihres Stammes zu sichern", weil die Sätze so direkt hintereinander stehen XD
      Beim zweiten Lesen war dann aber alles klar.

      Ich hatte beim Lesen immer klare Bilder im Kopf und nie das Gefühl, dass es eine der Figuren zu leicht oder zu schwer hat: Die Kämpfe sind sehr realistisch, und meiner Meinung nach tragen die eher grafischen Beschreibungen zu diesem Realitätsgefühl bei und waren immer nur so "ausgeschmückt" wie nötig ^^ ...obwohl ich bei Wehrkrabben sofort an One Punch Man denken musste :rofl:
      Was ich auch noch gut fand, war das tragische Ende mit der Uldunin, die im Käfig zurückbleiben musste und besonders die Beschreibung von Belens kraftlosen Versuchen, auf das Schloss einzuschlagen. Eine richtig herzzerreißende Szene ;(

      Spoiler anzeigen

      Noch ein bisschen Detailkritik ^^:

      Feron schrieb:

      Eine Welle aus roten Pantern,
      *Panzern

      Feron schrieb:

      das einen Kronleuchter aus Wahlfisch-Rippen hielt
      *Walfisch-Rippen

      Feron schrieb:

      Plötzlich raste der Kronleuchter nach unten, genau auf ihn zu. Er kniff die Augen zu.
      Wiederholung - vielleicht eher "er kniff die Augen zusammen"?

      Feron schrieb:

      Ihre Kleidung hing Fetzen von ihnen herab.
      *in Fetzen

      Feron schrieb:

      was auch immer sie am gerade am Leib hatten als der Angriff kam.
      hier wäre Plusquamperfekt sinnvoll, der Überfall ist ja ein vergangenes Ereignis

      Feron schrieb:

      Diesmal ängstigte es ihn nicht, denn er erkannte das Wirken dass Magiers dahinter.
      *des

      Feron schrieb:

      Stammeskrieger der Riff-Feste die ihre humanoide Form wider angenommen hatten
      *wieder

      Feron schrieb:

      die Konturen seines Ziels wurden so unscharf das er es verfehlte, zuerst nur im Millimeter,
      *dass *um Millimiter

      Feron schrieb:

      und hielt Alesters mit dem freien Arm umschlossen um zu verhindern das er abrutschte.
      *Alester *dass


      Liebe Grüße,
      Carpe