Charons Gezeitenflüsse

  • Hallo liebes Forum,


    dann möchte ich meine eigenen Geschichten hier auch mal vorstellen.

    Demnächst wird schon die erste ihren Weg hierher finden, bin gerade noch dabei, sie zu überarbeiten.


    Einen unserer ersten Begleiter möchte ich euch schon jetzt vorstellen,

    er wird innerhalb der kommenden Geschichte wichtig sein.


    Darf ich vorstellen:


    Kurzgeschichten:

    - Tagtraum (mit Skar, dem Raben)

    - Der Mondscheintanz


    Liebe Grüße

    Charon

  • Tagtraum


    alles nur grau

    Sonnenstrahlen durchdringen die Fenster eines kleinen Raumes, dessen Wände mit Holzpaneelen bedeckt sind. Kleine Muster scheinen dort ihr Spiel miteinander zu spielen. Bald so, als würden sie tanzen und das Holz ist ihre Bühne, doch... sie bleiben letztlich immer am selben Fleck. Keine Bewegung, kein Tanz, nur das Spiel der Schatten? Allein die Strahlen wandern weiter und fahren sanft über das Gesicht eines Kindes. Die Augen sind geschlossen. Es liegt auf der Seite, von der Decke noch fest umschlossen. Langsam erwacht das Kind aus dem Schlaf. Es reibt sich die Augen und mit einem vorsichtigen Blinzeln sieht es zum Fenster.


    Kind: „Hmmm...“

    Minuten vergehen.

    Kind: „Hmmm... Na gut, Zeit zum Aufstehen.“

    Langsam richtet es sich auf, währenddessen ziehen graue Wolken auf und drängen sich vor die Sonne.

    Kind: „Schade, wird wohl doch kein schöner Tag, sieht eher wieder nach Regen aus...“

    Es steht auf und läuft langsam Richtung Fenster. Dabei streift es einen kleinen Tisch, der in der Mitte des Raumes steht.

    Kind: „Die Karte von Oma liegt ja noch hier.“

    Es liest die Karte.

    Kind: „...zum Geburtstag wünsche ich dir alles Liebe und beste Gesundheit. Mögen alle deine Wünsche und Träume in Erfüllung gehen. Genieße diesen Tag, denn es wird ein schöner sein, deine Familie ist da. Freunde...“

    Es hält kurz inne und liest dann lückenhaft weiter.

    Kind: „...mit dir feiern, … lachen … es wird ein schöner Tag sein … auch wenn es gerade wenig Sonnenschein gibt … erfreue dich daran und beachte die Kleinigkeiten, denn oft ...“

    Laute Sirenen unterbrechen die Stille.

    Kind: „... merkt man erst viel später, dass sie gar nicht so klein sind. Es kommt darauf an, was du daraus machst und aus welchem Winkel du sie betrachtest. Es liegt in deiner Hand ... am Wochenende besuchen kommen, bis bald deine Oma…„

    Das Kind legt die Karte wieder auf den Tisch und setzt den Weg zum Fenster fort. Ein leichter Nieselregen hat eingesetzt, alles wirkt grau.

    Kind: „Wie spät es wohl schon wieder ist? Die Leute hetzen von einer Stelle zur anderen. Überall diese grauen Betonwände, der Himmel trüb, laute Autos hier, die Sirenen dort. Alles eintönig grau und jeden Tag immer gleich. Hmmm...“


    Doch eine Sache scheint anders, das Kind sieht sich um.

    Kind: „War die Tür schon immer dort? Kann mich gar nicht an sie erinnern oder doch?“

    Mit einem Knarren öffnet sich eben diese Tür und ein großer menschenähnlicher Rabe tritt beträchtlichen Schrittes heraus. Statt mit Federn sind seine Flügel mit Ästen geschmückt, vereinzelt hängt auch ein tiefgrünes Blatt daran. Rot glänzende Augen betrachten das Kind.

    Rabe: „Hallo Mika, dürfte ich vielleicht eintreten, kra?“

    Mika: „Wer... wer bist du? Du weißt wer ich bin?“

    Rabe: „Aber natürlich Mika, wieso sollte ich das nicht wissen, kra? Mein Name ist Skar. Ich bin hier, weil du wieder so traurig bist, kra.“

    Mika: „Ja das bin ich, aber warum auch nicht? Ist doch eh alles nur grau...“

    Skar: „Natürlich ist es das Mika! Wie sollte es denn sonst sein, wenn du es immer wieder auf die gleiche Weise betrachtest? Weißt du was Mika? Ich werde dir helfen, kra! Du musst nur mit mir kommen, dann zeig ich dir etwas, das du so noch nie gesehen hast. Kra, kra.“

    Mika: „Immer auf die gleiche Weise? Ich kann doch nichts dafür, wenn immer alles gleich bleibt... Hmmm...“

    Ein kurzer Moment der Stille geht vorbei, während Skar vor Mika steht und ihn weiter mit seinen roten Augen betrachtet.

    Mika: „Ist das, was du mir zeigen willst, auch so grau? Denn dann komme ich nicht mit! Das hab ich hier schon zu genüge...“

    Skar: „Das weiß ich nicht, wir können es nur herausfinden, wenn du mitkommst und es dir selbst ansiehst, kra. Alles hängt nur von dir selbst ab. So wie du die Dinge siehst, so werden sie sein. Aber vielleicht kann ich dir zeigen, wie du die Dinge mit anderen Augen sehen kannst.“

    Mika: „Hmmm... Wenn du das sagst... Na gut, ich komme mit. Aber nur, wenn du mich nach Hause bringst, wann immer ich keine Lust mehr habe! …und Hauptsache es regnet dort nicht...“

    Skar: „Aber natürlich werde ich das, es ist dein Abenteuer, ich weise dir nur den Weg zum Ziel und wenn dein Ziel hier liegt, dann werde ich dich auch hierhin begleiten, kra. Aber nun komm, lass die Reise beginnen.“

    Mika blickt noch einmal aus dem Fenster. Der Rabe tritt wieder durch die Tür zurück und verschwindet auf der anderen Seite. Mika geht ihm nach.


    Wärme

    Sonnenstrahlen ziehen weit über die Landschaft. Mika steht in mitten einer großen Wüste.

    Mika: „Hmmm... Sand, überall Sand und sonst nichts. Ich sehe genau das gleiche wie durch mein Fenster, nämlich nichts, Einöde überall! Ich dachte, du willst mir etwas zeigen, das ich noch nie gesehen habe? Aber das hier kenne ich schon...“

    Skar: „Ich sagte aber auch, dass die Dinge so sein werden, wie du sie siehst. Wir sind erst am Anfang unserer Reise und vor dem Sehen kommt erst noch etwas anderes, kra. Fühlst du den Sand unter deinen Füßen? Wie fühlt er sich an?

    Mika: „Natürliche fühle ich ihn! Er ist... er ist rau...“

    Skar: „Nein, du fühlst ihn nicht! Du stehst noch an genau der gleichen Stelle, regungslos. Fühlst du nicht, was in ihm verborgen ist? Du kannst es fühlen, es ist genau hier, kra.“

    Mika: „Nein, hier ist doch nichts. Du wolltest mir etwas zeigen und ich sehe nichts, alles gleich und un... unbedeutend?“

    Das letzte Wort bekam Mika nur stockend hervor und seine Stimme senkte sich dabei. Mika blickt herunter, irgendetwas hat gerade seinen Fuß gestreift. Da, wo nichts ist, muss etwas gewesen sein. Mika blickt weiter hinunter.


    Mika: „Ist da wirklich was?“

    Noch während er das fragt, türmt sich direkt neben seinem linken Fuß ein Sandhaufen auf, Sandkorn für Sandkorn wächst er an. Es dauert nicht lange, dann lugt ganz vorsichtig ein kleiner Käfer hervor und sieht sich um. Als dieser sich sicher fühlt, rennt er plötzlich los. Im Zickzack läuft der Kleine von Mika weg und vergräbt sich nach ein paar Schritten wieder im Sand. Das Spiel wiederholt sich, er türmt wieder etwas Sand auf, springt schnell hervor und läuft wieder im Zickzack ein paar Schritte, bevor er sich abermals im Sand vergräbt.

    Mika: „Ein Käfer? Hier? Was macht der da?“

    Skar: „Er sucht nach Nahrung, kra.“

    Mika: „Und warum läuft er dabei so merkwürdig?“

    Skar: „Er versucht sich vor seinen Fressfeinden zu verstecken. An der Oberfläche ist er in Gefahr, deswegen gräbt er sich immer wieder ein.“

    Mika: „Fressfeinde, dass heißt, hier gibt es noch mehr Tiere? Sind die kleinen Hügel, die er hinterlässt nicht auffällig, so kann man ihn doch verfolgen?“

    Skar: „Ein einzelner Hügel wäre sicherlich sehr auffällig, kra, aber sieh genauer hin, wie viele Hügel sind es wirklich?“

    Mika sieht dem Käfer noch ein wenig hinterher, dann versucht er den Weg des Käfers zurück zu seinem Fuß zu verfolgen. Doch wieso sind da plötzlich so viele Hügel? Er hat den kleinen Käfer doch beobachtet, so viele Hügel hat er in der Zeit gar nicht gegraben. Mika macht ein paar Schritte zurück und hockt sich hin. Er stützt seine Hände auf dem Sand ab, einzelne Körner rollen über seine Finger. Sein blickt streift von Hügel zu Hügel und dann...

    Mika: „Da ist noch ein Käfer! Und da auch! Es sind auf einmal so viele, wo kommen die denn her?“

    Skar: „Sie waren die ganze Zeit schon hier, kra, verborgen unter dem Sand. Wir müssen weiter, ich will dir noch etwas anderes zeigen.“

    Mit diesen Worten dreht er sich um und geht in Richtung einer Sanddüne, die nicht weit entfernt liegt. Einen Moment verweilt Mika noch auf dem Boden, mit einer Hand greift er nach dem Sand, hebt ihn hoch und lässt diesen langsam durch seine Finger rieseln.

    Mika: „Er ist nicht rau. Er ist glatt und voller Wärme.“


    Gesang

    Mika steht auf und läuft zu Skar. Als die beiden über die Düne laufen, erkennt Mika in der Ferne etwas, das wie ein Wald aussieht.

    Mika: „Ein Wald? Hier? Mitten in der Wüste?“

    Einen Augenblick später stehen Mika und Skar am Anfang des Waldes. Sie gehen weiter und der Wald wird immer dichter. Nach einer Weile bleibt Skar stehen.

    Skar: „Ist es dir aufgefallen, kra?“

    Mika: „Was soll mit aufgefallen sein? Wir sind im Wald... Hier ist es still, ganz anders als zuhause, dort herrscht nur Krach! Außerdem ist es hier dunkel, ich sehe fast nichts.“

    Skar: „Du musst hier nichts sehen, kra. Aber hör genau hin, höre das, was der Wald dir sagen will, kra, denn still ist es hier nicht.“

    Mika sieht sich weiter um und versteht nicht ganz, was Skar will. Hier ist es still, kein Geräusch ist hier zu hören.

    Mika: „Ich höre nichts und ich weiß nicht, ob ich hier sein will.“

    Skar: „Die Dinge werden so sein, wie du sie haben willst, kra. Wenn du sehen willst, wirst du nichts hören.“

    Mika: „Hmmm...“


    Noch immer versteht Mika nicht, was Skar von ihm will. Dann schließt er seine Augen und verweilt fast bewegungslos. Plötzlich vernimmt er etwas, es war nur kurz da und leise, aber es war da! Ein leises Rascheln, direkt über ihm. Jetzt war es neben ihm. Noch während Mika sich darüber wundert, vernimmt er ein Zwitschern. Mika öffnete seine Augen wieder und da ist es. Er kann es nicht sehen, aber überall müssen Vögel sitzen und jeder trällert sein Lied.

    Mika: „Es müssen viele sein und ein jeder klingt anders.“

    Skar: „Sind es nur Vögel, die du hörst?“

    Mika: „Nein, da ist noch ein Quaken und es ist ganz schön laut, aber ich finde es schön.“

    Mika geht ein paar Schritte weiter und bleibt stehen. Er lauscht den vielen Geräuschen, dann dreht er sich um und kommt zurück.

    Skar: „Wir sollten weiter gehen, es gibt noch mehr, das auf dich wartet, kra.“

    Skar läuft los und Mika folgt ihm.

    Mika: „Er ist wirklich schön, an ihn werde ich mich erinnern.“

    Skar: „An wen?“

    Mika: „Den Gesang.“


    Einsamkeit

    Der Wald lichtet sich wieder und die Töne werden leiser. Skar geht weiter voran, dicht gefolgt von Mika.

    Skar: „Was beschäftigt dich in deinen Gedanken, Mika?.“

    Mika: „In meinen Gedanken? Ich... ich weiß es nicht.“

    Skar: „Warum schlägt dein Herz, kra?“

    Skar bleibt stehen und dreht sich zu Mika um, seine glänzend roten Augen durchdringen Mika.

    Mika: „Ich... ich weiß nicht, warum fragst du das?“

    Skar: „Es ist überall, alles hat sich geändert, kra. Was treibt dich um?“

    Im Gegensatz zu Mika sind Skar die Veränderungen aufgefallen. Die Welt um sie herum wirkt jetzt anders und der weiche Waldboden ist verschwunden. An seiner Stelle bedeckt nun Schlamm den Untergrund.

    Skar: „Warum willst du hier sein, kra? Merkst du nicht, dass es kälter wird? Sieh dich doch mal um!“

    Mika: „Ich weiß es nicht. Mir ist kalt.“


    Mika dreht sich um, aber auch der Wald in der Ferne ist nicht mehr da. Doch da war etwas anderes. Mika sah herab, Wasser umspülte seine Füße. Es wurde immer mehr und es war kalt. Alle Wärme, die Mika wenige Momente zuvor noch verspürte, war nun verschwunden. Er wusste nicht, was gerade geschieht. Mit einer sich ausbreitenden Verzweiflung drehte er sich wieder zu Skar. Doch dieser war verschwunden.

    Mika: „Wo bist du hin? Warum lässt du mich hier zurück?“

    Das Wasser war in der Zeit weiter gestiegen, schon bald kann Mika nicht mehr stehen. Alle Freude war gewichen, nur die Dunkelheit blieb und der Himmel so grau. Ein Sturm zieht auf. Wellen umspülen Mika. Zur Kälte gesellt sich nun der Lärm. Mika versucht dagegen anzuschwimmen, doch Welle um Welle bricht krachend über ihm zusammen.

    Mika: „Ich will hier nicht sein, warum lässt du mich zurück? Bring mich zurück, du hast es mir versprochen! Skar...“


    Ein Donner ertönt und der Sturm erstarkt. Mikas Verzweiflung nimmt zu. Ein Flüstern dringt an sein Ohr. Erst ist es nicht zu verstehen, doch dann wird es klarer.

    Skar: „Ich weise dir lediglich den Weg zu deinem Ziel, kra. Doch das Ziel bestimmst nur du! Was schmeckst du?“

    Mika hat nun große Mühe über Wasser zu bleiben, schon zu viel Wasser hatte er geschluckt.

    Mika: „Salz! Das Wasser... es schmeckt nach Salz!“

    Skar: „Ist dem so? Du entscheidest, kra.“

    Mika kämpft weiter, doch schon bald würde sein Kampf ein Ende finden. Die Kälte, der Krach oder die fehlende Luft zum Atem, eines davon würde den Kampf entscheiden. Mikas Anstrengungen schwinden, seine Kraft lässt nach.

    Mika: „Ich... es... es schmeckt nach Honig!“

    Nur sehr leise und schwach kann Mika mit seiner letzten Kraft ausdrücken, was er schmeckt. Noch im selben Augenblick verzieht sich der Sturm und das Wasser verschwindet. Ausgezehrt liegt Mika am Boden. Neben ihm steht Skar. Er beugt sich zu ihm herab und reicht Mika eine Hand, dann zieht er ihn an sich heran. Schützend legen sich Skars hölzerne Flügel um ihn.

    Skar: „Du hast dein Ziel noch nicht erreicht. Es ist aber nicht mehr weit, kra. Und jetzt leg sie ab, du brauchst sie nicht, deine Einsamkeit.“


    Duft

    Mika öffnet seine Augen und findet sich auf einer grünen Wiese wieder, viele Blumen blühen hier. Das Summen fleißiger Bienen ist zu vernehmen. Mika lauscht dem sanften Geräusch und bemerkt einen süßlichen Geschmack, der in der Luft zu liegen scheint und an Honig erinnert. Noch während Mika am Boden verharrt, kehrt die Wärme in den kalten Körper zurück. Ebenso warme Sonnenstrahlen berühren Mikas Haut. Noch eine Weile verweilen beide so, bis sich Skar aufrichtet und fragend zu Mika blickt.

    Mika: „Ich kenne deine Frage, die Antwort ist: Ich rieche das frische Gras und den Duft der verschiedenen Blumen. Aber ein Duft ist besonders, am schönsten finde ich den Duft der Gerbera.“

    Skar nickt anerkennend.

    Mika: „Ist das mein Ziel? Kann es bei mir auch so sein?

    Skar: „Es liegt an dir, aber einen Schritt müssen wir noch gehen, kra.“

    Mika: „Ob ich mich an ihn erinnern werden, diesen lieblichen Duft?“


    Sehen

    Skar: „Bist du bereit, den letzten Schritt zu gehen, kra?“

    Mika nickt und zeitgleich verschwindet die Wiese wieder und ein dichter Nebel zieht auf.

    Skar: „Du musst dein Ziel finden, frage dich, was willst du sein, wo willst du sein?“

    Ziellos läuft Mika im Nebel umher, nichts ist zu erkennen, alles scheint so still. Langsam kehrt Mika in sich. Im Augenblick nimmt er nur sein eigenes Atmen war. Da fällt es Mika auf, auch wenn nichts zu sehen ist, so ist doch alles noch da. Die Wärme auf seiner Haut, der glatte Sand unter seinen Füßen. Dann kommen auch die Geräusche zurück, zuerst das Zwitschern der Vögel, dazwischen das Quaken eines Froschs und schließlich das Summen der Bienen. Der Nebel beginnt sich zu lichten. Da schmeckt Mika Honig. Der Nebel ist nun gänzlich verschwunden und Mika steht auf einem sandigen Hügel. Er blickt hinab in ein Tal, da ist die große Blumenwiese, die zum Zentrum des Tals in einen dichten Wald führt. Mikas Blick streift das Tal und richtet sich dann gen Himmel. Dort zu erkennen ist eine Stadt, die nach unten ragt. Steinerne Häuser und dazwischen vereinzelte Bäume. Überreste vom Nebel ziehen noch zwischen den Häuserwänden durch.

    Skar: „Was du siehst, liegt jetzt nur an dir, kra. Es ist an der Zeit, dich zu Entscheiden. Du kannst bleiben, dann bleibst du aber allein, die ganze Zeit nur mit mir. Oder du gehst und lässt mich hier zurück, kra.“

    Mika sieht noch einmal herab ins Tal, aber sein Blick richtet sich dann wieder zurück zur Stadt im Himmel.

    Mika: „Noch fällt es mir schwer, doch mit der Zeit werde ich es schaffen, es wird mir gelingen… das Sehen!


    nicht mehr ganz so grau

    Mika sieht weiter auf zur Stadt und die Tür fällt zu. Er findet sich in seinem Zimmer wieder, schaut sich um, doch die eine Tür ist nicht mehr. Er geht ein paar Schritte zum Fenster und sieht hinaus. Die Sonne bricht langsam durch die Wolkendecke. Mika fühlt, wie ihre Lichtstrahlen die Hautstellen erwärmen, auf die sie treffen. Dann vernimmt er ein leises Zwitschern von der anderen Seite, irgendwo auf dem gegenüberliegenden Haus muss ein Vogel sitzen. Ein bekannter Duft steigt Mika in die Nase. Auf dem Tisch in der Mitte des Raumes steht eine Vase, darin befindet sich ein kleiner Gerberastrauß, er steht schon die ganze Zeit da, aber Mika hatte ihn nicht wahrgenommen. Mika bemerkt auch noch etwas anderes. An der Wand, an der sein Bett steht, sind längliche Schatten zu sehen, die sich links und rechts auffächern und so die Form von Flügeln aufweisen. In der Mitte laufen sie zusammen und formen einen Stamm. Noch einmal sieht Mika aus dem Fenster, darauf bedacht, ihren Ursprung zu finden. Sie können nur von einem Baum stammen, der unweit draußen vor dem Fenster an der Straße steht. Dieser trägt schon seit langem keine Blätter mehr, bis jetzt. Denn da war es, ein einzelnes grünes Blatt. Mikas Welt ist nun nicht mehr ganz so grau und so zaubert der alte Baum mit seinem Blatt ein kleines Lächeln in Mikas Gesicht.

  • Wirklich sehr schön geschrieben Charon

    Doch eigentlich mag ich diesee erzählweise nicht so.

    Das heißt jedoch nicht, das ich deinen Text nicht mag oder ähnliches.

    Im Gegenteil! :super:

    Am meisten hat mir Gesang gefallen.

    Das hat mich an vorletztes Wochenende erinnert, als ich ca. einen Kilometer (ohne Licht durch Straßenbeleuchtung oder Licht generell) durch einen Wald laufen musste.

    Zuerst bemerkst du nichts und dann ... huch! Eine Gruppe Wildschweine keine Zwei Meter von dir entfernt.:fie:

    Natürlich habe ich da erstmal total den Schrecken bekommen und dann habe ich um so genauer auf meine Ohren geachtet.

    Man glaubt gar nicht wie laut so ein Wald des nachts sein kann.


    Also als Buch würde ich es zwar nicht Lesen, aber als Theater würde ich es mir auf jeden Fall ansehen.^^

    Das ist auf einer Ebene, die meiner Meinung nach Faust von Goethe nahe kommt. :thumbup:

    Lg und möge deine Fantasie mit dir sein. (Ich freue mich über mehr! )

  • Hallo AFG ,


    vielen Dank für deinen Kommentar. :)

    Doch eigentlich mag ich diesee erzählweise nicht so.

    Die ist hier extra so für die Geschichte gewählt, bei anderen zukünftigen Geschichten wird das auch noch anders werden, darfst also gespannt bleiben.

    Am meisten hat mir Gesang gefallen.

    Mir selbst gefällt Wärme am besten, aber Gesang ist unter anderem so geschrieben, wie du es selber beschreibst. Manchmal weiß man gar nicht, was einem so entgeht, wenn man nicht genau hinhört.

    Also als Buch würde ich es zwar nicht Lesen, aber als Theater würde ich es mir auf jeden Fall ansehen.

    Als Buch wäre es auch etwas kurz, aber die Vorstellung von einem kurzem Theaterstück gefällt mir sehr gut. Ich suche mir dann mal freiwillige als Schauspieler. :D

    Das ist auf einer Ebene, die meiner Meinung nach Faust von Goethe nahe kommt.

    Da bin ja etwas überrumpelt, so viel Lob hätte ich gar nicht erwartet. Selbst bin ich da gar nicht mal so sehr deiner Meinung, für mich ist Faust schon noch etwas ganz anderes. :saint:

  • Charon


    Ich muss gestehen, deine Kurzgeschichte hat mich sehr berührt, und stößt doch zum nachdenken an. Man entscheidet selbst, was man wahrnimmt, und es gibt nicht wenige Menschen, die mit "Scheuklappen" durchs leben gehen. In deiner Geschichte umschreibst du auf schöne weiße, was einem alles entgehen kann, wenn man nicht darauf achtet, aber zugleich, wie leicht es eigentlich ist, all dies Wahrzunehmen.

  • Eigentlich wollte ich an einer ganz anderen Geschichte weiterschreiben, doch dann schlichen sich ganz andere Gedanken ein, gingen nicht weg und störten, so musste ich sie erst mal aufschreiben. Gleich folgt, was daraus geworden ist, vielleicht findet es ja Anklang.




    Der Mondscheintanz


    Der Mond schien voll und hell, als sich ein Jüngling, gerade 18 Jahr‘ alt geworden, durch das Dickicht des sonst so finstren Waldes schlich. Sein Atem kondensierte und so zog er sich die Kapuze seines dunkelgrauen Mantels tiefer ins Gesicht. Unbeirrt vom furchteinflößenden Ruf der Krähen lief er bedachten Schrittes fort. Er folgte einem erst vor kurzem abgetretenen Pfad. Die Geräusche des Waldes mahnten ihn zur Umkehr, das Zirpen links von ihm, ein kurzes Rascheln rechts. Die Spuren waren frisch. Ein Ast hing geknickt, an dem sich nun der Tau zu Frost wandelte. Die Spuren im Dreck wiesen ihm weiter den richtigen Weg. Ein Nebel erhob sich sanft und waberte im Mondeslicht, doch:


    Wer treu dem Pfade folgt, der nicht verloren geht. Heute ist die Nacht!


    Nach Minuten der Waldesstille kam er an einen Ort, an dem es lichter wurde, der Wald war nun nicht mehr ganz so dicht. An einer freien Stelle stand ein großer Kessel über offenem Feuer, in dem das Wasser kochte. Ein würziger Duft lag in der Mitternachtsluft. Der Jüngling sah sich um, da niemand zu sehen war, traute er sich zur Befriedigung seiner Neugier aus der Deckung und schritt nah zum Kessel heran. Als dann das Knacken eines Astes erklang, erschrocken sah er in die Richtung des Geräuschs. Plötzlich jedoch ertönten auf der anderen Seite weitere Laute. Wieder sah er sich um, leichte Panik machte sich breit und so ging er einen Schritt zurück. Das Herz stand still, als vor ihm im Wald eine Schar Vögel aufschreckte und sich in die Lüfte erhob.


    Nun ist‘s so weit, hier soll‘s sein!


    Es folgte absolute Stille und der Nebel wurde dichter. Drei Atemzüge nur, dann tauchten Schemen in der Deckung der Bäume auf. Vom Mond hell erleuchtet war der Platz, doch half dies nichts, dunkle Kapuzen versteckten ihre Gesichter. Noch blieben sie auf Distanz. So dann ein anfänglich ganz leises tiefes Brummen begann, ein kehliger Gesang. Immer mehr Schemen traten aus dem Dickicht und umkreisten aus mehreren Schritt Entfernung den Jüngling. Dabei wurde das Brummen lauter, mehr und mehr Stimmen mischten sich dazu. Jene mit den Kapuzen traten hervor, andere trugen keine, waren jedoch mit mancherlei Tierfell bedeckt, wieder andere trugen ihr langes Haar offen oder waren gekrönt von einem Geweih. Knochen und Federn waren das Schmuckwerk vieler. Mit dem Einsatz von dumpfen Trommeln verfielen alle einem Tanz mit festen Takt. Sie kreisten weiter um ihn, doch er stand fest und still in ihrer Mitte. Nun ergänzten hellere Töne das grollende Orchester. Knochen schlugen auf Knochen, verfeinerten so das Werk.


    Immer näher umtanzten die Gestalten den Jüngling, streiften ihn hier, streiften ihn da. Eine zierende Wolfsschnauze erhob sich vor ihm und starte ihn an. Wippend tanzte sie dann wieder fort. Der Schlag der Trommeln wurde lauter, Welle für Welle traf den Jüngling tief ins Mark und dieser begann nun selbst zu wippen, dem Rhythmus der Nacht unterworfen. Die Wolfskapuze trat erneut hervor und trug diesmal eine Schale bei sich. Dichter, weißer Rauch stieg von ihr auf. Mit einem Federfächer verteilte der Wolf den süßlichen Duft. Zwei weitere mit Hirschgeweihen tanzten an seiner Seite und taten ihm nach. Der wortlose Gesang brach und formte sich zu einem Gedicht, alt war die Sprache, aus vergangener Zeit. Beschwörungsformeln schlossen sich an. Der Wolf trat nun ganz nah an den Jüngling heran, hielt die rauchende Schale ihm vors Gesicht und hauchte ihn an. Dieser verfiel sogleich einem kratzendem Keuchen und rang nach Luft. Sich erholend schloss er die Augen.


    Alle Tiergestalten tanzten jetzt ganz nah an ihm, er spürte eine Hand an seinem Hals, eine andere Strich über sein Gesicht. Dann riss man ihm den Mantel ab. Ein weiteres gehörntes Tier zerrte an seinem Hemd, zog dann ein einem Krähenfuß nachgeahmtes Messer hervor und Schnitt das Hemd vom Leib. Die zierliche Gänsehaut auf seiner Brust war ein Zeichen dieser kalten Nacht. Derweil tanzten die anderen weiter, die Musik war unterdessen so eindringlich, dass der Jüngling, noch immer mit geschlossenen Augen, in ihrem Takt wippte, sein Kopf fiel von der einen zur anderen Seite. Er merkte, wie ihm auch die Hose vom Körper geschnitten wurde. Nackt stand er nun da und ein hoher schriller Ton strömte von weitem auf ihn ein. Dann wechselte dieser Ton zu verschiedenen anderen hohen Tönen, der Takt wiederholte sich im Wechsel. Einst schrill, klang er inzwischen lieblich, ein gesungenes Lachen mischte sich zum Chor, doch seine Härchen standen auf.


    Augenblicklich machten die Tiergestalten platz und reihten sich kegelförmig vor ihm auf. Die Trommeln verstummten wieder, wurden ersetzt von einem langanhaltend, tief brummenden Horn. Zwei Bärengestalten traten von hinten an den Jüngling heran und hielten ihn fest. Erneut schlich der Wolf sich vor ihn, streifte mit seinen Fingern ihm über die Wangen. Rote Farbe markierte diese sogleich. Der Wolf ging, ein anderer kam und tat dem Vorherigen gleich. So an folgten mehrere und fügten weitere farbliche Streifen hinzu, bis kaum eine Stelle des Körper noch frei war. Als die letzte Gestalt ging, erhob sich die liebliche Stimme erneut, laut und klar erklang sie in der Nacht. Eine Frau war es, mit langen roten und strohig filzigen Haaren trat sie bedächtig aus den Nebelschwaden hervor. Das tiefe Brummen vom Beginn untermalte nun ihren Gesang. Alle Gestalten links und rechts neigten ihren Kopf, sie war es, die gekrönte mit dem prächtigsten Geweih. Ihr Gesicht bemalt so weiß wie Schnee, die Lippen rot. Singend schritt sie weiter, blieb erst ganz nah vorm Jüngling stehen. Er sah sie an.


    Sie streckte ihre rechte Hand aus, fasste ihn am Hinterkopf, drückte ihn an sich heran und küsste seine Stirn. Kälte durchzog seinen Körper. Ein roter Abdruck zierte umgehend die zuletzt farblose Stelle. Dann entfernte sie sich einige Schritte und begann zu tänzeln, nun lösten auch die beiden Bärengestalten ihren Griff. Kurz darauf brachte einer von ihnen ein neues Eselsfell und hüllte den Jüngling darin ein. Bis schließlich der andere kam und ihn krönte, mit einem kleinen Geweih. Die Frau verneigte sich vor ihm und tanzte darauf weiter voran, alle anderen taten es ihr gleich. Jetzt folgte auch der Jüngling, nun zum Mann geworden, dem Ruf und mischte sich gleichermaßen tanzend unter die anderen.


    Einer von ihnen und hier nun mein Weg beginnt!

  • Hallo Charon ,

    ich weiß gar nicht, ob ich hier schon mal kommentiert habe, auf jeden Fall habe ich das Gefühl, noch nichts Vergleichbares gelesen zu haben. :alien: Eigentlich habe ich nur mal reingelesen, weil ich den Titel recht ansprechend fand - dann hat sich die Geschichte aber in eine Richtung gewandt, die ich so nicht erwartet hatte.

    Ich denke, es ist Absicht, dass du möglichst distanziert und blumig schreibst, sodass der Spannung und Nähe in dieser Handlung einiges verloren geht. Oft habe ich eher über die Formulierung nachgegrübelt als über das, was da passiert. Und die ersten Sätze lesen sich wie das Beispiel in einem Deutschbuch, wo den Schülern klar gemacht wird, dass man besser nicht zu viele Adjektive benutzt. :dead: Alles in allem habe ich den Eindruck eines Märchens gewonnen, das zu erwachsen für ein Märchen ist. Denn Magie spielt ja höchstens im Auge des Betrachters eine Rolle... Und dass es so offen endet, finde ich eigentlich auch sehr interessant. Viele deiner Beschreibungen sind wirklich gut getroffen und charakterisieren die Atmosphäre perfekt.

    Vielen Dank also für diesen Einblick.

    LG,

    Stadtnymphe :)

  • Hallo Stadtnymphe ,


    danke für deinen Kommentar :)

    Und die ersten Sätze lesen sich wie das Beispiel in einem Deutschbuch, wo den Schülern klar gemacht wird, dass man besser nicht zu viele Adjektive benutzt. :dead:

    Ist das hier nun was gutes oder was schlechtes? 😅 Ich kenne die Beispiele aus der Schule, aber da waren es meisten schnöde Aneinanderreihungen (das große rote kastenförmige Haus mit spitzem blauen Dach) und hier meine ich, noch weit davon entfernt zu sein. :D
    Oh mir Worte übrigens mal von einer Deutschlehrerin gesagt, ich solle "Die Gruppe lief daraufhin schnell über die Brücke" besser umformulieren zu "Die Gruppe rannte daraufhin über die Brücke", um so das Adjektiv rausschmeißen zu können. Mal abgesehen davon, dass der Satz eh nicht so doll ist, finde ich, dass "schnell laufen" und "rennen" nicht das gleiche ist. :huh:

  • Und die ersten Sätze lesen sich wie das Beispiel in einem Deutschbuch, wo den Schülern klar gemacht wird, dass man besser nicht zu viele Adjektive benutzt. :dead:

    Hey Charon ,


    ich hatte obenstehendes Zitat mit Absicht neutral gelassen - denn es kann etwas Gutes sein, zu viele Adjektive einzubauen, aber auch etwas Schlechtes. Stil ist doch immer extrem subjektiv. :blush: Bei deinem Mondscheintanz ist es mir allerdings wirklich aktiv aufgefallen, wenn es also nicht beabsichtigt war, dass der Leser mehr über Formulierungen nachgrübelt über das Geschehene, ist es vermutlich doch zu offensiv. ;)


    LG,

    Stadtnymphe

  • Hallo Charon,

    einen interessanter Stil hat dein Text, der aber erfrischend anders und auch - wie ich finde - gut lesbar ist. Die Sprache hat etwas künstlerisches und beschreibt die Szenen aber schön bildhaft. Die Atmosphäre wird denke ich ganz gut eingefangen. Emotionen des Protagonisten kommen nur so mittelmäßig intensiv rüber - würde aber vielleicht auch nicht so gut zum Erzähl- /Sprachstil passen und ist daher vielleicht gewollt. Oft fügst du zwei prinzipiell eigenständige Sätze in einen und trennst sie dann durch ein Komma. z.B.

    Wieder sah er sich um, leichte Panik machte sich breit und so ging er einen Schritt zurück.

    Alle Tiergestalten tanzten jetzt ganz nah an ihm, er spürte eine Hand an seinem Hals, eine andere Strich über sein Gesicht.

    Ist das Absicht / ein Stilmittel?

  • Hallo Novize ,


    danke für deinen Kommentar. Ich hoffe, dass "erfrischend anders" positiv gemeint war und nicht der kleine Bruder von "ganz nett" ist :D

    Emotionen des Protagonisten kommen nur so mittelmäßig intensiv rüber

    Das ist gut, sollen sie auch nicht. Ich empfinde ihn auch gar nicht so sehr als Protagonist. Eher das Drumherum, am meisten vielleicht die musikalische Stimmung (könnte ich komponieren, gebe es dazu noch eine richtige musikalische Untermalung xD), das Abstrakte und die Distanz des Ganzen.

    Ist das Absicht / ein Stilmittel?

    Ja ist es, die Sätze sind meist ein Gedanke bei mir und sollen als solcher auch ein Baustein sein. Bei so kleinen Texten, dachte ich, wirkt das ganz gut.

  • Lieber Charon,


    Nun. Hier bekommen wir eine Geschichte zu lesen, die sich aufgrund der künstlerischen Stilmittel nicht im herkömmlichen Sinne auf Schreibfehler überprüfen lässt (habe diesbezüglich nur ein 'indem' im zweiten Block gefunden, dass 'in dem' lautet muss). Daher gehe ich mal direkt zum Inhalt über und versuche mir einen Reim darauf zu bilden. Oder anders gefragt: Was wird mir hier präsentiert?


    Wir folgen einem namenlosen Menschen auf seinem Weg zu einer Zeremonie, den bereits viele weitere namenlose Menschen vor ihm beschritten haben. Die Spuren sagen uns das deutlich. Wir werden durch die Reaktionen des Waldes darauf hingewiesen, dass sich der namenlose Mensch auf etwas einlässt, dass sich ggf. als Gefahr verstehen lässt oder präziser gesagt: ein Weg ohne Widerkehr. Unser namenloser Mensch scheint aber zu wissen, worauf er sich hier einlässt: "Heute ist die Nacht. Nun ist's soweit" und reagiert mit forschem Unbehagen. Das heißt, er weiß, dass sein Begehr mit einem gewissen Preis einhergeht, ist diesen aber bereit zu zahlen - so macht er zu keinem Zeitpunkt Anstalten auf einen Rückzieher. Er geht voran, zieht durch, was er tut.


    Elemente von Zeremonien setzen ein, wie Tänze, Gesänge und magische Tränke. Zugleich nähert sich ihm der vielfach personifizierte Übergang zwischen Mensch und Tier mit menschlicher Bekleidung und offenem Haar einerseits und Gehörn und Tierfell andererseits. Dieser Mensch-Tier-Übergang tritt näher und geht langsam auf unseren Namenlosen über, mit sehr deutlich unterstrichenen Bildern, wie das langsame Herantasten und die flüchtigen Berührungen der "Übergangstiere", deren Tiermerkmale immer deutlicher hervortreten. Wir bewegen uns im Übergang voran. Die Namenlosigkeit unserer Figur wird immer weiter vorangetrieben, indem sie ihre menschlichen Kleider verliert und die Tiere das menschliche Blut aus seinem Körper fließen lassen. Den Wunsch bzw. den Genuss den unser Namenloser in diesem Übergang verspürt, sehe ich in der Frau mit der lieblichen Stimme symbolisiert, ihren Kuss als eine Besiegelung zur vollkommenen Namenlosigkeit, die ein Tier besitzt. Zum Ende ist unser namenloses Tier einer von vielen, der einfach in der Masse untergeht, nicht mehr im Blick anderer steht oder wie es hier umschrieben wird "er von ihnen". Ein vollendeter Übergang, also etwas neuer Weg, der beginnt.


    Sollte ich die Geschichte völlig falsch verstanden haben, dann lass es mich gerne wissen ^^

  • danke für deinen Kommentar. Ich hoffe, dass "erfrischend anders" positiv gemeint war und nicht der kleine Bruder von "ganz nett" ist :D

    "Anders" meine ich in diesem Zusammenhang eigentlich gar nicht wertend. So wie ein Gedicht was anderes aber nicht besser oder schlechter ist als ein Roman. Was ich hier aber uneingeschränkt positiv finde, ist dass es sich ein bisschen hervorhebt von anderen Erzählformen, die wir hier meistens so haben - das bringt ein bisschen Vielfalt rein. Leider bin ich selbst nicht so der Sprachkünstler, so dass ich nicht viel zu etwaigen Verbesserungen sagen könnte. Aber rein vom Gefühl her konnte ich das Ganze gut lesen.