• Zhurong Long


    „Mathematik ist auch nur eine Sprache wie jede andere“, sinniere ich und lege letzte Hand an die Lösung der letzten Frage des Tests. Es geht um eine Variante von Reiks Epistring-Theorie und warum es grundsätzlich nicht möglich ist, ein stabiles Warpfeld zu erzeugen. Die Gleichung ist eigentlich nicht ohne Quantenrechner lösbar. Außer man versteht Mathematik nicht nur als Zahlenspiel, sondern begreift, dass die Zahlen reden. In ihrer eigenen Grammatik, sicher. Aber wenn das Grundprinzip einer Sprache erst mal erfasst ist, bedarf es nur einiger Übung und sie können sich auf altgriechisch ein Eis bestellen. Wenn Du verstehst, was ich meine.

    Ich sehe mich um. Der Raum ist inzwischen stickig und die Luft riecht bestimmt nach Anstrengung und Schweiß. Das bemerke ich allerdings nicht, denn die Rezeptoren stumpfen mit der Zeit für solche Empfindungen ab. Seit fünf Stunden sind wir in diesen Raum eingepfercht. Ein Extra-Test für die Planung des neuen Semesters, sagten sie.

    Bullshit!

    Auf uns prasselte ein wahrer Bombenhagel von Fragen ein. Immer mehr Blätter wurden gereicht. Es ging um Geologie und Botanik, höhere Physik und Medizin. Dazwischen versteckte psychologische Tests und fragen zur Persönlichkeitsstruktur. Gut verstecke Versuche, aber hey! Mein IQ ist weit über der Skala.

    Ich kenne kaum sonst jemanden im Raum. Das sind nicht die Leute aus meinem Semester, nur mein guter Kumpel Ralf schwitzt am anderen Ende des Raums über den Fragen. Dazu kommt, dass überall diese Chinesen rumlaufen und miteinander flüstern. Offiziell Besucher aus unserer Partneruniversität aus Beijing.

    Das ist auch Bullshit!

    Diese Leute kommen eindeutig aus Liangshan, das steht sogar auf der Tasche des grauhaarigen Drachens, der immer wieder um die Tische schleicht. In Liangshan liegt das Zentrum des pan-asiatischen Weltraumzentrums.

    Seit die Chinesen dieses Artefakt auf dem Mars gefunden haben, spielt die Welt verrückt. Niemand weiß genau, was sie da gefunden haben. Gerüchte über außerirdische Technologie machten die Runde und tatsächlich gab es darauffolgend einige bemerkenswerte technologische Entwicklungen. Erst hauptsächlich aus China, dann zogen andere Länder nach.

    Den Gerüchten nach planen die Chinesen jetzt etwas Großes. Zahlreiche Raketen fliegen derzeit eine Stelle im Orbit hinter dem Mond an. Unsichtbar für die Teleskope der Erde. Sogar von Europa und Amerika aus gibt es Starts. Die Russen werkeln auch an irgendetwas. In Sibirien. Ich hab geleakte Bilder davon im Internet gefunden. Keine Ahnung was es darstellen soll.

    Natürlich bin ich als Erster fertig. Ich bin schließlich genial und fokussiert. Seht, wenn ihr wirklich etwas erreichen wollt, dann müsst ihr euch fokussieren. Mein Fokus ist die Epistring-Theorie, meine 2021er Fender und Biertrinken mit meinem Kumpel Ralf. Frauen zum Beispiel lenken nur ab. Sicherlich nehm ich mal eine mit nach Hause, aber es gibt nichts auf Dauer. Frauen teilen die Aufmerksamkeit ungern mit kosmologischen Theorien, antiken Gitarren und meinem meist ungewaschenen Kumpel Ralf.

    Aus Trotz kritzel ich noch eine alternative Lösung von Reiks Formel an den Rand. Natürlich ist ein stabiles Warpfeld möglich, man muss den Zahlen nur zuhören.

    Dann stutze ich, am Rand sitz eine junge Frau und wirft gelangweilt Papierkügelchen in den Mülleimer. So ein typisches Cheerleader-Mädchen, glatte blonde Haare, Pferdeschwanz und albernes Baseballcap. Hübsch. Aber nicht gerade ein Anblick, den ich bei einer Eliteveranstaltung wie dieser erwartet hätte. Ihr wisst, was ich meine.

    Ihr Tisch ist leer. Hat die etwa schon abgegeben?

    Die grauhaarige chinesische Drachenfrau kommt auf mich zu und nimmt meine Unterlagen vom Tisch.

    „Di er“, sagt sie lächelnd. Zweiter

  • Heyho Sensenbach

    Ganz abgesehen davon. daß das mal ein ziemlich lustiger Anfang für welche Geschichte auch immer ist, komme ich nicht um die Frage herum: In welcher Zeit spielt denn die???:thumbup:?(:thumbup:

    Mein Fokus ist die Epistring-Theorie, meine 2021er Fender und Biertrinken mit meinem Kumpel Ralf. Frauen zum Beispiel lenken nur ab. Sicherlich nehm ich mal eine mit nach Hause, aber es gibt nichts auf Dauer. Frauen teilen die Aufmerksamkeit ungern mit kosmologischen Theorien, antiken Gitarren und meinem meist ungewaschenen Kumpel Ralf.

    ^^^^^^

  • Interessant, ich bleib mal dran.

    Hinweis: Du redest einmal den Leser mit "Sie" an (fälschlicherweise kleingeschrieben) und die Leser mit du ("Ihr wisst, was ich meine.")

    Jedweder Kommentar, den ich zu einem Text abgebe, ist kein Eingriff in die Gestaltungsfreiheit des Autors. Ich bin weder willens noch in der Lage, dem Autor irgendwas vorzuschreiben.

  • Wenn er nicht so ein selbstgerechtes arrogantes Arschloch wäre, könnte mir dein Prota glatt sympathisch werden :D


    Auf jeden Fall ist dir der Einstieg schon mal gut gelungen, wie ich finde...und dass er am Ende einen Dämpfer bekommt...und dann auch noch ausgerechnet von der blonden Cheerleaderin :rofl:(hübsches kleines Klischee) ...ach, das passt wunderbar! :thumbsup:


    Was du mir da von irgendwelchen Raketenstarts erzählen willst, verstehe ich noch nicht ganz. Okay, die Chinesen haben offenbar irgendeine neue Technologie entwickelt und alle anderen Länder mischen da jetzt mit? Um welche Art von neuen Entwicklungen es da geht, weiß unser Prota aber offenbar nicht :hmm:


    Ich schätze, ich muss mich einfach mal überraschen lassen und weiterlesen. :gamer:

    Aus Trotz kritzel ich noch eine alternative Lösung von Reiks Formel an den Rand. Natürlich ist ein stabiles Warpfeld möglich, man muss den Zahlen nur zuhören.

    Dann stutze ich, am Rand sitz eine junge Frau und wirft gelangweilt Papierkügelchen in den Mülleimer.

    Das hat mich kurzzeitig irritiert. Ich dachte zuerst Hä? Sitzt die Frau jetzt an dem Rand seines Papieres? :rofl:... was natürlich Quatsch ist... aber vielleicht lässt sich dennoch ein anderes Wort finden...hinten in der Ecke, direkt neben der Notausgangstür sitzt eine junge Frau....warum hatte ich sie bislang nicht bemerkt?


    Irgendwie so... schließlich hat er sich ja vorher im Raum umgesehen, oder nicht? Da fragt man sich, warum sie ihm erst JETZT ins Auge fällt. Also, da würde ich noch was zur Erklärung einschieben. :hmm:


    Dazu kommt, dass überall diese Chinesen rumlaufen und miteinander flüstern. Offiziell Besucher aus unserer Partneruniversität aus Beijing.

    Die laufen da rum, während ein Test geschrieben wird? :hmm:


    Ich bleibe gespannt und warte auf die Fortsetzung... :)

  • „Di er“, sagt sie lächelnd. Zweiter

    Und da könnte das Thema Frauen dann doch nochmal interessant werden :D Gelungener Einstieg, der mich zum schmunzeln und rätseln bringt. Wohin wird diese Reise wohl gehen.

    Das einzige, was mich überrascht hat, war, dass die Chinesen anscheinend ach mit anderen schlauen Köpfen planen, anstatt unter ihresgleichen zu bleiben. Aber gut. ISt vielleicht auch nur ein dummes klischee.

    Ich bleibe dran.

  • OK. Jetzt bringt ihr mich in Verlegenheit. Das war mehr so ein spontaner Versuch.

    Na gut. Es kann sich noch in mehrere Richtungen entwickeln. Wir werden sehen…



    Ralf wartet auf einer Bank am Rand des Parks, der an die Gebäude des Instituts für höhere Physik grenzt. „Was war das denn für eine abgefahrene Scheiße. Andauern hat mir so ein Chinamann über die Schulter geschaut. Hast du `ne Ahnung, was das sollte?“, beschwert er sich und bindet die Haare zu einem frischen Pferdeschwanz.

    „Wie ist es gelaufen?“

    „Wie es gelaufen ist? Habe zu den meisten Fragen etwas geschrieben. Ist ja egal. Komm, wir gehen zu mir. Das Augustgetränk ist fertig.“

    „Ehrlich? Eine gute Neuigkeit, dann können wir die Sache gründlich durchgehen. Ich bin mir sicher, die kommen aus Liangshan.“

    „Meinst du?“ Ralf zieht die rechte Augenbraue hoch. „Vielleicht suchen sie Astronauten für das Ding, das sie hinter dem Mond zusammenschrauben.“

    „Du bist ja besessen von dem Gedanken, dass es ein Raumschiff ist.“

    „Was soll es sonst sein?“, protestiert er.

    „Hmm…“, grunze ich und schaue der Gruppe Asiaten nach, die gerade das Institut verlässt und den schwarzen Limousinen am anderen Ende des Parks entgegenstrebt. Alle sind in schwarze Anzüge gekleidet und tragen Sonnenbrillen, wie in einem klischeehaften Film. In der Mitte der Abordnung erkenne ich die Cheerleaderin, sie unterhält sich mit dem grauen Drachen. Di er, hatte sie zu mir gesagt, jetzt fahren sie mit dem Champion davon.

    „Also?“, fragt Ralf.

    „Ja, erst das Augustgetränk und dann retten wir das Mädchen!“

    „Welches Mädchen?“

    „Du wirst schon sehen. Ist ja keine hohe Mathematik.“

    „Du kannst die Epi-Stringtheorie nicht auf den Alltag anwenden.“ Ralf schüttelt belustigt den Kopf.

    „Na. Aber häufig habe ich recht!“

    „Manchmal!“

    „OK. Manchmal.“


    Eine Stunde später sitze ich auf Ralfs Couch und schenke mir von dem Augustgetränk nach. Seit sie Alkohol im Jahre 2050 verboten haben, ist die Menschheit auf illegale Quellen angewiesen. Ralf braut das Bier im Keller des Studentenwohnheims in kooperativer Absprache mit dem Hausmeister.

    Soll heißen. Ralf braut das Bier, der Hausmeister schaut weg und bekommt dafür den einen oder anderen Kanister. Mein Kumpel setzt die Maische jeden Monat an.

    Das Augustgetränk ist sehr gelungen.

    Hier in diesem Raum sitzen wir und fokussieren uns auf unsere gemeinsamen Hobbys. Unsere Besessenheit, wenn du so willst. In der Ecke neben dem Holo steht Ralfs Bass und im Regal daneben stehen Bücher.

    Richtige Bücher aus Papier! Philosophie, Mathematik, Physik. In allen erdenklichen Sprachen.

    Sagte ich ja anfangs!

    Mathe ist auch nur eine Sprache. Das gilt natürlich auch umgekehrt! Anderseits ist Musik auch eine Sprache und auch Mathe ist Musik. Nee, ich meine Musik hat etwas von Mathe.

    Tschuldigung, das Bier ist echt heftig…


    So jetzt geht es wieder.

    Im Grunde geht es ja darum, herauszufinden was der ganze Bullshit überhaupt soll. Das Leben, das Universum und der ganze Rest.

    Zweiundvierzig! You know?

    Nach dem Scheitern der String-Theorie kam ja erst mal eine Zeit lang nichts. Klar technische Fortschritte. Erst recht, nachdem die Chinesen das Dings auf dem Mars entdeckt hatten. Aber es gab nichts grundlegend Neues.

    Hör mir auf mit dem Urknall, das ist auch nur ein Wort für etwas, was wir nicht verstehen. Da kannst du eben so gut, Gott für einsetzten.

    Also. Wir. Ich und Ralf sind Jünger der Epi-Stringtheorie. Diese beruht darauf, dass es nicht diese Strings sind, die das Universum formen und zusammenhalten. Es ist etwas dreidimensionales, aber nichts Festes. Es sind Schwingungen. Musik, wenn du so willst.

    Lass es mich so erklären. Wenn du eine Posaune hörst, ist da ganz nett und eine Flöte ist für sich auch ganz schön. Jetzt aber stell dir ein ganzes Orchester vor. Laut der Epi-Stringtheorie verstärken sich unterschiedliche Schwingungen oder löschen sich gegenseitig aus. Dort wo sie resonieren, also einen schönen Klang erzeugen, entsteht etwas. Ein Quark, Atome und so weiter…

    „Mit wem redest du da eigentlich? Spinnst du wieder?“

    „Ich … Hab nur laut gedacht“, entschuldige ich mich bei Ralf.

    „Und dann“, sagt Ralf, „am Schluss des Test hab ich noch die Korrektur von Reiks Formel an den Rand gekritzelt. Du weißt schon. Die Lösung, die wir beim Junigetränk ausklabüstert haben.“

    „Echt!“ Ich krieg mich kaum ein vor Lachen.

    „Was denn?“

    „Das hab ich auch gemacht!“, pruste ich.

    Dann klopft es an die Tür.

    Dreimal…


  • Hey Sensenbach


    Ich packe meine Anmerkungen mal in den Spoiler :)



    LG,

    Rainbow

  • Dann klopft es an die Tür.

    Dreimal…

    Uh, Sheldon.

    Mir gefällt es weiterhin. Mir gefällt die Art, wie der Erzähler mit dem Leser redet und dass er dabei anscheinend auch in seiner Welt redet. Oder zum Teil zumindest. Mal schauen, wie oft das noch vorkommen wird oder ob es als einmaliger Gag benutzt wurde.


    Ralf macht einen viel lockeren Eindruck, scheint aber auch ziemlcih intelligent zu sein. Immerhin braut er Bier :P Nein, ernsthaft. Er hat ja auch diesen krassen Test gemacht. Btw. haben wir erfahren, dass Alkohol in dieser Welt verboten wurde :hmm: Naja, dann warte ich mal ab, was als nächstes in deiner dystopischen Welt passiert.


  • „Erwartest du jemanden?“, frage ich und habe ein seltsames Gefühl in der Magengegend.

    „Nee. Eigentlich nicht“, erwidert Ralf und erhebt sich unwillig aus dem Sessel. „Muss jemand aus dem Haus sein. Ohne Zugangs-ID kommt ja keiner rein, ohne sich anzumelden. Vielleicht hat Lisa wieder keinen Zucker im Schrank.“

    „Keinen Zucker im Schrank. So nennt man das also heutzutage!“

    Ralf winkt künstlich genervt ab und geht zur Tür, während ich am Augustgetränk nippe. Dann ertönen laute Stimmen im kleinen Flur der Wohnung und ehe ich mir nachschenken kann stehen drei Asiaten im Raum. Der graue Drache, die wir ja schon bei der Prüfung kennengelernt haben. Eine junge Frau, die aussieht wie ein Fotomodell und ein breitschultriger Hüne. Nennen wir ihn der Einfachheit mal Bodyguard. Alle tragen typgleiche schwarze Anzüge und schauen uns skeptisch an.

    „Liebe Freunde. Was soll das werden?“ Ralf ist nicht so leicht aus der Ruhe zu bringen, schaut trotzdem etwas irritiert aus der Wäsche und kratzt sich am Kinnbart. Offensichtlich haben unsere Gäste nicht lange gefragt, ob sie eintreten dürfen. Das Augustgetränk steht auf dem Tisch, aber darum sind die sicher nicht gekommen. Ich schenke mir jetzt doch noch nach und proste dem Fotomodell zu. Dieses lächelt unverbindlich.

    „Wer hat sich das hier ausgedacht?“ Der Drache hält zwei Zettel in der Hand, die letzten Seiten des Tests. Reiks korrigierte Gleichung! Meine Schrift ist deutlich akkurater als Ralfs.

    „Also wer?“

    Ich zeige auf Ralf und er zeigt auf mich. Das ist so abgesprochen, falls uns jemand bei irgendwas erwischt. Hier entspricht es sogar der Wahrheit.

    Die Frau schnauft trotzdem unzufrieden.

    „Das ist ein Gemeinschaftsprojekt“, sage ich schließlich. „Wissen sie, dass Mathematik und Musik sehr viel gemeinsam haben?“

    Ralf verdreht die Augen. Aber ich hab doch nichts Falsches gesagt!

    Die Süße nickt mir sogar zu. Dann fasst sie dem grauen Drachen am Arm und flüstert etwas. Ich verstehe nur die Hälfte, dabei habe ich gute Ohren und spreche perfekt Mandarin. Aber ich verstehe, dass sie unter Zeitdruck sind und etwas von einem Flugzeug.

    Der graue Drache nickt und macht dem Bodyguard ein Zeichen. Dieser schlägt sein Jacket zurück und entblößt eine nagelneue Marbach-762. Solche Waffen tragen nur Elitesoldaten oder Gangmitglieder.

    „Sie brauchen nichts zu packen. Alles Notwendige wird den Stipendiaten vor Ort gestellt“, sagt die junge Frau lächelnd.

    „Aber. Was?“, bringt Ralf hervor.

    „Mitkommen!“, grunzt der Bodyguard.

    „Von mir aus“, sage ich spontan, schnappe mir den Kanister mit dem Augustgetränk und gehe in Richtung Tür. Der Bodyguard schaut ganz irritiert.

    „Echt jetzt?“, fragt Ralf.

    „Klar. Warum nicht?“ Ich habe schon lange darauf gewartet, dass mal etwas Aufregendes passiert.


    Kurz darauf sitzen wir im Fond eines Vans. Der graue Drachen sitzt vorne neben dem Fahrer. Hinten bei uns sitzt das Fotomodell, dass Chen-Lu heißt und der Name des Bodyguards ist Chang. Der graue Drache schüttelt immer wieder unwillig den Kopf, als wir das Augustgetränkt in Becher verteilen. Ich falle beinahe vom Glauben ab, den ich nicht habe, als sie sich auch ein Getränk reichen lässt.

    Dann biegen wir in den Airportring ein. Es geht allerdings nicht zum Terminal, sondern eine Seitenstraße entlang. Vor uns öffnet sich ein Tor. Ein Militär und ein Typ im Anzug nähern sich. Der graue Drache steigt aus und redet mit den beiden. Der Anzugmann unterschreibt etwas und die Wagentür öffnet sich. Kurz erhasche ich den Blick des Militärs. „Möge der Herrgott mit euch sein!“, ruft der Typ und bekreuzigt sich.

    Ich schaue fragend zu Ralf rüber, der kennt sich mit so etwas aus.

    „Der Typ im Anzug war der Verteidigungsminister.“

    „Echt jetzt? Und der andere? Der mit dem Herrgott?“

    „Den Streifen nach irgendein General.“ Ralf zuckt mit den Schultern.

    Chang beugt sich vor, holt einen braunen Aktenkoffer von der Ablage und öffnet ihn. „Den Arm nach vorne!“

    Zögernd gehorcht Ralf und reckt den Arm nach vorn. Chang aktiviert das PID mit einem Connector, solche Geräte haben nur Behörden oder Geheimdienste. Eine unheimliche Sache.

    „Das PID wird überschrieben und auf dem Flug mit den Stipendiatendaten neu konfiguriert“, erklärt Chen-Lu.

    „Aha“, sage ich. Das PID oder „Personal Identification Device“ ist im Unterarmknochen jedes offiziellen Weltenbürgers implantiert. Es ist stecknadelgroß, aber ein Computer mit beachtlicher Leistung. Darauf ist alles gespeichert. Name, Geburtsort, medizinische Daten, wie lange du letzte Nacht geschlafen hast. Ob du deine Frau noch liebst. Einfach alles.

    Bereitwillig halte ich meinen Arm hin. Das Gerät vibriert an meiner Haut. Jetzt bin ich eine Art Renegat. Außerhalb von Recht und Ordnung. Aufregend!

    Ralf schaut finster. Irgendwie hat er recht.

    Etwas unheimlich ist die Sache.

    Das Tor öffnet sich und wir fahren hindurch. In diesem Moment fängt es an zu regnen. Dunst steigt auf, als Tropfen auf den warmen Asphalt treffen. Wir fahren nicht weit. Summend öffnet sich die Tür des Vans. Wir haben direkt neben einem Airbus-Ramjet-201 geparkt. Die Dinger haben ein Staustrahltriebwerk neuster Konfiguration und bringen dich fix in jeden Winkel des Planeten und wenn man nicht aufpasst darüber hinaus.

  • Der Flieger ist der allerneuste Scheiß. Trotzdem stapfen wir eine gammelige Treppe hinauf, während der Nieselregen meine Föhnfrisur versaut. Wegen des Augustgetränks und Chen-Lu, die mich immer wieder interessiert mustert, bin ich aber ganz gut gelaunt.

    Ich könnte langsam mal wieder pinkeln.

    Hoffentlich sind die Klos an Bord besser gewartet, als diese archaische Treppe. Sonst gibts ne Überschwemmung.

    Ralf und die anderen gehen schon vor, während ich zum Klo hin abbiege. Ralf kann stundenlang auf seinem Sessel sitzen und Bier trinken, während ich alle naslang pullern muss. Das Leben ist nicht fair.

    Als ich die zufriedenstellende Toilettenkabine verlasse, kollidiere ich beinahe mit einem gelackten Typen, der wohl direkt aus einem Fitnessstudio in Pinneberg entsprungen ist.

    „Geh mir aus dem Weg du Punk!“, raunzt der mich an. Irgendwie erinnert der mich an jemanden …

    „Natürlich eure Hoheit.“ Ich beherrsche drei Kampfsportarten. Ich hab es nicht nötig mich zu kloppen. Der Typ streicht die gegelten Haare zurück und geht in die Passagierkabine. Ich trotte hinterher.

    Überall sitzt Studentenpack auf den Sitzen und ich ahne, was hier los ist. Das Flugzeug hat wohl auf dem Weg noch weitere Champions aufgelesen. Tät mich nicht wundern, wenn die überall in Europa diese Tests durchgeführt haben und das hier ist die Ernte.

    Was für ein Aufwand! Aber für was?

    „Moin Ralf“, sag ich und lass mich in den Sitz neben ihm fallen. Ralf hat mir den Fensterplatz gegenüber des Cheerleaders freigehalten. Der Gute!

    Der Gelmensch schaut unschlüssig und steht im Gang rum.

    „Da bist du ja endlich“, grunzt Ralf. „Das ist Sara.“

    „Hallo Sara. Hab dich beim Test gesehen. Sehr erfreut.“

    „Warum?“

    „Wie bitte?“

    „Warum erfreut es dich mich zu sehen?“

    „Na weil du hübsch anzusehen bist und nicht so ein Idiot wie Malfoy hier.“ Ich deute auf den orientierungslosen Pinneberger.

    „Ah“, sagt Sara. Ihre Augen sind groß wie die Scheinwerfer eines 2030er BMW-Cabrio und von einem irritierenden blau-grün. Als könnten sie sich nicht für eine bestimmte Farbe entscheiden.

    „Du da. Malfoy! Setz dich endlich, ist ja nur noch dieser Platz hier frei.“

    „Mein Name ist Christian von Stetten und nicht Malfoy!“

    „Dann liegt hier ein Missverständnis vor. Na komm schon, neben Hermine ist noch Platz.“

    „Malfoy, Hermine. Das ist eine Referenz auf die Harry-Potter Reihe.“ Saras Augen fixieren mich fragend.

    „Ja!“, rufe ich erfreut. „Du kennst die Bücher.“

    Sara mustert mich interessiert wie ein Entomologe, der einen seltenen Käfer gefunden hat. „Nein“, sagt sie nachdenklich. „Ich lese keine Kinderbücher.“

    Damit scheint die Unterhaltung soweit beendet zu sein.

    Ist ja gut gelaufen. Da werde ich unseren Kindern später mal was zu erzählen haben. Alternativ schaue ich mich nach Chen-Lu um, aber da rollt der Flieger schon los und wir schnallen uns an.

    Ich schaue durch das Bullauge nach draußen. Aber außer einigen Blinkelichtern und Regenwolken ist da nichts zu sehen. Sara liest irgendein veraltetes Buch über Quantenmechanik und Ralf summt ein Lied von Rammstein. Etwas mit Engeln. Keine Ahnung was manchmal in seinem Kopf abgeht.

    Christian von Stetten hat die Augen geschlossen und scheint tatsächlich zu schlafen.

    Das Fluggerät nimmt Fahrt auf und hebt ab. Kurz spüre ich die Beschleunigung, dann kompensieren die Gravisorber die ansteigenden G-Werte und schon sind wir über den Wolken. Gleich wird das Staustrahltriebwerk auf vielfache Schallgeschwindigkeit beschleunigen. Was wohl unser Ziel ist? Ich schaue auf den schnarchenden von Stetten und bin mir sicher, Pinneberg ist es nicht.


  • Sag gerne bescheid, wenn das nervig wird. Der Leser wird ja immer wieder rausgerissen. Bin mir noch nicht sicher, ob das eine gute Idee ist


    Mach ich. Bis jetzt empfinde ich es aber als cooles Element. Und ich glaube, wenn das gut gesetzt und die Art des aus den Gedankensholen zwischendurch auch mal variiert, dann sollte das voll in Ordnung gehen.


    „Erwartest du jemanden?“

    Neue Akteure. Ich bin gespannt, wie wichtig die noch werden. Der Draceh und der Bodyguard scheinen mir noch austauschbar. Bei Chen-Lu hab ich das Gefühl, dass sie uns noch länger begleiten könnte.


    Kurz musste ich meine Anschauung des Protas ändern, weil ich etwas überrascht war, dass er dem Mädel zugezwinkert hat.


    btw. Kennen wir schon den Namen des Protas oder ist der mir nur entfallen :hmm:


    Ich bin mal gespannt wo die beiden hingeschleppt werden und ob die Cheerleaderin auch dabei ist :D

  • Danke für die Anmerkungen Etiam

    Kurz musste ich meine Anschauung des Protas ändern, weil ich etwas überrascht war, dass er dem Mädel zugezwinkert hat.


    btw. Kennen wir schon den Namen des Protas oder ist der mir nur entfallen

    Ja. Er mag Frauen schon, aber macht sich nichts aus Beziehungen.

    Ups. Einen Name. Stimmt … Braucht der Gute ja auch noch.:D

    Ich bin mal gespannt wo die beiden hingeschleppt werden und ob die Cheerleaderin auch dabei ist :D

    Schon dabei: Heißt Sara. Siehe unten (oder das letzte Post, das ist oben)

    „Moin Ralf“, sag ich und lass mich in den Sitz neben ihm fallen. Ralf hat mir den Fensterplatz gegenüber des Cheerleaders freigehalten. Der Gute!

    Der Gelmensch schaut unschlüssig und steht im Gang rum.

    „Da bist du ja endlich“, grunzt Ralf. „Das ist Sara.“

    „Hallo Sara. Hab dich beim Test gesehen. Sehr erfreut.“

  • Hey Sensenbach :)

    Ich bin mir noch nicht sicher, ob das wirklich funktioniert. Aber das ist eh eine experimentelle Geschichte. Ich Erzähler und Präsens, komme mir vor wie Rebirz

    Ja, ich weiß, was du meinst. ich habe mich neulich auch mal daran versucht und gemerkt, wie verdammt schwer es mir fällt, in der Ich-Perspektive zu schreiben. Dabei lese ich solche Bücher eigentlich total gerne...ich finde aber, dass du das sehr gut hinbekommst!


    Okay, die Entwicklung der Geschichte ist-wie erwartet-irgendwie crazy. Deshalb stört es mich auch nicht, dass sich unser Prota, von dem wir nach wie vor keinen Namen kennen, (du könntest das ja mal durchziehen und bis zum Schluss darauf verzichten, ihm einen zu geben :D) kein bisschen darüber zu wundern scheint, was da jetzt überhaupt genau abgeht. Normalerweise hätte ich wahrscheinlich angmemerkt, dass man etwas mehr auf sein Innenleben eingehen könnte, aber aus irgendeinem mir unersichtlichen Grund, passt es so.


    Ich bin gespannt, wo die Gruppe jetzt hingebracht wird und was du dir noch so ausgedacht hast :gamer:

    Was wohl unser Ziel ist? Ich schaue auf den schnarchenden von Stetten und bin mir sicher, Pinneberg ist es nicht.


    Sehr Cool! :thumbsup:


  • Als der Flieger in den Sinkflug übergeht, erkenne ich unten nichts als Wasser. Ich bin schon beunruhigt, als ich doch noch Land erkenne. Von Stetten wacht auf und räuspert sich. „Eine Insel?“, fragt er.

    „Ja scheint so.“

    „Das ist Hainan“, behauptet er.

    „Ich dachte, die bringen uns nach Liangshan. Wie kommst du auf Hainan?“ Ralf runzelt die Stirn.

    „Dem Abflugwinkel nach und aufgrund der Kurskorrekturen während des Fluges schien mir die chinesische Südküste ein wahrscheinlicher Ankunftsort. Hainan ist eine große Insel mit Flughafen, aber einer gewissen Abgeschiedenheit.“

    „Du hast doch geschlafen, was redest du da von Kurskorrekturen?“ Der Typ nervt. Vor allem weil Sara ihn fasziniert anstarrt.

    „Nur weil ich schlafe, heißt es ja nicht, dass ich nichts mitbekomme!“ Er scheint beinahe eingeschnappt und ich beginne ein Muster zu erkennen. Von Stetten ist zwar ein Idiot, dem ich bei Gelegenheit mal zeigen werde, wer hier der Chef ist, aber er ist etwas Besonderes. Ich bin mir sicher, dass dies auf die meisten Passagiere in diesem Flugzeug zutrifft.

    „In Hainan ist die Startplattform der neuen DeepSpace Raketen“, sagt Sara nachdenklich.

    „Ich dachte, die wäre in Xichang.“

    „Nicht seit letztem Jahr, sie haben es verlegt oder einen weiteren Startplatz geschaffen. Ich bin mir nicht sicher.“ Sie streicht eine blonde Strähne aus der Stirn.

    „Das Kosmodrom Wenchang lag an der Nordspitze der Insel, bevor sie es 2040 eingemottet haben“, sagt eine weibliche Stimme mit französischem Akzent hinter mir. Ein schwarzer Lockenkopf beugt sich zu uns rüber. „Da. Schaut!“

    Ich mache wie befohlen und schaue raus. Überall im Flieger ertönen erstaunte Pfiffe und anerkennende Rufe.

    „Wenn sie Wenchang eingemottet haben, dann haben sie es aber jetzt gründlich ausgemottet“, sage ich trocken. Sara verdreht die Augen.

    Offensichtlich ist dies nicht der Flughafen von Hainan. Vor uns liegen die kuppelförmigen Gebäude des alten Raumhafens, aber dazwischen ragen neue Bauten in den Himmel. An einigen wird noch gebaut.

    „Meine Fresse. Schau sich das einer an“, raunt Ralf. Ich dränge nahe ans Fenster, selbst Sara legt ihr Buch beiseite.

    „Ist das eine DeepSpace Rakete?“

    „Sie sieht so ähnlich aus, aber die ist größer und an die Booster an den Seiten kann ich mich nicht erinnern.“

    „Booster sind russisches Fabrikat“, sagt ein kurzhaariger Junge, der im Gang steht und an uns vorbei nach draußen linst.

    „Häh?“

    „Die kenne ich aus Tschelabinks. Mein Name ist Slawa. Ich …“

    In diesem Moment geht ein leichtes Vibrieren durch den Flieger. Es wird schnell stärker. Ein plötzlicher heller Blitz erleuchtet das Flugfeld und eine Dampfwolke erhebt sich von der riesigen Rakete.

    „Sie scheint zu starten“, bemerkt Sara mit einem Anflug von Interesse.

    „Ja verdammt. Ist das nicht geil!“ Ralfs Augen glühen vor Begeisterung.

    Ein tiefes Donnergrollen erfüllt die Luft. Selbst im Innern des isolierten Fliegers spüren wir die Macht der Rakete.

    „Sie hebt ab!“ Sara ist mir ganz nahe. „Das ist erstaunlich“, flüstert sie.

    „Ja“ Mir ist seltsam feierlich zumute. Warum? Ich weiß nicht … Es ist, als würde man unverhofft Zeuge einer großen Sache. Dann trifft sich mein Blick mit Saras.

    Das wird nichts mit uns beiden, du bist nicht mein Typ. Es ist, als hallen ihre Gedanken durch meinen Kopf.

    Manchmal ist es Zeit, etwas Neues auszuprobieren. Denke ich spontan.

    „Was?“ Ihre blau-grünen Augen starren mich erstaunt an. Mir wird schwindlig. Was zum Teufel ist da gerade passiert?

    „Was für ein dickes Ding“, ruft die Französin und sieht der Rakete nach.

    Von Stetten kichert albern.

    „Von Stetten halt den Rand“, tadelt Ralf, aber der Pinneberger kriegt sich nicht mehr ein.


  • Schon dabei: Heißt Sara. Siehe unten (oder das letzte Post, das ist oben)


    Ah, den Part hatte ich ja noch nicht gelesen :D


    Der Flieger ist der allerneuste Scheiß. Trotzdem stapfen wir eine gammelige Treppe hinauf,

    Mir gefiel Sara ganz gut. Malfoy eher weniger. Am Anfang ist er noch recht aggressiv, lässt dann aber sich als Malfoy "beleidigen". Das nutzt du dann um seinen Namen zu introducen. Ich glaube das hätte man geschickte machen können ^^;


    Die Interaktion mit Sara fand ich aber gut. ICh find sie interessant und wurde von ihr überrascht. Für einen Bruchteil einer Sekunde fand ich sie Doof. aber jetzt will ich mehr über sie wissen :D

  • Hey Sensenbach :)


    Gefält mir gut die Stimmung da in dem Flieger. Wie sie herumspekulieren, wo genau sie jetzt landen werden und dann noch Von Stetten mit seiner Klugscheißerei :rofl:


    Sehr vielversprechend finde ich auch, dass unser Prota offenbar mit der hübschen Blonden ... ehm...Sara... über Gedanken kommunizieren kann. :hmm:


    Mal sehen, wie es weitergeht ... :gamer:

  • Der ganze Flieger ist in Aufruhr. Nur Sara und ich starren uns an. Wir bemerken nicht, dass sich die Türen öffnen und die Leute herausströmen, um der Rakete nachzusehen.

    „Was war das?“, flüstert das Mädchen.

    Ich habe keine fucking Ahnung?“, denke ich.

    „So etwas sagt man nicht!“

    „Alles in Ordnung bei ihnen?“ Der graue Drache steht im Gang und mustert uns misstrauisch.

    „Alles in Ordnung. Wir kommen. Wir wollen ja nicht den ganzen Spaß verpassen!“ Ich nehme Sara bei der Hand und ziehe sie mit mir.

    Nicht ein fucking Wort zu irgendjemanden. Hast du mich verstanden?“

    Aber warum. Ich …

    „Ich habe so eine Ahnung. Ich kenne dich nicht und du magst mich nicht, aber darum bitte ich dich!“

    Unsere Blicke treffen sich für einen Moment. Sie nickt kaum merklich. Ich spüre den Atem des Drachens an meinem Rücken, als wir die Gangway hinuntergehen und uns zu den anderen gesellen.

    „Da oben. Jetzt verschwindet sie hinter den Wolken!“, ruft Ralf aufgeregt und mustert uns irritiert. „Das ging jetzt aber schnell!“

    Ich bemerke, dass ich Sara immer noch bei der Hand halte. Sie bemerkt es auch und zieht die Hand ziemlich hastig zurück. „Die Nutzlast der Rakete ist 45 Prozent größer, als bei einer herkömmlichen DeepSpace Rakete“, stellt sie nüchtern fest.

    Ralf, der Russenjunge Slawa, von Stetten und die Französin schauen sie an, als hätte sie ein neues Evangelium verkündet.

    „Die Booster-Raketen beim Start nicht gezündet“, ergänzt Slawa nachdenklich.

    „Das heißt nur, dass sie die beim Start nicht brauchen. Wohin fliegt das verdammte Ding?“, Ralf hüpft aufgeregt umher.

    „Es fliegt entweder sehr weit oder hat sehr viel geladen, wie Sara bereits bemerkte!“

    „Die Rakete hat Nutzlast von 750 Tonnen. Genug, um Gerät aus Sibirien zu bringen.“ Jetzt starren alle Slawa an, der deutet auf die riesenhaften Transportflugzeuge, die auf der anderen Seite der Rollbahn geparkt haben. „Der Start der Transportflugzeuge war vorgestern im russischen Fernsehen, kurz bevor Geheimdienst bei mir geklopft hat.“

    „Das macht Sinn“, sagt von Stetten und stellt sich neben Slawa.

    „Woran haben die da in Sibirien geschraubt“, schnaufe ich und ärgere mich, dass ich nicht mehr aus den den gehackten Satellitenbildern herausfinden konnte.


    Jetzt fahren einige Militärfahrzeuge vor und ein Typ im Anzug steigt aus. „Liebe Talente aus aller Welt!“ Schallt seine Stimme aus über das Rollfeld. Ich schaue mich um. Ja da sind einige Leute versammelt. Ich schätze mal fünfhundert werden es schon sein. Offensichtlich war unser Flieger nicht der einzige Nerdtransporter.

    Aber euch haben sie wohl vergessen!

    Ich bin kein Nerd! Mit wem redest du da eigentlich?“

    „Selbstgespräche!“

    „Na, das wird ja interessant.“

    Jetzt laufen überall uniformierte herum und verteilen Blumen und Süßigkeiten. Kein Scheiß!

    „Was geht denn hier für eine Scheiße ab“, ruft Ralf und nimmt eine Schachtel Pralinen entgegen.

    „Die wollen nur nett sein“, beschwichtigt von Stetten. Er hält einen Strauß Ringelblumen in der Hand.

    „Man echt, halt doch den Mund!“, schimpft Ralf. Ich habe das Gefühl, er und von Stetten werden noch echte Freunde ... Nicht.

    Inzwischen werden Gruppen von Nerds in Militärtransporter geladen und weggefahren. Der graue Drache diskutiert mit dem Anzugträger und zeigt in unsere Richtung. Der Typ nickt. Sie rufen Chen-Lu herbei. Diese stöckelt in unsere Richtung. Eine Hübsche, das muss man sagen und ich erwäge die Möglichkeit, mich mit ihr körperlich zu vereinigen.

    Ich glaub es nicht“, stöhnt Sara empört und zieht ihre Hand weg. „Wie man so etwas denken kann.

    Na komm, die ist doch niedlich.“ Versuche ich zu erklären.

    Sara verdreht die Augen.

    „Folgt mir bitte“, sagt Chen-Lu lächelnd, aber ihre Augen lächeln nicht.

    Sie hat Angst!“, flüstert Sara in Gedanken.

    Ja.“

    Chen-Lu führt uns zu einem der Gebäude am Rande des Flugfeldes. Während dessen reden von Stetten und der Russe ununterbrochen. Ralf hat beschlossen zu schweigen und die Französin, deren Namen Lucie ist, versucht sein Schweigen zu durchdringen. Ein schönes Chaos.

    Wir betreten das Gebäude. Ein Glaspalast, den wir durchqueren, ein Fahrstuhl, mit dem wir hinabfahren und eine noch eine Art U-Bahn. Jetzt begleitet uns auch ein bewaffneter Soldat.

    „Was ist hier eigentlich los, Chen-Lu?“ UhOoh. Ralf hat die Faxen dicke. Ich werfe ihm warnende Blicke zu. „Bisher war ja alles noch ganz interessant. Ein lustiges Stipendium in Fernost. Warum nicht. Aber was wird das jetzt?“ Ralf deutet auf den Soldaten. „Freiheitsberaubung ist nur ein Punkt, den ich an dieser Stelle diskutieren möchte.“

    Der Soldat kommt drohend auf Ralf zu. Ralf stellt sich in Position. Das kann jetzt blöd ausgehen. Mein Kumpel ist eine Seele von Mensch, aber man soll ihn einfach nicht reizen. Er ist ohne Erklärung von der Verköstigung des Augustgetränks weggezerrte worden. Und ehrlich gesagt, die eine andere Frage hätte ich so langsam auch.

    Ralf dreht sich wie beiläufig um sich selbst und ehe es jemand mitbekommt, hat er dem überforderten Wachsoldaten die Waffe entwunden. Dieser schimpft jetzt natürlich, aber Ralf grinst nur, nimmt die Batterie aus der Waffe und wirft sie dem verdutzt kuckenden Soldaten zu.

    Wow“, denkt Sara.

    So was magst du? Gewalt gegen die Staatsmacht?

    Na, das war schon beeindruckend!“

    „Also was ist hier los?“ Ralf wendet sich an Chen-Lu. Er will es wirklich wissen.

    Chen-Lu ist sichtlich mit der Situation überlastet.

    Och. Gleich weint die Niedliche!

    Man, bist du blöd!“, seufze ich.

    Jetzt öffnet sich die Tür der Bahn und wir blicken in einen Wald von Waffen.

    „Ich hab doch nur freundlich gefragt“, sagt Ralf beschwichtigend und weicht zurück.

    Der graue Drache betritt die Bahn, sie schaut sich um, seufzt und schüttelt missbilligend den Kopf. Die Soldaten schauen uns grimmig an und wollen uns an den Kragen. Der Drache pfeift sie mit einem Blick zurück.

    „Kommen sie“, sagt die Frau und all unser Widerstandsgeist erlischt. Allen ist klar, diese Frau möchte uns etwas mitteilen.


  • Hey Sensenbach :)


    Der Teil hat mir ein bisschen zu schaffen gemacht. Ich kann mir nicht helfen, aber ich habe das Gefühl, dass du ein wenig zu schnell durch die Geschichte jagst. Viele Dinge werden nur so nebenbei erwähnt und bleiben dadurch oberflächlich. Es wirkt deshalb auf mich ein bisschen slapstickmäßig, aber das kann ja durchaus von dir gewollt sein. (Beispiel: Die Gedankengänge unseres Protas oder wie Ralf den Soldaten entwaffnet) Das war mir in den vorherigen Teilen nicht so extrem aufgefallen.


    Ansonsten sind hier ein paar Flüchtigkeitsfehler drin, die ich sonst so gar nicht von dir bzw. deinen Texten gewöhnt bin. :hmm: Zwischendurch kam mir mal kurz der Gedanke, ob du das wirklich geschrieben hast. :rofl:Sorry, ich bin jetzt einfach mal ehrlich :pardon:


    Wenn du hier ein bisschen herumexperimentieren möchtest, finde ich das völlig okay. Manchmal braucht man das vielleicht auch so als Nebenprojekt. Eine Story, in der man sich austoben kann und wo man sich nicht mit weiß Gott was für Charakterstudien oder Weltenbauthemen auseinandersetzen muss. Das kann ja auch durchaus sehr befreiend sein. ^^



    LG,

    Rainbow