• Nachtmahr


    Von Trauer verflossen


    Von Scham begossen


    Von Panik erschossen


    Bin ich.



    Ich sehe Grimassen, die in Schatten schimmern,


    höre Masken voller Asche wimmern,


    gequältes Seufzen in der Stille hämmern.


    Ich spüre Geschichten an mir vorbeiflimmern –



    Bänder geknüpft aus Silber und schwarz.


    Mal schwebend seicht im Nachtwind,


    dann zerrend wie von Dämonen unter Rosenquarz.


    Und noch immer


    Atme ich.

  • Ich finde es nie einfach, die richtigen Worte auf solche Gedichte zu finden. Ich will aber zumindest die Metapher des Scheinwerfers erwähnen, als die mir das Teilen deines Gedichts mit deinen Mitmenschen vorkam. Ein Scheinwerfer, der die Dunkelheit in dem Gedicht für deine Mitmenschen sichtbar macht. Oder anders gesagt, ein Licht, das ins Dunkel strahlt.

  • Heyho Seemonster


    Ich muß zugeben, daß ich zu Deinem Gedicht nicht wirklich einen Zugang finde, es sei denn, ich nehme mir den Titel, übersetze ihn in "Alptraum" und betrachte die Zeilen dann entsprechend als Gedankensplitter...Fragmente dieses Traums, der mit den letzten zwei Zeilen zu enden scheint.

    Dann bekomme ich da für mich einen Sinn rein - diese "Dämonen unter Rosenquarz" sind mir sonst völlig unbegreiflich.


    Hat für mich beim Lesen jedenfalls einen sehr schönen Fluss gehabt...danke dafür.

  • Danke für das Feedback!


    Ich finde den Begriff Albtraum zu zahm für das, was er eigentlich ausdrückt. Bereits als Kind war ich sehr empfänglich für Verarbeitung in Form von Träumen. Es gab zahllose Nächte in denen ich Angst hatte einzuschlafen. Insbesondere als Kleinkind mit einem immer wiederkehrenden Traum fühlt sich die Angst an wie etwas Lebendiges, das nur darauf wartet, dass man die Augen schließt. Dementsprechend trifft der Begriff "Nachtmahr" mein Gefühl besser, weil man ihn nicht nur mit Träumen an sich, sondern dämonenartigen Fabelwesen in Verbindung bringt.


    Deine Interpretation der Verse als Fragmente stimmt im weiten Sinne.

    Bezüglich der "Dämonen unter Rosenquarz" kann ich die Verwirrung nachvollziehen. Rosenquarz ist ein besonders wichtiger Heilstein für das Herz, er sorgt für Sensibilität. Mit Sensibilität kommt allerdings auch ein höheres Maß an Verletzbarkeit, die sich beispielsweise in Träumen offenbart.

    Rosenquarz lässt Sehnsüchte und Wünsche wach werden - darin liegt die Verbindung zum Mut zur Tat. Dieser Mut entpuppt sich manchmal aber auch als Tür zur Zurückweisung. In Träumen verarbeiten wir und müssen uns dem stellen, was unter der Oberfläche lauert. Und was lauert manchmal unter der Oberfläche? Unsere ganz persönlichen Dämonen (=Selbstzweifel), die das irreale Traumbild mit echten Ängsten vermischen und somit noch schmerzhafter machen. Des Weiteren: Die Empfänglichkeit für Liebe wird durch den Rosenquarz gestärkt, das Herz öffnet sich, denn es bekommt Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Dadurch wirkt Rosenquarz auch beruhigend auf das Gemüt - ein echter Heilstein sozusagen. Aber die "heilende" Wirkung bleibt nicht für immer, sie betäubt nur die Furcht. Aber wenn man versucht Ängste und Zweifel abzudecken und wegzusperren - was zugegebenermaßen kurzzeitig für ein echtes Hochgefühl sorgt - quellen all die unerwünschten Gefühle irgendwann wieder heraus und überrumpeln uns dann mehr denn je. Daher die Metapher der "Dämonen unter Rosenquarz".


    Ich hoffe das sorgt für ein besseres Verständnis ;)