• Der Gilgamensch-Epos ist wohl die älteste Fantasygeschichte der Welt. Und ich finde sie absolut faszinierend. Darum habe ich mich daran gemacht, es in eine für moderne Mitteleuropäer leicht lesbare Form zu bringen. Der Epos wurde auf zwölf Tafeln geschrieben, an dieser Gliederung orientiere ich mich auch. Ich erzähle die Geschichte aber aus der Sicht verschiedener Figuren und die Veränderung der Perspektive nehme ich als weitere Untergliederung. So wird es, denke ich, etwas spannender.


    So, kommen wir zur ersten Tafel!


    Aruru


    Aruru hörte die Klagen und die Gebete, die an sie gerichtet wurden. Die Menschen der StadtUruk riefen sie an.
    „Du hast Gilgamesch erschaffen, zu zwei Dritteln Gott und einem Drittel Mensch. Er ist unser Hirte, klug, weise, mächtig und stattlich. Aber es ist voller Willkür. Er schändet unsere Frauen und nimmt unsere Söhne mit in den Krieg, wo sie sterben! Hilf uns!“
    All das drang an ihr Ohr. Und sie fühlte Reue und Mitleid mit den Sterblichen. Wie jung und unerfahren war sie gewesen, als sie Gilgamesch erschaffen hatte! Wie ein wilder Stier war er geworden, voller Potenz und Kraft, aber auch gefährlich und kaum zu besiegen.
    Sie würde jemanden erschaffen müssen, der ihm ebenbürtig war, sodass Uruk wieder Frieden von seinem König fand.
    Gründlich wusch sie sich die Hände. Ihr Werk sollte rein sein. Sie griff in den Lehm in der Steppe am Fluss. Er war frei von Verunreinigungen und perfekt für ihre Schöpfung.
    Bald hatte sie einen perfekten Körper erschaffen. Ganz von Haaren war er bedeckt, ein Zeichen seiner Manneskraft. Groß und muskulös. Sie war zu Frieden. Aber um es mit Gilgamesch aufnehmen zu können, würde es noch mehr benötigen.
    So rief sie: „Ninurta, komm und gib diesem Menschen Kraft, damit er seine Mission erfüllen kann!“
    Und ihre Schwester erschien neben ihr.
    „Das ist dein Meisterstück!“, rief sie anerkennend aus, „Wie willst du ihn nennen?“
    „Ich werde ihn Enkidu nennen.“
    Und so erhielt Arurus Schöpfung auch Ninurtas Kraft.
    Wie schön er war! Sein Haar reichte bis zur Hüfte, war schwarz und glänzend, sein Gesicht ebenmäßig. Sein Pelz würde ihn vor der Kälte der Nacht und der Sonne schützen, bis er sein Schicksal finden würde.
    Doch zunächst mussten sie die reine, vollkommene Schöpfung allein lassen. Sie liesen Enkidu am Fluss zurück.


    Der Jäger


    Er spannte das Netz. Es war ein guter Platz und viele Vögel würden sich hier verfangen und auf dem Markt in Uruk einen guten Preis bringen. Bis zum Abend würde er noch zusehen, eine Gazelle zu erlegen, deren Fleisch und Fell ebenfalls recht teuer zu verkaufen wären.
    Es war ein heißer Tag, die Tiere würden träge sein und zum Trinken an den Fluss kommen.
    Der Jäger machte sich auf, den entspannten Bogen trug er im Köcher auf dem Rücken.
    Da hörte er ein Rascheln und drehte sich um. Er sah einen Mann. Er war nackt, aber sehr behaart, groß und stark. Und er riss das Netz des Jägers von den Bäumen, an das er es gebunden hatte!
    „Was tust du, Kerl?“, brülle er wütend und eilte zurück. Dem würde er eine Abreibung geben!
    „Schlecht für Vögel!“, meinte der Fremde, „Fliegen rein!“
    Na toll, ein Schwachsinniger!
    „Ja, und so soll es auch sein!“, erklärte der Jäger langsam.
    Nun erreichte er den Fremden und entriss ihm das Netz, um es wieder aufzuhängen.
    Der Fremde schubste ihn, sodass er zu Boden fiel. Rasch stand er auf.
    „Na warte! Dir gebe ich´s!“, brüllte er nun zornig und ging auf den Nackten los.
    Er wusste nicht, was geschah, aber plötzlich lag er auf dem Boden. Seine Nase war gebrochen, er spürte, wie das Blut ihm über das Kinn lief. Der Fremde war stark und schnell. Unglaublich stark und schnell.
    Er rappelte sich auf und zog sich unter der genauen Beobachtung des Fremden zurück. Der lies sein Netz einfach liegen. Gut, er würde es einfach am Abend einsammeln.


    Es wehte kaum Wind und er war auf etwas mehr als zehn Schritte an die Herde herangekommen, ohne dass diese ihn bemerkte. Ein schneller, sauberer Schuss und für die nächsten Tage wäre seine Familie ernährt. Langsam zog er den Pfeil ans Ohr, atmete halb aus und… Ein Pfiff! Die Antilopen sprangen davon. Er lies den Pfeil los, der aber wegen der schnellen Bewegung ins Leere ging.
    In Mitten der Herde sah er ihn, den nackten Fremden. Ganz selbstverständlich lief er mit ihr.


    Frustriert machte sich der Jäger auf zu seiner Falle. Es war eine simple Grube, abgedeckt mit Stöcken und Gras. So lies sich oft leicht etwas fangen. Vielleicht hätte er heute wenigstens da Erfolg? Er kam an und knirschte mit den Zähnen. Jemand hatte seine Fallgrube mit Geröll und Erde aufgefüllt! Dieser Fremde wurde langsam wirklich zum Ärgernis!
    Er musste etwas unternehmen!


    Am Abend hatte er die Herde wieder aufgespürt und erblickte den Nackten, wie er friedlich Gras kaute, ganz wie die Tiere. Der Jäger legte einen Pfeil auf die Sehne. Er pirschte sich durch das hohe Gras an. Da blickte der Fremde in seine Richtung oder genauer noch – genau in seine Augen. Es fraß wie eine Antilope, aber er hatte zornige Augen wie ein Löwe! Einen Moment nur zögerte der Jäger. Dann lief er davon. Dieser Fremde war mehr, als er verstehen konnte! Aber sein Vater wüsste sicher Rat.


    Geduldig hörte der Vater des Jägers zu. Der erzählte, wie der Fremde seine Fallen zerstört und seine Jagd ruiniert hatte.
    „Was sollen wir jetzt tun? Ich wage nicht, mich ihm zu nähern oder zu jagen, so lange er da ist. Er wird mich töten, um die Tiere zu schützen!“, schloss er.
    Der Vater überlegte.
    „Du tust jetzt folgendes. Gehe nach Uruk und sprich bei König Gilgamesch vor. Es ist seine königliche Pflicht uns als Volk vor solchem Unheil zu schützen. Gilgamesch ist unbesiegbar und wird damit fertig werden.“, erneut überlegte er, " Lass dir von ihm eine Tempeldirne mitgeben. Ich kenne alte Legenden über solche Gewaltmänner. Wenn sie ihn verführt, werden sich die Tiere von ihm abkehren. Der Akt wird ihn vom Tier zum Menschen machen."
    Am nächsten Morgen brach der Jäger nach Uruk auf.


    Es war eine lange Reihe von Bittstellern, in die er sich einreihen musste. Seit frühestem Morgen hatte er gewartet. Endlich betrat er mit demütig gesenktem Kopf den Thronsaal. Da saß der König. In edelste Kleider gehüllt, mit schwerem Goldschmuck und einem langen, schwarzen Bart. Er war groß wie der Fremde. Der Jäger kniete nieder und senkte seinen Oberkörper, bis seine Nase den Boden berührte. Er hatte Angst. Gilgamesch war für seine Willkür bekannt, was, wenn ihn sein Wunsch erzürnte?
    „Was willst du?“, fragte ein Beamter, der neben dem Thron stand.
    „Herr, in der Steppe ist ein Tiermensch, das uns alle bedroht! Er ruiniert meine Jagd! Bitte Herr, gebt mir eine Tempeldirne, damit ich ihn unschädlich machen kann! Oder habt Ihr einen anderen Rat? Mein Vater schlug das vor“
    Da spracht Gilgamesch mit tiefer, lauter Stimme: „Ich habe von solchen Wesen gelesen. Dein Vater hat recht. Schicken wir ihm eine Tempeldirne, dann wird das Wild ihm untreu! Ich als Hirte von Uruk muss doch meine Schäfchen vor dem bösen Wolf beschützen!“ Dann lachte er. „Geh, ich veranlasse, dass du bekommst, was du brauchst!“


    „Ich bin Schamkat“, sagte die Tempeldirne, „Ich werde mit dir den Gewaltmann zähmen! Die Kraft der Göttin wird ihn bezwingen!“
    Sie war schön, so schön, dass es dem Jäger den Atem verschlug. Ihre Haut war weiß wie Milch, das Haar schwarz, lang und glänzend. Ihr langes Priesterinnengewand betonte ihre perfekte Figur. Eine Zeit lang konnte er sie nur anstarren. Dann schluckte er und nickte. Den Umgang mit Frauen war er nicht gewöhnt. Bisher hatte er nicht genug angesammelt, als dass ein Vater ihm seine Tochter zur Braut geben würde.
    Er trug auch ihre Decke, ihren Wasserschlauch und ihren Proviant. Es würde einige Tage dauern, bis sie ihr Ziel erreichten. Wie würde die Städterin wohl auf die Strapazen reagieren?
    Bald stellte er fest, dass sie nicht jammerte, weder über den Marsch in der Hitze des Tages, noch über das Schlafen in der Kalten Nacht mit nichts über sich als dem Sternenzelt. Sicher könnte sie gut anpacken! Aber leider war sie nicht für ihn bestimmt, sondern für den Fremden. Jetzt hasste er ihn noch mehr!


    Am dritten Tag erreichten sie den Fluss und der Jäger begann, einen Unterstand aus einigen Ästen und Gras zu machen.
    „Die Herde wird wieder hierher kommen, um zu trinken, und der wilde Mann sicher auch“, erklärte er.
    Schamakat nickte.
    Im Unterstand war es recht eng und der Jäger genoss ihre Nähe. Hier waren sie bestens versteckt und die Tiere würden kommen. Aber das konnte noch ein paar Tage dauern, Tage, in denen er träumen konnte, dass es mehr als zufällige Berührungen mit der Schönen geben würde!


    Es war der dritte Tag des Wartens, als er an der Schulter wachgeschüttelt wurde.
    „Ist er das?“, fragte Schamakat und zeigte aus dem kleinen Fenster des provisorischen Unterstandes.
    Er sah hinaus. Die Herde war zurück! Und mit ihr der Fremde. Er trank aus dem Fluss und fraß Gras, ganz wie die Gazellen!
    „Ja, das ist er!“, flüsterte er, „Los jetzt! Schlaf mit ihm! Ich kann es mir nicht leisten, noch länger ohne Beute zu bleiben!“
    „Erzähle mir nicht, wie ich meine Aufgabe zu machen habe!“, zischte sie zurück.
    Sie war so stark, so leidenschaftlich! Wie gern würde er sie zu einer guten Frau zähmen! Aber es half nichts. Das Schicksal hatte anderes bestimmt.
    Sie trat aus dem Unterstand und lies ihr Kleid von den Schultern gleiten. Nackt lief sie auf ihm zu. Er sähe nun ihre vollen Brüste, ihre Scham… Eifersüchtig knirschte der Jäger mit den Zähnen. Der Fremde kam auf sie zu, sicher lächelte sie ihn an. Ein kurzes Gespräch entstand, dass der Jäger auf die Entfernung nicht hören konnte. Sie berührte ihn an der Brust, lies die Hand immer tiefer gleiten. Dann lagen die beiden im hohen Gras. Die Geräusche und die Bewegungen der Pflanzen ließen erahnen, wie leidenschaftlich es zugehen musste. Als die Sonne ihren Zenit überschritten hatte, war es noch immer nicht vorbei und der Jäger machte sich auf den Weg nach Hause. Er war des Wartens leid geworden.
    Morgen würde seine Jagd sicher wieder erfolgreich sein.


    Enkidu


    Sieben Tage und sechs Nächte hatte er mit der Schönen verbracht. Nun aber wollte Enkidu zu seiner Familie zurückkehren. Er folgte den Spuren der Herde.
    Schamakat hatte gemeint, sie würde auf ihn warten, wenn er doch zu ihr wollte. Aber er gehörte in diese Welt der Steppe, nicht der blutrünstigen Jäger, die seine Freunde, die Tiere, töten wollten!
    Endlich fand er sie. Friedlich grasten seine Schwestern und Brüder. Er würde sich jetzt auch gern ein paar Büschel gönnen! Er hatte die letzten Tage kaum gegessen. Und dennoch waren sie schön gewesen. Diese Lust hatte er nicht gekannt. Er näherte sich wie immer, doch die Antilopen, als sie ihn entdeckten, sprangen auf und davon, als hätten sie ihn nie gekannt.
    „Wohin wollt ihr? Ich bin es! Enkidu!“, rief er, doch sie hörten nicht. Vielleicht hatte ein Löwe sie aufgeschreckt? Sehen konnte er keinen.
    Er folgte ihnen, doch wann immer er sich näherte, flohen sie vor ihm. Er fiel auf die Knie und weinte. Er hatte seine Familie offenbar verloren. Sie trauten ihm nicht mehr, nun, da er sich mit einem der Mörder abgegeben hatte.
    Er war so einsam. Nie wieder würde er mit seiner Familie über die Steppe springen, Gras fressen und das Wasser des Flusses trinken. Nun gab es wohl nur noch einen Weg zu gehen. Er kehrte um, um Schamakat zu finden.
    Sie wartete an dem Ort, an dem er sie verlassen hatte und lächelte ihm entgegen.
    „Komm, Enkidu, Liebster! Warum bist du so traurig?“
    „Sie haben mich verstoßen. Sie wollen unsere Liebe wohl nicht.“
    „Hörst du nicht, wie du nun redest, Enkidu? Wie du nun denkst? Unsere Liebe hat dich gereinigt. Du bist nun ein Mensch, ja wie ein Gott und kein Tier mehr! Du bist jetzt weise und verständig“, flüsterte sie und umarmte ihn.
    Er dachte nach. Sie hatte recht. Seine Gedanken waren komplexer geworden, er kannte Worte, die er nie gehört hatte. Es schien, als hätten ihm die letzten Tage nicht nur etwas genommen, sondern auch etwas geschenkt.
    „Komm mit mir nach Uruk, nimm mich zur Frau!“, sagte sie leise und zärtlich, „Es wird die gefallen! Dort gibt es gewaltige Tempel für Anu und Ischta. Und der mächtige Gilgamesch lebt dort, der einzige, der dir je ebenbürtig sein kann, der die Geschichte ändert“
    Enkidu löste sich von ihr.
    „Ja, führe mich nach Uruk!“, bat er, nun von Neugier und Hoffnung erfüllt. Sein altes Leben war zwar vorbei, doch vielleicht würde ein neues beginnen. „Ich werde dort einziehen und mich als der Stärkste erweisen!“


    So kamen die beiden nach Uruk. Die neuen Eindrücke waren für Enkidu überwältigend. Es gab ein rauschendes Fest zu ehren der Götter, tausende waren auf den Straßen, aßen, tranken und tanzten. Erst spät am Morgen fiel er auf die Decken des Nachtlagers in Schamakats Haus.


    Gilgamesch


    Gilgamesch wandelte in seinem Garten. Die Palmen waren gut gepflegt und trugen schwer an ihrer Last aus Datteln. Die Sonne brannte heiß, aber das störte ihn nicht.
    Da trat seine Mutter zu ihm.
    „Ich hatte einen Traum“, sagte sie, „Es wurde vielleicht jemand in der Steppe geboren, der ist wie du. Mehr Gott als Mensch.“
    „Ist er eine Bedrohung für mich?“, fragte er.
    „Nicht unbedingt. Er könnte dir ein Freund und mächtiger Verbündeter sein. Du musst ihn zu mir führen, wenn du ihn findest. Er wird dir dann vielleicht wie eine Ehefrau sein, treu und liebend.“


    Die Prophezeiung beschäftigte ihn den ganzen restlichen Tag über. Er ließ alle Bittsteller und Berater fortschicken, da er seine Ruhe haben wollte.
    Erst in der Nacht fand er Ruhe.


    Er stand auf dem Marktplatz von Uruk und sah eine große Menschentraube. Sie betrachtete etwas. Er drängte sich hindurch und sah eine Axt am Boden liegen. Es war ein schweres Werkzeug aus angelaufener Bronze, scharf und mit verzerrten Bildern verziert. Erst wich er erschrocken zurück, dann aber hob er sie auf. Sie lag perfekt in seiner Hand, es war die beste Axt, die er je gesehen hatte.


    Er erwachte. Es musste ein Traum gewesen sein! Ob er etwas bedeutete? Er sprang auf und eilte zu seiner Mutter, ehe der Traum verblassen konnte. Sie war so weise und würde ihn deuten können.
    Er berichtete ihr und sie hörte zu.
    „Ja, mein Sohn, die Axt ist ein Mann, den du liebgewinnen wirst! Und ich werde ihn als meinen Sohn annehmen.“
    Gilgamesch antwortete: „So soll es sein! Ich will ihn als Freund und Berater gewinnen und du wirst seine Träume deuten wie die meinen.“

  • Hey,


    ich fand es sehr unterhaltsam :) Habe natürlich nicht den leisesten Schimmer, wie die ursprüngliche Fassung aussieht, geschweige denn, wie viel Arbeit du in die Umformulierung stecken musstest...aber ich finde, die Story hat "Potenzial". (muss ja wohl auch so sein, wenn es die älteste Fantasygeschichte der Welt ist...wie alt eigentlich???)


    Eine Sache...klingt jetzt wahrscheinlich völlig Banane...ist mir aufgefallen...vielleicht ist das jetzt aber auch nur wieder so ne blöde Macke von mir:


    Ihre Haut war weiß wie Milch, das Haar schwarz, lang und glänzend. Ihr langes Priesterinnengewand betonte ihre perfekte Figur.

    An dieser Stelle wirkte mir "die perfekte Figur" irgendwie zu banal...oder naja, sagen wir plump.Du verwendet die ganze Zeit so eine schöne edle Sprache und plötzlich stolpere ich über die "perfekte Figur". Vielleicht könnte man "atemberaubende weibliche Rundungen" schreiben oder weiß der Geier was. (nur so ne Idee)



    Ich konnte nicht anders und musste an dieser Stelle zwangsläufig schmunzeln:

    Ein kurzes Gespräch entstand, dass der Jäger auf die Entfernung nicht hören konnte. Sie berührte ihn an der Brust, lies die Hand immer tiefer gleiten. Dann lagen die beiden im hohen Gras. Die Geräusche und die Bewegungen der Pflanzen ließen erahnen, wie leidenschaftlich es zugehen musste. Als die Sonne ihren Zenit überschritten hatte, war es noch immer nicht vorbei und der Jäger machte sich auf den Weg nach Hause. Er war des Wartens leid geworden.
    Morgen würde seine Jagd sicher wieder erfolgreich sein.

    Die Vorstellung, wie der Jäger da liegt und wartet, während die beiden sich im hohen Gras amüsieren...einfach zu köstlich :)


    Am Ende war ich leicht enttäuscht, weil ich wissen wollte, wie es weitergeht...also, her mit der zweiten Tafel!!!


    Viele Grüße,
    Rainbow

  • wie alt eigentlich???

    Als erstes Gesamtwerk liegt das Epos seit etwa 1500 v.Chr. vor, aber es gibt wohl noch deutlich ältere Teile. Eine ältere Fassung könnte schon 1800 v.Chr. entstanden sein. Damit kommen wir also auf etwa 3500 Jahre.


    Die "perfekte Figur" ist vielleicht wirklich etwas zu banal... Da überlege ich mir noch was. Und das mit dem Jäger, der im Versteck liegt... Kann eigentlich nicht anders gewesen sein, denn auch im Original fordert der die Dame an, mit Enkidu zu schlafen, als sie ihn erblicken. :D (Allerdings ist es viel vulgärer dort als bei mir)

  • Der Gilgamesch-Epos liegt bei mir auch noch irgendwo halb angefangen rum. Offensichtlich konnte er mich damals nicht wirklich fesseln. Schön, dass du es hie zusammenfasst/niederschreibst. Solche alten Texte haben für mich doch meistens leider eher einen Pflicht- als einen Entspannungscharakter. Liegt auch daran, dass sie meistens einfach nicht stark ausformuliert sind. Die Bibel ist da eine Ausnahme, aber daran haben ja auch lange genug eine Menge Leute gesessen xD

    - Große Männer werden im Feuer geschmiedet. Das Privileg der Kleineren ist es, das Feuer zu entfachen. -


    - nur ein Irrer steigt in das Raumschiff eines Verrückten -

  • Sehr coole Idee und ein tolles Projekt!
    Gilamesch wollte ich schon lange mal lesen und in der Form geht es doch wesentlich besser. :D
    Den Stil mit den eher kurzen Sätzen finde ich sehr toll, da freue ich mich auf die nächste Tafel.


    (Allerdings finde ich das man Mythologie und Fantasy nicht gleichsetzen kann, aber das ist ein Thema das hier eher nicth rein gehört XD)

  • Sooo schön! Ich würde dir am liebsten zwanzig mal danken. Das Epos interessiert mich schon sehr lange, hatte aber nie die Muse, mich damit zu befassen.
    Danke Danke :danke:


    Hab ein paar fehler gefunden:

    All das drang an ihr Ohr.

    und viele Vögel würden sie sich hier verfangen

    erneut überlegte er, " Lass dir von ihm eine Tempeldirne mitgeben. Ich kenne alte Legenden über solche Gewaltmänner. Wenn sie ihn verführt, werden sich die Tiere von ihm abkehren. Der Akt wird ihn vom Tier zum Menschen machen. "

    (Neues Bild kommt iwann)

    Genesis: Sie ist Azathoth, das amorphe Chaos in der zentralen Leere
    Josh: Meine Prophetin!

  • Schon mal vielen Dank für euer Interesse und eure Bemerkungen! Da ist man gleich sehr motiviert, weiterzumachen!
    @Kelamith Im Grunde ist es auch mein Hauptansinnen, den Text für moderne Leser leichter und verständlicher zu machen.
    @Aztiluth Danke, habe ich korrigiert!
    Dann will ich euch mal nicht weiter auf die Folter spannen und die zweite Tafel prästentieren!


    2. Tafel


    Enkidu


    Enkidu lag neben Schamkat auf der Bettstatt und hielt sie im Arm. Längst verblassten seine Erinnerungen an die Steppe und seine alte Familie. Nur noch selten zog es ihn aus der Stadt, um Gras zu essen. Wie weise seine Geliebte doch war! Und wie großzügig! Sie hatte ihm ein Gewandt gegeben, um sich zu kleiden. Und sie hatte ihm beigebracht, sich am Tisch zu benehmen, wie man Brot statt Gras aß und wie man aus Krügen Bier und Wein trank, dass einem herrlich schummrig wurde. Und es war gut darin. Niemand konnte in der Taverne in der Nachbarschaft mehr trinken als er. Immer scharten sich die Leute um ihm, um den pelzigen Mann zu sehen und wie er lernte, in der Zivilisation zu leben.
    Auch hatte er lernen müssen, sich zu waschen. Den Dreck mit Wasser zu entfernen und Haut und Haare mit Öl zu pflegen.
    Und er hatte einen Beruf ergriffen, um selbst etwas Geld zu verdienen. Mit Bogen und Speer zog er aus um Wölfe und Löwen zu jagen, die die Hirten gefährdeten.
    Der wichtigste Schritt aber war, dass er heute noch seine Schamkat heiraten würde.
    Es würde ein großes Fest werden mit reichlich Essen, Musik und Tanz.
    Er freute sich, aber seine Geliebte schien besorgt. Langsam wusste Enkidu es zu deuten, wenn sie schweigsam war.
    „Was ist denn? Wir heiraten heute!“, sagte er.
    „Es gibt ein Gesetz, Enkidu“, antwortete sie, „Wenn ein Mann heiratet, muss er dem König sein Haus öffnen. Und er wird mit der Braut schlafen, ehe der Bräutigam es tut“
    Enkidu war fassungslos. Niemand würde seine Frau anrühren als er selbst! Kein Priester, kein Jäger und kein König!
    „Das lasse ich nicht zu!“, meinte er bestimmt.
    „Du musst, es ist göttliches Gesetz. Der Same des Mannes, der zwei Drittel Gott ist, macht eine Frau auch fruchtbarer. Das ist doch gut.“, sie klang nicht überzeugt.


    Beide gingen durch die Straße, umringt von ihren Freunden und all jenen, die Enkidus weg verfolgt hatten, seit er in die Stadt gekommen war. Über den Markt strebten sie auf die Tempelpyramide zu, auf deren Spitze schon ein Lager für das Fest der Saat bereitet wurde. Auch an diesem würde Gilgamesch mit einer Frau, einer Priesterin, schlafen, dort oben vor aller Augen. So wurde die Fruchtbarkeit des Landes sichergestellt, wie die Fruchtbarkeit der Braut, durch das Recht der ersten Nacht. Der Anblick lies Enkidu mit den Zähnen knirschen, erinnerte er ihn doch daran, was von ihm und seiner Frau verlang werden würde.


    Es war Abend und die Hochzeitsgesellschaft feierte. Zum Spiel der Leier sangen sie und tranken berauschende Getränke.
    Da donnerte es an der Tür. Und rasch begannen alle zu schweigen und wandten ihre Blicke dem Eingang zu. Enkidu stand auf und öffnete.
    Da stand ein Mann, noch größer als er selbst in feinsten Gewändern mit langem, schwarzen Bart.
    Von hinter ihm rief ein Soldat: „Lass den König ein, wie das Gesetz es befielt!“
    Enkidu dachte gar nicht daran.
    „Es ist mein Weib, Gilgamesch, König von Uruk!“, sagte er bestimmt, „Jede kannst du haben, lass mir diese eine!“
    Der König wurde rot vor Zorn.
    „Was fällt dir ein, Busche!“, brüllte er und wollte sie an ihm vorbeidrängen. Enkidu hielt dagegen. Und es begann ein Kräftemessen. Enkidu hatte mit so manchen gerungen oder Armdrücken gemacht an den Abenden im Gasthaus. Doch nie war jemand ihm gewachsen gewesen. Gilgamesch aber war ein würdiger Gegner.
    Lange bleib es nicht beim bloßen Drücken, bald flogen die Fäuste.
    „Bleibt weg, er gehört mir!“, rief Gilgamesch zu seinen Begleitern, nur um sich ein blaues Auge einzufangen.
    Doch auch Enkidu musste einstecken. Bald war seine Nase gebrochen, auch eines seiner Augen war zugeschwollen, aus einer Platzwunde am Kopf blutete er. Es war ihm gleich. Er würde seine Frau nicht bekommen!
    Ein fehlgegangener Faustschlag Gilgameschs lies den Türrahmen erbeben.
    Schließlich gingen beide erschöpft in die Knie. Sie keuchten und sahen sich in die Augen. Und Enkidu sah es. Den göttlichen Funken in dem Blick des Königs, das Schicksal, das sie verband.
    Und er sagte: „Du bist einzigartig, König Gilgamesch! Du stehst über allen Männern. Du herrscht zurecht über alle Fürsten.“
    Gilgamesch lächelte: „Du bist auch nicht schlecht!“
    Und er legte seine Arme um Enkidu, zog ihn heran und küsste ihn.
    Beide standen auf. Mehr Worte brauchte es nicht. Sie verstanden. Der Streit war beigelegt. Und bald feierte die Gesellschaft nun in Anwesenheit des Königs. Und Gilgamesch rührte Schamkat nicht an.


    Gilgamesch


    Er hatte ihn gefunden. Den prophezeiten Freund, die Axt aus seinen Träumen! Schon zwei Tage nach der Hochzeit ließ er Enkidu in den Palast rufen. Es musste ihn zu seiner Mutter führen.
    „Das ist Rimat-Ninßun, die Königinmutter“, stellte er sie vor, „und das, Mutter, ist Enkidu aus der Steppe“
    „Ich grüße euch, Herrin!“, sagte der junge Mann.
    Betrübt sah sie Enkidu an.
    „Er hat noch immer langes Haar, sein Leib ist behaart wie der eines Tieres“, stellte sie fest, „Ich weiß nicht, ob er schon Mensch genug ist, dir der Freund zu sein, den du brauchst“
    Gilgamesch antwortete: „Er hat weder Vater noch Mutter, nie wurde sein Haar geschnitten, die Steppe hat ihn großgezogen. Er hat keine Erziehung erfahren. Und doch weiß ich, er ist der richtige.“
    Er sah zu Enkidu. Der hatte Tränen in den Augen. Er griff seine Hand, drückte sie fest.
    „Was hast du, mein Freund?“, fragte der König
    „Eure Klagen über meine Fehler schmerzen mich sehr!“, flüsterte Enkidu.
    „Jeder hat Fehler, Enkidu, doch deine wiegen nicht schwer. Komm, ich zeige dir, dass ich dir vertraue. Du bist doch Jäger, nicht wahr? Jagst Raubtiere. Für ein Bauprojekt brauchen meine Bauleute viel Zedernholz. Es gibt einen Wald, einige Tagesreisen von hier. Aber er wird vom Drachen Chumbaba bewacht. Sein Brüllen ist wie die Sintflut, die alles fortspült, sein Rachen ist voll Feuer und sein Atem der Tod. Komm mit mir und lass uns ihn töten! Wir zwei bringen ihn zur Strecke, sodass den Göttern ein Tempel gebaut werden kann.“
    Enkidu sah ihn erschrocken an.
    Gilgamesch, niemand kann Chumbaba in seiner Heimstatt besiegen! Der Gott Elil selbst hat ihn zum Schutze des heiligen Waldes erschaffen. Er schläft nie! Wie sollte uns das gelingen?“
    Der König lächelte: „Die Götter sind unsterblich und thronen um Schamasch, den Sonnengott, im Himmel. Wir aber sind alle zum Tode verurteilt. Wie Staub im Wind werden wir verwehen. Aber wenn ich Chumbaba fordere, wird man mich ewig besingen, selbst wenn ich umkomme. Ich werde unsterblich sein! Und du fürchtest um dein ohnehin vergängliches Leben? Du kannst ja mitkommen und mich aus der Ferne anfeuern, wenn du Angst hast!“
    Um sich für ihr waghalsiges Unternehmen zu rüsten, gingen sie zum Waffenschmied. Der goss jedem von ihnen eine Axt mit gewaltigem Kopf aus bester Bronze. Ein normaler sterblicher hätte sie kaum heben können, für Gilgamesch und Enkidu aber waren sie gerade richtig. Als Seitenwaffe ließen sie sich auch noch Schwerter mit reicher Verzierung gießen, auch sie wären viel zu schwer für die meisten Menschen gewesen.


    Der König ordnete an, die sieben Tore der Stadt zu schließen, damit sie in seiner Abwesenheit sicher wäre.
    Mit Enkidu zu seiner Rechten hielt er auf dem Markt vor dem Tempel eine Rede:
    „Ich werde mich mit meinem Freund Enkidu aufmachen, Chumbaba zu erschlagen! Ich werde das Holz des Waldes für Uruk gewinnen! Ich will ihn sehen, diesen Gott!“
    Gilgameschs Ratgeber aber kamen zu ihm und flüsterten noch einmal eindringlich, als er geendet hatte: „Herr, Ihr seit jung und Euer Übermut trägt euch davon. Der Weg zum Wald ist wahnsinnig weit und Chumbaba ist unbesiegbar. Sein Brüllen ist wie die Sintflut, die alles fortspült, sein Rachen voll Feuer, sein Atem der Tod!“
    Gilgamesch lächelte und sagte an Enkidu gerichtet: „Da siehst du es, die Reden alter Männer!“ Dann rief er zu seinen Beratern: „Auch wenn ich ihn fürchte, werde ich doch einen Sieg erringen. Noch lange wird man sich erzählen, wie Gilgamesch aufbrach, um den unbesiegbaren Drachen zu fordern und seinen Mut rühmen!“
    Da trat seine Mutter zu ihm und Gilgamesch kniete vor ihr nieder.
    Sie segnete ihn: „Möge dein Schutzgott Schamasch die begleiten, dich deinen Weg vollenden lassen und gesund nach Uruk zurückkehren lassen.“
    Gilgamesch wurde mit einem Mal wehmütig und Tränen rannen ihm über die Wangen.
    „Ich möge Heil und am Leben bleiben!“, sagte er leise zu ihr, plötzlich nicht mehr so sicher, ob der Tod wirklich gleichgültig wäre.
    Langsam erhob er sich von den Knien, umarmte die Königinmutter und rief seinen Freund.
    „Ihr Götter, bringt uns heil nach Hause! Dann will ich euch nach Herzenslust dienen!“, betete er.
    Dann lies er sich und Enkidu von den Dienern die Waffen übergeben. Die Äxte und Speere und starke Bögen. Sie legten die Köcher auf ihre Rücken, steckten die Schwerter in Scheiden an ihren Gürteln.

  • Mehr Worte brauchte es nicht. Sie verstanden. Der Streit war beigelegt. Und bald feierte die Gesellschaft nun in Anwesenheit des Königs. Und Gilgamesch rührte Schamkat nicht an.

    Gänsehaut pur. Wortwörtlich: ich hatte Gänsehaut xD
    Tolle geschichte, wundervoll geschrieben.


    Was soll ich sonst dazu sagen? Außer noch mehr lobpreisungen? xD
    Die Sitten, Gilgamesch, Enkidu, der Kampf...
    Dass Gilgamesch vor seiner Mutter tränen vergießt und sein Übermut sich (ganz kurz) etwas beruhigt.
    Und vor allem, das wissen das Enkidu Gilga ja eig töten soll... Wer wird den Anderen zuerst verraten? Oder bleiben sie Freunde und die Geschichte geht in eine andere Richtung. Ich kenn Gilgamesch nur als den unbesiegten Gott-König, aber meine Quellen und mein Wissen beziehen sich auf ein Anime :rofl:


    Nur ein kleiner Tippfehler ist mir aufgefallen, gegen Ende:

    sagte er leise zu ihr

    (Neues Bild kommt iwann)

    Genesis: Sie ist Azathoth, das amorphe Chaos in der zentralen Leere
    Josh: Meine Prophetin!

  • Geil...es geht schon weiter...


    Ich find`s toll. Wie abgedreht die Vorstellung, dass der König sein Recht einfordern darf, als Erster in der Hochzeitsnacht mit der Braut zu schlafen. Ich glaube, das fände ich auch ziemlich frustrierend :)
    Umso cooler, wie Enkidu den König herausfordert. (Ein wahrer Liebesbeweis!)
    Bin mal gespannt, wie das mit den beiden weitergeht...ob sie tatsächlich noch "Freunde" werden oder der eine den anderen tötet? Ich bin völlig ahnungslos und lasse mich gerne überraschen...


    Hier noch ein paar Fehlerchen:


    Und es war gut darin.

    Soll das vielleicht heißen "Und er war gut darin" ?


    Der Anblick lies Enkidu mit den Zähnen...


    ließ


    MIST! Kann gerade mal wieder keine Zitate mehr einfügen...dann also anders:


    "Ein fehlgegangener Faustschlag Gilgameschs lies (ließ) den Türrahmen erbeben."


    Oh, es geht wieder....wie schön....



    Ein normaler sterblicher...

    Sterblicher


    Irgendwie fühle ich mich gerade etwas verarscht von der Technik...Zitate einfügen funktioniert heute scheinbar nur jedes dritte Mal :)


    "Herr, Ihr seit jung und Euer Übermut..." (seid)


    "Dann lies er sich und Enkidu von den Dienern..." (ließ)



    So, das war`s. Freu mich schon auf die Fortsetzung :)


    Viele Grüße,
    Rainbow

  • Soll das vielleicht heißen "Und er war gut darin" ?

    Ich meinte im Trinken. Im orginalen Epos wird erwähnt, dass er sehr viel berauschende Getränke trinken kann. Das wollte ich erwähnen. Und danke für die Rechtschreibkorrekturen!



    Wie abgedreht die Vorstellung, dass der König sein Recht einfordern darf, als Erster in der Hochzeitsnacht mit der Braut zu schlafen.

    Dieses Jus primae noctis (Recht der ersten Nacht) war übrigens auch in einigen feudalen Regionen und Zeiten Europoas im Mittelalter verbreitet. Häßliche Angelegenheit!

  • Ich entschuldige mich - den letzten Satz der letzten "Tafel" musste ich löschen, da ich ganz vergessen habe, dass auf der folgenden noch ein paar rührende Abschiedsszenen sind. Ich hoffe, ich habe sie auch nur halb so schön vermittelt, wie sie sind! Viel Spaß!


    Gilgamesch
    Auch die Ältesten segneten Gilgamesch und gaben ihm Rat: „Vertraut nicht auf Eure gewaltige Kraft, Herr, seht Euch vor! Lass Enkidu stets vor dir gehen, denn er kennt sich in der Wildnis aus. Er kennt von dort auch Chumbabas böse List! Schamasch, der Sonnengott, möge deine Wünsche erfüllen. Er ebne dir den Weg und schenke dir scharfe Augen, um zu sehen, was du sehen willst! Lugalbanda, der Gott des Krieges und dein Vater, stehe dir bei! Denke daran: Im Fluss des Chumbaba musst du deine Füße waschen, sucht immer nach frischem Wasser und füllt damit eure Schläuche und kühles Wasser musst du Schamasch opfern. Enkidu soll dich, seinen Freund behüten und dich, seinen Gefährten, bewahren! Er soll dich heil zurück zu deinen Ehefrauen bringen.“
    Dann wandten sie sich an Enkidu: „Dir, Enkidu, übergeben wir unseren König, dass du ihn beschützt und berätst. Bring ihn uns heil wieder!“
    Da sagte Enkidu zu Gilgamesch: „Habe keine Angst. Ich begleite und führe dich zum Heim Chumbabas!“
    Gilgamesch schickte seine Berater nun fort. Und zu den versammelten Menschen rief er: „Wer es wagt, kann mit uns in den Kampf ziehen!“
    Die Menschen jubelten und wünschten ihm den Segen der Götter. Aber mitziehen wollte nicht einer.
    Gilgamesch meinte zu seinem Freund: „Lass uns noch in den Palast gehen, zu Ninsun meiner klugen Frau. Sie wird uns guten Rat geben.“
    Da fassten die Männer sich an den Händen und machten sich zum Palast auf.


    Als Gilgamesch der Königin seine Pläne mitgeteilt hatte, bat er sie um Segen und Fürbitte vor den Göttern.
    Ninsun sah ihren Gatten traurig an.
    „Warte einen Moment bitte“, sagte sie und ging in den Nebenraum.
    Sie kam in ihre besten Gewänder und in den feinsten Duftölen wieder heraus und führte die Männer aufs Dach, wo sie Schamasch anrief und ihm opferte: „Warum hast du mit Gilgamesch zum Mann gegeben, wenn ich mich nur um ihn sorgen muss, wegen seines ruhelosen Herzens? Er will einen Weg gehen, der ihm unbekannt ist zu einem unbekannten Feind! Lass ihn gehen und zurückkehren! Lass ihn zum Wald kommen und das Böse aus dem Land tilgen! Gott der Sonne, befiel ihm auch den Wächtern der Nacht, den Sternen an und Sin, deinem Vater!“
    Und Gilgamesch konnte nicht anders als zu weinen, als er diese Worte hörte. Enkidu umarmte ihn fest.


    Auch seine Mutter rief sie noch einmal in einen Tempelraum, wo sie Räucherwerk verbrannte.
    Sie ließ Enkidu vor den Schrein treten und fasste ihn bei den Armen.
    „Enkidu, du bist nicht meinem Schoß entsprungen. Ich habe mit den Priesterinnen über dich geredet. Ich will nun deine Mutter sein und du sollst mein Sohn sein!“
    Sie legte ihm ein Amulett um den Hals.
    Diesmal war es Enkidu, dem die Tränen in die Augen stiegen.
    Am Tor der Stadt erinnerten Enkidu noch einmal die Ältesten daran, ihren König heil nach Hause zu bringen.
    Dann verließen sie Uruk in die Wildnis.

  • Wir werden ja richtig verwöhnt heute XD
    Die neuen Sachen gefallen mir auch sehr gut <3
    Nun sind die beiden nicht nur Freunde, sondern auch Brüder. Wird wirklich immer interessanter...


    Ich lerne gerade selbst erst die Kommasetzung, daher weiß ich nicht ob es stimmt, aber ich glaube, hier fehlen welche xD

    Enkidu soll dich, seinen Freund, behüten und dich, seinen Gefährten, bewahren!

    „Lass uns noch in den Palast gehen, zu Ninsun, meiner klugen Frau.


    Und diesen Satz hier verstehe ich leider nicht so ganz...

    Gott der Sonne, befiel ihm auch den Wächtern der Nacht, den Sternen an und Sin, deinem Vater!

    (Neues Bild kommt iwann)

    Genesis: Sie ist Azathoth, das amorphe Chaos in der zentralen Leere
    Josh: Meine Prophetin!

  • Scheinbar haben wir alle nichts anderes mehr zu tun, als uns Gilgamesch reinzuziehen :)
    Das ist nicht fair... @Windweber, könntest du bitte aufhören, eine Tafel nach der anderen zu posten? Ich komme sonst zu nichts...eigentlich müsste ich jetzt noch....ach egal!


    Also, ich finde es ganz interessant, wie diese beiden Herren, die ja irgendwie Halbgötter sind (wenn ich das richtig verstanden habe) dargestellt werden. Beispiele:


    Diesmal war es Enkidu, dem die Tränen in die Augen

    Da fassten die Männer sich an den Händen und machten sich zum Palast auf.

    Ein wirklich schönes Bild :)

    Und Gilgamesch konnte nicht anders als zu weinen, als er diese Worte hörte.

    Grundsätzlich habe ich ja nichts dagegen, wenn "starke Männer" Gefühle zeigen. Hier fällt es mir aber extrem auf. Die beiden sind anscheinend ziemlich nah am Wasser gebaut... Diese "Sensibilität" erscheint mir irgendwie unglaubwürdig, wo es doch eigentlich Gilgameschs Idee ist, loszuziehen und gegen diesen Drachen zu kämpfen...Mh! Nun gut...mal sehen, was passiert, wenn sie der Gefahr ins Auge blicken...bin gespannt, wie`s weitergeht...


    Viele Grüße,
    Rainbow

  • Und diesen Satz hier verstehe ich leider nicht so ganz...

    Ja, das ist etwas altertümlich, da muss ich vielleicht noch mal drüber. "Jemanden jemand anbefehlen" heißt so viel wie, dass ein anderer, in dem Fall die Sterne und der Gott Sin, jemanden beschützen soll. Wenn der Sonnengott Schamasch also den Himmel für die Nacht verlässt, soll er dafür sorgen, dass sich so lange jemand um die beiden kümmert, bis er wiederkommt. Ist es dir jetzt klarer? Ich habe den Satz aber auch wirklich noch unnötig verschachtelt. Da muss ich mir was überlegen. Mit den Kommas hast du aber auch recht. Was für ein lästiges, kleines Thema mit diesen Ministrichen! Aber die haben halt auch ihren Wert und Sinn.


    @Rainbow Ja, man stößt sich oft an diesem Text, oder? Wie sich Männer küssen, Händchen halten, weinen... Und das sind große, starke, und sehr männliche Helden! Man tut sich aus modern-mitteleuropäischer Sicht oft sehr schwer damit. Aber im Orient vor 3500 Jahren galten andere Regeln (während einige, wie ein Mann muss beim Sex ewig können und saufen können wie ein Loch auch in einigen näheren Bereichen gelten... ;) ). Oft wird in das Epos auch eine homosexuelle Beziehung oder zumindest eine gewisse Homoerotik hineingedeutet - ich bemühe mich, entsprechende Stellen entsprechend wiederzugeben. Weder deutlicher zu machen, noch "glättend" zu verschleiern. Ihr sollt euch euer eigenes Urteil bilden können, wie die Beziehung zu verstehen ist. ;)

  • Vielleicht kannst du uns ja mal bei Gelegenheit Auszüge im Original zeigen? Das wäre bestimmt ganz interessant. Sicher kann man das auch googeln...scheint ja ziemlich bekannt zu sein das Ganze... aber so im direkten Vergleich würde es hier ganz gut hinpassen, oder? Kann man auch erst am Ende machen, um das "große Geheimnis" zu lüften.


    Man könnte ja besonders "schöne" Textstellen heraussuchen, oder die, bei denen es dir schwer gefallen ist, sie in eine leicht verständliche Sprache zu übersetzen.


    Ich denke mir schon, dass bei einem so alten Text andere Maßstäbe angesetzt werden müssen. Meine Anmerkung war auch nicht abwertend gemeint ... ich finde es vielmehr interessant, das zu beobachten. Außerdem muss ich natürlich einfach meine Eindrücke mit euch teilen :)


    Also, bin ich bereit, für die 4. Tafel...allerdings muss ich gleich noch ein bisschen arbeiten gehen (wie lästig). Das kann einem wirklich den ganzen Tag versauen!


    Viele Grüße,
    Rainbow

  • Gefällt mir weiterhin sehr gut! :D
    Und das du versuchst so nahe am Original zu bleiben wie möglich finde ich übrigens viel Toller als die sonst recht beliebten "Neuinterpretationen" :nick:


    Dass sie da schon/noch das Recht der ersten Nacht hatten finde ich sehr interessant, im MA war es meines Wissens ja nicht ansatzweise so verbreitet wie lange angenommen...


    So Sachen wie an den Händen halten muss ja nicht zwingend homoerotisch sein, das ist doch auch heute z.B. in Indien unter (männlichen) Freunden noch ganz normal.



    (Und Zedernholz muss ja geiles Zeug gewesen sein, oder das einzige was zur Verfügung stand? Taucht in der Bibel ja auch gerne mal auf.)

  • Vielleicht kannst du uns ja mal bei Gelegenheit Auszüge im Original zeigen? Das wäre bestimmt ganz interessant.

    Das fänd ich auch sehr interessant! Aber wirklich erst am Ende.


    Ist es dir jetzt klarer?

    Etwas, ja. Danke xD

    (Neues Bild kommt iwann)

    Genesis: Sie ist Azathoth, das amorphe Chaos in der zentralen Leere
    Josh: Meine Prophetin!