Himmelsjäger [2. Fassung]

  • Da habe ich mich darauf gefreut, dass Paavo endlich von seiner Vergangenheit erzählt - scheint ja sehr interessant zu sein, wenn er es bisher so geheim gehalten hat und sich auch noch so akribisch umschaut, damit ihm ja keiner zuhört, wenn er darüber redet - und dann beginnt stattdessen der Alte zu reden. Wenngleich dessen Geschichte jetzt auch nicht uninteressant war. Ich frage mich, ob das noch von Bedeutung sein wird. Ich bin jedenfalls gespannt.


    LG, Kyelia



    Wenn es ein Buch gibt, das du wirklich lesen willst, aber das noch nicht geschrieben wurde, dann musst du es selbst schreiben.
    - Toni Morrison -


  • Da habe ich mich darauf gefreut, dass Paavo endlich von seiner Vergangenheit erzählt - scheint ja sehr interessant zu sein, wenn er es bisher so geheim gehalten hat und sich auch noch so akribisch umschaut, damit ihm ja keiner zuhört, wenn er darüber redet - und dann beginnt stattdessen der Alte zu reden.

    Ja, genau da habe ich den Cut für diesen Teil gesetzt. Genau bei Paavos Vergangenheit macht der Nächste dann weiter. :whistling:

  • Elektroschnee? Meinst du das weiße Rauschen an einem Fernseher? xD Ich habe zwar nicht genau das im Sinn gehabt, aber es kommt auf das gleiche raus, nämlich, dass er anfangs die Dinge um sich nicht richtig wahrnimmt, als würde ein Geräuschfilter über seinen Ohren liegen. Darum ging es doch, oder?
    Ich habe mich vor Allem an Motive wie Schnee und Kälte halten wollen, die ich in dem Abschnitt öfter verwendet habe, damit das alles nicht zu willkürlich wirkt.

    Genaus dieses Rauschen meine ich - es passte einfach perfekt zum Bild ^^

    Hier vergrößere ich mal die Schrift auf Größe 12, das liest sich mMn einfach besser o:

    Danke, danke, danke, danke :hail:
    Dann muss ich hier nicht tausend mal strg+ drücken

    Paavo schaute auf, erwiderte den Blick des Alten, sah in alte, wissende Augen.

    hmm, ich weiß nicht :hmm: vielleicht nimmst du hier ein Synonym für alte, sowas wie weise. Dann hättest du nur die klischeehaften weisen, wissenden Augen xD


    Ich erinnere mich auch an diesen Part noch sehr gut - ich erinnere mich auch daran, dass ich von dem Mädchen in der letzten Version nie wieder was gehört habe xD Als schreib mal einen Zahn zu :stick:



  • In diesem Moment wurde ihm wieder einmal klar, warum er dem Alten so viel Respekt zollte: Er war einfach da. Für sie. Für ihn. Für jeden hier. Obwohl sie nie etwas für ihn getan hatten. Paavos Hunger wurde verdrängt, von schleichend wachsender Dankbarkeit.
    „Wunderbar“, fuhr der Alte fort, „Aber eigentlich warst du es doch, der etwas erzählen wollte, nicht wahr, Welpe? Entschuldige, ich habe dich einfach unterbrochen.“
    Da stutzte Paavo, fing sich aber sofort wieder.
    Ja, natürlich. Da waren wir stehengeblieben.
    Eigentlich hatte Paavo noch eine Frage stellen wollen. Denn wenn kaum jemand wusste, wie die Menschen aus dem Falkengebirge aussahen, warum wusste es dann der Alte? Aber die Frage kam ihm dämlich vor. Natürlich wusste es der Alte, weil er dort gewesen war. Oder davon gelesen hatte. Was auch immer. Am Ende hörte Paavo sich sprechen, bevor die Frage sich überhaupt in seinen Mund hineinlegen konnte.
    Der erste Gedanke zündete hunderte Bilder und Worte.
    „Früher lebten mein Bruder und ich bei unseren Eltern, im Nachbarland Waldenfeldt, in der Nähe von Gramsburg. Auf einem Bauernhof. So war es zumindest, bis sie uns verkauft haben … Unser Leben war auf keinen Fall unglücklich, das nicht. Wie oft haben Maks und ich uns in den Wald geschlichen, um dort zu spielen? Um in den Sommern an die Seen zu ziehen? Wir haben zu essen mitgenommen, Freunde hatten einen Handwagen dabei. Manchmal blieben wir dann die Nacht über im Freien, haben ein kleines Feuer gemacht. Ach, was hat Vater mit uns geschimpft, wenn wir wieder weg gewesen waren, ohne es jemandem zu erzählen … Mutter war da ganz anders. Manchmal hat sie uns sogar Rückendeckung gegeben und noch etwas mehr zu essen dazugesteckt.“
    Mit jedem einzelnen Wort erkämpfte sich sein Gesicht das Lächeln zurück. Es war in sich gekehrt, weil alles herum verblasst war. Weit weg, nur fernes Rauschen.
    „Nein, Maks war nicht immer so. Vielleicht schon immer etwas ängstlich und manchmal kränklich. Er war ein kleiner Bruder, den man ins Wasser schubsen musste, weil er sich nicht zu springen traute. Der sich manchmal im Dunkeln fürchtete, obwohl er längst kein kleines Kind mehr war. Und trotzdem war er neugierig, ja, manchmal auch richtig frech, der kleine Drecksack! Haha!“
    Ganz kurz schallte seine Stimme, ein voller, satter Klang. Für diesen Augenblick war es sonnenhell, als wären die dunklen Regenwolken über den Feldern doch schon weitergezogen.
    „Naja, aber dann kamen die Missernten. Im ersten Jahr waren unsere Vorräte noch groß genug, um uns alle vier durch den Winter zu bringen. Zwar mussten wir einiges teuer kaufen, aber immerhin hat es ausgereicht.“
    In seinem Gesicht wuchsen langsam missmutige Falten.
    „Im Jahr darauf war die Ernte aber auch nicht besser. Der Vorrat, den wir über das Jahr anlegen konnten, reichte nicht lange, und so aßen wir Rüben. Die Rüben, die eigentlich für unsere Tiere sein sollten. Da wir sie nicht füttern konnten, mussten wir sie nach und nach schlachten, bis fast keine mehr übrig waren. Immerhin kamen wir auch durch diesen Winter. Es hätte schlimmer kommen können … Nun. Kam es dann auch.
    Meine Eltern hatten kein Geld mehr und fast keine Tiere, geschweige denn etwas, um sie füttern zu können. Und als sich im Herbst dann die nächste Missernte abzeichnete …“
    Aus den Falten sprossen allmählich Knospen, die mit Kummer gefüllt sein mussten, denn etwas schlug sich als leises Zittern in Paavos Stimme nieder.
    „… sagten sie uns eines Morgens, wir würden in die Stadt, nach Gramsburg gehen, auf den Markt. Um dort einzukaufen. Aber eingekauft haben die anderen. Ich hoffe, sie haben das Geld, das wir ihnen wert waren, wenigstens gut genutzt.“
    Schlucken.
    „Zuerst habe ich gar nicht begriffen, was dort mit uns passiert ist. Auch nicht, als man das Seil hervorholte, um uns zu fesseln. Ich begriff einfach nicht, dass das wirklich passieren konnte. ‚Wir sind doch hier, um einen Sklaven zu kaufen‘, dachte ich. Ich kann mich auch noch an Maks‘ Blick erinnern, den er mir zugeworfen hat. Fragend und unsicher. In diesem Moment hätte ich seine Hand greifen und losrennen sollen … Stattdessen habe ich gelächelt, um ihn zu beruhigen.“
    Nun brachen die Knospen auf, und traurige Blüten zierten Paavos Gesicht mit trüben Farben. Vereinzelte Tränen konnte er nicht unterdrücken, sie waren unausweichlich, wie Frühlingstau. Und doch waren sie nur Vorboten von Schlimmerem, was sich wieder an die Oberfläche kämpfte.
    Der Alte schien das zu erkennen, zumindest schien ihn Paavos Geschichte nachdenklich zu stimmen.
    „Das ist ein hartes Schicksal“, stimmte er Paavos Winseln zu. „Die meisten anderen hier wurden entweder aus anderen Ländern entführt, nachdem man ihre Dörfer vernichtet hat, oder waren Landstreicher und wurden von Sklavenhändlern aufgelesen. Aber von den eigenen Eltern verkauft? Ohje! So etwas kam mir bisher nur selten zu Ohren.“

    Und nun? War es das etwa schon? Paavo hatte also ein mieses Schicksal und das war alles? Er hatte mehr erwartet. Konnte der Alte nicht ein paar zauberhafte Worte finden und Paavo seinen Kummer vergessen lassen, wie er es sonst immer tat? Warum hatte er diese Geschichte dann überhaupt hören wollen? Nur um ihm am Ende sagen zu können, wie furchtbar seine Eltern doch waren?
    „Pah!“
    Paavo erhob sich. Die Feuerstelle mochte angenehm sein, doch gerade wurde ihm viel zu heiß. Es brodelte. Er brodelte.
    „Willst du schon gehen, Welpe?“
    Zögernd. Zitternd. Versuchte er sich zu sammeln. In seinem Kopf. War er zerstückelt, lag er weit verstreut, seine Teile, umschleiert vom eigenen Rot.
    Vater … Mutter … wie konntet ihr?
    Zucken, Drücken in seinem Nacken. Ihm war nicht wohl.
    „Müde. Bin ich“, plumpste es ihm nur aus dem Mund.
    Endlich hatte er Worte herausgebracht. Aber in ihm war es dicht und rot vernebelt. So wollte der Welpe niemanden sprechen, niemanden beißen.
    „Ich … es hat mich … also gestern. Es hat mich doch etwas mitgenommen.“
    Gelogen. Schlicht gelogen. Aber warm, mit Herz. Eine ehrliche Lüge.
    „Ja, ich werde mich wohl hinlegen …“
    „Ach, wenn das so ist“, sprach der Alte, nicht ansatzweise irritiert. „Ruh dich nur aus, Welpe. Die Tage werden wohl fürs Erste nicht mehr besser.“
    Auf diese Worte ging Paavo nicht mehr ein. Zügig ließ er die Feuerstelle hinter sich, schritt durch das Portal des Zwingers, hinein in seine Zelle. Die nun ihm allein gehörte. Und ließ sich auf seinem Stroh zusammensinken. Wartend, dass das Erdbeben in seiner Brust endete.

    Am Ende, Bruder. Waren sie uns doch mehr wert als wir ihnen. Wir waren Hunde. Von Wölfen geboren. An Wölfe verkauft.


  • Ein.
    Strömte die Luft in seine Lungen, so feucht und kühl, dass es Wasser hätte sein können.
    Aus.
    Stieß er sie wieder; der Beweis, dass es doch kein Wasser war.
    Bedauernswert, dachte er, wenn einen selbst die Luft betrügt. Schließlich wünschte er, es wäre anders.
    Und trotzdem war es ein sanftes Gefühl, wenn die Luft in seine Lunge einfloss und der Strom langsam anschwoll. Bis er wieder zurückströmte, schrumpfte, um dann kurz darauf wieder zu ihm zurückzukehren. Und seine Brust in diesen Wellen zu wiegen. Zu trösten.
    Mittlerweile hatte er sich beruhigt, flossen keine Tränen mehr Gesicht und Hände herunter. So war es, wenn ein Fluss einem anderen das Wasser stahl und es ins Meer führte. Salzwasser gehörte nicht in die Augen.
    Paavo hob seinen Blick wieder und sah zur gegenüberliegenden Zelle. Noch immer schaute der dunkelhäutige Mann, der dort hinter dem Zellengitter lehnte, zu ihm herüber. Schon seit Paavo sich hier hatte fallenlassen. Der Mann hatte ernste Augen – musternd, suchend, misstrauend. Nun wagte Paavo es zum ersten Mal, dieses Starren zu erwidern. Was, zum Teufel, willst du von mir?
    Anscheinend wartete er.
    Da regte sich der Schwarze etwas, wirkte aufgelockert, aber kein bisschen freundlicher. Seine Geduld schien felsmassiv, als wartete er auf den richtigen Moment, den er auf keinen Fall verfehlen würde. Paavo war es unbegreiflich.
    „Gibt es ein Problem?“, fragte er den Schwarzen, mit erhobener und spitzer Stimme. Und ein klein wenig Gift darin.
    „Und ob“, entgegnete der Schwarze ruhig. „Komm her.“
    Die Stirn gerunzelt erhob sich Paavo und schlich vorsichtig zu seiner Zellentür herüber. Mit noch immer auf den Schwarzen gerichtetem Blick, blieb er dann stehen.
    Und stellte fest:
    Sein Gegenüber war fast zwei Köpfe größer als er.
    Näher wollte er ihm nicht kommen.
    „Noch ein Stück.“
    Protest fauchte in ihm auf. Für wen hielt sich dieser Fremde? Was auch immer er für ein Problem mit ihm haben sollte, in Paavo war bereits jetzt jeder Funke erstickt, der ein gutes Gespräch hätte entfachen können.
    Aber es half nichts. Probleme waren da, um entweder bewältigt oder ignoriert zu werden. Und wofür Paavo sich nun entschied, hing vom Anderen ab. So ging er die letzten Schritte, bis er vor dem Schwarzen stehen blieb. Nur noch das Gitter zwischen ihnen.
    „Zufrieden?“, fragte Paavo mit widerwilligem Seufzen.
    „So zufrieden, wie man in diesem Drecksloch werden kann“, schnaubte der Hüne.
    „Was gibt es denn?“
    „Pass auf, Kleiner“, fing der Schwarze an, und Paavos Laune sank noch tiefer. „Ich habe gesehen, wie du vorhin mit Eri gesprochen hast. Keinen Schimmer, was du gesagt hast, aber gefallen hat es ihr jedenfalls nicht.“
    Gar nichts begreifend, schüttelte Paavo den Kopf, die Arme entwaffnet erhoben.
    „Es tut mir sehr leid. Aber ich verstehe nicht, was du von mir möchtest. Ich meine, wann soll das passiert sein? Und wer ist überhaupt Eri?“ Aber Paavo hatte schon eine leise Ahnung.
    „Hinter mir.“
    Die Stimme des Schwarzen war abgrundtief und klang bedrohlich in Paavos Ohren. Man konnte seinen Kehlkopf vibrieren hören; dieser Klang, gepaart mit seinem strengen Blick und einer Ahnung von Ärger, fesselte Paavos Gedanken. Schwerfällig nur wandte er seinen Blick in die Zelle hinein. In einer der Ecken hockte ein junges Mädchen und warf Paavo einen bösen Blick zu.
    Es war die Kleine aus dem Falkengebirge.
    Überraschung sprang in Paavos Gesicht, zerrte seine Augenbrauen in die Höhe und weitete für den Bruchteil eines Lidschlags seine Augen.
    „Ja, doch, ich erinnere mich an sie. Aber wir haben nicht einmal wirklich miteinander gesprochen. Nur zwei, drei Worte gewechselt“, erklärte er nervös blinzelnd. „Das ist alles ein Missverständnis. Ich wollte ni-“
    „Was war und was du wolltest, ist mir egal“, unterbrach der Schwarze ihn. „Ich will, dass du dir das gut einprägst, Kleiner. Wenn du irgendetwas Krummes mit Eri versuchst, wirst. Du. Es. Bereuen.“
    Mit jedem Wort, das er sprach, schien der Schwarze größer und mächtiger zu werden. Sofort nickte Paavo, aus Instinkt. Ein Welpe eben. Winzig.
    „Jaja! Ist ja schon gut. Eri interessiert mich nicht. Wirklich. Und wenn du es unbedingt willst, dann mache ich auch einen Bogen um sie.“

    Kaum zu fassen, dass ich das wirklich sage …
    „Gut, dass wir uns verstehen“, nickte der Schwarze.
    „Ja, ganz toll“, seufzte Paavo. „Darf ich wieder gehen?“
    „Noch nicht.“
    Plötzlich klang die Stimme des Schwarzen wesentlich heller, beinahe schon freundlich. Paavo war nicht sicher, woran er nun war. Was, wenn der Hüne gleich wieder umschwenkte, um ihn zwischen seinen Fingern zu zerdrücken? Doch seine Gedanken wurden jäh durchbrochen, als der Schwarze seine dunkle Hand durch das Gitter schob, direkt vor Paavos Brust.
    „Mein Name ist Fad’athi. Mittlerweile hab ich mich auch an Fadi gewöhnt.“
    Paavo zögerte kurz, konnte, wollte sich einfach nicht bewegen, gab Fad’athi aber schließlich seine Hand. Und drückte sie.
    „Paavo …“, murmelte er, wenig überzeugt.
    „Dann, Paavo, will ich noch einmal klarstellen: Ich halte dich nicht für einen schlechten Kerl. Nicht, nachdem du neulich - das war dein Bruder, richtig? - diesen Jungen in den Haussklavendienst geschubst hast. Der war ja wirklich ein Hemd. Ich hätte ihm höchstens einen Monat gegeben, bis er eingeht.“
    „Ähm … danke? Schätze ich.“
    „Aber was sein muss, muss sein. Eri steht unter meinem Schutz.“
    Unterwürfig nickte Paavo nur. Trotz Fadis netten Worten, wuchs in seinem Magen ein Gefühl, das seinen Beinen den Rückzug befahl.
    „Jetzt noch zu einer anderen, letzten Sache“, klang Fadi wieder ernster. „Man sieht dich oft beim Alten sitzen, Paavo … du magst ihn wohl?“
    „Ja, schon …“, antwortete er vorsichtig, die Worte geduckt. „Ist daran etwas falsch?“
    Den Schwarzen vom Alten sprechen zu hören, weckte Paavos Neugierde. Gleichzeitig aber gab es dem Gefühl in seinem Magen einen weiteren Schub. Wollte er wirklich mit Fadi über den Alten sprechen?
    „Daran ist nichts falsch. Also nicht direkt.“
    Man konnte hören, dass Fadi mit seinen Worten unsicheren Boden betrat. Doch er fuhr unbeirrt fort.
    „Wie lange bist du schon hier im Zwinger?“
    „Wie lange …“, überlegte Paavo im Sprechen. „Das sind vielleicht drei Monate? Ich habe aufgehört, die Tage zu zählen, aber dass mein Bruder und ich hier ankamen, ist noch nicht lange her. Drei Monate sind es wohl, ungefähr.“
    „Naja. Dann ist es kein Wunder. Bis man sich eingelebt hat und die Details erkennt, dauert es doch meistens“, murmelte Fadi seelenruhig, dass es Paavos Nervosität kitzelte.
    Ungeduldig meldete er sich wieder zu Wort.
    „Ich verstehe hier jetzt den Zusammenhang nicht. Was hat das mit dem Alten zu tun?“
    „Na gut, pass auf“, sprach Fadi, die Worte schwer, deutlich und greifbar. „Seit fünf Wintern bin ich nun schon hier, im Zwinger, schufte am Tag und ruhe mich in der Nacht aus, um mich am nächsten Tag wieder dort hinaus bewegen zu können. Das kennst du ja bereits. Alle hier kennen das.
    Doch in diesen fünf Jahren, das schwöre ich dir! Habe ich den Alten nicht ein einziges Mal auf dem Feld arbeiten sehen.“

  • Du hast recht, dass ist jetzt ein gutes Stück besser als vorher. Es gefällt mir. Noch immer is dein Schreibstil gut und fehlerfrei.
    Und inhaltlich mochte ich diesem Teil ohnehin. Man erfährt endlich was über die Hintergründe und auch mehr über die Charaktere und Nebencharaktere. Fadi kann man sich geradezu perfekt vorstellen. ^^

  • 3 Monate sind die beiden Brüder erst hier? Das hab ich gar nicht mehr so in Erinnerung. Es kommt mir jedenfalls vor, als würden die schon viel länger da drin sitzen. Aber dann natürlich klar, dass sie sich noch nicht so auskennen. An Fati erinnere ich mich auch noch gut und das er einen auf großen Bruder für Eri macht ^^ An den letzten Satz, den alten betreffend, erinnere ich mich gar nicht mehr :hmm:


    An den alten Teil erinnere ich mich vom Stil her nicht, ich kann dir nur sagen, dass sich dieser hier sehr gut und sehr solide liest :thumbup:


    By the way, haben wir die alte version mit diesem Post zufällig eingeholt? Ich glaube nicht, dass da noch so viel mehr war, außer noch eins zwei Szenen mit den Haussklaven.



  • Alte Flecken


    Es gab genau zwölf Haussklaven im Gutshaus des Bauernfürstentums. Von ihnen trug jeder einzelne die gleiche schmutzige Uniform, schlief unter demselben Dach, in denselben Wänden, in denen auch der Gutsherr und Bauernfürst lebte. Irkas Jagernand. So viel wusste Maks.
    Er selbst war nun der dreizehnte Sklave. Passenderweise, denn eine ganze Weile fühlte er sich schon verwunschen.
    Minna, Meddin, Hiin, Arend, Kobe und Aatto.
    Diese sechs Namen hatten ihn eingewiesen, ihm sein neues Leben erklärt. In groben Zügen. Und kleinen Schlucken. Sie hatten gewusst, dass er nicht viel vertragen hätte. So dämmertrunken, wie seine Augen gewesen waren.
    Die Sklaven wechselten alle zwei Wochen ihren Dienst, gingen vom Schälen und Kochen zum Putzen von Haus und Tierställen, von dort zum Wäschewaschen und danach in die Küche zurück, dass sich der Kreis schloss. Um dann weiter zu gehen, damit aus dem Kreis eine Spirale wurde. Die sich hoffentlich noch lange weiter winden würde.
    Manche Dinge wurden auch von allen zusammen erledigt.
    Die Bediensteten dagegen hatten ihren festen Platz im Haushalt.
    „Der Grund dafür ist wohl offensichtlich“, hatte Kobe gesagt, ein Mann mit dunklerbrauner Haut und großen Lippen, der Maks bisher freundlich erschien. „Die Haushälterin will nicht, dass die Diener sich mit uns anfreunden. Das würde nur Ärger geben. Aber so ganz geht ihr Plan nicht auf. Dafür macht sie oft Rundgänge, und wenn du nicht aufpasst, zerrt sie dich zur Seite. Und bestraft dich. Darum: Schau sie nicht direkt an und arbeite, als wäre sie gar nicht da. Aber ignoriere sie auch nicht zu sehr, sonst fühlt sie sich in ihrer Autorität untergraben. Ignorieren, aber nur ein bisschen. Verstehst du?“
    Letzten Endes war Maks also wieder der Willkür seines Glücks ausgesetzt, welches – wenn er so zurückdachte – noch nie sehr einfühlsam gewesen war. Viel öfter hatte es gehässig gelacht, wenn es ihn wieder in einen Hinterhalt gelockt hatte.
    Unter den Sechs, die Maks eingewiesen haben, war Kobe nicht der Einzige, mit fremdländischem Hintergrund. Hiins Haut hatte eine merkwürdige Farbe, einen zarten roten Schleier. Bisher hatte Maks Hiin auch nicht sprechen hören. Vielleicht konnte sie es gar nicht, sprach gar eine andere Sprache? Doch lächeln konnte sie – und wie sie lächeln konnte! –, was ihm einen kleinen Fetzen Sicherheit schenkte. Zu klein, um ihn wärmen zu können. Für einen Fuß, vielleicht nur einen Zeh, aber reichte es, und dafür war Maks dankbar.
    Aatto und Arend waren wohl Nordländer, ganz wie er selbst und auch Meddin, der blonde Junge. Sie drei wusste Maks nicht ganz einzuschätzen. Lange Wortwechsel schienen sie vermeiden zu wollen, obwohl Meddin sich in den letzten Stunden oft in seiner Nähe aufhielt und Maks sich nicht mehr bedroht fühlte. Es fiel den dreien wohl schwer, sich auf ihn einzulassen. Und seufzend wusste Maks in seiner Brust und Kehle, dass es ihm andersherum nicht besser ging.
    Sie wollen mich nicht.
    Bei diesem Gedanken hatte er ein kaltes Hauchen in seinem Nacken gespürt, das ihm sofort tief in die Knochen hineingezogen war. Da wusste er: Zwischen ihnen schlich immer wieder die Stille entlang. Der Klang ihrer Schritte war ihm nicht neu. Ebenso wenig wie ihr Atem.
    Zuletzt war da noch Minna, die wahrscheinlich aus einem südlicheren Land des Kaiserreiches stammte. Ihr durch und durch schwarzes Haar war nicht so besonders wie Hiins rote Haut, aber ähnlich wie Hiin schien auch Minna eine freundliche Person zu sein. Dabei war es egal, ob sie zu ihm, dem Neuen, sprach oder zu Meddin oder Hiin; sie klang warm, mit dem Funken Verständnis, der keinen Grund dazu brauchte, um aus ihrer Stimme zu springen.
    Sofort war Maks an den Alten erinnert. Seine Stimme hatte denselben Funken, war rein, klang unverdorben. Und Hiins Lächeln. Vielleicht würde doch noch alles gut werden. Vielleicht war es ja gar nicht so trüb, wie es sich immer anfühlte.
    Das waren die Haussklaven, die Kriecher, die Stiefellecker. Selbst vom Alten waren solche Worte gekommen. Vielleicht wussten sie es nicht, doch auch sie waren alle nur Welpen. Und nichts weniger.
    „… es geht nicht weg.“, sprach Maks, mit einer Stimme voll stockender Schüchternheit, während er mit seiner Bürste verzweifelt auf einem Teeflecken herumschrubbte.
    Sie hockten zu zweit auf dem Flur, waren zum Putzen eingeteilt. Im schwarzgrauen Teppich unter ihren Knien waren helle, braune Flecken eingezogen, die sich an den Fasern festkrallten und nicht wieder flüssig werden wollten.
    „Du musst fester schrubben“, meldete sich Kobe neben ihm, der gerade seine Bürste in den Wassereimer tauchte. „Teeflecken sind schwierig. Und diese sind wahrscheinlich schon ein paar Tage alt … Ach, weißt du. Warten wir, bis Minna mit der Seife zurück ist. Vorher bringt das sowieso nicht viel.“
    „Ähm. Bist du dir sicher, dass wir einfach warten sollten? Was, wenn die Haushälterin vorbeikommt?“
    Der Hausdrache. Seit gestern Abend wollte sich kein größerer Dämon in seine Gedanken fressen. Maks hatte Glück, dass die anderen Welpen ihm Unterschlupf boten; es gelang dem Dämon nicht, ihn zu vereinnahmen, von ihm zu zehren. Von seiner Angst.
    „Das geht schon“, meinte Kobe gelassen, schob den Gedanken beiseite, dieses Mal mit gesenkter Stimme. „Aber wenn du Schritte hörst, dann nichts wie an die Arbeit! Merk dir: Immer einen fleißigen Eindruck machen. Das ist wichtig.“
    Augenzwinkern, kurzes Lachen. Maks lächelte.
    „Gut, verstehe“, murmelte er ein wenig erhellt und legte die Bürste auf dem nassen Fleck ab, den er in den Teppich hineingerieben hatte. „Minna braucht aber ziemlich lange, um diese Seife zu holen. Oder? Ich finde schon … glaube ich.“ Seine Stimme traute sich noch immer nicht völlig aus ihm heraus.
    „Ja, schon.“ Seufzen. „Vielleicht schaut sie wieder bei Meddin vorbei. Der arbeitet gerade in der Küche. Sollte er zumindest.“
    Kobe hielt kurz inne, um sich zu strecken.
    „Weißt du, die beiden waren bis vor Kurzem in derselben Arbeitsgruppe“, erklärte er. „Aber Meddin ist wohl ungeschickt. Ziemlich ungeschickt, meine ich. Du verstehst? Richtig unfähig.“
    Irritiert zog Maks sich ein wenig von Kobe zurück, in sich selbst hinein, fühlte sich von Kobes wegwerfendem Tonfall belästigt. Um den hatte er nicht gebeten.
    Warum so giftig? Wollte er fragen. Und traute sich nicht. Aus Angst, auch gebissen zu werden.
    „Jedenfalls hat Meddin immer wieder Fehler gemacht. Jemand hat einen Teller fallen lassen? War es Meddin. Nach dem Waschen Flecke in der Wäsche? Meddins Schuld. Und bekommt der Gutsherr seinen Tee nicht …“, seufzte Kobe und wies auf den Boden unter ihren Füßen. „Meddin. Niemand anderes. Aber zum Kochen taugt er wohl noch. Bestimmt gerade so.“
    Maks schluckte, und hoffte, leise in der Ferne würden sich die Schritte des Hausdrachen anbahnen.
    „Und statt ihn zu entsorgen, bekommt der glückliche Sack einen dauerhaften Platz in der Küche. Ich will keinen Hehl draus machen. Bei so viel Schwein werde ich glatt neidisch. Aber ich bin auch froh, dass ich es bisher nicht gebraucht hätte. Immerhin ist er noch am Leben.“
    Lachen. Erneut. Doch Maks berührte es nicht mehr.
    „Deswegen steckt er nicht mehr mit Minna in einer Gruppe; dafür schaut sie immer wieder bei ihm vorbei. Ich glaube ja, dass sie ihn beschützen möchte. Klingt logisch, oder? Bisher war sie fast immer dabei, wenn Meddin es versaut hat. Aber jetzt muss er da alleine durch. Naja. Wo die Liebe hinfällt.“
    Etwas schreckte in Maks auf, krampfte und wälzte sich in seinem Magen. Dieses Wort hatte er schon seit drei, vielleicht vier Ewigkeiten nicht mehr gehört; nun trat es in seine Gedanken, drang in Gänge, die schon lange verstaubt waren. Und mit ihm kam ein starker Windhauch, verwirbelte die Staubdecke. Brachte Kälte. Eis.
    Mutter. Vater. Bruder …
    Ein kalter Kuss an seinem Hals.
    „Liebe …“, hauchte die Stille.

  • Doch, daran ernnere ich mich auch noch :D Ichmeine auch, dass da noch ein klein wenig Info über den Bauernfürsten kommt - ich weiß noch, dass es viel zu wenig wahr xD Ich weiß immer noch nicht, wies Meddin so wichtig für den Gutsherrn ist - und ich kann mir dazu auch überhaupt keinen Reim machen. Kann ja nur sein, dass Meddins Herkunft etwas ... gehobener ist, niemand außer der Bauernfürst aber davon weiß ... Aber der Bauernfürst schien einfach viel zu nett zu sein ... Maaaaan, das passt alles nicht, ich will mehr wissen :D


    Um dann weiter zu gehen, damit aus dem Kreis eine Spirale wurde. Die sich hoffentlich noch lange weiter winden würde.

    Bewegen sie sich nicht weiter auf einer Kreisbahn? Für eine Spirale passt der Vergleich für mich nicht, weil sie doch immer wieder auf den gleichen Bahnen laufen, die nie aufhören ... es sei denn, man betrachtet das Ende der Spirale als ihren Tod

    Letzten Endes war Maks also wieder der Willkür seines Glücks ausgesetzt, welches – wenn er so zurückdachte – noch nie sehr einfühlsam gewesen war. Viel öfter hatte es gehässig gelacht, wenn es ihn wieder in einen Hinterhalt gelockt hatte.

    Oh, das kenne ich gut ^^'' Sehr schöner Vergleich, gefällt mir gut, weil er für mich so wahr ist.

  • Doch, daran ernnere ich mich auch noch Ichmeine auch, dass da noch ein klein wenig Info über den Bauernfürsten kommt - ich weiß noch, dass es viel zu wenig wahr xD Ich weiß immer noch nicht, wies Meddin so wichtig für den Gutsherrn ist - und ich kann mir dazu auch überhaupt keinen Reim machen. Kann ja nur sein, dass Meddins Herkunft etwas ... gehobener ist, niemand außer der Bauernfürst aber davon weiß ... Aber der Bauernfürst schien einfach viel zu nett zu sein ... Maaaaan, das passt alles nicht, ich will mehr wissen

    Dann muss ich dich noch bis zum Ende von Kapitel 2 hinhalten. Kapitel 3 habe ich "Der Gutsherr" genannt. Da will ich, dass er und seine Ziele in den Fokus rücken. :)

    Bewegen sie sich nicht weiter auf einer Kreisbahn? Für eine Spirale passt der Vergleich für mich nicht, weil sie doch immer wieder auf den gleichen Bahnen laufen, die nie aufhören ... es sei denn, man betrachtet das Ende der Spirale als ihren Tod

    Guter, physikalischer Einwand! Ähm. Guck ich mir nochmal an. xD Mir schwebte tatsächlich vor, dass diese Kreisbewegung nicht ewig funktionieren kann, aber so richtig fand ich es schon beim Drüberlesen nicht passend. Mir ist aber spontan nichts Besseres eingefallen.

    Oh, das kenne ich gut ^^'' Sehr schöner Vergleich, gefällt mir gut, weil er für mich so wahr ist.

    Auf so einer Ebene will ich Leute auch erwischen, nur eben ohne dass es trivial wirkt. :D

  • Zitat von kalkwiese

    Guter, physikalischer Einwand! Ähm. Guck ich mir nochmal an. xD Mir schwebte tatsächlich vor, dass diese Kreisbewegung nicht ewig funktionieren kann, aber so richtig fand ich es schon beim Drüberlesen nicht passend. Mir ist aber spontan nichts Besseres eingefallen.

    Der Kreis ist halt gut, um einen immer wiederkehrenden Trott zu beschreiben. Das einzige, was ich noch als Vergleich anbieten könnte ist ein Kurs für Rennfahrer (ja, ich spiele zuviel Mario Kart xD) Wiederholt sich in bekannten Spuren, endet aber wenn das Rennen vorbei ist. Vielleicht ist der Vergleich nur etwas modern :hmm:

  • Man merkt im Text, dass du einen Teil hinzugefügt hast. Und das ist ganz gut.
    Denn in deiner alten Variante hattest du wenig Hintergrundwissen zur Welt drinnen. Jetzt weiß man, dass es ein Bauernfürst im einem Kaiserreich ist. Zum Beispiel.


    Jetzt fühlt es sich nicht mehr so an, als würden da alle in einem Vakuum agieren.


    Ansonsten hast du da einiges an Kleinigkeiten geändert. Nicht zum schlechteren, möchte ich hinzufügen. ;)

  • So, auch wieder aufgeholt...
    Schön, wie die Geschichte weiter vor sich hin schwabbert - das ist nicht mal schlecht.Irgendwie hat es trotz der Thematik etwas Beruhigendes. Es formt sich langsam, aber bestimmt. Das gefällt mir. ^^
    Ich bin noch immer recht gespannt, auf was es hinauslaufen wird und was diese Bemerkung von Fadi zu dem Alten bedeutet.
    Wie immer klasse geschrieben. Und während ich noch die Fragen in meinem Kopf sortiere, hoffe ich auf einen baldigen neuen Teil. ^^


    LG, Kyelia



    Wenn es ein Buch gibt, das du wirklich lesen willst, aber das noch nicht geschrieben wurde, dann musst du es selbst schreiben.
    - Toni Morrison -


  • So bin weider dabei... hatte eine etwas längere Zwangspause...


    Erst mal allgemein zu deiner Geschichte, ehrlich gesagt bin ich Beeindruckt von den vielen unterschiedlichen Sichtweisen, vor allem wie man sofort merkt in welchen Kopf man gerade steckt. Jeder denkt, fühlt und handelt anders, und das so kontinuierlich durch zuziehen ist denk ich nicht leicht. Hut ab.


    Was mich erstaunt ist mit wie wenig an "aktiver Handlung" (Weiß nicht ob es dafür einen Fachbegriff gibt, ich hoffe du verstehst was ich meine) die Geschichte auskommt, es passiert scheinbar nichts, und doch passiert zwischen den Zeilen so viel...


    Was ich auch sehr gut finde, sind die Persönlichkeiten der Protagonisten, man könnte von den meisten schon ein psychologisches Profiel erstellen, wie jeder seine "Schattenseiten hat mit denen er kämpfen muss...


    Ich bin schon fast versucht das in die Kategorie "Gehobene Literatur" ein zu sortieren, auch wenn ich dergleichen noch nicht gelesen hab, aber es unterscheidet sich doch deutlich von dem mit gewohnten stiel. Im Positiven.


    Nun zum Detail:

    „… ist er dich jetzt endlich los!“
    Erschossen weiteten sich seine Augen. Bin ich eine Last?

    Meinst du da wirklich Erschossen? oder Erschrocken? Erschossen fände ich ungewöhlich aber witzig :D



    Die Kopfhaut kribbelte, als Chisana sich genüsslich in seinem Haar einnestete.

    Ich glaub das müsste einnistete heißen...



    Aber warum nur?, fragte sich Maks. Was habe ich dir getan?
    Oder sprach da nur die Paranoia aus ihm? Schließlich hatte er ihm tatsächlich nichts getan, warum also sollte er Maks wehtun wollen? Einem Mitsklaven? Der im selben, sinkenden Boot saß? Das ergab keinen Sinn.

    Das ist jetzt eher Ansichtssache, für mich war das ein leichter "Bruch" im verhalten von Maks, plötzlich stellt er sich in schneller abfolge logische Fragen zu einem wichtigen Thema in seine Leben, vor allem sind es schlüssige Fragen und gute Antworten. In diesem bereich seines Lebens hat er auf einmal wieder so etwas wie Kontrolle und den willen zu ergründen was er nicht versteht, als könnte ihm das wissen von nutzen in seiner Situation sein...



    Mfg Ebrithi

    "Beurteile die Bücher nie nach dem, mit was sie im Anfang einleiten, sondern wozu sie am Ende hinleiten."


    Ignatius von Loyola





  • Ein Duft umspielte ihre Nase. Unwillkürlich sog sie die Luft tief, tief ein. Und sofort machte er sich in ihrer Brust breit, wärmte sie und kitzelte. Ein weiterer Atemzug, der Duft wurde greifbar, flüssig, in ihrem schüchternen Mund. Sie wollte sich in diesem Gefühl einkuscheln, könnte sie doch nur der Sehnsucht, ihrem Hunger nachgeben. Diese Soße roch zu herrlich.
    Schließlich lugte sie durch den Türrahmen in die Küche hinein, die Gallseife für die Teeflecken fest umklammert. Da stand Meddin, leicht über die kleinen Kessel an der Feuerstelle gebeugt. Seine Hand umklammerte den behutsam rührenden Holzlöffel.
    Er hat wohl Angst, dass der ihm auch noch zu Bruch geht, dachte Minna kurz, ein bisschen amüsiert, und setzte einen Schritt in die Küche hinein. Sofort umringten sie schwere Wände aus Duft, dieser merkwürdigen, irrlichtartigen Substanz, die nur zu gern die armen Hungernden zu Schandtaten verführte. Minna aber hob nur ihr Kinn. Standhaft. Entschieden.
    Anscheinend war Meddin so vertieft gewesen, dass er sie erst jetzt bemerkte, und wandte sich schließlich zu ihr um. Mit überraschtem Blick, irgendwo zwischen Erstaunen und dem Wort, das ihm aus dem Mund purzelte.
    „Hallo ...“
    „Guten Morgen“, sprach sie, achtete darauf, nicht zu viel zu lächeln. „Ich wollte nur einmal schauen, wie du hier zurechtkommst ... Du weißt schon. Schikaniert man dich hier?“
    „Oh, nein, nein. Man behandelt mich hier bisher gut. Fast wie ... einen Diener“, sprach da eine leise Überraschung aus seinem Atem. „Nur dass ich immer zum Wischen der Küche eingeteilt bin und die anderen nicht. Aber das ist nicht weiter schlimm.“
    „Ah, das freut mich“, log sie halb, lächelte dabei. Er brauchte sie wohl nicht. „Ich will mich hier auch gar nicht zu lange aufhalten. Die anderen warten schon auf mich. Also ... wir sehen uns heute Abend, ja?“
    „Ja, heute Abend. Genau“, gab er zögerlich zurück. „Ich kann nicht sagen, wann der Koch oder die Haushälterin wieder zurück sind, Minna ... Sie sollten dich hier besser nicht sehen. Sonst bekommst du nur Probleme.“
    Seine Hände und die Schritte, die er auf sie zukam, wollten sie wieder aus der Küche herausschieben, doch sie ging schon selbst. „Bis dann.“ Und sie war fort.


    Damit fiel endlich die Anspannung von Meddin ab, ein erleichterter Seufzer. Ruhe. Er wandte sich um.
    Da stand sie plötzlich; der Blick des Hausdrachen stach noch immer wie damals. Und versprach nicht abzustumpfen. Von der Speisekammer aus hatte die Haushälterin alles sehen können; blutlustig bleckte ihr Blick bereits die Fangzähne und weiteten sich ihre Drachennüstern. Langsamen Schrittes kam sie auf ihn zu, genüsslich seine Panik auskostend, und musterte ihn noch einmal von oben bis unten, das aggressive Lächeln immer breiter werdend.
    „Weitermachen.“
    Dann verließ auch die Haushälterin die Küche. Sofort warf Meddin sich wieder an seinen Kessel. Und betete, dass keine von beiden den Brotkanten unter seiner Uniform bemerkt hatte.

  • @kalkwiese der Part ist viel zu kurz ;(


    Zitat von kalkwiese

    Da stand sie plötzlich; der Blick des Hausdrachen stach noch immer wie damals. Und versprach nicht abzustumpfen.

    Ein stechender Blick ist ja schon Gang und Gebe, aber dieses Bild weiterzuführen mit dem abstumpfen finde ich echt schön, das habe ich so noch nicht gelesen :D Sowieso, dieser ganze Absatz:



    Zitat von kalkwiese

    Da stand sie plötzlich; der Blick des Hausdrachen stach noch immer wie damals. Und versprach nicht abzustumpfen. Von der Speisekammer aus hatte die Haushälterin alles sehen können; blutlustig bleckte ihr Blick bereits die Fangzähne und weiteten sich ihre Drachennüstern. Langsamen Schrittes kam sie auf ihn zu, genüsslich seine Panik auskostend, und musterte ihn noch einmal von oben bis unten, das aggressive Lächeln immer breiter werdend.

    Echt super beschrieben, es kommt rüber, als würde das Grauen in Person auf Meddin zurauschen ^^'' Diese pöhse pöhse Haushälterin aber auch.


    Ich weiß überhaupt nicht mehr, was jetzt nch passiert - bekommt Minna jetzt mächtig Ärger? Ich hab´s gerade echt nicht im Kopf. Also lass uns diesmal nicht 2 Wochen warten. Schreib in den Öffis auf einen Block (soll ja gut für den Kopf sein, wenn man von Hand schreibt) oder schlaf ne Stunde weniger oder knabber sonst irgendwo einen brocken Zeit vom Käse des Tages ab :stick: