Der See

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    • 1. April 1982
      St. Klifon

      Jasper,
      Ich schreibe dir in einem Moment höchsten Glücks. Nach all den Monaten ist mein Traum endlich in Erfüllung gegangen. Erinnerst du dich, das ich damals immer davon erzählt habe, nach Bastion, dieses Wunderschöne kleine Städtlein zu ziehen? Nun habe ich es endlich geschafft, dort eine Wohnung zu finden, Ach, ein ganzes Haus, und was für eines! Ich möchte dich beschwören dich nach meinem Einzug in ein paar Tagen zu besuchen, um dir selbst ein Bild zu machen. Ich schwöre, du wirst es nicht glauben können! Nun möchte ich aber der Reihe nach Berichten, wie ich zu diesem Schatz gekommen bin. Wie du weißt, arbeite ich, zumindest jetzt noch, in den St. Klifon Stahlwerken. Vor einigen Tagen ist einer unserer Mitarbeiter bei einem Unfall ums Leben gekommen. Ich kannte ihn nicht weiter, aber ich wusste, dass er vor einigen Jahren ein Haus in Bastion geerbt, es aber nie bezogen hatte. Nein, nicht mal reden hatte er darüber wollen, was ich damals schon höchst sonderbar fand. Trotzdem; ich packte die Situation am Schopfe und erkundigte mich nach dem Haus, und tatsächlich, er hat keinen Erben! Ich bekam das Haus, um das ich ihn so lange beneidete, nun als zu einem Spottpreis, da niemand davon wusste und die Bank es einfach nur loswerden.
      Vorgestern war ich dort, und ich kann dir kaum beschreiben, wie schön es ist. Das Haus liegt direkt neben dem Houstonlake, auf einem kleinen Hügel. Es ist etwas abgelegen, aber du weißt, das ich einer bin der die Einsamkeit sehr genießen kann, gerade nach den Ereignissen der letzten Monate. Ich denke, das es mir gut tun wird.
      Das Haus ist sehr groß; ich habe noch nicht alles davon gesehen, aber der Anwalt sagte mir, der Voreigentümer hätte es in einem sehr guten Zustand überlassen, und bis jetzt ist mir noch nichts gegenteiliges aufgefallen. Ich werde in den nächsten Tagen einziehen, und die so bald wie möglich erneut schreiben.
      Doch sage mir, wie geht es Emilé? Ich habe lange nichts von ihm gehört. Bitte, erkundige dich nach ihm!
      Beste Wünsche,
      Edward Baker

      5. April 1982
      Bastion

      Jasper,
      Die Sonne scheint so wunderbar heute, das ich wieder an dich und mein Versprechen denken musste. Schade, daß du nichts über Emilé heraus gefunden hast, ich hätte dich und ihn gerne eingeladen. Aber gut, es ist nicht zu ändern.

      Der Frühling hier in Bastion ist wundervoll, und die Arbeiter haben mein Haus schon fast komplett eingerichtet, während ich meine Zeit damit verbringe die Bewohner des Ortes kennen zu lernen. Ganz wunderbare Leute, sage ich dir! Die meisten leben etwas abseits des Sees, ich habe keine direkten Nachbarn, aber sie alle freuen sich dass das Anwesen wieder bezogen wird. Soweit ich es mitbekommen habe, glauben sie, dass es kein Glück bringt wenn es unbewohnt bleibt.
      Zur Zeit wohne ich in einem kleinen Hotel am Stadtrand, von wo ich zwar nicht mein Haus, aber die umliegenden Wälder und Felder betrachten kann. Erst vorhin sprach ich mit meiner Vermieterin, Elise, eine voll und ganz herzliche Frau. Sie lässt mich fast umsonst hier wohnen bis die Arbeiter fertig sind, denn auch sie scheint ganz entzückt über meinen Einzug. Ich genieße dieser Freundlichkeit sehr, wie du dir sicher vorstellen kannst.
      Bei all der Vorfreude, die ich empfinde, gibt es nur einen Knackpunkt. Keiner hier scheint etwas über die Vergangenheit des Hauses zu wissen, die mich zu sehr interessiert hätte. Aber gut, so wie es aussieht muss ich mich damit abfinden, das ich auch so einziehen muss, auch wenn damit für mich ein Teil des Reizes verloren geht. Freund, lass mich dir schreiben wenn ich diese Sachen hinter mir habe und mein Haus bezogen ; dann kann ich dir viel mehr erzählen.
      Beste Wünsche,
      Edward Baker

      7. April 1982
      Bastion

      Oh Jasper,
      Wenn du es nur sehen könntest. Ich fühle mich wie in alte Zeiten zurückversetzt wenn ich durch diese Gänge streife. Es ging alles schneller als Gedacht, die Arbeiter sind schon heute morgen gegangen. Ich kann mein Glück nun kaum in Worte fassen, wenn ich aus dem Fenster auf den See sehe, der im Licht der Nachmittagssonne so herrlich schön Glitzert. Ich habe mich entschlossen, morgen hinunter zu gehen, um ihn mir einmal wirklich aus der Nähe an zu sehen. Wahrscheinlich werde ich allein sein; bis jetzt habe ich noch keinen der Dorfbewohner dort unten gesehen. Aber warum auch? Ich habe auch die Berge nicht mehr besucht, an deren Fuß ich so lange lebte. Oder vielleicht liegt es an den Sümpfen, die auf der anderen Seite liegen. Soweit ich weiß werden sie gemieden, wie die ganze andere Seite des Sees. Ich weiß nicht, warum; vielleicht erfahre ich es in den nächsten Tagen. Heute Abend möchte ich nach unten ins Dorf gehen, um meine künftigen Nachbarn besser kennen zu lernen. Vielleicht gelingt es mir auch, ein paar Freunde und Bekannte zu finden, um mir das Leben hier zu verschönern. Aber was rede ich! Nie kam mir die Welt so klar vor wie jetzt, wenn ich aus dem Fenster sehe, und dem Himmel und die Wolken betrachte, die sich im Wasser spiegeln. Das Leben ist wahrscheinlich schön hier!
      Ich möchte dich nicht weiter mit meinem Faseleien nerven, und werde die Tage nutzen, um ein paar Besorgungen und mich im Dorf bekannt zu machen.
      Beste Wünsche,
      Edward Baker

      14. April 1982
      Bastion

      Jasper,
      Egal, was ich dir schreiben werde, glaube nicht, es hätte meiner Begeisterung irgendeinen Abbruch getan. Mitnichten, noch immer bin ich von Freude und Glück erfüllt wie ein Kind. Dennoch sind in der letzten Woche ein paar Sachen geschehen, von denen ich erzählen will, um dich auf dem laufenden zu halten.
      Wie ich schon schrieb, bin ich ins Dorf gegangen, um mich mit allen bekannt zu machen. Es leben nicht viele Menschen hier, und es hat nicht lange gedauert, mich zumindest überall vor zu stellen. Sie sind noch immer sehr herzlich zu mir, aber es hat sich in dieser Hinsicht eine gewisse Ernüchterung eingestellt. Aber, erwarte ich etwa dass ich von allen stets mit offenen Armen begrüßt werde? Mitnichten. Nur etwas aufgeschlossener könnte die Gemeinschaft sein; sie geben kaum etwas über das Dorf und das umliegende Land preis. Ich habe keine Ahnung, ob sie nur vorgeben nichts zu wissen, oder tatsächlich keine Informationen haben. Ich habe überlegt, nach New York zu fahren, ich denke, dass ich dort vielleicht mehr erfahren könnte. Ich weiß, das hätte ich schon tun können aber ich habe lange nicht an das Dorf gedacht, da ich nie auch nur im Traum davon ausging, hier her ziehen zu können. Nun muss das vielleicht nachgeholt werden.
      Das Haus ist wirklich toll, auch jetzt noch. Doch auch hier muss ich sagen, das ich macken entdeckt habe. In der Nacht finde ich oft nasse Flecken in der Küche, die wahrscheinlich von einer undichten Stelle im Dach schließen lassen. Ich werde morgen einen der Arbeiter Anrufen, um das zu überprüfen, und solange habe ich einen Eimer aufgestellt.
      Wenn das alles wäre, so hätte ich mir meinem Brief wohl noch ein paar Tage gewartet, aber ich fand gestern Nacht keinen Schlaf. Ich weiß, dass die Wände sehr hellhörig sind, aber das stehts Knarren der Dielen und Türen im Erdgeschoss ließ mich einfach nicht zur Ruhe kommen. Ich glaube, die Schlösser mancher der Türen sind in einem weniger guten Zustand als anfangs vermutet, denn sooft ich sie auch schloss, sprangen sie doch immer wieder hinaus. Ich habe manche, die besonders oft auf und zu schlugen, mit Stühlen verkeilt, damit ich wenigstens heute nacht wieder Schlaf finde. Jeder weiß, daß ich eine gesunde Nachtruhe brauche, um Arbeiten zu können. Aber gut, genug davon. Ich habe den heutigen Tag unten am Wasser verbracht. Der See ist aus der Nähe sogar noch schöner, und lässt mich an romantische Schlösser und Burgen denken. Vielleicht kaufe ich mir ein Boot, um hinaus zu fahren und ihn zu vermessen. Du weißt, wie gerne ich saß tue.
      Nun gut. Es wird spät, und ich werde mich hinlegen. Die Sonne ist schon hinter den Sümpfen verschwunden.
      Beste Wünsche,
      Edward Baker

      17. April 1982
      Bastion

      Jasper,
      Die Schlaflosen Nächte drücken mir auf die Stimmung; ich bekomme einfach kein Auge mehr zu. Ich bekomme immer mehr das Gefühl, dass sich Tiere unten Verstecken, die die Möbel verrücken und die Türen auf und zu fallen lassen. Heute morgen waren meine Vasen umgestoßen und das Wasser ist bis in den Keller durch gesichert, in welchem ich bis vorhin noch gar nicht war. Er ist viel größer, als ich anfangs angenommen hatte, ein steinernes Gewölbe, das tief in die Erde führt. Er muss alt sein; die Wände sind spröde und sondern eine Menge Wasser ab, das Vom See hineingedrückt wird. Ich muss es alles neu verkleiden lassen, denn ich denke, das schon ewig keiner mehr hier unten war außer den Ratten und anderem Getier. Ich habe ihn nicht weit erforscht, in der Angst, durch dieses schmutzige Wasser zurück zu müssen. Jedoch habe ich, tief unten, etwas blubbern hören ; ich denke, dass das Wasser sich vielleicht in einem Loch oder etwas ähnlichen gesammelt hat. Ich versichere dir, ich werde nicht dort hinunter steigen, um nach zu sehen. Die Tür habe ich jetzt gut verschlossen, nicht das ich bei Meinem Gang nach unten noch mehr aufgescheucht habe, über dass ich nicht in der Nacht stolpern will.
      Aus dem Dorf jedenfalls habe ich keine Hilfe zu erwarten, meiner hat meinem Wunsch entsprochen, bei den Arbeiten, die ich nun wohl oder übel anstellen muss, zu helfen. Ich werde wohl in die nächste Stadt fahren müssen. Sollte ich heute wieder keinen Schlaf finden, werde ich mir noch ein paar Tabletten holen, bis die Sache erledigt ist, damit ich zumindest wieder arbeiten kann. Heute Nacht wird es mir wohl jetzt gelingen, ich höre schon jetzt wieder dieses Ständige Scharren und Knarren im Erdgeschoss.
      Edward Baker

      20. April 1982
      Bastion

      Jasper,
      Ich schreibe dir in einem Moment der Entspannung. Die Tabletten wirken, und ich finde nun wieder, zumindest teilweise, meinen Schlaf. Später am Tag werden die Arbeiter und Kammerjäger kommen, um mir auch ohne chemische Hilfe wieder Ruhe zu verschaffen. Zumindest hoffe ich das. Ich weiß nicht, woran es liegt, aber die Tabletten bescheren mir Albträume. Ich bin bis um 11 im Bett geblieben, in der Hoffnung, mehr ruhigen Schlaf zu finden. Es wollte mir nicht gelingen.
      Der Keller war heute Morgen wieder offen. Ich war mir sicher, daß ich ihm verschlossen hatte, verstellt mit Möbeln, aber sie waren zur Seite gerückt und die Tür stand offen. Ein ekelhafter Geruch stieg daraus empor, wahrscheinlich das abgestandene Wasser. Ich bin noch nicht wieder unten gewesen. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass der Keller mich verschlucken wird, sollte ich es versuchen. Ich weiß nicht, ob ich Schlafwandle, aber es ist nicht unwahrscheinlich und würde viel von dem, was die letzte Zeit passiert ist, erklären. Ich habe Angst, Jasper, wahre Angst. Ich weiß nicht, wovor, und wahrscheinlich ist es nur mein Schlafmangel der es auslöst, aber trotzdem. Sollte es den Arbeitern nicht gelingen, Ruhe in die Sache zu bringen, werde ich das Haus wieder verkaufen müssen. Es tut mir in der Seele weh... Aber lieber Schmerz als sie fang zu verlieren.
      Edward Baker

      Postscriptum:

      Es ist jetzt 9 Uhr. Die Sonne ist am Untergehen, und die Arbeiter sind gegangen. Sie haben nichts gefunden, außer das Wasser im Keller. Ihre Versuche, ihn leer zu pumpen, sind gescheitert. Aber nun ist es wenigstens still. Sehr still. Vielleicht kann ich schlafen, wenn ich nicht wieder geplagt werde von diesen Furchtbaren Albträume.

      24. April 1982
      Bastion

      Jasper,
      Es ist... Ich kann nicht beschreiben, was ich dir sagen will oder muss. Ich bin mir sicher, ich weiß, was los ist, aber ich bringe es nicht zu Papier. Dies ist mein letzter Versuch, aufzuschreiben, was in den letzten Tagen passiert ist, bevor ich zu Bett gehe. Ich denke, ich werde mir morgen eine Herberge suchen, eine bleibe, bis es mir gelungen ist, das Haus zu verkaufen. Ich mache mir wenig Hoffnungen, aber egal was passiert, ich werde nie wieder hier her zurück kommen. Oh, das Grauen! Dieses Unendliche Grauen! Gott ist mit dir, das ich es nicht zu Papier bringen kann!
      Die Arbeiter haben nichts gefunden, und doch war es in der Nacht wieder da. Dieses Geräusch. Diese Geräusche. Ich weiß, dass sie aus dem Keller kommen. Ich bin meiner Seele wegen froh, dass ich sie nur hören musste, das meine Augen noch nichts von dem Erblickt haben, was in der Nacht in meinem Hause umgeht. Doch, ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass der Morgen schlimmer sein könnte als diese Nächte ohne Schlaf, wenn der Fast volle Mond durch die Fenster scheint, und das dort in meinem Haus umher schreitet und kracht. Ich fand wieder spuren am Morgen, überall. Nasse spuren, neben meinen umgefallenen Stühlen und Lampen. Ich stelle sie nicht mehr auf, sie werden ja doch wieder nur um gerissen. Das Brett, mit dem ich den Keller versperrt hatte, ich zerstört. Ich glaube kaum, daß ich ihn daran Hintern kann, sich zu öffnen.
      Jasper, ich denke, ich träume. Ich hoffe es. Sie haben etwas da gelassen. Es ist eine Steinfigur, etwas, das schreit. Wahrscheinlich schreit es, ich kann es in meinen Ohren wallen hören. Verflucht sei dieses Wasser, aus dem sie kommen! Verflucht, sie klebrig es ist, als wäre es uralt und seit ewigen Zeiten abgestanden, so grün wie der See. Ich kann seinen Anblick nicht mehr ertragen, nichts kann ich mehr ertragen. Oh dieses Bild an der Wand! Dieses Bild, das alles vergessen lässt, das es schönes gibt auf dieser Welt! Wenn ich daran denke! Lass mich los! Ich werde gehen! Nichts hält mich länger...
      Edward Baker

      1. Mai 1982
      North Bridge

      Jasper,
      Es ist vorbei. Alles was geschehen ist. Die Ärzte sind sehr nett, und die Medikamente wirken. Ich kann endlich wieder ruhig schlafen, meine Gedanken sind geordnet. Ich habe nur noch wenig Erinnerungen daran, was nach der Nacht am 25. Passiert ist, aber ich sehne mich nicht danach, es zu wissen. Der Doktor meinte, es sei gut, mich an alles davor zu erinnern. Sie haben mir Stift und Papier gegeben, jetzt wo es mir wieder gut geht, wo ich wieder klar denken kann. Aber ich muss und will erzählen, was in dieser Nacht passiert ist, egal, wie viel davon real und wie viel nur in meinem verstörten Geist passiert ist.
      Es war gegen 1, als ich aufgewacht bin. Die Stille im Haus beunruhigte mich aus irgend einem Grund, und ich bin aufgestanden und nach unten gegangen, um nach zu sehen, was los war. Mein Geist war benebelt von den Medikamenten, und ich hatte ein schlechtes Gefühl. Unten war nichts, außer mein Haus. Der Nun volle Mond schien zum Fenster hinein, und der Geruch nach Seewasser lag in der Luft. Da mein Kopf schmerzte, trat ich vor die Tür, um Luft zu schnappen, aber es wurde nicht besser. Es roch abgestanden und Alt. Ich entschloss mich etwas spazieren zu gehen, um das alles aus meinem Kopf zu bekommen. Der See lag vor mir, Grün bestrahlt vom Licht des Mondes, der das Wasser wie magisch anzog. Als ich dort so stand und schaute, bemerkte ich plötzlich einen Stein vor mir im Boden. Er war wohl schon alt, fast vollständig überwachsen von Gras und Moder. Als ich ihn näher betrachtete, viel mir auf, das er wohl geschliffen war. An ihm vorbei lag ein Weiterer Stein in der Erde. Erst jetzt bemerkte ich, daß ich vor einer Treppe stand, die den Berg hinunter führte. Wie im Traum betrat ich die Stufen und stieg sie Hinab Richtung See. Alles weitere... Nach einer Ewigkeit des Abstiegs erreichte ich schließlich eine Ebene, die sich vor mir über den See austreckte. Der Geruch nach alter Und Abstand trieb mir fast die Tränen in die Augen. Ich hustete und sah mich um. Schimmernde Gegenstände gingen in der Luft, Wände und Stühle, während ich meinen Weg über die Ebene begann. Langsam begannen die Formen deutlicher zu werden, Häuserwände und Türen erschienen vor mir, wurden materie. Als ich mich wieder umsah, stand ich im Zentrum einer Milchigen Stadt. Aus einem Brunnen vor mir quackerte Schwarzes Wasser. Ich übergab mich, bevor ich meinen Weg fortsetzte. Niemand war da. Ich zitterte. Nachdem ich weiter durch die Stadt gewandert war, traf ich schließlich auf einen Spielplatz. Oh, ich weiß nicht warum, aber als ich die Schaukeln schwingen und Tropfen sah, das Wasser mir bis zu den Knöcheln stand, oh da ergriff ich die Flucht. Ich weiß nicht mehr ; die Dorfbewohner fanden mich am nächsten Morgen am Wegesrand, schlafend und klirrend vor Kälte, und brachten mich ins Krankenhaus. Das zumindest wurde mir erzählt.
      Man hat mir ein Bild des Sees gebracht. Keine Stadt. Nichts. Ich bete, mein Freund, dass es ein Traum war. Ich bete es, um der Menschheit etwas furchtbares zu ersparen. In alten Gewässern leben vielleicht ebenso alte Geschöpfe, und es ist besser für uns, sie nicht zu wecken.
      Beste Wünsche,
      Edward Baker
    • Ich hab`s jetzt auch mal gelesen weil mich das „Horror“ Tag angelockt hat wie Licht eine Motte. Du hast da leider einige Schreibfehler drin. Ich hab rausgesucht was ich gesehen habe, aber ich bin nicht gut in so was. Es gibt also vermutlich noch mehr:

      Spoiler anzeigen

      Erinnerst du dich dass



      wunderschöne kleine Städtlein…



      Das Sprichwort heißt Gelegenheiten am Schopf packen nicht Situationen



      Die Bank es einfach nur loswerden wollte



      Ich denke, dass es mir gut tun wird



      Schade, dass du nichts über Emilé herausgefunden hast,



      Zurzeit wohne ich in einem kleinen Hotel



      Keiner hier scheint etwas über die Vergangenheit des Hauses zu wissen, die mich so (?) sehr interessiert hätte.



      mich damit abfinden, dass ich auch so



      nicht weiter mit meinen Faseleien nerven



      auf dem Laufenden zu halten.





      muss ich sagen, dass ich Macken entdeckt habe.



      Heute Nacht wird es mir wohl jetzt nicht (?) gelingen, ich höre schon jetzt wieder dieses Ständige Scharren und Knarren im Erdgeschoss.



      Ich schreibe dir in einem Moment der Entspannung. à Ich habe Angst, Jasper, wahre Angst. ?



      erschienen vor mir, wurden Materie.



      vor mir quakende (?) Schwarzes Wasser.



      Menschheit etwas Furchtbares zu ersparen



      Abgesehen davon würde ich persönlich Sätze wie „Du weißt, wie gerne ich saß tue.“ Vermeiden. Das ist nicht „falsch“ aber wenn der Empfänger des Briefes das weiß macht es kaum Sin das zu erwähnen. Ich würde ihn eher begeistert und mit ein paar Fachwörtern beschreiben lassen welches Boot er genau kaufen will, um aus zu drücken das er gerne Boot fährt.



      Das andere Problem ist das es leider sehr vorhersehbar ist. Man weiß eigentlich von ersten Absatz an das etwas im Haus lebt und das es nicht gut für den Besitzer ausgehen wird. Ich würde versuchen die Hinweise auf das Paranormale am Anfang noch subtiler und „erklärbarer“ zu machen und es dann so aussehen lassen als wäre nach dem Kammer-Jäger Ruhe. Nur so eine Idee.
      „Wichtig klingende Zitate unter Signaturen sind blöd.“
      -Feron
    • Ah, eine schoene Lovecraft-inspirierte Miniatur.

      Geafellt mir soweit nicht schlecht, aber es koennte intensiver sein. Wenn ich mit Lovecraft vergleiche, dann hat der meistens mehr Geduld und bettet seine Geschichte in einen Kontext ein - in einer Horrorhausgeschichte erfaehrt der Protagonist zum Beispiel, wie viele Leute schon in diesem Haus gestorben sind und reimt sich seinen Teil zusammen. Statt dass die Bewohner der Gegend da auf einmal abweisend reagieren, koennten ja auch Geschichten von diesem Haus kursieren, oder tatsaechliche Begebenheiten. So bleibt unklar warum sie sich freuen dass da jemand einzieht, aber dann abweisend werden.

      Ein bisschen fehlt mir bei Dir die Zeit, die Du Dir nimmst die Spannung aufzubauen und wirken zu lassen - bei mir ist Horror ja viel mit 'was waere wenn ich da...' verknuepft - aber hier ist eigentlich alles schon vorbei bevor ich mich in den Protagonisten finden kann. So die dreifache Laenge, mit Augenmerk auf die Bewohner und ein langsamerer Aufbau koennte ich mir bei der Sache ganz gut vorstellen.

      Und was ich schade finde, ist dass der 'Punch' am Ende verschenkt ist:

      Xerxes schrieb:

      Nachdem ich weiter durch die Stadt gewandert war, traf ich schließlich auf einen Spielplatz. Oh, ich weiß nicht warum, aber als ich die Schaukeln schwingen und Tropfen sah, das Wasser mir bis zu den Knöcheln stand, oh da ergriff ich die Flucht.

      In dem See leben unheimliche Geschoepfe, aber die haben einen Spielplatz mit Schaukeln (zumindest in Edward's Vision). Ich weiss nicht, hier koennte eigentlich was ganz verwirrendes und raetselhaftes sein, was den Leser nicht loslaesst und ihn auch nach der Geschichte noch weiter nachsinnen laesst - aber so erreicht mich das nicht. Ich denke mir 'Haeh, das war es jetzt?' und die Spannung ist weg, sorry.

      Wei gesagt - insgesamt ist es vom Eindruck her echt nicht schlecht (Horror ist ja nicht einfach zu schreiben) - aber beim Ende packt's mich leider nicht. :(
    • Ich antworte hier jetzt mal auf alles, was geschrieben wurde... Zumindest hoffe ich das. Mal abgesehen von den Rechtschreibfehlern, ich werde den Text bei Gelegenheit mal durch Word jagen.

      1. Die Länge:
      Ja, ein Problem. Ich bin einfach nicht in der Lage lange Geschichten zu schreiben, ohne ins Labern zu kommen. Das ist tatsächlich alles, und mit einer einfachen Sache zu erklären: Ich bin nicht gut im Schreiben, aber ich schreibe gerne. Sollte es meine Zeit zulassen, werde ich mich nochmal dran setzen. Vielleicht gelingt mir mehr.

      2. Umschreibung statt Aussage:
      Guter Punkt, fällt mir in das obige Problem rein. Kann ich natürlich probieren, und vielleicht gelingt es mir ja. Auf jeden Fall vielen Dank für den Hinweis!

      3. Fehlende Spannung:
      Fällt natürlich mit der Länge zusammen, und ebenso mit dem ersten Problem. Es fällt mir recht schwer, Spannung zu erzeugen, ohne dass es blöd wird. Es wurde Lovecraft erwähnt. Erst heute las ich wieder eine seiner Geschichten, und ich weiß nicht wie er es schafft, das Spannend zu halten. Ich könnte es mit dem Vorschlag von Geschichten versuchen, die im Dorf umgehen, das gefällt mir noch am besten. Und Logiklücken... Nun... Die existieren.

      4. Das Ende. Und warum es nicht gut ist. :
      Vielleicht ist dieser Punkt sogar der wichtigste von allen, und erklärt, warum es so ist, wie es ist. Die Geschichte basiert auf einem Traum von mir, der zu großen Teilen so abgelaufen ist. Und deswegen habe ich so auch so geschrieben. Und deswegen ist das Ende, wie es ist: Ich habe es geträumt.

      Ich hoffe, ich habe Erklärungen geliefert.

      Xerxes
    • Xerxes schrieb:

      Fällt natürlich mit der Länge zusammen, und ebenso mit dem ersten Problem. Es fällt mir recht schwer, Spannung zu erzeugen, ohne dass es blöd wird. Es wurde Lovecraft erwähnt. Erst heute las ich wieder eine seiner Geschichten, und ich weiß nicht wie er es schafft, das Spannend zu halten.
      Naja, es sind auch nicht alle Geschichten von ihm gut - aber ich denke der Schluessel ist, dass er dem Leser schon frueh Raum gibt sich Gedanken zu machen. In 'Dreams in the Witch-House' steht zum Beispiel Geometrie als Thema im Raum - die Idee dass es 'unmoegliche' Winkel in einer Zimmerecke geben kann und sich da noch was verbergen koennte. Darueber spekuliert der Erzaehler schon frueh, und das Thema wird immer angerissen, so dass der Leser sich daran seine eigenen Bilder spinnen kann. in 'The Shunned House' erfaehrt man wie gesagt die Vorgeschichte des Hauses, wie viele Leute da eigentlich schon drin gestorben sind - und da kann dann selbst ein unschuldiger Fleck auf dem Boden schon sehr sinister wirken wenn man als Leser so vorbereitet worden ist.

      Du hast ja zwei starke Themen - auch die Vorgeschichte des Hauses, oder die Tatsache dass die Versuche den Keller leer zu pumpen gescheitert sind - allein dadurch entsteht so ein Gefuehl von unergruendlicher Tiefe wo sie gar nicht hingehoert - darauf kannst Du aufbauen.

      Xerxes schrieb:

      Die Geschichte basiert auf einem Traum von mir, der zu großen Teilen so abgelaufen ist. Und deswegen habe ich so auch so geschrieben. Und deswegen ist das Ende, wie es ist: Ich habe es geträumt.
      Ja - aber im Abschnitt danach machst Du doch die Verbindung zu alten Geschoepfen die im Wasser leben - zu denen passt der Spielplatz so gar nicht - und diese Geschoepfe hast Du denke ich nicht getraeumt. Dann lass die doch weg und lass den Traum stehen - kann ja raetselhaft bleiben ob es wirklich 'nur' ein Traum war oder was mit den Geschehnissen vorher zu tun hat - und arbeite genau raus wie der auf Dich gewirkt hat - wie der Moment auf dem Spielplatz so unheimlich war. Da geht schon mehr an Atmosphaere :)