HEAVEN (Band II)

  • Okay, nach sage und schreibe fast vier Wochen komme ich dann jetzt mal mit dem nächsten Teil raus :)

    Es kostet mich einiges an Überwindung, ihn euch zu zeigen, weil ich jetzt schon ewig daran herum bastle und ja auch schon den einen oder anderen von euch deshalb verrückt machen durfte.


    Aber ich geb mir jetzt einfach mal einen Ruck, in der Hoffnung, dass ich mithilfe eurer Kommentare noch was rausholen kann. Hier kurz was zu meinem Problem:




    Kapitel 19.2


    Umgeben von einem blendend weißen Licht konnte Freddy vier Gestalten ausfindig machen, die sich im Eingangsbereich formiert hatten. An der Spitze glaubte er, Elias erkennen zu können.
    Seine langen Haare, die in den verschiedensten Goldtönen schimmerten umwehten sein Gesicht, das durch den Schein des flammenden Schwertes in seiner Hand erhellt wurde. Die eng anliegende Montur mit den gut bestückten Waffengurten, schmiegte sich an seinen Körper und ließ die Bilder des lässigen jungen Mannes, welche Freddy in seiner Erinnerung abgespeichert hatte, endgültig verblassen.
    Neben ihm zog Seraphina einen Pfeil aus dem Köcher und spannte den Bogen. Natürlich! Sie hatte den Feuerdämon erledigt und Freddy somit das Leben gerettet. Nun stand sie da wie eine Amazone mit wild flatternder Mähne und in ihren weichen Gesichtszügen spiegelte sich ein kämpferischer Ausdruck.
    Als ihr Blick auf Freddy fiel, weichte ihre versteinerte Miene auf und ihre Augen nahmen einen sanftmütigen Glanz an. Fast glaubte er zu spüren, wie die eisige Kälte aus seinen steifgefrorenen Gliedern wich und er mit neuer Hoffnung erfüllt wurde.
    Nur mit Mühe gelang es ihm, sich von ihrem Anblick abzuwenden, doch die Lichtgestalt, die hinter ihr Stellung bezogen hatte, lenkte seine Aufmerksamkeit auf sich. Es war Micah, der zwei Kurzschwerter durch die Luft schwang. Die magischen Klingen loderten auf und zogen einen Schweif aus funkensprühenden Flammen hinter sich her. Zuckende Lichtreflexe tanzten über die Wände und legten sich über den weitaus kleineren Engel, der direkt an Micahs Seite stand. Erst bei genauerem Hinsehen bemerkte Freddy, dass es Jesaja war, welcher mit einem lanzenähnlichen Speer bewaffnet seinen lauernden Blick durch die Halle wandern ließ.
    Wenn es auch nur den Hauch eines Zweifels an der überirdischen Herkunft der vier gegeben hätte, so wären es mit Sicherheit die prächtigen weißen Schwingen gewesen, die hinter ihren Rücken hervorstachen und den letzten Beweis dafür erbrachten.
    Freddys Mund wurde staubtrocken. Niemals zuvor hatte er sich so klein und unbedeutend gefühlt, wie jetzt gerade. Die glanzvolle Aura, welche die Engel umgab, fuhr durch ihn hindurch und ließ seinen Körper erbeben, als sei er nicht dafür gemacht, jener göttlichen Urkraft gegenüberzutreten.
    Eine angenehm prickelnde Wärme stieg in ihm auf, legte sich wie ein schützender Mantel über ihn und durchströmte ihn mit grenzenloser Zuversicht. Das grausame Geschehen ringsum verblasste. Da waren nur noch sein monotoner Herzschlag, das gedämpfte Rauschen in seinen Ohren und diese unsagbar machtvolle Energie, welche den gesamten Raum einnahm.
    Doch bereits einen Wimpernschlag später holte ihn ein animalisches Jaulen zurück ins Hier und Jetzt. Der Blick über die Schulter ließ ihn erstarren. Etwas mit dem Aussehen eines halbverwesten übergroßen Hundes raste auf ihn zu und setzte zum Sprung an. Geistesgegenwärtig rollte Freddy sich zur Seite weg. Reflexartig griff er hinter seinen Rücken und zog das Schwert hervor, das unter seiner Berührung hell aufleuchtete. Keine Sekunde später riss ihn die tollwütige Bestie auch schon zu Boden. Der Aufprall sorgte dafür, dass ihm schwarz vor Augen wurde. Sein Brustkorb zog sich unter der Schwere des Gewichtes zusammen, presste jegliche Luft aus seinen Lungen. Der abartige Gestank von Fäulnis hüllte ihn ein. Unerträgliche Hitze verband sich mit den hechelnden Atemzügen, die ihm aus dem Maul des fellbesetzten Ungetüms entgegenschlugen.
    Unfähig, sich zu rühren, umklammerte er den Schaft des Schwertes, spürte die warme Flüssigkeit, die durch sein Hemd sickerte und sich auf seiner Haut verteilte. Das wehleidige Heulen an seinem Ohr wurde zu einem schmerzerfüllten Keuchen, bevor es schließlich verstummte und das unheimliche Lodern in den Augen des Höllenhundes erlosch.
    Der Kadaver zerfiel, löste sich in seine Einzelteile auf und begrub Freddy unter einer pulvrigen Ascheschicht, die von ihm herab rieselte, als er sich hustend aufzurichten versuchte. Jemand streckte ihm die Hand entgegen. Micah!
    Dankbar griff er danach und ließ sich hochziehen. Mit zitternden Knien hielt er sich aufrecht, kam ins Straucheln, als der Engel ihn unsanft hinter sich zog, um den Angriff eines in Flammen stehenden Dämons abzuwehren.
    Voller Entsetzen blickte Freddy sich um. Binnen kurzer Zeit hatte sich die Empfangshalle in einen Kriegsschauplatz verwandelt. Überall sah er in widerwärtig verbrannte Fratzen, allesamt mit denselben glühenden Augen und ähnlich teuflischem Ausdruck. Und durch die aufgestoßene Metalltür am gegenüberliegenden Ende der Halle strömten immer mehr dieser albtraumhaften Kreaturen, deren Körper auf grausame Weise entstellt waren.
    Ein lähmendes Taubheitsgefühl legte sich über ihn. Seine Beine drohten unter ihm nachzugeben. Viel zu schnell sog er die abgestandene von Schwefel verpestete Luft ein, während sein Herz wie wild gegen seine Brust schlug. Die Hand vor die Nase gepresst, versuchte er gegen die Übelkeit anzuatmen und das haltlose Zittern niederzuämpfen, das von ihm Besitz nehmen wollte.
    Die grauenvolle Erkenntnis schlug ihm mit niederschmetternder Kraft den Boden unter den Füßen weg: Es gab kein Entkommen! Niemals würden sie sich gegen diese Übermacht an Dämonen behaupten können. Niemals!
    Hilflos suchte Freddy in dem heillosen Durcheinander nach den anderen. Da war Elias!
    Umringt von einer Schar dieser abartigen Biester drehte er sich mit seinem lodernden Schwert um die eigene Achse, um sie auf Abstand zu halten. Sobald sich eines von ihnen aus der Formation löste und ihm zu nah kam, machte es mit der zerstörerischen Kraft der geweihten Klinge Bekanntschaft, weshalb der Boden zu seinen Füßen bereits mit den Überresten verbrannter Körperteile übersät war.
    Ein Stück weiter waren Seraphina und Jesaja in eine Ecke gedrängt worden. Mit dem Rücken zur Wand standen sie einem Rudel Höllenhunde gegenüber, von denen Freddy einen erlegt hatte. Die Erinnerung ließ ihn erschaudern. Dabei hatte er es nur mit einem aufnehmen müssen. Das hier waren Dutzende!
    Mit zurückgelegten Ohren fletschten sie knurrend die Zähne. Während Jesaja versuchte, mit dem ausgestreckten Speer die Horde in Schach zu halten, schoss Seraphina einen Pfeil nach dem anderen in die Menge der blutrünstigen Kreaturen. Jeder Treffer wurde begleitet durch ein gequältes Aufheulen, bevor sich der Leib schließlich auflöste und nur ein Häufchen Asche auf dem Boden zurückblieb. Der freigewordene Platz wurde umgehend durch ein neues widerwärtiges Geschöpf ersetzt, das von hinten nachdrängte. Jeder Versuch, das vorhandene Ungleichgewicht auch nur ansatzweise zu minimieren, schien zwecklos.
    Ein hoher krächzender Schrei riss Freddy aus seiner Starre und ließ ihn aufhorchen. Panisch drehte er sich nach allen Seiten um, suchte nach der Ursache für dieses Geräusch, das ihm durch Mark und Bein ging und dafür sorgte, dass sich die Härchen auf seinem gesamten Körper aufstellten. Plötzlich sah er ihn. Den Flugdämon, der es vorhin schon einmal auf ihn abgesehen hatte. Nur war er jetzt nicht mehr alleine! Zwei weitere Exemplare hatten sich dazugesellt und steuerten geradewegs im Sturzflug auf ihn und Micah zu. Angsterfüllt blickte er zu dem Engel, der in den Kampf mit zwei Dämonen verstrickt war. Von hier war keine Hilfe zu erwarten!
    Reiß dich zusammen verdammt und tu irgendwas!, rief er sich selbst zu Ordnung.
    Einen Moment schloss Freddy die Augen und versuchte, sich darauf zu besinnen, was Micah ihn während der gemeinsamen Trainingseinheit gelehrt hatte. Doch all die Anweisungen und gut gemeinten Ratschläge waren wie ausgelöscht. Eilig sah er an sich herunter, dann zog er zwei der Dolche aus den Ledermanschetten, die er an den Unterarmen trug. Hörbar atmete er aus.
    Du musst dich von deiner Furcht befreien, Freddy! …. Befrei dich von deiner Furcht! … Keine Furcht! … Ich habe KEINE FURCHT! wiederholte er Micahs Worte wie ein Mantra.
    Er zielte und schleuderte die messerscharfen Klingen mit aller Kraft den sich nähernden Flugdämonen entgegen.
    Fasziniert über die Präzision seines Wurfes beobachtete er, wie sich die beiden Geschosse in die schuppigen Körper seiner Angreifer bohrten und sie zum Absturz brachten. Haltlos trudelten sie hinab, zerfielen schließlich noch in der Luft zu winzig kleinen Partikeln, die wie ein Ascheregen auf die kämpfende Menge niedergingen.
    Es blieb keine Zeit, seinen Triumph auszukosten. Der andere Flugdämon hielt nach wie vor auf ihn zu. Nur wenige Flügelschläge, dann würde er seine Krallen in Freddys Haut versenken und seinen speerförmigen Schnabel in ihn hineinrammen. Das Schwert, an dem noch immer das Blut des Höllenhundes klebte, lag zu seinen Füßen. Mit einer schnellen Bewegung griff er danach, verweilte eine Sekunde abwartend in der Hocke, bäumte sich schließlich mit der ausgestreckten Waffe in seiner Hand auf und stieß im richtigen Moment zu. Das Schwert entglitt seiner Hand. Es steckte in der Panzerung des fliegenden Ungetüms fest, das nun krächzend und wild mit den Flügeln schlagend, über seinen Kopf wegflog, ehe es sich auf die gleiche Weise aus dieser Welt verabschiedete, wie es seine Artgenossen bereits zuvor getan hatten.
    Plötzlich vernahm er Elias` glasklare Stimme in seinem Kopf. Haltet euch bereit. Sie kommen!, hörte er ihn deutlich sagen. Über die Schulter warf er Micah einen fragenden Blick zu. Noch immer standen sie Rücken an Rücken, jederzeit bereit, den nächsten Angriff abwehren zu müssen.
    „Was meint er damit sie kommen?“, rief Freddy ihm atemlos zu, während er den klauenbesetzten Pranken eines echsenartigen Wesens auszuweichen versuchte.
    „Das wirst du gleich sehen!“, antworte Micah und Freddy fragte sich ernsthaft, ob da so etwas wie gute Laune in seiner Stimme mitschwang. Es blieb nicht mehr genug Zeit, noch einen einzigen Gedanken daran zu verschwenden, denn im nächsten Augenblick drang ein lauter Tumult von draußen an sein Ohr. Durch die offene Tür und die zersplitterten Fensterscheiben strömten mit einem Mal hunderte von strahlenden Lichtwesen, die sich blitzschnell auf die Meute von Dämonen stürzten. Plötzlich spürte Freddy Micahs Arm um seine Mitte und kurz darauf hoben seine Füße vom Boden ab. Erschrocken stieß er einen Schrei aus, klammerte sich verzweifelt an dem Engel fest.
    Dessen mächtige weiße Schwingen entfalteten sich zu ihrer vollen Größe und so flogen sie über das Kampfgeschehen hinweg.
    Vor der Metalltür, die zum Treppenhaus führte, entließ Micah ihn aus seinem Griff und landete direkt neben ihm. Die kämpfende Engelschar, schottete sie vom Geschehen ringsherum ab, weshalb sie in einer Nische kurz verschnaufen konnten.
    „Du warst gar nicht mal schlecht!“, sagte Micah anerkennend. „Anfangs dachte ich kurz, das war`s jetzt!“
    „Ja, ich auch“, stammelte Freddy und wischte sich mit dem Ärmel über die schweißnasse Stirn. Erst jetzt bemerkte er, dass Blut an seinen Händen klebte und er von oben bis unten mit einer gallertartigen Masse überzogen war. Den Überresten der getöteten Dämonen.
    „Alles in Ordnung bei dir? Du siehst irgendwie blass aus“, sagte Micah und klang mit einem Mal ernsthaft besorgt.
    Statt einer Antwort, beugte sich Freddy vorneüber und stützte sich auf seinen Knien ab, während er sich auf den Boden erbrach. Die Säure brannte in seiner Kehle und das Würgen wollte kein Ende nehmen, selbst, als sein Mageninhalt längst entleert war. Obwohl Micah ihm beruhigend die Hand auf die Schulter legte, ließ das Grauen nicht von ihm ab.
    Mühsam versuchte er, gegen das hysterische Kreischen in seinem Inneren anzukämpfen und das unkontrollierte Zittern seiner Hände abzustellen. Doch immer wieder schoben sich die schrecklichen Bilder in seinen Geist, egal, wie fest er die Lider auch zusammenpresste.
    „Was ist mit ihm?“, hörte er Elias` vertraute Stimme durch die entsetzliche Geräuschkulisse krepierender Dämonen und deren abscheulicher Todesschreie. Eine sanfte Berührung an seinem Arm ließ ihn zusammenzucken und er sah in die sorgenvoll betrübten Augen des Engels, den er lange Zeit für einen Menschen gehalten hatte. Was war er doch für ein dummer Hornochse gewesen!
    „Freddy, … Freddy … hörst du mich?“ Die Worte klangen, als kämen sie von weit her. „Freddy sag` doch was.“ Jemand schüttelte ihn leicht an der Schulter. Mit einem Ruck fand er den Weg zurück in seinen Körper und löste sich aus der Schockstarre. Benommen blickte er in die Runde. Die anderen Engel standen hinter Elias und musterten ihn mit einer Mischung aus Anerkennung und Mitleid.
    „Ehmm … ja“, krächzte Freddy und räusperte sich gegen die Ladung Reißnägel, die jemand in seinen Hals gekippt zu haben schien. „Das hier … war nur nicht unbedingt das, was ich heute eigentlich machen wollte!“, schnaufte er und deutete auf das Kampfgeschehen.
    Offenbar erleichtert über seine Antwort klopfte ihm Micah von hinten auf die Schulter und beugte sich ein Stück näher an ihn heran.
    „Dafür hast du dich aber ganz gut geschlagen, mein Freund! … Nur an deiner Wurftechnik müssen wir noch feilen. – Das nächste Mal zielst du direkt zwischen die Augen, dann krepieren diese Viecher noch ein bisschen schneller!“ Elias versetzte Micah einen offensichtlich schmerzhaften Hieb gegen den Arm – woraufhin dieser mit einem erschrockenen „Autsch“ reagierte – und brachte ihn schließlich mit einer vehementen Kopfbewegung zum Schweigen.
    „Ich schätze, es ist zu früh, um den Sieg zu feiern!“, sagte er dann mit einem skeptischen Blick über die Schulter. „Wir müssen weiter! Wirst du es schaffen?“ Fragend schaute er zu Freddy herüber, der nicht mehr als ein stummes Nicken zustande brachte. Elias silbern glänzende Augen ruhten auf ihm, offenbar nicht sicher, ob er ihm Glauben schenken konnte. Wenn Freddy ehrlich war, wusste er es selbst nicht.
    „Ich bin okay!“, hörte er sich dennoch antworten und rappelte sich mühsam auf, woraufhin umgehend Bewegung in die Gruppe kam. Micah war es, der die schwere Metalltür öffnete und als erster im Treppenhaus verschwand. Die anderen folgten ihm dicht auf.


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    Kapitel 20: Fremdes Verlangen

  • Alleine die imposante Statur in Verbindung mit seinem Rötgenstrahlen-Blick, der einen durleuchtete bis aufs Mark, ebenso, wie der sonderbare Glanz, der sich vorhin über ihn gelegt hatte, als er diese fremdklingenden Worte gesprochen hatte, ließen keinen Zweifel daran, dass er kein gewöhnlicher Mensch war.

    Und was war mit dem Schweben lassen? xD war da nicht was? Hatte eine längere Pause ^^;

    Und damit: Freut mich wieder hier zu sein :D


    also, kurzer Aufklärungspart. Das Ende war fies. immer wenn angedeutet wird, dass eine Person eigentlich was sagen wollte, dann will ich wissen, WAS SIE SAGEN WOLLTE! ^^;
    Ich bin für dieses Stilmittel sehr anfällig xD



    Susans reaktionen auf Micahs Informationen haben mir von den dreien glaube ich am besten gefallen. Micah haut zwar alles schnell raus und das sehr unverblühmt, aber das macht halt Sinn. Es bleibt halt gerade keine Zeit zu verlieren.

    Wo Micah jetzt allerdings ins Schwitzen kam, so wie du es im Kommentar vor dem Part erwähnt hast konnte ich nciht fest machen. Ich finde dafür, wie er handeln soll, handelt er sehr souverän und gerade aus.

  • Oh Mann, ich bin ganz platt. Ich glaube, das hat sich in deiner Vorversion noch gaaanz anders angehört. Wenn ich das nächste Mal eine Kampfszene schreibe, nehme ich vorher bei dir Nachhilfe.

    Die Engel, da bleiben mir glatt die Worte weg, die hast du so schön beschrieben - auch wenn ich denke, dass Seraphina mit ihren Pfeilen möglicherweise etwas langsam sein könnte, in so einem Getümmel wäre wohl ein Schwert oder eine Nahkampfwaffe besser. Aber insgesamt konnte ich den Kampf super nachvollziehen. Auch die Kreaturen sind diesmal vielfältiger beschrieben (oder ich habe die Vorversion nicht mehr richtig im Kopf).

    Sehr gute Szene.

    Etwas mit dem Aussehen eines halbverwesten übergroßen Hundes

    Einzig diese Formulierung klingt in meinen Ohren etwas komisch, kannst du das nicht etwas umstellen?


    Alle deine Texte sind schon seit längerer Zeit auf so hohem Niveau, dass ich nur staune. Bin schon sehr gespannt, wie es weitergeht!:)<3

  • Ich find die Kampfszene im Wesentlichen gelungen, die Stimmung ist gut eingefangen, die Dynamik ist da, die Beschreibung der Engel zu Beginn ist wunderbar geworden - das gibt alles was her!:thumbsup:


    An ein paar Stellen koennte man noch ein bisschen feilen, aber im Wesentlichen ist alles da was die Szene braucht.



    so wären es mit Sicherheit die prächtigen weißen Schwingen gewesen, die hinter ihren Rücken hervorstachen und den letzten Beweis dafür erbrachten

    Jaja, und jetzt quengel' ich wieder dass die Engel hier ja aus verschiedenen Sphaeren sind wenn ich mich recht erinnere - und nicht jede Sphaere hat aber Schwingen.:D Da waere die Moeglichkeit ein bisschen vom Klischee wegzukommen und ein paar Details ueber Engelsueberlieferungen einzustreuen.

    Die grauenvolle Erkenntnis schlug ihm mit niederschmetternder Kraft den Boden unter den Füßen weg: Es gab kein Entkommen! Niemals würden sie sich gegen diese Übermacht an Dämonen behaupten können. Niemals!


    Das kam mir ein bisschen ploetzlich - grade noch war so drauf gewesen:


    Eine angenehm prickelnde Wärme stieg in ihm auf, legte sich wie ein schützender Mantel über ihn und durchströmte ihn mit grenzenloser Zuversicht.


    Von 'grenzenloser Zuversicht' zu 'es gab kein Entkommen' ist's doch schon eine Strecke - was genau bringt ihn da um die grenzenlose Zuversicht? Woher diese ploetzliche Hoffnungslosigkeit? Ich nehme an die Massen die er sieht - aber ein simpler Halbsatz ist nicht genug um diese doch drastische emotionale Entwicklung zu erklaeren.


    Der freigewordene Platz wurde umgehend durch ein neues widerwärtiges Geschöpf ersetzt, das von hinten nachdrängte. Jeder Versuch, das vorhandene Ungleichgewicht auch nur ansatzweise zu minimieren, schien zwecklos.


    An dieser Stelle hatte ich mich gefragt - die stehen also schon Schlange um sich abschiessen zu lassen und den naechsten freien Platz einzunehmen - aber Freddy steht so lange unbehelligt und schaut zu? Kam mir komisch vor...


    Doch all die Anweisungen und gut gemeinten Ratschläge waren wie ausgelöscht. Eilig sah er an sich herunter, dann zog er zwei der Dolche aus den Ledermanschetten, die er an den Unterarmen trug. Hörbar atmete er aus.
    Du musst dich von deiner Furcht befreien, Freddy! …. Befrei dich von deiner Furcht! … Keine Furcht! … Ich habe KEINE FURCHT! wiederholte er Micahs Worte wie ein Mantra.


    Zu lange.


    Die sind ja drin, ein fliegender Angriff kann da weniger als eine halbe Sekunde dauern, da ist keine Zeit um noch dran zu denken dass man Ratschlaege bekommen hat aber sich grade nicht erinnern kann, dann noch an sich herunterzusehen, dann auszuatmen, dann sein Mantra zu wiederholen - alle Taetigkeiten die Du hier beschreibst dauern, wenn ich das versuche, etwa 10 Sekunden - waehrend derer Freddy als Ziel rumsteht. So viel Zeit ist in einem Kampf nicht.

  • Liebe Rainbow

    Der letzte Abschnitt hat mir gut gefallen. Ein schöner Kampf und Freddy verdient sich erste Auszeichnungen. Das hat mir besonders gut gefallen. Freddy ist ein sehr gelungener Charakter.



  • Danke, Etiam, Kirisha, Thorsten und Sensenbach für eure Rückmeldungen :)






    LG,

    Rainbow

  • Puh! Das klingt schon mal gut. Es ist also nicht völlig aussichtslos.

    Tiefstaplerin :P



    Das Problem hier an der Stelle war ja, dass es schnell gehen musste. Zuerst waren meine Beschreibungen noch weitaus detaillierter...aber dann habe ich einiges wieder rausgenommen, weil es zu der Dynamik nicht gepasst hat, wenn du verstehst, was ich meine.

    Hm, mal sehen ob ich das in Worte fassen kann... Du wolltest ja so einen Slow motion Effekt da haben - und der funktioniert hier gut. Ich als Leser nehme Dir ab dass in dem Moment die Zeit quasi ein bisschen eingefroren ist und Freddy sehr viele Eindruecke auf einmal hat. Das funktioniert weil er nichts tut sondern nur wahrnimmt - Du kannst ja mit einem Blick viel mehr an Eindruecken erfassen als Du in der gleichen Zeit aus einer Beschreibung lesen kannst - und daher wirkt so ein Slow-Motion Text eben wie die Beschreibung eines Moments der sehr reich an Eindruecken ist.


    Das ist der Grund warum ich hier keinen Zeitdruck sehe, wohl aber spaeter wo's nicht mehr darum geht was Freddy wahrnimmt sondern dass er konkret was tut - und dieses Tun geht eben nicht mehr in Slow Motion, da wirkt der Text als handelt er tatsaechlich sehr langsam.


    Ungefaehr klar was mir da im Kopf rumgeht? Ich finde irgendwie keine gute Beschreibung dafuer...

  • Zu der zweifelhaften Vorstellung des Rates, was taktische Kriegsführung betraf, und den ganzen Unwägbarkeiten, die sich aus der Prophezeiung ergaben, kam erschwerend die Sorge um Emilia hinzu, die ihn nicht mehr klar denken ließ.

    So, ich weiß was du klischeekeule meinst :D Aber das finde ich gar nicht so schlimm. interessant wird es eh erst, wenn du diese Prophezeiung auflöst. :P Bin schon gespannt hinter welchem Gegenstand du das Schwert versteckst :hmm:


    Mir gefällt, dass Elias nur einem von den Engeln eingefädelten Plan folgt. Wobei ich mich schon gefragt habe, wie die ihn so gut berechnen konnten, wenn er ihnen doch eigentlich fremd erscheint :hmm:


    Auch interessant fand ich Elias Interpretation vom stechenden Schmerz in seiner Brust. Klar, das kann die Verbindung sein ... Vielleicht fehlt sie ihm aber auch einfach :pardon:
    Und Grund zur Sorge um sie hat er ja auch noch xD

  • Hier kommt ein recht kurzes Dagon-Kapitel :)

    Es hat mir damals total viel Spaß gemacht, das zu schreiben. Allerdings bin ich mir inzwischen etwas unsicher, wie es so wirkt. Ich wollte es eigentlich bewusst kurz halten und auch nicht zu viele Informationen preisgeben.

    Vielleicht könnt ihr mir ja mal ein Feedback da lassen, wie die Szene so rüberkommt oder ob euch was fehlt. Ist es zu kurz abgehandelt? Meine Befürchtung ist außerdem, dass man das Böse ein Stück weit "entzaubert", wenn man zu sehr auf das Innenleben des Antagonisten eingeht. :hmm:


    Na ja, lasst mich gerne mal an euren Gedanken teilhaben.


    Kapitel 20

    Fremdes Verlangen


    Ruhelos! … Das war exakt der richtige Ausdruck für seinen Zustand. Eine innere Unruhe hatte von ihm Besitz ergriffen, kaum dass er sie hierher gebracht hatte und sie in seiner Nähe wusste.
    Angespannt marschierte er vor dem großen Panoramafenster auf und ab, ballte die Hände zu Fäusten und öffnete sie wieder.
    Unvermittelt blieb er stehen, presste die Handballen gegen seine Stirn. Was im Namen Luzifers ging hier vor sich? Warum bei allen bösen Geistern hatte sie eine solche Wirkung auf ihn?
    Schon als er sie in dem Klinikbett hatte liegen sehen, schlafend und auf unschuldige Weise zerbrechlich, war eine seltsame Vertrautheit von ihr ausgegangen. Irgendetwas Unerklärliches musste daraufhin geschehen sein.
    Wie sonst ließ sich dieses Gefühl erklären, das sich wie ein Flächenbrand in ihm ausgebreitet hatte, kaum, dass er in ihren Geist eingedrungen war. Ein Gefühl, von dem er nicht für möglich gehalten hätte, es noch empfinden zu können: Zuneigung!
    NEIN!
    Blanke Wut stieg in ihm auf. Mit gefletschten Zähnen und einem Furcht einflößenden Fauchen schlug er so fest gegen das Mauerwerk, dass ein nicht unbeachtlicher Krater in der Größe seiner Faust in der nackten Wand zurückblieb. Mit einer abrupten Bewegung fuhr er sich durch seine schwarzen Haare und setzte seine Wanderung von zuvor fort.
    Du musst deiner Bestimmung folgen!, kreisten die in der Erinnerung verblassten Worte wie ein Mantra in seinem Kopf. Das alles lag inzwischen so lange zurück, dass er anzweifelte, sie je gehört zu haben. Was war bloß in ihn gefahren, dass er sich ausgerechnet jetzt von seiner Vergangenheit heimsuchen ließ?
    Eine dunkle Vorahnung kroch in ihm hoch und sollte sich sein Verdacht bewahrheiten, dann …
    NEIN! Das kann nicht sein!
    Aber sie trug das Mal! Ob sie sich dessen oder ihrer eigenen Fähigkeiten überhaupt bewusst war? In dem Moment, da Luisa ihm davon berichtet hatte, war es auch schon zu spät gewesen. Der Ausbruch war Emilia bereits geglückt. Die Erinnerung an den Moment, da ihm die Wachen gemeldet hatten, das Zimmer leer vorgefunden zu haben, haftete wie zähflüssiges Pech an ihm. Ein weiteres Gefühl, das für ihn längst in Vergessenheit geraten war: Sorge!
    Nie zuvor hatte er einen ähnlich qualvollen Schmerz gespürt, der ihm durch seine verdammten Eingeweide gefahren war und in ihm eine abgrundtiefe Verzweiflung ausgelöst hatte. Verzweiflung darüber, zu spät zu kommen. Sie nicht mehr retten zu können. Bei seiner schwarzen Seele. – Sie war seine Gefangene! Mehr nicht! Es war an der Zeit, sie als solche zu behandeln.
    Stattdessen hatte er Nachforschungen über sie angestellt. Über sie … ihr Leben … einfach alles! Der Bericht des Seelenfressers war zusätzlich detailiert und bildhaft gewesen.
    Die Informationen hatten ihm keinen Vorteil verschafft und dennoch war er durch ein unerklärliches Verlangen angetrieben worden, mehr über sie erfahren zu wollen.
    Sie ist eine Gefahr! … Sie ist mit IHM verbunden! … Ist sie das wirklich? … Was ist, wenn…? … NEIN! … Das ist unmöglich!!!
    Blinder Zorn nahm von ihm Besitz. Mit einem Satz stürzte er sich auf die lange Tafel die sich gegenüber des prasselnden Kaminfeuers befand und wischte mit einer einzigen kraftvollen Bewegung den Tisch leer. Kerzenständer, Obstschale und Weinkaraffe flogen durch die Luft, schepperten lauthals zu Boden. Dunkle Spritzer tropften von den Wänden, sammelten sich auf den Holzdielen zu einer Pfütze. Beide Hände auf der Tischplatte abgestützt, ließ er den Kopf zwischen die Schultern sinken, während ein schnaufendes Grollen aus den Tiefen seiner Kehle stieg.
    Du musst deiner Bestimmung folgen! Du bist besonders Dagon! Du verrätst nicht nur die Menschen, sondern dein eigenes Reich ebenso! – Verdammt! NEIN!
    Die Kratzspuren seiner Fingernägel hinterließen tiefe Furchen in dem Holz, während sich seine Kiefermuskulatur anspannte.
    Er vernahm die Schritte auf dem Flur bereits, als sie noch in weiter Ferne waren. Das Klopfen an der Tür wurde von ihm durch ein mühsam hervorgepresstes Knurren beantwortet. Der junge Mann, der vorsichtig den Kopf durch die Türe streckte, diente ihm noch nicht sehr lange. Ansonsten hätte er gewusst, dass man gut daran tat, sich von ihm fernzuhalten, wenn er in dieser Stimmung war.
    „Verzeiht Herr!“, säuselte er in unterwürfigem Ton, als er Dagon am Tisch erblickte. Zaghaft kam er näher. „Ich habe Geräusche gehört und wollte mich versichern, dass es Euch gut geht.“
    Geräusche? – Was für ein Narr!
    „Alles bestens!“, schnaufte Dagon und verzog sein leichenblasses Gesicht zu einem dämonischen Grinsen, während er sich mit der anmutigen Eleganz einer Raubkatze um den Tisch bewegte.
    Seine Pupillen weiteten sich, sorgten dafür, dass jedes Detail seiner Umgebung deutlicher hervortrat. Die feinen Härchen, welche sich auf der Haut seines Gegenübers aufstellten, das hektische Auf und Ab des Brustkorbes, der viel zu schnelle Herzschlag …
    Tadam … Tadam … Tadam … Tadam …
    Im gleichen steten Rhythmus vernahm er den pochenden Schmerz, der in seinem Oberkiefer wütete, als die Reißzähne zu ihrer vollen Größe heranwuchsen. Den Moment der Vorfreude auskostend, fuhr er sich mit der Zunge über die Lippe, genoss den Augenblick, in dem sein Opfer zu begreifen begann…
    Du entkommst mir nicht!
    Andächtig fuhr er im Vorbeigehen mit den zu Klauen geformten Krallen über die Stuhllehne, näherte sich Schritt für Schritt seiner Beute, die wie versteinert dastand.
    So war es immer!
    Manchmal wünschte er sich nur den Hauch einer Gegenwehr, um es interessanter für ihn zu machen. Doch jetzt spielte das keine Rolle. – Es musste schnell gehen!
    Mit gefährlicher Präzision setzte er zum Sprung an, riss den vor Angst erstarrten Körper seines Untergebenen mit sich, und begrub ihn unter seinem Gewicht. Mühelos glitten seine Krallen in das weiche Fleisch, schlitzten die feine Haut auf.
    Gurgelnde Laute … ein verzweifeltes Aufbäumen … glasige Augen, aus denen das Leben entwich…
    Das warme Blut floss seine Kehle hinab. Wieder und wieder fuhren seine Fangzähne in den zerfetzten Leib und zerrissen das, was einst ein Mensch gewesen war.
    Du musst deiner Bestimmung folgen! – NEEEEIIIIN! Ihr werdet alle dafür bezahlen! Nur SIE ist MEIN!


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    Kapitel 21: Dinner mit einem Dämon

  • Allerdings bin ich mir inzwischen etwas unsicher, wie es so wirkt.

    Tiefstaplerin :P Das finde ich ziemlich gut geworden, wirkt plausibel. stimmig und atmosphaerisch (sollte ich mir Sorgen machen dass Dir das Spass gemacht hat zu schreiben? ?( )



    Meine Befürchtung ist außerdem, dass man das Böse ein Stück weit "entzaubert", wenn man zu sehr auf das Innenleben des Antagonisten eingeht.

    Ja, aber nur wenn das Innenleben banal ist - Dagon bleibt in dem Abschnitt ja ein Monster, man merkt einen von starken Emotionen getriebenen - der das aber auskostet. Gibt schon was her als Innenbild eines Boesen.

  • Lieben Dank, Thorsten für dein Feedback :)

    Tiefstaplerin :P

    Sag das nicht immer. Sonst komme ich mir so vor, als würde ich verzweifelt nach Komplimenten fischen :sack: ... wie die Leute, die früher in der Schule regelmäßig nach Abgabe der geschriebenen Klassenarbeit in tiefe Depressionen versunken sind, nur um an Ende dann doch wieder ne Eins zu kassieren. :lol: Äääätzend!


    Leider ist es bei mir wirklich oft so, dass ich beim Hochladen meiner Texte am Rad drehe und ich anfange, mich selbst zu hinterfragen. Ist jetzt nicht unbedingt eine meiner tollsten Eigenschaften- aber was soll ich machen? :pardon: Kann ja nicht jeder über ein übersprudelndes Selbstbewusstsein verfügen (Zitat Emilia :D ) ... Manchmal glaube ich, es gibt da ein paar Parallelen zwischen ihr und mir :rofl:


    (sollte ich mir Sorgen machen dass Dir das Spass gemacht hat zu schreiben? ?( )

    Ähhm... keine Ahnung. Verspürst du nicht auch manchmal nach einem echt miserablen Tag das Verlangen, dem Nächstbesten an den Hals zu gehen, ihn auszuweiden und seine Innereien zu verschlingen? :xeno: .... Nein Quatsch. Spaß beiseite! :rofl: Ich mag Dagon einfach und ich finde es faszinierend, aus seiner Sicht zu schreiben. :pardon:


    Ja, aber nur wenn das Innenleben banal ist - Dagon bleibt in dem Abschnitt ja ein Monster, man merkt einen von starken Emotionen getriebenen - der das aber auskostet. Gibt schon was her als Innenbild eines Boesen.

    Ja, das war meine Absicht. Ich wollte nicht, dass man denkt: Och neee....jetzt entwickelt der böse Dämon plötzlich Gefühle für das Mädel und wird zu einem Stubentiger :rofl: Es war mir wichtig, ihn weiterhin als unberechenbar, impulsiv und auf seine eigene Art grausam darzustellen...und trotzdem zwiegespalten mit seinen eigenen Dämonen kämpfend...


    Es freut mich, wenn es mir geglückt ist, das irgendwie zu transportieren. Ist nämlich, glaube ich, ein schmaler Grat, es nicht ins Kitschige abgleiten zu lassen.

  • Ich finde, der Text ist wieder sehr atmosphärisch und wahnsinnig mitreißend. Ich mag es ja ungeheuer, wenn Geschichten emotional sind. Und du hast dir hier ein besonderes Projekt vorgenommen - wir sollen den Bösen kennen lernen und anscheinend hat er einen Plan. Wenn ich mir vorstelle, dass Dagon ja ein gefallener Engel ist, könnte das richtig interessant werden. Ich bin jedenfalls schon sehr neugierig auf diesen Plan.

    Und natürlich jetzt auch neugierig, wie er auf Emilia reagieren wird. (Und sie auf ihn).

    Da Dagon ja doch ziemlich abnorm veranlagt ist, wie wir in diesem Text (und auch schon vorher) gesehen haben, dürfte das ein echt nervenaufreibendes Treffen werden, könnte ich mir vorstellen.

    Du hast wirklich tolle Ideen und die Art, wie du es darstellst - deine Vergleiche und Beschreibungen - finde ich göttlich. Bei Luzifer! :evil:

  • Danke Thorsten für deine Worte :) ... ich werde sie mir zu Herzen nehmen. (Oder es zumindest versuchen :whistling:)


    In dem Sinne mache ich jetzt auch nicht viel Gedöns, sondern zeige euch stattdessen den schon lange ersehnten Teil, in dem Emilia auf Dagon treffen wird :panik: Und es hat mir gaaaaaanz viel Spaß gemacht, das zu schreiben. :D




    Kapitel 21
    Dinner mit einem Dämon



    Emilias Herz schlug ihr bis zum Hals. Die Handflächen nervös aneinander reibend ging sie in dem Zimmer auf und ab.
    Der Blick auf die Uhr verriet ihr, dass nur noch wenige Minuten blieben, bis sie von Luisa abgeholt würde.
    Sie durfte nicht darüber nachdenken. Es nicht an sich heran lassen.
    Du bist stark, Lia. Du schaffst das!, versuchte sie sich Mut zu machen, doch die Tränen, die ihr erneut in die Augen steigen wollten, bewiesen das Gegenteil.
    Darum bemüht gegen das schmerzhafte Brennen hinter ihren geschlossenen Lidern anzukämpfen, presste sie die Lippen aufeinander und atmete gegen den Kloß in ihrem Hals an, der ihr die Kehle zusammenzog.
    Nein! Sie würde Dagon nicht als ein wandelndes Nervenbündel gegenübertreten! Er würde sie nicht am Boden kauernd vorfinden, um einen Aufschub bettelnd oder um Gnade winselnd.
    Oh Gott! Und was, wenn … wenn er …?
    Bilder eines übergroßen Schattens mit rasiermesserscharfen Klauen und raubtierhaften Reißzähnen erhoben sich aus ihrer Fantasie und ließen ihre mühsam aufrechterhaltene Courage mitsamt ihrem aberwitzigen Kampfgeist dahin schmelzen.
    Was nütze es, sich an der Hoffnung festzuklammern, dass der Dämonenfürst sie brauchte? Vielleicht würde er sie nicht töten.
    Aber er könnte ihr auf jede erdenkliche Weise Schmerzen zufügen … sie quälen, bis sie letztlich bereit sein würde, alles zu tun, was er von ihr verlangte. Die Vorstellung, sich von ihm für seine Zwecke missbrauchen zu lassen und ihm dabei zu helfen, an Elias heranzukommen, sorgte dafür, dass sich ihr Magen krampfhaft zusammenzog.
    Kraftlos ließ sie sich in den schweren Sessel fallen und vergrub ihr Gesicht in den Händen, während sie den Atem hörbar ausströmen ließ.
    Das war einfach nicht fair!
    Einen kurzen Moment lang hatte sie tatsächlich geglaubt, dass ihr Leben eine positive Wendung nehmen könnte. Dass sie es verdient hatte, glücklich zu sein.
    Doch für die wenige Zeit, die ihr mit Elias vergönnt gewesen war, musste sie nun bezahlen, ohne eine Vorstellung davon zu haben, wie hoch der Preis sein würde.
    Was sollte sie jetzt tun? Darauf warten, gerettet zu werden? Aber von wem? Von Elias?
    Konnte sie wirklich darauf hoffen, dass er sie hier finden würde? Hatte er überhauptein Interesse daran – oder an ihr?
    Sie war nur eine gewöhnliche Sterbliche! Wenn er der ´Auserwählte` war, von dem Silas gesprochen hatte, wäre es dann nicht seine verdammte Pflicht, sich um alle Menschen in gleicher Weise zu sorgen? Warum zum Teufel sollte er nach ihr suchen?
    Der Gedanke schmerzte.
    Ein lautes Klopfen riss sie aus ihrer Starre und ließ sie hochschrecken.
    Luisa steckte den Kopf durch die Tür und trat ein.
    Es war soweit!
    Emilia straffte sich. Eine seltsame Entschlossenheit breitete sich in ihr aus und ließ sie von jetzt auf gleich ruhiger werden.
    Tief holte sie Luft. Dann erhob sie sich von dem Sessel und ging auf Luisa zu, die ihr wortlos zunickte und einen Schritt beiseite trat, um Emilia den Vortritt zu gewähren.
    Sie folgten einem langgezogenen Flur, der rechts und links von Türen flankiert war, durchquerten einen großen, spärlich eingerichteten Saal und bogen in diverse Gänge ein, die einander zum Verwechseln ähnlich sahen. Anfangs versuchte Emilia noch, sich einzuprägen, in welche Richtung sie gingen, doch schien das gesamte Anwesen so verschachtelt, dass sie sich nach kurzer Zeit eingestehen musste, komplett die Orientierung verloren zu haben.
    Die geschmackvolle Inneneinrichtung, die sich über den gesamten Wohnbereich zu erstrecken schien, nahm Emilia nur am Rande wahr. Sie war vielmehr damit beschäftigt, das Ein-und Ausatmen nicht zu vergessen und ihre schweißnassen zittrigen Hände unter Kontrolle zu bringen. Konnte man an Nervosität sterben?
    Sie passierten einen Erker mit einer kleinen Sitzecke neben der ein üppiges Blumengesteck in einer edlen Standvase arrangiert war und liefen schließlich auf einen bodentiefen Spiegel mit verschnörkeltem Goldrahmen zu. Die Person, die Emilia darin begegnete erschien ihr wie eine Fremde. Viel zu klein, viel zu schmächtig und aktuell nur aus einem Schopf blonder langer Haare bestehend, der ihr wie immer ungezähmt über die Schultern fiel. Die schwarze Jeans mit dem ebenso dunklen T-Shirt ließen sie noch blasser wirken, als sie ohnehin schon war.
    Gott sei Dank hatten ihre Chucks den Ausbruchversuch überstanden. Obwohl es seltsam klang, vermittelten sie ihr ein Gefühl von Sicherheit.
    Unvermittelt blieb Luisa vor einer der großen zweiflügeligen Holztüren stehen, die an jene in Emilias Zimmer erinnerte.
    Herr im Himmel, steh mir bei! – Es geht los!
    Luisa warf ihr einen warmen Blick zu, der wahrscheinlich ermutigend wirken sollte, bevor sie entschlossen anklopfte.
    „Tretet ein!“, erklang kurz darauf eine tiefe Stimme, die erstaunlich menschlich klang.
    Luisa ging voran. In gebeugter Haltung und mit ehrfürchtig gesenktem Kopf betrat sie den Raum. „Herr, ich bringe Euch Emilia!“, drangen ihre Worte durch die halb geöffnete Tür. Dann trat sie einen Schritt zur Seite und zog Emilia am Arm sanft hinter sich her.
    Ich will nicht! Und ich werde mich verdammt nochmal bestimmt nicht verbeugen! Das kann er vergessen!
    Wie die Maus, die kopfüber in die Schlangengrube geworfen wurde, machte Emilia sich auf das Schlimmste gefasst, als sie nervös den Raum absuchte.
    Ein gemauerter Kamin, eine festlich gedeckte Tafel, dicke Teppiche auf dem dunklen Holzboden – war das da getrocknetes Blut? – ein riesengroßes Fenster mit der bereits bekannten kargen Außenansicht … Da! In der Ecke halb versteckt … im Schatten der Vorhänge … Emilias Augen hafteten sich an die große dunkel gekleidete Gestalt mit dem Gesicht eines Racheengels. Bleich und unheimlich – aber wunderschön zugleich! Prompt zog sich ihr Hals zusammen. Atmen!
    Sie schluckte hart gegen die Enge in ihrer Kehle an und versuchte, krampfhaft den Blick von ihm abzuwenden. Es gelang ihr nicht. Langsam trat er einen Schritt vor. Im Licht wirkte seine Erscheinung noch beeindruckender. Die tiefschwarzen Haare schimmerten auf unnatürliche Weise in den verschiedensten Schattierungen und das Weiße in seinen Augen schien durch übergroße dunkle Pupillen komplett ausgefüllt zu sein. Würde er vor ihr stehen – da war sie sich sicher – müsste sie den Kopf in den Nacken legen, um zu ihm aufschauen zu können.
    Eine hervorragende Position, um jemandem direkt ins Gesicht zu spucken!
    „Danke Luisa. Du kannst gehen!“, hörte sie ihn mit samtweicher Stimme sagen. Mit einem Kopfnicken in Luisas Richtung signalisierte er ihr, dass sie nicht mehr gebraucht würde.
    Nach einer tiefen Verbeugung und einem flüchtigen Blick in Emilias Richtung verließ Luisa schließlich stumm den Raum.
    Nein! Bitte geh nicht! Lass mich nicht mit IHM alleine!
    Das Klicken der Zimmertür verriet, dass ihr stilles Flehen nicht erhört worden war. Reglos stand sie da, hörte ihr eigenes Herz klopfen, spürte, wie das Blut in ihren Adern pulsierte. Der Moment verlor sich in der Ewigkeit. Das Knacken des Feuers, das stete Ticken der großen Standuhr, und sein undeutbarer Blick, der auf ihr ruhe, während er sie mit schiefgelegtem Kopf eindringlich beobachtete.
    Warum sagt der denn nichts?
    Das Schweigen wurde unbehaglich. Emilia musste schlucken, während sie versuchte, seiner Musterung standzuhalten.
    „Hallo Emilia …!“, unterbrach er schließlich die ungnädige Stille und hob auf charmante Weise einen Mundwinkel an. „ … oder ist es dir lieber, wenn ich Lia sage?“
    Lia nennen mich nur meine Freunde! – Heuchler!
    „Ich kann mir denken, dass du nicht besonders gut auf mich zu sprechen bist“, fuhr er ungerührt von ihrem Schweigen fort und bewegte sich langsam auf sie zu, während er sie nicht aus den Augen ließ.
    Noch banaler geht`s wohl nicht! – Idiot!
    „Nun, ich kann mir nicht vorstellen, dass du den restlichen Abend mit Schweigen verbringen möchtest … also, warum sagst du mir nicht ganz einfach, was du mir sagen möchtest …“ In einem Anflug bitterer Belustigung hob er eine Braue und ein maliziöses Lächeln huschte für den Bruchteil einer Sekunde über sein Gesicht.
    Wo soll ich anfangen? – Herrschsüchtiger Penner! … Elender Wixer! … Grausames Ekel! … Widerliches Scheusal!… Arroganter Scheißkerl! … soll ich fortfahren?
    Ein haltloses Lachen platzte aus ihm heraus und ließ ihn auf sonderbare Weise sympathisch wirken. Nur noch wenige Schritte trennten sie voneinander und Emilia verspürte den unbändigen Drang in sich aufsteigen, zurückzuweichen.
    Atmen Lia!
    Warum verdammt nochmal gehorchten ihre Beine nicht?
    „Ist es nicht erstaunlich, welch vulgäres Vokabular doch in einer so hübschen jungen Frau schlummert? Sehr beachtlich – Das muss ich schon sagen!“ Mit einer anerkennenden Geste nickte er Emilia zu und das Funkeln seiner Augen verriet, dass er sichtlich amüsiert war. Emilia stöhne innerlich auf. Das war ja so klar gewesen! Natürlich konnte er ihre Gedanken lesen. Und er besaß auch noch die Dreistigkeit, von dieser Fähigkeit Gebrauch zu machen.
    Dieser Bastard!
    Scheinbar belustigt schüttelte er den Kopf. Der Kloß in Emilias Hals schwoll an und ihr gesamter Körper verkrampfte sich, je näher er kam. Endlich setzte sie einen Fuß nach hinten und vergrößerte den Abstand, wenn auch nur geringfügig. Für einen kurzen Augenblick glaubte sie, so etwas wie Erstaunen in seinem Gesicht ablesen zu können, bevor sie von ihm wieder mit der gleichen überheblichen Arroganz bedacht wurde und er sich weiter unaufhaltsam näherte. Plötzlich spürte sie die Wand in ihrem Rücken. Offensichtlich war ihr entgangen, dass sie auf die Weise den halben Raum durchquert hatten.
    Verdammt!
    Nun saß sie in der Falle! Panik stieg in ihr hoch. Eine Woge entsetzlicher Hilflosigkeit schwappte über sie weg und riss sie mit sich. Gefangen in diesem Zustand aus Angst und Wut schob sie trotzig das Kinn vor, während sich ihre Augen mit Tränen füllten. Obwohl ihre Stimme zitterte, brachte sie die Worte laut und deutlich hervor: FASS … MICH … NICHT … AN!“


    Hier geht`s weiter

    Kapitel 21.1

  • Das hat Dir nicht nur Spass gemacht, das ist auch sehr schoen geworden. :thumbsup: Ich weiss gar nicht wo ich anfangen soll - der innere Monolog ist gut eingefangen, die Art wie sie die Geschehnisse dann trocken kommentiert, das menschliche ist eingefangen mit Gedanken die einfach so keinen Sinn machen, aber trotzdem absurderweise kommen, der Zustand zwischen Panik und Kontrolle ist sehr schoen getroffen, man leidet fast mit ihr mit, die Art wie sie erleichtert ist als das Warten vorbei ist ist gut beobachtet - fuer diese ganzen Kleinigkeiten, wie Menschen denken, wie sie unter Stress anders denken, was sich da so tut - da hast Du echt ein Auge fuer.

    Das war einfach nicht fair!

    Herrlich - das ist so ein Beispiel fuer ein temporaeres Rueckfallen in kindliches Denken.

    Eine seltsame Entschlossenheit breitete sich in ihr aus und ließ sie von jetzt auf gleich ruhiger werden.

    Schoenes Beispiel fuer - das Warten hat ein Ende, und Erleichterung allein deswegen stellt sich ein - ohne dass es Emilia hier bewusst ist woher ihre Entschlossenheit kommt.

    Ein gemauerter Kamin, eine festlich gedeckte Tafel, dicke Teppiche auf dem dunklen Holzboden – war das da getrocknetes Blut?

    Sehr passender Verweis auf das letzte Kapitel mit Dagon...

    Noch banaler geht`s wohl nicht! – Idiot!

    Und herrliches Beispiel fuer den inneren Kommentar der da so ablaeuft und vage absurd wirkt.


    Einer Deiner besten Abschnitte!

  • Ich hoffe ja immer noch, dass Emilia und Dagon zusammen kommen. :D

    Bring Rainbow nicht auf dumme Gedanken! Davor habe ich ja auch schon die ganze Zeit Angst.


    Die Maus in der Schlangengrube. Das ist wieder ein sehr gelungener Abschnitt. Und der ist ja noch nicht vorbei. Du hast ihre Gedanken ganz toll eingefangen und wie immer auch sehr schön die ganze Szenerie beschrieben, dass ich es mir super vorstellen kann.

    Perfekt gemacht! :love:

  • Lieben Dank, Thorsten , Sensenbach und Kirisha für euer Feedback :danke:




  • Ich mach mal weiter ... :) Viel verändert hab ich nicht. Bin gespannt, wie ihr es findet.


    Kapitel 21.1



    Inzwischen war er so nah gekommen, dass sie sich in seinen unheimlichen schwarzen Augen spiegeln konnte.
    Beide Arme rechts und links neben ihrem Kopf an die Wand gestützt, bildete er mit seinem Körper den perfekten Käfig.
    Emilia drückte sich weiter gegen die Holzvertäfelung und ballte ihre Hände zu Fäusten. Wie sehr sie es hasste, mit diesem Gefühl der Ausweglosigkeit konfrontiert zu werden. Auf Gedeih und Verderb ausgeliefert zu sein und nicht den Hauch einer Chance zu haben, um sich zur Wehr setzen zu können.
    Spöttisch hob er einen Mundwinkel, beugte sich langsam zu ihr herunter. Genüsslich sog er den Duft ihrer Haare ein, wanderte dann an ihrem Hals entlang, bevor er ihr schließlich wieder in die vor Schreck geweiteten Augen blickte.
    Zu nah!
    „Keine Angst, Emilia. Ich weiß um dein Problem!“, sagte er in ruhigem Ton.
    Bitte was? Wie meinte er das? Was verdammt nochmal wusste er? Unfähig, ihre Fragen laut auszusprechen, starrte sie ihn an.
    „Das Leben ist ungerecht. – Nicht wahr?“, setzte er seinen Monolog fort, ohne von ihr abzulassen. „Wo ist dein Gott jetzt, mh? Glaubst du, er wird kommen, um dich zu retten?“ Einen Moment sah er sie von oben herab abschätzend an. „Sag` es mir! Glaubst du das wirklich?“ Die vorschnellende Bewegung, die er hierbei machte und die plötzliche Schärfe in seiner Stimme ließen Emilia zusammenzucken. Sie schloss die Augen, schüttelte zaghaft mit dem Kopf. Eine Träne rann ihr die Wange herunter.
    Na wunderbar! Was für eine strahlende Widerstandskämpferin sie doch abgab. Verzweifelt biss sie sich auf die Lippe, um das hysterische Kreischen abzuschwächen, das bereits auf halbem Weg in ihrer Kehle steckte. Heraus kam nur ein leises Wimmern. Sie blinzelte gegen die Tränen an und kaum öffnete sie die Lider einen Spalt breit, wurde sie von seinen nachtfarbenen Augen gefangen genommen, die sie auf eine unbeschreibliche Weise fixierten.
    Wie konnte etwas, das so abgrundtief böse war, gleichzeitig so faszinierend schön sein?
    „Ganz recht“, sagte er schließlich und zog sich ein Stück von ihr zurück. „Er wird nicht kommen! Und weißt du auch warum?“
    Mit der Hand fuhr er sich durch die Haare und seine Brauen zogen sich auf Unheil verheißende Weise zusammen. „Weil er grausam ist!“, beantwortete er schließlich seine eigene Frage. Die Bitterkeit in seiner Stimme legte sich wie eine eiskalte Hand um Emilias Herz und drückte unbarmherzig zu.
    „Soll ich dir die Wahrheit verraten?“, fragte er höhnisch und stieß sich nun endgültig von der Wand ab. Augenblicklich glaubte Emilia, wieder durchatmen zu können. Nur ihre Beine schienen sich in Pudding verwandelt zu haben. Mit großer Mühe hielt sie sich aufrecht. Unerwartet wandte er sich von ihr ab und schlenderte auf die gedeckte Tafel zu. Er griff nach der Karaffe mit dem Rotwein, und befüllte zwei der schweren Kristallgläser. Dann lehnte er sich mit verschränkten Armen an die Tischplatte und sah erneut zu ihr herüber. „Ihr Menschen interessiert ihn einen Scheißdreck! Ihr seid nicht mehr als ein Zeitvertreib. – Ein amüsantes Spielzeug!“ Er beugte sich nach den Gläsern und hielt eines davon in ihre Richtung. „Rotwein?“, fragte er nun mit betörender Stimme. Alles an ihm wirkte verlockend und einladend. Neben seiner bedrohlichen Aura verfügte er über eine fesselnde Anziehungskraft, derer man sich nur schwerlich entziehen konnte. War das der Grund dafür, warum die Menschen ihm nicht widerstehen konnten und sich ihm scharenweise anschlossen? Ein Schauer lief Emilia über den Rücken.
    Um nichts in der Welt würde sie sich von ihm manipulieren lassen! Sie wusste, dass das, was sie hier vor sich sah, nicht seinem wahren Wesen entsprach. Es war lediglich eine Tarnung, die es ihm ermöglichte Gleichartigkeit vorzutäuschen und Vertrauen vorzugaukeln.
    Wie betäubt stieß sie sich von der Wand ab, wankte unsicher auf ihn zu. Mit jedem Schritt, den sie sich ihm näherte, glaubte sie, schwerer Luft zu bekommen. Und dennoch löste seine Nähe in ihr etwas aus, das sie nicht zu beschreiben vermochte. Sie griff nach dem Glas, das er ihr nach wie vor hinhielt. Das Zittern ihrer Hand konnte ihm unmöglich entgehen.
    „Cheers!“, sagte er und prostete ihr mit einem umwerfenden schiefen Lächeln zu, das höchstwahrscheinlich jedes Frauenherz hätte höher schlagen lassen. Verdammt, wie machte er das nur?
    „Cheers!“, hörte Emilia sich antworten. Kurz darauf erklang das Klirren von Kristall. Ein warmer vollmundiger Geschmack breitete sich auf ihrer Zunge aus und weckte die Erinnerung an dunkle Beeren und Nelken. Ihr rebellierender Magen beruhigte sich umgehend und auch das unkontrollierte Zittern ihrer Finger schien nachzulassen, kaum, dass die dunkle Flüssigkeit ihre Kehle hinunter geronnen war.
    „Warum tust du das?“, fragte sie ihn schließlich mit erstaunlich fester Stimme, ohne zu wissen, ob das die elementarste Frage war, die man einem rachsüchtigen Dämonenfürsten stellte, der vorhatte, in nächster Zeit die gesamte Menschheit auszulöschen. Scheinbar fasziniert von ihrer unerwarteten Redseligkeit hob er eine Braue und rieb sich nachdenklich über das Kinn.
    „Nun, ich dachte, du würdest Rotwein mögen!“, antwortete er nach einem kurzen Schweigen mit einem Schulterzucken. Ein schelmischer Ausdruck legte sich auf sein makelloses Gesicht, während er mit Unschuldsmiene auf sie herabblickte.
    Schnaufend stieß Emilia die Luft aus und sah kopfschüttelnd zu Boden. Allem Anschein nach hatte sie es mit einem Spaßvogel zu tun. Darauf war sie nicht vorbereitet gewesen.
    „Du weißt, was ich meine!“, sagte sie mit mehr Nachdruck und ärgerte sich insgeheim über ihre Zwergengröße, als sie wieder zu ihm aufsah.
    „Ah, du möchtest gerne wissen, warum ich nicht mehr vor ihm krieche wie eine Schabe im Dreck, mh? Warum ich eine Existenz in der Verdammnis einem willenlosen Dasein an seiner Seite vorziehe? – Ist es das?“ Die Verachtung in seiner Stimme war kaum zu überhören und seine Eckzähne blitzten gefährlich auf, als er die Oberlippe wütend zurückzog. Erschrocken wich Emilia ein Stück zurück. Meine Güte, der Typ war eine tickende Zeitbombe! Nur zu gerne hätte sie ihn auf ähnlich beeindruckende Weise angefaucht, doch fehlten ihr hierfür eindeutig die Mittel. Also begnügte sie sich damit, seinen kalten Blick möglichst ungerührt zu erwidern.
    „Eure Differenzen interessieren mich nicht…“, schoss es unbedacht aus ihr heraus. „Ich will nur wissen, warum die Menschen dafür bezahlen sollen. Sie … sie können schließlich nichts dafür!“
    So ein Mist! Warum musste ihre Stimme gerade jetzt wegbrechen?
    Du wirst jetzt nicht vor ihm heulen, Lia! Reiß dich zusammen!
    Den Kopf leicht zur Seite geneigt, studierte Dagon aufmerksam jede ihrer Regungen. Er sah sie an, als sehe er sie jetzt gerade zum ersten Mal und offensichtlich lösten ihre Worte in ihm etwas aus.
    „Wie recht du doch hast!“, sagte er schließlich in eisigem Tonfall. „Die Menschen trifft in der Tat keine Schuld. – Und trotzdem ist ihr Schicksal besiegelt. Sieh es einfach als … Kollateralschaden.“ Mit einen beiläufigen Schulterzucken prostete er Emilia erneut zu und verzog sein Gesicht zu einem gemeinen Grinsen. Ohne, dass sie es hätte verhindern können, schnellte ihr Arm vor und der komplette Inhalt ihres Weinglases ergoss sich in Dagons Gesicht.
    Jetzt ist es aus!
    Während sie innerlich mit ihrem Leben abschloss und sich auf seinen vernichtenden Angriff einstellte, stand Dagon nach wie vor da, als sei er mitten in der Bewegung erstarrt. Die rote Flüssigkeit rann aus seinen Haaren, tropfte ihm das Kinn hinunter und versickerte in dem Kragen seines schwarzen Hemdes. Mühsam beherrschter Zorn breitete sich auf seinem Gesicht aus, während er sich mit der Zunge über die Lippen fuhr, um die Reste des Rotweins zu beseitigen. Seine Augen funkelten Emilia gefährlich an. Für einen Moment glaubte sie, etwas Gelbes darin auflodern zu sehen. Das tiefe Grollen, das aus seiner Brust zu kommen schien, glich einem gefährlichen Knurren.
    Panikartig machte sie einen Schritt zurück, spürte augenblicklich wie sich seine Hand um ihren Oberarm schloss und ihren kläglichen Fluchtversuch im Ansatz niederschmetterte. Der Schreck fuhr ihr in die Glieder, als sie die knochigen Finger sah, die auf eine unnatürliche Länge angewachsen waren und in rasiermesserscharfen Krallen endeten. Ihr Schrei kam ungewollt und viel zu hoch. Mit einem kräftigen Ruck hatte er sie gepackt und an sich gezogen. Das Weinglas fiel laut klirrend zu Boden, zersprang in tausend kleine Kristallsplitter.

  • Auch dieser Abschnitt gefaellt mir richtig gut - Dagon ist ein Klasse-Charakter geworden. :nummer1: Und die Interaktion der beiden ist wirklich sehr spannend und stimmungsvoll.


    So Kleinigkeiten wie sie reagiert und das nur beobachtet, oder wie sie sich schreien hoert - das ist toll geworden.


    Ich haette einen Vorschlag zu machen wie ein paar Dinge noch ein ganz klein wenig anders akzentuiert werden koennten - Emilia reflektiert ja recht viel in diesem Abschnitt, ihre Gedanken rasen manchmal foermlich - und das passt auch, weil - ich hatte einmal in meinem Leben das Missvergnuegen mit einer Waffe bedroht zu werden, und das Gefuehl davon war eine irreale Distanz zur Situation - die Gefuehle bleiben eher auf der Strecke, statt dessen rasen die Gedanken und nehmen alles moegliche relevante und irrelevante auf, die eigene Stimme hoert sich fremd an,... Ich denke im Prinzip ist das alles bei der Emilia die Du uns schilderst zu finden - man koennte es nur an der einen oder anderen Stelle noch ein bisschen betonen, manchmal liest sich die Ueberlegung Emilias zu entspannt (?)


    Aber wie gesagt, das ist eine Anregung, der Text ist auch toll geworden wie er ist!