Gefangen II Kampf um Licht und Schatten

  • Prolog


    Ich fühle, wie das Licht aus Eilandis schwindet, je mehr sich die Zeit dem Ende neigt ...
    Wie sich der Schatten, in den Herzen der Menschen ausbreitet, zunimmt. Die dunkle Seite zu Tage tritt, die in jedem von ihnen schlummert. Misstrauen, Angst, Wut und Hass wie eine ansteckende Krankheit um sich greift. Es macht mich krank hilflos dabei zu zusehen, doch ich kann nichts dagegen tun.

    So sehr habe ich für das Gute im Menschen gekämpft. Und jetzt verliere ich …

    Mit jedem Tag in dem das Licht aus Eilandis schwindet, werde ich schwächer, verliere an Stärke. Meine Kräfte lassen nach aber das ist nicht das Schlimmste. Im selben Masse wie ich an Macht verliere verändert sich auch die Magie des Zepters.

    Es hat schon angefangen, ich kann es fühlen...


    Ich bin ein Teil seiner Macht, seiner Magie, auf ewig verbunden mit ihm. Und ich spüre wie seine Magie sich zum Dunklen wendet.

    In Händen des Lords, wäre es jetzt eine vernichtende Waffe. Das war auch der Grund warum ich so viele Krieger ausgesandt habe. Viele haben ihr Leben gelassen, bei dem Versuch das Zepter zurück nach Eilandis zu bringen. Ich sehe sie alle vor mir. Mutig und voller Hoffnung, so sind sie aufgebrochen und keiner von ihnen ist zurückgekehrt …

    Wenn auch die Frist mit jedem Tag mehr zerrinnt, wie der Sand in der Stundenuhr des Schicksals, eine Hoffnung bleibt. Sein Name ist Marek.

    In der Sprache meines Volkes bedeutet dieser Name Fels und er passt zu ihm.

    Marek, ist ein Kämpfer, stärker, als jeder andere den ich ausgesandt habe. Und dennoch bleibt ein Zweifel tief verborgen in meinem Herzen. Ich weiß, er besitzt das Leuchten, was ich selten bei einem Menschen gesehen habe. Seine Stärke umgibt ihn wie eine schimmernde Aura. Aufrichtigkeit, Treue und bedingungslose Liebe den Menschen gegenüber, lässt ihn strahlen, macht ihn zu etwas Besonderen. Er wird es schaffen! Ich halte daran fest, und selbst wenn es meinen Untergang bedeutet, ich gebe den Glauben an das Gute im Menschen nicht auf.

    Bis zum letzten meiner Atemzüge werde ich auf seine Rückkehr hoffen. Dass er das schafft, was niemand anderes zuvor konnte. Das Zepter nach Eilandis bringen und uns alle vor der alles verschlingenden Dunkelheit retten!

    Aber kann ein Mensch allein diese Aufgabe bewältigen, ohne daran zu zerbrechen? Wispert mir eine leise Stimme aus dem Schatten zu.

    Mehr aus meiner Feder: Gefangen im High Fantasy Bereich.


    Der Tag an dem alles begann findet ihr im Urban Fantasy Bereich auf fleißige Leser. ^^

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  • Sabrina

    Hat den Titel des Themas von „Gefangen II Kampf um Licht und Schatten“ zu „Gefangen II Kampf um Licht und Schatten“ geändert.
  • Hey Sabrina :)


    Schön, dass es hier weitergeht! Der Prolog hat mir gut gefallen. Herrlich düster und geheimnisvoll... ich freue mich schon auf die Fortsetzung. :gamer:


    Hier nur ein kleines Fehlerchen, über das ich gestolpert bin:

    Das Zepter nach Eilandis bringen und uns alle vor dem alles verschlingenden Dunkelheit retten!

    der


    LG,

    Rainbow

  • Teil I

    Stadtkern von Vern


    Es ist nie zu spät alte Rechnungen zu begleichen ...
    Mein Blick schweift unruhig über die Umgebung. Der Gastraum ist voller Menschen, nicht ungewöhnlich bei dem kalten Wetter. Alle drängen sich dicht an mir vorbei. Kein guter Platz, Barran!

    Ich kann ihre ungewaschenen Kleider riechen, ihre Ausdünstungen, den Schweiß, der ihren Körpern anhaftet. Fällt das den niemanden auf, was für eine Luft hier herrscht? Ich atme nur flach und suche einen Platz, wo ich dem Strom der Menschen ausweichen kann, die von der Türe her in die Gaststube drängen. Aber egal wohin ich auch schaue, alle Tische sind besetzt.

    Seufzend folge ich den Leuten Richtung Tresen. Der Wirt, ein großer Mann mit schütterem Haar ist gerade dabei Humpen aufzufüllen. Ein mächtiger Bauch zeichnet sich unter einem fleckigen Lederschurz ab. Ihm stehen die Schweißperlen auf der Stirn. Gesprächsfetzen der Gäste mischen sich zu einem lauten Stimmen Wirrwarr, dass ich Mühe habe, ihn auf mich aufmerksam zu machen. Einige Male schaut er in meine Richtung, doch dann widmet er sich wieder seiner Arbeit.

    Erst nach einer gefühlten Ewigkeit wischt er seine Hände an seinem Lederschurz trocken und bedenkt mich mit einem finsteren Blick, ehe er sich mir über den Tresen entgegen lehnt.

    „Was wollt ihr, Fremder? Sprecht rasch, denn Zeit ist Geld und das werde ich nicht an Einen wie Euch verschwenden. Ich habe zu tun. Also sagt, was ihr wollt und dann verschwindet von hier!“ Die Feindseligkeit des Wirts macht mich im ersten Moment sprachlos, doch dann, fühl ich Wut in mir aufsteigen. Wut, die schon seit einiger Zeit in mir gärt.

    Was zum Teufel ist in dieser Stadt los?


    Denselben Gedanken hatte ich auch schon in den Gassen der kleinen Stadt, auf dem Weg hierher. Die Häuser sind auf typische Art und Weise aus weißem Sandstein gebaut, und mit roten Lehmziegeln gedeckt. Dicht aneinander gedrängt, säumen sie den Weg zum Marktplatz, Mittelpunkt der Stadt Vern. Auf dem Platz haben Händler ihre Stände aufgebaut. Nicht mehr als behelfsmäßige Bretterverschläge, in denen sie lautstark ihre Ware anboten. Jeder versuchte den Nachbarn zu übertrumpfen an Lautstärke und Angebot.

    Aber das Seltsame an der Szene war, dass keiner der Händler mehr auf die Kunden achtete, die am Stand vorbei kamen. Keiner der Händler verkaufte etwas, sondern war eher damit beschäftigt, sich mit dem Standnachbarn zu streiten.

    Und dieses Bild wiederholte sich überall in der Stadt, auch hier in der Gaststube. Egal wo ich auch Leute an den Tischen beobachte, jeder scheint mehr oder weniger in Streitgespräche vertieft, oder die Leute schweigen sich an. Es ist nicht das, über was die Menschen miteinander reden, sondern eher die Art, wie sie es tun. Voller Mistrauen, Eifersucht, voller Wut und Neid begegnen sie sich untereinander.

    Eine Spannung liegt überall fühlbar in der Luft, ähnlich wie bei einem nahenden Gewitter. Kurz vor dem Ausbruch. Es braucht nur noch einen Funken, dann steht alles in Flammen ...


    Der Wirt räuspert sich, musterte mich mit finsterer Miene.

    „Fürs Erste Meister Wirt, reicht ein großer Humpen, von eurem besten Gebräu und eine Auskunft, wenn ihr die Antwort wisst. Ich suche einen Mann namens Hasim el Said. Wisst ihr wo ich ihn finden kann?“

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  • „Hasim el Said? Nie gehört!“ Die Art, wie er blinzelt, den Blick senkt und sich die Schweißperlen von der Stirn wischt, sagt mir etwas anderes. Er kennt ihn! Sehr gut sogar, das sehe ich an seiner zitternden Hand, die auf dem Tresen liegt und die er gerade zurück ziehen will. Ohne lange nachzudenken greife ich nach seinem Handgelenk und umklammere es.

    Sein Blick wird finster. „Was zum Geier..?“ Ich drücke ihm das Metallstück in die Handinnenfläche.

    „Hasim wird es erkennen, Herr. Bitte, gebt ihm die Münze und sagt ihm, das ein alter Freund seine Hilfe braucht.“

    Mit einem Ruck befreit der Wirt sein Gelenk und weicht vom Tresen zurück. In seinem Gesicht kann ich viele Emotionen ablesen. Er ist hin und her gerissen, dann trifft er eine Entscheidung. Mit angehaltenem Atem und pochendem Herzen beobachte ich, wie er einer Magd etwas zuflüstert. Kurz darauf kann ich sie nirgends wo mehr entdecken. War das vielleicht alles ein Fehler?


    Du bist ein Idiot, Barran! Was, wenn er einer der Spitzel des dunklen Lords ist? Vielleicht hat er dich erkannt, weiß, dass du aus Messanac geflohen bist? Auf dich ist sicher ein Kopfgeld ausgesetzt! Was wird dann aus Marek, Daria und dem Drachen? Sie werden noch nicht einmal wissen, was hier geschieht. Du hättest sie einweihen sollen, bevor du bei Nacht und Nebel nach Vern aufgebrochen bist. Von wegen: „Ich bin innerhalb weniger Stunden zurück!“ Und alles wegen einem weiteren Nichtsnutz, einem Halsabschneider und Dieb! Was hast du dir nur dabei gedacht, Barran? Nichts! Das ist dein großes Problem! Und eure ach so wichtige Mission? Das Zepter nach Eilandis bringen! Du bist ein hirnloser Idiot, deine Mutter hatte schon Recht… Sie war nicht meine Mutter! Halte ich der höhnischen Stimme wütend entgegen.



    Ich bin so verstrickt in meine Gedankengänge, dass ich zusammen zucke, als jemand einen gefüllten Humpen neben mich auf dem Tresen stellt. Der Inhalt schwappt über und hinterlässt eine Lache auf dem Holz. Mein Blick folgt der Hand, die ihn hingestellt hat. Die Linien der Tätowierung auf dem Handrücken heben sich dunkel von der gebräunten Haut ab, ein Spinnennetz! Mein Herz beginnt wild zu hämmern, als ich die Tätowierungen erkenne. Hasim steht direkt vor mir, hinter der Theke! Seine Gesichtszüge liegen durch eine tief gezogene Kapuze im Schatten, doch ich erkenne die Stimme sofort. Dennoch lasse ich mir nichts anmerken. Zu viele Augenpaare sind auf uns gerichtet.

    „Das ist eurer Humpen, Fremder! Das beste Bier der ganzen Gegend. Lasst es euch schmecken, wenn ihr den sprechen wollt nach dem ihr sucht, dann wartet ihr vergeblich hier!“ Mit anderen Worten: „Erwarte mich draußen!“

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  • Die Taverne finde ich in vieler Hinsicht eine starke Szene (Gerueche zum Beispiel, yay!) und die Interaktion zwischen Wirt und Barran ist eindringlich geschildert - ich wuerde mir aber ein bisschen mehr Bilder und Beschreibungen wuenschen. Wie stelle ich mir diesen Schankraum vor - niedrig, hoch? Was fuer eine Stadt soll ich vor Augen haben?


    In Band 1 haben wir eher wenig von Deiner Welt gesehen da die beiden ja gefangen waren und wir im Wesentlichen durch Rueckblenden rausgekommen sind... Jetzt frage ich mich bei einer Stadt halt - Fruehmittelalter? Niedrige Huetten? Hochmittelalter und Steinhaeuser? Fachwerk? Was genau meinst Du mit Flachbauten - sind die Daecher flach wie in mediterranen Gegenden?


    Ich mag mir die Welt gerne im Detail vorstellen, aber dazu brauche ich ein bisschen mehr Beschreibung:)

  • Mein lieber Thorsten :D die Beschreibungen kommen doch noch, besonders von der Stadt. Die Schenke zu beschreiben und ihre Gäste wird auch nicht vergessen. Barran muss ja noch den Humpen leeren, ehe er Hasim nach draußen folgt.


    In Band 1 haben wir eher wenig von Deiner Welt gesehen da die beiden ja gefangen waren und wir im Wesentlichen durch Rueckblenden rausgekommen sind... Jetzt frage ich mich bei einer Stadt halt - Fruehmittelalter? Niedrige Huetten? Hochmittelalter und Steinhaeuser? Fachwerk? Was genau meinst Du mit Flachbauten - sind die Daecher flach wie in mediterranen Gegenden?

    Da hast du natürlich Recht deswegen bin ich schon fleißig dabei eine Karte zu zeichnen die ich hier oder im Lexikon Eintrag einfügen möchte. Beim 1 Band von Gefangen war es nicht nötig, da hätte Barran eher einen Bauplan für Messanac gebraucht.:D

    Habe es jetzt ein bisschen Bearbeitet in Teil1 damit du dir die Häuser ein bisschen besser vorstellen kannst.

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  • Ich nehme einen Schluck aus dem Humpen und zwinge mich zur Ruhe. Die Zeit brennt mir unter den Nägeln, aber ich muss warten um den äußeren Schein zu wahren.

    So unauffällig wie möglich beobachte ich die Leute in meiner Umgebung, ob jemand zu mir schaut oder Anstalten macht, Hasim aus der Gaststube zu folgen. Überall hat der dunkle Lord seine Spitzel, sicherlich auch hier. Und jeder denkt in diesen Zeiten eher an sich, als an das Wohl des anderen …


    Etwas stimmt nicht. Ich kann es fühlen! Mir stellen sich die feinen Härrchen im Nacken auf und kribbeln. Ein sicheres Zeichen von Gefahr! Jemand beobachtet mich! Tabakduft steigt mir in die Nase. Beim Versuch denjenigen zu finden, dessen Blick auf mir ruht, runzle ich die Stirn. Der Gastraum mit seinen dunkeln Holztischen und Bänken, der tiefhängenden Decke, den frei gelegten Holzbalken ringsum, wirkt erdrückend auf mich. Auch die Fenster ändern nichts daran. Die Scheiben sind blind und lassen nur wenig Licht in die Gaststube. Rauchschwaden, Staub und Schmutz tanzen in den einzelnen Lichtstrahlen, die es doch ins Schenkensinnere schaffen.

    Ich folge den aufsteigenden Rauchschwaden zu einem Tisch ganz in der Nähe. Ich habe ihn wirklich übersehen, er ist sehr unscheinbar. Klein, von der Größe eines Kindes. Er sitzt auf einer der Bänke und zieht an seiner Pfeife. Ich sehe, wie die Glut rot aufleuchtet. Die Kapuze seines Überwurfs hat er tief in die Stirn gezogen, lediglich die Kinnpartie mit seinem grau weißen Vollbart und dem Mund ist zu sehen. Der Rest des Gesichts liegt im Schatten. Er blickt in meine Richtung und mir wird die Kehle eng. Das ist kein Kind, sondern ein Zwerg!

    Selten habe ich einen von ihnen gesehen, doch noch nie aus der Nähe. Sofort fallen mir die Geschichten ein, die sich um das kleine Volk ranken. Es gibt nur noch wenige von ihnen, einst waren es viele in Eilandis. Sie lebten in den Städten unter den Menschen wie Ihresgleichen. Begnadete Handwerker, Goldschmiede und Händler… Doch Erfolg ruft immer Neid und Missgunst auf den Plan. So auch zu jener Zeit. Erst schränkte man ihre Rechte in den Städten ein. Sie wurden gemieden und misstrauisch beäugt. Niemand kaufte oder handelte mehr mit ihnen. Schließlich zogen sie sich ins Gebirge zurück.

    Viele behaupten, dass sie Handlanger des dunklen Lords seien. Andere sagen, dass der dunkle Lord, als er das erste Mal seine Festung Messanac betrat, es auf den aufgeschichteten Leichen von hunderten von Zwergen tat. Er ließ sie töten, nachdem sie ihm die Verließe gebaut hatten. Fest stand jedenfalls, dass sie meist unter sich blieben und selten mit den Menschen verkehrten. Ihre verschlossene misstrauische Art allen Menschen gegenüber war legendär, abgesehen davon, dass sie sehr gut mit Messer und Axt umgehen konnten und gerne Pfeife rauchten.


    Ein Zwerg! Was will er von dir, Barran? Beobachtet er dich wegen Hasim oder geht es hier um das Zepter? Was weiß er über dich? Kann das wirklich ein Zufall sein? Finde es raus!


    Das geht nur auf eine Weise, das ist mir klar. Ich trinke den Humpen in einem Zug leer und wende mich dem Ausgang zu.

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  • Das ist eine sehr schoene, stimmungsvolle Szene, auch die Gefuehle sind toll eingefangen. Gefaellt mir gut!:thumbsup:


    Ich sehe, wie die Glut rot aufleuchtet. Die Kapuze seines Überwurfs hat er tief in die Stirn gezogen, lediglich die Kinnpartie mit seinem grau weißen Vollbart und dem Mund ist zu sehen.

    Ein visuelles Zitat aus 'Herr der Ringe'?:) Erinnert mich spontan an Bree...

  • Hallo Thorsten . Du wolltest dir denn Gastraum gut vorstellen. Ich denke jetzt hast du eine Vorstellung vom Innenraum der Gaststube.:D Und jetzt kommt die Umgebung außerhalb..


    Ein visuelles Zitat aus 'Herr der Ringe'? :) Erinnert mich spontan an Bree...

    Ich konnte nicht widerstehen bei dieser Szene als eingefleischter Herr der Ringe Fan. Wahr einfach zu verführerisch ;):dwarf:

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  • Im Türrahmen der Schenke bleibe ich stehen. Ich brauche einen Moment, bis sich meine Augen an die Helligkeit draußen gewöhnt haben. Leise fluchend wende ich mich nach links. Es ist später, als ich gedacht habe. Der Höchststand der Sonne, ist bereits überschritten. Vehement verdränge ich die Sorge um Marek und Daria.

    Du musst einen klaren Kopf bewahren, Barran. Gefühle, kannst du jetzt nicht gebrauchen. Die lenken dich nur ab!

    Dein Verstand und deine Schnelligkeit haben dich schon häufiger gerettet. Also konzentriere dich auf das hier und jetzt!


    Ich biege in eine enge Gasse, die neben dem Gasthaus beginnt. Die verwinkelte Häuserzeile führt sicher in die Außenbezirke. An die Wand gedrückt warte ich ab. Schattenmuster zeichnen sich, auf der weiß getünchten Häuserseite gegenüber ab. Mein Herz hämmert überlaut, während ich lausche. Ob der Zwerg mir folgt? Wenn ja, in welche Richtung wird er sich wenden?


    Schweiß rinnt mir von der Stirn, brennt in den Augen und ich blinzle. Mit der Hand taste ich nach dem Dolch der in meinem Gurt steckt. Er verleiht mir ein Gefühl von Sicherheit und Stärke. Oder liegt es vielleicht an dem Zepter, dass ich mich so fühle? Unter meiner Kleidung kann ich es deutlich fühlen. Es strahlt Wärme ab.

    Ich habe es an mich genommen, bevor ich aus der Höhle aufgebrochen bin. Momentan kann ich niemandem dort trauen. Weder Daria noch dem Drachen …


    Ein lautes Geräusch von der Vorderseite, lässt mich zusammenfahren und ich riskiere einen Blick um die Ecke. Ich erwarte fast den Zwerg zu sehen, der die Schenke verlässt, aber der Platz vor dem Eingang ist leer. Niemand ist dort zu sehen. Allerdings, fällt gerade die Türe geräuschvoll ins Schloss. Jemand hat die Schenke betreten? Ich bin mir nicht sicher, kann es aber auch nicht überprüfen.


    Du bist nervös, Barran. Ruhig Blut! Er wird schon kommen!


    Und wenn nicht?


    Dann weist du wenigstens, dass dein Bauchgefühl falsch war und du kannst dich beruhigt mit Hasim treffen.


    Er hat mir eine Nachricht hinterlassen. Ein Zettel, unter dem Bierkrug, klein gefaltet, dort habe ich ihn gefunden und an mich genommen. Hasim hat den Humpen für mich auf den Tresen gestellt. Ich bezweifle nicht, dass auf dem Zettel ein Hinweis steht, wo er mich erwartet. Das war auch schon früher seine Art ein Treffen zu vereinbaren. Man ändert schwerlich alte Gewohnheiten. Aber bevor ich ihn dort aufsuche, muss ich mir erst sicher sein, dass uns niemand folgt. Auch kein verfluchter Zwerg!


    Stimmen werden lauter, eine Tür schlägt zu und ich höre Schritte die näher kommen. Mein Herz macht einen Satz. Der kurze Blick um die Ecke bestätigt meine Befürchtungen. Ein paar Männer haben die Wirtschaft verlassen und sind in meiner Richtung unterwegs. Bei ihnen kann ich nicht den Zwerg entdecken.


    Leise fluchend überschlagen sich meine Gedanken und ich sehe mich gehetzt in der Gasse um. Ich muss meinen Beobachtungsposten aufgeben, wenn ich weiter ungestört die Türe beobachten will. Hier kann ich jedenfalls nicht bleiben. Andere Verstecke wo ich mich verbergen kann, gibt es in dieser engen Gasse nicht. Also bleibt mir nur noch der Weg nach oben. Ich muss rauf auf das Dach!


    Die Häuserfront ist nicht sehr hoch und uneben gemauert. An einigen Stellen stehen Mauersteine weiter hervor. Das Dach ist mit roten Ziegeln gedeckt und der Überhang ist nicht sehr groß. Schwierig, aber nicht völlig unmöglich! Also los!

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  • Hm, er ist ja ganz schoen in der Klemme wenn der der Meinung ist den anderen so wenig vertrauen zu koennen, dass er das Zepter auf eine gefaehrliche Tour in die Stadt mitnimmt...


    Wie dem auch sei, das ist wieder eine schoen geschriebene Szene - eventuell koennte ich mir vorstellen dass ein paar Gerueche in der Strasse sie noch lebendiger machen koennten, aber das ist jetzt wirklich auf hohem Niveau gemeckert:)

  • Flink wie ein Wiesel klettere ich an den ersten Mauervorsprüngen in die Höhe. Derweil werden die Stimmen, die sich nähern, immer lauter. Mein Blick schweift über die hervorstehenden Steine. Meine Hände greifen danach und ziehen mich hoch, bis auch meine Füße Halt an der Wand finden. Dabei gehen meine Atemzüge von Mal zu Mal schwerer.

    Du bist aus der Übung, Barran! Früher waren solche Wände kein Problem für dich. Höre ich die spöttische Stimme in meinem Kopf.

    Früher? Wann soll das gewesen sein? Etwa als Kind? Wütend über mich selbst presse ich die Lippen zusammen. Die Hälfte der Wand habe ich geschafft. Es ist nicht mehr weit bis zum Dachfirst. Das schaffst du, Barran! Na los!


    Mein Fuß sucht den nächsten Vorsprung, als es passiert. Ein Fenster seitlich von mir öffnet sich nach außen. Ich erstarre in der Bewegung, verharre an der Stelle. Mein Herz wummert wild. In meinem Nacken spüre ich kalten Schweiß. Verdammt, verdammt, verdammt! Barran und was tust du jetzt?


    Es ist nur noch ein kleines Stück, dann kann ich mich über die Kante nach oben ziehen. Allerdings, wenn man mich jetzt entdeckt … Einen Fremden, den keiner hier kennt, beim Erklimmen einer Hauswand … Sie werden die Stadtwache rufen und Barran, du weißt, was dann passiert? Ich kann es mir bildhaft vorstellen. Der dunkle Lord hat nicht umsonst überall seine Spitzel. Ich beiße mir auf die Unterlippe, als die Erinnerungen an Messanac mich überrollen und ich sie eisern zurückdränge. Das ist weder die Zeit, noch der geeignete Ort, um an solche Dinge zu denken.


    Mit dem Körper in der Bewegung erstarrt, drücke ich mich gegen die Hauswand und versuche nicht in Panik zu geraten. In dieser Stellung still zu stehen, kostet mich immense Kraft. Meine Arme beginnen vor Anstrengung zu zittern und mir rinnt der Schweiß in Rinnsalen das Rückgrat hinunter. Durchnässt meine Kleidung, obwohl ich eigentlich bei den Temperaturen frieren sollte. Ich fixiere die Fensterflügel und schicke ein Stoßgebet an alle Götter, die ich kenne, dass mich niemand hier entdeckt. Irgendwer scheint mein Flehen zu erhören, denn die Männer gehen am Eingang der Gasse vorbei ohne mich zu beachten! Du hast mehr Glück als Verstand, Barran! Aber verlass dich nicht darauf. Irgendwann ist jede Glückssträhne zu Ende!


    Ich warte noch ein paar Minuten, ehe ich mir sicher bin, dass niemand in der Nähe ist. Wenige Augenblicke später bin ich auf dem Dach, robbe auf allen vieren zur vorderen Kante und spähe in die Tiefe. Unter mir liegt der Ein- und Ausgang durch den der Zwerg kommen muss. Meine Oberarme schmerzen vor Anstrengung. Das war verdammt knapp! Von wegen flink wie ein Wiesel. Hasim hat mich immer „Wiesel“ genannt. Das ist lange her!

    Auf dem Rücken liegend, krame ich den Zettel aus meinem Gurt und falte ihn auseinander. Ein Zeichen ist darauf gemalt. Eine Rune, die ich sogleich erkenne. Hasim erwartet mich am Signalturm der Stadt. Doch zuvor werde ich beobachten was der Zwerg im Schilde führt.

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  • Ein lautes Geräusch schreckt mich aus den Gedanken. Unter mir öffnet sich die Türe und ein Schwall verbrauchte Luft steigt zu mir hoch aufs Dach, wo ich Bäuchlings liege. Angewidert rümpfe ich die Nase. Das ist mit einer der Gründe, warum ich Städte und Menschenansammlungen nicht mag.

    Konzentriere dich, das spielt jetzt keine Rolle! Sieh nach, ob der Zwerg heraus kommt.


    Angespannt halt ich den Atem an, blicke nach unten. Drei Frauen und ein Mann treten auf die Gasse, ihnen folgt ein Zwerg. Erleichterung durchflutet mich, als ich ihn sehe. Endlich hat diese Warterei ein Ende!


    Der Zwerg, mit seinem kleinen, gedrungenen Körperbau ist gut von den anderen Menschen zu unterscheiden. Die Kapuze seines grauen Umhangs hat er aufgesetzt.

    Wo willst du hin, Zwerg? Was hast du vor?


    Die Augen zu Schlitzen verengt, verfolge ich jede seiner Bewegungen, doch er macht keine Anstalten eine Richtung einzuschlagen. Er folgt weder dem Grüppchen noch schlägt er einen anderen Weg ein. Er steht einfach nur da und sieht sich um. Obwohl ich bezweifle, dass er mich von seiner Position sehen kann, ducke ich mich tiefer hinunter.


    Was zum Teufel soll das? Woher soll er wissen, wo ich mich verstecke? Das darf doch alles nicht wahr sein! Sicher bildest du es dir alles nur ein, Barran. Das sind Hirngespinste! Jetzt mach schon und schau nach ihm. So siehst du nicht wohin er geht!


    Vorsichtig hebe ich den Kopf, nur um festzustellen, dass die Gasse, vor der Schenke leer ist! Nichts, ich kann ihn nicht entdecken.


    Adrenalin bringt mein Herz zum rasen. Das kann nicht sein! Er war eben gerade noch da und jetzt scheint er sich in Luft aufgelöst zu haben? Ich kann ihn nirgendwo entdecken und das jagt meinen Puls in schwindelerregende Höhen. Ein Schauder jagt durch meinen Körper. Geht das alles hier mit rechten Dingen zu oder ist Magie mit im Spiel?


    Und das von dir, Barran? Einer der mit Drachen spricht und magische Zepter bei sich trägt, fragt die höhnische Stimme ungläubig.


    Noch immer versuchen meine Augen zu begreifen was hier vorgeht, doch egal wohin ich schaue, Meister Zwerg bleibt verschwunden! Mit einem leisen Fluch krieche ich rückwärts zur Kante des Dachs.

    Du musst dich selbst überzeugen, es gibt sicher eine logische Erklärung, versuche ich mich zu beruhigen.


    Zwerg hin oder her, noch nie habe ich davon gehört, dass sie sich in Luft auflösen können. Es gibt immer ein erstes Mal! Denke ich noch, zeitgleich trifft mich etwas Hartes am Hinterkopf, verliere den Halt und falle ...

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  • Schwärze, stechender Schmerz … Was ist passiert? Ich versuche mich zu konzentrieren, doch mein Kopf tut höllisch weh. Jemand tritt mir in die Seite und ich unterdrücke mit Mühe ein Aufstöhnen. Wo bin ich? Blinzelnd versuche ich meine Umgebung zu erkennen, doch alles ist verschwommen.


    „Na, wen haben wir denn hier? Bist du vom Dach gefallen? Ein Dieb, oder was zum Donner wolltest du dort oben?“

    Ich versuche den Sprecher deutlicher zu erkennen, der sich über mich beugt, aber es gelingt mir nicht. Für mich ist er nur ein schemenhafter dunkler Umriss, der sich vor mir hin und her bewegt. Oder ist er nicht allein?


    „Schau einer an, er kommt zu sich!“

    Die Stimme ist etwas heller. Sie sind also zu zweit.

    „Ein Vogel ist er jedenfalls nicht! Also ein Dieb? Was hast du gestohlen, du Sohn einer Hure, sag es schon?“, fragt mich die andere Stimme. Mein Mund ist staubtrocken und ich schlucke krampfhaft. Trotz meiner Angst versuche ich mich an das Letzte zu erinnern, was ich noch weiß.


    Etwas hat mich getroffen, hart, schmerzhaft, am Hinterkopf. Ich habe den Halt verloren an der Dachkante. Habe versucht nachzugreifen, aber es war zu spät. Meine Hand fasste nur noch ins Leere. Der Fall und der Aufprall, dann nichts als Schwärze.


    „Ein Dieb, der die Sprache verloren hat! Gebe eine Antwort, du Wurm“, will die dunklere Stimme wissen.

    „Ich bin kein Dieb …“ Meine Stimme ist heißer und nicht mehr als ein Flüstern, kaum zu verstehen. Das Atmen fällt mir schwer und ich huste.

    „Verkauf mich nicht für blöd! Ich weiß, wie wir dich zum Reden bringen! Und wenn wir es nicht schaffen, dann wird es die Stadtwache mit ihren Orks tun. Jeden Moment müssten sie hier eintreffen.“ Sein Tonfall bereitet mir eine Woge der Übelkeit.


    Die Erinnerungen an Messanac, an ihre dunklen Verliese, überrollen mich mit Macht! Und plötzlich bin ich wieder dort. Fühle die eisige Kälte, schwarzes Gestein und unendliche Schmerzen.

    Ein unsanfter Tritt in die Seite bringt mich wieder ins Hier und Jetzt. Zittrig atme ich aus und krümme mich zusammen.
    „Ich sage die Wahrheit, ich bin kein Dieb …“ Mein Blick hat sich geklärt und ich blinzle überrascht.

    Die beiden Männer vor mir sind Zwerge, von kleinem Wuchs, beide mit grauen Umhängen und zurück geschlagener Kapuze. Der eine etwas jünger, mit rotgoldenem Bart und Haar, das in alle Richtungen steht. Unbändig, so wie seine grimmigen Gesichtszüge. Der zweite, etwas älter, hat graues Haar. Sein gelockter Bart ist durchzogen mit weißen Strähnen. Beide haben die buschigen Brauen konzentriert zusammengezogen über den kobaltfarbenen Augen, die mich feindselig anfunkeln.

    „Kein Dieb? Und was hattest du auf dem Dach zu suchen?“ Spucken sie mir gleichzeitig die Frage entgegen.

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  • Danke AFG . So richtig weiß ich noch nicht was die Zwerge für eine Rolle spielen werden. Ich lass mich da einfach überraschen. Zwerge hatte ich in meinen zurückliegenden Geschichten noch nicht. Also wie auch die Gefangenen Geschichte in dieser Rubrik eine Premiere. Mal sehen was Zwerge bei mir für eine Eigenart entwickeln. Auf jeden Fall sind sie ziemlich streitlustig.:D

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