Königin der Schlangen

  • Hey, ihr Lieben!


    Das Forum und ich führen aktuell eine ziemliche On/Off-Beziehung, aber ich schreibe privat immer mal wieder Geschichten. Ich habe das Genre ein wenig gewechselt, von der High Fantasy rüber zu Horror/Mystery/Grusel - irgendwas in der Richtung. Ich dachte mir, ich teile mal meine neueste (und bisher längste) Geschichte mit euch. Als kleinen Disclaimer möchte ich nur anmerken, dass es viel Nudity und Graphic Language gibt - aber wir sind ja keine Kiddies mehr ;)

    Die Geschichte ist bereits abgeschlossen, und ich werde hier ein Kapitel nach dem Anderen hochladen. Ich wünsche euch viel Spaß, mit der »Königin der Schlangen«!

    Euer Thráin


    PS: Ich weiß nicht, welchem Subgenre ich sie hier am besten zuordnen könnte.


    1

    Auf der Mattscheibe lief irgendein billiger Fantasystreifen, der hauptsächlich von riesigen Schwertern und noch riesigeren Schlangen handelte, doch das beachtete er gar nicht, weil sie ihn gerade laut stöhnend ritt und ihre Brüste dabei wild auf und ab hüpften. Die Symbiose aus Schweiß und Pheromonen stieg ihm als süßlich bitterer Geruch in die Nase und brachte ihn beinahe um den Verstand. Ihre nackte Schönheit, die großen Brüste, die dünne Taille und die wundervollen Rundungen hatten seinen Blick ganz auf sich gebannt. Ihre dunkelbraunen Locken, die ihr bis auf die Schultern fielen und tapfer mitwippten und diese eine Strähne, die ihr immer über das Auge fiel, zogen ihn noch tiefer in ihren Bann. Jetzt gerade würde er alles für diese Frau tun.

    Das letzte Licht des Tages fiel zwischen den halb zugezogenen Vorhängen hindurch und malte bizarre Muster auf den Boden und das Bettlaken. Auf der anderen Seite der Wand rumorte gerade sein WG-Mitbewohner in der Küche, machte sich vermutlich Abendbrot und konnte das Paar garantiert hören, aber das war Fred egal. In Ekstase warf er sie auf ihren Rücken, und beugte sich weit über sie, um noch tiefer in sie eindringen zu können. Dass das Festnetztelefon klingelte, das sich die WG teilte, und sein Mitbewohner in den Flur schlurfte, um den Anruf entgegenzunehmen, bekam er gar nicht mit. Noch bevor das Telefonat beendet war, wurde Freds Atem schwer; er warf den Kopf in den Nacken und kniff bei den letzten Stößen die Augen fest zu und stöhnte laut auf.

    Jetzt lag er auf dem Rücken wie eine Schildkröte, Arme und Beine weit von sich gestreckt, und atmete schwer. Josephine strich ihm mit ihren glühenden Fingern über die Lippen, den Hals hinab, über die Brust und den Bauch bis zu seinem Penis, gab ihm einen Kuss auf die Lippen, der nach Sex schmeckte, und stand dann langsam auf.

    » … gerade beschäftigt. Er ruft Sie in fünf Minuten zurück … «, hörte er seinen Mitbewohner mit seiner von Zigaretten und Kaffee gefärbten Stimme durch die geschlossene Tür sagen, während Josephine in seinen blau-weiß gestreiften Bademantel schlüpfte, der dringend mal wieder gewaschen werden müsste. Fred fuhr sich mit den Händen übers Gesicht, kratzte sich an seinen Bartstoppeln und schaute seiner Freundin dabei zu, wie sie den Gürtel des Mantels vor ihrer dünnen Hüfte zu knotete und auf nackten Fußsohlen leise aus dem Zimmer schlich, als würde sie davon ausgehen, dass Freds Mitbewohner nicht mitbekommen hätte, dass sie da ist. Fred musste schmunzeln.

    »Oh … ähm, hey Timo!«, drang die zarte Stimme seiner Freundin aus dem Flur an sein Ohr.

    »Hi, Josephine«, hörte er Timos Stimme und man konnte erkennen, dass er grinste.

    Dann hörte er, wie die Badezimmertür quietschend zugezogen wurde und seine Gedanken drifteten ab, während er beiläufig seinen Sack richtete. Wer könnte das sein, der da am Telefon etwas von ihm gewollt hatte? Dass der Anruf für ihn war, stand fest, denn der dritte Mitbewohner war seit zwei Monaten bei seinen Eltern und das vierte Zimmer wurde von einer jungen Erasmus-Studentin aus Russland bewohnt. Bestimmt war es sein Chef. Bestimmt würde er fragen, ob Fred spontan einspringen und heute Abend eine Schicht übernehmen würde. Ganz bestimmt nicht! Auch wenn Josephine den Abend nicht bleiben würde, weil ihre Großmutter sie erwartete, so hatte er heute keine Lust, jetzt nochmal losfahren zu müssen.

    Die Toilettenspülung riss ihn aus den Gedanken und er stand auf, zog sich eine Jogginghose an, wobei er auf die Unterhose verzichtete und stiefelte langsam in den Flur. In der Küche plinkte die Mikrowelle und es roch nach Fertigschnitzeln.

    Als Timo die Tür zu Freds Zimmer zufallen hörte, streckte er den Kopf aus der Küchentür, erblickte den Zweiundzwanzigjährigen und offenbarte mit einem breiten Grinsen seine gelben Zähne.

    »Naaaaa? Druck abgelassen?«, sagte er und lachte sein typisches, dreckiges Lachen.

    »Fick dich«, antwortete Fred, musste aber auch lachen.

    »Am Telefon – dein Boss. Du solltest ihn zurückrufen.« Die Mikrowellentür wurde zugeschlagen und ein Teller mit Fertigschnitzeln aus dem nächstliegenden Netto, deren Anwesenheit Fred bereits vermutet hatte, landete auf dem kleinen Küchentisch, neben einem Dosenbier und einem Teller mit trockenen Nudeln. Timo war immer schon ein Feinschmecker gewesen.

    Auf dem Tisch stand auch ein Aschenbecher, in dem eine halb aufgerauchte Zigarette in einer der Einkerbungen im Rand ihr Dasein fristete. Fred angelte sie sich mit spitzen Fingern, steckte sie sich zwischen die Lippen und schlurfte zum Telefon. Die Toilettenspülung ging erneut.

    »Schreiner?«, meldete sich Freds Chef nach nur einem Tuten. Er klang gestresst und genervt. Fuck, keine guten Voraussetzungen, dachte Fred.

    »Jo, hier is’ Fred. Sie hatten angerufen?«, versuchte er so freundlich wie möglich zu klingen.

    »Ja. Klar. Natürlich. Du sachma, ich weiß, du hättest heute Nacht frei, aber Lukas und Schorsch sind mir beide von der Schippe gesprungen und Lena is’ im Urlaub auf irgendeiner beschissenen Insel. Könnteste nicht heute Abend bis wir schließen mit Rex ein wunderschönes Barkeeper-Duo abgeben?«

    Nein. Auf keinen Fall. Fick dich, du Arschloch, frei heißt frei, hätte Fred am liebsten gesagt. Stattdessen antwortete er: »Wenn’s nich’ anders geht.«

    »Danke dir! Ich versuch auch, deine Schicht nächsten Samstag an einen der beiden Idioten abzutreten.«

    Fred verstand, dass das Kisses zu groß war, um mit einem Barkeeper auszukommen, besonders an einem Samstag Abend. Er hatte trotzdem keinen Bock, auch wenn seine Hoffnung auf eine zweite Runde mit Josephine sowieso bereits von ihrer Seite zerschmettert worden war. Wenn er einem Kommilitone, erzählte, er arbeite nebenberuflich als Barkeeper, stieß er immer auf Neid und Begeisterung. Er selber fand es meistens zum Kotzen – nüchtern musste er betrunkene Tussen und noch betrunkenere Wichser bedienen, die diese Tussen bloß ficken wollten.

    »Dann bin ich um sieben da?«, fragte er nach.

    »Spätestens!«

    »Bis dann.« Du mich auch, Pisser.

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  • Lieber Thráin

    Ich mache hier mal mit. Im Moment bin ich mir noch nicht sicher, ob die Geschichte mein Ding ist. Die schnodderige Art mag ich aber im Prinzip, erinnerte mich an meine WG Zeit. Auf 500 Seiten kann der Stil allerdings anstrengend werden. Es nutzt sich halt mit der Zeit ab. Aber bis dahin finde ich es ganz gut geschrieben. Mal sehen wohin du uns führst.


    Welche Art von Kommentaren wünscht du dir? Mehr so ein grober Eindruck oder echte Arbeit am Text?

  • Lieber Sensenbach


    Vielen Dank für deinen Kommentar! Der Stil wird auch nicht die ganze Geschichte so extrem bleiben (auch wenn die Richtung natürlich gleich bleibt), finde ich zumindest^^ Zu deiner Frage, welche Art von Kommentaren ich mir wünsche: Das ist schwierig zu beantworten; prinzipiell jede Art, Gedanken, Gefühle zu dem Abschnitt, wenn irgendwelche groben Schnitzer oder sowas drin sind auch gerne Hinweise darauf!

    Ich gebe direkt mal das zweite Kapitel preis :)



    2

    Ihre hochhackigen Schuhe knallten auf dem blauweißen Marmor, doch ein mögliches Echo wurde direkt von den schweren, protzigen Wandteppichen geschluckt. In regelmäßigen Abständen zwischen jenem edlen Brokat befanden sich als Kerzen getarnte Lampen, die ein goldenes Licht verbreiteten. Jetzt wurden ihre Schritte von einem ebenso schweren Teppich gedämpft, sodass das aufsehenerregende Donnern ihrer Absätze verstummte.

    Der Gang war von einigen Türen gesäumt, die mit Zimmernummern versehen waren. Die junge Frau mit den glatten, zum Bob geschnittenen blonden Haaren, in dem adretten graugestreiften Hosenanzug und mit den strengen Gesichtszügen, die viel älter wirkte, als sie war – als ihr Körper war –, befand sich in dem teuersten Hotel der Stadt. Zielstrebig steuerte sie die Ostsuite an, in der sie residierte, wie ihr der alte Mann an der Rezeption versichert hatte.

    Der Flur machte eine Kurve nach links und schlagartig verschwanden die Türen von den Seiten. Nur am Ende des kurzen Restganges befand sich eine große, doppeltürige Pforte, die aus weißem Holz mit goldenen Beschlägen bestand. Prunk und Protz war der jungen Frau nicht fremd, ihre Familie hatte immer so gelebt, und würde es wahrscheinlich immer tun. Auch wenn die aktuellen Ereignisse Zweifel an dieser Tatsache schürten.

    Vor der Pforte schlug sie die erhöhten Hacken in den Teppich und klopfte energisch und laut an die weiße Tür. Nach wenigen Augenblicken wurde die Tür geöffnet und ein alter Mann mit schütterem Haar und Altersflecken unter den Augen streckte den Kopf hinaus.

    »Wer da?«, fragte er mit heiserer Stimme, »ach, Sharleen! Ihr seid es. Kommt herein, sie erwartet Euch.«

    Er trat beiseite und öffnete die Tür weiter, damit sie eintreten konnte. Vor ihr offenbarte sich der ganze Stolz des Hotels: eine Suite, Maisonnette, mit hohen Fenstern und heller Tapete. Sie stand in einer Art großem Wohnzimmer, von dem die Treppe nach oben führte, wo sie den Schlafbereich und vielleicht ein Badezimmer vermutete. Diese Suite wirkte nicht weniger prunkvoll als alles andere, was sie bisher von dem Hotel gesehen hatte. Ein großer Fernseher hing an der Wand und davor stand ein niedriges Sofa aus grauem Stoff mit zwei dazugehörigen Sesseln, wovon einer ein Ohrensessel war. Das ist genau etwas für sie, dachte die junge Frau. Im anderen Teil des Raumes stand ein langer Tisch mit genügend Stühlen und ein Sideboard an der Wand, das mit allerlei Dekokram – hauptsächlich ein Kandelaber und marmorne Figürchen – bestellt war. Die Treppe war eine ausladende Wendeltreppe, die sich aber nur ein halbes Mal um sich selber drehte.

    Der Alte, der sich nun in Bewegung setzte und, buckelig wie er war, voran hinkte, sagte: »Folgt mir, Herrin.«

    Die beiden schritten durch den Raum und steuerten genau auf die Treppe zu, wobei der Alte es jedoch tunlichst vermied, mit seinen Lackschuhen den riesigen Teppich, auf dem das Sofa und die Sessel standen, zu betreten. Würde sie je mitbekommen, dass er mit seinen Schuhen darauf trat – und man konnte nie sicher sein, dass sie etwas nicht mitbekam, dann würde sie ihm den Kopf abreißen. Oder schlimmeres.

    Sie stiegen die kurze Treppe hinauf und die junge Frau fürchtete bei jeder Stufe, die der Alte nahm, dass ihm die Beine brechen würden, so sehr zitterte er bei jeder kleinsten Anstrengung. Dann sah sie es schon. Der Raum war im selben Stil gehalten, wie der unten. An der Außenwand waren zwei weitere Fenster und rechts von ihnen war eine Tür, die offensichtlich ins Badezimmer führte – durch den Schlitz war eine vergoldete freistehende Badewanne zu erkennen. Im rechten Teil des Raumes stand, ebenfalls frei, ein großes Himmelbett mit Nachttischchen und unter den schweren metallenen Beinen des Bettes litt ein sehr platter Bär unter dem enormen Gewicht und starrte entsprechend leer vor sich her.

    Der Diener führte sie bis an die rechte Seite des Bettes und seine Stimme schnarrte: »Mˋlady? Sharleen ist eingetroffen, Herrin.« Dann zog er den Vorhang des schweren Baldachins auf und zog sich zurück.

    Sharleen trat etwas heran und musste sich anstrengen, um in dem dämmrigen Licht etwas zu erkennen und dann sah sie sie. Sie lag mit der Decke bis unter das spitze Kinn hochgezogen da, den Kopf halb zur Seite gedreht, die Augen nur einen Spalt geöffnet. Die Haut war grau und hatte tiefe Furchen. Ihr schütteres weißes Haar lag platt auf dem viel zu hohen Kopfkissen. Ihr Mund war leicht geöffnet und ihre Lippen zitterten feucht.

    Scheiße, sie sieht überhaupt nicht gut aus, dachte Sharleen bestürzt.

    »Sharleen…«, der dünnen, brüchigen Stimme konnte man die Anstrengung, die das Aussprechen dieses einen Wortes gekostet hatte, genau mitklingen hören.

    »Mutter! Du siehst … gut aus«, für eine Sekunde konnte man ihre Bestürzung hören, doch Sharleen hatte ihre Stimme schnell wieder unter Kontrolle und klang wieder so kühl und distanziert wie immer.

    »Du weißt, ich hasse Lügner«, hustete ihre Mutter.

    »Wie geht´s ihr?«, fragte Sharleen, den Kopf über die Schulter zu dem Diener gewandt.

    »Etwas besser als letzten Monat, gestern war sie sogar auf ihren Beinen. Aber heute … wir wissen auch nicht, warum es ihr heute so schlecht geht.«

    »Ihr braucht nicht über mich reden, als wäre ich nicht da. Ich bin zwar alt, aber noch nicht tot!« Das Bett erzitterte als die alte Dame – und sie war wirklich sehr alt – versuchte, sich ein wenig aufzurichten.

    »Verzeih, Mutter«, Sharleen setzte sich auf den Rand des Bettes und strich ihr über die faltige Wange, »wie geht’s dir?« Diesmal schwang in ihrer Stimme sogar etwas mit, was man für Empathie halten könnte.

    »Hat Alfons grade schon beantwortet. Mach dich nicht lächerlich!«

    »Nun gut…«, sie strich sich eine blonde Strähne aus dem Gesicht, richtete ihren Kragen und fragte mit neuer Kühle: »du hast mich rufen lassen?«

    »Ja«, ein neuer Hustenanfall brachte den dürren Leib der Bettlägerigen zum Beben. Als sie sich beruhigt und die besorgten Blicke von Sharleen und Alfons ignoriert hatte, fuhr sie fort: »es gibt Neuigkeiten in … in dieser Sache. Alfons hat … hat eine Akte für dich.«

    Sharleen blickte in Alfons graue, trübe Augen und konnte genau sehen, wie sich sein Blick aufhellte, als er den Befehl verstand. Drei Minuten später, die nur von seinem Geschlurfe von unten und Mutters schwerem Atem erfüllt war, stand er der jungen Frau wieder gegenüber und händigte ihr einen dünnen, braunen Papierumschlag aus. Auf dem Umschlag stand etwas in einer sehr alten Sprache, die Sharleen lange nicht mehr gesehen oder gehört hatte und die sie auch nur konnte, weil ihre Mutter ihr sie so eingebläut hatte. Sie öffnete den Umschlag und ihr fiel ein Foto und ein beschriebenes Blatt Papier entgegen. Sie las sich den kurzen Text durch und blickte dann auf.

    »Wir haben ihn?«

    »Wir wissen zumindest jetzt, wo wir ihn finden. Und er ist der Schlüssel zu … du weißt schon. Jetzt ist es deine Aufgabe, ihn ausfindig und vor allem –«, ein Hustenanfall unterbrach die alte Frau, »gefügig zumachen.«

    Sharleen nickte und betrachtete das Passfoto, das in großem Format ebenfalls in dem Umschlag lag. Ein schwarzhaariger Kerl Anfang Zwanzig mit Dreitagebart und einem verschlagenen Blick – nichts allzu besonderes. In der Stadt würde sie ihn leicht übersehen, wenn sie ihn nicht suchen würde.

    »Es wird Zeit«, fuhr Mutter fort, »dass dieses Unrecht ein Ende findet. Dass du dieses Unrecht beendest! Für unsere Vorfahren. Für unser Vermächtnis. Für –« ein erneuter Hustenanfall, »– deine Mutter.«

    »Du kannst dich auf mich verlassen«, erwiderte Sharleen mit starker, ja, man könnte fast meinen wütender Stimme, »ich erledige das!«

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    3 Mal editiert, zuletzt von Thráin () aus folgendem Grund: Korrekturen

  • Entschuldigt bitte den Doppel-Post, aber hier kommt das dritte Kapitel:



    3

    Endlich Samstag!

    Tarik freute sich die gesamte Arbeitswoche auf diesen Abend. Jede Woche. Manchmal freute er sich auch schon auf Freitag Abend, nur zur Zeit musste er am Vormittag des ersten Tages des Wochenendes auch noch arbeiten. Und dann stand er da, auf dem Bau, zimmerte ein Brett an das andere oder zog in stundenlanger Arbeit eine Mauer in die Höhe und war mit den Gedanken bei nichts anderem als dem kommenden Samstag Abend. Denn dann ging Tarik immer mit seinen Freunden in die »Disse«. Jede Woche tranken sie gemeinsam bei einem von ihnen zuhause – oder bei gutem Wetter auch mal draußen – vor, meistens waren sie dann schon betrunken, und gingen danach in Club, wo sie die Nacht bis zum ersten Tageslicht durchfeierten. Der nächste Tag wurde dann gepflegt im Bett verbracht, bis es um fünfzehn oder sechzehn Uhr das Katerfrühstück gab. Und da heute Samstag war, stand eine solche Nacht wieder ins Haus. Endlich! Die Arbeitswoche war stressig genug gewesen. Wurde Zeit, dass er sich wieder besaufen konnte, ohne darüber nachdenken zu müssen, und vielleicht sogar ein Weib abschleppen konnte. Er hatte sich sogar den Sack rasiert und sich mit Parfum eingedieselt. Mit sehr viel Parfum.

    Dann hatten sie sich bei Kev getroffen und sich ordentlich einen reingezimmert. Wodka-O und Tequila-Shots; und natürlich das Wegbier, mit dem er zuhause aufgebrochen war. Sie hatten sich mit viel zu lautem Techno auf die Verhältnisse in der Disco eingestimmt, bevor sie zu Fuß und mit dem Bus aufgebrochen waren. Samstags hatte immer das Kisses auf, ein kleiner Schuppen mit nur einem Dancefloor und einer kleinen Bar, hinter der meistens zwei, seltener drei, Barkeeper hockten. Es war kein besonders geiler Schuppen, aber das Bier war billig und die Mucke laut – und natürlich dämlichster Techno und Dancehall. Also genau nach dem Geschmack von Tarik und seinen Freunden. Die Räumlichkeiten hatten auch ihre besten Zeiten hinter sich, die Tapeten waren versifft, die Theken nicht mehr hundertprozentig sauberzukriegen. Und die Toiletten … die Toiletten sollte man am besten gar nicht betreten. Aber tat gut, einmal die Woche diesen Laden zu betreten, dessen warmer Mief ein wohliges Gefühl auslöste.

    Gegen zweiundzwanzig Uhr war die sechsköpfige Truppe am Ende der Warteschlange vor der Eingangstür des Kisses angelangt und gegen dreiundzwanzig Uhr dreißig hatte Tarik schon sein drittes Bier bestellt. An der Theke standen ein etwa vierzigjähriger Grauhaariger, von dem Tarik wusste, dass er den Spitznamen Rex trug, weil er der dienstälteste Angestellte war. Der andere war ein Student, etwa in Tariks Alter, mit schwarzen, kurzen Haaren und ein paar Stoppeln am Kinn und an den Wangen, den Tarik hier auch schon öfter gesehen hatte, nur hielt er nicht so viel von ihm. Studenten waren alle gleich – die hielten sich alle für was besseres, dabei sollten die mal lernen, was echte Arbeit ist!


    Gerade spielte der DJ einen Hit aus den Neunzigern in einem fragwürdigen neuen Remix nach dem anderen und Tarik hatte sich ein wenig von seiner Gruppe losgelöst und die Massen gestürzt. Der Club, auch wenn er nicht groß war, war bis auf den letzten Platz gefüllt – der Charme des Abgeranzten zog alle jungen Menschen der Stadt an, ob Bauarbeiter oder Student. Tarik blickte sich in dem flimmernden Dunkel um und scannte den Dancefloor nach einer Frau ab, die ihm gefiel. Und dann sah er sie: Sie war hochgewachsen und dünn, trug High Heels und Bluse mit einem schwarz-weißen Blumenmuster und eine enggeschnittene Hose. Ihr dezentes Makeup und der Bob-Haarschnitt führten diese modische Kleidung jedoch ad absurdum. Es wirkte so, als wolle sie sich wie eine Zwanzigjährige kleiden, kam jedoch nicht aus ihrem dreißigjährigen Körper heraus.

    Kurzerhand ging er auf sie zu – in dem typischen Gang, der halb aus Tanzen und halb aus Laufen bestand – und berührte sie am Oberarm. Sie war auf etwas anderes konzentriert gewesen – Tarik konnte nicht feststellen, worauf – und erschrak sich ein wenig. Sie drehte sich abrupt zu ihm um und starrte ihn aus kalten, blauen Augen an. Dieser Blick sagte: Was willst du von mir?

    »Hey Süße, ich hab dich –«, fing Tarik an, gegen den Lärm der Musik anzuschreien, und dabei trotzdem freundlich zu wirken. Er kannte das. Er konnte das. Er hatte schon so viele Frauen im Club abgeschleppt, dass er so seinen Weg gefunden hatte, seinen Charme spielen zu lassen. Und auf die eine oder andere Weise funktionierte es immer. Naja, fast immer. Aber diese Frau, er wusste nicht, was es war, aber irgendwie blockierte sie jede Möglichkeit seinen Charme spielen lassen zu können. Es war fast so, als blicke sie ihm durch die Augen direkt in die Seele. Er war sich sicher, dass sie seine düstersten Geheimnisse lesen konnte.

    »Sag nichts«, sagte sie sehr leise und trotzdem konnte er es sehr gut verstehen, auch wenn er es gar nicht hätte verstehen können durfte, bei den dröhnenden Bässen und scharrenden Synthesizern um sie herum. Dann begriff er – fühlte er, dass er ihre Stimme nicht über seine Ohren wahrnahm, sondern sie in seinem Kopf zuhören schien. Hatte sie überhaupt ihre Lippen bewegt?

    Tarik war kein ängstlicher Mensch, aber gerade schoss ihm kalter Angstschweiß auf die Stirn und die Arme und malte unter seinen Achseln dunkle Flecken auf sein T-Shirt. Irgendwas stimmte mit der nicht! Und Tarik bereute es sofort, sie angesprochen zu haben. Er versuchte, noch irgendwas herauszubringen, doch seine Zunge war wie an seinen Gaumen getackert, genauso seine Füße an den Boden.

    Sie trat auf ihn zu und blickte ihm dabei tief in die Augen – durch die Augen. Tarik konnte sich nicht bewegen, auch wenn sein Bewusstsein vorhanden war. Für eine Sekunde, wenn überhaupt, sahen die blauen, menschlichen Augen dieser Blondine ganz anders aus… die Pupille war nicht rund, sondern ein Strich und sie stand vertikal. Die Iris hatte eine sonderbare Färbung, die Tarik nicht bestimmen konnte. Für diesen Bruchteil einer Sekunde schien ihre so weich scheinende Haut um den Augen herum ihr Aussehen zu ändern, als würde sie für einen Augenblick keine Haut, sondern grünliche, schimmernde Schuppen haben.

    Dann löste die Frau ihren Blick, drehte Tarik den Rücken zu und verschwand in der tanzenden und rasenden Menge. Tarik stand da mit leicht geöffnetem Mund und starrem, trüben Blick. Er konnte sich nicht rühren. Er schrie um Hilfe und brüllte sich die Stimme aus dem Hals. Aber niemand nahm ihn für voll, keiner der dutzenden Menschen um ihn herum, schien seine Misere zuerkennen oder auf seinen Hilferuf zu reagieren. Er schrie und schrie. Er wusste nicht, dass man seine Schreie nicht hören konnte.

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  • Hey Thráin


    Du legst ein ganz schönes Tempo vor. In 24 Stunden gleich drei Parts...das ist ne ganze Menge. :hmm:

    Vor allem, wenn du dir wünschen solltest, dass man die Teile nicht nur lesen, sondern vielleicht auch was dazu anmerken soll.

    Also, ich habe den aktuellen Part jetzt noch nicht gelesen, deshalb beschränkt sich mein Feedback jetzt erst mal nur auf Teil 1 und Teil 2.


    Den Anfang fand ich ziemlich cool. Das Banale an dieser alltäglichen Szene in einer klassischen Studenten-WG hast du wirklich super eingefangen...und dazu war die Sprache, die du benutzt hast, genau richtig. Zumindest habe ich es nicht als störend empfunden. Es wirkte dadurch...authentisch :D


    Ob ich das jetzt einen ganzen Roman lang durchhalten würde, weiß ich allerdings auch nicht.

    Im zweiten Teil eröffnest du einen weiteren Handlungsstrang und ich nehme mal an, dass sich hier das Unheil zusammen braut, welches auf unseren Protagonisten aus Part 1 zukommt. :hmm: Mal abwarten :gamer:


    Ansonsten schreibst du recht flüssig und es fällt leicht, dir zu folgen. Ich werde versuchen, dranzubleiben, weiß aber schon jetzt, dass ich dein Tempo nicht werde mithalten können.


    LG,

    Rainbow

  • Liebe Rainbow


    vielen Dank für dein Feedback! Die Geschichte an sich ist ja schon fertig, das Tempo kommt also nur durch das Hochladen ^^ aber wenn du sagst, dass das zu schnell ist, dann drossle ich es - sind ja nicht auf der Jagd xD

    Es freut mich, wenn es dir soweit gefällt :)


    LG

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  • Lieber @Thain

    Deine Geschichte nimmt fahrt auf und wir haben schon mehrere Protagonisten kenngelernt. Die verschiedenen Orte haben mir gut gefallen. Ich bin gespannt wie alles zusammenhängt.


    PS: Bin mir nicht sicher, ob ich das Tempo der Postings durchhalte.


  • Hello there! Da ihr gesagt habt, das Tempo ist zu schnell, habe ich es deutlich gedrosselt ^^ deshalb kommt jetzt Teil 4.

    Viel Spaß! :)

    Und danke für die Tipps Sensenbach



    4

    Im Kisses war die Hölle los, der Fußboden dampfte und die Musikboxen donnerten. Fred schenkte ein alkoholisches Getränk nach dem anderen aus. Barkeeper – dass er nicht lachte. Die meisten wollten bloß ein einfaches Bier, da musste man keine Fähigkeiten als Barkeeper haben, selbst der letzte Idiot konnte eine Bierflasche öffnen. Da freute er sich schon, wenn jemand einen Wodka-Energy bestellte, da musste er wenigstens ein wenig mixen. Im Kisses standen auch einige Cocktails auf der Getränkekarte – hauptsächlich die beliebtesten Klassiker – und sehr selten wurde mal einer bestellt. Und wenn das geschah freute sich Fred dann den ganzen restlichen Abend. Er war zwar nur nebenberuflich Barkeeper – sein Hauptberuf bestand noch immer darin, sich durch die viel zu schnell kommenden und gehenden Semester zu fressen –, aber es war doch seine Leidenschaft. Hach, wäre doch nur Josephine hier. Hin und wieder stattete sie dem Club alleine oder mit ein paar wenigen Freundinnen einen Besuch ab, wenn Fred hinter der Theke stand. Wenn sie alleine war, saß sie dann an der Seite der Theke, nahm einen Drink nach dem anderen von ihrem Freund entgegen – der ihr nie einen berechnen würde – und schaute ihm verträumt bei der hektischen Arbeit zu. Oder, wenn sie mit Freundinnen da war, holte sie immer die Getränke für die Gruppe, und Fred blickte ihr verliebt nach bis sie in der Masse auf dem Dancefloor verschwunden war. Die beiden hatten sich erst vor drei Monaten kennengelernt – hier im Kisses. Sie war ihm an der Theke aufgefallen, einerseits wegen ihrer atemberaubenden Schönheit, andererseits, weil sie, mit ihrer adretten Kleidung, die sie damals getragen hatte, so gar nicht in die feiernde Meute gepasst hatte. Danach war sie öfter wiedergekommen, anscheinend um ihn zu sehen, und wenig später hatten sie ihr erstes Date gehabt. An diesem Abend hatte die Luft derart geglommen, dass Fred solch eine Liebe für sie empfand, die er nie für möglich gehalten hatte. Am selben Abend war sie mit ihm in die WG gekommen und sie hatten gevögelt.

    Aber jetzt war Josephine nicht hier. Also arbeitete Fred in seinem Trott, der aber trotzdem von Hektik erfüllt war, und ging seinen Gedanken nach. Dort, wo sonst Josephine saß, befand sich heute eine Gruppe junger Studentinnen mit zwei Kerlen in ihren Reihen, die eine Runde Jägermeister nach der anderen bestellte. Wenn keiner von euch beiden Jungs heute Abend noch eine von denen abschleppt, dann müsst ihr eindeutig schwul sein, dachte Fred.

    Gerade hatte er ein Pils rausgegeben und fing den Blick von einem der Mädels aus der Gruppe auf, das ihm mit einer Handgeste, die halb einem Melden und halb einem Winken entsprach, bedeutete, dass sie noch eine Runde wollten. Da trat eine junge Frau an den Tresen. Sie wirkte älter als der Durchschnitt heute Abend, etwa um die Dreißig. Ihr Bob trug nicht dazu bei, dass sie jünger herüberkam, auch wenn ihre Kleidung laut sagte, dass sie versucht hatte, jünger zu auszusehen, als sie war. Sie hatte einen kalten Blick und strenge Gesichtszüge und ihre Lippen waren zu dünnen Strichen aufeinander gepresst. Sie schien sich nicht zu amüsieren, stand nur da und musterte Fred von oben bis unten, als müsse sie sich jedes Detail seines Gesichts einprägen, oder als würde sie sich an etwas erinnern. Fred überlegte kurz, ob sie sich kennen könnten, kam aber zu keinem Ergebnis. Dann nahm er ein kleines rundes Tablett, sieben Shotgläser und widmete sich dem Jägermeister für die Studentengruppe.

    Nachdem das Tablett von diesen überschwänglich und mit lallenden Zungen und lautem Gekicher entgegengenommen wurde, wandte er sich der blonden Frau zu.

    »Was kann ich für dich tun?«, fragte er sie, während er mit nicht mehr ganz sauberen Lappen einmal über die Theke zwischen ihnen wischte.

    Sie starrte ihn kurz mit ihren kalten Augen an, als würde sie versuchen, etwas in seinem Gesicht zu lesen, und in einem Sekundenbruchteil hellte sich ihr Blick auf und sie lächelte ihn freundlich an. Es war ein hübsches Lächeln. Ein Lächeln, dass Fred fast hätte bekannt vorkommen können. Doch ihm fiel nur auf, wie hübsch es war.

    »Machst du mir einen Caipi?«, fragte sie freundlich. Ihre Stimme klang nett, doch irgendwie mochte diese Freundlichkeit nicht ganz zu dem passen, wie sie in den ersten Sekunden gewirkt hatte. Erst kühl und berechnend, und jetzt sehr freundlich. Vielleicht zu freundlich.

    »Na klar!«, er freute sich. Zum ersten Mal heute Abend durfte er einen Cocktail mixen. Er griff sich ein Longdrinkglas aus dem Regal hinter sich, und den Pitú aus dem Regal daneben und machte nach bestem Gewissen einen Caipirinha, wie er ihn schon duzende Male gemacht hatte. Ihm entging nicht, wie die Frau ihn dabei genau beobachtete, jedem seiner Handgriffe folgte und ihre Augen nicht von ihm abwandte. Fred hatte keine Schwierigkeiten damit, unter Druck zu arbeiten, sonst wäre er jetzt wahrscheinlich nervös geworden, so wie ihr kalter, stählerner Blick auf ihm ruhte. Er warf ein Limettenviertel in das Glas und stellte es vor sie auf die Theke.

    »Fünf-vierzig«, sagte er.

    Die Blonde lächelte ihn an. »Dankeschön.« Sie bezahlte und verschwand in der Menge. An diesem Abend erschien sie nicht noch einmal an der Theke. Zumindest nicht, solange Fred Dienst hatte. Dafür wurde er das Gefühl nicht mehr los, die restliche Zeit beobachtet zu werden. Körperlose Augen starrten ihn aus der feierwütigen Menge an und verfolgten jede seiner Handlungen. Gegen halb drei kam Schreiner zu ihm und sagte, dass er bald gehen könne, er selber würde die restliche Schicht übernehmen. Es war schon nicht mehr so viel los in der Disco, wie der Chef wohl gehofft hatte. Heute waren zwar viele Gäste da gewesen, aber viele waren nicht so lange geblieben, wie man es gewöhnt war.

    Ein Blick aufs Handy, nachdem Fred das Kisses durch den Angestellteneingang verlassen hatte, zeigte ihm, dass es kurz vor drei war. Er schrieb Josephine eine kurze Nachricht, auch wenn er sich sicher war, dass sie schon schlief. Dann machte er sich zu Fuß auf den Heimweg, in diese Richtung fuhr kein Nachtbus. Im Flur der WG hörte er aus Timos Zimmer die Geräusche irgendeines Ballerfilmes, was allerdings nicht zwangsläufig hieß, dass dieser auch noch wach war. Fred wusch sich in dem dreckigen Badezimmer ohne Fenster ein wenig das Gesicht und die Arme, putzte lieblos seine Zähne und legte sich dann schlafen. Nach einem Arbeitsabend fühlte er sich immer etwas leer. Nachdem er stundenlang zu laute Musik auf den Ohren und zu viele Menschen um sich herum hatte, wirkte die Leere seines WG-Zimmers beklemmend. Die leisen Schussgeräusche aus Timos Zimmer halfen da auch nicht sonderlich. Doch heute war da noch etwas anderes. Die Begegnung mit dieser sonderbaren Frau hallte in seinem Kopf nach. Was war mit der gewesen? Auf irgendeine Weise war sie unfassbar seltsam und auf eine andere Art, war da ein wohliges Gefühl. Er empfand ihr gegenüber nichts, das war gar kein Thema. Aber irgendetwas war komisch gewesen. Dieser kalte, durchbohrende Blick. Und dann dieses äußerst freundliche Lächeln, dass nicht aufgesetzt wirkte, aber sein musste.

    Fred wälzte sich noch geraume Zeit von der einen Seite auf die andere. Schlaflos im Bett liegen, das passierte ihm sonst nie. Irgendwann stand er auf, ging auf den Balkon der WG, rauchte eine Zigarette und danach wurde er von einem unruhigen Schlaf übermannt.

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    Saltatio Mortis - »Nur ein Traum«

    Einmal editiert, zuletzt von Thráin () aus folgendem Grund: Korrekturen

  • Heyho, Thráin ,

    Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
    (Ricarda Huch)



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  • Hey :)


    So, ich bin auch wieder auf dem aktuellen Stand. Die beiden Szenen im "Kisses" hast du sehr gut beschrieben. Bin schon sehr gespannt, wie es weitergehen wird und was die Blondine noch für Überraschungen bereithalten wird. :gamer:


    Hier ein paar Stellen, an denen ich hängen geblieben bin:



    LG,

    Rainbow

  • Vielen Dank für eure Korrekturen Rainbow und Tariq ! :) Den vielen Wiederholungen werde ich mich mal noch widmen, da hab ich wohl was übersehen xD

    Auch uns're Leiber baumeln hoch an einem Baum

    Wir hängen nicht am Leben, doch an einem Traum

    Wir hängen nicht am Galgen und an keinem Strick

    Sondern am Glauben an Gerechtigkeit und Glück

    Saltatio Mortis - »Nur ein Traum«

  • Hey, Leute! ich hoffe, ihr habt einen schönen Sonntag :) Hier kommt der nächste Teil. Die Kapitel 5 und 6 sind verhältnismäßig kurz, deshalb kommen hier beide. Viel Spaß!



    5

    Sharleen hatte ihn gefunden. Der Kerl hinter dem Tresen, der musste es sein. Sie entdeckte ihn über Facebook; dort stand auf seinem Profil auch, dass er als Barkeeper im Kisses arbeitete. Heute hatte sie den Club betreten und Glück gehabt, er stand hinter der Theke. Sie hatte sich ihm angenähert und schon versucht, ihn ein wenig zu lesen. Sie konnte sehen, dass er es liebte, Cocktails zu mischen, und sich darüber ärgerte, dass er in diesem Club so selten dazu kam. Aber das war nur eine Kleinigkeit. Die Dinge, für die sie sich interessierte, konnte sie nicht finden. Dafür war das zu wenig Kontakt gewesen. Aber sie wollte ihn nicht zu sehr bedrängen, sonst hätte er einen Verdacht geschöpft und dann könnte sie nichts mehr aus ihm herausbekommen – zumindest nicht aus freien Stücken. Den restlichen Abend beobachtete sie ihn lieber nur noch, die Disco hatte mit ihrer Dunkelheit und dem wilden Licht genug Schutz gegeben, um selber nicht gesehen zu werden. Sie musste trotzdem vorsichtig sein und an diesem Kerl dranbleiben. Sie wollte die Sache ruhig angehen, aber zu viel Zeit durfte sie sich trotzdem nicht lassen. Sonst wäre alles vorbei… das Vermächtnis wäre verloren und Mutter würde sterben.

    Aber sie sollte auch vorsichtig vorgehen. Sie durfte nicht zu viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen, irgendwann würde den Menschen auffallen, was sie mit jenen anstellte, die ihr im Weg standen. So wie dieser beschissene Kerl vorhin in der Disco. Was für ein Vollidiot! Der hatte doch nur irgendeine Frau ficken wollen. Er hätte sie aber auch nicht in Ruhe gelassen an diesem Abend, wenn sie ihn nicht …

    Ach ja, dieser Kerl. Das hatte sie fast vergessen. Sie saß in ihrem Versteck und grübelte. Und jetzt gerade war ihr dieser Typ wieder eingefallen. Sich in den Schneidersitz begebend, ging sie zu Boden, schloss die Augen und faltete die Hände vor der Brust. Sie konzentrierte sich so sehr sie konnte und spürte geradezu, wie ihre Gedanken die Luft um sie herum in Bewegung brachten. Sie fokussierte ihre Gedanken voll und ganz, und sie spürte wie ihr Geist für einen kurzen Moment ihre irdische Hülle verließ. Niemand sollte sterben. Zumindest fast niemand.



    6

    Kurz nach fünf hatte Schreiner die letzten Besoffenen aus dem Kisses gejagt. Danach war er in seinem Büro und wenige Minuten später durch die Hintertür verschwunden.

    Den Laden sollte Rex abschließen. Also räumten er und die übrig gebliebenen Bediensteten, wie etwa Sina vom Einlass und der Disc Jockey, die Räumlichkeiten soweit auf, dass man den Club am nächsten Tag betreten konnte, ohne vom Schlag getroffen zu werden.

    Rex hatte eine Kippe zwischen den Zähnen und sorgte hinter der Theke für Ordnung, als er den DJ durch den plötzlich so leisen Club rufen hörte: »Alter, was isˋn mit dir? Verpiss dich, wir ham geschlossen!«

    Was war da los? Rex legte den Lappen, mit dem er gerade die Theke abwischte, beiseite, trat hinter dem Tresen hervor und ging auf den klebenden Dancefloor. Da sah er Mikey, den DJ, der mit in die Seiten gestemmten Fäusten und hochrotem Kopf da stand und herumzeterte.

    »Mikey, was isˋ los?«, fragte Rex während er näher kam.

    »Dieser Wichser hier… das isˋ los!«

    Und dann sah Rex, dass der DJ nicht alleine war. Vor ihm, in einer Ecke des Dancefloors, stand noch ein Besucher. Er sah aus wie ein Türke und stand mit leicht geöffnetem und vor Schrecken geweiteten Augen da, ohne sich zu regen.

    »Yo Kumpel«, sagte Rex, an ihn gerichtet, »wir haben schon seit zwanzig Minuten zu. Geh heim!«

    Der junge Kerl rührte sich nicht.

    »Hörst du nichˋ, Arschloch?«, schrie Mikey.

    »Hey hey hey hey«, Rex legte Mikey beschwichtigend die Hand auf die Schulter, »lass mich das machen, feg du mal dahinten.«

    »Lebt der überhaupt noch?«, fragte der DJ sarkastisch, während er von dannen zog.

    »Mann, was isˋ los mit dir?«, fragte Rex und stupste den Typen an der Schulter an. Scheiß Stoner, dachte er.

    Er überlegte, was er mit dem Kerl anstellen sollte. Komisch war das schon, ein Kerl auf der Tanzfläche, der stramm da stand, sich aber nicht bewegte und nicht sonderlich bei sich zu sein schien. Sollte er den Krankenwagen rufen? Das hatte ihm ja jetzt noch gefehlt!

    »Wenn du dich das nächste Mal volldröhnst, geh danach woanders hin…«

    Plötzlich, wie auf ein unsichtbares Signal hin, ging ein Ruck durch den Körper des Starren und Leben trat in die bisher leeren Augen. Er stöhnte so laut auf, dass der sonst so ruhige Rex kurz zusammenzuckte. Ein Speichelfaden lief aus dem Mundwinkel des Besuchers heraus und suchte sich den Weg zum Boden. Er fasste sich an den Kopf, als würde dieser Schmerzen und ging in die Knie.

    »Ach schau an! Da isser ja wieder«, hörte Rex Mikey aus der anderen Ecke des Raumes rufen.

    »Alles gut bei dir, Mann?«, fragte Rex.

    »Ich… ich… Du kannst mich hören?«, stotterte der Typ.

    »Laut und deutlich. Alles gut?«, wiederholte Rex geduldig seine Frage.

    »Ja … nein. Ich weiß nicht. Was ist passiert?«

    »Wer soll das wissen, wenn nicht du?«

    »Ich … ich erinnere mich nicht!«, man konnte der Stimme gut anhören, wie verzweifelt der Typ war. Er wirkte wie einer, der normalerweise den harten Macker heraushängen ließ, aber jetzt war er nicht mehr als ein wimmerndes Kind.

    »Kollege, geh nach Hause, schlaf dich aus und danach wird wieder alles beim Alten sein«, Rex legte ihm einen schwabbeligen Arm um die Schultern und führte ihn ruhig aber bestimmt in Richtung Ausgang, »und das nächste Mal sollteste vielleicht die Drogen weglassen.«

    »Aber ich hab doch gar nicht…«, versuchte sich der junge Mann zu rechtfertigen, ihm standen Tränen in den Augen.

    »Jaja, schon klar«, sagte Rex und schloss die Tür hinter ihm.

    Scheiß Stoner, dachte er erneut.

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    2 Mal editiert, zuletzt von Thráin () aus folgendem Grund: Korrekturen

  • Hallo Thráin

    Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
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  • Hey Thráin :)


    Ich muss mich Tariq anschließen, was die stilistische Qualität deiner neueren Texte betrifft. Mir kam beim Lesen ebenfalls der Gedanke, dass dein Einstieg um einiges sicherer war, was höchstwahrscheinlich darauf zurückzuführen ist, dass du dort sorgfältiger drüber gegangen bist.

    Deine neuen Kapitel sind voll von Wortwiederholungen und stellenweise finde ich manche Formulierungen nicht ganz nachvollziehbar. Da ich gerade auf dem Handy tippe, kann ich leider nicht zitieren. Vielleicht hole ich das morgen noch nach... aber eventuell hast du ja auch vor, diesen Post noch einmal zu überarbeiten. :hmm:

    Es käme dem Lesevergnügen in jedem Fall zugute. :)


    LG,

    Rainbow

  • Hey!


    Ich habe die Teile 2 bis 6 etwas korrigiert, und hoffe sie sind jetzt besser. Vielen vielen Dank, Tariq, Sensenbach und Rainbow , für eure Mühen, wirklich!

    Über die kommenden Teile werde ich nochmal vorm Hochladen gucken.


    LG

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  • So, ich hab jetzt die 5 nochmal gelesen und muss sagen: Das gefällt mir jetzt viel besser! Es ist zwar etwas kürzer geworden, aber das tut der Sache keinen Abbruch, denke ich. :thumbup:

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  • Tariq es freut mich, wenn es jetzt besser wirkt - vielen Dank nochmal! Auch Kapitel 6 habe ich schon korrigiert, danke für deine Tipps!


    7

    Schreiners Versprechen, dass er Freds Schicht am nächsten Samstag jemand anderem aufbrummen würde, wurde nicht erfüllt. Eine Woche nachdem Fred dieser sonderbaren Blondine im Kisses begegnet war, stand ein langes Wochenende an: Fred musste Freitag und Samstag Abend hinter der Theke arbeiten; zwar beide Male nur eine Teilschicht – also nur den halben Abend –, aber er war trotzdem genervt. »Ich versuch auch, deine Schicht nächsten Samstag an einen der beiden Idioten abzutreten.« Pah! Von wegen! Fred durfte sowohl Freitag als auch Samstag antanzen. Am Freitag würde er mit Lena hinter der Theke stehen und am Samstag mit Schorsch, der ein hochnäsiges Arschloch war – fast so schlimm wie Schreiner selber.

    Die Woche über traf er sich fast jeden Abend mit Josephine, entweder in ihrer kleinen Einzimmerwohnung oder in der WG. Von seinem Erlebnis Samstag Nacht erzählte er ihr nichts. Er wollte es nicht zu einem Geheimnis machen, aber er wusste nicht, wieso es seine Freundin interessieren sollte.

    »Samstag komme ich dich vielleicht mal wieder im Kisses besuchen«, sagte Josephine eines Abends und strich ihm beim Fernsehen über die Brust. Darüber freute er sich. Zu der Freude mischte sich aber das unbestimmte Gefühl, dass etwas in der Luft lag – oder liegen würde –, er wusste nur nicht, was.

    Dies wurde dadurch verstärkt, dass er immer, wenn er unterwegs war – in der Stadt oder in der Uni –, das Gefühl hatte, dass er beobachtet wurde. Das erste Mal war es ihm beim Einkaufen im Netto zwei Straßen weiter von der WG aufgefallen. Er hatte vor dem Brotregal gestanden und plötzlich hatte es in seinem Nacken höllisch gebrannt, so als würde ein Paar aufmerksamer, kalter Augen ihn anstarren – ihn beobachten, jeden Schritt, jede Handbewegung, die er tat nachverfolgen. Sein Körper hatte direkt zu kribbeln angefangen und er hatte den Drang, sich an die Jeans zu fassen und seinen Sack zu richten, während ihm kalter Schweiß auf die Stirn trat. Er kämpfte gegen diesen Drang an, schließlich war er in der Öffentlichkeit, und besonders wenn er beobachtet wurde, wäre das eine noch schlechtere Idee. Er hatte sich mit einem Anflug von Angst umgesehen, doch niemanden entdeckt, der ihn beobachten könnte. In seiner Nähe befand sich nur ein altes Ehepaar, das sich gerade wegen irgendeiner Nichtigkeit anzickte, und ein junger Kerl, der vor dem Kühlregal mit Energy-Drinks stand und so aussah, als würden ihm jeden Moment die Augen zufallen.

    Über diesen Moment hatte er den gesamten restlichen Tag nachgedacht und wurde das unbehagliche Gefühl nicht los. Ab diesem Moment, hatte er das Gefühl, beobachteten zu werden, bei jeder Begebenheit und seinen unangenehmen Höhepunkt hatte diese Phase, als er Freitag am frühen Abend gemeinsam mit Timo in der Küche saß und Müsli zum Abendessen verschlang, bevor er zum Kisses los musste. Er saß mit dem Gesicht zum Fenster gewandt und war ins Gespräch vertieft.

    Plötzlich hatte er das Gefühl, als würde jemand durch das dreckige Küchenfenster hineinsehen. Er blickte kurz hin. Du Vollidiot, dachte er. Wirst du wahnsinnig? Durch das Fenster kann niemand schauen, wir sind im dritten Stock. Dann versuchte er, sich weiter mit dem Gesprächsthema zu befassen, was ihn allerdings anödete, denn Timo konnte wieder über nichts anderes reden als Autos, Fußball und Titten.

    Da wieder! Da war doch etwas gewesen! Er starrte wieder zum Fenster; für einen Bruchteil einer Sekunde hatte er das Gefühl, in der Scheibe etwas gesehen zu haben. Aber was? Er konnte es nicht ganz fassen, nicht beschreiben, aber dieses Bild hinterließ in ihm die Assoziation einer Kobra. Eine Kobra? Was soll das denn? Fred erinnerte sich nicht, wann er das letzte Mal etwas mit einer Schlange zu tun gehabt hatte. Hatte er einen Film gesehen, in dem Schlangen vorkamen? Nein. Nicht, dass er wüsste oder sich erinnerte. Wieso eine Schlange?

    »Jo, was denkst du denn?«, riss ihn Timo aus den Gedanken.

    »Ähm … was?«

    »Na von der hier!«, Fred sah Timo an und stellte fest, dass dieser ihm sein Smartphone hinhielt. Er warf einen Blick darauf und fand ein Foto einer Frau, jung und sehr knapp bekleidet. Sie blickte lasziv in die Kamera und war so stark geschminkt, dass man lange nach einem Funken echter Haut suchen konnte.

    Es war ein Foto von Tinder. Oh man.

    »Jo, is ganz nett, was?«, antwortete er halbherzig und schielte erneut zum Fenster. Es war nichts mehr zu sehen. Spielte ihm sein Unterbewusstsein einen Streich?

    »Ganz nett? Ganz nett?«, prustete Timo und führte den Löffel zum Mund, kaute mit offenem Mund und fuhr fort, »Alter! Die is’ der Knüller! Und Titten hat die, glaubste nicht!«

    »Ja…«, antwortete Fred abwesend.

    »Sei du nur nich´ neidisch, wenn ich die demnächst mal hier anschleppen sollte!«

    »Nee, bin ich ganz sicher nich´, ich hab ja Josephine«, antwortete er und musste schmunzeln.

    »Ach, ihr Pärchen seid alle langweilig«, grunzte Timo und fingerte eine Malboro aus der Packung, die geöffnet auf dem kleinen Esstisch lag.

    »Mag sein«, lachte Fred, auch wenn ihm nicht wirklich nach lachen war und er stand auf, »so, ich muss dann.«

    Auf dem Weg zum Kisses ließ das Gefühl, beobachtet zu werden, nicht nach. Was ´ne Scheiße!

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  • Hey Thráin


    Ich habe auch mal die bisherigen Teile durchgelesen. Bezüglich Rechtschreibung etc. halte ich mich mal zurück, dafür hast du bereits andere hier, die 100x besser sind als ich. xD


    Generell zum Schreibstil würde ich einen Daumen hoch geben, auch wenn mir die dauerhaft derbe Wortwahl etwas zu krass ist. Evtl. kann man da mit manchen Charakteren etwas variieren, damit sie auch etwas unterschiedlich klingen? Ist ja nicht jeder Mensch gleich. :)

    Bei diesem Thema bleibend würde ich für meinen Geschmack den Part mit Sharleen als Einstieg verwenden. Es ist düsterer und geheimnisvoller und weckt für meinen Geschmack mehr Interesse als wildes Studenten-Leben. Ein Prolog soll ja Leser einfangen und Fragen aufwerfen. Das tut der aktuelle jetzt für mich nicht.


    Ich spekuliere immer gern etwas und da es in deiner Geschichte irgendwie um Schlangen geht, stelle ich jetzt einfach mal die Vermutung in den Raum, dass die Magie, die Sharleen bei Tarik angewendet hat eine Art Medusa-Verschnitt ist? Er ist zwar nicht versteinert, aber in gewisser Weise erstarrt. Auch scheint da noch mehr gekommen zu sein, wenn sie ihre Magie nicht abgebrochen hätte? Schleichender Versteinerungsprozess? :hmm:


    Ansonsten kann ich zum Inhalt noch nicht mehr sagen, da noch nicht mehr passiert ist, dass einen Schluss auf den eigentlichen Plot zulässt. Aber ich schätze mal, Sharleen und Fred bald aufeinandertreffen werden und dann gerät die Kugel ins Rollen. :)

    Da sitzen sie wieder alle und fressen Eis ... Als wüssten sie nicht, wie ein Bier aufgeht!

  • Hallöchen, ihr! Heute geht es weiter! Da Kapitel 8 sehr kurz und Kapitel 9 aber sehr lang ist, kommt heute nur Kapitel 8. Ich dachte, dass ich dafür nicht so lange damit warte, das darauffolgende zu posten :)



    8

    Heute war 2000er Party im Kisses. Laut donnerten Shakira, Flo Rida, Beyoncé, die Black Eyed Peas und Konsorten an Freds Ohr, der sich an der Seite von Lena hinter Theke abmühte. Heute hatte er die frühe Schicht und würde von Rex abgelöst werden, der die meistens entspanntere, spätere Schicht zugeteilt bekommen hatte. Wieder war der Club total überfüllt, sodass Fred keine Sekunde Ruhe hatte. Das war von Vorteil, denn so hatte er keine Zeit darüber nachzudenken, ob er beobachtet wurde oder nicht. Hätte er diese Zeit gehabt, hätte er bestimmt wieder jenes bereits bekannte Gefühl, dass ihn jemand im Blick habe, bekommen. Denn, er wurde wieder beobachtet. Er war auch die Woche über verfolgt worden.


    Die blonde Frau mit dem Bob und der strengen Kinnlinie war ihm keinen Augenblick von den Fersen gewichen. Jetzt stand sie in der hinteren Ecke der Tanzfläche, neben dem Podest, auf dem der DJ stand und irgendwelche Knöpfe drückte und dabei stets bedacht war, so auszusehen, als wüsste er genau, was er da tat. Sharleen hatte sich heute Kleidung angezogen, die noch besser zu den jungen Menschen um sie herum passen sollte, hatte sich stärker geschminkt und die Haare zu einem Zopf zusammengebunden, zumindest so gut es eben ging. Sie war fest entschlossen und von Rage erfüllt.

    Ihrer Mutter war es nach der Nachricht, dass sie ihn ausfindig gemacht hatte, etwas besser gegangen, aber als sich nun nach fast einer Woche kein weiterer Fortschritt spürbar gemacht hatte, war es ihr wieder schlechter ergangen. Sharleen hatte schon öfter versucht, den Moment am Schopfe zu packen und sich den Kerl vorzuknöpfen. Aber immer wenn sie es versuchte, ging irgendetwas schief. Das letzte Mal hatte sie es in einem Discounter versucht. Der Kerl, der F. Lehmann, T. Groß oder B. Jannsen heißen musste – diese Namen zumindest standen auf dem Klingelschild, von der Wohnung, in der sie ihn am Küchentisch beobachtet hatte; es stand auch noch ein russischer Nachname drauf, aber das war bestimmt ein Student aus dem Ausland –, hatte vor einem Regal gestanden und sie hatte sich an ihn herangeschlichen. Sie wollte ihn von hinten packen, mit einem Griff an Hals und Nacken, den sie schon tausende Male durchgeführt hatte, und durch seine grau-grünen Augen alle Informationen aussaugen, die sie brauchte. Doch das war gescheitert, weil sich ein alter Mann und eine nicht jünger aussehende Frau näherten, die mit einander stritten und sich der Kerl umgedreht hatte.

    Aber heute! Heute würde sie alles aus ihm herauskriegen, was sie wollte! Und dann war endlich die Herrschaft ihrer Mutter – und damit auch ihre eigene – wieder gesichert.

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  • Hey Thráin


    Schreiners Versprechen, dass er Freds Schicht am nächsten Samstag jemand anderem aufbrummen würde, wurde nicht erfüllt. Eine Woche nachdem Fred dieser sonderbaren Blondine im Kisses begegnet war, stand ein langes Wochenende an: Fred musste Freitag und Samstag Abend hinter der Theke arbeiten; zwar beide Male nur eine Teilschicht – also nur den halben Abend –, aber er war trotzdem genervt. »Ich versuch auch, deine Schicht nächsten Samstag an einen der beiden Idioten abzutreten.« Pah! Von wegen! Fred durfte sowohl Freitag als auch Samstag antanzen. Am Freitag würde er mit Lena hinter der Theke stehen und am Samstag mit Schorsch, der ein hochnäsiges Arschloch war – fast so schlimm wie Schreiner selber.

    Die Woche über traf er sich fast jeden Abend mit Josephine, entweder in ihrer kleinen Einzimmerwohnung oder in der WG. Von seinem Erlebnis Samstag Nacht erzählte er ihr nichts. Er wollte es nicht zu einem Geheimnis machen, aber er wusste nicht, wieso es seine Freundin interessieren sollte.

    »Samstag komme ich dich vielleicht mal wieder im Kisses besuchen

    Ähnliches Problem wie schon mal :) Vielleicht findest du einen Weg, auf die eine oder andere Wochentags-Erwähnung zu verzichten? Ich wette, es gibt Mittel und Wege das zu umgehen oder zumindest zu reduzieren.

    Das erste Mal war es ihm beim Einkaufen im Netto zwei Straßen weiter von der WG aufgefallen.

    Ich glaube, ich würde davon absehen, Marken oder wie hier den Namen des Geschäftes zu nennen.

    Wahrscheinlich würde ich es es allgemeiner halten und vom Supermarkt auf der Ecke sprechen :hmm:


    Dies wurde dadurch verstärkt, dass er immer, wenn er unterwegs war – in der Stadt oder in der Uni –, das Gefühl hatte, dass er beobachtet wurde. Das erste Mal war es ihm beim Einkaufen im Netto zwei Straßen weiter von der WG aufgefallen. Er hatte vor dem Brotregal gestanden und plötzlich hatte es in seinem Nacken höllisch gebrannt, so als würde ein Paar aufmerksamer, kalter Augen ihn anstarren – ihn beobachten, jeden Schritt, jede Handbewegung, die er tat nachverfolgen. Sein Körper hatte direkt zu kribbeln angefangen und er hatte den Drang, sich an die Jeans zu fassen und seinen Sack zu richten, während ihm kalter Schweiß auf die Stirn trat. Er kämpfte gegen diesen Drang an, schließlich war er in der Öffentlichkeit, und besonders wenn er beobachtet wurde, wäre das eine noch schlechtere Idee. Er hatte sich mit einem Anflug von Angst umgesehen, doch niemanden entdeckt, der ihn beobachten könnte. In seiner Nähe befand sich nur ein altes Ehepaar, das sich gerade wegen irgendeiner Nichtigkeit anzickte, und ein junger Kerl, der vor dem Kühlregal mit Energy-Drinks stand und so aussah, als würden ihm jeden Moment die Augen zufallen.

    Über diesen Moment hatte er den gesamten restlichen Tag nachgedacht und wurde das unbehagliche Gefühl nicht los. Ab diesem Moment, hatte er das Gefühl, beobachteten zu werden, bei jeder Begebenheit und seinen unangenehmen Höhepunkt hatte diese Phase,

    Das Problem mit dem vermaledeiten "hatte" kenne ich nur zu gut. Immer, wenn man über etwas berichten möchte, was in der Vergangenheit liegt, muss man zu diesem "hatte" greifen und gleichzeitig muss man darauf achten, dass es nicht zu dominant im Text wird, weil es sich sonst so monoton liest.

    Die perfekte Lösung habe ich dafür auch noch nicht gefunden, doch versuche ich zumindest, das "hatte" mit dem "war" zu variieren. So schafft man etwas Abwechslung.

    Beispiel:

    - Er hatte vor dem Brotregal gestanden und plötzlich hatte es in seinem Nacken höllisch gebrannt

    - Er hatte vor dem Brotregal gestanden, als ein höllisches Brennen seinen Nacken herunter gewandert war.


    - Sein Körper hatte direkt zu kribbeln begonnen und er hatte den Drang sich an die Jeans zu fassen...

    - Das Kribbeln, welches sich über seinen gesamten Körper gezogen hatte, war mit dem unbändigen Drang einhergegangen, sich an die Jeans zu fassen...


    So in etwa würde ich es versuchen ... :hmm:


    Ach ja, by the way:


    Sein Körper hatte direkt zu kribbeln angefangen und er hatte den Drang, sich an die Jeans zu fassen und seinen Sack zu richten, während ihm kalter Schweiß auf die Stirn trat. Er kämpfte gegen diesen Drang an, schließlich war er in der Öffentlichkeit, und besonders wenn er beobachtet wurde, wäre das eine noch schlechtere Idee.

    Okay, vielleicht fehlt es mir an der notwendigen Fähigkeit, mich in die Situation hineinzuversetzen...aber ich frage mich hier, wieso ihn das Verlangen überkommt, sich in den Schritt zu fassen? :hmm:


    an Freds Ohr, der sich an der Seite von Lena hinter ... Theke abmühte

    der


    Hätte er diese Zeit gehabt, hätte er bestimmt wieder jenes bereits bekannte Gefühl, dass ihn jemand im Blick habe, bekommen. Denn, er wurde wieder beobachtet. Er war auch die Woche über verfolgt worden.

    Hier verlässt du die Perspektive von Fred, da er das ja nicht wissen kann. (Ich gehe mal davon aus, dass das so gewollt von dir war. )

    Es gibt da sicher unterschiedliche Herangehensweisen, wie konsequent man eine Perspektive durchziehen möchte. Wichtig finde ich immer nur, dass man sich dessen bewusst ist.

    Im weiteren Verlauf ist es dann eher eine Art "allgemeiner Erzähler", der das Geschehen beschreibt, a la: "Die Frau" hatte ihn die ganze Woche beobachtet... dann steigst du wieder in die Perspektive der Frau ein.

    Sicher ist das ein bisschen Geschmacksache, aber ich persönlich mag es gerne, wenn man nah am Prota bleibt, sprich: zumindest eine Perspektive kapitelweise durchzieht.


    LG,

    Rainbow