Reale Tierarten in Fantasy-Literatur

Es gibt 7 Antworten in diesem Thema, welches 845 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (4. Juni 2023 um 14:47) ist von Admirarium.

  • Stört es euch, wenn bestimmte reale Tierarten (wie Affen, Pferde) in Fantasy-Literatur auftauchen?

    Ich hatte eine Diskussion mit einem Freund: Er stößt sich an Affen und Pferden, wenn diese Tierarten in Fantasy-Literatur auftauchen. V.a. wenn nicht schlüssig erklärt wird, wieso gerade diese beiden Tierarten in der Welt auftauchen. "Die gehören ja auf die Erde ..."

    Interessanterweise sind ihm Vögel (z.B. Adler) oder kleinere Tiere (wie Eichhörnchen, Füchse oder Marder) egal.

    Mich hat das überrascht, und ich fand das anfangs ziemlich skurril. Nun wundere ich mich, ob andere das genauso sehen wie mein Freund.

    Seht ihr das ähnlich? Gibt es reale Tierarten, die in Fantasy-Geschichten nicht vorkommen sollten? Und wenn ja, warum? Hängt das von der Geschichte ab?

    P.S. Sorry, wenn das Thema schon mal besprochen wurde, über die Suche konnte ich nichts dazu finden.

  • Ich hatte eine Diskussion mit einem Freund: Er stößt sich an Affen und Pferden, wenn diese Tierarten in Fantasy-Literatur auftauchen. V.a. wenn nicht schlüssig erklärt wird, wieso gerade diese beiden Tierarten in der Welt auftauchen.

    Dieser Argumentation folgend wären auch Menschen in der Fantasy ein No-Go.

    Auch wenn es sich um eine Fantasy-Welt handelt, braucht es einen Hintergrund, den der Leser quasi kennt - um das Besondere dieser Welt überhaupt erst erkennen zu können. Mich stört es nicht, wenn jemand in einem Fantasy-Roman ein Stück Käse isst. Auch wenn das implizit voraussetzt, dass Kühe, Zeigen oder dergleichen existieren.

  • Ich sehe es genauso wie Jota . Gerne darf es auch fantastischer und exotischer werden und man braucht mMn nicht unbedingt einen normalen Hintergrund, es darf mMn auch völlig fantastisch und abgedreht sein, aber das bedeutet halt auch immer viel Hirnschmalz und Arbeit, um so eine Welt zu bauen. :hmm:

    Ehrlich gesagt Gonte finde ich die Ansicht deines Bekannten eher ungewöhnlich, aber er darf ja seinen Geschmack haben, keine Frage. ^^

    Jedenfalls nötigt Fantastik, egal in welcher Form, einem immer auch ab, dass man den Rahmen eines Werkes akzeptiert und seinen Unglauben fahren lässt. Sonst bekomme ich eher mit, dass Leute fantastische Elemente störend finden, aber anscheinend geht es auch andersherum. Gut zu wissen. :D

    Häupter auf meine Asche!

  • Meine Antwort wird so ein bisschen durch meinen Blogpost Recherche in Fantasy abgedeckt... (und im Grunde das was Jota schon geschrieben hat).

    Fantasy ist generell recht nahe an unserer (historischen) Welt - und der Grund dafuer ist dass eine Welt in der das nicht so ist erst mal erfunden werden muss - aber selbst wenn der Autor das macht kann er diese Welt dem Leser nicht ohne weiteres vermitteln weil dem ja der Kontext fehlt um einen Satz wie 'Rogar schluepfte in sein Fagaz-Bamuru und zog sich seinen Parguta aus Karal-Yakama fest' zu verstehen - 'Rogar schluepfte in sein Leinenhemd und zog sich seinen Guertel aus gegerbtem Wildleder fest' hingegen kommt besser beim Leser an und erzeugt - anders als der erste Satz, schnell ein Bild im Kopf.

    Jedes Tier, jede Pflanze, jedes Ding, jede Taetigkeit die von unserer Welt abweicht muss ja in einigem Detail beschrieben werden - und das nimmt einer Geschichte sehr schnell den Schwung.

  • Ich habe kein Problem damit, wenn man die heimische Flora und Fauna in eine Fantasywelt einbaut. Wie schon erwähnt, sind Menschen ja auch sonst etwas unlogisch.

    Wenn man nur die realen Tiere und Pflanzen verwendet, ist ja auch nichts groß unlogisch.

    Sofern man die Gattungen in der korrekten Umgebung ansiedelt.

    Wenn man zur 'realen' Tier und Pflanzenwelt noch was hinzuerfindet, ... wieso nicht?

    Natürlich wäre es dann wünschenswert, wenn zumindest andeutungsweise erklärt wird, warum bestimmte Gattungen sich durchsetzen konnten. Vor allem, wenn man noch Magie in die Welten einbaut und magische Kreaturen mit fiesen Fähigkeiten.

    Ohne ein durchdachtes "Worldbuilding" geht da nichts mehr.


    Und natürlich gibt es Fantasy, die eine komplett eigene Flora und Fauna erfindet. Ist aber selten, meiner Beobachtung nach. Bei mir im Regal hab ich exakt ein Buch wo eine Autorin das geschafft hat.

    Ich selbst arbeite immerhin an zwei Geschichten dieser Art. Es ist etwas schwieriger, Beschreibungen sind ein Ticken komplizierter, aber das Ergebnis ist viel fantastischer.


    Wo es mir aber tatsächlich mal etwas negativ aufgefallen war, war ausgerechnet bei meinem geliebten Final Fantasy 8.

    Es werden nie Tiere gezeigt, alle Wesen sind (freundlich oder feindlich) Monster. Aber Rinoa hat einen völlig normalen Hund.

    Kam mir dann doch etwas störend vor.
    Hier kann ich deinen Kumpel, Gonte voll verstehen, wenn ihm so etwas sauer aufstößt. Man hat eine fremdartige Welt, und plötzlich kommt da ein heimisches normales Tier. Das fühlt sich tatsächlich wie ein Fremdkörper an.

    FF8 ist hier ja nur ein Beispiel. Gibt ja auch zahlreiche andere Werke, wo so etwas passiert.

    Das einem die Menschen in der Fantasy nicht stören, verstehe ich auch voll und ganz. Man hat eine fremdartige Welt voller Wunder und Gefahren und "erkundet" mit jemandem, mit dem man sich identifizieren kann (also einen anderen Menschen) diese Welt.

  • Und natürlich gibt es Fantasy, die eine komplett eigene Flora und Fauna erfindet. Ist aber selten, meiner Beobachtung nach. Bei mir im Regal hab ich exakt ein Buch wo eine Autorin das geschafft hat.

    Erzähl mal bitte!

    Der Unterschied zwischen dem, was Du bist und dem, was Du sein möchtest, liegt in dem, was Du tust.
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    Was würdest Du tun, wenn Du keine Angst hättest?

  • Cory Thain :
    Ich nehme an, du willst das Buch wissen?

    Es handelt sich hierbei um das Buch 'Unter den drei Monden'. Gibt noch mindestens zwei weitere Werke der Reihe.

    Die Autorin beschreibt hier eine komplett erfundene Welt. Außer Menschen gibt es dort nichts aus unserer Welt. Sogar gleich drei Monde.

    Das geht überraschend gut und liest sich übrigens sehr flüssig. Manchmal war es mir einen Hauch zu viel Exotik.

    Die Autorin hat hier eine wirklich lebendige, phantastische Welt erschaffen und ein sehr schönes in sich abgeschlossenes Werk.


    (Tut mir leid, dass ich erst so spät antworte, dein Beitrag ist mir irgendwie untergegangen und ich bin ja kaum noch aktiv hier. Sorry.) :)

  • Ich sehe es ähnlich wie viele meiner Vorschreiber. Nur weil sich ein Werk "Fantasy" auf die Fahne schreibt, muss dies nicht bedeuten, dass alles, was in der realen Welt existiert dort nicht existieren darf; zumal die Argumentation deines Freundes nicht durchgezogen wurde. Mich stört es also erstmal nicht.

    Bevor ich jetzt alles einfach nur wiederhole, was bereits ausgeführt wurde, wäre hier auch ein interessanter Punkt: Warum stört es ihn ausgerechnet bei Affen und Pferden, aber nicht bei Vögeln, wie z.B. dem Adler? Je nachdem, wie die Antwort hier ausfällt, könnte hier dann auch die Folgefrage gestellt werden: Ist für ihn an diesen Tieren bereits etwas so fanstastisches, dass sie für ihn eher die eine Fantasy- denn die reale Welt gehören? (>> Die Sortierung der realen Inhalte, welche in die Fantasy gehören und welche nicht, muss ja irgendwoher kommen. Nach welchen Kriterien wird hier ausgewählt?)

    Bitte lagern Sie explosive Materialien nicht in der Nähe von Feuerbällen und wecken Sie den Drachen erst, wenn alle Vorbereitungen abgeschlossen sind.