Es gibt 65 Antworten in diesem Thema, welches 3.551 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (6. März 2024 um 09:37) ist von Tom Stark.

  • Der Dunkle, der Helle und ich


    »Wenn er nicht überlebt …«, ich vernehme Galinas drohende Stimme selbst an dem weiten, ruhigen Ort an dem ich mich gerade befinde.
    »Die Geister heilen sein Fleisch, dumme Glatthaut. Er wird überleben. Aber sein Inneres ist nicht eins. Das muss sich selbst heilen.« Ich erkenne die junge Orkschamanin und bin beruhigt.
    Galina antwortet noch etwas, aber das verstehe ich nicht mehr, mein Interesse lässt sowieso nach. Sie ist offensichtlich nicht in Gefahr. Kein Grund, hier wegzugehen.
    Zumal ich auf jemand warte.


    ***


    Um mich herum ist die endlose Weite einer Heidenlandschaft. Die Sterne über mir wirken bekannt und unbekannt zugleich und das kleine Lagerfeuer knistert freundlich vor sich hin. Eigentlich ist es zu klein, um so eine Wärme auszustrahlen und ich habe auch kein Holz zum Nachschieben, aber es brennt sparsam genug, wie es scheint.
    Ich sitze, ein Bein angezogen und den Arm aufs Knie gelehnt und lausche in die Weite hinein. Vögel, Rinder, ein Fluss in der Ferne ein Wolf, nicht dass ich weiter als ein paar Schritt in die Nacht hinaussehen könnte. Dass ich wie Lederstrumpf aussehe, eine Tasse echten guten Kaffee in meiner Hand halte, ist zwar nicht völlig erwartet, aber ich sehe keinen Grund, mir deswegen einen Kopf zu machen. Alles ist so, wie es sein soll. Alles ist gut.
    Ich vernehme Schritte und ein weiterer Kerl im Stil von Old Shatterhand tritt an Feuer. Seine Hautfarbe ist so dunkel, dass ich am deutlichsten die bernsteinfarbenen Augen bemerke, die das Feuer ungewöhnlich gut widerspiegeln. Etwas nervös zeige ich auf die Kanne im Feuer.
    »Kaffee?«, biete ich ihm an. »Der ist echt gut. So einen hatten wir lange nicht mehr.«
    Der Dunkle setzt sich und nimmt sich eine Tasse von irgendwoher. »Hm«, brummt er und schenkt sich ein. Die Hitze des Feuers lässt ihn nicht einen Moment zögern, nach der Kanne zu greifen.
    »Servus!«, erklingt es etwas übermütig als der letzte erwartete Besucher aus der Dunkelheit tritt. Auch ein Lederstrumpf, aber sein Aufzug ist hellgegerbt, wirkt fast weiß. Er ist von ähnlicher Statur wie der Dunkle und ich, vielleicht etwas schlanker, oder erscheint so, weil er wesentlich jugendlicher wirkt.
    »Ich bin mal so frei?« Er zaubert ebenfalls eine Tasse hervor, zuckt aber vor der Kanne zurück und benutzt im zweiten Versuch seinen Ärmel als Topflappen. »Wird ja auch mal Zeit, dass wir uns unterhalten. Dieses ewige umeinander herumschleichen und wegschubsen ist ja keine Art.«
    Seine helle, fast faltenlose Haut bildet winzige Krähenfüsschen, als er lächelt.
    »Hm«, brummt den Dunkle.
    »Schön, dass du auch gekommen bist«, füge ich freundlicher hinzu. Ich habe die Ahnung, dass mir die Rolle des Schiedsrichters oder Mediators zugedacht ist, denn der Dunkle und der Helle sind zwar keine Feinde, aber beileibe auch keine Freunde.
    »Da wären wir mal wieder. Ausgeschaltet, kommen gerade vom Rand des Todes zurück. Mal wieder. Hätten wir nicht Glück, mit den progressiven Orkin …«
    »Kein Glück!«, unterbricht mich der Helle. »Begegne der Welt mit Freundlichkeit und sie wird dir auf dieselbe Weise ebenfalls begegnen.«
    »Blödsinn.« Nur dieses eine Wort, aber der Dunkle hat genug gesagt. Ein Mann der vielen Worte ist er ohnehin nicht.
    »Ich weiß nicht recht.« Weiß ich wirklich nicht. »Sowohl im Tubran als auch bei den Zwergen und jetzt hier bei einem Stamm, der sogar seine Agenda auf die Rache an mir und meinen Kameraden ausgerichtet hat, war Nettigkeit am Ende unser Gewinn.«
    »Wie man an den toten Arschgeigen sieht, die man uns in Tubran nachgeschickt hat. Ohne die Amazone wäre es das gewesen.« Der Dunkle klingt nicht einmal vorwurfsvoll. Eher wie ein Mann, der jede Hoffnung auf kluges Handeln bei seinen Kameraden schon lange begraben hat.
    »Da hat er einen Punkt. Und ohne das harte Vorgehen gegen die Warden, wären die Zwerge jetzt überrannt.« Ich schaue zum Hellen, dem eine Antwort offensichtlich auf den Lippen brennt.
    Und er antwortet sofort, sehr überzeugt und beinahe beschwörend. »Das wisst ihr doch gar nicht? Immerhin haben wir Lupina dort gefunden. Die ist total in Ordnung. Vielleicht hätte man mit dem Wardenboss auch reden können?«
    Der Dunkle und ich tauschen einen Blick. Der Helle ist eindeutig enthusiastisch und kontaktfreudig, aber nicht der Allerhellste, wenn er das wirklich glaubt.
    »Bei den Orks haben wir nichts als Glück gehabt, Kleiner. Ich erkenne an, dass du den richtigen Instinkt hattest, aber wären wir meiner Führung gefolgt, hätten wir den Schamanen kaltgemacht, bevor er Schaden anrichten kann. Mit den Kriegern hättest du auch dann Kumbaya singen können, ohne dass man uns mit einem Zauber in hundert Einzelteile sprengt. Und was sollte diese blödsinnige Rettungsaktion? Wir können nicht alle retten. Wenn wir dabei umkommen, nicht einmal noch einen. Du musst damit aufhören.«
    So eine lange Ansprache, ganz ohne Kraftausdrücke und Knurren habe ich von ihm noch nie gehört. In mir keimt Hoffnung auf.
    »Sorry, Dunkler, aber das kommt vielleicht von mir. Der Reflex zu helfen, wenn ich kann, das ist nicht allein seine Schuld.«
    Ich werde von den gelben Augen angestarrt. Wäre es nicht eine Version von mir, würde ich ängstlich zurückweichen.
    »Dann«, überrascht mich der Dunkle, »lass mich wenigstens helfen. Jedesmal, wenn du mich aussperrst, kann ich nur zuschauen und mich ärgern. Ich kann mehr als nur töten. Viel mehr.«
    Der Helle und ich sind nun dran mit starren. Tatsächlich ist es genau das, was ich erwarte, wenn ich den Dunklen rufe. Mord, Grausamkeit und kein Bedauern.
    »Aber ist das nicht deine Natur? Du bist der Dunkle!« Vielleicht klinge ich eine Spur vorwurfsvoll.
    »Habt ihr zwei Pappnasen euch jemals gefragt, warum ich ohne Zögern und Gnade agiere?«
    Ich und der Helle schauen uns betreten an. »Nein …?«, meint er unsicher. Auch ich fühle mich in meinem Weltbild erschüttert. Bisher war die Rollenverteilung doch ganz klar? Der Helle ist unsere Version der weiten Arme und offenen Tür, ich verwalte unsere Erfahrungen, analysiere und koordiniere. Der Dunkle ist dafür zuständig, wenn es blutig wird.
    »Pah. Natur. Eine billige Ausrede von euch Moralaposteln, um Notwendigkeiten, die euch nicht passen zu rechtfertigen. Ich überlebe. In einem Übungskampf halte ich mich raus. Keine Todesgefahr. Aber wenn ihr Schwachmaten mal wieder Einer gegen Alle spielen müsst, um eure überlegene Lebensart auch physisch zu beweisen, dass holt ihr mich. Schon mal überlegt, mich vorher zu holen?«
    »Vorher?«
    »Vorher?«
    Der Helle und ich wissen gar nicht, was wir dazu sagen sollen, weil es doch so offensichtlich ist.
    »Mann, wenn wir dich schon vorher hohlen, dann endet es doch in jedem Fall in einem Gemetzel!«
    Der Dunkle spuckt aus. »Narren. Alle beide.«
    Wir anderen schweigen. Alle beide.
    Der Dunkle stöhnt auf. Es muss ihm körperliches Unbehagen bereiten, so viele Worte aufzuwenden.
    »Überleben bedeutet auch, sich aus einem Kampf heraushalten. Nur die Schlachten zu schlagen, die man schlagen muss. Eine Demonstration der Stärke und Dominanz verweist viele Gegner schon im Vorfeld auf ihre Plätze. Und Überleben bedeutet auch, die Heilkräfte und Resistenzen des Körpers zu aktvieren. Das bringt alles aber nicht mehr viel, wenn ihr mich erst ranlasst, wenn wir uns schon eines Angriffs erwehren müssen.«
    Der Helle schüttelt ungläubig den Kopf. Präventive Gewalt oder Gewaltandrohung gefällt ihm gar nicht. Ich hingegen erkenne die Möglichkeiten.
    »Du hättest uns gegen den Schamanen schützen können? Wie?«
    Der Dunkle knurrt und erhebt sich. »Herkommen, ihr Idioten. Klappe halten, Sehen und Lernen!«
    Wir drei erheben uns. Je näher wir uns kommen, desto fassbarer wird die Welt um uns herum.
    Die Nacht weicht zurück und auch die Heide macht einem kühlen Morgen, viel Fels und dem Geruch von verbranntem Fell Platz.

    ***


    »Er erwacht. Weicht zurück. Macht ihm Platz!« Die Schamanin wirkt alarmiert.
    »Oh, große Löwin. Was ist das? Was hast du mit ihm gemacht?« Galina klingt sogar ein wenig panisch, so kenne ich sie gar nicht.
    »Zurück! Waffen senken. Wer seine Waffe erhebt, den erschlage ich persönlich!« Mein neuster, bester Freund, der Orkhäuptling. Nur warum dieses ganze Geschrei?
    Ich öffne meine Augen. Mir war gar nicht bewusst, dass ich sie geschlossen hatte. Die Eindrücke um mich herum sind so klar und deutlich. Ich weiß genau wo jeder im Umkreis um mich herum steht. Auf dem Boden hat es wohl keinen gehalten.
    Ich wittere Furcht, den Wunsch zu jagen, Wissen und fassungsloses Erstaunen.
    Als ich aufstehe, geschieht das auf alle Vieren. Ich fühle mich gewaltig, wuchtig, mächtig. Unwillkürlich reiße ich meinen Kopf in den Nacken und brülle der Welt meine Anwesenheit entgegen.
    Einige Orks lassen ihre Waffen fallen und fliehen in die Felsen. Obwohl ich auf allen Vieren bin, habe ich eher den Eindruck, die Leute um mich herum sind geschrumpft.
    Die Schamanin vor mir, die als einzige noch in der Hocke kauert, mustert mich mit einem eher wissenschaftlichen Interesse. Starrt sie mir in den Mund?!
    »Bruder, gib mir eine der Bronzescheiben. Ja die da hinten. Nein, reich sie mir rüber, komm nicht näher.«
    Ich wundere mich, beobachte aber, wie er die Scheibe am langen Arm seiner Schwester reicht.
    Galina schleicht sich am Rand meines Sichtfelds näher. Sie glaubt wohl, ich würde es nicht bemerken. Also tue ich so, als wäre das der Fall. Von ihr geht keine Bedrohung, nur dieses fassungslose Staunen aus. Was haben die nur alle? Noch nie einen nackten Kerl im Liegestütz gesehen?
    Die Schamanin hält die polierte Scheibe wie einen Spiegel vor mein Gesicht.
    Ich habe Schwierigkeiten zu erkennen, was sich darin spiegelt. Überhaupt triggern mich Bewegungen, selbst langsame, viel mehr. Irgendwas stimmt auch mit dem Licht heute Morgen nicht. Alles wirkt rötlich und viel kontrastreicher als sonst.
    »Schau in den Spiegel, Säbelzahn. Sieh, wer du bist, wenn du Eins bist.«
    Ich konzentriere mich auf das Spiegelbild. Wenn ich mich etwas bewege, erkenne ich es leichter. Dann macht es Klick und ich setze mich schwer auf den Hosenboden. Meine Arme, nein Vorderbeine, krallen sich in den felsigen Untergrund.
    Galinas Gesicht taucht zwischen meinem und dem Spiegelbild auf.
    »Tormen, bist du das?«
    Der Dunkle grinst dunkel vor Befriedigung, der Helle lacht hell vor Begeisterung und ich bin ratlos.
    Ja, ich bin hier, will ich sagen, aber es löst sich nur ein freundliches Grollen aus meiner Kehle. So freundlich ein Grollen sein kann, wenn es aus dem Hals einer dreiviertel Tonne schweren Riesenkatze kommt, mit Zähnen, lang wie Säbel und der sicheren Gewissheit im Hinterkopf, dass im Zweifel alles um mich herum Beute ist. Der Schamanin, Beute. Der Orkhäuptling, zuerst Herausforderung, dann Beute, die vielen anderen Orks, Beute.
    Galina, Beu … nein, keine Beute. Ich zucke zurück. Äußerlich wie innerlich.
    Es ist, als ob ich einen schweren Mantel abschüttle.
    Nun ist es wirklich kalt. Verdammt kalt. Ich habe beinahe vergessen, wie kalt die Nächte hier werden, besonders, wenn man im Adamskostüm auf dem nackten Fels sitzt.
    Trotzdem lächle ich Galina erleichtert an. »Ja, Galina, das bin wohl ich.«

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    Tom Stark
    zum Lesen geeignet

  • Wooo hey, jetzt geht's aber ab! Tormen Säbelzahn, go, go, go!

    Schöne Wendung, Tom, gefällt mir. Auch das Gespräch der drei vorher. Ich reihe mich mal bei Tormen und dem Hellen ein und bin verblüfft.

    "Er wird wiederkommen. Die Berge sind wie ein Virus. Man infiziert sich mit der Liebe zu ihnen
    und es gibt kein Gegenmittel. Sie führen in eine Sucht, man kommt nicht mehr von ihnen los.
    Je länger man sich woanders aufhält, desto größer wird das Verlangen, sie wiederzusehen."

    Chad, der Holzfäller
    aus "Der Wolf vom Elk Mountain"

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  • Das Ende einer Jagd?

    Car Cazzar ist in etwa so, wie ich es in Erinnerung habe, und völlig unterschiedlich zugleich.
    Immer noch prägen die wild zusammengezimmerten Hütten das Stadtbild. Aber was sollen die Leute auch verwenden, wenn sie nur Fels, Lehm, Korbmatten und das wenige Hartholz haben, was irgendwie durch den Handel in die Stadt kommt.
    Das Stadtzentrum um die große Marktfläche wiederum zeigt mir ganz neue Gebäude, die den Namen auch zu Recht tragen. So haben tatsächlich einige Magier, Hexer und Alchimisten ausgerechnet hier am Anus Mundi eine Gilde gegründet und dieses fünfstöckige Monstrum errichtet. Mit der Hilfe von Magie natürlich. Wie sonst hätten sie die tonnenschwere Blöcke herschaffen sollen, welche die Basis zu ihrem architektonisch fragwürdigen und künstlerisch außer jeder Frage stehenden Machwerk bilden. Allein vom Hochsehen auf manche verdrehten Türmchen und Dächer wird mir schlecht.
    Gut für uns allerdings, dass wir eine Ladung seltener Parafernalien – Zeugs, um irgendwas zu beschwören - gerettet haben. Kein Wunder, dass der Orkschamane ganz wild darauf war. Damit hätte er sich vielleicht zum Obergroßgurumerlin der Stämme aufschwingen können.
    Normalerweise würde ich es damit abtun, dass ich Magie für überwertet und gefährlichen Unfug halte, aber seitdem ich mich, sehr zum Schaden meiner Klamotten, von jetzt auf gleich in eine nashorngroße Raubkatze verwandeln kann, versuche ich mit meiner Wortwahl vorsichtiger zu sein.

    Gegenüber der Zaubergilde einmal quer über den Markt, befindet sich eine nagelneue Karawanserei mit angeschlossener Garnison. Und man stelle sich mein Erstaunen vor, als ich sehe, dass die Söldner den Kaiserdrachen als Wappen führen. Also nicht das neue, Staatswappen, das alte Rebellenwappen von vor der Zeit, die nur als kurze Irrung im ansonsten tadellosen Werdegang des Kaiserreichs in die Analen eingehen soll.
    Hust! Sch … Politik!
    Mist, da habe ich mich wohl verschluckt.
    Ich bedaure nur, dass ich die Abreise von Max, Lupina und Narwinio verpasst habe. Komaartige Heilschläfchen bringen so etwas nun mal mit sich und der Winter naht! Auch oder besonders für hungrige Zwerge.
    Stattdessen sitzen wir auf dem Balkon, den das zweite Stockwerk der Karawanserei fast vollständig umgibt und frühstücken beinahe mondän.
    »Es ist anders, als du es beschrieben hast.« Manchmal ist Galina die Königin des Offensichtlichen.
    »Iss dein Brötchen«, grinse ich und behalte die Reisenden im Auge.
    »Die Magier haben mir gesagt, dass er heute noch kommt. Und sie haben mir zugesichert, dass niemand von ihnen sich einmischen wird.«
    »Wenn sie das sagen«, erwidere ich wenig überzeugt. Gut, sie haben es zwar gesagt, aber so sehr hat sich Car Cazzar nicht verändert, dass der persönliche Vorteil nicht im Zweifelsfall wichtiger ist. Ich wäre sogar bereit zu wetten, dass gewisse Leute der Zauberergilde lieber weiter die Waren des Sklavenhändlers beziehen wollen, als es zu riskieren ihn zu verlieren, weil wir eine Amazonenkriegerin befreien wollen. Zum Glück hat Galina kein Sterbenswort von Prinzessin verlauten lassen. Soviel Gerissenheit bei ihr muss ich erst einmal verdauen.
    Sie hingegen mustert mich immer wieder, wenn sie denkt, dass ich nicht hinschaue. Meine Sinne haben sich aber so extrem erweitert, dass ich wie durch eine Art Radar kleinste Bewegungen bemerke. Wäre der Dunkle nicht, der immer wieder beruhigend einwirkt, wäre ich das reinste Nervenbündel.
    Überhaupt klappt unsere Kooperation viel, viel besser. Von einer echten Dreieinigkeit zu sprechen, wäre zu viel des Guten, aber wir sind ein Oberklasseteam aus zwei All-Stars und dem Rookie des Jahres. Jeder für sich schon ziemlich klasse, aber mit unserer Synergie auf dem Weg zum Team Greatest of all Times.
    »Bald sollten sie kommen.«
    Ich schaue die Amazone besorgt an. Ich kann verstehen, dass sie etwas nervös ist, aber ich kann förmlich riechen, dass da mehr ist, obwohl sie es versucht vor mir und vielleicht auch vor sich zu verbergen.
    Ich beuge mich zu ihr hin. »Hey«, sage ich leise, »Keine Sorge, bald kannst du sie wieder in deine Arme schließen … oder was immer Amazonen seltsames mit ihrem Nachwuchs machen.«
    Sie kneift die Augen zusammen und braucht einen Moment um zu sehen, dass ich sie auf den Arm nehme.
    »Ha!« Gut, mehr bekomme ich wohl nicht.
    »Sie werden uns nicht einmal kommen sehen, wenn wir über sie herfallen. Die Söldner hier werden jedenfalls keinen Finger rühren. Nicht, nachdem sie das Wappen auf meinem Schild gesehen haben.«
    »Das ist es nicht«, wiegelt sie ab.
    »Was dann? Was stimmt nicht?«
    Galina dreht sich von mir weg, gibt vor, die Straße genauer zu beobachten.
    Toll. Jetzt hat sie es geschafft. Nun bin ich auch nervös.
    »Tormen?«
    »Hm.«
    »Sollte mir etwas zustoßen, gibst du ihr mein Pferd und meine Sachen. Ich weiß, du solltest nicht noch mehr für mich tun müssen , noch mehr, als ohnehin schon.«
    Ich räuspere mich. »Das, meine liebe Amazonenprinzessin ist ja wohl meine Sache. Aber warum sollte sie dein Pferd brauchen? Deswegen haben wir da den Honorablen dabei.«
    »Ach. Nur so.«
    »Soso.«
    »Wenn ich dich nerve, sag es einfach.«
    »Gut. Du nervst. Lass das.«
    Sie schaut mich mit großen Augen an.
    »Im Ernst, das Tanzen um den heißen Brei nervt mich wirklich. So bist du nicht. Und ich auch nicht.«
    »Okay …«
    Ich grinse, weil sie wieder mein Wort benutzt, dass man sonst hier gar nicht kennt.
    »Wenn … wenn irgendetwas passiert, beschützt du sie dann?«
    Ob sie einen Hirntumor hat, den sie mir verheimlicht, oder was soll der Mist? Bisher war es immer ich, der fast draufgegangen ist. Und sie bittet ausgerechnet einen Mann auf eine junge Amazone aufzupassen? Ich bin wohl im falschem Film gelandet.
    »Sicher, was immer nötig ist. Kannst dich auf mich verlassen.« Keine Ahnung, warum ich das sage, aber es ist wohl das, was sie hören will. Ihre Nervosität ist jedenfalls wie weggeblasen.
    »Danke. Habe ich dir jemals von Sherenas Kindheit erzählt, oder ihrem Vater?«
    Mit fällt beinahe das Brötchen aus der Hand. So heißt sie also? Hatte mich schon gefragt, ob ich das jemals erfahre. Aber ihr Vater?
    Unwillkürlich schaue ich zum Himmel und suche den Kometen, der offensichtlich gerade den Weltuntergang einleitet. Da ich keinen sehe, bekommt der Teufel wohl gerade Frostbeulen.
    »Kelores war kein übler Mann. Fleißig, Folgsam und ziemlich schlau. Und vor allem schlau genug, es nicht unnötig zur Schau zu stellen.«
    Ach, schau mal einer an!
    »Sherry kommt in mancherlei Hinsicht nach ihm.«
    Warum ich bei Sherry Lust auf etwas Hochprozentiges bekomme, kommt mir seltsam vor. So früh am Morgen …
    »Aber in vieler Hinsicht ist sie auch stur, kommt wohl nach mir. War zunehmend unglücklich in der Burg. Das ist auch der Grund, waru …«
    Ich hebe die Hand und zeige auf die Doppelreihe gut bewaffneter Söldner, welche den Platz vor der Karawanserei räumen.
    »Was zur Hölle soll das?« Ich ergreife meinen Schild.
    »Tormen. Nein. Lass mich machen.«
    Ich bin zu verblüfft, um zu antworten.
    »Vertrau mir. Ich habe einen Handel abgeschlossen.«
    »Handel? Was für einen Handel?«
    »Bitte. Vertrau mir. Denk an dein Versprechen … und verzeih mir.«
    Bevor ich etwas sagen kann, erhebt sie sich. Nun erst fällt mir auf, dass sie ihre Rüstung und Waffen säuberlich unterm Tisch abgelegt hat.
    Zwischen den Söldnern treten zwei wuchtige Kerle in den Vordergrund. Beide wenigstens Zwei Schritt und einen halben hoch, vielleicht sogar fast der und zweimal so breit wie ich.
    Oger? Das sind echte Oger?
    Hinter den beiden Kleinriesen stolziert ein beleibter Mann mit Edelklamotten, was sogar ich Modemuffel von hier oben erkenne. Neben ihm eine drahtige Rothaarige, die der Dunkle allein schon als total gerechtfertigte Vorsichtsmaßnahme kaltmachen würde, und ich stimme ihm da völlig zu. Kälter kann auch der Blick der Eiskönigin nicht sein. In bester Gesellschaft befindet sie sich bei dem hageren Galgenvogel der neben ihr geht und eine gefesselte, hübsche junge Frau mit hellbraunem Haar hinter sich her zerrt. Die junge Dame hat eindeutig Feuer und ihren Wiederstand noch lange nicht aufgegeben, wie ich an dem Achtungsabstand erkenne, den die beiden Strolche zu ihr einhalten. Ein Blick ins Gesicht löscht jeden Zweifel aus, wer dort in Ketten ist.
    Galina steht ruhig auf und hebt eine Hand, als ich ihr folgen will.
    Gut, offensichtlich ist es ihre Show. Also bleibe ich sitzen.
    Noch.
    Die Amazone geht die Außentreppe hinab durch das Spalier, welches die Söldner bilden und welches sich hinter ihr schließt. Ich knurre wütend, aber noch warte ich ab. Es gehört ja zu meinem derzeitigen Lebensplan, Konflikte so möglich, ohne ein Blutbad zu lösen.
    Der Dunkle in mir beginnt schallend zu lachen.
    Arsch!
    Galina tritt zwischen die Oger, die aber zu mir auf den Balkon starren und die für sie winzige Amazone keines Blickes würdigen.
    »Ich bin hier, wie vereinbart.« Ich kann Galina hören, als stünde ich neben ihr. Und ich rieche den Sklavenhändler. Der hat für meinen Geschmack viel zu wenig Angst um seine Sicherheit.
    »Das sehe ich. Aber du bist nicht allein, Hauptfrau.«
    Galina schaut kurz zu mir, eindeutig beschwörend, mich bloß nicht zu regen. Selbst der Helle in mir sagt jetzt laut, dass das ein Fehler ist. Ich widerspreche ja auch gar nicht.
    »Er beobachtet nur und nimmt die Amazone in Empfang.«
    »Das war so nicht abgemacht.«
    »Mag sein, aber so wird es laufen, so oder gar nicht!« Galina schaut den feisten Sklavenhändler herausfordernd an.
    Der mustert sie eingehend und ich wittere seinen Entschluss noch, bevor er es ausspricht. Zwei Amazonen sind für ihn wohl besser als eine oder gar keine.
    Er öffnet den Mund, doch die Welt ist für mich schon nicht mehr dieselbe. Als würde ich einen schweren Mantel umwerfen, nehme ich an Masse zu. Die Reste meiner Kleidung werden explosionsartig in alle Richtungen geschleudert und schon bin ich mit einem lächerlich kurzen Sprung vom Balkon auf dem Platz.
    Zwei Söldner begrabe ich bei der Landung unter mir einer weiteren Söldnerin beiße ich einfach den Kopf ab, weil sie mir absichtlich oder unabsichtlich im Weg steht.
    Dem nächsten vor mir wische ich beiläufig das Gesicht aus dem Kopf und der erste Söldling, der mich wirklich aufhält wird umgerissen und mit einem langen Streich meiner Zähne ausgeweidet.
    Dann erst beginnt das Kreischen, Schreien und Klagen.
    Musik in meinen Ohren.
    Ich schlage nach links, nach rechts, springe und beiße und bin in weniger als einer halben Minute von Sterbenden oder bereits Toten umgeben. Sobald ich eine Bewegung wahrnehme, handelt mein Körper schon. Pranken, die es mit Mikkis Hufen locker aufnehmen, fliegen nur so hin und her.
    Galina schreit meinen Namen und ich fahre herum. Wie konnte ich in meinem Kampfrausch die Amazone nur vergessen?
    Ein Oger und die Rothaarige haben sie gepackt und obwohl sie sich heftig zur Wehr setzt, hat sie der Kraft des Ogers wenig entgegenzusetzen und es kracht beinahe in meiner Ohren, als sich die Stählernen Gelenkschellen bei ihr schließen.
    Ich setze an, springe und lande in einer Wand auf Fleisch und Muskeln. Der zweite Oger.
    Während er versucht mich zu packen, beiße ich ihm in die Schulter. Sogar Ogerknochen brechen unter der Kraft meiner Kiefer.
    Der Oger brüllt und meine Ohren klingeln. Zwei heftige Schläge treffen mich, als er mich von sich stößt. Ich schüttle mich, als ich perfekt auf allen Vieren lande. Katzen landen wohl wirklich immer auf ihren Füßen.
    Der Oger schwingt einen Arm, der andere hängt wie ein nutzloses Pendel an seiner Seite. Ich weiche dem ersten Schwinger aus, erwarte den zweiten, unterlaufe ihn und springe erneut, diesmal mit aller Kraft, die meine Hinterläufe zu bieten haben.
    Der Oger und ich sind vielleicht in derselben Gewichtsklasse, aber auf zwei Beinen steht es sich einfach nicht so sicher. Sobald ich ihn am Boden habe, muss ich noch einen Schlag in den Rücken einstecken, bei dem dort irgendetwas kaputt geht, aber ich beiße dem Oger direkt ins Gesicht. Er wirft sich noch einmal zur Seite, aber ich springe ab, warte bis er halb herum ist und zertrümmere das, was von seinem Kopf noch übrig ist. Ich strecke mich kräftig durch und meine Heilkräfte verbringen innerhalb von Sekunden, was sonst Monate dauert und ich bin wieder fit. Der Dunkle hat wirklich nicht zu viel versprochen.
    Es wird langsam übersichtlich auf dem Platz. Was noch kann, entfernt sich so schnell wie möglich von mir. Nicht, dass es ihnen etwas nützt. Wenn ich will, bekomme ich sie alle.
    Ich versuche mich zu fokussieren. Ich bin nicht hier um Beute zu machen.
    Galina!
    Der Oger ist mit seinem Riesenschritten schon einige Dutzend Schritte weit gekommen und er wirft die Amazone wie eine Puppe in einen wartenden Wagen. Der Sklavenmeister und die Rothaarige steigen auf. Ich brülle wütend.
    Eine kleine Frau, in die bunten Gewänder der Zauberergilde gekleidet, wedelt mit ihren Armen und eine flimmernde Barriere spannt sich über die Straße. Ich merke mir die Frau gut. Sie sieht meinen Blick und wird bleich wie eine Wand.
    Gut so. Angstschweiß lässt sich auch noch nach Meilen und Stunden aufspüren.
    Da sehe ich, wie Sherena gegen ihren Häscher kämpft. Die tapfere Amazone hat die Gunst der Stunde genutzt und dich auf den hageren gestürzt. Der wehrt sich mit Langdolch und Peitsche gegen die wütende junge Frau, die ihre Kette wild vor sich herumschleudert, so gut es eben mit gefesselten Handgelenken und Fußfesseln möglich ist.
    Ich nähere mich langsam. Beide sind so in ihrem Kampf verstrickt, als sie mich erst bemerken, als ich laut knurre.
    Der Hagere stürzt über seine eigenen Beine und verliert seinen Dolch. Sherena knurrt wütend in meine Richtung zurück und stürzt sich auf ihren Peiniger.
    Ich bleibe wartend zurück und sehe interessiert zu, wie sie den Schurken mit wohldosierten Grausamkeiten auseinandernimmt, dass sogar der Dunkle beeindruckt nickt.
    Wer behauptet Rache muss kalt serviert werden, ist wohl einfach ein Fan von Nachspeisen.
    Schritte nähern sich. Ein paar der Söldner haben wohl irgendwo ein paar mutige Gene aufgetrieben, aber keine Selbstmördergene. Denn als ich sie anbrülle, bleiben sie stehen und als ich einen anspringe, in die Brust beiße und ihn dann mit einer wilden Bewegung zu seinem Kameraden schleudere, erinnern sie sich an die Händlervorfahren und dass es einfach Dinge gibt, für die man nicht gut genug bezahlt werden kann.
    Ich sehe, wie die kleine Magierin durch das Eingangstor zur Gilde flüchtet und mir einen letzten Blick zuwirft. Ich erwidere ihn kalt. Dieser Verrat wird gesühnt werden. So oder so.
    Als ich mich umdrehe, erhebt sich die junge Amazone schwer atmend. Für eine Gefangene sieht sie gut aus. Man wollte sie wohl in Bestzustand veräußern. Manchmal ist es eben gut, eine V.I.P. zu sein.
    Ich gehe langsam auf die zu. Sie stolpert, fängt sich wieder und hält den Dolch in beiden Händen, bereit sich mit dem Spielzeug gegen mich zu verteidigen.
    Ein letztes Mal schaue ich mich um. Außer uns beiden ist keine Seele zu sehen und auch nicht zu wittern. Triumphierend brülle ich ein letztes Mal.
    Dann werfe ich meinen metaphorischen Mantel ab.
    Sherena mustert den nackten Fremden vor sich mit bemerkenswert wenig Aufregung. Von Ogern durch die Gegend geschleift zu werden, härtet wohl etwas ab.
    »Nicht näher. Ich entkomme nicht der einen Bestie, um die Beute der Nächsten zu werden.«
    Mutig, die Kleine. Ganz die Mama.
    »Lass den Unsinn und dir helfen, deine Fesseln loszuwerden. Ich habe deiner Mutter versprochen dich zu beschützen und du machst mich nicht zum Lügner.«

    Ende Buch Eins
    Ok, doch ein Klippenhangar.
    Konnte einfach nicht widerstehen.

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    Tom Stark
    zum Lesen geeignet

  • Hy, Tom Stark Anmerkungen zu Der Dunkle, der Helle und ich:

    Ansich eine spannende Geschichte von dir. Nur hätte ich gerne eine Einführung die zunächst erklärt worum es sich hier handelt. Was mich ebenfalls verwirrt ist, das du nie so Richtig erwähnst wer gerade etwas sagt. Auch sind einige Begriffe einfach so ohne Erklärung eingefügt: was genau zB. ist ein Lederstrumpf? Oder was bedeuten die Sternchen im Text?
    Also wie schon gesagt, die Geschichte ist spannend erzählt. Wenn auch noch leicht Ausbaufähig.
    MfG: Nitram

  • Heyho.

    Beide wenigstens Zwei Schritt und einen halben hoch, vielleicht sogar fast der und zweimal so breit wie ich.
    Oger? Das sind echte Oger?

    Oger hin - oder nicht: Da fehlt was im Satz.

    Ansonsten gibt's nix zu meckern, unterhaltsam und flott geschrieben - mir gefällts.:thumbup:

    Wobei das mit dem "flott geschrieben" irgendwo auch ein zweischneidiges Schwert ist: Zum einen frage ich mich, ob Du das Tempo permanent halten kannst (würde mich wundern...) und zum zweiten, ob der Stil so manchen nicht etwas überfordert, einfach, weil im Geschehen nur selten mal eine Verschnaufpause eingelegt wird.

  • Da fehlt ein "sind" und aus "der" mach "mehr" und schon ist es ein Satz sogar mit Sinn ... besser ich gleich mal aus.

    irgendwo auch ein zweischneidiges Schwert ist: Zum einen frage ich mich, ob Du das Tempo permanent halten kannst

    Ist mein normales Tempo ^^ , aber ich weiß, dass es vielen zu hektisch ist. Selbst wenn ich cozy schreiben will, empfinde oft nur ich es als langsam und gemütlich.
    Dabei lasse ich einfach nur konsequent das weg, was ich selbst bei spannenden Romanen ohnehin überfliege ...

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    Tom Stark
    zum Lesen geeignet