Es gibt 217 Antworten in diesem Thema, welches 7.714 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (26. Mai 2024 um 19:16) ist von Tariq.

  • "Die Soldaten die im alten Kastell stationiert sind, sind übervorsichtig was die Zisternen angeht", brummte Wulfgar schließlich. "Sie haben ganz offensichtlich die Sorge daß jemand die vergiften könnte."

    "Das ergibt Sinn...", kommentierte Ketran und nickte. "Wenn die Stadt kein Wasser hat, dann kann sie keiner Belagerung standhalten."

    Auch Perren nickte zustimmend.

    "Von Sorgen um die Zisternen habe ich hier immer wieder mal gehört, das ist fast normal für Festungen", sagte er. "Mal ist es eine Giftmischerin, mal ein paar Pathonanbeter, mal die ausländischen Händler die planen etwas ins Wasser zu kippen..."

    "Wenn die Städter also glauben würden daß die Eloraner...", begann Tanred vorsichtig, aber Wulfgar schüttelte schon den Kopf bevor er ausreden konnte.

    "Die Garde trinkt auch aus den Zisternen - die würden sich selber vergiften. Solche Gerüchte betreffen immer nur eine kleine Gruppe die ihr eigenes Wasser hat. Jemanden den man ohnehin fürchtet oder verachtet."

    "Könnten wir die überhaupt Zisternen vergiften?", fragte Perren, zu Branwen gewandt.

    "Falls du in Kauf nehmen willst daß tausende der guten Bürger verrecken bevor das Wasser für die Soldaten knapp wird...", kommentierte Wulfgar leise während Branwen den Kopf schüttelte.

    "Ich kenne ein Gift, wenn ich ein kleines Fläschchen davon in einen Eintopf schütte, dann sterben alle die davon essen", antwortete die alte Frau. "Die gleiche Menge in eine Zisterne - und niemand bekommt auch nur Bauchschmerzen. Die Zisternen sind unterirdische Seen, ich müßte fässerweise Gift hineinkippen - und das auch noch unauffällig. Selbst wenn ich die Substanz in so einer Menge hätte wäre das nicht machbar."

    "Aber ein stärkeres Gift?", beharrte Perren auf der Idee.

    Branwen zuckte mit den Schultern.

    "Ein Alchemist könnte es vielleicht tun", sagte sie unsicher. "Ich weiß es nicht... Auf der anderen Seite habe ich Gerüchte gehört daß es in der Stadt einen Alchemisten geben soll. Oder einen Magier - keine Ahnung ob es die gleiche Person sein soll oder zwei verschiedene."

    "Fret hat auch so etwas gehört", bestätigte Ketran. "Ein Apotheker oder Alchemist der sich mit verbotenen Formeln beschäftigt und nach einem Lebenselixier sucht. Oder ein Magier der Dämonen heraufbeschwört um die ewige Jugend zu gewinnen."

    "Kann da irgend etwas dran sein?", fragte Wulfgar skeptisch. "Man sollte meinen daß es die Inquisition auch in Terred gibt - und sie hat einen Ruf, jeden der mit dieser Magie experimentiert schnell zu finden und blutig eines besseren zu belehren..."

    Tanreds Herzschlag beschleunigte sich als die Inquisition erwähnt wurde - wie die Femerichter war der geheime Trupp des ädonitischen Klerus der Magier und Praktiker verbotener Riten ausfindig machte und tötete das Thema von vielen Geschichten - aber welche davon wahr waren konnte niemand sagen. Nur daß Wulfgar die Sache für wahr genug zu halten schien...

    "Vermutlich nicht...", seufzte Perren. "Vermutlich ist es nur ein Apotheker der auch Geschäfte unter der Hand macht - Gifte verkauft, Drogen oder Liebestränke... und der Rest ist eben Gerücht."

    Der Prinzipal nickte zu sich selbst.

    "Ein Magier in Terred - der würde uns schon helfen wenn wir ihn finden und auf unsere Seite bringen könnten...", murmelte er.

  • "Könnten wir die überhaupt Zisternen vergiften?", fragte Perren, zu Branwen gewandt.

    Könnten wir überhaupt die Zisternen vergiften?


    Hier wird es gruselig. Auch wenn es einer guten Sache dient - aber sie reden darüber Zisternen zu vergiften. Wenn sie jemand dabei erwischt sind sie Verbrecher. Sie müssten Gift mischen und die Tat einer anderen Gruppe unterschieben ... das sehe ich als bösen Weg an. Zumal es auch sehr nach hinten losgehen kann. (Mich wundert dass Tanred diese Idee nicht verwirft?)

    Jedoch ist die Idee mit dem Magier interessant. Vielleicht finden sie einen und vielleicht kommt der noch auf bessere Ideen.

    Meine Geschichten: * Meermädchen * Kriegerkönigin * Dark Prince * No Way Out

  • Tevor TwoFive-O meets Tanred ^^

    Ja, die vergiftete Trinkwasserversorgung einer ganzen Stadt - darüber nachzudenken sollte bei Tanred eigentlich Entsetzen auslösen, das habe ich auch so bei mir gedacht. Aber erst bei der Erwähnung der Inquisition beschleunigt sich sein Herzschlag. Lässt mich annehmen, dass ihn der Gesprächsinhalt vorher nicht betroffen gemacht hat.

    Und auch dass der Gedanke oder besser die Tat selbst die Truppe im Auge des Lesers (speziell in meinem) erheblich Sympathiepunkte kosten könnte, planst du anscheinend ein. Hm, bin gespannt, ob Perren den Magier kontaktieren wird und warum.

    "Er wird wiederkommen. Die Berge sind wie ein Virus. Man infiziert sich mit der Liebe zu ihnen
    und es gibt kein Gegenmittel. Sie führen in eine Sucht, man kommt nicht mehr von ihnen los.
    Je länger man sich woanders aufhält, desto größer wird das Verlangen, sie wiederzusehen."

    Chad, der Holzfäller
    aus "Der Wolf vom Elk Mountain"

    ___________________

  • Ja, die vergiftete Trinkwasserversorgung einer ganzen Stadt - darüber nachzudenken sollte bei Tanred eigentlich Entsetzen auslösen, das habe ich auch so bei mir gedacht.

    Mich wundert dass Tanred diese Idee nicht verwirft?

    Hm, das ist ein interessanter Punkt.

    Nach kurzem in-mich-gehen was ich mir da beim Schreiben gedacht habe - Tanred glaubt einfach nicht dass Perren das ernst meint, deswegen reagiert er nicht. Es bleibt auf dem Level eines Gedankenspiels.

    Was Perren angeht, der ist ein bisschen verzweifelt und weiss auch nicht mehr weiter, extreme Ideen zu diskutieren fuehrt vielleicht zu einer neuen Perspektive, aber eigentlich wuerde er sowas auch nicht machen.

    Also, ich muss den Text hier klar gestalten dass diese Untertoene gut rauskommen, Tanred ist (noch?:D) nicht an dem Punkt dass er sowas gutheissen koennte...

    :danke:

  • Hey Thorsten

    Ich bin auch mal eingestiegen :) Aktuell bin ich erst bei #19 "Unterwegs" angekommen. Insgesamt liest sich das alles bisher sehr gut. Die Beklemmung und den Horror rund um Tanreds Erlebnisse fängst du meiner Meinung nach richtig gut ein. Zu dem Rückblick bzw. seiner Erinnerung sei vielleicht noch gesagt, dass du den Part ja in kursiv gesetzt hast. Alleine dieses Detail hat mir schon verraten, dass es sich sehr wahrscheinlich um einen Traum oder einen Rückblick handelt. Zwar hatte ich anfangs ganz kurz überlegt, ob es sich um einen anderen Handlungsstrang handeln könnte, doch hat sich das sehr schnell wieder zerschlagen.

    Die Beschreibungen rund um Tanreds Zusammenleben mit den Gauklern finde ich sehr gelungen. Das ganze ist sehr atmosphärisch und ich habe das Gefühl, ziemlich nah daran zu sein. Ein kurzer Gedanke, der mir gerade eben kam war der, dass sich Tanred ja eigentlich schon recht gut in die Gruppe integriert zu haben scheint. Die Sexszene mit Arngard fand ich wohlgemerkt ziemlich gut! Aber was ich mir eben dachte war, dass er eigentlich hier und da mal an seine grausamen Erlebnisse denken könnte. Irgendeine kurze Sequenz nur. Wenn er zum Beispiel die Fackeln sieht, die sich zugeworfen werden, könnten die Bilder des brennenden Dorfs vor ihm auftauchen...oder vielleicht sieht er ein Kind vorbeihuschen, das ihn an an jemanden aus seinem alten Dorf erinnert. Das ist nur eine Idee. Müsste man mal schauen, ob das passt. Es darf halt auch nicht zu sehr überspannt werden. Aber ich könnte mir vorstellen, dass einen sowas nicht so leicht loslässt und dass einen solche traumatischen Erlebnisse anfangs ziemlich krass begleiten :hmm:

    Ansonsten finde ich das alles schon richtig gut und ich werde gespannt weiterlesen :gamer:

  • Hallo Rainbow , schoen hier auch von Dir zu lesen:)

    Alleine dieses Detail hat mir schon verraten, dass es sich sehr wahrscheinlich um einen Traum oder einen Rückblick handelt. Zwar hatte ich anfangs ganz kurz überlegt, ob es sich um einen anderen Handlungsstrang handeln könnte, doch hat sich das sehr schnell wieder zerschlagen.

    Hm, ja... Mit der Praesentation dieser Sequenzen bin ich ja nicht ganz gluecklich, aber das ist vielleicht eine Frage fuer den Zeitpunkt wenn der ganze Text gepostet ist, dann wuerde ich euch mal verschiedene Alternativen praesentieren wie es gemacht werden koennte...

    Ein kurzer Gedanke, der mir gerade eben kam war der, dass sich Tanred ja eigentlich schon recht gut in die Gruppe integriert zu haben scheint.

    Stimmt - ich glaube es wird im ersten Kapitel ein bisschen angerissen, aber er hat Charisma, er wirkt offen und zugaenglich und kann gut mit Leuten - was einer der Gruende ist dass er ueberhaupt fuer die Gaukler rekrutiert wurde. Das trifft dann natuerlich auf die anderen auch zu - fahrendes Volk ist schon ein besonderer Menschenschlag...

    (Wenn Du genauer schaust - zu einigen in der Gruppe hat er schnell ein enges Verhaeltnis entwickelt, an andere kommt er nicht so ran, das ist ja eine recht grosse Gruppe, das sind insgesamt 12 Leute mit denen er unterwegs ist).

    Aber ich könnte mir vorstellen, dass einen sowas nicht so leicht loslässt und dass einen solche traumatischen Erlebnisse anfangs ziemlich krass begleiten :hmm:

    Es gibt einen Grund dass ich solche Sequenzen nicht (oder sagen wir sehr selten, manchmal geht's ihm durch...) drin habe, und der wird in der vorletzten Rueckblende (anfang von Kapitel 11) kommen - da weiss ich natuerlich nicht ob Dich das ueberzeugt, aber ich wuerde die Diskussion dann vielleicht einfach nochmal aufbringen.

  • Das hohe Hauptschiff des Ädonsdoms war düster. Mächtige Pfeiler ragten zu beiden Seiten auf, verzweigten sich dann wie Äste zu Bögen die das ferne Gewölbe trugen das wie ein menschengemachtes Firmament über ihm hing. Schatten sammelten sich dort, ließen Tanred die Bilder die Szenen aus dem Leben der Heiligen und Verkünder zeigten nur schemenhaft erkennen, wie an der Schwelle zwischen Wachen und Träumen vielleicht. Er hatte schon manches Ädonshaus gesehen, aber die Säulen hier erschienen ihm unmöglich hoch, höher als Menschenwerk sein konnte - höher als die gewaltigsten Bäume im Wald ragten sie auf, steinerne Giganten die bis in den Himmel zu reichen schienen.

    Jedes Geräusch, jeder Schritt, jede Stimme hallte seltsam in der gewaltigen Leere das Doms.

    Kerzen tauchten den Altar vor Tanred in warmes Licht und ließen das Ädonsauge dort funkeln, und andere, ähnliche kleine Inseln aus Licht waren in den Seitenschiffen zu sehen. Durch die schmalen Fenster fielen nur einzelne Bahnen aus trübem Morgenlicht in den Dom, helle schräge Streifen zwischen den dunklen senkrechten Linien der nach oben strebenden Pfeiler. Statuen die von einem Muster aus Helligkeit und Düsternis bedeckt waren, schienen fast wie lebendig.

    Die Stille wirkte, als hätte die Welt den Atem angehalten, als würde alles auf ein Ereignis warten, als könnten die Statuen sich jeden Moment von ihren Plätzen lösen um sich vor dem Altar zu sammeln, als könnte der Kerzenschein am Altar jeden Moment zu einem blendenden Glanz werden in dem Ädon sich zeigte.

    Um diese frühe Morgenstunde war der Dom fast leer - das Morgengebet der Mönche würde schon verbei sein, die Morgenmesse erst später beginnen, und Tanred hatte gehofft, bevor die Gaukler wieder aufbrachen, alleine ein paar Momente in diesem Ädonshaus zu verbringen und so wieder zurück zum unendlichen Licht zu finden.

    Wenn nicht hier, wenn nicht in diesem gewaltigen Stein gewordenen Gebet an Ädon, in diesem gigantischen Bau der die ganze Majestät des Gottes darstellte - wo dann?

    Ein Schatten lag auf seiner Seele, seit der Kreuzung, seit er mit dem Schwert zugeschlagen hatte. Er, Tanred, hatte einen Mann getötet, und das war gegen Ädons Gebote. Und wann immer er zur Ruhe kam, zu sich selbst finden wollte und inneren Frieden suchte, konnte er diesen Schatten spüren. Wann immer er versuchte das unendliche Licht in sich zu spüren, spürte er statt dessen die Kälte dieses Schattens.

    Er hätte die Übertretung des Gebots gerne vor einem Priester bekannt um den Schatten wieder zu vertreiben - aber sein Eid als Kerrinsmann verhinderte das. Er hatte Perren geschworen daß er die Geheimnisse der Kerrinsmänner niemandem enthüllen würde, und er war sich ziemlich sicher daß der Prinzipal damit auch Ädonsmänner meinte. Und den Eid zu brechen wäre auch eine Übertretung von Ädons Gebot - einen Frevel machte man nicht mit einem anderen gut...

    Sein Herz Ädon öffnen, vor dem Licht selbst bekennen, das war seine Idee gewesen.

    Aber er konnte das unendliche Licht nicht finden, nicht hier im Dom, nicht in seiner Seele. Wenn er in sich hineinlauschte war da nur der Schatten. Und Dunkelheit.

    Und im gewaltigen Raum dieses Doms war nur Leere... Und Stille. Die Spannung die er spürte, das Atemholen der Welt, das Ereignis das passieren konnte - es betraf ihn nicht. Ädon hatte sein Gesicht abgewandt.

    Er hatte einen Mann getötet, und Ädon hatte sein Urteil über ihn gefällt. Nun war er dazu verdammt, wieder in Dunkelheit zu wandern.

    Plötzliche Tränen schossen ihm bei dem Gedanken in die Augen. Er konnte immer noch versuchen die Gebote einzuhalten, seine Gebete verrichten und sein Leben ehrlich und mit dem rechten Maß zu führen - aber es war nicht das Gleiche wie das unendliche Licht selbst zu spüren, die sanfte Hand die ihn auf seinen Pfad schob, die Gewißheit, nicht alleine zu sein.

    Sein Leben war anders geworden, damals, nachdem er das erste Mal das Licht gespürt hatte. Zufriedener. Ruhiger. Er wollte nicht zurück in die Zeit vorher. Auch wenn es vielleicht besser war, das Licht einmal gespürt zu haben und sich zu erinnern als es nie gespürt zu haben...

    Aber im Moment gab es nur eine Gewißheit.

    Ädon war nicht mehr mit ihm.

    Und das entbehrte nicht der Ironie, denn sobald sie von Terred aufbrachen, würde er für zwei Monde in ein Kloster gehen...

  • Zu #23 und #26.

    Sehr schön, wie du die verschiedenen Stufen des Regens schilderst. Ich konnte mir die kühle Feuchtigkeit richrtig gut vorstellen, die sich über alles legt. Tanreds Geistesblitz und das wärmende Gefühl des Stolzes, der ihn noch ein paar Stunden erfüllt, hast du schön getroffen.

    Eine Sache (vielleicht nicht weiter erwähnenswert) die mir aufgefallen ist: Du verbaust öfter mal 2 "und" in einem Satz. Das ist sicher ein bisschen Stilsache. Ich versuche das nach Möglichkeit zu vermeiden, weil es sich für meinen Geschmack manchmal etwas holprig liest.

    Tanred zog an den Zügeln und kniff die Augen zusammen und spähte durch den Nieselregen.

    Hier zum Beispiel würde ich eine andere Lösung wählen: Tanred zog an den Zügeln, kniff die Augen zusammen und spähte durch den Nieselregen.

    Ketran verschwand wieder, und mehr der Truppe stiegen weiter vorne aus und bildeten ein kleines Grüppchen um den kaputten Wagen.

    Oder hier würde ich zum Biepsiel schreiben: Ketran verschwand wieder und mehr der Truppe stiegen weiter vorne aus. Sie bildeten ein kleines Grüppchen um den den kaputten Wagen. (oder so)

    Er holte aus und klopfte Tanred mit seiner Pranke auf die Schulter, und der fühlte warmen Stolz in sich aufsteigen.

    Auch hier würde ich versuchen, das anders zu formulieren. Aber wie gesagt: Das ist sicher Geschmacksache. Ich wollte es trotzdem zumindest mal erwähnen, weil ich halt dran hängenbleibe.

    Der anschließende Part, wo Tanred unter dem Wagen liegt und nicht schlafen kann, weil seine Gedanken um Arngard kreisen, fand ich auch sehr schön. Vor allem, wie schnell sich das Gefühl von Stolz wieder verabschiedet. Man kennt das ja: Wenn man Mist baut, rennt einem dieses Gefühl ewig hinterher. Aber wenn man Lob ernetet, verpufft der Effekt schon kurze Zeit später wieder. :pardon:

    Besonders gut gefallen an den beiden Parts hat mir, wie du die alte Branwen mit ihren Salben und Tinkturen einführst. So nebenbei wird erwähnt, dass sie noch wen einsammeln müssen und dann anschließend taucht sie wieder in Tanreds Gedankenwelt auf. Man nimmt es als Leser so mit und es fügt sich meiner Meinung nach gut in den Text ein.

  • Klosterleben

    Unterhalb der Stadt liegt ein Heerlager.

    Die Stadt - Terred, wie der Händler ihm gesagt hat - erhebt sich über das umliegende Land wie ein Ort aus einer Sage, hohe Mauern auf noch höheren Felsen, weit entfernt von den Angelegenheiten der einfachen Menschen. Unzerstört, keine rauchende Ruine sondern stolze Türme mit Fahnen die im Wind flattern. Und wenn das Heerlager nicht da wäre, dann würde er sich vielleicht mehr dafür interessieren, aber es liegt fast direkt vor ihm auf der Ebene, am anderen Ufer des Flusses.

    Da sind die halbwegs ordentlichen Reihen der Zelte der Soldaten, und daneben das chaotische Lager der Marketender, der Spielleute und der Troßhuren. Er hat noch nie so viele Soldaten auf einmal gesehen, sie wimmeln wie dunkle Insekten zwischen den Zelten, Reiter preschen aus dem Lager, Rauch von unzähligen Feuern steigt in den Himmel und Wagen um Wagen bringt neue Vorräte für die unersättliche Armee - Feuerholz, Heu für die Pferde, Korn und Bier für die Soldaten.

    Er muß sich nicht lange fragen woher all diese Dinge kommen, er hat es selbst gesehen wie eine Armee das Umland plündert...

    Das Umland, das um diese Zeit noch nicht mal Früchte trägt - der letzte Schnee liegt noch in kleinen Nestern auf der Ebene, aber an den meisten Stellen hat er den Boden schon freigegeben und gelblich-braune Wiesen wechseln sich mit dunklem Ackerboden ab. Noch ist kein Grün auf den Bäumen auch wenn das Frühjahr schon die ersten warmen Tage gebracht hat, aber der Fluß ist von der Schneeschmelze angeschwollen und wälzt sich schäumend an den Klippen unterhalb der Stadt vorbei, braun von Schlamm und über die Ufer getreten. Die Wege sind nass, matschig und von Pfützen übersät, aber es ist trotzdem leichter voranzukommen als noch vor zwei Monden durch den tiefen Schnee.

    Er ist nicht der einzige, der nach Terred unterwegs ist, bei weitem nicht. Andere Wanderer sind auf dem gleichen Weg - abgerissene Gestalten, hager, vom langen Winter ausgezehrt, mit hohlen Wangen und toten Augen. Kinder, Männer und Frauen. Auch sie erhoffen sich, wie er, von der Stadt Sicherheit, Essen, ein Dach über dem Kopf. Er hat ihre Geschichten immer wieder gehört in den letzten Wochen, ob er wollte oder nicht - geplünderte Dörfer, gestohlenes Saatgut, weggetriebenes Vieh. Hunger und Tod, Krankheit, zerstörte Hoffnungen - all das ist Alltag geworden in Gondred. Er weiß auch, daß er sich kein Mitleid leisten kann - anders als sie hat er meistens genug zu Essen gehabt, und ein wenig Kupfer ist sogar noch da, gut versteckt in seiner Kleidung, das ist ein Vorteil, aber er wird ihn schnell nutzen müssen. Niemand hat auf einen Bettler mehr in der Stadt gewartet, das weiß er mit Sicherheit. Und niemand wird ihn als Lehrling nehmen, er weiß daß die Zünfte genau darauf sehen wer in der Werkstatt eines Meisters akzeptiert wird, und daß es genug Hausknechte gibt so daß er sich auch da keine Hoffnungen machen braucht. Wenn er essen will, dann muß er arbeiten, und wenn er Arbeit finden will, dann muß es eine sein die wirklich niemand anders machen will. Er hatte genug Zeit, sich all das in den letzten Tagen überlegen.

    Er wollte eigentlich sein Glück bei den Ställen versuchen - Ausmisten ist keine schöne Arbeit. Aber als er der Stadt näherkommt, riecht er von den Holzhäusern die sich unterhalb des Felsplateaus drängen, zwischen Klippen und Fluß, einen alles durchdringenden Gestank und er sieht plötzlich eine andere Möglichkeit vor sich.

    Dort wird Leder gegerbt.

    Und das stinkt so sehr, daß die Zunft der Gerber außerhalb der Stadtmauern arbeiten muß.

    Vielleicht kann er dort als Gehilfe unterkommen...

    Er lenkt seine Schritte in die Richtung der Gerberei. Der dunkle Stein der Klippe ragt hoch und höher auf, wie eine gewaltige düstere Mauer, wie das Ende der Welt als er die Gebäude erreicht. Schlammige, ungepflasterte Wege verlaufen zwischen Holzgebäuden und Lagerhäusern, an Gestellen trocknen feuchte Häute und Felle in der Luft und auf einem kleinen Platz sind mehrere Bottiche mit stinkender Brühe in denen ein paar junge Männer herumrühren. Der Geruch ist unbeschreiblich.

    "Was willst du hier?", schnauzt ihn ein älterer Mann an, fast kahl, aber ein dichter schwarzer Bart ziert sein Kinn. Er trägt eine feste Lederweste.

    "Braucht ihr einen Gehilfen?", fragt er ohne Umschweife. "Ich bin bereit hart zu arbeiten."

    Der Mann ist sichtlich überrascht, mustert sein Gegenüber für eine Weile.

    "Kennst du dich mit Gerben aus?"

    "Nein - aber ich kann lernen."

    Wieder überlegt der Mann, dann schnaubt er, macht eine Geste zum Heerlager.

    "Verdammt, bei dem was ich für die Pathon-verdammten Soldaten an Leder liefern soll, kann ich eine zusätzliche Hand schon gebrauchen", sagt er. "Sogar einen jungen Burschen wie dich. Ich bin Meister Aldwin, und so wirst du mich auch anreden - hast du das verstanden?"

    "Ja, Meister Aldwin", sagt er.

    Der Meister nickt zufrieden.

    "Bist du ein Leibeigener?"

    Die Frage trifft ihn unvorbereitet. Ist er noch ein Leibeigener? Der Ritter auf dessen Grund er geboren ist ist tot, mit seiner ganzen Familie. Zu was macht ihn das? Meister Aldwin wirkt unwirsch, und für einen Moment fürchtet er, zu lange gezögert zu haben.

    "Verdammt Junge, ich muß nur wissen ob jemand nach dir suchen kommt!", knurrt der Gerber. "Du wärst nicht der erste... Also sag' mir ehrlich ob ich Dich verstecken muß."

    Er schüttelt den Kopf, diesmal sicher.

    "Nein, niemand sucht mich."

    Aldwin nickt zufrieden.

    "Du wirst hier für zwei Monde für Essen und Unterkunft arbeiten bis ich sehe was du kannst", brummt er. "Und wenn du dich gut machst und schnell lernst, dann können wir über einen Lohn reden - nicht vorher. Und wenn dir das nicht passt, dann scher' dich jetzt deiner Wege."

    "Einverstanden Meister Aldwin", sagt er.

    Es ist besser gelaufen als er gehofft hat...

  • Hey Thorsten,

    ich hab mal ein bisschen weitergelesen.

    Zu #38:

    Das Wasser war eiskalt, und die Steine unter seinen Füßen glitschig vor Algen. Tanred prustete, dann tauchte er unter, spürte den Schock als die Kälte seinen Brustkorb erreichte, und dann das Prickeln auf seinem Kopf als das Wasser über ihm zusammenschlug.

    Dann öffnete er die Augen.

    Verschwommen konnte er breite Bahnen aus Licht sehen die funkelnd in die Tiefe des kristallklaren Sees vor ihm fielen, das Glitzern der kleinen Wellen über ihm, und schemenhaft von unten die wogenden braun-grünen Bänder von Wasserpflanzen. Blasen stiegen empor und glitzerten im Licht, und mit einem Mal fühlte er sich wieder Ädons Licht nahe - es war ein Gefühl wie Schweben auf Wellen von unendlichem Licht, ein Getragen-werden, eine Berührung die sein Innerstes erreichte.

    Dann schlug die bittere Kälte wieder zu, und er erhob sich. Wasser spritzte, perlte von ihm ab als er mit beiden Händen durch seine Haare fuhr, den Kopf nochmal ins Wasser tauchte und abrubbelte, und dann, schon zitternd, über den felsigen Untergrund in Richtung Ufer kletterte

    Ein paar Wiederholungen, die man eventuell umgehen könnte.

    Ansonsten finde ich die Landschaft sehr schön beschrieben. Auch dieses Eintauchen in den See. Die Versöhnung mit Arngard und ihre Erklärung fand ich plausibel.

    Zu # 42:

    Das belauschte Gespräch ist spannend und gut geschrieben, finde ich. Dass Perres da in etwas Größerem drinsteckt und offenbar einen Aufstand plant, eröffnet einige neue Möglichkeiten, in welche Richtung sich die Geschichte nun weiterentwickeln kann. Vor allem fragt man sich, was genau Tandred nun mit dieser Information anfangen wird. Ich denke, dass er aufgrund seiner Vorgeschichte allen Grund hätte, Rache zu verüben, wenn auch die Emotionen dahingehend etwas runtergekocht zu sein scheinen. Das wird ja in dem Gespräch auch ganz gut beschrieben. Die Menschen haben sich schon ein Stück weit abgefunden. Und irgendwie scheint das auch auf Tanred zuzutreffen, da er einfach nur froh und dankbar ist, bei den Gauklern seinen Platz gefunden zu haben. Wenn er dort auch keine wirkliche Perspektive sieht. Wahrscheinlich würde aber nicht viel fehlen, um ihn für die Sache gewinnen zu können.

    zu #45:

    Der Rückblick ist sehr gut geworden. Der Hunger, die Kälte, die Verzweiflung. Dass er rohe Pilze herunterwürgt, ohne zu wissen, ob die überhaupt essbar sind... und am Ende dann die Rettung, indem er gefunden wird. Ich kann mir seine Dankbarkeit wahrlich gut vorstellen.

    Ich lese gespannt weiter :gamer:

  • Ein paar Wiederholungen, die man eventuell umgehen könnte.

    Meh... hast Du Recht. Muss ich nachbessern...:)

    ***

    Tanred fröstelte. Es war noch dunkel draußen, der Blick durch das Fenster seiner Zelle zeigte nur schwarze Nacht, einzig die Kerze die Bruder Grenas in der Hand hielt erleuchtete den kleinen Raum. Und es war kalt, der Stein des Gemäusers wurde nie richtig warm und kühler Nachtwind wehte ungehindert nach drinnen.

    Er rieb sich verschlafen die Augen, dann schlüpfte er in seine braune Robe, zog sie eng um sich und schnürte sie mit einem Strick zu - nicht daß sie die Kälte wirkungsvoll abgehalten hätte... Vielleicht war er aber auch nur einfach zu verdammt müde... Er goß sich etwas Wasser aus einem Krug in die Hand und spritzte es sich ins Gesicht. Grenas betrachtete seine Bemühungen von der Tür her ohne eine sichtbare Regung, mit dem gleichen Ausdruck freundlichen Interesses mit dem er die ganze Welt zu bedenken schien. Sein etwas rundes Gesicht das von kurzen, braunen Haaren eingerahmt wurde schien im Kerzenschein zu leuchten und dabei einen inneren Frieden zum Ausdruck zu bringen um den Tanred den Mönch beneidete. Dabei war Grenas allenfalls zwei oder drei Winter älter als Tanred.

    Mit einem kurzen Nicken signalisierte Tanred daß er fertig war. Zusammen verließen sie schweigend die Zelle und gingen durch die dunklen Korridore des Dormitoriums in einen Kreuzgang. Andere Mönche kamen schweigend und ebenso müde aus ihren Zellen und schlossen sich der nächtlichen Prozession an bis sie alle durch ein großes Portal in das Ädonshaus des Klosters kamen.

    Der riesige Raum war ganz in Finsternis gehüllt, die Kerzen der Mönche waren nur winzige Lichtpunkte die den Schatten nicht vertreiben konnten, und selbst die Öllampen am Altar wo der Abt wartete gaben nur flackerndes Licht ab. Mit leisem Rascheln von Leinenstoff und dem Schlurfen von Sandalen auf ausgetretenem Stein nahmen die Mönche ihre Plätze ein und stellten die Lichter neben sich auf steinerne Kerzenhalter. Gesichter zeichneten sich hell in einem Halbkreis ab, verschlafen, aber doch von einer inneren Intensität erfüllt die Tanred vorher noch nie gesehen hatte. Zwei Nachzügler hasteten noch auf ihre Plätze, und dann, auf ein unausgesprochenes Zeichen hin, begannen die Mönche zu singen.

    Es war eine alte arianische Hymne, aber es waren nicht die Worte die Tanred berührten, es war der Klang der von den steinernen Wänden widerhallte und ihn direkt zu durchdringen schien, ein mächtiger unsichtbarer Ädonsdom aus Stimmen und Tönen den er vibrierend spüren konnte, und seine eigene Stimme fiel ein und war ein Teil dieser majestätischen Schönheit - für einen langen Moment tauchte er ein in die Erfahrung und gab sich hin, wurde zum Teil der Hymne und fühlte sie in seiner Seele widerhallen, und als sie am Ende verklang und nur noch die letzten Echos durch das Schiff des Ädonshauses zu hören waren tauchte er wieder aus dem Meer der Töne auf und hörte nichts als die Stille.

    Aber die Stille blieb wortlos und dunkel. Das unendliche Licht auf dessen Kommen er gehofft hatte war und blieb abwesend.

    Ädon verbarg sich vor ihm. Noch immer.

  • Das Skriptorium von Sant Kymran war in gelbliches Licht getaucht. Die Morgensonne fiel durch hohe, schmale Fenster, aber diese waren zum Schutz vor Wind und Wetter mit eingeöltem Pergament verhängt so daß die Außenwelt nicht sichtbar war, nur ihre Helligkeit. Drinnen herrschte rege Tätigkeit und fast absolute Stille - nur leises Atmen, das Blättern von Buchseiten, das Kratzen von Schreibfedern und ab und an ein paar Schritte waren zu hören. Mönche an Schreibpulten waren damit beschäftigt, Bücher zu kopieren oder Handschriften mit kunstvollen Initialen zu illustrieren - oder einfach damit zu lesen. In der Luft hing der Geruch von Tinte, Buchseiten aus Pergament und alten Schriftrollen aus einem anderen, fremdartigen Material.


    Tanred saß ebenfalls an einem Pult und las, was Grenas für ihn als Übung aufgeschrieben hatte - um zu verstehen und es zu kopieren. Lautlos formten seine Lippen die Worte, während er versuchte sich an die Bedeutung zu erinnern die der Mönch erwähnt hatte.


    id scata 'das Schwert'
    ida scata 'dies Schwert'
    idha scata 'dieses Schwert hier'
    id Tanredi scata 'das Schwert das Tanred gehört'


    Er starrte für einen Moment in die Luft - ob Grenas das Beispiel extra für ihn gewählt hatte, weil der Mönch glaubte daß er eher an Schwertern interessiert wäre? Für jemanden der seine Zeit im Kloster verbrachte schien es nicht besonders naheliegend, aber Bruder Grenas war ein Kerrinsmann, das hatte ihm Perren verraten als er sich verabschiedet hatte. Und der Abt des Klosters blickte anscheinend mit Wohlwollen auf die Kerrinsmänner, soviel wußte er auch...

    Tanred zwang sich, wieder auf das Pergament zu starren. Zumindest zum Teil war er hier, um Arianisch zu lernen. Innerhalb der Klostermauern wurde nur Arianisch gesprochen und nur mit Grenas war es ihm erlaubt, Gondrisch zu reden. Und Grenas ging die Aufgabe, ihn zu unterrichten, mit einigem Eifer an - und er tat das ganz anders als Ketran. Wenn der Mönch die Sprache erklärte war es wie dem Bau einer Hütte zuzusehen - zuerst kamen die Grundlagen, dann Dinge die darauf aufbauten - methodisch und ganz ohne die vielen Sprünge die Ketran so oft von einem Thema zum nächsten machte. Nichts war unklar, nichts dem Zufall überlassen, jeder Gedanke folgte sinnvoll auf den anderen...

    Tanred seufzte, ein Laut der ihm einen tadelnden Blick des Bibliothekars einbrachte. Schnell senkte er den Blick wieder auf die Schriftzeichen.


    idha Tanredi scata 'dieses Schwert hier das Tanred gehört'


    Es hatte alles System, eine innere Ordnung in den Gedanken - erstaunlich daß Arianisch so aufgebaut war. Wer hatte diese Ordnung in die Sprache gebracht? War es Ädons Wille? Aber so war es leichter zu lernen als wenn Ketran einfach einen Satz schrieb und ihm dann sagte, was er bedeutete. Trotzdem wünschte er sich zurück zu den Gauklern, nach draußen in die warme Spätsommersonne - wenn seine Zeit in Sant Kymran um war, würde es schon Herbst sein, und die Truppe würde an ein Winterquartier denken...

    Warum war er überhaupt hier? Was versprach sich Perren davon, daß er Arianisch lernte? Und was auch immer Bruder Grenas ihm sonst noch beibringen sollte - es würde mehr sein als nur Arianisch, so viel wußte er schon. Wie der Umgang mit einem Schwert den er bei Wulfgar gelernt hatte den Kerrinsmännern helfen sollte konnte er verstehen - aber warum es hilfreich war, das Schwert auf Arianisch benennen zu können war ihm ein Rätsel.

    Wieder seufzend - diesmal lautlos - tauchte er seine Feder in die Tinte und begann, die Schriftzeichen zu kopieren so gut er konnte. Tinte kleckste unschön und machte einen Fleck - zu viel an der Feder. Er schrieb entschlossen weiter, aber seine Schriftzeichen waren unförmig und fast häßlich verglichen mit der sauberen, fließenden Handschrift des Mönchs. Auch wenn Grenas ihm vorher anvertraut hatte, daß auch er bei weitem nicht sauber genug schreiben konnte als daß man ihm die Arbeit des Kopierens anvertraut hätte...

    Bald würde es Mittag sein - und Zeit für etwas zu Essen. Bis dahin mußte er fertig sein.

    Wenn Perren nun mal glaubte daß Kerrins Sache damit gedient war, Arianische Schriftzeichen zu produzieren, dann würde Tanred eben sein Bestes geben...

  • Hi Thorsten ,

    Das Skriptorium von Sant Kymran war in gelbliches Licht getaucht. Die Morgensonne fiel durch hohe, schmale Fenster, aber diese waren zum Schutz vor Wind und Wetter mit eingeöltem Pergament verhängt so daß die Außenwelt nicht sichtbar war, nur ihre Helligkeit. Drinnen herrschte rege Tätigkeit und fast absolute Stille - nur leises Atmen, das Blättern von Buchseiten, das Kratzen von Schreibfedern und ab und an ein paar Schritte waren zu hören. Mönche an Schreibpulten waren damit beschäftigt, Bücher zu kopieren oder Handschriften mit kunstvollen Initialen zu illustrieren - oder einfach damit zu lesen. In der Luft hing der Geruch von Tinte, Buchseiten aus Pergament und alten Schriftrollen aus einem anderen, fremdartigen Material.

    Ein schöner Einstieg. Erinnert mich unwillkürlich an "Der Name der Rose" Ich habe sofort ein Bild des Skriptoriums mit seinen Mönchen vor Augen.

    Es hatte alles System, eine innere Ordnung in den Gedanken - erstaunlich daß Arianisch so aufgebaut war. Wer hatte diese Ordnung in die Sprache gebracht? War es Ädons Wille?

    Kommt das Tanred nur so vor oder ist das tatsächlich so. Ist arianisch eine natürliche oder eine Plansprache wie Esperanto?

    Wieder seufzend - diesmal lautlos - tauchte er seine Feder in die Tinte und begann, die Schriftzeichen zu kopieren so gut er konnte. Tinte kleckste unschön und machte einen Fleck - zu viel an der Feder. Er schrieb entschlossen weiter, aber seine Schriftzeichen waren unförmig und fast häßlich verglichen mit der sauberen, fließenden Handschrift des Mönchs.

    Auch gut beschrieben wie Tan hier mit den Widrigkeiten seines Klosterlebens kämpft. ich hoffe mal er bekommt keinen Ärger mit den Mönchen weil er zuviel von ihrem Pergament vollkleckst.

  • Schöner Einblick ins Klosterleben in den beiden letzten Parts. Mir ging es wie ichuebenoch:

    Erinnert mich unwillkürlich an "Der Name der Rose" Ich habe sofort ein Bild des Skriptoriums mit seinen Mönchen vor Augen.

    Fragen

    Zwei Kleinigkeiten sind mir aufgefallen, ist aber nix Wichtiges

    Und der Abt des Klosters blickte anscheinend mit Wohlwollen auf die Kerrinsmänner, soviel wußte er auch...

    Hier verstehe ich nicht, wie Tanred zu der Annahme kommt. Perrin hat ihm verraten, dass Grenas ein Kerrinsmann ist, aber über den Abt hat er wohl kein Wort verloren, oder? Steht zumindest nicht da. Woher kommt dann der Gedanke bei Tanred? Und es ist auch ein bisschen irritierend für mich, dass du in dem Satz sowohl "anscheinend" als auch "wusste" verwendest, weil das eine dem anderen irgendwie widerspricht. Für mich zumindest.

    Und was auch immer Bruder Grenas ihm sonst noch beibringen sollte - es würde mehr sein als nur Arianisch, so viel wußte er schon.

    Und woher nimmt Tanred dieses Wissen? Gab es Hinweise? Oder klare Aussagen von Grenas diesbezüglich? Oder folgt die Erklärung noch?

    "Er wird wiederkommen. Die Berge sind wie ein Virus. Man infiziert sich mit der Liebe zu ihnen
    und es gibt kein Gegenmittel. Sie führen in eine Sucht, man kommt nicht mehr von ihnen los.
    Je länger man sich woanders aufhält, desto größer wird das Verlangen, sie wiederzusehen."

    Chad, der Holzfäller
    aus "Der Wolf vom Elk Mountain"

    ___________________

  • Die Beschreibung des Klosters finde ich auch sehr schön. Besonders die Szene mit dem Singen in der Nacht. Es gibt ja solche Orden wo die Mönche/Nonnen sechsmal täglich und auch in der Nacht gemeinsam beten und singen. Ich habe mal mal Reportagen über Klöster in der heutigen Zeit gemacht und ungefähr so wie du es beschreibst habe ich mir das Leben in den beschaulichen Klöstern vorgestellt.

    Ich denke er soll arianisch lernen um besser kundschaften und spionieren zu können. Da ist Sprachenkenntnis ein großer Vorteil. Bin gespannt was er sonst noch lernen soll.

    Ich habe etwas geschmunzelt als Tanred sich über die Konstrukion des Arianischen Gedanken macht. Wenn man systematisch eine Sprache lernt fängt man ja in der Regel mit den existierenden Regeln an und die haben wohl in jeder beliebigen Sprache eine Ordnung.

    Spoiler anzeigen

    Ich finde es halt immer spannend zu sehen dass jede Sprache sich die Regeln so macht wie es ihrer Art zu denken entspricht. In der Sprache steckt unbewusst ein Teil der Kultur und der Denkweise.

    Meine Geschichten: * Meermädchen * Kriegerkönigin * Dark Prince * No Way Out

  • Danke fuer eure Anmerkungen!:danke:

    Erinnert mich unwillkürlich an "Der Name der Rose"

    Da kommen wir wohl nicht drum rum, das hat bei vielen sehr viel der Vorstellung von mittelalterlichen Klosterleben gepraegt...

    Ich hab' eine Weile ueberlegt wie ich damit umgehen soll, aber ein Skriptorium ist nunmal Teil der Erfahrung, und Eco hat nicht das Monopol darauf:)

    Kommt das Tanred nur so vor oder ist das tatsächlich so. Ist arianisch eine natürliche oder eine Plansprache wie Esperanto?

    Arianisch ist eine natuerliche Sprache - die sind in aller Regel aber auch sehr geordnet. Tanred hat ueber sowas natuerlich noch nie nachgedacht...

    (Die Sprachfetzen sind tatsaechlich sinnvoll - ich habe die arianische Grammatik ein bisschen ausgearbeitet, es ist so irgendwo im Dreieck zwischen Latein, Finnisch und Quenya angesiedelt, mit ein paar Eigenheiten - man kann sich vermutlich aus den Textfetzen zusammenreimen wie es alles funktioniert...)

    aber über den Abt hat er wohl kein Wort verloren, oder? Steht zumindest nicht da.

    Ich ging davon aus dass es irgendwie klar waere dass Perren sowas angedeutet hat... Muss ich hier expliziter werden? Anscheinend...

    Und woher nimmt Tanred dieses Wissen? Gab es Hinweise? Oder klare Aussagen von Grenas diesbezüglich?

    Es gab unklare Aussagen wie 'Erst mal werden wir uns Arianisch zuwenden, und wenn das gut geht sehen wir weiter...' oder so - Tanred weiss nicht was noch kommt, aber Grenas hat offenbar angedeutet dass es mehr als nur Arianisch ist.

    Auch hier - sollte das deutlicher gemacht werden?

    Ich habe mal mal Reportagen über Klöster in der heutigen Zeit gemacht und ungefähr so wie du es beschreibst habe ich mir das Leben in den beschaulichen Klöstern vorgestellt.

    Meine Gymnasialzeit war in einer Klosterschule mit echten Moenchen im Unterricht, einem Klostergarten nebendran und all dem... sagen wir ich hab' gewisse Einblicke wie das so laeuft (auch wenn ich das Klosterleben nie selber so richtig mitgemacht habe).

    Wenn man systematisch eine Sprache lernt fängt man ja in der Regel mit den existierenden Regeln an und die haben wohl in jeder beliebigen Sprache eine Ordnung.

    :)

    Die Stelle war eigentlich mehr ein Kommentar zu Ketran als Lehrerin... aber ich glaube es muss ihm so scheinen dass die Regeln der Sprache etwas ganz ausserordentliches sind, ihm fehlt ja der Vergleichspunkt...

    Ich fuerchte, so lange wir im Kloster sind froene ich ungeniert meinen Hobbies und bringe Linguistik udn mittelalterliche Philosophie in diese Geschichte:D

  • Hallo Thorsten ,

    zu entscheiden, ob du diese Infos ergänzt, würde ich auf jeden Fall dir überlassen. Ich wollte nur, dass du weißt, worüber ich beim Lesen gestolpert bin. Das sind nur meine Gedanken dazu gewesen. Und das muss ja auch nicht für jeden so erscheinen. Also - kein Stress deswegen ^^

    "Er wird wiederkommen. Die Berge sind wie ein Virus. Man infiziert sich mit der Liebe zu ihnen
    und es gibt kein Gegenmittel. Sie führen in eine Sucht, man kommt nicht mehr von ihnen los.
    Je länger man sich woanders aufhält, desto größer wird das Verlangen, sie wiederzusehen."

    Chad, der Holzfäller
    aus "Der Wolf vom Elk Mountain"

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