Schreibwettbewerb Oktober/November 2013 - Voting & Siegerehrung

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    • Schreibwettbewerb Oktober/November 2013 - Voting & Siegerehrung

      Welche Geschichte hat euch am Besten gefallen? 20
      1.  
        Cervus (3) 15%
      2.  
        Damals (2) 10%
      3.  
        Arcana saltus (5) 25%
      4.  
        Der Bluteber (10) 50%
      Hallo zusammen,

      Hier nun also die Geschichten zum Thema "Die Geheimnisse des Waldes", die bei uns für den Schreibwettbewerb eingetroffen sind.

      Die Geschichten werden nicht chronologisch nach Datum ihres Eintreffens geordnet, sondern willkürlich. So steht ihr im Bezug darauf wer welche Geschichte geschrieben habt, völlig im Dunkeln. ;)

      ACHTUNG: Beim Voten ist man nicht anonym. Somit wird Schummeln ausgeschlossen. Zudem dürfen einmal abgegebene Stimmen nicht mehr verändert werden. Bedenkt das bitte bei eurer Stimmenabgabe!

      Das Voting dauert bis 30. November 2013 um 00:00 Uhr.

      Viel Spass beim Lesen. Nehmt euch die Zeit, es lohnt sich! :)
    • Cervus
      by Norik475

      Als Jäger streifte ich einst durch den Wald und folgte den Spuren eines Ebers. Die Spuren des Tieres waren einfach zu deuten, besonders im noch feuchten Matsch. Ich konnte ihnen leicht folgen und es war ebenso leicht zu erkennen, wie frisch sie waren. Es war nicht weit - nicht mehr lange und das Wildschwein würde mir förmlich vor die Büchse springen.
      Mit geladenem Gewehr ging ich den Spuren nach, während feucht glitzernde, orangefarbene Blätter zu dutzenden von den Baumgipfeln fielen. Es war ein einzigartiger Anblick.
      Nicht oft sieht man solche Schönheit in seinem Leben. Ich blieb stehen, um den Anblick zu genießen und lauschte den Geräuschen der unberührten Wildnis. Ich hörte die liebliche Musik der Vögel, hörte das beruhigende rauschen und rascheln der trockenen Herbstblätter.
      Und ich hörte das Grunzen des Ebers, welcher, mit den Hauern voran, auf mich zu stürmte.
      Ehe ich mich versah, hörte ich das erschreckend laut knackendem Geräusch des Aufpralls und krachte laut stöhnend auf den weichen Boden. Ich stürzte fast zielgerichtet auf den Rücken. Ich sank im Matsch ein und sah verschwommen, wie meine Büchse in ein Gebüsch gefallen war.
      Meine Beine schmerzten so, wie sie es noch nie taten. Es fühlte sich an als hätte der Eber sie ausgerissen. Und dem Eber schien dieser harte Schlag nichts auszumachen. Im Gegenteil – er stürmte erneut auf mich zu. Ich dachte erst, dass dies mein Ende sei. Der Jäger würde von der Beute getötet werden – wie ironisch. Doch kurz bevor mich der Eber treffen und erschlagen sollte, erschallte ein Laut im Wald. Erst dachte ich, es sei der Ruf eines wilden Tieres, doch dann klang es eher wie ein Wort in einer fremden Sprache, ausgesprochen mit einem seltsam wilden Dialekt. Es klang bestimmend, deutlich und laut, als wäre derjenige, der rief, sehr aufgebracht.
      Der Keiler hörte auch den Ruf und er hielt an, als hätte man ihn gerufen. Er grunzte laut auf, als wollte er der Stimme antworten. Ein weiterer seltsamer Ausruf folgte, ruhiger und sanfter als der vorherige, aber nicht weniger bestimmend. Das Tier, das vorhin noch voller Zorn und Raserei war, wandte sich ab und schritt fast schon beleidigt davon.
      Aus der Richtung, aus der die Stimme kam, betrat eine leicht bekleidete Frau die Lichtung, begleitet von einem Reh. Es sah zumindest so aus, denn meine Sicht war noch verschwommen. Als sie sich etwas besser, glaubte ich, nur ein Reh zu sehen, dann eher eine Frau. Vielleicht lag es am Schlag, den ich vorhin erlitt oder daran, dass sie doch ein ganzes Stück entfernt gewesen war, aber erst als sie näher kam, erkannte ich, was sie war. Ich dachte erst, dass mich das Wildschwein doch erwischt hätte und dies nur ein seltsamer Traum wäre.
      Es war weder junge Frau noch Reh, und doch war es beides. Ein junges, hübsches Mädchen, nur ein ledernes Tuch um die Brust gebunden, schlank und schmal – mit dem Unterkörper eines Rehs. Die Farbe des Fells des Rehleibes war genauso hell und blond, fast schon silbern, wie ihre Haarfarbe war, und aus ihrem Haupt, ein kleines Stückchen über der Stirn, ragte ein Geweih mit zwei kurzen, elfenbeinfarbenen Ästen heraus. Ihre tiefen, dunkelbraunen Augen musterten mich voller Neugier.
      „Da-danke... glaube ich...“ stotterte ich. Mir blieben die Worte im Hals stecken.
      „Des Gejagten Recht ist es, sich dem Jäger zu stellen. Doch steckt keine Ehre darin, den zu töten, der ohne Kraft zur Wehr am Boden liegt.“, sagte sie nur. Ihre Stimme war sanft, doch sprach sie mit einem harten, wilden Akzent. Sie rollte die R und sprach das CH sehr unsauber, außerdem war die Aussprache ihrer Vokale sehr kantig und eckig.
      „Wie... Wie bitte?“, ich verstand ihre Worte nicht ganz. Vielleicht lag es wieder am harten Schlag des Ebers oder an ihrem ebenso verwirrenden wie bezirzenden Anblick, aber es klang für mich, als gäbe sie mir die Schuld. „So wie man in den Wald hineinruft, schallt es auch wieder heraus. Und so wie man hineinschlägt, schlägt es zurück.“, spottete sie mit verachtendem Unterton. Sie drehte um, und ich hörte das laute Geräusch, das ihre Hufe beim zertreten eines Astes machten.
      Ich wollte aufstehen und ihr folgen, aber erst jetzt erkannte ich, dass der Schmerz meiner Beine nicht ohne Grund so heftig war. Das Mistvieh hatte mir das Bein zertrümmert, ich fühlte es. Ich konnte so unmöglich von der Stelle kommen, geschweige denn den Wald verlassen. Wenn man mir nicht helfen würde, würde ich wohl verhungern oder einem wilden Tier zum Opfer fallen.
      „Bitte, lass mich nicht zurück!“, rief ich dem Rehmädchen zu.
      „Wer Krieg beginnt und dann Krieg verliert, hat sich die Schuld selbst zuzuschreiben.“
      „Ich komme hier nicht weg – Ich würde sterben!“, flehte ich. Sie blieb stehen und wartete.
      „Wieso fürchtest du den Tod?“, fragte sie plötzlich nach einem kurzen Moment des Schweigens, während sie mir weiterhin den Rücken zudrehte. „Ich... das ist...“
      Sie drehte um und unterbrach mich einfach: „Wenn die Mutter das Kind gebärt, wächst im Wald schon der Baum für seinen Sarg. Es gibt nichts zu befürchten. Es ist natürlich.“
      Sie ging mit langsamen Schritten auf mich zu. „Die Sorgen deines Volkes sind unbegründet.“, sagte sie dabei vorsichtig und so weich, wie es mit ihrer harten Aussprache möglich war.
      „Ne-Nein sind sie nicht.“, antwortete ich nur. Ich kam mir etwas seltsam vor – schließlich redete ich gerade mit einem Reh. „Meine Familie wartet zuhause... Sie... sie werden...“
      Ich fürchtete, nun doch zu sterben. Erst überlebe ich den Angriff eines wilden Tieres, weil ein zauberndes Hirschweib mit ebendiesem redet, und dann sterbe ich doch. Ich stand den Tränen nahe.
      Sie blieb vor mir stehen und wartete einen Moment.
      „Jemand, der seine Familie nicht schätzt, ist wie ein Baum, der seine eigenen Wurzeln ausreißt.“, sagte sie. Sie kniete mit ihren Vorderbeinen vor mir nieder. Mit ihren großen, klaren Augen betrachtete sie mein Knie. Vorsichtig strich sie mit einer ihrer Hände an ihm entlang und sagte: „Er ist gebrochen. Der Knochen.“
      Nach einem Moment des Überlegens fügte sie hinzu: „Ich kann dir nicht helfen.“
      Die Worte waren niederschmetternd.
      „Aber ich kenne jemanden, der es kann.“
      Ohne Vorwarnung legte sie vorsichtig einen Arm um meine Schulter und den Anderen unter meine Kniekehlen. Sie tat dies sehr vorsichtig, sodass es nicht schmerzte. Dann erhob sie sich wieder – und trug mich scheinbar ohne Probleme.
      Sie war kräftiger als bei ihrem Aussehen anzunehmen war. Ich legte auch einen Arm um ihre Schulter, um mich besser festzuhalten, und fragte sie „Was geschieht nun?“
      „Kannst du ein Geheimnis wahren?“, frage sie unerwartet ernsthaft. Ich nickte vorsichtig.
      Nach dem Sprechen der Worte „Du wirst einen Ort sehen, den kein Mensch zuvor gesehen hat.“ lief sie los. Ich hätte eigentlich gedacht, dass ich sie ziemlich ausbremsen müsste. Ich bin wahrscheinlich sogar etwas schwerer als sie, aber das schien kein Problem zu sein. Das Rehmädchen sprintete durch das Gehölz, sprang über große Wurzeln und umgestürzt Baumstümpfe. Sie lief schneller als jeder Mensch und war trotzdem wendig wie ein Reh.
      Das Mädchen trug mich so tief in den Wald hinein, dass ich fürchtete, nie wieder selbst herausfinden zu können. Das Buschwerk und die Baumkronen verdichteten sich, sodass immer weniger Tageslicht in den Wald kam. Es wurde immer dunkler, nur vereinzelt erhellten einige kleine Lichtstrahlen den Weg. Man könnte meinen, dass es schon Abend oder gar Nacht wäre, doch mein Zeitgefühl sagte mir, dass es noch nicht einmal Nachmittag sein könnte.
      Urplötzlich wurde es wieder so hell, dass ich geblendet wurde. Sie war in einer Lichtung angekommen und blieb stehen. Was meine Augen hier sahen war unglaublich. Dutzende dieser Rehmenschen, alle friedlich und zugleich kräftig, alle gesund und glücklich. Und alle schauten mich verdutzt an, mit ihren Blicken durchbohrend.
      Während sie mich immer noch in den Armen hielt ging sie durch die Lichtung und beachtete die Blicke der anderen nicht. Erst jetzt merkte ich, dass unter den Baumkronen seltsame Plateaus aus Holz angebracht waren. Überdacht waren sie nur von den dichten Blättern des Baumes, und sie waren auf eine Weise an Seilen aufgehängt, dass sie den Baum nicht zu belasten schienen. Auf diesen Plateaus lagen auch einige Rehmenschen, die mich ebenfalls neugierig musterten. Ich glaube, es handelte sich um eine Art... Baumhaus.
      Am Baumstamm entlang waren mehrere kleinere Bretter angebracht, die ich zu erst nicht einordnen konnte, da sie zu groß und zu weit voneinander entfernt für Treppenstufen waren aber zu klein, um ein Teil des Wohnraums zu sein. Erst, als ein Rehmensch von Stufe zu Stufe sprang, um auf das Plateau zu gelangen, wurde mir bewusst, dass es eine Art Treppe für Rehmenschen sein könnte.
      Erst das Gebrüll eines Rehmannes in der seltsamen Sprache riss mich aus meinen Überlegungen. Mir war vorher nicht aufgefallen, dass das Mädchen angehalten hatte.
      Der Rehmensch, der aufschrie, stand hoch oben auf dem Plateau eines Baum, der so groß war, dass er mehrere tragen konnte. Mit Ausdrücken, die man auch als Außenstehender als Flüche verstehen konnte, sprang er die Treppen hinunter und machte dabei so große Sätze, dass er einzelne „Stufen“ einfach ausließ. Er stürmte direkt auf uns zu und blieb erst im letzten Moment stehen. Sein Anblick war beängstigend: ein von Muskeln bedeckter, gänzlich freier Oberkörper und ein kräftiger Rehkörper mit schwarzem Fell, doch zeichneten Narben den gesamten Körper. Eine große Narbe überspannte seine gesamte Brust und eine weitere durchschnitt sein rechtes Auge, welches er wohl auch verloren hat. Auf seinem Schädel wuchs kein Haar, dafür aber ein Geweih, größer als das jedes Hirsches, den ich in meinem Leben bisher gesehen hab. Doch war einer der beiden Äste abgebrochen. Der andere war ähnlich verzweigt wie ein Baum und war schwarz wie Ebenholz.
      „Was makt ei Venaas in unser heilig Mitte?!“, schrie er. Seine Stimme klang hart und kantig. Seine Worte waren mit Zorn und Verachtung unterlegt. Ich glaube, er nennt mich mit „ein Venaas“.
      „Er ist verletzt und bat mich um Hilfe.“, antwortete die Rehfrau, in deren Armen ich noch immer lag. „Venaas bitte nikt. Venaas verlange.“, sagte er dazu nur. Dann griff er mir mit jeder Hand an einen Oberarm und entriss mich den Armen des Mädchens. Sie schien den Mann zu fürchten und schritt zurück. Der Griff des Vernarbten war grob und unsanft, sodass er fast schmerzte.
      „Du darfst nikt hie sein!“ brüllte er mir ins Gesicht, verteilte dabei unbeabsichtigt kleinere Tropfen Spucke über meine Haut. Sein Atem stank faulig.
      Das Mädchen sagte mit größtmöglicher Vorsicht und unübersehbarem Respekt: „Ich bürge für ihn. Er flehte mich um Hilfe an und versprach, niemandem etwas zu verraten.“
      Schlagartig ging alles sehr schnell. Er brüllte etwas in der fremden Sprache, etwas, das sehr bedrohlich, sehr wütend klang. Er warf mich in den Dreck und ich fühlte den Schmerz, der dadurch entsand, dass sich meine Verletzung verschlimmerte. Fast im selben Moment schlug er das Rehmädchen mit der Rückhand ins Gesicht, sodass sie aufschrie und zu Boden stürzte. Er brüllte dem Mädchen mehrere schrecklich klingende Sätze zu, die wahrscheinlich voller Flüche und Beleidigungen waren. Dann wandte er sich wieder an mich.
      „Du widerliker Narr! Wie viel Blut kleb an dein Hände?!“ schrie er, während ich noch immer mit dem Gesicht im Dreck lag. „Ich habe nie...“, versuchte ich zu sagen.
      „Lüge!“ - Er trat zu. Nicht auf mich, sondern auf das Mädchen. „Sprik Wahrheit!“
      „Ich habe keinen Menschen verletzt! Niemals, so wahr ich hier spreche!“
      Er wartete einen Moment und schnaubte, dann trat er mit seinen kräftigen Beinen erneut auf das Mädchen ein. Sie schrie auf und schluchzte unüberhörbar. Alle Rehmenschen des Dorfes richteten ihren Blick auf sie. „Es ist wahr, ich habe Tiere getötet, aber nie Menschen oder Euresgleichen! Bitte hört auf damit!“, rief ich verzweifelt. Ich wollte nicht... ich könnte nicht damit leben, wenn dieser Koloss diejenige zu Tode prügelt, die mich retten wollte. Wobei ich fürchtete, nicht lange diese Schuld tragen zu müssen, falls es zum Schlimmsten kommen sollte.
      Er griff mir mit beiden Händen an die Kehle und hob mich daran hoch. Er würgte nicht, aber ich bekam trotzdem kaum noch Luft. Zudem schmerzte mein Knie schrecklich. „Alle ist Tier. Mensch is Tier und Cervus is auch Tier.“, sagte er. Mit Cervus bezeichnete er wohl seine eigene Art.
      „Schwöre bei meinem Blut, kein weiteres Tier zu ermorden“, keuchte das Mädchen. Ich verstand nicht ganz, warum ich es auf sie schwören sollte, aber ich tat einfach wie mir geheißen. „Ich schwöre bei ihrem Blut, kein weiteres Tier zu ermorden! Nie wieder!“
      Er warf mich erneut in den Dreck, diesmal sogar härter. „Lügs du, is ihre Schuld!“ brüllte er so laut, dass es in der gesamten Lichtung, vielleicht sogar im Wald, schallte. Er spuckte gezielt in den Dreck vor meiner Nase. Dann wandte er sich ab und lief zurück zum Plateau.
      Das Mädchen richtete sich auf und rief etwas, das wie ein Name klang. Eine ältere Rehdame kam angelaufen, die ihren Menschenkörper mit einem braunen Mantel verdeckte und auf ihrem Kopf ein graues Geweih trug. Das Mädchen schien sie um etwas zu bitten, wären es selbst kaum auf den Beinen stehen konnte. Sie dabei deutete auf mein Knie.
      Die alte Frau fasste mit einer Hand auf mein Bein. Unerwartet wurde mir für einen kurzen Moment schwarz vor Augen und ich spürte einen Schmerz, der sich anfühlte, als würden mir alle Knochen aus dem Leib gesaugt. Ich war wie gelähmt. Erst, nachdem ich die Augen wieder öffnete, schrie ich laut auf – aber der Schmerz war einfach weg. Es war ein Wunder: Der Bruch war geheilt.
      Das Rehmädchen reichte mir die Hand und half mir hoch. „Halte dein Versprechen. Sonst tut er mir schreckliche Dinge an. Er würde es erfahren.“, bat sie mich. „Wie heißt du?“, fragte ich. Sie hatte mir wahrscheinlich das Leben gerettet, ich musste ihren Namen einfach wissen
      „Unwichtig. Es wird kein Wiedersehen geben.“ sagte sie und hielt eine Hand auf meine Stirn. Plötzlich wurde mir wieder schwarz vor Augen. Als ich sie öffnete, stand ich an dort, wo wir uns zuerst trafen.
      Sie behielt recht: Ich sah sie nie wieder. Und ich hielt mein Versprechen.
    • Damals
      by Tika444

      Um ihn herum verklang das Stimmengewirr, welches die Halle sonst einhüllte. Männer und Frauen in pompösen Gewändern starrten ihn über vollgeladenen Tellern und bis zum Rand gefüllten Weinkrügen hin an. Ihm folgten nicht nur ihre Blicke sondern auch ein leises Flüstern. Ohne Interesse an dem Gebären der mächtigsten Männer und Frauen im Staat zu zeigen trat Edmund an seinen Platz am Ende der Halle nur wenige Meter von dem auf einem Podest stehenden Thron entfernt und nahm zwischen argwöhnisch schweigenden Adligen Platz. Auch hier traute sich niemand das Wort an ihn zu richten und sei es nur der Höflichkeit halber. Edmund erwiderte die Geste und lehnte sich zurück, ohne auch nur einen Blick auf das reichhaltige Essen vor ihm zu verschwenden. In diesem Moment klopfte ein beleibter Mann in Seide gekleidet mit einem dicken Stock aus Eschenholz auf den Steinboden und als sei es der Schrei eines hungrigen Löwen erstarben sofort all die Gespräche, die Edmunds erscheinen überdauert hatten, und die Augen unzähliger richteten sich auf das hohe Holztor, welches für alle anderen Gäste versperrt geblieben war. „Es tritt ein Prinz Edward von Dalia, Sohn unseres geliebten Königs Erin und sein rechtmäßiger Nachfolger“, verkündete der beleibte Mann mit lauter Stimme und in diesem Moment öffnete sich das Tor.

      Die Sonne schien durch die Äste der Bäume und zeichnete unstete Muster auf den Grund des Waldes. Zwei Kinder rannten über das getrocknete Laub und wirbelten mit jedem ihre Schritte blutrote Blätter in die Luft. „Ich glaube wir haben sie abgehängt rief Edward, als sie sich keuchend auf den vom ersten Frost gehärtetem Boden setzen. „Vater wird wütend sein“, erwiderte Edmund ängstlich und blickte sich zu allen Seiten um. „Vergiss Vater“, höhnte Edward hämisch, „Wieso bist du nicht gleich bei den Leibwächtern geblieben, wenn du so ein Angsthase bist.“ Daraufhin erwiderte der kleinere Junge nichts, sondern schlang nur die Arme um seine Beine. „Komm lass uns verstecken Spielen“, bot Edward besänftigend an. Sofort war die Angst vergessen und Edmunds Augen leuchteten hell auf. „Oh, ja“, stimmte er strahlend zu, „Wer sucht.“ Edward bedeutete ihm nur still zu sein und riss zwei verschieden lange Halme der verkümmerten Reste des Wintergrases ab und versteckte sie für einen Moment hinter seinen Rücken. Als seine Hand wieder hervorkam hielt er die Faust fest verschlossen um die beiden Enden der Halme, so dass man nicht sehen konnte welcher der längere war. „Zieh“ verlangte er. Edmund betrachtete die Halme einen Moment lang nachdenklich und steckte dann seine Hand nach ihnen aus.

      „Wieso nehmt ihr keinen Bissen“, fragte Lord Gelvin und deutete auf die aufgebahrten Mengen an Köstlichkeiten, „Ist euch unwohl.“ Edmund widmete ihm nur einen kurzen Blick. „Ich habe keinen Hunger“, erwiderte er knapp und wandte seine Aufmerksamkeit wieder dem Geschehen auf dem Podest zu. Edward stand inmitten einer Meute von Gelehrten, die im lauthals ihren Segen verkünden. „Ich verstehe schon“, antwortete Gelvin ohne sich von seiner harschen Art abschrecken zu lassen, „Wer wäre auch nicht nervös an dem Tag an dem sein Bruder König wird.“ Jetzt gönnte Edmund ihm ein leichtes Nicken. „Ich beneide ihn nicht um die Last der Krone“, behauptete er, „Ihm passt sie besser als mir.“ Er warf einen weiteren Blick zu dem Podest, auf dem sich Edward endlich von seinen Schatten befreien konnte und mit auf die Gäste gerichtetem Blick nach vorne Schritt. „Bürger von Dalia“, begann er und erneut verstarben alle Gespräche, „Es ist ein freudiger und ein trauriger Grund aus dem ich heute zu euch sprechen darf. Der freudige ist die Würde und die Ehre, die ihr mir am heutigen Tage verleiht, indem ihr mir erlaubt meinem Land zu dienen. Der traurige ist der Tod meines geliebten Vaters, der uns alle wie ein Vater war, und der es nötigt macht diese Ehre anzunehmen.“ Edward machte eine Pause um die Worte wirken zu lassen und holte tief Luft um fortzufahren. „Das hat sie schon immer“, fügte Edmund leise hinzu.

      Als die hundert verklungen war, nahm Edmund die Hände von den Augen und blickte sich suchend um. Eine Zeit lang betrachtete er nur still den Boden, bis er schließlich zu einer Stelle schritt und sich dort hinkniete. In dem harten Boden klaffte eine leichte Vertiefung in Form einer Schuhsohle. Ohne einen Laut zu machen erhob sich Edmund und schlich in Richtung des Fußabdruckes. Nicht lange danach fand er eine weitere Spur in Gestalt eines abgeknickten Astes und kurz darauf einen zweiten Fußabdruck. Ein triumphierendes Grinsen breitete sich auf seinem Gesicht aus und er brach mit einem Satz durch das Unterholz hinaus auf eine kleine Lichtung, auf der das Laub in ihrer Mitte einen kleinen Hügel gebildet hatte und blieb wie angewurzelt stehen. Statt sich im Laub zu verstecken stand Edward steif wenige Meter vor ihm und blickte wie gefangen auf die hoch aufragende Gestalt eines Bären.

      Edward kniete mit gesenktem Kopf auf dem Podest und verharrte regungslos. Über ihm schwebte golden aufblitzend die Krone von Dalia, gehalten von der Hand des Staatshofmeisters. „Schwörst du deinem Land und seinen Bewohnern zu dienen, sowie zu beschützen, vom ersten Moment an, in dem diese Krone deinen Kopf berührt, bis zum letzten Atemzug“, fragte er mit lauter Stimme. „Das tue ich“, verkündigte Edward ebenso laut und ohne eine Sekunde zu zögern. Der Staatshofmeister rezitierte die weiteren Schwüre und auf jeden antwortete Edward mit denselben Worten. „Dann verkünde ich hiermit Dalia und dem Rest der Welt unseren neuen König Edward den ersten, Herrscher über Dalia und Halter der goldenen Flamme“, beschloss der Staatshofmeister schließlich die Zeremonie und senkte die Krone auf Edwards Kopf nur um sich dann seinerseits niederzuknien, „Ich folge euch mein König, bis ans Ende der Welt und wenn nötig in den Tod, so war ich hier stehe.“ Ein Murmeln glitt durch die Halle, als alle diese Worte wiederholten. Nur Edmund blieb still und betrachtete seinen frisch gekrönten Bruder mit einem versonnenen Lächeln und erhob sich dann ebenso wie alle anderen Fürsten um dem neuem König seine Glückwünsche auszusprechen.

      Der Bär stieß ein ohrenbetäubendes Brüllen aus und stürmte auf den versteinerten Jungen zu. Doch noch bevor er ihn erreichen konnte, prallte ein kleiner Schatten gegen seine Seite. Die Masse des Jungens allein reichte nicht aus um den Bär aus der Bahn zu werfen aber dann blitzte der Stahl eines Dolches auf und ein neues Brüllen, von Schmerz durchzogen hallte über die Lichtung. Mit einem einzigem hieb schleuderte das Ungeheuer den Jungen von sich, der gegen den Stamm einer Eiche prallte und dann dort stöhnend liegen blieb. Dann drehte es sich um und verschwand im Wald, eine Spur aus glänzendem Rot hinter sich herziehend. Das Brüllen wurde leiser und verklang schließlich in der Ferne, bis nur noch der flache Atem des einen Jungens und das stöhnen des anderen zu vernehmen war.

      Unterwürfig kniete Edmund auf dem harten Holz des Podests vor dem Thron seines Bruders. Den Kopf hielt er gesenkt. „Bitte sieh mich an“, bat Edward und lehnte sich auf den mit Rosenranken verzierten Stuhl aus Eisen nach vorn, „Wir sind doch Brüder.“ Zögernd hob Edmund den Kopf und betrachtete einen Moment lang seinen gegenüber. „Meinen Glückwunsch“, sagte er und auf Edwards Gesicht schlich sich ein Lächeln. „Ohne dich hätte ich das hier nie geschafft“, behauptete er. Auch auf Edmunds Gesicht erschien ein Lächeln. „Weißt du noch damals im Wald“, fragte er leise. Edwards Blick verklärte sich als er zurückdachte und in diesem Moment ließ Edmund einen Dolch aus seinem Ärmel gleiten und stach seinem Bruder in die Brust. Zum dritten und letztem Mal an diesem Abend verstarben alle Gespräche. Fassungslos starrte ihn Edward an. Er öffnete den Mund, doch statt eines Wortes kam nur Blut hervor. Dann sackte er in sich zusammen. „Ich hätte den Bär die Arbeit überlassen sollen“, sagte Edmund leise zu der Leiche seines Bruders, dann legte er den Kopf in den Nacken und lachte ein Lachen, dass jedem der schockierten und entsetzten Männern und Frauen, die sprachlos auf ihren nun toten König blickten das Blut aus den Wangen trieb. Doch Edmund kümmerte sich nicht darum sondern umklammerte nur den Dolch ins seiner Hand, an dem nun das Blut seines Bruders hinab lief, wie es einst das Blut eines Bären getan hatte.
    • Arcana saltus
      by Hikari

      Ein Schatten schleicht durch den Wald. Unbemerkt.
      Leise gleitet er über umgefallene Baumstämme und Felsen hinweg.
      Ein Schatten. Nein. Eine Schattendaemonin. Ihre schwarzen Haare und Pupillen verleihen ihr den blassen Teint eines wilden Vampirs.
      Als die Daemonin am Rand einer Lichtung ankommt, auf der ein Zeltlager zu sehen ist,
      atmet sie kurz auf. Erleichtert. Fast, als gehöre sie zu der Gruppe Soldaten mit dem Rosenwappen, welche sich hier ausruhen, geht sie ruhig durch die Reihen der Zelte.
      Niemand interessiert sich für den weiblichen Schattendaemon, der auf das größte der Zelte
      zugeht und ohne ein Geräusch zu verursachen eintritt.
      Im Zelt steht ein Tisch. An diesem Tisch sitzt ein Soldat.
      Der Hauptmann soll er sein. Er studiert eine große Landkarte.
      Als sie genau vor dem Tisch steht, sieht er von der Karte auf.
      „Wer seid ihr und wie seid ihr an meinen Soldaten vorbei gekommen?“, fragt er und runzelt die Stirn.
      „Mein Name spielt keine Rolle. Wo ist das Buch?“, antwortet sie. Ihre Miene ist wie versteinert.
      „Welches Buch?“
      „Das Buch, welches ihr gestohlen habt.“
      Der Hauptmann steht auf. Starrt die Daemonin an.
      „Hier hat keiner ein Buch gestohlen und jetzt beantwortet meine Fragen! Wer seid ihr?
      Wie seid ihr an meinen Männern vorbei gekommen?“, knurrt er und greift nach seinem Schwert.
      „Ihr seid ein Eindringling, wenn auch ein äußerst hübscher.“
      Sein Blick gleitet von ihren schwarzen Augen, über ihren Körper, zu ihren Beinen. In seinem Gesicht breitet sich widerwärtiges Grinsen aus.
      „Das bedeutet, dass ich euch töten muss, wenn ihr mir meine Fragen nicht beantwortet.“, sagt er und greift nach seinem Schwert, welches an seinem Gürtel hängt.
      „Wo ist es?“, fragt sie noch einmal langsam, verzieht jedoch keine Miene.
      „Hauptmann!“, schallt es von draußen und ein jüngerer Soldat kommt in das Zelt gestürmt.
      In der einen Hand hält er ein Buch. Das Buch scheint alt und abgegriffen zu sein.
      Der Gesichtsausdruck der Daemonin verändert sich. Sie wirkt jetzt angespannt, fast so als wüsste sie mit der Situation nicht umzugehen und müsste erst überlegen, was sie jetzt tun soll.
      „Wir haben es eben in einer der Truhen gefunden. In einer der Diebestruhen.“, erzählt der junge Mann ganz aufgeregt. Wieder verändert sich ihr Gesichtsausdruck.
      Dieses Mal fängt sie zu lächeln an, als ob sie gerade eine gute Entscheidung getroffen hätte.
      Der Hauptmann zieht sein Schwert und wendet sich dem Soldaten zu: „Sie ist ein Eindringling. Informiere deine Kameraden.“
      Sofort verlässt dieser mit dem Buch das Zelt. Sehr zum Leidwesen der Schattendaemonin.
      Doch es ist zu spät. Viel zu spät.
      Kurze Zeit darauf hört man Angst- und Schmerzensschreie von der Lichtung ertönen und
      der Abend breitet sich langsam über den Himmel aus. Der Wald wird mehr und
      mehr in Dunkelheit getaucht. Ein großer Vorteil für die Schattendaemonin.
      Der Schatten schleicht von der Lichtung und in den Wald hinein, während hinter ihm, auf den Trümmern des Zeltlager und auf den toten Soldaten, wachsende Pflanzen und Bäume die Lichtung füllen, bis dort nur noch Wald zu sehen ist. Wieder gleitet der Schatten über umgestürzte Baumstämme und Felsen, doch dieses Mal trägt er etwas bei sich. Ein Päckchen aus Leinen, in dessen Mitte sich ein, allem Anschein nach, altes, abgegriffenes Buch befindet.
      Ein Buch, wie alt es auch sein mag, welches es Wert ist, dafür zu töten.

      Als sich der Mond gen Mitternachtsposition erhebt kommt die Schattendaemonin endlich in
      Centrum saltus an. Ein großer Platz inmitten dieses riesigen Waldes. In der Mitte des Platzes
      erhebt sich ein Tempel, höher als die höchsten Baumwipfel und dennoch nur von dem Waldvolk, den Hateru, und Eingeweihten gesehen. Im Mondlicht leuchtet er weiß und in einem der zwei Türme, die er besitzt funkelt der Kraft spendende Mondstein, während das Licht des Sonnensteins schon vor Stunden erloschen ist. Selten nur, werden Auserwählte geboren, denen es erlaubt ist, diesen Tempel zu betreten. Die Daemonin ist eine von ihnen.
      Sie geht langsam auf das Haupttor zu und bleibt davor stehen bis es sich knarzend und ächzend vor ihr öffnet. Zwei Männer, einer in weißer und einer in schwarzer, langer Kutte gekleidet, mit Doppelschwertern auf den Rücken geschnallt, erwarten sie schon. Beide haben die Kapuzen tief ins Gesicht gezogen und irgendetwas an ihrem Anblick lässt die Daemonin lächeln.
      Ein aufrichtiges, freundliches Lächeln. Fast gleichzeitig streifen sie ihre Kapuzen herunter
      Der Mann in weiß ist ein Lichtdaemon, mit weiß-silbrigen Haaren und silbergrauen Augen, der Mann in schwarz ist, ebenso wie sie, ein Schattendaemon.
      „Ist sie es wirklich, Silvan? Ist das wirklich unsere Blade?“, fragt der Schattendaemon.
      „Ich weiß es nicht, Nolan. Sie hat sich so lange nicht blicken lassen. Ich bin mir einfach nicht sicher.“, antwortet der Lichtdaemon Silvan. Sie geht auf die beiden zu und bleibt knapp vor ihnen stehen. „Ha ha, sehr witzig.“, murmelt Blade und verdreht die Augen. „Ihr seid zwei echte Spaßvögel. Ich bin so endlos lange nicht da gewesen um dieses Buch wieder zu finden und dann bekomme ich nicht einmal eine ordentliche Begrüßung? Was ist bloß aus euch geworden? Wenn unser Meister das erfahren würde, er würde sich im Grabe umdrehen. Das ihr Educatio und
      Disciplina im Keller einsperrt, reicht euch anscheinend noch nicht, was?“
      Silvan und Nolan sehen sie für einen kurzen Augenblick an und fangen dann schallend an zu lachen. „Idioten.“, entfährt es Blade, jedoch fängt auch sie an herum zu kichern.
      „Was ist denn hier draußen los? Immer macht ihr beiden so einen Radau!“
      Eine junge Frau in einer silbernen Kutte, mit einem Mondsteinstab und einem grimmigen Gesicht, kommt aus dem Tempel gelaufen. Ihre Haare sind ebenfalls silbern doch ihre Pupillen sind dunkelblau.
      Als sie jedoch Blade erkennt, klart ihr Blick sofort auf. Sie wirkt geradezu erleichtert und auf eine besondere Art aufgeregt. „Blade! Wie schön dich wieder zu sehen!“, ruft sie schon von weitem.
      Kaum ist die Frau bei der Gruppe angekommen, umarmt sie Blade.
      „Ich freue mich auch dich wiederzusehen, meine liebe Moon.“, sagt diese und drückt Moon einmal fest an sich. „So viel Zeit ist vergangen, seit ich mich auf den Weg gemacht habe, um die gestohlenen Bücher zu finden. Bis jetzt konnte ich jedoch nur eines von ihnen finden.“
      Blades Miene wird zunehmend trauriger.
      „Ach was! Die Welt ist groß und du bist nicht die einzige, die nach ihnen sucht. Jedes Buch, was wir wiederfinden, ist ein Teil auf unserer Reise, sie alle wieder zu vereinen. Das weißt du doch. Dein Einsatz für ein Buch, war bisher größer, als der Einsatz vieler auf der Suche nach mehreren.“, versucht Moon sie aufzumuntern.
      „Ähm … Welches Buch ist es überhaupt, dass du da hast?“, fragt sie leise.
      „Es ist das Arca...“
      Weiter kommt Blade nicht, denn in diesem Augenblick vibriert der Boden unter ihrer aller Füßen und Schockwellen überziehen die Barriere oberhalb des Tempels. Ein Sturm kommt innerhalb der Barriere auf und umwirbelt den weißen Tempel.
      „Verdammt, was war das!“, brüllt Nolan. Er will noch etwas sagen, doch seine Worte werden von dem Sturm davon getragen.
      Plötzlich reißt der Boden vor ihnen auf und abartig abstrakte Kreaturen kriechen oder fliegen aus dem neuentstandenen Abgrund. Manche von ihnen sind abartiger als andere. Mit einem oder mehreren Köpfen, wenigen oder vielen Armen bzw. Beinen. Ein paar von ihnen haben, soviel Blade erkennen kann, auch Tentakeln. Schattenmonster sind sie. Aus den tiefsten Tiefen der finstersten Kerker der Unterwelt. Geboren oder erschaffen, um in einem Blutrausch alles Leben in ihrer Nähe zu töten, ohne Rücksicht auf die eigenen Verletzungen zu nehmen. Sie kämpfen bis zum Tod und nicht selten kommt es vor, dass sie in ihrem Blutrausch sich selbst oder ihre Artgenossen verletzen oder töten.
      Augenblicklich wird im Tempel Alarm geschlagen: „Proditorem! Verräter!”. Viele Krieger, wie Nolan und Silvan sind sie bewaffnet, stürmen aus dem riesigen Gebäude und stürzen sich in den Kampf mit diesen Kreaturen.
      Blade kann gar nicht sagen, um welche Arten magicae entia es sich bei den Kriegern überhaupt handelt., so lange ist sie nicht mehr zuhause gewesen.
      Vor ihr entbrennt ein wahrhaft schlimmer Kampf, als sich die Krieger auf die Kreaturen und die Kreaturen auf die Krieger stürzen.
      „Nimm das Buch und bring es zu seinem Platz in den Regalen der Bibliothek. Beeile dich.
      Wir halten dir den Rücken frei.“, brüllt Silvan ihr über den Schlachtenlärm zu.
      Blade schaut kurz zu ihm hinüber und sieht wie er ein Wurfmesser aus einer der Kreaturen zieht,
      dann läuft sie los. Über tote Gegner und Tempeltrümmer gleitet sie hinweg, wie sie es vor einigen
      Stunden im Wald getan hatte. Hinein in den Tempel. Nach links, in einen dünnen Gang, in dem sie nur seitwärts voran kommt hinter ihr Moon, Nolan und Silvan. Jetzt nach rechts die Treppe hinauf.
      Neben ihr bricht eine Wand ein, ein spinnenartiges Schattenmonster krabbelt auf die Treppe und versucht sie zu ergreifen. Blade stößt sich, nach rechts gleitend, vom Boden ab, ruft die Schatten
      um sie herum und verleiht sich somit noch mehr Schwung. Nolan tut es ihr gleich, während Moon
      selbiges mit dem Mondlicht tut und alle drei schweben ein paar Meter über dem Schattenmonster
      hinweg. Silvan bleibt zurück und kümmert sich um das Schattenmonstrum, indem er es mit seinen
      Dolchen und seinem Doppelschwert bearbeitet.
      Blade dreht sich nicht um, denn sie weiß genau, dass Silvan auch sehr gut allein zurecht kommt.
      Rennt weiter. Am Ende der Treppe angekommen, wendet sie sich nach oben. Über ihr, an der Decke
      befestigt, hängt ein Spiegel. Kurz muss Blade überlegen. Sie sind jetzt im zweiten Stock, dann muss dies der Zugang zum Keller sein oder zumindest zum Spiegelkeller.
      „Nolan, hilf mir rauf! Schnell!“, rief Blade, denn man kann nicht einfach in die Spiegel hinein springen. Man muss sich hinein drücken. Nolan nickte und hebt Blade hoch, sodass sie mit den Händen durch den Spiegel fassen kann. Kaum, dass sie es geschafft hat und Nolan ebenfalls hoch helfen will, wird Moon von einem fliegendem Schattenmonster attackiert.
      „Los! Lauf ohne uns weiter! Mach dir keine Sorgen, ich helfe ihr!“, ruft Nolan ihr durch den Spiegel zu. Blade atmet kurz tief durch und läuft durch den nächsten Spiegel, welcher in den Vorraum der Bibliothek führt.
      Dort angekommen erwartet sie ein monströser Empfang. Überall, an den Wänden, der Decke und
      auf dem Boden vor ihr, tummeln sich Schattenmonster. Mittlerweile fallen sie schon über einander her, doch nun wo Blade im Raum steht, erfassen alle Monsteraugen nur noch sie. Alle diese Viecher kommen auf sie zu. Sie sind zu nah, als dass sie wieder über sie hinweg springen konnte.
      Plötzlich kann man ein Brüllen erklingen hören. Es kracht laut und die Türen der Bibliothek stehen
      offen. Aber kein Schattenmonster traut sich herein, denn knurren und brüllen sind von innen zu hören. Da schweben sie blitzschnell heraus töten ohne Rücksicht alle Schattenmonster.
      Zwei Drachen, ein blauer Lung und ein roter Lung, landen vor Blade.
      Educatio und Disciplina. Des Meisters Drachen.
      Schnell verbeugt sie sich vor ihnen und eilt in die Bibliothek. Bringt das Buch an seinen Platz.
      Kaum steht es im Regal, ertönen die Entsetzensschreie der Schattenmonster, Als sie zu Staub zerfallen und der Riss sich schließt.
      Blade sackt auf die Knie. “Geschafft.”, sagt sie kraftlos und schwankt. Plötzlich Silvan steht vor
      ihr und fängt sie auf. “Meine Liebe Blade, ruh dich aus. Du hast es dir verdient, denn du hast uns gerade das wertvollste Buch gebracht, dass diese Bibliothek zu verbergen hat. Ruh dich aus bis du
      wieder auf Suchmission gehst, denn du hast ES wieder gebracht.
      Das Buch Arcana saltus.”

      Ende
    • Der Bluteber
      by Arathorn

      Laut schmetterten die Jagdhörner eine kurze, prägnante Melodie durch den noch in der Morgendämmerung versunkenen Wald, dann verstummten sie abrupt und wichen dem lauten Getrampel der Pferdehufe. Ein gutes Dutzend in Umhänge gehüllter Gestalten galoppierte mit hoher Geschwindigkeit in den Wald hinein, kurz darauf waren die Reiter schon zwischen den Bäumen verschwunden.
      Während sich langsam die Sonne aus dem Schlaf erhob und vorsichtig die ersten wärmenden Strahlen über dem Horizont hervorlugten, war das Geräusch schon beinahe in der Ferne verklungen, nur ein leises Echo wisperte noch durch die Bäume.
      Als von den Reitern nichts mehr zu hören war, löste sich eine schwarze, bullige Gestalt aus dem Schatten. Sie hatte etwa die Größe eines Kalbs und ging auf vier Beinen, die in Relation zu ihrer Körpermasse seltsam fragil wirkten.
      Sie sah sich mit ihren rot leuchtenden Augen aufmerksam in alle Richtungen um, witterte und trottete schließlich auch in den Wald hinein, der Spur der Jäger folgend.
      Kurz darauf war auch sie von den Bäumen verschluckt.

      Der Morgentau glänzte im Licht der aufgehenden Sonne wie Silber. Er brachte die ganze Welt zum Glitzern, saß auf dem Gras, der Erde und den Blättern der Bäume und Büsche.
      Im Schatten unter den hohen, unheimlichen Bäumen war es noch kühl, doch dort, wo die Sonne bereits ihre Strahlen hinschickte, angenehm warm. Feiner Nebel, in dem sich das Licht in unzählige Facetten brach, hing noch in der Luft wie ein leiser Hauch. In wenigen Minuten würde er verschwunden sein, auseinandergetrieben selbst vom leichtesten Windstoß.
      Die kleine Lichtung war erfüllt von den Geräuschen des erwachenden Waldes und wuselte von Leben. Kleine Tiere sprangen im Gras herum und Vögel zwitscherten in den Ästen.
      Vollkommen unerwartet wurden sie von einem lauten Donnern übertönt, das heranrollte wie eine Lawine und dabei an Lautstärke immer weiter zunahm. Ein leichtes Rauschen ging durch die Baumwipfel, als wären sie empört über diese plötzliche Störung ihrer idyllischen Ruhe.
      Abrupt erstarb das Geräusch, als etwa ein Dutzend Reiter ihre Pferde auf der Lichtung zügelten und anhielten. Es handelte sich unverkennbar um eine Jagdgesellschaft, was an den grünbraunen Mänteln, die sie trugen, und an den Bögen, Armbrüsten und Jagdmessern, die sie mit sich führten, unschwer zu erkennen war.
      Nur der Mann, der an vorderste Stelle ritt, war anders gekleidet. Er trug einen leuchtend roten Umhang, an den Rändern mit weißem Pelz verbrämt, und darunter eine leichte Lederrüstung. Sein roter Vollbart und das gleichfarbige, wallende Haar rundeten seine Erscheinung ab.
      Es war nicht schwer, zu erkennen, dass der Anführer der Gesellschaft ein Mann von Ansehen und Stand, aber auch von Kraft und Charakterstärke war. Es war Baldur von Bluthoff, ein Fürst, der hohes Ansehen genoss und sich einen Ruf als ausgezeichneter Jäger und Krieger gemacht hatte.
      »Und, Herr, welchem Wild gedenkt Ihr heute den Garaus zu machen?«, erkundigte sich Jorben bei dem Fürsten und tätschelte seinem unruhig auf der Stelle tänzelnden Pferd den Hals, »Etwa einem weißen Hirschen?«
      »Ein weißer Hirsch? Pfah!« Baldur rümpfte verächtlich die Nase und musterte seinen Knappen abschätzig. »So denkst du von mir? Wenn du wüsstest, …«
      »Ich weiß, ich weiß«, unterbrach ihn Jorben hastig, um sich nicht wieder das Selbstlob des Fürsten anhören zu müssen. Von Bluthoff ließ keine Gelegenheit aus, seinen Erfolg zur Schau zu stellen. Immerhin stimmten seine Geschichten. Er hatte schon Bären, Berglöwen, weiße Hirsche zur Genüge und alles nur mögliche erlegt. Gerüchten zufolge sollte er sogar einen Troll getötet haben.
      Für möglich konnte man das durchaus halten. Beinahe zwei Meter groß, breitschultrig und mit Muskeln bepackt von oben bis unten. Die zottige Mähne und der Bart taten ein Übriges. Und wenn er erst seine klobige, schwere Streitaxt in den Händen hielt …
      »Nun, aber was soll es dann sein?«, versuchte Jorben es ein zweites Mal. Der schmächtige junge Mann nahm sich neben von Bluthoff beinahe lächerlich aus. Alle anderen Reiter richteten ihre Aufmerksamkeit ebenfalls auf den Fürsten und seinen Knappen, alle warteten gespannt darauf, um was es gehen würde. »Ein Wolf, vielleicht sogar ein Bär?«
      Baldur knurrte verächtlich und verdrehte die braunen Augen. Mit seiner tiefen, vollen Bassstimme erklärte er: »Nichts davon. Auch kein weißer Hirsch, sondern – ein schwarzer Eber.«
      Verwundertes Gemurmel erhob sich in den Reihen der Reiter, bis schließlich Jorben es war, der die Frage aussprach, die sich alle stellten: »Ein schwarzer Eber, haben wir richtig gehört? Was ist denn daran besonders?«
      Baldur lachte kurz trocken und kehlig auf, dann meinte er: »Ihr Narren! Meint ihr wirklich, ich würde wegen einer einfachen Sau durch den halben Wald reiten? Kennt ihr nicht die Sagen? Ich meine den schwarzen Eber. Den Bluteber.«
      Wieder ging ein Raunen durch die Bäume, doch niemand hörte es. Auch nicht das verhaltene Knarren und Knarzen von altem, sich verschiebendem Holz und das Rieseln von herabfallendem Erdreich.
      »Aber das ist doch nur eine Geschichte, ein Ammenmärchen!«, wiegelte Jorben ab und machte eine beschwichtigende Geste, »Ich wäre immer noch für den Hirsch.«
      Ein dunkles Grollen entstieg der Kehle des Fürsten, während die Geräusche des Waldes nach und nach verstummten. Es wurde düsterer, als würde die Sonne regelrecht weggesperrt, doch wieder achtete niemand darauf. Aller Aufmerksamkeit galt dem Fürsten.
      »Wir sind am blutenden Grab, ihr Narren!«, verkündete dieser in verächtlichem, belehrendem Tonfall und wandte sich mit einer effektheischenden Geste um. Sein ausgestreckter rechter Arm deutete direkt auf den alten, verwitterten Grabstein, der sich aus dem Halbdunkel in der Mitte der Lichtung erhob. Es war ein aufrecht aus dem Boden ragender, halb von Moos und Flechten überwucherter Fels, der vom Zahn der Zeit schon seit Äonen benagt zu werden schien. Etwas Bedrohliches schien von ihm auszugehen.
      Viele der Jäger sogen scharf die Luft zwischen den Zähnen ein, so auch Jorben. Dazu bemächtigte sich ein unbestimmtes Gefühl der Furcht seiner, jagte ihm einen Schauer nach dem anderen über den Rücken und ließ ihm die Haare zu Berge stehen. Unwillkürlich schlang er beide Arme um den Leib, als er plötzlich fröstelte.
      Auch den anderen ging es nicht anders, von Bluthoff einmal ausgenommen, wirkten sie alle eingeschüchtert, sogar verängstigt. Nicht wenige hielten bereits ihre Bögen in der Hand und zielten in alle möglichen Richtungen in die Dunkelheit. Sogar die Pferde schnaubten beunruhigt und bockten, einige wollten gar die Flucht ergreifen.
      Jeder kannte die Geschichte vom blutenden Grab und dem damit zusammenhängenden Bluteber. Angeblich war hier vor mehreren hundert Jahren ein dunkler Magier getötet worden. Wie, wusste niemand so genau zu sagen, doch alle Legenden stimmten darin überein, dass es geschehen war. Kurz vor seinem endgültigen Tod jedoch sei dieser Zauberer in den Leib eines gewaltigen Ebers gesprungen, in dem er bis heute lebe.
      Jorben hatte diese Geschichte bestimmt schon mehr als hundertmal gehört, doch heute wollte er ihr zum ersten Mal seit seiner Kindheit wieder Glauben schenken. Der Knappe schaute sich in alle Richtungen um, konnte jedoch nichts außer der von überall heran schwappenden Dunkelheit erkennen. Dunkelheit. Gerade eben war noch die Sonne aufgegangen, der Wald hatte regelrecht erstrahlt.
      Alarmiert sah er nach oben – und stieß erschrocken einen spitzen Schrei aus, der wie ein Echo weithin durch den Wald geisterte. Die Bäume bewegten sich, über der Gruppe strebten die Wipfel alle der Mitte der Lichtung zu, die sie bald vollkommen überdeckten, wie ein Baldachin aus Blättern. Doch nicht nur das, auch die Wurzeln und Stämme verschoben sich, alle Bäume bewegten sich aufeinander zu und umzingelten die Jagdgesellschaft.
      Immer dichter und dichter zog sich der Kreis, aus dem es kein Entkommen gab.
      Mehr und mehr Schreie wurden laut, die sich in Jorbens Verstand zu einem einzigen hysterischen Gekreisch vermischten. Panik übermannte ihn, legte einen düsteren Schleier über seinen Geist, der ihn alles nur noch fetzenhaft und verschwommen wahrnehmen ließ. Das dröhnende Lachen des Fürsten. Einzelne Reiter, die davon galoppierten. Er wusste nicht, ob ihnen die Flucht gelang.
      Dann, wie mit einem Paukenschlag, kehrten seine Sinne zurück. Er sah, hörte und roch wieder. Ein Hauch von Blut und Tod lag in der Luft. Noch fünf Pferde standen auf der Lichtung, darunter das des Fürsten. Wie konnte es auch anders sein. Wie ein Fels, unbezwingbar, saß Baldur von Bluthoff auf seinem Pferd, inzwischen die Axt in den Händen.
      Irgendwer oder irgendetwas näherte sich ihnen, das konnte er spüren, wenn er auch nicht wusste, wie. Etwas Unheimliches, das Jorben beinahe das Blut in den Adern gefrieren ließ. Er hatte Angst wie noch nie zuvor, saß zitternd im Sattel und umkrampfte die Zügel mit beiden Händen. Er musste mit den Schenkeln einen harten Druck auf das Pferd ausüben, damit es ihm nicht durchging. Todesangst.
      Trotz alldem fasste sich Jorben ein Herz und trieb sein Tier zögerlich die paar Schritte bis hin zu Baldur. Als er die Miene des Fürsten sah, der den Blick jetzt auf ihn richtete, rutschte ihm das Herz endgültig in die Hose. Baldurs Gesicht war grimmig verzerrt, machte den Eindruck purer Entschlossenheit. Er deutete ein Grinsen an, als er Jorben sah.
      »Wie … wie kann das alles möglich sein?«, stammelte der Knappe und deutete unsicher auf die Bäume, die man in der Dunkelheit gerade noch sehen konnte. »Was wollen wir … was wollt Ihr wirklich hier?« Er sah den Fürsten flehend an.
      Von Bluthoff trommelte mit den Fingern der rechten Hand gelassen auf dem Stiel der Axt herum, die quer vor ihm über dem Sattel lag. »Siehst du die hier?«, fragte er und hob die Waffe leicht an. »Wir sind hier am blutenden Grab, wie schon gesagt. Und ich bin gekommen, um zu vollenden, was andere vor langer Zeit begonnen haben.«
      »Dann stimmen die Legenden also?« Jorben fühlte sich, als würde ein eisernes Band um seinen Brustkorb zugezogen, gleichzeitig hatte er einen Frosch im Hals. »Es gibt ihn?«
      »Ja«, antwortete der Fürst und lachte kurz in seinen Bart hinein, »Ich habe es dir gerade schon gesagt. Falls du es nicht gemerkt haben solltest – er ist uns gefolgt.«
      Jorben zuckte zusammen wie vom Blitz getroffen, auch das Pferd wieherte erschrocken auf, wurde noch unruhiger. Unwillkürlich zog der Knappe einen Dolch, sah sich in alle Richtungen um. Das Herz stockte ihm beinahe, als er die Gestalt aus dem Dunkel herantreten sah, gemächlich, als könne ihr nichts und niemand etwas anhaben. Der Bluteber. Jorben schrie erschrocken auf, und Baldur fuhr herum. Ein Schlachtruf entstieg der Kehle des Fürsten, dann sprang er vom Pferd, die Axt mit beiden Händen umklammernd.
      Danach ging alles ganz schnell. Jorben bekam nicht alle Einzelheiten des blutigen Kampfes mit, doch er dauerte lange. Unendlich lange. Schreie waren zu hören, sowohl menschliche als auch nichtmenschliche. Das Geräusch von Stahl, schwerer Blutgeruch und der herbe Duft von Schweiß hingen in der Luft. Baldur von Bluthoff wütete wie ein Berserker, unbezwingbar.

      Und dann war es soweit.
      Jorben sah, wie von Bluthoff mit beiden Händen zum Schlag ausholte und die schwere Klinge hinabsausen ließ. Er traf den blutüberströmten Eber im Genick. Ein animalischer Schrei zerriss Jorben beinahe das Trommelfell. Der Bluteber verging in einer unheimlichen Explosion, blaue Blitze stoben krachend in alle Richtungen.
      Von der Druckwelle wurde Jorben vom Pferd gerissen. Er schlug hart auf dem Boden auf, ignorierte aber den Schmerz. Er zog den Kopf zwischen die Schultern und presste die Hände schützend darüber. Er wusste nicht, wie lange er so dalag. Irgendwann spürte er einen Fuß in seiner Seite und richtete sich zögernd auf.
      Da stand er, Baldur von Bluthoff, schief grinsend, in der einen Hand die Axt, in der anderen den Eberkopf, aus dem das Blut zu Boden tropfte. Er warf die Axt achtlos zu Boden, half Jorben mit seiner riesigen Pranke auf die Beine und legte ihm dann kameradschaftlich den Arm um den Hals.
      Sie hatten es überstanden. Sie alleine. Der Wald um die beiden herum war schwarz verbrannt, der Boden übersät von den verkohlten Leichnamen ihrer Begleiter. Doch sie hatten es geschafft. Jorben lachte erleichtert auf, es fühlte sich an, als fiele eine zentnerschwere Last von ihm ab. Grölend stimmte der Fürst mit ein.

      Von diesem Tag an wurde Baldur von Bluthoff nur noch der »Bluteber« genannt, obgleich außer den Beteiligten niemand genau wusste, wie die Sache sich ereignet hatte. Eine weitere Legende war entstanden, um einen weiteren Bluteber.
    • Meine Stimme ging raus, und zwar an "Damals". EInfach die beste der Geschichten, so wie ich sie mag. Geheimnisvoll, man denkt auch darüber nach - und es gibt alles andere als ein Happy End :D

      Zu Cervus: Naja, cervus ist latein und bedeutet Hirsch :D Passt auf jedenfall zur Geschichte, eine solche Fantasyrasse kenne ich noch gar nicht, vielleicht neu erfunden :thumbup: Mit den Geheimnissen des Waldes hat Cervus am meisten zu tun, ich finde allerdings den Plot einwenig knapp, für eine Kurzgeschichte aber in Ordnung. Wäre meine zweite wahl gewesen

      Zu Damals: Mein Liebling. Schön erzählt, das Kopfkino läuft vom Anfang bis zum ENde durch, ohne zu wackeln. Geheimnisse des Waldes - der Bär. Naja, passt schon. DAs mit der Krönung ist sehr schön gemacht, vor allem das Ende

      Zu Arcana Saltus: Gute Idee, hat mir aber nicht so gut gefallen. Zum einen mag ich das Präsens nicht, zum anderen sind mir zu viele Fehler drin, außerdem hat es nicht viel bis gar nichts mit den Geheimnissen des Waldes zu tun, und ich verstehe auch den SInn nicht so ganz, aber das mit den Dämonen und Schattenwesen finde ich gut :thumbsup:

      Zum Bluteber: Geheimnisse des Waldes: Auf jeden Fall. Erinnert ein bisschen an eine Sage, und ich mag Sagen. Vor allem blutige. Blutig ist es definitiv, und Fehler habe ich auch nicht viele gefunden. Die Hinleitung ist ein bisschen lang, dafür sind die Beschreibungen gut vorstellbar :thumbup:

      LG
      Arathorn
    • Meine Stimme ging raus an "Cervus".
      Mit großem Abstand die beste Geschichte. Hier und da ga es Satzzeichenfehler, aber damit hatten alle Geschichten zu kämpfen. Die Kurzgeschichte hat viele Themen angeschnitten, wie Ehre, Schutz, Leben und Tod, etc.
      "Bluteber" war auch sehr schön geschrieben, jedoch bot es für mich keine interessanten Themen und das Ende war irgendwie fad, dafür war der Aufbau umso besser. Die Story zeichnet sich also eher durch den Spannungsaufbau aus.
      "Cervus" bietet einfach mehr Inhalt und könnte man auch weiter ausbauen. Schade, dass es nur bei einer Kurzgeschichte bleibt.

      Die anderen 2 Geschichten hatten imo garnichts mit der Vorgabe zu tun. Die Geschichte um die Schattendämonin fand ich persönlich irgendwie kitschig, "Damals" habe ich sogar gar nicht verstanden. :D

      Danke an alle Teilnehmer!
      "Was wir brauchen, sind ein paar verrückte Leute; seht euch an, wohin uns die Normalen gebracht haben."
      - George Bernard Shaw -

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Kiwi ()

    • Seied gegrüßet, werte Fantasyfreunde! :paladin:

      Pünktlich zum 1. Advent ist der Votingzeitraum zum Schreibwettbewerb Oktober/November 2013 abgelaufen. Auch diesmal können wir euch mit großer Freude wieder einen demokratisch gewählten Gewinner/eine Gewinnerin präsentieren.

      Und hier die Auflösung:

      ...Gewonnen hat mit 10 Stimmen... *trommelwirbel* :mamba2:

      Spoiler anzeigen
      :mamba2:
      Spoiler anzeigen
      Arathorn mit der Geschichte "Der Bluteber"

      Herzlichen Glückwunsch! Du kannst nun das Thema für den nächsten Wettbewerb vorgeben und wurdest in die Rangliste eingetragen. ;)

      Ein herzliches Dankeschön auch an alle anderen Teilnehmer! Wir hoffen, dass ihr beim nächsten Schreibwettbewerb auch wieder mitmacht und so zahlreich abstimmt. Wir sind schon sehr auf das neue Thema gespannt, das unser aktueller Gewinner hoffentlich schon bald vorgeben wird. 8)

      Übrigens könnt ihr nun auch nachschauen, wer die Autoren sind. Diese wurden den Geschichten beigefügt.

      Das war der Schreibwettbewerb Oktober/November 2013. Vergesst nicht, euer Feedback zu den Geschichten zu hinterlassen! ;)

      Euer Fantasy-Geschichten-Forum
    • Wow, ich hätte nciht gedacht, dass ich so deutlich gewinne 8| Auf jeden Fall freue ich mich total :D :D :D :D :D :D *kann nicht mehr aufhören zu grinsen* :D :D *doch*

      Ja, ich möchte mich natürlich bei allen bedanken, die mich gewählt haben :thumbsup: (könnt ihr gerne wieder machen) und auch bei allen anderen die mitgemacht/gewählt haben. Die MotivationsPN hat ja anscheinend funktioniert :thumbup:
      Ich fand die Geschichten echt klasse und denke, irgendwie hätten alle den Sieg verdient ;)

      Ein Thema hab ich schon, @deku: wie soll ich das mitteilen? Pn an dich?

      LG
      Arathorn
    • HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH, @Arathorn:!!!!

      Ein schöner Wettbewerb ^^
      Hat Spaß gemacht ^^

      Keen to the scent, the hunt is my muse
      A means to an end this path that I choose
      Lost and aloof are the loves of my past

      WAKE THE WHITE WOLF, remembrance at last

      Chaos hat gesagt, dass ich "süß und flauschig" bin :love:
    • Danke nochmal @hikari: :thumbsup:

      Den nächsten gewinnst du, wenn die Leutz wieder so wählen wie diesmal. Ich darf eh nciht mitmachen ;( und das neue Thema ist auch schon draußen, es kann also bald losgehen.

      Ja, Spaß gemacht hats auf jeden Fall :thumbsup: :thumbsup: :thumbsup: :thumbsup: :thumbsup: , der nächste hoffentlich auch 8o

      LG
      Arathorn
    • BAAM Baam baaaaaaaam

      Herzlichen Glückwunsch nochmal in aller Förmlichkeit :D

      Hoffentlich sieht man sich übernächsten Monat beim Wettbewerb, dann gehts um die Wurscht :D

      Bis dahin, hastu jetz schonmal einen Vorgeschmack auf die Rechte als Superuser (Stuabsauger of DOOM)

      :thumbsup:

      Ich bin unendlich wie ein Ring.
      Ich bin der Schwarze Schmetterling.
      Und mein Gefühl, das keiner kennt
      glüht kurz auf

      und verbrennt.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Rheuen ()

    • Danke @rheuen: aber was ist ein useruser? :D

      @kiwi: Ja, unglaublich herzlich :thumbsup: ... :|
      Ja, Cervus war gut, und meine Geschichte nicht besonders, da ich, wie schon erwähnt habe, alles mögliche einfach gestrichen ahbe in der Annahme, sie sei zu lang für den Wettbewerb weil sie nicht in eine PN gepasst hat :thumbdown: . Aber Cervus gehört von der Sprache her noch deutlich überarbeitet, und dieses "Als Jäger" am Anfang :wacko: seltsam 8| . Naja, deswegen habe ich mich letztendlich für Damals entschieden

      LG
      Arathorn