Schreibwettbewerb April/Mai 2016 - Voting & Siegerehrung

Es gibt 26 Antworten in diesem Thema, welches 10.837 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von Ciro.

  • Welche Geschichte hat euch am Besten gefallen? 18

    1. Der Ruf aus dem Walde (4) 22%
    2. Funkgespräche (0) 0%
    3. Im Tempel der schweigenden Brüder (3) 17%
    4. Ein Gleichnis (4) 22%
    5. Kaltblütig (3) 17%
    6. Zeichensprache (4) 22%
    7. Der Albträumer (0) 0%

    Hey zusammen,


    lange habt ihr diesmal auf das Uservoting warten müssen, doch nichts geschieht ohne Grund, denn ich wollte die Sache einfach etwas spannender machen. Aber Spass beiseite. ;) Viele Leute haben dieses Mal mitgemacht und ich könnte mir vorstellen, dass es ein harter Kampf um das Buch geben wird!


    Und somit geht der Schreibwettbewerb April/Mai 2016 ins entscheidende Uservoting.


    Folgendes Thema wurde von unserer letzten Gewinnerin Phi vorgegeben:


    Ungesagte Worte


    Die Geschichten werden gemessen am Datum ihres Einreichens willkürlich gepostet. So steht ihr im Bezug auf deren Autoren völlig im Dunkeln. ;)


    ACHTUNG: Beim Voten ist man nicht anonym. Somit wird Schummeln ausgeschlossen. Zudem dürfen einmal abgegebene Stimmen nicht mehr verändert werden. Bedenkt das bitte bei eurer Stimmenabgabe!


    Das Voting dauert bis 31. Mai 2016 um 23:59:59 Uhr.


    Viel Spass beim Lesen und Voten! :)


    Euer Fantasy-Geschichten Forum

  • Der Ruf aus dem Walde
    von Du Vandír


    Das Fleisch schmeckte zäh, als der Junge hineinbiss. Es war nicht wirklich ein Junge, eher ein junger Mann, kein Kind mehr, aber dennoch nicht erwachsen. Trotzdem konnte die Naiade, die ihm lächelnd gegenübersaß, nicht anders, als ihn als Kind zu sehen. Sie überlegte kurz, wie sie ihn ansprechen sollte. Menschen waren sehr andersartig, und ihr Wortschatz war begrenzt. Nach einem kurzen Zögern sprach sie:
    „Ich hoffe, es schmeckt dir. Die Menschen lassen es immer auf dem Stein an der Quelle liegen. Ich kann damit nichts anfangen. Ich brauche nur Sonnenlicht und Wasser, um satt zu werden.“ Keck lächelnd zupfte sie eine der tiefschwarzen Oliven aus ihrem blauen Haar.
    „Und vielleicht auch mal eine Olive.“ Sie zwinkerte ihm zu.
    „Mhfggh …“ Der Junge hatte den Mund voller Trockenfleisch. Interessiert beobachtete die Naiade, was seine Mundöffnung preisgab. Eine braune, kaum definierbare Masse aus faserigen Bröckchen. Sie blickte einem kleinen Insekt hinterher, damit der Junge nicht sehen konnte, wie sie die Augen verdrehte. Menschliche Essmanieren.
    „Mhm …“ Er schluckte hörbar, schmatzte einmal und meinte: „Danke, dass ich hier etwas bleiben darf. Meine Schwester geht mir in letzter Zeit so auf die Nerven … puuh. Und überhaupt, was bist du für ein Wesen, dass du kein Fleisch magst?“
    Wieder schaute die Naiade belustigt drein. Der Junge war zwischen den Bäumen umhergestolpert, hatte sie gesehen und angesprochen. Er zeigte nichts von der Ehrfurcht und dem Aberglauben, den andere Menschen ihr gegenüber hegten.
    „Ich bin eine Naiade. In diesem Hain gibt es eine Quelle, deren Wasser so kühl und klar ist wie das der fröhlich plätschernd eilenden Bäche des Olymp. Ich bin ihr Geist, ihre Verkörperung. Und, naja … ich brauche eben nichts zu essen. Ich fühle mich vollkommen wohl, ohne die Muskulatur eines toten Tieres zerkauen zu müssen.“
    Als er peinlich berührt auf den Boden schaute, musste sie lachen. Er errötete weiter. Sie nahm an, dass das an den glockenhellen Tönen ihrer Heiterkeit lag – sie hatte eine starke Wirkung auf Sterbliche.
    „So habe ich das noch nie gesehen …“, murmelte der Junge nun betreten.
    „Nicht schlimm. Vergiss es“, entgegnete die Naiade trocken. Dann fragte sie: „Bist du wirklich nur wegen deiner Schwester von zuhause weggelaufen?“
    Plötzlich sah der junge Mann sie an wie ein verletztes Reh. Blickte wieder zu Boden, stocherte in der trockenen Erde neben sich herum, nahm eine von den verschrumpelten Oliven in die Hand, die überall herumlagen. Er rollte sie zwischen seinen Fingern herum, während die andere Hand eine Falte seiner Tunika sehr faszinierend zu finden schien.
    Die Naiade legte den Kopf schräg. Sie hatte sehr wenig Kontakt mit Menschen, aber dieser verhielt sich sehr seltsam. Hatte sie einen wunden Punkt getroffen?
    Er öffnete den Mund und schloss ihn wieder. Dann sah er zur Seite, schien zu überlegen und stand auf, nur um zu einem Moosbüschel zu laufen. Er legte sich auf die trockenen, aber weichen Halme.
    „In meinem Dorf machen sich die Leute über mich lustig.“
    „Wirklich? Muss das nicht amüsant sein?“
    Sein Blick schoss zu ihr herüber. Sie staunte, als sie sah, dass sein Gesicht knallrot war. Daraus zog die Naiade den Schluss, etwas Falsches gesagt zu haben.
    „Tut mir Leid“, murmelte sie. Diese Floskel hatte ein Mensch vor mehr als hundert Jahren ständig vor sich hin gestammelt, wenn er irgendetwas gemacht hatte, das die Naiade seiner Ansicht nach brüskieren könnte. Nun war es ihr endlich nützlich; der Junge schien zufrieden. Sie grinste, als sie an den Mann dachte, der ihr diese Worte beigebracht hatte. Schon als er sie nur gesehen hatte, hatte er angefangen, sich zu entschuldigen.
    Als er nun weiterredete, klang seine Stimme belegt:
    „Ich finde das nicht lustig. Jedenfalls nicht, wenn sie mir gegenüber so tun, als würden sie mich mögen, aber wenn ich nicht dabei bin, nennen sie mich Esel und machen Witze über mich.
    „Du fühlst dich also …“ Sie zögerte und suchte nach dem richtigen Wort. Alles, was sie über Sprache wusste, hatte sie von Besuchern gelernt, und auch, wenn sie die gesagten Dinge sofort verstand und widergeben konnte, war sie nur in der Lage, das Vokabular zu benutzen, das andere ihr gegenüber benutzt hatten.
    „Du fühlst dich als wärst du anders als sie, richtig?“
    Der Junge setzte sich auf, zog die Beine an und umschloss sie mit seinen Armen. In seinen Augen lag nun ein feuchtes Schimmern. Er nickte Zustimmung. Die Naiade zögerte nun. Sie interpretierte aus seinem Gesichtsausdruck, dass er kurz davor war, zu weinen. Sie wusste, dass das unter Menschen als peinlich angesehen wurde und dass sie nun vorsichtig sein sollte.
    „Aber du bist nicht anders als sie“, sprach sie ihm sanft zu. „Du bist wohl eher besser als sie. Warum sonst würden sie versuchen, dich auszuschließen?“
    Ohne Vorwarnung brach der Junge in Tränen aus. Er wiegte sich auf dem weichen Moos und drückte den Kopf zwischen die Knie. Sein Körper, der fast größer war als der der Naiade, erbebte unter den heftigen Schluchzern. Eine Welle der Sympathie stieg in ihr empor. Sie war ein mythisches Wesen, hatte mit Dionysos am Tisch gesessen, mit Diana gejagt und von Hermes Botschaften erhalten, aber ihre Geste, so wusste sie, war etwas, das jedes intelligente Wesen, ob Mensch oder Gott, verstand. Sie legte ihm die Hand auf die Schulter. Sie wollte ihn trösten. Ohne nachzudenken, sagte sie, was ihr in den Kopf kam.
    „Du bist besser als sie. Würdest du dich über jemand anderen lustig machen? Oder jemanden ausschließen? Nein, würdest du nicht. Außerdem hast du mich getroffen, die Quellnaiade im Hain! Und weißt du was? Ich finde dich nett. Ich glaube, die Leute, die sich über dich lustig machen, sind dumm und nicht in der Lage, Menschen gut einzuschätzen. Wahrscheinlich treiben die es mit Mädchen, die äußerlich schön sind, aber innerlich hässlich wie Hades.“
    Sie zögerte. Sein Weinen war bereits abgeebbt.
    „Oder mit leichten Mädchen“, fügte sie hinzu.
    Nun war es ein Lachen, das seinen Körper erschüttete. Dann ertönte ein lautes Schniefen und er hob seinen Kopf.
    „Danke“, meinte er mit geröteten Augen und belegter Stimme.
    Sie lächelte, insgeheim stolz auf sich selbst, dass sie es geschafft hatte, ihn aufzumuntern. Der Junge sagte:
    „Weißt du, ich finde das auch. Die mögen mich nicht, weil ich schlauer bin als sie, weil ich lesen kann und rechnen. Mein Vater ist Lehrer. Die anderen sind nur Bauernkinder. Wir haben ein großes Haus, mit einem großen Vorratskeller, und von denen arbeiten manche sogar für meinen Vater.“
    Die Naiade blickte ihn aufmerksam an und nickte, weil sie nicht die geringste Idee hatte, was sie antworten konnte.
    „Aber ich will trotzdem nicht in das Dorf zurück. Meine Eltern werden böse sein, und die anderen sind immer noch da …“ Nun wirkte er wieder niedergeschlagen.
    Sie hatte eine Idee.
    „Hör mal. Ich bin nur eine einfache Naiade, aber auch ich habe Kräfte. Ich mag dich, und deshalb will ich dir helfen. Ich werde selber nicht immer da sein, um mit dir zu reden, aber du kannst mich trotzdem immer hören.“
    Er schaute sie mit großen Augen an. „Wirklich? Wie das?“
    „Wenn du in den Keller deines Hauses gehst, dann musst du nur laut meinen Namen rufen. Er ist groß, und aus Stein, ja? Dann wirst du mich antworten hören. Das gleiche wird passieren, wenn du in diesem Wald stehst.“
    „Ach ja?“ Der Junge wirkte verwirrt.
    „Ja. Ich verspreche es. Versprich mir im Gegenzug, dass du, wann immer du mich antworten hörst, dich davon aufmuntern lässt und daraus Stärke gegen die anderen Kinder beziehst.“
    „Versprochen!“ Er grinste. „Aber … wie lautet dein Name?“
    Nun lächelte die Naiade geheimnisvoll. Seinen Namen gab ein Gott nicht leichtfertig preis. Sie stand auf, lief zwischen die Bäume und antwortete: „Ich bin Echo“ Ihre Gestalt begann, mit dem Wald zu verschmelzen. Nur der Nachklang ihres Namens hallte durch den Hain, wie ungesagte Worte.

  • Funkgespräche
    von Schreibfeder


    Langsam drehten sich die Schubdüsen zum Bug des kleinen Z48-Raumjägers und rasteten mit einem Klicken ein. Freilich nur im begrenzten Innenraum des Schiffes zu hören. Draußen war absolutes Vakuum.
    Féminin Lieutenant Danielle Jeanneau seufzte vernehmlich, während sie langsam die Triebwerke anwarf und damit ihr Gefährt abbremste. Sie wusste nicht genau, welche übermotivierte Feministin auf das „Féminin“ in ihren Rang bestanden hatte, aber es störte sie auch nicht sonderlich.
    Aus irgendeinem politischen Grund waren die militärischen Ränge halt alle in französisch, obgleich in der UN-Raumflotte hauptsächlich russisch oder chinesisch gesprochen wurde. Diese dominierten seit dem Niedergang der USA die Weltpolitik, auch wenn sie in der UN eher durchs Nichtstun auffielen.
    Aber solche Gedanken zögerten nur das Unvermeidbare hinaus. Abermals seufzend griff sie zur Überkopfkonsole und legte dort zwei Hebel um. Die Instrumentenbeleuchtung in ihren Z48 verlosch langsam, als alle Energie zum Funkverstärker umgeleitet wurde. Ein unvermeidbarer Nebeneffekt, denn schließlich brauchte es eine Menge Saft, um ein Haufen Laser quer durchs All zu schicken.
    Endlose Minuten wartete sie auf eine Antwort. Lange genug, um sich wieder sicher zu sein, dass diese Raumjäger nicht für den Tiefenraum gedacht waren. Natürlich war die Bordelektronik intelligent. Sie schickte nicht wild Laserstrahlen in alle Richtungen, sondern orientierte sich an der Sonne, Sternen und Planeten, um ihre ungefähre Position zu ermitteln. Und natürlich auch der, von potenziellen Empfängern. Aber bei Entfernungen, wo ein Mikrometer schon ausreichte, um ihr Ziel um hundert Kilometer zu verfehlen, waren auch der Elektronik Grenzen gesetzt.
    Außerdem waren die Raumjäger schon alt. Sie wurden 2048 entwickelt und damals war der besiedelte Raum noch nicht so ausgedehnt. Außerdem argwöhnte sie, dass das UN-Oberkommando sparen wollte und die Probleme kleinredete.
    Klein waren auch die Z48. Sie bestanden aus nicht viel mehr als einer schmalen Liege für den Piloten, und einer großen, eckigen Frontscheibe, an dessen beiden Seiten jeweils ein leistungsstarkes Triebwerk befestigt war. Und natürlich die Aufhängungen für einen ganzen Haufen schwerer Waffen.
    Ihrer Ansicht nach, war das Ding hundertprozentig von Männern konstruiert worden. Und zwar von welchen, die keinen einzigen Tag in den Dingern geflogen waren. Nur so konnte sie sich den mickrigen Generator und das schwache Lebenserhaltungssystem erklären.
    Die Funkkonsole piepte und zeigte ihr an, dass sie einen Kontakt hergestellt hatte. Schlagartig wurde es auch wärmer, als die Heizung wieder ansprang. Die miese Wärmeisolierung war auch eines der Dinge, die sie an den Z48 hasste.
    „Position erreicht. Keine Feststellung“, gab sie kurz und knapp durch und schwieg. Absolute Disziplin war eines der wesentlichen Elemente des Funkverkehrs. Es wurde nur das Allernotwenigste geredet und das zudem in Stichwörtern. Ein Gespräch bestand daher aus jede Menge ungesagter Worte. Denn auch die Energie des Lebenserhaltungssystems wurde für den Funklaser benötigt und es wurde ansonsten buchstäblich die Luft zum Atmen knapp.
    „Verstanden. Position halten“, drang plötzlich eine sehr maskuline Stimme aus dem Lautsprecher. Die kannte sie, das war Mâle Capitaine O’Harras. Ein wohliges Schauern durchfuhr sie, was nichts mit der Innenraumtemperatur zu tun hatte.
    Denn in den Raumjägern war es einsam. Die nächste menschliche Seele war hunderttausende von Kilometern entfernt. Bisweilen sah man wochenlang keine anderen Menschen.
    Dafür war das vorinstallierte Unterhaltungsprogramm ganz gut und der Raumanzug hatte ein paar nützliche Reißverschlüsse, die man eigentlich nicht an den Stellen brauchte, an denen sie angebracht waren. Schließlich war der Anzug dafür konzipiert, sämtliche Körperausscheidungen zu filtern und Schadstoffe abzusondern. Aber für ein paar flinke Finger, die genau wussten wo sie hinpassen, waren die Dinger Gold wert. Tatsächlich musste sie beim letzten Mal so gut gewesen sein, dass auch die Scheibe was abbekam.
    Danielle runzelte die Stirn und richtete das Fadenkreuz auf die merkwürdige Stelle am Fenster. Der Bordrechner übernahm sofort die Führung. Innerhalb von Sekunden peilte er das Ziel an, verglich die Daten, überprüfte die ID-Codes und als das alles misslang, färbte er das Objekt rot ein.
    „Feindkontakt. Positionsdaten folgen. Bestätigen!“, funkte sie durch, ohne das mysteriöse Ding auch nur eine Sekunde aus den Augen zu lassen. Es musste ein Sonnenanbeter sein. Viele kleinere Nationen auf der Erde unterhielten illegale Raumflotten. Ihre Ziele, Absichten und militärische Stärke waren völlig unterschiedlich und schwer einzuschätzen. Doch sie alle mochten die UN nicht sonderlich.
    Danielle fuhr entschlossen die Waffensysteme hoch. Es summte und klickte, als die Kampflaser und Raketenwerfer ausgefahren wurden
    „Kontakt bestätigt“, dröhnte endlich die Stimme des Capitaine aus den Lautsprechern. „Mandys Ankunft in T10. Feuerbefehl erteilt. Wiederholen!“
    Mandy war eigentlich Féminin Lieutenant Manuela Cortez. Sie wurde aber von allen nur Mandy gerufen.
    „Verstanden: Mandy in T10, Feuerfreigabe“, wiederholte sie gehorsam.
    „Korrekt. Gute Jagd. Ende“, gab er durch und damit war das Gespräch beendet.
    Danielle nickte befriedigt und setzte ihren Helm auf. Mit einem hörbaren Zischen versiegelte er ihren Anzug.
    Die Zentrale hatte ihr die Position von zweiundzwanzig Sonden und sechzehn Kampfdrohnen übermittelt und ihr Bordrechner hatte sie bereits angefunkt und angewiesen sie zu unterstützen. Das brauchte nicht viel Energie, denn das lief jetzt über den Kurzstreckenlaser. Dafür war die Z48 konstruiert worden.
    Danielle rief eine taktische Karte auf ihrem Display auf und ließ sich Flugdauer, Position und voraussichtliche Ankunft aller Drohnen und Sonden einblenden. Sofort blinkten auf ihrem Display dutzende Symbole auf. Jetzt war sie wieder in ihren Element. Jeder UN-Pilot war mindestens ein Lieutenant, denn sie alle mussten fähig sein, Dutzende von Roboterhelfern gleichzeitig zu koordinieren.
    „Hey, Danny, endlich treffe ich wieder einen Menschen. Ich bin da draußen fast verrückt geworden“, erklang eine fröhliche und ausgeflippte Stimme aus den Lautsprechern. Mandy hielt nicht viel von der Politik der ungesagten Worte.
    „Funkdisziplin“, erinnerte Danielle sie trotzdem an das oberste Gebot.
    „Entspann dich meine Große“, entgegnete Mandy lachend. „Ich bin Nahe genug an dir dran, um normal mit dir zu sprechen. Und hier draußen sind nur du und ich.“
    „Nur du, ich, zweiundzwanzig Sonden und sechzehn Drohnen“, zählte Danielle nüchtern auf, doch das störte Mandy überhaupt nicht.
    „Die werden ihre mageren Batterien doch nicht dafür verschwenden, indem sie weitergeben, was wir so quatschen. Also erzähl, wie ist es dir so ergangen?“
    „Konzentration! Feindkontakt in T7“, gab sie durch. Sie ließ sich nicht ablenken. Das erkannte auch Mandy. Lautstark seufzte sie in den Funk. „Ankunft in T8.“
    „Verstanden. Werde dir Zeit verschaffen“, gab Danielle durch. Sie tippte einen Moment auf ihrem Display und steuerte zwei Drohnen auf Kollisionskurs. Beide feuerten ihre Raketen ab, bevor sie kurz darauf selbst explodierten. Laserbeschuss. Der feindliche Pilot wusste was er tat.
    „Zwei Drohnen ausgefallen. Pilot kampferfahren.“
    „Verstanden.“
    Weitere lautlose Explosionen blitzen im Weltraum auf, als der Feindlaser die Raketen wegputzte.
    „Raketenangriff abgewehrt.“
    „Ebenfalls verstanden.“
    „Baue Matrixverteidigung auf.“
    „Verstanden, werde deine rechte Flügelfrau.“
    „Gut. Halte dich im Sichtschatten. Pilot scheint dich nicht bemerkt zu haben“, gab sie durch. Kein Sonnenanbeter war gut genug, um es mit zwei Z48 aufzunehmen. Nicht, wenn diese noch Drohnen hatten.
    „Hui, das war heute ja der längste Satz von dir. Du musst mich echt mögen“, kommentierte Mandy das vorschriftswidrig.
    „Ja, also stirb bitte nicht“, gab Danielle nur gepresst zurück.
    „Lässt sich einrichten. Starte Bremsmanöver, brauche Ablenkung.“
    „Ablenkung eingeleitet“, funkte sie zurück und ließ drei Drohnen einen Schwarm Raketen abfeuern. Die Entfernung war viel zu groß, der Pilot würde mühelos ausweichen können, aber der Angriff war ohnehin nur eine Finte. Geschickt ließ sie eine weitere Drohne aus dem Sonnenschatten heraus angreifen. Und dieser Angriff hätte fast Erfolg gehabt. Dieses Mal blitzte ihr Laser durch das Vakuum. Sie konnte sehen, wie das Sonnenanbeterschiff wegbrach, als der Pilot mit Müh und Not den Überraschungsangriff abwehrte. Weitere Explosionen leuchteten lautlos im Weltall auf.
    „Sichtkontakt zum Ziel.“
    „Verstanden, hier ebenfalls“, gab auch Mandy durch, doch dann versagte ihre Stimme.
    „Mandy? Was ist?“, funkte Danielle panisch, doch dann wurde sie von einer männlichen, kultiviert klingenden Stimme übertönt: „Ich möchte Ihnen gratulieren, Féminin Lieutenant. Nicht jeder ist in der Lage Saransk so in die Bedrängnis zu bringen, er ist einer unser besten Männer. Wäre der Kampf noch eine Minute länger gewesen, hätten Sie ihn ohne Zweifel zerstört. So mussten wir uns leider vorzeitig enttarnen. Bitte achten Sie auf Ihr Feuerleitradar. Es wird Ihnen zeigen, dass wir Sie mit drei Schiffen umzingelt haben. Wir wünschen weder Ihren Tod noch den Ihrer Freundin. Bitte, deaktivieren Sie die Waffen und ergeben Sie sich.“
    Mandys Schiff kam neben ihren zu stehen. Sie blickten sich durch die Fenster gegenseitig in die Augen. Die Panik die sie verspürte, wurde von ihr stumm erwidert. Sie waren in einen Hinterhalt geraten.
    Mit zittrigen Fingern drückte sie einen Knopf auf dem Display. Zumindest würde es in nächster Zeit nicht einsam werden.

  • Im Tempel der schweigenden Brüder
    von Polarfuchs


    Im Tempel der schweigenden Brüder leuchteten an diesem Abend die Lichter heller als in jeder anderen Nacht. Hunderte Kerzen ließen den Weg hinauf zu dem alten Sandsteingebäude erstrahlen. Die Mönche hatten alabasterweiße Blütenblätter über die Wege und Treppenstufen gestreut, sodass Malik glaubte, mitten im Sommer durch ein Meer von Schneeflocken zu laufen, als er sich mit seinem Vater dem Heiligtum näherte. Die schweigenden Brüder, die selbst in Nebenräumen des Tempels lebten, pflegten seit Genrationen ihr Heim und schützten es vor den Augen der Welt. Alle zwölf Jahre schmückten sie den Eingang zum Heiligtum feierlich mit Kränzen und leuchteten ihn mit brennenden Ölschalen aus, so hatte Malik es zumindest von seinem Vater gehört.
    „Halt den Rücken gerade, Sohn! Das hier ist ein heiliger Ort“, zischte der hagere Mann, der neben ihm ging, dem Knaben zu. Einer der Mönche neigte ehrerbietig den Kopf, als sie beide vorbeischritten. Sofort straffte der Junge seine Körperhaltung. Er wusste, dass es eine große Ehre für ihn bedeutete, heute dabei sein zu dürfen. Malik erinnerte sich nur noch sehr blass an den Tag vor zwölf Jahren: Damals hatte sein Vater, gleich wie heute, die Familie in Steilufer zurückgelassen, um sich auf die Reise zu diesem Tempel zu begeben. Nur mit einem, in weißes Leinen eingeschlagenem, Paket war er losgezogen in die Berge von Sollarin, und erst nach Wochen wiedergekehrt. Malik war zu klein gewesen, um verstehen zu können, warum sein Vater ihn und Mutter allein gelassen hatte, doch inzwischen hatte er von der Aufgabe ihrer Familie gehört, zumindest in Ansätzen. Niemand sprach je genauer darüber.
    Drei Männer waren es, die sich alle zwölf Jahre zur Sommersonnenwende in diesem Tempel trafen. Doch was sie dort taten, blieb ein Geheimnis. Maliks Vater hatte niemanden eingeweiht. Nicht einmal seine Ehefrau wusste, was sich in dem Päckchen befand, welches er auch an diesem Sommertag wieder mit sich führte. Nie verlor er ein Wort darüber. Niemals.
    Umso stolzer machte es Malik, heute bei der Lüftung des Geheimnisses dabei sein zu dürfen.
    Die beiden durchschritten einen hohen Torbogen, der den einzigen Zugang zum mauernumsäumten Tempel bot. Wie das Portal in eine geheimnisvolle, verbotene Welt kam dem Jungen die halbrunde Öffnung vor. Das flackernde Kerzenlicht strahlte ihnen bereits entgegen und erhellte den Mittsommerabend. In den Bäumen sangen die Nachtigallen und das Zirpen der Grillen drang sanft und stetig zu ihnen herüber. Doch als sie den Eingang durchschritten und über eine schmale Treppe in das klobige Tempelgebäude eintraten, schien jede Stimme des Waldes hinter ihnen zu verstummen.
    Malik fuhr ein Schauder über den Rücken. Der schwere, süße Duft von Weihrauch und Lavendel umfing sie und ließ seinen Vater keuchend husten. Malik kannte das. Seit er sich erinnern konnte, trug sein Vater diesen Husten mit sich herum. Mutter hatte gesagt, er habe sich auf seiner letzten Reise mit einer Krankheit angesteckt, die ihn seither immer wieder quälte und ihm manches Mal die Kraft raubte.
    Zwei der Mönche, kamen mit Laternen herangeschlichen und eskortierten Vater und Sohn stillschweigend einen langen Gang entlang. Ihre tuchartigen Gewänder schliffen dabei über den mit Holz ausgelegten Boden und verursachten ein gespenstisches Rascheln. Ein beklemmendes Gefühl, fast wie eine Hand an seiner Kehle, ergriff Besitz von Malik. In diesem heiligen Tempel fühlte er sich wie ein Fremdkörper. Sein Vater bemerkte die aufkommenden Zweifel und legte dem Sohn sanft eine Hand auf die Schulter.
    „Hab keine Angst, Malik. Seit hunderten Generationen treffen hier zwei Blutlinien zusammen. Niemand wird dir heute etwas anhaben, solange du dich an die Regeln hältst.“ Malik schluckte gespannt. Er war so neugierig, so voller Eifer zu erfahren, worüber sein Vater niemals sprach. Gespannt spitzte er die Ohren, während der magere Mann flüsternd erklärte: „Sobald die Zeremonie beginnt, darf niemand sie unterbrechen. Egal, was du dort siehst, du musst schweigen und tun, was von dir verlangt wird.“ Malik nickte eifrig und sein Vater lächelte ein müdes aber stolzes Lächeln. Sie stoppten vor einer großen, hölzernen Pforte. Während die Mönche mit den Laternen die Portalflügel aufklappten, trat der Vater noch einmal an sein ältestes Kind heran und küsste dessen Stirn. „Ich liebe dich, mein Sohn.“
    Bevor Malik etwas erwidern konnte, schritt sein Vater über die Schwelle und der Knabe folgte ihm schweigend hinein.
    In der Mitte des fensterlosen Raumes erkannte Malik im Zwielicht der hunderten, rings herum aufgestellten, Kerzen ein kleines Podest. Eine Frauengestalt, die Züge von dünnen Schleiern bedeckt, stand dort oben wie eine lebende Statue und hielt die Augen wachsam auf die Neuankömmlinge gerichtet. Links von ihr wartete bereits ein junger Mann mit blondem Haar. Er hatte sich auf einem hellen Sitzkissen vor dem Podium niedergelassen. Seine Hände waren von Kratzern und Schwielen überzogen und er wirkte von harter Arbeit geplagt. Als Maliks Augen nach rechts sprangen, um zu sehen, welche Gestalt dort zu Füßen der Frau kauerte, erschrak er. Die Mönche hatten eine Mumie auf einem ähnlichen Sitzkissen platziert. Im Schneidersitz starrte sie aus längst vertrockneten Augen auf eine Holzschatulle vor sich. Malik stockte in seinem Gang, diesem konservierten Leichnam wollte er lieber nicht zu nahe kommen. Gleichzeitig aber fürchtete er, seinen Vater zu enttäuschen und so ging er weiter.
    Zusammen erreichte sie schließlich das kniehohe Podest, doch nur ein einziges Sitzkissen erwartete sie dort. Maliks Vater nahm Platz und grüßte den blonden Mann zu seiner Linken mit einem stummen Nicken. Vor der Mumie, rechts von ihm, senkte er andächtig den Kopf.
    Malik wusste nicht so recht, wo er Platz nehmen sollte, die einzigen drei Sitzkissen waren vergeben, also kauerte er sich neben seinen Vater auf die knarrenden Holzdielen. Vorsichtig platzierte dieser nun sein Päckchen vor sich, ebenso wie der junge Mann mit den schwieligen Händen es tat. Die Frau in der Mitte beobachtete stumm, wie die beiden Männer den weißen Stoff fortnahmen und zwei weitere Holzschatullen darunter enthüllten.
    Malik traten um ein Haar die Augen aus dem Kopf, als er sah, wie sich die vertrockneten Hände der Mumie plötzlich auf das eigene Kistchen zubewegten und den reichverzierten Deckel anhoben. War die Mumie etwa doch nicht tot? Malik schnappte nach Luft. Hatte der Weihrauch ihm etwa die Sinne vernebelt? Auch sein Vater und der fremde Mann öffneten nun die mitgebrachten Behältnisse. Zum Vorschein kamen drei, fast identische, hölzerne Masken. Die geschnitzten Kunstwerke zeigten verzerrte Züge, einen leidig hinabgezogenen Mund und weinende Augenlöcher. Lediglich in der Farbe und somit auch in der Holzart unterschieden sie sich.
    Die Maske seines Vaters war aus dem roten Holz einer Kastanie gefertigt, das erkannte Malik sofort. Bei dem Mann zu seiner Linken glaubte er die Farbe von hellem Birkenholz zu erkennen, und in der Kiste der lebendigen Mumie lugte eine Maske schwarz wie Ebenholz hervor.
    Alle drei Männer, auch die vertrockneten Finger des Untoten, griffen gleichzeitig nach ihren gehüteten Schätzen und hielten sie beschwörend vor sich hin, als wollten sie diese der Frau in der Mitte als Opfer präsentieren. Malik hielt den Atem an, während die drei Männer um ihn herum gleichzeitig zu sprechen begannen:
    „Drei Plagen hast du der Welt gebracht. Solange du die Hoffnung hell erstrahlen lässt, wollen wir sie für die Menschen tragen. Du, die Allesschenkende, schüttest auch die Hoffnung in diese dunkle Welt. Dafür wollen wir Arbeit, Krankheit und Tod schweigend ertragen.“ Sobald der Chor verklungen war, begann die Frau in der Mitte sanft zu lächeln, fast wie jemand, der dankend ein Kompliment entgegennahm. Sie hob fordernd die schlanken Arme und sogleich erhoben sich die Männer mit den Masken von ihren Kissen. Die Mumie verließ mit knisternder Haut und knackenden Knochen ihren Platz und trat heran an Maliks Vater. Ihre skelettierten Hände überreichten das Schmuckstück aus Ebenholz an ihn, bevor der Untote mit langsamen Schritten zu seinem Kissen zurückkehrte. Mit vor Grauen geweiteten Augen beobachtete Malik, wie nun sein Vater den Platz verließ und die Maske aus Kastanie an den blonden Mann überreichte. Auch er kehrte an seinen Platz zurück und wartete stumm.
    Malik schluckte gespannt und sah mit an, wie nun die verschleierte Frau von dem Podest heruntertrat. Lautlos glitt sie an die Mumie heran und schloss sie in eine zarte Umarmung. Mit ihrer Berührung zerfiel der untote Leichnam zu schwarzer Asche und hinterließ nur ein befreites Seufzen, das wie ein kalter Winterwind durch den Raum zu schweben schien.
    Mit graziösen Schritten kehrte die verschleierte Frau auf ihr Podium zurück und richtete den Blick nun fest auf Malik. Alle taten dies und dem Knaben wurde heiß und kalt auf einmal. Ein jeder im Raum schien etwas Bestimmtes von ihm zu erwarten. Angestrengt dachte Malik nach, ließ die hilfesuchenden Blicke durch den Tempelraum gleiten und erkannte schließlich, dass ein Platz im Kreis freigeworden war. Aber wollte er sich dort niederlassen? Er musste.
    Zögerlich schritt er herüber zu jenem Kissen, wo die dunkle Asche der Mumie sich verstreut hatte. Sobald er den freien Platz erreicht hatte und unsicher den Blick nach seinem Vater schickte, trat der blonde Mann an ihn heran und hielt Malik die Maske aus hellem Birkenholz wie ein kostbares Geschenk entgegen. Dieser wusste, dass von ihm verlangt wurde, sie anzunehmen und so tat er es. Als seine Finger das Holz fest umgriffen, und nun auch der dritte Mann zu seinem Kissen zurückgekehrt war, lächelte die Frauengestalt erneut. Sie schien zufrieden, besänftigt, irgendwie erleichtert. Ein jeder hatte seinen neuen Platz im Kreis gefunden. Sie ließ sich in den Schneidersitz auf das warme Holz hinunter. Die Männer taten es ihr nach. Auch Malik schloss sich dem an.
    „Für weitere zwölf Jahre sollt ihr die Plagen tragen. Ein jeder eine, bis die nächste zu euch findet, dann in zwölf Jahren.“ Die Stimme der Frau klang hell wie die eines Mädchens und doch füllte sie den gesamten Raum, einem Donnergrollen gleich. Als sie geendet hatte, legten sich Schatten unter die Augen des blonden Mannes. Ein heiseres Husten drang aus seiner schmerzenden Brust zu Malik herüber. Ängstlich suchte der Knabe den Blick seines Vaters und erschauderte. Die Haut seines alten Herrn färbte sich grau und schwarz, Wangen und Augen fielen ihm ein und die Haut verschrumpelte an seinem Körper. Malik konnte nicht sprechen, konnte nicht schreien. Das alles hier glich einem bösen Traum.
    Mit letzter Kraft steckte der in Windeseile vertrocknende Mann die erhaltene Ebenholzmaske zurück in die Schatulle und schloss sie, ehe ihm der Kopf auf die Brust sackte und das Leben aus ihm hauchte. Malik starrte mit aufgerissenen Augen auf die Mumie, die eben noch sein Vater gewesen war. Er konnte einfach nicht glauben, was er sah.


    An alles, was danach geschah, konnte Malik keine Erinnerung mehr fassen. Er wusste nur, dass die Mönche ihn herausgeführt hatten und der blonde Mann, der den Husten seines Vaters geerbt zu haben schien, kein einziges Wort der Erklärung zu ihm gesprochen hatte.
    Malik aber glaubte auch ohne diese ungesagten Worte zu wissen, welche Bürde das Schicksal seiner Blutlinie zugemutet hatte. Er war sich sicher, seinen Vater eines Tages wiederzusehen. In zwölf Jahren dann … als untote Mumie, im Kreis der stillschweigenden Plagenträger.

  • Ein Gleichnis
    von Miri


    Ich möchte euch eine Geschichte erzählen. Der eine oder andere mag sie kennen, denn sie ist nicht von mir. Sie ist viel älter. Schätzungsweise 1984 Jahre, wenn wir mit unserer Zeitrechnung nicht irren - manch einer kann den Urheber vielleicht erahnen.


    Ein kleiner Trampelpfad führt durch eine grüne Wiese, auf der schon die ersten bunten Blätter liegen. Die Strahlen der Sonne wärmen noch immer und so ist es nicht verwunderlich, dass der Mann, der vor der Hütte Holz hackt, dies mit bloßem Oberkörper macht. Schweiß rinnt seinen Rücken hinab. Seine Arme zittern schon vor Anstrengung.
    Der Haufen neben seinem Hackklotz hat eine beachtliche Höhe erreicht. Erschöpft lässt er die Axt sinken und streicht sich mit der Hand den Schweiß von der Stirn. Stolz betrachtet er sein Werk.
    Früher hätten sie es leichter gehabt. Damals in der blühenden Zeit, als die Elfen noch über die Wälder regierten.
    Er schüttelt den Kopf. Keine Zeit für solche Gedanken.
    Mit seiner feingliedrigen Hand zwingt er eine aufmüpfige Strähne seiner dunklen Haare hinter sein spitzes Ohr.
    Wozu hat er zwei Söhne?
    Der Mann lehnt die Axt an seinen Klotz, wischt sich die Hände an seiner Hose ab und geht ins Haus.
    Seinen ersten Sohn trifft er in der Küche an. Er schält Rüben und backt Brot für das Abendessen.
    „Kannst du mir helfen das Holz zu stapeln?“, fragt der Mann seinen Sohn.
    „Tut mir leid, Papa. Ich habe schon zu tun.“
    Der Mann nickt verständnisvoll und geht seinen zweiten Sohn suchen.
    Dieser liegt hinter dem Haus in der Sonne und kaut auf einem langen Grashalm.
    „Kannst du mir helfen das Holz zu stapeln?“, fragt der Mann auch seinen zweiten Sohn.
    „Klar, Papa, ich ziehe mir eben nur die Stiefel an.“
    Zufrieden geht der Elf wieder vor die Hütte und beginnt schon mal das Holz an die Südwand ihrer Behausung zu stapeln.
    Es dauert nicht lange, da steht der erste Sohn neben ihm und packt mit an. Er hat die Schürze an einen Haken an der Haustür gehängt und wirft seinem Vater nun die Scheite zu, die dieser gekonnt stapelt.
    Nach gar nicht allzu langer Zeit sind die beiden fertig. Ein hoher Stapel aus frisch gehacktem Holz ziert nun die Wand neben der Eingangstür.
    Der Vater klopft seinem Sohn anerkennend auf die Schulter und gemeinsam bereiten sie das Abendessen fertig vor. Ein Blick aus dem Küchenfenster verrät ihnen, dass der zweite Sohn in der Sonne eingeschlafen ist.


    Wer hat nun den Willen des Vaters erfüllt?
    Der erste, werdet ihr sagen. Denn das, was wir tun, ist wichtiger als das, was wir sagen.

  • Kaltblütig
    von Ciro


    Schnee. Schnee und Eis, soweit das Auge reichte.
    Schritt für Schritt kämpfte die einsame Figur gegen den peitschenden Wind an, während in dicke Stiefel gehüllte Füße den Ozean aus Eiskristallen durchwadeten. Nicht viel gab es in dieser Einöde, dass einen Abenteurer angezogen hätte, weder Schätze zu finden noch holde Maiden zu retten. Und doch trieb etwas die vermummte Gestalt voran, das diesen Gewaltmarsch durch die Eishölle wert war.
    Während die Minuten und die Schritte vergingen, schälten sich langsam Umrisse aus dem dichten Schneegestöber. Zu regelmäßig für die wenigen Bäume, die mit knorrigen Ästen wachten, und zu groß für eine Schneewehe.
    Die Figur hob den Kopf, ein Notizbuch an sich gepresst – zwei Wache Augen blitzten unter schwerem Pelz hervor. Hell und grau waren Sie, geschärft durch das jahrelange Suchen nach Details, die nicht gefunden werden wollten. Nicht von Männern wie ihm.
    Schwer atmend lehnte er sich gegen den von Eis und Zapfen gekrönten Torbogen, der in ein einen windstillen Vorhof führte. Sein Blick schweifte über das Bild, das sich ihm bot.
    Ein Stillleben aus totem Fleisch war es in seinen Augen, Ein steinerner Platz gefüllt mit gefrorenen Menschen, Tieren und Pflanzen…und jeder dieser starren Akteure hatte eine Geschichte zu erzählen.
    Hitze stieg in dem jungen Künstler auf. Die behandschuhten Hände zusammenreibend ging er, nun dem Wind entkommen, mit ausholenden Schritten über die glitzernde Oberfläche des Innenhofes, sich im Laufen drehend und das Schauspiel bewundernd.
    Eine Geschichte, ja, und er würde Sie erzählen. Ein Bühnenstück der Meisterklasse, zu dem er nun endlich die Quelle der Inspiration gefunden hatte.
    Schließlich kam er bei einer gefrorenen Rose an, deren Stiel in der Hand eines jungen Mannes lag, noch vor seiner Angebeteten kniend, ehe der Horror sich auf sein Gesicht schlich und ihm sprichwörtlich das Blut in den Adern gefrieren ließ. Der in Pelz gehüllte Bühnenpoet gluckste bei dem Wortspiel, das sich ihm grade ergab, und zog Notizbuch und Federkiel, um es zu notieren. Als er fertig war, sah er um sich, nach dem nächsten Drama suchend. Es gab mehr als genug davon hier, für die Ewigkeit festgehalten.
    Hin und her eilte er, mit jeder wehklagenden Zeile und jeder Skizze, die die verzerrten Gesichter nachzog, mehr in Ekstase geratend. Je mehr seine morbide Beschäftigung ihn in ihren Bann zog, desto schneller verging die Zeit. Aus Minuten wurde bald eine Stunde und dann zwei, dann drei. Schließlich musste er erschöpft innehalten, als erst die Inspiration ihn und dann der Federkiel seine klammen Finger verließ.
    Feuer, dachte er. Ich brauche Feuer.
    NEIN! Sprach eine zweite Stimme. Kein Feuer! Es wird alles ruinieren!
    Die Sucht nach dem Drama trieb seine Gedanken zurück zu der einzigartigen Kulisse, während sein Körper nach Wärme und Nahrung lechzte.
    Hin- und hergerissen fand der junge Künstler sich nun in seinem eigenen Drama, bis schließlich der Hunger nach Glut und Brot siegte.
    Es ist zum Besten, dachte er, und das Grummeln in seinem Kopf gab dem in seinen Eingeweiden nach. Vorerst.


    Ein kleines Feuer prasselte, entfacht zwischen den steinernen Überresten eines Hauses. Die paar Scheite Holz in seinem Gepäck reichten, um ihm Rast und Mahlzeit zu verschaffen, während sein Kopf sich weiterhin mit Ideen füllte, Dialogen, Intrigen, Tot und Liebe.
    Dies würde fürwahr sein Meisterwerk werden, sagte er sich. Eine bittersüße Tragödie, die jeden Zuschauer in Horror und Bewunderung zurückließ, in Ehrfurcht vor seinem Kunstwerk.
    Schließlich verendete, was von der Glut übrig war, und es ging weiter. Kein Drama unausgekostet, keine Liebe ohne schmerzlichen Abschied. Überall bot sich ein Bild der Angst und des Unausweichlichen, und als er die schweren Torflügel aufschob, die den Weg ins Innere versperrten, lief sogar ihm für einen Augenblick ein Schaudern den Rücken hinunter.
    Auch hier gab es Eis, soweit das Auge reichte. Nur war dieses tiefrot, so wie das Blut, aus dem es gefroren war. In Bächen wie aus Glas floss es still unter der Tür am weit entfernten Ende des Saales hervor, in perfekter Harmonie mit den eisig-grünen Ranken, die die Wände entlangkrochen.
    Der Künstler fiel auf die Knie, überwältigt von der Schönheit dieses Bildes. War er überhaupt würdig, dies weiterzutragen? War sein Publikum es würdig, seine Augen an solch Unbeschreiblichem zu weiden?
    Momentelang hockte er dort, sein Atem das einzige, das den Raum mit Leben füllte. Schließlich sandte er ein Stoßgebet an seine Musen, dankte ihnen, dass Sie ihm ein derartiges Geschenk machten. Dann, langsam und ehrfürchtig, ging er weiter in Richtung der Tür, die den Höhepunkt des Stücks einleiten würde. Flüsse aus Blut, Herzen aus Stein, denn Menschen werden immer menschlich sein.
    Hastig notierte er seine Eingebung, dann zog er weiter. Welch Fluch diese Gegend auch ereilt haben mochte, er hatte dort seinen Ursprung gehabt.
    Eine Skizze der Tür anfertigend, mit stilisierten Eiszapfen, über denen die Worte DER LETZTE AKT prangten, bereitete er sich auf diesen vor. Dann, mit überquellender Vorfreude, öffnete er sich diesen letzten Weg.
    Es war atemberaubend. Eine Symphonie aus Fleisch und Eis, Blut und Glas, das das Auge betrog, bot sich ihm. Ein Thronsaal war es, mit dem König hoch über allen anderen. Aufgespießt von eisigen Speeren, sein Blut schier endlos reich, wie es seinen Venen entströmt war.
    Unter ihm, Ritter und Adlige, empört und in Furcht vor dem letzten Fluch, den er vor seinem Tode ausgesprochen hatte. Nachdem sich der Bühnenschreiberling von der Überwältigenden Szene erholt hatte, schritt er umher, um Skizzen von alledem zu machen, Seiten mit Ideen zu füllen, ehe er interessiert vor einem adligen mit einer Schriftrolle in der Hand stehen blieb. Seine Augen weiteten sich, als er die Zeilen las, die einsehbar waren – Verrat! Intrige! Recht und Unrecht!
    Wie ein Kind hüpfte er freudig umher, begeistert von seinem Fund. Ein König, der sein Volk betrog und von diesem gerichtet wurde. Herrlich! Und in seinem letzten Atemzug hatte er alles und jeden verflucht.
    Dies waren wahrlich Worte, die des Aussprechens wert waren.
    Und sein Publikum war perfekt für die Komposition aus Blut und Eis, die ihm vorschwebte.

  • Zeichensprache
    von Kyelia


    Kian eilte durch die Nacht, vorbei an unzähligen Bäumen und Sträuchern. Um ihn herum herrschte dabei absolute Stille. Er hörte weder das Rauschen der Blätter, noch das Knacken der Äste unter seinen Schritten. Nicht einmal die entfernten Rufe einer Eule drangen zu ihm durch. Früher hätte er es darauf geschoben, dass ihn die Anspannung gepackt hatte und er deshalb unwichtige Geräusche ausblendete, war er schon immer jemand gewesen, der sich auf das Wesentliche beschränkte. Aber heute wusste er, dass der Grund ein anderer war. So hatten ihm fürstliche Soldaten bei einem Übergriff vor einigen Jahren die Trommelfelle durchstoßen. Als wirklich bedauerlich empfand er es nicht, denn dafür sahen seine Augen mehr, als die der anderen.
    Seine drahtige, in dunkles Leder gehüllte Gestalt verschmolz mit der Umgebung, als er an einem Baum stehen blieb.
    Kian lehnte sich gegen die raue Rinde und lunzte daran vorbei. Vor ihm lag die eierschalenfarbene Mauer der Burg Weißdorn auf deren Wehrgang drei Soldaten patrouillierten.
    Je länger Kian sie beobachtete, desto weniger Regelmäßigkeit fand er in ihren Bewegungen. An ihnen vorbei zu kommen sollte nicht leicht werden, wenn ihr Gang immer anders verlief.
    Dieser Winkel der Burg war allerdings der am wenigsten bewachte, das hatte er in den letzten Tagen seiner Beobachtung herausgefunden. Es gab keinen besseren Weg, um unerkannt in die Burg zu gelangen. Und dass ihn keiner sah, war extrem wichtig. Ansonsten konnte er seinen Auftrag auch direkt an den Nagel hängen.
    Kian nahm die Augen von der Mauer und spähte in die Dunkelheit des Waldes. Schemenhaft erkannte er dort eine junge Frau nur unweit seiner Position. Sie hockte hinter einem Gebüsch und mustert ebenfalls die Soldaten.
    Sie wandte den Kopf und sah in seine Richtung. Mit den Händen formte die dürre Gestalt schnelle Zeichen. So schnell, dass niemand sonst die Bewegungen verstehen konnte.
    Kian nickte und blickte dann wieder zu seinem Ziel. Er verfolgte aufmerksam den Lauf der Soldaten und wartete auf den richtigen Augenblick, seinen Weg fortzusetzen. Wenn er es bis an die imposante Steinwand schaffte, und sich daran drückte, dann war er aus der Sichtweite der Männer und Frauen. Sie ließen ihren Blick nicht oft nach unten schweifen.
    Er kniff die Augen zusammen, als sich eine der Wachen umdrehte und wieder davon lief, die andere ihren Weg zur Mauerecke noch nicht beendet hatte und die letzte ihren Blick auf den inneren Burghof gerichtet hielt. Das war er, sein Moment.
    Es dauerte wenige Sekunden, aber Kian reichten sie. Er sprang aus seiner Deckung, überwand die freie Fläche und drängte sich dann mit dem Rücken an den kalten Stein.
    Erst dann zog Kian sein Messer vom Gürtel und rammte es in die Fugen der aufgeschichteten Steine. Langsam kletterte daran empor. Ein weiteres Messer schob er in den Zwischenraum der Mauer. Den Fuß stellte er auf das erste und stemmte sich darauf nach oben. So fuhr er fort, bis er nur noch wenige Armlänge von der Brüstung entfernt war. Dass keiner der Soldaten nach unten sah, verriet ihm, dass er dabei auch keine lauten Geräusche von sich gab.
    Kians Blick ging ins Gestrüpp in dem noch immer seine Kameradin saß und ihn mit Fingerzeichen bedeutete, wo genau sich die Wachen befanden. Eine Eins für die Anzahl, eine Zwei stand für die Stritte, die er noch entfernt war und ein Tippen an die linke Schläfe, dass er von links kam.
    Er griff er nach seinem letzten Messer, ohne die Augen von ihr zu nehmen. Bereit, wartete er.
    Als seine Partnerin den Daumen nach oben zeigte und sich an die Nase fasste, überbrückte Kian die letzten Fuß, hievte sich über den Rand der Mauer und stieß dem überraschten Soldaten direkt vor ihm das Messer in den Hals. Eine geübte Bewegung reichte, um es wieder an sich zu bringen. Aus der Drehung heraus, trat er dem zweiten Soldaten in die Knie, beförderte ihn so zu Boden und auch er fand einen schnellen Tod durch einen Stich in den Hinterkopf.
    Der verbliebene Soldat hatte inzwischen sein Schwert gezogen und kam auf ihn zu. Doch sein Pech war, das er nicht direkt nach Unterstützung gerufen hatte. Ein Pfeil durchbohrte seine Stirn.
    Kian fing ihn auf und entwand ihm sein Schwert. Gerade noch rechtzeitig, bevor er scheppernd zu Boden gefallen wäre. Anschließend sah sich Kian um. Außer ihm war niemand auf dem Abschnitt der Mauern, nur entfernt sah er die Umrisse wandelnder Soldaten.
    Er lehnte sich über die Brüstung und formte mit den Händen einen Vogel. Augenblicklich sah er eine schlanke Gestalt aus den Schatten springen und über die Messer an der Außenwand empor hüpfen.
    Ein eleganter Satz und seine Partnerin stand neben ihm. Sie nickte ihm zu und in gebückter Haltung schoben sie sich weiter voran ins Innere der Burg.


    Ihr Weg führte durch enge Gänge und dunkle Flure.
    Èsa wusste wohin sie schleichen mussten. Sie hatte den Grundriss der Burg genau studiert. Nicht umsonst hatte sie tags zuvor die Karten aus dem Archiv des Hofarchitekten gestohlen. Alt und vergilbt war das Pergament und nicht mehr als blasse Linien kennzeichneten die Zimmer und Gänge. Es war schwer gewesen, sie zu entziffern und präzise waren sie auch nicht. Aber noch immer besser, als gar keine Anhaltspunkte.
    Ein Geräusch streifte ihre empfindlichen Ohren. Sofort zupfte sie an Kians Tunika. Gern hätte sie leise gezischt, aber sie konnte nicht, hatte man ihr vor Jahren die Zunge herausgeschnitten weil sie gegen die Götter gelästert hatte. Dafür funktionierte ihr Gehör umso besser. Sie hörte Sachen, die anderen verborgen blieben. In ihrem Gewerbe war das eine äußerst praktische Eigenschaft.
    Als sich ihr Partner umdrehte, deutete sie zuerst auf ihre Ohren, dann auf einen Punkt hinter sich und formte mir ihren Fingern ganz am Ende noch eine Zwei. Mehr Schritte konnte sie nicht ausmachen, es konnten also maximal zwei Personen sein.
    Èsa zeigte auf sich und nickte dann den Kopf etwas in die Richtung, aus der sie die Geräusche hörte. Kian formte ein Okay und verharrte in seiner Position. Er konnte seine Bewegungen nicht hören und deshalb die Lautstärke nicht regulieren. Wäre er mitgegangen, wären sie aufgeflogen.
    Lautlos erhob sich Èsa und schlich zurück, bis zu einer Abzweigung. Sie blickte um die Ecke und konnte zwei Soldaten ausfindig machen. Mit Fackeln beleuchteten sie sich den Weg, entfernten sich jedoch von ihrer Position. Einen Moment beobachtete sie die beiden Männer noch, um sicher zu gehen, dass sie nicht doch plötzlich die Richtung ändern würden. Erst dann tippelte sie zu Kian zurück.
    Fragend zog er seine Augenbrauen nach oben, doch sie verneinte kopfschüttelnd, stattdessen gab sie ihm das Zeichen weiterzulaufen. Leise, aber nicht lautlos schlich er sich weiter, während Èsa die Führung übernahm. Sie nahm es ihm nicht übel, schließlich konnte er sich selbst nicht hören. Wurde er zu laut, dann verwies sie ihn einfach darauf.
    Am nächsten Abzweig prüfte Èsa, ob der Weg frei war, ehe sie links einbog und an der ersten Tür des langen Ganges direkt stehen. Sie lugte durch das Schlüsselloch in den Raum. Außer tiefster Nachtschwärze war nichts zu erkennen, weshalb sie sachte die Klinke nach unten drückte.
    Mit gezogenem Messer schlüpfte Kian an ihr vorbei, um eventuelle Angreifer sofort niederzustoßen, doch ein befürchteter Übergriff lieb aus. Èsa schloss die Tür hinter sich, erhob sich aus ihrer gebückten Haltung und sah sich im Raum um.
    An den Wänden standen Regale und in jedem stapelten sich Bücher und Tränke. Kein Zweifel, das war der Raum, den sie gesucht hatten.
    Gemeinsam begannen sie jedes einzelne Regal zu durchsuchen und alles genau in Augenschein zu nehmen. Hier irgendwo musste es sein.
    Kian stieß einen erfreuten Laut aus, als er ein kleines blaues Fläschchen, ohne Aufschrift aus einem der Schränke nahm. Èsa trat näher und musterte es. Es sah tatsächlich so aus wie das, was der Fürst ihnen abgenommen hatte. Nur seinetwegen hatten sie die ganze Gefahr auf sich genommen.
    Sie deutete mit dem Daumen nach oben. Sie hatten es geschafft. Nun mussten sie den Raum und die Burg nur noch unerkannt verlassen.
    Èsa wandte sich gerade der Tür zu, als diese plötzlich aufschwang und ein älterer Herr eintrat. Im Schlepptau hatte er einen Soldaten, der nicht minder geschockt als der Alte die Augen aufriss, als er die zwielichtigen Gestalten im Raum stehen sah.
    Kian war der Erste, der reagierte. Er ließ seinen Dolch in der Hand wirbeln und setzte auf den näherstehenden alten Mann zu. Zu überrascht über die plötzliche Attacke, bekam dieser den vollen Schlag mit dem Messergriff ab und taumelte bewusstlos zu Boden.
    Èsa reagierte geistesgegenwärtig und überbrückte die drei Schritte zu dem Soldaten. Mit dem Handballen schlug sie nach dem Kinn des Mannes. Sein Kopf schnellte nach hinten.
    Er wurde nicht bewusstlos, aber der kurze Moment reichte Èsa, um sich an ihm vorbei und auf den Gang zu schieben. Sie hörte, wie der Soldat hinter ihr röchelnd zusammenbrach, dann trat Kian hinter sie.
    Die Augen von dem Sterbenden abgewandt, sprintete sie über den Gang, zurück zur Mauer. Zurück zu der Stelle, an der sie in die Burg gelangt waren und dann zurück über die Messer an der Außenwand in die Sicherheit des Waldes.
    Sie hörte die lauten Schritte Kians hinter sich. Es würde nicht lang dauern und die anderen Soldaten würden auch auf sie aufmerksam werden. Ihre Hoffnung lag in ihrer Geschwindigkeit.
    Èsa umfasste die kleine Flasche in ihrer Hand fester. Sie würde sich den Trank nicht mehr wegnehmen lassen. Zu viel hing davon ab. Der Fürst hatte schon so viel zerstört, das würde sie sich nicht nehmen lassen. Der Trank war ihre Zukunft.
    Sie formte ein Kreuz mit den Fingern, dann einen Vogel, bevor sie Kian anlächelte. Ihr Partner grinste zurück und nickte dann ernst, bevor er ihre Hand ergriff und sie mit sich zog.

  • Bei den vielen Geschichten würde ich gerne meine Wahl begründen (auch, weil leicht der Eindruck entstehen kann, man liest nur die ersten zwei Geschichten und lässt den anderen gar keine Chance):


    Die erste Geschichte hat mich umgehauen. Mit dem Wissen, wer diese Frau wirklich ist, kann man die Geschichte gleich ein zweites Mal lesen und sie hat auf einmal eine ganz andere Bedeutung.
    Die zweite Geschichte war leider nichts für mich, weil ich mit der Thematik nicht viel anfangen kann.
    Die dritte Geschichte war zwar schaurig und spannend, mir waren aber zu viele Kommafehler drin.
    Die vierte Geschichte war ganz nett, aber leider auch nicht mehr. Ein kurzes Gleichnis ohne Besonderheiten.
    Die fünfte Geschichte hat eine so bildhafte Sprache, dass es mir schwer gefallen ist, ihr zu folgen. Es wurden zu viele mächtige Wörter benutzt, sodass ich manches doppelt lesen musste, weil ich den Faden verloren habe.
    Die sechste Geschichte hat mir sehr gut gefallen. Sie hat das Thema zu 100% getroffen, ich hätte mir aber gewünscht, dass man erfährt, was es mit dem Trank auf sich hat.
    Die letzte Geschichte war mir zu emotionslos bei einem doch sehr gefühlsbehafteten Thema. Zwar kann man an der Handlung erkennen, dass es um Trauer, Hass, Rache etc. geht, aber es wird nie wirklich beschrieben. Außerdem stört es mich, dass dreimal "die Zeit verging". Das hätte man besser lösen können.


    Insgesamt hat mir die erste Geschichte am besten gefallen. Tolle Sprache, wirkungsvolles Ende und ein schönes Thema.


    Sometimes, you read a book and it fills you with this weird evangelical zeal, and you become convinced that the shattered world will never be put back together unless and until all living humans read the book.

  • Ahoi miteinander!


    Der Votingzeitraum zum Schreibwettbewerb April/Mai 2016 ist abgelaufen!


    18 Leute haben abgestimmt und es gibt sage und schreibe gleich 3 Gewinner! Sowas hatten wir noch nie in unserem Schreibwettbewerb und ist absoluter Rekord! :thumbup:


    Und hier kommt auch schon die Auflösung:


    ...Gewonnen haben mit jeweils 4 von insgesamt 18 Stimmen...


    *trommelwirbel* :mamba2:



    Herzlichen Glückwunsch zum Sieg! Ihr könnt euch nun untereinander absprechen und das Thema für den nächsten Wettbewerb vorgeben. Ausserdem wurdet ihr in die Rangliste eingetragen und bekommt für zwei Monate 5 goldene Sterne, sowie einen eigenen Benutzertitel. Selbstverständlich kriegt ihr auch eine Trophäe, ausser Miri, da sie schon eine hat. ;)


    Tja und das Buch... ich werde mich in Kürze bei euch per PN melden, denn natürlich wird jeder einen Preis bekommen! Grosses Indianerehrenwort!


    Ein herzliches Dankeschön auch an alle anderen Teilnehmer! Wir hoffen, dass ihr beim nächsten Schreibwettbewerb auch wieder fleißig mitmacht und so zahlreich abstimmt. Wir sind schon sehr auf das neue Thema gespannt, das unsere aktuellen Gewinner hoffentlich schon bald vorgeben werden. 8)


    Übrigens könnt ihr nun auch nachschauen, wer die Autoren sind. Diese wurden den Geschichten beigefügt.


    Das war der Schreibwettbewerb April/Mai 2016. Vergesst nicht, euer Feedback zu den Geschichten zu hinterlassen! ;)


    Euer Fantasy-Geschichten-Forum

  • Einen herzlichen Glühstrumpf an die glücklichen Gewinner ^^


    *an alle Teilnehmer ne Dose Kekse verteil*


    Fand all eure Titel grandios musste mich aber leider entscheiden :/

    • Offizieller Beitrag

    Dann mal herzlichen Glückwunsch an meine Mitgewinnern @Du Vandír und @Miri Eure Geschichten waren echt super und natürlich auch die der anderen Teilnehmer! Es hat wirklich Spaß gemacht, sich durch die ganzen verschiedenen Gedankengänge zu arbeiten :love:


    @Du Vandír ehrlich gesagt, wollte ich erst für deine Geschichte stimmen, da sie mir super gefallen hat und ich eigentlich auch dafür sorgen wollte, dass es nur einen Gewinner gibt. :whistling: Aber ich bin wohl irgendwie zu dumm, denn egal wie oft ich die Geschichte gelesen habe (und deshalb habe ich auch erst so spät abgestimmt), ich habe sie einfach nicht verstanden. Oder zumindest den Schluss. Der war zu hoch für mich X/
    Deshalb war es dann doch @Miri s Geschichte (das Gleichnis), wo ich die Pointe irgendwie richtig super fand. Alles verstanden. Super geschrieben. Wahnsinn! :thumbsup:


    Und es tut mir wahnsinnig leid, dass ich damit dafür gesorgt habe, dass es drei Gewinner gibt und Deku noch mehr Arbeit hat. Nur, weil ich zu blöd war die Geschichte zu verstehen. :/:patsch:
    Gomen ;(



    Wenn es ein Buch gibt, das du wirklich lesen willst, aber das noch nicht geschrieben wurde, dann musst du es selbst schreiben.
    - Toni Morrison -


  • Woah. glückwunsch an die Gewinner :D was ein tolles Ergebnis. diesmal waren es sehr kreative Geschichten. Es war wirklich nicht einfach, aber das zeigt ja auch das Ergebnis :)


    :!: Fantasy, weil sich die unglaublichste aller Welten in unserem Kopf befindet... :!:

  • Herzlichen Glückwunsch an die Gewinner! Denkt euch schnell ein Thema aus, ich will diesmal auch mit machen! :thumbsup:

  • Herzlichen Glückwunsch, Kyelia und Miri! Ich fand die Entscheidung beim Voting wirklich schwierig. Jede Geschichte war super, wir drei hatten das Glück, an die Spitze abgestimmt zu werden.
    An alle, die meine Geschichte gestimmt haben: Ich freu mich riesig, das ist das erste Mal, dass ich den Wettbewerb gewinne, und ich schicke seit meinem Start mehr oder weniger regelmäßig ein :D also vielen Dank!

  • Meinen Glückwunsch an die Gewinner. :D
    Ich wollte auch erst für "Der Ruf aus dem Walde abstimmen" weil es so herrlich das Thema getroffen hat, aber ich konnte mich nicht so ganz mit den Protagonisten anfreunden. Den Twist am Ende fand ich wirklich gut, allerdings wurde damit meiner Meinung nach alles erklärt, ohne dass ich als Leser selbst nachdenken musste.
    Deswegen habe ich mich für @Ciros Geschichte " Kaltblütig" entschieden. Die Atmosphäre wird gut herübergebracht, es entsteht eine gewisse Spannung und Beklemmung, die Sprache ist großartig, bildgewaltig und die Überschrift hervorragend doppeldeutig gewählt. Kaltblütig sind sowohl die eingefrorenen Menschen, also auch der Protagonist, der ihre Ruhe stört. Thema wurde auch getroffen: Denn was dort geschehen ist, können die Menschen nicht mehr mit Worten erzählen. :thumbsup:

    Durch Umwege sieht man mehr von der Welt.

    Einmal editiert, zuletzt von Polarfuchs ()

  • Hey Leute vielen Dank an alle, die für mich gestimmt haben XD
    Dieser Wettbewerb war echt so dicht beieinander wie ... noch nie?
    Es hatten ja fast alle Geschichten 3 oder 4 Stimmen!


    Glückwunsch natürlich auch an @Du Vandir und @Kyelia ! Ich freue mich meinen "ersten Platz" mit euch teilen zu dürfen :D


    PS: hier auch ein ganz fettes Dankeschön an @Kisa Die gleich noch ein Buch spendet, damit auch alle Gewinner eines bekommen können :thumbsup:


    DANKESCHÖN!

    Writers aren't exactly people ... they're a whole bunch of people trying to be one person.
    - F. Scott Fitzgerald

  • PS: hier auch ein ganz fettes Dankeschön an @Kisa Die gleich noch ein Buch spendet, damit auch alle Gewinner eines bekommen können

    Würde ich ja gerne machen, aber noch eins von denen habe ich leider nicht, sonst hätte ich die schon an Deku geschickt. Sorry, geht leider net. :(


    Aber dennoch möchte ich euch drei ganz herzlichen gratulieren zu euren wirklich tollen Geschichten :D Hut ab, ich hätte das nicht hinbekommen :)


    xoxo
    Kisa

    Ich lebe in einer Welt voller Fantasy, und Ihr?

  • Auch von mir Glückwunsch an die Gewinner. War wirklich eine knappe Entscheidung dieses Mal. Und für mich wahnsinnig schwer, mich überhaupt für eine Geschichte zu entscheiden. Letztendlich hat am Ende nur ein Fünkchen, ein My sozusagen, ausgemacht, was ich gewählt habe.

  • Wuhuuu! Gleich 3 Gewinner? Nicht schlecht. Herzlichen Glückwunsch an euch drei. Ich bin schon auf das Thema gespannt, auf dass ihr euch einigen müsst :D