Himmelsjäger [2. Fassung]


  • Der Frühling


    „Was kann das sein?“, fragte Konrad, während er eilig durch das Unterholz stolperte, über dicke Äste und kleine Stämme. Dabei hielt er sich einige Meter vom Weg fern, und seine Ledertasche schlug ihm immer wieder gegen die Seite.
    Das Moos federte sanft unter seinen Schritten. Fast hätte er sich zum Hüpfen verleiten lassen und zu schlendern anzufangen, doch ein anderes Gefühl war stärker. Es lärmte rücksichtslos dazwischen.
    Der rote Kasten, die Kutsche ohne Pferde. Sie hatte bereits einige Meter Vorsprung, und hielt direkt auf die Burg zu. In ihrem immergleichen Takt rumorte sie, meckerte unaufhörlich, bedrohlich, dass es Konrads Gedanken zerwühlte. Der Rhythmus hämmerte sich in seinen Atem, schwang sich in seine Beine, dass sie zitterten und sich ein nervöses Kribbeln in seinem Körper ausbreitete.
    „Ich weiß es nicht“, piepste Chisana, irgendwo auf seiner Augenhöhe. „Aber auf diesem Ding war das Wappen zu sehen. Das von den Leuten, über die dein Onkel immer wieder spricht.“
    Ja, genau, leuchtete es Konrad ein. Das Wappen mit dem Fuchs, der die Peitsche hält. Das Protektorat.
    „Dann will dieses Ding wohl Onkel Martes besuchen“, stellte er schnaubend fest, und hüpfte über einen bemoosten Baumstamm. „Meinst du, da ist jemand drin? Da war eine Tür, wie bei einer normalen Kutsche.“
    „Konrad, wirklich, ich habe so etwas noch nie gesehen. Vielleicht ist es auch gar keine Kutsche ohne Pferde, sondern die Pferde sind nur unsichtbar, so wie wir es immer machen – aber woher kommt dann dieses Geräusch?“, murmelte sie, mit einem seltsamen Stolpern in den letzten Worten.
    Konrad wandte seinen Blick zu ihr, der sich langsam zusammenzog. Etwas an ihr war anders, stimmte nicht.
    Auch wenn er so nicht hätte benennen können – seit vielen Jahren kannte er sie und ihre launische Art nun schon, und das war nicht immer angenehm. Dafür wusste er schnell, woran er war, wenn Chisana in einem verspielten Moment plötzlich scharfe Worte dazwischenfeuerte, und dann weiter herumalberte, als sei nichts passiert. Es war diese entschlossene, rücksichtslose Freude, die ihn so faszinierte. Und zugleich ärgerte.
    Aber davon war gerade nichts zu spüren – dieses Zögern stand Chisana einfach nicht.
    „Wenn das also Magie ist“, setzte er an und kam sich dabei reichlich dämlich vor. „Dann … sind da bestimmt Feen drin. Oder? Das wäre doch toll. Ich meine, wie lange hast du schon keine Fee mehr gesehen?“
    „Das sind keine Feen“, antwortete sie sofort. Tonlos.
    Mittlerweile lichtete sich der Wald langsam und in der Ferne war bereits das Burgtor zu erkennen. Bald würde die Kutsche hinter ihm verschwinden.
    „Warum bist du dir da so sicher? So etwas haben wir doch noch nie gesehen.“
    Hörbar angespannt zögerte sie ihre Antwort hinaus, und Konrads unwohles Gefühl sank tiefer in seine Brust. Machte die Luft stickig und zäh zu atmen.
    „… weil Feen sich niemals mit Menschen abgeben würden. Ganz einfach.“
    Was?
    Gewicht sank in seine Beine, verkürzte zügig seine Schritte. Bis er schließlich stehen blieb.
    „Was meinst du damit? Mögen Feen keine Menschen?“
    Chisana bremste ab und wandte sich zu ihm um, schwebte einige Schritte entfernt von Konrad. Auf Augenhöhe.
    „Was machst du denn da? Komm schon, beweg dich, so verlieren wir ihn noch!“
    Hastig bittend stocherte sie mit ihrem Ärmchen in der Luft, zeigte auf den Wagen, der gerade die Mauern erreichte.
    Doch was interessierte ihn schon der Wagen? Dieses winzige Ding dort hinten, nur noch leise meckernd, hatte soeben seine Macht über Konrad verloren.
    „Chisana, ich hab schon länger das Gefühl, dass du mir etwas verschweigst. Was meinst du damit?“, forderte er.
    Spürbar verunsichert schwebte Chisana auf ihn zu, mit beschämtem Blick und schuldigen Augen.
    „Nichts.“
    Ihre Stimme schwebte in zerbrechlichen Höhen, konnte mit jedem weiteren Wort zu Boden stürzen.
    „Aber-“
    „Konrad, es ist nichts! Und jetzt sei still!“, kreischte sie, dass ihr die Stimme versagte.
    Alle Haare in seinem Nacken schienen sich aufzustellen. Plötzlich erfüllte ihn das Gefühl, das Bewusstsein, die Angst, dass hier etwas sehr schief lief und er sich nicht dagegen wehren können würde. Dieses Gefühl wanderte von seinem Nacken abwärts, legte sich langsam über seine ganze Haut. Währenddessen konnte Chisana sich wieder fangen.
    Sie atmete tief durch und versuchte ihre Gedanken zu bremsen. Um sie zu ordnen.
    „In dem Wagen da …“. Schniefen. „… sind ganz bestimmt keine Feen. Und wenn es keine Feen sind, dann sind es sicher Menschen. Und Menschen mit Magie sind … gefährlich. Konrad, ich will unbedingt wissen, was das ist. Warum wir keine Pferde sehen, wieso sich die Kutsche bewegt, was dieses Ding hier will, all das. Aber vielleicht … vielleicht sollten wir einfach umkehren.“
    Konrad horchte auf. Chisanas versöhnlicher Ton gab ihm eine Ahnung von Ruhe, die er noch misstrauisch beäugte.
    „Und gehen“, ergänzte sie. „Einfach weglaufen, verstehst du? Es wäre auch gar nicht schwierig. Mit mir an deiner Seite, wird dir nichts passieren!“
    Nicht weniger bedrückt zwang sie sich zu einem Lächeln, es war nicht schwer zu durchschauen.
    „Das wäre doch schön, oder nicht?“
    Aber das Lächeln verschwand wieder, als Konrad unsicher zurückwich. Jeder seiner drei Schritte trampelte ihr unbeholfen auf der Lunge herum.
    „Chisana, das geht doch nicht. Ich kann doch nicht einfach gehen, Onkel Martes zurücklassen, und das ohne ein Wort zu sagen. Was ist denn dann mit ihm? Er ist dann ganz allein.“
    Rauschen. Der Wind in den Bäumen.
    „Dann laufen wir nicht weg, sondern verstecken uns nur. Für eine Nacht. Konrad, bitte, ich habe kein gutes Gefühl bei diesem Ding. Ich will gar nicht mehr zurück …“
    „Aber Chisana“, sprach er, immer mehr seine Gedanken verlierend. „Man wird mich suchen, wenn ich nicht zurückkomme. Auch wenn wir nicht weglaufen, wie soll ich ihm das erklären? Vielleicht werde ich dann nie wieder nach draußen dürfen.“
    Chisana setzte gerade zu sprechen an, als plötzlich hinter Konrad etwas zu Boden stürzte. Es raschelte laut, ein Ast zerkrachte. Konrad schreckte zusammen und stöhnend erhob sich eine dritte Stimme.
    „Uiuiuiuiui …“, jammerte sie. „Aua. Ah.“
    Hände klopften Kleidung ab; Konrad und Chisana fuhren herum.
    „Ah, tut gar nicht mehr weh“, sang die Stimme.
    Konrad und Chisana schauten nur blöde drein. Es war ein kleiner Junge.
    „Aaalso“, sprach er, während er sich aufrichtete und einen harmlosen Fingerzeig auf Konrad machte. Als hätte man ihn gefragt. „Vielleicht solltest du auf sie hören. Immerhin ist sie eine Fee. Und Feen sind schlau.“
    Etwas drohte bei Konrad auszusetzen. Zu viel. Viel zu viel. Passierte hier. Verwirrt schüttelte er sich und schob sich hinter Chisana.
    Wo, zum Teufel, kommt der jetzt her? Hat er etwa die ganze Zeit im Baum gehockt?
    „Was sagst du da?“
    „Oh, nichts Großes“, ruderte der Kleine zurück. „Ich finde nur, dass sie Recht hat. Will mich gar nicht weiter einmischen. Hehe.“
    „Und wer bist du bitteschön?“, hakte Chisana nach, während Konrad nur plump hinter ihr stand.
    Schultern zuckten. Lippen grinsten.
    „Der Frühling? Aber was sind schon Namen. Wer ich bin, ist gar nicht wichtig, darum geht es nicht. Viel wichtiger ist, wer ihr seid. Und dass sich dort hinten …“
    Wieder ein Fingerzeig. Nun zur Burg.
    „… vielleicht etwas abspielt, wo ihr besser nicht dabei sein solltet. Manche Abenteuer sind einfach zu gefährlich.“
    Da war es gefallen. Das Wort.
    Abenteuer.
    Blicke trafen sich, Konrad und Chisana. Es kitzelte sie und das Grinsen, das sich auf ihre Gesichter stahl, wuchs ganz von selbst. Ehe sie es begriffen, hatten sie dem Jungen schon den Rücken zugekehrt und wieder viele Sträucher und Wurzeln hinter sich gelassen. Sie liefen, jagten auf den Torbogen zu, flogen voran, ohne weitere Gedanken an Zweifel zu verschwenden. Dazu war noch Zeit, wenn sie endlich Antworten hatten.
    Heute war ihr Jahrestag. Und der Himmel strahlte nur so vor Farben.
    Erst als Konrad den Torbogen fast erreicht hatte, dämmerte ihm, dass er wohl nicht ganz freiwillig losgerannt war.


    Der Junge hingegen blieb an Ort und Stelle zurück, während sich sein Grinsen immer breiter spannte.
    „Ach, ich liebe Kinder.“

    [Schlaue, tiefgreifende Lebensweisheit]

    Einmal editiert, zuletzt von kalkwiese ()


  • Da taucht plötzlich ein seltsamer Junge hinter den beiden auf und entdeckt Konrads kleines Feengeheimnis und seine Anwesenheit wird gar nicht wirklich infrage gestellt? Sowieso ist der Junge arg merkwürdig, so plötzlich aufzutauchen und einen auf Schicksal zu machen. Die Szene wirkt dadurch sehr märchenhaft, dazu würde es gut passen. Es stört nicht, aber es wundert mich doch etwas ^^

  • [Schlaue, tiefgreifende Lebensweisheit]

  • @kalkwiese EDIT: Da hab ich irgendwie während des tippens geposted, weshalb das hier nicht vollständig war - wtf xD

  • Ich kann mir nicht helfen, aber ich mag diese alte Schrulle einer Hausbesitzerin und vor allem die Beschreibungen, die in ihrem Zusammenhang immer auftauchen. Ihr Auftreten ist immer so klasse beschrieben. Wie der Aufstieg des Bösen aus dem finstersten Loch. :rofl: Ich hoffe, da bekommt keiner Ärger oder die Alte hat die Brotkante bemerkte. Das würde sich wohl nicht sonderlich gesund für die Beteiligten anfühlen. :hmm:
    Und Konrad und Chisana rennen immer noch fleißig der merkwürdigen Kutsche nach. Ich bin ja gespannt, was es mit dieser auf sich hat. Und wer zum Henker ist der seltsame Junge, der da aus dem Nichts aufkreuzt, irgendwelche schlauen Sachen von sich gibt und dann nur noch breit grinst? o.O
    Zwei schöne Teile! Schreib schnell weiter ^^


    LG, Kyelia



    Wenn es ein Buch gibt, das du wirklich lesen willst, aber das noch nicht geschrieben wurde, dann musst du es selbst schreiben.
    - Toni Morrison -


  • Auch ich habe aufgeholt. Meiner Meinung nach, war der Teil der beste, den du so geschrieben hast. Fehlerfrei, malerische Beschreibungen, sehr gute Umgebungsbeschreibungen, die Dialoge waren sehr lebendig, Reaktionen waren hervorragend und dem kundigen Leser schießen sofort Dutzende von Theorien durch den Kopf, was alles passieren könnte und wer und was in Wirklichkeit ist. :) ^^



  • Böse Fee


    “Doch in diesen fünf Jahren, das schwöre ich dir! Habe ich den Alten nicht ein einziges Mal auf dem Feld arbeiten sehen.“
    “Nicht ein einziges Mal? Bist du dir da auch sicher?“, fragte Paavo. Wie tief die Furchen auf seiner Stirn waren, bemerkte er gar nicht.
    Mit einem entschlossenen Schütteln seines Kopfes gab Fadi den Worten einen Moment zum zu wirken.
    „Kein einziges Mal. Was bedeutet das nun für uns? Das ist ja die eigentliche Frage.“
    Sachte lehnte sich Fadi mit seinen Armen an das Zellengitter und senkte sich damit ein kleines Stück zu Paavo herab, bei dem der Groschen noch immer nicht gefallen war.
    „Wohl kaum etwas Gutes“, fuhr er fort. „Er verheimlicht uns etwas, Kleiner. Und ich bin mir mittlerweile sicher, dass er ein Spitzel des Gutsherrn ist. In seiner Nähe …“
    Fadi sprach die Worte betont, deutlich und stieß Paavo sachte seinen Zeigefinger gegen die Brust,
    „… solltest du auf jedes Wort achten, dass du von dir gibst.“
    Paavos Augen weiteten sich und ihm war, als wollten sie gleich herausfallen.
    „Du willst mir also sagen, dass … all diese Dinge, die er uns verraten hat“, begann er langsam und mit gerunzelter Stirn. „Welche Stimmung unter den Aufsehern herrscht, damit wir bei der Arbeit vorsichtig sind, oder dass sie einen Haussklaven suchen. Dass er uns all diese Dinge nur verraten, uns nur geholfen hat … weil wir sie sowieso wissen sollten? Weil der Gutsherr es so wollte?“
    Fadi nickte und hinter ihm sah Paavo, wie Eri, das Mädchen von vorhin, zaghaft an das Gespräch heranrutschte.
    „Ja, natürlich hat er das. Vielleicht nicht, weil der Gutsherr es so wollte, aber in seinem Interesse auf jeden Fall. Ich kann’s mir gut vorstellen.“, antwortete Fadi und lachte bitter. „Woher kann er das denn sonst gewusst haben? Dein Bruder hätte so wie so nicht mehr lange durchgehalten, warum also nicht das Beste draus machen? Sie bekommen schließlich einen Haussklaven, ohne dabei einen nennenswerten Arbeiter zu verlieren. Bloß nichts verschwenden, der Knabe war schließlich teuer! Junge, denkst du etwa, dein Bruder sei der einzige, der davon profitiert?“
    Der plötzlich schneidend scharfe Ton, der in Fadis Stimme zum Vorschein kam, traf Paavo unerwartet.
    „Du musst begreifen, dass das Raubtiere sind! Grobe, aber schlaue Raubtiere. Hast du nicht das Motiv angesehen, das in das Zwingertor eingearbeitet ist?“
    Paavo nickte langsam.
    Der Wolf mit der Peitsche und die Rehe in Ketten.
    Im nächsten Augenblick kämpfte sich der Blick des Alten wieder vor Paavos geistiges Auge. Mahnend und doch voller Wärme, das Gesicht mit weichen, etwas faltigen Zügen. Es hatte etwas Väterliches. War das alles nun doch nur kaltes, böses Kalkül gewesen?
    „Dann solltest du wissen, in welcher Position sie uns sehen. Wir sind Rehe, Beute. Schafe sind wir nur deshalb nicht, weil die zu dumm zum Weglaufen wären.“
    „Wahrscheinlich hast du Recht …“, murmelte Paavo trübe und mit dem Kopf voll Missmut. „Ich weiß gerade gar nicht mehr, wo ich stehe. Am besten schlafe ich nochmal über deine Worte.“
    „Das solltest du. Am Ende bleibt dir auch nichts anderes übrig“, kehrte nun auch Fadis freundliche Seite zurück. „Ich bin jedenfalls froh, mit dir darüber gesprochen zu haben, Paavo. Wenn du etwas brauchst oder einfach reden möchtest, dann kannst du gern zu mir kommen. Es sei denn, wir sind auf dem Feld. Dann sei besser still.“
    Zwar nickte Paavo Fadis Worte ab, doch fühlte er sich dabei nicht wohl. Von so einer Stimme wie der des Alten wollte er sich nicht verraten fühlen, dafür lauschte er ihr zu gern. Der Welpe, der er nun einmal war.
    „Ich weiß nicht, ob ich gerade noch etwas wissen möchte“, murmelte er nervös, etwas abwesend von einem Fuß auf den anderen wippend.
    Wollte er noch etwas fragen? Und während er noch nachdachte, fiel ihm wieder dieses merkwürdige Mädchen auf – Eri – die von der hinteren Ecke des Raums hervorgekrochen war und mittlerweile neben Fadi hockte.
    Da kam ihm ein Gedanke.
    „Da wäre doch noch eine Sache“.
    „Ja? Nur zu, Kleiner.“
    Die Frage erschien Paavo zwar unangebracht, gerade jetzt, wo Eri ihn mit neuen Augen musterte. Aber getrieben von seiner Neugier sprangen ihm die Worte erstaunlich leicht von den Lippen.
    „Vorhin hattest du mich gewarnt, wenn ich etwas mit Eri vorhätte, würde ich es bereuen. Nun … ich verstehe, was du damit meinst. Aber ich frage mich doch … warum? Warum machst du das?“
    Obwohl sich in Paavos Kopf bereits einige mögliche Reaktionen Fadis abgespielt hatten, war er überrascht, als Fadis dunkle Lippen zögerlich ein Lächeln formten. Einen Gedanken später kamen Worte hinzu.
    „Du lässt es wie eine Frage aussehen, aber dahinter steckt ein ganzer Wald davon. Dafür ist es mir noch zu früh. Tut mir leid.“
    „Uh … schon gut“, murmelte Paavo beschämt und wandte sich ab. „Dann ein anderes Mal.“

  • Kinder, nicht? Ja, ich finde es schwer, die Balance aus kindlichem Verhalten und gesundem Menschenverstand zu finden. Den Teil finde ich so erstmal in Ordnung, aber es sollte schon irgendwo mal durchscheinen, dass er das merkwürdig fand.

    Das führt mich zu der Frage: Wie alt ist eigentlich Konrad? Ich glaube, ich stufe ihn derzeit zu alt ein.
    Klar, er spielt mit einer Fee im Wald und schleicht sich heimlich raus, das deutet auf unter 10 hin. So wie er sich gibt und spricht schätze ich ihn aber schon auf 16 o.O



    Hmm, der Alte soll ein Spitzel des Gutsherrn sein? Hmm, okay, er kann Insiderwissen vermitteln und als Gegenleistung muss er nicht arbeiten. Das ist für beide Seiten von Vorteil. Anders würde der Alte dem Gutsherrn vielleicht nur tot umkippen ...
    Aber ich denke nicht, dass der Alte so böse Absichten hat, wie Fadi ihm hier subtil unterstellt.


    Ich bleibe neugierig :D

  • Das führt mich zu der Frage: Wie alt ist eigentlich Konrad? Ich glaube, ich stufe ihn derzeit zu alt ein.
    Klar, er spielt mit einer Fee im Wald und schleicht sich heimlich raus, das deutet auf unter 10 hin. So wie er sich gibt und spricht schätze ich ihn aber schon auf 16

    Konrad ist 14. Das wird in seiner ersten Szene gesagt und sonst nicht wieder. Vielleicht sollte ich das mal irgendwo wieder einbauen xD

    Jetzt plötzlich ein Wolf und kein Fuchs mehr?

    Schön, dass es dir aufgefallen ist. Es ist so, wie es sein soll, bei Konrad ein Fuchs, hier ein Wolf.

    [Schlaue, tiefgreifende Lebensweisheit]

  • Der Alte ist ein Spitzel? Oder wird zumindest zu einem erklärt? Wenn man so darüber nachdenkt, macht das durchaus Sinn :hmm: So als alter Mensch unter Sklaven muss man sicherlich zusehen, wie man weiterkommt. Aber irgendwie glaube ich nicht, dass er das aus Böswilligkeit macht. Ich lasse mich da mal überraschen. Es kann sicher nicht schaden, ihn im Auge zu behalten, oder nicht alles leichtgläubig zu erzählen, aber ihn direkt zu verurteilen, finde ich etwas arg XD


    LG, Kyelia



    Wenn es ein Buch gibt, das du wirklich lesen willst, aber das noch nicht geschrieben wurde, dann musst du es selbst schreiben.
    - Toni Morrison -



  • „Wolltest du dich nicht hinlegen, Welpe?“
    Der Alte saß noch immer an seinem Stammplatz, unverändert. Als hätte Paavo vorhin direkt am Eingang des Zwingers kehrt gemacht und sich wieder ans Feuer gesetzt, statt in seine Zelle zu gehen. Mittlerweile türmte sich an der Feuerstelle ein Flammenhaufen auf, den im langsam dunkelnden Abend ein sanftes Leuchten umgab. Als Paavo sich dann auf einem kleinen Holzblock neben dem Alten niederließ, begriff er, dass er wohl länger fort gewesen war als gedacht. In wenigen Stunden schon würde man sie wieder in die Zellen schicken.
    „Schon, ja“, seufzte Paavo. „Aber mein Kopf will einfach nicht zur Ruhe kommen. Da nehme ich lieber noch einen Schub Wärme mit in die Nacht.“
    Und die Wärme tat gut, wirklich gut – war im nächsten Moment aber wieder vergessen.
    „Hm“, pflichtete ihm der Alte bei. “Man kann sich in Gedanken gut verrennen. Manchmal läuft man sie so lange auf und ab, bis man sie zu Kreisen krümmt.“
    „Kreise?“
    „Ja, genau. Also, in einem bildlichen Sinn“, lachte der Alte und nahm sich einen kurzen Moment, um sich die Worte zurechtzulegen. „Also, es ist egal ob vor oder zurück, man kommt immer wieder an der gleichen Stelle an. Durch das wiederholte Auf und Ab, stauben diese Gedankengänge zwar nicht ein – tatsächlich hat man den Blick für Alternativen aber längst verloren, und eine Lösung zu finden ist aussichtslos. Man kommt da nur schwer wieder heraus. So in etwa meine ich das.“
    Etwas verlegen kratze sich der Alte am Hinterkopf.
    „Was ich jedenfalls sagen wollte, Welpe: Steigere dich nicht zu sehr in Dinge hinein, die du nicht ändern kannst. Das führt zu nichts und kostet nur Energie. Aber vielleicht hilft dir ja, darüber zu sprechen. Wenn du möchtest, natürlich.“
    Paavo schüttelte seinen Kopf, der gerade schweren von Gedanken war. Keiner von ihnen wollte herausfallen.
    „Mir ist nicht nach sprechen.“
    Im Gesicht des Alten zeichnete sich aus Lippen und Augen ein Lächeln, von dem sich Paavos Blick trübten ließ, und den Welpen wieder veranlasste, sich in den Kreisen seiner Gedankengänge zu verlieren. Wie nur sollte er dieses Lächeln mit Misstrauen erwidern? Er wusste es besser, und doch fühlte er sich schlecht dabei … Es rief ihm wieder Fadis Worte in Erinnerung; sie waren noch ganz frisch und lärmten fleißig in seinen Ohren.
    „Suchst du etwas Ablenkung, Welpe?“, bot ihm der Alte an und riss ihn aus den Gedanken. „Ich könnte dir eine Geschichte erzählen.“
    Kurz schüttelte es Paavo und er horchte auf.
    „Huh? Eine Geschichte?“
    „Wir holen dich aus deinem kreisförmigen Gang heraus und setzen dich an einem anderen Ort ab. Und zu einer anderen Zeit. Na, wie klingt das?“
    Widerwillig musste Paavo sich eingestehen, dass ihm das Angebot sehr gut gefiel. Viel zu gut, um es abzulehnen. Die Geschichten des Alten hatten ihm bisher immer wieder auf den Boden zurück geholfen, wenn er sich selbst mit seinen Sorgen in wackelige Höhen gejagt hatte. Also nickte er. Es war nur eine Geschichte.
    „Ja, bitte“, murmelte Paavo zur Antwort.
    „Gut“, freute sich der Alte und nutzte den Moment, um sich zu strecken. „Dann wollen wir mal ... Ich habe mir sogar schon eine zurechtgelegt. Diese Geschichte handelt von einem kleinen Volk, das jenseits der Reiche lebt. Zurückgezogen, tief in den nördlichen Wäldern und für jedes Menschenauge unsichtbar.“
    Mit dem letzten Satz hatte sich der Alte Paavo vollständig zugewandt und schaute ihn direkt an. Im Gesicht des Alten lag die Freude eines Geschichtenerzählers und seine Augen leuchteten vor Begeisterung. Sofort legten sich Paavos Sorgen, etwas.
    „Ich spreche vom Volk der Feen. Von den kleinen, quirligen Kerlchen, die über die Tiere und Pflanzen des Waldes wachen. Vielleicht kennst du sie aus einem Märchenbuch.“
    Unschuldiges Nicken.
    „Ja, Mutter hat uns manchmal aus einem vorgelesen. Leider nicht sehr oft. Es war das einzige im Haus und wir sollten sie nicht zu schnell auswendig kennen, damit sie nicht langweilig werden.“
    Das warme Gefühl, dass bei diesen Worten in Paavo hinaufkroch, ließ langsam die Anspannung in seinem Gesicht verschwinden. Damit war das Ziel des Alten erreicht.
    „Schön, sehr schön. Dann kann ich mir die Erklärungen sparen, die sind für mich immer recht lästig“, fuhr der Alte fort. Die Worte hüpften lachend in seiner Stimme. „Also, diese Kerlchen lebten lange Zeit ungestört in den nördlichen Wäldern, die sich zur damaligen Zeit noch weiter in den Süden erstreckten. Geradezu idyllisch war es damals, vor vielen Hunderten von Jahren. Es gab wohl kaum ein Wesen, dass so behütet aufgewachsen ist wie – Ah, da kommt noch jemand zu uns. Setzt euch, setzt euch nur! Ich erzähle gerade eine Geschichte, habe noch gar nicht richtig angefangen.“
    Mit nur noch größerem Eifer winkte der Alte jemanden heran, und als Paavo sich umwandte, erkannte er Fadi und Eri, die gerade neben ihm Platz nahmen, die Nähe des Alten meidend.
    Fadis ernster Blick war seit ihrem Gespräch noch nicht aus seinem Gesicht verschwunden - Paavo war sich nicht sicher, ob Fadi nicht vielleicht immer so schaute – und seine schiere Größe ließ einen Eri, die direkt neben Fadi saß, auf den ersten Blick kaum wahrnehmen.
    Sie hingegen wirkte nun, da Paavo von Fadi anerkannt wurde, etwas aufgeschlossener. Zuerst war Paavo ihre Zurückhaltung merkwürdig vorgekommen, doch nach dem Gespräch mit Fadi war ihm ein Licht aufgegangen, warum es hier überhaupt diese wenigen weiblichen Sklaven im Zwinger gab. Und warum jemand wie Fadi sie beschützen musste.
    Beim Gedanken schüttelte er sich innerlich, während es in ihm rumorte und Ekel und Wut sich heißkalt mit ihrem Protest abwechselten.
    „Die Feen also.“


  • Auch wenn Fadi mich jetzt etwas skeptisch dem Alten gegenüber gemacht hat, so denke ich immer noch nicht, dass er schlechte Absichten hat, das passt einfach überhaupt nicht. Selbst wenn er sie verbirgt ... dafür wird er zu freundlich beschrieben :hmm:
    Und gut für Eri, dass sie jemanden wie Fadi gefunden hat. Ich hab jetzt zusammen mit Paavoo begriffen, was du hier andeuten wolltest o.O An sowas denke ich unschuldiger Fuchs immer nicht x)

  • ich glaube auch nicht, dass der Alte wirklich böse Absichten hat. Das passt irgendwie gar nicht zu den Beschreibungen. Er wirkt ehrlich nett und freundlich. Oder er ist ein verdammt guter Schauspieler. Aber warum hast du es Fadi Paavo und dem Leser dann mitteilen lassen? Ich werde nicht schlau aus dem Alten. :hmm:
    Ich frage mich ja, ob wir nun die Geschichte hören/lesen oder ob es einen Szenenwechsel gibt. ich lasse mich überraschen, würde die Geschichte aber auch gern lesen. XD


    LG, Kyelia



    Wenn es ein Buch gibt, das du wirklich lesen willst, aber das noch nicht geschrieben wurde, dann musst du es selbst schreiben.
    - Toni Morrison -


  • Hallo @kalkwiese


    ich muss mich @Kyelia anschließen. Ich glaub nicht, dass der Alte falschspielt. Aber du hast sowohl ihn als auch Fadi so gut beschrieben, dass es mir inzwischen bei beiden schwerfällt, böse Absichten zu vermuten. Mal sehen, wie du den Knoten in meinem Kopf löst :D


    Auch @Schreibfeder stimme ich zu: das ist in meinen Augen mit der beste Teil bisher. Der hast schöne Formulierungen in deinen Beschreibungen verwendet, so z.B. das 'unschuldige Nicken' oder - wie schon von @Alopex Lagopus erwähnt - das gezeichnete Lächeln.
    Man fühlt sich beim Lesen, als würde man mit am Feuer sitzen.
    Bin schon gespannt, wie's weitergeht.


    VG Tariq


    Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
    (Ricarda Huch)



    :cookie:


    ___________________

  • Mal wieder typisch. Da habe ich alles zu einer Geschichte des Alten hin aufgebaut und dann lass ich euch einen vollen Monat lang warten. :thumbdown: Ich war so eingenommen von den Prüfungen, dass ich den Post einfach nicht fertig gebracht habe. Werde ich nachher nachholen. Es wird wirklich Zeit. :D


    P.S.
    Ich habe das Inhaltsverzeichnis aktualisiert und die Schriftgröße jetzt auch für die älteren Teile auf 12 gesetzt. Da sieht jetzt wieder viel besser aus.
    Was ich nicht getan habe: Eure Verbesserungsvorschläge hier online angepasst. Im Textdekument ist das natürlich passiert, aber das alles hier online anzupassen ist so viel Arbeit :hmm: Das bedeutet, dass ich den überarbeiteten Teil reinkopiere und dann alles kursive einzeln markieren und kursiv machen muss.
    Darum folgende Frage: Haltet ihr es für notwendig, die Verbesserungen hier online auch umgesetzt zu haben?
    Ich bin nicht so sicher.

    [Schlaue, tiefgreifende Lebensweisheit]

    Einmal editiert, zuletzt von kalkwiese ()

  • @kalkwiese


    Hm, dass du die überarbeitete Textversion zu Hause hast, ist logisch und auch voll in Ordnung. Aber wenn du dich mal in einen Späteinsteiger hineinversetzt, der hochmotiviert ganz am Anfang deiner Story beginnt und über Sachen stolpert, die er für verbesserungsfähig hält, dann wird er sie dir sicher mitteilen. Das ist immer mit viel Arbeit verbunden, einen Kommi zu schreiben, in dem man (z.B. Rechtschreibfehler) auflistet. Aber das weißt du ja sicher.
    Nachdem ich das bei einigen Geschichten so gemacht hatte, bin ich irgendwann bei Post XXX mal auf die kurze Mitteilung des Verfassers gestoßen, dass er zwar dankbar ist für all die aufgezeigten Fehler, aber dass es hier im Forumstext nicht angepasst wird. So ging es mir bei Alo's "Nacht des Xotaci". Deshalb habe ich nach dieser Mitteilung damit aufgehört (aber trotzdem weitergegelesen ;) ). Lehaidin hat sich in seinem "Sohn aus dem Feuer" gar nicht die Mühe gemacht, auf entsprechende Kommis zu reagieren. Da hab ich auch aufgehört.
    Ich fände es hilfreich, wenn du einen kurzen Satz, dass du diese vorliegende Version hier im Forum nicht mehr ändern willst, gleich in den allerersten Post hineinsetzt, damit man weiß, woran man ist.
    Wäre ich dann der Neuleser, würde ich dann aber auch keine Verbesserungsvorschläge machen. Man weiß ja gar nicht, zu wievielten Male du das dann schon liest.
    Ich weiß deshalb nicht so recht, was du von deinem Leser erwartest. Dass er kommentiert und Änderungsvorschläge macht, um irgendwann zu erfahren, dass du dich zwar drüber freust und es zu Hause auch anpasst? Aber dass du im Grunde genommen auch nix dagegen hast, wenn der nächste Leser das alles nochmal auflistet, weil du es ja hier im Forum nicht änderst.
    Lange Rede kurzer Sinn: Ja, ich halte es für nötig, die (von dir übernommenen) Verbesserungen hier online umzusetzen. Das ist in meinen Augen eine Form der Wertschätzung für den, der sich die Mühe gemacht hat, dein Werk zu Lesen und Verbesserungsvorschläge zu geben.
    Wenn du es zu Hause änderst - was hindert dich mit Copy und Paste den bearbeiteten Text dann gleich hier anstelle der vorigen Version einzustellen. Das würde die einzelne Korrektur sparen.


    Kann sein, dass ich mich völlig bescheuert ausgedrückt habe. Aber vielleicht hast du ja auch verstanden, wie ich es meine. ?(

    Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
    (Ricarda Huch)



    :cookie:


    ___________________

  • Ich weiß deshalb nicht so recht, was du von deinem Leser erwartest. Dass er kommentiert und Änderungsvorschläge macht, um irgendwann zu erfahren, dass du dich zwar drüber freust und es zu Hause auch anpasst? Aber dass du im Grunde genommen auch nix dagegen hast, wenn der nächste Leser das alles nochmal auflistet, weil du es ja hier im Forum nicht änderst.
    Lange Rede kurzer Sinn: Ja, ich halte es für nötig, die (von dir übernommenen) Verbesserungen hier online umzusetzen. Das ist in meinen Augen eine Form der Wertschätzung für den, der sich die Mühe gemacht hat, dein Werk zu Lesen und Verbesserungsvorschläge zu geben.

    Ich kann das hier nur bedingungslos unterschreiben.

    Wenn du es zu Hause änderst - was hindert dich mit Copy und Paste den bearbeiteten Text dann gleich hier anstelle der vorigen Version einzustellen. Das würde die einzelne Korrektur sparen.

    So mache ich es auch immer und bin deshalb etwas verwundet wo es da Probleme geben könnte? :huh:

  • Natürlich mache ich das mit Copy und Paste. Was die eigentliche Arbeit ist, ist es die kursiven Stellen hier im Forum wieder kursiv zu machen. Das ist wie Rosinenpicken. :whistling: Sehr lästig. Ich kopiere den Text ja in den BBCode, damit mir die Leerzeichen nicht flöten gehen, und damit gehen die Kursivbuchstaben alle drauf, wenn ihr versteht.
    Außerdem gehe ich voll mit Tariq mit. Besonders der Punkt mit neuen Lesern, denen man dann unnötige Arbeit spart, ist sehr überzeugend. :hmm: Bis ich das alles umgesetzt habe, wird es ein paar Tage dauern, aber ich setze mich da demnächst dran. :)

  • Hallo @kalkwiese


    dass bei dem Einfügen die Kursivsetzung verlorengeht, hab ich nicht gewusst. Das wird mir ja dann später auch noch mächtig auf die Füße fallen. Großer Mist, aber wohl nicht zu ändern.
    Dann entschuldige den Satz in meinem vorigen Kommi, klingt ziemlich blöd, jetzt wo ich das weiß. :sack:

    Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
    (Ricarda Huch)



    :cookie:


    ___________________