Wortgefechte - Ein Schwert und sein Held

  • Teil 21 war jetzt nicht so mein Fall

    Warum genau? Themenbedingt?

    Yeah, ein Kampf. Ich hoffe es gibt hierzu einen Teil 22b und wir erfahren, wie es ausgeht, ja??

    Ich überlege noch, ob ich den Kampf austrage. Eigentlich ist alles gesagt und der Held hat mit seinen detaillierten Vorbereitungen einen enormen Vorteil für das Dorf erwirkt. Der Ausgang des Angriffs sollte vorhersehbar sein.

  • Hallo @bigbadwolf ^^


    So, ich hab mich jetzt auch mal hergetraut, nachdem mich die anderen so neugierig gemacht haben :D



    Ich muss auf jeden Fall weiterlesen! Macht unheimlich Spaß, der Unterhaltung der beiden zu folgen :D


    Liebe Grüße,
    kij

  • 22 b :D


    „Hilfe! HILFE!“, schallte es plötzlich ganz aus der Nähe.
    Der Held sah sich alarmiert um und erkannte den jungen Späher, welcher Hals über Kopf auf ihn zu stolperte. Sekunden später brach mit mächtigen Sprüngen eine Handvoll Worgs aus dem Unterholz. Diese Tiere waren nicht nur intelligenter und furchtloser als ihre Verwandten, die Wölfe, sondern auch noch größer. Und man konnte sie abrichten. Selbst Grotraks konnten das, wurde ihm nun bewusst.
    Das ist jetzt schlecht, kommentierte das Schwert.
    „Bleibt noch am Boden!“, wies der Held das gute Dutzend Männer an, welches hinter der Mauer kauerte.
    Dass der Späher tatsächlich der schnellste Läufer des Dorfes war, rettete ihm nun das Leben. Obgleich die Worgs rasch zu ihm aufschlossen, erreichte er rechtzeitig die Mauer. Den ersten Worg, der im Jagdfieber lossprang, empfing der Held mit einem sauberen Treffer an der Kehle.
    Hah, nimm das!, jauchzte das Schwert, kam sich jedoch selbst albern vor.
    Die anderen drei Tiere landeten leichtfüßig und sahen sich kurz darauf je einem bewaffneten Dorfbewohner gegenüber, während der junge Späher in einer der Hütten verschwand. Mit gewandten Bewegungen schafften es die Worgs, Sense und Äxten auszuweichen und dabei einen der Axtkämpfer ins Bein zu beißen. Gerade als der Held in den ungleichen Kampf eingreifen wollte, erklang hinter ihm ein hoher, trillernder Pfiff und die Worgs sprangen erneut über die Mauer. Nicht weniger als zwei Dutzend Grotraks standen aufgereiht am Waldrand und betrachteten misstrauisch die Szenerie. Kein einziger schien den Wunsch zu verspüren, einfach loszustürmen.
    Und das ist jetzt RICHTIG schlecht!, stellte die Stimme fest.


    Der Held sah seinen schönen Plan scheitern und betete, dass die anderen Dorfbewohner, welche noch immer mit Speeren wartend hinter der Mauer lagen ihm nun vertrauten. „Nur ihr drei, lauft!“, wies er die Kämpfer an. „Los!“
    In scheinbar grenzenloser Panik hetzten sie auf die Hütten zu, wobei der humpelnde Axtkämpfer bei jedem Schritt keuchte. Es funktionierte. Vom Anblick fliehender Opfer motiviert stürmten die Grotraks zusammen mit ihren Worgs los. Als sie nahezu gleichzeitig über die Steinmauer hinwegsetzten, schnappte die Falle zu. Speere wurden scheinbar aus dem Nichts aufgerichtet und pfählten einen Worg und sechs Grotraks, während zwei weitere unglückliche Grotraks schreiend versuchten, aus Trögen mit siedendem Tierfett zu entkommen. Sichtlich überrascht, jedoch keineswegs bezwungen wandten sich die kampferfahrenen, nun teils schwer verwundeten Angreifer den aufgesprungenen Verteidigern zu. Rasch versuchte der Held, sich einen Überblick über die Situation zu verschaffen. Wenn er den Anführer rasch ausschalten konnte, stiegen die Chancen auf einen schnellen Sieg beträchtlich.
    Da will einer sterben. Tu ihm den Gefallen!, machte ihn die Stimme auf einen schwerttragenden Grotrak aufmerksam. Mit einem weit ausholenden Schwertstreich empfing er den Helden und mit lautem Kreischen knallten die Klingen gegeneinander. Aus dem Augenwinkel sah der Held, wie ein Verteidiger mit einem Hufeisen die Speerstöße eines Grotraks abwehrte. Ein anderer schlug mit einem schweren Topf nach seinem Gegner, während wieder andere sich mit Äxten, Heugabeln und Knüppeln verteidigten. Ein weit vorgedrungener Grotrak wurde von den Dächern aus mit Steinen und Kastanien eingedeckt und zwei Frauen stützten den humpelnden Axtkämpfer beim Rückzug in eine der Hütten.
    Lass ihn näher ran!, forderte das Schwert und der Held ließ es zu. Als der Grotrak nun heftiger auf ihn eindrang, spürte er plötzlich, wie das Schwert seine Hand mit sich zog. Eine Sekunde später befand sich die Klinge am Heft des Breitschwerts und drückte es ruckartig weit nach außen.
    Der Held riss den Fuß nach oben und mit einem schmerzerfüllten Ächzen ging der Grotrak zu Boden.
    Schön, dass du mal mitdenkst, gratulierte das Schwert.
    Hinter dem gefallenen Gegner sah der Held eine hervorragend gearbeitete Streitaxt in den Händen eines Angreifers. Doch ehe er sich dem vermeintlichen Anführer nähern konnte, musste dieser hochspringen, um einem Sensenhieb zu entkommen. Doch gleichzeitig fuhren eine Axt, ein unförmiger Knüppel und ein großer Stein auf ihn nieder. Mit ungeübter, aber dennoch sehr effektiver Brutalität machten die vier Dorfbewohner dem Grotrak den Garaus.
    Hey, man greift nicht gleichzeitig an, rief das Schwert schockiert. Das… ähm, sowas gehört sich nicht!
    Die Verwandlung ihres Anführers in eine blutige Masse erinnerte die restlichen Grotraks an den Wert des Lebens. Mit zwei winselnden Worgs im Schlepptau flüchteten sie in den Wald und ließen neun tote Kämpfer und zwei tote Worgs zurück. Unter den Leichen waren jedoch leider auch zwei Männer des Dorfes und nahezu jeder noch stehende Verteidiger hatte Knochenbrüche oder klaffende Wunden vorzuweisen.
    Tränenreiches Schreien der herbeieilenden Frauen und Kinder mischte sich in die schwachen Siegesrufe der Verteidiger. Der Angriff hatte kaum länger gedauert als ein Krug Bier, doch die größte Bürde stand den Überlebenden noch bevor. Der Held entschied im Stillen, den Begräbnissen beizuwohnen, ehe er weiterzog. Das Schwert stimmte ihm stumm zu.

  • Danke, @bigbadwolf, dass Du nicht nur klamaukst...


    Diesen Teil hier finde ich äußerst berührend, weil er nicht dem Jubel-Trubel-Klischee eines "Hach, wir sind so toll"-Kampfes entspricht.


    Drei Bienchen mit Stern ins Muttiheft! :)

    Der Unterschied zwischen dem, was Du bist und dem, was Du sein möchtest, liegt in dem, was Du tust.
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    Was würdest Du tun, wenn Du keine Angst hättest?

  • Beeidruckende Kampfszene, @bigbadwolf! Danke, dass du dich doch breitschlagen ließest und einen Teil 22b geschrieben hast. :thumbsup:


    Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
    (Ricarda Huch)



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  • @Schreibfeder Danke.

    Mal was ganz Neues! Das Schwert beschränkt sich nicht mehr nur auf's Quatschen und greift ab sofort aktiv ins Geschehen ein. Das bietet ja mal wieder massig Stoff für neue Geschichten!!

    Das kommt allerdings auch schon in einem früheren Teil mal vor.

  • 6, 7 und 8 sind auch der Hammer :rofl:


  • @kijkou Die Grundideen fallen mir bei allen möglichen Gelegenheiten ein, aber beim Ausformulieren gesellt sich dann immer noch einiges hinzu, was vorher gar nicht geplant war. Die Geschichte mit dem Schwert im Stein hab ich auch nachträglich verbessern müssen, weil man sich als Leser viel zu viel selbst zusammenreimen musste.
    Aber schön, dass dir auch die weiteren Teile gefallen.

  • 23


    Du hättest sie nicht befreien MÜSSEN, also beschwer dich nicht!, besserwisserte das Schwert.
    Aber Helden befreien Frauen aus Notlagen! Also MUSSTE ich das sehr wohl!, schoss er entnervt zurück, während sein Blick über die terrassenförmigen Tribünen der Arena wanderte. Dass die vielen Zuschauer nur der bildhübschen Gladiatorin wegen gekommen waren, bestätigten just die Pfiffe und Rufe.
    Ach, ich finde es gut, dass sie stattdessen dich eingesperrt hat. Wir hatten schon lange keinen ordentlichen Kampf mehr… hach und dann auch noch vor fachkundigem Publikum!, rief das Schwert entzückt. Streng dich an, wir wollen uns ja nicht blamieren!
    Ich will insbesondere nicht draufgehen!, stellt der Held klar.
    Im Zentrum der ovalen Arena stand ein bulliger Schrank von einem Mann, aber er schien unbewaffnet zu sein. Hinter ihm fiel dem Helden jedoch ein wesentlich konfrontationswilliger aussehender Gnom auf, an dessen Hüfte eine reich verzierte Schwertscheide prangte. „Ich habe noch nie solch eine hässliche Frau gesehen!“, grüßte sein Kontrahent lautstark mit einer galanten Verbeugung. Da dem Helden keine schlagfertige Erwiderung einfiel, deutete er einen höflichen Knicks an und zog seine Waffe.
    „Bis zur Aufgabe!“, verkündete der Bulle. „Dem Sieger gebührt alle Habe!“
    Ich finde ja eigentlich nicht, dass du ihr sooo ähnlich siehst…, grübelte das Schwert.
    Bringen wir es einfach schnell hinter uns, dachte der Held und marschierte auf seinen Gegner zu, welcher noch nicht einmal sein Schwert zog.
    Ohne zu Zögern vollführte der Held einen schrägen Aufwärtshieb, dem sein Kontrahent mit Leichtigkeit auswich. Ähnlich endeten auch die nächsten zwanzig Attacken. Nun endlich schlug der Gnom blitzschnell zurück, doch der Held war gewappnet und parierte gekonnt.
    Aaaaaah!, schrie es in seinem Kopf.
    „Jetzt lass das endlich sein!“, herrschte er seine Waffe über das anhaltende Geplärre hinweg an und ein verblüfftes Raunen ging durch die Zuschauerreihen. Auch der Gnom schien eine andere Reaktion erwartet zu haben.
    Ääääh, das war ich nicht!, kommentierte eine zweite Stimme in seinem Kopf. Augenblicklich stieß der Held das fremde Schwert von sich und Stille umschmeichelte seine Gedanken. Schnell versuchte er die Situation zu überspielen.
    „Ich habe noch nie gegen solch eine… ähm… eine –“
    Feige Ratte?, schlug das Schwert vor.
    „Ähm…, gegen solch eine feige Ratte gekämpft!“, verbeugte sich der Held nun.
    „Ja, in der Tat“, schien der Gnom mit sich selbst zu reden. „Wie originell“, wandte er sich nun spöttisch an seinen Kontrahenten. „Könnten wir dann jetzt zum eigentlichen Gegenstand des Turniers übergehen?“
    Der Blick des Helden sprach Bände.
    Der Gnom seufzte. „Es mögen dringliche Gründe vorliegen, wenn Lady Silberzunge sich vertreten lässt, aber für ein Schmähduell sollte man doch eine gewisse Qualifikation mit an den Start bringen…“
    Unwillkürlich trat der Held einen Schritt zurück. „Was?!“, brachte er heraus, während unfreundliche, sogar zunehmend unsachliche Beiträge aus dem Publikum erschollen.
    „Ein… ein Schmähduell?“, sortierte er sich langsam. „Ein Kampf mit Worten, ja? Und… und wodurch wird dann der Sieger ermittelt? Durch tödliche Beleidigung?“, fragte er nur halb sarkastisch.
    Der Gnom lächelte. „Nun gut, ein gewisses Potenzial lässt sich nicht von der Hand weisen… aber zu eurer Frage: Es verliert, wem keine bessere Erwiderung mehr einfällt.“
    Der bullige Mann nickte nun dümmlich und wies die beiden Kontrahenten auf den zunehmenden Unmut des Publikums hin.
    Das ist sooo dämlich!, dachte der Held genervt. „Wenn es hier nur ums Reden geht, warum habt ihr diese Lady Silberzunge in eine Zelle gesperrt?“
    „Tradition“, antwortete der Mann ernst und hob die Brauen.
    Ach komm, das wird lustig…, munterte ihn das Schwert auf, und wenn du verlieren solltest, krieg ich zumindest einen nachweislich wortgewandteren Besitzer.
    „Ich bin mit der Absicht hierhergekommen, eine Dame vor dem Tod in der Arena zu bewahren! Ich sehe es nicht ein, mich hier zum Affen zu machen und dabei auch noch mein Eigentum zu riskieren!“, protestierte der Held in Richtung des penetrant pöbelnden Publikums.
    „Mit Verlaub, Ihr scheint wirklich wenig Erfahrung mit Wortgefechten zu haben“, bedauerte der Gnom und richtete betont gelangweilt sein Schwert auf ihn.
    Zähneknirschend ob dieser Frechheit suchte der Held nach einem Ausweg, welcher ihn gleichzeitig sein Gesicht wahren ließ und sein Blick verharrte auf der Schwertspitze seines Kontrahenten. Eine waghalsige Idee keimte in ihm, doch er bezweifelte, dass der Gnom mit seiner Aussage doppelt Recht haben konnte. Die Stimme in seinem Kopf frohlockte.
    Bereit?, fragte der Held.
    Los!, war die begeisterte Antwort.
    Klirrend trafen die Schwerter erneut aufeinander und ein heilloses Durcheinander zweier sich eloquent angiftender Stimmen hallte durch die Gehirnwindungen des Helden. Der sichtlich entgleisten Mimik des Gnoms zufolge, hatte er ihn auf dem falschen Fuß erwischt. Der Held erkannte unzählige seiner eigenen Beleidigungen wieder, musste jedoch auch die immense Bereicherung des Schmähwortschatzes seines eigenen Schwertes in Kauf nehmen. Die Waffe des Gnoms redete sich immer mehr in Rage, während das Publikum ratlos auf die totenstille Szenerie hinabglotzte. Das verbale Gefecht war nun bei der eindeutig nicht jugendfreien Auslegung verschiedener Bestandteile einer Schwertgarnitur angelangt und die Gesichter der beiden Waffenhalter wetteiferten ob dessen in der Ausprägung ihrer Schamesröte. Es war klar, dass sich derjenige geschlagen gab, der die Klingen zuerst voneinander trennte. Insofern umklammerten beide Kontrahenten verbissen ihre Hefte.
    Plötzlich fiel dem Helden die Aussage des bulligen Arenarichters wieder ein und anscheinend führte die Verbindung über die beiden Waffen dazu, dass diese Erkenntnis bis in die Gedanken des Gnoms hinüberreichte, denn auch seine Miene verfinsterte sich schlagartig. Nach einem schreckerfüllten Nicken rissen sie gleichzeitig die Klingen voneinander los.
    Hey, wir waren noch NICHT fertig!, maulte die Stimme und der Held war sicher, dass der Gnom gerade ebenfalls gemaßregelt wurde.
    „Wir haben uns auf ein Unentschieden geeinigt!“, erklärte der Gnom knapp.
    Der hilfesuchende Blick des Arenarichters wanderte nun zum Helden und er nickte stumm.
    Wenn ihr das macht, ist das sicher ein Affront gegen die lokale, äh… Schmähduelltradition, warnte ihn sein Schwert. Außerdem könnte ich mit ihm verwandt sein! Wir sind uns so ähnlich. Stell dir vor, du hättest gleich zwei von meiner Sorte. Wir –
    Ihre mitleiderfüllten Blicke trafen sich kurz, dann verließen beide Gladiatoren missmutig und aus voller Kehle singend die Arena.

  • Toller Teil. Zufällig bei Walter Moers geklaut?


    Mir fiel spontan aber noch etwas ein:
    Du kämpfst wie eine Kuh! - Ich schaudere!


    (na, kennst du das auch noch?)

    Leider weder noch. Bei Walter Moers hab ich quasi gar keine Ahnung. Ist das mit der Kuh aus einem Buch von ihm? ?(

  • Walter Moers hat bei die Abenteuer des Käptn Blaubär ein mehrtägiges Sprachduell in einer Arena beschrieben.
    Dachte du spielst darauf an.


    Das Zitat mit der Kuh stammt aus dem Uralt-Spiel: Secrets of Monkey Island (was btw. auch in vielen Teilen die Vorlage für Fluch der Karibik war)
    Man musste da "kämpfen", aber der Kampf wurde gewonnen, wenn man die bessere (passende) Beleidigung dabei parat hatte.
    Du kämpfst wie eine Kuh war die Ausweichbeleidigung, wenn einem nichts mehr einfiel.

    -------------------
    Tom Stark
    zum Lesen geeignet

  • 24

    Können wir endlich wieder gehen?, jammerte das magische Schwert. Ich muss irgendwas niedermetzeln!
    „Wir stehen noch keine fünf Minuten an!“, ermahnte es der Held leise und schüttelte augenrollend den Kopf.
    Aber es ist SOOO LANGWEILIG!
    „Du interessierst dich doch sonst auch für technische Sperenzchen… die Warterei hat sicher gleich ein Ende… wir sind ja schon fast am Eingang.“
    Der Held ahnte, dass die Waffe ihn dümmlich nachäffte... oder zumindest apathisch vor sich hin stierte.
    Endlich durfte er bezahlen und die Bibliothek betreten.
    Rhythmisch hallten die Schritte der Besucher von den glatten Steinfliesen wider. Diesmal schienen sogar noch mehr Kerzen zu brennen, als bei seinen letzten Besuch. Die Lesetische vor den deckenhohen Bücherregalen waren teilweise durch Podeste ersetzt worden, auf denen sich nun allerlei abspielte.
    Na endlich.
    Der Held seufzte. „Na schön, weil du heute so prächtige Laune hast, darfst du den ersten Ausstellungsgegenstand wählen.“
    Hm, dann das Komische da mit den Rädern!, ordnete die Stimme etwas weniger mürrisch an.
    Die Apparatur, vor welcher sich bereits ein paar Dutzend Besucher tummelten, wirkte auf den Helden wie eine amputierte Kreuzung aus Pferd und Kutsche. Drei Räder, eine Art Kutschbock zwischen dem vorderen und den beiden hinteren Rädern, etwas, das wie Steigbügel aussah. Neben dem sonderbaren hölzernen Gerät stand ein dicker, fröhlich plaudernder Gnom. Mit unvermuteter Eleganz sprang er plötzlich auf den Kutschbock und begann, die Steigbügel mit den Füßen kreisförmig zu bewegen. Der Held musste feststellen, dass sich mittels Metallketten nun auch die Hinterräder drehten. Mit begeistertem Schnaufen kletterte der Gnom wieder herunter und fragte nach interessierten Freiwilligen.
    Wer ist der beste Abenteurer?, fragte die Stimme.
    Oh nein, darauf falle ich nicht nochmal rein!, entgegnete der Held und zog sich möglichst unauffällig zurück.
    „Ich frage mich ja, wozu sowas gut sein soll.“
    Stimmt. Das Ding ist sicher unheimlich schwer. Da wird einem jeder Hügel zum Verhängnis, kein Wald und kein Berg ist passierbar… und bei deinen Qualitäten bleibst du wahrscheinlich ständig mit deinem Mantel oder meiner hübschen Scheide in den Rädern hängen…
    „Hm“, antwortete der Held geistesabwesend, denn er hatte sich bereits durch eine andere Menschentraube geschubst.
    Von lautem Rattern begleitet erklärte eine junge Frau den Anwesenden, dass ihre «Spinnende Jenna« die örtliche Weberei revolutionieren werde. Ihrer Ankündigung verlieh sie dadurch Gewicht, dass sie tatsächlich binnen kürzester Zeit eine Spindel füllte. Es hatte etwas geradezu Magisches an sich, doch ein übler Beigeschmack blieb, als sich die Gedanken des Helden in die resultierende Zukunft erstreckten.
    „Tja, das war‘s dann mit dem Beruf des Spinners“, konstatierte er laut und wandte sich ab. Der zerknirschte Blick der Erfinderin und die erschrockenen Blicke der Umstehenden folgten ihm.
    Dann gibt’s wohl bald mehr Spinner wie dich.
    „Hey, im Gegensatz zu denen bin ich ja wohl ein äußerst fähiger Spinn…, äh, Abenteurer… ach, halt die Klappe!“, murrte der Held und versuchte die kichernde Stimme zu ignorieren.
    Die Frau auf dem nächsten Podest wirkte, als hätte sie eine wilde Nacht mit einem Erdelementar hinter sich. Dreckverkrustete Hände gruben sich durch ein improvisiertes, krautüberwuchertes Blumenbeet, welches im Inneren der Bibliothek völlig absurd aussah. Allein ihr ansonsten sehr gepflegtes Äußeres weckte Zweifel, welche Sekunden später auch bestätigt wurden. Mit einem konzentrierten Lächeln sprach die Zauberin ein paar Worte, das Schwert machte »Hui!« und die unerwünschten Pflanzen fielen in sich zusammen.
    „Aber nicht, dass du wieder anfängst Magie zu niesen!“, warnte der Held vorsichtshalber leise.
    Ach, keine Sorge. Der Zauber hat kaum Energie gebraucht, da kommt es mehr auf die Idee an.
    „Naja, ganz nett, aber…“, zuckte er mit den Schultern. „Egal, den Stadtfrauen scheint es jedenfalls zu gefallen… doch nicht so übel hier, hm?“, neckte er nun das Schwert.
    Hey, guck mal da drüben, der Elf!
    Das war dem Helden Antwort genug.
    Der betreffende Elf sah aus, als wäre er zu einem festlichen Ball geladen. Der metallisch glänzende Zylinder vor ihm und das ratternde Geräusch, welches aus einem Kasten hinter ihm drang, sprachen jedoch eine andere Sprache. Beim näheren Herangehen erkannte der Held einen dünnen Kupferdraht, der um einen etwa zweifingerdicken Eisenzylinder gewickelt war.
    Hihi! Hey, bist du das? Hör auf, das kitzelt!, beschwerte sich die Stimme und lachte gezwungen.
    Jetzt fiel dem Helden auf, dass sich die Schwertscheide von seiner Hüfte in Richtung Podest entfernte.
    Ihihihihi, aufhören!, kicherte das Schwert immer lauter.
    Glücklicherweise unterbrach der aufgedonnerte Elf seine Vorführung und das Schwert japste, als hätte es bereits mentale Bauchkrämpfe vom Lachen. Auch die Scheide erinnerte sich an ihren angestammten Platz.
    Puh… hihi… puh… war das… puh… dieses Ding… hui… da?, fragte die Stimme angestrengt.
    „Entschuldigung, werter Herr. Ich bin gerade erst hinzugekommen. Würden Sie Ihre Erfindung bitte erneut vorführen?“, fragte der Held lächelnd.

  • Ahhh, @bigbadwolf, jetzt könnte ich mir vorstellen, dass ein Artikel in Wikipedia umgeschrieben werden muss, zumindest was ...


    Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
    (Ricarda Huch)



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  • Also, deine Kampfszene im Dorf war sehr gut. Von vorne bis hinten hatte es Hand und Fuß, obgleich die Komik in dem Fall natürlich ein wenig unterdrückt wird.
    Der Gladiatorenkampf war auch gut geschrieben, obwohl ich da nicht schnell genug geschaltet habe, was den Schmäh-Wettkampf anging.



    Die Erfinder-Messe hat etwas Steampunk-mäßiges an sich. Richtig gut gelungen. Zuerst habe ich mich aber gefragt, seit wann es vor einer Bibliothek lange Warteschlangen gibt. ^^


  • «Spinnende Jenna«

    @Jennagon :rofl:

    „Entschuldigung, werter Herr. Ich bin gerade erst hinzugekommen. Würden Sie Ihre Erfindung bitte erneut vorführen?“, fragte der Held lächelnd.

    :rofl:
    Schadenfreude ist doch immer noch die schönste Freude :D


    Wie immer sehr gut ^^
    Ich habe eigentlich nicht viel dazu zu sagen :D

    Rosen sind rot,
    gelb ist die Biene,
    ich kann nicht dichten,
    Waschmaschine!

  • Hi @bigbadwolf ^^


    Part 9 und 10 waren auch wieder sehr unterhaltsam :D



    LG kij

  • Hallo @bigbadwolf ^^


    Teil 11 und 12 - wieder göttlich! :rofl: