• Mana

    Teil 1


    Galaxie Polisa


    Ein erbarmungsloser Krieg tobt seit geraumer Zeit. Seine Einflüsse infizierten nahezu jedes System und säten Angst und Misstrauen. Ein schleichender Prozess, der in einigen Regionen stärker und in anderen weniger wahrnehmbar ist. Auslöser des Krieges waren die Ych. Eine kaum bekannte Spezies, die über Jahrzehnte hinweg Unheil in jeden Winkel, jeden noch so kleinen Planeten des Universums brachte. Wo sie auftauchten, herrschte bald nur noch Tod und Verderben. Ihre Schreckenspropaganda verbreitete sich wie ein Lauffeuer und vertrieb Milliarden aus ihrer Heimat.


    Doch wurde dieser Krieg häufig überschattet von den alten Fehden und regionalen Machtkämpfen.
    So auch zwischen den rivalisierenden Parteien des eigensinnigen Volkes der Tashi, deren Engstirnigkeit allein durch deren Kampfeslust übertroffen werden kann, und den Hyru, welche trotz der Digitalisierung ihres Bewusstseins nicht an Individualität eingebüßt haben.


    In letzter Zeit wurde es jedoch ziemlich ruhig um die Hyru, weshalb die Tashi kurz davor waren, von einem unerwarteten Waffenstillstand auszugehen. Bis sie eines Besseren belehrt wurden und die Roboterwesen erneut in deren Territorium eindrangen, um einen Überfall auf die Erzminen der Asteroidenfelder bei Oz zu planen.
    Leider war ein Großteil der dort beheimateten Schiffsverbände derzeit nicht in erforderlicher Reichweite, weshalb die Allwissende, das Oberhaupt der Tashi, ihre stärkste Flotte in den Kampf schickte, um den Aggressoren einen Denkzettel zu verpassen. Niemand sollte sich an den Ressourcen des letzten Adels Polisas bereichern, ohne entsprechend Tribut dafür zu zahlen.


    Mit drei Kuben waren die Hyru unterwegs. Gigantische Würfel aus Stahl. Jeder von ihnen bot Platz für tausende Individuen. Die Kampfkraft eines solchen Konstruktes war schwer einzuschätzen, da sie nur selten allein unterwegs waren und noch seltener andere Spezies entkommen ließen.
    Mit Kränen und Enterhaken verankerten sie sich an Asteroiden und verfrachteten sie im Ganzen in die überdimensionalen Hangars. Von monströsen Maschinen zermalmt und über Magnetbänder direkt in die glühenden Hochöfen transportiert, werden die wertvollen Metalle herausgeschmolzen und zu handlichen Barren gegossen. Sie waren einzig für diesen Zweck entworfen, um streckenweise Asteroidenfelder abzuernten.


    Weit abseits jener Objekte, rund tausend Kilometer entfernt, ereignete sich ein ungewöhnliches Phänomen. Lautlose Blitze bahnten sich einen Weg durch die unendliche Leere des Kosmos, verzerrten das Licht und den Raum. Wie aus dem Nichts erschienen sie und beschworen verschwommene Strukturen, die schnell klarer wurden und schwarze röhrenartige Objekte darstellten.
    Es waren die Anzeichen von Warpsignaturen.


    Schlagartig traf die Flotte der Tashi ein. Erst wenige Fregatten, die bereits eine klare Frontline bildeten, dicht gefolgt von den wendigen Kreuzern und dem Flaggschiff, dessen Durchschlagskraft und Panzerung kaum zu übertreffen war. Sie bildete das Kernstück und die Kommandozentrale jener Flotte. Begleitet wurde dieses Ungetüm hochmoderner Kriegstechnik von drei weiteren Fregatten, welche einzig für deren Schutz eingeteilt waren.


    Oberster Befehlshaber war Flaggschiffkommandant Puru. Ihm direkt waren die Kreuzerkapitäne unterstellt, welche ihrerseits die Fregatten unterwiesen.
    Alle waren in Alarmbereitschaft und warteten gespannt auf kommende Befehle.
    So auch auf dem Kreuzer, der, ebenso wie der Kapitän, den Namen Mana trug, und sich an der äußeren Position stationiert hatte.
    Mit einem Zischen öffnete sich die Schiebetür zur Kommandobrücke und eine junge Tashi trat herein. Sie war schiefergrau und ihre Haut kam der von Aalen gleich. Alleinig der blauviolett schimmernde Ganzkörperanzug verpasste ihrem Antlitz genug Farbe, um ihre Silhouette kontrastreich vom abgedunkelten Raum abzuheben. Er wirkte wie eine zweite Haut und brachte ihre schlanke Statur perfekt zur Geltung. Über diesem trug sie offen eine Schutzweste, die einer Sportjacke ähnlich kam.
    In der rechten Hand hielt sie einen Becher Tee und mit der Linken strich sie sanft am perlschwarzen Gürtel entlang, während sie mit federleichtem Gang auf den Laufsteg zuschritt. Trotz der Tatsache, dass man sich auf einem Raumschiff befand, trugen die Tashi ausschließlich Turnschuhe.


    Die Kommandobrücke eines jeden Schiffstypes war kreisrund aufgebaut, vergleichbar mit einem gigantischen Laufrad. Die Lauffläche war gestaffelt angelegt, bestehend aus dem Laufsteg in der Mitte und zwei Tribünen seitlich davon. Auf den Tribünen waren Bedienpulte und Monitore über den gesamten Umfang herum aufgebaut. Die beiden kreisrunden Wände waren gewaltige parabolförmige LED-Tafeln und zeigten eine fotorealistische Projektion der Außenumgebung.
    Das Besondere war, dass in diesem Raum der gesamte begehbare Bereich der Boden war und man quasi die direkt gegenüberstehenden Personen über sich sehen konnte.


    Der erste, der Mana auf der Brücke in Empfang nahm, war Sono. Ihr erster Offizier und zugleich treuester Gefährte. Anschließend drehte sie eine komplette Runde und hieß die restliche Crew auf der Brücke willkommen. Sie kümmerten sich um den reibungslosen Ablauf auf dem Schiff und steuerten die verschiedenen Systeme wie Navigation, Kommunikation, Radar und vieles mehr.


    Behutsam wischte Mana mit ihrem Finger über die Innenfläche des hellblauen Glases der schwarzen Fliegerbrille, bevor sie jene über ihr einziges Auge zurechtrückte. Nun war sie auch bereit, eine Bildübertragung vom Hauptbefehlshaber zu empfangen.
    Mit den Fingern der rechten Hand an die linke Schläfe gehalten, begrüßte sie Kommandant Puru und untermalte es mit einer kurzen Verbeugung.
    „Kapitän Mana meldet Einsatzbereitschaft des Kreuzers und ihrer Fregatten!“


    Optisch waren beide kaum auseinander zu halten. Sie besaßen dieselben Gesichtszüge und trugen dieselbe Kleidung, jedoch konnte Puru eine große Narbe am Hals und Andeutungen von Altersfalten vorweisen. Am deutlichsten konnte man ihn an seiner kräftigen, ausdrucksstarken Stimme erkennen, die jedes Wort autoritär erklingen ließ.


    Mit hartem Schritt stampfte er selbstsicher über den Laufsteg und fixierte seinen Blick konzentriert auf die feindliche Flotte. Seine geballten Hände hinterm Rücken, und wie nervös er sie knetete, zeigten nur zu gut, mit welcher Überzeugung er die folgende Ansprache hielt.
    „Seht sie euch an! Scheinheilig untergraben sie unsere Autorität und dringen in unser Territorium ein, um sich an unseren Ressourcen zu vergreifen. Schon zu oft mussten wir einstecken und klein beigeben. Aber jetzt ist genug! Wenn die Hyru wirklich glauben, wir geben diese Minen so einfach auf, dann werden wir sie eines Besseren belehren! Beginnt das Bombardement!“
    Mit diesen Worten beendete er die Übertragung und sein Schiff begann zugleich mit der Ausführung seines Befehls.


    „Ihr habt den Kommandant gehört!“ Mit zuckenden Lippen und das Auge zu einem engen Schlitz verformt zeigte Mana ihrer Crew, welch geballten Zorn sie für den Feind empfand. „Ich will das Schiff vibrieren hören!“
    Und mit tiefem Dröhnen und Rattern wurde die enorme Feuerkraft des hochgerüsteten Kreuzers freigesetzt. Schneller als das Auge sie erfassen konnte, pressten sich die Geschosse aus den Mündungsrohren und zogen fädenartige Leuchtspuren hinter sich her. Obwohl sich mehrere Meter dickem Stahls zwischen den Waffensektionen und der Kommandobrücke befanden, waren die harten Erschütterungen der schweren Kanonen auch dort gut spürbar und brachten die Gitterroste unter ihren Füßen zum Beben. Um dem gewaltigen Rückstoß entgegenzuwirken, war es sogar notwendig, mit dem Hauptantrieb entgegenzusteuern. Von beiden Seiten presste der Schall sich im Sekundentakt durch die Kabinen und Korridore und wirbelte Kleinstteile wie Schrauben und Werkzeug auf, welche, unter dem penetranten Viervierteltakt, der künstlichen Schwerkraft zu trotzen schienen.
    Für Mana war es eine Melodie aus Licht und Klang. Immer wieder auf's Neue war sie fasziniert vom abstrakten Tanz der stoßweisen Salven großkalibriger Munitionsgeschosse. Mit Freuden beobachtete sie das Schauspiel auf dem Bildschirm. Das Flimmern und Knallen der zahllosen Kanonen. Wie der Funkenflug geschürten Feuers gepaart mit tausenden Hammerschlägen auf glühendem Metall.
    Wo sonst nur Pechschwärze herrschte, tobte nun ein in synphonisches Blitzgewitter, das vermutlich sogar von anderen Sternensystemen als pulsierender Schein wahrzunehmen war.
    Zufrieden streifte sie sich über den kahlen Kopf und an ihren fünf Tentakeln entlang, die ihr wie dicke Dreadlocks herunterhingen.


    Der Feind erwiderte das Feuer, aber davon ließ sie sich nicht aus der Ruhe bringen. Sie wusste, dass die Waffen der Hyru nicht genügend Reichweite hatten, um der Flotte nahe genug zu kommen. Schon Kilometer vorher begannen die Geschosse zu zerplatzen, was zwar ein beeindruckendes Feuerwerk bot, aber außer einer minimalen Dämpfung der Durchschlagskraft keinerlei Nutzen brachte.
    Genießend schlüfte sie weiter ihr Heißgetränk und diktierte der Mannschaft Befehle für effizientere Zerstörung.


    „Erster Kubus erleidet massive Schäden. Die Schilde sind stark genug geschwächt, dass wir Hüllentreffer erzielen.“
    Eine Nachricht, die ein angedeutetes Lächeln in Manas Mundwinkel zeichnete.
    „Sie scheinen zu fliehen“, meldete sich Sono erneut zu Wort.
    Nur wenige Momente später verkündete Kommandant Puru an die gesamte Flotte: „Wir schließen weiter auf, lasst das Bombardement nicht enden.“
    „Die Kuben ändern den Kurs in Richtung Oz“, schloss Sono mit einem erwartungsvollen Unterton nahtlos an, was sie sofort hellhörig machte.
    Sie verlangsamte ihre Schritte und starrte gebannt auf den Bildschirm. Mit den Fingern in der Luft zeichnend vergrößerte sie den Ausschnitt der fotorealistischen Projektion. Die Bilder bestätigten die Aussage ihres besten Mannes, was Mana äußerst misstrauisch stimmte.
    „Das ergibt keinen Sinn“, murmelte sie nachdenklich. „Sogar die Hyru wären niemals so verzweifelt, um Selbstmord zu begehen.“


    Puru dagegen wirkte nicht sehr überrascht, weshalb seine Worte nur plump rüberkamen. „Da sie offenbar Oz angreifen wollen, werden wir uns den Kubus schnappen! Schickt die Fregatten los. Maximale Schubkraft!“
    Kaum ausgesprochen, brachen auch schon die ersten Schiffe aus der Formation und beschleunigten im Eiltempo.
    Mana war keine Zeit gelassen, die Situation zu analysieren, da war bereits ein Großteil der Fregatten auf dem Weg gewesen. Außer jene, die unter ihrem Kommando standen. Wie versteinert war ihr Blick, beim Versuch, die Taktik zu begreifen. Es geschah nichts, kein Befehl entglitt ihrem Mund.
    „Mana“, rief ihr ein Crewmitglied zu und riss sie kurzerhand aus der Trance. „Die Fregattenkapitäne gehen zum Angriff über. Wie sind Eure Befehle?“
    „Flaggschiff kontaktieren!“, stieß sie entschlossen aus und bereitete sich mit Räuspern auf das kommende Gespräch vor. „Ich will wissen, was er vorhat.“
    „Die Kuben werden langsamer“, übermittelte Sono. „Sie ändern minimal die Richtung.“
    „Das ist eine Falle!“, war das erste, was ihr dabei in den Sinn kam. Und die logische Erklärung folgte auf dem Fuße. „Die wussten, dass wir sie auf Distanz schlagen werden. Sie benutzen den Kubus als Köder, damit wir unsere Formation aufbrechen ...“

    Ich bin mir nicht sicher, mit welchen Waffen der dritte Weltkrieg ausgetragen wird, aber im vierten Weltkrieg werden sie mit Stöcken und Steinen kämpfen.


    -Albert Einstein-
    ___________________
    Helios III (Arbeitstitel)
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    Purpur
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    Big City Life
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    Mana

    5 Mal editiert, zuletzt von Zarkaras Jade ()

  • Tja, wenn sonst keiner will, dann mache ich einfach mal den Anfang :hmm:


    Ich bin eigentlich nicht der Sci-Fi Fan oder gar Experte und gehöre wahrscheinlich zu der Hand voll Menschen, die keinen einzigen Star Wars Film angeschaut hat, aber gut, ich habe damals deine erste Sci-Fi Geschichte hier verfolgt, also bin ich bei einem neuen Versuch sicherlich auch dabei. Außerdem hast du im Chat immer davon gesprochen und jetzt bin ich neugierig ^^ Ich hoffe, dass du dich hier nicht wieder genauso im Plot verrennst, wie bei Helios. :P Aber immerhin geht es hier direkt mit einem Angriff (?) los.


    Da die Geschichte Mana heißt, nehme ich mal an, dass die gute Alien-Dame unsere Protagonistin sein wird. So recht, weiß ich noch nicht, was da nun vor sich geht, wie alles zusammenhängt und warum die beiden Völker sich nun gegenseitig ans Bein pissen, bzw. warum die Hyru nun ausgerechnet in das Territorium der Tashi "rennen" um dort Rohstoffe zu "klauen", aber dafür lese ich ja auch keine Geschichte, um schon anfangs alles zu wissen. :D Deshalb bin ich mal gespannt, was wir im Laufe der Geschichte hierzu noch erfahren und was genau das alles mit den anderen Ych-Typen zu tun hat. ^^


    Mana jedenfalls macht direkt einen sympathischen und starken Eindruck. Um Captain zu werden, wird auch ein gefestigter Charakter von Nöten sein. Und dass sie nicht blind dem Befehl folgt, sondern beobachtet, analysiert und die Falle in der Falle scheinbar zu erkennen scheint, macht sie in meinen Augen schon mal gewiefter als dieser Puru. Ein bisschen aggressiv und überstürzt der gute Kommandant. :hmm:


    Ich bin mal gespannt, was du hier für eine Geschichte erzählen willst :)


    LG, Kyelia



    Wenn es ein Buch gibt, das du wirklich lesen willst, aber das noch nicht geschrieben wurde, dann musst du es selbst schreiben.
    - Toni Morrison -

  • Danke vielmals @Kyelia und @Kleiner Liki für die Kommentare, Anmerkungen und Berichtigungen. :alien: Ich habe schon fast befürchtet, die Geschichte wäre im Forum untergegangen. :/
    Ich habe jetzt auch editiert, dass die Geschichte eine Kurzgeschichte ist. Leider weiß ich selbst noch nicht, wie lang sie wirklich wird, aber sie wird garantiert nicht mal annähernd so lang wie Helios III. Falls die Geschichte irgendwann zu gehetzt rüberkommen sollte, dann sagt mir bitte bescheid, damit ich das ausbessern kann.

    Bei dieser Szene musste ich ein bisschen an Star Wars denken, einfach weil ich davon ein Fan bin und du hier auch einen Raumschiff-Krieg beschreibst. Eine intensive Szene finde ich, außerdem kommen noch Manas Eindrücke dazu, die das ganze nochmal interessanter machen.

    Es werden recht viele Szenen von Raumschlachten vorkommen. Um ehrlich zu sein habe ich den Plot sogar so entworfen, dass es hauptsächlich um Krieg und etwas Politik gehen wird. Das soll mitunter auch die Mentalität dieser beiden Spezies widerspiegeln. Außerdem brauche ich noch etwas mehr Übung beim Schreiben von Kampf- und Kriegsszenen. Ich hoffe, das schreckt euch jetzt nicht ab. :/



    Teil 2


    „Kapitän Puru, ich verlange Erklärung! Warum startet Ihr einen Nahkampfangriff, wohlwissend, dass unsere Distanzfeuerkraft ausreichen kann, um die Aggressoren im Schach zu halten?“
    „Ihr habt Euch die Frage bereits selbst beantwortet!“, erwiderte er. „Sie kann ausreichen, muss aber nicht.“
    Für Mana war dies keine würdige Antwort. Sie hatte sich von ihrem Vorgesetzten mehr Beitrag erhofft.
    „Bei allem Respekt, Puru, aber dieser Befehl grenzt an Selbstmord!“ Nur schwer kamen ihr diese Worte über die Lippen, aber weniger aus Angst vor seiner Macht, sondern vor Angst einer möglichen Fehlinterpretation. „Es scheint mir fast so, als hättet Ihr noch nie gegen Hyru gekämpft ...“
    „Ich habe schon viele Male gegen unzählige Feinde gekämpft!“, fauchte er sie böswillig an und hielt ihr drohend den Finger entgegen. „Und die waren weitaus schlimmer und zahlreicher als diese Hyru ...“
    „Unsere Fregatten werden nicht mal den Kubus erreichen, ohne zerfetzt zu werden ...“
    „Schweigt!“ Affektiv zerschlug er mit einem harten Fausthieb die Konsole neben sich. „Die sind stark genug gepanzert, um dem Sperrfeuer des Feindes zu widerstehen ...“
    „Die Kuben werden umkehren!“, versuchte sie ihm zu erklären. „Sie werden Oz nicht angreifen!“
    „Und genau deshalb werdet Ihr niemals Flaggschiffkapitän werden, Mana“, begab er sich nun auf ganz tiefes Niveau und versuchte seine Taten über den Dienstgrad zu rechtfertigen. „Ihr habt null Verständnis für Strategie und Taktik!“
    „Das ist eine gemeine Unterstellung!“, knirschte sie, stemmte ihre Arme angewinkelt gegen die Hüfte und drehte sich hochnäsig vom Bildschirm weg. „Ruft die Fregatten zurück! Sofort!“
    „Ihr erteilt mir keine Befehle, junge Tashi! Seid Ihr mal lieber froh, dass ich nicht Euer Schiff losgeschickt habe! Und nun befolgt endlich meinen Befehl und schickt Eure Fregatten los!“
    Sie würdigte ihm keinen Blick mehr und machte ein mürrisches Gesicht, das einem trotzigen Kleinkind gleichkam.
    Sie schwenkte zu Sono rüber und nickte ihm zu. „Verbindung kappen. Wir harren hier aus.“
    Er gehorchte ohne Widerworte. Auch den folgenden Videoanruf ihres Vorgesetzten ignorierten sie. Dass es Konsequenzen haben würde, war ihr schon von Anfang an des Gesprächs klar. Aber sie hatte ihre Prinzipien, wenn es um das Leben ihrer Männer ging.


    „Ich bitte um Erlaubnis, frei sprechen zu dürfen.“
    Sie nickte.
    „Ich glaube nicht, dass Kapitän Puru von seinem Befehl abzubringen ist. Außerdem haben die anderen Kreuzerkapitäne zugestimmt.“
    „Ist er auch nicht“, gab sie ungern zu. „Seine Taktik ist zu aggressiv für diese Situation. Manchmal glaube ich, er benutzt nur seine altbewehrten Schemata.“
    Und wieder versank sie in Gedanken der stillen Unruhe. Sie empfand nichts, verspürte nichts. Suchte hektisch nach der Lösung für dieses Dilemma ihres inneren Konfliktes. Was sollte sie nur tun? Was war richtig? Was war falsch?
    Leidvoll musste sie mit ansehen, wie hunderte Tashi ihrem Tode geweiht waren. Sicherlich, dem Kommandanten war das Recht der taktischen Entscheidung vorbehalten. Aber hatte sie tatsächlich so wenig Mitspracherecht?
    Die Zeit rann ihr davon. Früher oder später musste sie ihre Schiffe losschicken, ob sie wollte oder nicht. Aber sie würde es nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren können, wenn so viele Tashi einen vermeintlich grundlosen Tod sterben würden. Sollte sie wirklich die Gefügigkeit über ihre Prinzipien stellen?
    Tränen bildeten sich in ihrem Auge und trübten ihre Sicht, schärften aber zugleich ihre Entscheidungsfindung in dieser Misere.
    Mochte Puru in allen Schlachten zuvor ein herausragender Anführer gewesen sein, in diesem Raumkampf war es ihrer Meinung nach nicht. Und sie fühlt sich verpflichtet, diesen Fehler bestmöglich zu beheben.
    Tief durchatmend fuhr sie sich sanft durch die Tentakeln und sprach: „Wenn Puru es so will, dann schicken wir unsere Fregatten eben los … und uns gleich mit.“
    Nach kurzem Zögern führten sie dann doch ihren Befehl aus, stellten das Feuer ein und zündeten den Antrieb. Innerhalb von Sekunden beschleunigten sie auf den gewünschten Grenzwert von 20.000 Km/h und hielten diese Geschwindigkeit für exakt eine Minute. Nicht mehr und nicht weniger. Dann schalteten sie das Haupttriebwerk komplett ab und ließen sich ungebremst auf den immer größer werdenden Stahlkoloss zutreiben. Ihr Ziel war tausende Kilometer entfernt und dennoch würden sie es innerhalb der nächsten drei Minuten erreichen. Ein recht kurzes Zeitfenster, in welchem Mana ihrem Plan Umsetzbarkeit einhauchen, etwaige Gefahren und Komplikationen berücksichtigen und die Sturheit Purus einberechnen musste.
    „Die Fregatten sollen sich außer Sicht der intakten Kuben halten. Nutzt den Kubus als Sichtschutz.“
    Dem Feind waren sie nicht entgangen und somit versuchte er, knapp am sperrigen Kubus vorbeizuschießen und mit etwas Glück einige Treffer zu erzielen. Beide Parteien wussten, dass die Tashi-Schiffe im Sturmmodus unter diesen hohen Geschwindigkeiten am verwundbarsten waren und schon ein ungünstiger Frontaltreffer verheerende Schäden verursachen konnte.
    „Bleibt so lang wie möglich außer Sichtkontakt. Informiert euch über den Status der Schiffe an der Front. Wir nutzen unsere Fregatten als Schutzbarriere, während wir die Leute an Bord holen. Umkehrschub vorbereiten.“
    Nur noch eintausend Kilometer lagen zwischen ihnen und dem Kubus und der Abstand verkürzte sich sekündlich um weitere einhundert Kilometer. Der erste Offizier zählte die Sekunden runter bis zur berechneten Kollision. Jeder an Bord wusste, dass dies tödlich enden würde, doch war genau das Manas Plan. So schnell wie möglich die Fregatten zu erreichen und trotzdem knapp unter dem maximalen Tempolimit bleiben, um beim Bremsmanöver nicht zerfetzt zu werden.
    „Gesamte Schildenergie auf die Front konzentrieren.“
    Drei Sekunden.
    Zwei Sekunden.
    „Umkehrschub einleiten!“
    Innerhalb einer Sekunde wurde das Schiff komplett zum Stillstand gebracht. Die abnormale Wucht des Schubstrahls erzeugte eine Explosion von solch gewaltigem Ausmaße, das mehrere Kilometer vor dem Schiff jegliche Materie schlagartig verdampfte. Die Schockwelle breitete sich kranzförmig aus und zersplitterte einen beachtlichen Teil der Außenhülle des nur wenige Meter neben ihnen befindlichen Kubus'.


    Die Schlacht war schon voll im Gange. Überall flogen Projektile, Bomben, Asteroiden und Schrotttrümmer herum. Kollidierten, explodierten und zerklüfteten. Flimmernde Blitze, sirrende Streugeschosse, zerplatzende Splittergranaten. Pures Chaos, voller Leid und Zerstörung.
    Völlig unkoordiniert rasten die Fregatten kreuz und quer über das Schlachtfeld, verstreuten ziellos ihre Bomben in alle Richtungen und behinderten sich gegenseitig mehr als dass sie Schaden am Feind anrichten konnten. Wie eine unaufhaltsame Wand schob sich das weiträumige Feindesfeuer immer weiter in den Kern des Geschehens und umspülte regelrecht die Fregatten wie eine Sturzflut. Und im Nacken das ständige Bombardement der eigenen Leute.
    Im Schutze des Dampfes und der Trümmer entsendete die Mana sofort eine Salve Langstreckenraketen gegen die großflächige Außenhülle und legte eine rasante Kehrtwende ein. Doch kaum schwebten sie aus der Deckung, wurden sie aufs Korn genommen. Für die Hyru machten fünf Schiffe mehr oder weniger keinen Unterschied. Jeder, der sich an die Front begab, stand gleichsam unter schwerem Beschuss.


    „Meine Fregatten sollen um mein Schiff rotieren und die Schilde gen Hyru ausrichten!“, befahl sie, während sie durch die schweren Erschütterungen quer über den Laufsteg stolperte. Gitterroste flogen durch den Raum, zerschlugen Konsolen und LED-Panels. Lüftungsrohre platzten.
    Die Einschläge waren so gewaltig, dass die Mana mit jedem weiteren Treffer mehrere Meter weiter weggedrückt wurde. Nur im flachen Winkel und halben Schub konnte sie dagegenhalten und sich unter dem Schutz ihrer Begleitschiffe langsam einen Weg quer über das Schlachtfeld bahnen.
    Ihnen blieb keine Zeit zum Durchatmen, denn schon erreichten sie die erste Fregatte, welche sich wacker dem massiven Beschuss stellen musste.
    „Transporter-Strahl ausrichten!“
    Doch es war bereits zu spät. Leidvoll mussten sie mit ansehen, wie die verwehrenden Massentreiberprojektile und sengenden Laser das kleine Schiff perforierten und in tausende Teile zerfetzten. Einhundert Mann fanden einen grausamen Tod, der für Mana mit keinerlei Taktik zu rechtfertigen war. Eine Situation, die für ihre Besatzung allgegenwärtig war und die sie zu verhindern versuchen musste.


    Und zu allem Überfluss bewegte sich nun der defekte Kubus überraschenderweise auch in deren Richtung und drohte die Schlacht noch weiter fortzutragen. Mit all seiner Masse begann er langsam zu rotieren und schleuderte den ganzen Schutt ihrem Schiff entgegen. Wie tausende Nadelstiche prasselten metergroße Steine und Schrottteile auf die Schutzschilde ein und schwächten diese zunehmend mehr. Langsam aber stetig verlagerte sich der Kampfschauplatz in die nachegelegene Asteroidenansammlung und zwang die Fregatten zu noch waghalsigeren Manövern.


    Panik ergriff Mana und ließ ihren Willen ohnmächtig werden. Von Emphatie übermannt sank sie langsam auf die Knie und begann an sich zu zweifeln. Sie hatte von Anfang an gewusst, dass es so ausgehen würde, dass sie einen Sieg nicht erringen konnten, dass so viele Männer und Frauen sterben würden. Fassungslos musste sie dabei zusehen, wie ein Schiff nach dem anderen von Projektilen zerfetzt wurde, wie Verbündete fielen. Sie war machtlos.
    Zorn mischte sich in die Panik. Zorn auf Puru und seinen aggressiven Plan. Er würde all die Gefallenen auf sein Konto einzahlen. Aber nicht auf ihres!
    Sie musste wieder einen klaren Kopf kriegen. Sie war der Kapitän, sie musste stark sein. Für sie durfte nur eines zählen.
    Sie raffte sich auf.
    „Holt alles an Bord, was nicht niet- und nagelfest ist.“
    Unter ihrem Kommando würden nicht mehr Leute fallen, als nötig war. Ganz verdutzt schauten sie alle drein, keiner schien wirklich begriffen zu haben, was sie damit meinte.
    Aber für sie war keine Zeit, über Sinn und Zweck ihrer Anweisungen nachzudenken. „Macht schon! Und wenn wir nur einen Soldaten retten.“
    Eine kuriose Idee, welche aber leichter zu realisieren war, als mühselig nur die Tashi zu extrahieren. Es war ein Wettlauf gegen die Zeit, den sie mit allen Mitteln und Tricks irgendwie gewinnen wollte. Wenn auch nur knapp.
    „Fünfhundert Objekte erfasst und transportiert“, meldete Sono. Was oder wen genau er gerettet hatte, wusste bisher noch keiner.


    Wie durch ein sich ständig veränderndes Labyrinth manövrierten sie ihre Schiffe, zusammengepresst zu einer geschlossenen Einheit, und flogen eines nach dem anderen an, um im Vorbeiflug so viele Ziele wie möglich an Bord zun teleportieren. Nicht jedes konnten sie rechtzeitig erreichen, doch war Mana überhaupt froh, einigen Tashi das Leben gerettet haben zu können.
    Ihr Plan ging auf, bis Sono verkündete: „Alle Räume und Gänge sind überfüllt.“
    „Alle, bis auf einen“, widersprach sie, rückte ihre verrutschte Fliegerbrille zurecht und krallte sich mit letzter Kraft am Geländer fest. „Dann holt die Restlichen hierher.“
    Ein grelles Licht blitzte auf und plötzlich erschienen hunderte Teile Gerümpel und vereinzelte Tashi überall in der Kommandobrücke und plumpsten zu Boden. Werkzeug, Schrauben, Besteck und Teller. Schuhe und Brillen, gelegentlich auch Tische und Stühle.
    Nur noch zwei weitere Schiffe konnten sie scannen, dann mussten auch sie aus der Gefahrenzone fliehen.
    Mit den letzten Schildreserven bahnten sie sich einen Weg zurück zum defekten Kubus und suchten in dessen Verwickelungen und Trümmerhaufen bestmöglichen Schutz vorm feindlichen Restfeuer. Selbst Mana konnte nicht mehr ausschließen, dass die Hyru auf ihre eigenen Leute schießen würde, um auch nur noch einen Treffer am Kreuzer zu erzielen.


    Für sie gab es nur noch einen Entschluss, den sie aber keinesfalls leichtfertig beschlossen hatte. Im Gegenteil. Sie fühlte sich sogar schuldig, ihre Bedürfnisse über die Mission zu stellen. Aber es war nur eine Frage der Zeit, bis ihr Schiff komplett außer Gefecht gebracht worden und der sicher Tod zum Greifen nah gerückt wäre. In diesem Falle fand sie den spontanen Egoismus gerechtfertigt und befahl ihrem kleinen Verband, ohne Umschweife sofort einen Kurs zum Heimatplaneten zu setzen und auf Warp zu gehen.
    Sie hoffte nur, dass auch die Kapitäne der zurückgebliebenen Flotte ihre Entscheidung akzeptierten und sie nicht zur Rechenschaft ziehen würden.

    Ich bin mir nicht sicher, mit welchen Waffen der dritte Weltkrieg ausgetragen wird, aber im vierten Weltkrieg werden sie mit Stöcken und Steinen kämpfen.


    -Albert Einstein-
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    Mana

    3 Mal editiert, zuletzt von Zarkaras Jade ()

  • hallo, Zarkaras Jade

    Normalerweise lese ich solche kriegerischen Sachen nicht. Der gestirnte Himmel ist für mich immer noch ein Ort des Friedens. Trotzdem wollte ich mal sehen, wie weit ich in deiner Geschichte komme.


    Auch in einer Fantasy-Story, in der die Fantasie Purzelbäume schlagen darf, gibt es gewissen Dinge, die man beachten muss. Zum Beispiel die Naturgesetzte. Sonst wird aus einer Fantasiegeschichte schnell eine Heiligenlegende. Im Universum gibt es keinen Winkel, den gibt es in Dummsdorf, und es ist nirgendwo leer. Es gibt dort Galaxien, Sternenhaufen, von mir aus schwarze Sonnen, aber keine Winkel. Es besteht auch keine Möglichkeit, Kunde vom letzten Planeten zu erhaschen, denn an seinen Rändern dehnt sich das U. schneller aus als das Licht. Es ist unendlich, und es ist überall angefüllt mit Materie, sonst könnten deine Leute ja keine Metalle ernten, und wo es schwarz erscheint, ist interstellarer Staub. Blitze sind immer lautlos, denn die Luft macht den Knall, und sie verändern nicht das Licht, denn sie sind ja Licht, und auch nicht den expandierenden Raum, dafür wären sie zu schwach. Dann die Fregatten usw. Klingt mir zu erdverhaftet, abgesehen davon, dass ich Schwierigkeiten mit dem Antrieb sehe. Und in welchem Wind soll denn die Flagge wehen? Dann die Individuen. Hmm... Gehts in einem System, das nur auf Krieg ausgeht, um Einzelschicksale? Wären da Klone als Kanonenfutter nicht geeigneter?


    'Der Komm. mit hartem Schritt'. Vorher lerne ich, die T. tragen ausschließlich Turnschuhe. Wenn die Geschosse keine Raketen sind, können sie keine Leuchtspuren ziehen. Eine Kanone knallt nicht, schon gar nicht im luftleeren Raum. 'Schon Kilometer vorher...' Kilometer, wo man Entfernungen in Lichjahren misst?


    So, bis hierhin.


    Eines muss ich dir lassen, mein Lieber, Fantasie hast du! Sie schäumt auf wie ein zu schnell eingegossenes Glas Bier. Aber in der Beschränkung zeigt sich erst der Meister. Weniger angelesenes Cyber-Space-Gerede, mehr Sorgfalt im Delait wäre mE besser gewesen.Wenn du nicht nur eine unglaubliche, sondern eine unglaublich wahre Geschichte schreiben willst, solltest du dich mal über physikalischen Gegebenheiten deines Schauplatzes informieren.


    Ich hoffe, du kannst die eine oder andere Anregung verwerten. Vielleicht schaue ich ja mal wieder herein.


    Viele Grüße


    Wunderkind

    2 Mal editiert, zuletzt von wunderkind ()

  • Ich mag den Teil. ^^
    Ich finde, man konnte dem Geschehen ziemlich gut folgen und finde es interessant, dass Mana sich weigert den Befehl auszuführen, ihren Leuten dann aber dennoch zur Hilfe eilt, obwohl sie weiß, dass das Selbstmord sein wird - was es dann im Grunde ja auch ist. Mir gefällt sie als Charakter ziemlich gut. Sie scheint lieber erst nachzudenken und dann zu handeln und auch, wenn sie etwas überrannt wird, versucht sie ihre Gedanken bei sich zu behalten. Das finde ich gut.

    „Alle, bis auf einen“, widersprach sie, rückte ihre verrutschte Fliegerbrille zurecht und krallte sich mit letzter Kraft am Geländer fest. „Dann holt die Restlichen hierher.“
    Ein grelles Licht blitzte auf und plötzlich erschienen hunderte Teile Gerümpel und vereinzelte Tashi überall in der Kommandobrücke und plumpsten zu Boden. Werkzeug, Schrauben, Besteck und Teller. Schuhe und Brillen, gelegentlich auch Tische und Stühle.
    Nur noch zwei weitere Schiffe konnten sie scannen, dann mussten auch sie aus der Gefahrenzone fliehen.

    Mir gefällt die Entscheidung, alles zu "retten" was sonst sterben würde. Und damit auch eine Menge Gerümpel einzuladen. ^^
    Aber ich respektiere ihre Entscheidung, auch die, sich mit den Geretteten aus dem Staub zu machen. :thumbup:

    Sie hoffte nur, dass auch die Kapitäne der zurückgebliebenen Flotte ihre Entscheidung akzeptierten und sie nicht zur Rechenschaft ziehen würden.

    Selbst wenn es Konsequenzen haben sollte, würde ich mir an Manas Stelle keine Gedanken machen. Immerhin muss sie so nicht damit leben, gar nichts gemacht zu haben UND sie und eine Menge anderer leben überhaupt noch :rofl:



    Dann die Individuen. Hmm... Gehts in einem System, das nur auf Krieg ausgeht, um Einzelschicksale? Wären da Klone als Kanonenfutter nicht geeigneter?

    Klone? ich glaube mir ist entgangen, dass Jade meinte, er schreibt das Drehbuch für den 10. Star Wars Film :rofl:
    Warum sollte es nicht um Einzelschicksale gehen? Was macht irgendeine random Spezies im Universum denn anders als den Mensch als random Spezies im Universum? :D Ich schätze, ob es Klone in dieser "Welt", bei diesen "Völkern" gibt, bleibt @Zarkaras Jade überlassen.

    Auch in einer Fantasy-Story, in der die Fantasie Purzelbäume schlagen darf, gibt es gewissen Dinge, die man beachten muss. Zum Beispiel die Naturgesetzte. Sonst wird aus einer Fantasiegeschichte schnell eine Heiligenlegende. Im Universum gibt es keinen Winkel, den gibt es in Dummsdorf, und es ist nirgendwo leer. Es gibt dort Galaxien, Sternenhaufen, von mir aus schwarze Sonnen, aber keine Winkel. Es besteht auch keine Möglichkeit, Kunde vom letzten Planeten zu erhaschen, denn an seinen Rändern dehnt sich das U. schneller aus als das Licht. Es ist unendlich, und es ist überall angefüllt mit Materie, sonst könnten deine Leute ja keine Metalle ernten, und wo es schwarz erscheint, ist interstellarer Staub. Blitze sind immer lautlos, denn die Luft macht den Knall, und sie verändern nicht das Licht, denn sie sind ja Licht, und auch nicht den expandierenden Raum, dafür wären sie zu schwach. Dann die Fregatten usw. Klingt mir zu erdverhaftet, abgesehen davon, dass ich Schwierigkeiten mit dem Antrieb sehe. Und in welchem Wind soll denn die Flagge wehen? Dann die Individuen. Hmm... Gehts in einem System, das nur auf Krieg ausgeht, um Einzelschicksale? Wären da Klone als Kanonenfutter nicht geeigneter?

    Mal abgesehen davon, dass ich deine Wortwahl ("Dummsdorf") etwas unhöflich finde, die Geschichte umfasst gerade 2 Abschnitte - 2 winzige Abschnitte, um genau zu sein - in denen Jade sein System nur angeschnitten und noch nichts davon wirklich beschrieben hat, was von alle dem lässt darauf schließen, dass er all das nicht bedacht hat? Immerhin bewegen wir uns, wie du sagst, in der Fantasy (und dazu gehört auch Sci-Fi) Sprich: Man ist nicht gezwungen sich haarklein an die Naturgesetze DIESER Welt zu halten. Logisch aufgebaute und durchdachte Systeme, die dem eigenen Kopf entspringen, können ebenfalls verwendet werden und am Ende genauso Sinn machen. (Oder vielleicht sogar mehr?) ^^
    Aus der Erfahrung heraus kann ich sagen, dass Jade nicht nur irgendwas von sich gibt, sondern sehr technisch und physikalisch korrekt versucht zu schreiben. Sprich: Ich traue ihm zu, dass er dieses Wissen besitzt und auch so umsetzt, WENN die Zeit gekommen ist. Wüsste nicht, was das ganze Technisch-Physikalische-Gesülz direkt im ersten Kapitel verloren haben soll, denn ich als Leser wäre in dem Fall direkt ausgestiegen. Dann kann ich auch gleich ein Schulbuch aus dem Physikunterricht aufschlagen :rofl:


    LG, Kyelia



    Wenn es ein Buch gibt, das du wirklich lesen willst, aber das noch nicht geschrieben wurde, dann musst du es selbst schreiben.
    - Toni Morrison -

  • Hey @Zarkaras Jade und Restvolk.



  • Hey @Zarkaras Jade,


    ich bin jetzt auch mal dazu gekommen, den ersten Part zu lesen, mehr lässt meine Konzentration leider gerade nicht zu :D
    Aber trotzdem wollte ich dir ein kurzes Feedback dalassen :)


    Ich fang mal mit "Gemecker" an :D

    So auch auf dem Kreuzer, der den Namen Mana trug, und sich an der äußeren Position stationiert hatte.

    Ist Mana nun der Name des Kreuzers oder der Protagonistin? Oder Beides?
    Im zitierten Satz klingt es auf jeden Fall, als wäre Mana der Name des Kreuzers :hmm: Danach dann aber eindeutig der Dame :D
    Ist nur n Detail, aber vielleicht kannst du das klarstellen :)


    Ansonsten finde ich den Einstieg gut gelungen. Man bekommt einen groben Überblick über die Parteien und ihre Schiffe - mehr würde ich glaube ich in dem kurzen Text auch gar nicht aufnehmen können. Wer da jetzt wem warum welche Rohstoffe klauen will ... erschließt sicih mir noch nicht ganz, aber 1. is das nach so wenig Text klar xD und 2. sind wir mitten in einer Schlacht, was jucken mich da diese Details? :D
    Die Kommandantin erscheint mir jetzt schon fähioger vor als ihr Kommandant xD Pupu ist ein wenig ... naiv? Gut vielleicht hat er auch noch was auf Lager, was ich nicht voraussehe :hmm: Ich bin gespannt :D


    Eine Frage noch:

    on monströsen Maschinen zermalmt und über Förderbänder direkt in die glühenden Hochöfen transportiert,

    Brauche ich auf einem Raumschiff denn Förderbänder? :hmm: Es wäre doch wesentlich einfacher, das in 0 G Umgebung zu machen und die Brocken sanft zu stoßen? Eisenhaltige Asteroiden könnte man dann zb auch mit Magnetfeldern bewegen :hmm:
    Ist jetzt natürlich nicht "Falsch" - nur eine Anmerkung :) Vlt gibts ja nen guten Grund warum da Schwerkraft herrscht :D



    und sorry, aber dazu muss ich jetzt auch was sagen @wunderkind

    Auch in einer Fantasy-Story, in der die Fantasie Purzelbäume schlagen darf, gibt es gewissen Dinge, die man beachten muss. Zum Beispiel die Naturgesetzte. Sonst wird aus einer Fantasiegeschichte schnell eine Heiligenlegende. Im Universum gibt es keinen Winkel, den gibt es in Dummsdorf, und es ist nirgendwo leer. Es gibt dort Galaxien, Sternenhaufen, von mir aus schwarze Sonnen, aber keine Winkel. Es besteht auch keine Möglichkeit, Kunde vom letzten Planeten zu erhaschen, denn an seinen Rändern dehnt sich das U. schneller aus als das Licht.

    Also zuerst mal würde ich etwas auf meine Wortwahl achten. Wie @Kyelia schon gesagt hat ist das mindestens unbedacht bis unhöflich.
    "In den letzten Winkel" ist eine Redewendung und ich sehe keinen Grund, warum man diese nicht auf das Universum anwenden könnte. Es steht nirgends, dass das Universum ein großer Würfel ist und es DA in den letzten Winkel gelangt. Und selbst wenn. Es heisst Science FICTION und wenn es sich um ein erfundenes Universum handelt dann ist das da eben so.
    Und das Universum ist leer. Extrem leer sogar. Die Abstände zwischen den Sternen in den Haufen ist schon gigantisch und die zwischen Galaxien etc noch viel mehr. Da findet sich ab und an Staub, ja aber die durchschnittliche (das heisst inklusive aller Sterne) Dichte des Universums ist ein Teilchen pro Kubikmeter. Daher ist die Aussage "es ist leer" durchaus richtig.
    Und woher willst du wissen, dass es keine Möglichkeit gibt, Kunde vom letzten Planeten zu erhaschen? Nur weil es für uns (noch?) nicht möglich ist, heisst das nicht, dass es in diesem Setting auch so ist.


    Blitze sind immer lautlos, denn die Luft macht den Knall, und sie verändern nicht das Licht, denn sie sind ja Licht, und auch nicht den expandierenden Raum, dafür wären sie zu schwach.

    Wo ist dann das Problem, einen Blitz lautlos zu nennen, wenn er es auch ist? Ich finde es eher schön, mal eine Raumschlacht zu lesen, bei der NICHTS zu hören ist (von außerhalb des eigenen Schiffs) weil genau das eben passiert.
    Das "verändern" KANN man (wenn man denn will) auch so verstehen, dass sie das Licht, das normalerweise auf der Brücke (oder wo auch immer) herrscht eben ändern - anders färben.


    Wenn die Geschosse keine Raketen sind, können sie keine Leuchtspuren ziehen.

    Doch, können sie. Warum sollten sie das nicht können? Einfachstes Beispiel: Ein Metallgeschoss, dass durch das Abfeuern stark erhitzt wird kann genauso glühende partikel verlieren, die dann Leuchten.

    Eine Kanone knallt nicht, schon gar nicht im luftleeren Raum.


    Warum knallt eine Kanone nicht? 0o
    Und da steht nichts davon dass die Kanone im Luftleeren Raum ist. Die ist auf dem Schiff, das 1. hoffentlich nicht Luftleer ist und 2. eine Verbindung zu der Kanone haben sollte. Akustische Wellen können auch durch Schwingungen in Festkörpern übertragen werden - sogar deutlich besser als durch Luft. Daher ist es völlig logisch, dass man die Kanonen des eigenen Schiffs hört.


    'Schon Kilometer vorher...' Kilometer, wo man Entfernungen in Lichjahren misst?

    Ja ... und?
    Ich verstehe hier ehrlichgesagt dein Argument nicht. Nur weil man die Entfernung im All in Lichtjahren misst (oder Parsec, wenn wir schon klugscheißen :P ) kann ich doch Kilometer trotzdem in Kilometer angeben?
    Für eine Entfernung von wenigen Kilometern wären Lichtjahre eine ... unpraktikable Längeneinheit
    "Schon 0,00000000000001 Lichtjahre vorher ..."
    Und wenn mein Geschoss schon LIchtjahre vor seinem Ziel zerplatzt treffe ich mit Sicherheit einfach gar nichts, weil
    1. Die Splitter im BESTEN Fall ein Jahr brauchen, bis sie ankommen
    2. So eine große Streuung haben, dass ich nichtmal ausweichen brauche um nicht getroffen zu werden


    Wenn du nicht nur eine unglaubliche, sondern eine unglaublich wahre Geschichte schreiben willst, solltest du dich mal über physikalischen Gegebenheiten deines Schauplatzes informieren.

    Alles, was du angemerkt hast, ist entweder korrekt oder ein sprachliches "Problem" (wie der Winkel zum Beispiel).
    Zudem schadet es nicht, das ganze etwas ... freundlicher zu Formulieren ;)


    LG Chaos

  • Hey, Jade :D
    Endlich komm ich dazu, die Geschichte zu lesen. Und siehe da, es sind bis jetzt ja nur zwei kleine, aber feine Teile!
    Science Fiction war mir lange Zeit ziemlich Egal. Aber die ersten 6 Star Wars Filme und einige Horrorspiele haben mir dann doch die Augen geöffnet. Trotzdem, Eine Science Fiction Geschichte muss das "gewisse Etwas" besitzen, sonst fängt sie mich nicht. Ist halt nach wie vor nicht mein Genre.


    Deine Geschichte (Auch das, was ich bis jetzt von Helios III gelesen habe) fängt mich aber. Ich mag deine Figuren und wie du Sachen beschreibst. Du erschlägst den Leser nicht mit Begriffen, die kaum einer kennt, sondern erklärtst alles deutlich und auch spannend. Eine hochentwickelte Rasse, die eine Sportjacke und Turnschuhe trägt? Das klingt so nach 1980. :rofl: und ich liebe es.


    So auch zwischen den rivalisierenden Parteien des eigensinnigen Volkes der Tashi, deren Engstirnigkeit allein durch deren Kampfeslust übertroffen werden kann, und den Hyru, welche trotz der Digitalisierung ihres Bewusstseins nicht an Individualität eingebüßt haben.

    Dieser Satz gefällt mir sehr gut! Weiß gar nicht warum, aber er klingt gut.

    Sie kümmersten sich um den reibungslosen Ablauf auf dem Schiff

    "Sie kümmerten sich..."

    Langsam aber stetig verlagerte sich der Kampfschauplatz in die nachegelegene Asteroidenansammlung und zang die Fregatten zu noch waghalsigeren Manövern.

    Ich glaube, das wurde schon erwähnt? Bin aber zu faul, das Zitat zu löschen XD
    "und zwang die Fregatten"

    Auch in einer Fantasy-Story, in der die Fantasie Purzelbäume schlagen darf, gibt es gewissen Dinge, die man beachten muss. Zum Beispiel die Naturgesetzte. Sonst wird aus einer Fantasiegeschichte schnell eine Heiligenlegende.

    Dem würde ich grundsätzlich zustimmen, ABER
    Ich habe nichts gegen "Heiligenlegenden", wenn sie gut geschrieben sind. Und mit "gut" meine ich Unterhaltsam. ^^ Des weiteren stimme ich Kyelia und Chaos aber zu. Ich fand Jades Text nicht "unkorrekt" und 99% der Spiele und Filme haben immer noch Schlachten, in denen man die Explosionen sieht und hört. Also würde es mich auch in einem Text nicht stören.
    Einen Lautlosen Kampf, der ohne Lichtereffekte dargestellt wird fehlt doch einfach der Wow effekt, weshalb man überhaupt erst solche Geschichten schaut/ließ.
    Man muss immer bedenken, was man für eine Art Geschichte machen möchte. Interstellar und Star Wars spielen beide im All, sind aber grundlegend unterschiedlich. Deswegen ist es bei Star Wars ok, wenn es im All knallt, bei Interstellar wäre es ein großer Faux pas gewesen.


    Wüsste nicht, was das ganze Technisch-Physikalische-Gesülz direkt im ersten Kapitel verloren haben soll, denn ich als Leser wäre in dem Fall direkt ausgestiegen. Dann kann ich auch gleich ein Schulbuch aus dem Physikunterricht aufschlagen

    Jup. Dem Stimme ich zu ^^


    Ist Mana nun der Name des Kreuzers oder der Protagonistin? Oder Beides?

    Ja, das hat mich auch irritiert. Trägt der Kreuzer vll den Namen des Kapitäns?


    Brauche ich auf einem Raumschiff denn Förderbänder? Es wäre doch wesentlich einfacher, das in 0 G Umgebung zu machen und die Brocken sanft zu stoßen? Eisenhaltige Asteroiden könnte man dann zb auch mit Magnetfeldern bewegen

    Vor allem nach Spielen wie Death Space oder Prey, die das im 0G umsetzen muss ich Chaos zustimmen. Das ist eine Kleinigkeit, die du ja im Text ändern kannst, wenn du das möchtest. Es lässt es realistischer erscheinen, wobei wir bei dem wären, was Wunderkind angesprochen hat. Aber es ist nach wie vor deine Geschichte und es ist gewiss nicht falsch, es über Förderbänder zu gestallten. Vielleicht wäre es ja komplizierter, für den Tranport bereich eine extra 0G Umgebung zu erschaffen, als die diese eben über Förderbänder zu mobilisieren.


    Wie du das machst liegt an dir, beides klingt cool.


    Und ich freue mich auf die nächsten Teile. Mana wirkt sehr sympathisch. Ich persönlich finde manches zu überdramatisch, Warum fällt sie auf die Knieh?) aber das ist 100% nur meine Meinung und keine Kritik.

    (Neues Bild kommt iwann)

    Genesis: Sie ist Azathoth, das amorphe Chaos in der zentralen Leere
    Josh: Meine Prophetin!

  • Hi, Zarkaras Jade,
    es tut mir leid, dass meine Anmerkungen von einigen als unhöflich empfunden werden. Ich wollte nicht beleidigen, sondern lediglich ein paar Hinweise geben. Und Dummsdorf sollte auch keine Anspielung sein, es ist einfach so ein stehender Begriff von mir.

  • Endlich habe ich es geschafft, einen neuen Part zu schreiben. Ja, ich weiß. Ich hätte auch schon eher antworten können. Aber ich bin da etwas eigen und möchte das immer gleich mit einem neuen Part verbinden, um unnötige Posts zu vermeiden oder meinen Post zu bearbeiten, mit der Gefahr, dass man es dann doch überliest. Jedenfalls danke für die Antworten, Berichtigungen und Anmkerkungen, @Kyelia @Kleiner Liki @Chaos Rising und @Aztiluth. @wunderkind danke ich auch für seine recht "eigenwillige" Kritik. Ich werde jetzt natürlich nicht auf alles eingehen, was du mir angekreidet hast. Das haben die anderen Leser ja bereits zum Großteil gemacht. Und alles doppelt und dreifach erzählen muss ja auch nicht sein. :alien:
    Mit dem aktuellen Part bin ich noch nicht ganz zufrieden, aber ich wollte euch nicht noch länger warten lassen.

    Hmm... Gehts in einem System, das nur auf Krieg ausgeht, um Einzelschicksale? Wären da Klone als Kanonenfutter nicht geeigneter?

    Der gemeine Leser hat zumeist das Verlangen, sich an Einzelpersonen in einer Geschichte anzuheften, um seine Bedürfnisse nach Emotionalität zu befriedigen. Man braucht einen Grund, um mit den Protagonisten mitzufiebern und sie in ihr Herz zu schließen. Das geht meistens nur mit Einzelschicksalen. Denn sonst hätte ich ja keine Protagonistin, wenn die Gefühle und Gedanken einzelner Personen unwichtig wären.

    Wenn du nicht nur eine unglaubliche, sondern eine unglaublich wahre Geschichte schreiben willst, solltest du dich mal über physikalischen Gegebenheiten deines Schauplatzes informieren.

    Ich denke, ich bin gut vertraut mit den Naturwissenschaften, um gutes und ausreichend realistisches SciFi schreiben zu können. Sicherlich ist nicht alles hundertprozentig realistisch, aber das muss es bei SciFi auch nicht sein. Theoretisch ist Vieles möglich. Und die Fiktion ist genau dazu da, um das Unvorstellbare und vermeintlich Unrealistische passieren zu lassen. Ganz ohne Surrealismus geht es leider nicht, um genügend Action reinzubringen, damit meine Leser ausreichend unterhalten werden. Oftmals ist es nur eine Sache der Perspektive.

    Ist Mana nun der Name des Kreuzers oder der Protagonistin? Oder Beides?

    Bei dieser Spezies ist der Name des Schiffes identisch mit dem Namen des jeweiligen Kapitäns. Ich werde es noch mit einem kurzen Satz editieren.

    Brauche ich auf einem Raumschiff denn Förderbänder? Es wäre doch wesentlich einfacher, das in 0 G Umgebung zu machen und die Brocken sanft zu stoßen? Eisenhaltige Asteroiden könnte man dann zb auch mit Magnetfeldern bewegen

    Ich werde es in Magnetbänder umschreiben, dann müsste das eigentlich passen.


    Teil 3


    Nachdenklich schritt Mana durch die Korridore und ließ ihren Blick umher schweifen. Überfüllt von Tashi und Gerümpel glich das Laufen einem Hindernisparcour.
    Leckende Gasrohre, flackerndes Licht und lose Geländerstücke waren da noch die geringsten Übel. Eine beachtliche Geräuschkulisse nahm sie wahr, wovon sie aber nur wenig zuordnen konnte.
    Ob das verdächtige Schlagen der verzogenen Antriebswellen oder leise Knirschen zerschlissener Zahnräder.
    In den Händen hielt sie wieder ihren obligatorischen Becher voll Tee, der leider auch nicht half, all das zu ertragen.
    Stress und Hektik. Ein wildes Getümmel auf den Gängen, stets an der Schwelle zum Chaotischen. Das Schiff hatte sehr gelitten und einige Sektionen waren nahezu unbegehbar.
    Immerhin war die Maschinensektion noch vollkommen intakt, sonst wäre der Warpspruch ein sehr kurzes Abenteuer geworden. Aber trotz der hohen Geschwindigkeit bewegte sich das Schiff selbst nicht. Somit hatte die Beschädigung der Trägheitsdämpfer kaum negativen Einfluss auf die Besatzung.
    Mana begegnete einem der wenigen geretteten Kapitäne, der sie offensichtlich auch schon gesucht hatte. Als beide näher aufeinander zugingen, bemerkte Mana die zwei fehlenden Tentakeln, deren Narben noch frisch aussahen. Dabei überkam sie ein mulmiges Gefühl, das in ihr Demut weckte. Sie hätte sich sehr mies gefühlt, wären es ihre gewesen.
    Mitleidig fuhr sie sich unbedacht über ihre eigenen, bevor sie ihn mit der rechten Hand an die linke Schläfe gehalten begrüßte. Aber so sehr es nicht ihre Art war, so musste sie ihn aus Berufsgründen darauf ansprechen. „Habt Ihr dadurch wichtige Informationen vergessen?“
    Er nahm es gelassen und schüttelte entschlossen den Kopf. „Zum Großteil nur alte Erinnerungen, die ich ohnehin loswerden wollte.“


    Die Tentakeln hatten die Funktion eines Sekundärgehirns, jedoch ohne lebenswichtigen Einfluss auf den Organismus. Deshalb war der Verlust dieser Organe auch weniger mit physischen und mehr mit psychischen Schmerzen verbunden. Ein Schönheitsideal, an dem man buchstäblich gemessen wird.


    Ohne Umschweife kam er auf den Punkt, weswegen er zu ihr wollte: „Wie Ihr vielleicht erahnen könnt, komme ich gerade von der Krankenstation.“
    „Die ist bestimmt maßlos überfüllt.“
    Er nickte. „Die haben kaum noch Medizin, um die Verwundeten zu behandeln. Wenn ich einen Vorschlag machen dürfte, würde ich die Schwerverletzten zuerst versorgen. Dazu brauche ich aber Ihre Genehmigung, dies so anzuordnen.“ Im selben Atemzug überreichte er ihr den Handcomputer mit der vorbereiteten schriftlichen Erlaubnis, welche sie unverzüglich editierte und handschriftlich unterzeichnete.


    Wie sie sich auf den weiteren Weg zu ihrem Quartier machte, hörte sie plötzlich aufgebrachte Stimmen aus einem der Nebenkorridore kommen. Ihr Pflichtbewusstsein schickte sie unverzüglich dort hin, um nachzuschauen. Eine kleine Soldatengruppe war heiß am Diskutieren mit einem ihrer Offiziere.
    Wilde Beschimpfungen und leichte Schulterstöße wurden ihm entgegengebracht, aber er blieb die Ruhe selbst und versuchte die Meute mit gezielten Worten zu besänftigen.
    Die umstehenden Tashi mischten sich nicht ein, was Mana gut fand. Einen Aufstand konnte sie unter den aktuellen Umständen nicht gebrauchen.
    Die junge Tashi stand kaum zwei Meter von ihnen weg, da ließen sie vom Offizier ab und schwenkten zu ihr um.
    „Kapitän, wir wollen einige Beschwerden einreichen!“
    „Ich höre“, erwiderte sie und gönnte sich einen Schluck Tee.
    „Das Trinkwasser ist fast komplett aufgebraucht, die Offiziere wollen uns keine Schlafplätze verschaffen und die schlechte Luft bereitet uns Kopfschmerzen.“
    „Atmet weniger“, gab sie kurz und knapp von sich, schenkte ihnen ein provokantes Lächeln und schlürfte weiter am Becher.
    Völlig verdutzt schauten sie drein und da Mana merkte, dass ihnen offenbar die Sprache abhanden gekommen war, redete sie eben weiter. „Wir sind bald in Mila. Zwei Tage werdet ihr wohl noch durchhalten können. Über die Hälfte der Leute hier gehören nicht mal zu meiner Crew ...“
    „Richtig! Das Schiff ist einfach nicht ausgelegt für so viele Personen ...“
    Verwirrt legte sie ihre Stirn in Falten. „Ich weiß nicht, was Ihr meint, Soldat. Wir sind noch auf Warp und die Hülle ist noch intakt. Also technisch sehe ich keinen Grund, warum das Schiff ausgelastet sein soll.“
    „Aber ...“
    „Aber was?“, fiel sie ihm ins Wort und legte sich mit der rechten Hand die Tentakeln über die rechte Schulter, sodass sie vor der Brust herabhingen. Eine eindeutige Drohgeste, die jeder Tashi verstehen sollte. „Was soll ich eurer Meinung nach tun? Anhalten und die Leute von Bord teleportieren?“
    Und wie erhofft wurden die Soldaten schnell kleinlaut und fixierten ihre Blicke nur auf Manas prachtvolle Hinterkopfauswüchse.
    „Ich war mir der Konsequenzen voll bewusst und ich weiß auch, dass es nicht jedem gefallen hat, was wir getan haben. Auch einige aus meiner Crew sind verärgert. Ich habe meinen Männern bereits mitgeteilt, dass sie Überstunden schieben sollen und den tatsächlich Arbeitsunfähigen ihre Quartiere überlassen sollen. Ich weiß nicht, unter wessen Kommando ihr ursprünglich dient, aber auf meinem Schiff gelten meine Regeln! Anstatt eure Energie in unnützen Streitereien zu vergeuden, wäre es für aller hier besser, wenn ihr euch etwas mehr einbringt, damit wir stressfrei in Mila ankommen.“
    Für Mana war die Diskussion an dieser Stelle beendet, weshalb sie sich umdrehte und die Tashi hinter sich zurückließ. Als hätten sie gerade keine anderen Sorgen.
    Sie war noch nicht weit gekommen, da kam ihr auch schon Sono mit dem Handcomputer unter dem Arm entgegen.
    Erleichtert schnaufte sie und lächelte ihm zu. „Sehr erfreulich, endlich mal ein vertrautes Gesicht zu sehen.“
    Daraufhin musste er schmunzeln. „Ich habe einen kurzen Zwischenbericht aller Abteilungen für Euch zusammengestellt.“
    „Lasst uns den in meinem Quartier einsehen“, befahl sie und setzte sich ohne weitere Auschweifung in Bewegung. Sono folgte ihr stillschweigend das kurze Stück zur privaten Kajüte seiner Vorgesetzten und seine Anwesenheit bewirkte auch zugleich, dass sie nicht mehr gestört wurde. Angekommen, gab sie ihren ID-Code in die Konsole neben der Tür ein, um diese zu entriegeln.
    Obwohl sie der Kapitän war, wies ihr Zimmer nicht viel mehr Luxus auf als alle anderen Unterkünfte auf dem Schiff. Auf einem vier mal vier Meter großen Raum befand sich alles, was zur Grundausstattung gehörte. Von der Tür aus gesehen an der rechten Wand ein kleiner Tisch mit zwei ausklappbaren Stühlen. Gegenüber ein kleiner Spind für ihre Kleidung und Privatsachen und an der hinteren Wand ein S-förmig geschwungener Sessel als Schlafmöglichkeit, der trotz seines merkwürdigen Aussehens sehr bequem war. Als Beleuchtung dienten quadratische LED-Tafeln an den Wänden, dessen Lichtintensität manuell eingestellt werden konnte.


    „Ich muss noch den Bericht für den Zex-Datenknoten anfertigen“, sprach sie, legte den Computer auf dem Tisch ab und bot Sono zeitgleich den zweiten Stuhl an.
    Irritiert legte er die Stirn in Falten, während er Platz nahm. „Meint Ihr wirklich, der Aufwand lohnt sich überhaupt?“
    Ihr überraschter Blick daraufhin animierte ihn spontan weiterzureden.
    „Puru wird ihn ohnehin überschreiben, wenn er zurückkommt.“
    Missmutig spitzte sie die Lippen und begann damit, den Riemen ihrer Brille zu öffnen. „Dieser Kommentar war überflüssig, Sono.“
    Er wiederum nahm es mit Humor und erwiderte augerollend: „Genauso wie Euer Bericht es womöglich sein wird.“
    Nachdem sie sich von der Last der Fliegerbrille befreit hatte, legte sie jene auf dem Tisch ab und widmete sich dem Zwischenbericht.
    Während sie diesen einsah und Sono ihr dabei zusah, sagte sie nüchtern: „Ich hatte vorhin eine pikante Unterhaltung mit einem der geretteten Offiziere.“
    „Darf ich fragen worum es ging?“
    „Um Puru“, meinte sie völlig ungeniert. „Angeblich soll die Allwissende ihn unter Druck gesetzt haben.“
    Er wurde stutzig. „Worauf wollt Ihr hinaus? Puru war doch schon immer sehr radikal im Vorgehen.“
    „Stimmt schon“, bestätigte sie nickend und legte den Handcomputer beiseite. „Es war auch keine unübliche Taktik, die er angewandt hat. Er wollte irgendwas erzwingen. Und das um jeden Preis.“
    Nachdenklich stützte sie ihre Ellenbogen auf dem Tisch ab, griff mit ihren acht Fingern ineinander und lehnte ihren Kopf darauf ab. Dann schloss sie das Auge.
    „Euch bedrückt doch etwas“, murmelte er mit analysierendem Blick auf sie. „Das merke ich sofort.“
    Tief schnaufend entgegnete sie: „Euch ist sicherlich bewusst, dass ich mich vor der Allwissenden rechtfertigen muss.“
    Er schwieg dazu und strich sich nur leicht über den Nacken, dessen raschelnde Armbewegung ihr genug Signale verschaffte, um sich seine Antwort zusammenzureimen.
    „Werdet Ihr auch weiterhin zu mir stehen, egal, welche Entscheidung sie trifft?“
    „Aber natürlich, Kapitän!“ Schwer fiel es ihm, seine Gefühle für sie zu verbergen.
    „Das ist mir wichtig“, äußerste sie streng und fixierte sein Gesicht. „Ich weiß nicht, was ich ohne Euch machen würde. Ihr seid für mich mehr als nur ein guter Offizier, Sono. Ihr seid mein bester...“
    „Freund ... ja ja, ich weiß schon“, beendete er ihren Satz und untermalte es mit einem genervten Schnaufen. Innerlich verdrehte er sein Auge und hoffte auf mehr von ihr. „Ich kann aber nicht immer für Euch da sein, Kapitän.“


    Sie schwieg, runzelte angedeutet die Stirn und schüttelte anschließend den Kopf. Den Gedanken, den sie kurzfristig entwickelt hatte, wollte sie nicht wahrhaben. Aber ihr entging nicht das leichte Zittern seiner Lippen und die verkrampfte Haltung, die er einnahm. Sicherlich, er war ein attraktiver Kerl. Sofern für einen Nicht-Tashi die markanten Unterschiede jener Spezies erkennbar waren. Und mit Freuden hätte Mana sich auf ihn eingelassen. Aber sie liebte bereits einen anderen.
    Jemanden, dem sie vermutlich niemals das Wasser reichen könnte. Und der von ihren Gefühlen für ihn auch noch nichts wusste. Immerhin kannten sie sich bereits persönlich, was für Mana trotzdem nur ein geringer Trost war.
    „Werde ich noch benötigt?“, unterbrach Sono das peinliche Schweigen mit einer ihm noch peinlicheren Frage.
    Sie schluckte kräftig, räusperte sich und erwiderte wie befürchtet: „Vorerst nicht.“
    Ohne sich noch länger dieser unangenehmen Situation auszusetzen erhob er sich unverzüglich, schenkte ihr noch einen Abschiedsgruß und ging zur Tür.
    Angespannte Stille erfüllte den Raum und sehnte sich fühlbar nach einem Ventil, welches die junge Tashi aber nicht zu öffnen bereit war.
    Und so verließ Sono enttäuscht ihr Quartier und machte sich wieder auf dem Weg zur Brücke.

    Ich bin mir nicht sicher, mit welchen Waffen der dritte Weltkrieg ausgetragen wird, aber im vierten Weltkrieg werden sie mit Stöcken und Steinen kämpfen.


    -Albert Einstein-
    ___________________
    Helios III (Arbeitstitel)
    --------------------------
    Purpur
    --------
    Big City Life
    ---------------
    Mana

    3 Mal editiert, zuletzt von Zarkaras Jade ()

  • Dann schreibe ich hier auch mal noch etwas, wenn das schon fast 2 Wochen unkommentiert geblieben ist :D


    Im Grunde kann ich nur wiederholen, was ich schon gesagt habe. Ich mag den Teil. du hast da eine teils sehr unterschwellige Humorlinie drin, die einem die doch recht beklemmende Situation recht angenehm macht. Ich denke, das kommt vor allem durch Mana und ihre, sagen wir mal stumpfe Art. :D


    „Das Trinkwasser ist fast komplett aufgebraucht, die Offiziere wollen uns keine Schlafplätze verschaffen und die schlechte Luft bereitet uns Kopfschmerzen.“
    „Atmet weniger“, gab sie kurz und knapp von sich, schenkte ihnen ein provokantes Lächeln und schlürfte weiter am Becher.

    Genau mein Humor. Sicherlich nicht die beste Art und Weise von Mana mit den Beschwerden umzugehen. Aber die Leute dort sollten eigentlich größere Probleme haben und lieber froh sein, dass sie noch leben und nicht irgendwo im All drauf gegangen sind. Immerhin ist das kein Luxusliner, sondern ein Kriegsschiff. Ich mag ihre Art deshalb echt super gern. ^^


    Und Sono kann einem nur leidtun. ^^


    Mal sehen, wie die Geschichte sich noch entwickelt. :)


    LG, Kyelia



    Wenn es ein Buch gibt, das du wirklich lesen willst, aber das noch nicht geschrieben wurde, dann musst du es selbst schreiben.
    - Toni Morrison -

  • Teil 4


    Stunden vergingen und sie hatte es immer noch nicht geschafft, ihren Teebecher zu leeren. Die Arbeit verlangte zu viel Zeit und Konzentration ab, um auch nur eine Sekunde lang an ihr Getränk oder andere Dinge zu denken. Die Müdigkeit setzte allmählich ein, sie konnte kaum noch ihr Auge offen halten.
    Und eh sie sich versah, war sie auch schon auf dem Stuhl eingeschlafen. Den Kopf auf die verschränkten Arme abgelegt, erschlaffte ihr Körper langsam und sie tritt in das Reich der Träume ein. Vielerlei Dinge hätten sich angeboten, um ihrem Schlaf eine faszinierende, lehrreiche Geschichte zu erzählen, aber zu ihrem Glück waren die Sehnsüchte nach ihrem Geliebten stark genug, um sich zu behaupten.


    Dere. Ein gestandener Mann mit Einfluss, dessen Anblick Respekt hervorief. Was nicht zuletzt an den Brandzeichen lag, die gut zu erkennen seinen Hals zierten. Wie jeder Tashi trug er diese Symbole - seinen Namen und seine Auszeichnungen - mit Stolz. Seinerseits ein begnadeter Flottenkapitän und Angehöriger des Königshauses der Fassali, die Familie der Tashi'Ara. Mana konnte seinen Namen nicht oft genug sagen, seinen Körper nicht oft genug bewundern. War sie sonst eine offene und direkte Person, so fühlte sie sich in seiner Nähe verschlossen und hilflos. Und selbst im Traum gelang es ihr nicht, sie selbst zu sein. Auch dann nicht, wenn sie sich mehr als bewusst darüber war.
    Wie angewurzelt stand sie Dere gegenüber und riskierte nur flüchtige Blicke auf ihn. Sie versuchte ihre Nervosität zu verstecken und verschränkte dazu ihre zitternden Hände hinterm Rücken, um sie dort heimlich ineinander kneten zu können. Ein Verhalten, für das sie sich schlagen wollte. Einem Kind gleich, das nach dem Schlüpfen sein erstes Brandzeichen erhielt, zitterte sie. Fehlte nur noch, dass sie genauso weinte. Wohin verschwand ihr offenes Selbst in seiner Gegenwart?
    Sie war auf seinem Raumschiff und beobachtete ihn dabei, wie er hektisch den Hauptkorridor entlang schritt. Und jedes Mal, wenn er zu ihr hinschaute, wandte sie ihren Blick ab. Sie wollte nicht, dass er merkte, dass sie ihn beobachtete. Peinlicher hätte diese Situation also kaum sein können.
    Die Szene wechselte und nun standen sie völlig allein im Korridor. Sie umarmten sich innig. Und immer, wenn er ihre Tentakel berührte, machte ihr Herz fröhliche Sprünge. Sprünge voller Erwartung und Vorfreude. Zögerlich berührte sie seine Tentakel, streichelte sanft darüber und genoss das wunderbare Gefühl, zwischen ihren Fingern das edelste Körperteil ihres Geliebten halten zu dürfen. Es weckte in ihr tiefstes Verlangen.
    Doch kam es so, wie es für einen Traum üblich war. Zu dem Zeitpunkt, an dem sich alles erfüllen sollte und jegliche Sehnsucht befriedigt hätte werden können, verabschiedete Dere sich mit einem zärtlichen Biss in ihren Hals und trat durch die Tür zur Kommandobrücke.


    ***


    „Ihr seid recht spät, Bruder“, ertönte verärgert die glashelle Stimme der Natii, welche ungeduldig neben der Tür auf ihn wartete. Als weibliches Mitglied des Adels und älteste Tochter der Tashi'Ara trug sie keinen violetten Anzug, sondern einen giftgrünen, der mit breiten, tiefschwarzen Längsstreifen verziert war. Darüber trug sie ein grobmaschiges, kupferfarbenes Netzoberteil und um den Hals ein transparentes Kunststoffhalsband, deren schwarze Längsstreifen symmetrisch zu denen des Anzugs waren. Ihre Fliegerbrille war aus Amethyst gefertigt, was noch zusätzlich die Dekadenz ihres Hauses repräsentierte. Ihre Tentakeln waren zu einem lockeren Zopf verdrillt, da sie bereits so lang waren, dass sie offen auf dem Boden schleifen würden. In Form gehalten wurden sie mit einem Edelstahlring am unteren Ende.
    „Ganze sechs Minuten musste ich auf Euch warten!“, murrte sie weiter.
    „Beruhigt Euch wieder. Ich wurde aufgehalten ...“
    „Dass das nicht nochmal passiert, habt Ihr mich verstanden?!“ Eingehend musterte sie ihren Bruder mit strengem Blick und gab zischende Laute von sich.
    Ihn kümmerte es nicht, wie sie sich aufführte. Er kannte sie nicht anders.
    Unbeeindruckt von ihren Sticheleien ging er weiter zum Laufsteg und von dort aus auf die andere Seite des Raumes.
    Kara verharrte weiter neben der Tür und grimmte herablassend die anderen Tashi um sich herum an. Die meisten ließen sich nicht ablenken, aber einige, jüngere Tashi wurden von Karas Präsenz eingeschüchtert. Schließlich hatte man nicht alle Tage eine Thronanwärterin an Bord. Und dazu noch so eine Hübsche.


    „Und nun soll ich auf Euch warten oder wie?“, fragte Dere entnervt nach, starrte sie an und deutete neben sich.
    Beide hatten sich zu einer Lehrstunde in Astronavigation verabredet. Denn ein jeder Raumfahrer musste in der Lage sein, mithilfe der Sterne seine Position bestimmen zu können. Zwar wollte sie keiner werden, aber als Thronanwärterin war es ihre Pflicht, stets neues Wissen zu erlangen. Darum zeigte er ihr die wichtigsten Sterne, unter anderem den Nullstern Cekó, Hypernova Yale und Zolotis.
    Dere und seine Flaggschiff-Crew samt ihrer Begleitfregatten waren zu diesem Zeitpunkt am anderen Ende der Galaxie unterwegs. Ihr Ziel war ebenso Mila, der Heimatplanet. Normalerweise ein Unding, anzunehmen, sie würden es trotz der Warp-Technologie innerhalb weniger Tage erreichen. Doch gab es eine Vorrichtung in Polisa, welche ein stabiles Wurmloch zwischen zwei Systemen erzeugen konnte. Damit waren Reisen über utopisch lange Strecken ohne Zeitverzögerung möglich. Diese beiden Systeme waren Lumo-Arc und Dox.


    Was Deres Flotte nicht ahnte, war, dass sie seit dem Eintreffen in Lumo-Arc verfolgt wurden. Unsichtbar für deren Langstreckensensoren schlich sich ein Kampfschiff langsam an sie heran. Es waren die Hyru-Cri, eine Untergruppierung der gewöhnlichen Hyru, welche für besonders aggressives Auftreten und Heimtücke bekannt war. Ein gewaltiges Raumschiff in Form eines achtzackigen Sternes, das durch enorme Feuerkraft hervorstach, dafür aber an Panzerung einbüßen musste. Am tödlichsten war deren zentral angebrachte Hauptwaffe. Bomben, die bei der Detonation einen starken elektromagnetischen Impuls freisetzen. Die Hyru zögerten auch nicht, diese gelegentlich auch gegen Artgenossen einzusetzen.
    Das Ziel der Tashi war für sie unbestreitbar die Sternenbrücke am 2E-System. Somit setzten die Hyru ebenso einen Kurs dorthin und platzierten sich so vor die Flotte, dass ihre Routen nahezu gleich verliefen. Um bestmöglich unsichtbar für den Feind zu bleiben, schalteten sie alle unwichtigen Systeme ab, die sie hätten verraten können. Nur noch der Antrieb, sowie Steuerdüsen, Radar und die Hauptwaffe waren in Benutzung. Sogar die Abschirmung wurde vorübergehend heruntergefahren.
    Alle fünfzig Sekunden gaben sie einen Ping Richtung Tashi-Flotte ab, nicht mehr und nicht weniger. Dies reichte aus, um auf Kurs zu bleiben und langsam den Abstand zueinander zu verringern.


    Nach einer gewissen Weile platzierten die Hyru-Cri dann eine dieser taktischen Bomben und drosselten langsam die Geschwindigkeit.
    Kurz bevor die Tashi jenes todbringende Objekt erreichten, schalteten die Hyru sofort sämtliche Beleuchtung an und offenbarten somit ihre Position. Ein riskantes Unterfangen, denn die Detonationsexpansion war zu träge, um die schwarzen, speerartigen Raumschiffe in voller Fahrt zu treffen.


    „Feind gesichtet!“, rief der Navigator. „Wir sind auf Kollisionskurs.“
    Dere starrte auf die Bildwand und vergrößerte das erspähte Objekt. Dann sah er, wie das fremde Schiff abrupt stoppte und eine Bombe absetzte. Die Entfernung verringerte sich rasend schnell und ihnen blieben nur noch wenige Minuten, bevor sie kollidieren würden.
    „Sofort abbremsen!“, befahl er und ließ seinen Blick auf das Objekt gerichtet. „Ich weiß nicht, was die vorhaben, aber es gefällt mir gar nicht.“
    „Es sah fast so aus, als wollten die eine Kollision erzwingen“, meinte der Navigator.
    Worauf die Natii prompt erwiderte: „Aber das wäre doch besser für die gewesen, wenn sie uns in den Nahkampf verwickelt hätten.“
    Dere bekräftigte ihre Aussage. „Zumal sie EMP-Bomben einsetzen ...“
    Kaum dies gesagt, blitzte ein grelles Licht auf, das die komplette Bildprojektion einhüllte. Nur Sekundenbruchteile später fielen alle Monitore und Konsolen aus. Die Kommandobrücke war von Finsternis erfüllt, nur vereinzelte Knöpfe glimmten auf.
    Als einige Systeme nur wenig später wieder hochfuhren und Unmengen Daten eingingen, war Deres Vermutung bestätigt worden. Es war ein EMP-Schlag, der sie traf. Obgleich er sie nur grob streifte und hauptsächlich die Schildgeneratoren und Transporterrelais zerschoss.
    Panisch hetzte Dere über den Laufsteg, hantierte mit dem Bildschirm herum und versuchte, mehr Informationen über den Status der Fregatten herauszufinden.
    „Tut irgendwas!“, schrie Kara hysterisch und krallte sich fest ans Geländer. „Wehrt Euch!“
    „Daran arbeiten wir gerade!“, keifte er zurück.
    „Ich will nicht sterben! Ich darf nicht sterben!“
    „Ihr werdet nicht ...“
    „Wenn das Mutter erfährt, dass Ihr mich habt sterben lassen ...“
    „Kara, haltet endlich den Mund!“


    Währenddessen trieben die Schiffe zur zweiten Bombe und die Hyru hatten bereits kehrt gemacht, um die Fregatten in Empfang zu nehmen. Ohne Vorwarnung nahmen sie das erste Begleitschiff ins Visier und feuerten im Direktanflug mehrere Salven schwerer Projektile ab. Dennoch gelang es ihnen nicht, die meterdicke Panzerung beim ersten Mal zu durchschlagen. Solange die Flotte aber noch ausreichend vom EMP betroffen war, konnten die Roboter sich in Sicherheit wiegen und sie eng umkreisend unter Dauerbeschuss nehmen.


    Wilde Schreie erfüllten die Gänge. Stahlträger verbogen sich, Reihenweise platzten Rohre auf und füllten die engen Schächte mit kochendem Wasser und stickigem Gas. Brände brachen aus, die Flammen sammelten sich binnen Minuten wie brodelnde Schlacke an der Decke und raubten den Insassen sämtliche Atemluft. Die Wände vibrierten unter dem gnadenlosen Dauerbeschuss so stark, dass sich Schrauben und Nieten lösten und den Leuten regelrecht die Decke auf die Köpfe fiel.


    Panisch rannten Leute umher, Techniker versuchten verzweifelt die Generatoren am Laufen zu halten, wenn nötig auch auf Kosten ihres Lebens. Zu viele Systeme waren ausgefallen, um gerechte Prioritäten setzen zu können. Alles wurde benötigt, egal ob Lebenserhaltung, Schilde oder nur Waffen. Jeder einzelne an Bord wusste, dass es zu Ende ging. Jeder wusste, dass das Schiff nicht mehr zu retten war. Sie waren abgeschnitten von den anderen Schiffen, keine Kommunikation war mehr möglich.
    Ein schweres Schicksal für die Ärzte, konnten sie eh nichts mehr für die unzähligen Schwerverletzten tun. Jegliche Befehle, die gegeben wurden, waren nichtig im Anblick des sicheren Todes aller einhundert Passagiere. Bis zum bitteren Ende kämpften die Brückenoffiziere mit der verückt spielenden Technik und vor allem mit sich selbst. Niemand konnte es verantworten, keinen einzigen gerettet haben zu können.
    Einige waren sogar so verzweifelt, dass sie Selbstmord begangen und sich freiwillig in die Flammen stürzten, um unter Höllenqualen lebendig zu verbrennen. Ein giftiges Gemisch aus Emotionen, ohrenbetäubendem Lärm und zerborstenen Trümmern. Doch verstummte all das Leid und Elend in der weiten Tiefe des Universum und entlockte dem Feind keine einzige Gefühlsregung. Nach knapp fünfzehn Minuten gab die Hülle nach und bescherte der Besatzung einen qualvollen Erstickungstod.


    An Bord der Dere dagegen wirkte das Durcheinander fast harmlos, obgleich auch hier in vielen Sektionen Panik ausgebrochen war. In nahezu völliger Dunkelheit stachen nur kläglich kleine Lichtkegel der Handlampen hindurch und verschaffen minimale Sicht auf die Umgebungen. Das Ausmachen von Karas Anwesenheit bedurfte dagegen keinem Licht, sie brüllte laut genug. Zum Leidwesen aller anderen.
    Und bis auf ein paar gelegentliche Querschläger bekamen sie von außerhalb nichts mit. Solange sie blind waren, konnten sie keinen gezielten Gegenschlag ausführen.

    Ich bin mir nicht sicher, mit welchen Waffen der dritte Weltkrieg ausgetragen wird, aber im vierten Weltkrieg werden sie mit Stöcken und Steinen kämpfen.


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    Mana

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  • Oha, zwei interessante Parts!
    Mana ist echt cool, ich mag ihre Art :D
    Bin gespannt, ob Dere das nun überlebt oder nicht.


    :hmm: irgendwie sag ich gerade wenig zum Inhalt XD
    Werde versuchen, im nächsten Part mehr darauf einzugehen. :D

    (Neues Bild kommt iwann)

    Genesis: Sie ist Azathoth, das amorphe Chaos in der zentralen Leere
    Josh: Meine Prophetin!

  • Danke, @Aztiluth für dein Feedback und die Anmerkungen/Korrekturen. :alien: Hier ist auch gleich der nächste Part. Bitte auch anmerken, falls es dir/euch an manchen Stellen noch zu dünn an Effekten und Emotionen rüberkommt.



    Teil 5


    Kara war völlig fertig mit den Nerven und begann zu hyperventilieren. Todesängste erlitt sie bereits jetzt schon, obwohl es immer noch in den Sternen stand, dass sie überhaupt in ernsthafter Lebensgefahr waren. So stark sie sonst immer wirkte, zeigte sie sich nun schwächlich wie ein naives Kind. Jedes kleine Geräusch, jede unvorhersehbare Berührung ließ sie stark zusammenzucken und wild aufschreien. Hätte sie dabei einen Takt beibehalten, hätte sie glatt als Warnsirene eingesetzt werden können.
    Die anderen störte es zunehmend und auch auf Deres lautstarke Anweisungen, sie solle sich zusammenreißen, hörte sie nicht. Ihr Egoismus war zu dominant, um der Vernunft Platz zu bieten. Es war das Ungewisse, das ihr Sorgen bereitete. Vom Feind zu wissen, ihn aber nicht einschätzen zu können, ließ ihren Verstand aussetzen.
    Mit der Zeit prasselten auch immer mehr Projektile auf das Schiff ein und verbreiteten harte Erschütterungen zu jeden noch so kleinen Winkel. Kara wurde es zu viel, sie floh wider den Befehlen ihres Bruders von der Kommandobrücke. Er hatte es im Eifer nicht mitbekommen, ihn kümmerten temoprär andere Probleme mehr.


    Irgendwann gelang es der Crew, wieder einige Systeme in Gang zu bringen, obgleich sie befürchteten, erneut von einem EMP getroffen zu werden.
    Doch die Cri verzichteten darauf, da ihre Flugbahn zu nah war, um sich davor schützen zu können. Zumal es nicht ihr Ziel war, die Schiffe komplett unbrauchbar zu machen. Ihnen ging es wie zumeist darum, Informationen und Gefangene zu erhalten.
    Die plötzliche Informationenflut, die einging, überraschte die Tashi ungemein, denn das Ausmaß der Verluste war höher als erhofft.
    „Wir haben nur noch eine Begleitfregatte.“
    „Sofort rufen!“, verlangte Dere.
    Als die Verbindung schnell bestand, gab er unverzüglich seinen Befehl durch. „Flieht und holt Unterstützung! Ab der Sternenbrücke seid ihr sicher!“
    Am anderen Ende kam nur ein Nicken.
    Er wiederholte seinen Befehl, um die Ernsthaftigkeit dahinter nochmals zu unterstreichen.
    Für mehr Worte blieb keine Zeit, denn der Kampf war präsenter und nahm mehr Fokus auf sich. Eine Crew, die bereits tot sein würde, konnte schließlich nicht mehr gerettet werden.
    Somit schlug die letzte Fregatte sofort den Kurs ein, ignorierte sämtlichen Feindbeschuss und setzte alle Energie in den Antrieb.
    Unter Dauerbeschuss verfolgten Dere und seine Männer es gebannt auf der Bildwand, stets das schlimmste Szenario im Hinterkopf behaltend. Kräftig durchgeschüttelt wurden sie, hunderte Schadensmeldungen gingen ein. Vereinzelte Konsolen fingen an zu brennen und Gitterroste flogen umher. Die Trägheitsdämpfer setzten mehrmals kurzzeitig aus, was zufolge hatte, dass alles, was nicht niet- und nagelfest war, wild durch den Raum geschleudert wurde. Nur mit großer Mühe konnte Dere sich fest genug an ein Geländer klammern. Andere Tashi hatten kein Glück und taumelten zusammen mit schwerem Gerümpel unkontrolliert durch die Luft.
    Jeder, der dazu in der Lage war, versuchte eine intakte Konsole zu erreichen und bestmöglich Schäden zu beheben.
    Wilde Rufe und Schmerzensschreie vermischten sich mit dem Kriegslärm zu einer Nerven betäubenden Geräuschkulisse und vereinigt mit Lichtgeflimmer verdrängte es sämtliches Gleichgewichtsgefühl aus den Leibern.


    Im Hauptkorridor irrte derweilen Kara panisch umher. Durch die schweren Erschütterungen auf die Knie gezwungen, kroch sie auf allen Vieren über den kalten Boden aus nacktem Metall.
    Ihr verängstigter Blick fixierte sich auf die anderen Tashi, die sich trotz allem versuchten, aufrecht zu halten. Für die Natii eine Option, die nicht in Frage kam. Ihr gebrechlicher, graziler Körper war offensichtlich nicht hierfür bestimmt.
    Plötzlich fiel das Licht aus. Ein tiefes Brummen ratterte unaufhaltsam durch die Gänge und überlagerte sich mit den getakteten Maschinengeräuschen zu immer lauteren, blechernen Lärm, der die Wände allmählich zum Vibrieren brachte. Kleine Wellen und Krümmungen bildeten sich und schüttelten Karas Körper heftig durch. Ein Kribbeln, das sich durch ihre Handflächen bei jedem Aufsetzen zog. Plötzlich explodierte unmittelbar neben ihr eine Heißwasserleitung und überströmte sie mit der fast kochenden Flüssigkeit. Reflexartig rollte sie sich zusammengekauert hinweg. Aber es war zu spät, denn schon hatte sich ein daumengroßer Metallsplitter tief in ihre Wade gebohrt und eine große klaffende Wunde hinterlassen, aus der sofort viel Blut floss. Ein Schmerzensschrei entwich ihr, schlagartig presste sie die Luft aus ihrer Lunge und brachte sich in akute Atemnot. Rotz und Wasser heulte sie. Das Auge zusammenpressend versuchte sie vergebens, die Tränen zu unterbinden. Ihre Emotionen waren zu stark, es gelang ihr nicht.
    „Helft mir!“, spie sie verkrampf unter ständigem Schluchzen und Wimmern. „Helft mir doch jemand!“
    Es ging unter in all der Hektik und all dem Lärm. Niemand konnte sie sehen, dort unten am Boden.
    Die Wände ächzten und stöhnten, als würden sie jeden Moment nachgeben und die Insassen regelrecht erdrücken.


    Irgendwann wurde ihre heisere Stimme doch von einem Tashi wahrgenommen, der aber fast über sie stolperte, bevor er sie bemerkt hatte. Er selbst konnte sich kaum noch auf den Beinen halten und humpelte ebenfalls schon
    Er traute seinem angestrengten Auge nicht, als er die Adelstochter erblickte. Aber ihm war bewusst, dass er ihr sofort helfen sollte, ohne weiter an sein eigenes Schicksal zu denken.
    Kaum hatte er ihr die Hand gereicht, klammerte sie sich an diese und versuchte sich, am Arm hochzuziehen. Ihn riss das fast selbst mit auf den Boden, aber ein beherzter Griff um ihre Brust gab beiden genügend Halt, um ihren doch sehr leichten Körper auf die Beine zu hieven.
    Sich gegenseitig stützend schlupften sie mit gesenkten Köpfen über den wackeligen Boden in Richtung Kapitänsquartier. Tief grub sie ihre vom Schock versteiften Finger in die Rippen ihres Retters und behinderte ihn beinahe noch mit ihrem blutüberströmten Bein, das sie nur noch halb angewinkelt mitriss.
    Er dagegen tat sich schwer, sie in einen festen Griff zu nehmen, schließlich war sie eine Natii und ihr Körper als heilig zu betrachten. Nicht mal im Traum würde es ihm einfallen, ihre Tentakeln zu berühren.
    Endlos erschien die Zeit bis zu Deres Quartier, in der Kara die Begleitung mehr als nur schätzte, was sie beim Erreichen des Bettes auch mit einem flüchtigen Nackenbiss klarstelle. Dem vermeintlichen Retter in der Not war diese Geste offensichtlich entgangen, denn er hatte andere Dinge im Kopf, als die spontane Zweisamkeit mit der attraktivsten Tashi an Bord des gerade unter schwerem Beschuss stehenden Flaggschiffs. Zwar blieb er im Raum, kämpfte aber vorerst wieder mit seinen eigenen Leiden.


    Derweil tat sich einiges auf der Kommandobrücke. Es war ihnen wieder gelungen, die Waffensysteme und das Kurzstreckenradar in Betrieb zu nehmen. Obgleich sie befürchteten, dass es nur noch für einen massiven Gegenschlag reichen würde, bevor ihr Schiff komplett zerrissen werden würde. Der Feind hatte eindeutig die besseren Karten in petto. Aber für die Tashi kam unter keinen Umständen ein Aufgeben infrage.
    Mit den letzten Reserven versuchten sie einen finalen Angriff und bündelten ihre übriggebliebene Feuerkraft auf die Hauptwaffe der Hyru. Das Anpeilen und der korrekte Zeitpunkt waren dabei das schwierigste Problem, denn die Tashi selbst hatten keine Steuerdüsen mehr zur Verfügung, wohingegen die Hyru ihre Kreisbahn beibehielten.
    Die Tashi hatten nur einen Versuch, der perfekt getimed sein musste. Es war fast schon ein Schuss ins Schwarze, der ironischerweise zu einem regelrechten Blattschuss wurde!
    Wie zu erwarten fielen dann anschließend die Waffen endgültig aus. Schaltkreise überlasteten, Kabel schmorten durch und Transistoren waren zerschossen.
    In allen Sektionen standen Tashi mit Feuerlöschern bereit und erstickten die aufkeimenden Flammen, noch ehe sie zu unkontrollierbaren Bränden wurden. Alles war voller stickigen, schweren Rauch.
    Glücklicherweise blieb der Fusionsreaktor intakt und erlitt nur leichte, unbedenkliche Schäden.
    Im Rest des Schiffes sah es dagegen nicht rosig aus. Mehrere meterbreite Löcher klafften über die Front verteilt und machten ein gutes Drittel des Schiffes unbegehbar. Darüberhinaus war die gesamte Antriebssektion am Heck nichtmal mehr vorhanden, was ein viel größeres Problem darstellte. Viele Tashi wurden von den Explosionen zerrissen und ins All geschleudert, zusammen mit Tonnen an Wracktrümmern.


    Aber auch die Hyru hatten eine hohe Schadenbilanz vorzuweisen und waren gleichsam außer Gefecht gesetzt worden.
    Ein gutes Drittel des Sterns war perforiert worden, was schwere Schäden in der gesamten Waffenmechanik zu Folge hatte, wodurch es ihnen nicht mehr möglich war, sich zu wehren. Auch der Antrieb wurde stark in Mitleidenschaft gezogen und ihnen war es nur noch möglich, umher zu taumeln.


    Die Maschinenwesen schickten eine Bildübertragung. Zu sehen war ein undefinierbares Ding aus schwarzem Metall. Der Kopf kam einer mit spitzen Dornen besetzten Kugel gleich, an der vorne mittig ein großes Okular angebracht war, das als Auge fungierte. Der Torso war eher ein Metallskelett mit vereinzelt angebrachten Eisenplatten und feinmaschigem Gitterdraht, die mittels Nieten grob zusammengehalten wurden. Das Innenleben, das nach plastisch gehaltenen Organen aussah, waren größtenteils Kabelknäuel und Zahnradgetriebe. Leben hauchte diesem Wesen aber eine nukleare Brennstoffzelle ein, die sich im Kopf befand und quasi Gehirn und Herz ersetzte.
    Mit knisternder Stimme, wie aus einem alten Radio, sprach diese Obskurität: „Sendet uns eure Verletzten und wir verschonen euch!“
    „Falls ihr es noch nicht mitbekommen habt, eure Waffen sind ausgefallen“, erwiderte der Kapitän mit angewidertem Blick und hielt sich seine Platzwunde am Kopf. „Ihr werdet uns nicht erpressen!“
    „Wir haben Zeit!“
    Es war so schauderhaft, dass es Dere eiskalt den Rücken runterlief. Umso mehr schätzte er es, dass sie sich bisher nur über Bild unterhielten. Diesen Ungeheuern wollte er niemals auch nur einen Tashi aushändigen, egal wie die Umstände sein mochten.
    „Und wir erhalten bald Unterstützung!“, warnte er. „Also verschwindet lieber, solange ihr noch dazu in der Lage seid!“
    „Wir wissen, dass ihr zur Sternenbrücke wollt. Welche Fracht habt ihr geladen?“
    Darauf antwortete er nicht, sondern wandte sich mit schmerzverzerrtem Gesicht seinem Funker zu. „Störsender aktiv?“
    Dieser nickte kurz.
    „Verbindung sofort kappen.“ Gesagt, getan. „Die werden uns gleich scannen. Verhindert das! Die dürfen nicht erfahren, dass wir eine Fassali an Bord haben.“ Nachdenklich schaute er sich um. „Wo ist sie überhaupt? Findet sie und schickt sie in mein Quartier.“

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  • Einen schönen gut tag @Zarkaras Jade,


    ich habe mal Teil 3 gelesen.



  • Und wieder aufgeholt!
    Ich finde, das entwickelt sich hier doch sehr viel interessanter, als ich anfangs noch dachte. Ein zweiter Handlungsstrang, mit dem ich nicht mal gerechnet habe. Kara und ihr Bruder, die von den Feinden angegriffen werden, finde ich eine actionreiche Zweithandlung. Durch Karas Augen lernt man außerdem noch etwas die Kultur und das Volk kennen. Das finde ich gut! Die Panik hast du meiner Meinung nach auch gut geschildert. Für mich ist großteils alles nachvollziehbar und sinnvoll. An manchen Stellen musste ich zwar doppelt lesen, aber das liegt nicht unbedingt an der Geschichte, sondern eher daran, dass ich Technisch ein Noob bin, der von nichts eine Ahnung hat :rofl:
    Im Übrigen bin ich erstaunt, wie pragmatisch du das alles beschreibst, ohne viel Drumherum, einfach gerade aus. Irgendwie erweckt das den Anschein, dass die ganze Rasse so ist - zielorientiert, ohne viel Aufhebens um etwas, aber dennoch fühlend und lebend. Macht die ganze Situation sehr tiefgründig :D
    Ich bin mal gespannt, wie das für die ausgeht :hmm:


    LG, Kyelia



    Wenn es ein Buch gibt, das du wirklich lesen willst, aber das noch nicht geschrieben wurde, dann musst du es selbst schreiben.
    - Toni Morrison -

  • Danke, @Kleiner Liki und @Kyelia für die Anmerkungen und Kommentare! :alien:


    Der folgende Part geht bei Mana weiter und ist vorrangig informativ und weniger spannend. Ich muss ja auch die Welt(en) etwas genauer beschreiben und das geht leider nicht immer zwischen den Zeilen eingestreut.
    Mit den Begriff "Kommunikator" bin ich noch nicht ganz zufrieden, weil es eigentlich kein Kommunikator ist. Vielleicht fällt euch ja ein passender Begriff ein. :alien: Jedenfalls hoffe ich, dass euch der sechste Teil dennoch viel Freude bereitet. Der siebte Teil wird dann auch nicht so lange auf sich warten lassen. :alien:



    Teil 6


    Inzwischen war Manas kleiner Schiffsverband im Mila-System angekommen. Nach einem kurzen Zwischenstopp beim Zex-Datenknoten am Rande des Sektors ging die Reise weiter Richtung Mila. Mana und ihre Crew atmeten erst auf, als sie vom Weiten ihren Heimatplaneten erkennen konnten. Ein vegetationsreicher Planet mit viel Wasser und einer sauerstoffreichen Atmosphäre. Perfekt um Leben gedeien zu lassen.
    Hunderte von Schiffen verkehrten im Orbit und breitbandig war der Funkverkehr belegt oder gar bewusst gestört worden. Man erkannte schnell, dass sich kein feindliches Schiff freiwillig in dieses System verirren würde. Es würde keine zwei Minuten überstehen. Eine Sache, die gut zur Moral der Bewohner beitrug. So konnten sie sich genug in Sicherheit wiegen, um eine starke Machtstellung etablieren zu können. Denn Mila war nicht umsonst der Wohnsitz der Tashi'Ara. Von diesem Planeten aus ließ sich deren Territorium am schnellsten verteidigen und stärken.


    Als sie die Grenze zur Friedenszone überquerten, erhielten sie eine schnelle Einweisung und steuerten einen der vielen Raumhäfen an, die in geostationären Umkaufbahnen um den Planeten kreisten. Üblicherweise verweilten neuangekommene Schiffe und Besatzungen einige Stunden bis Tage auf diesen Häfen. Aber Manas Anliegen war ein Sonderfall, sie durfte sofort weiter zur Oberfläche reisen. Den vielen Verletzten war das auch sehr recht.
    Sie flogen direkt zur Landeplattform von Nmaru. Die befanden sich zumeist in den Randbezirken von Großstädten. In Nmaru war zugleich auch die Allwissende mit ihrer Familie ansässig.
    Nmaru war eine der größten Metropolen Milas und umfasste mehrere Millionen Tashi. Der Aufbau war eine Mischung aus gigantischen, kuppelförmigen Wohnkomplexen und geradlinigen Straßen, durchzogen von geballten Stadtbezirken aus Wolkenkratzern, die wie Dornen hervorragten und Nmaru wie einen stacheligen Rücken einer Panzerechse aussehen ließen.
    Beeindruckend mächtig und angsteinflößend.
    Je mehr man sich der Oberfläche näherten und ein immer genauer werdendes Bild der Gebäude und Strukturen machen konnte, umso faszinierter war man.
    Hochmoderne Technik wo man nur hinschaute. Über mehrere Ebenen und sogar weit über die höchsten Stahlbetonbauten hinaus erstreckten sich komplex verzweigte Verkehrsnetze von Hochgeschwindigkeitseinschienenbahnen, die im rasanten Tempo an Gebäude vorbei und sogar durch sie hindurch flitzten. Hinter Glasröhren geschützte kilometerlange Laufbänder und Kurzstreckentransporterplattformen erleichterten zusätzlich das schnelle Fortbewegen ohne viel Körpereinsatz. Und wer viel Zeit hatte, war ganz klassisch zu Fuß unterwegs.
    Nahezu jede Hauswand war mit Leuchtreklame bedeckt, reihenweise angebrachte Lichtergirlanden zierten die schmalen Gassen und sogar in die Gehwege eingelassene LED-Fliesen überfluteten die Straßen mit gedämpften Ockertönen.
    Fließende Übergänge zwischen Stadien, Amphitheater und Universitäten. Versteckte Parks und Seen.
    Metropolen, die auch nachts keine Ruhe fanden und für jeden Besucher pausenlos Unterhaltung und Aufregung boten. Geschlafen wurde nur, um in den Träumen Entspannung zu finden.
    Dennoch gab es hinter der Fassade auch ein strengeres System. Da die Tashi ausschließlich militärische Raumschiffe unterhielten, war es kaum verwunderlich, dass ein beachtlicher Teil der Stadtbevölkerung zum Militär gehörte. Was auch an deren Gesellschaft zu erkennen war.
    Es gab extra Bezirke, die hauptsächlich von Militärs oder militärisch Unterstützten bewohnt waren. Dort war alles strikt geregelt, jeder hatte Aufgaben zu verrichten und Disziplin galt als Tugend.
    Freigeister, anarchistisch Denkende oder Obdachlose galten dort als Mythos und wurden, falls doch anzutreffen, sofort beseitigt.
    Ein Schicksal, das Mana aktuell etwas Unbehagen bereitete. Wie würden die Bewohner zu ihrer Tat stehen? Zählte sie bereits jetzt auch zu jenen verhassten Leuten, die dem System bewusst oder unbewusst einen Keil eintrieben?


    Das Andockmanöver wurde eingeleitet, der Antrieb stetig gedrosselt und schließlich die großen Spangen am Rumpf eingerastet. Ein kurzes Ruckeln ging durchs Schiff und signalisierte zusammen mit der Ansage, dass die Landung gegluckt war. Da das Schiff senkrecht stand und somit die Besatzung nicht einfach hätte hinaus spazieren können, wurden sie gruppenweise von Bord teleportiert. Die Schwerverletzten hatten dabei Vorrang und wurden sofort von Ärzten in Empfang genommen. Hektisch angespannt beobachteten Mana und Sono alles von der Brücke aus, sie waren die letzten, die von Bord gehen würden.
    Kaum dass auch sie festen Boden unter den Füßen hatten, erhielt Mana eine Nachricht auf ihren Kommunikator, mit Signatur eines Fassali.
    Mit einer Hand ihren Crewmitgliedern salopp hinterher winkend, fingerte sie mit der anderen das handgroße, flache Gerät aus ihrer Seitentasche hervor. Optisch gesehen nur aus Verbundglas und eingearbeiteten mikroskopisch feinen Drähten bestehend, vereinte es unzählige Funktionen wie unter anderem Kommunikationsgeräte, Personalausweis und Geldkarte.
    Hekisch öffnete sie die auf dem rückwandig verspiegelten Display angezeigte Textzeile.
    Das Adelssiegel bedeutete Mana schon vorher, dass der Inhalt von wichtiger Natur sein musste.
    An ihrem verbitterten Gesichtsausdruck war zudem noch zu erkennen, dass die Nachricht ihr nicht sehr gefallen hat.
    Tief schnaufend blickte sie vom Kommunikator auf und zu Sono hin. „Puru scheint offenbar auch schon im Orbit zu sein. Ich soll unverzüglich zur Allwissenden kommen.“
    Sono senkte verlegen den Kopf und fragte vorsichtig: „Soll ich Euch noch ein Stück begleiten?“
    Es brachte sie spontan zum Überlegen, aber dennoch war ihre Abfuhr ihm nicht fremd. „Danke für das Angebot, aber ich denke, ich gehe lieber alleine hin.“
    „Verstehe ich vollkommen“, versuchte er mit neutraler Miene diese Situation erneut weniger peinlich erscheinen zu lassen.
    Aber was Mana dann erwiderte, ließ neue Hoffnung in ihm aufkeimen. „Könntet Ihr meinen Koffer mit zu Euch nehmen? Ich hole ihn mir dann später ab.“
    Eifriges Nicken seinerseits, dann griff er beherzt danach und schaute sie fordernd an. „Kontaktiert mich aber, wenn es vorbei ist. Dann komme ich Euch zumindest dort abholen.“
    Gerade wollte sie ihm darauf antworten, da deutete er ihr schon mit der Hand das Schweigen an und entgegnete weiter: „Nein, das lehnt Ihr bitte nicht ab!“
    Sie tat es mit einem Schulterzucken ab und steckte den Kommunikator wieder in die Seitentasche.
    Anschließend verabschiedeten sie sich mit dem speziestypischen Gruß und sie machte sich auf den Weg zum nahegelegenen Schnellzug, während Sono sich noch extra mit ihrem Reisekoffer abquälte. Eine nette Geste von ihm, die sie seiner Auffassung nach wieder zu wenig gewürdigt hatte.
    Unterwegs durch die neonfarben gekachelte Unterführung hielt sie noch kurz bei einem der Imbissstände und kaufte sich eine Portion gezuckerter Keifwürmer als Nervennahrung. Nicht sehr sättigend aber äußerst schmackhaft.


    Die Bahnen waren grundsätzlich immer überfüllt, da sie aber einen hohen Dienstgrad vorweisen konnte, war es ihr Recht, diesen auch zu nutzen, um sich einen Sitzplatz zu verschaffen. Normalerweise machte sie dies nicht, aber sie empfand die aktuellen Umstände als Grund genug, so dreist sein zu dürfen.
    Sich zwei kleine Glasperlen in die Gehöröffnungen steckend, die als Lautsprecher fungierten, spielte sie anschließend auf ihrem gläsernen Gerät beruhigende Musik ab und versuchte somit die letzten Minuten ruhige Fahrt noch mehr zu genießen. Dabei ließ sie ihre Gedanken beim Blick auf die beeindruckende Großstadtkulisse dahingleiten.
    All die vielen Leute mit all ihrer Hektik. Keiner dreht sich nach einem um, niemanden schien das Leben anderer zu intressieren. In der Masse wirkten sie wie Maschinen, kalt und steif. Gelenkt vom Alltagsstress, die Sinne durch Medienflut betäubt.
    Zerstreut suchte Manas Auge nach den kleinen versteckten Plätzen, die ihre Sehnsüchte nach Frieden und Liebe befriedigen sollten. Etwas, das man nicht mit Geld kaufen konnte. Ein kostbares Geschenk, das man immer ergreifen sollte, wenn es einem angeboten wird.
    Ihr Blick verlor sich an einem der schwarzen Obelisken, die überall in der Stadt auf großen Plätzen und vor wichtigen Gebäuden aufgestellt waren. Bis zu fünf Meter groß waren sie und aus purem Obsidian angefertigt. Doch dienten sie neben der schmückenden Funktion noch einem wichtigeren Zweck, den nur Wenige kannten. Denn es waren Scanner-Anlagen, um großfläching die Umgebung nach Hyru-Signaturen abzutasten. Seit dem Vorfall vor mehr als einem Jahrhundert, als einer dieser Roboter als Tashi getarnt einen Selbstmordanschlag auf eine Landeplattform augeführt hatte, fühlte sich die damalige Tashi'Ara in der Pflicht, härtere Kontrollmaßnahmen einzuführen.
    Anlässlich zu der Errichtung jener Monumente wurde ein eigenes Fest auf die Beine gestellt, das fortann jedes Jahr gefeiert wurde, nur, um ein Alibi zu schaffen.
    Eine Sache, die Mana wieder an Dere denken ließ.
    Sie konnte sich kaum noch erinnern, wann sie ihn das letzte Mal in natura gesehen hatte. Allein das Foto, das sie auf der Parade vor ein paar Jahren gemacht hatte, zeigte sie mit einigen anderen Offizieren und den Fassali zusammen. Heimlich hatte sie es so zurechtgeschnitten, dass es nur noch Dere zeigte. Von der Qualität ging dabei natürlich nichts verloren. Und in einsamen Momenten betrachtete sie es heimlich, um ihren Herzschmerz zu lindern.


    Pünktlich auf die Sekunde erreichte der Zug die Haltestation unmittelbar gegenüber ihres Ziels.
    Trotz der Tatsache, dass die Fassali der oberste Adel waren, lebten sie nicht in einer von der Außenwelt abgeschotteten Villa, sondern vielmehr in einem Spielhaus. Das Hauptgebäude war für jedermann jederzeit zugänglich. Auf vier Etagen waren ein Erholungs- und Freizeitbad, sowie ein Edel-Restaurant, ein Kasino und eine Diskothek untergebracht. Alles unter dem Zeichen der Fassali.
    Schon so mancher gut Betuchter hatte hier sein pralles Konto ausgedünnt und ging alleinig mit reicher Erkenntnis wieder raus, dass Geld einzig und allein die Fassali glücklich machte.


    Zu gern hätte Mana sich für einen schnellen Drink an eine der Bars gesetzt oder sich ein zwei Stündchen in der Sauna entspannt. Aber wenn die Allwissende nach einem verlangte, dann hatte dies Vorrang.
    Die Eingangshalle war nahezu überfüllt. Viele Besucher gingen hier ein und aus, flanierten größtenteils unbeeindruckt über den mit Pyrit gefliesten Boden und trugen teils den Straßendreck auf den dort ausgelegten großen Goldfaserteppich.
    Wie auch Mana es aus Unbedachtheit machte und sich wie durch ein Labyrinth an den Tashi vorbeischlängelte.
    Ihr Blick fiel dabei gelegentlich auf die in einer Schuppenstruktur rubinrot verputzte Decke. Aber auch die die weiß grundierten, komplett mit farbigen Glasperlen bedeckten Wände waren ein überaus befriedigender Hochgenuss für's Auge. Und die in regelmäßigen Abständen dort eingelassenen spiegelfeingeschliffenen Obsidiantafeln durchbrachen gekonnt diese knalligbunte Reizüberflutung, um etwaige Kopfschmerzen oder Krampfanfälle zu verhindern. Auch sie waren Scanner.


    Bei den beiden Türstehern, die einen guten Kopf größer als Mana waren und garantiert auch Kampfsport beherrschten, war sie richtig. Mana war nicht zum ersten Mal hier, aber hoffte immer, es sei ihr letztes Mal gewesen. Kurz warf sie nochmal einen Blick zurück, um sich zu vergewissern, dass auch wirklich niemand sie anschaute, bevor sie sich den beiden Kerlen zuwandte und ihr Halsbranntzeichen freilegte. Ohne weitere Worte wurde ihr Eingang gewehrt.
    Hinter der Tür war eine breite Steintreppe, die so lang war, dass deren unteres Ende kaum zu erkennen war. Das gedimmte Licht der Neonröhren, die zugleich als Geländer dienten, bot gerade genug Sicht auf die Stufen, um nicht zu stolpern.
    Mit jedem weiteren Schritt hinab keimten in ihr die Ängste mehr auf. Ängste, etwas Falsches vor der Obersten zu äußern oder zu hart bestraft zu werden. Die Enge, Einsamkeit und das leichte Widerhallen wirkte sich zusätzlich erdrückend auf ihr Gemüt aus und brachte sie immer mehr zur Schwelle des Umkehrens. Es brachte sie soweit, dass sie ihren Kommunikator hervorholen und das Foto von Dere betrachten musste. Er gab ihr wieder etwas Kraft, um den Weiterweg anzutreten.
    Auf geschätzt halber Strecke hörte sie dann eine verzerrte Stimmen vom Eingang her, die ihr vertraut vorkam. Als sie sich dann nach ihnen umdrehte, erkannte sie Kommandant Puru.
    Kaum setzte er einen Fuß auf die erste Stufe, drehte sie sich wieder um und beschleunigte nun ihr Schritttempo. Diesem Kerl wollte sie auf keinem Fall auf der Treppe gegenübertreten.
    Fix und fertig mit den Nerven kam sie unten an und atmete beim Beschreiten des dort befindlichen roten Veloursteppichs zum ersten Mal auf.

    Ich bin mir nicht sicher, mit welchen Waffen der dritte Weltkrieg ausgetragen wird, aber im vierten Weltkrieg werden sie mit Stöcken und Steinen kämpfen.


    -Albert Einstein-
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    Purpur
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    Mana

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  • Teil 7


    Weiter ging es zum Versammlungsraum, wo oft große Veranstaltungen wie Galabälle oder Dinner stattfanden. Links und rechts davon weitere Räumlichkeiten. Aber sie musste strikt geradeaus zum mehrere Meter großen Flügeltor aus Bleiglas, deren Bild ein abstraktes Portrait der Tashi’Ara darstellte. Hinter dem Tor befand sich der eigentliche Warteraum. Eine breite Röhre, die aus millimeterfeinen Glaskapillaren bestand. Die Flüssigkeit darin begann sich dann entsprechend der Wellenlängen der hypnotischen glasinstrumentalen Klänge farblich zu verändern.
    Der Boden war auch eine Besonderheit. Eine Glasplatte, in deren schmaler Zwischenraum sich Ferrofluid befand, das durch ein schwaches Magnetfeld angeregt faszinierende Wellenstrukturen bildete. Mittig angereihte spiegelglatt polierte Metallkugeln dienten als Sitzmöglichkeit.
    Der Raum verfehlte seinen Zweck nicht. Ein zu langes Aufhalten führte zu Orientierungslosigkeit und mentaler Verzweiflung. Auge und Gehör wurden von diffusen Reizen überschwemmt und auf die Probe gestellt.
    All das sollte die mentale Überlegenheit der Tashi’Ara gegenüber den ihr vorgeführten willensschwachen Minderwesen widerspiegeln.
    Was zu Manas Leidwesen ihr genau so passierte. Zuvor schon von der auslaugenden Reise geschwächt und übermüdet war sie nun noch gezwungen hier auf den Kommandanten zu warten, bevor sie sich erneut das leidige Gespräch mit ihrer Herrin antun konnte. Unweigerlich musste die junge Tashi zugeben, dass selbst eine normale Unterhaltung mit der Obersten einen faden Beigeschmack hinterließ. Es war wie ein ungewolltes Geschenk, das man sich nicht zu öffnen traute.


    Mit zittrigen Knien nahm sie auf einer der Kugeln Platz, schloss das Auge und legte sich die Hände in den Nacken. Mit großer Anstrengung versuchte sie das Geschehen um sich herum auszublenden und nur auf das zu fokussieren, was vor ihr liegen würde.
    Gedämpft nahm sie die Schritte wahr, die durch den Ballsaal stapften. Puru!
    Sie wusste selbst nicht mehr genau, ob ihre seit dem Vorfall plötzlich aufgetretene Abneigung gegen ihn überhaupt berechtigt war. Bisher standen sie nie so im Clinch, dass sie sich komplett uneins waren. Aber Mana fand sein dort gezeigtes Verhalten einfach irrational. Und der Grund dafür war ihr schon wichtig. War da vielleicht doch etwas dran, was ihr der Offizier gesagt hatte? Wurde der Kommandant von der Allwissenden erpresst? Ging es Mana überhaupt etwas an?


    Für sie doch nur Zeitverschwendung. So sehr sie sich auch anstrengte, eine Mitleidsträne konnte sie für Puru nicht aufbringen.
    Sie erhob sich, rückte ihre Fliegerbrille zurecht und wartete mit festem Stand und aufgeplusterter Brust auf ihren unfreiwilligen Rivalen. Er trat gewohnt überselbstbewusst ein und blieb dann stehen, als er sie sah. Beide standen sich gegenüber, die Hände hinter den Rücken verschränkt, im Blickduell und mit grimmiger Miene. So blieb das eine ganze Weile, geschätzt zehn Minuten, bis ihnen die Tür von einer Bediensteten geöffnet wurde.
    Seite an Seite folgten sie dann der Dienerin Namens Tefe durch den, wie schon von den anderen Räumen bekannt, überproportional großen Thronsaal. Über mehrere hundert Meter erstreckte er sich, der Boden war im graugetönten Schuppenmuster gefliest. An der durch massive Marmorsäulen gestützten Decke war ein gigantisches aus Glasperlen gefertigtes Mosaik angebracht, das eine Galaxie darstellte. Zum Großteil in Schwarz, Blau und Weiß.


    Die Säulensockel waren verbreitert und zu Sitzflächen gestaltet.
    Im Saal verteilt freistehende Glasfronten, welche von Wasser übergossen wurden und durch die kleinen Verwirbelungen mittels Rotlicht rhythmische Farbenspiele darstellten.
    Ringsum in den Wänden waren breite mit Flüssigkeit gefüllte Kanäle eingelassen, in denen sich jeweils eine Tentakel befand. Zwei in Bodennähe und zwei in Deckenhöhe. Der fünfte Strang verlief in engen Bögen an der hinteren Wand, hinter dem Thron. Von Luftblasen umspült und in farbiges Licht getaucht bildeten sie eindeutig einen beeindruckenden Blickfang, der einzig von der Tashi’Ara selbst übertroffen werden konnte. Doch waren diese mehrere hundert Meter langen Hinterkopfauswüchse nicht am Stück, sondern waren nur mit Adaptern versehene Tentakel, die zu langen Ketten zusammengefügt wurden. Mit jeder neuen Generation der Allwissenden wurden diese beeindruckenden Kunstwerke um die Tentakel der verstorbenen Vorgängerin erweitert. Deshalb wurde die oberste Throninhaberin als allwissend bezeichnet, weil sie auf alles Wissen ihrer Vorgängerinnen zugreifen konnte.


    Das Antlitz der Tashi’Ara war so beeindruckend schön, dass es sogar andere Rassen mühelos bezaubern konnte. Ihre Haut war deutlich dunkler, kohlefarben, wodurch der Kontrast zu den mit purem Gold bestrichenen Lippen und Wangenknochen noch mehr verstärkt wurde. Der kahle Kopf war über und über mit schmückenden Brandzeichen verziert, welche die Geburtsnamen aller Vorgängerinnen abbildeten.
    Sie trug einen hautengen rubinroten Anzug, der mit tausenden bunten Kristallschuppen bestückt war. Eine breite goldene Halsmanschette und goldene feinmaschige Netzsamthandschuhe sowie ein filigranes Gürtelgeschmeide aus hauchdünnen Goldketten gefertigt kreierten dabei einen hart abgegrenzten Übergang.


    Die Beine waren leicht übereinander geschlagen und die Unterarme auf den Lehnen bis zur Hälfte abgelegt, ihre Hände dabei schlaff hängend. Mit leichten Pendelbewegungen ließ sie die lose über das linke Handgelenk baumelnde Glaskette schwingen und verfolgte wie in Trance mit dem Auge die unten angebrachte kirschgroße Murmel. Dass diese aus dem seltensten Metall Unam bestand, war nicht außer acht zu lassen. Eines der letzten Schmuckstücke aus der Vorkriegszeit, dessen Wert nicht mit Geld aufzuwiegen war.


    Links und rechts neben dem Thron war jeweils eine Sitzschale für die beiden Bediensteten, ihresgleichen abgesehen von den violetten Standarddressen noch in mit goldfarbenen Fransen und Kordeln überhäufte Netztkleider eingehüllt. Auch sie spielte aktuell mit einer Kette umher und wirkte gleichsam gelangweilt davon. Ihr Name war Jeje.
    Die Aufgabe der Dienerinnen war es unter anderem, der Tashi’Ara alle Wünsche von den Lippen abzulesen und die Gäste zu empfangen.
    Um überhaupt als direkte Untertanin arbeiten zu dürfen, mussten sie sich ihre Tentakeln entfernen lassen. Dies war mit Abstand die schwerste Bürde, denn dadurch galten sie als allgemein hässlich. Allein durch ihre extravaganten Kleider sollten sie einen Resthauch an Schönheit behalten.


    Als sich Mana und Puru diesen drei Damen näherten, sah die Mutter kurz auf und drehte ihren Kopf zur Seite. Jene angesprochene Bedienstete erhob sich beschwingt, strich sich sanft die abstehenden Fransen glatt und stellte sich neben den Hinterkopf der Tashi’Ara, um die Adapter auf ihren Halt zu überprüfen.
    An dem leicht verkrampften Gesichtsausdruck der Majestät war zu erkennen, dass sie dabei nicht zimperlich umging. Einer der Schmerzen, den die Allwissende mehrmals am Tag ertragen musste.
    Schwerfällig war Manas Gang, geprägt von Demut und Zweifel. Bei der obersten aller Tashi vorgeladen zu sein bedeutete nur selten etwas Gutes.
    Puru dagegen schritt selbstbestimmt und überzeugt voran. Er fühlte keine Schwäche, er war von sich überzeugt.
    Mürrisch musterte sie beide, wie sie ungleicher nicht sein konnten und dennoch wegen ein- und derselben Sache bei ihr vorgeladen waren.
    Ein tiefes Glucksen entwich ihrer Kehle, gefolgt vom angespannten Fletschen ihrer kleinen spitzen Zähne.
    „Ich bin keinesfalls erfreut über euren Disput!“ Ihre gepresste Stimme, entweichender Luft aus einem Überdruckventil gleich, klang so zornerfüllt, dass jedes Wort einem Fluch gleichkam.
    „Von Euch habe ich mehr Disziplin erwartet!“, brachte sie der zitternden Mana entgegen und wandte sich dann Puru zu. „Und von Euch mehr Autorität!“
    Er verzog keine Miene und starrte unbeirrt neutral geradeaus.
    Mit geballten Fäusten auf die Lehnen schlagend sprach sie wütend weiter. „Wir können es uns nicht leisten, uns von Disharmonien beeinflussen zu lassen! Das ist noch nie gut für uns ausgegangen!“
    Dann versank sie kurz aber intensiv in Gedanken, bevor sie begann, mitunter Dinge auszusprechen, die aus vergangenen Generationen stammten, aber stets Bestand hatten. „Es gibt Spezies jenseits unserer Grenzen, die Allianzen gebildet haben. Und wir schaffen es nicht einmal, unter uns einig zu sein! Die Hyru sind hier nicht heimisch. Sie sind Eindringlinge. Wir waren lange vor ihnen hier, WIR haben das Vorrecht auf die Ressourcen! Und somit haben wir auch das Recht, mit allen Mitteln gegen diese Invasoren vorzugehen! Ihr seid beide fähige Führungskräfte und ich war bisher immer zufrieden mit euch. Aber offenbar habt Ihr, Mana, komplett andere Ansichten, was taktisches Denken angeht. Nicht nur anders als Puru, sondern anders als der Großteil unserer Armee.“
    „Meine Tat war nicht falsch“, protestierte Mana respektvoll.
    Die Oberste wollte gerade drauf eingehen, hatte die Lippen bereits zum Wort angesetzt, da mischte sich bereits Puru ein. „Nicht falsch?! Ihr habt als Einzige den Befehl Eures Vorgesetzten missachtet! Meinen Befehl!“
    „Weil Euer Befehl unüberlegt war!“, konterte Mana nun im härteren Ton und legte sich bereits die erste Tentakel aggressiv über die Schulter. „Ich schicke meine Männer nicht in den sicheren Tod, nur um mein Ego aufzuwerten!“
    „Ich bin noch nicht fertig gewesen ...“, streute die Tashi'Ara flüchtig ein. Aber Puru hatte noch nicht mal richtig angefangen!
    Provokant legte auch er sich nun die erste Tentakel über die Schulter. „Manchmal ist es besser, nichts zu sagen, meine Liebe...“
    „Dann sagt nichts!“, keifte sie zähnefletschend. „Ich habe viele Tashi vor dem Tod bewahrt...“
    „Ihr habt dem Feind geholfen, fliehen zu können!“
    Mit breitem Grinsen und weit aufgerissenen Augen starrten die Dienerinnen Mana an. „Uh! Eine Hyru-Sympathisantin.“
    „Das sind fiese Unterstellungen!“
    „Oder unerwünschte Tatsachen?“, stichelten sie weiter.
    „Schweigt endlich!“, kreischte die Oberste mit gespieenem Speichel und machte ihre Dienerinnen mit einer strengen Handgeste mundtot. „Mana hat vollkommen recht! Solche Unterstellungen dulde ich nicht!“
    Und um ihre Autorität wieder mehr zu festigen befahl sie Jeje, der Gehässigeren von beiden, zur Strafe den Atem so lange anzuhalten, bis sie ohnmächtig werde.
    Und dass sie es dann auch wirklich machte und nur mit einem entnervten Stöhnen abtat, warf die Frage in den Raum, was wohl eine alternative Strafe gewesen wäre.


    „Eure Tat war sehr mutig!“, lobte sie Mana anfänglich, bevor sie wieder etwas ernster wurde. „Aber gleichsam war es ein Akt wider den Befehl Eures Vorgesetzten und äußerst riskant dazu.“
    Mit gegen Puru erhobener Hand hinderte sie ihn daran, ein gehässiges Schmunzeln aufzusetzen, bevor sie mit der Urteilsverkündung fortfuhr. „Dennoch bin ich gewillt, eine milde Strafe zu verhängen. Ich stelle Eure Besatzung drei Monate außer Dienst und veranlasse zusätzlich für diese Zeit eine Versetzung von Euch und Eurem ersten Offizier zu den Wartungsdocks...“
    „Bei allem Respekt, Allwissende“, legte Puru Veto ein, „aber ich finde, dass Sonos Dienst unter meinem Kommando für diese Zeit eine angemessenere Strafe für Mana wäre!“
    Gekränkt in ihrer Persönlichkeit setzte sie wieder ihr finsteres Grimmen auf und verdrehte mit großen Kreisbewegungen ihr Auge.
    „Das sehe ich anders, mein werter Kommandant“, summte sie gehässig. „Militärische Vergehen müssen auch militärisch bestraft werden und nicht zivil. Sono und Mana sollen die Zeit miteinander verbringen...“
    Und es war soweit, Jeje wurde bewusstlos und sackte in der Sitzschale in sich zusammen. Dann kippte sie langsam nach von über und landete unsanft auf dem Boden. Alle Augen fixierten sich auf sie und für einige Momente herrschte peinliche Stille.
    Bis die gepresste Stimme das Schweigen durchbrach: „Geht jetzt wieder.“
    Die Kapitänin schaute verwundert, sie hatte irgendwie noch mehr erwartet. Ob Bestrafung oder Monolog wusste sie selbst jedoch nicht.
    „Ihr sollt mir aus dem Auge gehen!“, wiederholte die Allwissende ihre Aussage und machte eine scheuchende Handbewegung. „Mir ist kein anderes Anliegen bekannt, dass Eure weitere Anwesenheit rechtfertigen würde.“
    Dies vernommen machte die Bestrafte kehrt und ging erhobenem Hauptes aber mit verletztem Stolz Richtung Tür. Kommandant Puru schaute ihr dabei aus dem Augenwinkel, wenn auch stark verschwommen wahrgenommen, nach und verzog leicht den Mundwinkel zu einem schadenfrohen Lächeln.
    Fast hatte Mana die Tür erreicht, da rief die Thronfrau: „Und vergesst nicht Sono zu informieren, dass er Euch abholen kann.“
    Peinliche Situation, die ihr gerne erspart geblieben wäre. Aber trotzdem bewirkte es, dass sich Mana sichtlich fragte, wie die Allwissende davon erfahren haben konnte. War deren Beziehung zueinander so offensichtlich, aber sie selbst war zu verblendet, um es mitzukriegen?
    „Zerbrecht Euch darüber nicht den Kopf“, vernahm sie dann die markante Stimme der Tashi'Ara. „Ich weiß es einfach.“

    Ich bin mir nicht sicher, mit welchen Waffen der dritte Weltkrieg ausgetragen wird, aber im vierten Weltkrieg werden sie mit Stöcken und Steinen kämpfen.


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  • Mir gefallen die Beschreibungen der Obersten sehr. Die Tashi'Ara scheint neben der üblichen Langeweile - Dienerin soll die Luft anhalten - doch ziemlich freundlich zu sein. Und Puru kann sich da glaube ich auch beschweren, wie er will. Ich finde die Strafe mehr als ausreichend. Immerhin hat Mana nicht böswillig gehandelt und das scheint die Oberste auch erkannt zu haben. Sind wir ehrlich: Der Feind war ihnen doch durchaus überlegen und es handelte nicht gegen ihre Art, ihre Art zu retten :D
    Die beiden Teile waren auf jeden Fall sehr bildlich beschrieben und vorstellen konnte ich mir zu weiteren Teilen auch etwas. Alles andere hatte ich dir schon gesagt, und/oder wurde bereits verbessert :)


    Jetzt bin ich mal gespannt, was als nächstes passiert. Ich tue mich noch etwas schwer, den roten Faden zu finden. Aber wir sind ja auch noch nicht sonderlich weit mit der Geschichte. Von daher, alles Gut. ^^


    LG, Kyelia



    Wenn es ein Buch gibt, das du wirklich lesen willst, aber das noch nicht geschrieben wurde, dann musst du es selbst schreiben.
    - Toni Morrison -