Chaotische Kurzgeschichten

  • Hallo zusammen,
    In diesem Thread werde ich alles an Kurzgeschichten sammeln, was ich so verzapfe und nicht mit einem der großen Projekte zusammenhängt :D
    Beispielsweise auch die Geschichten, die am Schreibwettbewerb teilgenommen haben :D
    Man will ja auch Feedback, warum man 0 Stimmen hat xD


    Kritik ist wie immer erwünscht :)


    Viel Spaß und LG
    Chaos


  • Donner grollte vor dem Fenster, während der Blitz die menschenleere Straße vor dem Krankenhaus erleuchtete. Die dicken Regentropfen, welche unbeirrt auf die Scheibe einprasselten und die nächtliche Metropole in eine nasse Geisterstadt verwandelten, unterstrichen nur Adams schlechte Laune. Er sollte eigentlich längst nicht mehr hier sein, aber er hatte sich geweigert zu gehen, als die Schwestern ihn nach Hause schicken wollten. Nun saß er in dem Besuchersessel des dunklen Patientenzimmers der Intensivstation und beobachte Sarah, die noch immer bewusstlos im Bett lag. Nur das regelmäßige Piepen ihres Herzmonitors und das keuchende Geräusch des Beatmungsgerätes verriet ihm, dass sie noch lebte. Gerade so.
    Die Ärzte hatten gemeint, es sei knapp gewesen. Hätte das Messer sie nur wenige Zentimeter weiter getroffen, hätte sie es vermutlich nicht einmal mehr in den Rettungswagen geschafft.
    In den zweiunddreißig Jahren seines Lebens hatte sich Adam noch nie so hilflos gefühlt, wie in diesem Moment. Müde hielt er sich den noch immer schmerzenden Kopf und überlegte, wie es soweit hatte kommen können. Eine kleine Streiterei zwischen zwei Fremden am Bahnhof, nichts Ernstes. Irgendwie war die Situation dann eskaliert und er hatte sich inmitten einer Schlägerei wiedergefunden. Er war ahnungslos, warum der Kerl mit der braunen Lederjacke sein Messer zweimal im Bauch seiner Freundin versenkt hatte. Alles was er wusste war, dass der Typ die nächsten acht Wochen mit einem Strohhalm essen würde und Sarah nun um ihr Leben kämpfte.
    Die Operation war gut verlaufen, aber sie war noch nicht über den Berg. Es konnte noch so vieles schiefgehen …
    Ein dumpfer Schmerz bohrte sich seitdem durch Adams Schädel und quälte ihn zusätzlich zu der Ungewissheit über die Zukunft der jungen Frau. Vielleicht hätte er die Schmerzmittel doch nicht ablehnen sollen, aber er war zu sehr mit der Sorge um Sarah beschäftigt gewesen, als dass er an sich selbst hätte denken können.
    Er warf einen kurzen Blick auf seine Armbanduhr.
    Kurz vor Mitternacht.
    Er wollte nicht schlafen, er wollte wachbleiben und auf sie aufpassen. Er wollte bei Sinnen sein, falls etwas schiefging und er Hilfe holen musste. Er wollte wenigstens jetzt für sie da sein, wenn er es am Bahnhof schon nicht gewesen war. Obwohl Adam sich nach Kräften mühte, die Augen offen zu halten, spürte er, wie die eintönigen Geräusche der medizinischen Geräte ihn langsam ins Reich der Träume beförderten.


    Ein Klopfen an der Tür ließ ihn hochschrecken. Noch immer war es dunkel draußen und flüchtig wanderten seine Augen über das Ziffernblatt.
    „Halb vier Uhr morgens?“, murmelte er schlaftrunken. „Wer stört denn um diese Zeit?“
    Eigentlich konnte es sich nur um die Nachtschwester handeln, aber warum sollte diese anklopfen und eventuell einen Patienten wecken.
    Er fühlte sich nicht wirklich ausgeruht, aber wenigstens hatte der kurze Schlaf seine Kopfschmerzen vertrieben. Sarah hingegen lag noch immer reglos in ihrem Bett.
    Noch einmal verlangte jemand danach, hereingebeten zu werden, dieses Mal deutlich bestimmter.
    „Ja?“, raunte Adam und räusperte sich dann, da seine Stimme beinahe versagte.
    Quälend langsam öffnete sich die Tür zum beleuchteten Gang und eine dunkle Figur trat ein. Nur die Umrisse eines langen Mantels und breitkrempigen Hutes waren vor dem hellen Hintergrund zu erkennen.
    Der Raum versank wieder in Dunkelheit, als die Tür leise hinter dem Besucher zufiel. Ein Blitz erhellte den Raum und offenbarte für einen Augenblick das unbekannte Gesicht des Fremden. Vom Geräusch des rollenden Donners begleitet erhob sich Adam hastig von seinem Sessel.
    „Wer sind Sie?“, fragte er leise, aber energisch. „Was wollen Sie hier?“
    „Begrüßt du jeden Gast so unfreundlich?“, entgegnete der Mann amüsiert und betätigte den Lichtschalter.
    Adam sah über die Tatsache hinweg, dass er geduzt wurde und beschwerte sich bemüht ruhig, was das sollte.
    „Sie wird noch aufwachen!“, meinte er und deutete auf Sarah.
    „Würde es dich stören, wenn sie aufwacht?“, forderte ihn der Fremde heraus und nahm seinen Hut ab.
    Mit zusammengebissenen Zähnen richtete Adam seinen Blick auf den Boden. Nichts wünschte er sich mehr, als dass sie wieder aufwachte, wieder lachte und wieder mit ihm am Leben teilhaben konnte. Niemand wusste, ob sie morgen erwachen, ob sie je wieder ganz gesund werden würde. Sacht schüttelte er den Kopf und sah sein Gegenüber dann wieder an.
    Zufrieden grinsend warf der Besucher den Hut auf den kleinen Tisch und fuhr sich durch die langen schwarzen Haare.
    Noch immer war unklar, wer der Mann war, oder was er dort in Sarahs Krankenzimmer wollte, weshalb Adam seine Frage wiederholte.
    „Wer sind Sie?“
    Der Besucher musterte ihn eindringlich.
    „Was glaubst du denn, wer ich bin?“
    „Woher soll ich das wissen?“, maulte Adam und zuckte mit den Schultern. „Jetzt sagen Sie mir endlich wer Sie sind, oder ich rufe die Schwester!“
    Um seine Drohung zu unterstützen machte er einen Schritt auf Sarahs Bett zu und legte den Finger auf den Schalter, der die Pfleger alarmierte.
    „Das geht leider nicht“, meinte der Fremde mit ruhiger Stimme, woraufhin der junge Mann genervt schnaubte und versuchte den Knopf zu betätigen.
    Nichts tat sich. Keinen Millimeter konnte er den Schalter hinunter drücken.
    „Verdammt nochmal!“, fluchte er. „Dieses Drecksding klemmt!“
    „Nun beruhige dich, du weckst sie noch auf!“, mahnte der Besucher amüsiert.
    Wütend sah Adam ihn an.
    „Wer. Sind. Sie?“, fauchte er zum dritten Mal und war bemüht, sich zurückzuhalten.
    Langsam und bedächtig kam der Mann zu ihm herüber und stellte sich neben ihn an das Bett der jungen Frau. Irgendetwas sagte ihm, dass er es zulassen sollte.
    „Charon“, hauchte der ungebetene Gast. „Thanatos. Anubis. Osiris. Mors.“
    Verständnislos sah Adam zu dem Fremden auf, der deutlich größer war, als er zunächst geschätzt hatte.
    „Was?“, hakte er vorsichtig nach. „Warum zählen Sie antike Götter auf?“
    Was stimmt denn mit dem Kerl nicht?
    Das dunkle Haar hing dem unheimlichen Mann ins Gesicht, als er zu Sarahs Freund hinunterblickte.
    „Weil das die Namen sind, die man mir gab.“
    „Ihnen … gegeben hat?“
    Nur ein Nicken bekam er als Antwort.
    „Ich verstehe nicht, worauf Sie hinauswollen“, gab er zu und richtete seinen Blick wieder auf die bewusstlose Frau vor sich. „Wer hat Ihnen diese Namen gegeben?“
    „Die Menschen jener Zeit.“
    Schweigend wartete Adam auf eine weitere Erklärung, welche nach einem Moment der Stille auch folgte.
    „Einige Jahrhunderte später nannten sie mich dann den ‚Schnitter‘ oder ‚Gevatter Tod‘.“
    Wieder breitete sich eine angespannte Ruhe im Raum aus, welche lediglich von den Geräuschen der medizinischen Geräte und gelegentlichem Donnergrollen unterbrochen wurde.
    Hatte dieser Mann gerade behauptet, er sei der Tod?
    „Das ist nicht witzig“, raunte Adam leise und nahm Sarahs Finger in die seinen.
    Er verstand nicht, wie jemand im Krankenhaus am Bett einer schwer verletzten jungen Frau so etwas sagen konnte.
    „Das war kein Witz“, antwortete der Besucher und legte seine Hand auf die des Paares.
    Die knöchernen Fingerglieder fühlten sich kalt und hart auf Adams Haut an, sodass er seinen Arm erschrocken zurückzog und dem Fremden mit klopfendem Herzen ins Gesicht sah. Leere Augenhöhlen, leer von jeglicher Wärme oder Leben dominierten den Totenschädel, der nun von den dunklen Haaren des Mannes umrahmt wurden. Nur einen Augenblick später war das Gesicht wieder wie zuvor, aber Adam starrte den Tod noch immer entsetzt an.
    „W-Was … aber, warum …“, fing er an, unterbrach sich aber sofort wieder als ihm das beständige Piepen von Sarahs Herzmonitors auffiel.
    „Nein! Sie können sie nicht haben!“, beharrte er und schüttelte vehement den Kopf. „Sie ist noch so jung! Das hat sie nicht verdient!“
    Wortlos verschränkte der Seelensammler die Arme vor der Brust und schüttelte mitleidig den Kopf.
    „Bitte! Warum soll sie sterben und der Idiot, der ihr das angetan hat, darf weiterleben?“
    Weiterhin schwieg der dunkle Besucher und Adam spürte, wie ihm die Tränen in die Augen stiegen.
    „Nein, bitte …“, hauchte er. „Sie darf nicht sterben! Sie ist …“
    „Sie wird gesund“, wurde er unterbrochen.
    „W-was?“
    Erleichterung machte sich in seiner Brust breit, als er die Aussage des Todes vernahm. Gleichzeitig jedoch drängte sich ihm die Frage auf, warum dieser dann dort im Krankenzimmer stand.
    „Ich bin nicht wegen Sarah hier, Adam“, beantwortete der Besucher die unausgesprochenen Worte. „Warum glaubst du, rede ich mit dir?“
    Überrascht riss der junge Mann die Augen auf.
    „S-Sie meinen …“, stammelte er und versuchte einen Weg zu finden, die Äußerung in einer positiven Weise zu interpretieren. Es gelang ihm nicht.
    „Ja, Adam. Ich bin wegen dir hier.“
    Die Erkenntnis, dass er sterben würde traf ihn wie der Schlag vor wenigen Stunden. Nur diesmal befielen ihn keine Kopfschmerzen, kein Schwindel und keine Übelkeit.
    „Wann ist es soweit?“, fragte er gefasst. Seine eigene Ruhe überraschte ihn beinahe. Es war, als ob es nicht mehr wichtig war, ob er in der Welt verbleiben würde oder nicht.
    „Es ist bereits geschehen“, meinte der Tod und deutete auf den Sessel, in dem Adam zuvor geschlafen hatte.
    Dort saß er noch immer. Entspannt zurückgelehnt verriet nur das fehlende Heben und Senken des Brustkorbs, dass der junge Mann im Sessel nicht mehr am Leben war.
    Fragend sah Adam seinen Körper an, ehe er einen hilfesuchenden Blick zu dem Besucher warf.
    „Der Schlag hat dich schwerer verletzt als du vermutet hast“, eröffnete ihm der Tod. „Eine Blutung im Gehirn kann schlimme Folgen haben.“
    „Daher die Kopfschmerzen und die Übelkeit …“, erkannte Adam seinen Fehler. Tatsächlich hätte er sich untersuchen lassen sollen, für eine Sekunde an sich selbst denken. Aber das war nun egal. Ein kleines Lächeln breitete sich in seinem Gesicht aus, als er erkannte, dass wenigstens Sarah wieder gesund werden würde.
    „Werde ich sie wiedersehen?“, wollte er dann wissen und hoffte, die Antwort würde positiv ausfallen.
    Der Tod nickte lächelnd.
    „In dreiundfünfzig Jahren, vier Monaten und achtzehn Tagen.“
    „So lange …“, murmelte Adam und war sich nicht sicher, ob er darüber wirklich traurig war. Immerhin bedeutete es auch, dass Sarah noch ein langes Leben vor sich hatte.
    „Was ist das Leben eines Menschen gegen die Ewigkeit“, gab der Tod ihm zu bedenken, woraufhin der Verstorbene sacht nickte und sich ein Lächeln abrang.
    „Kann ich mich noch verabschieden?“
    Wortlos bestätigte ihn der dunkle Besucher, nahm seinen Hut wieder vom Tisch und stellte sich neben die Tür.
    Adam ging ein letztes Mal zu Sarah hinüber und nahm noch einmal ihre Hand. Er nahm sich etwas Zeit, seiner jungen Freundin alles zu sagen, was er ihr nicht mehr sagen können würde. Er erzählte, wie er sich die Zukunft mit ihr vorgestellt hatte und wie leid es ihm tat, sie nun alleine zu lassen.
    „Adam“, hörte er leise den Tod neben der Tür sagen. „Es wird Zeit.“
    Seufzend nickte der Angesprochene und ging langsam und mit einem wehmütigen Blick auf Sarah zur Tür.
    „Hat sie irgendetwas davon gehört, was ich ihr gesagt habe?“, fragte er unsicher.
    „In ihren Träumen“, war die beruhigende Antwort, was Adam erneut ein Lächeln abrang.
    Der Seelensammler erkannte wohl, dass der Verstorbene bereit war, seine letzte Reise anzutreten und öffnete die Tür. Ein grelles Licht blendete Adam, der einen tiefen Atemzug nahm und zögerlich durch die Tür trat. Das Piepen, das Sarahs Herzschlag darstellte wurde leiser und verstummte schließlich, während das Leuchten den Verstorbenen umfing und seinen Geist aus dem Leben trug.

  • Also einmal abgesehen davon, dass ich gebührend überrascht war, dass diese tiefsinnige Geschichte von dir stammt, hat sie einen wirklich wunderbaren Plottwist! Sowas Lob ich mir :hi1:
    Zu Anfang baust du auch gleich sehr schön die düstere Atmosphäre mit Regen, Nacht und Trostlosigkeit auf, sodass man gleich voll drin ist. Dafür schon mal einen Keks :cookie:

    Obwohl Adam sich nach Kräften mühte, die Augen offen zu halten, spürte er, wie die eintönigen Geräusche der medizinischen Geräte ihn langsam ins Reich der Träume beförderten.

    Das ist so eine Stelle, die entfaltet ihre wahre Wirkung eigentlich erst beim zweiten Lesen. Echt sehr gut gelungen und eigentlich sogar mein Lieblingspart.

    Der Raum versank wieder in Dunkelheit, als die Tür leise hinter dem Besucher zufiel. Ein Blitz erhellte den Raum und offenbarte für einen Augenblick das unbekannte Gesicht des Fremden.

    Ziemlich theatralisch inszeniert, aber passt hier gut zur restlichen Atmosphäre xD

    Nichts wünschte er sich mehr, als dass sie wieder aufwachte, wieder lachte und wieder mit ihm am Leben teilhaben konnte. Niemand wusste, ob sie morgen erwachen, ob sie je wieder ganz gesund werden würde.

    Zwei Mal "wachen" recht schnell aufeinander. Zwar in abgewandelter Form aber es sticht dennoch etwas hervor. Leider will mir gerade auch keine bessere Alternative einfallen :pardon:

    Keinen Millimeter konnte er den Schalter hinunter drücken.

    Ich würde vielleicht "Der Schalter ließ sich keinen Millimeter hinunter drücken" schreiben.

    Langsam und bedächtig kam der Mann zu ihm herüber und stellte sich neben ihn an das Bett der jungen Frau.

    Hier kann man wieder "Adam" benutzen. Zu viele Personalpronomen hinter einander sind auch nicht gut.

    Leere Augenhöhlen, leer von jeglicher Wärme oder Leben dominierten den Totenschädel, der nun von den dunklen Haaren des Mannes umrahmt wurden.

    "Dominieren" vermittelt hier ein etwas falsches Bild. Ich würde da den ganzen Satz etwas umstellen und dabei das "nun" komplett rausnehmen, sowie das "leer" ersetzen. Vorschlag: "Aus einem trostlosen Totenschädel, eingerahmt von den dunklen Haaren des Mannes starrten ihm zwei leere Augenhöhlen entgegen, bar jeglicher Wärme oder Leben."

    Erleichterung machte sich in seiner Brust breit, als er die Aussage des Todes vernahm.

    Das klingt irgendwie so formell und nach Gerichtsprozess :hmm: Wie wäre es mit "..., als er die Worte des Todes Vernahm."?

    "Vem har trampat mina svampar ner?!"

  • Für mich die beste Geschichte im Wettbewerb, @Chaos, obwohl sie nicht soooo perfekt zum Thema passte. Das ließ doch eher an ziemlich derbe Formulierungen (wie in Asnis Geschichte ^^ ) denken als an so ein berührendes Szenario, wie du es hast entstehen lassen.


    Trotzdem war sie mein Favorit, eben weil sie so berührend war. Das ist meine Lieblingsstelle:

    „Es ist bereits geschehen“, meinte der Tod

    Wenn der Tod nur immer so einfühlsam sein könnte. Obwohl - vielleicht ist er das ja? Keiner da, der uns darüber Auskunft geben kann...

    Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
    (Ricarda Huch)



    :cookie:


    ___________________

  • @Chaos Rising
    ;( da hast du wohl bei mir einen wunden Punkt getroffen...


    Die Vorstellung, das sie aufwachen wird und er nicht mehr da ist... ;(


    Ergreifendes Thema und tiefgründiger Inhalt... Toll!!

    „Spätestens wenn erneut ein solches Zeichen auftaucht, werden Fragen gestellt. Wir sollten in der Lage sein, sie zu beantworten.“
    - Meister Lukras -


    Meine Geschichte
    Die Kriegerin von Catrellak

  • Heilige Scheiße... Entschuldigung aber das ist gerade das einzige was mir dazu einfällt. Wie kann man nur so etwas tolles schreiben? Diese Geschichte ist etwas einzigartiges, faszinierendes, wundervolles und vor allem eins: etwas ganz besonderes. Ihr denkt euch jetzt bestimmt, dass ich übertreibe. Nein, das tue ich gar nicht. Für mich ist diese Geschichte wirklich etwas ganz wertvolles.
    Der Schreibstil, dieses düstere, traurige und spannende, ist etwas das ich wirklich abgöttisch liebe. Ich bewundere Leute, die so etwas unglaubliches schreiben können.
    Du hast mich in deinen Bann gezogen. Ernsthaft, ich konnte meinen Blick nicht abwenden. Ich wollte unbedingt wissen wie es ausgeht.


    Dieser Plottwist hat mir sowieso den Rest gegeben. Ich habe so gehofft, dass sie überlebt aber das hätte nicht zu dieser düsteren Atmosphäre gepasst und deshalb habe ich erwartet, das sie sterben wird und dann kommt dieser Plottwist. Genial. Ich habe mich in diese kurze Geschichte verliebt und hoffe wirklich, dass deine anderen auch so unfassbar gut sind. Wenn sie das sind, dann herzlichen Glückwunsch. Dann hast du jetzt ein Fangirl.


    @Chaos Rising danke für diese Geschichte!

    ___________________________________________________________________
    ~Life is too bitter, so coffee, at least, should be sweet.~

  • Boah Leute 0o
    Ich hab euch ja hier noch gar nicht geantwortet ... wtf ...
    *hust*
    Sorry :whistling:
    Schnell nachholen xD


    Erstmal natürlich: Danke euch allen für die Kommis :love: Es freut mich sehr, dass diese Geschichte so gut ankommt :)






    So, nachgeholt :D
    Dachte das wäre schon lange erledigt :rolleyes: *wird alt*


    LG Chaos

  • Hi @Chaos Rising


    Also um ehrlich zu sein, hätte ich nicht erwarte, dass du sowas schreibst xD aber ich sag es jetzt einfach mal. WOW. :love: Das war ja schön und gleichzeitig so verdammt traurig! Mann, warum tust du mir sowas an?! :panik:
    Dieser kurze Einblick war wirklich eine kleine emotionale Achterbahn mit einer schönen Botschaft. Sher berührendes Szenario.


    Lg


    Fly

  • Hey @97dragonfly


    Danke für dein Kommi :)


    Also um ehrlich zu sein, hätte ich nicht erwarte, dass du sowas schreibst xD

    Warum sagen das alle, die diese Geschichte lesen? :rofl: Was HAST du denn erwartet? :D


    Vielen Dank für die lieben Worte und das Lob :)
    Freut mich, dass dir die Geschichte gefällt, auch wenn ja eigentlich nicht viel passiert :D


    LG Chaos :)


    PS: Im Chat nicht wundern, wenn mal paar Minuten keiner was sagt, das is normal und heisst nit, dass wir niht mir dir reden wollen xD

  • Hi @Chaos Rising!


  • Keine ahnung...nicht das! xD hätte dich jetzt nicht für den sentimentalen Typen gehalten...darum

    Bin ich eigentlich auch nicht, aber in Geschichten is das ja manchmal was anderes xD


    @Celytha
    Auch dir Danke für dein Kommi :)
    Freut mich, dass es dir gefallen hat :) Der Twist war mir tatsächlich wichtig xD (und die Grundidee)
    Dass der Besucher der Tod sein wird, wird vermutlich recht schnell klar :D Aber ich wollte nach diesem "Scheintwist" halt nochmal ... twisten
    xD


    Danke für das Lob! :blush:


    LG Chaos

  • So, damit das hier auch tatsächlich mal ne Sammlung wird und nicht nur eine einzelne KG, hab ich im Urlaub endlich mal die zweite Idee umgesetzt xD
    Tatsächlich ist es eine Art ... Fortsetzung zu der ersten Geschichte in diesem Thread. Man muss die erste Geschichte aber nicht kennen, um es zu verstehen - aber falls man die erste lesen will, sollte man diese eventuell zuerst lesen, weil die Geschichte hier die erste etwas spoilern wird.


    Ansonsten lasse ich das erstmal so stehen :D
    Oh und natürlich Danke @Etiam fürs Probelesen :)



    Viel Spaß!



    Das Spiel mit dem Tod



    Es war vollkommen still, als Benjamin erwachte. Langsam öffnete er die Augen und blinzelte, um die ihn umgebende Dunkelheit zu vertreiben. Es gelang ihm nicht. Nach kurzer Zeit leuchtete ein kleines Licht durch die Finsternis und blendete ihn. Irgendetwas stimmte nicht. Er konnte nicht sagen, was es war, aber die unnatürliche Ruhe in dem Raum hatte etwas Friedliches. Zu friedlich für den Trubel der letzten Tage.
    „Hallo, Benjamin“, sagte eine tiefe, ruhige Stimme, woraufhin er den Kopf in Richtung der Quelle drehte.
    Er sah niemanden. Nur das Licht schien der Bewegung des Kopfes zu folgen und bohrte sich weiterhin in Benjamins Geist.
    „Wer ist da?“, fragte Ben unsicher.
    „Der Tod.“
    Die Worte des Fremden dröhnten in seinem Geist, erfüllten ihn und verdrängten alle anderen Gedanken.
    „W-Was?“, hakte der junge Mann nach. Hatte er richtig gehört? Der Tod?
    Eine Gestalt schälte sich aus der Dunkelheit. Der knöchellange Mantel zeichnete sich deutlich gegen die Helligkeit ab, genau wie die breite Krempe des Hutes. Langes schwarzes Haar fiel lose und in dünnen Strähnen über die Schultern des Fremden, der plötzlich selbst zu leuchten schien.
    „Es gab einen Unfall“, erklärte der Besucher. „Beim Start.“
    Ben erinnerte sich. Vor wenigen Augenblicken hatte er noch mit seinen fünf Kollegen im Cockpit des Spaceshuttles „Indomitable“ gesessen und hatte auf die Zündung der Triebwerke gewartet. Und nun … war er hier?
    „Wo bin ich?“, verlangte Benjamin verunsichert zu wissen und sah sich erneut in der Finsternis um.
    „In der Schattenwelt“, war die Antwort. „Am Übergang vom Leben zum Tod.“
    „Nein“, keuchte der Astronaut. Er war zu jung, um zu sterben. Er wollte nicht von der Welt verschwinden, ohne wenigstens einen Flug ins Weltall erlebt zu haben, ohne sich wenigstens für einen Moment im Ruhm eines Raumfahrers gesonnt zu haben.
    „Das ist nicht deine Entscheidung“, stellte der Tod mit ruhiger Stimme klar und lächelte ihn an. „Nun komm.“
    Der Seelensammler wies mit der Hand auf die Quelle des Lichts hinter sich, um ihm den Weg zu weisen.
    „Nein“, wiederholte Ben. „Nein, das geht nicht. Ich will nicht sterben!“
    Noch immer lächelte der ungewollte Besucher.
    „Du bist bereits gestorben, Benjamin. Du kannst nicht verhindern, was bereits geschehen ist.“
    „Aber du …“, begann der Verstorbene zu reden, unterbrach sich jedoch, als er sich bewusst wurde, dass er keine Ahnung hatte, wie man den Tod anzusprechen hatte. „… Sie können das bestimmt!“
    „Ich könnte es“, gab der dunkelhaarige Fremde zu.
    „Dann tun sie es!“
    Nun lachte der Besucher auf und schüttelte den Kopf.
    „Dein Tod war schnell und schmerzlos, Benjamin“, stellte der Seelensammler fest. „Was willst du denn mehr?“
    „Leben!“, rief Benjamin umgehend. „Ich will leben! Und wenigstens erleben, wofür ich so viel geopfert habe!“
    Immerhin hatte es ihn viel Zeit mit seiner Familie und letztlich auch die Ehe gekostet, Astronaut zu werden. Doch es war sein Traum und er hatte alles dafür getan, sich diesen zu erfüllen. Es war ein langer und harter Weg gewesen, aber er hatte es geschafft. Und nun das!
    „Was ist schon ein Leben gegen die Ewigkeit“, murmelte der düstere Besucher beinahe genervt.
    Frustriert stöhnte Benjamin auf und durchsuchte seinen Geist nach einer Möglichkeit. Plötzlich fiel ihm etwas ein.
    „Das … Leben als Tod muss doch furchtbar langweilig und eintönig sein“, stellte er in den Raum. „Ich meine … immer nur die Sterbenden begleiten?“
    Der Tod lachte.
    „Du würdest dich wundern, wie unterschiedlich diese Sterbenden sind.“
    Benjamin winkte ab.
    „Aber etwas Abwechslung schadet nicht!“
    Fragend blickte ihn der Seelensammler an. Deutlich war ein Ausdruck der Neugier in seinen dunklen Augen zu erkennen.
    „Was schlägst du vor?“
    „Ein Spiel!“, rief Benjamin freudig, als er das Interesse seines Gegenübers spürte. „Und der Gewinner … bestimmt, wie es mit mir weitergeht.“
    Erneut lachte der Tod und schüttelte den Kopf.
    „Ihr Menschen und eure Ideen.“ Er musterte Benjamin und kratzte sich nachdenklich am Kinn. „Wie du meinst.“
    Beinahe überrascht, dass der Besucher tatsächlich zugestimmt hatte, lachte Benjamin freudig auf. Er konnte kaum glauben, dass er eine Chance erhalten sollte, sein Leben zu retten.
    „Aber sei gewarnt, Benjamin Cromwell“, mahnte der Dunkle. „Ich verliere nie.“
    Der zum Sterben Verurteilte schluckte und meinte, er wolle es dennoch versuchen.
    „Ich brauche meine Karten“, forderte er den Tod auf, der sie unverzüglich aus der Tasche seines Mantels zog. Benjamins Herz klopfte wie verrückt, als er die gezinkten Karten entgegennahm. Er mischte sie und kontrollierte unauffällig, ob die subtilen Markierungen noch dort waren. Es kostete ihn seine ganze Willenskraft, nicht zu grinsen, als er erkannte, dass es tatsächlich seine Karten waren.
    Mehr als einmal hatte er Freunde und Bekannte beim Blackjack um etwas Geld erleichtert und nie hätte er gedacht, dass ihn dies einmal das Leben retten könnte.
    Er erkundigte sich, ob dem Tod das Spiel bekannt war, was dieser schmunzelnd verneinte. Knapp erklärte Benjamin die Regeln und den Wert der einzelnen Karten. Besonders hob er hervor, dass ein Ass als eine eins oder eine elf gelten würde – was immer günstiger für den Spieler war.
    „Wer näher an einundzwanzig kommt, gewinnt?“
    „Im einfachsten Fall, ja“, bestätigte Benjamin. „Und wer mehr hat, verliert.“
    „In Ordnung“, meinte der langhaarige Besucher und schnippte mit den Fingern, woraufhin ein Tisch zwischen den beiden Spielern erschien. „Dann los.“
    Etwas angespannt mischte Benjamin noch einmal und deckte die ersten Karten auf. Sich selbst eine Zehn und dem Tod eine Neun.
    „Noch eine“, forderte der Seelensammler. Offenbar hatte er bereits verstanden, dass er mit dieser Karte noch nicht verlieren konnte.
    Benjamin deckte wie gewünscht die nächste auf. Er wusste, dass es eine Neun sein würde, und ärgerte sich bereits, dass sein Gegenspieler bereits achtzehn Punkte hatte.
    „Achtzehn“, stellte dieser ebenso fest und nickte zufrieden. „Das genügt.“
    „In Ordnung“, meinte Benjamin mit einem Räuspern und deckte sich selbst eine Fünf auf.
    Fünfzehn. Er hatte keine Wahl, er musste noch eine Karte nehmen. Zu seinem Glück würde es nur eine Drei werden, was ihm dieselbe Punktzahl wie dem Tod einbrachte.
    „Ebenfalls achtzehn“, meinte der Tod amüsiert. „Man könnte meinen, du machst es absichtlich spannend.“
    Benjamin hatte die Wahl, erneut zu spielen und eine bessere Punktzahl für sein Gegenüber zu riskieren oder noch eine Karte zu nehmen und eventuell zu verlieren. Er traute sich kaum, die Rückseite der Karte anzusehen. Doch dann erkannte er sie. Die leicht eingerissene Ecke, der leichte Knick in der Mitte … beides für sich genommen unauffällig und bei mehreren Karten zu finden. Doch gemeinsam …
    Ein Ass!
    Dann hätte er neunzehn! Einen Punkt mehr als der Seelensammler und damit gewonnen!
    Mit zitternden Fingern griff er nach der Karte und hoffte, sich nicht geirrt zu haben. Erleichtert atmete er aus, als er erkannte, was er in der Hand hielt und warf das Herz-Ass auf seinen Stapel und starrte den Tod an.
    Einen unendlich langen Augenblick musterte dieser den Stapel Karten und grinste dann.
    „Du hast gewonnen!“
    „J-Ja“, stammelte Benjamin ungläubig und hoffte, der Langhaarige würde sich an die Abmachung halten.
    „Also?“, wollte dieser wissen und breitete die Arme aus, während der Tisch und die Karten wieder verschwanden. „Wie geht es nun weiter mit dir?“
    Der Astronaut schluckte ungläubig. Sollte er wirklich über sein Schicksal entscheiden dürfen?
    „I-Ich will nicht sterben“, stammelte er. „Ich will leben!“
    Wieder dauerte es einen endlos lange scheinenden Augenblick, bis der Tod antwortete.
    „So sei es“, sagte er dann und klatschte in die Hände, woraufhin er verschwand und Benjamin wieder im Dunkeln saß.
    Dann hörte er es. Das Piepen. Langsam und gleichmäßig deutete es seinen Herzschlag an und mit einem tiefen Atemzug riss er die Augen auf.
    Ärzte und Schwestern kamen herbeigeeilt, befreiten ihn von der Beatmungsmaschine, an der er nach dem Unfall für einige Wochen gehangen war – im Koma. Sie erklärten, es wäre ein Wunder, dass er noch am Leben war und dass er ohne schwere Verbrennungen davongekommen war. Benjamin nahm an, dass auch das an seinem Handel mit dem Tod lag. Seine Familie tauchte auf, weinend aber glücklich Sohn und Vater wiederzusehen. Selbst seine Exfrau Carol besuchte ihn und schien erleichtert, dass der gemeinsame Sohn nicht ohne ihn aufwachsen musste.
    „Verunglückter Astronaut betrügt den Tod“, titelten die Zeitungen und Benjamin fragte sich, ob sie wussten, wie recht sie hatten. Die Ärzte sollten recht behalten. Es dauerte beinahe Monate, bis er die Klinik verlassen durfte, doch das hielt ihn nicht auf. Kein halbes Jahr nach dem Unfall stand er erneut als Astronaut vor den Kameras. Die Leute feierten ihn als Helden, weil er trotz der Katastrophe, die immerhin fünf anderen das Leben gekostet hatte, mutig genug war, in die Rakete zu steigen – die Reparaturmission war natürlich weiterhin zu erledigen.
    Benjamin sagte nicht viel dazu. Ein wenig fühlte er sich schlecht, überlebt zu haben, während die anderen gestorben waren. Doch dann dachte er sich, dass diese genauso mit dem Tod hätten verhandeln können.
    Dann endlich war es soweit. Die Triebwerke starteten, er wurde in seinen Sitz der Raumfähre „Dark Horizon“ gepresst und diesmal gelang der Start. Entspannt sah er aus dem Fenster in die ewige Finsternis des Weltalls. Nur die Sterne waren zu sehen, bis schließlich das Ziel der Mission auftauchte. Das Hubble Weltraumteleskop. Er sollte es reparieren. Jahrelang hatte Benjamin für diesen Moment gekämpft, wochenlang trainiert, sich die Arbeitsschritte eingeprägt, mit den Werkzeugen vertraut gemacht.
    Der Astronaut nahm einen tiefen Atemzug, als er über Funk mitbekam, dass die Schleuse nach draußen geöffnet wurde. Kurz darauf schwebte er ins All hinaus und die unfassbare Stille und Leere verschafften ihm eine Gänsehaut.
    Er stieß sich von der Rakete ab und schwebte auf das Teleskop zu – nur gehalten von der Leine, die ihn mit dem Shuttle verband.
    „Ich sehe den Schaden“, verkündete er, als er das zertrümmerte Panel entdeckte. „Sieht schlimmer aus als erwartet.“
    Ihm war gesagt worden, dass es genügen würde, eine Platine zu tauschen, die von dem wenige Millimeter großen Stück Weltraumschrott getroffen worden war. Eigentlich eine einfache Reparatur, wenn man nicht gerade im All war.
    Doch es war weit mehr beschädigt, als die Platine, deren Ersatz er mit sich führte. Wie konnten sich die Eierköpfe nur so irren?!
    „Eigentlich brauche ich gar nicht weitermachen“, meinte er resigniert. „Das wird sowieso nic …“
    Ein gewaltiger Schlag gegen seinen Kopf riss ihn herum und brachte ihn ins Schleudern. Er drehte sich unkontrolliert, flog durch die Finsternis des Alls, Shuttle und Teleskop wie in einem Strudel vor sich sehend. Er schloss die Augen, um die aufkommende Übelkeit zu unterdrücken, und versuchte seinen Kollegen über Funk Bescheid zu sagen. Doch er brachte keinen Ton heraus. Bemüht, die Fassung zu wahren, wartete er darauf, dass das Kabel, dass ihn mit dem Shuttle verband, seine Reise ins Nichts unterbrach und fragte sich, was geschehen war.
    Ein kurzer Ruck verriet ihm, dass die Rettungsschnur gespannt war – und ein weiterer eröffnete ihm, dass sie versagt hatte.
    Panik stieg in ihm auf, als er erkannte, dass er rettungslos in die Weiten des Alls getrieben wurde. Was sollte er tun? Konnte er etwas tun? Nein, er musste sich darauf verlassen, dass seine Kollegen ihm helfen, ihn einsammeln würden. Sekunden vergingen … Minuten … Stunden … nichts geschah. Das Raumschiff wurde immer kleiner, bewegte nicht auf ihn zu. Warum versuchten sie nicht, ihn zu retten?
    „Das werden sie nicht, Benjamin“, dröhnte die altbekannte Stimme seines ungewollten Besuchers von vor wenigen Monaten in seinem Kopf. Der Tod war zurück. „Sie sind sich sicher, dass du tot bist.“
    War er das nicht? Er versuchte etwas zu sagen, doch es wollte nicht gelingen.
    „Niemand überlebt den Einschlag einer Schraubenmutter, die sich mit mehreren tausend Kilometern in der Sekunde durch das All und deinen Anzug bewegt“, erklärte ihm der Tod, was geschehen war.
    Plötzlich sah Benjamin den Mann in seinem langen Mantel vor sich, als wäre es das Normalste auf der Welt, im All herumzulaufen wie im Stadtpark. Ein selbstgefälliges Grinsen zeugte von der Überlegenheit des übernatürlichen Fremden.
    „Hast du dich nicht gewundert, warum du nicht sprechen kannst?“, wollte der Seelensammler wissen. „Das ist schwierig, ohne Luft. Dein Helm ist zerstört.“
    Fragend starrte Benjamin den Tod an. Er war also doch gestorben.
    „Aber ich will mal nicht so sein.“
    Der Besucher schnipste mit den Fingern, woraufhin Benjamin spürte, wie sich Luft um sein Gesicht sammelte.
    „Danke …“, krächzte der Astronaut resigniert. „Dann … gehen wir?“
    „Wohin?“, fragte der Tod unverwandt.
    „Das müssen Sie doch wissen? Wo auch immer sie die … Toten hinbringen?“
    Das folgende Lachen des Seelensammlers verriet ihm, dass irgendetwas nicht in Ordnung war.
    „Dachtest du wirklich, ich würde nicht merken, dass du mich betrügen wolltest?“, wollte der unpassend gekleidete Mann wissen. „Dass deine Karten gezinkt waren? Das reicht vielleicht, um deine Freunde und Bekannten zu narren.“
    „Es … es tut mir leid“, gab Benjamin kleinlaut zu. Er hätte es gleich wissen müssen. „Warum haben sie es dann zugelassen, wen sie es wussten?“
    „Weil du recht hattest“, meinte der Tod amüsiert. „Etwas Ablenkung schadet nicht.“
    „Ich habe es jetzt verstanden“, murrte der Astronaut.
    „Hast du das?“
    „Ja. Man kann seinen Tod nicht verhindern.“
    Wieder lachte der Seelensammler und schüttelte den Kopf.
    „Oh, du hast ihn verhindert“, meinte er grinsend. „Du hast gewonnen, schon vergessen?“
    „W-Was?“
    Übertrieben theatralisch zog der Tod eine Schriftrolle aus seinem Mantel und rollte sie ab.
    „I-Ich will nicht sterben. Ich will leben!“, stammelte er spöttisch die Worte, die Benjamin an ihn gerichtet hatte. „Erinnerst du dich? Ich halte mein Wort.“
    Erst dann, in diesem Augenblick wurde Benjamin klar, was das bedeutete. Was er angerichtet hatte.
    „I-Ich kann nicht sterben?“, keuchte er ängstlich. „Gar nicht?“
    „Oh, du kannst schon, wenn ich es zulasse“, antwortete der Tod grinsend. „Aber wie gesagt. Ich halte mein Wort. Und ich lasse mich ungern betrügen …“
    Voller Panik versuchte Benjamin, den Arm des Besuchers zu greifen, ihn festzuhalten, während dieser langsam verblasste.
    „Nein! Nein, das können sie nicht machen!“, schrie er. „Nehmen sie mich …“
    Die Luft, die der Tod ihm geschenkt hatte, war verschwunden und seine Worte erstarben in der Stille des Weltalls. Hastig versuchte er, den Arm des Todes zu packen, ihn festzuhalten. Nie hätte er gedacht, dass er sich nach ihm sehnen würde, ihn sich wünschen. Die Finger seines Handschuhs packten ungelenk den Stoff des Mantels. Eindringlich starrte Benjamin den blassen Mann an, der so seltsam fehl am Platz wirkte.
    Dieser schüttelte seufzend den Kopf und verblasste langsam.
    Benjamin bemühte sich weiterhin, den Mantel festzuhalten, seinen unwilligen Erlöser nicht loszulassen, doch mehr als ein stummer Schrei blieb ihm nicht, als der Tod gänzlich verschwunden war. Er hörte nichts mehr außer seinem unaufhörlichen Herzschlag, sah nichts mehr, außer der kleiner werdenden Erde, der Sonne und einigen Sternen am Himmel. Unaufhaltsam trieb er weiter durch die Leere, das Nichts, ohne Hoffnung dem jemals zu entkommen. Nur begleitet von seinem dem Hämmern seines Herzens, das spöttisch in seinem Kopf dröhnte und nie verstummen sollte.
    Ein letztes Mal hörte er die Stimme des Todes, die ihm noch etwas mit auf seine unendliche Reise gaben.
    „Ich sagte doch, ich verliere nie.“
    Inzwischen war Benjamin klar, was der Seelensammler damit hatte sagen wollen. Selbst, wenn der Sterbende das Spiel gewonnen hatte – der wahre Verlierer war Benjamin.

  • Hallo @Chaos Rising


    Ok, Fly mag!
    Ich liebe so düstere hinterhältige fiese Geschichten! Und die Idee mit dem Tod, der sich auf ein Spiel einlässt, endet nie gut für einen Sterblichen, denn man kann den Tod nicht besiegen, auch wenn so viele es schon versucht haben *hihi etwas möchtegern Klugheit von sich geben kann ich gut :rofl: *


    Ich fand den Seelensammeler einen wirklich coolen Charakter und der arme Astronaut ... er hat es zumindest versucht und der Tod hat ihn offensichtlich absichtlich gewinnen lassen :evil:


    „Aber du …“, begann der Verstorbene zu reden, unterbrach sich jedoch, als er sich bewusst wurde, dass er keine Ahnung hatte, wie man den Tod anzusprechen hatte. „… Sie können das bestimmt!“

    Den Teil finde ich richtig cool!

    „Dann tun Sie es!“

    Naja wenn der gute Benjamin ihn schon so hochwürig anspricht xD


    Liebe Grüsse
    Fly

  • Ich mag wie die Geschichte zum Ende hin leicht lovecraft-angehauchte Züge annimmt ^^ Der Horroraspekt gefällt mir. Damit habe ich am Anfang nicht gerechnet.


    Vor wenigen Augenblicken hatte er noch mit seinen fünf Kollegen im Cockpit des Spaceshuttles „Indomitable“ gesessen

    Oh the irony!


    Benjamins Herz klopfte wie verrückt, als er die gezinkten Karten entgegennahm.

    Das halte ich für keine gute Idee. "Tod heißt auch Gerechtigkeit", wie Saltatio Mortis schon besungen hat :hmm:


    „Dachtest du wirklich, ich würde nicht merken, dass du mich betrügen wolltest?“,

    „Aber wie gesagt. Ich halte mein Wort. Und ich lasse mich ungern betrügen …“

    Sag ich ja!


    Der Tod ist schon so ein pfiffiges Kerlchen, Bens Worte derart wörtlich zu nehmen und ihm daraus einen Strick zu drehen. Persönlich mag ich solche cleveren Figuren sehr gern, die ihre Intelligenz subtil ausspielen.
    Ich schwanke ja zwischen "selbst schuld", weil Ben sich allen erstes anmaßt, den Tod höchstpersönlich betrügen zu wollen, und ... naja Mitleid kann man schlecht sagen, wenn jemand den Rest der Ewigkeit im All herumschweben muss oO Das ist richtig scheiße <--- schamlose Untertreibung :rofl:

  • Lieber @Chaos Rising
    Sehr schön. Selbst das Leben kann ein Fluch sein. Der Tod ist ja krass drauf. Ich hoffe für Benjamin, dass der Tod noch ein einsehen hat.
    Eine unterhaltsame Geschichte mit schöner Pointe!


    Es ist das Eine, aus dem wir kommen und in das wir wieder eingehen. Vor dem Einen war nichts und danach wird nichts sein. Das Eine ist nichts, und indem das Eine nichts ist, wird das Eine offenbar.


    Meister Muoti von Aramea. Im Jahre 102 nach der Divergenz