Des Wanderers Nachtgedanken

  • Zeit


    Manchmal

    sitze ich hier und betrachte meine Photos;

    Bilder aus längst vergangenen Tagen.

    Die Gesichter von den Lebenden und von Toten

    sind verwaschen durch die Zeit.


    Geschichten

    die meine Vergangenheit sind

    formten meine Gegenwart.

    Sind Gegenwart, Vergangenheit, Zukunft,

    sind mir Leben und Tod zugleich.

    Und ich bin zwischen allem.


    Und,

    wenn ich mir die Vergangenheit zurückwünsche

    damit sie mir die Gegenwart erdrückt,

    offenbart sie mir die Zukunft.

    Und die Zukunft erdrückt

    die Vergangenheit.

    Und mir bleibt nur die Gegenwart.


    Dann

    betrachte ich meine Photos:
    Die Bilder von den Lebenden und den Toten.

    Und ihre Gesichter,

    verwaschen durch die Zeit

    sind mir näher als jemals zuvor.


    Der Wanderer

  • Hey, Der Wanderer ,


    ein interessantes Gedicht. Am Anfang hat mich ein bisschen gestört, dass die erste Strophe ein Reimschema einführt, das dann nicht fortgesetzt wird. Das Gefühl vergeht dann aber schnell wieder. Mir gefällt besonders die Formulierung "verwaschen durch die Zeit". "Photos" ist etwas gewöhnungsbedürftig zu lesen, unterstreicht aber eigentlich schön den Wandel der Zeit.


    Viele Grüße,

    Asni

    „Alice, man darf sein Leben nicht nach anderen richten. Du allein musst die Entscheidung fällen.“ [Alice im Wunderland]




  • NACHT, SÜßE NACHT


    Wen ich mit den Lebenden rede

    vermisse ich die Stimmen derer, die gestorben sind.


    Von manchen habe ich noch die Erinnerung daran

    wie sie klangen.


    Und wenn auch Erinnerungen keinen Klang haben

    so kann ich sie doch noch hören.


    Schwach und aus weiter Ferne

    wenn es Tag ist.


    Und ist es Tag ersehne ich die Nacht.


    Süße, schweigende Nacht.


    Wenn in der Stille die verklungenen Stimmen erwachen

    in der ich schlafend wach sein darf.


    Dann sind sie dort voller Kraft

    im Zwiegespräch meiner Träume.


    Wo ich lebe, ohne bewußt zu sein

    und alles eins ist, frei von Fragen.


    Süße, schweigende Nacht.


    Bring mir die Erinnerung zurück

    an die Stimmen und ihren Klang.


    Denn am Tage kann ich sie nicht mehr hören

    und auch die Erinnerung beginnt zu verblassen.


    Oh Nacht, süße Nacht.



    DER WANDERER






  • NACHTGEDANKE


    Wenn das Leben ewiglich dahin fließt

    dann bin ich irgendwann in diesen Fluß hineingetaucht.


    Schwamm hinauf zur Oberfläche

    und habe zum ersten Mal Atem geschöpft.

    Sah das Licht der Sonne die über allem strahlt

    seit dem Anbeginn.


    Sah alle Farben dieser Welt im Spektrum eines einzigen

    Wassertropfens

    glitzernd - magisch mir erscheinend.


    Erkannte mich selbst in den Gesichtern derer wieder,

    die mir lachend gegenüberstanden.


    Und lachte, weil sie lachten.


    Ich berührte sie, weil sie mich berührten.

    Wir fühlten das gleiche - jedoch nie dasselbe.

    Doch frage ich mich : Wo ist denn da der Unterschied?


    Wen ich berührt, den habe ich berührt.

    Wer mich berührt, der hat mich berührt.


    Der Fluß des Lebens.

    Er ist ewiglich, sein Strom gleichmäßig.

    Frieden seine Botschaft.

    Frieden...


    Und auch bei meinem letzten Atemschöpfen

    auftauchend aus dem Wasser der Welt

    weiß ich ganz sicher:


    Der Wassertropfen, den ich anfangs sah

    ist auch noch da, wenn ich meine Augen schließe.


    (Für Marcel Matthé de Kroon, 1995-2020)


    Der Wanderer

  • Richtungsweisend


    "Oh Herr, laß mich Dir dienen."


    sagte der Ritter in strahlender Rüstung, im Walde auf von Sonnenschein umwobener Lichtung kniend.


    "Laß mich in Deinem Namen mein Schwert führen. Leite meine Hand, auf daß ich in Deinem Namen ruhmreiche Taten vollbringen kann! Laß mich Vollstrecker Deines Willens sein, zu Deinem Ruhm und Deiner Ehre. Ich gelobe Dir ewigliche Treue! Nie wird mein Arm ruhen, Dir zu Diensten zu sein...!"


    "Wie wäre es zum Anfang mit einer Nuss?"


    sagte das neben ihm im Grase hockende Eichhörnchen schmatzend.

  • Hallo, Der Wanderer, ...

    LG Tariq

    Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
    (Ricarda Huch)



    :cookie:


    ___________________

  • Heyho Tariq

  • In einer seltsamen Zeit


    Corona hier, Corona da, Coronavirus tralala.


    Halte Abstand vor dem and'ren

    gehe nicht gemeinsam wandern

    bleib zuhause, sei vernünftig

    und vergeß nicht, das auch künftig


    Alles nicht so ist wie's war...

    Coronavirus tralala.


    Früher vermummt war verboten

    heute vermummt ist allen geboten.


    Das ist lustig.


    Diejenigen, die etwas vermögen, können etwas tun.

    Die die vermögend sind, ebenfalls.


    "Vermögen"


    Ein sehr altes Wort.


    Vielschichtig.


    Vermögen : Mein Reichtum, mein Eigentum.

    vermögen: Ich kann etwas tun/bewirken/machen


    Und sind wir Gefangene in unserer Zeit

    ist doch die Hoffnung gar nicht weit.


    Denn was wir hier schreiben, ist eine Brücke.

    Schließt manche Lücke.

    Und ist ebenfalls bisweilen voller Tücke.


    Trotzdem immer lesenswert.


    Corona hier, Corona da, Coronavirus: Tralala!


  • Auch und gerade weil man sich heutzutage in vielen Dingen nach Vereinfachungen zu sehnen scheint, finde ich es ganz wunderbar, wenn es Leute gibt, die sich dem verweigern. Und uns tatsächlich und mit Selbstverständlichkeit abverlangen, die Dinge so zu sehen, wie sie sind und nicht, wie wir uns das gerne herbeiwünschten.


    "Die Möglichkeiten der deutschen Grammatik können einen, wenn man sich darauf, was man ruhig, wenn man möchte, sollte, einlässt, überraschen."


    Es ist nicht so, daß ich ständig solche Sätze irgendwo lesen möchte. Aber das mir die Sprache und Grammatik hier die Möglichkeit dazu gibt, sie formulieren zu können ist irgendwie grandios.

    :thumbup::thumbup::thumbup: