Kontra [Arbeitstitel]

  • Hallo zusammen!

    Hiermit starte ich einen neuen Versuch, diesmal mit einer Idee, die nicht schon 10 Jahre auf dem Buckel hat und in der Zeit kaum vorangekommen ist. Ich habe für diese Geschichte keinen großartigen Plan, ich weiß nicht genau, wo sie hinführen wird und welche Wendungen es geben wird. Normalerweise bin ich ein Freund von mehr Struktur, nur leider führt das bei mir gerne zu Schreibblockaden, weil ich ja schon weiß was passiert, warum sollte ich es dann noch aufschreiben ;) Jedenfalls wird das hier ein Experiment und ich hoffe, es kommt was gutes dabei heraus.

    Viel Spaß!


    Kapitel 1


    »Bitte, hereinspaziert, immer herein! Es ist mir eine Freude, Sie im Kasatschok begrüßen zu dürfen!«, quäkte eine Stimme und ihr Nachhall vibrierte höhnisch in der schmutzigen, verlassenen Gasse.

    »Ernsthaft?«, stöhnte eine zweite. »Immer das gleiche. Ist mir scheißegal, wer du bist, geh rein, oder lass es bleiben, aber hör auf zu gaffen.«

    Ihr zweiter Satz war an den Besucher gerichtet, der, eingepackt in eine knielange, graue Jacke und einem vor Schlamm starren Paar Stiefel, unter dem niedrigen Vorsprung Schutz vor dem Regen gesucht hatte, in dem sich der Eingang zum Kasatschok befand.

    »Jungs, bitte, müsst ihr jeden Gast mit dieser Diskussion nerven? Wir vertreiben ihn noch!«, versuchte eine dritte Stimme zu schlichten.

    Henry zog sich die Kapuze vom Kopf und starrte irritiert auf die geschlossene Tür der Bar, in deren schmutzigen Fenster drei unförmige Gesichtsfratzen nebeneinander hingen. Die beiden, die zuerst gesprochen hatten, hingen links und rechts oben, die letzte mittig darunter.

    Mit der behandschuhten Hand strich Henry sich den Regen aus dem knallroten Haar. Die Feuchtigkeit kroch trotz des kleinen Vorsprungs über ihm in jede Ritze seiner Kleidung. Es musste ein gewaltiger Sturm in der Oberstadt toben, dass so viel Regen hier unten ankam. Andererseits lag die Bar schon auf Ebene acht, also schon recht weit oben an der Grenze und normalerweise würde er sich nicht hier aufhalten. An guten Tagen konnten die Fratzen vielleicht sogar ein Fleckchen vom Himmel erhaschen.


    »Oh, wow, seht euch diese Haare an! Der neuste Schrei in der Oberstadt?«, fragte die erste Fratze mit viel mehr Begeisterung, als angebracht war.

    Die zweite Fratze rollte genervt mit den Augen. Es waren ausgesprochen tote Augen. Henry trat noch einen Schritt näher, beugte sich hinunter zur Mitte der Tür und musterte alle drei. Eine war hässlicher als die andere. Lange, unförmige Gesichter mit eigenwilligen Nasenformen und hin und her huschenden Augen starrten zurück. Die drei konnten nicht anders, immerhin hingen sie wie kaputte Uhren an großen, verrosteten Nägeln, die jemand ins Holz des Querbalkens in der Tür getrieben hatte. Über ihnen leuchtete ein Schild, das gleichgültig mitteilte, dass die Bar geöffnet war.

    Die erste der drei hing mit Dauergrinsen in der Tür. Furchtbare Lachfalten zogen sich über ihr runzeliges Gesicht, sodass sogar der tote Blick eine gewisse Lebensfreude ausstrahlte.

    »Hör auf so zu starren! Gehst du rein, oder nicht?«, knurrte die zweite Fratze verärgert. Ihre Mundwinkel hingen schlaff nach unten, sie hatte Tränensäcke vom Ausmaß kleiner Kartoffeln und alle Falten, die ihren Nachbarn fröhlich erscheinen ließen, waren bei ihr eine Manifestation des Grauens.

    »Kannst du dich nicht einmal freuen, dass jemand stehen bleibt und Interesse an uns zeigt? Normalerweise sind wir nur das sprechende Türschild.«

    »Normalerweise kommt niemand in diese Bar«, giftete die zweite Fratze die dritte an, die schräg unter ihr hing. Sie war noch unförmiger, als ihre beiden Kollegen, was an sich schon als Kunst durchging. Die Augen saßen nicht auf einer Höhe, ihre Nase ragte schief aus den schmalen Gesicht heraus und der Mund klaffte über die gesamte Breite der Erscheinung.

    »Wie immer eine maßlose Untertreibung«, motzte die dritte Fratze zurück.

    »Kommen Sie rein, die Party findet drinnen statt!«, rief die erste Fratze und wieder hallte die knatschige Stimme unangenehm in der Gasse wider. Angespannt sah Henry sich um. Aufmerksamkeit war etwas, das er lieber vermied, wenn er in dieser Gegend der Unterstadt unterwegs war. Aber normalerweise war niemand dumm genug, sich bei Regen aus dem Haus zu trauen. Er spürte bereits seit einigen Minuten, wie die durch die dicken, schmutzigen Tropfen vergiftete Luft in seinen Atemwegen kratzte. Er musste dringend nach drinnen, in einen klimatisierten Raum.

    »Sieht mir nicht nach Party aus«, erklärte er der ersten Fratze, ohne zu wissen, ob sie tatsächlich ein Bewusstsein besaß, dass seine Worte verstehen konnte, oder ob sie nur programmiert war, durch die Gasse zu schreien. Er wusste nicht einmal, ob es sich hier um Lebewesen, oder eine Art von künstlicher Lebensform handelte.


    Entschlossen griff er nach der Türklinge, lehnte sich mit seinem Gewicht dagegen und betrat die Bar. Dabei kam er den Fratzen noch einmal näher als beabsichtigt und sah aus dem Augenwinkel, wie sie ihn alle drei kritisch beäugten. Er ignorierte sie auch, als sich die Tür wieder schloss und die drei begannen, darüber zu lamentieren, dass er sich nicht weiter mit ihnen unterhalten wollte. Er war nicht zum Vergnügen hier. Nachdem er sich einen kurzen Überblick über den Raum geschaffen hatte, konnte er sich auch nicht vorstellen, dass irgendjemand aus diesem Grund ins Kasatschok kam. Die Inneneinrichtung wirkte genauso traurig und heruntergekommen wie der Eingang. Eine handvoll Tische mit zusammengewürfelten Stühlen standen schmucklos an der rechten langen Wand des schmalen Raums. Ihnen gegenüber erstreckte sich die Bar. Drei klapprige Plastikhocker standen davor, einer war besetzt von einer Gestalt, die ebenso in einen langen schmutzigen Mantel gehüllt war, wie Henry selbst.


    Beleuchtet wurde der Barbereich und so auch der Mann hinter der Theke von flackernden Neonröhren in verschiedenen Farben. Er schenkte Henry einen flüchtigen Blick und hielt kurz in seiner Bewegung inne. Als er sah, dass der neue Gast sich bereits seiner Kapuze entledigt hatte und einen ungefährlichen Eindruck machte, fuhr er fort, mit einem Lappen Gläser zu polieren. Am liebsten hätte Henry ihn gefragt, was es mit dem sprechenden Türschild auf sich hatte, aber er wusste es besser. Immerhin bestand die Möglichkeit, dass die drei Fratzen ein unauffälliger Teil des Sicherheitssystems der Bar waren und ungebetene Gäste aussiebten.

    Außer dem Kerl an der Bar saßen noch drei weitere Leute im Raum. Zwei Frauen besetzten den Tisch neben der Tür, beide unter ihren schützenden Mänteln, die sie nicht abgelegt, aber geöffnet hatten, auffällig bunt bekleidet. Die übertrieben geschminkten, teils verschmierten Gesichter und der hohle Blick ließ Henry vermuten, dass die beiden Prostituierten eine lange Nachtschicht hinter sich hatten. Er schenkte ihnen einen weiteren musternden Blick, aber sie schienen nichts weiter im Schilde zu führen, als ihr schwer verdientes Geld für Shots auszugeben.

    Auch der Kerl auf dem Barhocker wurde einer kurzen Musterung unterzogen. Viel konnte er unter der grauen Jacke nicht erkennen, was grundsätzlich kein gutes Zeichen war. Zumindest fühlte Henry sich dabei weniger wohl. Er ging ein paar Schritte in den Raum hinein. Der Kerl hatte ein großes Glas mit einer goldenen Flüssigkeit vor sich stehen, beide Hände darum gelegt. Der Teil des Gesichts, der aus der Kapuze herausschaute war bedeckt von vielen dunkelbraunen, krausen Barthaaren.

    Henry nickte dem Barkeeper zu, während er weiter in den Raum hinein Richtung des letzten Tisches ging. Obwohl er nicht wusste, wie sein Auftraggeber aussah, war er sich zu neunundneunzig Prozent sicher, dass es die Person an diesem Tisch war. Der Mann passte als einziger nicht in die Szenerie, obwohl er sich offensichtlich Mühe gegeben hatte auszusehen wie jemand aus der Unterstadt. Sein erster Fehler war gewesen, den Mantel abzulegen. Fein säuberlich zusammengefaltet lag er auf dem Stuhl neben ihm. Eine Garderobe gab es fast nirgendwo im öffentlichen Raum der Unterstadt. Niemand, der hier lebte, würde auf die Idee kommen, das eine Kleidungsstück abzulegen, das ihn vor der Kälte, dem giftigen Regen oder neugierigen Augen schützte.

    Der Rest seiner Kleidung verriet ihn ebenso. Zwar trug er einfache, grobe Teile, sogar mit Löchern und Flicken darin, aber sie strahlten eine unnatürliche Sauberkeit aus. Sein Haar war trotz des fortgeschrittenen Alters noch sehr dicht, wenn auch fast gänzlich ergraut. Jemand hatte sich große Mühe gegeben, es ungepflegt aussehen zu lassen, aber es verhielt sich wie frisch gewaschen. Darunter blickte Henry ein rundes, nervöses, aber nicht ängstliches Gesicht entgegen.

  • Heyho Oriane ,


    ein vielversprechender Beginn. Und gleich zu Anfang etwas zum Schmunzeln...mit sowas fangen nur wenige eine Erzählung an, finde ich gut.

    Im ersten Moment hatte ich die berühmten drei Affen "Nichts hören-nichts sehen-nichts sagen" vor'm Auge der Erinnerung, sofort gefolgt von den zankenden Türklopfern aus "Labyrinth".

    Die drei Fratzen hätten durchaus noch etwas mehr Raum verdient. Aber momentan weiß ich ja noch gar nicht, wohin die Reise überhaupt gehen soll.

    Also abwarten und sich vom nächsten Abschnitt überrschen lassen...

  • Der Wanderer Kiddel Fee Danke euch beiden :)


    Sowohl die drei Affen, als auch die zankenden Türkloper sagen mir gar nichts. Die Affen ließen sich ergoogeln. Interessant!

    Die Fratzen hatten ursprünglich viel mehr Raum, weil das ganze erste Kapitel aus einer Kurzgeschichte enstanden ist, die ich mal für einen Wettbewerb geschrieben und dann doch nicht eingerecht habe. Für den Einstieg in eine längere Geschichte war es definitiv zu viel. Mal sehen, ob sie noch mehr Raum bekommen werden ;)

  • Kapitel 1, Part 2


    Er nickte dem Herrn zu, erntete einen überraschten Blick und setzte sich ihm gegenüber.

    »Interessante Wahl«, sagte er und deutete mit dem Kopf an, dass er die Bar meinte.

    »Rynok, nehme ich an?«

    Er nickte zustimmend. Den Namen benutzte er, wenn er unerkannt bleiben wollte.

    »Der Laden war eine Empfehlung meines Kontaktes«, erklärte sein Gegenüber verunsichert. »Ist es sehr unpassend?«

    »Sie müssen sich nicht rechtfertigen«, beschwichtigte Henry ihn. Das letzte, was er wollte, war noch mehr Aufmerksamkeit. »Haben Sie schon etwas bestellt?«

    Der Mann schüttelte den Kopf und seine Augen zuckten nervös Richtung Theke. »Ich wusste nicht, was man hier so trinkt.«

    Ein belustigtes Lächeln huschte über Henrys Gesicht. »Was glauben Sie denn?«

    Er stand auf, ging hinüber zum Barkeeper und bestellte zwei Bier. Während der Angesprochene zwei Gläser mit der schäumenden, goldgelben Flüssigkeit füllte, nickte er mit dem Kinn zu Henrys Verabredung hinüber. »Der ist nicht von hier«, stellte er fest, was so viel bedeutete wie: Du bist Schuld, wenn der Ärger macht.

    »Nein, ist er nicht.« Henry nahm das Bier entgegen und gab zu verstehen, dass er sich der Situation bewusst war.


    Zurück am Tisch schob er dem nervösen Mann ein Glas zu, hob sein eigenes und prostete ihm stumm zu. Belustigt beobachtete er, wie sein Gegenüber das Getränk kritisch beäugte und dann einen winzigen Schluck nahm.

    »Also, was kann ich für Sie tun?«

    Froh, endlich zum Kern seines Besuches gekommen zu sein, beugte sich der Mann vor und blickte Henry fest in die Augen. »Ist es richtig, dass Sie … nun, gut darin sind, Leute in der Unterstadt aufzuspüren?«

    Henry überging, dass sich seine Fähigkeiten in dieser Hinsicht nicht auf die Unterstadt beschränkten. Sie mochte seine Heimat und der Ort sein, an dem er sich am besten auskannte, doch das Aufspüren von Leuten oder Gegenständen war nicht allein an Ortskenntnisse gebunden. Trotzdem nickte er fast unmerklich, nahm noch einen Schluck seines Getränks und wartete darauf, dass der Mann ein wenig genauer in seinen Ausführungen wurde.

    »Es ist so: Ich bin auf der Suche nach meiner Tochter Juna.« Wieder schwieg er, also beschloss Henry, ihm einen kleinen Anstoß zu geben, endlich mit der Sprache rauszurücken.

    »Ein paar mehr Informationen wären schon hilfreich.«

    Beflissen nickte sein Gegenüber. »Ja, natürlich.« Er griff in den Mantel auf dem Stuhl neben sich und zog einen kleinen Holo-Projektor hervor. »Hier, das ist sie.« Nach ein paar schnellen Eingaben war darauf die Gestalt einer jungen Frau zu sehen, adrett gekleidet mit leichtem, sehr offiziell wirkendem Lächeln. Sie war keine besondere Schönheit, aber auch nicht hässlich, fand Henry. Ihre Ausstrahlung allerdings musste etwas Besonderes sein, wenn sie schon in dieser Abbildung so deutlich zu erkennen war. Wahrscheinlich war sie Politikerin.

    »Das Bild ist bei der Tausendjahrfeier von Correlia Beta entstanden. Sie war als Mitglied des Stadtrates eine der Rednerinnen.« Stolz schwang in seiner Stimme mit, aber auch eine gewisse Sorge. Henry hatte also recht gehabt, sie war wirklich Politikerin. Er versuchte sich an die riesige Veranstaltung vor ein paar Jahren zu erinnern, aber er hatte die Feierlichkeiten damals lieber gemieden. Große Massen konnte er nicht ausstehen und die Berichterstattung hatte er als öde empfunden. Große Reden über den Aufschwung und den Erfolg der Stadt, die mittlerweile über den halben Planeten wucherte. Warum man immer noch den Begriff ‚Stadt‘ verwendete, war ihm ein Rätsel, Correlia Beta war mehr ein Kontinent. An das Gesicht der jungen Frau erinnerte er sich dementsprechend nicht.

    »Nie von ihr gehört«, gab Henry ehrlich zu.

    »Naja, sie war nie die Erfolgreichste im Rat, oder die Beliebteste, was natürlich an ihrer politischen Gesinnung liegt. Es wundert mich also nicht, dass Sie sie nicht kennen. Ihre Ideen sind … nun ja, so fantasievoll wie radikal.«

    Überrascht hob Henry die Augenbrauen. Der Vater war offensichtlich nicht angetan vom Treiben seiner Tochter, aber er fürchtete, wenn er weiter nachfragte, dass das ganze dann in einer politischen Debatte enden würde. Er musste sich vom anderen Ende an das Thema herantasten.

    »Wann haben Sie sie das letzte Mal gesehen?«

    »Das war vor etwa sechs Wochen.«

    Wieder ein Moment der Stille.

    »Und wie sah die Situation damals aus?«, hakte Henry sanft nach.

    Was jetzt kam, war dem Mann sichtlich unangenehm, vor allem in Henrys Gegenwart und in dieser Umgebung. »Sie ist von dieser Idee besessen, das Konstrukt Unterstadt an sich aufzulösen und all ihren Bewohnern kompromisslosen Zugang zur Oberstadt zu gewähren. Sie ist der Meinung, dass dadurch all die Probleme von Correlia Beta gelöst würden.« Den letzten Satz betonte er so, als sei es eine völlig wahnwitzige Idee. Und in gewisser Hinsicht musste Henry ihm zustimmen. In den vielen unteren Schichten der Stadt, dort, wo sie bereits wirklich tausend Jahre alt war und wo die Leute in diesen tausend Jahren Gebäude auf Gebäude errichtet hatten, lebten mehr Personen, als erfasst oder gar zählbar war. Nur wenige kannten die Wege von einer Schicht hinauf oder hinunter in die nächste. Das Leben der meisten Bewohner der Unterstadt spielte sich in maximal drei Schichten ab. Niemand ging höher oder tiefer, wenn es nicht unbedingt sein musste. Natürlich wünschten sich viele Leute, tagtäglich die Sonne sehen zu können, oder zur Abwechslung genug Geld zu verdienen, um zuverlässig ihre Familien versorgen zu können. Wenn allerdings allen unbeschränkter Zugang zu allen Schichten gewährt werden würde, würde heilloses Chaos ausbrechen. Das spürte jeder in der Unterstadt tagtäglich und deswegen blieben sie alle, wo sie waren, aber davon konnte sein Gegenüber unmöglich wissen. Seine Sorge galt nur der Oberstadt und dass er selbst womöglich einen Teil seines Luxuslebens aufgeben musste, um es mit irgendwelchen heruntergekommenen Leuten aus der Unterstadt zu teilen. Henry ignorierte diesen Unterton. Er war nicht hier, um politische Debatten zu führen.

    »Was war ihr Plan?«, fragte er stattdessen.

    »Sie hat mir oft ihr Leid geklagt, dass die Leute nicht zuhören würden, wenn sie über ihre Ideen sprach, dass sie alles versucht hätte, aber politisch nichts erreichen könnte. Sie war der Meinung, es könne sich nur etwas ändern, wenn die Bewegung aus der Unterstadt selber käme und sie hätte von einem kleinen Zusammenschluss gehört, der genau die Ziele verkörperte, die sie erreichen wollte. Also hätte sie beschlossen, in die Unterstadt zu gehen um sich dieser Bewegung anzuschließen.«

    Das war in der Tat eine verrückte Geschichte. Und obendrein eine ziemlich blauäugige Entscheidung der jungen Dame. Trotzdem, so wenig bedacht die Aktion auch war, Henry kam nicht umhin sie ein kleines bisschen für ihre Entschlossenheit und ihr Durchhaltevermögen zu bewundern. Eine hohe Meinung von den Oberstädtern hatte er normalerweise nicht.

    »Sie ist nun also irgendwo in der Unterstadt. Haben Sie seitdem noch einmal von ihr gehört?«

    Der Mann seufzte. »Nur über die Klatschpresse, die sich eine Weile lang über die ganze Geschichte lustig gemacht hat. Es gibt ein paar Fotos von ihr, die sie in irgendwelchen zwielichtigen Gegenden zeigen, aber ich kann nicht sagen, wie viel davon echt ist.«

    »Kann ich die sehen?«, fragte Henry.

    »Ist alles hier drauf.« Sein Gegenüber winkte mit dem Projektor. »Er gehört Ihnen, wenn Sie sich der Sache annehmen.«

    »Was genau wollen Sie denn eigentlich von mir?«

    »Sie sollen sie finden und zurück in die Oberstadt bringen. Ich habe bereits kurz nach ihrem Verschwinden die Behörden beauftragt, sie für unzurechnungsfähig erklärt und sie suchen lassen, aber Sie wissen ja, wie gründlich diese Behörden arbeiten.« Er schnaubte abfällig. Henry kniff unmerklich die Augen zusammen. Er wusste nicht auf Anhieb, was der Mann ihm sagen wollte. Behördliche Mitarbeiter, an die man sich in der Not wenden konnte und die für Ruhe und Ordnung sorgten, gab es in der Unterstadt nicht. Zumindest handelten sie seltenst im Interesse der Bewohner hier unten.

    »Was habe ich davon?«, fragte Henry, obwohl sein Kontakt ihm im Auftrag seines Gegenübers bereits eine gewisse Summe versprochen hatte. Andernfalls hätte er sich kaum hierher bemüht.

    Der Mann tippte noch einmal etwas in den Projektor und eine Reihe Zahlen erschien. Es war mehr, als Henry versprochen worden war und es war mehr als genug für diesen Auftrag. Er nickte zustimmend.

    »Ich brauche die Hälfte davon im Voraus. So eine Suche ist nicht billig.« Er verschwieg, dass der Großteil davon für Schmiergeld oder den Kauf von Informationen draufgehen würde. Ob Oberstadt oder Unterstadt, die Leute waren alle käuflich.

    Sein Gegenüber seufzte kurz, nickte dann aber. »In Ordnung.«

    »Gut. Sie bringen die Credits zu ihrem Kontakt, er wird sich dann um alles weitere kümmern.«

    Henry nahm den letzten großen Schluck seines Bieres, griff nach dem Projektor, der auf dem Tisch lag und stand auf. »Sie hören von mir.«

    Und damit ließ er seinen Auftraggeber verdattert und mit der Rechnung für die Getränke zurück.

  • Geht ja recht spannend und flott weiter. Die Szenerie gefällt mir - sehr dystopisch! Henry klingt sehr geheimnisvoll und ich bin neugierig, ob er wohl Dreck am Stecken oder so etwas hat? Werde auf jeden Fall dranbleiben.


    Hier noch eine Kleinigkeit, die mir aufgefallen ist.


    »Sie ist von dieser Idee besessen, das Konstrukt Unterstadt an sich aufzulösen und all ihren Bewohnern kompromisslosen Zugang zur Oberstadt zu gewähren. Sie ist der Meinung, dass dadurch all die Probleme von Correlia Beta gelöst würden.«

    LG Kiddel Fee

    Als Mama lernt man beizeiten, eine Tafel Schokolade auf Anhieb zu verstecken.

    Im Mund.

    Quer.

    Und ohne zu sabbern.

    :whistling:


    Meine Geschichte

    Elemental

  • Kiddel Fee Danke dir :)


    Kapitel 2, Part 1


    Henry begann nicht direkt mit der Recherche nach der jungen Frau, das hatte noch Zeit, bis das erste Geld ihn erreicht hatte. Erst dann konnte er sicher sein, dass sein Auftraggeber es ernst gemeint hatte. In der Zwischenzeit würde er den Projektor untersuchen lassen. Es war in der heutigen Zeit viel zu leicht, eine Wanze oder Positionssender darin zu verstecken und die Software musste auch überprüft werden, bevor er das Gerät nutzen konnte. Er kannte einige in der Unterstadt, die solche Dienste anboten und vertrauenswürdig waren, aber für ihn kam gewöhnlich nur eine einzige Adresse in Frage.

    Vorfreude durchzuckte ihn, als er das bemalte Garagentor am Ende der Gasse erblickte. Der Kopf eines Monsters in rot und schwarz und mit gebleckten Zähnen sah ihm entgegen. Einige wenige Leute waren ihm auf dem Weg begegnet, alle in dicke, graue Mäntel gehüllt. Es regnete immer noch, aber hier unten blieb von den Tropfen nur feiner, giftiger Nebel übrig. Die Seitentür neben dem Garagentor stand an guten Tagen für gewöhnlich offen, doch bei Regen hielt Kayra sie geschlossen, um die Dämpfe auszusperren. Trotzdem war sie nicht abgeschlossen, sodass Henry kurz entschlossen ohne anzuklopfen eintrat.


    Die Werkstatt, die sich hinter dem großen Tor befand, hatte sich seit seinem letzten Besuch nicht sehr verändert. Für das ungeübte Auge herrschte hier reines Chaos aus Werkzeugen, Rohmaterial und Ersatzteilen, aber Henry wusste aus sicherer Quelle, dass hier strikte Ordnung regierte. Gerade standen zwei Hoverbikes nebeneinander in der Halle. Das eine war kaum noch als solches zu erkennen, weil jemand fast alles ausgebaut hatte, was es auszubauen gab. Das andere wartete anscheinend noch geduldig auf ein ähnliches Schicksal.

    Hinter dem bearbeiteten Bike blitze es in unregelmäßigen Abständen auf, dann stoppte es und kurz darauf kam eine schlanke Gestalt mit Schweißermaske zum Vorschein. Henry lächelte in sich hinein, schob die Kapuze vom Kopf und ging auf sie zu. Er beobachtete, wie sie erst mit den dicken Schutzhandschuhen versuchte, den Verschluss ihrer Maske am Hinterkopf zu lösen, scheiterte, lauthals fluchte und es dann erneut ohne Handschuhe probierte. Sein Grinsen wurde breiter. Ärgerlich pfefferte sie die Maske in eine Ecke, nur um sie daraufhin wieder aufzuheben und an ihren rechtmäßigen Platz zu hängen. Henry blieb ein paar Meter vor ihr stehen und wartete, bis sie sich umdrehte und ihn entdeckte. Kurz weiteten sich ihre Augen vor Schreck, entspannten sich aber sofort wieder, als sie ihn erkannte. Dann erwiderte sie sein breites Grinsen und kam auf ihn zu.

    »Na, wenn das nicht mein Brüderchen ist!«

    Er öffnete seine Jacke, zog sie aus und warf sie achtlos auf den Boden, um seine Schwester fest umarmen zu können. Sie ließ sich drücken, doch sobald er sie wieder losließ, deutete sie anklagend auf den Boden. »Aufhängen, sofort!«

    Henry verdrehte die Augen, tat aber, wie ihm geheißen und hänge die Jacke an den Kleiderständer, an dem auch Kayras Mantel hing.

    »Was führt dich her? Das letzte mal hast du dich vor Monaten gemeldet! Ich dachte schon, entweder du bist vom Untergrund verschluckt worden oder führst ein Bonzenleben in der Oberstadt.«

    »Das denkst du jedes mal«, entgegnete er. Es war tatsächlich einer ihrer Standardsprüche um auszudrücken, dass er sich öfter blicken lassen sollte. Er nahm es sich auch nach jedem Besuch vor, aber meistens kam irgendwas dazwischen.

    »Ich vermisse bloß meine kleine Schwester«, antwortete er ihr dann auf die Frage. »Vom ersten Eindruck her würde ich sagen, die Werkstatt läuft ganz gut.«

    »Tut sie auch. Die Aufträge kommen mittlerweile sehr regelmäßig rein, ich kann mich nicht beschweren.« In einer fließenden Bewegung griff sie sich an den Hinterkopf, zog am Haarband, dass bis dahin ihre von der Schweißermaske zerzauste knallrote Haarpracht zusammengehalten hatte und schüttelte sie aus. Dann band sie den Zopf erneut. Kayra hatte viel mehr vom Aussehen ihrer Mutter geerbt, als er, wie er immer wieder feststellte, wenn er sie so lange nicht gesehen hatte. Die Haare wuchsen natürlicherweise nur im Irokesenschnitt von der Stirn bis in den Nacken. Seitlich bestand ihre Kopfhaut aus geschmeidigen, grünen Schuppen, die sich an den Seiten ihres Halses fortsetzten und dann unter ihrem Shirt verschwanden. Ihr Gesicht wiederum bestand aus menschlicher Haut.

    Henry selbst hatte nur die unverkennbare Haarfarbe ihrer mateikanischen Mutter geerbt. Der Rest seines Äußeren kam vom menschlichen Vater. Ihre Eltern hatten eine etwas schwierige Beziehung geführt, die darüber hinaus nur gehalten hatte, bis Henry etwa sechs Jahre alt gewesen war. Danach hatte ihre Mutter sich entschieden, auf ihren Heimatplaneten zurückzukehren, weil sie das Leben in einer menschlichen Kolonie nicht mehr ausgehalten hatte. So lautete jedenfalls die Geschichte ihres Vaters und die beiden Geschwister hatten es nie hinterfragt.

    »Komm schon, warum bist du wirklich hier.« Sie stemmte die Hände in die Hüften. »Ich meine, ich freue mich, dich zu sehen, aber normalerweise kommst du nur, wenn du auch zusätzlich geschäftlich etwas brauchst.«

    Schuldbewusst senkte er den Kopf. »Ertappt.«

    Sie lächelte. »Was brauchst du?«

    Er zog den kleinen Projektor aus seiner Tasche und hielt ihn ihr hin. »Den habe ich von meinem neusten Auftraggeber bekommen. Kannst du ihn überprüfen?«

    »Klar!« Kurzum schnappte sie das Gerät aus seiner Hand und stiefelte damit zu der Stahltreppe, die am Rand der Garage zu einer Art Galerie führte. Henry folgte ihr nach oben, wo sie den Projektor zuerst an einen Rechner anschloss und nach kurzer digitaler Untersuchung mehrere Programme startete.

    »Erstmal die Software. Das wird jetzt ein bisschen dauern. Willst du was trinken? Tee?“

    Es war eine Art Ritual zwischen ihnen. Sie beide hatten einiges des mateikanischen Geschmacks geerbt und vor einigen Jahren hatte Kayra einen Lieferanten auftreiben können, der unter anderem mit mateikanischem Tee handelte. Er war teuer, verschuldet durch die schwierigen und zeitaufwändigen Lieferwege von einem Planeten zum anderen, aber das war es den beiden Geschwistern wert.

    „Gerne.“

    Von der Galerie der Garage führte eine unscheinbare Stahltür in Kayras bescheidenen Wohnbereich. Er bestand im Grund aus nur einem Zimmer, das eine kleine Küche und das Wohnzimmer beinhaltete, in dem auch in einer Ecke ihr Bett stand. Sie hatte es mithilfe von Regalen und selbstgebauten Trennwänden geschafft, den Raum in gewisse Bereiche zu unterteilen, ohne ihn optisch sehr zu verkleinern, aber das täuschte nicht darüber hinweg, dass sie nicht viel Geld verdiente. Die Wände waren aus unverkleidetem grauen Beton und die meisten Regale leer. Kayra versuchte, dagegen zu steuern, indem sie einige ihrer kleineren, selbst gebauten, technischen Geräte dort ausstellte, aber Henry fand, dass es nur aussah, als würde sie ihre Werkstatt in den Wohnbereich erweitern. Fenster gab es hier keine, dafür die obligatorische Klimaanlage, die die Luft von Schadstoffen befreite.

    „Vor ein paar Tagen ist eine neue Lieferung gekommen“, erklärte Kayra voller Vorfreude, während ihr Kopf tief in einem der Küchenschränke steckte. Henry musste sich das Lachen verkneifen, bis seine Schwester wieder zum Vorschein kam, mit einer unförmigen Metalldose in der Hand. „Das Zeug schmeckt fantastisch!“

    Sie brachte Wasser zum kochen und goss beiden eine Tasse Tee auf. Für menschliches Geruchs- und Geschmacksempfinden roch er am ehesten nach Dung und schmeckte unerträglich bitter. Zumindest hatte der Vater der beiden Geschwister immer fluchtartig das Haus verlassen, wenn sie über Umwege ab und an an mateikanischen Tee gekommen waren.

  • Hallo Oriane ,


    vorweg schon mal: ich finde die Geschichte gut geschrieben bisher :)


    Beim ersten Teil dachte ich mir noch, dass es ein wenig was von einem Krimi hat. Also ein Detektiv auf dem Weg zu seinem Auftraggeber, dann da der Mann mit dem Mantel und dann noch Henry und wie er seine Umgebung wahrnimmt. Finde die Szene auch gut beschrieben, kann mir gut vorstellen, wie es da so aussieht.


    Schön fand ich es dann auch, durch den 2. Teil bestätigt wurden zu sein. Er wird ja eine Art Detektiv sein, zumindest sucht er für Geld vermisste Leute (das reicht mir in meiner Definition :D).


    Auch interessant ist, wie so die Stadt aufgebaut ist, sprich Oberstadt und Unterstadt und das eben nicht so nebeneinander, wie es in der realen Welt der Fall wäre, sondern wirklich geschichtet. Die Idee davon ist mir nicht ganz neu, aber so wie du davon schreibst, zum Teil auch zurückhaltend mit genaueren Informationen darüber, bin ich schon gespannt wie es da wohl zu geht und wie die Geschichte der Stadt dazu ist.


    Eine Stelle, die mir allerdings nicht so gut gefällt, ist folgende:

    Wenn allerdings allen unbeschränkter Zugang zu allen Schichten gewährt werden würde, würde heilloses Chaos ausbrechen. Das spürte jeder in der Unterstadt tagtäglich und deswegen blieben sie alle, wo sie waren, aber davon konnte sein Gegenüber unmöglich wissen. Seine Sorge galt nur der Oberstadt und dass er selbst womöglich einen Teil seines Luxuslebens aufgeben musste, um es mit irgendwelchen heruntergekommenen Leuten aus der Unterstadt zu teilen. Henry ignorierte diesen Unterton.

    Das wirkt auf mich erst mal etwas widersprüchlich. Die einen bleiben freiwillig (?) unten, weil es Chaos geben könnte und die anderen wollen das ebenfalls nicht, weil sie dann ihren Platz teilen müssten? Ja dann haben wir aber kein Problem und alle sind zufrieden, oder?

    Ich denke aber schon, dass es da ein Konfliktpotenzial gibt (geben könnte), nur in diesem kurzen Dialog kommt das irgendwie nicht rüber. Wenn sich Henry und der Mann doch einig sind, dann braucht Henry eben auch nicht den „Unterton“ ignorieren, wozu denn?

    Dass es da einen Konflikt geben kann, beschreibst du ja direkt im nachfolgenden Absatz. Dieser wird, so wie ich gerade denke, auch bestimmt noch relevant in der Geschichte werden.


    Zu Kapitel 2 zwei kleinere Punkte:

    1) Ich finde den Anfang etwas holprig formuliert, genaugenommen die ersten beiden Sätze und mit dem 3x „hatte“ ist das nicht so schön zu lesen wie der Rest.

    2) Das ist nicht direkt als Kritik an dich gedacht, finde das auch in vielen anderen Geschichten genauso wieder, aber:

    Ich bekomme von jemand mir unbekannten ein Gerät und habe Angst, dass man mich damit ausspionieren kann, deswegen renne ich direkt ohne Umwege los, um meinen besten Kontakt aufzusuchen (hier sogar direkt die eigene Schwester). Soll dieser sich doch darum kümmern und mir egal, wenn jetzt jeder weiß, wo mein Kontakt ist.

    Klingt für mich jetzt nicht so schlau :D


    Zum Abschluss noch:

    vom menschlichen Vater

    okay das kam jetzt doch etwas unerwartet, na dann bin ich mal gespannt, wo die Geschichte noch so hingeht.


    Beste Grüße

    Charon

  • Hallo , Oriane !


    Ich hab den letzten Post ja völlig übersehen, entschuldige bitte die späte Rückmeldung.


    Auch hier hat mir die Beschreibung von Kayras Werkstatt und ihrer Wohnung sehr gut gefallen, sehr leicht und flüssig zu lesen. Kayra würde ich gerne einmal Vic vorstellen - oder umgekehrt. Diese Werkstattmädels würden sich bestimmt gut verstehen!


    Anbei noch einige Kleinigkeiten, die mir aufgefallen sind

    Sie beide hatten einiges des mateikanischen Geschmacks geerbt

    sie "erben" ziemlich viel in diesem Abschnitt. Findest du noch ein alternatives Wort? Es fällt schon deutlich auf^^

    das hatte noch Zeit, bis das erste Geld ihn erreicht hatte. Erst dann konnte er sicher sein, dass sein Auftraggeber es ernst gemeint hatte.

    vllt kannst du hier ein anderes Hilfsverb einbauen, damit du nicht 3x "hatte" verwenden musst

    Kayra hatte viel mehr vom Aussehen ihrer Mutter geerbt, als er,

    das Komma kann raus

    »Komm schon, warum bist du wirklich hier.

    Fragezeichen




    Ansonsten warte ich neugierig auf mehr!

    Als Mama lernt man beizeiten, eine Tafel Schokolade auf Anhieb zu verstecken.

    Im Mund.

    Quer.

    Und ohne zu sabbern.

    :whistling:


    Meine Geschichte

    Elemental

  • Huch, hier passiert was! Ich hatte schon geglaubt, dass sich einfach niemand so richtig für die Geschichte interessiert. Aber andererseits habe ich ja auch nicht weitergeschrieben :whistling:

    Jedenfalls danke für eure Kommentare :)

    Beim ersten Teil dachte ich mir noch, dass es ein wenig was von einem Krimi hat.

    Lustig, dass du das sagst. Die Figur Henry gibt es schon länger und vor Jahren habe ich ihn mal in einen Krimi gesetzt. Daraus ist im Endeffekt nichts geworden, aber scheinbar hat er den Eindruck, den er damals vermitteln sollte, behalten :D

    Die einen bleiben freiwillig (?) unten, weil es Chaos geben könnte und die anderen wollen das ebenfalls nicht, weil sie dann ihren Platz teilen müssten? Ja dann haben wir aber kein Problem und alle sind zufrieden, oder?

    Jein. Du hast in dem Sinne recht, als dass der Abschnitt die Situation arg holprig beschreibt. Das Problem ist, es ist ein komplexes Problem und ich wollte an dieser Stelle keinen seitenlangen Exkurs machen. Ich hoffe, ich bekomme das in den nächsten Kapiteln besser beschrieben.

    1) Ich finde den Anfang etwas holprig formuliert, genaugenommen die ersten beiden Sätze und mit dem 3x „hatte“ ist das nicht so schön zu lesen wie der Rest.

    Jup, hast du recht, werd ich nochmal drüberlesen ;)

    Soll dieser sich doch darum kümmern und mir egal, wenn jetzt jeder weiß, wo mein Kontakt ist.

    Klingt für mich jetzt nicht so schlau

    Da habe ich tatsächlich nicht drüber nachgedacht :D

    Das Blöde ist, Henry kann das Teil halt nicht selber untersuchen. Das heißt, er muss damit zu einer Person, der er in dieser Sache traut. Ob das jetzt seine Schwester oder ein anderer Vertrauter ist, ist im Prinzip egal. Irgendeinen Tod muss er sterben. Und bei Kayra kann er sich wenigstens sicher sein, dass sie ihn nicht verrät, falls doch etwas schief gehen sollte.

    Wenn du eine gute Idee dazu hast, immer her damit :)


    Kiddel Fee

    Danke dir für den Kommentar! Die Kleinigkeiten schau ich mir an :)

    Ich glaube auch, Kayra und Vic würden sich sehr gut verstehen. Es sei denn, Vics Werkstatt ist total chaotisch. Kann mich gerade nicht mehr erinnern, wie es bei ihr aussah. Das würde Kayra in den Wahnsinn treiben xD

  • Wenn du eine gute Idee dazu hast, immer her damit :)

    Leider nicht wirklich. Man könnte jetzt beschreiben, wie Henry erst über einen anderen Weg Verbindung mit seinem Kontakt aufnimmt und dann irgendwie einen sicheren Plan ausmacht. Aber das ist viel zu kompliziert und nicht unbedingt förderlich für die Story...


    Eventuell könnte Kayra das jedoch ganz kurz ansprechen und Henry z.B. fragen, ob er überhaupt daran gedacht hat, dass man ihn schon längst verfolgen könnte und er die anderen damit zu ihr geführt hat.

    Naja weiß nicht recht :pardon:

  • Eventuell könnte Kayra das jedoch ganz kurz ansprechen und Henry z.B. fragen, ob er überhaupt daran gedacht hat, dass man ihn schon längst verfolgen könnte und er die anderen damit zu ihr geführt hat.

    Naja weiß nicht recht


    Ich hatte mehr die Sorge, dass er mit unbekannten Dateien Kayras gesamtes System verseucht oder so...

    Als Mama lernt man beizeiten, eine Tafel Schokolade auf Anhieb zu verstecken.

    Im Mund.

    Quer.

    Und ohne zu sabbern.

    :whistling:


    Meine Geschichte

    Elemental

  • Ich hatte mehr die Sorge, dass er mit unbekannten Dateien Kayras gesamtes System verseucht

    Das kann natürlich auch passieren und interessant werden. Aber sollte es nicht weiter relevant für die Geschichte sein, würde ich eher davon ausgehen, dass Kayra schon entsprechende Vorsichtsmaßnahmen mit ihrem System ergriffen hat. Immerhin bringt sie ja auch das notwendige Know-how mit, um solche Geräte auf entsprechend sowas (oder eben Abhörmaßnahmen) zu untersuchen.

  • Eventuell könnte Kayra das jedoch ganz kurz ansprechen und Henry z.B. fragen, ob er überhaupt daran gedacht hat, dass man ihn schon längst verfolgen könnte und er die anderen damit zu ihr geführt hat.

    Ich hatte mehr die Sorge, dass er mit unbekannten Dateien Kayras gesamtes System verseucht oder so...

    Alles gute Ideen! Ich behalte es mal im Hinterkopf und mach mir eine Notiz fürs Überarbeiten irgendwann. Jetzt gehts erstmal weiter :)


    Kapitel 2, Part 2


    „Wie läuft es bei dir mit der Auftragslage?“, fragte Kayra, nachdem beide sich an ihrem kleinen Küchentisch niedergelassen hatten.

    „Aktuell wieder sehr gut. Den Projektor habe ich gerade erst von einem sehr reichen Kunden aus der Oberstadt bekommen.“

    Seine Schwester verdrehte die Augen. „Was will er? Ist sein Haustier in der Unterstadt verschwunden, oder hat seine Köchin ihn bestohlen?“

    Diese Szenarien waren nicht einmal absurd. Ein Haustier hatte Henry schon einmal suchen und dabei feststellen müssen, dass sich Tiere viel besser verstecken konnten, als Leute.

    „Er sucht seine Tochter. Anscheinend ist sie ihm abhanden gekommen und zettelt irgendwo in der Unterstadt eine Revolution an.“ Er lachte kurz auf. Die Vorstellung, dass ein verwöhntes Mädchen aus der Oberstadt in den unteren Ebenen tatsächlich etwas erreichen konnte, war grotesk. Die Leute würden sie verspotten, im schlimmsten Fall ausrauben und auf die Straße werfen. Niemand konnte und wollte sich mit dem System anlegen, das seit der Gründung der Kolonie bestand und vor allem nicht mit denjenigen, die es verteidigten. Von einer Schicht in die nächste zu gelangen war nur den wenigsten ohne triftigen Grund erlaubt. Und die Willkür, die an manchen Grenzkontrollen herrschte, machte es nicht leichter.

    Aber Kayra lachte nicht.

    „Dann ist es also wahr?“

    „Was?“, fragte Henry.

    „Vor ein paar Tagen war jemand hier“, holte sie aus. „Ein Junge, so um die sechzehn Jahre alt, schätze ich. Er behauptete, er sei ein Freund von einem meiner Lieferanten und dass dieser mich als vertrauenswürdig einschätzt. Dann hat er mir einen Zettel in die Hand gedrückt mit Datum, Uhrzeit und Ort darauf und meinte, wenn ich mir wünsche, die Sonne sehen zu können, wann immer ich möchte, solle ich kommen. Wenn nicht, solle ich einfach vergessen, dass er bei mir war und den Zettel vernichten. Ich habe mir nicht viel dabei gedacht, immerhin ist der Spruch reichlich seltsam, aber wenn es stimmt, was du sagst, ergibt das einen Sinn, oder nicht?“

    Henry richtete sich auf und sah sie eindringlich an. „Hast du den Zettel noch?“

    „Hier.“ Sie kramte in den Taschen ihrer Arbeitshose und zog ein zerknittertes Stück Papier hervor. „Es ist ziemlich dumm und gefährlich, einfach bei irgendwelchen Leuten vorbeizugehen und fragen, ob sie gerne Revolutionär sein wollen, oder nicht?“

    „Das hat er ja auch nicht gefragt“, entgegnete Henry und besah sich den Zettel. In krakeliger Schrift waren Datum, Uhrzeit und Ort lesbar. Morgen, gegen Mittag, auf einem öffentlichen Platz hier in der Nähe. „Ganz im Gegenteil, die Formulierung ist ziemlich geschickt. Jemand, der daraus nicht die Erkenntnis ziehen kann, dass es scheinbar eine Gruppierung gibt, die etwas am System ändern will, wird den Jungen höchstens für verschroben halten.“

    „Aber was soll die ganze Aktion?“

    „Falls das alles tatsächlich eine groß angelegte Sache mit dem Ziel ist, die Struktur zu sprengen, die sich in den tausend Jahren, die diese Stadt existiert, etabliert hat, wird dieser Aufruf nur eine Art Zusammenfassung des Meinungsbilds sein. Hat dich in letzter Zeit jemand auf das Thema angesprochen? Egal wie nebensächlich es gewirkt hat?“

    Nach kurzem Nachdenken schüttelte sie den Kopf. „Vielleicht habe ich im Beisein des besagten Lieferanten mal irgendwas fallen lassen, sodass er interpretiert hat, dass ich bei so einer Aktion dabei wäre“, sagte sie dann schulterzuckend.

    „Und wärst du dabei?“

    „Bin ich bereit, meine hart erarbeitete Existenz hier aufzugeben, nur um einer schönen Idee nachzujagen? Sicher nicht. Du weißt doch, wie es hier läuft. Solange du einen Platz in deiner Schicht hast, ist alles gut. Alles darüber und darunter bring bloß Probleme und ist sogar gefährlich.“

    Henry nickte nachdenklich und sah sich noch einmal den Zettel an. „Für mich ist diese Sache allerdings eine ziemlich heiße Spur.“ Dann hob er langsam den Blick und sah seiner Schwester lange und fest in die Augen.

    »Ganz sicher nicht!« Kayra betonte jedes Wort sehr deutlich, stellte ihre Tasse auf dem Tisch ab und stand auf. Wie hatte er nur erwarten können, dass sie nicht sofort durchschaute, was er vorhatte. Dann begann sie, mit dem Zeigefinger in seine Richtung zu fuchteln. Henry wusste, was er da losgetreten hatte und versuchte nicht einmal, sie zu stoppen. »Du weißt ganz genau, dass ich kein Teil deiner mysteriösen Aktionen sein will! Ich helfe dir gerne mit dem technischen Kram, aber das ist zu viel. Das System hat mich und meine Werkstatt gerade erst akzeptiert und jetzt sogar angefangen, mich ein wenig zu fördern, weil ich wertvoll für diese Schicht bin. Wenn ich auch nur eine winzige Bewegung Richtung Revolte mache, ist es vorbei, bevor es richtig angefangen hat!«

    Henry hob resignierend beide Hände. »Ist ja gut.« Er seufzte. »Lass uns nachsehen, ob die Software schon durch ist.«

    Noch einmal fixierte Kayra ihn mit zusammengekniffenen Augen, dann nickte sie und gab ihm im Vorbeigehen mit dem Handrücken einen durchaus schmerzhaften Klaps gegen die Schulter.

    »Aua«, murrte Henry leise, nachdem sie außer Hörweite war und folgte ihr schließlich.


    »Sieht soweit gut aus.« So lautete Kayras Urteil, nachdem sie sich die Ergebnisse der Softwareanalyse ausgiebig angesehen hatte. »Programmiert wie ein stinknormaler Holoprojektor.«

    Dann folgte etwa eine Stunde, in der sie das kleine Gerät vollständig in seine Bestandteile zerlegte, die einzelnen Teile testete und schließlich alles wieder zusammensetzte. Henry versuchte derweil nicht zu gelangweilt auszusehen, während er neben ihr stand und das Geschehen verfolgte. Er hatte nie verstanden, wie sie so viel Freude am Schrauben und Basteln finden konnte.

    Als die letzte Schraube wieder festgezogen war, drückte sie ihm den Projektor wieder in die Hand. »Hier. Absolut sauber.«

    »Danke.« Er schaltete das Gerät ein und verschaffte sich mit wenigen Handgriffen einen Überblick über dessen Inhalt. Neben dem Foto, das sein Auftraggeber ihm bereits in der Bar gezeigt hatte, befanden sich wie angekündigt die Bilder der Klatschpresse darauf. Sie zeigten eine schlanke Gestalt, in einen Mantel gehüllt. Unter einer Kapuze lugte die Hälfte eines Gesichts hervor.

    »Ist sie das?«, fragte Kayra und sah ihm über die Schulter.

    »Vielleicht«, gab er zurück. »Das sind nur die Bilder, mit der die Presse in der Oberstadt versucht, sie zu verspotten. Hier, das Bild ist besser.« Er wechselte zurück zu dem Foto von der Jahrtausendfeier. »Hast du sie schonmal gesehen?«

    »Nicht, dass ich wüsste. Aber sie ist Politikerin, mit denen habe ich es nicht so.«

    »Laut ihrem Vater ist sie im Stadtrat auch nicht die Bekannteste, geschweige denn die Beliebteste. Immerhin vertritt sie einige sehr radikale Ideen und die sieht das System nunmal nicht gerne.«

    »Hm«, machte Kayra nachdenklich. »Ist dir schon der Gedanke gekommen, dass sie nicht aus eigenem Antrieb verschwunden ist, sondern dass man sie hat verschwinden lassen?«

    »Guter Punkt«, bestätigte Henry. »Ihr Vater hat sie offenbar schon für unzurechnungsfähig erklären lassen. Vielleicht glaubt er, wenn ich sie zurückbringe, dass er sie überzeugen kann von jetzt an ein unauffälliges, aber privilegiertes Leben unter seiner Aufsicht zu führen.«

    »Stell dir das mal vor. Wie grausam.« Verächtlich wandte Kayra sich ab und begann, den Tisch aufzuräumen, an dem sie die vergangene Stunde gearbeitet hatte. Henry erwiderte nichts darauf. Es war nicht sein Job sich darum zu kümmern, dass es den Leuten, die er suchte und fand danach gut ging. Er tat das ganze, weil er gut darin war und weil er so genug Geld verdiente, um seine Schwester und seinen Vater zu unterstützen. Seit Kayras Werkstatt gut lief, hatte er diesbezüglich glücklicherweise weniger Sorgen.

    »Jedenfalls hätte ich diese Lösung für deutlich wahrscheinlicher gehalten, hättest du mir nicht vorhin von deiner Begegnung mit dem Jungen erzählt. So werde ich mir die Sache mal ansehen müssen.«

    »Du willst also morgen dahin gehen?«

    Henry nickte. »Es sei denn, du änderst deine Meinung«, schob er dann vorsichtig hinterher. Böse kniff sie wieder die Augen zusammen, aber da sie nicht direkt anfing, zu lamentieren, wagte er noch einen weiteren, kleinen Vorstoß. »Es ist ein öffentlicher Platz. Morgen ist dort Markt, soweit ich weiß. Niemand wird dich verdächtigen, irgendetwas Verbotenes zu tun, wenn du dort deine Einkäufe erledigst. Du musst dich auch nach niemandem umschauen, das werde ich übernehmen. Ich folge dir unauffällig und schaue, wer sich für dich interessiert. Höchstwahrscheinlich wäre es das schlimmste, was passieren kann, wenn du dort zu viele Credits ausgibst.«

    Er beobachtete, wie sie nachdenkend mit den Zähnen knirschte und ihn dabei weiter anfunkelte. »Na schön«, knurrte sie schließlich. Henry setzte ein freudiges Lächeln auf und wollte ihr in bester Manier sagen, dass sie eine wundervolle Schwester war, aber Kayra packte wieder ihren fuchtelnden Zeigefinger aus. »Ah!«, machte sie nur, sodass er den Mund gar nicht erst aufmachte. »Spar dir deine schönen Worte. Ich werde das mit Sicherheit noch bereuen.«

  • Hallo Oriane ,


    auch Teil 2 liest sich sehr schön. :)

    Beim Lesen habe ich mir aber nun die Frage gestellt, wie man den Namen Kayra eigentlich ausspricht?

    Ka-ira oder Kaira (ohne Pause) oder ganz anders?

    Bin weiterhin gespannt, wie es weitergeht. ^^


    Hier dann noch ein paar Anmerkungen zum Text selbst:

  • Hallo Oriane ,

    ich habe die beiden Kapitel jetzt in einem Rutsch gelesen und kann nur sagen: MEEEEEHR!!!

    Thema, Schreibstil, Charaktere, Beschreibungen, Dialoge - alles passt für mich, ich habe keinerlei Kritik, Fragen oder Verbesserungsvorschläge. Und ich würde gerne Weiterlesen! :thumbup:

    Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
    (Ricarda Huch)



    :cookie:


    ___________________

  • Tariq und Kiddel Fee


    Freut mich natürlich, dass es dir gefällt, Tariq :)

    Ich arbeite seit kurzem tatsächlich wieder an dem Projekt und habe auch an den ersten Kapiteln und am gesamten Plan ein paar Änderungen vorgenommen. Allerdings bin ich aus Gründen aktuell nicht wirklich aktiv hier und das letzte was ich will, ist mich zum Schreiben unter Druck setzen, das funktioniert nämlich nicht^^

    Ich bin im Moment froh, dass ich überhaupt wieder Kapazitäten habe, über die Geschichte nachzudenken und deshalb werde ich das ganze fürs erste für mich behalten und nichts vorschnell hochladen. Aber wenn grundsätzlich Interesse besteht, sage ich gerne Bescheid, wenns was zum zeigen gibt :)