Bernhard Hennens "Elfen": Ein (moderner) Klassiker?

  • Liebe Forler,


    ich habs in "Was lest ihr gerade" angestoßen, aber es interessiert mich tatsächlich so, dass ich nicht will, dass es zwischendrin untergeht. Eine Suche hat ergeben, dass Bernhard Hennens "Die Elfen" dort öfter mal auftauchen.


    Ich selber habe immer mal wieder sporadisch den Eindruck erhalten, die Trilogie könnte sich in Bekanntheit, aber auch in Anspruch und Epochalität dem Ruf eines (modernen) Klassikers annähern, oder zumindest in Szenekreisen schon besitzen.

    Da ich hier ja jetzt mal einen solchen Szenekreis aufgetan habe, wollte ich fragen, was ihr darüber denkt. :D


    Mit Anspruch meine ich die umfassende Behandlung des Elfen-Mythos, der, wenn wir es als Klassiker betrachten wollten, schon abschließende oder zumindest standardsetzende Qualität erreicht. Diese Standards, die das Werk setzen würde oder gesetzt hätte wären dann eben ›epochal‹, weil sie unsere Epoche der zumindest deutschen Fantasy und unseren Blick auf den Elfen-Mythos entscheidend prägten.


    Also? Wer von euch kennt die Reihe überhaupt (nicht)? Oder den Autor? Wie schätzt ihr ihn ein? Beobachtet oder fühlt ihr genannte Tendenzen?

    fragt und grüßt

    Theo!

  • Wer von euch kennt die Reihe überhaupt (nicht)? Oder den Autor?

    Da Du auch jene ansprichst (Hervorhebung von mir): Ich bin einer der Ignoranten. Ich habe zwar vom Herrn Hennen gehört und sein Gewerk in diversen Buchhandlungen in der Hand gehabt, muss aber wohl seine Bücher nach Lesen des Waschzettels wieder zurückgestellt haben ins Regal.

    Aber ich bin wohl eh ein sehr untypischer Fantasy-Konsument, da mir auch die Tolkienschen Bücher bis heute fremd geblieben sind (außer: vom "Hobbit" las ich die ersten 10 Seiten, ich weiß nicht mehr, worums da ging, nur dass mir der Schreibstil alle Haare aufrollen ließen und die Fußnägel zu Berge standen... oder wars gar andersrum?)


    Also: Gehört hat man wohl von der Existenz derer, ihre Geschichten jedoch wurden (aus diversen Gründen) noch (?) nicht inhaliert... Und irgendwie kichern sie mich auch nicht wirklich an...




    Die EDIT hat noch ein PS gefunden: Danke für Deine Signatur! :friends:

    Der Unterschied zwischen dem, was Du bist und dem, was Du sein möchtest, liegt in dem, was Du tust.
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    Was würdest Du tun, wenn Du keine Angst hättest?

  • Lieber Theo-Drecht

    Habe die "Elfen" gerne gelesen. Herr Hennen ist eine sehr sympathische Person, die ich auf der BuCon in Dreieich kennenlernen durfte. Inzwischen ist er ja beinahe so etwas wie die graue Eminenz des deutschen Fantasy. Immerhin ist ihm das Kunststuck gelungen, dass seine Bücher erfolgreich ins Englische übersetzt wurden. Sonst geht es ja, nicht immer zufriedenstellend, in die andere Richtung.

    Ich mag seinen Schreibstil. Sicher sind "Die Elfen" ein Klassiker, wenn das Rad damit auch nicht bei erfunden wurde.

  • Ah, das sind schonmal tolle Meinungen. Ich muss gestehen, dass ich danach sehr durstig bin, weil ich irgendwann über die Pubertät weg die Fantasy(szene) vergessen und erst jetzt (glücklich) dahin zurückkehre.

    Für Cory Thain: Welcher Schreibstil ist denn der, den du bevorzugst? Oder kannst du dich erinnern, welches Thema dich auf dem Waschzettel abgeschreckt hat?

    Ich hatte den Eindruck, dass Hennen es schafft, mitzureißen, ohne Details oder Umfassung einzubüßen.

    Für Sensenbach: Uch du hast ihn kennengelernt? Ich neide! Kannst du nochmal genauer erläutern, inwiefern du ihn als "graue Eminenz" wahrnimmst? Ich bin ja wie gesagt ein Wiedergänger – Ich empfinde graue Eminenz literarisch als Jemand, der durch seinen Einfluss auch ohne direkt in Erscheinung zu treten doch seine stofflichen Stränge in jedem (neuen) Werk drin hat, mal mehr mal weniger. Trifft das ungefähr deine Wahrnehmung?

  • Welcher Schreibstil ist denn der, den du bevorzugst? Oder kannst du dich erinnern, welches Thema dich auf dem Waschzettel abgeschreckt hat?

    Ich bin eigentlich nicht so der "Autoren-Leser". Aber im Grunde mag ich den Eschbach-Stil sehr, auch bei den nicht ganz so fantastischen Geschichten. Ansonsten schau ich eher nach Buchtiteln, die mich anhopsen, und dann nach deren Waschzettel... Manchmal lasse ich mich auch von Empfehlungen leiten (Amazon ist da sehr umtriebig, da kommst bei "Kunden sahen sich auch an" vom Hölzchen zum Stöckchen).

    Und: Nein, ich kann mich nicht erinnern, was genau der Rückstell-Grund bei den Hennen-Büchern war. Wenn sowas passiert, speichre ich meist nur Autor und Titel auf meiner internen Festplatte ab, im Ordner: Nicht zugreifen...


    Jetzt, mitten im Tippen fiele mir noch ein typisches Beispiel für meine Lesestrategie ein: Ich habe "Die Oger" von S. Russbült gern gelesen. An Teil zwei und drei driften meine Wunschgedanken immer ab. Ich weiß nicht warum und (das geb ich zu) ich hinterfrag mich da auch nicht. Ähnlich gings mir mit "Die Karte der Welt" von (*grübel*) öh... Buckingham, Royce. Den ersten hab ich mal gelesen, den zweiten kenn ich gar nicht und den dritten Teil (Die rubinrote Königin) habe ich mehrfach verschlungen... Und nein, ich kann nicht sagen warum.


    Hilft Dir nicht wirklich weiter, nehm ich mal an...hm?

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  • Heyho Theo-Drecht

    Mit Anspruch meine ich die umfassende Behandlung des Elfen-Mythos...

    *Plopp* Was ist das: "Elfen-Mythos"?

    Fange ich da im hohen Norden bei der Edda an?

    Oder verstehe ich unter Elfen das Bild, welches uns J.R.R.Tolkien mitgegeben hat...und starte von da aus?

    Alternativ dazu kann ich mir auch "Die Königstochter aus Elfenland" (Lord Dunsany, 1924) heranholen, der mit dieser Erzählung ganz sicher auch wieder etwas zu Tolkiens Elfenbild/-Mythos beigetragen hat.

    Diese Standards, die das Werk setzen würde oder gesetzt hätte wären dann eben ›epochal‹, weil sie unsere Epoche der zumindest deutschen Fantasy und unseren Blick auf den Elfen-Mythos entscheidend prägten.

    *Plopp* Welche "Standards"?

    Und wozu brauche ich die? Ich möchte mir die Sicht nicht gerne einengen lassen auf das, was Elfen sind oder nicht sind. Oder sein könnten.

    Ein Elf ohne spitze Ohren ist keiner/keine?

    So wie ein Zwerg immer kleiner zu sein hat als ein Mensch und zwingend einen Bart trägt (Zwerginnen eingeschlossen)?


    Das sind Klischees, die sich eingebürgert haben. Die bediene ich aus Gewohnheit selbst. Aber ich hätte auch kein Problem damit, wenn jemand Elfen ohne spitze Ohren oder Zwerge mit einer Körpergröße von einsneunzig in eine Geschichte reinbringt...

    :D:D:D

  • Kannst du nochmal genauer erläutern, inwiefern du ihn als "graue Eminenz" wahrnimmst?

    Na. Ich habe den Eindruck, dass er im deutschsprachigen Raum als der "Elfen"-Fachmann gilt. Zudem ist er einer der Autoren der Phileason-Saga, die bei besonders bei Rollenspielern bekannt ist. Beim "Schwarzen Auge" hatte er auch einigen Einfluss, aber da kenne ich mich nicht gut aus. Bei der BuCon hatte ich den Eindruck, dass Herr Hennen einigermassen umworben wird. Trotzdem erschien er mir sehr nahbar und freundlich.


    https://www.facebook.com/bernh…d%20hennen&epa=SEARCH_BOX

  • Es ist bei mir schon ne ganze Weile her, dass ich die Bücher gelesen habe. Ich hab auch nicht alle Bücher (es sind mittlerweile laut Wikipedia 14 Bücher!?) daraus gelesen, aber mindestens mal so die ersten zwei Trilogien(?) :hmm:

    Wie bei vielen langen Reihen hab ich irgendwann die Lust daran verloren. Gleiches gilt für die Völker-Romane im Allgemeinen. Ich finde es etwas schade, wenn phantastische Wesen wie Elfen über nur ein Werk oder einen Autor definiert werden und Nuancen verschiedener Interpretationen verloren gehen. Da bin ich durchaus bei Der Wanderer , "der Elfen-Mythos" ist eigentlich doch zu vielseitig, vielschichtig als umfassend in einem Roman behandelt zu werden.

    Aber wenn ich mich richtig erinnere, dann waren mindestens die ersten beiden Bücher - Die Elfen und Elfenwinter - richtig gut. Was Hennens Fähigkeiten als Schreiber angeht... ja, der kann schon was. Mir persönlich gefällt von ihm aber "Rabensturm" am besten. Das spielt auch in der Rollenspielwelt des Schwarzen Auges und wenn ich gerade nicht ganz falsch liege, dann kommt da auch ein Elf vor :hmm: . Noch dazu in einem Setting, das eher an Tausend-und-eine-Nacht erinnert und damit doch ein wenig aus dem sonstigen High-Fantasy=Europäisch-nordisches-Mittelalter heraussticht.


    Ob jetzt Die Elfen ein modernen Klassiker ist... da bin ich überfragt. Hättest du mich nach fünf Fantasy-Büchern/Reihen gefragt, die nach 2000 erschienen sind und die "man als Fantasyfan" gelesen haben muss, dann weiß ich nicht, ob ich Die Elfen genannt hätte. Die Frage ist natürlich sowieso höchst subjektiv und geschmacksabhängig, aber mal so hypothetisch.

    Diese Standards, die das Werk setzen würde oder gesetzt hätte wären dann eben ›epochal‹, weil sie unsere Epoche der zumindest deutschen Fantasy und unseren Blick auf den Elfen-Mythos entscheidend prägten.

    Standards finde ich irgendwie nicht so passend für das, was ich sagen möchte. Aber Die Elfen haben schon einen Trend gesetzt, nämlich mehr oder weniger diese Völkerromane angestoßen*, die jeweils ein etabliertes Volk in die Mitte ihrer Handlung setzen und durch die Erzählung eben charakterisieren. Allerdings glaube persönlich, dass die filmische Interpretation der Elben/Elfen durch The Lord of the Rings von Peter Jackson die Auffassung der Elfen wesentlich stärker geprägt hat als es je ein Buch in unserer Zeit noch könnte. Das ist natürlich nur mein Bauchgefühl.


    *Ich korrigiere, Die Orks von Stan Nichols waren da 2002 wohl der erste Roman, aber Die Elfen (2004) waren auch ziemlich am Anfang mit dabei.

    „Alice, man darf sein Leben nicht nach anderen richten. Du allein musst die Entscheidung fällen.“ [Alice im Wunderland]

  • Ich habe ziemlich viel von Hennen gelesen, am wenigstens allerdings von seinen 'Elfen'- Romanen. Er schreibt spannend und vielseitig, und ist ideenreich.

    Wenn man die Bedeutung eines Werkes daran misst, wie viele andere, gerade Künstler, es inspiriert hat, dann haben seine Elfen Bücher schon einigen Einfluss ausgeübt.


    Ob seine Elfen Klassiker des Genres werden, werden wohl erst die Jahre erweisen. Für mich sind sie weder vom Thema noch von seiner Umsetzung wegweisend.