Schreibwettbewerb Januar/Februar 2022

Es gibt 10 Antworten in diesem Thema, welches 2.532 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (8. März 2022 um 20:44) ist von Kiddel Fee.

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Zusammen :)

    Hiermit eröffne ich feierlich den ersten Schreibwettbewerb im Jahr 2022! *schneidet das Band mit einer unfassbar großen Schere durch*
    Willkommen :D

    Moog hat als Gewinner:in des letzten Wettbewerbs folgendes Thema gestellt:

    "In fremden Gewändern"

    Ich bin gespannt!


    Einsendeschluss : 06. Februar 2022

    ‡ Die Geschichte muss in Form einer Konversation (PN) (NICHT per E-Mail oder auf meine Pinnwand!) an Chaos Rising geschickt werden. (Betreff: "Schreibwettbewerb Januar/Februar 2022: [Username]")

    ‡ Die Geschichte muss im Fantasy-Genre angesiedelt sein. Dh. Es müssen Elemente der Fantastik darin enthalten sein.

    ‡ Die Geschichte muss einen Titel haben.

    ‡ Die Geschichte muss mindestens aus etwa 3500 - 10'500 Zeichen bestehen.

    ‡ Die Geschichte muss formatiert sein (siehe auch -> Texte richtig formatieren)

    ‡ Die Geschichte darf keine farbige Schrift enthalten.

    ‡ Die Geschichte muss Absätze haben und darf kein reiner Textblock sein.

    ‡ Nur eine Geschichte pro Teilnehmer.

    ‡ Nur deutschsprachige Texte erlaubt, mit Ausnahme von Fremdwörtern, die zum Verlauf der Geschichte passen.

    Der amtierende Gewinner darf nicht am Wettbewerb teilnehmen, da er/sie das Thema vorgibt und sich so einen Vorteil erspielen könnte.

    ‡ Nach Einsendeschluss werden alle Geschichten anonym in einem Thread veröffentlicht und ihr habt einen Monat Zeit, per Umfrage eure Stimme abzugeben. Diese darf nicht an sich selbst vergeben werden.

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    Preise im Wettbewerb:


    Der Sieger:


    ‡ Darf das nächste Thema für den Schreibwettbewerb vorgeben.

    ‡ Wird in die Rangliste eingetragen.

    ‡ Bekommt für zwei Monate einen eigenen Rang und die Sonderrechte eines Super Users.

    ‡ Bekommt eine einzigartige Foren-Trophäe.


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    Wer noch Fragen hat, stellt sie bitte hier im Thread. smile.png

    In diesem Sinne viel Spaß beim Schreibwettbewerb und beim Geschichten ausdenken wink.png


    LG Chaos

  • Chaos Rising 12. Februar 2022 um 21:44

    Hat das Thema geschlossen.
    • Offizieller Beitrag

    Welche beste? 12

    1. Kleider, die Geschichten schrieben (2) 17%
    2. Nachtwanderer (7) 58%
    3. Die Aufzeichnungen von Inspektor Vernard – „Die Schwestern der Leere“ (3) 25%

    Chaos heute wortkarg:
    Chaos 3 Geschichten.
    Du abstimmen!

    • Offizieller Beitrag

    Kleider, die Geschichten schrieben

    von Jennagon

    Sophie schlurfte mit viel zu großen Schuhen über den alten Parkettboden im Schlafzimmer ihrer Urgroßmutter. Das Mädchen musste dabei aufpassen, dass sie nicht über den viel zu langen Saum des bunten Blumenkleides stolperte, das sie wie eine Schleppe hinter sich herzog.

    „Pass nur auf, dass du nicht fällst“, mahnte Sophie die alte Stimme ihrer Urgroßmutter.

    Wippend saß die alte Frau in ihrem Schaukelstuhl und beobachtete ihre Enkelin dabei, wie diese Spaß dabei hatte, ihre alten Kleider anzuziehen.

    „Woher hast du das Kleid“, wollte Sophie wissen, nachdem sie vor dem Spiegel stand.

    „Das hat mir mal dein Uropa geschenkt, aber das ist schon ganz lange her“, erwiderte die alte Frau. „So lange schon, dass ich mir über den Anlass gar nicht mehr sicher bin. Ich glaube, es war zum achtzehnten Hochtzeitstag. Da waren wir schick essen.“

    „Vergisst man sowas, wenn man alt wird?“, fragte Sophie.

    Ihre Uroma lachte. „Ja, das auch, aber kaum jemand hat jeden Anlass im Kopf. Früher musste Kleidung lange halten, nicht so wie heute. Man kaufte sich nur zu bestimmten Anlässen mal ein neues Kleid oder Hemd. Schuhe brachte man zum Schuster und schmiss sie selten in den Müll. Deswegen hat die Kleidung viel erlebt und viel gesehen.“

    „Diese Schuhe auch?“

    Sophie hob das Kleid hoch und schaute auf die feinen Lackschuhe hinunter, die einen kleinen Keilabsatz und eine Schleife besaßen.

    „Die hat mir deine Mutter zum achtzigsten Geburtstag geschenkt, weil meine alten abgelaufen waren. Den Schuster gab es schon nicht mehr.“

    Sophie schaute in den offenstehenden Kleiderschrank und entdeckte eine weiße Schürze, die sie ergriff und versuchte, sich umzubinden. Doch ein Knoten war gar nicht so leicht. Vor allem, wenn man ihn hinter dem Rücken machen musste.

    „Na komm mal her“, meinte ihre Uroma und streckte die Arme aus. „Ich helfe dir.“

    Mit erneut schlurfenden Schritten näherte sich Sophie ihrer Urgroßmutter und ließ sich beim Zubinden helfen. „Und die Schürze? Wo kommt die her?“

    „Die habe ich mir mal in der Stadt gekauft, weil ich Hausmädchen bei einer gut betuchten Familie war“, erklärte die Uroma und band eine große Schleife. „Sie ist noch älter als das Kleid.“

    „Wie alt?“, fragte Sophie neugierig.

    „Das war kurz nach dem Krieg.“

    Sophie hatte häufiger etwas von einem Krieg gehört, aber konnte ihn nicht einordnen. Wenn ihre Urgroßmutter mit ihrer Großmutter oder Mutter sprach, schien es immer als Zeitangabe zu dienen. Vor oder nach dem Krieg. Mehr wusste das Mädchen nicht darüber. Was Sophie aber wusste, dass es in dem Kleiderschrank ihrer Urgroßmutter ganz anders aussah als in ihrem. Alles besaß seinen Platz, alles war geordnet und so glatt. Ihre Mutter war keine Freundin vom Bügeln, während ihre Oma und Urgroßmutter alles in Perfektion faltenfrei hielten. Selbst Unterhosen.

    Nachdem die Schleife fertig war, grinste Sophie und drehte sich im Kreis. „Jetzt sehe ich aus wie du früher“, sagte sie.

    „Ja, das tust du, mein kleines Schätzchen“, erwiderte die Urgroßmutter mit einem gewissen Stolz in der Stimme und kniff leicht in die Wange ihrer Enkelin, „aber eines fehlt noch.“

    Die alte Frau erhob sich langsam aus ihrem Schaukelstuhl und ging zu einer alten Kommode. Langsam zog sie an dem Messinggriff, und knarzend kam die Schublade heraus. Es dauerte etwas, bis die Urgroßmutter fand, was sie suchte. Mit einer dunklen Schatulle in der Hand lief sie wieder zum Schaukelstuhl und setzte sich. „Die habe ich mir von meinem ersten Lohn gekauft“, erzählte die alte Frau und öffnete die Schatulle.

    Sophie schaute neugierig dabei zu, was ihre Uroma tat.

    Zum Vorschein kam eine goldene Kette, in deren Mitte ein goldenes Kreuz baumelte. „Dreh dich mal um“, sprach die alte Frau, und Sophie tat es.

    Nachdem ihre Urgroßmutter Sophie die Kette umgelegt hatte, betrachtete sich das Kind erneut im Spiegel. „Darf ich die behalten?“, wollte Sophie wissen und sah durch den Spiegel, wie ihre Uroma nickte.

    „Sie ist für dich! Aber pass mir gut auf die Kette auf!“, erwiderte die alte Frau lächelnd. „Nicht, dass du sie beim Spielen verlierst.“

    Mit einem Lächeln versprach Sophie das ihrer Urgroßmutter und drückte sie. Dabei sog sie den Geruch der alten Frau tief ein. Eine Mischung aus Lavendel und Rosenblüten.

    „Sophie, wir müssen los!“, rief die Stimme ihrer Mutter aus dem Erdgeschoss.

    Das Mädchen schaute ihre Urgroßmutter überrascht an, dann begann es, sich eilig die Kleider auszuziehen. Erst die Schürze, dann die Schuhe, zum Schluss das Kleid.

    „Sophie!“, erklang es erneut aus dem Erdgeschoss.

    Das Mädchen verteilte ringsherum alle Kleidungsstücke.

    „Dass du mir das nachher alles aufräumst!“, ermahnte die Urgroßmutter Sophie.

    Hastig nickte das Mädchen und zog sich seine Schuhe an. Noch einmal drückte es seine Urgroßmutter, sog deren Geruch auf und riss dann die Tür des Schlafzimmers auf. „Bin gleich da!“

    Bevor Sophie das Zimmer verließ, schaute zu noch einmal zu ihrer Urgroßmutter, welche lächelnd ihren Zeigefinger an die Lippen hielt.

    Mit großen Schritten stieg Sophie danach die steilen Stufen der alten Holztreppe hinunter, an deren Ende ihre Mutter und Großmutter warteten.

    „Was hast du denn da oben gemacht?“, verlangte ihre Mutter zu wissen.

    „Nichts“, antwortete Sophie gedehnt. „Nur gespielt.“

    „Woher hast du denn die Kette?“, setzte ihre Großmutter die Frage nach.

    Sophie schaute auf ihre Brust, auf der sich die goldene Kette durch den schwarzen Stoff gut absetzte. „Die hat Oma Elvira mir geschenkt“, antwortete Sophie ehrlich.

    Das Mädchen bemerkte, wie die beiden Frauen skeptische Blicke austauschten.

    „Wir müssen los! Der Pfarrer ist sicherlich schon da“, lenkte die Großmutter vom Thema ab und öffnete die Haustür.

    „Nur einen Moment nur ...“, antwortete die Mutter und drängte sich vorsichtig an Sophie vorbei die Treppe hinauf.

    Sophie folgte ihr und sah, wie ihre Mutter in das Zimmer schaute, in dem der Schaukelstuhl verlassen in der Ecke wippte.

    „Ist Oma Elvira jetzt in den Himmel gegangen?“, hakte Sophie nach und betrachtete ebenso das leere Zimmer.

    • Offizieller Beitrag

    Nachtwanderer

    von Kiddel Fee

    “Esst, ihr Lieben!”

    Trish bekam noch einen weiteren Berg Ei mit Schinken auf den Teller. Ihre Wirtin, Mrs Kilky, Ausbund schottischer Gastlichkeit, nahm keine Rücksicht auf eventuell volle Mägen. “In den Flitterwochen darf man doch keinen Hunger leiden!” Ohne auf die leicht gequälten Gesichter ihrer völlig übersättigten Gäste zu achten, zog sich die kleine, kugelrunde Frau einen der abgegriffenen Stühle heran und ließ sich am Frühstückstisch nieder. “Was habt ihr denn heute vor?”

    “Das Schlachtfeld”, antwortete Miles, nachdem er seinen vierten Toast mühsam mit Kaffee heruntergespült hatte. Eine vage Handbewegung deutete aus dem Fenster in Richtung des Culloden Field, was nur ein paar hundert Meter von der kleinen Farm mit Pension entfernt lag. Trish nickte, den Mund voller Rührei.

    “Ooh!” Mrs Kilkys Augen begannen ehrfurchtsvoll zu leuchten. “Da habt ihr euch einen guten Tag ausgesucht. Das Wetter passt perfekt. Genau wie damals!”

    Trish schaute zweifelnd hinaus, in schottisches Matschwetter. Dann wandte sie sich wieder Mrs Kilky zu. “Sie sind aus dem Cameron-Clan, nicht wahr? Die Decke auf dem Sofa …”

    Die ältere Dame nickte. “Gutes Auge, Mädchen. Hast du keltisches Blut in den Adern?”

    “Teilweise.” Trish grinste zu Miles hinüber. “Einen schottischen Großvater, eine amerikanische Mutter und einen englischen Mann. Ich will Miles die Heimat meiner Vorväter zeigen.”

    Miles lächelte zurück. “Kennen Sie eine Geschichte von Culloden, die nicht in jedem Touristenführer steht, Mam?”, fragte er erwartungsvoll.

    Für einen Moment schien Mrs Kilky zu zögern. “Es gibt eine … Geschichte. Sie betrifft unseren Hof hier und ich habe von den Nachbarn gehört, dass sie ihn ebenfalls gesehen haben.”

    “Wen gesehen?” Der Toast in Trishs Magen schien plötzlich einen kalten Klumpen zu bilden.

    “Den Nachtwandler. Den Wächter des Feldes. Nachts, wenn der Nebel kommt, taucht er auf. Man hört nur seine schmatzenden Schritte und sieht den Schein der Laterne auf und ab schwingen.” Mrs Kilky klang ganz nüchtern. “Er beschützt die Gehöfte vor den ruhelosen Geistern der Gefallenen.”

    Gänsehaut kroch an Trish herauf und instinktiv zog sie ihre Strickjacke fester an sich. “Ein Geist? Haben Sie ihn schon einmal gesehen?”

    “Hm, schon oft. Er läuft an der Mauer entlang, als wollte er das Schlachtfeld umkreisen.” Bedächtig begann Mrs Kilky, das leere Geschirr zu stapeln.

    “Das ist doch Unfug.” Miles leerte seine Kaffeetasse und stellte sie mit Nachdruck auf die weiße Leinentischdecke.

    Doch Trish glaubte nicht, dass sich ihre Wirtin dies alles nur ausdachte. Dafür schien sie zu entspannt. “Wie sieht der Geist denn aus?”

    Nachdenklich strich die ältere Frau über eine Serviette. “Er trägt eine Pike und die Laterne. Plaid und Mütze. Ein typisch schottischer Geist eben.”

    “Und Sie haben keine Angst?”

    “Nein, wieso?” Lächelnd erhob sich die Dame und begann, die Teetassen ineinander zu stapeln.

    Trish hätte gerne noch mehr erfahren, doch sie spürte Miles’ Abneigung gegen dieses Thema.

    “Genug. Danke, Mrs Kilky.” Ihr Ehemann erhob sich und schob den Stuhl zurück. “Ich denke, wir werden erst gegen Abend zurückkehren.” Er warf Trish einen langen Blick zu.

    “Natürlich.” Die Gastgeberin ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. “Klingeln Sie ruhig, ich bin noch wach.”

    “Danke”, entgegnete Miles wieder.

    Den ganzen Tag über sprachen sie nicht über Mrs Kilkys merkwürdige Geistergeschichte. Sie streiften über das Schlachtfeld, schossen Fotos für Trishs Verwandtschaft und verbrachten mehrere Stunden im Besucherzentrum. Anschließend bummelten sie noch durch Iverness, aßen, kauften Souvenirs und kamen schließlich zur Dämmerung wieder in ihre kleine Unterkunft auf der Farm.

    Mrs Kilkys Einladung, sich mit an den Kamin zu setzen, lehnte Miles müde ab. Er hatte Kopfschmerzen und schlechte Laune. Im Gegensatz zu Trish, die jeden Text und jede Tafel mit Feuereifer nach Spuren diverser Urahnen durchsucht hatte, war Miles Engländer durch und durch. Für ihn fiel die Schuld an diesem Gemetzel eindeutig den Schotten zu und dieser Nationalitätskonflikt hatte bereits beim Dinner für einen Streit gesorgt.

    Trish ließ sich dankbar auf das breite Sofa mit dem bunten Blümchenstoff sinken.

    Mrs Kilky schenkte ihr ein drum Whisky ein. Dann wanderte ihr Blick aus dem Fenster. Wieder regnete es, Nebel stieg dampfend aus den Weiden hinterm Haus und wurde von der schnell von der herannahenden Dunkelheit verschluckt. “Heute Nacht wird er wieder kommen, der Geist. Das Wetter stimmt.”

    Trish spürte einen Schauer über ihre Schultern laufen. Das Feuer knackte und ließ sie erschrocken zusammenfahren. Sie nahm einen großen Schluck in der Hoffnung, das plötzliche Kältegefühl in sich zu vertreiben.

    “Manche sagen, es wäre kein Soldat. Sondern der letzte Tote vom Moor.” Mrs Kilky nickte nachdenklich. “Nicht immer halten sich die Touristen an die Route, wieder und wieder verschwinden Menschen. Schotten, Engländer - einmal im Moor sinkt man wie ein Stein. So viele Seelen, die grauenvoll zu Tode gekommen sind. Der Boden ist voller Blut. Und der Wächter läuft seine Runde. Seine Laterne soll die rechten Pfade weisen.”

    “Oder sie leuchtet Neugierigen den Weg in den Tod.” Trish trank noch einmal. “Miles glaubt nicht daran. Vielleicht haben die Engländer keine Geister, aber ich … ich fühle mich mit diesem Land verbunden. Mit seiner Geschichte. Und auch mit seinen Geistern. Miles … nicht.”

    Mitfühlend nickte ihre Wirtin. “Vielleicht wird Culloden es ihn lehren”, murmelte sie.

    .Sie saßen noch eine ganze Weile, bis die Standuhr im Esszimmer elf schlug. Seufzend leerte Trish ihr Glas “Danke, Mrs Kilky. Und eine gute Nacht.”

    Im halbdunklen Flur tastete sie sich die Treppe hinauf zu den Gästezimmern. Als sie die Tür öffnete, schlug ihr feuchte Kälte entgegen.

    “Miles?”

    Das Bett war leer, die Decke auf seiner Seite weit zurückgeschlagen. Und das Fenster stand sperrangelweit offen.

    “Miles!” Trish setzte über das Bett und starrte in die nebelnasse Nacht hinaus. “Miles!”

    Nichts zu sehen. Nur bleicher Nebel, der über die Wiese kroch, umhüllt von Stille.

    Etwas quietschte leise. Als Trish nach links an der Hauswand entlang sah, konnte sie im Nebel einen Lichtpunkt erkennen, der sich flackernd aus der Dunkelheit schälte.

    Ihr Herz schien für einen Moment stehen zu bleiben.

    Wieder quietschte es, dazu kam ein langsames gleichmäßiges Schmatzen. Das Geräusch von Stiefel, die in der nassen Wiese einsanken.

    “Miles!” Ohne nachzudenken, stürzte sie zur Tür, fiel beinahe die enge Treppe hinunter und über die erstaunte Mrs Kilky. “Miles!” Die Rufe ihrer Wirtin ignorierte sie. Wo war das Licht?

    Da, zu ihrer Linken zuckte es in der Finsternis. Sie hetzte am Haus entlang, stolperte durch den Gemüsegarten und landete schließlich vor der hüfthohen Mauer, die das Farmland umfasste.

    “Miles! Bleib stehen!” Nebelschwaden waberten um ihre Beine, doch sie sah nur den schwachen Schein der Laterne, als sie über die Mauer kletterte.

    Und das vertraute Gesicht, unter einer dunklen Mütze aus Tartanstoff.

    “Miles.” Ihre Stimme gehorchte ihr nicht.

    Dafür schien sich die Seine wie Eis in ihren Kopf zu bohren. “Geh ins Haus, Trish. Ich kann nicht zurückkommen.”

    “Was?” Die Worte wollten keinen Sinn ergeben.

    “Ich bin jetzt einer von ihnen. Schottisch, englisch, was macht das für einen Unterschied? Tot sind sie alle. Und die Wache ist nun meine Aufgabe..”

    Quietschen, Schmatzen, Laternenschein und Eisstimme begannen um sie herum zu strudeln. Sie verstand nicht und irgendwie tat sie es doch.

    “Miles…” Ihr Blick suchte seine Augen, doch da wandte er sich schon ab, zog das nasse Plaid - wieso trug ihr englischer Mann ein Plaid? - fester um sich.

    “Oh, der Stoff …mach dir keine Gedanken”, schien er zu murmeln. “Das Gewand stört mich nicht. Im Moor sind alle gleich.” Seine Schritte entfernten sich, das Licht wurde von der Dunkelheit verschluckt.

    Sie merkte nicht mehr, wie sie in das schlammige Gras sank.

    Der junge Mann grinste und wechselte einen verliebten Blick mit seiner Frau. “Kennen Sie eine Geschichte von Culloden, die nicht in jedem Touristenführer steht, Mam?”, fragte er erwartungsvoll.

    Trish Cameron zog, wie immer bei dieser Frage, den Stuhl zurück und nahm am Tisch Platz. Ihre Hände, schwielig und von Altersflecken überzogen, strichen über die Servietten. “Oh, es gibt eine Geschichte. Der letzte Tote von Culloden. Der Nachtwandler. Der Wächter des Feldes. Nachts, wenn der Nebel kommt, taucht er auf. Man hört nur seine schmatzenden Schritte und sieht den Schein der Laterne auf und ab schwingen.”

    • Offizieller Beitrag

    Die Aufzeichnungen von Inspektor Vernard – „Die Schwestern der Leere“

    von @Simon_Mooky 

    Irgendetwas ist faul an dieser Geschichte. Dass mich meine Ermittlungen zu diesem Kloster geführt hat gefällt mir nicht. Zudem hat der Chief schon angedeutet, dass es hier nicht mit rechten Dingen zugehen soll. Außerdem befindet sich dieser Ort – für meinen Geschmack zumindest – zu nahe am Nebel. Dass die Gegend auch nicht in den Sicherheitsbereich von Elexandria fällt, kommt noch dazu. Aber was sollen ein paar Mönche schon Hinterlistiges treiben. Sie sind schließlich Stunden, wenn nicht Tage von allen anderen bekannten Dörfern und Städten entfernt. Nur keine Aufmerksamkeit erregen. Ich werde das Kind schon schaukeln. Die Robe vom Tatort habe ich bereits angezogen. Ich bleibe einfach bei meiner Geschichte und gebe mich als Herr Aaron aus. Ein sympathischer Name, wie ich finde. Sobald ich die nötigen Informationen habe, bin ich wieder weg. Durchatmen und eintreten. Ganz einfach.


    Herr Aaron: Grüße sie! Mein Name ist Aaron. Ich war vor langer Zeit in diesem Kloster ansässig und hoffte, alte Erinnerungen wieder aufleben zu lassen. Zudem bin ich müde von der langen Reise. Würden sie mir Eintritt gewähren?

    Dunkler Mönch: Grüße sie Wanderer! Natürlich treten sie ein. Eine warme Mahlzeit hat noch keinem geschadet. Das Wetter wird auch bald umschlagen. Bleiben sie doch die Nacht. Ich komme hinunter und öffne ihnen das Tor.


    Immerhin sind die Mönche hier, entgegen ihrer Erscheinung sehr freundlich. Ich muss mir wohl doch keine Sorgen machen. An die schwarzen Hände und die schwarzen Striche in deren Gesichter, werde ich mich aber nicht so schnell gewöhnen.


    Dunkler Mönch: Bitte treten sie ein und folgen sie mir.

    Herr Aaron: Herzlichen Dank werter Mönch.

    Dunkler Mönch: Bitte nennen sie mich Melchiar. Sie sagen also, sie waren bereits bei uns im Kloster? Ihren Händen nach zu urteilen, waren sie aber kein Jünger des dunklen Feuers. Wie kommt das?

    Herr Aaron: Das stimmt. Es ist schon Jahre her. Ich war damals auch auf Wanderung, von Norhol nach Elexandria. Ich durfte eine Zeit lang hier verbringen und mir wurde die Ehre zu Teil, die Robe, die ich trage als Abschiedsgeschenk zu erhalten.

    Melchiar: Eine wirklich schöne Robe. Der Verzierung nach zu urteilen, gehörte sie einer Schwester der Leere.


    Na also! Offensichtlich gibt es hier neben den Mönchen auch einen Frauenbund. Die Schwestern der Leere. Ich wusste doch, dass sich die Diebin hier im Kloster aufhält. Schließlich haben mich alle Hinweise hierhergeführt. Schon seltsam, dass ich von diesen Schwestern noch nie etwas gehört habe.


    Herr Aaron: Ja ganz genau. Ich hatte gehofft, mit den Schwestern ein Wort wechseln zu dürfen. Der alten Tage Willen.

    Melchiar: Wie ihr wisst, ist den meisten meiner Brüder das gesprochene Wort untersagt. So auch den Schwestern. Wisst ihr noch, welche Schwester euch die Robe überreicht hat?

    Herr Aaron: Ich kann mich nur sehr vage daran erinnern. Vielleicht würde ein Treffen meine Erinnerung auffrischen. Die Schwestern haben doch sicher auch noch eine Sprecherin, so wie ihr ein Sprecher für die Mönche seid.

    Melchiar: Ich glaube das lässt sich einrichten. Folgt mir bitte zu den Kammern der Schwestern.


    Gleich ist es so weit. Sobald ich die Schwestern treffe, werde ich geschickt weiterfragen und die Diebin entlarven und festnehmen. Auf lange Sicht wird der gestohlene Dunkelring wieder zurück nach Elexandria kommen. Handelt es sich doch um ein sehr seltenes Exemplar, auf das der Besitzer nicht verzichten kann. Und dann nichts wie weg von diesem Ort. Alles ist hier in einen dunklen Schleier gehüllt. Die Hallen und Kammern sind alt und modrig. Und außer Melchiar habe ich auch noch keine anderen Mönche, geschweige denn Schwestern, gesehen. Ich werde mich davor hüten, hier die Nacht zu verbringen.


    Melchiar: Bitte Herr Aaron, treten sie ein. Eine der Schwestern wird gleich kommen.

    Herr Aaron: Danke Melchiar.

    Melchiar: Nehmen sie doch derweil auf der Bank hier Platz.


    Und weg ist er. Der Plan hat funktioniert. Sobald die Schwester kommt, werde ich mich zu erkennen geben und das Verhör beginnen. Sie wird wohl kooperieren müssen, da eine aus ihrem Bunde eine Kriminelle ist. Und sie wollen sicher nicht, dass das hohe Tribunal von Giara hier in diesem Kloster auf meine Empfehlung hin eine Untersuchung einleiten wird.


    Frauenstimmen aus der Leere des Raumes: Inspektor. Wir haben sie erwartet.

    Herr Aaron: Was?! Hallo, wer spricht da? Geben sie sich zu erkennen!

    Frauenstimmen aus der Leere des Raumes: Sie haben uns unsere Robe wieder gebracht, Herr Inspektor. Wir wollen Ihnen danken, Herr Inspektor.


    Was geht hier vor? Wo kommen die Stimmen her? Es ist niemand in diesem Raum. Bei den Göttern die Türe ist versperrt. Wie komme ich hier raus.


    Herr Aaron: Geben sie sich endlich zu erkennen! Was wird hier für Hexenwerk getrieben? Ich bin Inspektor Vernard aus Elexandria und auf der Suche nach einer Diebin, die einen sehr kostbaren Dunkelstein in gestohlen hat. Wenn sie nicht augenblicklich mit diesem Spiel aufhören, werde ich ihnen die Ermittler des hohen Tribunals auf den Hals hetzen!

    Frauenstimmen aus der Leere des Raumes: Sie kleiden sich wohl gerne in fremden Gewändern, Herr Inspektor. Einem Mann ist es untersagt, die Robe einer Schwester der Leere zu tragen. Die Strafe ist die ewige Leere, Herr Inspektor.


    Ich glaube ich sehe etwas. In der dunklen Ecke des Raumes ist eine Gestalt zu sehen. Ganz verschwommen. Verschmolzen mit dem Hintergrund. Verschmolzen mit der modrigen Luft in diesem Raum. Kann es sein, dass jemand die Kraft der Dunkelringe perfektioniert hat? Das ist unmöglich. Ich sehe diesen Schatten und doch ist er nicht erkennbar. Niemand kann die Ringe auf diese Weise nutzen. Wie kann das sein?


    Frauenstimmen aus der Leere des Raumes: Genug, Herr Inspektor! Das schwarze Feuer wird sie strafen!


    Aargh! Ein Stich! In meinen Rücken. Es war ein Hinterhalt. Sie wussten, dass ich komme. Mir wird langsam schwarz vor Augen. War es das? Endet hier meine Geschichte? Ich habe keine Kraft mehr. Die Dunkelheit umhüllt mich…


    Melchiar: Herr Aaron, wachen sie auf.


    Was ist geschehen? Mein Kopf schmerzt wie wahnsinnig. Meine Augen schmerzen. Aber bei den Göttern, ich lebe noch. Was ist in dieser Kammer passiert? Wie komme ich in dieses Schlafgemach?


    Inspektor Vernard: Melchiar, was ist geschehen? Wo sind die Schwestern der Leere. Ich wurde in einen Hinterhalt gelockt!

    Melchiar: Herr Aaron, sie müssen verwirrt sein. Sie sind auf dem Weg zu einer Schlafkammer zusammengebrochen. Das liegt sicher an ihrer langen Reise. Zumindest konnten sie die ganze Nacht durchschlafen, und das Wetter hat sich auch schon gebessert. Sie sollten sich nun wieder auf ihren Weg begeben. Ich hoffe, wir konnten ihnen ein Stück weit behilflich sein.

    Inspektor Vernard: Aber die Schwestern der Leere, sie haben mich vergiftet – und die Robe, das Beweisstück – sie ist weg. Sie haben sie mir genommen.

    Melchiar: Herr Aaron, sie müssen einen schrecklichen Traum durchlebt haben. Es gibt in diesem Kloster keine Frauen. Sie waren bei ihrer Ankunft gestern auch nicht in eine Robe gekleidet. Wie gesagt, das müssen die Anstrengungen ihrer Reise sein. Ich wünsche ihnen nun einen guten Tag und eine gute Weiterreise.


    Habe ich das nur geträumt? Kann es sein? Der Weg hierher war beschwerlich. Aber das Beweisstück, die Robe, sie wurde mir doch genommen. Ich träume doch nicht. Wenn es ein Hinterhalt war, muss ich diesen Ort so schnell wie möglich verlassen und dem Chief in Elexandria berichten. Wobei - wird er mir glauben? Niemand hätte jemals etwas von den Schwestern der Leere gehört. Ich würde mich verrückt anhören. Ich weiß doch, was ich gesehen und erlebt habe. Dieser Mönch verbirgt doch etwas. Dieser Ort, er ist verflucht. Ich muss hier jedenfalls schnellstmöglich weg!


    Inspektor Vernard: Vermutlich war es tatsächlich nur ein Traum, lieber Melchiar. Ich danke ihnen für ihre Gastfreundschaft und mache mich direkt auf den Weg.

    Melchiar: Ich wünsche eine gute Reise - Herr Inspektor.

  • Chaos Rising 5. März 2022 um 15:03

    Hat den Titel des Themas von „Schreibwettbewerb Januar/februar 2022“ zu „Schreibwettbewerb Januar/Februar 2022“ geändert.
    • Offizieller Beitrag

    So, nachdem ich das letzte Mal so Wortkarg war, werde ich jetzt ein bisschen mehr reden und mal sehen, wieviel man eigentlich schreiben kann ohne was zu sagen - erfahrungsgemäß eine ganze Menge, jedoch ist es jedem selbst überlassen ob er/sie/es diesen Einleitungstext überhaupt liest, weil so richtig weiterhelfen tut er einem ja auch nicht, wenn man eigentlich nur wissen möchte, wer den Schreibwettbewerb Januar/Februar 2022 eigentlich gewonnen hat - eine Information, die ich hinter einem ganzen Haufen sinnlosem Gelaber verstecke und zwar einfach nur, weil ich es kann, ob es euch passt oder nicht, ist dabei auch gar nicht wichtig, aber wie dem auch sei wir haben jedenfalls eine Gewinnergeschichte und zwar hat mit 7 von 12 Stimmen, also 58% und damit sogar einer absoluten Mehrheit heute

    Spoiler anzeigen

    @Kiddelfee mit ihrer Geschichte "Nachtwanderer"

    gewonnen und sich damit einen herzlichen Glückwunsch und das Recht, das Thema der nächsten Geschichte vorzugeben, verdient und möge dieses bitte Zeitnah nutzen und mir das Wunschthema mitteilen, während der Rest von euch ihr (und den anderen Teilnehmern, die ihr jetzt unter den Titeln der Geschichten findet) hudligt und hier im Thread natürlich auch gerne Rückmeldung zu den Geschichten geben dürft - ich für meinen Teil werde diesesn elendig langen Satz jetzt endlich zu seinem wohlverdienten Ende führen und freue mich bereits auf das Ende dieses zugegebenermaßen unnötigen Experiments, das hiermit gekommen ist.

    LG Chaos :chaos:

  • Herzlichen Glückwunsch zum Sieg, Kiddel Fee , aber auch den anderen beiden Geschichten von Jennagon und @Simon_Mooky ein großes ":thumbsup: " von mir. Ich fand alle drei sehr gelungen. :thumbup:
    Vielen Dank euch!

    PS: Einen weiteren :thumbsup: an Chaos Rising für den vermutlich längsten Satz, den ich je gelesen habe. :S

    "Er wird wiederkommen. Die Berge sind wie ein Virus. Man infiziert sich mit der Liebe zu ihnen
    und es gibt kein Gegenmittel. Sie führen in eine Sucht, man kommt nicht mehr von ihnen los.
    Je länger man sich woanders aufhält, desto größer wird das Verlangen, sie wiederzusehen."

    Chad, der Holzfäller
    aus "Der Wolf vom Elk Mountain"

    ___________________

  • Herzlichen Glückwunsch euch Dreien für die gelungenen Geschichten, die ich gerne gelesen habe! (Besonders da ich mir vergebens den Kopf zerbrochen und leider nichts zu dem Thema zustande gebracht habe).

    Ich hatte diesmal wirklich Schwierigkeiten, mich zu entscheiden, wem ich meine Stimme geben soll, denn mir haben alle Geschichten gut gefallen.

    Besonderen Glückwunsch natürlich an die Gewinnerin Kiddel Fee

    Deine Geschichte hat wirklich das besondere Etwas. Etwas schottische Geschichte, ein Liebespaar und dazu ein Schauermärchen, das am Ende sogar wahr wird. Tolle Idee mit ordentlichem Gruselfaktor und sehr schön geschrieben!

    Auch die Story von Jennagon um die mysteriöse Urgroßmutter und ihre alten Kleider hatte ein gewisses Flair. Ich habe mich direkt in die alte Kammer meiner eigenen Großmutter zurückversetzt gefühlt und das Mädchen fand ich auch sehr niedlich.

    Allerdings im Vergleich zu den beiden anderen Geschichten gab es hier nur ein klein wenig Gänsehaut, das ging bei den anderen Geschichten eindeutig tiefer.

    Meine Stimme habe ich nach einigem Überlegen der Geschichte von @Simon_Mooky gegeben. Ich mochte diesen interessanten Wechsel der Erzählperspektive und habe auch die ganze Zeit gerätselt, was wohl hinter all dem steckt. Es gab da auch einige Wendungen. Das hat mir gefallen.

    Ein kleines Manko ist der Stil, der Text ist wie ein Drehbuch geschrieben, da fehlt also die schöne Prosa einer Erzählung, was ich auch vermisst habe. Hier sind die beiden anderen Geschichten eindeutig überlegen.

    :) :) :)

    Meine Geschichten: * Meermädchen * Kriegerkönigin * Dark Prince

  • Wow ich freu mich wahnsinnig! Gratuliere an Kiddel Fee ! Fand die Geschichte echt super!

    Danke Kirisha

    Ich wollte mich als Neuling im Forum mal direkt hineinwerfen. Ganz zufrieden war ich im Nachhinein nicht. Mein Prozess ist noch zu chaotisch und ich hab noch keinen Kopf, um die ganzen Notizen in ordentliche Geschichten zu verpacken. Hoffe ich kann in Zukunft noch mehr hier im Forum beitragen und vor allem von euch lernen.

    LG