Schreibwettbewerb März/April 2022

Es gibt 9 Antworten in diesem Thema, welches 1.749 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von Kirisha.

    • Offizieller Beitrag

    Hallo!

    Heute kurze Sätze!

    Neues Thema von Kiddel Fee !


    Henkersmahlzeit


    gogogo!


    Einsendeschluss : 10. April 2022

    ‡ Die Geschichte muss in Form einer Konversation (PN) (NICHT per E-Mail oder auf meine Pinnwand!) an Chaos Rising geschickt werden. (Betreff: "Schreibwettbewerb März/April 2022: [Username]")

    ‡ Die Geschichte muss im Fantasy-Genre angesiedelt sein. Dh. Es müssen Elemente der Fantastik darin enthalten sein.

    ‡ Die Geschichte muss einen Titel haben.

    ‡ Die Geschichte muss mindestens aus etwa 3500 - 10'500 Zeichen bestehen.

    ‡ Die Geschichte muss formatiert sein (siehe auch -> Texte richtig formatieren)

    ‡ Die Geschichte darf keine farbige Schrift enthalten.

    ‡ Die Geschichte muss Absätze haben und darf kein reiner Textblock sein.

    ‡ Nur eine Geschichte pro Teilnehmer.

    ‡ Nur deutschsprachige Texte erlaubt, mit Ausnahme von Fremdwörtern, die zum Verlauf der Geschichte passen.

    Der amtierende Gewinner darf nicht am Wettbewerb teilnehmen, da er/sie das Thema vorgibt und sich so einen Vorteil erspielen könnte.

    ‡ Nach Einsendeschluss werden alle Geschichten anonym in einem Thread veröffentlicht und ihr habt einen Monat Zeit, per Umfrage eure Stimme abzugeben. Diese darf nicht an sich selbst vergeben werden.

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    Preise im Wettbewerb:


    Der Sieger:


    ‡ Darf das nächste Thema für den Schreibwettbewerb vorgeben.

    ‡ Wird in die Rangliste eingetragen.

    ‡ Bekommt für zwei Monate einen eigenen Rang und die Sonderrechte eines Super Users.

    ‡ Bekommt eine einzigartige Foren-Trophäe.


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    Wer noch Fragen hat, stellt sie bitte hier im Thread. smile.png

    In diesem Sinne viel Spaß beim Schreibwettbewerb und beim Geschichten ausdenken wink.png



    LG Chaos


    • Offizieller Beitrag

    Welche Geschichte hat euch am besten gefallen? 5

    1. Marvius, der Brotdieb (4) 80%
    2. Das letzte Mahl (1) 20%

    La Le Lu
    Nur der Mann im Moooond schaut zu
    wenn die kleinen Uuuser vooooten!

    • Offizieller Beitrag

    Marvius, der Brotdieb

    von Tariq


    Die Buchweizengrütze, noch dampfend in der Tonschüssel, duftete verlockend und der saftige Schinken daneben stand ihr in nichts nach. Bei dessen Anblick lief einem das Wasser im Munde zusammen, erst recht, wenn man sich vorstellte, wie die Kräuterkruste beim Kauen brach und ihren würzigen Geschmack auf der Zunge entfaltete. Eine Portion Eier mit gebratenen Zwiebeln auf dem Holzbrett vor ihm wetteiferte in strahlendem Gelb mit der Butter, die im selben Farbton leuchtend in einer kleinen hölzernen Schüssel danebenstand. Aus dem bauchigen Bierkrug, der etwas weiter hinten stand, war der Schaum übergelaufen und hatte auf der blankgescheuerten Tischplatte einen weißen Ring um das Gefäß gebildet. Und daneben, in ein feuchtes Tuch eingeschlagen, entdeckte er ein kleines Stück Käse.

    Das frisch gebackene Brot jedoch stellte alles in den Schatten. Es schien förmlich darum zu betteln, mit beiden Händen aufgenommen und gebrochen zu werden, um danach Zähne zu spüren, die es heißhungrig verschlangen.

    Langsam hob er eine Hand und berührte die Kruste. Fast zärtlich strich er darüber. Brot. Wie wunderbar wohlschmeckend und zugleich sättigend es war. Er hatte nie darüber nachgedacht, wenn er welches aß. Gedankenlos und unachtsam hatte er Bissen um Bissen in sich hineingestopft.

    Er seufzte.

    Marvius hatte Brot gestohlen. Dafür war er zum Tode verurteilt worden.

    Nein, nicht nur für ein Brot. Für die Gegenwehr bei seiner Ergreifung. Für den toten Gardisten, der plötzlich auf dem blutüberströmten Pflaster des Marktplatzes gelegen hatte, mit dem langen Messer des Bäckers im Bauch.

    Wie hatte es dorthin kommen können? Er konnte es sich nicht erklären. Niemand sonst war in der Nähe gewesen. Nur drei: zwei Gardisten und Marvius. Der Brotdieb.

    War er tatsächlich der Mörder? Der Bäcker – so hieß es – hatte zu weit entfernt gestanden und war nie verdächtigt worden, den Gardisten erstochen zu haben. Und deshalb war der, der gestohlen hatte, für die Gerichtsbarkeit auch der, der getötet hatte.

    Tod durch Enthauptung. Auf eben dem Marktplatz, auf dem die Tat geschehen war. Die mit einem gestohlenen Brot begonnen hatte ...

    Er starrte den runden Laib vor sich an und spürte, wie es seine Kehle zuschnürte. Von solch einem Brot konnte ein Häftling nur träumen. Genau wie von all den Sachen hier auf dem Tisch.

    Stumm saß er da, wie erstarrt. Seine Hände, die nach den Köstlichkeiten greifen konnten, ruhten reglos im Schoß. Heute war der Tag. Er wusste, dass er essen sollte. Aber er konnte es nicht. Sein Magen fühlte sich an wie ein Stein und ihm war klar: Keinen Bissen würde er hinunterbekommen, keinen Schluck Bier. Das Rührei wurde kalt. Trotzdem griff er nicht nach dem Löffel. Und auch nicht nach dem Brot.

    Iss, befahl ihm sein Verstand. Das ist dein Frühstück. Nur für dich. Also iss! Es ist dein gutes Recht.

    Es half nichts. Er rührte das Essen nicht an.

    So saß er, bis die Tür geöffnet wurde. „Es ist so weit“, brummte eine tiefe Stimme.

    Er schob den Schemel zurück und erhob sich schwerfällig. Während er mit schleppenden Schritten zu Tür ging, spürte er sein Herz schlagen. Bis in den Hals hämmerte es. Angst ergriff ihn. Nackte Angst, wie er sie nie gekannt hatte. Würde er das durchstehen können, was ihn erwartete?

    Der Mann in der Stadtgardisten-Uniform, der im Korridor auf ihn gewartet hatte, musterte ihn. Er trug Schwert und Schild, wie es üblich war. „Dann mal los“, murmelte er. Es klang teilnahmslos und das bärtige Gesicht zeigte keine Regung.

    Es ist ja auch nicht seine Hinrichtung, dachte er bitter, während er die Kapuze über den Kopf zog und dem Gardisten folgte. Seine Arme zitterten schon jetzt wie im Fieber ...

    Noch bevor sie das Gebäude verließen, hörte er das Murmeln der Menschen auf dem Marktplatz. Es schwoll an, als sie ins Freie traten und er für einen Moment geblendet die Lider zusammenkniff. „Gnade!“, hörte er jemanden rufen und „Er ist unschuldig!“

    Es würde keine Gnade geben. Er musste diesen Weg bis zum Ende gehen. Mit weichen Knien stieg er die Stufen des Podestes hinauf, das man in der Mitte des Marktplatzes errichtet hatte. Oben hatten sich bereits drei Gardisten aufgereiht. Er stellte sich vor sie, dann wartete er.

    Das Gemurmel der Menschen schwoll an. Die Rufe nach Gnade wurden lauter, immer mehr stimmten ein. Sie steigerten sich zu einem Chor, zu einer einzigen, fordernden Stimme, die Gnade für Marvius, den Brotdieb, verlangte.

    Für Marvius, der eben aus dem Hof des Stadtgefängnisses herausgebracht worden war, der jetzt die Podeststufen erklomm und dabei starr nach unten sah.

    Für Marvius, der ohne Regung das Verlesen des Urteils über sich ergehen ließ und dann von derben Fäusten auf die Knie gezwungen wurde.

    Für Marvius, seinen besten Freund, dem er jetzt den Kopf abschlagen musste.

    • Offizieller Beitrag

    Das letzte Mahl

    von Moog


    Schritte hallten durch die Gänge. Ein junger Mann eilte an Fenstern und Türen vorbei, ohne auch nur einen Blick für seine Umgebung übrig zu haben. Der Stoff seiner frisch genähten und noch frischer gekauften Uniform raschelte. Das harte Leder seiner Stiefel klackte; ein Stakkato, das sich in das Klacken, Klirren und Stampfen der anderen Bediensteten einordnete. Unwillkürlich passte sich der Mann dem Rhythmus des Schlosses an, und als seine Schritte mit denen der anderen verschmolzen war es, als könnte man das Schlagen eines unbezwingbaren Herzens hören, das Schlagen des Palastes!

    Sein Weg führte den Mann durch ein bewachtes Tor über eine Treppe hinunter in die Kellergewölbe, die sich tief in die Erde bohrten. Hier unten, hunderte von Metern unter den massigen Schlossmauern reihten sich in Gängen unzählbare dunkle Türen aneinander, die zu weiteren Türen und Gängen führten.

    In der Zelle, in die der junge Mann am Ende seines Weges blickte, war nur ein einzelner Gefangener; ein altes gebeugtes Männchen in zerschlissenen Fetzen, die mehr Erinnerung als Kleidung waren.

    Der junge Mann räusperte sich und trug vor, was er sich sorgsam eingeprägt hatte. „Verurteilter! Der Tag deiner Strafe naht! Wie jedem anderen Verurteilten steht dir die freie Wahl deines letzten Mahles zu!“

    Doch der Gefangene sagte nichts.

    „Was willst du essen?“, versuchte es der junge Mann noch einmal. „Was soll ich der Küche ausrichten?“

    Diesmal regte sich der Gefangene. Sein schmaler Mund stieß ein krächzendes Lachen aus, das die Augen des Alten nicht erreichte. Für einen Moment blieb sein Blick am verwunderten Gesicht des jungen Besuchers hängen.

    „Mein Henkersmahl“, flüsterte der alte Mann, „hatte ich bereits vor vielen vielen Jahren.“


    *


    Gabalo de Klarr war ein gut aussehender Mann mittleren Alters. Seine Sachen trug er in einem Bündel über der Schulter und dennoch sorgte er sich nicht. Die Goldtaler in seiner Börse und die Empfehlungsschreiben in seiner Tasche gaben ihm alle Möglichkeiten, die er brauchte. Nicht zu vergessen die Säckchen mit den Gewürzen; wann immer Gabalo konnte, kaufte er Salz und Pfeffer und alles, was die städtischen Feinwarenhändler anboten.

    Immer wenn Gabalo die Schürze ablegte, während dampfende Schüsseln und Teller auf den Händen der Dienerschaft die Küche verließen, lächelte er. Gabalo kannte die Küchen in den großen Fürstenhäusern, in den Villen der Kaufleute und in den Schlössern der Könige. Hier wuchs er über sich hinaus und verfestigte seinen Ruf, als der Koch der mittleren Lande. Nicht selten bot man ihm unvorstellbare Reichtümer, wenn er nur bliebe.

    Doch Gabalo blieb nie. „Ich werde erst halten, wenn ich sie alle gesehen habe; alle jene Menschen, die unsere Welt lenken“, pflegte er zu sagen.

    „Nun“, erwiderten die anderen nicht selten. „Das könntet Ihr tun. Doch sei Euch geraten, Euch vom Wildscheinwappen fernzuhalten.“ Der Fürst, der unter diesem Wappen herrschte, sei ein grausamer Mensch, der Fehler nicht dulde. Niemand könne seine Ansprüche erfüllen und wer sie nicht erfülle, sei der Gnade des zornigen Mannes ausgeliefert.

    Manch anderer mochte sich nach solchen Warnungen von jenen Landen fernhalten. Doch nicht so Gabalo! Jede weitere Stimme trieb ihn nur näher, bis er schließlich vor den mit Wildschweinbannern behangenen Palasttoren stand.


    Der Mann in der kantigen Uniform studierte aufmerksam die Schreiben, die ihm Gabalo gereicht hatte. Sorgfältig las er stets bis zum Ende und widmete sich dann dem nächsten Brief, bis er sie alle von Anfang bis Ende gelesen hatte. Gabalo lächelte amüsiert.

    „Bitte warten Sie hier“, sagte der Mann und gab Gabalo die Papiere zurück. Dann verschwand er. Als er wiederkam, winkte er Gabalo, ihm zu folgen. „Wir haben Arbeit für Sie!“

    „Schön“, antwortete Gabalo. „Haben Sie denn einen bestimmten Wunsch, was gekocht werden soll? Oder soll ich selbst entscheiden?“

    „Sie bereiten Henkers Mahl vor“, antwortete der Mann. „Was genau Sie zubereiten, das entscheiden Sie selbst.“

    „Ich soll ein Henkersmahl kochen?“ Gabalo blieb vor lauter Überraschung stehen. „Und da soll ich selbst entscheiden? Ich meine, gibt es da nicht immer einen Wunsch?“

    Der Mann in der Uniform sah Gabalo zweifelnd an. „Sind Sie wirklich ein Koch?“, fragte er.

    Gabalo kniff die Augen zusammen. Dann lachte er laut auf. „Der beste! Sie werden schon sehen!“

    Die Küche, in die Gabalo geführt wurde, suchte in Größe und Ausstattung ihresgleichen. Staunend sah sich Gabalo um. Hier gab es aus edelsten Metallen geschmiedete Pfannen und Töpfe, eine Vorratskammer mit dem feinsten getrockneten Fleisch und dem aufwändigst eingelegten Gemüse und Messer, denen man die Schärfe ansah.

    „Ich bin beeindruckt“, stellte Gabalo fest. „Hier ist wirklich alles von bester Qualität.“

    „Es sind nicht die Dinge, deren Qualität zu beweisen ist“, entgegnete der andere. „Es sind die Köche, die scheitern.“

    Gabalo strich sich mit der Zunge über die Zähne und schnalzte. „Ich habe Ihre Herausforderung schon beim ersten Mal verstanden.“

    „Wir werden sehen.“

    „Geben Sie mir ein paar Informationen“, versuchte es Gabalo, „In welchem Verhältnis steht Ihr Fürst zu dem Verurteilten?“

    Der andere bedachte Gabalo mit einem seltsamen Blick. „Ich weiß nicht, warum… Egal. Der Fürst hasst die Verurteilten. Er verachtet Fehler und niemand ist fehlerhafter als ein Verurteilter. Unser Herr nutzt jede Möglichkeit, um diese Menschen für ihre Fehler zu bestrafen.“

    „Und dennoch gewährt er ihnen ein letztes Mahl?“, fragte Gabalo.

    Der andere zögerte. „Wäre es möglich, würde er auch dies nutzen, um sie zu bestrafen.“

    „Nun“, erwiderte Gabalo grinsend, „möglich ist es.“

    „Wie?“

    Gabalo lachte. „Das werde ich Ihnen zeigen.“

    „Gut. Dann zeigen Sie. Später. Jetzt kochen Sie erst einmal.“ Und damit drehte er sich um und ging.


    Eine Herausforderung hatte Gabalo noch nie ausgeschlagen. Warum auch? Die Bestätigung zahlloser wichtiger Persönlichkeiten gab ihm das Selbstbewusstsein, keine Aufgabe zu fürchten.

    „Ein Henkersmahl…“, murmelte Gabalo vor sich her. „Sicher könnte ich etwas einzigartiges kreieren, dass seinesgleichen sucht. Doch mich dünkt, dass die Schwierigkeit hier an anderer Stelle liegt. Würde ich mein Bestes geben, würde der Verurteilte besser speisen als der Fürst. Aber um etwas Schreckliches auf einen Teller zu legen, bräuchte man mich nicht.“ Gabalo lachte. „Oh, eine solche Herausforderung habe ich gesucht!“ Er spürte, wie das Blut durch seinen Körper peitschte. Wie lange hatte er sich nicht mehr so lebendig und jung gefühlt!

    „Ich muss etwas tun, was nur ich tun kann. Ein Gericht erschaffen, das lockt und zugleich abstößt. Es muss mit Geruch und Aussehen, mit seinem anfänglichen Geschmack und seiner Präsentation die Gier des Essers wecken. Und dann, wenn er sich auf dem kulinarischen Höhepunkt seines Lebens befindet, muss das Gericht zuschlagen!“


    Mit erfahrenem Blick suchte Gabalo die feinsten Zutaten heraus und schnitt sie mit geübten Händen in feine, in lange und in kantige Stücken. Er presste und goss, marinierte und legte ein. Eine Ente, die angebunden in einer Ecke der Küche geschlafen hatte, verlor in Gabalos Händen ihren Kopf, wurde ausgenommen und zerlegt, sorgsam auf glühendem Nussholz gebraten als Haut, Streifen und Innereien im Gericht verwendet.

    Bedacht goss Gabalo zarte Schokolade in zwei Schüsseln; während sie erkaltete und zu den Hälften einer Kugel erstarrte, hockte sich Gabalo in einer anderen Ecke der Küche über einen Topf und kackte ihn voll. Erst als die sämige Masse abgekühlt war, füllte er sie in die Schokoladenhälften, die er anschließend aufeinandersetzte und mit weiterer Schokolade so sorgsam verschloss, dass niemand riechen oder auch nur ahnen konnte, was im Inneren der Kugel wartete. Das Scheißekügelchen, wie Gabalo seine Erfindung nannte, platzierte er erst unter die Mitte seines Gerichts, als die Diener schon bereit standen, um zu servieren. Wenn alles gutgeht, dachte Gabalo, wird die Haut der Kugel erst in zehn bis fünfzehn Minuten geschmolzen sein; mitten im Essen wird den Verdammten der Geruch und, sollte er zu schnell sein, auch der Geschmack der Überraschung treffen.


    „Sind Sie zufrieden mit Ihrem Gericht?“ Der unifomierte Diener hatte Gabalo kurz nachdem das Essen geholt wurden war, mitgenommen.

    „Es sind keine Worte nötig“, erwiderte Gabalo, „wo der Erfolg alles sagt.“

    Der Diener nickte wortlos. Er führte Gabalo durch die Gänge des Schlosses, die - je weiter sie kamen - immer prunkvoller und besser bewacht wurden.

    „Wo gehen wir hin?“, fragte Gabalo neugierig.

    „In das fürstliche Speisezimmer.“

    „Aha“, erwiderte Gabalo und fügte nach einer Weile hinzu, „wieso?“

    „Es gehört sich, dass der Koch nach dem Mahl vorstellig wird.“

    Gabalo nickte. „Und die Gefangenen essen im Speisezimmer des Fürsten?“, fragte er, nachdem sie zwei weitere Türen passiert hatten.

    „Nein“, erwiderte der andere. „Natürlich nicht. Im Speisezimmer des Fürsten isst der Fürst.“

    Gabalo hielt noch im Ausschreiten inne.

    Der Diener brauchte einen Moment, um das zu bemerken. Irritiert sah er zurück. „Herr de Klarr, geht es Ihnen nicht gut?“

    Gabalo zögerte. „Wir gehen in das Speisezimmer des Fürsten, wo nur der Fürst isst, um über das Henkersmahl zu sprechen, das ich zubereitet habe.“

    Der Diener blinzelte.

    „Wie heißt Euer Fürst?“, brachte Gabalo zögernd über die Lippen.

    „Unser Fürst?“

    „Ja. Wie heißt er?“

    „Sie wissen nicht, wie unser Fürst heißt?“

    „JA!“, entgegnete Gabalo aufgebracht. „Ich weiß nicht, wie er heißt! Also sagt Ihr es mir! Wie ist der Name Eures Herrn?“

    Der Diener schien unsicher. Schließlich öffnete er trotzdem seinen Mund. „Henker. Unser Fürst trägt den Namen Karl Glorius Henker der Dritte.“

    Gabalo atmete tief ein und lange aus. Dann streckte er seinen Rücken. Er hatte Henkers Mahl zubereitet; das Mahl für den Fürsten Henker.

    Gabalo konnte vor dem inneren Auge sehen, wie eine goldene Gabel in die verheißungsvolle Schokolade stach und kurz darauf das Scheißekügelchen in den hochwohlgeborenen Mund stopfte. Nur Augenblicke später erschütterte ein fürstliches Brüllen das Schloss.


    *


    „Und so endet meine Geschichte“, flüsterte der Gefangene. „Merk dir mein Junge: Worte sollte man genau nehmen und vor Fragen sollte man sich nicht scheuen!“

    Dann lachte er laut, dass es in den Gängen hallte und der junge Mann einige Schritte zurückwich.

    „Des Henkers Mahl ward somit mein eigenes Henkersmahl gewesen!“, rief er aufgebracht und brach in haltloses Gelächter aus. Noch auf dem Rückweg konnte der junge Mann den Gefangenen lachen und schreien hören.

    „Und die Moral von der Geschicht, Scheiße eignet sich zum Kochen nicht!“

  • Hallo zusammen :)

    Die Abstimmung für den Schreibwettbewerb war ja nun schon am 30.4. beendet. Da er bisher nicht aufgelöst wurde, wollte ich mich wenigstens noch bei den vier Usern bedanken, die für meine Geschichte "Marvius, der Brotdieb" gestimmt haben, denn ich bin ab morgen dann im Urlaub. smilie_car_024.gif Leider kann ich euch hier nicht verlinken, da ich nicht weiß, wer ihr wart. Also - :danke:


    Die Auswahl eines neuen Themas überlasse ich gern dem Autor der zweiten Geschichte.


    "Er wird wiederkommen. Die Berge sind wie ein Virus. Man infiziert sich mit der Liebe zu ihnen

    und es gibt kein Gegenmittel. Sie führen in eine Sucht, man kommt nicht mehr von ihnen los.

    Je länger man sich woanders aufhält, desto größer wird das Verlangen, sie wiederzusehen."


    Chad, der Holzfäller

    aus "Der Wolf vom Elk Mountain"


    ___________________

    • Offizieller Beitrag

    Danke für den Hinweis, Tari ^^

    Ich hatte ein Paar Probleme zuhause, drum hat sich das etwas verzögert.
    Nichtsdestotrotz - entschuldigung.

    Auflösen in dem Sinne muss ich ja nicht mehr, nachdem Tari das ja schon gemacht hat, aber der Vollständigkeit halber:


    gewonnen hat mit 4 von 5 (60%) Stimmen Tariq mit ihrer Geschichte Mavius, der Brotdieb


    Herzlichen Glückwunsch


    Moog Nachdem Tari dir die Wahl des nächsten Themas überlassen hat, würde ich dich bitten, dich per PN bei mir zu melden und das Thema mitzuteilen.



    viele Grüße
    Chaos

  • Gratuliere Tariq

    Mein Stimmchen ging an dich - ein schönes Stück Text :)


    Aber auch Moog Geschichte hat mir sehr gut gefallen ^^


    LG

  • Hallihallo, nach langer Zeit!

    Deine Geschichte hat mir Spaß gemacht, Tariq :D Herzlichen Glückwunsch zum Sieg!


    Danke LadyK :D und

    Vielen Dank an die Person, die mir ihre Stimme gegeben hat :) Ein Stimmchen zu bekommen, ist sehr schön und hat mich sehr gefreut :D

    Was die Geschichte angeht... ich hatte Spaß beim Schreiben und war froh, ein Thema und einen Anlass zu haben, zu dem ich etwas zu "Papier" bringen konnte! Das war ein sonniger, entspannender Moment in einer gerade sehr arbeitsreichen Zeit. Also insofern auch Danke, dass es diesen Wettbewerb hier gibt :D :thumbup:


    Liebe Grüße

    M

  • Herzlichen Dank für die Glückwünsche, Chaos Rising , LadyK und Moog

    Moog, deine Geschichte fand ich toll von der Idee her. Allerdings ist mir schon beizeiten klargeworden, dass nicht der Gefangene die Mahlzeit erhalten soll. Ich dachte erst, der Henker kriegt sie, also der Mann mit dem Henker-Job. Aber den Fürst so zu nennen, war auch eine coole Idee, die mich am Ende dann doch noch überrascht hat. :D

    So, nun hoffe ich, dass dein neues Thema wie eine Bombe einschlägt und den Schreibwettbewerb vielleicht wieder etwas beleben kann. Es ist schade, dass es nur zwei Einsendungen gegeben hat und dass von so vielen Usern nur fünf ihre Stimme abgegeben haben. ;(


    "Er wird wiederkommen. Die Berge sind wie ein Virus. Man infiziert sich mit der Liebe zu ihnen

    und es gibt kein Gegenmittel. Sie führen in eine Sucht, man kommt nicht mehr von ihnen los.

    Je länger man sich woanders aufhält, desto größer wird das Verlangen, sie wiederzusehen."


    Chad, der Holzfäller

    aus "Der Wolf vom Elk Mountain"


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  • Danke euch beiden für eure gelungenen Geschichten. Ich fand beide sehr gut geschrieben und mit überraschenden Pointen und wusste kaum, welche ich besser finden sollte. Darum bin ich nach dem Geruch gegangen und habe mich für Tariq entschieden, denn ehrlich gesagt, Moog ist dir deine Beschreibung so gut gelungen, dass mir beinahe übel geworden ist davon. ich konnte mir das viel zu gut vorstellen! <X

    Meine Geschichten: * Meermädchen * Kriegerkönigin * Dark Prince