Schattenjäger

Es gibt 23 Antworten in diesem Thema, welches 1.143 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von Tariq.

  • Hallo in die Runde,

    das hier ist ein Sideprojekt für einen Roman. Will heißen, ich werde da nicht sonderlich schnell mit vorankommen. :)

    Aber ich habe die Geschichte bereits fertig geplottet und würde mich sehr über Feedback zum Einstieg freuen.

    Gerade bei den Figuren bin ich mir noch nicht sicher, ob sie sich zu sprunghaft lesen.

    Danke für eure ehrliche Meinung!

    Euer epochAal


    Kapitel 1

    Ich öffnete die Augen und vom Tageslicht geblendet, schloss ich sie mit einem Stöhnen wieder.

    Ich fühlte mich elend, aber wusste nicht so recht, warum. Hatte ich gestern zu viel getrunken? Ächzend drehte ich mich auf die Seite und blinzelte gegen das grelle Licht an.

    Mir tat alles schrecklich weh. Hatte ich mich geprügelt?

    Zwischen den Fingern spürte ich Kies und Schlamm und stellte fest, dass ich an einem Flussufer lag.

    »Scheiße«, knurrte ich und richtete mich mit zitternden Armen auf.

    Ich hatte mich noch nie so elend gefühlt. Zumindest … glaubte ich das.

    Denn desto mehr ich mich an irgendetwas zu erinnern versuchte, desto mehr wurde mir klar, dass ich mich an absolut nichts erinnerte.

    Doch!

    Da war eine Sache.

    Neith.

    Ein Name?

    Mein Name!

    Ich drückte meine Handflächen gegen meine hämmernden Schläfen und ein jämmerlich leidendes Stöhnen glitt über meine Lippen.

    Mir fehlte ein Stiefel. Mein großer Zeh zeigte sich durch einen löchrigen grauen Strumpf. Mit einem tiefen Atemzug löste ich meine Hände von meiner Stirn und machte eine Bestandsaufnahme. An meiner Hüfte war ein Gürtel mit zwei Täschchen. Eine Geldbörse, in der sich wider Erwarten Münzen befanden und ein schwarzer Schlüssel, auf den ich mir keinen Reim machen konnte. Das zweite Ledertäschchen konnte ich ausrollen und erblickte darin Dinge, die mir so gar nicht geheuer waren. Ein Set Dietriche, drei fingerhutgroße Glasfläschchen mit zäher Flüssigkeit, Nadeln, ein aufgeweichtes, verklebtes Stück Papier und einen Angelhaken.

    Ich saß eine Weile da und starrte die Sachen an.

    Meine Kehle brannte vor Durst. Mit einer Hand strich ich mir über das von der Sonne verbrannte Gesicht und stieß ein Zischen aus. Jedes Stück freie Haut an mir leuchtete Rot wie eine Garnele. Ich packte das Täschchen wieder an meinen Gürtel und stand humpelnd auf. Mein Fuß ohne Stiefel fühlte sich verstaucht an, aber es war nicht allzu schlimm. Missmutig sah ich das in der Sonne glitzernde Flusswasser an und biss mir auf die rissige Unterlippe. Eine mir unbegreifliche Angst hielt mich davon ab, ein paar Schritte in das flache Wasser zu treten und mit den Händen aus der Strömung zu schöpfen, um meinen elenden Durst zu stillen. Als ob das kühle Nass eine bedenkliche Gefahr darstellte. Statt mein Bedürfnis zu befriedigen, beschloss ich, dass es weiser war, diesem Gefühl zu vertrauen. Unwohl wandte ich den Blick ab. In der Nähe spannte sich eine steinerne Bogenbrücke über den Fluss, auf dessen Mauerbrüstung drei Angler saßen.

    Ich zog meinen verbliebenen Stiefel und die löchrigen Socken aus. Immerhin war es warm und ich fühlte mich weniger dämlich, ganz barfuß herumzulaufen, statt nur mit einem Stiefel.

    Während ich auf die drei Angler zukam, schielten sie skeptisch in meine Richtung.

    »He, in welcher Richtung liegt die nächste Stadt?«, erkundigte ich mich mit kratziger Kehle.

    Die älteren Männer mit der wettergegerbten Haut tauschten einen Blick aus.

    Der hagerste, und vermeintlich auch jüngste von ihnen, wandte sich mir zu. Er deutete mit dem Daumen über seine Schulter. »Dre‘ Kilomedder Flussaufwährds lieschd Remmisch.«

    Ich zog die Stirn kraus. Der Mann hatte einen heftigen sindetter Dialekt. Warum zum Teufel war ich im Norden des Reiches? Ein Stechen durchzuckte meinen Kopf und ich kniff die Augen zusammen.

    Die Männer beäugten mich.

    Drei Kilometer mit einem gestauchten Fuß und meiner miserablen Verfassung klang nicht sehr erbaulich. Andererseits … wie war ich hier überhaupt gelandet?

    »Ehm … wir kennen uns nicht, oder?«, fragte ich die drei Männer wenig hoffnungsvoll.

    Sie sahen mich stumm an, als ob sie herausfinden wollten, ob ich gerade irgendeine Masche abzog.

    »Ich … Ich glaube, ich hatte eine harte Nacht und …« Sie wichen meinem Blick aus und ich konnte förmlich mitansehen, wie sich in ihrer Körperhaltung ihr Argwohn verdeutlichte. Ich stieß den Atem aus.

    »Ach, vergesst es. Danke für die Richtung.«

    Ich wandte mich ab und ging meiner Wege. Die brennende Sonne am Höhepunkt des Firmaments begleitete mich bei jedem müden Schritt. Zweifelsohne sah ich wie ein abgerissener Landstreicher aus, der Skepsis verdient hatte, aber ich hatte Geld. Ich brauchte neue Schuhe, etwas zu Essen und eine Mütze voll Schlaf in einem richtigen Bett. Dann würde mir schon mit der Zeit einfallen, was zur Hölle gestern passiert war.

    In der Ferne tauchten Wachtürme und Zinnen auf. Remmisch, wiederholte ich in Gedanken, als mir jäh ein Geistesblitz kam. Remming! Das war eine riesige Stadt im Norden und die Residenz von König Allerik III. Na, wenn’s da kein kaltes Bier gibt, dachte ich mit einem Grinsen, doch in dem Moment, in dem ich das Gesicht breit verzog, wurde mir der heftige Sonnenbrand darauf wieder bewusst. Ich ließ das Lächeln bleiben und verfluchte grummelnd die Sonne, der ich hilflos ausgeliefert war.

    An dem Tor mit Burggraben und Zugbrücke standen mehrere Wachen. Zwei von ihnen mit Hellebarde. Einer von ihnen rollte mit den Augen und trat mir in den Weg.

    »He, zieh Leine, Landstreicher.«

    Beschwichtigend hob ich die Hände. »Ich bin nicht zum Betteln hier. Ich …«

    »Ich hab gesagt, zieh Leine!« Er trat einen Schritt auf mich zu und stieß mir die Stange entgegen. In einem Reflex griff ich danach, machte einen Seitschritt, wobei ich ihm die Hellebarde erst gegen die Nase schlug und dann aus der Hand riss.

    Der andere Wächter stieß ein Fluchen aus und nahm seine Hellebarde in Angriffshaltung. »Lass die Waffe fallen!«

    Ich zögerte. Nicht, weil ich es auf einen Kampf abgesehen hatte, ich hatte nur keine Lust, mich aufspießen oder gar zerhacken zu lassen, wenn ich meine einzige Verteidigungsmöglichkeit sinken ließ.

    Bevor ich richtig wusste, was ich machen sollte, griff er mich an.

    »Warte«, stieß ich aus. Ich schlug seinen Angriff zur Seite, doch er nutzte den Schwung und stieß unvermittelt mit der stumpfen Unterseite der Stange nach oben. Ich stolperte zurück und presste die Zähne aufeinander, als ich dabei meinen gestauchten Fuß belastete. Der Wachmann setzte nach. Ein Schmerz schoss durch meine Finger, als er sie mit einer rückwärtigen Bewegung mit seiner Stange erwischte, und ich ließ die Hellebarde fallen. Dann traf mich das stumpfe Ende auf der Brust und drückte mir sämtliche Kraft aus den Lungen. Ich landete auf dem Rücken, japste nach Luft und wurde im nächsten Moment von zwei Männern gepackt. Keuchend lehnte ich mich dagegen auf und verpasste einem einen Ellbogen.

    Ein Arm schlang sich um meinen Hals und ich zog im letzten Moment das Kinn herunter, damit mir der Wachmann die Kehle nicht abdrücken konnte. Schwer atmend trat ich aus und versuchte mich erfolglos herauszuwinden. Auch wenn ich Verzweiflung in mir aufkommen spürte, so nahm ich in meinem Inneren einen Ausweg wahr. Wie eine Tür, nach der ich nur greifen musste. Mein Pulsschlag verlangsamte sich, ich streckte die Finger aus …

    »Was zur Hölle wird das hier?«, brüllte eine autoritäre Stimme.

    Scheppernde Schritte näherten sich uns und ich öffnete keuchend die Augen, während ich immer noch im Schwitzkasten festhing.

    »Der Landstreicher hat uns angegriffen, Hauptmann«, erklärte der Mann mit der Hellebarde, die er auf mich gerichtet hielt, während ihm Blut aus der Nase lief.

    »Der Bastard hat angefangen«, rief ich aus und bäumte mich wütend wieder gegen die zwei Kerle auf, die mich immer noch festhielten.

    »Neith?«, stieß der Hauptmann mit glänzendem Brustpanzer ungläubig aus.

    Ich verengte die Augen. Kenn ich den Kerl? Ein Schmerz fuhr durch meinen Kopf und ich zuckte zusammen. Zischend kniff ich die Augen zu und wartete hilflos darauf, dass das Pulsieren in meinen Schädel nachließ.

    »Lasst ihn verdammt noch mal los, ihr Idioten«, befahl der Hauptmann.

    Die Griffe lösten sich endlich und ich schnappte nach Luft. Der Mann über mir sah mit entsetztem Gesichtsausdruck auf mich herab.

    Ächzend drehte ich mich auf die Seite und drückte mich keuchend auf alle Viere. Übelkeit übermannte mich und ich spuckte saure Galle aus. Ich stieß mehrere Flüche aus, setzte mich schließlich nach hinten und zog zitternd die Knie an, wobei ich den schmerzenden Kopf hängen ließ. Der Hauptmann reichte mir eine Feldflasche. Es war zwar lauwarmes Wasser statt dem ersehnten, kalten Bier, aber besser als nichts. Ich spülte meinen Mund aus und trank drei große Schlücke.

    »Ich weiß, ich seh mies aus«, erklärte ich, als er mich mit gekräuselter Nase immer noch wortlos von oben herab musterte.

    »Mies?«, stieß er überraschend laut und von Zorn erfasst aus. »Du bist seit drei Wochen verschollen! Und jetzt tauchst du wie ein Penner vor den Stadttoren auf, um dich mit meinen Leuten zu prügeln.« Er riss mir die Flasche aus der Hand. »Es gibt Leute, die auf deine scheiß Kompetenz geschworen haben, und ich hoffe, dass du eine verdammt gute Erklärung für dein Auftreten hast.«

    Ich sah ihn unsicher an.

    Er wandte sich mit einem Kopfschütteln von mir ab und marschierte voraus. »Mitkommen.«


    3 Mal editiert, zuletzt von epochAal ()

  • Hallo, epochAal ,


    Ich habe erstmal die erste Hälfte gelesen, also bis zu

    Und dann reden wir.

    Das hat mir gut gefallen. Ich mag es, wenn ich ins kalte Wasser geworfen werde und nicht genau weiß, was da abgeht. Ich muss nicht gleich zu Beginn alles erklärt bekommen. Von daher passt das für mich.

    Jetzt bin ich natürlich neugierig, was der arme Mensch erlebt hat und wer er eigentlich ist. Und wie er sich aus der Situation rauswindet, denn noch macht er nicht den Eindruck, als würde er offenbaren wollen, dass sein Oberstübchen leer ist. :D

    Was mir auffiel, ist, dass du viele ähnliche Satzanfänge verwendest. Das Wörtchen "Ich" setzt du ziemlich oft an den Beginn deiner Sätze. Wenn man sich (wie ich) die Texte vorlesen lässt, dann fällt das auf. Nur so als Tipp.

    Den zweiten Teil lese ich später. Du hörst von mir, der Abohaken sitzt. :thumbup:

    Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
    (Ricarda Huch)



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  • Heyho epochAal


    Also ich fand den Einstieg ziemlich fluffig und rund zu lesen.

    Bin da mit Tariq eins, daß es nicht unbedingt nötig ist, zuviel über die Charaktere zu verraten.

    Schon mal gar nicht, wenn dieser Anfang ein wenig rüberkommt wie der Start in ein Video - Adventure. Das beginnt ja auch meistens mit wenig Infos und vielen kleinen Rätseln:

    'Wie komm ich hierher, was mache ich hier und wozu ist dieser kleine schwarze Schlüssel in meinem Beutel gut???'


    Sowas finde ich eher spannend, weil ich da mal so meine Vermutungen in verschiedene Richtungen schiessen kann und vielleicht einen Treffer mit einer lande.

    Wenn überhaupt, hätte ich mir ein bißchen mehr Infos zu "Blondschopf" gewünscht, der bisher ja nicht mal einen Namen hat. Und als Charakter sehr vage bleibt: Hat scheinbar ausgezeichnete Verbindungen in den Thronsaal, obwohl gleichzeitig noch sehr jung. Hat dem Hauptmann was zu sagen, dem Prota scheint er jedoch eher gleichgestellt zu sein, was die Anrede "Ihr" vermuten läßt. Der Typ ist recht rätselhaft - aber das geht in Ordnung.


    Zwei Sätze im Text haben meinen Lesefluß jedoch ziemlich grob unterbrochen:

    Ich war mit Hämatome in all möglichen Farben bedeckt.

    Wenn, dann bitte: "Ich war mit Hämatomen in allen möglichen Farben bedeckt." (Waren nebenbei auch die einzigen beiden Rechtschreibfehler, die ich gefunden habe... :thumbsup: )

    »Ist das relevant?«, fragte ich mit einem Lächeln.

    Ich hätte durch die Verwendung von Hämatome und relevant fast vermutet, daß der gute Neith gar nicht in diese Welt reingehört, in der er sich bewegt, also quasi hineingebeamt wurde und deswegen keinen Plan hat, wo und wer er ist. Haut natürlich nicht hin, weil er sich ja sehr gut mit den Orten und sogar den Dialekten dieser Welt auszukennen scheint.


    Also sind es dann die beiden Wörter, die nicht in diese Welt hineinpassen.

    "Ich hab' ein Hämatom." - sowas denkt sich doch keiner, der mit einem scheinbaren Mordskater und Gedächtnisverlust irgendwo in einem Flußbett aufwacht - es sei denn, er ist Gerichtsmediziner... ^^ ^^ ^^


    In diesem Sinne gerne mehr.

  • Hey epochAal ,


    also, ich muss sagen, das gefällt mir wirklich seeeehhhhr gut! :thumbup:

    Dein Schreibstil liest sich wunderbar, man stolpert so gut wie gar nicht (das einzige, was mir ebenfalls auffiel, waren die ähnlichen Satzanfänge mit dem Ich öffnete, ich spürte, ich fühlte,...) Aber ansonsten ist das schon ziemlich genial. Der Aufbau gefällt mir, also, dass Neith keinen Plan hat und erstmal in eine Schlägerei mit den Wachen verwickelt wird, um dann vom Hauptmann quais abtransportiert zu werden...den Konflikt zwischen den beiden stellst du sehr schön dar. Vor allem, da Neith sich ja nun überhaupt keiner Schuld bewusst ist :rofl: Aber ich wette, die große Klappe hatte er vorher schon und die Beziehung zwischen den beiden scheint ja in jedem Fall eine Vorgeschichte zu haben.


    Ich werde versuchen, an dieser Geschichte dranzubleiben. Würde dir aber eventuell zu kürzeren Parts raten, da es manchmal nicht so leicht ist, hinterherzukommen, wenn man in mehren Geschichten liest und kommentiert. Musst du halt mal ausprobieren. In der Regel versuche ich bei 5-6 Normseiten pro Post zu bleiben. (Es sei denn, es lässt sich wirklich kein geeigneter Cut finden) ^^


    Hier noch ein paar Anmerkungen und sonstige Gedanken beim Lesen:



    LG,

    Rainbow

  • Hallo zusammen und Danke für eure coole Rückmeldung sowie das Aufzeigen der Fehler! :D


    Einmal editiert, zuletzt von epochAal ()

  • Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
    (Ricarda Huch)



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  • Hey epochAal


    Erst mal die Frage: hast du die Schriftfarbe geändert? Ich verwende den dunklen Forum-Skin und muss deinen Text markieren, dass ich ihn auf dem schwarzen Grund lesen kann xD


    Zweitens: Hast du hier schon irgendwas weggekürzt? Anhand von den Kommis meiner Vorredner habe ich den Eindruck, dass mir etwas abgeht :hmm:

    Er wandte sich mit einem Kopfschütteln von mir ab und marschierte voraus. »Mitkommen.«

    Hier hört der Text bei mir auf


    Zum Inhalt fällt mir als erstes ein: Klassiker. Prota wacht auf, hat keinen Plan was los ist und wo bzw. wer er ist. Wie die anderen schon gesagt haben, gibt das viel Spielraum für Spekulationen, was das System wohl zu einem Klassiker hat werden lassen :P Ein paar unterschwellige Anmerkungen lassen auch bereits vermuten, dass sich in deinem Prota etwas verbirgt. Zumindest sehe ich das so :)


    Die vielen gleich Satzanfänge mit etwa "Ich" sind schon angemerkt worden. Das wirkt leider sehr abgehakt beim lesen auf mich. Zwischendurch war es dann besser. So etwa bei der Auseinandersetzung mit den Wachen, danach ist es wieder schlimmer geworden. Da kann man bestimmt noch nachbessern, um alles flüssiger wirklichen zu lassen. :)

    Da sitzen sie wieder alle und fressen Eis ... Als wüssten sie nicht, wie ein Bier aufgeht!

  • Heyho epochAal


    Hhmm...ist gerade ein bißchen schwierig für mich,alles aus dem Gedächtnis zu kramen, was ich im letzten Post anmerkte, weil Du die Hälfte des alten Textes erst mal wieder rausgenommen hast.

    Macht aber wenig, weil im neuen was drinsteckt, das da vorher nicht stand - das wär' mir aufgefallen.

    Auch wenn ich Verzweiflung in mir aufkommen spürte, so nahm ich in meinem Inneren einen Ausweg wahr. Wie eine Tür, nach der ich nur greifen musste. Mein Pulsschlag verlangsamte sich, ich streckte die Finger aus …

    Da ist auf einmal ein ganz neues Element drin, die Möglichkeit zu einer Fähigkeit, von der ich jetzt noch nichts erfahre, die aber angedeutet wird.

    Ich spare mir mal Schüsse in's Dunkle, aber der Satz verspricht eine interessante Änderung. Bin gespannt...

    Apropos Schlägerei vor'm Stadttor. Ein paar Sachen sind mir da noch aufgefallen:

    Ein Schmerz riss durch meine Finger, als er sie mit einer rückwärtigen Bewegung mit seiner Stange erwischte, und ich ließ die Hellebarde fallen.

    "schoss"

    Ich landete auf dem Rücken, japste nach Luft und wurde im nächsten Moment von zwei Männern gepackt.

    + "n"

    Ein Arm wollte sich um meinen Hals zuziehen und ich zog das Kinn ein.

    Nee, bitte, mach's nicht.

    Ich finde es furchtbar, wenn in der Beschreibung eines Kampfes, einer Prügelei in irgend einer Kneipe oder wie und wo auch immer so ein Satz steht.

    "Ein Arm wollte sich um meinen Hals zuziehen..."

    Nein. Der wollte nicht. Der will und tut. Der zieht sich gerade zusammen. Und deswegen zieht Neith SOFORT sein Kinn runter, um den Würgegriff zumindest etwas zu blocken.

    Anders ausgedrückt: Wenn Du einen aktiven Kampf beschreibst, dann schreibe ihn auch aktiv.

    "Ein Arm zog sich um meinen Hals zusammen und ich drückte mein Kinn herunter, um den Druck zu mildern..."

    Sowas.

    Der Mann über mir sah mit entsetztem Gesichtsausdruck auf mich herab.

    Da bin ich jetzt etwas durch den alten Text vorbelastet, durch den ich weiß, daß der Hauptmann der Stadtwache ein alter Bekannter von Neith zu sein scheint. In dem Zusammenhang (sollte sich da nichts ändern), fände ich einen Satz wie diesen eher sinnvoll:

    "Der Mann über mir sah mit einer Mischung aus Entsetzen und Verwunderung auf mich hinab."


    Würde dann Sinn machen.


    Gerne mehr!


  • Hier geht es weiter:


    »Bei der Schöpfung, was ist mit Euch denn passiert?«, fragte ein junger Blondschopf. Er trug feinen Zwirn und seine Statur verriet verborgene, sehnige Kraft.

    Ich hatte das verschwommene Gefühl, dass ich ihn kannte. Aber mir war nach wie vor zu schlecht, um meine grauen Zellen anstrengen zu wollen. Ich wollte einfach nur in ein Bett.

    »Dieser Nichtsnutz hat sich mit meinen Wachen am Westtor geprügelt«, erklärte der Hauptmann an meiner Seite.

    Der junge Mann sah zu ihm und zog die Augenbrauen zusammen. »So wie ich Eure Männer kenne, haben sie die Schlägerei angefangen.«

    Ich grunzte.

    Blondschopf warf mir einen strengen Blick zu. »Ich hoffe, dass Ihr in dem Aufzug nicht vor den König treten wolltet.«

    Zum König? Was ging hier vor? War … das hier vielleicht eine Verwechslung? Bei der Verdammnis, ich konnte mich einfach an nichts erinnern!

    »Unfassbar«, stieß er aus. »Ihr werdet in eine Badewanne steigen, Euch angemessen kleiden und ich werde mich in der Zwischenzeit um eine Audienz für Euch bemühen. Ich denke, es gibt eine Menge zu besprechen und Ihr habe sicher viel zu erzählen, so wie Ihr ausseht.«

    »Ich finde, dass wir ihn genau so vor seine Majestät schleifen sollten«, wandte der Hauptmann ein.

    Der Blick des jungen Adligen wurde stechend. »Ihr findet das vielleicht amüsant, Hauptmann Garbahn, aber seine Majestät sicher nicht.« Er wandte sich mir wieder zu. »Bekommt diesen Dreck aus Euren Haaren, lasst Euch richtig einkleiden und dann erzählt Ihr uns in Ruhe, was vorgefallen ist.«

    »Ich fürchte, letzteres wird ziemlich schwierig«, gab ich vorsichtig zu.

    Der Hauptmann neben mir stieß ein trockenes Lachen aus. »Rühmst dich sonst damit, dass du dich überall herausreden kannst. Aber diesmal wird es schwierig, wie?« Mir entging die Selbstgefälligkeit auf seinen Gesichtszügen nicht.

    »Das Problem ist …« Beide spannten sich augenblicklich an. Das Wort Problem, schien etwas zu sein, dass sie ganz und gar nicht hören wollten. Sie würden mir an die Kehle gehen, wenn ich ihnen erklärte, dass ich mich weder an sie, noch an die letzten drei Wochen, geschweige denn irgendetwas außer meinen eigenen Namen erinnerte. Hastig räusperte ich mich. »Baden ist gut. Und dann reden wir.«


    Verflucht, was soll ich tun?, schimpfte ich innerlich. Das lauwarme Badewasser brannten in den Schnitten, die sich über meine Arme, Hände, Rücken, Oberschenkel – ach, verdammt, meinen ganzen Körper zogen. Ich war mit Hämatomen in allen möglichen Farben bedeckt, folglich stammten nicht alle von letzter Nacht. Gleichzeitig hatte ich nicht das Gefühl, dass ich aus dem Gröbsten heraus war, sondern verdammt tief in der Scheiße steckte. Vielleicht sollte ich mir eilig ein paar Klamotten überwerfen und die Biege machen. Warum sollte ich vor den König geschleift werden? Und warum musste ich erklären, wo ich die letzten Wochen gesteckt hatte?

    Sicher stehen wir in keiner familiären Beziehung, überlegte ich. Als königlicher Sohn oder Neffe hätten die Wachen mich erkannt. Und wenn ich so etwas wie einen Adelstitel besäße, hätten der Hauptmann und Blondschopf diesen sicher genutzt. War ich ein höhergestellter Lakai, der seine Pflichten vernachlässigt hatte?

    Ein Diener in einer blau-gelben Livree legte eine frische Kleidergarnitur für mich ab und platzierte dazu ein Paar Schuhe.

    »Wäre es möglich, etwas zu Essen zu bekommen?«, erkundigte ich mich, während ich aus dem trüben Wasser stieg und er mir ein Handtuch reichte.

    »Natürlich, Herr.« Der Diener legte die Hände in den Rücken. »Habt Ihr einen speziellen Wunsch?«

    Ich lächelte. »Frisches Brot mit Salzbutter wäre wundervoll.«

    Er nickte.

    »Und Ziegenkäse. Oh, und Datteln. Vielleicht auch ein paar in Essig eingelegte Pfifferlinge. Habt ihr Walnüsse in der Vorratskammer? Die, mit ein wenig Fischöl angebraten, wäre jetzt genau das richtige.«

    Er verzog nicht eine einzige Miene. »Ich werde nachsehen, was die Küche zu bieten hat, Herr.«

    »Und ein Krug Wein. Aber einen kalten aus dem Keller.«

    »Selbstredend, Herr.« Er schien noch einen Moment zu warten, ob ich etwas anfügen wollte, und verschwand dann mit einem Kopfneigen.

    Ich ließ das Handtuch fallen. Meine Haut sah schrecklich aus. Puterrot, ausgetrocknet und tat nach dem Baden mehr weh als zuvor.

    In einer Mischung aus Eile und Behutsamkeit streifte ich mir die Kleidung über, schlüpfte in die Schuhe und legte mir meinen Gürtel um. Dann trat ich an die Tür, öffnete sie einen Spalt und spähte auf den Gang. Da ich niemanden sehen oder hören konnte, schlüpfte ich nach draußen.

    In schnellen Schritten lief ich nach unten und versteckte mich vor einem Botenläufer hinter einer Statue, die eine eigene Mauernische hatte. Vermutlich hätte sich der Bote nicht für mich interessiert, aber es war mir lieber so, als jemand in die Arme zu laufen, der mich kannte und womöglich in ein Gespräch verwickelte. Ich erreichte gerade die Empfangshalle, als sich dort die Eingangstür öffnete.

    Hauptmann Garbahn stand mir jäh gegenüber.

    Einmal editiert, zuletzt von epochAal ()

  • So, hier habe ich ein paar Anmerkungen zu deinem neuen Part. Aber vorher muss ich sagen: Das Lesen macht weiter Spaß. Ich genieße immer noch das Miträtseln mit deinem Prota und bin gespannt, wie er sich aus der Situation wurstelt. Clever ist er ja, das beweist die Sache mit dem kalten Wein, der aus dem Keller geholt werden muss :rofl:

    Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
    (Ricarda Huch)



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  • Ich hab mal alles markiert und "Schriftfarbe entfernen" angeklickt. Wird es bei dir jetzt richtig angezeigt?

    Ja, jetzt passt es :)


    Scheint nach deiner Kritik aber immer noch an der Stelle zu haken. Falls ihr konkrete Stellen habt, die euch nerven, haut sie mir gerne um die Ohren.

    Ich hab einfach mal sämtliche Satzanfänge und ein paar andere Stellen markiert wo das "Ich" für mich zu abgehakten lesen führt bzw. wo ich eine Möglichkeit sehe, dass man Alternativen hätte.

    Ein Beispiel das ich mir vorstellen könnte, damit du auch weißt, wie ich ticke beim Schreiben :)

    Deine Version: Ich fühlte mich elend, aber wusste nicht so recht, warum. Hatte ich gestern zu viel getrunken? Ächzend drehte ich mich auf die Seite und blinzelte gegen das grelle Licht an.

    --> Eines war klar: Noch nie zuvor war mir dermaßen elend gewesen! Zu viel gesoffen? Es wäre nicht das erste mal. Dementsprechend vertraut klang mein Ächzen, als ich mich auf die Seite drehte und gegen das grelle Licht schaute.

    --> So klingt das für mich flüssiger. Die Sätze gehen eher ineinander über. Es müssen nicht alle "ich" verschwinden aber man kann sie rarer machen. Du verwendest die Ich-Perspektive. Da kann man auch mal, gerade bei Gedanken des Protas, einfach eine Art Ausruf verwendet. Also wie in meinem Beispiel "Zu viel gesoffen?". Hoffe du verstehst was ich meine, ansonsten frag einfach :)


    Bei dem neuen Teil hat Tariq schon einiges angemerkt. Da habe ich kaum noch was hinzuzufügen, weil sie sowieso weit besser in der Fehlersuche ist als ich xD

    Inhaltlich wundere ich mich an der Stelle, wo er den Angestellten um Essen los schickt, sich dann aber sofort verdrückt. Will er ihn nur los haben um sich verdrücken zu können? Weil essen wollte er ja eigentlich. Ist mir an dieser Stelle nicht ganz klar. Ansonsten warte ich mal noch, was jetzt passiert. Aktuell wissen wir ja sonst nicht viel, nur das der Kerl gerade mächtig in der Scheiße sitzt :)

    Da sitzen sie wieder alle und fressen Eis ... Als wüssten sie nicht, wie ein Bier aufgeht!

  • Heyho epochAal


    Whow!

    Du hast den Abschnitt mit der Schlägerei vor dem Stadttor ja nochmal ziemlich geändert. Respekt! Die ganze Szene hat jetzt - nach meinem Empfinden - deutlich mehr Dynamik. Ich stehe beim Lesen direkt daneben (der Bettler am Stadttor rechts von den zwei Wachen, der nicht rein darf... ;) ).


    Den neu eingestellten alten/neuen Teil lese ich morgen, jetzt ist gerade Geisterstunde und ich bin entsprechend müde.

  • Eine spannende Geschichte. Du fängst gleich mit einem Rätsel an und als Leser frage ich mich die ganze Zeit, welches Geheimnis er wohl entdecken wird. Da bleibe ich gerne dran!


    Hier ein paar Kleinigkeiten:

    Er hatte feinen Zwirn an und seine Statur verriet verborgene, sehnige Kraft.

    Ich hatte das verschwommene Gefühl, dass ich ihn kannte.

    Eine Wortwiederholung. Die Formulierung "er hatte Zwirn an" ... klingt wenig elegant, das würde ich anders formulieren.

    Zum Gleichklang vieler Sätze, die fast immer in derselben grammatikalischen Ordnung daherkommen, haben die anderen ja schon etwas gesagt. Da häufiger mal etwas umstellen würde es schon hübscher zu lesen machen. Inhaltlich bleibt es aber spannend und bereits nach so kurzer Zeit sitzt Mister No Memory bereits schön in der Klemme. Gefällt mir!

    Das Ansprechen des Publikums, das Der Wanderer angemerkt hat, würde ich auch rausnehmen!

    Meine Geschichten: * Meermädchen * Kriegerkönigin * Dark Prince

  • Rebirz


    Der Wanderer


    Kirisha

    Einmal editiert, zuletzt von epochAal ()

  • Tariq

  • Hallo epochAal

    Uff, mega übersehen und irgendwie im Kopf schon abgehakt gehabt. Tut mir sehr leid

    Kein Problem :D

    Das mit dem Zwirn ist angenommen und wie gesagt meiner flapsigen Umgangssprache geschuldet. Weiterhin gerne so Stellen anmerken.

    Bitte nicht missverstehen: Der "Zwirn" hat mich gar nicht gestört, soviel ich weiß, stammt das Wort aus dem achten Jahrhundert und passt desshalb mMn durchaus in dein Setting. Mich hatte nur das "anhaben" als im Sinne von "Kleidung tragen" ein bisschen gestört. :)

    Und auch sorry, dass ich da so ein bisschen lahm bin, was den Fortschritt angeht.

    Und auch hier: Keine Entschuldigung nötig. Du bestimmst das Tempo und wer sich hetzt, muss manchmal noch mal von vorn anfangen, weil es Mist geworden ist.

    Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
    (Ricarda Huch)



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  • Okay, deine Formulierung klingt halt tausendmal besser. Gleichzeitig fürchte ich ein bisschen, dass ich das von meinen Skills her nicht ganz adaptiert bekomme. Ich bemühe mich, das den Monat vom Stil her hoffentlich in die Richtung justiert zu bekommen.

    Bitte nicht falsch verstehen. Ich will dir keinen Stil aufdrücken! Es gibt sicher etliche Möglichkeiten diese Wiederholungen zu vermeiden und meine Version ist nur als Beispiel gedacht, dass zum Nachdenken anregen soll. Glaub mir, ich bin selber auch ständig am grübeln wie man Sätze umstellen kann, weil ich plötzlich doofe Formulierungen finde, die erst auffallen, wenn man mal einen Textblock zu Ende geschrieben hat. Da hilft nur schreiben, ruhen lassen, noch mal lesen und immer kritisch betrachten :)

    Da sitzen sie wieder alle und fressen Eis ... Als wüssten sie nicht, wie ein Bier aufgeht!

  • Tariq


    Rebirz


    Alles klar, ich hab bei Part 2 alias #9 die Überarbeitung reingesetzt. Also dort ohne Überleitung, weil ich sonst glaube, ich einen neuen Thread aufmachen müsste, damit das nicht zu verwirrend wird.

    Hier Part 3 von Kapitel 1, das damit dieses Kapitel auch abschließt.
    Bin gespannt, ob es sich besser liest als die Teile zuvor.

    Es gibt Kleinigkeiten, die ich beibehalten habe. Zum Großteil habe ich versucht die Ich-Konsetaltionen herauszubekommen. Dialoge gelegentlich ein bisschen umgeschrieben. Ein paar Adjektive gekillt.
    Ist jetzt nicht komplett was anderes, aber ich meine, eine Spur besser. :) Seid aber ruhig rigoros ehrlich, falls es sich nicht anders liest.


    »Wohin bist du unterwegs?«, fragte er scharf.

    »Ist das wichtig?«, fragte ich mit einem Lächeln.

    »Ist es, Ratte.«

    Das klang nicht besonders nett. Der Kerl mochte mich irgendwie nicht. Aber Blondie hatte einen ziemlich respektvollen Ton mir gegenüber angeschlagen und da ich Bedienstete offenbar mit einer Litanei an Wünschen eindecken konnte, beschloss ich, meine Autorität auf die Probe zu stellen.

    Das Lächeln fiel von meinem Gesicht. »Geh mir aus dem Weg.«

    Garbahn sah mich überrascht an und lachte plötzlich, ohne, dass es eine Spur fröhlich klang. »Was bildest du kleiner Bastard dir eigentlich ein?«

    Verdammt. »Ich mein’s ernst«, knurrte ich. »Es gibt ein paar wichtige -«

    »Du hast Ergebnisse versprochen«, fuhr Garbahn mir über den Mund. »Und du wirst jetzt erst mal den Mist erklären, den du die letzten Wochen abgezogen hast. Deine ganzen anderen Anliegen sind mir sowas von egal.«

    Ich sah ihn herausfordernd an, doch merkte anhand seiner Haltung, dass ich mich mit ihm prügeln müsste, um mich durchzusetzen. Aber weder war ich in der besten körperlichen Verfassung, noch besonders scharf darauf, mich mit Fäusten einem Mann in Plattenrüstung entgegenzustellen. Der Kerl hatte nicht gerade ein Gesicht, das so aussah, als ob man ihn mit einem Schlag umhauen könnte.

    »Beweg dich, Neith.«

    Mit einem Schnauben wich ich vor ihm zurück. »Nur weil du’s so nett gesagt hast.«

    Wir gingen zurück die Treppen hoch und den Gang wie bei der Ankunft entlang. Zu unserer Linken standen in regelmäßigen Abständen Rüstungen und dazwischen hingen Gobelins an den Wänden. Sie zeigten vorwiegend barbrüstige Engel und Paladine im Kampf gegen Dämonen. Hauptmann Garbahn hielt den Blick starr gerade aus und seinen Schritt zügig.

    »Ich hab mir gerade etwas zu Essen bestellt«, erklärte ich, da in mir die Angst aufkam, dass er mich diesmal direkt zum König bringen könnte. Auf diese komische Audienz war ich so gar nicht vorbereitet. Weder emotional noch inhaltlich.

    »Das einzige Essen, das noch auf dich warten sollte, ist eine Henkersmahlzeit.«

    Meine Muskeln spannten sich an und unwillkürlich blickte ich den Gang zurück. Hatte ich noch genügend Kraftreserven, um vielleicht einfach wegzulaufen?

    »Denk nicht mal daran«, drohte er mir.

    Ein stumpfes Lächeln zeichnete sich auf meinem Gesicht ab. Der Kerl war sowas von nervig. »Ich wollte nur schauen, ob der Bursche schon mit dem Essen kommt. Der lässt sich ganz schön Zeit.«

    »Findest du nicht, dass deine Lage ein wenig zu ernst für Späße ist?«

    »Bekomme ich Zeit, um über eine Antwort nachzudenken?«

    Er wandte den Blick von mir ab.

    »Ich gebe euch Antworten«, erklärte ich in ernstem Ton. »Aber ich brauch wirklich Zeit und muss ein paar Sachen erledigen.« Zum Beispiel mein Gedächtnis wiederfinden. Ich seufzte. »Und ’ne Mütze voll Schlaf. Können wir das Gespräch mit seiner Hoheit nicht auf morgen verschieben? Du kannst das doch regeln, oder? Das wäre sicher im Interesse aller Beteiligten.«

    Sein Blick tastete mich ab. »Du hast viel zu viele Chancen versaut, die ich dir gegeben habe. Und offenbar kann ich dich nicht mal fünf Minuten in einem Zimmer lassen. Jedes Zugeständnis an dich ist verschwendetes Vertrauen.«

    »Ich hab das Gefühl«, entgegnete ich zerknirscht, »dass du ziemlich nachtragend bist.«

    Der Hauptmann packte mich unvermittelt am Kragen und drückte mich neben einem Goblin gegen die Wand. »Ich habe den König davor gewarnt, was für eine verlogene Ratte du bist«, zischte er. »Wir wissen beide, dass du immer nur auf deinen eigenen Vorteil aus bist und dir die Welt so zurechtbiegst, als ob du der Gute wärst. Aber heute wirst du für deine Betrügereien geradestehen, vorausgesetzt du kannst keine Ergebnisse vorweisen. Und wir beide wissen, dass du das nicht kannst.«

    Ich schluckte, da seine Augen nun abgrundtiefen Hass versprühten. Doch es ging mir eindeutig gegen den Strich, mich für etwas anklagen zu lassen, an das ich mich nicht einmal erinnerte.

    »Du bist Abschaum, Neith. Und ich verfluche mich, dass ich die Hoffnung gehegt hatte, dass du diesmal Verantwortung übernehmen würdest. Als ob dir einmal irgendetwas wichtig wäre und es dir nicht ums Geld gehen würde.«

    »Ich erinnere mich an nichts«, gab ich endlich kleinlaut zu. »Ich meine … Ich kann nicht sagen, was die letzten Wochen passiert ist.«

    Sein Griff spannte sich an. »Wenn ich hundert Pallat auf den Kopf gehauen hätte, wüsste ich auch nichts mehr.«

    »Ich mein es ernst«, entgegnete ich eindringlich. »Ich bin am Flussufer bei der Brücke aufgewacht und wusste nichts. Weder kann ich dir sagen, wie meine Kindheit ausgesehen hat, noch wie die letzten drei Wochen waren. Aber so wie es meinem Körper geht, scheint das eine echt beschissene Zeit gewesen zu sein. Zur Hölle, ich weiß nicht einmal, wer du bist, geschweige denn dieser Blondschopf von vorhin. Ich weiß nicht, wer ich bin, was ihr von mir wollt, oder was ich verbrochen haben soll!«

    Er sah eine Weile forschend in meine Augen und ließ schließlich meinen Kragen los.

    Ich atmete durch und richtete meine Weste.

    »Wenn ich nicht wüsste, was für ein verdammt guter Schauspieler du bist, hätte ich dir das eben vielleicht abgekauft.« Seine Stimme klang amüsiert, aber sein Blick blieb eiskalt.

    »Das war keine Schauspielerei!«

    Er zog die Nase hoch.

    »Verdammt noch mal, erklär mir doch nur ein einziges Mal, was hier los ist.«

    Er ließ seine Hand neben meinem Kopf gegen das Gemäuer einschlagen und sah mit einem perfiden Grinsen auf mich herab. »Die Situation ist die, dass du dem König erklären wirst, wo der Mortem ist, den du ihm versprochen hast. Darauf wirst du eingestehen, dass es diese Mortems überhaupt nicht gibt und dann, mein Freund, gehörst du mir.«

    Ich verzog das Gesicht. »Wir müssen aber nicht heiraten, oder?« Sein Grinsen wurde breiter, wobei, ehrlich gesagt, der Spruch gar nicht so lustig gewesen war.

    »Glaub mir«, zischte er. »Ich werde dich in eine klitzekleinen, modrigen Zelle stecken und dafür sorgen, dass du nur noch graues Gestein um dich hast, mit dem du bis in alle Ewigkeit deine dummen Sprüche teilen kannst.«

  • Jepp, das gefällt mir gut! Hab nix anzumerken. In einem Rutsch gelesen und schon jetzt neugierig auf mehr! :rofl:

    Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
    (Ricarda Huch)



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  • Mir gefällt es auch richtig gut. Mysteriös, etwas gruselig und humorvoll!


    Ein paar Kleinigkeiten:

    Meine Geschichten: * Meermädchen * Kriegerkönigin * Dark Prince