Was lest ihr gerade? (Non-Fantasy)

  • Es war mal wieder klasse. Number9Dreams Stimmung ist recht anders verglichen mit Mitchells anderen Romanen. Ich habe irgendwo gelesen, dass es wohl stark an Werke von Haruki Murakami erinnert und tatsächlich ähneln das Ende und die surrealen und skurrilen Momente der Unheimlichen Bibliothek von Murakami, die ich Anfang des Jahres gelesen habe.

    Das Buch war wieder poetisch, verspielt, spannend und einfach sehr unterhaltsam. :) Besonders gefallen haben mir die Verstrickungen und Sub-Plots und wie sich die Suche nach dem Vater am Ende aufgelöst hat.. Es ist einfach interessant, was für skurrile Details später mal wichtig sein können ...


    Uneingeschränkte Leseempfehlung! An den Blocksatz mit wenigen Absätzen gewöhnt man sich schnell

    [Schlaue, tiefgreifende Lebensweisheit]

  • Ich habe angefangen, Die Wolfe-Trilogie von Markus Zusak zu lesen. Die Trilogie in einem Band besteht aus den Büchern Underdog, Vorstadtfighter und When Dogs Cry.


    Mit Underdog bin ich bereits durch. Das Buch enthält viele Themen und Motive, die man aus Zusaks anderen Büchern bereits kennt: Boxen, Brüder, australische Kleinstadt, Familie, Kindheit, Pubertät usw. Nur, dass das alles in Underdog noch recht belanglos wirkt.

    Man folgt Cameron Wolfe, der von seinem Bruder Ruben immer wieder zu Unsinn angestiftet wird, wie er versucht, mit sich selbst ins Reine zu kommen. Typisch Teenager eben: Ich kann nichts, ich bin nichts wert und ich habe auch nichts gutes verdient. Leider geht es kaum über diese Dinge hinaus, wie beispielsweise David Michells Der Dreizehnte Monat das tut, und von diesen Gedanken hatte ich in meiner Pubertät auch schon genug. Als Schreiber musste Zusak hier also noch reifen, aber man sieht die Ansätze dessen, worin er später noch aufblühen sollte.

    Man hat hier ein bisschen einen Prototypen von Zusaks anderen und besseren Büchern vor sich. Eine Empfehlung kann da nur bedingt geben. Wer seine anderen Bücher kennt, findet Underdog vielleicht interessant. Mit seinen ca. 150 Seiten ist es auch zügig abgehakt.

    [Schlaue, tiefgreifende Lebensweisheit]

  • Sodankäynti kautta aikojen (Uebersetzung von 'A History of Warfare') von Field Marshal Montgomery of Alamein


    Nachdem Asni mich auf das militaerhistorische Blog gestossen hat, habe ich beschlossen mal ein bisschen selber reinzuschauen und in der Bibliothek diesen Waelzer aufgetan.


    Man darf davon ausgehen dass der Autor (als Oberkommandierender der Briten im 2. Weltkrieg) hinreichend kompetent ist um darueber zu schreiben was einen guten General oder einen guten Schlachtplan ausmacht - insofern bin ich jetzt nach der recht interessanten Einfuehrung mal gespannt was er zur Kriegsgeschichte der Antike und des Mittelalters zu sagen hat. Was auf jeden Fall sehr spannend ist, ist dass das Buch eben auch immer durch persoenliche Erfahrung des Autors gepraegt ist - er schreibt eben auch darueber wie es sich anfuehlt in einer bestimmten Situation zu sein (was fuer uns Autoren wieder eine sehr wertvolle Ressource ist...)

  • Ich habe angefangen, Die Wolfe-Trilogie von Markus Zusak zu lesen. Die Trilogie in einem Band besteht aus den Büchern Underdog, Vorstadtfighter und When Dogs Cry.


    Mit Underdog bin ich bereits durch. Das Buch enthält viele Themen und Motive, die man aus Zusaks anderen Büchern bereits kennt: Boxen, Brüder, australische Kleinstadt, Familie, Kindheit, Pubertät usw. Nur, dass das alles in Underdog noch recht belanglos wirkt.

    Man folgt Cameron Wolfe, der von seinem Bruder Ruben immer wieder zu Unsinn angestiftet wird, wie er versucht, mit sich selbst ins Reine zu kommen. Typisch Teenager eben: Ich kann nichts, ich bin nichts wert und ich habe auch nichts gutes verdient. Leider geht es kaum über diese Dinge hinaus, wie beispielsweise David Michells Der Dreizehnte Monat das tut, und von diesen Gedanken hatte ich in meiner Pubertät auch schon genug. Als Schreiber musste Zusak hier also noch reifen, aber man sieht die Ansätze dessen, worin er später noch aufblühen sollte.

    Man hat hier ein bisschen einen Prototypen von Zusaks anderen und besseren Büchern vor sich. Eine Empfehlung kann da nur bedingt geben. Wer seine anderen Bücher kennt, findet Underdog vielleicht interessant. Mit seinen ca. 150 Seiten ist es auch zügig abgehakt.

    So, nun bin ich auch mit Vorstadtfighter und When Dogs Cry durch.

    In Ersterem lassen sich die beiden Brüder auf illegale Boxkämpfe ein, um Geld für ihre Familie mitzuverdienen. Da erkennt man man auch schon das große Thema der drei Bücher und von Zusaks Büchern allgemein: Kämpfen und Weitermachen. Durchhalten und immer wieder Aufstehen. Das ist schon interessanter, als das erste Buch, gerade auch, weil die Beziehung zwischen den Brüdern mehr Gewicht bekommt. Am Ende jedes Kapitels gibt es einen kurzen Dialog zwischen den beiden, wenn sie in ihrem Zimmer im Bett liegen.

    In When Dogs Cry geht es um Camerons erste Beziehung. Nämlich verliebt er sich in die Ex-Freundin seines Bruders Ruben, der immer wieder mit einer Neuen ankommt. Das ist alles, wie auch die anderen Bücher der Trilogie, sehr pathetisch und wirkt manchmal etwas dick aufgetragen, einem Jugendlichen bedeuten solche Ereignisse aber sicher die Welt, weswegen man da gerne drüber hinweg sieht. Es ist nicht unbedingt spannend, aber einfach süß zu lesen. Cameron fängt übrigens auch mit dem Schreiben an. Am Ende jedes Kapitels hält er allegorisch die Ereignisse fest und wie sie sich für ihn anfühlen. Das ist, wie gesagt, manchmal echt pathetisch. Muss einem nicht gefallen, ich weiß die Gedanken dahinter aber zu schätzen.


    Insgesamt ist das Buch eben was für Fans von Zusak, die zusätzlichen Kontext zum Autor interessant finden. Jemandem, dem Zusak ganz neu ist, würde ich es nicht in die Hand drücken.

    [Schlaue, tiefgreifende Lebensweisheit]

  • Goethe's Ueberlegungen zur Optik


    ich hab' das vor Jahren mal als Paket geschenkt bekommen und am Wochenende beim Aufraeumen entdeckt und heute mal (in einer Pause der Kinder) reingeschaut - Johann Wolfgang von erklaert seine Theorie des Prismas - mit einem Facsimile seines Werks dazu, einem Prisma und den Karten die er entworfen hat um die Sachen auszuprobieren.


    Der Clou - anders als Newton war Goethe nicht der Meinung dass weisses Licht aus unterschiedlichen Farben besteht, sondern dass Farben im Prisma an der Grenze zwischen hellen und dunklen Flaechen zustande kommen.


    Um die Theorie zu belegen hat Goethe eine ganze Menge Experimente entworfen die man mit dem Paket selber nachvollziehen kann - was so auch recht interessant zu sehen ist. Was interessant ist, ist eben die historische Perspektive - warum kann man auf die Idee kommen dass es so ist wenn man seine Experimente macht, warum ist Newton auf eine andere Idee gekommen, wie wuerde ich entscheiden was richtig ist? Insofern war es fuer mich (theoretische Physik...) schon als Zeitreise und Gedankenexperiment interessant.

  • Lebensgross - Tiere des Waldes

    (Holger Haag/Manfred Rohrbeck)


    Viel zu lesen gibt's in diesem A3-formatigen Band eigentlich gar nicht. Dafür bekommt man hier mal einen überaus intensiven Eindruck davon, wie es wohl wäre, blickte einem z.Bsp. ein Wolf mal eben in's Gesicht.

    Das ist nämlich der eigentliche Clou:

    Alle der 15 hierzulande heimischen Tiere sind in Originalgrösse gezeichnet, soweit sich das in diesem Format umsetzen läßt.

    Und zu jedem Tier gibt's noch eine Doppelseite mit wichtigen, interessanten oder kuriosen Informationen (warum heißt der Waschbär "Wasch"bär?)

    Rundum gelungen. Mit wunderschönen Zeichnungen von Manfred Rohrbeck und ganz sicher nicht nur was für Kinder, obwohl auf die junge Zielgruppe zugeschnitten.


    Die zwanzig Goldstücke sind in jedem Fall gut angelegt!:thumbup::thumbup::thumbup:

  • So, jetzt bin ich auch mit Field Marshal Montgomery's Werk durch - und habe zumindest ein paar neue Erkenntnisse was denn einen guten General und eine gute Taktik ausmacht.


    Ein sehr wichtiges Element scheinen verlaessliche Truppen zu sein - Alexander hatte eine Phalanx die einfach die Linie gehalten hat was auch immer kam (da sind Elephanten dran gescheitert...), einen General der mit unterlegenen Truppen einen Hinhaltekampf an einem Fluegel fuehren konnte ohne dass die Truppen geflohen sind so dass Alexander seine Staerke wo anders sammeln konnte- und eine badass-Reiterei Einheit die einfach jede andere Truppe aufgemischt hat, und die er immer wieder fuer den entscheidenden Angriff verwendet hat der dann auch ueberlegene Truppen demoralisiert hat (und wenn was schief gegangen ist konnte er ja damit immer hinter seine Phalanx zurueck und neu gruppieren).


    In dem war er Napoleon recht aehnlich - beide hatten die Truppen um dem Gegner als Finte eine Schwachstelle in ihrer Aufstellung zu praesentieren, und dann, wenn der marschiert ist und die Reihen geoeffnet hat um die Schwachstelle auszunutzen, den Moment fuer einen harten Angriff zu nutzen - sowas geht halt nur, wenn man sich auf die eigenen Leute 100% verlassen kann.


    Ein zweites Element das immer wieder auftaucht (bei Marlborough oder dem alten Fritz) ist die Faehigkeit, durch Finten vor dem eigentlichen Angriff grosse Teile der feindlichen Truppen an der falschen Stelle stehen zu lassen so dass sie keine Auswirkung auf den Kampf haben. Eine geschickte Finte bringt etwa den anderen General schon dazu, seine Reserven in den Kampf zu werfen - die ihm dann spaeter an der eigentlichen Stelle fehlen.


    Naja, jedenfalls fand ich das Buch sehr interessant und habe auch viel ueber die Entwicklung der Schlachtfelder mit dem Fortschritt der Waffen gelernt... schwer das alles auf die Schnelle zusammenzufassen...

  • Die drei Sonnen

    Das Buch war eine Empfehlung einer Freundin von mir und ganz ehrlich, ich bin jetzt ca. zur Hälfte durch und weiß immer noch nicht genau, worum es geht. Teilweise geht es um die Kulturrevolution in China, Teils um wissenschaftliche Entdeckungen im Bezug auf außerirdisches Leben, teils um seltsame mehr oder weniger wissenschaftliche Vorkommnisse in der Gegenwart.

    Da das Buch aus dem chinesischen übersetzt wurde, ist der Stil etwas gewöhnungsbedürftig (zumindest für mich, die kaum eine Ahnung von chinesischen Erzählarten und Umgangsformen hat), aber nach einer Weile kommt man ganz gut rein.

    Wie gesagt, ich bin jetzt bei der Hälfte angekommen und jetzt erst gab es den ersten kleinen Hinweis auf einen Zusammenhang zwischen all den verschiedenen Sichtweisen und Geschichten aus verschiedenen Zeiten. Das ganze ist zusätzlich sehr physiklastig (wobei ich nicht sagen kann, wie realistisch die dargestellten Probleme tatsächlich sind. Schätze, dafür müsste ich studierte Physikerin sein), weshalb ich immer nur kleine Portionen lesen kann und manchmal, wenn ich gar nicht verstehe, worum es gerade geht, sind Passagen auch etwas langweilig zu lesen.


    Trotzdem werde ich dranbleiben, weil es durch den chinesischen Blickwinkel mal komplett anderes Sci-Fi ist, als ich es gewohnt bin. Das rückt einen mal ein bisschen aus festgefahrenen Denkmustern. Und auch, wenn die Puzzlestücke extrem langsam zusammengesetzt werden, liest es sich meistens sehr spannend. Obwohl es streckenweise anstrengend ist, ich kann das Buch nur empfehlen ^^

  • Ich habe da alle drei Bände gelesen und fand die echt toll, die eher ungewöhnliche Erzählweise fand ich sehr spannend.
    Das Ganze klart sich dann schon noch auf und viele Ideen finde ich erfrischen Neu und Anders.
    Und auch wenn ich ebenfalls keine Ahnung habe wie realistisch die physikalischen Sachen sind, sind da ein paar sehr spannende Ideen dabei.
    (Stimmt, dazu wollte ich eigentlich noch mal einen bekannten Physiker befragen. XD)

  • Ich hab mir einen Stapel gebrauchter Bücher über "den deutschen Bauernkrieg von 1525" zugelegt. Ich schreibe das in Anführungszeichen, weil es mehrere unabhängig voneinander stattfindente Erhebungen/Revolten/Revolutionen/Reformbemühungen samt Zusammenrottung gab. Gerade hab ich mal so die ersten 50 Seiten von "Der Bauernkrieg in Franken" reingelesen und mal so ins letzte Kapitel über die geschichtliche Bewertung und Erinnerungskultur einen Blick geworfen. Da hieß es, dass Florian Geyer (einer der Anführer der fränkischen Bauernhaufen) je nach Schreiber mal der - wörtlich - "Adolf Hitler des Mittelalters" (1936) und nach 1945 der Vorkämpfer eines Arbeiter- und Bauernstaats war (beide Interpretationen haben mMn mit der Realität eher weniger zu tun). Noch unter diesem Eindruck hab ich dann mal "Der deutsche Bauernkrieg 1524-1526" aufgeschlagen. Dort heißt es: "Der deutsche Bauernkrieg war Bestandteil und Höhepunkt der Klassenkämpfe, die in ihrer Gesamtheit die frühe bürgerliche Revolution in Deutchland zu Beginn des 16. Jahrunderts ausmachten." Ja, da weiß man gleich, wo man ist xD - Militärverlag der Deutschen Demokratischen Republik.

    „Alice, man darf sein Leben nicht nach anderen richten. Du allein musst die Entscheidung fällen.“ [Alice im Wunderland]

  • Pimeyden Kutsu (Ruf der Finsternis) von Arne Dahl


    Bei den Dahl-Krimis habe ich ja das Problem dass sie stark anfangen, aber manche bei 2/3 im Absurden verhungern - der hier aber nicht, der bleibt recht gut bis zum Ende.


    Es geht um ein verschwundenes Maedchen und ein Netzwerk von Paedophilen, das Maedchen ist mit einem davon in einem Waldstueck verschwunden, nachher wird eine Leiche gefunden - aber es ist der Mann, nicht sie. Das fand ich mal einen starken Twist in einem Krimi:D


    Auch das Thema Polizeigewalt wird verhandelt - auf eine Weise die mir nicht so zusagt (eine Polizistin foltert einen der Verdaechtigen um ein Gestaendnis zu erzwingen, er bringt sich spaeter um und sie muss irgendwie keine Konsequenzen tragen) - die Botschaft die der Leser bekommt ist, dass es okay ist wenn die Polizei mal die Vorschriften bricht und richtig hart zur Sache geht - so lange es die richtigen trifft (und im Krimi wissen wir ja gluecklicherweise immer wer der richtige ist...) - naja, aber der Titel des Buches hat die Versuchung zum Boesen schon irgendwie angelegt...


    Insgesamt fand ich's aber spannend und atmosphaerisch gut.

  • Aktuell lese ich mehr oder weniger einen Roman von einer von mir neue entdeckten Autorin.



    Wenn's einfach wär, würd's jeder machen - von Petra Hülsmann.


    Das ist ein Roman der in der aktuellen Zeit spielt . Er zeigt die aktuellen Probleme von Schulen und Lehrern auf. Nebenbei fließen noch viel Humor, Selbstironie und auch Romantik in das ganze Dilemma ein. :D

    Das Buch handelt von einer jungen Musiklehrerin in Hamburg, die an ihrer Traumschule arbeitet und bis dahin rund um zufrieden mit ihrer Arbeit und sich war. Sie hat fast ausschließlich aufmerksame, lernwillige und fleißige Schüler und Schülerinnen. Diese kannten von ihrem Elternhaus nichts anderes und bereiteten so gut wie nie Probleme oder Schwierigkeiten. Einfach rund um ein Traum für jeden Lehrer. :D

    Doch wie sollte es anders sein, dreht sich dann von einem auf den anderen Tag das Blatt.

    Der Rektor ihrer Schule macht auf den starken Lehrermangel in ihrer Stadt aufmerksam. Und er muss einen Lehrer von seinem Kollegium aussuchen, der der Problemschule aushilft. Da fiel die Wahl unweigerlich auf sie und sie wird auf diese "Alptraumschule" versetzt.

    Und da kann man sich dann schon richtig vorstellen was das bedeutet.

    Schüler die sich lieber für YouTube und ihre Handys interessieren, als an dem Schulstoff. :D

    Um den Schülern dann vielleicht das Lernen und die Schule an sich schmackhafter zu machen, gründet sie dann eine Musical-AG. Allerdings stellt das nicht nur die Lehrerin sondern auch die Schüler auf eine harte Probe. Natürlich geht es ei dem ganzen Hin und Her auch um eine Liebelei. :D


    Die Autorin habe ich letztes Jahr im Winter durch einen Zufall "entdeckt." Mir gefiel ihr Schreibstil sehr und die Art wie sie auf ein so aktuelles Problem unserer Zeit aufmerksam macht. :)

    Mir gefiel die Atmosphäre wie sie die einzelnen Charakter des Buches darstellt und präsentiert. Jeder hat seine ganz eigene Art und Konzeption. Sowas mag ich sehr gerne! :)



    Ich bin leider noch nicht ganz durch, bin etwa bei der Mitte vom Buch. Im Moment komme ich leider fast gar nicht dazu das Buch weiter zu lesen. Kann es aber auf jeden Fall schon jetzt jedem empfehlen, der sich für das Themen Problemschulen und "Rettende Lehrerin" interessiert. Der Humor wird hier auch nicht vernachlässigt und ich musste oftmals ziemlich schmunzeln bei einzelnen Abschnitten.

    Wenn man dann noch ein Fan von Romantik in Büchern ist, hat schon gewonnen. :D



    Ich muss einfach mal wieder weiter lesen! :D

    Alles kann Kunst sein, sogar du selbst!

    Also los, mach dich zu einem Kunstwerk! <3

  • Ich mache mich mal wieder daran, Bücher parallel zu lesen.


    Philosophie für Anfänger, von Sokrates bis Sartre - Ralf Ludwig


    Der Name erklärt sich selbst. Nachdem ich Richard David Prechts "Wer bin ich und wenn ja, wie viele?" gelesen habe, bin ich mal gespannt, was ich von Ralf Ludwig noch zusätzlich so mitbekomme. ^^ Oder wie er seine Akzente hier setzt.

    [Schlaue, tiefgreifende Lebensweisheit]

  • Ich lese derzeit Maynard Solomons relativ bekannte Biografie zu Ludwig van Beethoven.


    Um die Lektüre kurz zusammenzufassen: der werte Herr analysiert Beethovens Leben mithilfe der Freudschen Psychoanalyse, und es ist tatsächlich... verrückt. Also nicht nur das Geschreibsel, das ist verrückt gut, sondern auch die Geschehnisse. Es ist ja bekannt, dass der Komponist schon lange taub war, bevor er die Neunte oder andere Höhepunkte seines Schaffens auch nur notierte, aber dazu kommen ziemlich eindringliche Beschreibungen seines jähzornigen Charakters und der extrem belasteten Beziehung zu seinem Neffen, die in dessen Selbstmordversuch gipfelten. Alle sehen in Beethoven immer nur das taube Genie, aber dieses Buch hat meine Sicht auf ihn dramatisch verändert.

  • B. Traven Das Totenschiff - Ich hab das Buch mal spontan letztes Jahr für 3 € oder so als Mängelexemplar gekauft, weil der Titel interessant klang. Jetzt les ich das so nebenbei immer wieder mal ein bisschen. Sowohl der Autor als auch der Hauptcharakter haben eine höchst interessante Geschichte. Beim Autor stehen auf dem Buchrücken zwei unterschiedliche Geburtstage und Orte - ganz so, als wüsste man das nicht. Bei Wikipedia steht was drittes...? Vielleicht liegt das darin begründet, dass der Autor Anarchist (auch Herausgeber einer anarchistischen Zeitschrift) war und in der Zeit zwischen den Weltkriegen auch Theaterschauspieler und zudem noch auf der Flucht und selbst womöglich nie mit seinen Verlegern persönlich verhandelt hat und auch wollte, dass seine Person ein Mysterium blieb. Daher gibt's bei Wikipedia ne ganze Reihe an Vermutungen, die im Laufe der Jahre aufgestellt wurden, wer dieser B. Traven denn wirklich sei. Ich find's cool.


    Nun zu dem Buch: Es geht um einen amerikanischen Seemann, der zu Beginn der 1920er Jahre in Antwerpen sein Schiff verpasst und ohne Papiere nun also in Europa gestrandet ist. Gefühlt sofort gerät er in den Konflikt mit der Polizei und wird von dieser ins nächste Land abgeschoben, damit sie selbst keine Probleme oder Arbeit mit einem angeblich amerikanischen, mittel- und ausweislosen Seemann haben. Dort wiederholt sich meist das gleiche Spiel und so wandert er durch mehrere europäische Länder, gibt sich dann als Deutscher aus, ohne je in Deutschland gewesen zu sein und nimmt alles - sogar seine mehrfache Verurteilung zum Tode - mit einer gewissen Leichtigkeit und sarkastischem Humor. Die "normalen" Menschen, die er trifft, sind häufig nett, verständnisvoll und verzichten darauf, ihm Geld abzunehmen, da er offensichtlich nicht viel hat, obwohl sie selbst auch nicht viel besitzen. Brot, Käse, Wurst und Wein wird überall geteilt.

    Es ergibt sich in diesem leichten Stil dann eine Erzählung, die teilweise absurd anmutet, aber einfach schön zu lesen ist und immer wieder ziemlich starke Sätze hervorbringt, die seltsam aktuell anmuten, auch wenn die durchscheinende anarchische Haltung nicht zu verleugnen und doch etwas einseitig ist.


    Meine bisherigen Lieblingspassagen, manche lustig, manche eher zum Nachdenken anregend:

    "Meine Herren! Das war ein Essen, das nenne ich Kunstwerk. Dafür lasse ich mich jeden Tag mit Freuden zweimal erschießen."


    "Kein Wunder, das Land hatte ja an dem Kriege für die Freiheit und Demokratie der Welt nicht teilgenommen. Deshalb hatte der Krieg hier die Freiheit nicht gewonnen, und die Menschen hatten sie nicht verloren. Es ist so unerhört lächerlich, dass alle Länder, die von sich behaupteten, sie seien die freiesten Läner, in Wahrheit ihren Bewohnern die geringste Freiheit gewähren und sie das ganze Leben hindurch unter Vormundschaft halten. Verdächtig ist jedes Land, wo soviel von Freiheit geredet wird, die angeblich innerhalb der Grenzen zu finden sei. [...] Wo man so laut schreien muss: Wir sind ein Volk von freien Menschen!, da will man nur die Tatsache verdecken, dass die Freiheit vor die Hunde gegangen ist [...]"


    "Das ist das Militärgefängnis", sagte er mir.

    "Aber warum schreien denn die Leute so herzzerreißend?"

    "Die Leute? Das sind keine Leute. Das sind Kommunisten."

    "Die brauchen doch nicht zu schreien, wenn sie Kommunisten sind."

    "Ja, verstehen sie denn nicht? Die werden jetzt geprügelt und gefoltert."

    "Warum denn aber?"

    "Das sind doch Kommunisten. [...]"

    "Sind das denn Verbrecher?"

    "Nein, aber Kommunisten."



    Ach, eigentlich könnte ich hier direkt ein ganzes Kapitel abtippen... aber das ist dann vielleicht doch zu viel ^^ Jedenfalls gefällt mir das Buch sehr gut.

    „Alice, man darf sein Leben nicht nach anderen richten. Du allein musst die Entscheidung fällen.“ [Alice im Wunderland]

  • "Der Ursprung der Welt" (Ulrich Tukur, 2019, Fischer Verlag)


    Hat mir meine Mom zu Weihnachten geschenkt und ich hab's vorgestern auf meinem Balkon in drei Stunden in einem Rutsch durchgelesen.

    Weil's eigentlich nicht Non-Fantasy ist, sondern eher so ein Zwischending, bei dem ich den Eindruck hatte, es wäre besser am Ball zu bleiben. Als sich vielleicht nach einer Nacht dazwischen nicht mehr an wichtige Details zu erinnern und deshalb vielleicht noch mal weiter vorne nachzulesen.

    Tukur macht's einem nämlich nicht einfach: Er siedelt die Geschichte in einer nahen Zukunft (ca. 2030) an, in der Europa wieder in Nationalstaaten zersplittert, Grenz- und Personenkontrollen gang und gäbe sind. Dann nennt er seinen Prota auch noch "Paul Goullet" und schickt ihn in ein etwas freieres Frankreich, während sich Deutschland in gesellschaftlicher Auflösung zu befinden scheint.

    In Frankreich findet Paul jedoch auf einem Markt ein altes Photoalbum, dessen Bilder scheinbar ihn zeigen, in einer Zeit, in der er nicht gelebt haben kann.

    Und damit begibt sich Paul auf eine Reise und Suche nach der Vergangenheit, die in den Bildern repräsentiert wird. Und nach seiner eigenen Herkunft, die untrennbar mit ihnen verwoben ist.


    Hat mich beeindruckt. Sehr sogar.

    Ich empfehle daher drei bis vier Stunden Lesezeit. Dazu einen guten Wein (Valatiere Carignan), dazu einen guten Brie und einige Scheiben würziger Salami. Und Sonne.

    Sonst könnte man leicht von der düsteren Grundstimmung des Buches ergriffen werden.


    Ansonsten dieses Jahr eines meiner Lieblinge.:)

  • Ich habe nun Die Karte meiner Träume von Reif Larsen begonnen.

    Das Buch ist aus der Perspektive von T. S. Spivet geschrieben - einem 12-jährigen Kartographen, der auf einer Ranch in Montana, mitten auf dem Land, lebt. Seine Familie ist ein bunter Haufen, mit einem wortkargen Rancher als Vater, einer etwas verschrobenen Koleopterologin (Also, sie untersucht und klassifiziert Käfer und sowas. Ich hoffe, ich hab das richtige Wort benutzt.), einem toten Bruder und einer vergleichsweise normalen Schwester. T. S. zeichnet von allem was er beobachtet Diagramme, Illustrationen, Karten, Statistiken usw. Er ist mit zwölf Jahren ein Vollblutwissenschaftler, der einfach nicht anders kann. Man könnte ihm vielleicht einen gewissen Grad an Autismus oder so etwas zusprechen. Da er der Erzähler ist, hat der Junge eine unglaubliche Wortwahl, die mich an seinem Alter zweifeln lässt. Er ist ein kindliches Genius, zwar ein Kind, aber ein ziemlich krasses, dass sich des Gewichts seines Könnens kaum bewusst zu sein scheint.

    Normalerweise versucht man ja genau sowas zu vermeiden, wenn man Kinder schreibt. Man will ein Kind haben und keinen Erwachsenen im Kinderkörper. Ob hier der Spagat geschafft wird, kann ich nach nur einem Kapitel noch gar nicht sagen. Aber T. S.' Talent für seine wissenschaftlichen Darstellungen ist genau der Punkt der Geschichte: Er hat einen Wissenschaftspreis gewonnen! Und muss ihn noch entgegennehmen. Das kann ja heiter werden!

    Ein Buch wie dieses habe ich wohl noch nicht gesehen. Illustrationen? Kennt man. Fußnoten? Kennt man auch. Aber Larsen geht irgendwie noch einen Schritt weiter. Die Seiten werden vom eigentlichen Text der Geschichte nicht ganz ausgefüllt, sodass da noch Platz für T. S.' Diagramme, Anmerkungen, Karten und Zeichnungen ist, die das Geschehen ergänzen oder darstellen. Das kann man blöd finden, weil es das Pacing des eigentlichen Textes total zerschießen kann, man kann es aber auch, so wie ich, toll finden! Diese Kreativität, die Geschichte mit anderen Medien zu erweitern, macht mir einfach Spaß. Diagramme wollen schließlich genau betrachtet werden. Was ist auf den Achsen dargestellt? Was lässt sich vielleicht für eine Aussage über die Foguren draus herleiten? Das ist total cool!


    Ja, ich habe eine Ahnung, dass mir dieses Buch gut gefallen wird, auch wenn solche noch krasseren Fußnoten das Lesetempo natürlich nach unten ziehen. Aber Lesen ist ja kein Rennen, richtig?

    [Schlaue, tiefgreifende Lebensweisheit]

  • Da hab' ich den Film dazu gesehen - ich denke das wird Dir gefallen, ich fand's ne richtig schoene Geschichte (und das Setting ist etwas maerchenhaft, ich glaube der Junge soll nicht so wahnsinnig realistisch geschildert werden, im Film sieht man am Anfang dass die Ranch von den ganzen Farben 'larger than life' ist - eher so ein Idealbild einer Ranch als ein realer Ort...)

  • Eleganter Unsinn von Alan Sokal und Jean Bricmont


    Das Buch ist schon ein Klassiker - es geht um die Auseinandersetzung von zwei Physikern mit dem Gebrauch von naturwissenschftlicher Terminologie und Ideen in den Werken von postmodernen Philosophen.


    Entstanden ist das ganze aus einer Parodie - die beiden haben einen Nonsense-Aufsatz aus Phrasen die man so im Diskurs findet zusammengeschnitten und in einer einschlaegigen Zeitschrift (Social Text) eingereicht - und der voellig sinnfreie Unfug wurde veroeffentlicht. Daher die These der beiden - vielleicht sind viele Textstellen bekannter Denker nicht deshalb so schwer zu verstehen weil sie so tiefgruendig sind - sondern weil sie einfach keinen Sinn ergeben.


    Viel lebt das Buch von der Gegenueberstellung von Text und Kommentar was die verwendeten Begriffe in der Mathematik oder Physik wirklich bedeuten. Das ist manchmal schreiend komisch - etwa wo Lacan die Struktur der Geisteskrankheit als die eines Torus ansieht - und die Autoren die Frage aufwerfen ob ein Fortschritt in der Topologie morgen wirklich eine Revolution der Psychiatrie nach sich ziehen wuerde, oder wo Lacan 'das zeugungsfaehige Organ' mit sqrt(-1) gleichsetzt ohne irgend einen Grund dafuer anzugeben.


    Manchmal zeigt sich, dass die genannten Philosophen ein Theorem in der Mathematik einfach missverstanden haben und falsch wiedergeben, manchmal geht's eher um ein generelles Sperrfeuer an besonders technisch klingenden Begriffen das sich wissenschaftlich anhoert, aber nichts bedeutet ('der nicht-euklidische Raum des Krieges' - wo die Autoren fragen wie denn ein euklidischer Raum des Krieges im Gegensatz aussehen wuerde).


    Es gibt auch Uebersichtskapitel die generell die Auseinandersetzung mit epistemischem Relativismus und der wissenschaftlichen Methodik fuehren - lesenswert wenn man sich diese Fragen nie gestellt hat.


    Ich mag das Buch, hab's schon seit es vor 20 Jahren rausgekommen ist - inzwischen merke ich, dass ich ein bisschen geduldiger mit den Philosophen werde - vieles ist wirklich einfach eleganter Unsinn, aber mancher Gedanke laesst sich schon uebertragen - Goedel's Unvollstaendigkeitstheorem z.B. bezieht sich auf formale Systeme in der Logik, aber das Prinzip auf dem der Beweis beruht ist viel allgemeiner und laesst sich auf alles moegliche anwenden - da pedantisch drauf zu bestehen dass das nur fuer formale Logik gilt ist vielleicht nicht gerecht. Naja - aber das sind Feinheiten.


    Wer ein Faible fuer Philosophie und Erkenntnistheorie hat - unbedingt reinlesen!