Himmelsjäger [2. Fassung]

  • Was mir gerade mal so auffällt... Chisana nennt Konrad immer "Prinz". Bei dem Hintergrund ist das klar, er ist schließlich der Sohn eines Herzogs. Allerdings frage ich mich jetzt, wenn Konrad Adoptiveltern hat, wer genau ihm da aufgenommen hat. Die Szene mit dem Diener macht ja klar, dass er auch wieder in ein gutes Haus gekommen ist. Der junge hat ganz schön Glück gehabt, oder verstehe ich was falsch?

  • Von den bisher hier hochgeladenen Abschnitten, ist "Grau zu Bunt" bisher wohl mein liebster. o: Da gelingt mir wohl gut, was ich mit der Geschichte als Ganzem erreichen möchte.

  • Den Himmel bunt malen. Der Teil hat etwas ... magisches? Weiß nicht, wie ich es beschreiben soll. So verträumt und ruhig zum einen und dann die Erinnerung von Chisana auf der anderen Seite. Der Kontrast gefällt mir. Und vor allem wirft es einige Fragen auf. Warum wurden die Eltern ermordet? wer hat sie ermordet? Und was nähert sich da ratternd? Was wird noch auf sie zukommen? XD
    Die Beziehung der beiden hast du in den wenigen Teilen wirklich schon gut zur Geltung gebracht. Es scheint, als kann sie nichts und niemand auseinander bringen. ^^


    LG, Kyelia



    Wenn es ein Buch gibt, das du wirklich lesen willst, aber das noch nicht geschrieben wurde, dann musst du es selbst schreiben.
    - Toni Morrison -



  • Sommerregen


    Ihr eisiger Blick tauchte in den Suppentopf hinab, als wäre die fettäugige Oberfläche ein gemeiner Schwindel, den es zu enttarnen galt. Meddin beobachtete sie gespannt, kurz vorm Bersten.
    Was starrt sie nur so? Habe ich etwa eine Zutat vergessen? Oder ist es vielleicht schon zu kalt geworden?, schoss es ihm durch den Kopf und ließ ihn völlig ignorieren, wie aus dem Topf noch immer Dampf empor stieg. Als erstarrte die Suppe unter dem Blick der Haushälterin binnen Sekunden zu Eis, so wie Meddin es tat.
    Die Kälte der Haushälterin durchzuckte seinen Körper und die Hitze des Ofens, an dem nebenher der Hofbäcker arbeitete, flutete seine Gänsehaut mit Schweiß. Langsam kullerte eine Salzwasserperle seine Stirn herunter. Unter seiner Haut tobte Krieg.
    Mit kritisch gerümpfter Nase hob die Haushälterin die Suppenkelle an ihre Lippen. Leises Schlürfen. Stille. Wieder spürte Meddin die Schlinge an seinem Hals scheuern, dass ihm der Atem versiegte. Den Kopf gefüllt mit Panik, starrte er zu Boden.
    Nun komm schon. Sag es. Töte mich. Beende es endlich, ich flehe dich an, du verfluchte Hexe!, bäumte sich sein gequälter Geist auf, brüllte löwengleich.
    Als sie sich endlich wieder zu ihm umwandte explodierte in ihm erleichtertes Entsetzen. Und tötete alle Gedanken. Gleich war es vorbei. Er spürte das Blut in seiner Kehle pulsieren.
    Starren. Stille, erneut.
    Urteil.
    Dann Nicken.
    „Wir werden dich von nun an als Küchenhilfe einsetzen. Den Koch werde ich darüber informieren, weitere Anweisungen folgen später“, grummelte sie und machte eine unmissverständliche Bewegung mit der Hand: Geh mir aus den Augen.
    Der Anweisung folgte er ohne einen Herzschlag verstreichen zu lassen und schwebte betäubt durch die Tür, auf den Flur hinaus, bis er die Küche einige Meter hinter sich gelassen hatte. Dann brach er ungelenk in sich zusammen. Von der inneren Schlacht blieben Schutt und Trümmer, aber irgendwo darunter lag ein Lächeln, seufzte Erleichterung.
    Da wurden hinter ihm Schritte lauter.
    „Meddin?“
    Minna.
    „Du meine Güte, Meddin!“, rief sie und kniete sich neben ihm auf den hellbraunen Flurteppich.
    Meddin hockte auf allen Vieren und sah mit verregneten Augen zu ihr auf. Wieder einmal bemerkte er, wie sich ihre schwarzen Locken von der fleckigen Uniform abhoben.
    Im Haus des Gutsherrn trugen alle Angestellten ausnahmslos Uniformen, auch die Sklaven. Und doch waren Sklaven und Diener sofort mit einem Blick zu unterscheiden. Nahm man ein Kleidungsstück, wischte damit den Ofen, die Suppentöpfe und den Hintern aller Pferde des Landguts, hing es zum Trocknen auf, wusch die Kruste ab und trocknete es erneut, dann hatte man eine Sklavenuniform. So vermutete es Meddin, weckten all die Flecken und Schmierspuren doch wildeste Phantasien. Sicher war er sich jedoch nicht.
    „Mach dir keine Sorgen, Minna, es geht mir gut“, sprach er schniefend.
    Seine Tränen fühlten sich schlagartig anders, reinigend an. Sie waren ein Sommerregen.
    „Aber, du …“; zeigte sie wild über seinen Körper.
    Doch er zwang sich zu einem Grinsen, so breit es ihm zu ziehen gelang.
    „Minna, sie hat meine Suppe abgenickt!“, nickte er dabei selbst mit dem Kopf und begriff es endlich. „Ich bin doch für etwas zu gebrauchen! Ich werde nicht …“
    Da stolperte er über seine Worte und ihm war, als wusch ein neuer Schauer weiteren Staub von ihm.
    Langsam setzte er sich auf, mit dem Hintern auf dem Flurteppich, den Kopf gesenkt.
    „Aber d-das ist ja wunderbar! Meddin, ich wusste gar nicht, dass du k-kochen kannst“, stammelte sie, verwirrt von all den Emotionen, die aus Meddin hervorgeschossen kamen.
    „Ja“, lachte er. „Ich habe wohl noch nicht alles vergessen, was Mutter mich gelehrt hat. Weißt du, ich habe ihr oft beim Kochen geholfen. Dafür waren meine Brüder oft mit Vater unterwegs. Minna..?“
    „Huh?“
    Ohne zu zittern streckte er ihr seine Hand entgegen.
    „Kannst du mir bitte aufhelfen?“
    Eifrig nickte sie, nahm seine Hand und erhob sich wieder.
    Sie ist so süß, dachte Meddin und zog sich an ihrer Hand auf die Beine.
    „Weißt du, ich dachte schon, dir sei etwas zugestoßen. Aber zum Glück habe ich mich geirrt“, lächelte sie.
    „Warum denn das?“
    „Naja, weil ich hörte, dass man gerade …“

    [Schlaue, tiefgreifende Lebensweisheit]

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  • Hey du,


    der Teil gefällt mir sehr gut. Wie du Meddins Gefühle beschreibst, als die schrullige Haushälterin seine Suppe unter die Lupe nimmt...sehr geil!
    Auch seinen anschließenden Zusammenbruch hast du gut hinbekommen...


    an einer Stelle bin ich kurz hängengeblieben:


    „Minna, sie hat meine Suppe abgenickt!“, nickte er dabei selbst mit dem Kopf und...

    Das "abgenickt" in Verbindung mit dem "nickte" gefiel mir hier irgendwie nicht so gut. Aber ich glaube, da bin ich einfach pingelig :)


    Ansonsten wie gesagt: Daumen hoch!...und natürlich frage ich mich, was verdammt noch mal hat Minna gehört???
    Ich will wissen, wie es weitergeht!!!


    Viele Grüße,
    Rainbow


  • Ich kann mich Rainbow nur anschließen. Der Teil war wirklich gut. Die Gefühle waren super geschildert, vor allem die Angst und die Panik, als die Haushälterin die Suppe begutachtet. Von den bildlichen Beschreibungen war das meiner Ansicht nach gerade richtig, aber mehr dürften es wohl wirklich nicht sein. Ich weiß ja nicht, was du gestrichen hast, dafür kenne ich die alte Version zu wenig. ^^


    Einzige Sache, die mir an dem Teil gar nicht gefällt: Minna hört mitten im Satz auf zu reden, dabei will ich doch wissen, was sie gehört hat! ;(
    Also zügig weiter. :D


    LG, Kyelia



    Wenn es ein Buch gibt, das du wirklich lesen willst, aber das noch nicht geschrieben wurde, dann musst du es selbst schreiben.
    - Toni Morrison -


  • „Minna, sie hat meine Suppe abgenickt!“, nickte er dabei selbst mit dem Kopf und begriff es endlich.

    Ich glaube, die Wiederholung ist absicht, würde sie aber dennoch vermeiden, weil sie keinen betonenden Charakter hat


    Ansonsten alles super :thumbup: Ich erinnere mich noch an den Teil, kann aber beim besten Willen nicht sagen, was du gestrichen hast xD Ich weiß nur, dass dieser sich gut liest und mir die Formulierungen und Vergleiche gefallen :)



  • Strickmännchen


    „Anscheinend sucht man gerade“, begann der Alte und zeichnete dabei einen kleinen Kreis in den Staub. „Einen neuen Haussklaven.“
    „Haussklaven?“
    Plötzlich wurden die Flügel des Zwingerportals gespreizt und Sonnenschein stolperte in die Sklavenbehausung. Der Großteil der Gefangenen war, trotz der frühen Stunde, schon längst wach und ging ungeduldig in der Zelle auf und ab. Sie warteten und schauten den Aufsehern zu, während man die Zellentüren öffnete. Dabei hallte Paavo im Geiste wider, wie der Alte ihn am Feuer Welpe genannt hatte. Schlagartig hellte sich seine angespannte Stimmung ein wenig auf.
    Währenddessen raffte sich Maks von seinem Schlafplatz auf und hatte einen Blick in den Augen, der das Gehen verlernt hatte. Oder war daran vielleicht die Stille schuld, mit der er zuvor die Nacht verbracht hatte? Sie hatte die Zelle längst verlassen, doch ihr Geruch war noch allgegenwärtig.

    „Ja, genau. Die Speichellecker in den dreckigen Uniformen. Es kommt sehr selten vor, dass dort mal jemand ausfällt, weil sie nur leichte Arbeiten verrichten. So etwas wie Wäschewaschen oder Putzen. Niemand bricht dort zusammen, das Haus ist warm, zu essen gibt es mehr als einmal am Tag. Dort wird man auch nicht aussortiert, jedenfalls nicht so früh. Wer sich hier freiwillig meldet, der will seinen Arsch retten.“
    Genau. Seinen Arsch retten. Das wollte man doch, nicht wahr? Fragte Paavo sich, während sie aus ihrer Zelle herausgeführt wurden, auf den großen Vorplatz. Direkt vor die Feuerstelle. Ordentlich stellte man sie Schulter an Schulter, eine Welpenkette. Maks ließ sich schlaff hängen. Paavos Ellenbogen stieß in seine Seite – gerader Rücken, straffe Brust, aber nur träge Augen. Sein Himmel war noch dichter bewölkt als gestern.
    “Und dafür möchtest du dich nicht melden?“
    „Pff. Was soll ich da?“
    „Nun, du bist nun schon längst kein Welpe mehr, alter Mann“, kam es zähflüssig aus Paavos Mund gequollen.
    Wie gern wäre er jetzt einfach im Erdboden versickert, zusammen mit seinen Worten. Es schlug ihn gegen die Lunge, den Alten so zu nennen.
    “Aaach was. Solche ehrenvollen Aufgaben bin ich doch gar nicht wert“, gluckste er amüsiert und zeichnete dem Kreis einen kleinen Körper. „Soll sich doch jemand melden, der von sich meint, es zu sein. Nur zu. Aber ich bin es nicht, leider, leider …“
    Am letzten Abend hatte Paavo darin noch eine Chance gewittert. Wie sich seine junge Hundenase nur irren konnte, der Alte hatte Recht. Sie würden einen nicht gehen lassen, niemals. Nicht, wenn man sie zum Lachen bringen konnte. Nicht, wenn man mit ihren Kindern spielte. Und erst recht nicht, wenn man an ihrer Welt zerbrach.
    Eine reifere Frau in einem schlichten, braunen Kleid, die Haare hochgesteckt, trat vor die Welpenkette. Ihre Schritte plapperten voll Hochmut über alle Anwesenden, dass Paavo sich die Ohren zuhalten wollte. Diese Frau war wichtig, das war nicht zu übersehen. Das ließ sie gar erst nicht zu und ging vor ihnen langsam auf und ab.
    Wir machen es kurz, sprach ihr Blick zu allen, die es wagten, ihr in die Augen zu blicken.
    „Die Ernte ist in vollem Gange“, verkündete sie. „Das spürt ganz besonders ihr Feldsklaven. Dass die Ernte oberste Priorität hat, werde ich sicher nicht erläutern müssen. Dennoch hat der Gutsherr entschieden, dass ein Feldsklave für die Arbeit auf dem Gutshof eingezogen werden soll. Also …“
    Mittig blieb sie vor ihnen stehen und ließ ihren Blick die Sklaven auf und ab wandern.
    „… wer sich freiwillig für diesen Posten melden will, der soll hervortreten.“

    “Aber wenn dort nur selten jemand ausfällt, warum wird dann gerade jetzt jemand gesucht?“
    „Och, wer weiß? Das kann unterschiedlichste Gründe haben“, begann der Alte. „Entweder brauchen sie aus irgendeinem Grund weitere Leute – vielleicht ist ja ihr Haushalt um ein paar Köpfe größer geworden? – aber, so eine Erklärung stellt dich sicher nicht zufrieden, nicht wahr, Welpe?“
    Nicken.
    „Natürlich nicht“, meinte der Alte und zeichnete weitere Linien neben das Strichmännchen in den Staub. „Vielleicht – ich weiß es nicht, war jemand von ihnen zu alt und nicht mehr zu gebrauchen. Und dann wurde er aussortiert. Aber das glaube ich nicht.“
    Stirnrunzeln.
    „Warum hältst du das für unwahrscheinlich? Wenn man schon lange niemanden mehr dafür eingezogen hat?“

    „Ich bin nicht einfach nur ein altes Eisen. Es war vor einigen Jahren, fünf oder sechs wohl. Da wurde eine ganze Menge Sklaven auf einmal eingezogen, und ich meine wirklich viele. Bestimmt ein Dutzend. Die Kriecher am Hof müssen alle auf einmal in den Backofen geklettert und verbrannt sein. Irgendetwas ist dort auf jeden Fall passiert.
    Dass jemand von denen heute zu alt sei, glaube ich einfach nicht. Wäre ich Sklaventreiber, würde ich nur junge Sklaven heranbestellen. Damit bleibt mir nur eine logische Erklärung.“
    Der Alte machte eine kurze Pause, um wieder ein, zwei Linien im Staub zu zeichnen. Neugierig lehnte Paavo sich etwas vor, für eine bessere Sicht. Dabei blies ihm die Hitze der Feuerstelle wieder ins Gesicht und sein entsetzter Blick fiel auf die Zeichnung. Das Strickmännchen hing am Galgen.
    „Jemand hat ganz einfach Scheiße gebaut.“

    [Schlaue, tiefgreifende Lebensweisheit]

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  • Wow! Dein Schreibstil ist sowohl hoch und stilistisch gut, als auch dem Leser nahe. :D

    Speichellecker in den dreckigen Uniformen

    Hier ein Beispiel eines Satzes, der mich sofort zum grinsen gebracht hat. Ist meiner Meinung echt schwer, so etwas beim Leser zu erzeugen, zumindest für mich :O
    Aber dir ist es gelungen.
    Ich freu mich auf mehr <3

  • Hey du,


    meine Anmerkungen wie immer wo? Genau, im Spoiler, wo sonst?



    Viele Grüße,
    Rainbow


    p.s.: Dass du immer noch über den glitschigen Arm nachdenkst, finde ich irgendwie amüsant. Du wirst schon noch zu einer Entscheidung kommen...

  • Bisher hat soch niemand beschwert und ich musste es auch nicht erklären, deshalb bin ich etwas erstaunt.

    Sorry, steh` gerade auf dem Schlauch. Was heißt das jetzt? ....Ich habe den kompletten Abschnitt also völlig falsch verstanden?
    Der Alte ist also gar nicht bei Paavo und Maks und der "Dialog" findet quasi nur im Geiste statt? Och nö, Rainbow! :dash:
    Okay, ich muss mich also mal wieder als Ober-Depp outen...aber DAS habe ich ehrlich nicht geschnallt. Es gibt nur eine klitzekleine Andeutung...irgendwo ganz oben....

    Dabei hallte Paavo im Geiste wider, wie der Alte ihn am Feuer genannt hatte...

    Ich hätte natürlich durch die Kursivbuchstaben schon darauf kommen können...aber ich glaube, ich habe heute einfach schon zu viel gelesen und die Konzentration ist futsch.Vielleicht bin ich ja wirklich die einzige, die das nicht kapiert...dann nehme ich natürlich meine tollen Anmerkungen wieder zurück :) Oder du überlegst, wie du es für so idioten wie mich NOCH deutlicher machen kannst :rofl:


    Viele Grüße,
    Rainbow

  • Hey,


    ich noch mal :) Irgendwie lässt es mir keine Ruhe, dass ich diesen kompletten Abschnitt falsch eingeordnet haben soll. Ich meine, ich weiß ja, dass ich manchmal verpeilt bin, aber dennoch wollte ich dem gerne auf den Grund gehen. Ich habe mir den Text deshalb erneut angeschaut.


    Hier mein Versuch, zu erklären, was das Ganze so verwirrend für mich macht:



    Viele Grüße,
    Rainbow

  • Okay, @Rainbow, es macht wohl Sinn, das mal auszudiskutieren. :)

  • Alles klar...habe mir den Teil "Die Welpen" noch einmal angeschaut...ich denke, es wird in der Tat deutlicher, wenn man das zusammenhängend liest.
    Vielleicht ergänzt du aber noch einen kleinen Vermerk in den Spoiler "Strickmännchen", damit es auch für alle weiteren Leser noch mal deutlich wird. (?)


    Viele Grüße,
    Rainbow


    p.s.: ich weiß, es ist nicht leicht mit mir :)

  • Genau. Seinen Arsch retten. Das wollte man doch, nicht wahr? (Komma?) Fragte Paavo sich, während sie aus ihrer Zelle herausgeführt wurden, auf den großen Vorplatz.

    Hey Kalki :)


    Das da oben ist nur ein Vorschlag :)
    Das mit dem fragte kam für mich so aus dem nichts XD
    Wahrscheinlich auch deshalb, weil die Gedanken nicht mehr kursiv setzen kannst :hmm:
    Aber es ist echt nur ne winzige Kleinigkeit :D


    Ihre Schritte plapperten voll Hochmut über alle Anwesenden,

    Hier bin ich mit dem Verb nicht so zufrieden. Schritte plappern nicht ... Zudem ist Plappern für mich nicht negativ behaftet. Kleine Kinder plappern und meistens ist das niedlich (sofern man die Kinder abends wieder abgeben kann XD). Ich würde dir "klappern" vorschlagen. Ihre Schuhen könnten auf dem Untergrund beim Gehen klappern ... :hmm: (Was du nicht einbauen musst, aber ich finde Schritte können eher klappern als plappern XD)


    ich finde man merkt deutlich, dass du am Text gearbeitet hast.
    Die Worte ... fließen anders. Ich finde es klasse! :thumbsup:
    Den Teil mit den Rückblicken hast du prima gelöst. Ich konnte dem ganzen gut folgen und mühelos zwischen "Jetzt" und "gestern Abend" hin und her springen. Die kleinen Tätigkeiten, wie "zeichnete einen Kreis", sind super und lassen ein Bild vor Augen enstehen ^^
    Du siehst, viel habe ich nicht anzumerken und wenn, ist es Geschmackssache ^^

    Writers aren't exactly people ... they're a whole bunch of people trying to be one person.
    - F. Scott Fitzgerald

  • Ich fand den Teil interessant, obwohl nicht viel passiert ist, aber das Gespräch mit dem Alten gefällt mir sehr gut. Die Informationen, die man daraus enthält, sind sicher noch hilfreich für den weiteren Fortgang der Geschichte - denke ich zumindest. ^^
    Dann bin ich mal gespannt, wer sich nun freiwillig melden wird. Scheint ja eine zweischneidige Entscheidung zu sein. Besser, aber von der Freiheit noch immer weit entfernt. :hmm: Außerdem frage ich mich, ob das mit den anderen Teilen schon zusammenhängt? Könnte es sein, dass hier zwei Handlungsbögen zusammenlaufen? So weit ich mich erinnere, stand der Hausjunge (Den Namen habe ich leider vergessen) doch unter der Fuchtel einer Gutsherrin. :hmm:
    Mal abwarten. ^^


    LG, Kyelia



    Wenn es ein Buch gibt, das du wirklich lesen willst, aber das noch nicht geschrieben wurde, dann musst du es selbst schreiben.
    - Toni Morrison -


  • „Anscheinend sucht man gerade“, begann der Alte und zeichnete dabei einen kleinen Kreis in den Staub. „Einen neuen Haussklaven.“

    Das gehört alles zusammen. Mach da ein Komma und beginn die wörtliche Rede klein.

    Plötzlich wurden die Flügel des Zwingerportals gespreizt und Sonnenschein stolperte in die Sklavenbehausung.

    Hab ich schon mal erwähnt, dass ich diese Bilder mag? ^^



    Ich erinnere mich noch gut an diese Szene. Und ich weiß auch noch, was passieren wird 8)



  • Und tatsächlich traten ein paar Sklaven vor, wenn auch nur wenige. Paavo hatte mit mehr Andrang gerechnet. War der Platz als Haussklave nicht begehrt? Auch für ihn und Maks war es interessant, also weswegen trat er nicht vor?
    Welpe.
    Deswegen.
    Ganz leicht musste Paavo lächeln. Es wäre ihm wie ein Verrat vorgekommen, sich hier zu melden. Und plötzlich fielen ihm die grimmigen Blicke der anderen Sklaven auf, wie sie den Freiwilligen Verachtung entgegenwarfen.

    Das ist dein Werk, nicht wahr, alter Mann?
    In ihm stieg das Verlangen auf, sich nach dem Alten umzusehen, doch Paavo traute sich nicht.
    „Ihr also“, sprach die Frau, die wohl eine Art Haushälterin war, tonlos.
    Ihre Hand hob sich, eine kurze Bewegung. Dann setzten sich einige der Aufseher in Bewegung und griffen an die Hälse der Freiwilligen. Schläge in den Bauch, ersticktes Stöhnen. Paavo schloss entsetzt seine Augen, aber der Spuk war bereits vorbei.
    „Zurück.“, befahl die Haushälterin, „In den Stall mit euch. Ihr anderen bleibt stehen.“
    Solche Leute bestimmen über uns, schoss es ihm in den Kopf.
    Der Knall der Erkenntnis betäubte seine Ohren.

    Hier werde ich sterben. Hier, auf diesem Platz.
    Wie die Geschlagenen abzogen, drang nur dumpf in seinen Sinn. Die Welt war weit in die Ferne gerückt und sein Geist hatte ihre Stelle eingenommen. An diesem Ort war selbst die Stille erstarrt.
    Das Gespräch am Lagerfeuer hatte nun bereits eine längere Pause eingelegt, in der die beiden Beteiligten teilnahmslos die Wärme in sich einziehen ließen. Mittlerweile war die Sonne im Nadelbaummeer versunken und griff mit den letzten Strahlen noch nach dem Himmel. Paavo bedauerte, dass sie scheitern würde. Denn war es erst dunkel, begann die Stille zu Maks zu sprechen. So laut, dass es Paavos Bruder die Nacht hindurch wach halten konnte.
    „Ich werde zu Bett gehen. Schlaft gut“, sprach er in die kleine, verbliebene Runde.
    Man nickte ihm zu, einige andere erhoben sich ebenfalls und ließen Grüße zur guten Nacht fallen. Doch der Alte wandte seine Worte noch einmal an ihn.
    „Schlaf gut. Welpe“, brummte er väterlich.
    Und mit einem Blick voller Erwartungen. Selten war Paavo so verwirrt gewesen.
    ...
    Träge blinzelte sich Paavo die Verwirrung aus den Augen, während er sein Herz bis zu seiner Kehle schlagen spürte. Für einen kurzen Moment war er abwesend gewesen – weggetragen von seinen eigenen Gedanken und halb in ihnen ertränkt. Wieder zurückgekehrt, sah er sich mit leichtem Zittern um.
    Während er so dagehangen hatte, hatten die anderen Sklaven die Lücken in ihrer Reihe wieder geschlossen und waren zusammengerückt. Paavo stand nun weit rechts und zwischen ihm und Maks, der eben noch links neben ihm gestanden hatte, befand sich nun ein weiterer Gefangener, mit dunklerer Haut.
    Am anderen Ende der Kette begutachtete die Haushälterin gerade die Sklaven, einen nach dem anderen. Tief blickte sie ihnen in die Augen, als wollte sie in den Kopf hineinsteigen. Es vergingen einige Momente aufmerksamen, aggressiven Schauens, dann ließ sie von ihrem Opfer ab. Die meisten von ihnen standen stramm. Bei ihnen stieß man schnell auf festen Grund – einen Grund zu trotzen.

    Welpe.
    Da war wieder der Nachhall der Stimme, der Blick des Alten. Die Erinnerung führte Paavos Blick wieder zu seinem Bruder. Maks‘ Schultern hingen und Paavo konnte nicht sagen, wohin seine Augen wohl blickten. Diesen Zustand kannte Paavo von seinem Bruder. Er kannte ihn ganz genau. In seinem Kopf war Maks wohl wieder bei der Stille.
    Und immer wieder der Blick des Alten. Dieser Blick.
    Er hat mir damit etwas sagen wollen. Was war es? Was zum Teufel!?, schrie Paavo den Alten an, in die Erinnerung hinein. Doch der schaute nur. Auffordernd. Wissend.

    Tu es. Du weißt, was ich meine. Tu es, es ist deine Chance. Rette ihn.
    Ja. Das war es gewesen. Das hatte der Blick gesagt.
    Der Hausdrache des Gutsherrn stand noch einige Sklaven von Maks und ihm entfernt. Bis sie sie erreichte, würde es noch dauern. Doch es kitzelte und juckte und stach in Paavos Beinen, er konnte nicht länger warten. Was, wenn sie jemand anderen nahm?
    Der Dunkelhäutige neben ihm drehte kurz seinen Kopf zu Paavo, als dieser sich duckte. Mit aller Vorsicht schlich er hinter dem braunen Hünen vorbei, stellte sich hinter seinen Bruder. Und stieß ihn mit der Schulter aus der Reihe heraus. Maks stolperte nach vorn und fiel die Länge nach in den Staub, küsste den Boden. Und gab dabei keinen Laut von sich. Paavo hingegen fing sich schnell wieder und kam zum Stehen, wenige Schritte von Maks Füßen entfernt.
    Waffengeraschel war zu vernehmen, während Paavo zu seinem Bruder hinabsah, der nicht wieder aufstehen wollte.
    „Maks..?“
    Schnelle, bestimmte Schritte. Eine strenge Hand packte ihn am zerlumpten Kragen. Eine andere griff sein Gesicht und riss es herum. Und plötzlich stach ihm ein Blick in die Augen, tief hinein, und stieß auf Grund. Es tat weh.
    „Der auch nicht.“, murmelte sie gelangweilt und ließ ihn los.
    Paavo stand nur da, schockiert und gelähmt.
    „Dieser hier bekommt einen Tag lang den Kerker zu spüren. Mitnehmen“, befahl sie kühl. „Und der andere …“
    Sie hockte sich vor Maks, der noch immer mit dem Gesicht im Staub lag.
    „Schau mich an.“
    Keine Reaktion.
    „Schau. Mich. An.“

    Langsam gehorchte er und hob seinen Kopf. Da packte sie schon sein Gesicht und zerrte es zu ihrem herum. Ihr stechender Blick drang in seine Augen ein und versank. Versank in seiner weiten Leere. Sie lächelte.
    „Damit lässt sich arbeiten. Den nehmen wir“, winkte sie im Sprechen eine Wache heran, um ihr auch diese unangenehme Notwendigkeit abzunehmen.

    [Schlaue, tiefgreifende Lebensweisheit]

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