Der Oger Magus

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    • Der Oger Magus

      Liebe Leser/innen,
      dies ist meine erste Geschichte.
      Sie ist angelehnt an Geschichten aus den Vergessenen Welten, bekannt etwa durch den Autor R. A. Salvatore und seine Bücher über den Dunkelelfen Drizzt Do’Urden. Über alle Kreaturen, Götter und die meisten Orte könnt ihr euch bei forgottenrealms.wikia.com zusätzliche Infos holen; die Protagonisten stammen hingegen aus der eigenen Feder.
      Es mag ein wenig verwirrend sein, da ich anfangs mit jedem Abschnitt neue Charaktere einführen werde – aber das gibt sich bald. :D

      Viel Spaß beim Lesen. Für Anregungen bin ich dankbar,



      Hinweise:

      TZ = Taliser Zeitrechnung - die gebräuchlichste Zeitmessung in den Vergessenen Welten, gelesen z. B. 1281 TZ: "Im Jahr 1281 Taliser Zeitrechnung"

      Hier noch der Kalender der Vergessenen Welten (Calendar of Harptos, Quelle: forgottenrealms.wikia.com/wiki/Calendar_of_Harptos).






      Und für einen besseren Überblick noch die Landkarte. Die Handlung meiner Geschichte findet im nordwestlichen Teil statt. Eine deutsche Version habe ich leider nicht gefunden, aber die meisten Begriffe sind entweder identisch oder schlicht übersetzt.
      forgottenrealms.wikia.com/wiki/File:Faerun_map.jpg


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      Der Oger Magus
      Gratwanderung



      Die Magie der Reiche steht seit über tausend Jahren unter dem Schutz der Göttin Mystra. Jene, die sich keiner bestimmten Glaubensrichtung zuwenden und sich keiner religiösen Hierarchie anschließen wollen, aber doch nach den Geheimnissen der Magie streben, formen das magische Geflecht selbst. Mystra stabilisiert die Kräfte der Magie, beseitigt auftretende Störungen und ermöglicht jedem, das Gewebe zu zähmen. Vor 27 Jahren trat die Magierin Mitternacht das Erbe Mystras an. Doch nun ist auch jene neue Mutter der Magie Toril-Abeirs tot.




      Prolog

      29. Ches

      Iasons Unbehagen wurde nur durch den festen Schritt seines Freundes gedämpft. Die eisige Kälte und der leichte, süßliche Fäulnisgeruch, welcher die Gruft beherrschte, bereiteten ihm eine Gänsehaut.
      Einige Schritte vor Iason blieb sein Freund und Anführer, der Paladin Tyrion, plötzlich stehen, den Blick auf den Steinboden vor ihnen gerichtet. Iason wartete ab. Er konnte sowieso nicht viel gegen die Fallen ausrichten, da lediglich die Sinne des Paladins magisch geschärft waren. Entgegen Iasons Erwartung machte Tyrion jedoch keinerlei Anstalten, diese Falle zu umgehen, sondern begann einen Zauberspruch. Ein gelb leuchtender, durchscheinender Zylinder, dessen satte Energie wellenartig vom Boden nach oben strömte und wieder abwärts fiel, schirmte ihn ab. Tyrions warnender Geste zuvorkommend war Iason bereits mehrere Schritte zurückgewichen und in Gedanken dabei, einen Heiltrank aus seinem Gürtel zu ziehen. Als Getreuer des Gottes Torm, des Wahren, vertraute er darauf, dass die göttliche Magie seinen Freund ausreichend schützen konnte.

      Tyrion gelang nur ein Schritt vorwärts. Der Boden gab kaum einen Finger breit nach und eine Lanze aus Eis erschien mitten in der Luft. Der Paladin rührte sich nicht. Die magische Lanze löschte die schützende Energiewand aus und verging in einem Schauer aus Eiskristallen, deren intensive Kälte selbst Iasons abgeschirmtes Gesicht noch rötete. Als er den Schild senkte, hatte der Paladin seine Hände ans Gesicht gehoben. Besorgt über das Ausmaß der Verletzung eilte Iason zu seinem Freund, aber außer der roten Stirn des Paladins zeugte nichts mehr von der Kältefalle. Tyrion lächelte schwach.
      „Lass uns weiter gehen“, sagte er.
      „Die Nächste löse ich aus“, entgegnete Iason knapp.
      Das Lächeln auf dem Gesicht des Paladins flackerte kurz.
      „Nein.“
      Ehe Iason etwas erwidern konnte, wandte sich Tyrion wieder dem Weg vor ihnen zu. Und Iason blieb nichts anderes übrig, als ihm zu folgen.

      Im Grunde tat er seit mehreren Zehntagen nichts anderes, obwohl er inzwischen sicher war, dass diese Suche nicht vom Orden genehmigt war. Pah, wahrscheinlich zürnt uns sogar Torm höchstpersönlich, dachte er frustriert. Aber da sowohl seine eigenen Zauber als auch jene Tyrions stets gewährt wurden, war diese Sorge wohl unbegründet. Sicher war es eine gute Sache gewesen der Diebesgilde diesen Schlag zu versetzen, aber konnte diese durchtriebene Bande tatsächlich beim Verschwinden des magischen Schwerts ihre Finger im Spiel gehabt haben? Tyrion schien die Antwort zu kennen. Zumindest er glaubte fest daran, dass sie den Heiligen Rächer, eines der mächtigsten Schwerter Faerûns, in einer gemütlichen Gruft im Grat der Welt finden würden. So weit von ihrer Heimat Amn entfernt, verloren die Aufzeichnungen, die diese Reise erst verursacht hatten, immer mehr an Glaubwürdigkeit. Aber sie waren nun einmal Freunde. Seit ihrem Aufbruch waren so viele Zehntage vergangen, dass Iason nicht einmal sicher wusste, ob der Ches bereits vorüber war. In den letzten Tagen war es jedoch stetig wärmer geworden, sodass die Schneeschmelze bereits eingesetzt haben konnte.

      Ein lautes, schabendes Geräusch von vorn holte Iason wieder in die Realität zurück, aber er entspannte sich, als in Tyrions Hand eine neue Fackel aufloderte. In ihrem Schein konnte Iason sehen, wie sich teilweise bewachsenes, natürliches Gestein und Mauerwerk abwechselten, aber die Decke lag außerhalb des erleuchteten Bereichs. Nachdenklich betrachtete er die Fackel. Fackeln… Nirgendwo in der Gruft waren Fackelhalter oder Öllaternen zu sehen.
      Oder die normalerweise allgegenwärtigen Spinnweben.

      „Wir sind hier nicht allein“, flüsterte er, was Tyrion, ohne sich umzudrehen, mit einem Nicken bestätigte.
      Gerade als Iason sich ausmalte, in wessen Fänge sie die vermaledeite Karte aus der Diebesgilde gelockt hatte, endete der Gang an einer massiven Steintür. Er verharrte direkt hinter Tyrion, welcher vor allem die Kanten der Tür inspizierte. Offenbar zu der Überzeugung gelangt, dass sie mit keiner Falle versehen war, stemmte Tyrion sich gegen die Tür, welche langsam aufschwang. Über die breiten Schultern von Tyrions Plattenpanzer hinweg konnte Iason eine schwach beleuchtete Höhle mit mehreren weiterführenden Gängen und Türen erkennen. Das grüne Licht ging von mehreren großen Steinbecken im Zentrum des Raumes aus. Die etwa drei Fuß hohen Bassins waren bis zum Rand mit einer seltsamen, grünlich glühenden Flüssigkeit gefüllt. Es dauerte eine Weile, bis er den regungslosen Paladin bemerkte. Nichts hätte ihn darauf vorbereiten können, was er sah, als er dem starren, in die Ferne gerichteten Blick seines Freundes folgte.

      Carsomyr. Der Heilige Rächer. Das Schwert war tatsächlich hier. Als hätte sein letzter Besitzer es im Kampf gegen eine ganze Armee geführt, lag es umringt von Knochen auf den steinernen Stufen zu einer großen Nische weit jenseits der glühenden Becken. Das grünliche Schimmern wurde von der makellosen Klinge des Schwertes reflektiert. Als sich Tyrion bewegte, war sich Iason sicher, er würde direkt auf das Schwert zustürmen. Er packte ihn an der Schulter und der Paladin hielt inne. Eine Weile verharrten beide, bis Tyrion schließlich nickte.
      „Danke“, sagte er und begann sofort, das letzte Stück Weg akribisch nach weiteren Fallen abzusuchen. Die Ordensbrüder umrundeten vorsichtig die leuchtenden Becken und ein paar Atemzüge später waren sie bis auf wenige Schritte an den Heiligen Rächer herangetreten.
      Plötzlich blieb Tyrion stehen und Iason fühlte, wie sich die beruhigende Aura des Paladins verstärkte. Obwohl ihm dieser Zauber durch seinen langjährigen Dienst im Orden des Strahlenden Herzens absolut vertraut war, faszinierte ihn die Erfahrung wie beim ersten Mal, als sein Innerstes von magischer Energie durchströmt und das Wesen seiner persönlichen Bestrebungen offengelegt wurde. Obwohl er den Zauber nicht selbst gesprochen hatte, wusste er, dass Tyrion den Ort gerade auf die Anwesenheit bösartiger und womöglich feindlich gesinnter Wesen untersuchte. Die Augenblicke verstrichen, aber falls Tyrion eine böse Aura wahrnahm, zeigte er dies nicht. Stattdessen ging er festen Schrittes auf Carsomyr zu. Auch Iason näherte sich nun langsam und sah das riesige Schwert im Schein der Fackel leuchten.

      Wie jeder Diener Torms, ob Paladin, Priester, Krieger oder bloßer Küchenjunge, kannte Iason die Legenden von Carsomyr, dem Vernichter des Chaos. Doch sein Dienst als junger Kriegerpriester im Orden des Strahlenden Herzens hatte ihm damals ermöglicht, den mächtigen Zweihänder mit eigenen Augen zu sehen, als er sich noch im Besitz des ehrbaren altgedienten Paladins Keldorn Firecam befand. Die kunstvoll gebogene, mehrfach gezackte Parierstange, die wie die weit geöffnete Zange eines Krebses aussah, konnte durch ihre starke Magie jede Waffe und jede Klaue abfangen. Schrecken des Nekromanten. Selbst die mächtigsten Schutzzauber Faeruns konnte der Träger Carsomyrs überwinden. Und nur einen wirklichen Paladin, einen gesegneten Bewahrer des Guten und Rechten, würde dieser Zweihänder als Träger akzeptieren.

      Iason trat einen Schritt hinter seinen Freund zurück und wartete. Tyrion atmete hörbar aus und wieder ein. Dann griff er nach dem von Knochen umringten Schwert.

      Obwohl er ein trainierter Krieger war und dutzende Hinterhalte überlebt hatte, konnte Iason seinen Schild nicht schnell genug vor sich bringen. Sein Freund fuhr in einer einzigen Bewegung herum und der Zweihänder schlitzte Iason von der Hüfte bis zum Schlüsselbein auf.







      1. Kapitel: „Das Jahr des blauen Feuers, 1385 TZ“


      Oger. Oger sind dumm und gewalttätig. Rückblickend betrachtet traf das wohl auch auf mich zu. Man müsste meinen, dass ein so großer Kopf Einsichten beherbergen müsste, die über das nächste Futter und den Wunsch, anderen Schmerz zuzufügen, hinausgehen. Das Leben in einem Ogerclan lässt jedoch kaum etwas anderes zu.

      Mit meinen neuneinhalb Fuß und den damals knapp fünfhundert Pfund war ich eher schmächtig, mit Oberarmen, welche nicht mal einen Fuß durchmaßen. ‚Die Stärksten zuerst, denn sie überleben.‘ So könnte man die unausgesprochene Grundregel meines damaligen Clans in die Gemeinsprache übersetzen. Ohne meine Erfahrungen aus dieser Zeit vor dem magischen Unfall wäre ich wohl nicht so dankbar für alles, was mir seither widerfahren ist… obwohl ich den für einen Oger meist zu niedrigen Räumen der Stadthäuser eine geräumige Felshöhle vorziehen würde.
      Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich nicht mehr am Leben wäre, wenn die erste Begegnung mit meinen Freunden anders verlaufen wäre.
      Ich bin ein Oger. Nur einer; und entgegen dem, was meine bisherigen Nachforschungen ergeben haben, hoffe ich, dass ich nicht die einzige Ausnahme bin.
      Ich meine… ich kann schreiben!
      Ich hatte wirklich unfassbares Glück.


      Verk

      Tiefwasser, 18. Eleint 1385 TZ
      Bilder
      • Faerûn Karte.jpg

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      Wortgefechte - Ein Schwert und sein Held

      Ob du es glaubst oder nicht, ich habe bereits zu viele Antworten von diesem Bogen bekommen!

      Dieser Beitrag wurde bereits 6 mal editiert, zuletzt von bigbadwolf ()

    • bigbadwolf schrieb:

      Oger. Oger sind dumm und gewalttätig. Rückblickend betrachtet traf das wohl auch auf mich zu.
      :rofl:

      bigbadwolf schrieb:

      Mit meinen neuneinhalb Fuß
      Das sind... 2,85m, oder? Für einen Oger wohl tatsächlich eher klein...

      bigbadwolf schrieb:

      Ich meine… ich kann schreiben!
      Ja... Das macht ein intelligentes Wesen aus. Weil niemand, der schreiben kann, primitiv, dumm oder gewalttätig ist :D

      Ich sehe schon, wir treffen hier auf eine klassische Welt - Abenteuerergruppen, die sich durch Fallenverseuchte Gänge pirschen, Oger... Das könnte witzig werden! Ich bin gespannt...
    • Spoiler anzeigen

      bigbadwolf schrieb:

      „Pah, wahrscheinlich zürnt uns sogar Torm höchstpersönlich.
      Da fehlen entweder Anführungszeichen am Ende (wobei für Gedanken eher Kursivschrift ohne Gänsefüßchen benutzt werden) oder die am Anfang sind zu viel.

      bigbadwolf schrieb:

      Als hätte sein letzter Besitzer es im Kampf gegen eine ganze Armee geführt, lag es kein Komma umringt von Knochen kein Komma auf den steinernen Stufen zu einer großen Nische weit jenseits der glühenden Becken.

      bigbadwolf schrieb:

      Sein Freund fuhr in einer einzigen Bewegung herum und der Zweihänder schlitzte Iason von der Hüfte bis zum Schlüsselbein auf.
      Spätestens hier hattest du mich komplett gefangen.


      Huh, wow. Es kommt selten vor, dass ich den Anfang einer Geschichte von einem Forums-Neuling lese und mir danach denke "Mann, das war GUT". Du hast es mit Auszeichnung geschafft.

      Nicht nur, dass du quasi keine Fehler bei Rechtschreibung, Grammatik oder Formatierung hast (was das Lesen um einiges angenehmer macht), schaffst du es auch noch, die Wörter so zu benutzen, dass man Bilder im Kopf hat und mit den Charakteren mitfiebert, obwohl man sie aus dem Prolog kaum kennen kann.
      Mit dem Brief des Ogers zeigst du auch noch, dass du Humor wunderbar einbringen kannst und nicht nur die spannenden Szenen beherrscht.

      Ich bin begeistert.


      Sometimes, you read a book and it fills you with this weird evangelical zeal, and you become convinced that the shattered world will never be put back together unless and until all living humans read the book.
    • Und weiter gehts. Danke schon mal für die ersten Kommentare.


      - Ohne Datum -

      „Fressen!“, schrie meine Mutter gierig. Sie kroch so hastig aus ihrer Felldecke, dass sie fast auf die scharfkantigen Steinscheiben getreten wäre, mit denen die leergefressenen Tierfelle zerteilt wurden.

      Die Jäger waren endlich zurück. Die massigen Körper der sechs Oger verdunkelten den Eingangsbereich der Höhle. Die Pelze, welche um ihre Hüften festgebunden waren, starrten vor Schmutz und Verk wusste bereits, dass er den getrockneten Schlamm später würde herausschlagen müssen. Nur Glurrg hatte zudem eine Art Fellrüstung angelegt, die jedoch aus mehr Löchern als Fell bestand. Er war der Häuptling und Verks boshafter Vater. Den großen Sack aus Tierhäuten trug er mit stolz geschwellter Brust. Der fast zwölf Fuß große Oger hatte nie zugegeben, dass mehr als nur Ogerblut durch seine Adern floss, aber seine baumstammartigen Arme erinnerten stark an die Bergriesen, welche ihr Gebiet gelegentlich durchstreiften. Neben seinem Vater kam sich Verk noch mickriger vor als sonst. Glurrg ließ den Sack zu Boden fallen und warf noch einen Hirsch dazu, dessen Schädel zermalmt war, während ein anderer Jäger einen angefaulten Bärenkadaver hinter sich her schleifte.

      Verk wusste, dass ihm weder seine Mutter noch die anderen Clanmitglieder viel von dem schmackhaften Fleisch übrig lassen würden, wenn er sich nicht schnell einen kleinen Anteil nahm. Als er sich den Kadavern näherte, versperrte der Häuptling ihm sofort den Weg, wobei sein riesiger runder Kopf fast die Höhlendecke streifte. Verk hasste ihn. Nicht dafür, dass er wieder nichts von der Beute kriegen würde, denn das war die Strafe dafür, dass ihm bei der letzten gemeinsamen Jagd ein saftiger Eber entwischt war. Es war dieser gehässige Blick seines Vaters, welcher ihn so hart mit den Zähnen knirschen ließ, dass das mahlende Geräusch sogar sein Magenknurren übertönte.
      „Jagen besser ohne Verk!“, höhnten die anderen Oger, während seine Mutter dem Hirsch bereits den Kopf abgerissen hatte und nun hektisch am Geweih zerrte. „Verk Fell machen“, übertönte Glurrg den Clan und mit boshaftem Grinsen packte er ihn am Kopf und stieß ihn von sich weg, wobei er Verk sogar ein paar seiner fettigen schwarzen Haare ausriss. Verk krachte gegen die Höhlenwand. Scharfe Felskanten schnitten in seine Haut. Aber die Erniedrigungen des Clans überwogen diese Schmerzen bei weitem. Er hasste sie. Das einzige Fleisch, was er heute schmecken würde, waren die dünnen Fetzen, welche er beim Häuten der Tiere abschaben konnte.
      Ich hasse euch, dachte er verbittert.


      1. Mirtul

      Eltoora Sarptyl hielt ihr Zweiggeschäft in der Hafenstadt Letzthafen nur noch aus Gewohnheit geöffnet. Sie war nicht mehr die Jüngste, aber das kümmerte die Magierin wenig. Mit ihrer eleganten Hochsteckfrisur, der roten Robe aus calishitischer Seide und ihrem schmalen, gepflegten Gesicht lief die Menschenfrau auch den Jungfrauen der Stadt den Rang ab.
      Wobei sie Letzthafen mit Sicherheit nicht als Maß aller Dinge betrachtete. In der kleinen Stadt an der Küste der Schwerter interessierte sich nur selten jemand für ihre mehr oder weniger magischen Gegenstände und ihre Verzauberungskünste. Umso erfreuter war sie, als ein Gnom in einer orangefarbenen Robe ihr Geschäft betrat. Genau genommen befanden sie sich lediglich im Freien auf einem Hügel im nördlichen Teil der Stadt, aber ein permanentes Dimensionsportal transportierte interessierte Käufer in ihre versteckten Geschäftsräume, ihr persönliches Labor. Allein der Blick durch das sieben Fuß hohe zweidimensionale Portal schreckte die Stadtbewohner meist ab, da es so ausgerichtet war, dass man eine Regalwand voller Schriftrollen und den großen Tisch mit sämtlichem Alchemistenzubehör, das sie besaß, sehen konnte – und weil Dimensionsportale für Nichtmagier eben gelegentlich verstörend aussehen.

      Die orange Robe des Gnoms, nach Eltooras Einschätzung eine Feuerschutzrobe, war in tadellosem Zustand. Die kühle Seebrise blähte sie derart auf, dass die Rundung seines Bauches fast verschwand. Sein schwarzer Kinnbart sah gepflegt aus und wurde im Gegensatz zu seinen Augenbrauen wohl regelmäßig gestutzt. Das Auffälligste war jedoch die mysteriöse metallene Apparatur, welche er wie ein Stirnband auf dem unbehaarten Kopf trug. Während er unentwegt das magische Portal in Eltooras Rücken musterte, durchwühlte er mit einer Hand die Taschen seines Gewands. Eine davon war offensichtlich magisch vergrößert, denn plötzlich verschwand der Arm des Gnoms beinahe bis zur Schulter darin, ehe er eine Handvoll magischer Trank- und Zauberzutaten hervorholte, unter anderem einen kleinen Diamanten, der etwa bei mächtigen Kältezaubern als Komponente diente. Erst jetzt bemerkte Eltoora die noch kleinere Gestalt, welche dem Gnomenmagier wie ein zweiter Schatten folgte. Der Wind spielte mit ihrem braunen Haar und ihre ebenso braunen Augen ruhten auf der fast doppelt so großen Magierin. Die morgendliche Kälte hatte rote Flecken auf ihrem schmalen Gesicht hinterlassen. Als sie nun hinter ihrem Begleiter hervortrat, fiel Eltoora das Dolcharsenal ins Auge, welches die Gnomin auf die gürtelartig angebrachten Taschen ihres Lederwamses verteilt hatte.

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      Die Sonne hatte den Zenit längst überschritten, als die beiden Gnome Letzthafen ostwärts verließen. Eigentlich stand ihrer Reise zur Mithrilhalle nun nichts mehr im Weg. Die Mithrilhalle, ein riesiger Zwergenbau lag weit im Norden des riesigen Kontinents Faerûn.
      Die aktuellsten Aufzeichnungen Lantans, Bjaniks weit entfernter Heimatinsel, über die erst vor ein paar Jahren von Zwergen zurückeroberte Mithrilhalle waren schon über fünfzehn Jahre alt. Gerüchten zufolge hatte sich dort inzwischen ein höchst ungewöhnlicher Akt der Völkerverständigung ereignet – eine Koexistenz von Zwergen und Orks. Eine wahrhaft unfassbare Sache, welcher Bjanik im Auftrag eines hochrangigen Priesters von Lantan nachging.
      Doch nach Eltooras haarsträubenden Geschichten über die berühmt-berüchtigte Sippe der Harpells hätte er stattdessen lieber das kleine Dorf Langsattel, den Wohnsitz dieser exzentrischen Magierfamilie, aufgesucht. Obgleich Bjanik seinem Lehrmeister für die grundlegende Unterweisung in den Künsten dankbar war, hatte er irgendwann sein Herz an die experimentelle Magie verloren und nun brannte er darauf, die Mitglieder dieser offensichtlich höchst ungewöhnlichen Familie Harpell persönlich kennenzulernen. Auch auf die Gefahr hin, ein nur allzu realer Teil ihrer Katastrophen zu werden. Naja, immerhin schienen sie laut Eltoora von der freundlich-verrückten Sorte zu sein.
      Wie gefährlich der Besuch letztlich werden würde, war zunächst zweitrangig. Der Weg nach Langsattel war weit und die Chancen standen gut Wegelagerern zu begegnen. Aber darauf waren sie ja nun vorbereitet.
      Im Grunde genommen war der Handel recht ertragreich für die beiden Gnome gewesen: ein Dutzend Heiltränke und Gegengifte, ein Fläschchen Heiltrankkonzentrat, vier Unsichtbarkeitstränke, sechs Beschleunigungstränke, vier Tränke der Infravision („Hält länger als jede Fackel“, hatte Eltoora gesagt), einen Zauberstab, welcher einem die wahre Gesinnung einer Person verriet und – Bjaniks neues Lieblingsgerät – ein Zauberstab, der eine große Schleimkugel heraufbeschwor. Das Magierlabor (wo auch immer es sich genau befand, denn das Dimensionsportal konnte durchaus auf eine andere Existenzebene geführt haben) stellte eine wahre Fundgrube für Alchemisten und Magiebegabte dar. Als dann beim Verstauen der Tränke sein wasserdichter Schriftrollenbehälter aus der Tasche fiel, konnte er nicht umhin, ihr von seinem Stinkschleimzauber zu erzählen. Nun ja, eigentlich war es nur eine Kombination der Stinkenden Wolke und des Schmierzaubers. Eine Vorführung später tauschte Bjanik noch eine Stinkschleimzauberschriftrolle gegen zwei Feuerschutztränke. Die magische Fachsimpelei über das glibberige, Übelkeit erregende Sekret, welches eben noch den Boden des Magierlabors bedeckt hatte, brachte das Gespräch schließlich soweit in Fahrt, dass die Geschäftsfrau ihn über seine Heimat Lantan und die tagelange Überfahrt auf der Gonds Segen nach Letzthafen ausfragte, woraufhin seine Freundin Bjanka sich mit geradezu hörbarem Augenrollen eine ruhigere Ecke des Raumes suchte.

      „Ach ja, ich wollte dir ja noch etwas erzählen…“, setzte er an und wandte sich zu Bjanka um. Während sie weiter mit ihm Schritt hielt, betrachtete die Gnomin ein kleines, in schwarzes Leder gebundenes Buch, dass noch halb in dicken, grauen Stoff eingepackt war. Ein Buch, welches Bjanik zur Gänze unbekannt war. Er hatte von seinem Lehrmeister schon die verrücktesten Dinge über verhexte Bücher gehört. Und er wusste, dass seine Freundin manchmal klebrige Finger bekam – anscheinend hatte sie Eltooras Aufmerksamkeit nicht grundlos gemieden. Als Bjankas Hand sich von dem grauen Stoff löste und Richtung Ledereinband glitt, reagierte der flinke Gnomenmagier instinktiv und schlug ihr das Buch aus der Hand. Erschrocken wich Bjanka zurück, als das Buch zu Boden fiel. Es blieb aufgeschlagen auf der steinigen Straße liegen.
      Wortgefechte - Ein Schwert und sein Held

      Ob du es glaubst oder nicht, ich habe bereits zu viele Antworten von diesem Bogen bekommen!

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      bigbadwolf schrieb:

      „Fressen!“, schrie meine Mutter gierig. Sie kroch so hastig aus ihrer Felldecke, dass sie fast auf die scharfkantigen Steinscheiben getreten wäre, mit denen die leergefressenen Tierfelle zerteilt wurden.

      Die Jäger waren endlich zurück. Die massigen Körper der sechs Oger verdunkelten den Eingangsbereich der Höhle. Die Felle, welche um ihre Hüften festgebunden waren, starrten vor Schmutz und Verk wusste bereits, dass er den getrockneten Schlamm später würde herausschlagen müssen. Nur Glurrg hatte zudem eine Art Fellrüstung angelegt, die jedoch aus mehr Löchern als Fell bestand.
      Wenn man ganz oft hintereinander "Fell" sagt, fragt man sich irgendwann, was das überhaupt für ein Wort ist... :rofl: vielleicht ein paar Synonyme finden oder umschreiben :D

      bigbadwolf schrieb:

      Die aktuellsten Aufzeichnungen Lantans, ihrer weit entfernten Heimatinsel in der Spurlosen See weit im Süden, über die von Bruenor Heldenhammer zurückeroberte Mithrilhalle, die Heimat seiner Sippe, waren schon über fünfzehn Jahre alt und Gerüchten zufolge hatte sich im Norden Faerûns inzwischen ein höchst ungewöhnlicher Akt der Völkerverständigung ereignet – eine Koexistenz von Zwergen und Orks. Ein wahrhaft unfassbarer Zustand, welchem Bjanik im Auftrag der Priester Gonds, des Gottes der Erfindungen und des Wissens, nachging. Doch nach Eltooras haarsträubenden Geschichten über die berüchtigte Sippe der Harpells hätte er stattdessen das Herrenhaus in Langsattel, den Wohnsitz dieser exzentrischen Magierfamilie, lieber heute als morgen erreicht. Obgleich Bjanik seinem Lehrmeister für die grundlegende Unterweisung in den arkanen Künsten dankbar war, hatte er irgendwann sein Herz an die experimentelle Magie verloren und nun brannte er darauf, die Mitglieder der höchst ungewöhnlichen Familie Harpell persönlich kennenzulernen
      Ich hab mal alle Wörter markiert, die der Leser hier zum ersten Mal hört. Es erschlägt einen, man blickt am Ende des Absatzes gar nicht mehr durch und weiß nicht so recht, was davon jetzt ein Land, eine Stadt, ein Ort, ein Vorname oder ein Familienname ist. Allein den ersten Satz musste ich mehrmals lesen, um ihn zu kapieren. Merken konnte ich mir keinen einzigen der Namen. Den kompletten Absatz müsstest du meiner Meinung nach nochmal richtig überarbeiten.


      Bis auf den einen verwirrenden Absatz weiterhin sehr gelungen. Der arme Oger tut mir richtig Leid, so als einzig richtig denkender Kerl in einer Meute voller Hirnloser. Ich habe mich auch wieder darüber gefreut, dass du unterschwelligen Humor weiterhin einbindest, das ist eine ziemliche Kunst, finde ich.


      Sometimes, you read a book and it fills you with this weird evangelical zeal, and you become convinced that the shattered world will never be put back together unless and until all living humans read the book.
    • Dankeschön.

      Änderungen sind on.

      Aber finde mal gute Synonyme für Fell! ?( Pelz! Ähm... Pelz und ... Pelz vielleicht?
      Spoiler anzeigen

      Edit, 3.9.2017: Der ehemals fehlende Text ist ab jetzt hier zu finden.


      - Ohne Datum -

      Wie aus einem tiefen Schlaf erwachte Iason schlagartig, eingehüllt in ein wohltuendes warmes Gefühl. Gleichzeitig spürte er, dass sein Körper unkontrollierbar zuckte und durch die geschlossenen Lider blendete ihn ein intensives blaues Licht. Iason riss die Augen auf und sah nur lodernde blaue Flammen. Plötzlich verebbte das Feuer und nur ein blaues Leuchten blieb.

      Was ist geschehen? Müssten die Flammen mich nicht eigentlich verbrennen, statt mich bloß zu wärmen? Wo ist Tyrion? Warum hat mich
      Tyrion mit Carsomyr angegriffen? Hat er mich doch verfehlt?

      Aber Iason erinnerte sich an die höllische Qual, als der Zweihänder ihm die Brust aufschlitzte. Sein Freund hatte ihn tödlich verwundet, aber
      nun spürte er keinen Schmerz. Wer hatte ihn dann aber geheilt? Oder stand er unter Schock? Hatten die blauen Flammen etwas damit zu tun?

      Als das Leuchten ebenfalls soweit nachließ, dass Iason zunächst wie durch einen Tunnel seine Umgebung erahnen konnte, wünschte er sich
      sogleich das Flammenmeer zurück. Direkt ihm gegenüber stand unverkennbar ein Zombie, dessen feuchte, faulige Haut im Fackelschein glänzte. Als geweihter Priester im Dienste Torms hatte er während seiner Ausbildung natürlich Umgang mit Untoten gehabt, sowohl in glaubenstheoretischer Hinsicht als auch in der praktischen Auftrennung negativer Energie, was die Zerstörung der „Lebensessenz“ eines Untoten bewirkte. Sein Kampftraining rief ihm zudem die zentralen Schwächen und Stärken solcher widernatürlicher Hüllen ins Gedächtnis, sodass er innerlich sofort auf den bevorstehenden Kampf vorbereitet war. Als sich seine eingeschränkte Sicht zunehmend normalisierte, erstarrte er jedoch und der Mut verließ ihn.
      Der Zombie war nicht allein.
      Seitlich hinter ihm stand eine ganze Armee aus Skeletten und Zombies. Ausdruckslose Leichen, an denen noch Hautfetzen herunterhingen,
      teilweise sichtbare Eingeweide und angenagte, blanke Knochen. Die Untoten trugen die verschiedensten Waffen bei sich, vom Dolch bis zur
      zweihändigen Axt und füllten eine große, spärlich beleuchtete Halle. Dies war jedoch nicht die Halle mit den leuchtenden Steinbecken.
      Plötzlich konnte er auch den Fäulnisgeruch wahrnehmen und Blut schmecken. Erst als Iason leise Stimmen vernahm, welche allmählich
      lauter wurden, bemerkte er, dass sein Hörvermögen ebenfalls zurückkehrte. Am Rande seines Sichtkegels sah er zwei Gestalten, von
      denen eine in Iasons Richtung gestikulierte. Angesichts der Unzahl belebter Leichen war die offensichtlichste Erklärung, dass er hier zwei
      Nekromanten gegenüber stand. Vielleicht hatten sie versucht, ihn mit einem Zauber zu belegen, dem er aber irgendwie widerstanden hatte.
      Obgleich er noch immer nichts verstehen konnte, bemühte er sich, auch weiterhin keine Regung zu zeigen, falls der gescheiterte Zauber ihn
      festhalten sollte. Die vermutliche Anwesenheit von Magiern erklärte aber immer noch nicht, wo genau er sich befand und wie er hergekommen war. Die Wärme ließ langsam nach und an ihre Stelle trat ein seltsames Gefühl, das er nicht einordnen konnte.

      „… alle möglichen Auswirkungen haben“, sagte die erste Gestalt, welche noch immer in seine Richtung zeigte, gerade mit einer seltsam heiseren, wispernden Stimme.
      „Also wollt ihr noch einmal beginnen, Meister?“, fragte die zweite, offensichtlich männliche Person.
      Die Temperatur fehlte. Das war das Gefühl. Ihm fehlte jegliche Wahrnehmung der Temperatur. Vielleicht hing dies mit dem Zauber
      zusammen, überlegte Iason.
      Plötzlich kam die erste Gestalt auf ihn zu. Indem sie schließlich vor ihm stehen blieb, übertraf sie Iasons Befürchtung bei weitem.
      Nekromanten waren die beiden, daran bestand nun kein Zweifel mehr. Aber mindestens einer der beiden war zudem selbst ein Untoter. Vor ihm stand ein Lich. Eingehüllt in ein eisblaues Gewand fixierte er Iason mit rotglühenden Punkten aus den leeren Höhlen seines bleichen Schädels heraus. Mehr wollte der Kleriker auch nicht sehen, da er aus den Büchern seines Ordens Beschreibungen und Kohlezeichnungen dieser überaus mächtigen Untoten kannte. Er versuchte, einen Punkt hinter dem Lich zu fokussieren. Es kostete ihn all seine Disziplin, bewegungslos zu verharren, als das Monstrum einen knöchernen Finger an seine Stirn hielt. Die Wärme kehrte zurück, zusammen mit Gedanken, die nicht seine eigenen waren.

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      Während er das löchrige Bärenfell ausschabte, achtete Verk darauf, sich die Fleischreste nur dann in den Mund zu stopfen, wenn Glurrg mit seiner dröhnenden Stimme alle Aufmerksamkeit beanspruchte. Mit wuchtigen Bewegungen stellte er den Ablauf der Jagd nach. Abgesehen von den erlegten Tieren hatten die Jäger auch bei einem Überfall auf einen Menschen Beute gemacht. Als Glurrg endlich aufhörte, damit zu protzen, wie er den Menschen mit samt seinem Helm zermalmt hatte, war Verk bereits mit dem Hirschfell zugange. Da nichts von dem schmackhaften Menschenfleisch unter der Beute war, ging Verk davon aus, dass sie ihn noch warm gefressen hatten. Inzwischen war es so dunkel, dass nur noch die Sterne das ausladende Gestikulieren des Ogerhäuptlings beleuchteten.
      Auf dem leeren Beutesack lagen nun zwei glänzende Ringe, ein paar Goldmünzen und die Ausrüstung des Menschen: Eine zerrissene
      Lederrüstung, ein Dolch, ein kleiner Bogen, ein Lederköcher mit vielen Pfeilen und ein Fischkopfknochen. Vor allem der letzte Gegenstand würde beim Tauschen mit den anderen Ogerclans viel Fleisch bringen. Verk war einmal einem Oger aus einem anderen Clan begegnet, als er nach essbaren Wurzeln gegraben hatte. Der andere Oger trug damals eine Kette mit einem solchen Knochen dran und hatte ihn mit seiner Keule weggejagt. Bestimmt machten diese Ketten ihren Träger viel stärker.
      Aber Verk konnte keine Ketten machen, er konnte nur Felle machen.
      Nachdem er mit dem Hirschfell fertig war, wollte Verk nur weg von seinem verhassten Vater. Er warf das Fell auf den Boden und zog sich langsam tiefer in die Höhle zurück. Keiner scherte sich um ihn, keiner sah, wie er sich hastig ein paar Wurzelknollen aus dem Vorrat in den Mund warf. Hätte ihn Glurrg dabei gesehen, wäre er wieder schlimm verprügelt worden.

      Verk schlug seine stinkende Felldecke zurück. Darunter befand sich sein ganzer Stolz: seine Keule, ein dicker, alter Eibenast. Aber im selben
      Moment wurde er zornig. Seine weichen Tannennadeln waren wieder weg. Ein Blick unter das Fell seiner Mutter bestätigte seine Vermutung. Er hasste sie.
      Hungrig und zornig legte sich der Oger auf seine harte Schlafstelle und zog die wärmende Decke über sich. Schon lange bevor der
      Lärm von Glurrgs donnernder Selbstverherrlichung plötzlich aufhörte, war Verk eingeschlafen. Er bekam nicht mit, wie die anderen Oger gebannt das blaue Energiegeflecht anstarrten, welches mit rasender Geschwindigkeit über den Berghang auf die Höhle zusteuerte. Er bemerkte auch nicht, wie die anderen Oger panisch an die Seitenwände der Höhle zurückwichen, als der blaue Blitz und der Vorhang aus blauem Feuer, welcher sich auf seinem Weg entfaltete, den Höhleneingang hinter sich ließen. Erst als unter ungeahnten Schmerzen blaue Funken aus seinen Gliedmaßen stoben und sein Körper durch den Energieblitz mit zum Zerreißen gespannten Muskeln in die Luft gerissen wurde, sah er, wie sein Clan aus der Höhle flüchtete.

      Er hasste sie alle.
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    • Und weiter gehts.


      1. Mirtul

      „Was machst du denn?“, rief Bjanka entgeistert.
      „Dir das Leben retten!“, entgegnete Bjanik, während er sie böse anblickte.
      „Ach, komm schon“, beschwichtigte sie ihn. „Das ist bestimmt nur wieder so ein blödes Magiebuch, mindestens so langweilig wie euer Geschwafel von vorhin.“
      „Und wenn es verflucht ist, hm? Es war bestimmt nicht ohne Grund eingepackt.“
      Dann fiel ihm auf, was Bjanka gerade gesagt hat.
      „Du kannst doch…“, wollte Bjanik losschimpfen, aber das unschuldige Grinsen seiner Freundin ließ ihn verstummen.
      „Hmpf! Du würdest einem Dämon die Peitsche klauen! Soll ich dich etwa festbinden, solange wir bei den Harpells sind? Damit du nicht versehentlich explodierst, wenn du ihre Sachen anfasst?“, herrschte er sie an, grummelte noch etwas Unverständliches und hockte sich neben das Buch. Er konnte seine Besorgnis jedoch nicht gänzlich vor ihr verbergen.
      „Tut mir leid“, sagte sie nach einer Weile und gesellte sich zu Bjanik, der inzwischen seine extradimensionale Tasche durchwühlte.
      „Du hast es berührt“, stellte die Gnomin plötzlich fest.
      „Hm? Was habe ich berührt?“, fragte er, noch immer den halben Arm in der Tasche vergraben.
      „Vorhin hast du das Buch berührt. Als du es mir aus der Hand geschlagen hast.“
      Sein Arm hörte auf zu graben.
      „Bist du jetzt verflucht?“
      Bjaniks Brauen zogen sich zusammen. Angestrengt überlegte er, ob die flüchtige Berührung für die Übertragung eines Fluches ausgereicht haben könnte. Zusammen mit seiner grüblerischen Miene und dem halb verschwundenen Arm sah er absolut lächerlich aus.
      „Ich fühle mich nicht anders“, konstatierte er schließlich. „Sehe ich anders aus?“
      „Oh nein!“, rief Bjanka. „Da! Du hast dich –“, sagte sie und deutete hektisch auf Bjaniks Nase.
      Der Gnom schielte und betastete prüfend mit beiden Händen sein knubbeliges Körperteil.
      „Du hast dich in einen Gnom verwandelt!“
      Es brauchte eine gute Minute und Bjaniks ernst wirkende Suche nach einer Stinkschleimschriftrolle, damit ihr Lachen zumindest einem leisen Kichern wich. Als sie sich schließlich abwandte, kämpfte sie sichtlich gegen eine neue Lachsalve und hielt sich den Bauch.

      Unterdessen nahm Bjanik das anscheinend eher unmagische Buch in die Hand. Eine der aufgeschlagenen Seiten zeigte eine grob gezeichnete Landkarte Nord-Faerûns, die jenes Gebirge, das als Grat der Welt bekannt war, etwas detaillierter abbildete. Die andere Seite schien eine lupenartige Vergrößerung des Grats zu sein. Er wollte gerade die verblichene Seite umblättern, als er im Westteil des Gebirges eine winzige Rune bemerkte. Glücklicherweise war Bjaniks Lehrmeister ein begeisterter Historiker, der seinem Lehrling neben den Belangen der Magie auch vieles über die Geschichte des Kontinents und seine alten und neueren Sprachen beigebracht hatte. So erkannte Bjanik in dem Zeichen die Nesser-Rune für das Wort „Zauberbuch“, ein Schriftzeichen des längst vergangenen Reiches Nesseril. Hielt er hier ein Relikt dieser vor über tausend Jahren untergegangenen Kultur in den Händen? Undenkbar war das nicht, zumal Nesseril viele mächtige Magier hervorgebracht hatte und dieses Buch aus einem Magierlabor stammte. Sollten sie es doch lieber zurückbringen? Andererseits waren die Harpells sicher ebenso magieverständig. Bjanik blätterte weiter. Die folgenden Seiten enthielten immer genauere Abbildungen und die letzte beschriebene Seite zeigte den Eingang zu einem ausgedehnten Gebäude oder vielleicht einem verzweigten Höhlennetz, das sich anscheinend irgendwo im westlichen Teil des Grats der Welt befand.
      „Was ist das?“, erklang Bjankas Stimme zu seiner Rechten. Bjanik sprang nur deshalb nicht vor Schreck in die Luft, weil seine Freundin sich schon unzählige Male an ihn herangeschlichen hatte.
      „Es scheint eine alte Karte zu sein.“
      „Wovon und wie alt ist alt?“
      „Naja, es ist eine detaillierte Karte des Grats der Welt. Das ist ein Gebirge, zu Fuß etwa einen Zehntag nördlich von hier. Ich vermute“ – er deutete auf die Nesser-Rune, welche auch auf der letzten Seite, diesmal inmitten des vermutlichen Bauwerkes, zu sehen war – „ dass sie aus Nesseril stammt…“
      Bjanka konnte das Zeichen zwar nicht übersetzen, aber auch sie hatte schon einmal vom alten Nesseril, dem ersten Königreich der Menschen, gehört.
      „… und soweit ich mich erinnere, bezeichnet diese Rune ein Zauberbuch oder irgendein anderes mächtiges magisches Schriftstück“, setzte er seine Erklärung fort.
      „Was auch immer dort war, es ist wahrscheinlich längst weg.“
      „Das denke ich nicht. Ein versteckter Höhleneingang könnte über Jahrhunderte unentdeckt bleiben und magisch gegen das Eindringen wilder Kreaturen geschützt sein“, entgegnete Bjanik prompt. „Vielleicht ist die Karte gerade deshalb so genau, weil das Versteck nur schwer zu finden ist. Die Chancen stehen gut, dass dieses…, hm, sagen wir dieses Zauberbuch noch immer dort ist.“
      „Von mir aus. Dann zeig doch die Karte diesen verrückten Zauberern. Vielleicht kaufen sie sie uns ja zu einem guten Preis ab und sehen dann nach, ob das Zauberbuch noch da ist.“
      Inzwischen malte sich Bjanik aus, welche magischen Geheimnisse ein solcher Schatz bergen könnte. Die alte Magie war angeblich ganz anders als die Zaubersprüche, welche man den Lehrlingen seit den letzten paar Jahrhunderten beibrachte. Die meisten heutigen Zauber hatten zu Nesserils Zeiten noch gar nicht existiert und mit dem Untergang der Hochkultur hatte sich laut Historikern sogar das magische Gewebe selbst verändert.
      „Gehen wir weiter?“, fragte Bjanka ihrem Gesichtsausdruck zufolge nicht zum ersten Mal.
      „Nein“, sagte Bjanik schlicht. Er hatte seine Wahl getroffen.
      „Nein?“, erwiderte sie verdutzt.
      „Bei Mystras magischem Mantel, nein. Ich bin auch ein Magier! Ich möchte selbst herausfinden, was es mit diesem magischen Schriftstück auf sich hat.“

      Auf dem gesamten kurzen Weg zurück nach Letzthafen beschwerte sich Bjanka über den neuerlichen Sinneswandel des „Herrn Abenteurers“. Vermutlich hörte sie auch auf der Nordstraße lange Zeit nicht damit auf, aber nachdem sich der Gnomenmagier leise selbst mit einem Taubheitszauber belegt hatte, war es ihm herzlich egal.
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    • Lieber Wolf,

      Ich finde du schreibst wirklich gut. Ich war beim Lesen sofort in deiner Welt.

      Zwei Dinge sind mir aufgefallen.

      bigbadwolf schrieb:

      ein Dutzend Heiltränke und Gegengifte, ein Fläschchen Heiltrankkonzentrat, vier Unsichtbarkeitstränke, sechs Beschleunigungstränke, vier Tränke der Infravision („Hält länger als jede Fackel“, hatte Eltoora gesagt), einen Zauberstab, welcher einem die wahre Gesinnung einer Person verriet und – Bjaniks neues Lieblingsgerät – ein Zauberstab, der eine große Schleimkugel heraufbeschwor.
      Das hört sich sehr stark nach Computerspiel an. Ist wahrscheinlich gewollt.
      Ach vergiss es. Matter of taste!

      bigbadwolf schrieb:

      Und weiter gehts. Ab jetzt seh ich zu, einige Begriffe vorab zu erklären, weil sie sich im Fließtext einfach nicht erklären lasse
      Das ist schummeln! ;)
      Es ist das Eine, aus dem wir kommen und in das wir wieder eingehen. Vor dem Einen war nichts und danach wird nichts sein. Das Eine ist nichts, und indem das Eine nichts ist, wird das Eine offenbar.

      Meister Muoti von Aramea. Im Jahre 102 nach der Divergenz
    • Sensenbach schrieb:




      bigbadwolf schrieb:

      Und weiter gehts. Ab jetzt seh ich zu, einige Begriffe vorab zu erklären, weil sie sich im Fließtext einfach nicht erklären lassen
      Das ist schummeln! ;)
      Sehe ich genauso. Die Kunst ist es, dem Leser solche Begrifflichkeiten im Fließtext näher zu bringen, ganz ohne seitenlangen Index am Anfang oder Ende des Buches. Sie lassen sich durchaus im Fließtext erklären - du musst dafür nur einige Passagen neu schreiben und dich anstrengen ;)

      bigbadwolf schrieb:

      „Gehen wir weiter???“, fragte Bjanka ihrem Gesichtsausdruck zufolge nicht zum ersten Mal.
      Da würde ich trotzdem nur ein Fragezeichen machen, denn Satzzeichen sind keine Rudeltiere - auch nicht, wenn der Fragende genervt ist :D

      Hmmm na wenn das neue Reiseziel nicht vielleicht der Ort ist, an dem der Epilog spielt? Wenn ja, dann können sich die zwei auf einiges gefasst machen. Wenn sie überhaupt jemals heil dort ankommen, bis jetzt erscheinen sie mir noch relativ ungefährlich und leichte Beute für andere.


      Sometimes, you read a book and it fills you with this weird evangelical zeal, and you become convinced that the shattered world will never be put back together unless and until all living humans read the book.
    • Sensenbach schrieb:

      Das hört sich sehr stark nach Computerspiel an. Ist wahrscheinlich gewollt.
      Gewollt würde ich nicht sagen. Es ist nicht unwichtig, was genau wo erworben wird. Sonst wird es irgendwann wie in einem Cartoon, wo die Figuren Gegenstände einfach hinter ihrem Rücken hervorholen...

      Aber ja, ich habe die komplette Baldur's Gate und Icewind Dale-Reihe gespielt. :whistling:
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    • - Ohne Datum -

      Als Priester hatte Iason bereits einige Erfahrung mit der magischen Manipulation anderer Wesen gemacht, sodass ihn das Eindringen des Lichs nicht völlig unvorbereitet traf. Dennoch überraschte es ihn, wie leicht er die forschenden Gedanken des mächtigen Untoten in einen unbedeutenden Teil seiner Erinnerung verlagern konnte. Er spürte, wie der Lich sich aus seinem Bewusstsein zurückzog.
      Eine kurze Zeitspanne starrte er ihn still an und trat dann einen Schritt zurück. „Komm her!“, schallte die Stimme des Lichs in Iasons Kopf, obwohl sich sein Kiefer nicht bewegte. Aus irgendeinem Grund wusste Iason, dass der Befehlsruf nicht ihm galt, sondern einem anderen beherrschten Wesen. Er konnte ein unterschwelliges Zucken nicht unterdrücken, als plötzlich Tyrion in sein Sichtfeld stapfte.
      „Warum tötet ihr den Paladin nicht einfach, Meister?“, stellte die andere Gestalt die Frage, welche im selben Moment auch Iason beschäftigte.
      „Weil er mir so mehr nützt“, antwortete der Lich, erneut ohne jegliche sichtbare Bewegung. Sofern er Iasons Bewegung registriert hatte, zeigte er dies nicht.
      „Aber er ist ein Paladin!“
      „Das macht es doch so amüsant!“, entgegnete der Lich mit einem bösen Lachen.
      „Und das Schwert? Habt ihr denn gar keine Angst, dass er sich gegen euch wendet?“
      Der Lich antwortete nicht mehr und eine bedrohliche Stille trat ein.
      „Vergebt mir, Meister!“, beeilte sich die zweite Gestalt hinzuzufügen.
      Der Untote erwiderte nichts und Iason hatte erneut das Gefühl, mit magisch verstärktem Blick untersucht zu werden.
      „Ist er anders, Meister?“, fragte die zweite Gestalt einen Augenblick später.
      „Sieh selbst.“
      Während die andere Person herantrat, musterte der Priester seinen Ordensbruder. Er hielt noch immer den Zweihänder mit beiden Händen fest umklammert. Das war allerdings nicht Carsomyr. Dieses Schwert war viel schlichter als der Heilige Rächer, abgesehen von dem riesigen, in den Knauf eingefassten Rubin, welcher zwischen Tyrions Händen hindurch zu sehen war. Immerhin schien der Paladin unverletzt zu sein, doch seine Augen blickten teilnahmslos geradeaus, wie Iason es schon bei vielen Beherrschten gesehen hatte. Der Lich musste wirklich sehr mächtig sein.
      „Aber… sie sind ja blau!“, rief der Mann, ein hagerer, dunkelhäutiger Kerl in einer tiefroten Robe, verblüfft. Iason hatte keine Ahnung, was er damit meinte.
      „Hat das Netz – “
      Plötzlich fühlte Iason ein Kribbeln. Der Lich hatte leise begonnen, einen Zauberspruch zu rezitieren und der Kleriker konnte spüren, wie sich eine gewaltige Menge magischer Energie um den mächtigen Untoten sammelte. Iason kannte diese Art von Zauberspruch, aber es ergab absolut keinen Sinn, dass der Lich ihn wirkte.
      Wessen negative…?
      Eine zufriedene Schläfrigkeit und wohltuende Gedankenlosigkeit erfüllte Iason, als der mächtige Beherrschungszauber ihn traf.
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    • Und jetzt?
      Das kannst du doch nicht machen. Wie geht es weiter?
      Es ist das Eine, aus dem wir kommen und in das wir wieder eingehen. Vor dem Einen war nichts und danach wird nichts sein. Das Eine ist nichts, und indem das Eine nichts ist, wird das Eine offenbar.

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    • Auf Drängen eines nicht näher genannten Users :D hier der nächste Teil:




      Als Verk am nächsten Morgen erwachte, war er zunächst überrascht, dass er auf und nicht unter seiner Felldecke lag. Er hatte das Gefühl, dass der Steinboden über Nacht noch härter und die Höhle noch stinkender geworden war. Dann erinnerte er sich. Blaue Funken. Der Schmerz. Sein flüchtender Clan.
      Er richtete sich auf, wobei sein Magen laut knurrte. Sein Clan saß im Eingang der Höhle zusammengedrängt und beäugte ihn misstrauisch. Hätte Verk zur Rückwand der Höhle gesehen, wäre ihm der schwebende blaue Energieknoten aufgefallen, welcher im Verlauf weniger Sekunden wiederholt schärfer wurde und wieder zu nichts verblasste.
      Glurrg winkte ihn zu sich und stand auf. Glurrg stehen, weil größer und mir Angst machen will, aber er Angst vor mir wegen blaue Funken, dachte Verk und war gleichzeitig über den Gedanken erstaunt. Dennoch trat er wortlos vor seinen riesigen Vater.
      „Verk von Blitz getroffen.“ Glurrg trat unsicher von einem Fuß auf den anderen. Außerdem zermalmte er unbewusst einen Kiesel zwischen Daumen und Zeigefinger.
      „Verk Wunde?“, fragte sein Vater.
      „Weiß nicht!“, antwortete Verk halblaut. „War Schmerz. Jetzt nicht mehr.“
      Glurrgs Gesicht zeigte unmissverständlich, dass er auf das Gegenteil gehofft hatte. Allerdings versuchte er auch, ein anderes Gefühl vor Verk zu verbergen.
      Glurrg will, dass ich böse Wunde, damit er kann Verk fortschicken, überlegte Verk weiter. Mit Wunde Clan mich nicht brauchen… und dann…
      „Wir gleich jagen gehen“, unterbrach Glurrg harsch seine Gedanken. „Verk Höhle sauber machen!“ befahl der riesige Oger mit abschätzigem Blick und wandte sich dem restlichen Clan zu. Auch Verk wandte sich schnell ab, damit sich sein Erzeuger nicht noch eine üblere Aufgabe für ihn ausdachte.
      Als Verk den verschwindenden blauen Nebel an der Höhlenwand erblickte, tat er ihn zunächst als Nachwirkung seines gestrigen Erlebnisses ab. Dann jedoch kehrte die Erscheinung zurück, ein halb durchsichtiger, pulsierender blauer Nebel, welcher immer greifbarer wurde.
      „Was das?“, rief er entsetzt und wich zwei Schritte zurück, konnte den Blick jedoch nicht von dem abwenden, was inzwischen wie ein dickes, in sich verschlungenes blaues Seil aussah.
      „Was?“, erklang Glurrgs Stimme nach einer Weile. „Wo?“, fragte er, obwohl Verk bereits auf den sich wieder auflösenden Nebel deutete.
      Nichts geschah.
      Plötzlich wurde Verk hart zu Boden gestoßen.
      „Verk mich dumm machen?“, donnerte Glurrgs Stimme hinter ihm.
      Verk rollte sich schnell auf den Rücken und hob abwehrend die Arme, um den drohenden Hieben nicht völlig schutzlos ausgeliefert zu sein. Glurrg stand inzwischen breitbeinig über ihm, dann fühlte Verk, wie seine Hände weggeschlagen wurden. In seiner Verzweiflung warf er erneut die Arme nach vorn und fühlte dabei plötzlich, wie sich etwas von ihm lösen wollte. Den Bruchteil einer Sekunde glühten seine Hände ebenso blau wie der seltsame Nebel. Dann schossen ohne Vorwarnung dunkelrote Flammen aus seinen Fingerspitzen. Obwohl sie Glurrgs Bauch nicht einmal ansatzweise erreichten, sprang der riesige Oger mit schreckgeweiteten Augen zurück und rannte so schnell aus der Höhle, dass Verks Mutter es nur um Haaresbreite schaffte, ihm auszuweichen. Während Verk viel zu große Angst hatte, sich auch nur einen Fingerbreit zu bewegen, fielen seine Clanmitglieder fast übereinander bei dem hektischen Versuch, vor dem scheinbar brennenden Verk zu flüchten.
      Eine Zeit lang loderten die Flammen weiter, versengten ihm jedoch augenscheinlich nicht die Hände. Schließlich erlosch das Feuer und eine unbeschreibliche, nie erlebte Erschöpfung überkam ihn. Es war keine körperliche Ermüdung, sondern eher so, als hätte er intensiv über etwas nachgedacht. Nur ein Gedanke hielt ihn davon ab, ausgestreckt auf dem Boden liegen zu bleiben: Clan mich töten wegen Feuer.
      Mühsam rollte er sich auf den Bauch und stand langsam auf. Der blaue Nebel war gänzlich verschwunden. Verk verharrte einige Sekunden, aber die Stelle blieb unverändert. Clan mich töten, durchfuhr es ihn erneut.

      Viel trug er nicht bei sich, als er sich auf den steilen Abstieg von der Klippe vorbereitete, welche der Höhle vorgelagert war. Den flach abfallenden Weg, den sein Clan normalerweise benutzte, mied er vorsichtshalber. Um beide Hände zum Klettern benutzen zu können, wickelte Verk die übrigen Wurzelknollen, den Fischkopfknochen und zwei scharfe Steinscheiben in seine Felldecke, welche er sich um den kurzen, dicken Hals schlang. Seine Eibenholzkeule und den Dolch des Menschen steckte er sich in seinen Fellschurz.
      Am westlichen Horizont waren dunkle Wolken aufgezogen und bald würde der vielleicht letzte Schnee in diesem Winter seinen Abstieg noch gefährlicher machen. Noch nie hatte er allein gejagt oder sich selbst einen Unterschlupf gesucht. Noch nie war er nur auf sich allein gestellt gewesen.
      Und noch nie hatten seine Finger gebrannt.
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    • Hey @bigbadwolf,

      Ich habe jetzt die ersten zwei Parts gelesen ;)
      Die Welt die du beschreibst (ich kenne das Original nicht, also verzeih mir, wenn ich etwas offensichtliches Wiederhole xD) klingt für mich nach einer klassischen High-Fantasy Welt, mit mehr oder weniger allgegenwärtiger Magie und klassischen Fantasyrassen/wesen. Teilweise waren es mir ehrlich gesagt ein paar viele neue Begriffe auf einmal. Gerade die Monate fand ich etwas unübersichtlich. (Einerseits macht es Sinn, dass diese andere Namen haben, als bei uns, aber es ist einfach so umständlich jedesmal erst den Kalender anzusehen xD)

      bigbadwolf schrieb:

      Seit ihrem Aufbruch waren so viele Zehntage vergangen, dass Iason nicht einmal sicher wusste, ob der Ches bereits vorüber war. In den letzten Tagen war es jedoch stetig wärmer geworden, sodass es durchaus bereits Tarsak sein konnte.
      Hier z.B.
      Aus dem Zusammenhang wird zwar klar, dass es sich vermutlich um Monate handelt und teilweise auch, dass es Frühling/Sommer ist, aber dennoch musste ich hochscrollen, um mich dessen zu vergewissern^^ (Lass mich, ich bin so :P )
      Ich würde vielleicht einfach anmerken, dass es Frühling ist.

      bigbadwolf schrieb:

      Eine davon war offensichtlich magisch vergrößert, denn plötzlich verschwand der Arm des Gnoms bis zur Schulter darin,
      Das stelle ich mir anatomisch etwas schwierig vor. :hmm: Eventuell reicht auch bis zum Ellenbogen?


      Insgesamt klingt der Anfang durchaus vielversprechend, auch wenn viele Fantasy Klischees bereits jetzt vorkommen. :D
      Aber da liegt es ja dran, was du daraus machst. ;)
      Persönliche Meinung: Gerade der Heiltrank macht vieles zu einfach. "Oh ich bin verletzt? HAHA jetzt nicht mehr!" Zudem nimmt die Erwähnung des Trankes mMn dem Prolog etwas Dramatik, weil man schon weiß, dass er den Trank hat.

      Ansonsten könntest du eventuell versuchen, weniger oft die Namen der Personen zu verwenden und stattdessen andere ... Beschreibungen? zu verwenden. :)

      werde bei Gelegenheit weiterlesen :)

      LG Chaos
      "Fürchte nicht die Finsternis. Akzeptiere sie und sei, was in ihr auf deine Feinde lauert. Angst ist eine Waffe, Halvar. Nutze sie zu deinem Vorteil."


    • @Chaos Rising Zunächst mal danke für die Anmerkungen.

      Chaos Rising schrieb:

      Gerade die Monate fand ich etwas unübersichtlich.
      Wie du schon sagst, es ist eben eine andere Welt.

      Chaos Rising schrieb:

      Ich würde vielleicht einfach anmerken, dass es Frühling ist.
      Ich mach da mal was. Moment noch... :D

      Chaos Rising schrieb:

      Eventuell reicht auch bis zum Ellenbogen?
      Erstens ist es eine Hyperbel, zweitens kannst du es ja mal versuchen. Aber ich werde es mal relativieren.

      Chaos Rising schrieb:

      Insgesamt klingt der Anfang durchaus vielversprechend, auch wenn viele Fantasy Klischees bereits jetzt vorkommen.
      Aber da liegt es ja dran, was du daraus machst.
      Persönliche Meinung: Gerade der Heiltrank macht vieles zu einfach. "Oh ich bin verletzt? HAHA jetzt nicht mehr!" Zudem nimmt die Erwähnung des Trankes mMn dem Prolog etwas Dramatik, weil man schon weiß, dass er den Trank hat.
      Es gibt mittlerweile einfach zu viele Fantasy-Autoren, -Geschichten, -Spiele, -Charaktere usw., als dass man keine Klischees verwenden könnte, finde ich. Aber ja, ich mache was draus, vielleicht wird es dich überraschen. Es ist jedenfalls nach meinem Wissen nichts Kopiertes oder Variiertes.
      Heiltränke. Ja, Heiltränke sind fad, ich weiß, aber wenn es heilende Magie gibt... ach, du wirst es schon noch lesen. :D Ich hab mir durchaus was dabei gedacht, aber es bringt ja nichts, am Anfang der Geschichte erstmal 10 Seiten über das zu schreiben, was meine Welt im Inneren zusammenhält. :D
      Und dass er einen Trank hat, hab ich ja vorher erklärt. Hätte er keine gekauft, wären keine dagewesen... aber dann wäre ein ziemlicher unkluger Abenteurer.
      Wortgefechte - Ein Schwert und sein Held

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    • Leider war ich gestern abend todmüde, daher erst heute die Fortsetzung. Für den inhaltlichen Durchblick empfehle ich, das jeweilige Datum zu beachten. Auch in Bezug auf die bereits hochgeladenen Absätze und den Prolog.


      So, diesmal gibts ein wenig Action. :dwarf:

      Viel Spaß weiterhin. Für Kommentare bin ich nach wie vor dankbar.




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      2. Kapitel: „Neue Wege“



      Aus unerfindlichen Gründen wird meine Familie ständig von ominösen Unfällen heimgesucht. Zum Beispiel mein Cousin Ignaz: Hat sich auf seiner eigenen Hellebarde aufgespießt. Bis heute weiß niemand, wie er das zu Wege gebracht hat. Tja, ein Gnom mit einer Hellebarde ist eben wie ein Teufelchen als Rübenerntehelfer. Oder kalter Rübentee.

      Und mein Name ist übrigens Bjanik. Bjanik Jansen, sehr erfreut. Ich bin ein gnomischer Magier von Lantan, einer Inselgruppe in der Spurlosen See. Für Magie habe ich mich schon interessiert, seit ich denken kann. Hexenmeister und Magier sind in unserer Gesellschaft immer noch eine eher seltene Erscheinung und eigentlich hat mich mein Lehrmeister Nardib auch nur wegen einer ziemlich peinlichen Sache in die Lehre genommen. Wenn mich Bolgo auf der Feier damals nicht dermaßen erschreckt hätte, wäre er bestimmt nicht auf dem Zelt gelandet, fünf Fuß über der Erde! Und er hätte seine Hose nicht verloren... jedenfalls, wenn Meister Nardib das nicht mitbekommen hätte, dann wäre ich sicher auch irgendwann so ein langweiliger Agronom geworden. Die Pflanzenwissenschaften sind nämlich hochangesehen bei meinem Volk. Mein Großonkel Treblik war so ein Wissenschaftler, hat die Steckrübenverarbeitung revolutioniert. Traurigerweise wurde er letztes Jahr von seiner Rübenerntemaschine zerquetscht und seine Frau ist vor lauter Kummer auf Abenteuersuche nach Chult ausgezogen. Und dann war da noch Bjanka. Ohne Großonkel Trebliks Fürsorge war sie ganz allein. Bestimmt war sie nur deshalb bei meinem Meister eingebrochen.

      Eigentlich bin ich ja ganz froh, dass ich diese Forschungsreise zur Mithrilhalle nicht allein machen muss. Bjanka bessert bei jedem Spiel mit der Schiffsmannschaft unsere Reisekasse auf und die Zwerge der Halle sollen ja auch keinen Spaß verstehen und dann noch Orks… na, wer weiß, worauf ich mich da eingelassen habe.


      Bjanik Jansen


      auf der Gonds Segen, 28. Tarsak, 1385 TZ


      Ein Oger und doch kein Oger

      12. Mirtul

      Es war der fünfte Morgen nach seiner Flucht. Bislang war er keinem Oger oder einer anderen gefährlichen Kreatur begegnet. Da er ohnehin nicht wusste, wohin er gehen sollte, lief Verk stets in Richtung Sonnenaufgang, was ihn aufgrund der Jahreszeit und der hohen Berge um ihn herum stetig nach Südosten führte. Er schlief wenig und unregelmäßig, meistens in kleinen Höhlen oder unter dichtstehenden Nadelbäumen, deren Geruch er mittlerweile sehr mochte.
      Inzwischen war ihm klar geworden, dass sein Clan das Energiegebilde nicht hatte sehen können. Er hatte sich an eine von Glurrgs Überfallgeschichten erinnert, in denen ein Menschenmagier plötzlich unsichtbar geworden war und ihn dann mit brennenden Geschossen und einem Blitz in die Flucht geschlagen hatte. Aber Verk ahnte, dass der blaue Energieknoten nichts mit einem fehlerhaften Unsichtbarkeitszauber zu tun hatte. Es musste irgendetwas völlig anderes gewesen sein.
      Am dritten Tag hatte er eine ähnliche Erscheinung gesehen. Sie hatte wie ein Wurzelgeflecht ausgesehen und war von einem trüben gelb-grau, in etwa seinem eigenen Hautton, gewesen. Allerdings pulsierte die halb durchsichtige Erscheinung diesmal nicht, sondern verschwand urplötzlich, nachdem Verk sie eine lange Zeit aus sicherer Entfernung betrachtet hatte.

      Er verbrachte den größten Teil des Tages mit der Suche nach einer Quelle und etwas Essbarem. Für die Jagd diente ihm ein Wurfspieß, welchen er mit Hilfe des Menschendolches aus einem jungen Ast angefertigt hatte. Neben den unterwegs aufgesammelten Beeren und Wurzeln hatte er bislang immerhin eine große Wildsau erlegt, die ihre Jungen verteidigen wollte, und Verk hätte sicher noch mehr Tiere erwischt, wenn der plumpe Oger etwas geschickter gewesen wäre. Das Kaninchen am nächsten Tag hatte Verk unter anderem verfehlt, weil er im Werfen auf einen spitzen Stein getreten war. Infolgedessen diente ihm das Fell der Sau nun gleichzeitig als Verband und als Fußlappen.

      Gerade als Verk überlegte, wie er Tiere in Zukunft mit einer Falle festhalten könnte, vernahm er in der Ferne undeutliche Schreie. Verk eilte in die Richtung, aus welcher der Lärm gekommen war. Da er dank des Fußschutzes weniger darauf achten musste, wo genau er hintrat, überwanden seine starken Beine den zerklüfteten, felsigen Boden in Windeseile. Seine Keule bereithaltend erklomm er schließlich eine Hügelkuppe, welche einen Durchgang zwischen zwei hoch aufragenden Felswände bot. Von hier aus konnte er sie sehen.
      In einiger Entfernung hatten drei Gestalten einen unbewaffneten Oger auf einem breiten Pfad in die Zange genommen, während sich ein Vierter hinter einem Felsen befand und die Szenerie anscheinend beobachtete. Einem unerklärlichen Drang folgend stürmte Verk den Hügel hinunter. Während er sich rasant näherte, schien nur der enorme Größen- und Kraftvorteil den anderen Oger davor zu bewahren, den anscheinend nicht sehr kampferfahrenen Angreifern sofort zum Opfer zu fallen. Die drei, bewaffnet mit einer Axt, einem langen Schwert und einer großen dunkelroten, glühenden Keule, hielten ihre Position, während der Vierte jedoch eine Armbrust hob und zielte.

      Mit einem gewaltigen Brüllen lenkte Verk die Aufmerksamkeit auf sich. Er war inzwischen nahe genug, dass ihm ein seltsames, grünes Glühen ins Auge fiel, welches den sich verteidigenden Oger umgab. Ein scharfer, stechender Schmerz durchzuckte seinen Arm mit der erhobenen Keule und sofort setzte ein Gefühl der Taubheit ein. Sein ungelenker Schwinger traf dennoch mit voller Wucht den Schild des überraschten, hastig zurückweichenden Schwertträgers. Zu seinem Pech war der Schild zu gut an ihm befestigt, sodass er ihm samt Schwert in die Büsche seitlich des Weges folgte. Der feige Schütze rief den verbliebenen Kämpfern etwas zu und sogleich drangen sie auf Verk ein, auf seinen mitgenommenen Arm zielend. Sich seiner überlegenen Stärke bewusst, nahm Verk einen Keulentreffer hin und konzentrierte sich voll auf den Axtkämpfer. Ein weiteres Geschoss verfehlte Verks Gesicht knapp und trotz der stärker werdenden Taubheit in seinem Arm fühlte er plötzlich ein starkes Brennen an der Stelle, wo ihn die große Keule getroffen hatte. Sie hatte eine klebrige, dampfende Flüssigkeit hinterlassen, die seine Haut aufzufressen schien und dabei höllische Schmerzen verursachte. Bedeckt mit der dickflüssigen Substanz sah die Keule aus, als würde sie bluten. Verk versuchte hektisch, das Teufelszeug abzuschütteln, was ihn jedoch so ablenkte, dass er nicht bemerkte, wie nah der Axtschwinger an ihn herangekommen war. Vermutlich hätte die Axt ihm den Bauch aufgerissen, wäre ihr Schwung nicht von einer grün schimmernden Ogerhand abgefangen worden, die sie dem Menschen entriss, den Stiel der Waffe über dem Knie zerbrach und ihre Einzelteile weit hinter sich warf. Mit angstverzerrtem Gesicht ergriff der nun unbewaffnete Mann die Flucht. Die Rufe des Schützen verstummten plötzlich und er verschwand hinter dem Felsen.

      Dem Keulenträger wurde bewusst, dass er zwei fast doppelt so großen und mindestens dreimal so schweren Ogern gegenüber stand. Schlauerweise warf er die Keule zu Boden, deren Glühen sofort erlosch. Einige Sekunden lang wich er langsam und mit vorgestreckten Händen zurück und rannte schließlich seinem Kumpan nach.
      Als Verk das klaffende Loch in seinem linken Arm betastete, den Blick jedoch fest auf den schwach glühenden Oger gerichtet, geschah etwas für ihn Unvorstellbares.
      Während das grüne Schimmern an Intensität gewann, begann der Körper des Ogers unter lautem Knacken und schmerzerfülltem Heulen zu schrumpfen. Die fahlgraue Haut wurde rosiger, der vorstehende Kiefer zog sich in den Schädel zurück und schwarze Haare begannen daraus hervorzusprießen. Seine typische Fellbekleidung verschmolz mit dem grünen Leuchten und gab den Blick auf etwas Orangefarbenes frei.

      Einen Augenblick später starrte Verk auf eine mickrige Kreatur herab, die ihn mit noch immer schmerzerfülltem Gesicht ängstlich ansah.
      Wortgefechte - Ein Schwert und sein Held

      Ob du es glaubst oder nicht, ich habe bereits zu viele Antworten von diesem Bogen bekommen!

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    • vergessene Reiche definitiv

      Als Kenner nahezu aller auf Deutsch erschienenen Salvatore und Greenwood-Bücher kann ich sagen: Sehr gut getroffen!
      Ob du an Salvatores Können herankommst, die Kämpfe in aller (oft nerviger) Ausführlichkeit zu beschreiben, bin ich jetzt schon gespannt.
      Du hast jedoch fürs Erste in mir einen interessierten Leser gewonnen.

      Nur eine Sache, obwohl die natürlich nicht an dir liegt:
      Bei Tyrion dem Paladin hatte ich leider immer einen 135 cm großen Peter Dinklage in schwerer Rüstung vor Augen.
      Blöder GoT-Hype ^^


      Die Kleptognomanin hab ich jetzt schon ins Herz geschlossen.
      -------------------
      Tom Stark
      zum Lesen geeignet

      delectare et prodesse
    • Spoiler anzeigen
      Es ist übrigens Absicht, dass es erst jetzt Zwischenüberschriften gibt. Im ersten Kapitel erschienen mir die Abschnitte teils einfach zu kurz, sodass es unnötig den Lesefluss unterbrochen hätte. Die Überschriften sind so gewählt, dass es sich auch sobald man den Abschnitt fertiggelesen hat, lohnt, nochmal über die Überschrift nachzudenken. Gelegentlich sind versteckte Hinweise und meistens Mehrfachbedeutungen enthalten.
      Sagt euch die Idee zu oder ist sie eher lästig/ungünstig?

      @Chaos Rising: Verzeih mir. Du wirst wissen, was ich meine...

      Phi schrieb:

      dann können sich die zwei auf einiges gefasst machen. Wenn sie überhaupt jemals heil dort ankommen, bis jetzt erscheinen sie mir noch relativ ungefährlich und leichte Beute für andere
      Das könnte dann jetzt für dich aufschlussreich werden. :D





      Vernunft

      „Mist!“, war das einzige, was Bjanka dazu einfiel, während sie langsam hinter einem Gebüsch hervor- und an den erstarrten Oger heranschlich. Hätte der dumme Zauber nicht noch ETWAS länger halten können?!
      Bjaniks Blick flackerte kurz zu ihr herüber und er schüttelte fast unmerklich den Kopf dabei. Als Bjanka sich dem Ungetüm weiter näherte, wurde sein Kopfschütteln nachdrücklicher und zu ihrem Entsetzen sprach er den Oger an.
      „Danke“, sagte Bjanik schlicht.
      Der Oger neigte den Kopf zur Seite und nahm seine Keule dabei langsam in die rechte Hand.
      Bjanka schlich mit gezückten Dolchen, von denen einer bereits mit dem Blut des Armbrustschützen verschmiert war, weiter. Aber Bjanik schüttelte nun umso nachdrücklicher den Kopf und hob gleichzeitig beschwichtigend die Hände in Richtung des Ogers.
      „Danke, danke!“, wiederholte er nachdrücklich und versuchte, eine unbedrohliche, beruhigende Haltung einzunehmen.
      Der Oger zögerte. Sein linker Arm zitterte. Vermutlich war der Bolzen mit einem Lähmungsgift bestrichen gewesen. Bjanka konnte neben dem Fell, welches er an seinem grau-gelben Körper und um den Hals trug, auch eine Art Speer und einen Schwert- oder Dolchknauf erkennen, die aus seinem Fellschurz herausragten. Unpassend wirkte lediglich sein nachtblau schimmerndes Haar. Mit seiner tiefen, gutturalen Stimme schien das Monster eine Frage zu stellen, aber offensichtlich versuchte hier eine Rübe mit einem Schwein zu reden.
      Dann bewegte Bjanik langsam seine linke Hand in Richtung seiner extradimensionalen Tasche. Der Oger hob die Keule ein wenig und brachte sich ins Gleichgewicht, um im Zweifelsfall vorstürmen zu können.
      Fortwährend wiederholte Bjanik seine Dankesbekundung, bis er einen kleinen Zauberstab hervorholte, welchen Bjanka nur zu gut kannte.
      Offensichtlich alarmiert holte der Oger mit seiner Keule aus, hielt jedoch inne, als Bjanik den Zauberstab auf sich selbst richtete. Hätte das Ungetüm gewusst, das Zauberstäbe auch Schutzzauber bergen konnten, wäre er sicher auf Bjanik losgegangen, denn ein wirkungsvoller Schutzzauber verschaffte einem Magier oftmals genügend Zeit, in Ruhe seine verheerende Magie zu wirken. Stattdessen konnte der Gnom den Stab murmelnd aktivieren und begann sogleich erneut, den Oger zu beschwichtigen. Der kratzende, schabende Klang, welcher die Kehle des Gnomenmagiers beim Sprechen verließ, erinnerte sie an das Geräusch mahlender Steine. Der Oger trat vor Schreck zwei Schritte zurück, als die kehlige Ogersprache aus dem Mund des Gnoms ertönte. Bjanka hätte dem Ungetüm blitzschnell die Sehnen durchschneiden können, – die einzige Möglichkeit dem massiven Größenunterschied beizukommen - doch sie hatte stets Bjanik im Blick, der noch immer den Kopf leicht schüttelte.

      Nachdem die beiden ein paar Worte gewechselt hatten, schien sich der Oger ein wenig zu entspannen. Bjanik hatte noch immer Angst vor dem riesigen Geschöpf, aber er war nun einigermaßen zuversichtlich, dass es heute nicht noch mehr Gewalt geben musste. Die Schwertwunde an seiner rechten Hand, welche er im verwandelten Zustand erlitten hatte, reichte ihm vollauf.
      Während er dem Oger seinen Namen und ihre voraussichtliche Reiseroute mitteilte und ihm für seine Hilfe bei dem Überfall, welchen sie gerade überlebt hatten, dankte, beschäftigte ihn doch eine zentrale Frage am meisten: WARUM hatte der Oger ihnen geholfen? Nach allem, was Bjanik wusste, war diese Rasse nicht gerade für ihre Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft bekannt. Andererseits hatte er auch noch nie von einem blauhaarigen Oger gehört. Nun, es gab nur einen Weg, das herauszufinden.

      „Warum hast du… geholfen?“, fragte Bjanik, der sicherheitshalber nicht andeutete, dass er nicht der einzige anwesende Gnom war.
      „Verk dachte, du grün Oger!“, sagte er, wobei er erneut das Gesicht vor Schmerz verzog. Die Wunde an seinem linken Arm, die Bjanik verdächtig nach einer Säureverletzung aussah, war äußerst tief.
      „Du grün Oger!“, wiederholte Verk, als Bjanik nicht reagierte.
      Das war ich also, überlegte Bjanik. Der Überfall hatte ihn so unvorbereitet getroffen, dass er sich hastig in eine spezielle giftige Gallerte verwandeln wollte, die gegen fast jeglichen physischen Schaden resistent war. Gegen die offensichtlich magieunbegabten Räuber war ihm das sinnvoll vorgekommen, aber dann hatte er seine Angreifer seltsamerweise plötzlich von weit oben gesehen.
      „Ich bin kein Oger. Ich bin ein Gnom, ein Magier“, erklärte Bjanik, während ihm erneut die furchtbare Wunde des Ogers auffiel.
      „Ich kann dich heilen“, sagte er und zeigte auf die mutmaßliche Verätzung, wobei er mit der anderen Hand ein kleines Okular aus dem Metallband um seinen Kopf hervorholte und es sich vor das rechte Auge hielt. Die magisch verstärkte, präzise Vergrößerung erlaubte es dem Gnom, die Wunde aus sicherer Entfernung zu untersuchen.
      „Du Verk helfen? Du Magier! Verk dir nicht trauen!“, entgegnete der Oger und schwang bedrohlich seine Keule über dem Kopf.
      Bjanik wich einen Schritt zurück und befestigte das Okular wieder sicher an seiner Stirn. Dann hatte er einen Einfall. Noch immer leicht den Kopf schüttelnd, um Bjanka von ihrem überstürzten Vorhaben abzuhalten, zog er mit seiner Linken einen Heiltrank aus einer Tasche seines Gewands und zeigte dem Oger die klaffende Wunde auf seiner Rechten. Er entkorkte das Fläschchen und leerte es unter Verks wachsamem Blick zur Hälfte. Sofort erfüllte ihn eine wohltuende Wärme, welche von seiner Körpermitte bis in die Finger strömte. Um die Wunde herum begann sich neue Haut zu bilden. Für Bjanik war dies kein ungewohnter Anblick, doch dem Oger traten vor Verblüffung die Augen aus den Höhlen. Obwohl der halb eingenommene Trank bei weitem nicht ausreichte, um die Wunde komplett zu schließen, war seine Wirkung doch unverkennbar.

      Bjanik hielt dem Oger das halb geleerte Fläschchen hin und wartete.
      Verk senkte langsam seine Keule, trat heran und nahm den Heiltrank zwischen Daumen und Zeigefinger. Nachdem er die Flüssigkeit kurz betrachtet hatte, öffnete er weit den Mund.
      „Nur trinken!“, fügte Bjanik, einer Eingebung folgend, hastig hinzu. Es war dem Oger seiner Rasse gemäß durchaus zuzutrauen, dass er sich das Glasfläschchen einfach in den Rachen warf und dann hätten ihm die Glasscherben sicherlich die Innereien zerschnitten.
      Der Oger zögerte kurz, dann schüttete er sich den Inhalt in den Rachen und ließ das Fläschchen achtlos auf den Weg fallen, wo es zerbrach. Ein Ausdruck des Erstaunens trat auf sein großes Gesicht und wie bei Bjaniks Wunde begann sich die Haut des Ogers um die Verätzung herum neu zu bilden. Während er staunend den Heilungsprozess mitverfolgte, bedeutete Bjanik seiner Freundin unauffällig, sich schnellstmöglich wieder zu verstecken. Hätte Verk Bjanka hinter sich entdeckt, wäre das mühsam erarbeitete Vertrauen sofort ruiniert worden.

      Nach kurzer Zeit hatte sich die klaffende Wunde bis auf die Größe einer Münze verringert.
      „Danke, Gnom!“, sagte Verk schließlich und tat sich mit dem Aussprechen beider Worte sichtlich so schwer, dass Bjanik der Gedanke kam, dass er in seinem Leben beide Worte bislang höchst selten gebraucht hatte.
      „Verk jetzt gehen. Bjanik Beute nehmen!“
      Verk schulterte seine Keule, schaute kurz zur Sonne und wandte sich Richtung Südosten.
      „Warte noch!“, ertönte Bjaniks magisch übersetzte Stimme.
      Der Oger blickte erneut zu Bjanik, der einen zweiten Zauberstab hervorholte. Obwohl er den Zauberstab argwöhnisch musterte, wandte sich Verk dem Gnomenmagier erneut zu und beließ dabei die Keule auf seiner Schulter.
      „Kein Schmerz. Nur…“
      …ja, was eigentlich?
      Nach dem richtigen Wort grübelnd, verharrte Bjanik mit dem Zauberstab in der Hand.
      „Kein Schmerz?“, fragte Verk und Bjanik nickte geistesabwesend.
      Verk nickte ebenfalls und sagte: „Mach Zauber, Gnom. Verk warten.“
      Es dauerte eine Weile, ehe der Gnom die zustimmenden Worte wahrnahm.
      Bjanik sprach das Befehlswort und als die magische Energie des Stabes auf den riesigen Oger traf, umspielte diesen ein blaues Licht.
      Blau.
      Neutral.
      Nicht rot.
      Das genügte dem gutherzigen Magier.
      „Willst du uns begleiten?“, fragte er.
      Verk sah ihn fragend an und tippte sich an den Mund.
      „BIST DU JETZT VOLLKOMMEN WAHNSINNIG?“, peitschte Bjankas Stimme aus dem Gebüsch zu seiner Linken.
      Wortgefechte - Ein Schwert und sein Held

      Ob du es glaubst oder nicht, ich habe bereits zu viele Antworten von diesem Bogen bekommen!

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